Lungenentzündung

Lungenentzündung. Die Lungenbläschen sind nicht mehr nur mit Luft sondern auch mit Eiter angefüllt. Darin Bakterien wie z.B. diese Klebsiellen (rot). Quelle: pixabay, skeeze

Wenn wir hören, dass jemand eine Lungenentzündung hat, erschrecken wir meist sehr. Das müssen wir nicht unbedingt. Denn die deutsche Sprache ist bei diesem Thema sehr begrenzt und hat leider nur dieses eine Wort für medizinisch höchst unterschiedliche Krankheitsbilder.

Lungenentzündungen betreffen etwa 300 von 100.000 Kindern und Jugendlichen pro Jahr in Mittel- und Nordeuropa. Das sind in aller Regel Infektionen, die außerhalb des Krankenhauses, also ambulant, erworben werden: ambulant erworbene Pneumonie von Kindern oder in englisch pCAP: pediatric community-acquired pneumonia.

Allen Lungenentzündungen (medizinisch: Pneumonie) ist gemein, dass die Lungenbläschen (medizinisch: Alveolen), in die die kleinen Bronchien letztlich münden, nicht mit Luft, sondern mit einer Flüssigkeit gefüllt sind. Damit können die Lungenbläschen ihrer Hauptaufgabe, nicht mehr nachkommen:

  1. Austausch von Sauerstoff: Sauerstoff, der über die Nase eingeatmet und dann über die großen Bronchien und die kleinsten Bronchiolen schließlich im Lungenbläschen ankommt. Dort  sollte er über eine hauchdünnen Membran in die kleinsten Blutäderchen abgegeben werden.
  2. Austausch von Kohlendioxid: CO2 sollte umgekehrt von den kleinen Blutäderchen in die Luft abgegeben werden, um dann bei der Ausatmung aus dem Körper entlassen zu werden.

Durch die Flüssigkeit in den Lungenbläschen wird also die Funktion der Lungen eingeschränkt. Das kann in sehr unterschiedlichem Ausmaß der Fall sein.

Als Ursache für Lungenentzündungen kommen Viren und Bakterien (und Pilze) in Frage. Im Kindesalter stehen im Anfang einer Lungenentzündung häufig „normale“ Virusinfektionen, die beispielsweise mit einer obstruktiven Bronchitis beginnen. Aus diesen heraus können sich Lungenentzündungen entwickeln, die sowohl durch Viren, Bakterien und einem Zusammenspiel beider (in etwa 30%) verursacht werden. Es ist also mitnichten so, dass jede Lungenentzündung bakteriell ist und somit ein Antibiotikum nötig wäre.

Als Symptome sind Husten, Fieber und Zunahme der Atemfrequenz recht typisch. Diese müssen nicht immer vorhanden sein. So gibt es schwere Lungenentzündungen auch ohne Husten oder Fieber. Umgekehrt gibt es Atemwegsinfektionen mit Husten und hohem Fieber, ohne dass eine Lungenentzündung vorliegt. Für die Diagnose wichtig ist immer der Zustand des Patienten, das Alter, die Zeichen der Atemnot (Dyspnoe) und die Sauerstoffversorgung. Ergänzend können auch Röntgenuntersuchungen bzw. Labortest weiterhelfen; sie sind aber nicht zwingend nötig. Die Diagnose der Lungenentzündungen wird klinisch gestellt, also durch Untersuchung.

Es gibt unterschiedliche Arten von Lungenentzündung. Sie unterscheiden sich sowohl bei den Symptomen, im Verlauf, im Röntgenbild als auch bei den Komplikationen.

  • Lobärpneumonie
  • Lobärpneumonie Foto: www.anatomybox.com

    Bei dieser Lungenentzündung ist ein ganzer Lungenlappen betroffen. Dadurch zeigt dieser Typ (siehe Röntgenbild rechts) immer einen schweren Verlauf an. Auch die Komplikationen sind hier häufiger.

  • Bronchopneumonie
  • Dieser Typ einer Lungenentzündung beginnt mit einer sehr kräftigen Bronchitis. Ausgehend von dieser Entzündung der  Bronchien, geht diese Infektion langsam an einzelnen verschiedenen Stellen langsam ins Lungengewebe über. Dieser Typ einer Lungenentzündung ist im Kindes- und Jugendalter der weitaus häufigste. Er ist in aller Regel deutlich harmloser als die Lobärpneumonie.
  • Bronchopneumonie. Foto: www.sposterng.netkey.at

  • atypische Pneumonie: Bei diesem Infektionstyp wird das Lungengrundgerüst von der Entzündung betroffen. Die Entzündung findet im Gewebe zwischen den Lungenbläschen statt. Damit wird die Strecke, die der Sauerstoff vom Innenraum der Lungenbläschen bis zur kleinen Arterie durchwandert grösser. Die atypische Pneumonie beginnt meist schleichend mit wenig Fieber (aber häufigen Begleitsymptomen wie Gelenkschmerzen), kann aber schwerwiegend werden.

Da Lungenentzündungen durch Bakterien und Vieren (bzw. Pilze) ausgelöst werden, ist eine Therapie mit Antibiotika nicht zwingend und in vielen Fällen nicht hilfreich. Bei betroffenen Kindern und Jugendlichen ist zunächst wichtig, dass die Sauerstoffversorgung ausreichend ist. Daneben muss eine ausreichend Flüssigkeitszufuhr gewährleistet sein, Inhalationen sind oft günstig. Ob eine Lungenentzündung zuhause (ambulant) oder in der Klinik behandelt werden sollte, kann der Kinder- und Jugendarzt durch die Untersuchung und die engmaschigen Verlaufskontrollen entscheiden.

Wie komplex die Diagnose und Therapie einer Lungenentzündung sind, zeigt die Leitlinie, die federführend von Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) und der Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie (GPP) erstellt wurde. Darin sind die wichtigen Aspekte der Diagnose und Therapie im Detail wiedergegeben.

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