Was geht rum? 9. Januar 2021

Wofür sollen wir uns entscheiden? Quelle: pixabay, tumisu

Die wichtigsten Corona-Impfstoffe im Vergleich

Corona-Schnelltests: Wann machen sie Sinn, wann weniger?

Schulen und KiTa – noch immer kein langfristiges Konzept?

Schulen als Infektionstreiber? Nein sagt ein Experte

Bewegte Zeiten. Nun geht es also um die Impfstoffe gegen das SARS-CoV-2.Man gewinnt den Eindruck, dass jede halbwegs bekannte Person etwas dazu sagen muss. Um die Bereitstellung von mehr Impfdosen zu erreichen wurde die bereits Verstaatlichung von Pharmabereichen vorgeschlagen. Oder auch, dass die zweite Impfdosis nicht unbedingt mit der ersten übereinstimmen müsste. Wir bewegen uns als wieder zwischen wissenschaftlich gesicherten Erkenntnissen und Wünschen/ Phantasien. Beruhigt Euch – „calm down“ – möchte man gerne ausrufen.

Kommen wir zu den Basisdaten zurück. In der folgenden Tabellen sind die wichtigsten Daten der einzelnen Impfstoffe einander gegenüber gestellt. Mit all den Vor- und Nachteilen.

BioNTech Moderna  AstraZeneca
Art der Impfung mRNA-Vakzine (BNT162b2) mRNA-Vakzine (mRNA-1273) Adenovirus-Vektor-Vakzine (AZD1222)
Dosis pro Impfung 30 µg 100 µg 5×1010 Viruspartikel
Temperatur Dauer-Lagerung – 70° Celsius – 20° Celsius 2° – 8° Celsius
Temperatur Kurzzeitlagerung +2° bis +8° Celsius für max. 5 Tage +2 bis +8° Celsius für 30 Tage +2° bis +8° Celsius für 6 Monate
Dosierung 2×1 Disis (Tage 0-21) 2 x 1 Dosis (Tage 0 – 28) 2×1 Dosis (Tage 0-28)
Teilnehmer Studien-Phase 3  43.538 (10.11.2020) > 30.000 34.000
Effektivität 95,3% (8 von 170) 94,5% (5 von 95) 62% (90% wenn erste Dosis nur 50% wie in GB)
sicherer Impfschutz 28 Tage nach 1. Impf-Dosis 30 Tage nach 2. Impf-Dosis 28 Tage nach 2. Dosis
unerwünschte Wirkungen Schmerz an Impfstelle, Muskelschmerz Schmerz an Impfstelle (2,7%), Muskelschmerz (8,9%) Schmerz an Impfstelle, Muskelschmerz, Kopfschmerz
Zulassung ab Alter von  16 Jahren  16 Jahren 18 Jahren
Kosten (für die EU) 12 € 14,69 € 1,78 €
Impfdosen für D (laut Business Insider) 38.989.787 mind. 15.000.000 56.272.263

Sicher ist: Alle aufgeführten Impfstoffe zeigen eine gute Wirkung gegen das Coronavirus. Es zeigen sich Unterschiede in vielen praktischen Fragen. Mit dem Impfstoff von AstraZeneca wäre das Ziel, viele Menschen zu impfen, einfacher zu erreichen: Er könnte ganz klassisch in den Praxen der Kinder- oder Hausärzte verimpft werden. Nebenbei ist er sehr günstig. Aber, er hat ein Gschmäckle, weil bei der Studie „versehentlich“ eine Gruppe von Patienten bei einem Impftermin nur die halbe Dosis verimpft wurde. Das hat sich im Nachhinein als günstig erwiesen, darf aber bei einer wissenschaftlichen Studie nicht passieren.

Ein tweet des CDC, der amerikanischen Gesundheitsbehörde, fasste den momentanen Stand der Impfungen so zusammen:

🌡️ Some side effects are normal (einige Nebenwirkungen sind normal).
💸 In most cases, COVID-19 vaccines will be available for free (in den meisten Fällen sind COVID-19 Impfungen kostenlos erhältlich)
👨‍🔬Many vaccines are still being developed & tested (viele Impfungen werden immer noch entwickelt und getestet)
😷Vaccines are one of many tools to help stop this pandemic (Impfungen sind eine von vielen Werkzeugen dabei zu helfen, die Pandemie zu stoppen)

… und als Hygieneregeln formuliert die CDC folgende Maßnahmen:

🚫 Avoid gatherings. (Vermeide Zusammenkünfte)
😷 Wear a mask. (Trage eine Maske)
↔️ Stay 6 feet away from others. (Zwei Meter Abstand halten – exakt: 1,83m)
🖐️ Wash your hands. (Wasche Deine Hände)

Hoffen wir mal, dass sowohl Hygieneregeln wie Impfungen in Deutschland bald konsequenter umgesetzt werden.

Schnelltests waren vor Weihnachten das Thema. Schnelltests erfassen eine Infektion in etwa 80% der Fälle im Vergleich zum PCR-Test (100%). Der Grund für den niedrigeren Wert liegt darin, dass der Schnelltest erst bei größeren Mengen an Viren (höherer Viruslast) positiv ist. Das bedeutet, dass Menschen im Beginn der Infektion teilweise nicht erfasst werden, ebenso auch solche, bei denen die Infektion gerade am Abklingen ist. Ersteres ist eine Schwäche, letzteres eine Stärke des Schnelltests. Bei asymptomatischen Infizierten – das zeigt eine Studie der Forscher um Marie Killerby des CDC – liegt die Sensitivität bei etwa der Hälfte, bei 41%. Hier vermag der Schnelltest aus nur 41% der Virusträger zu identifizieren, da diese Gruppe von Menschen mit positivem PCR-Test aber ohne Symptome offensichtlich weniger Virus tragen.

Das zeigt auch eine sog. Metaanalyse um den Forscher Paul Glasziou aus Australien. Diese Wissenschaftler wählten aus 2,454 Artikeln 13 gut gemachte Studien aus und fanden heraus, dass nur 17 Prozent (je nach Studie waren dies zwischen 4 und 41 Prozent) der Ansteckungen mit dem Virus von Menschen ausgehen, die frei von Symptomen sind. Letztlich zeigen diese Daten, dass Menschen mit Symptomen eine Untersuchung mit dem PCR-Test sinnvoll ist, der die Frage sicher klärt (hohe Sensitivität), ob eine Coronainfektion vorliegt. Geht es hingegen darum eine mögliche Ansteckungsfähigkeit (Infektiosität) bei einer Person ohne Symptome auszuschließen, ist die PoC-Testung (also der Schnelltest) gut, weil sie Personen mit sehr niedrigen Virusmengen erst gar nicht erfasst.

Wie geht es weiter mit Schulen und KiTas? Dazu äußerte sich Anfang der Woche Dario Schramm als Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz. Dabei kritisierte er, dass die Schülerinnen und Schüler die gesamten Ferien im Ungewissen verbracht hätten: „Die Kultusministerkonferenz tagt 17 Tage nach Ferienbeginn, ich hätte erwartet, dass sie die Ferien von Beginn an zum Ausarbeiten von Konzepten und Gesprächen mit Verbänden genutzt hätten.“ Eine nachvollziehbare und langfristige Strategie wäre endlich sinnvoll. Wenige Tage nach dem Statement äußerten sich die Ministerpräsidenten und die Bundeskanzlerin: Die KiTas und Schulen sollen bis 31. Januar geschlossen bleiben. Flugs hat Winfried Kretschmann angedeutet, man werde die Grundschulen und Kitas am 18. Januar wieder öffnen, wenn die Infektionszahlen das erlaubten. Der Flickenteppich bleibt und Ungehorsam ist Bürgerpflicht, so scheint es. Eine nachvollziehbare Strategie für die kommenden vier Wintermonate tut Not. Keiner kann absehen, wie sich die Pandemie weiter entwickelt. Wir wissen viel und doch zu wenig. Wir müssen versuchen und können uns irren (auch Politiker). Aber wie wäre es mit einem Stufenmodell, das den Schulzugang in Abhängigkeit von den Infektionszahlen regelt? Wir sollten jedoch unsere private Verantwortung als Bürger nicht auf die Politik abwälzen. Auch im privaten Bereich können wir uns kreativ vor dem Virus schützen. Vorschläge gibt es genug, fangen wir an.

Kinder, die positiv auf das SARS-CoV-2 getestet wurden, waren eher ……… auf Hochzeiten, auf Parties oder Beerdigungen     Quelle: CDC

Sind Kinder in Schulen und KiTas „Infektionstreiber“ ? Zu dieser Frage gibt jetzt eine Studie aus Mississippi (USA). Das Forscherteam um Charlotte V. Hobbs zeigt: Enge Kontakte zu Menschen mit COVID-19, Treffen mit Personen außerhalb des eigenen Haushalts sowie fehlendes Tragen von Masken in der Schule sind mit COVID-19-Erkrankungen bei diesen Kindern und Jugendlichen (unter 18 Jahre) verbunden.  Der Schulbesuch selbst bzw. der Besuch der KiTa war jedoch nicht mit positiven Testergebnissen korreliert. Das sieht Prof. Dr. Reinhard Berner, Chef der Kinderklinik der Uni Dresden genauso. In einer Konferenz von Kanzlerin, Kabinett, Ministerpräsidenten der Länder und Wissenschaftlern in dieser Woche sagte er: „Kinder nehmen am Infektionsgeschehen teil, sind aber nach aktuellem Wissensstand keine Treiber der Pandemie.“ 

Influenza (echte Grippe) in den letzten Jahren und der jetzigen Saison (rote Kurve) in Deutschland nach den Zahlen des RKI Quelle: Statista

Andere Infekte in Baden-Württemberg? Sie spielen weiterhin keine große Rolle. die üblichen Infekte erscheinen vielen als bedeutungslos in Anbetracht der tödlichen Coronapandemie. Die Grippe (Influenza) scheint es in diesem Jahr kaum zu geben. Die Kinderkrankheiten – darüber haben wir mehrfach berichtet – sind deutlich seltener aufgetreten als sonst, Ausnahme Mumps. Der trat etwa so häufig auf wie im Jahr 2019. Aber: Masern, Keuchhusten und Windpocken liegen alle unter 50% der erwarteten Zahlen.

Was geht in der Welt rum? Die Coronapandemie lässt an Pandemien früherer Epochen denken. Dazu zählt auch die Beulenpest. Viele wissen nicht, dass die Pest weltweit noch immer vorkommt. Zum Beispiel in der Demokratischen Republik Kongo, wo aus der Region Aur (Provinz Ituri, NO) mehr als 200 Verdachtsfälle von Beulenpest gemeldet wurden. Fünf Menschen sind verstorben. Auch Madagaskar ist seit 1921 regelmäßig von der Pest betroffen.

Ich wünsche Ihnen eine fröhliche Gelassenheit. Für viele Familien kann der Rückzug auf sich selbst auch eine Chance sein. Ihr

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