Monat: Dezember 2020

Im Strudel der Veränderungen: Die Kinder nicht vergessen!

Vermutlich werden Sie aufatmen, wenn dieses Jahr in wenigen Stunden zu Ende geht. Für die allermeisten von uns hat es die unterschiedlichsten Veränderungen und Belastungen mit sich gebracht.

Da sind einige Leser, die selbst mit dem Coronavirus erkrankt sind und erfahren haben, dass diese Erkrankung wahrlich mehr machen kann als andere Atemwegsinfekte. Obwohl ihre Krankheit nach außen hin zumeist nicht gar so schlimm erscheint, sind sie vielleicht von einer lähmenden Müdigkeit betroffen, die sie ängstigt. Eltern fragen sich, wie lange kann ich noch für meine Kinder da sein?

Andere Menschen erleben die Folgen des Virus nur aus den Medien und kennen vielleicht keinen, der betroffen ist. Sie merken nicht, dass die Familie an der Kasse des Einkaufsmarktes vor ihnen zum ersten Mal wieder in der Öffentlichkeit ist und die Mutter der drei Kinder es kaum schafft, so lange auf den Beinen zu bleiben. So bleibt ihre Sicht der Welt, dass die Pandemie von böswilligen Kräften gesteuert würde, unverändert.

Viele Kinder kennen zwar das Wort Corona, aber was das genau bezeichnet, ist vielen nicht klar. Sie wissen nur: Seit sie dieses Wort hören, hat sich die Welt komplett verändert. Im Kindergarten dürfen sie nicht mehr zu ihrer Freundin in die andere Gruppe. Ein Kindergeburtstag findet nur im kleinsten Rahmen statt – und Spontanität unter Kindern wird an allen Ecken und Enden ausgebremst. Obwohl sie erst 3 oder 4 Jahre auf dem Planeten leben, sind sie bereits um eine volles Jahr Sorglosigkeit betrogen worden. Wenn über Kinder geredet wird, sind entweder die Eltern gemeint (Vereinbarkeit mit der Arbeit) oder die Bildung (sprich: die Wirtschaft). Beides wichtige Aspekte. Aber sollten wir nicht mehr an die Lust der Kinder denken zu rennen, zu spielen, zu probieren, zu lachen, mit Freunden zusammen zu sein?

Jugendlichen geht es kaum besser. Sie wollen sich vom Elternhaus abnabeln und ihr eigenes Leben aufbauen. Dazu suchen sie Freunde, mit denen sie gemeinsam verrücktes erleben wollen, ausprobieren, über die Stränge schlagen. Wenn sie heute provozieren, verstoßen sie sofort gegen Regeln, die zum Schutz der Gesellschaft etabliert wurden: Treffen zweier Haushalte? Gerade noch möglich. Aber wie soll ein Jugendlicher Erfahrung sammeln ohne sich in seiner Gruppe von Freunden zu treffen? Die meisten wurden um ein Jahr Jugend beraubt – der Vergleich sei erlaubt – wie ihre Großeltern im Krieg, wenngleich damals Gewalt und Hunger hinzukamen. Nebenbei wird die Partnersuche auf später verschoben. Ganz schön heftig.

Und Sie als Eltern? Vielleicht hatten Sie nie Kontakt zu jemandem, der die Coronainfektion erlebt hat. Sie erleben aber die Folgen umso deutlicher: In der Arbeit (Homeoffice), zuhause (zu enge Wohnung für eine Quarantäne) und mit den Kindern (die nicht in die KiTa oder die Schule dürfen und sie müssen trotzdem schauen, dass Geld aufs Konto kommt).

Es verwundert nicht dass Menschen aufmucken. Das Volk will nicht mehr folgen. Vielleicht eint uns bald doch der Gedanke, das Virus bewusst austrocknen zu können? Mit Maske, Abstand und Hygiene? Noch sind viele dazu nicht bereit.

Alle zusammen haben wir Lust auf das neue Jahr. Hoffentlich gelingt es uns das Virus einzugrenzen, wie auch immer. Und möglichst schnell. Deswegen wünschen sich die meisten eine Impfung – aber bitte ohne Hast. Eine solche Maßnahme muss gut geplant und überlegt sein. Eile ja, Hast nein.

Ich wünsche Ihnen, dass im kommenden Jahr zumindest ein Teil unserer zarten Wünsche in Erfüllung gehen wird: Wieder einmal Freunde umarmen, Kinder spielen und Jugendliche in Clubs abhängen lassen so wie sie es wollen.

Ganz herzlich grüßt Sie, Ihr

Tipps – für Eltern mit kleinen Kindern

Wer Kinder hat ist täglich mindestens einmal unsicher. Wie soll ich reagieren? Was ist gut für mein Kind? Soll ich eingreifen?

Ganz nett wären da ein paar Ideen oder Anregungen von anderen Eltern oder Fachleuten. Sie werden sagen, dafür gibt es doch das praxisblättle – stimmt. Aber es gibt auch andere seriöse Adressen, wo sich Eltern spannende Informationen holen können. Eine davon ist www.gesund-ins-leben.de, ein Netzwerk von Institutionen, Fachgesellschaften und Verbänden. Beiträge gibt es vor allem zum Thema Ernährung wie „So lernen Kleinkinder essen“, aber auch zu „Allergien und Unverträglichkeiten“ und zum Coronavirus.

Was geht rum? 26. Dezember 2020

Todesfälle durch Lungenentzündung bei Kleinkindern weltweit halbiert

Der chilenische Weg für eine gesunde Ernährung der Kinder

Schulen als Pandemietreiber? Eher nein

Weiterhin wenig Infekte im Ländle

Weihnachten. Das Fest der Freude. Getrübt nur durch kleinste Teilchen, die gerade mal einen zehntausendsten Teil eines Millimeter an Durchmesser aufweisen und uns Menschen angreifen, die wir mehr 120 Milliarden mal so groß sind. Sie machen uns mehr als nur krank. Sie vermögen Teile der Gesellschaft gegeneinander aufzubringen. Und jetzt vor Weihnachten führten sie zu Hast und Eile, was die Impfung gegen das SARS-CoV-2 betrifft. Gut zu wissen, dass die oberste Europäische Arzneimittelbehörde sich nicht unter Druck setzen ließ.

Vielleicht wollen Sie das kleine Teilchen mal Ihren Kindern vorstellen? Vom Bundesministerium für Gesundheit gibt es eine sehr nette Broschüre: „Wie wir uns vor Corona schützen können – Tipps für Kinder von Lisa und Paul. Sie zeigt, Kreativität ist auch ein Merkmal dieser zumeist anstrengenden Zeit.

Im Strudel der schlechten Nachrichten der letzten Woche verschwand eine Meldung, die eine fette Schlagzeile Wert gewesen wäre: Die Gefahr durch Lungenentzündungen bei kleinen Kindern (unter 5 Jahren) hat sich deutlich verringert. Starben im Jahre 2011 noch 1,3 Millionen Kinder daran, waren es zuletzt noch 672.000. Für uns in Mitteleuropa kaum vorstellbar. Aber Lungenentzündung ist für Kinder in den ersten 5 Jahren ihres Lebens in den meisten Ländern der Erde gefährlicher als AIDS, Tuberkulose oder Malaria. Noch heute werden in Krankenhäusern in Afrika schwer kranke Kinder abgewiesen, wenn ihre Eltern kein Geld für die Behandlung hinlegen können. Aber die Kliniken sind ebenso bettelarm wie die Menschen selbst. Weitere Informationen gibt die Kampagne Stopp Pneumonia (in Englisch).

Kennzeichnung von Nahrungsmitteln in Chile Quelle: Gesundheitsministerium von Chile

Aus Chile kommen auch gute Nachrichten für Eltern. Weil chilenische Kinder immer mehr unter Übergewicht litten, hat die Regierung im Jahre 2016 ein neues und strenges Gesetz zur Kennzeichnung von Lebensmitteln eingeführt. Das brachte viele Veränderungen im Alltag: alle Lebensmittel mit zu viel Zucker, Fett, Kalorien oder Salz sind auf der Vorderseite des Produktes sind inzwischen deutlich sichtbar gekennzeichnet. Solchermaßen markierte Nahrungsmittel dürfen in Schulen nicht verkauft werden. Auch in den Schulkantinen sind sie verboten. Ergänzend gibt es erhebliche Werbeverbote. Parallel verschwanden Comic-Helden und Zeichentrickfiguren von den Verpackungen. In einer Langzeit-Beobachtungsstudie (in Englisch) einer Forschergruppe um Camila Corvalán (Universidad de Chile, Santiago de Chile) wurden die Ergebnisse über einen Zeitraum von 3 Jahren untersucht. Es zeigte sich, dass der Konsum von high-in-Getränken seit 3 Jahren um 23,8% zurückging, also solchen Getränken mit hohem Gehalt an Zucker, Fetten, Natrium-Salzen oder Kalorien. Politisch radikale Schritte können sich also günstig auf die Ernährung von Kindern auswirken.

Welche Gruppe unserer Gesellschaft treibt die Pandemie? Erst sollen es die jungen Menschen, später auch die Vor-Rentner (59-65 Jahre) gewesen sein. Und immer wieder die Schulen. Die gerade erschienene Untersuchung unter Federführung von Prof. Dr. Ursel Heudorf aus dem  Gesundheitsamt in Frankfurt am Main belegt, dass Schüler und Lehrer kaum zur Verbreitung des Coronavirus beitragen. So wurde bei jedem Infizierten die Umgebung untersucht: im Durchschnitt 7 Lehrer und 27 Schüler. Aber unter diesen Kontaktpersonen fanden sich nur 0,57 positiv getestete Personen. Aktuelle Zahlen der ONS (Official National Statistics) aus Großbritannien zeigen andererseits, dass die Zahl der positiv getesteten Personen gerade in den jüngsten Altersgruppen (2-11 Jahre) höher liegt (2%-2,5% gegenüber 1% – 1,5%)  als in den anderen Altersgruppen. Ohne ausreichende digitale Lehr- und Lernangebote wird es wohl auf Dauer nicht gehen. Schule kann trotz allem nicht nur als Präsenzunterricht stattfinden. So sehr wir das hofften – und lange glaubten.

In Baden-Württemberg ist die Zahl der Atemwegsinfekte bei Kindern weiterhin eher niedrig und liegt klar unter den Werten der letzten beiden Winter. Obwohl mancherorts enge Kontakte stattfinden, bleibt die Zahl der Kinderkrankheiten ebenfalls sehr niedrig. Das gilt weiterhin für den Keuchhusten mit 872 neuen Erkrankungen in diesem Jahr (Jahr 2019: 1845 Keuchhustenfälle). Es wurden also fast 1000 Personen von dieser unangenehmen und für kleine Kinder gefährlichen Krankheit verschont. Die Abstandsregeln lohnen sich  offensichtlich auch für Kinder, um sich schwerwiegende Kinderkrankheiten vom Hals zu halten.

Was geht in der Welt rum? Im Schatten des Coronavirus traten seit September diesen Jahres 28 Infektionen mit Impfstoff-abgeleitetem Poliovirus Typ 2 (cVDPV2) in der Republik Südsudan auf. Das ist zwar kein touristisches Reiseziel. Dennoch könnte sich von dort ein Polio-Erreger weiter ausbreiten. Damit droht das Ziel einer poliofreien Welt in weite Ferne zu rücken.

Ich wünsche Ihnen eine Fortsetzung der erholsamen Feiertage im Kreise Ihrer Liebsten, ganz herzlich Ihr

Neues Jugendschutzgesetz auf dem Weg

Durch die Pandemie wenig beachtet, hat das Bundeskabinett die Reform des  Jugendschutzgesetzes (JuSchG) auf den Weg gebracht. Dabei geht es besonders darum, Kinder und Jugendliche vor den Risiken zu schützen, die von der digitalen Welt ausgehen. Im Fokus stehen hier Cybermobbing, sexuelle Belästigung und auch finanzielle Kostenfallen. Kurzum, das JuSchG wird der neuen Zeit angepasst, in dem der Schutz in der analogen Welt auch in der digitalen Welt gegeben sein soll.

„Was offline gilt, muss auch online gelten“, so der Kinder- und Jugendarzt Dr. Uwe Büsching aus Bielefeld. Die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin (DAKJ) hält auch das neue Gesetz nicht für ausreichend. So fehle eine altersbezogene Beschränkung des Zugangs zu online verfügbaren Spielen: „Die Anbieter müssten sicherstellen, dass jeder, der ihre Spiele nutzt, ein bestimmtes Alter hat. Es braucht eine formale, technische Zugangskontrolle“, sagte der Generalsekretär der DAKJ Prof. Dr. Hans-Iko Huppertz aus Bremen.

Ein erster Anfang ist gemacht. Bis das Gesetz in Kraft treten kann, muss es aber noch viele Hürden nehmen: Zunächst muss es vom Bundestag verabschiedet werden, um dann in der Länderkammer (Bundesrat) diskutiert zu werden. Es werden also noch viele Monate ins Land gehen, bis dieser Schutz aufgebaut ist.

Das von Franziska Giffey geführte Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend weist darauf in einer Pressemitteilung nochmals darauf hin, warum das Gesetz so wichtig und überfällig ist.

Corona-Impfungen: Wieso kamen sie so schnell auf den Markt?

In vielen Ländern (Großbritannien, USA, Russland, China u.a.) sind Corona-Impfungen schon verfügbar. In Deutschland ist erst in den letzten Tagen dieses Jahres damit zu rechnen. Damit ging die Entwicklung von Corona-Impfstoffen so schnell wie noch nie. Das beunruhigt einige Menschen. Sind solche Ängste angebracht?

Die Zulassung von Impfstoffen verläuft je nach Land unterschiedlich. So wurde der Corona-Impfstoff Sputnik V (Russland) als erster weltweit im August 2020 zugelassen. Zur der Zeit lagen kaum Daten über diesen Impfstoff vor, die Phase-3-Studie begann erst im Oktober. Für den Impfstoff der Firma Sinovac aus China liegen ebenso kaum Daten vor. Dennoch hat beispielsweise die Türkei bereits am 11. Dezember angefangen Risikogruppen mit dem chinesischen Impfstoff, der sich auch in der Türkei noch in der Testphase geprüft wird, zu impfen. In beiden Fällen wurde der Impfstoff freigegeben, ohne dass Wissenschaftler die Daten zur Verfügung hatten, um ihn auf Herz und Nieren zu prüfen. Der Impfstoff ist ein zu einem Politikum und zu einem Machtinstrument geworden.

Die Wissenschaftsgemeinde weltweit hat anerkannte Standards mit den neue Medikamente und Impfstoffe auf ihre Verträglichkeit und ihre Wirkung untersucht werden. Nach den Tierversuchen – sie sind zumeist auch heute noch erforderlich – findet die erste klinische Anwendung der neuen Substanz in einer sogenannten Phase 1-Studie statt. Dabei wird ein Medikament oder eine Impfung auf die Pharmakokinetik  bzw. die Verträglichkeit an einer kleinen Gruppe freiwilliger Probanden geprüft. Es folgt dann die Phase 2-Studie, um die richtige Dosierung und die Wirkungen auf das Immunsystem bei einer größeren Gruppe von Probanden (meist 100 – 200 Menschen) zu finden. In der Phase 3-Studie schließlich wird geklärt, wie gut ein Medikament oder Impfstoff effektiv schützen. In dieser Studienphase nehmen Tausende von Probanden teil. Deren Anzahl hängt im Wesentlichen davon ab, wie häufig ein Ereignis (z.B. eine Infektion mit SARS-Coronavirus-2) in einer Bevölkerung vorkommt und wie schnell ein Ergebnis vorliegen soll. Es liegt auf der Hand, dass je grösser die Studiengruppe ist, je schneller liegt auch ein Ergebnis vor.

Ablauf einer Studie bis zur erfolgreichen Abschluss – traditionell und im Rahmen der Coronapandemie Quelle: F. Krammer, Nature

Damit wird auch klar, dass auch die Finanzlage über die Schnelligkeit dieser Studienschritte entscheidet. Bei Impfstoffen oder Medikamenten, die nur für eine kleine Bevölkerung von Bedeutung sind (z.B. Behandlung einer seltenen Stoffwechselkrankheit) wird eine Firma, die ein solches Medikament entwickelt hat abwägen, ob die Kosten der Studien durch den Verkauf am Schluss wieder eingespielt werden. Im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie spielt Geld – fast – keine Rolle. Insofern wird beispielsweise die Entwicklungszeit verkürzt, in dem die Phasen der Studie überlappend durchlaufen werden.

Gespart wurde jedenfalls bei den Impfstudien nicht. In der Geschichte der Impfungen gibt es nur zwei Kandidaten, die in einer größeren Gruppe untersucht wurden: Prevenar 13 (Pfizer) an 89.000 und Rotarix (GSK) an 75.000 Probanden. Danach folgt der mRNA-Impftstoff von BioNTech mit 44.000 Probanden. Interessant – und für Mediziner wie mich erschreckend – ist: Twinrix gegen Hepatitis A&B (GSK) wurde an 843 Menschen getestet. Die Impfexperten der Harvard-University Eric J. Rubin und Dan L. Longo kommen zum Schluss: „This is a triumph“. Wenn Sie Zeit haben: Das Editorial der Experten ist eine spannende Lektüre (in Englisch). 

Nach den Studien erfolgen noch intensive Prüfungen durch nationale (z.B. das Paul-Ehrlich-Institut – PEI – in Langen, südlich von Frankfurt am Main) oder internationale Behörden wie die European Medicines Agency (EMA) in Amsterdam. Erst diese Behörden können die Freigabe eines Impfstoffes vornehmen.

In seiner hochinteressanten Publikation SARS-CoV-2 vaccines in development (in Englisch) hat der Österreicher Florian Krammer vom Mount Sinai Hospital in New York die verschiedenen Ansätze bei den Impfungen gegen Das SARS-COV-2 dargelegt.

Fazit: Intensive Forschung in vielen Ländern dieser Erde, gute finanzielle Ausstattung der Forschungsprojekte und wenige bürokratische Hemmnisse haben – zusammen mit einem Quäntchen Glück – zur raschen Entwicklung einiger Impfstoffe gegen das Corona-Virus geführt. Viele erfolgversprechende Impfstoffe sind noch auf dem Weg. Jetzt bleibt zu hoffen, dass die logistische Umsetzung der Impfung ebenso gut gelingt. Und dass auch die Prüfung der Impfungen bei Kindern  – für sie gibt es bislang keine ausreichenden Daten – erfolgreich sein wird.

Bis allen Menschen in Deutschland eine Impfung angeboten werden kann, wird es trotz aller Schnelligkeit wohl Weihnachten 2021 werden.

Was geht rum? 19. Dezember 2020

Kinder im Lockdown: Weniger Sport, aber mehr Bewegung

Bald Corona-Speichel-Tests für zuhause? 

Aus der Wissenschaft: Spielen fördert die Sprache

Atemwegsinfekte im Ländle

 

Die ersten Tage im zweiten Lockdown liegen hinter uns. Die Kinder sind zuhause, ihr Bewegungsdrang findet nun auf kleinem Raum statt. Oder auch nicht. Im ersten Lockdown im Frühjahr haben sich in Karlsruhe die Kinder jeden Tag sogar 36 Minuten länger bewegt als zuvor.

Das legen zumindest Daten einer Studie des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe nahe. Die Forscher um Alexander Woll untersuchten 1711 Kinder und Jugendliche (4-17 Jahre) und fanden eine erhöhte Alltagsaktivität (habitual physical activities), während die Zeit für sportliche Aktivitäten im Schnitt um 10,8 Minuten pro Tag zurückging. Das betraf besonders Jugendliche (minus 15,6 Minuten), jedoch kaum die Kleinkinder (minus 2,2 Minuten). Die Kehrseite dieser Zeit war, dass die Youngsters zusätzlich mehr als eine Stunde vor dem Bildschirm verbrachten: Je zu einem Drittel mit Fernsehen, Spielen und im Internet. So merkte der Studienleiter Prof. Dr. Woll in einer Pressemittelung dann auch an: „Spielen im Freien, Fahrradfahren, Garten- oder Hausarbeit haben nicht dieselbe Intensität wie Training und Wettkämpfe im Verein. Wie sich der Wegfall von Sport in Schule und Verein langfristig auf die Motorik oder das Übergewicht auswirkt, wissen wir noch nicht.“ Eltern sollten versuchen – soweit möglich – dies auszugleichen, in dem sie gezielt mit ihren Kindern sportlich aktiv bleiben.

Testung mit Naso-Pharyngeal-Abstrich. Quelle: pixabay, lukasmilan

„Testen, testen, testen … aber gezielt“ – so hieß es vor Wochen aus Bayern. Das könnte auch in unserem Bundesland möglich werden. Zum einen ist in den USA ein Schnelltest von der FDA freigegeben worden, den sich dort Privatpersonen für die Selbsttestung besorgen können (nur zugelassen ab einem Alter von 14 Jahren). Darüber haben wir im praxisblättle bereits von 4 Wochen berichtet. Zum anderen gibt es eine Studie, die den Weg zu Testungen daheim und auch bei Kindern ebnen könnte: Speicheltestungen (bzw. Mundspülungs-Tests) sind deutlich weniger belastend. Die Ergebnisse – so zeigt es die Studie um Mini Kamboj vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York (in Englisch) – sind von ähnlicher Qualität wie die der Nasen-Rachen-Abstriche.

Draußen ist es ungemütlich, Shopping ist faktisch unmöglich. Kinder und Eltern sind vermehrt in ihren vier Wänden. Zeit gemeinsam zu backen. Oder auch zum Spielen, Mensch-ärgere-Dich-nicht. Das macht viel Spaß und unterstützt die Entwicklung ungemein. Das konnte eine Studie der australischen Forscher um Angela Gialamas zeigen. Darin wird die Sprachentwicklung und Verhaltensentwicklung von Kindern beleuchtet und sogar in Zahlen gefasst. So konnte die Längsschnittstudie an 4243 Kindern zeigen, welchen Nutzen auf die weitere Entwicklung eine „Zeitinvestition“ in Kinder haben kann. Bildungsfördernde Angebote, Vorlesen und Malen für die Kinder im Alter von 2-3 Jahren haben einen enormen Nutzen: Jede Stunde mit solchen Angeboten ist mit einer Zunahme des passiven Wortschatzes um 0,95% verbunden. Selbst das einfache Spielen mit Kindern (2-3 Jahre und 4-5 Jahre alt) verbesserte den Wortschatz um ca. 0,7%. Friedrich Schiller kommt einen in den Sinn: „Hoher Sinn liegt oft im kind’schen Spiel“.

Konsultationsindex der Atemwegserkrankungen in Baden-Württemberg bezogen auf Altersgruppen und im Vergleich zu Wintersaison 2019/2020 (braun Kurve). Quelle: AG Influenza

Die Zahl der Atemwegserkrankungen – oder akute respiratorische Erkrankungen (ARE) – nimmt langsam Fahrt auf. In der letzten Woche (KW 50) stiegen die Erkrankungszahlen bei Kindern bis 14 Jahre spürbar an. Unterschiede zur letztjährigen Infektsaison sind kaum auszumachen.

Im Ländle haben Politik und Verbände über die Feiertage vier Wochen Zeit, ein stimmiges Konzept für Kindergärten und Schule zu erstellen, um das Bedürfnis der Kinder und Jugendlichen nach Nähe in Gruppen zu ermöglichen ohne gleichzeitig dem Coronavirus Tür und Tor zu öffnen: Welche Klassengrößen sind möglich? Weiterführung des Präsenzunterrichts? Wie können Kinder spontan in der Kita spielen? Regelmäßige Testungen? Impfungen sind bis zum Alter von 16 Jahren bisher nicht zugelassen. Wir brauchen kreative Lösungen. Und den Mut neues zu wagen – für die Kinder, die in vielen Diskussionen wieder einmal ganz hinten auftauchen.

Australien. Vor einem Jahr mussten die Koalas unter den massiven Waldbränden extrem leiden. Quelle: pixabay, jesiana

Was geht in der Welt rum? Manchmal möchte man diesem Pandemie-Durcheinander gerne entfliehen. Weit weg. Zum Beispiel nach Australien. Dort ist Corona fast im Griff, so mag es scheinen: Während im Ländle die 7-Tage-Inzidenz bei 199,1 (18.12.) liegt, hat Australien einen Wert von 0.3 (18.12.) aufzuweisen. Dann lässt sich wohl verschmerzen, dass dort bald wieder die Ross River-Krankheit von tagaktiven Stechmücken übertragen wird. Wie schön, wenn man sich nur gegen Mücken schützen muss.

Im Frühjahr, kurz bevor die Pandemie unser Leben veränderte, haben viele der praxisblättle– Leser in unserer Umfrage ihre Bereitschaft erklärt, uns auch finanziell zu unterstützen. Das hat uns sehr gefreut und uns Mut gemacht. Bei spürbar zunehmenden Kosten können wir dieses Format nur mit Ihrer aktiven Hilfe fortführen. Unterstützen können Sie uns ganz klassisch per Überweisung (planet4kids media, Fidor Bank AG,  DE97 7002 2200 0020 4770 40, FDDODEMMXXX; Stichwort „praxisblättle“). Oder Sie nutzen Patreon, über den Sie uns einen kleinen Betrag monatlich spenden können.

Welche Kosten fallen für die Erstellung des praxisblättle an (wichtigste Posten)?

  • Fotographie. Manche Bilder müssen eingekauft werden. 
  • Zugang zu Original-Literatur. Medizinische Fachliteratur ist meist nicht kostenlos.
  • Kosten für Unterhalt und Pflege der Homepage. 

Es wäre schön, wenn Sie Ihrem praxisblättle ein kleines Präsent unter den Baum legen würden.

Ich wünsche Ihnen Gelassenheit, diese besonderen Tage für Dinge zu nutzen, die schon lange links liegen geblieben sind. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Kuscheltiere – sind Schadstoffe ein Problem?

In diesen kalten Tagen werden Kuscheltiere für Kinder – und Erwachsene? – wieder wichtiger. Die kuschelige Nähe ist gefragt.

Kuscheltiere sind im ersten Moment süß. Beim Anblick im Regal oder unter’m Weihnachtsbaum mag man sie (oder auch nicht). Wer denkt da an Risiken? Diese können bereits von der Folie ausgehen, in die die Tiere verpackt sind. Wenn diese zu dünn ist, kann sie sich auf die warme Haut des Kindes legen und im schlimmsten Fall zum Ersticken führen. Manche der freundlichen Tiere enthalten gesundheitsgefährdende Schadstoffe im Material. Andere tragen Kleinteile, die sich lösen und verschluckt werden könnten, andere sind schnell brennbar. All diese Probleme führen dazu, dass im Test der Stiftung Warentest nur die Hälfte der getesteten kuscheligen Freund auch empfehlenswert sind. Die Qualitätsurteile haben mit dem Preis wenig zu tun, wie die nachfolgende Auswahl der drei besten Beispiele zeigt:

Note Preis Anmerkung
dm: Pusblu Dino blau 1,0 5,95 € waschbar bis 30 Grad
Rossmann: Babaydream Hund 1,0 4,70 € waschbar bis 30 Grad
Schmidt Spiele: Sorgenfresser Ping 1,5 16,80 € Handwäsche bis 40 Grad

Die detaillierte Untersuchung ist im Testheft vom Dezember 2020 zu finden und sehr lohnend. Übrigens: Ein TEST-Abonnement ist bis Ende des Jahres besonders günstig.

Corona-Schnelltests: erhebliche Qualitätsunterschiede

Wo gerade die Erkrankungen mit dem SARS-CoV-2 rasant ansteigen, bekommen die Corona-Schnelltests eine immer größere Bedeutung. Um der Verwirrung vorzubeugen: Die Corona-Schnelltests haben viele Namen: Antigentest. Oder PoC-Test (manchmal PoC-Antigentest), was so viel heißt wie Point of care-Test: Das sind Tests, die unabhängig von einem großen Labor direkt beim Patienten, also am „Ort der Versorgung“ durchgeführt werden.

Die Tests sind somit sehr praktisch, weil unmittelbar nach Durchführung des Test in wenigen Minuten ein Resultat vorliegt. Nur, sie testen etwas ganz anderes als die bisherigen „Corona-Tests“, die sog. PCR-Tests. Und damit ist auch ihre Bewertung anders. Dabei ist wichtig zu wissen, dass ein negatives Ergebnis nicht unbedingt sagt, dass jemand nicht mit dem Virus infiziert ist. Und umgekehrt ist auch ein positives Ergebnis nicht sofort eine sichere „Corona-Diagnose“. Diese Umstände beschreiben die Begriffe Spezifität und Sensitivität. Was sie bedeuten, soll kurz erklärt werden:

Spezifität

Die Spezifität für einen diagnostischen Test zeigt die Wahrscheinlichkeit an, dass dieser Test tatsächlich gesunde Personen, die nicht an Corona erkrankt sind, im Test auch als gesund erkennt. Eine Spezifität von 99% bedeutet also: Von 100 Gesunden Personen schätzt der Test  also 1 Person als krank („positiv“) ein, obwohl sie gesund ist.

Sensitivität

Die Sensitivität zeigt die Wahrscheinlichkeit eines diagnostischen Tests an, eine bestimmte Krankheit sicher zu erkennen. Liegt die Sensitivität eines Tests bei 98%, so bedeutet dies, dass der Test 98 Erkrankte als erkrankt („positiv“) richtig erkennt, aber zwei tatsächlich Erkrankte für gesund hält – das nennen Mediziner zwei „falsch Positive“.

Es ist somit klar, dass im Idealfall Sensitivität und Spezifität bei jeweils 100% liegen sollten. Aber so einfach funktioniert die Welt leider nicht. Ein weiterer Störfaktor kommt hinzu: Nehmen wir an, dass in Baden-Württemberg die Zahl der tatsächlich Erkrankten einer Gruppe von 100 Menschen bei 1% läge (tatsächlich liegt, auf das ganze Land bezogen die Zahl deutlich geringer). Dann müsste bei einer Testung von 100 Personen 1 Test positiv ausfallen. Liegt die Spezifität dieses Test bei 99%, so kommt (s.o.) nochmals 1 Person hinzu, die der Test – fälschlicherweise – als positiv erkennt, obwohl sie eigentlich gesund ist. Somit haben wir zwei positive Tests und wissen nicht, welches Testergebnis nun die Wahrheit widerspiegelt. Der Test sagt uns in diesem Fall nur: eine der beiden Personen ist krank (oder in Bezug auf Corona „infiziert“), die andere gesund. Aber welche?

Die Schnelltests bringen also manche Tücken mit sich. Zusammenfassend kann man sagen, dass – gute Tests vorausgesetzt – die Ergebnisse umso sicherer sind, je mehr Menschen in der getesteten Gruppe tatsächlich Corona-krank sind. Insofern eignet sich der Schnelltest etwa in Schulen, wenn sog. Cluster auftreten. Wenn also mehrere Schüler von Corona betroffen sind, aber keine Symptome haben. Wenn dann unter 100 getesteten Schülern 11 positiv getestet werden bedeutet das bei einer Spezifität des Test von 99%: bei 10 Personen zeigt der Test die Wahrheit (sie sind infektiös), nur bei einem (s.o.) irrt sich der Test.

Ein weiteres Problem kommt hinzu. Die Qualität des jeweiligen Tests. Viele Schnelltests sind in den letzten Monaten entwickelt worden und kommen nun auf den Markt. Sie verkaufen sich gut, obwohl im Einzelfall nicht ganz klar ist, welche Tests wie gut sind. Viele der genannten Daten zu Spezifität und Sensitivität sind Angaben der Hersteller, die bisher ungeprüft sind. Inzwischen gibt es jedoch auch unabhängige Prüfungen, die für manche Hersteller gut und für andere weniger gut ausfallen. Eine Übersicht über die aktuelle Bewertung der Schnelltest (in Englisch) verschafft die Webseite von Forschern der Universität Heidelberg. Darin sind auch die Quellen der jeweiligen Beurteilung klar hinterlegt. Nicht ganz einfach zu lesen. Wer aber je für den Einkauf von Tests verantwortlich sein sollte, sollte diese Information berücksichtigen.

Was geht rum? 12. Dezember 2020

V-Day – erstmal nur für Risikogruppen

„Irgendwie Weihnachten retten“

♦ CO2-Gehalt in Bahnen und das Coronavirus-Aerosol

Vom DNA-Kochbuch und den flüchtigen mRNA-Rezeptkärtchen

 

Haben wir diese Woche den V-Day erlebt?  Der britische Gesundheitsminister Matt Hancock sprach bei der ersten Coronaimpfung mit dem neuen mRNA-Impfstoff von BioNTech/ Pfizer vom „V-Day“: V für Vaccination (Impfung), aber ebenso auch Victory, also Sieg. Hoffen wir, dass der Siegeszug beginnt. Klar ist aber auch: bis gesunde Kinder und Jugendliche geimpft werden können, wird es zumindest Sommer werden. Ob die neuen mRNA-Impfstoffe für sie zugelassen werden ist weiter fraglich. Umfassende Informationen zum BNT162b-Impfstoff von BioNTech und Pfizer gibt es inzwischen von der FDA, der amerikanischen Behörde, die für die Zulassung von Impfstoffen zuständig ist.

In den kommenden Wochen wird sich zeigen, wie viele Menschen durch die Impfung erreicht werden und wann wir mit einer Herdenimmunität rechnen können. Da bleiben noch sehr viele Fragen offen (Lieferbarkeit der Impfstoffe, Umsetzungen der „Massenimpfungen“). Klar ist jedenfalls, dass das Virus seinen Weg fortsetzt, solange wir die Ausbreitung nicht effektiv begrenzen. Diese Ausbreitung geschieht im Wesentlichen durch Menschen, die sich gesund fühlen, aber bereits infiziert sind: Zum einen im Beginn der Erkrankung, wenn die Infektiosität etwa schon zwei Tage vor den Symptomen begonnen hat. Aber auch über die vielen asymptomatisch Infizierten, die sich pudelwohl fühlen und dennoch anstecken. Bevor die Impfung uns weiterhilft, müssen wir die Grundinzidenz (also die Zahl der Personen, die jede Woche erkranken) deutlich senken – durch die „nicht-pharmazeutischen“ Maßnahmen: also durch Begrenzung der Kontakte der Menschen (als potentielle Überträger) untereinander. Kurzum: einen Lockdown.

Vorquarantäne für Oma/ Opa für 10 Tage ist eine besonders effektive Maßnahme über die kommenden Feiertage. Die Familie hält sich mit Kontakten zu anderen Personen so gut es geht zurück, um dann, wenn Oma oder Opa an Heiligabend kommen, guten Gewissens mit ihr feiern zu können. Fangen wir also jetzt an, dann kann Oma oder Opa an Weihnachten beruhigt uns besuchen kommen.

Noch eine Woche lang sind – nach heutigem Stand- alle Schulen und Kindergärten im Ländle offen. So lange fahren auch die Busse und Bahnen, die frühmorgens Scharen von Kindern zu ihren Bildungsstätten bringen. Dass in deren Fahrzeugen Kinder oft eng zusammengekuschelt stehen müssen ist bekannt. Die Badische Zeitung aus Freiburg hat kürzlich den CO2-Gehalt in der Bahn von Breisach am Kaiserstuhl nach Freiburg gemessen unter der Idee, dass ein hoher Gehalt an CO2 parallel verläuft mit dem Aerosol in den Bahnen. Die Annahme, dass der Anstieg von CO2 auch dem Anstieg der Wahrscheinlichkeit der Corona-Belastung im Aerosol ist liegt nahe, ist aber wissenschaftlich nicht belegt. Eine spannende Anregung für die Politik ist der Artikel allemal. Wie können die AHA-Regeln im öffentlichen Nahverkehr eingehalten werden? Oder wenigstens halbwegs angewendet werden? Wir brauchen Antworten, bald.

Kochbuch für Bären. Quelle: pixabay, bluebudgie

In dieser Woche erfolgte die erste Corona-Impfung in Großbritannien. Zur Anwendung kam ein sogenannter mRNA-Impfstoff. Das ist eine kleine medizinische Revolution. Wie kann man sich die Wirkung eines solchen Impfstoffs vorstellen? Wenn Sie sich die DNA (im Deutschen auch DNS genannt) als ein Buch von Milliarden an Rezepten vorstellen, dann ist die mRNA wie ein Rezept, das auf ein sich auflösendes Kärtchen, auf dieses Rezept mit sich auflösender Tinte geschrieben ist. Die Impfung funktioniert dann so, dass sie eines dieser Rezeptkärtchen im Körper kurz aufblitzen lässt und damit sagt, dass dieses neue Eiweiß – das sog. Spike-Protein des SARS-CoV-2 produziert werden soll. Daraufhin bemerkt unser Immunsystem, dass hier etwas Neues und Fremdes aufgetreten ist. In kurzer Zeit von wenigen Stunden ist die mRNA (das Kärtchen) schon wieder aufgelöst, aber das Immunsystem baut weiter Abwehrstoffe gegen das Spike-Protein des Coronavirus auf – die Immunantwort ist in Gang gesetzt.

Bei dieser Impfung kommt also kein irgendwie geartetes Virus in unseren Körper, lediglich ein flüchtiges Rezeptkärtchen. Nachdem viele Generationen daran gearbeitet haben, ist es erstmals gelungen, mit einer kleinen Information den Körper zu einer zielgerichteten Antwort zu bewegen. Wie gut das alles letztlich gehen wird und wie das Gesundheitswesen alles umsetzen kann (Logistik !) wird sich mehr und mehr zeigen. Grund zur Hoffnung haben wir allemal!

Sicher haben Sie davonmehrfach gehört. Wissenschaftlicher in Deutschland haben in einer Publikation der der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina zur Pandemie mit Bezug auf die Feiertage Stellung bezogen. Die Details können Sie hier lesen.

Praxisindex für Atemwegsinfektionen in Baden-Württemberg. Quelle: AG Influenza

Dass die Grippe noch nicht im Ländle eingezogen ist, ist nichts ungewöhnliches. Die Influenza meldet sich meist in den Monaten Januar bis März. Auch alle anderen Infekte sind selten, wie die rote Kurve in der Grafik zeigt. Erstmals seit Beginn der Pandemie gibt es wieder einen Fall an Masern. Die Zahlen bei den anderen Kinderkrankheiten bewegen sich jedoch auf dem gleichen Level wie die Wochen zuvor.

Was geht in der Welt rum? Natürlich weiterhin die Malaria. Aus Indien wurden landesweit und offiziell 152.277 Erkrankungen und 55 Todesfälle gemeldet für die ersten 9 Monate des Jahres gemeldet.  Die WHO  hat andererseits gemeldet, dass die Zahl der Malariatoten noch nie so gering war wie im letzten Jahr. In den letzten beiden Jahrzehnten .ist sie um fast 60% gesunken von 27,7 Personen auf 100.000 Menschen (2000) auf 10,1 von 100.000 Menschen in 2019. Damit wurden – kaum zu glauben – 7,6 Millionen Todesfälle an Malaria verhindert.

patreon Quelle: wikimedia.org

Im Frühjahr, kurz bevor die Pandemie unser Leben veränderte, haben viele der praxisblättle– Leser in unserer Umfrage ihre Bereitschaft erklärt, uns auch finanziell zu unterstützen. Das hat uns sehr gefreut und uns Mut gemacht. Denn nur so können wir weiterhin – wie seit 25 Jahren – dieses Format ohne Werbung beibehalten. Unterstützen können Sie uns ganz klassisch per Überweisung (planet4kids media, Fidor Bank AG,  DE97 7002 2200 0020 4770 40, FDDODEMMXXX; Stichwort „praxisblättle“). Oder Sie nutzen Patreon, über den Sie uns einen kleinen Betrag monatlich spenden können.

Welche Kosten fallen für die Erstellung des praxisblättle an (wichtigste Posten)?

  • Fotographie. Manche Bilder müssen eingekauft werden. 
  • Zugang zu Original-Literatur. Medizinische Fachliteratur ist meist nicht kostenlos.
  • Kosten für Unterhalt und Pflege der Homepage. 

Es wäre schön, wenn Sie Ihrem praxisblättle ein kleines Präsent unter den Baum legen würden.

Ich wünsche Ihnen, dass diese erfreuliche Meldung Ihnen Mut macht, dem Coronavirus in den kommenden Wochen die Stirn zu zeigen – zusammen mit Ihren Kindern. Zünden Sie das dritte Kerzlein an und genießen Sie ein entspanntes Wochenende, Ihr

Wie man sich bettet: Jugendliche brauchen eine gute Matratze

Manch Erwachsener denkt erst dann an die Matratze, wenn der Rücken schmerzt. Das erstaunt, denn Erwachsene verbringen fast ein Drittel ihres Lebens im Bett. Ganz konsequent wäre, dass bereits Jugendliche eine gute Matratze haben. Das ist kein Luxus, sondern eine bezahlbare und wichtige Investition.

Mit den Kindermatratzen haben wir uns bereits vor 3 Jahren befasst. Wer sich orientieren möchte, kann die hier im praxisblättle tun.

Wenn Jugendliche die Eltern überholen – also grösser werden – brauchen sie auch ein neues Bett. Das kostet natürlich einen Batzen Geld, ist aber inzwischen weit billiger als noch vor vielen Jahren. Gerade was Matratzen betrifft gibt es inzwischen sehr gute und günstige Modelle, die für Jugendliche und Erwachsene geeignet sind. Das demonstriert auch der neue Testbericht der Stiftung Warentest über Federkernmatratzen. Unter den fünf als „gut“ beurteilten ist die beste auch die günstigste. Im Folgenden haben wir diese fünf guten Modell aufgeführt:

Name Note Preis Härte laut Anbieter
Otto My Home Black Diamond Comfort 2,1 230 Härtegrad H3
Badenia Irisette Sylt TTFK 2,3 350 Härtegrad H3 – mittelfest
f.a.n. Calypso Plus 1.000 T 2,5 500 Härtegrad 3
Rummel Sensoflex 600 2,5 1000 Fest
Selecta Value TF5 2,5 480 Fest

Vor dem Kauf einer Matratze sind viele Dinge zu bedenken. Zunächst steht die Frage an, soll es eine Schaumstoff- oder eine Federkernmatratze sein. Danach geht es um die Frage des Härtegrades. Da stimmen die Angaben der Hersteller häufig nicht mit den Testergebnissen überein. Wie die Stiftung Warentest schreibt, bemüht sich der Matratzenverband eine einheitliche Regelung für den Härtegrad festzulegen. Sie soll 2021 kommen und macht den Kauf einer Matratze dann einfacher. Aber auch dann sind noch einige individuelle Aspekt zu klären: Druckverteilung (wie verteilt sich das Körpergewicht auf die verschiedenen Regionen der Matratze), Komforteigenschaften (z.B. störendes Rascheln), Lageänderungswiderstand (wie leicht kann ich mich auf der Matratze hin und her wälzen) oder der Schulterklappeneffekt (sinken die Schultern in Rückenlange weniger stark ein als der Rumpf).

Alles in allem ist eine gute Matratze für jugendliche Personen enorm wichtig und gut bezahlbar. Der Weg,, eine geeignete Matratze zu finden, ist jedoch etwas mühsam. Mit dem Studium der letzten Tests vom November 2020 (Federkernmatratze) oder April 2020 (Schaumstoffmatratze) sollte der Kauf halbwegs entspannt gelingen.

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