Unser Immunsystem

Der Mensch in der Auseinandersetzung mit seiner Umwelt Foto: Titelbild JACI, Oktober 2017

Das Wort Immunsystem geht den meisten Menschen locker über die Lippen. Schaut man das Immunsystem näher an wird klar, dass ein solch komplexes System nicht mit einfachen Mitteln gestärkt oder geschwächt werden kann.

Im Immunsystem arbeiten unzählige Strukturen miteinander. Ihre Aufgabe ist es, unerwünschte oder gar aggressive Eindringlinge davon abzuhalten sich im Körper breit zu machen. Diese Angreifer selbst sind aber auch gewieft und können wie trojanische Pferde getarnt in den Körper eindringen, um ihm dann zu schaden. In den Schlachten – um in der Militärsprache zu bleiben – die sich die Angreifer (wie Viren) mit dem Immunsystem liefern geht es heftig her. Und es kommt manchmal auch zu Schäden, Kollateralschäden. Die Abwehr von Angreifern gelingt manchmal nicht ohne dass der Körper selbst Schaden nimmt. Das zeigen uns schwere Krankheiten regelmäßig.

Das Immunsystem wird in zwei Bereiche eingeteilt. Da ist zum einen die unspezifische Immunabwehr. Sie ist angeboren und hat die Aufgabe, Infektionen abzuwehren, indem sie unspezifisch gegen alle Krankheitserreger ausgerichtet ist. Zum anderen gibt es die spezifische Immunabwehr, im angloamerikanischen auch adaptives oder erworbenes Immunsystem genannt. Dieser Teil des Immunsystems lernt aus Erfahrungen, die er mit Krankheitserregern oder auch Krebszellen gemacht hat. Beim Kontakt mit diesen Eindringlingen (Antigen) oder Krebszellen bildet das erworbene Immunsystem sogenannte Antikörper aus. Das sind Y-förmige Eiweißstrukturen, die bestimmte Antigene – unabhängig davon ob sie im Blut schwimmen oder auf Zellen aufsitzen – erkennen und danach eine Abwehrreaktion des Körpers auslösen. Auf diesem Mechanismus beruht das Prinzip einer Kinderkrankheit: Dabei handelt es sich um höchst ansteckende Erkrankungen. Wer einmal davon betroffen wird bildet Antikörper aus, die später ein erneutes Auftreten der Krankheit verhindern. Kurzum: einmal erkrankt entwickelt der Körper eine spezifische Immunantwort um diese spezielle Krankheit künftig zu verhindern.

Das Immunsystem ist auch in der Lage Krebszellen zu erkennen. Dabei erkennt es auf der Oberfläche dieser Zellen sog. Tumorantigene als fremd und greift die betreffende Zelle als fremdartig an. Das geht natürlich nur, wenn die Krebszelle sich eindeutig von anderen Körperzellen unterscheidet. Zum Glück ist das meistens so, so dass das Immunsystem täglich im Kampf gegen Krebs erfolgreich ist, indem es auffällige Zellen sofort niedermacht. Manchmal macht es auch des Guten zuviel, beispielsweise bei den Autoimmunerkrankungen. Dann greift das Immunsystem körpereigene Zellen an und schadet sich ohne Grund selbst.

Nur selten tritt eines der beiden Immunabwehrsysteme – angeboren oder erworben – alleine auf. Meist handelt es sich um ein fein abgestimmtes Miteinander. Dabei arbeiten verschiedene Zellen (Th1, Th2, NK-Zellen u.a.), Botenstoffe (Interleukine u.a.), Gewebe und Organe zusammen. Die wichtigsten Zellen sind hierbei die T-Lymphozyten, die unterschiedliche Aufgaben zu erfüllen haben und die von den sog. regulatorischen T-Zellen im Gleichgewicht gehalten werden. Das ganze Netzwerk wird logistisch von den Blutbahnen und Lymphgefässen unterstützt, aber auch von natürlichen Grenzen wie der Haut, der Schleimhaut oder der Blut-Hirn-Schranke. Und auch vom Mikrobiom. Darunter versteht man ein Zusammenspiel von Millionen von Erregern, die sich beispielsweise im Darm, auf der Haut und auf der Bronchialschleimhaut finden.

Gerade in den letzten Jahren wurden hier enorme Fortschritte im Verständnis erzielt. Dabei zeigte sich die außerordentliche Komplexität des Immunsystems, über deren Eigenheiten wöchentlich neue Informationen gewonnen werden. Diese ermöglichen inzwischen deutlich gezieltere Therapien nicht nur bei Infektionskrankheiten, sondern ganz besonders in der Behandlung gewissen Krebsformen. Dort gelingt es der Medizin inzwischen mit sehr pfiffigen Ansätzen, gewisse Tumorzellen zu enttarnen und sie dann gezielt abzutöten.

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