Fluorid zur Kariesvorbeugung

Ausgefallene Zähne - oft eine Folge von kariösem Gebiss. Foto: pixabay, Wian Juanico

Seit Jahrzehnten ein Klassiker und immer wieder in der Diskussion ist die Frage zur kindlichen Karies: Wer braucht wann wieviel Fluorid? Und, sind damit auch negative Wirkungen verbunden?

Karies ist eine chronische Erkrankung, die das Zahnhartgewebe angreift. Ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren begünstigt diesen Prozess:

  • Bakterien im Mundraum wie z.B. Streptokokkus mutans.
  • Kohlenhydrate wie Zucker.
  • der Faktor Zeit.

Im Zusammenspiel dieser Bakterien mit Kohlenhydraten entstehen Säuren, die die Calcium-Phosphate aus dem Zahnschmelz lösen. Das führt zu Demineralisation, die fortschreitet und eine kariösen Zahn hinterlässt.

Fluoride haben Wirkungen, die diesem Prozess entgegenwirken:

  • sie fördern die Re-Mineralisation
  • die verringern die De-Mineralisation
  • die bremsen den Stoffwechsel der Bakterien und führen hierdurch zu einer geringeren Säureproduktion

Diese Effekte können die Fluoride auf zwei unterschiedlichen Wegen entwickeln:

  • systemisch: wenn sie also dem Körper als ganzes (wie z.B. in Tablettenform) zugeführt werden.
  • topisch:  wenn sie auf die Zahnoberfläche aufgebracht werden – sei es als Zahnpasta oder als Lack.

Aber was bedeuten diese Erkenntnisse für den Alltag von Säuglingen, Klein- und Schulkindern?

Das große Dilemma ist, dass Eltern widersprüchliche Empfehlungen präsentiert werden. Die kinderärztlichen Gesellschaften empfehlen seit Jahrzehnten die Gabe von Vitamin D in Kombination mit Fluor (z.B. als D-Fluoretten© 500) beginnend ab dem 10. Lebenstag. Die Kinderzahnärzte betonten derweil immer, dass die regelmäßige Zahnpflege mit Zahnpasta ab dem ersten Zahn sinnvoller sei. Dieser Widerspruch von systemischer Therapie (Kinderärzte) und topischer Therapie (Zahnärzte) könnte sich dieser Tage langsam auflösen. Bald soll eine neue Leitlinie hierzu erscheinen, eine Überarbeitung der alten soll in Bälde vorliegen.

Aus den USA liegt die neueste Empfehlung der amerikanischen Kinderärzte (AAP) gerade vor, die in Pediatrics erschienen ist. Darin steht (verkürzt zusammengefasst):

  • Zahnpasta ab Durchbruch des ersten Milchzahns (zunächst mit reiskorngroßer Menge = etwa 0,1 mf Fluorid)
  • Fluoridlack ab Zahndurchbruch alle 3-6 Monate (bei hochwertiger Zahnpflege kann darauf verzichtet werden)
  • Orales Fluorid, wenn das Trinkwasser nicht fluoridiert ist. Bei Fluoridgehalt von <0,3ppm Zufuhr ab 6 Monaten mit 0,25 mg/ Tag beginnen

Dabei fällt auf, dass in den ersten 6 Monaten kein Fluorid überhaupt gegeben wird. Daneben ist keine Rede von „Kinderzahnpasta“ – die Menge des Fluorids wird also über die Menge an der auch für Erwachsenen üblichen Zahnpasta gesteuert.

Typisch amerikanisch: Klare und einfache Regeln. Wir dürfen sicher sein, dass die deutschen Regeln deutlich komplizierter ausfallen. Die Frage ist, was am Schluss mehr Erfolg hat. Dieser Unterschied ist ja gerade auch für alle bei den Coronaimpfungen zu sehen: Deutschland stellt beste, komplex ausgefeilte Regeln auf – die im Alltag permanent umgangen werden. Ob wir das beim Thema Kariesprophylaxe besser machen werden?

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