Was geht rum? 10. Oktober 2020

Ausbreitung des SARS-CoV-2 von einem Infizierten auf seine Umgebung . Quelle: ptw

Vielen Menschen ziehen neuerdings wortgewaltig über ein unbekümmert feiernde Jugend her, und andere echauffieren sich über die Einschränkungen im Alltag. Das Mittelmaß zwischen Sorglosigkeit und Überreaktion zu finden bleibt eine Herkulesaufgabe in dieser Pandemie. Wenden wir uns also nochmal den Möglichkeiten der Virenabwehr zu.

FFP2-Maske. Der Goldstandard. Quelle: ptw

1.  Die Masken. Das Coronavirus kann sich über verschiedene Wege ausbreiten. Ein wichtiger ist die Verbreitung über Tröpfchen – „Tröpfcheninfektion“ – weswegen das Tragen von Mund-Nasen-Schutz (MNS) so bedeutsam ist. Als besonders sicher gelten die FFP-2 (bzw. FFP-3)-Masken. Sie werden auf dem Markt mit unterschiedlichsten Preisen und aus unterschiedlichster Quelle angeboten. Handwerkern ist diese sog. Halbmaske, filtering face piece (FFP), seit Jahren ein essentieller Schutz gegen Feinstaub. Die Kategorie FFP-2 muss entsprechend der europäischen Norm EN 149 eine Schutzwirkung gegen kleine Partikel (max. 0.6 µg) zu 95% entfalten. Der entsprechende Standard in den USA ist die N95-Maske. KN95 nennt sich deren Schwester, die in China produziert wurde. Bleibt für uns als Verbraucher die Frage: Welche Maske ist die richtige? Vom Center für Disease Control (CDC), der US-Gesundheitsbehörde, wurde in dieser Woche eine Aufstellung der Masken veröffentlicht, die keine ausreichende Qualität (in Englisch) aufweisen können – Begründung inklusive. Vor jeder Bestellung im Internet eine empfehlenswerte und erhellende Lektüre.

Bereits im Juni hat eine Forschergruppe aus Mainz um Prof. Klaus Wälde gefunden, dass das die Einführung der Maskenpflicht zu einem Rückgang von COVID-19 um etwa 40% führte. Zu etwas weniger günstigen Zahlen kommen die Ökonomen um  Alexander Karaivanov aus Vancouver (in Englisch). Bei ihren Berechnungen lag der Effekt bei 25-40%. Wer sich die Wirkung des MNS in Bildern anschauen möchte, findet hier beeindruckende und klare Videos. MNS: Gute Wirkung, wenig Aufwand.

Haus in Lehmbauweise. Zum Lüften bleibt nur ein Fenster. Durchlüften ist somit schwer umsetzbar, solange die Haustüre geschlossen ist. Quelle: ptw

2. Die Lüftung – wegen der Aerosole. Inzwischen hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass Viren – wie die Coronaviren – in kleinsten Wassertröpfchen, also Aerosolen, in der Raumluft über einige Zeit halten können. Abstand zu halten ist extrem wichtig, aber durch die Bildung von Aerosolen keine absolut sichere Maßnahme. Dazu schreibt das RKI im neuen Steckbrief zum Coronavirus (Stand 02.10.2020):

Bei längerem Aufenthalt in kleinen, schlecht oder nicht belüfteten Räumen kann sich die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung durch Aerosole auch über eine größere Distanz als 1,5 m erhöhen, insbesondere dann, wenn eine infektiöse Person besonders viele kleine Partikel (Aerosole) ausstößt, sich längere Zeit in dem Raum aufhält und exponierte Personen besonders tief oder häufig einatmen. Durch die Anreicherung und Verteilung der Aerosole im Raum ist das Einhalten des Mindestabstandes zur Infektionsprävention ggf. nicht mehr ausreichend. Ein Beispiel dafür ist das gemeinsame Singen in geschlossenen Räumen über einen längeren Zeitraum, wo es z. T. zu hohen Infektionsraten kam, die sonst nur selten beobachtet werden (17, 18). Auch schwere körperliche Arbeit bei mangelnder Lüftung hat, beispielsweise in fleischverarbeitenden Betrieben, zu hohen Infektionsraten geführt (19). Ein effektiver Luftaustausch kann die Aerosolkonzentration in einem Raum vermindern. Übertragungen im Außenbereich kommen insgesamt selten vor (20). Bei Wahrung des Mindestabstandes ist die Übertragungswahrscheinlichkeit im Außenbereich aufgrund der Luftbewegung sehr gering.

Was bedeutet das praktisch? Dazu gibt das Umweltbundesamt in Bezug auf das Corona-Virus klare Handlungsanweisungen – für zuhause, die Schulräume und für Sporträume. Sehr lesenswert! Ebenso konkret sind die Hygienehinweise für die Schulen in Baden-Württemberg, die vor knapp 4 Wochen veröffentlicht wurden (Stand 16.09.2020). In Anbetracht der rasant ansteigenden Infektionszahlen eine wichtige Lektüre, nicht nur für Eltern.

Trotz der Zunahme der Coronainfektionen wollen wir die banalen Infekte nicht vergessen. Das sind ganz besonders Infektionen mit Schnupfen, aber auch häufig auch Durchfall. Dahinter stecken häufig Adenoviren. Insgesamt sind die Infekte bei Kindern zumindest nicht mehr geworden. Trotzdem können einzelne Kinder auch schwerer erkranken, z.B. mit einem Krupphusten.

Die Windpocken zeigen einen ersten Trend, wieder an Fahrt aufzunehmen. Noch liegen die wöchentlichen Zahlen aber deutlich unter denen des letzten Jahres. Vermutlich dank der Abstandsregeln. Beim Mumps der gegenläufige Trend. Hier steuert die Häufigkeit der Fälle auf das Doppelt des letzten Jahres zu. Mit den zwei Erkrankungen der letzten Woche wurde Mumps nun 71 mal in diesem Jahr registriert.

 

Stickstoffdioxid-Konzentrationen (NO2) an Messstationen in Zentral-London in Mikrogramm pro Kubikmeter.  Quelle: The Guardian

Stephen Holgate Quelle: Universität Southhampton

Die gute Nachricht? Die gibt’s auch diese Woche. London ist die Stadt, die durch eine ungünstige Gemengelage von smoke (Rauch) und fog (Nebel) den Begriff Smog prägte. Die oftmals ungünstige Wetterlage führte bei zunehmender Luftverschmutzung durch Industrie und Autos immer wieder zu extremer Belastung der Atemwege der Menschen und ganz besonders der Kinder. Aber Politik kann etwas bewirken, wie der dramatische Rückgang der NO2-Konzentration im Zentrum von London zeigt. Der sonst eher zurückhaltende Immunologe und Allergologe Stephen Holgate– ich kenne ihn von Kongressen seit über 2 Jahrzehnten – stellt dazu fest: “Air pollution is a scourge on society, especially harming the young and old“ (freie Übersetzung: Luftverschmutzung ist eine Geißel, die speziell den jungen und alten Menschen Leid zufügt). Der Bürgermeister von London habe bewiesen, dass enorme Verminderungen giftiger Schadstoffe möglich sei und dass die Geschäftswelt und die Bürger bereit seien, diese Maßnahmen mitzutragen. Ich denke, das könnte ein belebender Ansporn für die Metropole im Ländle sein.

Was geht in der Welt rum? Das West-Nil-Fieber hat sich in diesem Sommer in Europa spürbar ausgebreitet: 130 Fälle in Griechenland, 20 davon verliefen tödlich. Die Erkrankung betrifft in aller Regel Vögel. Menschen können auch betroffen sein. Impfung gibt es keine. Die einzig mögliche Maßnahme das West-Nil-Fieber zu verhindern ist ausreichender Mückenschutz.

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Das Wochenende wird von wenig Schadstoffen in der Luft geprägt sein. Oder anders, es ist wohl regnerisch und kühl. Genießen Sie mit Ihren Kindern auch solche Tage, an denen die Herbstdüfte in der Natur besonders intensiv sind.

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