Was geht rum? 19. Dezember 2020

Spielen ist immer lustig. Jetzt haben wir viel Zeit dazu - nutzen wir sie. Quelle: pixabay, Prashant Sharma

Kinder im Lockdown: Weniger Sport, aber mehr Bewegung

Bald Corona-Speichel-Tests für zuhause? 

Aus der Wissenschaft: Spielen fördert die Sprache

Atemwegsinfekte im Ländle

 

Die ersten Tage im zweiten Lockdown liegen hinter uns. Die Kinder sind zuhause, ihr Bewegungsdrang findet nun auf kleinem Raum statt. Oder auch nicht. Im ersten Lockdown im Frühjahr haben sich in Karlsruhe die Kinder jeden Tag sogar 36 Minuten länger bewegt als zuvor.

Das legen zumindest Daten einer Studie des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe nahe. Die Forscher um Alexander Woll untersuchten 1711 Kinder und Jugendliche (4-17 Jahre) und fanden eine erhöhte Alltagsaktivität (habitual physical activities), während die Zeit für sportliche Aktivitäten im Schnitt um 10,8 Minuten pro Tag zurückging. Das betraf besonders Jugendliche (minus 15,6 Minuten), jedoch kaum die Kleinkinder (minus 2,2 Minuten). Die Kehrseite dieser Zeit war, dass die Youngsters zusätzlich mehr als eine Stunde vor dem Bildschirm verbrachten: Je zu einem Drittel mit Fernsehen, Spielen und im Internet. So merkte der Studienleiter Prof. Dr. Woll in einer Pressemittelung dann auch an: „Spielen im Freien, Fahrradfahren, Garten- oder Hausarbeit haben nicht dieselbe Intensität wie Training und Wettkämpfe im Verein. Wie sich der Wegfall von Sport in Schule und Verein langfristig auf die Motorik oder das Übergewicht auswirkt, wissen wir noch nicht.“ Eltern sollten versuchen – soweit möglich – dies auszugleichen, in dem sie gezielt mit ihren Kindern sportlich aktiv bleiben.

Testung mit Naso-Pharyngeal-Abstrich. Quelle: pixabay, lukasmilan

„Testen, testen, testen … aber gezielt“ – so hieß es vor Wochen aus Bayern. Das könnte auch in unserem Bundesland möglich werden. Zum einen ist in den USA ein Schnelltest von der FDA freigegeben worden, den sich dort Privatpersonen für die Selbsttestung besorgen können (nur zugelassen ab einem Alter von 14 Jahren). Darüber haben wir im praxisblättle bereits von 4 Wochen berichtet. Zum anderen gibt es eine Studie, die den Weg zu Testungen daheim und auch bei Kindern ebnen könnte: Speicheltestungen (bzw. Mundspülungs-Tests) sind deutlich weniger belastend. Die Ergebnisse – so zeigt es die Studie um Mini Kamboj vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York (in Englisch) – sind von ähnlicher Qualität wie die der Nasen-Rachen-Abstriche.

Draußen ist es ungemütlich, Shopping ist faktisch unmöglich. Kinder und Eltern sind vermehrt in ihren vier Wänden. Zeit gemeinsam zu backen. Oder auch zum Spielen, Mensch-ärgere-Dich-nicht. Das macht viel Spaß und unterstützt die Entwicklung ungemein. Das konnte eine Studie der australischen Forscher um Angela Gialamas zeigen. Darin wird die Sprachentwicklung und Verhaltensentwicklung von Kindern beleuchtet und sogar in Zahlen gefasst. So konnte die Längsschnittstudie an 4243 Kindern zeigen, welchen Nutzen auf die weitere Entwicklung eine „Zeitinvestition“ in Kinder haben kann. Bildungsfördernde Angebote, Vorlesen und Malen für die Kinder im Alter von 2-3 Jahren haben einen enormen Nutzen: Jede Stunde mit solchen Angeboten ist mit einer Zunahme des passiven Wortschatzes um 0,95% verbunden. Selbst das einfache Spielen mit Kindern (2-3 Jahre und 4-5 Jahre alt) verbesserte den Wortschatz um ca. 0,7%. Friedrich Schiller kommt einen in den Sinn: „Hoher Sinn liegt oft im kind’schen Spiel“.

Konsultationsindex der Atemwegserkrankungen in Baden-Württemberg bezogen auf Altersgruppen und im Vergleich zu Wintersaison 2019/2020 (braun Kurve). Quelle: AG Influenza

Die Zahl der Atemwegserkrankungen – oder akute respiratorische Erkrankungen (ARE) – nimmt langsam Fahrt auf. In der letzten Woche (KW 50) stiegen die Erkrankungszahlen bei Kindern bis 14 Jahre spürbar an. Unterschiede zur letztjährigen Infektsaison sind kaum auszumachen.

Im Ländle haben Politik und Verbände über die Feiertage vier Wochen Zeit, ein stimmiges Konzept für Kindergärten und Schule zu erstellen, um das Bedürfnis der Kinder und Jugendlichen nach Nähe in Gruppen zu ermöglichen ohne gleichzeitig dem Coronavirus Tür und Tor zu öffnen: Welche Klassengrößen sind möglich? Weiterführung des Präsenzunterrichts? Wie können Kinder spontan in der Kita spielen? Regelmäßige Testungen? Impfungen sind bis zum Alter von 16 Jahren bisher nicht zugelassen. Wir brauchen kreative Lösungen. Und den Mut neues zu wagen – für die Kinder, die in vielen Diskussionen wieder einmal ganz hinten auftauchen.

Australien. Vor einem Jahr mussten die Koalas unter den massiven Waldbränden extrem leiden. Quelle: pixabay, jesiana

Was geht in der Welt rum? Manchmal möchte man diesem Pandemie-Durcheinander gerne entfliehen. Weit weg. Zum Beispiel nach Australien. Dort ist Corona fast im Griff, so mag es scheinen: Während im Ländle die 7-Tage-Inzidenz bei 199,1 (18.12.) liegt, hat Australien einen Wert von 0.3 (18.12.) aufzuweisen. Dann lässt sich wohl verschmerzen, dass dort bald wieder die Ross River-Krankheit von tagaktiven Stechmücken übertragen wird. Wie schön, wenn man sich nur gegen Mücken schützen muss.

Im Frühjahr, kurz bevor die Pandemie unser Leben veränderte, haben viele der praxisblättle– Leser in unserer Umfrage ihre Bereitschaft erklärt, uns auch finanziell zu unterstützen. Das hat uns sehr gefreut und uns Mut gemacht. Bei spürbar zunehmenden Kosten können wir dieses Format nur mit Ihrer aktiven Hilfe fortführen. Unterstützen können Sie uns ganz klassisch per Überweisung (planet4kids media, Fidor Bank AG,  DE97 7002 2200 0020 4770 40, FDDODEMMXXX; Stichwort „praxisblättle“). Oder Sie nutzen Patreon, über den Sie uns einen kleinen Betrag monatlich spenden können.

Welche Kosten fallen für die Erstellung des praxisblättle an (wichtigste Posten)?

  • Fotographie. Manche Bilder müssen eingekauft werden. 
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  • Kosten für Unterhalt und Pflege der Homepage. 

Es wäre schön, wenn Sie Ihrem praxisblättle ein kleines Präsent unter den Baum legen würden.

Ich wünsche Ihnen Gelassenheit, diese besonderen Tage für Dinge zu nutzen, die schon lange links liegen geblieben sind. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

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