Coronavirus-Epidemie in Asien: Welches Risiko besteht für Kinder bei uns?

Coronavirus - von seiner hübschen Seite. Foto: NIAID-RML

Kinder in Mitteleuropa machen von Geburt bis zur Einschulung bis zu 50 Infektionen durch. Alle Eltern erleben in dieser Zeit Momente, in denen sie sich große Sorgen machen. Die Infektionen beginnen fast immer als Virusinfektionen, bakterielle Infektionen sind in diesem Alter deutlich seltener. Die Tatsache, dass kein Antibiotikum nötig und sinnvoll ist bedeutet aber nicht, dass die viralen Infektionen damit harmlos wären. Virusinfektionen können extrem gefährlich sein, siehe das HI-Virus oder die Masern. Und selbst das sehr häufige Rhinovirus – ein Schnupfenvirus – kann in extrem seltenen Fällen auch im Kindesalter einmal tödliche Folgen haben. Viren kommen also sehr häufig vor und führen dabei meist zu leichteren Infektionen. Sie können aber auch ganz anders und viel schlimmer!

Was sind Coronaviren?

Der Name Coronaviren geht auf das Aussehen dieser Gruppe von Viren zurück, das einer Krone (lat./ span. corona) ähnelt.  Die Coronaviren sind im Tierreich sehr verbreitet. Für den Menschen spielten bisher lediglich sechs Viren eine Rolle. Vier der Viren (HCoV-NL63, HCoV-229E, HCoV-OC43 and HCoV-HKU1) kommen ständig vor. Das nennt man endemisch. Sie verursachen beim Menschen leichte Atemwegsinfektionen (Schnupfen, leichtes Fieber, Hüsteln). Zwei weitere ((SARS)-CoV und Middle East respiratory syndrome (MERS)-CoV) kommen epidemisch vor. Sie können also regional über die Menschen herfallen. Zu dieser Gruppe hat sich nun als drittes Mitglied das neue Coronavirus (neu: SARSCoV-2 genannt, bisher 2019-nCoV) hinzugesellt. Dieses Virus hat sich erst neu herausgebildet und zeigt die höchste Ähnlichkeit zu einem Coronavirus, das bei Fledermäuse vorkommt. Bei diesen dreien Coronaviren weiß man nicht genau, wie sie sich im Lauf der Ausbreitung verändern. Das schafft Unsicherheit.

Wie verläuft die Infektion mit dem SARS-CoV-2 (Covid-19)?

Hierüber gibt es inzwischen mehr Klarheit. Die Inkubationszeit ist mit etwa 10 Tagen eher lang. Das ist aber eine eher theoretische Zahl, denn es sind bisher Verläufe bekannt, wo schon 1 Tag nach Kontakt die Krankheit auftrat, in anderen Fälle betrug die Zeit 14 Tage. Nach den letzten Informationen sind junge Menschen eher weniger von schweren Infektionen betroffen, sondern eher Personen im „mittleren Alter“. Unter den Erkrankten sind in China 2/3 Männer.

Wie ansteckend ist das Coronavirus? Foto: statista

Die Ansteckung – so zeigt die Darstellung von statista am 23. Januar 2020 – ist geringer als bei der Grippe (Influenza) und deutlich geringer als bei Masern. Aber sie läuft ähnlich ab wie bei der Grippe. Nach einer neuen Untersuchung aus der Arbeitsgruppe um Jie Wu aus Guangzhou (China), die am 19. Februar veröffentlicht wurde, zeigte sich, dass auch das SARS-CoV-2 sich besonders in der Nasenschleimhaut vermehrt und auch von nicht symptomatischen (gesunden) Menschen übertragen werden kann.

Interessant ist, dass diese epidemische Coronavirusinfektion (seit 12. Februar 2020 Covid-19 genannt) dann mit Husten, Muskelschmerzen und Abgeschlagenheit beginnt. Im Gegensatz zu den anderen Infektionen mit Coronaviren (siehe oben) kommt es kaum zu Schupfen und Halsschmerzen. Das scheint ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal auch zur Influenza – der Grippe – zu sein, die sich zu Beginn mit deutlichem Schnupfen und geröteten Augen zeigt. Innerhalb der folgenden Woche kommt es zur Ausbildung von Atemnot, die dann einen stationäre Behandlung unumgänglich machen.

Welche Bedeutung hat das Coronavirus für Kinder?

Die endemischen Coronaviren haben für Kinder eine große Bedeutung. Für gesunde Kinder ohne chronische Erkrankung stellen sie in fast allen Fällen aber kein Risiko dar, da diese Kinder an einem der vier endemischen Coronaviren (siehe oben) erkranken. Untersuchungen zeigen, dass nahezu alle Kinder einmal Kontakt zu einem Virus der Coronagruppe haben. Das belegt auch eine Studie aus Norwegen vom letzten Jahr eindrücklich. Die Forschergruppe um I Heimdal konnte zeigen, dass bei jedem zehnten gesunden Kind Coronaviren im Rachen gefunden wurden. Bei Kindern mit Atemwegssymptomen (Husten, Fieber) fand sich eines der verschiedenen Coronaviren in 9.1%. Coronaviren an sich sind für gesunde Kinder keine echte Bedrohung.

Was bedeutet das neue Virus (SARS-CoV-2) für uns?

Das SARS-CoV-2 kommt ebenso wie die beiden anderen epidemischen Viren aus dem Tierreich und ist auf den Menschen übergesprungen. Dort hat es bislang bei vorwiegend älteren Personen zu teilweise schweren Atemwegserkrankungen mit Lungenentzündung geführt. Nachdem inzwischen klar wurde, dass es von Mensch zu Mensch übertragen werden kann und dass selbst gesunde Virusträger das Virus übertragen können (The Lancet), ist es ein weiteres Stückchen mehr unkalkulierbar geworden.

Das sind alles nicht gerade beruhigende Informationen. In Asien herrscht teilweise Panik. In China wurden ganze Städte unter Quarantäne gestellt, Straßen von Millionen-Metropolen sind wie leer gefegt und die Produktion in vielen Fabriken ruht noch immer. Auch in Europa ist SARS-CoV-2 angekommen. In Baden-Württemberg gab es bislang (Stand 20.02.2020) aber keinen nachgewiesenen Fall. Für Europa und insbesondere für Kinder und Jugendliche in Europa besteht im Moment jedoch keinerlei Grund zur Sorge. Unser Problem ist allenfalls die beginnende Grippewelle. Aber die ist in ihrem Ausmaß noch nicht so deutlich wie die des letzten Jahres.

Spezifische Empfehlungen können Ärzte den Reisenden momentan nicht gegeben. Sinnvoll erscheinen folgende Vorsichtsmaßnahmen besonders für Kinder und Jugendliche:

  • Reisen in die o.g. Länder sollten zunächst aufgeschoben werden. Falls dies nicht möglich ist gilt es große Menschensammlungen soweit möglich zu meiden.
  • Vorsicht bei Kontakten zu Personen, die an Atemwegserkrankungen (Husten, Schnupfen) erkrankt sind.
  • Das Tragen eines Atemschutzes (am besten FFP3-Masken, mindestens aber FFP2-Masken) erscheint sinnvoll. Die üblichen „OP-Masken“ schützen Ihre Umgebung aber nicht Sie selbst!
  • Ausreichende Hygiene, insbesondere Händewaschen nach Kontakt zu kranken Personen.
  • Bei hustenden Menschen Abstand halten. Bei > 2 Meter Abstand ist eine Ansteckung weitgehend ausgeschlossen
  • Keine Kontakte zu wilden oder gar toten Tieren.

Meldepflicht

Seit Samstag (01.02.2020) hat das Bundesgesundheitsministerium eine Eilverordnung zur Meldepflicht für das neue Coronavirus erlassen. Danach müssen Ärzte alle Verdachts- , Krankheits- und Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus namentlich dem örtlichen Gesundheitsamt melden. Verdachtsfälle müssen abgeklärt werden.

Ebenfalls seit Sonnabend gilt eine Vereinbarung, wonach die gesetzlichen Krankenkassen bei begründeten Verdachtsfällen die Kosten für den Test auf das neuartige Coronavirus (2019-nCoV) übernehmen. Anspruch auf einen Test haben ausschließlich Risikogruppen. Nach der Falldefinition des Robert Koch-Instituts (RKI) sind dies Personen, die sich in einem Risikogebiet aufgehalten haben (z.B. in Wuhan, China) oder Kontakt mit einer am Coronavirus (2019-nCoV) erkrankten Person hatten und innerhalb von 14 Tagen Symptome wie Fieber oder Atemwegsprobleme entwickeln.

Aktuelle Informationen (Stand 03.02.2020)

Die aktuellen Informationen über die Verbreitung der Coronavirus finden Sie auf der Webseite des Bundesgesundheitsministeriums. Oder noch einfacher – aber nur in englischer Sprache – hier bei Bloomberg mit Graphiken, die einen schnellen Überblock verschaffen.

3 Kommentare

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