Was geht rum? 12. Dezember 2020

Zarter, bunter Winterzauber. Quelle: ptw

V-Day – erstmal nur für Risikogruppen

„Irgendwie Weihnachten retten“

♦ CO2-Gehalt in Bahnen und das Coronavirus-Aerosol

Vom DNA-Kochbuch und den flüchtigen mRNA-Rezeptkärtchen

 

Haben wir diese Woche den V-Day erlebt?  Der britische Gesundheitsminister Matt Hancock sprach bei der ersten Coronaimpfung mit dem neuen mRNA-Impfstoff von BioNTech/ Pfizer vom „V-Day“: V für Vaccination (Impfung), aber ebenso auch Victory, also Sieg. Hoffen wir, dass der Siegeszug beginnt. Klar ist aber auch: bis gesunde Kinder und Jugendliche geimpft werden können, wird es zumindest Sommer werden. Ob die neuen mRNA-Impfstoffe für sie zugelassen werden ist weiter fraglich. Umfassende Informationen zum BNT162b-Impfstoff von BioNTech und Pfizer gibt es inzwischen von der FDA, der amerikanischen Behörde, die für die Zulassung von Impfstoffen zuständig ist.

In den kommenden Wochen wird sich zeigen, wie viele Menschen durch die Impfung erreicht werden und wann wir mit einer Herdenimmunität rechnen können. Da bleiben noch sehr viele Fragen offen (Lieferbarkeit der Impfstoffe, Umsetzungen der „Massenimpfungen“). Klar ist jedenfalls, dass das Virus seinen Weg fortsetzt, solange wir die Ausbreitung nicht effektiv begrenzen. Diese Ausbreitung geschieht im Wesentlichen durch Menschen, die sich gesund fühlen, aber bereits infiziert sind: Zum einen im Beginn der Erkrankung, wenn die Infektiosität etwa schon zwei Tage vor den Symptomen begonnen hat. Aber auch über die vielen asymptomatisch Infizierten, die sich pudelwohl fühlen und dennoch anstecken. Bevor die Impfung uns weiterhilft, müssen wir die Grundinzidenz (also die Zahl der Personen, die jede Woche erkranken) deutlich senken – durch die „nicht-pharmazeutischen“ Maßnahmen: also durch Begrenzung der Kontakte der Menschen (als potentielle Überträger) untereinander. Kurzum: einen Lockdown.

Vorquarantäne für Oma/ Opa für 10 Tage ist eine besonders effektive Maßnahme über die kommenden Feiertage. Die Familie hält sich mit Kontakten zu anderen Personen so gut es geht zurück, um dann, wenn Oma oder Opa an Heiligabend kommen, guten Gewissens mit ihr feiern zu können. Fangen wir also jetzt an, dann kann Oma oder Opa an Weihnachten beruhigt uns besuchen kommen.

CO2-Konzentration auf der Strecke vom Bahnhof Breisach am Kaiserstuhl nach Freiburg Hbf. Quelle: Badische Zeitung

Noch eine Woche lang sind – nach heutigem Stand- alle Schulen und Kindergärten im Ländle offen. So lange fahren auch die Busse und Bahnen, die frühmorgens Scharen von Kindern zu ihren Bildungsstätten bringen. Dass in deren Fahrzeugen Kinder oft eng zusammengekuschelt stehen müssen ist bekannt. Die Badische Zeitung aus Freiburg hat kürzlich den CO2-Gehalt in der Bahn von Breisach am Kaiserstuhl nach Freiburg gemessen unter der Idee, dass ein hoher Gehalt an CO2 parallel verläuft mit dem Aerosol in den Bahnen. Die Annahme, dass der Anstieg von CO2 auch dem Anstieg der Wahrscheinlichkeit der Corona-Belastung im Aerosol ist liegt nahe, ist aber wissenschaftlich nicht belegt. Eine spannende Anregung für die Politik ist der Artikel allemal. Wie können die AHA-Regeln im öffentlichen Nahverkehr eingehalten werden? Oder wenigstens halbwegs angewendet werden? Wir brauchen Antworten, bald.

Kochbuch für Bären. Quelle: pixabay, bluebudgie

In dieser Woche erfolgte die erste Corona-Impfung in Großbritannien. Zur Anwendung kam ein sogenannter mRNA-Impfstoff. Das ist eine kleine medizinische Revolution. Wie kann man sich die Wirkung eines solchen Impfstoffs vorstellen? Wenn Sie sich die DNA (im Deutschen auch DNS genannt) als ein Buch von Milliarden an Rezepten vorstellen, dann ist die mRNA wie ein Rezept, das auf ein sich auflösendes Kärtchen, auf dieses Rezept mit sich auflösender Tinte geschrieben ist. Die Impfung funktioniert dann so, dass sie eines dieser Rezeptkärtchen im Körper kurz aufblitzen lässt und damit sagt, dass dieses neue Eiweiß – das sog. Spike-Protein des SARS-CoV-2 produziert werden soll. Daraufhin bemerkt unser Immunsystem, dass hier etwas Neues und Fremdes aufgetreten ist. In kurzer Zeit von wenigen Stunden ist die mRNA (das Kärtchen) schon wieder aufgelöst, aber das Immunsystem baut weiter Abwehrstoffe gegen das Spike-Protein des Coronavirus auf – die Immunantwort ist in Gang gesetzt.

Bei dieser Impfung kommt also kein irgendwie geartetes Virus in unseren Körper, lediglich ein flüchtiges Rezeptkärtchen. Nachdem viele Generationen daran gearbeitet haben, ist es erstmals gelungen, mit einer kleinen Information den Körper zu einer zielgerichteten Antwort zu bewegen. Wie gut das alles letztlich gehen wird und wie das Gesundheitswesen alles umsetzen kann (Logistik !) wird sich mehr und mehr zeigen. Grund zur Hoffnung haben wir allemal!

Sicher haben Sie davonmehrfach gehört. Wissenschaftlicher in Deutschland haben in einer Publikation der der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina zur Pandemie mit Bezug auf die Feiertage Stellung bezogen. Die Details können Sie hier lesen.

Praxisindex für Atemwegsinfektionen in Baden-Württemberg. Quelle: AG Influenza

Dass die Grippe noch nicht im Ländle eingezogen ist, ist nichts ungewöhnliches. Die Influenza meldet sich meist in den Monaten Januar bis März. Auch alle anderen Infekte sind selten, wie die rote Kurve in der Grafik zeigt. Erstmals seit Beginn der Pandemie gibt es wieder einen Fall an Masern. Die Zahlen bei den anderen Kinderkrankheiten bewegen sich jedoch auf dem gleichen Level wie die Wochen zuvor.

Was geht in der Welt rum? Natürlich weiterhin die Malaria. Aus Indien wurden landesweit und offiziell 152.277 Erkrankungen und 55 Todesfälle gemeldet für die ersten 9 Monate des Jahres gemeldet.  Die WHO  hat andererseits gemeldet, dass die Zahl der Malariatoten noch nie so gering war wie im letzten Jahr. In den letzten beiden Jahrzehnten .ist sie um fast 60% gesunken von 27,7 Personen auf 100.000 Menschen (2000) auf 10,1 von 100.000 Menschen in 2019. Damit wurden – kaum zu glauben – 7,6 Millionen Todesfälle an Malaria verhindert.

patreon Quelle: wikimedia.org

Im Frühjahr, kurz bevor die Pandemie unser Leben veränderte, haben viele der praxisblättle– Leser in unserer Umfrage ihre Bereitschaft erklärt, uns auch finanziell zu unterstützen. Das hat uns sehr gefreut und uns Mut gemacht. Denn nur so können wir weiterhin – wie seit 25 Jahren – dieses Format ohne Werbung beibehalten. Unterstützen können Sie uns ganz klassisch per Überweisung (planet4kids media, Fidor Bank AG,  DE97 7002 2200 0020 4770 40, FDDODEMMXXX; Stichwort „praxisblättle“). Oder Sie nutzen Patreon, über den Sie uns einen kleinen Betrag monatlich spenden können.

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Es wäre schön, wenn Sie Ihrem praxisblättle ein kleines Präsent unter den Baum legen würden.

Ich wünsche Ihnen, dass diese erfreuliche Meldung Ihnen Mut macht, dem Coronavirus in den kommenden Wochen die Stirn zu zeigen – zusammen mit Ihren Kindern. Zünden Sie das dritte Kerzlein an und genießen Sie ein entspanntes Wochenende, Ihr

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