Monat: Januar 2020

Unser Immunsystem

Das Wort Immunsystem geht den meisten Menschen locker über die Lippen. Schaut man das Immunsystem näher an wird klar, dass ein solch komplexes System nicht mit einfachen Mitteln gestärkt oder geschwächt werden kann.

Im Immunsystem arbeiten unzählige Strukturen miteinander. Ihre Aufgabe ist es, unerwünschte oder gar aggressive Eindringlinge davon abzuhalten sich im Körper breit zu machen. Diese Angreifer selbst sind aber auch gewieft und können wie trojanische Pferde getarnt in den Körper eindringen, um ihm dann zu schaden. In den Schlachten – um in der Militärsprache zu bleiben – die sich die Angreifer (wie Viren) mit dem Immunsystem liefern geht es heftig her. Und es kommt manchmal auch zu Schäden, Kollateralschäden. Die Abwehr von Angreifern gelingt manchmal nicht ohne dass der Körper selbst Schaden nimmt. Das zeigen uns schwere Krankheiten regelmäßig.

Das Immunsystem wird in zwei Bereiche eingeteilt. Da ist zum einen die unspezifische Immunabwehr. Sie ist angeboren und hat die Aufgabe, Infektionen abzuwehren, indem sie unspezifisch gegen alle Krankheitserreger ausgerichtet ist. Zum anderen gibt es die spezifische Immunabwehr, im angloamerikanischen auch adaptives oder erworbenes Immunsystem genannt. Dieser Teil des Immunsystems lernt aus Erfahrungen, die er mit Krankheitserregern oder auch Krebszellen gemacht hat. Beim Kontakt mit diesen Eindringlingen (Antigen) oder Krebszellen bildet das erworbene Immunsystem sogenannte Antikörper aus. Das sind Y-förmige Eiweißstrukturen, die bestimmte Antigene – unabhängig davon ob sie im Blut schwimmen oder auf Zellen aufsitzen – erkennen und danach eine Abwehrreaktion des Körpers auslösen. Auf diesem Mechanismus beruht das Prinzip einer Kinderkrankheit: Dabei handelt es sich um höchst ansteckende Erkrankungen. Wer einmal davon betroffen wird bildet Antikörper aus, die später ein erneutes Auftreten der Krankheit verhindern. Kurzum: einmal erkrankt entwickelt der Körper eine spezifische Immunantwort um diese spezielle Krankheit künftig zu verhindern.

Das Immunsystem ist auch in der Lage Krebszellen zu erkennen. Dabei erkennt es auf der Oberfläche dieser Zellen sog. Tumorantigene als fremd und greift die betreffende Zelle als fremdartig an. Das geht natürlich nur, wenn die Krebszelle sich eindeutig von anderen Körperzellen unterscheidet. Zum Glück ist das meistens so, so dass das Immunsystem täglich im Kampf gegen Krebs erfolgreich ist, indem es auffällige Zellen sofort niedermacht. Manchmal macht es auch des Guten zuviel, beispielsweise bei den Autoimmunerkrankungen. Dann greift das Immunsystem körpereigene Zellen an und schadet sich ohne Grund selbst.

Nur selten tritt eines der beiden Immunabwehrsysteme – angeboren oder erworben – alleine auf. Meist handelt es sich um ein fein abgestimmtes Miteinander. Dabei arbeiten verschiedene Zellen (Th1, Th2, NK-Zellen u.a.), Botenstoffe (Interleukine u.a.), Gewebe und Organe zusammen. Die wichtigsten Zellen sind hierbei die T-Lymphozyten, die unterschiedliche Aufgaben zu erfüllen haben und die von den sog. regulatorischen T-Zellen im Gleichgewicht gehalten werden. Das ganze Netzwerk wird logistisch von den Blutbahnen und Lymphgefässen unterstützt, aber auch von natürlichen Grenzen wie der Haut, der Schleimhaut oder der Blut-Hirn-Schranke. Und auch vom Mikrobiom. Darunter versteht man ein Zusammenspiel von Millionen von Erregern, die sich beispielsweise im Darm, auf der Haut und auf der Bronchialschleimhaut finden.

Gerade in den letzten Jahren wurden hier enorme Fortschritte im Verständnis erzielt. Dabei zeigte sich die außerordentliche Komplexität des Immunsystems, über deren Eigenheiten wöchentlich neue Informationen gewonnen werden. Diese ermöglichen inzwischen deutlich gezieltere Therapien nicht nur bei Infektionskrankheiten, sondern ganz besonders in der Behandlung gewissen Krebsformen. Dort gelingt es der Medizin inzwischen mit sehr pfiffigen Ansätzen, gewisse Tumorzellen zu enttarnen und sie dann gezielt abzutöten.

Coronavirus-Epidemie in Asien: Welches Risiko besteht für Kinder bei uns?

Kinder in Mitteleuropa machen von Geburt bis zur Einschulung bis zu 50 Infektionen durch. Alle Eltern erleben in dieser Zeit Momente, in denen sie sich große Sorgen machen. Die Infektionen beginnen fast immer als Virusinfektionen, bakterielle Infektionen sind in diesem Alter deutlich seltener. Die Tatsache, dass kein Antibiotikum nötig und sinnvoll ist bedeutet aber nicht, dass die viralen Infektionen damit harmlos wären. Virusinfektionen können extrem gefährlich sein, siehe das HI-Virus oder die Masern. Und selbst das sehr häufige Rhinovirus – ein Schnupfenvirus – kann in extrem seltenen Fällen auch im Kindesalter einmal tödliche Folgen haben. Viren kommen also sehr häufig vor und führen dabei meist zu leichteren Infektionen. Sie können aber auch ganz anders und viel schlimmer!

Was sind Coronaviren?

Der Name Coronaviren geht auf das Aussehen dieser Gruppe von Viren zurück, das einer Krone (lat./ span. corona) ähnelt.  Die Coronaviren sind im Tierreich sehr verbreitet. Für den Menschen spielten bisher lediglich sechs Viren eine Rolle. Vier der Viren (HCoV-NL63, HCoV-229E, HCoV-OC43 and HCoV-HKU1) kommen ständig vor. Das nennt man endemisch. Sie verursachen beim Menschen leichte Atemwegsinfektionen (Schnupfen, leichtes Fieber, Hüsteln). Zwei weitere ((SARS)-CoV und Middle East respiratory syndrome (MERS)-CoV) kommen epidemisch vor. Sie können also regional über die Menschen herfallen. Zu dieser Gruppe hat sich nun als drittes Mitglied das neue Coronavirus (neu: SARSCoV-2 genannt, bisher 2019-nCoV) hinzugesellt. Dieses Virus hat sich erst neu herausgebildet und zeigt die höchste Ähnlichkeit zu einem Coronavirus, das bei Fledermäuse vorkommt. Bei diesen dreien Coronaviren weiß man nicht genau, wie sie sich im Lauf der Ausbreitung verändern. Das schafft Unsicherheit.

Wie verläuft die Infektion mit dem SARS-CoV-2 (Covid-19)?

Hierüber gibt es inzwischen mehr Klarheit. Die Inkubationszeit ist mit etwa 10 Tagen eher lang. Das ist aber eine eher theoretische Zahl, denn es sind bisher Verläufe bekannt, wo schon 1 Tag nach Kontakt die Krankheit auftrat, in anderen Fälle betrug die Zeit 14 Tage. Nach den letzten Informationen sind junge Menschen eher weniger von schweren Infektionen betroffen, sondern eher Personen im „mittleren Alter“. Unter den Erkrankten sind in China 2/3 Männer.

Wie ansteckend ist das Coronavirus? Foto: statista

Die Ansteckung – so zeigt die Darstellung von statista am 23. Januar 2020 – ist geringer als bei der Grippe (Influenza) und deutlich geringer als bei Masern. Aber sie läuft ähnlich ab wie bei der Grippe. Nach einer neuen Untersuchung aus der Arbeitsgruppe um Jie Wu aus Guangzhou (China), die am 19. Februar veröffentlicht wurde, zeigte sich, dass auch das SARS-CoV-2 sich besonders in der Nasenschleimhaut vermehrt und auch von nicht symptomatischen (gesunden) Menschen übertragen werden kann.

Interessant ist, dass diese epidemische Coronavirusinfektion (seit 12. Februar 2020 Covid-19 genannt) dann mit Husten, Muskelschmerzen und Abgeschlagenheit beginnt. Im Gegensatz zu den anderen Infektionen mit Coronaviren (siehe oben) kommt es kaum zu Schupfen und Halsschmerzen. Das scheint ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal auch zur Influenza – der Grippe – zu sein, die sich zu Beginn mit deutlichem Schnupfen und geröteten Augen zeigt. Innerhalb der folgenden Woche kommt es zur Ausbildung von Atemnot, die dann einen stationäre Behandlung unumgänglich machen.

Welche Bedeutung hat das Coronavirus für Kinder?

Die endemischen Coronaviren haben für Kinder eine große Bedeutung. Für gesunde Kinder ohne chronische Erkrankung stellen sie in fast allen Fällen aber kein Risiko dar, da diese Kinder an einem der vier endemischen Coronaviren (siehe oben) erkranken. Untersuchungen zeigen, dass nahezu alle Kinder einmal Kontakt zu einem Virus der Coronagruppe haben. Das belegt auch eine Studie aus Norwegen vom letzten Jahr eindrücklich. Die Forschergruppe um I Heimdal konnte zeigen, dass bei jedem zehnten gesunden Kind Coronaviren im Rachen gefunden wurden. Bei Kindern mit Atemwegssymptomen (Husten, Fieber) fand sich eines der verschiedenen Coronaviren in 9.1%. Coronaviren an sich sind für gesunde Kinder keine echte Bedrohung.

Was bedeutet das neue Virus (SARS-CoV-2) für uns?

Das SARS-CoV-2 kommt ebenso wie die beiden anderen epidemischen Viren aus dem Tierreich und ist auf den Menschen übergesprungen. Dort hat es bislang bei vorwiegend älteren Personen zu teilweise schweren Atemwegserkrankungen mit Lungenentzündung geführt. Nachdem inzwischen klar wurde, dass es von Mensch zu Mensch übertragen werden kann und dass selbst gesunde Virusträger das Virus übertragen können (The Lancet), ist es ein weiteres Stückchen mehr unkalkulierbar geworden.

Das sind alles nicht gerade beruhigende Informationen. In Asien herrscht teilweise Panik. In China wurden ganze Städte unter Quarantäne gestellt, Straßen von Millionen-Metropolen sind wie leer gefegt und die Produktion in vielen Fabriken ruht noch immer. Auch in Europa ist SARS-CoV-2 angekommen. In Baden-Württemberg gab es bislang (Stand 20.02.2020) aber keinen nachgewiesenen Fall. Für Europa und insbesondere für Kinder und Jugendliche in Europa besteht im Moment jedoch keinerlei Grund zur Sorge. Unser Problem ist allenfalls die beginnende Grippewelle. Aber die ist in ihrem Ausmaß noch nicht so deutlich wie die des letzten Jahres.

Spezifische Empfehlungen können Ärzte den Reisenden momentan nicht gegeben. Sinnvoll erscheinen folgende Vorsichtsmaßnahmen besonders für Kinder und Jugendliche:

  • Reisen in die o.g. Länder sollten zunächst aufgeschoben werden. Falls dies nicht möglich ist gilt es große Menschensammlungen soweit möglich zu meiden.
  • Vorsicht bei Kontakten zu Personen, die an Atemwegserkrankungen (Husten, Schnupfen) erkrankt sind.
  • Das Tragen eines Atemschutzes (am besten FFP3-Masken, mindestens aber FFP2-Masken) erscheint sinnvoll. Die üblichen „OP-Masken“ schützen Ihre Umgebung aber nicht Sie selbst!
  • Ausreichende Hygiene, insbesondere Händewaschen nach Kontakt zu kranken Personen.
  • Bei hustenden Menschen Abstand halten. Bei > 2 Meter Abstand ist eine Ansteckung weitgehend ausgeschlossen
  • Keine Kontakte zu wilden oder gar toten Tieren.

Meldepflicht

Seit Samstag (01.02.2020) hat das Bundesgesundheitsministerium eine Eilverordnung zur Meldepflicht für das neue Coronavirus erlassen. Danach müssen Ärzte alle Verdachts- , Krankheits- und Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus namentlich dem örtlichen Gesundheitsamt melden. Verdachtsfälle müssen abgeklärt werden.

Ebenfalls seit Sonnabend gilt eine Vereinbarung, wonach die gesetzlichen Krankenkassen bei begründeten Verdachtsfällen die Kosten für den Test auf das neuartige Coronavirus (2019-nCoV) übernehmen. Anspruch auf einen Test haben ausschließlich Risikogruppen. Nach der Falldefinition des Robert Koch-Instituts (RKI) sind dies Personen, die sich in einem Risikogebiet aufgehalten haben (z.B. in Wuhan, China) oder Kontakt mit einer am Coronavirus (2019-nCoV) erkrankten Person hatten und innerhalb von 14 Tagen Symptome wie Fieber oder Atemwegsprobleme entwickeln.

Aktuelle Informationen (Stand 03.02.2020)

Die aktuellen Informationen über die Verbreitung der Coronavirus finden Sie auf der Webseite des Bundesgesundheitsministeriums. Oder noch einfacher – aber nur in englischer Sprache – hier bei Bloomberg mit Graphiken, die einen schnellen Überblock verschaffen.

Was geht rum? 25. Januar 2020

Die letzte Woche war typisches Januar-Wetter: ein meteorologisches Hoch über Mitteleuropa, vielerorts strahlende Sonne und … nein, die Temperaturen waren nicht niedrig. Eigentlich ist das die Zeit der kräftigen Minusgrade. Sollten die vielleicht versetzt erst im Februar kommen, wäre das eine Gelegenheit, Hausstaubmilben zu bekämpfen. Milben verabscheuen sehr kühle Temperaturen, sie mögen noch weniger trockene Luft und die Sonne lieben sie auch nicht. Wenn uns also bald mal ein wunderschönes Hoch mit tiefen Temperaturen vergönnt sein sollte: Matratze solange auf den Balkon stellen wie die Sonne scheint und es draußen trocken ist. Eine einfache und „biologische“ Technik um Milben das Leben schwer zu machen. Mutige Eltern können sie dann auch nach alter Sitte ausklopfen. Aber bitte nicht, wenn die allergischen Kinder dabei stehen.

Nachgewiesene Influenza-Erkrankungen (unterschiedliche Untersuchungsmethoden wie Kultur, PCR u.a.), Stand 23.01.2020    Foto: AG Influenza

Wie vor einer Woche angedeutet, scheint die Grippewelle (Influenza) im Ländle langsam Fahrt aufzunehmen.Die Zahl der zunehmenden Virusnachweise ist eindrücklich. Die Säule für die 4. Woche ist noch niedrig, weil die Woche erst in 3 Tagen endet (Stand 23.01.2020). Das RKI schätzt übrigens, dass zwischen 5% bis 20% der Bevölkerung – je nach Schwere der Grippewelle –  in jeder Saison an Influenza erkranken. Kinder und Jugendliche sollten bei Verdacht auf Influenza dem/der Kinderärztin vorgestellt werden. Für kritische Verläufe, beispielsweise bei chronischen Erkrankungen wie Herzfehlern, steht ein Medikament (Oseltamivir) zur Verfügung, das den Verlauf der Grippe etwas abmildern kann.

Für die Windpocken ist weiterhin Ravensburg der HotSpot. Für Keuchhusten ist es der Ortenaukreis. Andere Kinderkrankheiten spielen eine untergeordnete Rolle.

Aktuell gibt es regional erheblich Häufungen an Mittelohrentzündungen. Dabei liegen meist eitrige Infektionen vor, also nicht nur Entzündungen des Trommelfells. Es erscheint also sinnvoll, Kinder mit Ohrschmerzen vom Kinderarzt*in untersuchen zu lassen. Auch wenn eine eitrige Entzündung nicht unbedingt sofort eine antibiotische Therapie braucht.

In der vergangenen Woche berichteten wir vom beginnenden Pollenflug in der Bodenseeregion. Inzwischen ist die Belastung mit Haselpollen auf hohem Niveau angekommen. Der Sonnenschein mancher Orte hat die Temperaturen auf teilweise zweistellige Werte gehoben. Es verwundert nicht, dass auch bereits Erlenpollen am Bodensee messbar sind.

Was geht in der Welt rum? Das Coronavirus steht weltweit im Fokus. In der Stadt Wuhan in China erkrankten vor wenigen Wochen Menschen an einer unklaren Lungenentzündung. Bei 41 von ihnen konnte das neuartige Virus (bisherige Bezeichnung: 2019-nCoV) zunächst nachgewiesen werden. Inzwischen wurden auch in Thailand, Japan, Südkorea, Singapur, Vietnam und den USA einzelne Erkrankungen nachgewiesen.

Spezifische Empfehlungen können Reisenden momentan nicht gegeben werden. Sinnvoll erscheinen folgende Vorsichtsmaßnahmen besonders Kinder und Jugendliche:

  • Reisen in die o.g. Länder sollten zunächst verschoben werden. Falls dies nicht möglich ist gilt es große Menschensammlungen soweit möglich zu meiden.
  • Vorsicht bei Kontakten zu Personen, die an Atemwegserkrankungen (Husten, Schnupfen) erkrankt sind.
  • Das Tragen eines Atemschutzes erscheint sinnvoll.
  • Ausreichende Hygiene, insbesondere Händewaschen nach Kontakt zu kranken Personen.
  • Keine Kontakte zu wilden oder gar toten Tieren.

Nachdem sich die Informationen zum Coronavirus teilweise überschlagen, werden wir morgen einen extra Beitrag im praxisblättle veröffentlichen. Für Europa und insbesondere für Kinder und Jugendliche in Europa besteht im Moment keinerlei Grund zur Sorge.

FSME – Die Zecke kommt bald wieder

Klirrender Winter. Die beste Zeit, um sich auf die nächste Zeckensaison vorzubereiten. Denn mit der ersten Wärme werden auch die Zecken wieder auftauchen. Und FSME heißt ja Früh-Sommer-Meningo-Encephalitis. Und der beginnt mancherorts im Ländle bereits im März.

FSME-Erkrankungen pro Jahr in der Schweiz Foto: bag.admin.ch

Tatsache ist, dass die Zahl der zecken-verursachten Erkrankungen in Mitteleuropa zunehmen. Das hat vermutlich mit den höheren Temperaturen zu tun und also auch mit dem Klimawandel. Für die benachbarte Schweiz gibt es Zahlen. Die nebenstehende Graphik zeigt die gesicherten Erkrankungen an FSME pro Jahr, wobei die Zahlen des Jahres 2019 nur den Zeitraum bis Oktober wiedergeben. Der Trend ist mit einem Blick zu erkennen.

FSME-Meldungen 2019 nach Landkreisen, Stand 14.11.2019 Foto: Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg

In Deutschland lässt sich ein vergleichbarer Trend beobachten, in Baden-Württemberg ebenso. Hier fällt jedoch auf, dass die Unterschiede nach Landkreis deutlicher ausfallen als erwartet. Besonders stark betroffen sind die Bodensee-nahen Landkreise. Dennoch, alle Kreise im Ländle sind als FSME-Risikogebiete eingestuft. Die Tatsache, dass etwa aus Wertheim weniger Erkrankungen im Jahr 2019 gemeldet wurden besagt nicht, dass dies in diesem Jahr auch so sein müsste.

Aus ärztlicher Sicht gibt es also ausreichend Informationen, die eine Impfung gegen FSME  sinnvoll erscheinen lassen. Es ist jedoch bekannt, dass es innerhalb der Bevölkerung unterschiedliche Risikogruppen für die Erkrankung an FSME gibt: Männer erkranken häufiger als Frauen an einer FSME, Erwachsene sind ebenfalls häufiger betroffen als Kinder. Ob somit ein Kleinkind von 15 Monaten geimpft werden sollte, muss im Einzelnen abgewogen werden.

Zu dieser Frage liegen Empfehlungen des Landesgesundheitsamtes vor. Weitere Hinweise kommen vom Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin, von den Gesundheitsbehörden der Schweiz und Österreich (mit denen wir Süddeutsche das Risiko für FSME teilen) und von den Impfstoff-Herstellern. Und auch im praxisblättle finden Sie hierzu Beiträge. Letztlich sollten Eltern die Frage der Impfung mit ihrer/m Kinderärztin/arzt individuell besprechen.

Zur Zeit sind bei der Schuleingangsuntersuchung in Hoch-Risikogebieten (nach den neuesten Karten des RKI ist ganz Baden-Württemberg ein Risikogebiet) nur 39% aller Kinder geimpft. In den restlichen Risikogebieten sind es nur 28%.

Wann sollten sich Kinder und Jugendliche (und Erwachsene :)) gegen FSME impfen lassen? Am Besten bald. Denn der Frühsommer beginnt schneller als wir zu hoffen wagen. Siehe oben.

Vergiftung: Einblatt (Spathiphyllum)

Das Einblatt, auch Friedenslilie und Scheidenblatt genannt – lateinisch Spathiphyllum –  ist eine typische Zimmerpflanze in deutschen Wohnungen. Kaum einer kennt ihren Namen, aber jeder erkennt sie auf einem Bild. Sie gilt als luftreinigend, soll also Gifte wie Ammoniak oder Benzol aus der Raumluft entfernen.

Das Einblatt enthält Oxalate, die sich häufig als nadelförmige Kristalle anordnen und bei Druck aus Zellen „herausschießen“ können. Dabei führen sie zu Gewebsreizungen.

Symptome

Nach Aufnahme von Pflanzenteilen kann es zu vermehrtem Speichelfluss, Übelkeit, Erbrechen sowie nachfolgend Bauchschmerzen und Durchfall kommen. Lokaler Kontakt der Haut kann zu Blasenbildung führen. Bei Augenkontakt ist die Wirkung besonders unangenehm: Bindehautentzündung mit kräftiger Reizung

Therapie

Da die Reizung der Kontaktstelle im Vordergrund steht, ist eine umgehende Anwendung von Wasser günstig. Besonders am Auge: das sollte mit lauwarmem Wasser gespült werden, ebenso betroffene Hautstellen. Eine Mundspülung mit Wasser vermindert die lokale Reizung.

Sollten die Augen betroffen sein, ist sicherheitshalber eine Vorstellung beim Augenarzt sehr zu empfehlen.

👩‍👩‍👧‍👧 praxisblättle – Umfrage

Das praxisblättle hat sich weiter entwickelt und immer mehr Leser gefunden. Was wir leider nicht wissen: Wie schätzen Sie persönlich unser praxisblättle ein? Welche Inhalte helfen Ihnen, was gefällt Ihnen? Und wo könnten wir mehr für Sie machen?

Um diese Themen zu beantworten haben wir eine kleine und anonyme Umfrage mit 7 Fragen erstellt, die etwa 2 Minuten Ihrer Zeit beanspruchen wird. Schön, wenn Sie mitmachen!

(Umfrage wurde am 02. Februar 2020 beendet)

Was geht rum? 18. Januar 2020

In den letzten Tagen kamen Frühlingsgefühle auf. Sie wurden begleitet von einem Pollenflug, wie es ihn in der ersten Januarhälfte selten gibt.

Haselpollenflug in Buchs (Kanton St. Gallen) in der zweiten Jahreswoche 2020 Foto: www.pollenundallergie.ch

Kaum waren die Dreikönige gekommen, stieg die Zahl der Hasel-Pollen in Buchs – an der Grenze zu Liechtenstein – nach oben. Der für die Jahreszeit enorme Pollenflug geht wohl auf den Fön-Effekt zurück. Dieser Südwind schwächt sich auf dem weiteren Weg durch das Rheintal bis nach Lindau ab. Der Pollenflug hat in geringem Ausmaß auch die Bodenseeregion sowie die Landschaft am Oberrhein erreicht. Eltern von pollenallergischen Kindern sollten also schon mal die Hausapotheke durchforsten, ob wichtige Notfall-Arzneien noch vorhanden sind.

Arztkontakte wegen Atemwegsinfektionen in Baden-Württemberg, gestaffelt nach Altersgruppen Foto: AG Influenza

Nach den ruhigen Feiertagen nimmt die Zahl der Atemwegsinfekte wieder langsam zu. Sie liegt aber noch unter der des letzten Jahres. Die meisten Atemwegsinfekte sind glücklicherweise eher unspektakuläre Racheninfekte mit Reizhusten. Grippeerkrankungen nehmen leicht zu.

Parallel treten weiter Magen-Darm-Infektionen auf. Die Erkrankungen an Noro- und Rotaviren liegen jedoch spürbar unter denen des Vergleichsmonates im letzten Jahr. Außer in Stuttgart und im angrenzenden Rems-Murr-Kreis: dort sind Häufungen zu beobachten.

Vor zwei Tagen wurde im Bundestag entschieden, dass die bisherige Regelung der Organspende im Wesentlichen Bestand hat. Die Diskussionen und Beiträge im deutschen Parlament haben dieses wichtige Thema nochmals ins Bewusstsein gerufen. Jetzt wäre es schön wenn die 84% aller Deutschen, die eine positive Einstellung zur Organ- und Gewebespende haben, ihre Haltung aus praktisch umsetzen. Das geht beispielsweise hier bei der Bundeszentrale gesundheitliche Aufklärung (BZgA) ganz einfach. Nur so können wir in Deutschland die rote Laterne in Europa abgeben: Nur 11,3 Spender je eine Million Einwohner! Oder: In Deutschland wartet ein Spender 9 Jahre auf eine Niere. „Das ist dreimal so lange wie in europäischen Nachbarländern“, sagte Kai-Uwe Eckardt, Chef-Nephrologe an der Charité in Berlin.

Was geht in der Welt rum? Wieder einmal sind es die Masern, die in einigen Ländern Probleme bereiten. In Europa ist momentan besonders Litauen betroffen, wo im letzten Jahr 834 Masernerkrankungen festgestellt wurden. Reisende sollten vor einem Urlaub in Litauen den eigenen Impfschutz klären lassen. Ganz dramatisch ist die Lage im Kongo (Demokratische Republik). Dort wurden im letzten Jahr über 311.000 Erkrankungen an Masern festgestellt. Daran verstarben über 6000 Menschen, vorwiegend Kinder. Der Kongo ist trotz teilweise großartiger Landschaft kein typisches Touristenziel. Die Zahlen machen aber deutlich, wie gefährlich diese Kinderkrankheit ist.

Nasenbluten

In den Wintermonaten stellt Nasenbluten ein relativ häufiges Thema in der ärztlichen Praxis dar. Immerhin sind von diesem Problem 60% aller Menschen in Deutschland irgendwann einmal im Leben betroffen. Meist sind es ältere Personen (vorwiegend Männer). Kinder und Jugendliche machen 6% aller Patienten mit Nasenbluten aus.

Ursache für das Nasenbluten sind meist Manipulationen in der Nase, wenn Kinder beispielsweise mit dem Finger die Nase erkunden. Ein Risikofaktor kann auch die trockene Luft sein, die in den Wintermonaten in den Räumen vorherrscht. Meist ist bei Kindern die Region des sog. Locus Kiesselbachi im vorderen Nasenabschnitt betroffen.

Was ist als Erstes zu machen?

Bei Kindern ist zunächst einmal die Beruhigung wichtig, denn der Blutfluss erschreckt sie meist sehr stark. Am besten legen sie sich kurz hin, das senkt den allgemeinen Blutdruck, womit oft vielen geholfen ist.

  • Kompression (Druck) des betroffenen Nasenflügels, indem dieser der Nasenscheidewand für wenige Minuten – zart – angelegt wird.
  • Kälteanwendung. Dazu kann ein kühler Lappen oder auch ein cool-pack auf die Stirn oder in den Nacken gelegt werden.
  • Eiswürfel – sofern Kinder damit einverstanden sind – lutschen; alternativ auch Speiseeis. Das schmeckt gut und hellt die Stimmung wieder auf. Und: Der durch die Aufregung höhere Blutdruck sinkt wieder ab.
  • Vorsicht: Erwachsene neigen dazu, das „schmutzige“ Blut sofort abwischen zu wollen. Diese Manipulation um die Nase herum ist in den ersten 10 – 15 Minuten nicht günstig. In der Ruhe liegt die Kraft 🙂

Was tun wenn die Blutung sehr lange anhält?

Das kommt tatsächlich bei Kindern und Jugendlichen eher selten vor. Die Kinderärztin oder der Kinderarzt können recht sicher abschätzen, ob eine Blutungsstörung (z.B. von Willebrand-Syndrom) vorliegt. Das ist eher selten. Deswegen erfolgt häufig eine Überweisung zu einer/m HNO-Ärztin/arzt. Diese Nasen-Spezialisten untersuchen die Nase genau und schauen, ob vielleicht ein Fremdkörper die Ursache für die Blutung ist und andere Blutungsursachen abzuklären sind. Darüber hinaus kann sie/er spezielle therapeutische Maßnahmen zur Blutstillung anwenden.

Und wenn das Nasenbluten immer wieder auftritt?

Aufbau der Nase. Der Locus Kiesselbachi liegt in der Nasenspitze. Foto: www.nasenbluten-hilfe.de

Dann liegt meist eine Schwellung am Locus Kiesselbachi vor. Am Locus Kiesselbachi besteht ein sehr enges Netz an Blutgefässen, die teilweise sehr oberflächlich liegen und durch kleinste Reize oder oft auch ohne ersichtlichen Grund zum platzen kommen. Das kann vom HNO-Arzt durch Verätzung recht schnell behandelt werden.

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Kinder-Ministerium …. :)

Es bewegt sich was. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) hat – wie man sieht – einen Titel, der manchem Erwachsenen Probleme der Merkfähigkeit aufzeigt. Da hilft die Abkürzung kaum weiter.

Viel griffiger ist hier der Name Kinder-Ministerium. Auf dessen Homepage werden Kindern einige Informationen zum Thema Kinderrechte ansprechend näher gebracht. Dort gibt es auch einen Link, mit dem man direkt Kontakt mit dem Ministerium aufnehmen kann.

So haben es wenigstens Kinder leichter, einen Zugang zur Arbeit des Ministeriums zu bekommen.

Übrigens. Im Anglo-Amerikanischen Raum gibt es einige Seiten zum Children’s Ministery. Dort haben die Inhalte fast durchgehend religiösen Charakter.

Newsletter des praxisblättle Foto: ptw

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Was geht rum? 11. Januar 2020

Es ist Winter und kalt. Vom Frühsommer sind wir noch weit entfernt. Das ist die beste Zeit, sich über die Frühsommer-Meningo-Encephalitis – also kurz die FSME – Gedanken zu machen.

An das RKI übermittelte Erkrankungen mit FSME pro 100.000 Einwohner je nach Bundesland. Foto: RKI

Die Graphik des Robert-Koch-Instituts (RKI) zeigt deutlich zwei Dinge: Baden-Württemberg hat die meisten gemeldeten Erkrankungen an FSME. Und, die Zahl der Erkrankungen nimmt spürbar zu. Im Jahre 2018 waren es insgesamt 583 Krankheitsfälle mit Hirn(-haut)entzündung. Es ist davon auszugehen, dass das in 2019 kaum anders war und in diesem Jahr ebenfalls nicht anders kommen wird.

Altersverteilung der FSME-Erkrankungen. Foto: RKI

Wer ist betroffen? Es sind weniger die Kinder, als die erwachsenen Männer. Aber auch bei den Kindern nimmt die Zahl der Erkrankungen zu. Genug Gründe, dass sich jede Familie mit der Frage beschäftigt, ob sie eine Impfung wünscht oder nicht. Ein guter Ansprechpartner ist die Kinderärztin oder der Kinderarzt. Ein guter Zeitpunkt zur Impfung ist jetzt. Bevor die Zecken aktiv werden. Das ist in aller Regel erst im März oder April.

Im Moment besteht also keine Gefahr für die FSME. Aber für die Grippe – die Influenza – schon. Deren Erkrankungsfälle liegen für die erste Woche des Jahres weit über denen des Vorjahres. Das ist noch kein Hinweis für eine beginnende Grippewelle. Die Regionen um Stuttgart und Reutlingen sowie Ludwigsburg weisen jedoch erhöhte Zahlen an Erkrankungen auf. Neben den Grippeerkrankungen gibt es wie die letzten Wochen viele Atemwegsinfekte unterschiedlicher Art ohne besondere Schwerpunkte.

Die Windpocken in Oberschwaben sind weiterhin aktiv. Bei den anderen Kinderkrankheiten zeigt sich kein Trend.

Was geht in der Welt rum? Selten ist Irland ein Hotspot für Krankheiten. Nun wurde aber mitgeteilt, dass im letzten Jahr 2593 Erkrankungen an Mumps aufgetreten sind. Betroffen ist besonders die Hauptstadt Dublin. Vor einer Reise auf die Insel sollte der Impfschutz überprüft werden. Zwei Impfungen sind für Kinder und Jugendliche ausreichend.

praxisblätte-Newsletter Foto: ptw

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