Monat: Februar 2021

Was geht rum? 27. Februar 2021

COVID-19 in der Schwangerschaft: Risiko für das Neugeborene?

Corona-Tests zur Selbstanwendung: Welche gibt’s? Was können sie? 

Impfungen hier und dort 

Wenig Infekte, vielen Pollen

Eine interaktive Reise auf den Mars

Eine Schwangerschaft ist in der Corona-Pandemie um eine Angst mehr belastet: Ist mein Kind bedroht, wenn ich an COVID-19 erkranke? Eine Studie (in Englisch) von Edward Mullins und Mitarbeitern vom Imperial College London zeigt anhand von Informationen aus England und den USA, dass werdende Mütter sich nicht sorgen müssen.

Selbsttests gegen das SARS-CoV-2 sind eine wichtige Ergänzung im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus. Besonders in Schulen und Kindergärten sollen sie ab März im Rahmen der Öffnung zur Anwendung kommen. Aber welcher Test ist geeignet? Darüber gibt eine online-Liste des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) Auskunft. Die Liste soll fortlaufend ergänzt werden. Interessant ist auch ein Link auf eine Seite des RKI, der sich mit der Frage befasst: Was ist bei Antigentests zur Eigenanwendung zu beachten? Der fachlich fundierte Text zeigt die Chancen und Grenzen des Selbsttests.

Viel meinen zu müssen trotz wenig Wissen, meinen viele Leute beim Thema Impfungen. Und weil man gerne vom anderen abschreibt, schimpfen viele Medien unisono auf den Impfstoff von AstraZeneca. Der hat aber bei genauer Sicht viele Argumente auf seiner Seite. Ganz vorneweg: In einer Fortschreibung der Studienbeobachtung (Phase IIIb) zeigte sich, dass unter den Geimpften über 30% am Coronavirus erkrankten. Bei keinem Erkrankten war jedoch ein Spitalaufenthalt erforderlich und niemand starb an COVID-19. Gerade die Langfristdaten zu diesem Impfstoff sehen also sehr gut aus. Und die Wirksamkeit des Impfstoffs nimmt mit der Zeit zu, wie Untersuchungen an Tag 49 nach Impfung zeigen: „Die Impfung reift“ (Drosten)

Und wichtig ist heute jeder Impfstoff. Denn weltweit sind bisher nur etwa 0,06 Prozent aller Menschen gegen das Coronavirus geimpft. Spitzenreiter ist weiterhin Israel (88 Prozent der Bevölkerung mit einer oder 2 Impfungen). Sogar Großbritannien – lange Zeit verhöhnt – hat mit 27 Prozent schon über ein Viertel der Bevölkerung  erreicht. Die Aussichten sind gut: Sollten die Mutationen weiter erfolgreich sein, so ist eine rasche Anpassung der Impfstoffe an neue Virusmutanten möglich. Bei  mRNA-Impfstoffen (BioNTech/Pfizer, Moderna, Curevac) ist eine solche Umstellung innerhalb von sechs Wochen möglich, sagte Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI). Beim Impfstoff von AstraZeneca würde die Anpassung aus technischen Gründen eher 3-4 Monate dauern.

Erlenpollenflug in Deutschland (Stand: 26.02.2012). Quelle: Deutscher Wetterdienst

Der Frühling startete im Ländle schon mit der Fasnet. die nicht stattfand. Infekte sind kaum unterwegs – es geht fast nix rum. Außer Pollen: Ganz Baden-Württemberg wird gerade von hohen Konzentrationen an Erlenpollen heimgesucht – mit Ausnahme von Schwarzwald und Schwäbischer Alb (siehe die Graphik links). Für die Birke ist es trotz der Wärme noch zu früh. Kein Birkenpollenflug überhaupt im Land.

Wollen Ihre Kinder mal auf den Mars? Das geht bis heute bekanntlich nicht und kommt vielleicht später. Bis dahin gibt es aber eine interaktive Karte der Freien Universität (FU) Berlin, um sich die Umgebung des Mars-Rovers Perseverance mal genauer anzusehen.

Hunde können etwas erschnüffeln, wo die menschliche Nase völlig ahnungslos bleibt. Quelle: pixabay, Lenka Novotná

Hunde haben Fähigkeiten, die uns übersinnlich erscheinen. Sie können Gerüche erkennen, wo unsere menschliche Nase eine Nulllinie zeichnet. So gelingt es seit Jahren nachweißlich, dass speziell ausgebildete Hunde Lungenkrebs durch ihren Geruchssinn erkennen. Inzwischen sind einige der fitten Zeitgenossen auch für’s Coronavirus geschult. Man legt ihnen ein feuchtes Tuch vor, das zuvor einem Menschen über den Arm gestreift wurde. Legt sich der Hund sodann hin und wartet auf seine Belohnung oder er zeigt den erkannten Geruch durch Bellen an ist die Diagnose Coronavirus zu 95% sicher. Diese Messmethode wird sowohl in Südtirol (Schulen, Altersheim) und am Flughafen in Helsinki eingesetzt.

Was geht in der Welt rum? In der Demokratischen Republik Kongo breitet sich die Pest (meist in der Form einer Beulenpest) in der Region Aur (Provinz Ituri im Nordosten) weiter aus. Bekannt sind 520 Verdachtsfälle. Bereits 31 Menschen sind an der Pest verstorben.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien ein gemütliches und sonniges Wochenende. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Baukindergeld schnell beantragen

Nur wenige Eltern wird es betreffen. Aber noch können Anträge auf das Baukindergeld gestellt werden. Aber nur noch bis zum 31. März 2021.

Welche Rahmenbedingungen sind erforderlich?

  • zu versteuerndes Einkommen des Haushaltes liegt unter 90.000 €/ Jahr (Grundlage: Einkommen des vorletzten und vorvorletzten Jahres)
  • im Haushalt lebt mindestens 1 Kind unter 18 Jahren
  • bei mehreren Kindern: Pro Kind geht die Einkommensgrenze um 15.000 € nach oben
  • nur für die erste und einzige Wohnimmobilie
  • der Bauantrag bzw. Kaufantrag für die Immobilie muss bis 31.März.2021 gestellt sein

Welche Vergünstigung ist damit verbunden?

  • Familien erhalten für 10 Jahre einen jährlichen Zuschuss
  • pro Kind und Jahr 1200 € – somit 12.000 €/ Kind insgesamt

Weitere Informationen können Sie hier nachlesen.

Kreuzreaktionen bei Nahrungsmittelallergien

Bald blühen die Birken. Das wäre nicht besonders spektakulär, wenn deren Pollen nicht so herrlich weit fliegen und tief in die Atemwege von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen eindringen würden. Das mag so manches Immunsystem überhaupt nicht und reagiert allergisch.

Oft bleibt es aber nicht beim „Heuschnupfen“, der eigentlich ein allergischer Schnupfen ist und bei den Birken ohne Heu auskommt –  manchmal kommt auch Asthma bronchiale hinzu. Das betrifft zum Glück eher Schulkinder und Jugendliche, so dass die Kleinsten im Frühjahr meist ungestört rumtollen können.

Wer von der Allergie gegen die Frühblüher wie Birke oder Hasel oder auch Erle betroffen wird hat ein großes Risiko auch eine Nahrungsmittelallergie zu bekommen. Weil das Allergen der Pollen so ähnlich aufgebaut ist, reagieren viele Pollen-Allergiker auch auf einige Nahrungsmittel wie Äpfel (Kernobst) oder Haselnüsse.

Und dann wird’s langsam kompliziert. Denn es gibt auch Kreuz-Reaktionen von einem Nahrungsmittel zum anderen. Das ist vielen Eltern allergischer Kinder bekannt. Wo aber welches Risiko vorliegt ist eher weniger bekannt. Deswegen wollen wir hier eine Übersicht vorstellen, die kürzlich von ausgewiesenen Experten aus New York und Genf veröffentlicht wurde.

Nahrungsmittelallergien und ihre Kreuzallergene (siehe Text). Quelle: JACI-inpractice Amanda Cox et al, 2021

Die Tabelle zeigt auf der linken Seite die „primäre“ Nahrungsallergie, die ein Kind oder einen jugendlichen betrifft. In der mittleren Spalte sind dass die kreuzreaktiven Nahrungsmittel abgebildet, wogegen eine weitere Allergie sich entwickeln könnte. Das Risiko hierfür zeigt die rechte Spalte.

Grundsätzlich ist es gut, um diese Kreuzallergien zu wissen. Es besteht aber für Eltern in aller Regel kein Grund, mögliche Kreuzallergene bei den Kindern von vorneherein zu vermeiden. Solche Maßnahmen könnten sich im Einzelfall auch ungünstig auswirken. Die Tabelle gibt eine gute Orientierung über die klinisch bedeutsamen Kreuzallergien von Nahrungsmitteln. Gute Therapievorschläge geben jedoch nur allergologisch versierte Kinder- und JugendärztInnen.

Was geht rum? 20. Februar 2021

Pandemie: Internetportal zur Unterstützung von Jugendlichen im Alltag

Kinder- und Jugendärzte: Kinder in der COVID-19 Pandemie

Sitting, Waiting, Wishing – dass morgen alles besser wird? 

Pollenallergie ja, Infekte wenig

Für Jugendliche sowie für deren Eltern gibt es aus München nun ein Internetportal, das sich mit Alltagsproblemen in der Coronapandemie auseinandersetzt. Angesprochen werden bei „corona-und-du“ Jugendliche und – separat – Eltern mit Themen, die im beklemmenden Alltag der Pandemie häufig noch drückender sind als zuvor. Das Spektrum reicht von „Die Welt steht Kopf“ bis zu „Hol Dir Hilfe“ mit praktisch unterstützenden Angeboten.

Von den kinderärztlichen Gesellschaften (Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) und der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH)) liegt eine aktuelle, sehr lesenswerte Stellungnahme zum Thema  „Kinder in der COVID-19 Pandemie“ vor. Darin wird – ähnlich wie im praxisblättle – nochmals unterstrichen, wie wenig die Schulschließungen zur Eingrenzung der Pandemie beitrugen, wie schwerwiegend diese aber für das Wohl der Kinder und Jugendlichen waren.

Ruhepause. Quelle: ptw

Geschrieben wird viel. Geredet sowieso. Aber vorausgedacht? Im letztem Sommer waren alle glücklich über die niedrigen Infektionszahlen wie in jedem Jahr bisher, wenn die Grippe nicht kam. Impfungen gegen das C-Virus waren in Entwicklung, BioNTech weit vorne. Aber kaum einen hat’s interessiert. Doch dann kam alles anders: Die Infektionszahlen schnellten nach oben und der einzige Plan war: Hoffentlich kommt bald ein Impfstoff. Es schien um Tage zu gehen. Aber was fand politisch statt? „Sitting, Waiting, Wishing” wie im Jack-Johnson-Song, an den die Journalistin Luisa Hofmeier kürzlich treffend erinnerte. Auch heute könnten verantwortliche Menschen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft Pläne für Kinder in Schule/ KiTa unter Berücksichtigung von Impfungen/ Ansteckungsrisiken/ technischen Schutz-Möglichkeiten (von Lüftungsanlagen bis zu einer sinnvollen App) entwickeln. Aber wieder scheint es: Alle warten und hoffen ohne den berühmten Plan-B. Die sinkenden Infektionszahlen im Moment sind wohl eher dem frostigen Wetter der letzten Wochen geschuldet. Wer geht bei diesen Temperaturen schon gerne nach draußen? Wie kann sollte es also im lieblichen Frühjahr weitergehen in Bezug auf unsere Kinder in Schule und KiTa? Auch wenn die Inzidenzwerte wieder schlechter wären? Doch wohl keine Schulschließungen. Da ist mehr und intelligenteres möglich!

Aus Israel kamen diese Woche die ersten Meldungen zur Wirksamkeit der Coronaimpfung mit dem Impfstoff von BioNtech/Pfizer. So hat die Krankenkasse Clalit 600.000 Menschen (Beitrag in Englisch) untersucht, deren zweite Corona-Impfung mindestens eine Woche zurücklag. Danach ergaben sich in der Gruppe der Geimpften 94 Prozent weniger symptomatische Infektionen als in einer Kontrollgruppe von noch nicht geimpften Menschen. Eine weitere Studie hatte vor einer Woche bereits berichtet, dass unter den frisch Infizierten nur ein Anteil von 0,1 Prozent der Personen waren, die bereits geimpft worden waren. Nach vielen „Labor-Studien“ zeigen diese nun Ergebnisse aus dem wahren Leben: Die Corona-Impfung wirksam ist. Nicht zu 100% – aber fast. Eine gute Übersicht gibt das Faktenblatt zur mRNA-Impfung vom Robert-Koch-Institut.

Haselblüten. Quelle: pixabay, Manfred Richter

Der Pollenflug hat inzwischen Schwung aufgenommen. Die Pollenbelastung mit Erle und Hasel ist hoch und wird sich über das Wochenende vom Oberrhein und Bodensee in höhere Lagen ausbreiten. Eltern von allergiebelasteten Kindern sollten die Notfallmedikamente (z.B. Notfallsprays wie Salbutamol) zuhause überprüfen.

Weiterhin treten nur wenig Infektionskrankheiten bei Kindern auf. Das betrifft alle Infekte der Atemwege außer die mit den Rhinoviren. So tritt Schnupfen durchaus noch auf, aber kaum Bronchitis oder Lungenentzündungen. Selbst der Keuchhusten hat nur eine Häufigkeit, die um 90% niedriger liegt als vor einem Jahr um diese Zeit.

Was geht in der Welt rum? Nicht nur bei uns gibt es Zecken. Unser südlicher Nachbar, die Schweiz, berichtet von der ersten FSME-Erkrankungen in diesem Jahr. Aber auch im Elsass, unserm westlichen Nachbarn, spielen Zecken eine enorme Rolle. Sie kommen dort doppelt so häufig vor wie in der Region Paris. Unter den Kindern sind in Bezug auf die Borreliose besonders die Kinder von 5-9 Jahren betroffen. Ein Gebiet mit besonders hoher Belastung ist die Region um Sélestat, die sich auf Höhe des Kaiserstuhls auf der französischen Seite des Rheins anschließt mit mehr als 200 Fällen pro Jahr auf 100.000 Einwohner.

Ich hoffe, Sie finden viel Zeit, um das frühlingshafte Wochenende mit Ihrer Familie zu genießen. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Weniger Neurodermitis auf dem Bauernhof

Das Leben auf dem Bauernhof ist in vielen Beziehungen günstig für ein gesundes Leben von Kindern. Studien aus Europa haben dies für die Entstehung von Allergien schon mehrfach belegt. So wurde bereits vor 10 Jahren im Rahmen der PASTURE-Study gezeigt, dass frühe Kontakte zu Tieren auf dem Bauernhof bei vielen Kindern das Auftreten von Neurodermitis verhindern kann.

Zusammenhang von der Häufigkeit von Neurodermitis (AD) mit der Anzahl und Diversität von Tieren in der Umgebung. Quelle: JACI, Steiman et al, 2020

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch eine Studie über das Auftreten von Neurodermitis im Vergleich von Müttern und Kindern, die in den USA auf einem Bauernhof leben. Darin untersuchten Cheryl A. Steiman und Mitarbeiter von der University of Wisconsin in Madison das frühe Auftreten von Neurodermitis (early-onset AD (atopic dermatitis)) bei Müttern, die bereits in der Schwangerschaft auf dem Bauernhof lebten.

Es zeigte sich, dass eine frühe und damit tendenziell schwere Neurodermitis deutlich seltener auftrat, wenn zwei Bedingungen erfüllt waren:

  1. Ständige und enge Kontakte zu Tieren auf dem Bauernhof.
  2. Auf dem Bauernhof lebten viele unterschiedliche Tiere (Diversität).

Dabei spielt schon die Schwangerschaft eine günstige Rolle. Wenn also schwangere Bäuerinnen eng in die Arbeit mit Tieren eingebunden waren, trat bei ihren Kindern später seltener die – eher schwere – Frühform einer Neurodermitis auf.

Das enge Zusammenleben mit verschiedenen Tieren ist also auch in Bezug auf die Verhinderung einer Neurodermitis günstig. Für einzelne Tiere wie Katzen oder Hunde ließ sich dieser Effekt bisher nicht belegen.

Was geht rum? 13. Februar 2021

Lebende Leitlinie“: SARS-CoV-2-Übertragung in Schulen

Impfschutz gegen Virusmutanten: wenige, aber ermutigende Daten

Pollensaison startet am Oberrhein und Bodensee

Baden-Württemberg: Wenig Infektionen. Wenig Keuchhusten, keine Masern

China: Geburtenrückgang um 15%

Steht bei Ihnen zuhause neben der Zahnbürste auch schon das Wattestäbchen für den Schnelltest? Das wäre vielleicht hilfreich. Viele Tests – das wird gerne übersehen – ersetzen aber nicht die Maßnahmen, um Viren fernzuhalten. Um Abstand ……. na ja, Sie wissen schon.

Schulen und KiTas aufmachen? Wenn’s ums seelische Wohl der Kinder geht am besten schon gestern. Aber ist das virologisch sinnvoll? Wenn sich die Mehrheit der Erwachsenen bei Kontakten zurückhalten würde, könnten wir uns offene KiTas und Grundschulen sicher leisten – weniger Virus bei den Erwachsenen, vielleicht etwas mehr bei Kindern. Immerhin gibt es nach dem ersten Jahr der Coronapandemie nun eine Leitlinie „Maßnahmen zur Prävention und Kontrolle der SARS-CoV-2-Übertragung in Schulen“. Darin sind die Ergebnisse der Studien zu dieser eminent wichtigen Frage zusammengetragen. An der Erstellung des Papiers sind viele Verbände beteiligt, darunter die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), die Deutsche Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie (DGPI) und das Robert-Koch-Institut (RKI). Was besonders gut ist: Diese lebende Leitlinie wird laufend angepasst werden.

Homeoffice. Das machen heute ja alle. Wenigstens gefühlt alle: Schön unabhängig von zuhause arbeiten, unter dem perfekten Jackett die geliebte Jogginghose. Und ein guter Kaffee ist auch immer zur Hand.

Offensichtlich hat der Trend des Homeoffice inzwischen auch die Tramfahrer erreicht wie das nebenstehende Bild zeigt. Dürfen Tramfahrer bei der Arbeit Jogginghosen tragen?

Wie steht es um die Wirksamkeit der Corona-Impfungen bei der Abwehr von mutierten SARS-CoV-2? Dazu gibt es bislang zwei Informationen. Die erste kommt aus Südafrika. Dort hat eine Studie der Universitäten Oxford und Witwatersrand eine geringe Schutzwirkung des Impfstoffes von AstraZeneca gegen die südafrikanische Mutante B.1.351 belegt. Eine andere Studie untersuchte – im Labor ! – die Schutzwirkung des Impfstoffes von BioNTech/Pfizer gegen die gleiche Variante. Dabei fanden die Forscher um Nathaniel Landau aus New York eine gegenüber dem „normalen“ Coronavirus abgeschwächte Wirkung des Impfstoffes. Die Impfung war jedoch deutlich besser wirksam, als die Antikörper nach einer durchgemachten Impfung. Diese Daten müssen nun noch im klinischen Alltag geprüft werden, machen aber Mut.

Flug der Haselpollen am Oberrhein (Basel) in der letzten Woche. Quelle: pollenflug.ch

Letzte Woche scheint schon lange her. Wo in dieser Woche die Schneeflocken vom Winde verweht werden, waren es zuvor die Pollen von Erle und Hasel. Der Wechsel von Frühjahr zum Winter war beeindruckend. Nach den Vorhersagen der Meteorologen können sich Pollenallergiker bis Anfang nächster Woche sicher fühlen. Die Kälte bleibt erstmal.

Aktuell gibt es wenig Infektionen, wenn man von Coronaerkrankungen absieht. Das Rhinovirus beschert den Menschen aber weiterhin leichten Schnupfen, die Grippe (Influenza) scheint in diesem Winter auszufallen. Keuchhusten trat in der letzten Woche bei sechs Menschen im Ländle auf. Damit hat sich die Gesamtzahl auf 23 im Jahre 2021 erhöht. Letztes Jahr – noch vor der Pandemie – waren es zu gleichen Zeit 212 Keuchhustenfälle. Ein Rückgang um fast 90%! Ähnlich selten sind Erkrankungen an Masern (in Baden-Württemberg in 2021: 0) und Mumps (2021:1, 2020: 18). Apropos Masern: Wer mehr über diese Krankheit und die Impfung dagegen wissen möchte, kann sich das kurze Video der Kassenärztlichen Bundes-Vereinigung ansehen.

Bevölkerungswachstum in China seit 1980 (in Millionen Menschen) Quelle: statista

China ist das Land auf der Erde mit den meisten Einwohnern. Mit der Ein-Kind-Politik wurde 1979 eine strikte Maßnahme umgesetzt, um das Bevölkerungswachstum zu bremsen. Doch der Wohlstand, späte Heiraten und eine besonders hohe Scheidungsrate brachten es mit sich, dass immer weniger Kinder zur Welt kamen, obwohl die Kinderzahl seit 2016 nicht mehr staatlich begrenzt ist. Erschreckend ist, dass die Zahl der Geburten im vergangenen Jahr 11,79 auf 10,04 Millionen gesunken ist – ein Rückgang von 15%.

Gemeinsam …. Quelle: pixabay, Gerd Altmann

Vor einem Jahr, kurz bevor die Pandemie unser Leben veränderte, haben viele der praxisblättle– Leser in einer Umfrage angegeben, uns auch finanziell unterstützen zu wollen. Das hat uns sehr gefreut und Mut gemacht. Bei den laufenden hohen Kosten können wir das praxisblättle leider nicht ohne Ihr aktive Hilfe fortführen. Unterstützen können Sie uns ganz klassisch per Überweisung (planet4kids media, Fidor Bank AG,  DE97 7002 2200 0020 4770 40, FDDODEMMXXX; Stichwort „praxisblättle„). Oder Sie nutzen Patreon, über den Sie uns einen kleinen Betrag monatlich spenden können. An dieser Stelle schon mal: Herzlichen Dank 🙂

Was geht in der Welt rum? Pandemien haben die Welt schon immer heimgesucht. im Mittelalter war das beispielsweise die Pest. Die ist in vielen Ländern wie Madagaskar oder auch in der Demokratischen Republik Kongo weiterhin nicht ausgerottet. Im Kongo sind im letzten halben Jahr 420 Fälle gemeldet worden, davon 29 Todesfälle. Das Ebola-Fieber hat ebenfalls im Kongo ( Butembo in der Provinz Nord-Kivu) wieder ein Menschenleben gekostet. Welche Folgen das SARS-CoV-2 bisher im Kongo hatte, ist nicht belegt.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Kindern viel Spaß bei Sonne, Schnee und Eis. Ich grüße Sie herzlich, Ihr

Vitamin D jenseits des zweiten Lebensjahres

Langsam werden die Tage wieder länger und die Sonne scheint stärker auf uns herab. Dennoch reicht das Sonnenlicht, genauer die UV-B-Strahlung, noch nicht aus, um unseren täglichen Bedarf an Vitamin D zu decken. Das gelingt erst den Monaten April bis September, wenn wir um die Mittagszeit (10-15 Uhr) nach draußen gehen und dabei eine Viertelstunde mit unbedecktem Kopf und Unterarmen der Sonne ausgesetzt sind.

Etwa 10% des täglichen Bedarfs an Vitamin D können vom Körper mit der Nahrung aufgenommen werden. Hierzu tragen Meeresfische aus Kaltwasserregionen (Lachs, Hering u.a.) besonders bei. Das aufgenommene Vitamin D wird über die Leber und die Nieren weiter verstoffwechselt und in die aktive Form Calcitriol gebracht.

Die übrigen 90% des Vitamin-D-Bedarfs werden über die Sonnenstrahlung gedeckt. Diese ist im Winter gering, womit auch die Vitamin-D-Spiegel im Körper absinken. Aber welcher Spiegel ist normal? Diese Frage ist sehr komplex. Denn der Vitamin-D-Spiegel ist von vielen Faktoren beeinflusst, so auch von der körperlichen Aktivität. Auch die Bestimmung des Vitamin-D im Labor ist aufwendig und häufig werden Methoden verwandt, die finanziell günstiger aber nicht ausreichend genau sind (wie der ELISA).

Über die letzten Jahrzehnte wurde klar, dass Vitamin-D eine weit höhere Bedeutung hat als die Regelung des Knochenstoffwechsels. Belegt ist ein Bezug auf das Immunsystem, über den sich auch der vermutete Einfluss auf Autoimmunerkrankungen, Diabetes mellitus, Asthma bronchiale oder Infektionskrankheiten erklären könnte.

Was bedeuten all diese Informationen für Kinder und Jugendliche in Deutschland? Die KiGGS (Langzeitstudie des Robert Koch-Instituts zur gesundheitlichen Lage der Kinder und Jugendlichen in Deutschland) zeigte, dass der Vitamin-D-Spiegel nur bei einem Drittel der Kinder im Zielbereich lag. Bei den anderen lag der Wert darunter. Echte Mangelerkrankungen sind aber eine Rarität. Die deutschen Kinder- und Jugendärzte vertreten in der Mehrheit den Standpunkt, dass allein ein niedriger Vitamin-D-Wert bei Kindern nach dem zweiten Geburtstag keinen Behandlungsgrund darstellt.

Eine Stellungnahme der Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) und der Deutschen Gesellschaft für Kinderendokrinologie und Diabetologie (DGKED) zur Gabe von Vitamin D bei über 2-jährigen Kindern liegt seit 2018 vor. Darin können Sie weitere Details zu dieser Frage nachlesen.

Was geht rum? 06. Februar 2021

Corona-Impfung für Kinder? Erste Studien sind im Gange

Schulkinder ebenso oft von Corona betroffen wie Erwachsene

Erster Pollenflug am Oberrhein

Tollwut bei einem Kind in Südafrika

Kinder kommen in der Diskussion um den Corona-Impfstoff nicht vor. Von der Pandemie sind sie aber sehr wohl betroffen. Die amerikanische Gesundheitsbehörde CDC schätzt, dass die Erkrankungszahlen von Kindern und Jugendlichen (5-17 Jahre) der Erwachsenen (18-49 Jahre) etwa gleich hoch ist. Wie steht es also um die Impfung? Die Akademie der amerikanischen Pädiater (AAP) berichtet, dass vier der Impfhersteller bereits Studien mit Jugendlichen durchführen. Der Impfstoff von BioNTech/Pfizer – bereits ab dem 16. Geburtstag zugelassen – wird gerade für die Altersgruppe 12-15 Jahre getestet. Man hofft eine Notfallzulassung (EUA) bereits in der ersten Hälfte dieses Jahres zu bekommen. Andere Firmen (Moderna, AstraZeneca, Janssen) haben vergleichbare Studien.

Auch eine Seroprävalenzstudie der Universitätsklinik von Genf kommt zum Schluss, dass Kinder von 6-17 Jahren etwa gleich oft von der COVID-19 betroffen sind wie die Erwachsenen von 18-64 Jahren. In einer Gruppe von 4000 Probanden fanden sie in der Zeit von Ende November bis Ende Dezember 2020 Antikörper gegen das SARS-CoV-2 in der Altersgruppe von 6-17 Jahren bei etwa 23%. Schulkinder und Jugendliche infizieren sich also ähnlich häufig wie die Erwachsenen. Unklar bleibt die Frage, ob sie auch ähnlich ansteckend sind. Da sie oft asymptomatisch sind, ist wohl ihre Viruslast geringer. Und die ist im Zusammenhang mit einer Ansteckung bedeutend.

In der Summe dieser und anderer Studien wird klar, dass sich die Ausbreitung des Virus bei Kleinkindern – also in der KiTa – anders verhält als bei Schulkindern. So kommt auch Prof. Christian Drosten im ndr-Podcast zur Ansicht, dass man „im KiTa-Bereich etwas kompromissbereiter sein kann„. Gerade in der Diskussion um die ansteckenden Virus-Mutanten aus Großbritannien, Südafrika und Brasilien sollten wir jedoch nicht vergessen, dass die Wocheninzidenz von 50 auf 100.000 im letzten Herbst das Schreckensgespenst war. Warum die gleiche Zahl nun allen als glücksbringend erscheint ist schwer nachzuvollziehen. Natürlich sehnen wir uns alle nach „Normalität“ – aber das Jojo-Spiel wünscht sich nun wirklich niemand. 

Praxisindex: Atemwegsinfektionen, die in den Praxen behandelt werden. Die rote Kurve zeigt den Verlauf der Saison 2020/2021 Quelle: AGI

Die übrigen Infekte, die uns vor einem Jahr noch plagten, sind gegenüber den Vorjahren im Ländle deutlich zurückgegangen, wie die rote Kurve (Saison 2020/2021) zeigt. Das kann viele Gründe haben. Einer ist, dass sich Menschen mit leichten Infekten nicht mehr so schnell an ihren Hausarzt wenden in der Angst, sich dort im Wartezimmer mit dem Coronavirus anstecken zu können. Ein anderer ist, dass viele Infekte – so z.B. die Influenza – schlicht deutlich seltener vorkommen: Für die ersten 4 Wochen des Jahres sind in Baden-Württemberg 10 Fälle von Influenza gesichert – im gleichen Zeitraum letztes Jahr: 2368 (da fehlt keim Komma). Wir sind ja mit dem SARS-CoV-2 auch ausreichend geplagt.

Die meisten „leichten“ Infekte dürften auf die Rhinoviren zurückgehen. Sie haben keine empfindliche Membranhülle wie etwa die Grippeviren, sondern eine stabile Proteinschale. Das macht sie widerstandsfähig und hochansteckend. So können sie leicht über Oberflächen übertragen werden. Mit mehr Händewaschen könnten wir dagegen etwas unternehmen. Aber so perfekt sind wir halt nicht. Das nutzen die Rhinoviren aus und sorgen weiter für Schnupfen und Husten.

Weidekätzchen – eines der ersten Zeichen für den beginnenden Frühling   Quelle: ptw

Seit zwei Tagen sind am Oberrhein die Erlen- und Haselpollen in den Lüften. Nach Ansicht der Meteorologen wird sich die Pollenbelastung am Sonntag wieder legen. Eltern von allergischen Kindern und Jugendlichen können aber schon mal nachsehen, ob sie für den Frühlingsbeginn gerüstet sind: „Allergietabletten“? Nasenspray? Asthmaspray? 

Lachsfilet. Quelle: pixabay, Shutterbug75

Hat Fischöl einen Einfluss auf die Entstehung von Asthma bronchiale bei Kindern? Das könnte der Fall sein wie eine Studie zeigt. Wissenschaftlich sicher belegt ist es damit nicht. Wieder einmal geht es um die Bedeutung der langkettigen Omega-3-Fettsäuren, wie der Beitrag in unserem praxisblättle zeigt. Diese kommen besonders in Fischen vor, die in kalten Meeresgewässern leben (u.a. Lachs). Fisch zu essen macht wissenschaftlich gesehen also Sinn. Andere würden sagen – „es ist gesund“.

Was geht in der Welt rum? In Südafrika ist der erste Todesfall durch Tollwut in diesem Jahr aufgetreten. Gestorben ist ein 10 Jahre alter Junge in der Provinz KwaZulu-Natal, der im letzten November von einem Hund gebissen worden war. Tollwut wird in den meisten Fällen bei  Hundebisse übertragen. Deswegen ist es für Eltern ratsam, ihre Kinder beim Umgang mit Hunden zu beobachten und zu vorsichtigem Verhalten zu bewegen.

Genießen wir heute nochmal einen Hauch von Frühling im Südwesten, bevor dunkle Wolken und Regen den Himmel wieder verdecken. Es grüßt Sie herzlichst, Ihr

Kann Fischöl Asthma verhindern?

Hat der Verzehr von Fischöl einen günstigen Einfluss und vermag die Entstehung von Asthma bronchiale bei Kindern zu verhindern? Das legt eine Studie nahe, die Hinweise für einen Zusammenhang zwischen zu wenig langkettigen Omega-3-Fettsäuren in der Nahrung und dem vermehrten Auftreten von Asthma fanden.

Durch die Ernährung nehmen wir je nach Zusammensetzung der Speisen mehr oder weniger Omega-3-Fettsäuren auf. Prinzipiell ist der menschliche Stoffwechsel jedoch in der Lage, die wichtigen langkettigen Omega-3-Fettsäuren (Docosahexaensäure (DHA) und Eicosapentaensäure (EPA)) selbst zu bilden. Dazu benötigt er das Enzym Delta-6-Desaturase. Das Gen für dieses Enzyms kann jedoch die Variante (rs1535) aufweisen, wodurch die Aktivität deutlich herabgesetzt ist. In der Folge gelingt es dem Körper nicht, einen Mangel an der Zufuhr der langkettigen Omega-3-Fettsäuren bei einer Durchschnittskost aus der Nahrung ausgleichen.

Eine Forschergruppe um Seif Shaheen von der Queen Mary University of London hat im Rahmen der Avon Longitudinal Study of Parents and Children – kurz ALSPAC-Studie – gefunden, dass fast die Hälfte der untersuchten Kinder von der Variante rs1535 betroffen sind. Bezogen auf die Zufuhr der langkettigen Omega-3-Fettsäuren in der Nahrung zeigte sich, dass Kinder, die im Alter von 7 Jahren sehr viele der Omega-3-Fettsäuren – beispielsweise als Fischöl – in ihrer Nahrung aufnahmen, im Alter von 11 bis 14 Jahren nur halb so oft an Asthma bronchiale erkrankt waren.

Noch ist der Zusammenhang nicht wissenschaftlich gesichert. Dazu bedarf es weiterer Studien, die diese Frage unter Einsatz von Placebos direkt untersuchen (sog. randomisierte placebo-kontrollierte Doppelblindstudien).

Bis dahin ist es sicher kein Fehler, bewusst Fisch auf den Tisch zu bringen. Die gewünschten langkettigen Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA finden sich besonders bei Fischen aus Kaltwasserregionen: Lachs, Hering, Makrele und Thunfisch. Für viele Eltern ist aber die schwierigere Frage: Wie kann ich meine Kinder dazu bewegen, Fisch zu essen?