Rotaviren

Wie Räder in einer Maschine: Rotaviren. Quelle: CDC/Dr. Erskine Palmer

Unter den Ursachen für Magen-Darm-Erkrankungen stehen für Kinder und Jugendliche die Rotaviren ganz im Vordergrund. Um den Kontakt mit diesem Virus kommt niemand herum. Die Frage ist nur: Wann findet der Kontakt mit Rotaviren statt? Und ist mein Körper darauf vorbereitet?

Von den Rotaviren (rota (lat.) das Rad) gibt es unterschiedliche Arten von Virustypen („Serotypen„) bedingt durch Unterschiede an Eiweißen der Oberfläche. Alle zeigen eine große Überlebensfähigkeit in der Umwelt.

Die Rotaviren führen zu Durchfallserkrankungen. Davon betroffen sind besonders Säuglinge nach dem 6. Lebensmonate, wenn die Leihimmunität zu Ende geht. Wenn also die Abwehrstoffe, die im Mutterleib auf das Kind übergingen, aufgebraucht sind. Nach dieser Zeit finden immer wieder Kontakte zu den sehr häufigen unterschiedlichen Rotaviren statt. In der Folge, baut der kindliche Körper seine eigene Abwehr auf, so dass die meisten Rotavirus-Durchfallserkrankungen nach dem 2. Geburtstag geschafft sind. Vereinzelt kommt es auch danach noch zu Erkrankungen, besonders wenn im Alter von mehr als 60 Jahren die Immunabwehr langsam nachlässt.

Die meisten Rotavirusinfektionen gibt es von Februar bis April. Sie kommen aber ganzjährig vor. Die Übertragung erfolgt von Mensch zu Mensch. Dies geht meist über Schmierinfektionen, wobei schon sehr kleine Mengen an Virus ausreichen, um eine Krankheit beim Kind auszulösen. Laut RKI (Robert-Koch-Institut) reichen dazu schon 10 Viren aus, während bei einer akuten Infektion zwischen 1 Milliarde und 100 Milliarden mit dem Stuhl ausgeschieden werden.

Tödlichkeit der Rotaviruserkrankungen weltweit. Foto: JAMA

Dass Rotaviren gerade für Kinder unter 5 Jahren gefährlich sind, zeigt eine Übersichtsarbeit von Christopher Troeger und Mitarbeiter aus Seattle (USA). In ihrer Arbeit fassen sie zusammen, dass im Jahre 2016 etwa 128.500 Kinder weltweit an den Rotaviren verstorben sind. Etwa 28.000 Kinder seien durch die Impfung gerettet worden. Die Erkrankungsrate lag weltweit bei 50%, also jedes zweite Kind erkrankte in diesem Jahr an Rotaviren. Die Tödlichkeit lag in Europa bei 0.2 Todesfällen auf 100.000 Menschen, während sie in Westafrika bei 110.3 lag – mehr als 500 mal höher!

Nach einer Inkubationszeit von 1-3 Tagen beginnt die Erkrankung mit Durchfall und Erbrechen. Der Durchfall ist wässrig und enthält öfter auch Schleimbeimengungen. Fieber kann hinzukommen, die Temperaturen liegen aber bei den meisten Erkrankungen unter 30° Celsius. Bauchkrämpfe begleiten schwere Erkrankungen. Bei einzelnen Kindern tritt auch etwas Schnupfen auf. Die Dauer des Durchfalls liegt bei 2 bis 7 Tagen.

Eine spezifische Therapie gibt es nicht. Wichtig ist die sog. Rehydratation: dem Körper müssen Wasser + Zucker + Salze zugeführt werden. Das ist manchmal nicht ganz einfach, weil sich – gerade die kleinen Kinder – dagegen sträuben. Wie Sie als Eltern dennoch eine Chance haben, beschreiben wir hier im praxisblättle.

Zur Therapie gehören auch Hygienemaßnahmen. Wie oben beschrieben, vermehren sich bei einer Infektion mit Rotaviren die Erreger im Darm enorm, so dass der Stuhlgang hochansteckend ist. Folgende Maßnahmen sind wichtig:

  • Absonderung des kranken Kindes: Das bedeute, dass das betroffene Kind von seinen Geschwistern getrennt in einem eigenen Zimmer betreut wird.
  • Tragen von Handschuhen und Schutzkittel zur Vermeidung einer Infektion
  • Regelmäßige Händedesinfektion besonders nach dem Wickeln / Saubermachen
  • Regelmäßige Desinfektion aller Arbeitsflächen in der Nähe des Kindes sowie auch der Waschbecken, der Türgriffe und der Toiletten. Laut RKI sind zur Desinfektion Präparate mit nachgewiesener Wirksamkeit mit dem Wirkbereich „begrenzt viruzid PLUS“ oder „viruzid“ geeignet.

Eine Rotavirusinfektion ist besonders für Säuglinge gefährlich. Sie haben noch keinen eigenen Schutz aufgebaut und können über den Verlust von Flüssigkeit und Salzen bedrohlich erkranken. In wenig entwickelten Ländern gehen sehr viele Todesfälle in diesem Alter auf die Durchfallserkrankungen mit Rotaviren zurück.

Um hier vorzubeugen wurde eine Rotavirus-Impfung entwickelt, die seit 2013 von der STIKO (Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut) empfohlen wird. Dabei erhalten Säuglinge ab dem Alter von 6 Wochen eine Schluckimpfung, die zum Aufbau einer eigenen Abwehr beim Säugling führt. Auf diesem Weg soll er fit gemacht werden, um bei der ersten Wildinfektion mit diesem Virus einen gewissen Schutz zu haben. Die Verträglichkeit dieser Impfung ist insgesamt gut. Bei zu später Impfung stiegt jedoch das Risiko einer Darmeinstülpung (Invagination), das zuvor mit 1-2 Invaginationen auf 100.000 Impfungen gering ist.

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  1. Pingback: Was geht rum? 04. April 2020 – praxisblättle

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