Was geht rum? 08. Februar 2020

Den richtigen Druckknopf zu finden kann manchmal schwierig sein. Ein Wirr-Warr gibt es auch in der Medizin. Hier kann man im Moment leicht den Überblick verlieren, was denn nun für wen gerade gefährlich ist. Auch wenn die Coronaviren die mediale Landschaft beherrschen, sind sie für uns in Baden-Württemberg (noch?) nicht das wichtigste Problem. Quelle: ptw

Letzte Woche haben wir unsere Umfrage abgeschlossen. Hunderte Leser des praxisblättle haben teilgenommen. Mit einer solchen Resonanz hatten wir tatsächlich nicht gerechnet. Ihnen allen möchte ich im Namen des Teams für Ihr Engagement danken. Wir werden in nächster Zeit die Ergebnisse und auch Ihre persönlichen Ideen genau studieren und soweit möglich, umsetzen.

Zunächst stellt sich für viele die Frage: Soll ich Angst vor dem Coronavirus haben oder, ganz altmodisch, vor dem Influenza-Virus? Ganz ehrlich, niemand kann diese Frage heute abschließend beantworten. Eines ist sicher: Die Influenza geht ihren Weg in Deutschland und in Baden-Württemberg. Wie heftig die Grippe uns und die Kinder und Jugendlichen erwischt, weiß allerdings niemand. Das beurteilen gewisse Propheten – alle Jahr wieder – anders. Diese wollen im Sommer aber nichts mehr davon hören, was sie im Winter gepredigt hatten. Beim Coronavirus läuft es wohl auf die Frage hinaus, ob auch in einem zweiten Land außerhalb Chinas eine Epidemie ins Rollen kommt. Dann dürfte es nach Ansicht ernsthafter Wissenschaftler wie Julien Riou und Christian L. Althaus von der Universität in Bern deutlich schwieriger werden, das Virus einzudämmen. Ihre komplexen Überlegungen finden sie hier zum Nachlesen.

Die Grippewelle in Baden-Württemberg hat eingesetzt. Am Mittwoch (06.02.) waren 6430 Erkrankungen gesichert (alle Altersgruppen). Von diesen sind bislang in diesem Jahr 12 Menschen verstorben.

Viel häufiger als Influenza sind bei uns wie immer die „banalen Infekte“. Banal, weil sie von Gesunden beurteilt nicht gefährlich sind. So weit so gut. Für betroffene Kinder und Jugendliche sieht die Sache ganz anders aus. Nehmen wir als aktuelles Beispiel den Schnupfen. Tagsüber nicht schlimm, aber doch etwas mühsam mit Schniefen, Niesen und Mattigkeit. Und nachts ist ein erholsamer Schlaf kaum möglich: Schlafen mit offenem Mund, trockene Schleimhäute, Reizhusten und immer das Gefühl keine Luft zu bekommen. In der Summe nicht banal. Zum Glück steht man nicht alleine da, es geht momentan vielen so.

Regional werden vermehrt Erkrankungen mit Streptokokken beobachtet. Darunter sind auch viele Kinder, die an Scharlach erkrankt sind. Damit ist der wirkliche Scharlach gemeint, also die Krankheit, die mit einem Ausschlag einhergeht. Aber darüber hatten wir im praxisblättle ja schon mal berichtet. Wer nochmal nachschauen möchte, findet hier den Betrag zum Scharlach.

Haselpollenflug der letzten Woche. Quelle pollenundflug.ch

Als ob nicht schon genug rum-ginge, haben auch die Pollen ihren Höhenflug. In den letzten Tagen reichten einstellige Temperaturen, um sie freizusetzen. Nun hilft der Südwestwind dieses Wochenendes um Hasel- und Erlenpollen weiter zu verbreiten. Ein Glück, dass Allergien gegen diese Pollen bei Kindern nicht so oft vorkommen.

Was geht in der Welt rum? Aktuell spielt das Gelbfieber wieder eine grössere Rolle. Das sollte übrigens nicht mit der Gelbsucht verwechselt werden. Letztere ist nur ein Symptom und bedeutet, dass die Haut gelb ist. Medizinisch nennt man das: Ikterus. Im Zusammenhang von Reisen wird er zumeist durch das Hepatitis A-Virus ausgelöst. Das Gelbfieber hingegen ist eine extrem schwere und oft tödliche Erkrankung, ausgelöst durch das Gelbfiebervirus. Momentan sind viele Länder betroffen. In Afrika sind das Mali (in 2019 wurden 41 Erkrankungen erfasst, 5 endeten tödlich), Uganda (im Januar 5 Erkrankungen, 3 Todesfälle) und Nigeria (in 2019 genau 4190 Erkrankungen und 207 Todesfälle). Daneben ist Brasilien betroffen (landesweit seit Juli 2019 327 Erkrankungen, 1 Todesfall). Es gibt eine hervorragend wirksame Impfung. Diese muss nur einmal verabreicht werden und wirkt danach lebenslang. Wichtig bei Reisen sind immer auch aktuelle Informationen, da das Virus sich regional verändern kann. Gerade in Brasilien wurde dies oft beobachtet. Was also heute aktuell ist, muss morgen schon nicht mehr stimmen.

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