Monat: März 2021

Kuhmilchallergie: Wie gefährlich kann sie sein?

Über Lebensmittel unterhalten wir uns täglich. So zum Beispiel über Unverträglichkeiten aller Art wie Lactoseintoleranz oder Unverträglichkeit von Weizen. Man vermutet, dass jeder fünfte in Deutschland bei sich eine Unverträglichkeit beobachtet, obwohl nur bei 2% aller Menschen eine solche nachweisbar ist.

Ähnlich ist es bei Allergien gegen Nahrungsmittel. Solche Allergien werden oft vermutet, lassen sich aber nur bei einer kleineren Gruppe von Menschen nachweisen. Genaue Daten hierzu gibt es wenige. Insofern ist die Studie aus der Arbeitsgruppe von Paul J. Turner vom National Heart and Lung Institute in London (England) sehr interessant.

Zunahme der Anaphylaxien gegen Nahrungsmittel zwischen 1998 und 2018 in Großbritannien. Quelle: British Medical Journal

Die Briten haben die nationalen Daten von 1998 bis 2018 hinsichtlich Krankenhausaufnahme wegen Nahrungsmittelallergien ausgewertet. In diesen 20 Jahren stieg die Zahl der stationär aufgenommenen Personen mit Nahrungsmittelallergien von 1,23 auf 4,04 pro 100.000 Einwohner und Jahr. Dabei lag der Anstieg bei Kindern deutlich höher: 2,1 auf 9,2 Aufnahmen pro 100.000 Personen.

Allergische Reaktionen auf Nahrungsmittel sind unangenehm und manchmal auch bedrohlich. Todesfällen sind jedoch selten. Für Großbritannien ließen sich 66 Todesfälle für Kinder im Schulalter innerhalb der 20 Jahre nachweisen. Davon entfielen 17 Todesfälle (26%) auf Kinder mit Kuhmilchallergie. Die nächst häufigere Todesursache waren die Erdnüsse als Auslöser in 14%, die bei Erwachsenen das „tödlichste Allergien“ mit 20% darstellt.

Ein beruhigendes Ergebnis der Studie ist, dass zwischen 1998 und 2018 laut des staatlichen Gesundheitsdienstes (NHS) die Zahl der verordneten Adrenalin-Injektoren um 336% zugenommen hat. Adrenalin ist die einzige Arznei, die eine Anaphylaxie (allergischer Schock) erfolgreich stoppen kann. Kampagnen der Allergologen weltweit werben seit Jahrzehnten dafür, diese Notfallarznei unbedingt den kritischen Allergiker zu verordnen.

Diese Zahlen aus Großbritannien zeigen auch eine Tendenz, die für Deutschland gilt: Schwere Allergien kommen häufiger vor als oft gedacht. Sie zu erkennen und exakt zu diagnostizieren ist der eine Schritt. Der andere ist die Planung der Notfalltherapie mit dem Adrenalin-Injektor sowie der Schulung der persönlichen Umgebung (Eltern, ErzieherInnen, LehrerInnen u.a.) im Einsatz desselben. Denn Todesfälle sind möglich, aber in vielen Fällen vermeidbar.

Was geht rum? 27. März 2021

Tests: Spucktests im Kanton Basel-Land

Maske: Wie kann sie wieder keimfrei werden?

Impfung: ab 7. April in der Hausarztpraxis

Pollen: kurze Verschnaufpause

Spucktests im Kanton Basel-Landschaft (BL). Quelle: baselland.ch

Mehrere Schweizer Kantone machen es vor: Mit Corona-Spucktest (auf PCR-Basis) testen sie Schulen und Unternehmen, um frühzeitig symptomlose Infizierte zu erkennen. Der Kanton Basel-Landschaft ist einer dieser aktiven Kantone, die wöchentlich 50.000 Menschen testen. Ein guter, aber nicht ganz billiger Weg, um trotz hoher Infektionsraten in Schulen die Klassen weiter offen lassen zu können. Für Politiker aus Baden-Württemberg: Schaut mal in die Schweiz. Oder wie es dort heißt: Chume und luegä!

Müdigkeit. Quelle: pixabay, PublicDomainPictures

Dass eine Coronainfektion (COVID-19) nicht immer folgenlos abheilt ist bekannt. Dieser Zustand nach der akuten Erkrankung, der noch etwas schwer fassbar ist, hat nun einen Namen: Post Acute Sequelae of COVID-19 (PASC). In einer Studie hierzu berichten 51% der untersuchten Patienten nach einem Krankenhausaufenthalt, dass sie zumindest eines der folgenden Symptome noch nach vier Monaten hatten: Müdigkeit (31%), kognitive Symptome (21%) und eine neu aufgetretene Atemnot (16%). Auch Kinder und Jugendliche sind in Einzelfällen betroffen. So stellt Markus Hufnagel vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin der Universitätsklinik Freiburg fest: „Wir rechnen durch die Lockerungen der Maßnahmen mit mehr Betroffenen mit meist diffusen, länger anhaltenden gesundheitlichen Problemen“.

Maske bei Kindern. Quelle: pixabay, René Bittner

Masken. Wie können sie von Viren entseucht (dekontaminiert) werden? Dazu liegt ein rückblickende Untersuchung (review) vor, in dem die Ergebnisse von 42 Studien zusammengefasst sind. Wirksam sind: UV-Strahlung zur Keimabtötung, feuchte Hitze und Mikrowellen-Dampf-Aufarbeitung als effektive Maßnahmen.

Impfungen. Wie kompliziert kann man dieses Thema eigentlich behandeln? Wir sollten unseren Sinn für Gerechtigkeit bremsen. Die Impfempfehlungen sind gut, der Umgang damit ernüchtert. Manche sind halt „gleicher“: diverse Bürgermeister, manche Landräte und ein Bischof. Da kommt von Prof. Drosten der Vorschlag, dass „der Schalter für die Hausärzte umgelegt“ werden soll. „Man kennt seine Pappenheimer als Hausarzt. Dieser menschliche Faktor wird im Moment nicht genutzt.“ Stimmt!

Inzwischen habe ich so viele Impfungen im Fernsehen gesehen, dass ich überzeugt bin inzwischen optisch immun zu sein. Auch gegen die schreckliche Impftechnik, die über den TV-Bildschirm flackert, angefangen von minutenlangen Injektionen bis zur verbogenen Impfnadel bei einem geduldigen Erwachsenen. Noch ein Argument mehr, die Kinder- und Hausärzte für die Coronaimpfungen einzusetzen. Solch einfache technische Dinge beherrschen sie klar. Ab dem 7. April soll es nach Angaben der Kassenärztlichen Bundes-Vereinigung (KBV) soweit sein, dass Impfstoffe in der Hausarztpraxis bereitliegen.

Weitere aktuelle Details zu den Impfungen finden Sie hier, auf einer Seite des Robert-Koch-Instituts und des Bundes-Gesundheitsministeriums.

Letzte Haselblüten im Schwarzwald. Quelle: ptw

Der Frühling kommt doch noch. Hasel- und Erlenpollen gibt’s nur noch in höheren Lagen, jetzt machen sich die Eschenpollen (+ die Pollen von Pappeln, Weiden und Ulmen) bereit. Allergien gegen diese Pollenart sind jedoch selten. Heikel wird es wohl über Ostern. Dann ist mit dem Birkenpollenflug zu rechnen.

Infektionen – außer mit dem SARS-CoV-2 – bleiben weiterhin selten. Wie in der Vorwoche traten auch in dieser Woche Fälle von Keuchhusten auf. Aber deren Zahl liegt bei einem Zehntel der Fälle des letzten Jahres. Masern oder Mumps traten überhaupt nicht auf. Auch die Rotaviren kommen nur selten vor.

Was geht in der Welt rum? Auch wenn viele Kinderkrankheiten in Deutschland seit der Corona-Pandemie spürbar seltener vorkommen: Neben einer Pandemie kann zusätzlich auch eine Epidemie auftreten. So in Peru, wo das Dengue-Fieber seit Wochen um sich greift. Inzwischen sind 3.176 Infektionen und 6 Todesfälle bestätigt. Parallel hat COVID-19 bereits zu mehr als 50.000 Todesfällen geführt. Damit liegt die Tödlichkeit dieser Erkrankung um 60% höher als bei uns.

Genießen Sie das frühlingshaftes Wochenende.

Ganz herzlich, Ihr

Medien- und Internetabhängigkeit – Ein Problem von Kindern und Jugendlichen?

Von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) gibt es einige Daten, die sich mit Sucht bei Kindern und Jugendlichen befassen. Das umfasst Studien zum Rauchen, zum Konsum von Alkohol und zu Drogen.

Zum Thema einer exzessiven Mediennutzung gibt es Studiendaten erst seit 10 Jahren. Kürzlich erschein die BZgA-Studie zum Thema „Die Drogenaffinität Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland 2019 – Teilband Computerspiele und Internet„, die im Internet zum Download bereitsteht.

Grundlage war die Drogenaffinitätsstudie 2019, für die – ähnlich wie vier Jahre zuvor – 7.000 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 12 bis 25 Jahren befragt wurden. Die Befragung ergab, dass 12- bis 17-Jährige Computerspiele und Internet wöchentlich im Durchschnitt 22,8 Stunden, die Älteren (18- bis 25-Jährige) durchschnittlich 23,6 Stunden nutzten.

Von einer computerspiel- oder internetbezogenen Störung gehen die Autoren bei 8.4% der befragten Jugendlichen und 5.5% der jungen Erwachsenen aus. Interessanterweise sind bei den Jugendlichen mehr Mädchen (10%) als Jungen (7%) davon betroffen. Seit der ersten Untersuchung im Jahre 2011 sowie der Nachfolgeuntersuchung 2015 zeigt sich eine Zunahme dieser Störung.

Was geht rum? 20. März 2021

Britische Corona-Variante B.1.1.7 bei Kindern in Südbaden

Lolli-Tests an Schulen? 

6 Fuß oder 3 Fuß? Abstandsregeln in Schulen

Impfstofftestung bei Kindern unter 12 Jahren gestartet

Das Frühjahr ist seit heute 10:37 Uhr da. Auch wenn mancherorts noch Schneeflocken fallen, die ersten Hummeln und Bienen fliegen bereits die Blüten von Mandelbäumen und Heidekräutern an. Für Eltern von Kindern und Jugendlichen mit Insektenallergie das untrügliche Zeichen, dass auch die Notfallapotheke überprüft werden sollte. Im gleichen Zuge kann die Anwendung des Injektors in Gedanken durchgespielt werden. Was für das Präparat Emerade© wichtig ist, zeigt diese Patientenbroschüre anschaulich auf.

Durch die Pandemie wurden im vergangenen Jahr weltweit 168 Millionen Kinder vom Schulunterricht ausgeschlossen. Das gab die UNICEF bekannt. Eine von vielen Zahlen, die belegen, wie heftig sich das SARS-CoV-2 für Kinder und Jugendliche auswirkt. Die indirekten Folgen im Alltag – das enge Zusammenleben in kleinen Wohnungen, die fehlende Nähe zu Freunden und die damit verbundenen Folgen – treten zunehmend in den Vordergrund. Vom Defizit bei der Bildung ganz zu schweigen.

Die Coronainfektionen mit der britischen Virusvariante (B 1.1.7) nehmen rasant zu. Davon betroffen sind in dieser dritten Welle besonders die Kinder. In Freiburg (Stadt- und Landkreis) wurden laut Badischer Zeitung seit Januar bis jetzt (Stand Dienstag der Woche) 721 Fälle mit dem britischen V-Virus gesichert. Betroffene Kinder unter 10 Jahren: 78 (10.8%), betroffene Kinder und Jugendliche bis 19 Jahre: 72 (10.0%). Hören wir von Plänen, wie die Schulen trotz solcher Belastungen weiter geöffnet bleiben können? Statt dessen treten „Experten“ in den Medien auf, die mangels eigener Information nicht in der Lage sind, die Sinusvenenthrombose nach Impfung korrekt einzuordnen. Kurzum: Das wichtigste Thema sollte aus meiner Sicht sein: Wie können die Kindergärten und Schulen auch in einer dritten Welle weiter offen bleiben (Tests, Impfungen, nicht-pharmazeutische Maßnahmen)?

Lollipop Quelle: pixabay; Rudy and Peter Skitterians

Eine Möglichkeit wären systematische Testungen. Ein Pilotprojekt hierzu ist SCHOCO – „Schul-Observation auf Corona“, das in Freiburg im Zusammenarbeit von Stadt, Schulen, Gesundheitsamt und der Universität gerade umgesetzt wird. Einmal pro Woche werden Schulklassen der beteiligten Schulen getestet. Dabei lutschen Schüler jeweils 30 Sekunden auf zwei Wattestäbchen („Lolli-Test“) herum und speicheln diese unter Aufsicht der Lehrer ein. Die Stäbchen (max. 25) kommen dann in ein großes Reagenzglas als Pool-Testung. Die bisher getesteten Klassen waren alle negativ.

Aber werfen wir mal ein Blick zurück in die zweite Corona-Welle: Für die Zeit von Oktober bis Dezember 2020 zeigt uns eine Studie aus New York , dass dort in Schulen die Inzidenz der Infektionen um 60% niedriger lag als in der allgemeinen Bevölkerung. Die Forscher um Jay K. Varma untersuchten 234.132 Schüler und Lehrer (sowie weiteres Personal) in 1594 öffentlichen Schulen und fanden 986 SARS-CoV-2-positive Tests (0,4%). Harte Fakten, die es leichter machen, auch jetzt die Schulen (und KiTas) offenzuhalten.

Füsse. Quelle: ptw

Eine große Diskussion hat die USA erfasst: 6 Fuß oder doch 3 Fuß? Dort wird ja nicht in Metern sondern „in Füßen“ gemessen. Es um die Frage, wie eng Kinder in Schulen in Kontakt kommen dürfen: 3 Fuß = 0,9144 Meter oder sollte der Abstand doch lieber das Doppelte betragen: 6 Fuß = 1,8288 Meter? Eine retrospektive Studie, die also Daten im Nachhinein untersucht, hat sich in Bezug auf die Schulen mit dieser Frage befasst. Das Team um Westyn Branch-Elliman von der Harvard Medical School hat 537.336 Schüler sowie 99.390 Mitarbeiter während 16 Wochen (September 2020 bis Januar 2021) untersucht. Dabei kam es unter den Schülern zu 4.226 und beim Schulpersonal zu 2.382 Infektionen mit SARS-CoV-2. Die Rate an Infektionen war gleich hoch, egal, ob regional ein Abstand von 3 Fuß (WHO: 1 Meter), 6 Fuß (CDC) oder 3-6 Fuß (AAP, amerikanische Kinderärzte) empfohlen worden war. Inzwischen hat sich auch die Direktorin des CDC, Rochelle Walensky, in einem kurzen Video (in Englisch, 01:12 Minuten) für die 3-feet-Regel ausgesprochen.

Seit kurzem werden auch Coronaimpfstoffe für Kinder getestet. So gab die Firma Moderna bekannt, dass sie eine Testreihe bei Kindern gestartet habe. Dabei werde bei 6.750 gesunden,  sechs Monate bis 11 Jahre alten Kindern in den USA und Großbritannien der Impfstoff mRNa-1273 auf seine Wirksamkeit und Sicherheit getestet. Untersuchungen für die Altersgruppe von 12-18 Jahren sind schon seit einigen Monaten im Gange (u.a. bei Moderna, AstraZeneca und BioNTech/Pfizer). Ergebnisse sind vor Herbst nicht zu erwarten.

Gibt’s eigentlich keine Grippe in diesem Jahr? Vor einem Jahr um diese Zeit waren in Baden-Württemberg 20.544 Menschen an der Influenza erkrankt. In diesem Jahr weniger als ein Tausendstel: 19 Erkrankungen. In der letzten Woche: 2 Fälle. Selbst die Rotaviren, die sich als Magen-Darm-Grippe gern bei Kleinkindern austoben treten nur vereinzelt auf. Mit Öffnung der KiTas sind jedoch wieder mehr Schnupfeninfekte (Rhinoviren?) bei Kindern zu beobachten.

Was geht in der Welt rum? Von der Welt sehen wir in der Pandemie ja wenig. Dennoch gibt es gerade in den tropischen Ländern bedeutsame und schwerwiegende Krankheiten, die sich von der Coronainfektion kaum beeindrucken lassen. Beispielsweise das Gelbfiebervirus. Das tritt auch – wenngleich selten – in Brasilien auf. Zuletzt wurden Neuerkrankungen im Bundesstaat Santa Catarina bekannt. Vor Reisen in den Amazonasstaat ist allen Menschen anzuraten, sich ärztlichen Rat zu aktuell wichtigen Impfungen einzuholen.

Märklin-Eisenbahn-Modell, ca. Baujahr 1930. Quelle: ptw

Die Pandemiezeiten sind schwierig. Besonders für Jugendliche. Denn für sie gibt es spürbar weniger Angebote an Ausbildungsstellen. Ein kleiner und überraschender Lichtblick: Märklin aus Göppingen. Eigentlich haben Modelleisenbahnen ein verstaubtes Image. Dennoch legte im letzten Jahr der Umsatz des Traditionsunternehmens mit 1170 Mitarbeitern um über 70 Prozent zu. Und so will das 162 Jahre alte Unternehmen am Rande der Schwäbischen Alb seit Jahren erstmals wieder Lehrlinge einstellen.

Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie ein entspanntes Wochenende.

Herzlich grüßt Sie, Ihr

Fingerknacken – ein Problem?

Jedes Kind probiert das wohl mal aus: das Fingerknacken. Wenn Eltern das mitbekommen sind sie häufig besorgt, was einige Kinder dazu anregt es immer wieder zu machen, Manchmal als Provokation, häufig auch aus Langeweile.

Ist das Fingerknacken schädlich? Hat es Folgen für die Gelenke, sei es dass diese vermehrt beweglich würden oder dass eine Arthrose die Folge ist? So einfach solche Fragen scheinen, so führen sie doch oft zu Stirnrunzeln beim Kinder- und Jugendarzt.

Erstaunlicherweise gibt es zu diesem Thema einige Literatur. Diese bezieht sich zumeist auf Erwachsene, die jedoch schon lange das Fingerknacken praktizierten. Das Ergebnis: Ein negativer Effekt auf die Gelenke lässt sich mit verschiedenen Methoden nicht nachweisen. Die Literatur zu diesem Thema gipfelt in dem Selbstversuch eines Dr. Donald L. Unger aus Kalifornien (in Englisch), der an seiner linken Hand über 50 Jahre die Finger mindestens 2 mal täglich knackte, während er die rechte Hand in Ruhe ließ. Nach mindestens 36.500 Knackversuchen konnte er keinen Unterschied zwischen beiden Händen finden und insbesondere keine Arthrose.

Eltern können also gelassen ihren Kindern zuschauen, wenn sie die Finger knacken lassen. Mit dieser Nonchalance dürfte dieser Tic der Kinder bald vorbei sein.

Was geht rum? 13. März 2021

Zecke (1): FSME bei Kindern in Baden-Württemberg

Zecke (2): Borreliose – häufiger, aber nicht immer harmloser

COVID-19-Verläufe bei Kindern in Kliniken

Infektionen: Keuchhusten und Rotaviren selten. Läusemittel als Ladenhüter

Diese Frühjahr verläuft anders als viele in den Jahren zuvor. Auf der einen Seite die Verbreitung des Coronavirus, auf der anderen der Rückgang der Infekte. Krupphusten oder Bronchitis sind bei Kindern deutlich seltener als zuvor. Läuse besiedeln die Köpfe der Menschen im Ländle weniger denn je, aber die Zecken legen massiv los. Wir müssen uns umstellen. Nichts ist wie es früher war.

Inzidenz der FSME in Süddeutschland.  Quelle: RKI (modifiziert)

Zecke (1) Die Zeckensaison rückt näher. Es lohnt sich also ein Blick auf die aktuellen Daten, die das RKI kürzlich im epidemiologischen Bulletin zur Früh-Sommer-Meningo-Encephalitis (FSME) präsentierte. Dabei zeigte sich für Baden-Württemberg, dass weiterhin nur der Stadtkreis Heilbronn nicht zu den Risikogebieten gehört. Alle anderen weisen über jeweils einen 5-Jahres-Zeitraum (z.B. 2015-2019) eine Inzidenz von >1 auf 100.000 Einwohner auf. Teilweise liegen die Werte deutlich darüber, wie die Karte zeigt.

FSME-Erkrankungen pro 100.000 Einwohner in Baden-Württemberg und Bayern. Quelle: RKI (modifiziert)

Auch Kinder sind von der FSME in erheblichem Maße betroffen. Dabei fallen die häufigen Infektionen im Jahre 2020 auf – dem Rekordjahr für FSME bislang. Welche Rolle dabei der Rückzug ins Private durch die Coronapandemie spielte ist nicht geklärt.

Bisher lag der Rekord für FSME-Infektionen im Jahre 2018: 288 Fälle in Baden-Württemberg. Im Jahr drauf waren es 171, im letzten Jahr (2020) waren es dann 350 Neuerkrankungen.

Gerade die hohen Inzidenzen schon bei Kindern im Grundschulalter erschreckt. War die FSME bei Kindern früher eine Seltenheit, so ist sie inzwischen bereits bei Kleinkindern so häufig, dass 1 von 100.000 Kindern dieser Altersgruppe im letzten Jahr daran erkrankte. Eine Impfung wird also auch für Kinder immer bedeutsamer. In Baden-Württemberg wird eine solche schon ab dem ersten Geburtstag empfohlen, in der Schweiz erst ab 6 Jahren.

Zecke (2) Nicht zu vergessen die Borreliose. Während Zecken in den Risikogebieten nur zu etwa 0,1% bis 5% das FSME-Virus tragen, liegt die Rate der Zecken die die Borrelien im Gepäck haben bei 5-35%, also fast 10 Mal höher. Die Borreliose ist auch deswegen die häufigste durch Zecken übertragene Erkrankung in Europa. Zecken werden allgemein „im Wald“ vermutet, sind aber auch dort eher im lichten Unterholz und in höheren Gräsern bis etwa 1,5 m Höhe zu finden. Aktiv sind sie von jetzt an bis Oktober. Nur bei 0,3 bis 1,4% aller Zeckenstiche kommt es zu Krankheitssymptomen. Diese zeigen jedoch eine Zeitverzögerung. Deswegen sollte die Stichstelle der Zecke markiert und danach täglich bis zu 14 Tage kontrolliert werden. Die Borreliose tritt geschätzt bei 30-40 von 100.000 Personen pro Jahr in Deutschland auf. Dabei gibt es unterschiedliche Krankheitsbilder, die die Haut (Ery­thema migrans; Borre­lien-Lympho­zytom; ACA), das Herz, die Gelenke (chronische Lyme-Arthritis) oder das zentrale Nervensystem (Meningitis, Enze­phalo­myelitis u.a.) betreffen. Die Borreliose ist verläuft oft nicht so harmlos wie angenommen, ist aber in vielen Fällen (aus in den Spätformen) mit Antibiotika behandelbar.

Wie gut geht es Kindern, wenn sie nach einer COVID-19-Infektion aus einer Klinik in Deutschland oder Österreich entlassen werden? Zahlen von Januar 2020 bis März 2021. Quelle: DGPI

COVID-19 bei Kindern verläuft oft harmlos. Aber nicht immer, wie eine Zusammenstellung der Corona-Erkrankungen vieler Kinderkliniken in Deutschland und Österreich zeigt. Etwa 3/4 der betroffenen Kinder erholen sich komplett, ebenso haben haben aber 1/4 aller Kinder noch Restsymptome wenn sie die Klinik verlassen.

Schulen und Kindergärten sind wieder offen. Wenigstens ein bisschen. Ebenso offen ist, mit welchen Konzepten der Betrieb von Schulen und KiTas langfristig weitergehen kann. Masken, gar FFP-2 für jeden Schüler jeden Tag? Fehlanzeige. Selbsttests zweimal pro Woche im Klassenverband, um aufbrechende Cluster schnell zu erkennen? Fehlanzeige. Dann wenigstens Lüftungen, die schon vor Monaten diskutiert wurden? Zwei bis 5% aller Klassenräume sind damit ausgestattet. Also wieder eine wichtige Chance verpasst, den Kindern und Jugendlichen die Chance für ein soziales Zusammensein, Bildung und Spaß endlich zu gewähren. Wo findet sich ein Verantwortlicher mit Weitblick?

Neues vom Coronavirus? Ja. Erstens: Eine große Studie von Joshua P. Metlay und Kollegen aus Boston untersuchte 7.262 COVID-19-Infizierte und ihre 17,917 Haushalts-Angehörigen. Es zeigte sich, dass das Ansteckungsrisiko für Mitglieder des gleichen Haushalts bei 10.1% liegt. Zweitens: Eine Studie der amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC um Daniel Owusu und Mitarbeiter bestätigte, dass Infizierte bei mildem und mäßigen Krankheitsverlauf nach dem 10. Tag ab Symptombeginn nicht mehr ansteckend sind.

Infektionen sind wie in den letzten Monaten selten. Das bedeutet auch, dass Apotheken weniger Erkältungsmittel verkaufen können. Allein der Pharmakonzern Bayer gibt an, dass in diesem Segment Einbußen von 20% zu verzeichnen waren. Das betrifft Präparate wie  «Grippostad», «Mucosolvan», «Wick» und «Alka-Seltzer Plus». Noch größere Verluste von fast 50% gab es für Läusemittel. Corona hat für die Gesundheit von vielen Menschen auch positive Aspekte mit sich gebracht.

Weiterhin sind Infektionen selten. Besonders erfreulich ist die geringe Zahl an Keuchhusten-Erkrankungen im Ländle: 34 Fälle seit Jahresbeginn, weniger als 10% gegenüber 2020 (383 Mitte März). Niedrig sind die Magen-Darm-Infektionen mit dem Rotavirus, das gerade „seine Saison“ hat: 66 Fälle, gegenüber 186 im letzten Jahr zu dieser Zeit.

Haselpollenblüte im Schwarzwald. Quelle: ptw

Diese Woche erreichten die Pollenflüge wieder erste Jahreshochs. Doch am Wochenende und zum Wochenbeginn wird es wohl ruhig werden. Der Regen wird’s richten.

Studienzentren in Europa, die an der COVID-19/POLLEN-Studie teilgenommen haben. Quelle: A. Damialis et al, 2021

Die Studie (in Englisch) einer COVID-19/POLLEN Studiengruppe von Anasthasios Damialis und Mitarbeiter aus München und Augsburg hat diese Woche für Aufsehen gesorgt. Die Forscher konnten nachweisen, dass parallel mit dem Pollenflug auch das Risiko steigt, an COVID-19 zu erkranken. Immerhin ist die Natur gerecht: Das Risiko steigt für alle, egal ob sie Allergiker sind oder nicht. Denn die Pollen setzen beim Menschen Verbindungen frei, die das Immunsystem hemmen. Dieser Prozess ist mengenabhängig: Ist die Pollenbelastung also hoch (z.B. > 500 Pollen/m3 Luft), steigt das Risiko für Virusinfektionen – also auch COVID-19- um bis zu 20%. Beobachtungen des Pollenflugs sind in diesem Jahr wichtiger denn je.

Was geht in der Welt rum? Natürlich vornehmlich die Coronainfektionen. Und immer wieder geht es um die Frage der Impfungen. Da gibt es Länder, in denen bislang niemand aus der breiten Bevölkerung geimpft ist wie in Madagaskar. Dort wurden nach trotz Millionenhilfen der EU seit einem Jahr 120.000 Menschen auf das Virus untersucht, wie das Ministerium für Gesundheit in Antananarivo berichtete. Bislang wurden nur 20155 Infizierte und 300 Todesfälle registriert (Stand: 10.03.2021; Johns Hopkins University). Und es gibt andere, die beim Impfen ganz vorne sind. Chile steht da zur Zeit an erster Stelle. Im Durchschnitt der vergangenen sieben Tage wurden 1,08 Dosen am Tag pro 100 Einwohnern verimpft, in Israel 1,03. Menschen sind auch sehr abhängig davon, wie fair sich Regierungen verhalten.

Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende.

Herzlichst grüßt Sie

Ihr

 

Trampolinspringen

Der Frühling kommt. Kinder und Jugendliche drängt es nach draußen. Wärme, Freiheit und Bewegung. Was gibt’s da schöneres als ein Trampolin?

Wir verbinden es mit der Freiheit zu fliegen, dem ausgelassenen Spaß draußen im Grünen und der Einladung, sich körperlich zu verausgaben. Leider sieht die Realität oft anders aus. Die meisten Kinder sind eben nicht so sportlich. Und, das Trampolin ist ein Saison-Gerät. Nach einem langen Winter sind einige Bewegungen nicht mehr so drin wie im Jahr zuvor – kurzum: es birgt gerade zu Beginn im Frühjahr einige Risiken.

Dazu liegen vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) liegen erstmals Merkblätter zu den Trampolinunfällen vor. Und gleich in mehreren Sprachen: Deutsch, Türkisch, Englisch, Polnisch, Italienisch und Französisch. In gedruckter Version gibt es sie nicht, sie können aber nach Registrierung kostenlos bei der bvkj-service GmbH bestellt und runtergeladen werden.

Die Zahl der Unfälle mit dem Trampolin werden von vielen Eltern unterschätzt. Sie kommen in der Praxis jedes Kinder- und Jugendarztes regelmäßig vor. Eine zentrale Regel ist: Für Kinder unter 6 Jahren ist kein Trampolinspringen sinnvoll.

Was geht rum? 06. März 2021

Fact Sheet: Was wissen wir inzwischen über die Coronainfektion?

Coronaimpfungen: Was können sie leisten? 

Schulöffnungen: Wie breitet sich das Coronavirus aus?

Aktuell: Pollen + Hantavirus + Zecken

Vor einem Jahr wurde es für mich plötzlich ganz hektisch. Am 11. März sollte der Kongress der amerikanischen Allergologen in Philadelphia beginnen. Zwei Tage zuvor trudelte die Absage ein. Hektisch blieb auch der Alltag für viele Menschen seither, hektisch aber auch die Versuche der Politik, die Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus umzusetzen. Dass einzelne Läden nun weiter öffnen dürfen ist verständlich. Warum aber KiTas und Schulen nicht schneller zum kontrollierten Normalbetrieb wechseln, bleibt unverständlich. Das sollte weiter die wichtigste Maßnahme sein.

Nach einem Jahr liegen bereits gute Informationen über COVID-19, die Coronainfektion, vor. Eine ganz hervorragende Publikation kommt von der European Respiratory Society (ERS), der europäischen Gesellschaft für Atemwegserkrankungen. In ihren Fact Sheet (in Deutsch) ist das aktuelle Wissen verständlich zusammengefasst. Wenn Sie andere Sprachen sprechen: Hier ist die Möglichkeit zwischen den Fact Sheets von 22 Sprachen fündig zu werden.

Impfungen gegen das SARS-CoV-2 wirken gut, das ist bekannt. Wie gut, zeigt eine Studie von Noa Dogan und KollegInnen vom Clalit Research Institute aus Israel betreffend den BioNTech/ Pfizer-Impfstoff. Dort wurde die Effektivität des Impfstoffs nach der ersten bzw. zweiten Dosis bei hast 600.000 Menschen im Rahmen der Impfkampagne überprüft. Bereits 14-20 Tage nach der ersten Dosis trat ein Schutz vor jeglicher Infektion bei 47% ein, der Schutz vor einer Klinikbehandlung lag bei 74%. Deutlich besser waren die Schutzraten dann 7 Tage nach der zweiten Impfung: Dann waren 92% vor jeglicher Infektion geschützt und das Risiko der Geimpften wegen COVID-19 stationär behandelt zu werden war um 86% verringert. Am wichtigsten ist, dass 92% aller schweren Verläufe verhindert wurden. Resultat: Ein Jahr nach Beginn der Pandemie in Deutschland haben wir schon seit 2 Monaten einen Impfstoff von höchster Qualität. Dass wir im Gerechtigkeitswahn die Verteilung der Impfung nicht zügig umsetzen können, ist eine beschämende Nebenwirkung.

Neun Corona-Cluster (A-I) in einer Schule. BLAU Index-Fälle, also die Personen, von den die Krankheit weitergegeben wurde; SCHWARZ Fälle, die die Schule betreffen. Quelle: CDC

Schulen sind wieder offen, aber nicht so richtig. Klar ist, Schulen können in der Pandemie keine infektionsfreien Räume sein. Das zeigt auch eine Studie (in Englisch) von Jeremy AW Gold und Mitarbeiter, die kürzlich von der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC veröffentlicht wurde. Sie macht insbesondere die wichtige Rolle von Lehrern bei der Verbreitung des Virus deutlich. Und weil das so ist und sich in der Schule Menschen aus Hunderten von Haushalten treffen, sind engmaschige Kontrollen wichtig. Wie das gehen könnte, zeigt das TRACE-Modell. Im Zentrum stehen hier die Schnellteste. Was ebenso wichtig ist, sind die Impfungen der Lehrer. Für Schüler unter 16 Jahren steht diese Möglichkeit bislang ja nicht zur Verfügung. Antigentests zur Eigenanwendung (kurz Selbsttests) sind eine weitere Möglichkeit, um noch schneller infektiöse Personen zu erfassen. Vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zugelassene Tests finden Sie hier. In den kommenden Tagen sollen diese Selbsttests in Supermärkten verfügbar sein. ALDI beginnt schon heute mit dem Verkauf, der Preis soll für 5 Tests 24,99 Euro betragen (inzwischen bereits ausverkauft!; Online auch bei LILD für 21,99 Euro, momentan ebenso ausverkauft). Wie bei allen Schnelltests, ist auch dieser recht zuverlässig um Infizierte zu erkennen (gute Aussage für positive Tests – sog. Sensitivität). Die  negativen Testergebnisse (Spezifität) sind andererseits sehr ungenau.

Die Pollen von Hasel und Erle fliegen überall im Lande. Ihre Konzentration wird in den höheren Lagen eher zunehmen. Eltern allergischer Kinder sollten eine ärztlich verordnete Dauertherapie fortsetzen, auch wenn vereinzelt Schneeflocken zu sehen sind und die Symptome mal geringer ausfallen. Das Tragen von Masken ist übrigens auch zum Schutz vor Pollen sehr sinnvoll. Sowohl die FFP2-Masken wie auch die chirurgischen Masken sind hierbei wirksam. Feuchte Masken helfen hingegen nicht. Wer nießen musste, sollte seine Maske also wechseln. Damit das nicht so oft nötig wird, sind antiallergische Medikamente als Basistherapie weiterhin sinnvoll. Auch Kleinkinder können ohne Einschränkung Maske tragen, wie eine italienische Untersuchung bestätigt.

Hantavirus-Infektionen nehmen seit wenigen Wochen in Baden-Württemberg stark zu. Bislang kam es zu 81 Erkrankungen. Alleine in der letzten Woche waren es 13 – ebenso viele wie im gesamten Vorjahreszeitraum. Die Übertragung erfolgt durch Ausscheidungen (Urin, Kot, Speichel) von Rötelmäusen oder auch Maulwürfen, sei es durch Inhalation (Aerosol in staubigen Scheunen) oder seltener auch durch kleine Hautverletzungen. Es erkranken vorwiegend Männer, sehr selten auch Kinder. Sicherheitshalber sollten Kinder trotzdem nicht dabei sein, wenn Speicher oder Gartenhäuser ausgeräumt werden.

Weiterhin spielen Infektionen (außer durch SARS-VoV-2) für Kinder und jugendliche kaum eine Rolle. Ein einziger Fall von Keuchhusten in Waldshut, 50 Erkrankungen an Windpocken (etwa die Hälfte des „Üblichen“). Aber die Zecken im Ländle warten schon. Nach Aufenthalt draußen, sollten Eltern ihre Kinder am Abend auf die kleinen Spinnentiere hin untersuchen. Und sich bereits jetzt überlegen, ob sie eine Impfung ihrer Kinder (und von sich selbst?) gegen FSME möchten. Eine Impfung ist jederzeit möglich, aber halt immer am wirkungsvollsten, bevor sich die Zecken auf Tour begeben. Keine Panik wenn die erste Zecke auf der Haut Ihrer Kinder krabbeln: Wie Sie Zecken sanft entfernen können, lesen Sie hier.

Was geht in der Welt rum? Neben den verschiedenen regionalen Ausbrüchen des Dengue-Fiebers fällt diese Woche eine Nachricht besonders auf: Salvador ist malaria-frei. Vor zwei Jahren konnten Algerien und Argentinien dies ebenso vermelden, wie 2015 das Traumziel deutscher Touristen, die Malediven. Eine kleine Freude, auch wenn unsere Reiseziele erstmals nahe an unserer Haustüre bleiben werden.

Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende. Herzlich grüßt Sie Ihr

App bei Lese-Recht-Schreibschwäche (LRS)

Die Lese-Rechtschreibschwäche (LRS) ist betroffene Kinder und Eltern ein Problem, das im praktischen Umgang sehr mühsam ist. Es beginnt meist in den ersten Klassen, wenn es um die Bewertung und Benotung von Aufsätzen geht. Da sehen Kinder sehr oft den Rotstift und Noten, die ihrem Können oft nicht gerecht werden.

Oft noch schwieriger ist es TherapeutInnen zu finden, die im Umgang mit der LRS weiterhelfen können. Manches Mal geht es um sehr lange Fahrtwege, häufig geht es ums Geld, denn die Bezahlung der Therapien werden von den Krankenkassen meist nur teilweise erstattet.

Da stellt eine App einen Lichtstrahl dar. Linguisten, Informatiker und Psychologen der Universität Tübingen und des Tübinger Insti­tuts für Lerntherapie (TIL) haben ein digitales Lernspiel mit dem Namen Prosodiya entwickelt.

„Viele Kinder mit einer LRS haben Probleme, den Sprachrhythmus wahrzunehmen und die Betonungen der Wortsilben zu erkennen“, erläutert Heiko Holz, einer der Entwickler der App. Das sei ein echter Hemm­­schuh beim Schreibenlernen.

Mithilfe von „Prosodiya“ üben die Kinder, einzelne Wörter in Silben einzuteilen, die betonten Silben zu er­kennen und lange und kurze Vokale zu unterscheiden. Das hilft dabei die Rechtschreiberegeln leichter umzusetzen.

Die App kann von den Kindern selbst ohne Mithilfe der Eltern angewendet werden. Angedacht ist, dass Kinder über zehn Wochen drei bis fünf Mal in der Woche jeweils über 15 Minuten  Prosodiya anwenden.

Die App kann momentan kostenlos heruntergeladen werden kann. Sie wurde im Rahmen eines vom Bundesminis­terium für Bildung und Forschung geförderten Projekts entwickelt und durch die Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg und das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert. Zum Ende des Schuljahres wird die App vermutlich kostenpflichtig sein.