Was geht rum? 20. März 2021

Die Natur wird wieder bunt. Erste Boten des Frühjahrs wie hier im Stadtgarten in Freiburg. Warmes Wetter hat jedoch nur wenig Einfluss auf die Pandemie. Es wird also mit Sonnen und dem frischen Grün nicht alles besser. Quelle: ptw

Britische Corona-Variante B.1.1.7 bei Kindern in Südbaden

Lolli-Tests an Schulen? 

6 Fuß oder 3 Fuß? Abstandsregeln in Schulen

Impfstofftestung bei Kindern unter 12 Jahren gestartet

Das Frühjahr ist seit heute 10:37 Uhr da. Auch wenn mancherorts noch Schneeflocken fallen, die ersten Hummeln und Bienen fliegen bereits die Blüten von Mandelbäumen und Heidekräutern an. Für Eltern von Kindern und Jugendlichen mit Insektenallergie das untrügliche Zeichen, dass auch die Notfallapotheke überprüft werden sollte. Im gleichen Zuge kann die Anwendung des Injektors in Gedanken durchgespielt werden. Was für das Präparat Emerade© wichtig ist, zeigt diese Patientenbroschüre anschaulich auf.

Durch die Pandemie wurden im vergangenen Jahr weltweit 168 Millionen Kinder vom Schulunterricht ausgeschlossen. Das gab die UNICEF bekannt. Eine von vielen Zahlen, die belegen, wie heftig sich das SARS-CoV-2 für Kinder und Jugendliche auswirkt. Die indirekten Folgen im Alltag – das enge Zusammenleben in kleinen Wohnungen, die fehlende Nähe zu Freunden und die damit verbundenen Folgen – treten zunehmend in den Vordergrund. Vom Defizit bei der Bildung ganz zu schweigen.

Die Coronainfektionen mit der britischen Virusvariante (B 1.1.7) nehmen rasant zu. Davon betroffen sind in dieser dritten Welle besonders die Kinder. In Freiburg (Stadt- und Landkreis) wurden laut Badischer Zeitung seit Januar bis jetzt (Stand Dienstag der Woche) 721 Fälle mit dem britischen V-Virus gesichert. Betroffene Kinder unter 10 Jahren: 78 (10.8%), betroffene Kinder und Jugendliche bis 19 Jahre: 72 (10.0%). Hören wir von Plänen, wie die Schulen trotz solcher Belastungen weiter geöffnet bleiben können? Statt dessen treten „Experten“ in den Medien auf, die mangels eigener Information nicht in der Lage sind, die Sinusvenenthrombose nach Impfung korrekt einzuordnen. Kurzum: Das wichtigste Thema sollte aus meiner Sicht sein: Wie können die Kindergärten und Schulen auch in einer dritten Welle weiter offen bleiben (Tests, Impfungen, nicht-pharmazeutische Maßnahmen)?

Lollipop Quelle: pixabay; Rudy and Peter Skitterians

Eine Möglichkeit wären systematische Testungen. Ein Pilotprojekt hierzu ist SCHOCO – „Schul-Observation auf Corona“, das in Freiburg im Zusammenarbeit von Stadt, Schulen, Gesundheitsamt und der Universität gerade umgesetzt wird. Einmal pro Woche werden Schulklassen der beteiligten Schulen getestet. Dabei lutschen Schüler jeweils 30 Sekunden auf zwei Wattestäbchen („Lolli-Test“) herum und speicheln diese unter Aufsicht der Lehrer ein. Die Stäbchen (max. 25) kommen dann in ein großes Reagenzglas als Pool-Testung. Die bisher getesteten Klassen waren alle negativ.

Aber werfen wir mal ein Blick zurück in die zweite Corona-Welle: Für die Zeit von Oktober bis Dezember 2020 zeigt uns eine Studie aus New York , dass dort in Schulen die Inzidenz der Infektionen um 60% niedriger lag als in der allgemeinen Bevölkerung. Die Forscher um Jay K. Varma untersuchten 234.132 Schüler und Lehrer (sowie weiteres Personal) in 1594 öffentlichen Schulen und fanden 986 SARS-CoV-2-positive Tests (0,4%). Harte Fakten, die es leichter machen, auch jetzt die Schulen (und KiTas) offenzuhalten.

Füsse. Quelle: ptw

Eine große Diskussion hat die USA erfasst: 6 Fuß oder doch 3 Fuß? Dort wird ja nicht in Metern sondern „in Füßen“ gemessen. Es um die Frage, wie eng Kinder in Schulen in Kontakt kommen dürfen: 3 Fuß = 0,9144 Meter oder sollte der Abstand doch lieber das Doppelte betragen: 6 Fuß = 1,8288 Meter? Eine retrospektive Studie, die also Daten im Nachhinein untersucht, hat sich in Bezug auf die Schulen mit dieser Frage befasst. Das Team um Westyn Branch-Elliman von der Harvard Medical School hat 537.336 Schüler sowie 99.390 Mitarbeiter während 16 Wochen (September 2020 bis Januar 2021) untersucht. Dabei kam es unter den Schülern zu 4.226 und beim Schulpersonal zu 2.382 Infektionen mit SARS-CoV-2. Die Rate an Infektionen war gleich hoch, egal, ob regional ein Abstand von 3 Fuß (WHO: 1 Meter), 6 Fuß (CDC) oder 3-6 Fuß (AAP, amerikanische Kinderärzte) empfohlen worden war. Inzwischen hat sich auch die Direktorin des CDC, Rochelle Walensky, in einem kurzen Video (in Englisch, 01:12 Minuten) für die 3-feet-Regel ausgesprochen.

Seit kurzem werden auch Coronaimpfstoffe für Kinder getestet. So gab die Firma Moderna bekannt, dass sie eine Testreihe bei Kindern gestartet habe. Dabei werde bei 6.750 gesunden,  sechs Monate bis 11 Jahre alten Kindern in den USA und Großbritannien der Impfstoff mRNa-1273 auf seine Wirksamkeit und Sicherheit getestet. Untersuchungen für die Altersgruppe von 12-18 Jahren sind schon seit einigen Monaten im Gange (u.a. bei Moderna, AstraZeneca und BioNTech/Pfizer). Ergebnisse sind vor Herbst nicht zu erwarten.

Gibt’s eigentlich keine Grippe in diesem Jahr? Vor einem Jahr um diese Zeit waren in Baden-Württemberg 20.544 Menschen an der Influenza erkrankt. In diesem Jahr weniger als ein Tausendstel: 19 Erkrankungen. In der letzten Woche: 2 Fälle. Selbst die Rotaviren, die sich als Magen-Darm-Grippe gern bei Kleinkindern austoben treten nur vereinzelt auf. Mit Öffnung der KiTas sind jedoch wieder mehr Schnupfeninfekte (Rhinoviren?) bei Kindern zu beobachten.

Was geht in der Welt rum? Von der Welt sehen wir in der Pandemie ja wenig. Dennoch gibt es gerade in den tropischen Ländern bedeutsame und schwerwiegende Krankheiten, die sich von der Coronainfektion kaum beeindrucken lassen. Beispielsweise das Gelbfiebervirus. Das tritt auch – wenngleich selten – in Brasilien auf. Zuletzt wurden Neuerkrankungen im Bundesstaat Santa Catarina bekannt. Vor Reisen in den Amazonasstaat ist allen Menschen anzuraten, sich ärztlichen Rat zu aktuell wichtigen Impfungen einzuholen.

Märklin-Eisenbahn-Modell, ca. Baujahr 1930. Quelle: ptw

Die Pandemiezeiten sind schwierig. Besonders für Jugendliche. Denn für sie gibt es spürbar weniger Angebote an Ausbildungsstellen. Ein kleiner und überraschender Lichtblick: Märklin aus Göppingen. Eigentlich haben Modelleisenbahnen ein verstaubtes Image. Dennoch legte im letzten Jahr der Umsatz des Traditionsunternehmens mit 1170 Mitarbeitern um über 70 Prozent zu. Und so will das 162 Jahre alte Unternehmen am Rande der Schwäbischen Alb seit Jahren erstmals wieder Lehrlinge einstellen.

Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie ein entspanntes Wochenende.

Herzlich grüßt Sie, Ihr

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  1. Pingback: Was geht rum? 31. Juli 2021 – praxisblättle

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