Monat: Oktober 2020

Was geht rum? 31. Oktober 2020

* Zwischen „Pest und Party“?

* Corona und psychischer Stress

* Polio wieder auf dem Vormarsch?

Nürnberg im Mittelalter Quelle: pixabay, Gerhard G.

Man kann sich in den letzten Wochen fast zwischen „Pest und Party“ fühlen. Da sind viele Menschen, die Angst haben, vom Corona-Virus getroffen zu werden. Es ist ja gut belegt, dass das Ansteckungsrisiko steigt. Wenn aber Schuldige gesucht werden, die das Coronavirus „eingeschleppt“ haben, dann erinnert das sehr an das Mittelalter. Immerhin haben wir heute keinen Scheiterhaufen. Aber die Frage sei erlaubt: Warum haben so wenige Menschen verstanden, welches Wissen um Bakterien (und Viren) uns Robert Koch hinterlassen hat? Sind wir so vergesslich?

Dr. Robert Koch Quelle: cdc

Andere – und sie sind nicht besser – haben auch vergessen, was Robert Koch mit viel Können, Wissen und Beharrlichkeit vor 140 Jahren erforscht hat – er entdeckte das Tuberkulose-Bakterium, das seinerzeit jeden siebten Menschen tötete. Diese Menschen, die sich etwa Querdenker nennen leugnen einfach, dass es das Virus gibt oder zumindest, dass es uns krank machen könnte. Das erinnert an jemanden, der mit einer Badehose am Leib in der Türe steht und es lustig findet, in den Schneesturm hinaus zu laufen. Sofern er eine Runde im Garten dreht, mag sich der Nachbar etwas wundern. Sollte er aber einen Spaziergang machen wollen, wird ihn der Tod ereilen. Wenn andere ihn nicht retten. So kommt es mir vor, wenn „Ältere“ bei Demos die Pandemie leugnen. Aus der warmen Wohnung heraus lassen sich locker Sprüche klopfen.

Party machen, im Rausch genießen …. Quelle: pixabay, Free-Photos

Anders verhält es sich bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Sie verstehen nahezu alle, was es mit dem Virus auf sich hat. Aber sie wollen die Welt genießen. Jetzt. Das ist ihre Zeit. Das Virus droht sie um eine wilde und lustvolle Zeit zu betrügen. Das wollen sie nicht zulassen. Ein Lockdown für sie ist grausam. Vermutlich wäre schon viel geholfen, wenn die Partygänger unter sich blieben und am Wochenende Oma und Opa nicht besuchen. So bliebe das Risiko begrenzt. Aber mit den „älteren“ Leugnern haben sie eigentlich wenig zu tun.

Kinder stehen in der Pandemie unter stärkerem psychischem Druck. Quelle: pixabay, ambermb

Schupfen, leichter Husten und gelegentlich mal eine Mittelohrentzündung – Atemwegsinfekte sind weiterhin selten. Auffallender sind eher psychische Probleme, beginnend mit diffusen Ängsten bis hin zu aggressivem Verhalten. Wenn die Menschen im Land verunsichert sind  und auch Eltern nicht mehr alle Fragen klar beantworten können, verlieren auch Kinder an Sicherheit.

Wo die Coronazahlen nach oben stürmen, bleibt es bei den Kinderkrankheiten ruhig. Die Zahl der Keuchhustenfälle ist seit Wochen auf niedrigem Niveau, zuletzt pro Tag weniger als eine Erkrankungen in Baden-Württemberg. Die Zahl der Windpocken liegen bei einem Drittel der üblichen Werte. Ein Zeichen, dass die Corona-Regeln (AHA-L) bei Familien mit kleinen Kindern offensichtlich wirkungsvoll umgesetzt werden.

Polio-Virus Quelle: cdc

Was geht in der Welt rum? Während wir uns im Krisenmodus um das Coronavirus kümmern, breitet sich – noch in Einzelfällen – in Mali und im Sudan das Poliovirus wieder aus. In Mali wurden in diesem Jahr 11 Fälle mit dem Poliovirus Typ 2 (cVDPV2) festgestellt. Dieses Virus stammt aus einem Schluck-Impfstoff. Diese unerwünschte Wirkung ist bekannt, weswegen in Deutschland die Schluckimpfung durch eine Impfung per Injektion umgestellt wurde. Weitere Details finden Sie auf dieser Seite der WHO (In Englisch). Gleichzeitig sind Organisationen wie die UNICEF besorgt, dass durch die Pandemie die regulären Impfungen in Afrika nicht mehr im ausreichenden Maße durchgeführt werden.

An diesem Wochenende können wir noch mal die Sonnen genießen. Für viele kommen unsichere Tage, bleiben Sie mutig und gesund, Ihr

 

Tierliebe kann Folgen haben: Ringelflechte (Tinea corporis)

Pilzerkrankungen gehören weltweit zu den häufigsten Infektionen. Zu diesen zählt die Ringelflechte, die durch Fadenpilze (Dermatophyten) ausgelöst wird. Mediziner bezeichnen sie als Tinea. Nachfolgend sind einzelne Formen mit dem Ort ihres Auftretens benannt:

  • Tinea capitis – Kopf
  • Tinea facei – Gesicht
  • Tinea corporis – Rumpf und Gliedmaßen
  • Tinea corporis gladiatorum – am Rumpf bei Ringern
  • Tinea barbae – Bartbereich

Die Fadenpilze werden in aller Regel von den Tieren auf den Mensch, teilweise auch von Mensch zu Mensch (etwa bei Ringern) übertragen:

  • Meerschweinchen
  • Katzen: über 20% aller Katzen sind mit Microsporum canis infiziert
  • Hamster
  • Hasen
  • Kälber

Häufig verlaufen die Krankheiten bei Tieren ohne Symptome, während bei Menschen stark entzündliche Hauterkrankungen auftreten. Deswegen ist es für Tierbesitzer oft schwer ersichtlich, ob beim eigenen Haustier ein Befall mit einem der Pilze vorliegt.

Festgestellt wird die Erkrankung meist als sog. Blickdiagnose, d.h., der Arzt weiß wie die Tinea aussieht und stellt mit dem ersten Blick die Diagnose. Danach folgt die Sicherung des Erregers, was gelegentlich schwierig und immer zeitraubend (2-6 Wochen) ist.

Gleichzeitig wird mit der Therapie begonnen, die je nach Ausprägung und Tiefe der Pilzinfektion unterschiedlich ausfällt. Häufig ist bei Kindern eine Salbenbehandlung z.B. mit Clotrimazol (2 x tgl.) über einen Monat ausreichend.

Parallel muss versucht werden, die Ursache herauszufinden. Denn eine Therapie macht nur Sinn, wenn auch die Ursache behandelt wird. Bei Katzenbesitzern sollte beispielsweise die Katze vom Tierarzt auf Pilzerkrankungen untersucht und behandelt werden. Enge Tierkontakte, z.B. im Bett, sind unbedingt zu vermeiden.

Was geht rum? 24. Oktober 2020

Jedes Jahr gehört eine bunte Diskussion über den Sinn einer Impfung gegen Influenza (Grippeimpfung) ebenso zum Herbst wie die farbenfrohen Blätter. Da ist es gut, wenn das RKI schon vorab einige Daten veröffentlicht, die diese Diskussion versachlichen können.

Wirksamkeit der Impfung gegen Influenza. Quelle: Epidemiologisches Bulletin 45 des RKI

Die Tabelle des RKI links fasst die Informationen kurz zusammen. Darin ist die Wirksamkeit der Grippe-Impfstoffe ab der Saison 2012/2013 bis zur letzten Saison sowohl für das Influenza-Virus Typ A (zwei Subtypen) und das Influenza-Virus Typ B aufgeführt. Demnach lag die Wirksamkeit in letzten Winter – also von Januar bis März 2020 – bei 61-73% und damit günstiger als in den Jahren zuvor. Ein guter Grund, die Grippe-Impfung auch dieses Jahr wahrzunehmen. Ohne Gewissheit auf Erfolg. Es gab allerdings auch Jahre, in denen die Impfung wenig wirksam war wie 2016/2017. Übrigens: Grippeimpfungen sind auch für Kinder ab 6 Monate sinnvoll und empfohlen.

In jedem Fall wären wir sehr glücklich, gäbe es eine solche Impfung bereits für das SARS-CoV-2. Immerhin sind die Aussichten besser geworden. So präzisierte die für die Zulassung von Impfstoffen in den USA zuständige FDA die Bedingungen für eine Notfallgenehmigung (Emergency Use Authorization) für COVID-19-Impfstoffe. Darin verlangt sie beispielsweise eine Nachbeobachtung nach der letzten Impfung von mindestens 2 Monaten. Die Firmen Moderna (USA) und BioNtech (Mainz) könnten, wenn die Tests weiterhin gut laufen, Ende November den Antrag stellen. Das wäre eine sensationell schnelle Entwicklung eines Impfstoffes.

Vor einer Woche hat es Prof. Dr. Christian Drosten nochmals erwähnt: Das Cluster-Kontakt-Tagebuch. Er empfiehlt, dass jeder am Abend kurz notiert, in welcher Situation am Tag sie/er sich etwas unwohl fühlte, weil sie/er mit vielen Menschen zu eng zusammen war. Damit erzielt man zwei Effekte:

  1. Sollte man tatsächlich erkranken, kann man mit der Hilfe dieses Tagebuches die Quelle der Infektion, also das Quell-Cluster erkennen. Das würde den Ermittlern im Gesundheitsamt helfen, viele andere Personen zu identifizieren und dieses Quelle des Virus auszuschalten.
  2. Gleichzeitig sensibilisiert so ein Tagebuch „mich selbst“: Es wird mir klar, in welche heiklen infektiösen Milieus ich mich begebe. Und vielleicht schaffe ich das, dies künftig zu vermeiden. 

Jugendliche und junge Erwachsene haben’s nicht leicht im Moment. Sich mit Freunden treffen und Party machen ist Teil ihres Lebens. Das ist heute nicht anders als früher. Sie setzen sich von den Eltern ab, finden unter ihren Altersgenossen ihre neuen Freunde. So entwickeln sie einen Lebensplan, probieren manches aus, auch nicht immer nur harmloses. Und junge Menschen  finden Freundschaften, oft auch die große Liebe. Jetzt kommt Corona und kaum mehr etwas ist so richtig erlaubt. „Weißt Du noch, als wir damals …..“, das höre ich von vielen alten Leuten. „Auch wir waren keine Engel“ sagen sie. Die gleichen Leute verlangen aber von den Jungen den totalen Verzicht. Jetzt echt? Sie als Eltern sind noch nicht lange von den chaotischen Zeiten der Jugend entfernt. Sie können besser verstehen, warum diese Party machen. Ich meine, Corona trifft die Menschen in den ersten 3 Lebensjahrzehnten mehr als andere. Nicht als Todesfall, aber als Verlust von Unbeschwertheit und Lebenslust. Wie denken Eltern mit jugendlichen Kindern darüber?

Satellit im All Quelle: NASA

Gute Nachrichten gibt es auch. Die neueste Analyse der Satelliten-Daten der NASA ergab, dass im Jahre 2019 die Umweltverschmutzung mit Schwefeldioxid (SO2) weltweit um 6% zurückgegangen ist. Die Forscher nehmen an, dass die Kohlekraftwerke in Indien, China und Russland weniger zum Einsatz kamen als in den Jahren zuvor. Ein zarter Lichtschimmer für eine bessere Umwelt für unsere Kinder.

Mit den üblichen Schnupfenviren verabschieden sich die Schüler im Ländle in die Herbstferien. Vereinzelt tritt Krupphusten auf sowie bei den Kleinkinder obstruktive Bronchitis. Durchfall gibt es allenfalls als Begleitreaktion dieser Infekte und ganz selten infolge von Salmonellen. In der gesamten Woche trat kein einziger Fall von Rotavirusinfektion auf. Nicht erstaunlich. Im ganze Jahr ist die Häufigkeit dieser sonst typischen Infektion bei Kindern fast auf ein Fünftel gefallen.

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Traumhafte Schweiz. Quelle ptw

Was geht in der Welt rum? Viele Menschen aus Baden-Württemberg haben den Sommer genutzt und einen Tagestrip in die Schweiz unternommen. In Erinnerung sind herrliche Landschaften und grauselige Preise in den Spunten- pardon Restaurants. Gleichzeitig lauerte im Land der Eidgenossen auch die FSME. Bis Mitte Oktober wurden 428 Infektionen mit dem Zeckenvirus festgestellt. Im Ländle waren es zur gleichen Zeit 336 – trotz 3 Millionen mehr Einwohner.

Ich wünsche Ihnen eine entspannte Ferienwoche mit Ihren Kindern, Ihr

RSV-Virus – gibt es bald neue Therapien?

Informationen zu Impfungen gegen Viren finden sich seit Beginn der Corona-Pandemie spürbar häufiger in den Medien. Im Vordergrund stehen dabei die Impfungen gegen das Corona-Virus (SARS-CoV-2) und das Grippevirus (Influenza), deutlich dahinter das Masernvirus, was im Zusammenhang mit dem Masernschutzgesetz wieder an Bedeutung gewann.

Für Säuglinge gibt es jedoch ein weiteres Virus, das eine große Bedeutung hat: das Respiratorische Synzytial-Virus, kurz RSV. Wie das Influenzavirus tritt auch das RS-Virus vorwiegend in den Wintermonaten auf. Das RS-Virus wird vornehmlich übertragen, wenn mit Virus-Tröpfchen bedeckte Hände die Augen- und Nase berühren. Kinder im ersten Lebensjahr sind besonders stark betroffen, 48.5 von 1000 Kindern laut RKI. Dabei liegt die Tödlichkeit bei sonst gesunden stationär behandelten Kindern in den ersten beiden Lebensjahren bei immerhin 0.2 Prozent.

Ein Impfstoff gegen das RSV wäre also ein Segen, gerade für Säuglinge und jungen Kleinkinder und ganz besonders für frühgeborene Kinder und solche mit Vorerkrankungen (z.B. Herzfehler, Mukoviszidose, neurologische Erkrankungen). Leider sind vielfache Versuche einen Impfstoff zu entwickeln gescheitert, zuletzt in den 1990ger Jahren. Das liegt auch daran, dass der Aufbau ausreichender Antikörper beim jungen Säugling nicht gelingt. Der Versuch, Schwangere gegen RSV zu impfen in der Hoffnung, dass sie Antikörper auf den Säugling übertragen könnten, gelang zwar. Aber die Wirksamkeit dieser Impfung bei den Säuglingen war dann doch enttäuschend, so dass bislang keine aktive Impfung gegen RSV zugelassen wurde.

Bis heute steht zur Vorbeugung von RSV-Infektionen bei Risikokindern nur eine passive Immunisierung mit dem monoklonalen Antikörper Palivizumab (Handelsname: Synagis©) zur Verfügung. Dieser zeigt immerhin eine mäßige Wirksamkeit und muss monatlich als intramuskuläre Spritze verabreicht werden.

Inzwischen ist ein weiterer monoklonaler Antikörper namens Nirsevimab entwickelt worden, der sich in einer Phase-2-Studie als wirksam erwiesen hat. Die Ergebnisse der Studie um das Forscherteam von M. Pamela Griffin lassen auf eine bessere Wirksamkeit hoffen. Immerhin konnten in der Studie etwa 70% der RSV-Infektionen im Vergleich zu einem Placebo verhindert werden. Und das bei nur einer Injektion für die gesamte RSV-Saison.

Weitere Studien sind erforderlich, bis dieser Antikörper zugelassen werden kann. Bleibt zu hoffen, dass auch diese günstig ausfallen, damit die Risikokindern noch besser vor diesem potentiell gefährlichen Virus geschützt werden können.

Was geht rum? 17. Oktober 2020

Heute geht es wieder einmal um …. das Coronavirus. Für alle, die gerne Texte auswendig lernten, gab es früher „Die Glocke“ von Friedrich Schiller. Die moderne Variante ist die Verordnung über die Maskenpflicht auf öffentlichen Plätzen der freien Hansestadt Hamburg. Keine Sorge, wir werden Sie nicht abfragen.

Lüften- ein wichtiges Prinzip, um Viren aus Innenräumen zu verjagen. Quelle: pixabay, Bru_nO

Aber mal echt: Ab kommenden Montag wird in den Schulen in Baden-Württemberg ab der 5. Klasse die Maskenpflicht eingeführt. Also auch im Unterricht. Darüber hinaus soll in Klassenzimmern alle 20 Minuten für 3-5 Minuten gelüftet werden – am besten Querlüftung. Warum das günstig ist, haben Sie in einem Beitrag des praxisblättle vom letzten Samstag schon lesen können. Die aktuelle Empfehlung des Umweltbundesamtes finden Sie hier.

Was gestern noch richtig war, ist heute überholt. Wenn Sie sich aktuell über den Stand der Infizierten in einem Landkreis informieren wollen, dann hilft Ihnen diese Karte des RKI (COVID-19-Dashboard) weiter. Die Zahlen gehen in den meisten Regionen im Ländle steil nach oben.

Nun liegen die PoC-Tests vor, kurz Antigentest und noch kürzer „Schnelltest“ genannt. Sie verändern in Kürze einige Regeln der Teststrategie. Quelle: pixabay, Belova59

Testungen werden immer häufiger durchgeführt. Das betrifft die PCR-Testungen, die in spezialisierten Labors durchgeführt werden müssen. Im besten Fall muss man auf das Ergebnis 24 Stunden warten – es sein denn, man ist der Präsident der USA oder wohnt neben einem Labor. Die neue Alternative sind die Antigentests (point-of-care test, PoC). Sie sind zwar etwas weniger genau, aber das Ergebnis wird an Ort und Stelle ermittelt und liegt in knapp 1 Stunde vor. Die Firma Roche hat eine weitere Verbesserung zum Ende dieses Jahres angekündigt. Das Testergebnis soll dann in 18 Minuten abzulesen sein.

Für Eltern ist insbesondere wichtig, dass die Kindergärten und Schulen nicht zu Corona-Hotspots werden. In dieser Beziehung ist Baden-Württemberg – noch? – ein Musterländle. Von den 63.000 Schul-Klassen sind weniger als 1% wegen eines Infizierten geschlossen. In Berlin sieht’s schon anders aus. An einer Schule sind neun Schüler infiziert, an einer anderen (Campus Rütli) im Bezirk  Neukölln gar 21 Schüler.

Wollen Sie eine kleine Reise unternehmen? Hier finden Sie die aktuellen Corona-Verordnungen des jeweiligen Bundeslandes.

Die Atemwegsinfekte zeigen sich im jahreszeitlich üblichen Rahmen und nehmen leicht zu. Bislang ist zumindest bei der Zahl der „einfachen Racheninfekten“ kein günstiger Effekt durch die AHA-Regeln zu erkennen. In einzelnen Fällen treten auch obstruktive Bronchitiden auf.

Erkrankungen mit Windpocken (nur 39 in der letzten Woche) gehen weiter zurück. Ob hierzu auch das häufige Tragen eines MNS beiträgt ?

Was geht in der Welt rum? In Pandemiezeiten wird deutlich weniger gereist. Schon gar nicht in ferne Regionen wie Ostafrika. Dort wurde das West-Nil-Virus erstmals 1937 in Uganda festgestellt. Seit der Jahrtausendwende gibt es Ausbrüche auch in den USA. In der Corona-Pandemie hat sich dieses Virus auf den Weg nach Deutschland gemacht und hat in diesem Jahr 12 Menschen infiziert. Davon betroffen sind Halle an der Saale, Leipzig und der Großraum Berlin. Das sind Städte, die in diesen Zeiten für Badener und Württemberger schon fast so etwas wie Ausland darstellen.

Für das Wochenende wünsche ich Ihren Familien gemütliche Stunden und viele Sonnenstrahlen. Herzliche Grüße, Ihr

Die Infektwelle kommt bald. Macht eine Grippe-Impfung bei Kindern Sinn?

Für viele Laien sind die Impf-Empfehlungen in Deutschland verwirrend. Die STIKO bzw. das RKI empfehlen die Grippeimpfung nur für Versicherte ab 60 Jahre, für Menschen mit chronischen Erkrankungen, für Schwangere und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen. Für Baden-Württemberg hat das Sozialministerium jedoch erweiterte Empfehlungen. Hier wird – entsprechend den Vorgaben der WHO – die Grippeimpfung für alle Kinder ab dem 6. Lebensmonat empfohlen.

In den USA läuft bei der Corona-Pandemie sicher manches nicht so gut. Was aber die Influenza betrifft, liegen die Impfraten bei Kindern bei über 60%. Eine Zahl, die selbst bei den sog. Risikogruppen in Deutschland nicht annähend erreicht wird. Die American Academy of Pediatrics (in Englisch) hat gerade die Details für die Grippeimpfung von Kindern in der Saison 2020 / 2021 veröffentlicht, die in vielen Aspekten auch für Laien sehr interessant sind.

Klar ist, dass die Impfung gegen Influenza lange nicht so wirksam ist wie diejenige gegen Masern, bei denen eine „sterile Immunität“ erreicht wird, also beinahe bei allen Geimpften der Ausbruch von Masern verhindert werden kann. Dennoch ist sie gut wirksam und schützt viele Menschen. Und, sie ist der einzig verfügbare und nachweißlich wirksame Schutz vor dieser – wie „Corona “ – schweren Infektion.

Die Kinder- und Jugendärzte sehen den Stellenwert für die Grippe-Impfung bei Kindern ähnlich wie die Behörden im Ländle und raten Kinder in diesem Herbst gegen Influenza impfen zu lassen. Dazu der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) Johannes Hübner: „Wir wissen, dass Kinder den Influenzavirus maßgeblich übertra­gen“.

Eine Impfung der Kinder, das ist wissenschaftlich gut belegt, schützt indirekt auch die älteren Risikogruppen. Das zeigt eindrücklich eine zentrale wissenschaftliche Untersuchung von 2001 aus der Arbeitsgruppe um Masato Tashiro und Mitarbeiter aus Tokyo (Japan). Wenn der Enkel kein Grippevirus verbreitet, wird auch Omi nicht krank.

Aber Kinder können selbst auch schwer an Influenza (Grippe) erkranken, so dass sie sogar stationär behandelt werden müssen. Folgerichtig unterstützt auch Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) die Impfung von Kindern: „Deswegen haben wir diesmal zusätzlichen Grippeimpfstoff besorgt. Jeder, der sich und seine Kinder impfen lassen will, sollte und kann das tun.“

Als erste große Krankenkasse hat sich Mitte der Woche die AOK angeschlossen. Laut dem Deutschen Ärzteblatt hat ein Sprecher der AOK angekündigt, die Kostenübernahme betreffe „nicht nur die Impfung von Risikogruppen, sondern alle AOK-Versicherten, sofern die Ärzte dies für erforderlich halten“. Das ist ein gewichtiges Wort.

Konnten Sie sich für Ihre Kinder entscheiden können? Oder noch Fragen? Ganz sicher. Dann los an die Tasten. Anderen Eltern geht’s vermutlich recht ähnlich bei der Grippeimpfung ihrer Kinder.

Was geht rum? 10. Oktober 2020

Vielen Menschen ziehen neuerdings wortgewaltig über ein unbekümmert feiernde Jugend her, und andere echauffieren sich über die Einschränkungen im Alltag. Das Mittelmaß zwischen Sorglosigkeit und Überreaktion zu finden bleibt eine Herkulesaufgabe in dieser Pandemie. Wenden wir uns also nochmal den Möglichkeiten der Virenabwehr zu.

FFP2-Maske. Der Goldstandard. Quelle: ptw

1.  Die Masken. Das Coronavirus kann sich über verschiedene Wege ausbreiten. Ein wichtiger ist die Verbreitung über Tröpfchen – „Tröpfcheninfektion“ – weswegen das Tragen von Mund-Nasen-Schutz (MNS) so bedeutsam ist. Als besonders sicher gelten die FFP-2 (bzw. FFP-3)-Masken. Sie werden auf dem Markt mit unterschiedlichsten Preisen und aus unterschiedlichster Quelle angeboten. Handwerkern ist diese sog. Halbmaske, filtering face piece (FFP), seit Jahren ein essentieller Schutz gegen Feinstaub. Die Kategorie FFP-2 muss entsprechend der europäischen Norm EN 149 eine Schutzwirkung gegen kleine Partikel (max. 0.6 µg) zu 95% entfalten. Der entsprechende Standard in den USA ist die N95-Maske. KN95 nennt sich deren Schwester, die in China produziert wurde. Bleibt für uns als Verbraucher die Frage: Welche Maske ist die richtige? Vom Center für Disease Control (CDC), der US-Gesundheitsbehörde, wurde in dieser Woche eine Aufstellung der Masken veröffentlicht, die keine ausreichende Qualität (in Englisch) aufweisen können – Begründung inklusive. Vor jeder Bestellung im Internet eine empfehlenswerte und erhellende Lektüre.

Bereits im Juni hat eine Forschergruppe aus Mainz um Prof. Klaus Wälde gefunden, dass das die Einführung der Maskenpflicht zu einem Rückgang von COVID-19 um etwa 40% führte. Zu etwas weniger günstigen Zahlen kommen die Ökonomen um  Alexander Karaivanov aus Vancouver (in Englisch). Bei ihren Berechnungen lag der Effekt bei 25-40%. Wer sich die Wirkung des MNS in Bildern anschauen möchte, findet hier beeindruckende und klare Videos. MNS: Gute Wirkung, wenig Aufwand.

Haus in Lehmbauweise. Zum Lüften bleibt nur ein Fenster. Durchlüften ist somit schwer umsetzbar, solange die Haustüre geschlossen ist. Quelle: ptw

2. Die Lüftung – wegen der Aerosole. Inzwischen hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass Viren – wie die Coronaviren – in kleinsten Wassertröpfchen, also Aerosolen, in der Raumluft über einige Zeit halten können. Abstand zu halten ist extrem wichtig, aber durch die Bildung von Aerosolen keine absolut sichere Maßnahme. Dazu schreibt das RKI im neuen Steckbrief zum Coronavirus (Stand 02.10.2020):

Bei längerem Aufenthalt in kleinen, schlecht oder nicht belüfteten Räumen kann sich die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung durch Aerosole auch über eine größere Distanz als 1,5 m erhöhen, insbesondere dann, wenn eine infektiöse Person besonders viele kleine Partikel (Aerosole) ausstößt, sich längere Zeit in dem Raum aufhält und exponierte Personen besonders tief oder häufig einatmen. Durch die Anreicherung und Verteilung der Aerosole im Raum ist das Einhalten des Mindestabstandes zur Infektionsprävention ggf. nicht mehr ausreichend. Ein Beispiel dafür ist das gemeinsame Singen in geschlossenen Räumen über einen längeren Zeitraum, wo es z. T. zu hohen Infektionsraten kam, die sonst nur selten beobachtet werden (17, 18). Auch schwere körperliche Arbeit bei mangelnder Lüftung hat, beispielsweise in fleischverarbeitenden Betrieben, zu hohen Infektionsraten geführt (19). Ein effektiver Luftaustausch kann die Aerosolkonzentration in einem Raum vermindern. Übertragungen im Außenbereich kommen insgesamt selten vor (20). Bei Wahrung des Mindestabstandes ist die Übertragungswahrscheinlichkeit im Außenbereich aufgrund der Luftbewegung sehr gering.

Was bedeutet das praktisch? Dazu gibt das Umweltbundesamt in Bezug auf das Corona-Virus klare Handlungsanweisungen – für zuhause, die Schulräume und für Sporträume. Sehr lesenswert! Ebenso konkret sind die Hygienehinweise für die Schulen in Baden-Württemberg, die vor knapp 4 Wochen veröffentlicht wurden (Stand 16.09.2020). In Anbetracht der rasant ansteigenden Infektionszahlen eine wichtige Lektüre, nicht nur für Eltern.

Trotz der Zunahme der Coronainfektionen wollen wir die banalen Infekte nicht vergessen. Das sind ganz besonders Infektionen mit Schnupfen, aber auch häufig auch Durchfall. Dahinter stecken häufig Adenoviren. Insgesamt sind die Infekte bei Kindern zumindest nicht mehr geworden. Trotzdem können einzelne Kinder auch schwerer erkranken, z.B. mit einem Krupphusten.

Die Windpocken zeigen einen ersten Trend, wieder an Fahrt aufzunehmen. Noch liegen die wöchentlichen Zahlen aber deutlich unter denen des letzten Jahres. Vermutlich dank der Abstandsregeln. Beim Mumps der gegenläufige Trend. Hier steuert die Häufigkeit der Fälle auf das Doppelt des letzten Jahres zu. Mit den zwei Erkrankungen der letzten Woche wurde Mumps nun 71 mal in diesem Jahr registriert.

 

Stickstoffdioxid-Konzentrationen (NO2) an Messstationen in Zentral-London in Mikrogramm pro Kubikmeter.  Quelle: The Guardian

Stephen Holgate Quelle: Universität Southhampton

Die gute Nachricht? Die gibt’s auch diese Woche. London ist die Stadt, die durch eine ungünstige Gemengelage von smoke (Rauch) und fog (Nebel) den Begriff Smog prägte. Die oftmals ungünstige Wetterlage führte bei zunehmender Luftverschmutzung durch Industrie und Autos immer wieder zu extremer Belastung der Atemwege der Menschen und ganz besonders der Kinder. Aber Politik kann etwas bewirken, wie der dramatische Rückgang der NO2-Konzentration im Zentrum von London zeigt. Der sonst eher zurückhaltende Immunologe und Allergologe Stephen Holgate– ich kenne ihn von Kongressen seit über 2 Jahrzehnten – stellt dazu fest: “Air pollution is a scourge on society, especially harming the young and old“ (freie Übersetzung: Luftverschmutzung ist eine Geißel, die speziell den jungen und alten Menschen Leid zufügt). Der Bürgermeister von London habe bewiesen, dass enorme Verminderungen giftiger Schadstoffe möglich sei und dass die Geschäftswelt und die Bürger bereit seien, diese Maßnahmen mitzutragen. Ich denke, das könnte ein belebender Ansporn für die Metropole im Ländle sein.

Was geht in der Welt rum? Das West-Nil-Fieber hat sich in diesem Sommer in Europa spürbar ausgebreitet: 130 Fälle in Griechenland, 20 davon verliefen tödlich. Die Erkrankung betrifft in aller Regel Vögel. Menschen können auch betroffen sein. Impfung gibt es keine. Die einzig mögliche Maßnahme das West-Nil-Fieber zu verhindern ist ausreichender Mückenschutz.

Wollen Sie unsere Arbeit unterstützen? Dann nutzen Sie die Hinweise, die Sie auf der Eingangsseite zum Blog rechts oben finden. An dieser Stelle schon mal herzlichen Dank.

Das Wochenende wird von wenig Schadstoffen in der Luft geprägt sein. Oder anders, es ist wohl regnerisch und kühl. Genießen Sie mit Ihren Kindern auch solche Tage, an denen die Herbstdüfte in der Natur besonders intensiv sind.

Akute Mittelohrentzündung

Infekte bei Kleinkindern sind zu manchen Zeiten fast normaler als völlige Gesundheit. Viele von ihnen haben im Herbst und Winter Schnupfen, der mal besser mal schlimmer ist. Aber nie weg – Schnupfensaison.

Im Rahmen akuter Infektionen, wenn aus einem Schnupfen Krankheit mit Abgeschlagenheit, Husten und Fieber wird, entwickelt sich bei vielen Kleinkindern eine akute Entzündung der Mittelohren – akute Otitis media (AOM). Das ist gar nicht selten. In den ersten zwei Lebensjahren erleben 80% aller Kinder eine Mittelohrentzündung. Bis zur Einschulung haben nahezu die Hälfte aller Kinder bereits 6 oder mehr Episoden mit AOM hinter sich.

Die Mittelohrentzündung beginnt meist dann, wenn Eltern das Gefühl haben, nun sei das gröbste eines Virusinfektes vorbei: Etwa 3-7 Tage nach Ausbruch des vorausgehenden Infektes kommt es in aller Regel akut zu massiven Ohrschmerzen. Wenn Kinder kleiner sind, schreien sie sehr heftig und beklagen sich manchmal über Bauchschmerzen – obwohl die Ursache im Ohr liegt.

Eustachische Röhre, hier als „auditory tube“ bezeichnet Quelle: Von Henry Vandyke Carter – Henry Gray (1918) Anatomy of the Human Body (See „Buch“ section below)Bartleby.com: Gray’s Anatomy, Tafel 907, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=566848

Die Entzündung im Mittelohr kommt meist dadurch zustande, dass die Eustachische Tube (im Deutschen als Ohrtrompete bezeichnet) durch den vorausgehenden Virusinfekt zugeht. Damit wird die Verbindung von Mittelohr und Rachenhinterwand verschlossen und Keime, die bereits im Mittelohr sind können sich vermehren und die AOM auslösen. Das Zugehen der Eustachischen Röhre ist vielen gut bekannt, wenn sie mit dem Auto eine Passstraße zügig hoch bzw. runter fahren, Dann „gehen die Ohren zu„. In der Graphik links ist der Zusammenhang dargestellt. Die Ohrtrompete ist dort als „auditory tube“ bezeichnet.

Die Mittelohrentzündung kann durch Bakterien wie durch Viren ausgelöst werden. Oft kommt die AOM durch eine Mischinfektion aus verschiedenen Bakterien und Viren zustande.

Es gibt einzelne Risikofaktoren, die eine Mittelohrentzündung begünstigen:

  • Kinder, die einen Schnuller benutzen.
  • Das Rauchen der Eltern erhöht das Risiko für eine Mittelohrentzündung um 50%.
  • ältere Geschwister bzw. Besuch von Gemeinschaftseinrichtungen.
  • Adenoide Vegetationen, fälschlicherweise oft „Polypen“ genannt.

Eine günstige Wirkung hat das Stillen. Ebenfalls schützend sind Impfungen. So ging seit Einführung der Pneumokokken-Impfung in Deutschland die Zahl aller Mittelohrentzündungen um 32% zurück. Auch nach Haemophilus-influenzae-Impfungen sowie nach Influenza-Impfungen (20%) ging die Zahl der Mittelohrentzündungen nachweislich zurück.

Die Therapie mit Antibiotika wird seit Jahren immer weniger eingesetzt. Das gilt nicht für Säuglinge unter 6 Monaten und nur eingeschränkt für Kinder unter 2 Jahren. Trotz der Gabe  eines Antibiotikums bleibt der Schmerz manchmal noch Tage bestehen. Die Behandlung mit Schmerzmitteln sollte gerade bei der AOM großzügig erfolgen.

Traditionell werden abschwellende Nasentropfen verabreicht. Das lässt die Nasenschleimhaut abschwellen, hat aber keinen Einfluss auf die Eustachische Röhre und damit auch keinen Einfluss auf eine raschere Besserung der Mittelohrentzündung. Für die Anwendung pflanzlicher Säfte kann bei momentaner Studienlage keine Empfehlung gegeben werden.

Fazit: Die akute Mittelohrentzündung ist eine extrem schmerzhafte Erkrankung, die eine entsprechend großzügige Behandlung mit Schmerzmitteln rechtfertigt. Ein Kind mit AOM sollte immer einem Kinder- und Jugendarzt zur Kontrolle vorgestellt werden. Dabei ist es häufig ausreichend, wenn zunächst einmal der Schmerz behandelt wird und der Arztbesuch auf den kommenden Morgen vereinbart wird.

Was geht rum? 03. Oktober 2020

Der Herbst ist da, es wird spürbar kühler und die Lust großzügig zu lüften lässt ebenso spürbar nach. Damit steigt das Risiko an Infektionen zu erkranken. Wie in jedem Jahr. Nur, dass in diesem Herbst und Winter das Coronavirus als neuer Begleiter hinzukommt. Interessant ist, dass die Erkrankung einer einzigen, weltpolitisch wichtigen Person in der Wahrnehmung der Pandemie mehr bewirkt, als viele erhellende wissenschaftliche Erkenntnisse der letzten Woche. Wir bleiben bei den wissenschaftlichen Fakten.

COVID – Erkrankungen bei Kindern, prozentual zu den Gesamterkrankungen von April bis September. Quelle: Blake Sisk et al., PEDIATRICS, 2020

In den USA ist ein wichtiger Trend zu erkennen: Das SARS-CoV-2 breitet sich bei den Kindern zunehmend aus. Durch die Schulschließungen im Frühjahr war der Anteil der Kinder an den Infizierten noch sehr gering. Seit April (2.2%) hat sich deren Anteil nun fast verfünffacht (10.0%), wie die PrePublication von Blake et al. aus Pediatrics gerade zeigt.

SARS-CoV-2-Fälle in Baden-Württemberg nach Altersgruppe und Meldewoche. Die hell- und dunkelgrauen Bezirke zeigen den Anteil der Kinder und Jugendlichen bis 20 Jahre. Quelle: LGA Baden-Württemberg

Nicht viel anders stellt sich dieser Trend auch in Baden-Württemberg dar. Das zeigen die grauen Säulen im Diagramm. Es scheint, dass sich das Virus in dieser jungen Altersgruppe weiter ausbreitet. Infektionen von Kind zu Kind sind aber noch immer selten. Das hat vermutlich auch damit zu tun, dass Schulen und Kindergärten ihre Konzepte zum Schutz vor dem Coronavirus auch gut umsetzen.

Im Herbst nehmen die Infekte zu. Das zeigen auch die offiziellen Statistiken. Die Aktivität der Atemwegsinfektionen ist bisher vergleichbar mit den letzten Jahren, wobei sie in Baden-Württemberg gegenüber anderen Regionen in Deutschland tendenziell niedriger liegt. Als Erreger liegen – wie erwartet – die Rhinoviren ganz vorne. Das sind die Erreger des typischen Herbstschnupfens: Schnupfensaison.

Bei den Kinderkrankheiten zum Glück nichts Neues: Nur Keuchhusten und Windpocken, keine Masern oder Mumps.

Was geht in der Welt rum? Nach Russland reisen viele Menschen aus Baden-Württemberg. Dabei sollte bedacht werden, dass es dort noch vereinzelte Fälle von Tollwut gibt. Zuletzt verstarb eine Frau im Oblast Jaroslawl nach dem Biss eines tollwütigen Fuchses. Die Tollwut wird oftmals von Wildtieren auf Haustiere übertragen und kann auf diesem Weg den Menschen bedrohen. Gerade bei Reisen in abgelegene Gebiete kann deswegen eine Impfung gegen Tollwut sinnvoll sein.

In eigener Sache: Die planet4kids media unterstützen Projekte, die das gesundheitliche Wohl von Kindern im Focus haben. Zwei Projekte sind bereits ohne finanzielle Hilfe von außen abgeschlossen. Zum einen untersuchte die VAVANY-Studie die 2009 in Antananarivo die Bedeutung von Asthma bei Stadt-Kindern. Das andere ist die MAKI-Studie, die ich Ihnen kürzlich im praxisblättle kurz vorgestellt habe. Beides sind für Kinder wichtige Projekte, können aber medial – ohne Hilfe großer Marketingagenturen wie Jung von Matt – kaum mit finanzieller Unterstützung rechnen.

Das dritte Projekt – und darum geht es heute – ist Ihr praxisblättle. Im Frühjahr, kurz bevor die Pandemie unser Leben veränderte, haben viele der praxisblättle– Leser in unserer Umfrage ihre Bereitschaft erklärt, uns auch finanziell zu unterstützen. Das hat uns sehr gefreut und uns Mut gemacht. So können wir weiterhin – wie schon seit 25 Jahren – dieses Format ohne Werbung beibehalten. Unterstützen können Sie uns ganz klassisch per Überweisung (planet4kids media, Fidor Bank AG,  DE97 7002 2200 0020 4770 40, FDDODEMMXXX; Stichwort „praxisblättle“). Oder Sie nutzen Patreon, über den Sie uns einen kleinen Betrag monatlich spenden.

Welche Kosten fallen für die Erstellung des praxisblättle an (wichtigste Posten)?

  • Fotographie. Manche Bilder müssen eingekauft werden
  • Zugang zu Original-Literatur. Medizinische Fachliteratur ist meist nicht kostenlos.
  • Kosten für Unterhalt und Pflege der Homepage

Ich wünsche Ihnen ein entspanntes Wochenende. Herzliche Grüße, Ihr