Was geht rum? 26. Dezember 2020

Eine Kerze am Weihnachtsbaum Quelle: ptw

Todesfälle durch Lungenentzündung bei Kleinkindern weltweit halbiert

Der chilenische Weg für eine gesunde Ernährung der Kinder

Schulen als Pandemietreiber? Eher nein

Weiterhin wenig Infekte im Ländle

Weihnachten. Das Fest der Freude. Getrübt nur durch kleinste Teilchen, die gerade mal einen zehntausendsten Teil eines Millimeter an Durchmesser aufweisen und uns Menschen angreifen, die wir mehr 120 Milliarden mal so groß sind. Sie machen uns mehr als nur krank. Sie vermögen Teile der Gesellschaft gegeneinander aufzubringen. Und jetzt vor Weihnachten führten sie zu Hast und Eile, was die Impfung gegen das SARS-CoV-2 betrifft. Gut zu wissen, dass die oberste Europäische Arzneimittelbehörde sich nicht unter Druck setzen ließ.

Vielleicht wollen Sie das kleine Teilchen mal Ihren Kindern vorstellen? Vom Bundesministerium für Gesundheit gibt es eine sehr nette Broschüre: „Wie wir uns vor Corona schützen können – Tipps für Kinder von Lisa und Paul. Sie zeigt, Kreativität ist auch ein Merkmal dieser zumeist anstrengenden Zeit.

Im Strudel der schlechten Nachrichten der letzten Woche verschwand eine Meldung, die eine fette Schlagzeile Wert gewesen wäre: Die Gefahr durch Lungenentzündungen bei kleinen Kindern (unter 5 Jahren) hat sich deutlich verringert. Starben im Jahre 2011 noch 1,3 Millionen Kinder daran, waren es zuletzt noch 672.000. Für uns in Mitteleuropa kaum vorstellbar. Aber Lungenentzündung ist für Kinder in den ersten 5 Jahren ihres Lebens in den meisten Ländern der Erde gefährlicher als AIDS, Tuberkulose oder Malaria. Noch heute werden in Krankenhäusern in Afrika schwer kranke Kinder abgewiesen, wenn ihre Eltern kein Geld für die Behandlung hinlegen können. Aber die Kliniken sind ebenso bettelarm wie die Menschen selbst. Weitere Informationen gibt die Kampagne Stopp Pneumonia (in Englisch).

Kennzeichnung von Nahrungsmitteln in Chile Quelle: Gesundheitsministerium von Chile

Aus Chile kommen auch gute Nachrichten für Eltern. Weil chilenische Kinder immer mehr unter Übergewicht litten, hat die Regierung im Jahre 2016 ein neues und strenges Gesetz zur Kennzeichnung von Lebensmitteln eingeführt. Das brachte viele Veränderungen im Alltag: alle Lebensmittel mit zu viel Zucker, Fett, Kalorien oder Salz sind auf der Vorderseite des Produktes sind inzwischen deutlich sichtbar gekennzeichnet. Solchermaßen markierte Nahrungsmittel dürfen in Schulen nicht verkauft werden. Auch in den Schulkantinen sind sie verboten. Ergänzend gibt es erhebliche Werbeverbote. Parallel verschwanden Comic-Helden und Zeichentrickfiguren von den Verpackungen. In einer Langzeit-Beobachtungsstudie (in Englisch) einer Forschergruppe um Camila Corvalán (Universidad de Chile, Santiago de Chile) wurden die Ergebnisse über einen Zeitraum von 3 Jahren untersucht. Es zeigte sich, dass der Konsum von high-in-Getränken seit 3 Jahren um 23,8% zurückging, also solchen Getränken mit hohem Gehalt an Zucker, Fetten, Natrium-Salzen oder Kalorien. Politisch radikale Schritte können sich also günstig auf die Ernährung von Kindern auswirken.

Welche Gruppe unserer Gesellschaft treibt die Pandemie? Erst sollen es die jungen Menschen, später auch die Vor-Rentner (59-65 Jahre) gewesen sein. Und immer wieder die Schulen. Die gerade erschienene Untersuchung unter Federführung von Prof. Dr. Ursel Heudorf aus dem  Gesundheitsamt in Frankfurt am Main belegt, dass Schüler und Lehrer kaum zur Verbreitung des Coronavirus beitragen. So wurde bei jedem Infizierten die Umgebung untersucht: im Durchschnitt 7 Lehrer und 27 Schüler. Aber unter diesen Kontaktpersonen fanden sich nur 0,57 positiv getestete Personen. Aktuelle Zahlen der ONS (Official National Statistics) aus Großbritannien zeigen andererseits, dass die Zahl der positiv getesteten Personen gerade in den jüngsten Altersgruppen (2-11 Jahre) höher liegt (2%-2,5% gegenüber 1% – 1,5%)  als in den anderen Altersgruppen. Ohne ausreichende digitale Lehr- und Lernangebote wird es wohl auf Dauer nicht gehen. Schule kann trotz allem nicht nur als Präsenzunterricht stattfinden. So sehr wir das hofften – und lange glaubten.

In Baden-Württemberg ist die Zahl der Atemwegsinfekte bei Kindern weiterhin eher niedrig und liegt klar unter den Werten der letzten beiden Winter. Obwohl mancherorts enge Kontakte stattfinden, bleibt die Zahl der Kinderkrankheiten ebenfalls sehr niedrig. Das gilt weiterhin für den Keuchhusten mit 872 neuen Erkrankungen in diesem Jahr (Jahr 2019: 1845 Keuchhustenfälle). Es wurden also fast 1000 Personen von dieser unangenehmen und für kleine Kinder gefährlichen Krankheit verschont. Die Abstandsregeln lohnen sich  offensichtlich auch für Kinder, um sich schwerwiegende Kinderkrankheiten vom Hals zu halten.

Was geht in der Welt rum? Im Schatten des Coronavirus traten seit September diesen Jahres 28 Infektionen mit Impfstoff-abgeleitetem Poliovirus Typ 2 (cVDPV2) in der Republik Südsudan auf. Das ist zwar kein touristisches Reiseziel. Dennoch könnte sich von dort ein Polio-Erreger weiter ausbreiten. Damit droht das Ziel einer poliofreien Welt in weite Ferne zu rücken.

Ich wünsche Ihnen eine Fortsetzung der erholsamen Feiertage im Kreise Ihrer Liebsten, ganz herzlich Ihr

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