Monat: April 2020

Verhindert vorbeugendes Eincremen eine Neurodermitis?

Ein recht häufiges und für die Babys und ihre Eltern belastendes Krankheitsbild ist die Neurodermitis (atopisches Ekzem). Die Neurodermitis plagt Kinder durch ihren quälenden Juckreiz, die damit verbundenen häufigen Infektionen der Haut und – oft noch schlimmer – einen damit einhergehenden schlechten Schlaf.

Eltern wollen eine solche Belastung ihrem Kind ersparen. Deswegen ergreifen sie viele Maßnahmen, beginnend bei der Ernährung bis hin zu Umstellungen im Lebensalltag. Einer der Vorschläge ist, die schon die Haut des gesunden Babys vorbeugend zu cremen. Aber kann dadurch eine Neurodermitis verhindert werden?

Dieser Frage ging eine Forschergruppe um Joanne R Chalmers im Rahmen der BEEP-Studie nach. In ihrer umfangreichen Studie, die sie hier im Detail nachlesen können, konnten sie in einer Stichprobe von 1394 Babys folgendes zeigen: Babys, die während der ersten 12 Monate regelmäßig eingecremt wurden, hatten im Alter von 2 Jahren ebenso häufig eine Neurodermitis wie die anderen Kinder ohne Behandlung. Eincremen hilft also – leider – nicht vorbeugend.

Als Nebeneffekt zeigte sich, dass Kinder, die regelmäßig eingecremt wurden eine leicht erhöhte Rate an Hautinfektionen hatten.

Masern – ein aktuelles Merkblatt

Die Viren machen krank, die Folgen der Vorsichtsmaßnahmen manchmal auch. Eltern erleben durch diese Pandemie täglich neuartige Probleme infolge COVID-19. Denn noch immer ist die soziale Distanz die wirksamste Maßnahme. Eine wirksame Therapie oder Impfung gegen das Virus steht noch nicht zur Verfügung. In den letzten Tagen haben sich einige Hoffnungen auf eine Therapie zerschlagen (z.B. beim Malaria-Medikament Chloroquin). Neue Hoffnungen machen die Fortschritte bei der Impfstoffentwicklung.

Die Masern haben mit COVID-19 gemein, dass auch sie eine schwerwiegende Infektion mit Viren darstellen. Auch gegen Masern gibt es keine medikamentöse Therapie. Aber, es gibt eine hochwirksame Impfung, die es gegen das Coronavirus (noch) nicht gibt.

Gerade hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV)  eine Patienteninformation zur Masern-Impfung herausgebracht, die umfassend und klar formuliert ist.

Das ist eine Hilfe für alle Eltern, die noch unsicher sind, ob und warum sie ihre Kindern gegen diese Krankheit impfen lassen sollten. Zeit zum Lesen haben Sie vermutlich jetzt mehr als genug. Und es macht auch Sinn, die Kinder (und sich selbst?) jetzt gegen Masern impfen zu lassen.

Was geht rum? 25. April 2020

In dieser Woche stieg die Hoffnung, dass wir trotz der Corona-Pandemie  dem Ziel zu ein wenig mehr Normalität im Alltag nähergekommen sind. Das Paul-Ehrlich-Institut hat erstmals in Deutschland eine Zulassung für die klinische Prüfung eines Impfstoff-Kandidaten gegen Corona erteilt. Damit geht weltweit der fünfte Impfstoff ins Rennen. Das deutsche Start-up BioNtech beginnt die Verträglichkeitsprüfung an gesunden Freiwilligen. Wie schon mehrfach erwähnt: Eine Impfung für alle Menschen ist frühestens 2021 zu erwarten. Und das nur, wenn alles günstig läuft.

Sahara-Staub und Fichtenpollen umrahmen ein Blütenteilchen einer Pappel. Quelle: ptw

Unsere Autos sind morgens gelb bestäubt. Das ist vorwiegend den Pollen der Fichte und teilweise auch dem Sahara-Staub geschuldet, der einigen Regionen farbenfrohe morgendliche Stimmungen bescherte. Der Birkenpollenflug war ebenfalls erheblich und für Allergiker stark zu spüren. Aber eben nicht zu sehen.

Gräserpollenflug. Messstelle Basel Quelle: pollenundallergie.ch

Der Gräserpollenflug hat, wie schon letzte Woche beschrieben, eingesetzt. Die Pollenwerte sind aber noch gering, da sich die Pflanzen aufgrund der trockenen Witterung nicht ordentlich entwickeln können.

Andere Infektionen als COVID-19 spielen kaum eine Rolle, was für diese Jahreszeit nicht außergewöhnlich ist. Ob die niedrigen Erkrankungszahlen an Rotavirus– und Norovirus-Darminfektionen auf die Kontaktbeschränkungen zurückzuführen sind ist unklar. Selbst bei Kinderkrankheiten gibt es kaum neue Infektionen. Während im letzten Jahr zum Beispiel bei Windpocken noch durchschnittlich 135 Kinder jede Woche neu erkrankten, sind es nun gerade mal ein Viertel: 35 Personen. Das ist verständlich: Windpocken werden als Tröpfcheninfektion weitergereicht. Und die verhindern wir gerade – so gut es geht.

Häufigkeit von COVID-19 bei Kindern an deutschen Kinderkliniken. Quelle: DGPI

Seit kurzem sammelt die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) Informationen über Kinder in Deutschland, die an COVID-19 erkranken. Dabei zeigt sich ein Trend zu schweren Verläufen bei Säuglingen und Kleinkindern. Die nebenstehende Grafik verdeutlicht auch, dass 38% aller Erkrankungen auf Kinder im ersten Lebensjahr zurückgehen. Bei Schulkindern (6-10 Jahre) liegt die Häufigkeit mit knapp 10% spürbar niedriger.

Einzelne Kindertagesstätten waren auch in den letzten Wochen teilweise geöffnet für eine Notbetreuung der Kleinsten. Die gesetzlichen Grundlagen hierfür haben sich inzwischen geändert. Anspruch auf die Betreuung ihrer Kinder haben nun:

  • alle Alleinerziehenden 
  • alle, die systemrelevanten Berufen arbeiten

Voraussetzung ist, dass die Eltern nicht aus einem Homeoffice arbeiten können. Welche Berufe systemrelevant sind, ist in jedem Bundesland etwas anders geregelt. Mitarbeiter von Polizei, Feuerwehr, Wasser- und Energieversorgung gehören immer dazu. Teilweise aber auch Steuerberater, Mitarbeiter von Banken oder Krankenkassen. Weitere Informationen fürs das Land Baden-Württemberg sind in einer Pressemitteilung aufgeführt.

Was geht in der Welt rum? Wieder einmal such das Dengue-Fieber global viele Menschen heim. Es ist glücklicherweise nicht so gefährlich wie COVID-19, hat aber für einige Kinder durchaus das Risiko tödlich zu sein. Das gilt besonders für solche, die mehrfach daran erkranken. Besonders betroffen sind in diesem Jahr Guadeloupe (7.260 Fälle), Indonesien (17.280 Fälle), Mexiko (20.815 Fälle) und Argentinien (6.170 Fälle). Ganz dramatisch hat es das ehr kleine Land Paraguay mit 223.750 Erkrankungen bei etwa 7 Millionen Einwohnern getroffen. Eine Therapie oder zugelassene wirksame Impfung gibt es nicht.

Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende. Am besten im Garten zuhause mit Ihren Kindern. Die Frühlingsstimmung sollte uns nicht täuschen. Wir müssen leider noch Abstand halten, das Coronavirus bleibt wie es ist. Gefährlich. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff

Vergiftung: Thuja occidentalis (Abendländischer Lebensbaum)

Wenn sie nicht im eigenen Garten zu finden ist, so zumindest beim Nachbarn: Thuja occidentalis, kurz Thuja genannt. Sie hat ein schönes Grün, schirmt gut vor Nachbars Blicken ab und ist pflegeleicht. Und – was wenige wissen – sie ist giftig.

Sehr eindrücklich wurde vom Fall eines 11 Monate alten Kindes auf dem 60. Kongress der DGP (Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V.) aus der Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Markus Rose berichtet. Dieses wurde mit blutigem Husten in der Kinderklinik in Stuttgart (Olgahospital) vorgestellt. Dabei zeigte sich bei der Spiegelung der Atemwege (Bronchoskopie) ein etwa 1 cm großes Stückchen einer Thujapflanze, das im rechten Hauptbronchus steckte und eine erhebliche Entzündung verursacht hatte. Nach einer Therapie mit Kortison konnte das Kind wieder beschwerdefrei entlassen werden. Vermutlich hat der Junge das Thujaästchen auf einem Spielplatz zu fassen bekommen und es verschluckt. Dabei geriet es in die Atemwege.

Symptome

Alle Teile der Thujapflanze können zu Haut- und Schleimhautreizungen führen. Daneben sind auch Juckreiz, Magen-Darm-Krämpfe, Erbrechen und Durchfall bekannte Symptome. Bei hohen Dosen des Pflanzengifts können Lähmung, Krampfanfälle, Leber- und Nierenschädigungen bis hin zum Tod auftreten.

Prävention / Vorbeugung

Deswegen empfehlen die Mediziner:

  • Thujahecken nur mit Handschuhen zu schneiden und Schnittgut sorgfältig zu beseitigen,
  • in der Schwangerschaft Thuja­hecken überhaupt zu meiden (die Pflanze ist nicht nur für die werdende Mutter giftig, die Monoterpene können auch zu Fehlgeburten führen),
  • Eltern über das Risiko von Thujahecken zu informieren und
  • die Pflanzung von Lebensbäumen in Bereichen, wo sich Kinder aufhalten, eher vermeiden.

Therapie

Flüssigkeitszufuhr als Tee oder verdünnter Saft ist günstig. Kinder- und Jugendarzt aufsuchen

Eltern sollte dieses Risiko bekannt sein. In diesem Wissen sollten die Zypressengewächse im Garten eher nicht gepflanzt werden. Übrigens, Thuja ist auch für Hunde, Katzen und sogar Pferde giftig.
Ein Grund mehr, im Garten statt langweiliger Thujamauern verschiedene Pflanzen zu setzen. In der Vielfalt liegt die Schönheit.

Gaumenmandelentzündung: Angina tonsillaris

Eine häufige Krankheit in den Sommermonaten ist die Angina tonsillaris. So heißt sie bei den Ärzten: Angina = Enge, tonsillaris = der Mandeln – also eine Krankheit mit Enge der Mandeln.  Gemeint ist letztlich also eine Infektion der Gaumen-Mandeln, die über die Schwellung auch oft zu einer Enge im Halsbereich führen kann.

Die Angina ist im Kindesalter recht häufig. Sie kommt bevorzugt in den Sommermonaten vor und betrifft Kinder besonders im Alter von 4 bis 12 Jahren.

Erreger

Meist, zu etwa 70%, sind Viren die Auslöser einer Angina. Die übrigen 20-30% gehen auf Bakterien zurück (meist Streptokokken), der Rest verteilt sich auf andere Ursachen.

Symptome

Die meisten Mandelentzündungen beginnen mit Erbrechen, Bauchschmerzen und Fieber ohne dass zunächst Beschwerden im Hals empfunden werden. Diese treten meist innerhalb der ersten 24 Stunden zusammen mit Kopfschmerzen auf. Das Krankheitsgefühl ist sehr unterschiedlich und bei Erkrankungen durch Viren in der Regel weniger stark ausgeprägt.

Akute Mandelentzündung. Die Gaumenmandeln sind gerötet, die Rötung zieht sich bis zum Gaumen. Quelle: By CDC (Centers for Disease Control and Prevention) – http://phil.cdc.gov/phil/, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5626143

Bei der Untersuchung findet sich eine starke Rötung der Gaumenmandeln (Tonsillen), die meist auch angeschwollen sind. Die regionären Lymphknoten (am Unterkieferrand) sind oft schmerzhaft vergrößert, die Wangen gerötet, die Region um den Mund erscheint sehr blass.

Bei der Streptokokkenangina findet sich häufig ein Mund-Ausschlag der von den Mandeln auf den Gaumen übergeht (sog. Enanthem).

In einzelnen Fällen kommt es bei der Streptokokkenangina zu einem Ausschlag der Haut. Dann handelt es sich um den Scharlach. Der Ausschlag des Scharlach tritt oft erst nach 24 – 48 Stunden auf und beginnt parallel in der Achsel- und der Leistenregion. Von dort breitet er sich über den gesamten Körper aus.

Diagnostik

Für eine Therapie ist die Unterscheidung einer viralen Angina von der Streptokokkenangina bzw. dem Scharlach wichtig. Dafür wird ein Rachenabstrich durchgeführt. Dieser kann durch den „ärztlichen Blick“ nicht ersetzt werden wie in Untersuchungen festgestellt wurde. Leider hat der Rachenabstrich selbst auch nur eine Genauigkeit von ca. 93% – eine Restunsicherheit bleibt also.

Therapie

Virusangina : nur unspezifisch, d.h. man lindert die Symptome des Kindes, indem man kalte Flüssigkeit anbietet (führt zur Abschwellung der Mandeln und senkt den Halsschmerz), das gleiche kann auch durch Speiseeis erreicht werden. Zur Nacht oder bei starken Beschwerden und/ oder Fieber kann Ibuprofen (z.B. Nurofen©, Dolormin©) oder Paracetamol (z.B. ben-u-ron© oder Captin©) eingesetzt werden

Streptokokkenangina oder Scharlach. Obwohl es sich hier um eine Infektion durch ein Bakterium handelt, muss nicht unbedingt eine Antibiotikum eingesetzt werden. Die Kinderärztin/ Kinderarzt entscheidet je nach Verlauf über den Sinn einer solchen Therapie. Ein Vorteil der Gabe eines Antibiotikums ist, dass die Ansteckungsfähigkeit schnell – innerhalb 24 Stunden – endet. Und noch wichtiger: Dem betroffenen Kind geht es schnell gut. Verschiedene Antibiotika kommen in Frage, in der Regel reicht das „einfache“ Penicillin V über zumeist 7 Tage.

Früher waren Folgeerkrankungen wie das rheumatische Fieber oder eine schwere Entzündung der Nieren (Glomerulonephritis) nach Scharlach sehr gefürchtet. Die sind jedoch in den letzen Jahrzehnten immer seltener zu beobachten, auch dann, wenn kein Antibiotikum eingesetzt wird.

Was geht rum? 18. April 2020

Wie kommen wir zur Normalität zurück? Indem wir uns im Alltag weiterhin unnormal bewegen und Abstand halten. Warum, das zeigt diese Animation der New York Times sehr anschaulich. Der Flug von kleinsten Tröpfchen ist beeindruckend.

Die Öffnung der Schulen und Kindergärten wurde in den letzten zwei Wochen von vielen Seiten diskutiert. Das Coronavirus hat in Deutschland maximal eine Million Menschen infiziert, genau weiß das keiner („Dunkelziffer“ der nicht ernsthaft Erkrankten). Bis wir ein halbwegs normales Leben führen können, müssen also mindestens 50 weitere Millionen Deutsche infiziert sein. Warum nicht bei den Kindern beginnen? Abgesehen von den Neugeborenen, die von der COVID-19 stark betroffen sein können, haben Kinder eher wenig zu befürchten. Nebenbei würde die Kluft zwischen Schülern geschlossen, die zuhause gefördert werden und jenen, die das nicht erleben. Da geht es also auch um den sozialen Zusammenhalt. Wir können solange mal nach Dänemark schauen, die einen Schritt weiter gehen. Dort öffnen Kindergärten und Schulen. Aber unter Auflagen. So müssen Teddybären (Kuscheltiere) beim Eintritt abgegeben und viele andere Regeln beachtet werden.

Mobilität in Stuttgart in den letzten 3 Monaten Quelle: apple

Gerade für Kleinkinder hat sich die Welt massiv verkleinert. Sie lieben den Auslauf, bewegen sich spontan und spielen gerne in Gruppen. Die Mobilitäts-App zeigt, wie stark sich das Virus auf unsere Bewegungen im Freien „walking“) ausgewirkt hat. Für alle Kinder eine enorme Belastung. Gegenüber dem 13. Januar 2020 ist immerhin gleichzeitig der lokale Verkehr („driving“)  zurückgegangen. Weniger Bewegung, aber in besserer Luft. Wer weitere Informationen sucht findet sie vielleicht hier.

Kinderkrankheiten ? Absolut gesehen spielen die Erkrankungen an Mumps keine so große Rolle. Das liegt daran, dass Mumps oft mit geringsten Symptomen verlaufen und damit leicht übersehen werden kann. In diesem Jahr traten traten bislang viermal (49) so viele Infektionen auf wie zur gleichen Zeit im letzen Jahr. Damals war es weniger als eine pro Woche. Woran man Mumps erkennen kann, können Sie hier nochmals nachlesen.

Andere Infektionen kommen nur vereinzelt vor. Rotaviren, sonst ganz vorne dabei im Frühjahr, haben ihre Häufigkeit gedrittelt. Die Infektionen der oberen Luftwege wie Schnupfen spielen kaum eine Rolle. In Anbetracht der Pandemie, werden sie wohl kaum mehr wahrgenommen.

Gräserpollenflug am Bodensee Quelle: pollenundallergie.ch

Die Pollen von Birke und Esche fliegen seit April massiv, wir wir jeden Morgen auf dem gelb bestäubten Auto sehen können. Nun fliegen am Bodensee bereits seit einer Woche die ersten Gräserpollen. Eltern allergischer Kinder müssen sich also auf diese Belastung in den kommenden Wochen vorbereiten. Dabei steht an erster Stelle die Frage, ob alle Notfallmedikamente vorrätig sind. Die Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie (GPA) unterstreicht nochmals, dass auch in Zeiten von Corona die Standardtherapie fortgesetzt werden sollte. Feuchtinhalationen (z.B. über den PARI-boy) sollten jedoch unterlassen werden. Inhalationen mit Dosieraerosolen („Spray“) oder Pulverinhalationen sind zu bevorzugen.

Zum Schutz vor hohen Belastungen durch Pollen, sind viele weitere Maßnahmen geeignet. Sehr wirksam ist abendliches Duschen und das Schließen der Fenster von momentan 06:00 Uhr bis 09:00 Uhr morgens, da hier der grösste Pollenflug zu erwarten ist.

Was geht in der Welt rum? Im Kongo hat das Ebola-Fieber seit Mitte letzten Jahres bis heute 3.456 Menschen betroffen. Zuletzt schien es, als ob die Infektion vorbei sei. Nun sind im April drei weitere Personen erkrankt, zuletzt ein 7-jähriges Mädchen. Die Zahl der Toten hat sich auf 2.277 summiert. Es gibt also noch schlimmere Erkrankungen als die COVID-19.

Unsere englischen Nachbarn haben schon immer einen Sinn fürs Spezielle gehabt. Im März noch haben dem Corona-Virus noch freien Lauf gelassen, jetzt setzen sie auf Hunde. Die sollen darauf trainiert werden, das Virus zu erschnüffeln, berichtet eine amerikanische Nachrichtenagentur.

Der Frühsommer wird immer schöner. Ich hoffe, Sie können ihn mit Ihren Kindern in freier Natur genießen. Noch mehr hoffe ich, dass die Situation eine Öffnung der Schulen weiter zulässt. Für Ihre Kinder – und auch für Sie als Eltern. Im Moment wird viel von Ihnen abverlangt. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff

 

Sollten Kinder viel Milch trinken?

Milch macht müde Männer munter“ war ein beliebter Slogan in den 1950ger-Jahren. Dass er nicht stimmt, war vermutlich schon damals klar.

Richtig ist, dass Milch – womit in aller Regel die Milch von der Kuh gemeint ist – und Milchprodukte wie Joghurt, Quark und Käse reich an Kalzium und Vitamin D sind. Daraus aber zu schließen, dass man durch Trinken von Milch die Knochen festigen könne und weniger Knochenbrüche im Alter erleiden müsse, stimmt leider nicht.

Da reicht schon der Blick in die Welt. So erleiden in Schweden dreimal so viele Menschen eine Hüftfraktur wie in China, wobei in Schweden Milch ein Grundnahrungsmittel ist und die meisten Chinesen Milch (wegen Laktoseintoleranz) gar nicht vertragen.

Zwei Wissenschaftler von der Harvard University in Boston haben sich mit dieser Frage intensiv auseinandergesetzt. Im New England Journal of Medicine zeigen Walter C. Willet und David S Ludwig auf, dass mit steigendem Milchkonsum das Risiko für Knochenbrüche sogar ansteigt. Warum das so ist, können sie momentan aber noch nicht erklären. Der Körper nimmt sogar dann ausreichend Kalzium auf, wenn ihm nur 1/5 der Menge an Kalzium angeboten wird, die ein Amerikaner durchschnittlich zu sich nimmt.

Manche Studien zeigen, dass ein hoher Milchkonsum zu einer Zunahme der Körpergröße führt.  Für Männer konnte eine Arbeit von Diane Feskanich und Mitarbeiter im amerikanischen Ärzteblatt JAMA zeigen, dass jedes zusätzlich getrunkene tägliche Glas Milch im Jugendlichenalter dazu führte, dass Männer ein um 9% höheres Risiko hatten, eine Hüftfraktur zu erleiden.

Weitere Wirkungen von Milch betreffen auch das Krebsrisiko. Dabei sind die Daten jedoch unschlüssig, indem Milch bei einigen Krebsarten positive, bei anderen negative Auswirkungen hat.

Es besteht also noch einiger Forschungsbedarf. Bis heute ist klar, dass Milch zur Zufuhr von Kalzium nicht nötig ist und dass es für die Gesundheit eher wenig günstig ist. Insofern besteht für Eltern kein Grund ihren Kindern Milch schmackhaft zu machen. Es besteht aber nach momentaner Datenlage auch kein Grund, den Milchkonsum aktiv zu beschränken.

Luftschadstoffe verschlimmern Gräserpollenallergie

Auch wenn die Klimadebatte erst in den letzten Jahren Bedeutung gewann, ist der Einfluss von Schadstoffen auf die allergische Reaktion schon seit 30 Jahren bekannt. Eine europäische Studie konnte nun diesen Einfluss auf den allergischen Schnupfen belegen.

In der MASK-POLLAR Studie konnten Annabelle Bédard und viele weitere Mitarbeiter aus neun europäischen Städten von Barcelona bis Vilnius zeigen, dass der Gräserpollenflug durch einige Schadstoffe ungünstig beeinflusst wird. Bei einigen der 3323 Teilnehmer trat während der Gräserpollensaison ein unkontrollierter allergischer Schnupfen auf. Als „unkontrolliert“ wurde der allergischer Schnupfen bezeichnet, wenn die Symptome (auf einer bestimmten Skala) und / oder der Verbrauch an Medikamenten sehr hoch war.

Diese Befunde wurden in Beziehung gesetzt zu den Messungen von Luftschadstoffen. Dabei zeigte sich, dass bei hohen Ozonwerten oder hohen Werten von kleinsten Luftpartikeln (PM2,5– das sind alle Schwebeteilchen in der Luft, die einen kleineren Durchmesser als 2,5 μm haben) auch die Symptome von Allergikern stärker waren. Die Folge war, dass es zu einem Anstieg der schwerwiegenden Symptome um 25% kam.

Diese Verschlechterung kann dadurch erklärt werden, dass die Luftschadstoffe Pollen zerstören können, wodurch diese eine grössere allergische Potenz bekommen. Inwieweit ein solcher Zusammenhang auch beim allergischen Asthma besteht, ist noch nicht abschließend geklärt.

Konsequenz? Während der Gräserpollensaison sollten betroffene Allergiker bei hoher Schadstoffbelastung in der Luft die körperliche Belastung im Freien gering halten. Das wäre insbesondere um die Mittagszeit günstig, wenn die Ozonkonzentration am höchsten liegt. Für PM2,5 gibt es leider keine einfache Regel zur Ermittlung der maximalen Belastung.

Was geht rum? 11. April 2020

Osterfest, einmal anders. In den Zeiten von Corona treffen sich vermutlich weniger Menschen zum gemeinsamen Fest. Die Suche nach den Ostereiern für Kinder wird schwieriger, weil ihnen Oma und Opa nicht mehr flüsternd zur Seite stehen.

Ostern, das Fest der Wiederauferstehung. Die wird auch nach dem Fest auf sich warten lassen. Für Eltern lohnt es sich aber schon jetzt, sich vorausschauend mit ihrer/m Kinder- und Jugendärztin/arzt zu besprechen, wie es mit den Impfungen weitergeht. Gerade Säuglinge sind ja von einigen schwerwiegenden Krankheiten bedroht. Keuchhusten ist eine davon, die sich nicht vor Coronaviren fürchtet und weiterhin Menschen ansteckt. Es lohnt sich, nicht nur die Coronaviren zu beachten

Die Zahl der Infekte wird insgesamt geringer. Das ist für diese Jahreszeit typisch. Untypisch ist, dass die Rotaviren fast ausbleiben. Auch die Noroviren sind spürbar weniger aktiv. Darüber sind wir nicht traurig. Nebenbei, das war plötzlich keine Meldung mehr wert, ist auch die Grippesaison zu Ende gegangen. Mit fast 24.000 gemeldeten Erkrankungen war sie stärker als im letzten Jahr.

Unter den Kinderkrankheiten ist der Keuchhusten weiter präsent. Ein Schwerpunkt bei den  Neuinfektionen dieser Woche ist Nordbaden. Die Kontaktbeschränkungen haben aber auch ihr Gutes: Im Gegensatz zum Keuchhusten (ausgelöst durch Bakterien; Impfschutz schwieriger), geht die Zahl der Windpockeninfektionen  (Viren) zurück. Weniger Kontakte, weniger Ansteckungen auch hier.

Bei den Allergien ist die Lage fast stabil. Birkenpollen sind die Stars der Lüfte, aber in den trockenen Zeiten geht auch ihnen bald ein Teil ihrer Power verloren. Für Allergiker auf mittlere Sicht also eher günstige Aussichten.

Zecken. Ja, sie können uns auch von hübschen Blumen aus attackieren Quelle: pixabay, Erik Karits

Die Zecken sind weiter sehr aktiv. Eltern sollten insofern ihre Kinder nach Waldspaziergängen und immer vor dem Zubettgehen auf die kleinen Spinnentiere untersuchen. Zonen, in denen die sich gerne aufhalten sind die Achseln, der Nabel, die Genitalregion und die Region hinter den Ohren. Sie sollten entfernt werden. Entweder mit den bekannten Zeckenzangen oder durch die Streichelmethode. Weitere Hinweise finden Sie im praxisblättle..

Ach so, noch ein paar Zeilen zu Corona. Es keimt wieder mehr Hoffnung auf. Das zeigt eine Karte, die die Forschung über COVID-19 darstellt. Wissenschaftler sind neugierige Menschen. Diese Karte zeigt, dass viele von ihnen auf der ganzen Welt daran arbeiten, das Coronavirus zu bekämpfen. Egal, ob sie neue Tests, Medikamente oder Impfungen suchen. Sie sind voller Optimismus, uns irgendwie helfen zu können.

Es scheint, wir müssen in diesen Wochen täglich umdenken. An das Social Distancing haben wir uns gewöhnt, auch wenn manchmal von 1,5 Metern Abstand, ein anderes Mal von 2 Metern Abstand die Rede ist. Aber wie so oft: die Realität des Lebens komplizierter. Das zeigt eine aktuelle Veröffentlichung von Lydia Bourouiba vom Massachusetts Institute of Technology (MIT), über turbulente Gaswolken und ihre Dynamik. Im Artikel (in englischer Sprache) zeigt ein Video sehr eindrücklich, wie sich die feinsten Tröpfchen beim Niesen bis zu fast 8 Metern ausbreiten können. Dabei können sich kleinste Tröpfchen in der Gaswolke (bedingt durch Wärme und Feuchtigkeit) ihrer Verdampfung entziehen und dadurch bis zu 1000-fach länger existieren und Viren transportieren.

Nebenbei weisen andere Daten darauf hin, dass auch die Viruslast wichtig ist, also wie viele Viren in den Tröpfchen enthalten sind. Vieles deutet darauf hin, dass die Schwere der Erkrankung auch davon abhängig ist. Wer sich mit wenigen Viren angesteckt hat, erkrankt offenbar leichter als jemand, der von vielen Viren heimgesucht wird. Das unterstreicht nochmal das Risiko für Pflegepersonal und Ärztinnen und Ärzte.

Was geht in der Welt rum? Während sich COVID-19 über den Erdball verbreitet hat, wurden manch andere Viren zu schnell vergessen. Deutlich gefährlicher als Coronaviren sind die Ebola- und Marburg-Viren, aber auch das Gelbfieber-Virus. Äthiopien erlebt gerade wieder einen kleinen Ausbruch mit derzeit 85 Verdachtsfällen und 4 gesicherten Todesfällen. Der große Unterscheid zu Coronaviren: Gegen Gelbfieber schützt eine einzige Impfung fast zu 100%.

Für alle, die Asterix und Obelix lieben: Als Hommage an den großartigen Zeichner Albert Uderzo gibt es eine Sonderausgabe: Unbeugsam mit Asterix – 1. Kostenlos.

Ich wünsche Ihren Kindern und Ihnen von Herzen ein frohes Osterfest. Genießen Sie die Sonne und Wärme. Danke, dass Sie so treue Leser sind. Ich würde mich freuen, wenn Sie das praxisblättle auch anderen Eltern weiterempfehlen. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff

Entzündung der Nebenhöhlen

Als Schwabe kennt man neben der Bärenhöhle auch die Nebelhöhle auf der Schwäbischen Alb. Wenn’s aber um die Nebenhöhlen geht wird’s schon schwieriger. Kein Wunder, denn auch die Medizin tut sich mit den Nebenhöhlen schwer, zumindest, wenn es um die Behandlung einer  Entzündung geht.

Nebenhöhlen (medizinisch lat.: sinus) sind Hohlräume, die sich in unserem Schädel finden. Sie liegen hinter den Wangen, in den Knochen um die Augen und hinter der Nase. Ihre Aufgabe ist es, die Luft die die Nase durchströmt zu wärmen, zu befeuchten und zu filtern. Wie in der Natur häufig auch, haben alle Nebenhöhlen einen sehr schmalen Zugang zu Nase. Das bedeutet, dass sie auch gesundheitlich an die Nase gebunden sind. Geht es der Nase schlecht, geht es häufig auch einzelnen Nebelhöhlen schlechter.

Bei Geburt gibt es einzelne Nebenhöhlen sie die Kieferhöhlen. Andere bilden sich erst im Lauf der Kinder- und Jugendalters aus, wie die Stirnhöhlen. Es kann sogar vorkommen, dass die Stirnhöhlen gar nicht angelegt werden. Die Nebenhöhlen spielen also im Kindesalter eine geringere Rollen als bei Jugendlichen. Bei Erwachsenen spielt die chronische Entzündung der Nebenhöhlen eine große Rolle. Es sind 5 – 12% aller Erwachsenen betroffen.

Die Nebenhöhlen können sich entzünden: Sinusitis. Dabei schwellen die Schleimhäute in den Nebenhöhlen an. Vielfach bildet sich auch Sekret, das in komplizierten Fällen nicht mehr abfließen kann. Das geht manchmal ohne Beschwerden einher, in vielen Fällen tritt ein Druckgefühl hinter den Augen auf, manchmal auch Kopfschmerz. Das Nasensekret ist dick und zäh und läuft hinten am Rachen herunter („post nasal drip“), was typischerweise zu häufigen leichten Husten führt. Ohrdruck oder Zahnschmerz kann auch auftreten. Fieber ist nicht sehr häufig.

Bei den Ursachen stehen drei Krankheitsbilder im Vordergrund, die sich überschneiden können.

1. Akute Nasennebenhöhlenentzündung

Sie tritt im Zusammenhang mit einer üblichen Erkältung auf und dauert höchstens 4 Wochen. Die ursächlichen Viren leiten die Entzündung ein, es kommt eine bakterielle Entzündung hinzu.

2. Chronische Nebenhöhlenentzündung

Sie beginnt häufig als akute Entzündung und setzt sich über mehr als einen Monat fort. Dabei führt die Schwellung der Schleimhäute und die bakterielle Besiedlung zu einem sich aufschaukelnden Prozess. In ungünstigen Fällen wird er durch den sog. Biofilm unterhalten. Das sind pilzförmige Gebilde von Millionen von Bakterien, die schwer zu behandeln sind. Antibiotika sind meist eher ungünstig, da sie nur die Erreger an der Oberfläche treffen, nicht aber das Zentrum des Biofilms. In schwerwiegenden Fällen stehen Therapien mit sog. Biologica (z.B. Dupilumab) zur Verfügung, die sehr erfolgsversprechend sind.

3. Allergische Nasennebenhöhlenentzündung

Bei einem allergischen Schnupfen steht häufig die Schwellung der Nasenschleimhäute im Zentrum. Diese Schwellung kann sich über die Zeit in die angrenzenden Nebenhöhlen fortsetzen. Dabei wird häufig der zarte Gang zu den Nebenhöhlen durch die Schwellung verschlossen, wodurch die einzelnen Nebenhöhle nicht mehr belüftet werden kann. In der Folge kommt es meist zu einer bakteriellen, also eitrigen, Entzündung der Nebenhöhle.

Die Sicherung der Diagnose ist oftmals nicht einfach. Manche Menschen haben wenig Symptome und die klinische Untersuchung ist leider unsicher. Mit Ultraschall können die Nebenhöhlen in der Wange (sinus maxillares) untersucht werden, die anderen sind nur mithilfe einer Computer-Tomographie (CT) oder eines Magnet Resonanz Tomographen (MRT) zu sehen. Ergänzend sind die Untersuchung des Nasensekrets oder bei speziellem Verdacht ein Allergentest sinnvoll. Bei Kindern ist man mit einer Untersuchung der Nase (Rhinoskopie) erstmal zurückhaltend.

Die Therapie beruht auf der richtigen Diagnose und kann gelegentlich eine große Herausforderung sein. Häufig besteht sie aus der Anwendung mehreren Maßnahmen gleichzeitig. Obwohl eine bakterielle Infektion oft eine Rolle spielt, sind Antibiotika nur selten sinnvoll. Ein wichtiger Teil der Therapie ist für die meisten Betroffenen die Anwendung von Cortison-Nasensprays, um die Schwellung der Nasenschleimhäute gezielt zu behandeln.