Was geht rum? 19. September 2020

Abendrot an der Donau.: Gut-Wetter-Bot. Leider aber kein Botschafter für das Infektionsgeschehen im Südwesten Quelle: ptw

Im September sind die gemeldeten Fallzahlen für das Corona-Virus in Baden-Württemberg spürbar angestiegen. Das beunruhigt viele. Viele beunruhigt noch mehr, dass  manche nichts mehr beunruhigt. Verwirrend sind für viele auch die Botschaften von Wissenschaftlern.  Wir bekommen oftmals einzelne zugespitzte Sätze zu lesen, die verwirrend sind. Liest oder hört man aber zu, wenn die Virologen ihre komplexen Inhalte erläutern dürfen – mit mehr als einen Satz -, dann sind die Unterschiede gering. Eine Botschaft scheint mir zu sein: In der Bevölkerung breitet sich das Virus zunehmend aus (sog. Perkolation), um dann möglicherweise plötzlich überzuschwappen. Beweise gibt es keine, aber einige Faktoren sprechen dafür, dass die Lage besser beherrscht aussieht als sie es ist.

Anteil der SARS-CoV-2 Fälle in Baden-Württemberg nach 10-Jahres-Altersgruppe. Quelle: LGA Baden-Württemberg

Wir sollten also nicht sorglos sein. Für Sie als Eltern dürfte interessant sein, dass der Nachweis für das SARS-CoV-2 bei den Kindern und Jugendlichen von 0-20 Jahren (in der Graphik: beide unteren, grauen Spalten) in den letzten 12 Wochen – relativ zu den anderen Altersgruppen – deutlich höher lag, als zu Beginn der Pandemie. Auch wenn diese jungen Menschen kaum schwer krank werden, tragen sie vielleicht mehr zur Verbreitung des Virus bei als gedacht. Bleibt zu hoffen, dass die Schulen und Kindergärten im weitgehenden Regelbetrieb für alle Kinder offen bleiben. Das ist wichtiger als andere neu erlaubte Lebensfreuden.

Seit Monaten finden Studien zu Coronatests mit Speichelproben statt Nasen-Rachen-Abstrichen statt. Der große Vorteil wäre, dass sie gerade bei Kindern einfach durchzuführen wären. Aber wie gut sind diese Tests? Erste Ergebnisse im direkten vergleich bietet die Studie von Lisa Caulley und Mitarbeitern (in Englisch) aus Ottawa und Halifax in Kanada. Darin untersuchten sie 1939 asymptomatische Personen mit den handelsüblichen Nasen-Rachen-Abstrichen sowie mit Speicheltests. Sie fanden 70 Personen mit Nachweis des SARS-CoV-2. Übereinstimmend positiv war der Test nur bei 48,6%, während er in 31.4% nur positiv beim Rachenabstrich bzw. 20% nur positiv im Speicheltest war. So charmant die Anwendung von Speicheltest gerade bei Kindern wäre, es besteht offensichtlich noch weiterer Forschungsbedarf.

Ansonsten das gleiche Bild wie schon in den letzten Wochen: Kaum Infekte. Kaum Kinderkrankheiten, nur vereinzelte Magen-Darm-Infektionen. In der letzten Woche kam das Coronavirus in Schulen und Kindergärten vor. In Banden-Württemberg mussten aber nur 17 Klassen – keine Schulen! – in zweiwöchige Quarantäne gehen. Allermeist werden diese Infektionen im familiären Umfeld erworben und in die Schule oder die Kita hinein getragen. Bislang kein Grund zur Sorge.

Was geht in der Welt rum? Viele Deutsche reisen noch in sog. Risikoländer. In die Demokratische Republik Kongo wird es aber nur weniger verschlagen. Dort gibt es wieder einen Ausbruch des Ebola hämorrhagischen Fiebers im Nordwesten des Landes. Es wurden seit Juni 115 Fälle bestätigt, 48 Menschen sind an Ebola seither verstorben. Ebola hat immer wieder lokal begrenzte Ausbrüche. Bleibt für das gebeutelte Land zu hoffen, dass auch dieser Ausbruch begrenzt bleibt und bald abklingt.

Genießen Sie zusammen mit Ihrer Familie nochmals ein sonniges und fast sommerliches Wochenende,

Ihr

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