Neue Therapie bei Erdnussallergie

Erdnüsse Quelle pixabay, Alexas_Photos

Vor Jahrzehnten schien die Behandlung der Nahrungsmittelallergien noch sehr schlicht: „Alles weglassen“. Im Falle der Erdnuss hieß das, dass allergische Kinder erst ab 12 Jahren Erdnüsse und Erdnussprodukte (peanut butter) essen sollten. Doch das Konzept hat sich inzwischen komplett gedreht. Heute gibt es schon Überlegungen, Kinder kurz nach der Geburt mit diesem kräftigen Allergen bekannt zu machen. Kinder mit massivem Risiko (sog. Hochrisikokinder) bekommen heute – noch unter experimentellen Bedingungen – Erdnuss in kleinsten Mengen angeboten, die schrittweise gesteigert werden. Dies erfolgt so langsam, dass der Körper die Erdnuss zwar bemerkt, aber nicht als fremd einschätzt. So hofft man für die betroffenen Kinder eine Toleranz zu erzielen. Die Toleranz soll verhindern, dass bei versehentlichem Kontakt mit dem Allergen ein schwerer allergischer Schock (Anaphylaxie) ausgelöst wird. Diese orale Immuntherapie (OIT) ist aber heute noch keine Option für Eltern mit allergischen Säuglingen. Es zeigt nur, dass eine Behandlung im Prinzip möglich ist. Leider ist es nicht ganz ungefährlich, so dass noch viel Forschung nötig sein wird bis eine unproblematische OIT für Nahrungsmittel gefunden ist.

Grundsätzlich gibt es die orale Immuntherapie schon recht lange. Bisher wird diese in Bezug auf Nahrungsmittel aber nur bei größeren Kindern und Jugendlichen (und Erwachsenen) eingesetzt. In englischer Sprache können Sie hier in einem Betrag der AAAAI (American Academy of Allergy, Asthma & Immunology) nachlesen, wie die OIT momentan zu bewerten ist.

Was inzwischen tatsächlich möglich ist ist eine Therapie für Kinder von 4 bis 17 Jahren. Die amerikanische Zulassungsbehörde Food and Drug Administration (FDA) hat am 31. Januar 2020 Palforzia zugelassen. An der PALISADE-Studie, die zu dieser Zulassung führte haben in Nordamerika und Europa (u.a. auch die Charité in Berlin und die Universität Frankfurt) 551 Patienten teilgenommen. Damit gibt es erstmals eine standardisierte Immuntherapie gegen ein Nahrungsmittel. Bisher wurde die OIT immer von einem erfahrenen Allergologen auf dem Hintergrund seines Wissens und seiner Erfahrung durchgeführt. Jetzt ist diese Therapie also quasi ein Medikament geworden. Damit ist Palforzia mit einer Immuntherapie vergleichbar, die es bei Bienengift- oder Gräserpollen bereits gibt. Halt in diesem Fall gegen Erdnuss. Weitere Einzelheiten hierzu finden Sie in der Stellungnahme der FDA (in englischer Sprache).

Damit ist medizinisch ein großer Schritt gelungen. Vermutlich, wird sich das auch bald in der Presse so darstellen. Bei allem muss klar sein, dass dieses neue Produkt Palforzia aber eine Allergie gegen Erdnuss nicht heilen kann.

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