…immer mehr Übergewicht

Bunt ist so hübsch, Süßes so fein und schlussendlich nicht gar so toll. Ernährung gelingt besser, wenn die Außeneinflüsse wie Werbung und Elternintervention begrenzt sind. Wir Erwachsene sollten darauf verzichten, die Kinder mit Süßem zu locken ... Foto: ptw

Zumindest in den reichen Ländern der Welt wird soviel über Ernährung gesprochen wie noch nie. Und dennoch: Es gab weltweit noch nie so viele Extreme beim Körpergewicht von Kindern und Jugendlichen wie gerade heute.

Der Zeitgeist bei uns beschäftigt sich mit Diäten aller Art, manche haben fast einen religiösen Charakter. Vegetarisch zu essen ist lange verankert, vegan ist für viele hippe Menschen schon fast Pflicht. Ganz im Trend ist SuperFood, wobei dessen Zusammensetzung dadurch auffällt, dass die meisten Nahrungsmittel echte Exoten sind: Gojibeeren, Hanf, Chiasamen, Matcha … eben all das, was erst mühsam mit dem Flugzeug herbeigeschafft wurde. Ist da nicht auch eine Klimadebatte?

Auch wenn die Debatte über gesunde Ernährung uns medial gut unterhält, sind es weltweit drei Probleme, die unsere Kinder betreffen – der „triple burden of malnutrition„, wie es die UNICEF zusammenfasst:

  • Unterernährung
  • versteckter Hunger
  • Übergewicht

Oder anderes zusammengefasst. Kinder und Jugendliche bekommen weltweit gesehen oft entweder zu wenig Nahrung (die sie bräuchten) oder zuviel an Nahrung (die sie nicht brauchen).

Problem Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen in verschiedenen Ländern. Foto: Economist

In allen Ländern, auch in den ärmeren (!), ist Übergewicht ein zunehmend wichtiges Problem. Seit den 1970’ger Jahren hat sich die Zahl der Übergewichtigen in der Altersgruppe 10 bis 19 Jahren zumindest verzehnfacht. In den ärmeren Ländern sind die Kinder aus den wohlhabenderen Familien davon betroffen, in den reicheren Ländern tendenziell eher die Kinder aus ärmeren Familien.

Für die USA ist es so, dass nahezu 20% der Jugendlichen aus ärmeren Familien übergewichtig sind, während es in den bessergestellten Familien nur 10% sind.

Ernährungszustand der Kinder unter 5 Jahren weltweit: STUNTING (zurückgebliebene Entwicklung), WASTING (Auszehrung) OVERWEIGHT (Übergewicht) Foto: UNICEF, SOWC-2019.pdf

Aber es sind nicht nur die Jugendlichen betroffen. Auch bei den unter 5 Jahre alten Kindern nimmt Übergewicht erschreckend zu. Seit dem Jahr 2000 hat die Zahl der übergewichtigen Kinder unter 5 Jahre um 44% zugenommen. Die Trends zeigen an, dass sich über die nächsten 10 Jahre keine Besserung einstellen dürfte.

Vermutlich ist es sinnvoll, die Ernährung unsere Kinder und Jugendlichen von Seiten der Eltern  entspannter anzugehen. Dabei sollten – außer bei bestimmten Krankheitsbildern – die Bedürfnisse der Kinder im Mittelpunkt stehen. Verweigert ein Kind, den Teller leer zu essen – okay! Versuche, es zu überreden sind nicht hilfreich. Das wissen wir aus den eigenen Kindheitserinnerungen. Ebenso wenig erfolgreich ist es Kinder auf vermeintlich „gesunde“ Nahrung hinzuweisen. Wie immer: das gute Vorbild zählt. Wenn ein Baby beim Essen wenig gestört wird, wird es vermutlich auch später beim Essen gelassen sein. Und klar, den Hamburger werden alle irgendwann essen wollen. Sollen sie doch. Aber wir Eltern sollten uns nicht bei den Kindern einschmeicheln und sie zu den Fast-Food-Kett hinführen.

Wie gesagt. Das Vorbild zählt. Und ist bei der verwirrenden Vielfalt und der medialen Berieselung (inklusive Werbung!) in der Bedeutung langfristig nicht zu unterschätzen.

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