Schlafapnoe bei Kindern: Ist die Entfernung der Mandeln günstig?

Die Gaumenmandeln bei Kindern können manchmal fast die Größe von Walnüssen erreichen und verlegen hierbei den Eingang zum Rachen. Gut nachvollziehbar, dass es dort reichlich eng wird - besonders bei Atmen und auch beim Essen Quelle: ptw

Über die letzten 50 Jahre hat sich die Einstellung zu den Mandeln – medizinisch: Tonsillen – enorm verändert. Zum einen wurde deren Bedeutung als Immunorgan immer besser verstanden. Zum anderen ging mit neuen diagnostischen Untersuchungsmöglichkeiten die Rate an Mandeloperationen (Tonsillektomie bzw. Adenotonsillektomie) deutlich zurück.

Wenn Kinder viele Infekte durchmachen, sind ihre Tonsillen (Mandeln) im Rahmen der Abwehr bedeutsam. In den Tonsillen sitzen Scharen von Immunzellen, die sich mit den Erregern im Nasen-Rachenraum auseinandersetzen. Bei einigen der Kinder führt dieser Kampf der Immunzellen zu Vernarbungen in den Mandeln und damit schließlich zu deren Vergrößerung. Diese Mandelvergrößerung (Tonsillenhyperthrophie) kann so erheblich sein, dass bei offenem Mund nur die Mandeln und nicht der Rachen zu sehen ist: als kissing tonsils  bezeichnen die amerikanischen Ärzte den Zustand, wenn die linke und die rechte Mandel sich fast permanent berühren.

Das hat Folgen. Zum einen fällt es Kindern schwerer, voluminöses Essen (wie Pommes) zu schlucken. Noch schlimmer ist, dass diese großen Mandeln im entspannten Zustand im Schlaf nach hinten Fallen und die Atemwege verengen. Das führt häufig zu enormem Schnarchen und auch zur kompletten Verlegung der Atemwege mit Atemaussetzern. Zum Glück wehrt sich das Gehirn und lässt das betreffende Kind in dieser Not erwachen. Aber die entspannende Ruhe der Nacht ist weg und Kinder durchleben eine Achterbahnfahrt zwischen Entspannung und  Atemnot mit der Folge, dass sie sich nachts kaum erholen und an Tagesmüdigkeit, Kopfschmerzen und Lernschwäche leiden.

Für Erwachsene und Schulkinder sind diese Prozesse recht gut untersucht, für Kleinkinder mit vielen Infekten jedoch nicht. Klar ist bislang nur, dass die schwere obstruktive Schlafapnoe – kurz OSA – (so nennt sich dieser Zustand) in erster Linie durch Entfernung der Gaumen- und Rachenmandeln (Adenotonsillektomie – ATE) behandelt werden sollten.

Eine neue Arbeit von J Fehrm und Kollegen aus den HNO Kliniken von Uppsala und Stockholm (Schweden) beschäftigt sich mit den obstruktiven Schlafapnoen von leichten bis mittlerem Grad in der Altersgruppe von 2 bis 5 Jahren. Es zeigte sich in einer kleinen Gruppe von 60 Kindern, dass Kinder nach ATE spürbare Verbesserungen der Lebensqualität aufwiesen gegenüber denen, bei denen zugewartet wurde. Ebenso wurde bei den mittelgradigen OSA ein Rückgang der Atemaussetzer gefunden.

Die Autoren kommen zum Schluss, dass eine beobachtende Haltung – „watchful waiting“ für sechs Monate möglich sei. Diese könne jedoch mit dem Risiko von nächtlichen Symptomen, Verhaltensauffälligkeiten und einer beeinträchtigen Lebensqualität für die jungen Kinder verbunden ein.

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