Gaumenmandelentzündung: Angina tonsillaris

Der Scharlachmistelfresser, Dicaeum cruentatum Quelle: pixabay, 楊 祖 武 (Vinson Tan)

Eine häufige Krankheit in den Sommermonaten ist die Angina tonsillaris. So heißt sie bei den Ärzten: Angina = Enge, tonsillaris = der Mandeln – also eine Krankheit mit Enge der Mandeln.  Gemeint ist letztlich also eine Infektion der Gaumen-Mandeln, die über die Schwellung auch oft zu einer Enge im Halsbereich führen kann.

Die Angina ist im Kindesalter recht häufig. Sie kommt bevorzugt in den Sommermonaten vor und betrifft Kinder besonders im Alter von 4 bis 12 Jahren.

Erreger

Meist, zu etwa 70%, sind Viren die Auslöser einer Angina. Die übrigen 20-30% gehen auf Bakterien zurück (meist Streptokokken), der Rest verteilt sich auf andere Ursachen.

Symptome

Die meisten Mandelentzündungen beginnen mit Erbrechen, Bauchschmerzen und Fieber ohne dass zunächst Beschwerden im Hals empfunden werden. Diese treten meist innerhalb der ersten 24 Stunden zusammen mit Kopfschmerzen auf. Das Krankheitsgefühl ist sehr unterschiedlich und bei Erkrankungen durch Viren in der Regel weniger stark ausgeprägt.

Akute Mandelentzündung. Die Gaumenmandeln sind gerötet, die Rötung zieht sich bis zum Gaumen. Quelle: By CDC (Centers for Disease Control and Prevention) – http://phil.cdc.gov/phil/, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5626143

Bei der Untersuchung findet sich eine starke Rötung der Gaumenmandeln (Tonsillen), die meist auch angeschwollen sind. Die regionären Lymphknoten (am Unterkieferrand) sind oft schmerzhaft vergrößert, die Wangen gerötet, die Region um den Mund erscheint sehr blass.

Bei der Streptokokkenangina findet sich häufig ein Mund-Ausschlag der von den Mandeln auf den Gaumen übergeht (sog. Enanthem).

In einzelnen Fällen kommt es bei der Streptokokkenangina zu einem Ausschlag der Haut. Dann handelt es sich um den Scharlach. Der Ausschlag des Scharlach tritt oft erst nach 24 – 48 Stunden auf und beginnt parallel in der Achsel- und der Leistenregion. Von dort breitet er sich über den gesamten Körper aus.

Diagnostik

Für eine Therapie ist die Unterscheidung einer viralen Angina von der Streptokokkenangina bzw. dem Scharlach wichtig. Dafür wird ein Rachenabstrich durchgeführt. Dieser kann durch den „ärztlichen Blick“ nicht ersetzt werden wie in Untersuchungen festgestellt wurde. Leider hat der Rachenabstrich selbst auch nur eine Genauigkeit von ca. 93% – eine Restunsicherheit bleibt also.

Therapie

Virusangina : nur unspezifisch, d.h. man lindert die Symptome des Kindes, indem man kalte Flüssigkeit anbietet (führt zur Abschwellung der Mandeln und senkt den Halsschmerz), das gleiche kann auch durch Speiseeis erreicht werden. Zur Nacht oder bei starken Beschwerden und/ oder Fieber kann Ibuprofen (z.B. Nurofen©, Dolormin©) oder Paracetamol (z.B. ben-u-ron© oder Captin©) eingesetzt werden

Streptokokkenangina oder Scharlach. Obwohl es sich hier um eine Infektion durch ein Bakterium handelt, muss nicht unbedingt eine Antibiotikum eingesetzt werden. Die Kinderärztin/ Kinderarzt entscheidet je nach Verlauf über den Sinn einer solchen Therapie. Ein Vorteil der Gabe eines Antibiotikums ist, dass die Ansteckungsfähigkeit schnell – innerhalb 24 Stunden – endet. Und noch wichtiger: Dem betroffenen Kind geht es schnell gut. Verschiedene Antibiotika kommen in Frage, in der Regel reicht das „einfache“ Penicillin V über zumeist 7 Tage.

Früher waren Folgeerkrankungen wie das rheumatische Fieber oder eine schwere Entzündung der Nieren (Glomerulonephritis) nach Scharlach sehr gefürchtet. Die sind jedoch in den letzen Jahrzehnten immer seltener zu beobachten, auch dann, wenn kein Antibiotikum eingesetzt wird.

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