Was geht rum? 06. März 2021

Noch zu weit weg: Normalität im Alltag von Kindern. Dabei gäbe es viele Instrumente, um den Kindern wieder einen altersentsprechenden "normalen" Alltag zu ermöglichen. Quelle: pixabay, klimkin

Fact Sheet: Was wissen wir inzwischen über die Coronainfektion?

Coronaimpfungen: Was können sie leisten? 

Schulöffnungen: Wie breitet sich das Coronavirus aus?

Aktuell: Pollen + Hantavirus + Zecken

Vor einem Jahr wurde es für mich plötzlich ganz hektisch. Am 11. März sollte der Kongress der amerikanischen Allergologen in Philadelphia beginnen. Zwei Tage zuvor trudelte die Absage ein. Hektisch blieb auch der Alltag für viele Menschen seither, hektisch aber auch die Versuche der Politik, die Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus umzusetzen. Dass einzelne Läden nun weiter öffnen dürfen ist verständlich. Warum aber KiTas und Schulen nicht schneller zum kontrollierten Normalbetrieb wechseln, bleibt unverständlich. Das sollte weiter die wichtigste Maßnahme sein.

Nach einem Jahr liegen bereits gute Informationen über COVID-19, die Coronainfektion, vor. Eine ganz hervorragende Publikation kommt von der European Respiratory Society (ERS), der europäischen Gesellschaft für Atemwegserkrankungen. In ihren Fact Sheet (in Deutsch) ist das aktuelle Wissen verständlich zusammengefasst. Wenn Sie andere Sprachen sprechen: Hier ist die Möglichkeit zwischen den Fact Sheets von 22 Sprachen fündig zu werden.

Impfungen gegen das SARS-CoV-2 wirken gut, das ist bekannt. Wie gut, zeigt eine Studie von Noa Dogan und KollegInnen vom Clalit Research Institute aus Israel betreffend den BioNTech/ Pfizer-Impfstoff. Dort wurde die Effektivität des Impfstoffs nach der ersten bzw. zweiten Dosis bei hast 600.000 Menschen im Rahmen der Impfkampagne überprüft. Bereits 14-20 Tage nach der ersten Dosis trat ein Schutz vor jeglicher Infektion bei 47% ein, der Schutz vor einer Klinikbehandlung lag bei 74%. Deutlich besser waren die Schutzraten dann 7 Tage nach der zweiten Impfung: Dann waren 92% vor jeglicher Infektion geschützt und das Risiko der Geimpften wegen COVID-19 stationär behandelt zu werden war um 86% verringert. Am wichtigsten ist, dass 92% aller schweren Verläufe verhindert wurden. Resultat: Ein Jahr nach Beginn der Pandemie in Deutschland haben wir schon seit 2 Monaten einen Impfstoff von höchster Qualität. Dass wir im Gerechtigkeitswahn die Verteilung der Impfung nicht zügig umsetzen können, ist eine beschämende Nebenwirkung.

Neun Corona-Cluster (A-I) in einer Schule. BLAU Index-Fälle, also die Personen, von den die Krankheit weitergegeben wurde; SCHWARZ Fälle, die die Schule betreffen. Quelle: CDC

Schulen sind wieder offen, aber nicht so richtig. Klar ist, Schulen können in der Pandemie keine infektionsfreien Räume sein. Das zeigt auch eine Studie (in Englisch) von Jeremy AW Gold und Mitarbeiter, die kürzlich von der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC veröffentlicht wurde. Sie macht insbesondere die wichtige Rolle von Lehrern bei der Verbreitung des Virus deutlich. Und weil das so ist und sich in der Schule Menschen aus Hunderten von Haushalten treffen, sind engmaschige Kontrollen wichtig. Wie das gehen könnte, zeigt das TRACE-Modell. Im Zentrum stehen hier die Schnellteste. Was ebenso wichtig ist, sind die Impfungen der Lehrer. Für Schüler unter 16 Jahren steht diese Möglichkeit bislang ja nicht zur Verfügung. Antigentests zur Eigenanwendung (kurz Selbsttests) sind eine weitere Möglichkeit, um noch schneller infektiöse Personen zu erfassen. Vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zugelassene Tests finden Sie hier. In den kommenden Tagen sollen diese Selbsttests in Supermärkten verfügbar sein. ALDI beginnt schon heute mit dem Verkauf, der Preis soll für 5 Tests 24,99 Euro betragen (inzwischen bereits ausverkauft!; Online auch bei LILD für 21,99 Euro, momentan ebenso ausverkauft). Wie bei allen Schnelltests, ist auch dieser recht zuverlässig um Infizierte zu erkennen (gute Aussage für positive Tests – sog. Sensitivität). Die  negativen Testergebnisse (Spezifität) sind andererseits sehr ungenau.

Die Pollen von Hasel und Erle fliegen überall im Lande. Ihre Konzentration wird in den höheren Lagen eher zunehmen. Eltern allergischer Kinder sollten eine ärztlich verordnete Dauertherapie fortsetzen, auch wenn vereinzelt Schneeflocken zu sehen sind und die Symptome mal geringer ausfallen. Das Tragen von Masken ist übrigens auch zum Schutz vor Pollen sehr sinnvoll. Sowohl die FFP2-Masken wie auch die chirurgischen Masken sind hierbei wirksam. Feuchte Masken helfen hingegen nicht. Wer nießen musste, sollte seine Maske also wechseln. Damit das nicht so oft nötig wird, sind antiallergische Medikamente als Basistherapie weiterhin sinnvoll. Auch Kleinkinder können ohne Einschränkung Maske tragen, wie eine italienische Untersuchung bestätigt.

Hantavirus-Infektionen nehmen seit wenigen Wochen in Baden-Württemberg stark zu. Bislang kam es zu 81 Erkrankungen. Alleine in der letzten Woche waren es 13 – ebenso viele wie im gesamten Vorjahreszeitraum. Die Übertragung erfolgt durch Ausscheidungen (Urin, Kot, Speichel) von Rötelmäusen oder auch Maulwürfen, sei es durch Inhalation (Aerosol in staubigen Scheunen) oder seltener auch durch kleine Hautverletzungen. Es erkranken vorwiegend Männer, sehr selten auch Kinder. Sicherheitshalber sollten Kinder trotzdem nicht dabei sein, wenn Speicher oder Gartenhäuser ausgeräumt werden.

Weiterhin spielen Infektionen (außer durch SARS-VoV-2) für Kinder und jugendliche kaum eine Rolle. Ein einziger Fall von Keuchhusten in Waldshut, 50 Erkrankungen an Windpocken (etwa die Hälfte des „Üblichen“). Aber die Zecken im Ländle warten schon. Nach Aufenthalt draußen, sollten Eltern ihre Kinder am Abend auf die kleinen Spinnentiere hin untersuchen. Und sich bereits jetzt überlegen, ob sie eine Impfung ihrer Kinder (und von sich selbst?) gegen FSME möchten. Eine Impfung ist jederzeit möglich, aber halt immer am wirkungsvollsten, bevor sich die Zecken auf Tour begeben. Keine Panik wenn die erste Zecke auf der Haut Ihrer Kinder krabbeln: Wie Sie Zecken sanft entfernen können, lesen Sie hier.

Was geht in der Welt rum? Neben den verschiedenen regionalen Ausbrüchen des Dengue-Fiebers fällt diese Woche eine Nachricht besonders auf: Salvador ist malaria-frei. Vor zwei Jahren konnten Algerien und Argentinien dies ebenso vermelden, wie 2015 das Traumziel deutscher Touristen, die Malediven. Eine kleine Freude, auch wenn unsere Reiseziele erstmals nahe an unserer Haustüre bleiben werden.

Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende. Herzlich grüßt Sie Ihr

2 Kommentare

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