Monat: Mai 2021

Lyme-Borreliose

Die Zecken sind wieder unterwegs, auch wenn der kühle April und Mai ihre Aktivität noch etwas ausbremst. Besonders bedeutsam in unseren Breiten ist der gemeine Holzbock, wie die wichtigste Zecke Ixodes ricisnus im Deutschen genannt wird. Bei zweistelligen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit ist sie von März bis Oktober unterwegs. Die Häufigkeit der Borreliose (Diagnoseprävalenz) liegt laut einer Analyse des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) für das Jahr 2019 bei 429 je 100.000 Versicherte deutschlandweit. Regional sind erhebliche Unterschiede zu beobachten.

Der Zecke, dem gemeinen Holzbock, begegnen wir an vielen Orten: Im Garten unseres Hauses oder unserer Wohnanlage, in Stadtparks oder im Wald (Laub- und Mischwald) in Lagen unter 1500 Metern Höhe. In hohen Gräsern oder Büschen wartet die Zecke tagelang, bis ein Warmblüter – ob Vogel, Hund oder Mensch – vorbeikommt, um diesen zu befallen. Der Holzbock hat  keine Augen, sondern erkennt sein Objekt über Tasthaare und seine anderen Sinnesorgane am Atem, Geruch und der Körperwärme. Zecken warten also gezielt auf unser Kommen.

Amèdèe Borrel  Foto:https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/btv1b32000224/f67.item

Der Zeckenstich selbst ist kaum zu spüren. Nach dem Stich holt sich die Zecke ihre Blutmahlzeit. Dabei kann es sein, dass sie Erreger, die beispielsweise in ihrem Verdauungstrakt leben übertragen werden. Die bei weitem häufigste Übertragung betrifft die Borrelien. Das ist eine große Gruppe von schraubenförmigen Bakterien (Spirochäten), die nach dem Forscher Amédée Borrel benannt sind, der in Strasbourg gearbeitet hat. In Deutschland ist bislang Borrelia burgdorferi der häufigste Erreger der Borreliose. Zu einer Übertragung der Borrelien kommt es bei etwa einem von tausend Zeckenstichen. Der zweitwichtigste Zecken-Erreger bei uns ist ein Virus: Das Früh-Sommer-Meningo-Encephalitis-Virus, kurz: FSME-Virus. Weitere Erreger spielen im Ländle eine untergeordnete Rolle.

Erythema migrans Foto: ptw

Die Borreliose tritt Tage bis wenige Wochen nach dem Zeckenstich als Hautveränderung an der Stichstelle auf. Dabei kommt es meistens zur sog. Wanderröte, dem Erythema migrans. Diese Ausschlag zeigt sich als Rötung mit kleinen Pünktchen (Maculae) um die Bissstelle, wobei die Größe über Tage zunimmt (immer mehr als 1 cm Durchmesser) und das Zentrum des Ausschlags blasser wird. Da die Rötung gelegentlich dezent ist oder sich an versteckten Stellen wir der Achsel befindet, wird das Erythema migrans oft kaum erkannt. Umso mehr, als der Ausschlag weder juckt noch schmerzt.

In diesem Stadium ist die Borreliose nahezu zu 100% und sehr einfach behandelbar. Hierfür stehen verschiedene Antibiotika bereit, die der Arzt je nach Alter des Patienten einsetzt.

Selten kann es statt der Wanderröte zu einem Borrelienlymphozytom kommen. Dabei treten schmerzlose Schwellungen meist an Ohr, der Brustwarze oder dem Hodensack auf. Diese werden oft erst nach Monaten erkannt.

Nach einer unerkannten Wanderröte oder einem unerkannten Borrelienlymphozytom kann es nach Wochen und Monaten zu einer Neuroborreliose kommen – die Krankheit hat dann das zentrale Nervensystem erreicht. Diese kann sich – abhängig vom Alter des Patienten – als Hirnhautentzündung (lymphozytäre Meningitis) oder Gesichtslähmung (Facialisparese) zeigen. Beide Komplikationen kommen regelmäßig bei Kindern und Jugendlichen vor.

Noch später, teilweise nach Jahren, kann eine Lyme-Arthritis auftreten. Diese Entzündung von Gelenken tritt bei Kindern häufig einseitig am Kniegelenk auf und ist sehr schmerzhaft. Auch eine Entzündung am Herzen, Lyme-Karditis, ist möglich. Lyme ist übrigens ein Städtchen unweit von Boston mit etwas mehr als 2000 Einwohnern. Dort wurde der Zusammenhang zwischen der Gelenkentzündung und den Borrelien erstmals erkannt. Noch heute wird aus diesem Grund die Borreliose in den USA Lyme Disease (in Englisch) genannt.

Um eben diese schweren Verläufe am Gehirn (Neuroborreliose), Gelenk (Lyme-Arthritis) und an den Gelenken (Lyme-Arthritis) zu verhindern, ist die Vorbeugung (Prophylaxe) so wichtig:

Vermeidung der Borreliose

Bei ausgedehnten Spaziergängen in der Natur:

  • eher helle Kleidung tragen (damit laufende Zecken bessererkannt werden können)
  • lockere, langärmelige Kleidung
  • Hosenbeine in die Socken stecken
  • ggf. Anwendung von DEET, Permethrin oder Icaridin (z.B. Autan© Insektenschutz-Spray Protection Plus Zeckenschutz)

Vorbeugende Anwendung von Antibiotika ist übertrieben und nicht angebracht. Auch das Meiden der Natur aus Angst vor Zecken ist nicht sinnvoll und beraubt Kinder wichtiger Erfahrungen in ihrer Umgebung.

Impfung?

Eine Impfung gegen die Borreliose gibt es bis heute nicht, wohl aber sicher wirksame Antibiotika. Bei der FSME ist es umgekehrt: Hier gibt es kaum Behandlungsmöglichkeiten, aber eine gut wirksame Impfung

Frühzeitige Erkennung der Borreliose

Während der abendlichen Untersuchung auf Zecken am Körper, sollte auch auf die meist kreisrunden und zentral blassen Ausschläge der Wanderröte geachtet werden. Zur Übertragung der Borreliose muss das Blutsaugen der Zecke länger als 12 Stunden dauern. Eine FSME kann hingegen sofort bei Stich übertragen werden.

Entfernung der Zecke

Hierzu empfiehlt sich die Entfernung der Zecke direkt auf Hautniveau, z.B. mit einer Zeckenzange oder auch einer Pinzette. Alternativ gibt es die Streichelmethode, die ohne jegliches Werkzeug überall anwendbar ist. Geübte können damit Zecken in 90% aus ihrer Bisshaltung zu 90% „herauskitzeln“.

Was geht rum? 29. Mai 2021

Immer wieder Vitamin D: Niedriges Vitamin D stellt kein Coronarisiko dar

Schweizer SchülerInnen: Jede/r 5. hat eine Coronainfektion durchgemacht

Einfluss der Coronapandemie auf die sekundäre Rauchbelastung für Kinder 

Zecken auf den Gräsern, Pollen in den Lüften

Große Verwirrung bei den Impfungen für „Kinder“ – besser Jugendliche – von 12-15 Jahren. Da tritt das Gesundheitsministerium großspurig gegen die STIKO (Ständige Impfkommission) an, bevor die medizinischen Argumente ausgetauscht wurden. Und so ganz nebenbei ist der Impfstoff ohnehin knapp. Eine weitere, undurchsichtige Gemengelage, in der medizinische Daten und die Jugendlichen nur am Rande eine Rolle spielen- wie so oft in dieser Pandemie.

Bei fast allen Erkrankungen spielt Vitamin D eine mal geringere, mal größere Rolle. Unbestritten ist, dass Vitamin D bei vielen Immunprozessen bedeutsam und „günstig“ eingreift. Vitamin D hat aber auch wirtschaftliche Bedeutung. So kam es wohl auch, dass viele kleinere Arbeiten  ohne ausreichende Begründung dazu rieten, im Zusammenhang von Coronainfektionen Vitamin D einzunehmen. Mal zur Vorbeugung, mal zur Therapie. Eine Studie von Yonghong Li und Mitarbeiter vom amerikanischen Laborunternehmen Quest Diagnostics in San Juan Capistra­no (Kalifornien) hat nun umfangreiche Daten erhoben: Bei 18.148 Mitarbeitern (Alter 37 bis 56 Jahre) wurden vor und nach Beginn der Pandemie Vitamin-D-Spiegel untersucht. Unter Berücksichtigung aller Faktoren wie Alter, Gewicht, Ethnie und Hochschulabschluss zeigte sich, dass niedrige Vitamin-D-Spiegel keinen Einfluss auf das Corona-Infektionsrisiko hatten.

Für Eltern stellt sich wieder die Frage: Hat mein Kind eigentlich schon  eine Coronainfektion durchgemacht? Aus Zürich liegen Daten aus der Studie «Ciao Corona» der Universität Zürich vor. Diese hat nun zum dritten Mal (Sommer 2020, Herbst 2020, Frühling 2021) 2500 Schulkinder aus 275 Klassen und 55 Schulen auf Antikörper gegen das SARS-CoV2 untersucht. Ergebnis: Seit Juni 2020 ist der Anteil der Kinder, die bereits Antikörper haben, von 2% auf zuletzt 19% (April 2021) angestiegen. Über 80% der Kinder haben auch nach 6 Monaten noch Antikörper gegen das Coronavirus im Blut. Bei der Bewertung der Symptome nehmen die Autoren der Studie an, dass etwa 2 Prozent der infizierten Kinder Langzeitsymptome („long COVID)“ zeigen, die mit COVID-19 in Zusammenhang stehen können.

Veränderungen des Rauch-Verhaltens im Rahmen der Coronapandemie Foto: Lancet

Das SARS-Coronavirus hat bedeutend mehr Folgen als die Infektion selbst. Befragt wurden  50 Eltern von Kindern mit Atemwegserkrankungen (82% hatten Asthma, 12% Mukoviszidose, der Rest seltenere Lungenerkrankungen). Für die Kinder zeigte sich eine erhöhte Belastung durch Raucher in der Umgebung (second hand smoking, SHS). In den Wohnungen wurde als Folge des familiären Stresses (Ausgangsbeschränkungen, Home-Schooling, Home-Office u.a.) häufiger und intensiver geraucht, wie eine Studie um Mira Osinibi (in Englisch) vom Department für Kinderpneumologie am King’s College Hospital NHS in London zeigt. Die Publikation im Lancet berichtet, dass zwei Drittel aller Eltern gleich oder mehr rauchten als vor der Pandemie.

Der Mund ist für Kinder ein wichtiger Ort, um die Umwelt zu erkunden, nicht nur in der oralen Phase. Das stellt erhöhte Anforderungen an die Spielzeugindustrie, aber ganz besonders an die Eltern, die ihre Kinder immer wieder im Blick haben müssen. Dass Nüsse (besonders Erdnüsse) mit einem hohen Risiko für eine Aspiration (Aufnahme der Erdnuss in den Atemwegen) verbunden ist ist bekannt. Weniger bekannt ist die Gefährlichkeit von Knopfbatterien. Nun berichten Ärzte aus England von verschluckter Spielzeugmagneten. Im Journal Archives of Disease in Childhood berichten die Forscher um den Kinderchirurgen Hemanshoo Thakkar, dass sich die Zahl der verschluckten Magneten in den Jahren 2016-2020 verfünffacht hat. Mehr als 40% der Magnete mussten operativ entfernt werden.

Gräserblüte im Regen Foto:ptw

Die Pflanzen haben in den letzten Wochen genug Wasser fürs weitere Wachstum gesammelt und die Temperaturen gehen nach oben. Beste Bedingungen für einen starken Pollenflug der Gräser. Eltern allergiebetroffener Kinder sollten überprüfen, ob in der Hausapotheke auch ausreichend Notfallmedikamente (Salbutamol? Cortison? Adrenalin-Injektor für Insektengift-Allergiker) vorhanden sind.

Atemwegsinfekte sind weiterhin selten. Bei den Windpocken fallen jedoch langsam steigende Zahlen auf. Offensichtlich kommen sich Kinder wieder öfter nahe, wodurch sich die leicht übertragbaren Windpockenviren vermehrt ausbreiten können. Noch liegen die Zahlen aber klar unter denen des letzten Jahren.

In der kommenden Woche dürften Erkrankungen zunehmen, die von den Zecken übertragen werden, allen voran die Borreliose. Am kommenden Montag finden Sie im praxisblättle einen Spezialbeitrag zu dieser heimtückischen Infektion.

Was geht in der Welt rum? Ein riesiges Problem in armen Ländern ist der Wurmbefall bei Kindern. Nicht nur, dass allein die Vorstellung – Würmer im Bauch zu haben – schrecklich ist. Die Würmer verbrauchen viel Eisen. Und die wichtigste und effektivste Quelle für Eisen ist Fleisch. Und genau das steht armen Menschen nicht zur Verfügung. Umso erfreulicher, dass Wurmprogramme in Afrika südlich der Sahara in den letzten Jahrzehnten so erfolgreich waren, wie eine Veröffentlichung von Benn Sartorius und Kollegen im angesehenen Lancet zeigt. Der Wurmbefall ist vom Jahre 2000 bis 2018 von anfangs 44% auf zuletzt 13% der Kinder zurückgegangen.

Ich wünsche Ihnen einen frohen Start in ein lockeres und sonniges Wochenende, ganz herzlich Ihr

Welche Kinder neigen zu schweren Asthmaerkrankungen?

Das Asthma bronchiale ist gekennzeichnet durch chronisch enge Atemwege, die sich nach Wegfall des Auslösers oder durch Medikamente wie Salbutamol wieder weiten. Schon im frühen Kleinkindesalter können Kinder davon betroffen sein. Dann spricht man eher von obstruktiver („spastischer“) Bronchitis, weil zunächst nicht klar ist, ob die engen Atemwege nur im Rahmen der vielen Atemwegsinfekte auftreten oder weil dies der Beginn einer chronischen Erkrankung ist.
Im englischen Sprachraum wird bei den Kleinkindern vom recurrent wheezing, dem wiederkehrenden Pfeifen, gesprochen.
Die Studie einer Forschergruppe um Guillaume Lezmi aus Paris (Frankreich) hat sich mit der Frage beschäftigt, welche Faktoren zu den besonders schweren Verläufen der Erkrankung führen. Sie untersuchten Kinder im Alter von 3-6 Jahren mit servere recurrent wheezing (SRW) und Schulkinder von 7-11 Jahren mit severe asthma bronchiale jeweils im Vergleich zu den Kindern, bei denen die Enge der Atemwege – also das Asthma – nur schwach ausgeprägt war.
Im Vergleich fanden sie verschiedene Faktoren. Bei den Kleinkindern von 3-6 Jahren neigten besonders die Kinder zu den schweren Verläufen der Atemwegsverengung, die von Rauchern zuhause umgeben waren. Ihr Risiko für einen schweren Verlauf war 29,8 Mal so hoch wie bei denen aus Nicht-Raucher-Haushalten. Bedeutsam war auch Feuchtigkeit und Schimmelbefall in der Wohnung, was mit einem 4-fachen Risiko für einen schweren Verlauf verbunden war.
Ganz anders die Situation bei den Schulkindern. Hier war es eine Neurodermitis oder eine Nahrungsmittelallergie, die das Risiko für einen schweren Verlauf anzeigte.
Manchmal kann es so einfach sein Kindern zu helfen, dass es ihnen gesundheitlich besser geht. Allein der Verzicht auf Rauchen in der Umgebung der Kleinsten hat eine hohe Wirkung.

Was geht rum? 22. Mai 2021

COVID-19: Sind Impfungen für Kinder sinnvoll?

Vaxzevria (Impfstoff von Astra-Zeneca): Nutzen und Risiko abwägen

Wenige Infekte bei Kindern – kaum Pollenflug – aber viel Hantavirus

Q-Fieber in Spanien

Immer häufiger kommen die Impfungen von Kinder und Jugendlichen in den Fokus. Seit diesem Monat, wir berichteten darüber, sind Impfungen für Jugendliche ab 12 Jahren mit dem BioNTech/Pfizer-Impfstoff in den USA und Kanada möglich geworden. Europa wird in Kürze folgen.

Für Eltern bleibt die Frage, ob Impfungen auch für Schulkinder oder sogar Kleinkinder möglich werden. Oder noch wichtiger: Sind diese Impfungen sinnvoll oder nötig, damit der KiTa- oder Schulbetrieb wieder ohne Maske und Homeschooling laufen kann? Es gab Perioden in der dritten Welle, in denen die Infektionsrate bei Kindern und Jugendlichen besonders hoch war. Ende April 2021 ist sie – zumindest in den USA – trotz häufigen Präsenzunterrichts wieder zurückgegangen.

Alle diese Überlegungen sind eng verknüpft mit der Frage: Wie gefährlich ist nun eigentlich COVID-19 für Kinder? Ist es so harmlos wie oft gesagt? Oder sind nur die meisten akuten Verläufe harmlos, aber chronischelong-COVID“ sogar häufiger? Es gibt Hinweise, dass das multisystem inflammatory syndrome in children (MIS-C) – oder auch paediatric inflammatory multisystem syndrome (PIMS) mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:1000 Infektionen auftritt. Beim MIS-C handelt es sich um eine schwere Allgemeininfektion bei Kindern nach Coronaerkrankung, die in vielen Aspekten dem Kawasaki-Syndrom ähnlich ist. Diese Häufigkeit von 1:1000 wäre somit sehr besorgniserregend. Beides, das long-COVID und das MIS-C, sind Faktoren, die für eine Impfung von Kindern ab dem Schulalter sprechen. Bleibt zu hoffen, dass über das Für und Wider einer Impfung intensiv und sachlich unter Wissenschaftlern diskutiert und entschieden wird.

Momentan kann eine Empfehlung an Eltern sein, sich selbst in jedem Fall impfen zu lassen. Dadurch kommt ein individueller Impfschutz sowie – indirekt – auch ein gewisser Schutz für die Kinder zusammen.

Tesla, Model 3 Fot: pixabay, capital street fx

Wär das was? Sie nehmen an einer Verlosung für eine Tesla Model 3 teil, wenn Sie sich impfen lassen. Das ist gerade bei Dr. Vazquez in Buffalo (New York) möglich. Ob diese Motivationshilfen für Impfungen auch in Deutschland ankommen darf bezweifelt werden.

Nutzen / Risiko des Impfstoffes von AstraZeneca bei einer Inzidenz von 140 pro 100.000 Personen und Woche. Foto: Winton Centre Cambridge

Coronaimpfungen. Hitzig wird es oft, wenn es um die Impfung mit Vaxzevria, den Impfstoff von Astra-Zeneca geht. Die Diskussionen über diesen Impfstoff sind häufig emotional, auch in den Medien steht der Impfstoff eher schlecht da. Aus den bisherigen Daten und der Graphik des Winton Centre wird jedoch deutlich, dass der Nutzen der Impfung das Risiko mit zunehmendem Alter übersteigt. Oder anders herum: Je niedriger die Inzidenz – somit das Risiko an COVID-19 zu erkranken – umso weniger sinnvoll ist es für Menschen unter 30 bis 40 Jahren sich mit dem Impfstoff von AstraZeneca schützen zu lassen. Eine ausführliche und individuelle ärztliche Beratung ist sehr wichtig.

Noch ist der Mai nicht richtig angekommen. Wenn selbst in Freiburg die Temperaturen unter 20 Grad herumdümpeln halten sich die Pollen sehr zurück. Die Gräserpollen sind zwar da, aber für einen Startflug reicht es nur selten. Die Verbreitung des Hantavirus, sonst eine Rarität im Lande, nimmt fast das Ausmaß einer Explosion an: 657 Fälle in diesem Jahr, im letzten waren es zur gleichen Zeit gerade mal 22. Für Kinder und Jugendliche ist dies eher wenig bedeutsam. Vorsicht ist in Räumen geboten, in denen sich Mäuse aufhalten könnten (Scheunen, Dachböden u.a.). Atemwegsinfekte gibt es zu Zeit kaum. Beim Keuchhusten traten in der letzten Woche gerade mal 2 Erkrankungen in Baden-Württemberg auf. Das ist die kleine positive Kehrseite der Corona-Pandemie.

Was geht in der Welt rum? Aus Spanien werden Fälle des Q-Fiebers gemeldet. Betroffen sind Sportkletterer, die sich in einer Karsthöhle Cuevas de Baltzola im Baskenland aufgehalten haben. Ausgelöst wird das Q-Fieber durch das Bakterium Coxiella burnetii, das von speziellen Zecken auf Schafe und Ziegen übertragen wird. Es findet sich dann oftmals im Staub, von wo es über die Einatmung in die Lunge gelangt. Dabei reicht ein einziges Bakterium um eine Infektion auszulösen. Diese kann dann als Hepatitis (Leberentzündung) oder auch Pneumonie (Lungenentzündung) verlaufen. Insgesamt verläuft es mit grippeartigen Symptomen und Fieber oft über 7 Tage.

Machen Sie das Beste aus dem Wochenende mit mehr Bewegungsfreiheit. Herzlich grüßt Sie Ihr

Chronische Erkrankungen bei deutschen Kindern: Was „verliert“ sich?

Auch Kinder und Jugendliche sind von chronischen Erkrankungen betroffen. Das zeigt die aktuelle Auswertung der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutsch­land (KiGGS) nochmals deutlich. Etwa jedes sechste Kind unter 18 Jahren ist chronisch krank wie aus der Arbeit im Journal of Health Monitoring hervorgeht

Asthma bronchiale ist eine der häufigen chronischen Erkrankungen. In ihrer Basiserhebung untersuchte die KiGGS 17640 Kinder und Jugendliche in den Jahren 2003 bis 2006. Von diesen nahmen 6.465 (36,6%) Kinder und Jugendliche auch an der zweiten Untersuchung („Welle 2“) in den Jahren 2014-2017 teil. Dabei zeigte sich, dass gegenüber der Basisuntersuchung 65% der Kinder mit der Diagnose „Asthma“ zehn Jahre später beschwerdefrei waren. Umgekehrt: Noch ein Drittel der jetzt Jugendlichen war von Asthma betroffen und benötigte Asthmamedikamente.

In Bezug auf Adipositas (starkes Übergewicht) waren noch die Hälfte der untersuchten Jugendlichen vom Übergewicht betroffen.

Bei einigen Kinder, die zu Beginn der Untersuchung frei von chronischen Erkrankungen waren, traten solche in den 10 Jahren bis zur Zweituntersuchung („Welle 2“) neu auf. So entwickelten 3,4 Prozent erstmals ein Asthma bronchiale und 5,1 Prozent erstmals eine Adipositas.

Es bleibt die Frage, ob sich chronische Erkrankungen nach der Pubertät überhaupt „verlieren“ können und ob dieses Ende der chronischen Erkrankung anhaltend ist. So weist beispielsweise das Asthma bronchiale eine bedeutsame genetische Komponente auf, die lebenslang bestehen bleibt. Und damit wohl auch das Risiko, später unter ungünstigen Bedingungen – Rauchen! und anderes – wieder Symptome dieser Erkrankung zu bekommen. Bewiesen ist das nicht, aber leider doch wahrscheinlich.

Nach Verschwinden der Krankheitssymptome (oder auch schon zuvor) ist es vermutlich ratsam, den Lebensstil zu ändern. Nichtraucher zu sein reduziert die Empfindlichkeit der Atemwege, viel Sport zu machen wirkt unter anderem dem Übergewicht entgegen. Einfach abzuwarten ohne aktive Mitarbeit dürfte in den seltensten Fällen langfristig erfolgreich sein.

Was geht rum? 15. Mai 2021

Giftpflanzen: Das Maiglöckchen

Zecken: Übertragung von Borreliose und FSME

BioNTech/Pfizer-Impfstoff: Wie gut ist der Schutz vor Ansteckung?

Pollen und Viren (außer Corona) im Ruhemodus

Die Welt um uns herum ist jetzt saftig grün, alles sprießt, und einige Blumen wie die Tulpen sind an den meisten Orten schon verblüht. In den Wäldern zeigen sich jetzt die Maiglöckchen – filigrane weiße Glöckchen. Die echten Bärlauchanhänger können das Maiglöckchen einfach vom Bärlauch unterscheiden. Eltern sollten Kinder beim Pflücken jedoch unterstützen, damit sie auch später diese hübsche aber giftige Pflanze kennen. Weitere Informationen dazu hier.

Nicht nur im Wald, sondern eher in den Büschen an Wegesrändern und auch im eigenen Garten warten die Zecken auf Opfer. Erste Erkrankungen an FSME oder Borreliose sind bereits zu beobachten. Eltern sollten Ihre Kinder (und sich selbst) am Abend auf die Spinnentierchen hin untersuchen. Die Impfung gegen FSME macht für alle Menschen ab dem Schulalter Sinn, je nach individueller Belastung kann sie auch für Kleinkinder überlegt werden. In Baden-Württemberg ist sie ab dem ersten Geburtstag empfohlen. Zur Zeckenentfernung empfiehlt sich die sanfte Streichelmethode.

Vermutlich noch im Mai können Jugendliche ab dem 12. Geburtstag auch gegen Corona geimpft werden. Hierfür zugelassen ist der Impfstoff von BioNTech/Pfizer. Aber wie gut ist seine Schutz-Wirkung? Eine Studie im JAMA (Journal of the American Medical Association), der medizinischen Zeitschrift der amerikanischen Ärzte hat hierzu 2.776 geimpfte Mitarbeiter des St Jude Children’s Research Hospital in Memphis (Tennessee) untersucht. Gegenüber den ungeimpften Kollegen zeigte sich, dass 7 Tage nach der zweiten Impfung gerade einmal 1 asymptomatische Infektion auftrat gegenüber 10 Infektionen bei den Ungeimpften (IRR = 0,10). Trotz weiterer Überwachung konnte sieben Tage nach der zweiten Impfung keine Infektion mit Symptomen mehr aufgedeckt werden.

Todesursachen unter 10 Millionen Kindern pro Jahr Foto: Susan Waserman et al., Journal of Allergy and Clinical Immunology, 147

Wie gefährlich ist eigentlich eine Nahrungsmittelallergie? Dazu gibt es aktuelle Informationen, die ein Internationales Forscherteam um Susan Waserman aus Hamilton (Canada) durch Sichtung aktueller Veröffentlichungen zusammengetragen hat. In Bezug auf die Nahrungsmittelallergie ist das Ergebnis halbwegs beruhigend – ein Todesfall pro 10 Millionen Kinder und Jahr. Erschreckend sind die Autounfälle (633 Todesfälle), Suizide (351) und  die Todesfälle durch Waffengewalt (112).

Die Pollenbelastung ist inzwischen momentan gering. Eher kühle Temperaturen und täglicher Regen vermasseln den Pollenflug. Gut für Allergiker.

Infektionen – außer den Coronainfektionen – sind im Moment fast bedeutungslos. Das betrifft auch alle Kinderkrankheiten und selbst die Windpocken, die sich eigentlich leicht („Wind“…) ausbreiten können. Lediglich Hantavirus-Infektionen sind sehr häufig, betreffen aber nur selten Kinder und Jugendliche. Also weiterhin: Vorsicht beim Aufräumen von Scheunen und anderen staubigen Orten, an denen sich Mäuse aufgehalten haben könnten.

h  Seychellen Foto: pixabay, Walkerssk

Was geht in der Welt rum? Natürlich das Coronavirus. Und es erreicht auch unsere Sehnsuchtsorte wie die Seychellen, bei denen wir Deutsche an türkisfarbenes Meer oder exotische Drinks denken. Vor Wochen erreichten die Seychellen bei der Durchimpfung einen Spitzenplatz. Von den 100.000 Einwohnern sind über 60 Prozent geimpft, davon 57% mit dem chinesischen Sinopharm und 43% mit dem AstraZeneca-Impfstoff. Alles könnte gut sein. Nun kam es jedoch zu einer neuen Corona-Welle. Von den erkrankten Menschen waren 37% vollständig (mit 2 Dosen) geimpft. Unklar ist jedoch, welcher Impfstoff bei den Neuerkrankten verwandt wurde. Verglichen mit den Erfolgsmeldungen aus Israel sind die Zahlen erschreckend: Bezogen auf 1 Million Menschen erkrankten auf den Seychellen 2613 neu an Corona, in Israel jedoch nur 5 nach Angaben von Our World in Data.
Noch schnell ein tweet von @kono_HG
Kommunikation unter Eltern ist toll. Papa an ner unübersichtlichen Kreuzung:
„Kommt von rechts ein Auto?“
Mama: „Nein…“
Papa fährt an
Mama: „Aber ein Laster.“
An dem Tag habe ich viele neue Wörter gelernt. Und ich weiß seitdem, was eine Vollbremsung ist.
Bleiben Sie humorvoll und genießen Sie das Wochenende, herzlich grüßt Sie Ihr

Schweizer Studie: Cannabiskonsum mit Wasserpfeife riskant

Das Thema Drogen beschäftigt wohl alle Eltern in der Pubertät ihrer Kinder. In aller Regel liegt ein Tabu über allem. Das zeigt sich in vollmundigen Statements wie: „In unserer Schule haben wir kein Drogenproblem“. Auf dem Lande verweist man dabei gerne auf den Sündenpfuhl der Städte. Dass Drogen aber in allen Landesregionen eine Rolle spielen, zeigt ein schlichter Blick in die regionalen Tageszeitungen.

Ein Thema ist in diesem Zusammenhang die Wasserpfeife (Shisha), über die verschiedenes inhaliert werden kann, eben auch Cannabis.

Mit diesem Thema hat sich eine Untersuchung in der Schweiz befasst. In der Studie um die Forscherin Dai-Hua Tsai von der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Universitätsspitals in Zürich wurden 5987 Schweizer Rekruten bei Ihrer Eingangsuntersuchung ins Militär befragt. In die Studie aufgenommen wurden 1108 Rekruten, die bei der ersten Befragung (zwischen 2010 bis 2012) angaben, nur Cannabis zu konsumieren. Von diesen benutzten 343 (30%) eine Wasserpfeife als Mittel zur Inhalation von Cannabis.

Bei einer weiteren Untersuchung 6 Jahre später (2016-2018) zeigte sich, dass sich unter den Nutzern der Wasserpfeife mehr Männer befanden, die inzwischen auch andere illegale Drogen (Stimulantien, Halluzinogen)  konsumierten. Das Risiko, weitere Drogen zu nutzen war gegenüber den Nicht-Wasserpfeifen-Nutzern um über die Hälfte (aOR 1,54) höher.

Die Nutzung der Wasserpfeife als Mittel zur Inhalation von Cannabis erhöht das Risiko, später zu härteren Drogen zu greifen.

Was geht rum? 08. Mai 2021

So kommen Sie einfacher an Ihren Impftermin: Tool aus Ostfildern

Fahrradhelm: Eltern als gutes Vorbild

Jugendliche in den USA/Kanada: Impfung mit BioNTech ab nächste Woche möglich

Nichts für schwache Nerven? Ohnmachtsanfälle nach Johnson&Johnson-Impfstoff

Kinder und Jugendliche: Wenig Infektionen, aber drohender Pollenflug

Endlich beginnt der Frühling richtig. Und für einen Tag, nämlich morgen am Sonntag, kommt der Sommer zurück. Viele Familien werden mit ihren Kindern das Haus verlassen, wandern oder auch Fahrradfahren.

Sie suchen für sich oder andere einen Impftermin? Ist ja nicht ganz leicht. Der 17-jährige Schüler Julian Ambrozy versteht etwas vom programmieren und hat ein sehr hilfreiches Tool für die Terminsuche für seinen Opa erstellt. Damit war er in 15 Minuten erfolgreich. Seither dürfen auch Sie den Link nutzen.

Fahrradfahrer: Anzahl der Helmträger. Foto: statistaUnter den Erwachsenen ist noch immer jeder zweite ein Helmmuffel. Das zeigt eine Umfrage unter 1352 über 18-Jährigen, die von YouGov und statista durchgeführt wurde. Der Anteil der der Befragten mit einem Elektrofahrrad oder Pedelec lag bei nur 10%. Fahrer von Rennräder, die sehr konsequent Helm tragen, waren nur mit 4 Prozent in der Untersuchung vertreten. Vielleicht kommt durch ein konsequentes (positives) Vorbild der Eltern nun eine Trendwende?

COVID-19-Impfungen für Kinder werden bald Realität. In den USA wird erwartet, dass die Zulassung des Pfizer/BioNTech-Impfstoffes für 12-15-Jährige schon für nächste Woche vorliegt. In Kanada ist das bereits seit letzter Woche umgesetzt. Daneben hat der amerikanische Pharmariese Pfizer angekündigt, die Impfung voraussichtlich im September 2021 für Kinder der Altersgruppe von 2-11 Jahren anzubieten. Es tut sich was! Für Familien könnten sich auch in Deutschland bis Ende des Jahres neue Freiheiten abzeichnen, die wir schon seit eineinhalb Jahren nicht mehr hatten. Kommen dann vielleicht wieder Zeiten ohne Masken auf uns zu? Man wagt kaum an so etwas  zu glauben.

Aller guten Dinge sind drei? Foto: pixabay, Manfred Antranias Zimmer

Es war zu erwarten: Das Pharmaunternehmen Moderna bringt eine dritte Impfung ins Spiel. In einer Studie habe sich gezeigt, dass diese dritte Impfung eine deutlich bessere Wirkung gegenüber den Virusvarianten (B1.351; P1) bewirke. Grundlage ist allerdings eine Untersuchung von nur 40 Personen.

Das Center for Disease Control and Prevention (CDC) berichtet von Angstzuständen nach der Impfung mit dem Impfstoff von Janssen/Johnson&Johnson. Bei Massenimpfungen an fünf verschiedenen Standorten sei es unter 8624 Geimpften zu Benommenheit, Schweißausbrüchen und Ohnmachtsanfällen gekommen. Betroffen waren 64 Personen. Letzteres, was Mediziner als Synkope bezeichnen, trat mit einer Häufigkeit von 8.2 Fällen auf 100.000 Impfdosen auf. Das ist deutlich mehr als bei Grippe-Impfungen, bei denen diese Zustände nur in 0.05 Fällen pro 100.000 Impfungen vorkommen.

Nach zaghaftem Frühlingsbeginn heute, wird morgen wohl schon der Somme im Ländle Einzug halten. Allergiker müssen sich auf einen erheblichen Gräserpollenflug einstellen.

Bei allem Ärger in der Coronapandemie um Impftermine oder die Einschränkungen der Freiheitsrechte: In der Pandemie sind viele Infektionen deutlich seltener aufgetreten. Das betrifft etwa die Rotavireninfektionen, die besonders Kleinkinder im Frühjahr heimsuchen. Vor zwei Jahren waren bis Anfang April 965 Erkrankungen aufgetreten, im letzten Jahr (Abklingen der ersten Corona-Welle) 285 Fälle. Im Jahr 2021 waren es bislang nur 128 Erkrankungen – ein Siebtel gegenüber der Vor-Corona-Zeit.

Was geht in der Welt rum? Auch für viele Nicht-Industrieländer ist die Corona-Pandemie eine enorme gesundheitliche Belastung, wirtschaftlich ist die Pandemie eine Katastrophe. Die Bevölkerung vieler Ländern ist zwar sehr jung: In einigen Ländern Afrikas wie Niger, Uganda oder Mail ist über die Hälfte der Menschenunter 16 Jahre alt. Dadurch erkranken zwar weniger Menschen schwer an COVID-19. Mit solchen Erkrankungen ist das Gesundheitssystem jedoch völlig überfordert. Da wäre eine Prävention wichtig. Doch den Zusagen über die Lieferungen von Impfstoffen folgten wenig Taten: So sind in Afrika gerade mal 1% der Menschen erstmals geimpft, in Asien 4.4% (Europa: 32%, USA 49%). Eine Forschergruppe der Universität Oxford hat errechnet, das 1 von 100 Impfdosen an die armen Länder des Südens geliefert wurden. Gerade China und Russland setzen den Impfstoff häufig ein, um politische Erfolge zu erzielen.

Viel Spaß und Genuss an diesem sonnigen Wochenende wünscht Ihnen Ihr

Kinder- und Jugendärztinnen und Kinder und Jugendärzte – wirklich?

Im Medienalltag hören und sehen wir Menschen, die in ihren Beiträgen immer schneller reden, um politisch korrekt zu sprechen. Zum Beispiel wenn’s um die Schule geht: „Schülerinnen und Schüler und Lehrerinnen und Lehrer haben …….“. Bis wir diese korrekte Bezeichnung gehört haben, haben wir kaum noch Lust dem weiteren eigentlichen Inhalt der Nachricht zu lauschen. Aber alles war schön korrekt.

Auch beim Schreiben des praxisblättle stehe ich regelmäßig vor dieser Herausforderung, meinen Fingern diese langen feinmotorischen Übungen zu ersparen. Und so schreibe ich dann einfach Kinder- und Jugendärztinnen und manchmal – ganz frech – nur Kinderärzte. Und ich hoffe, dass den Lesern dennoch klar ist, dass im einen Fall auch männliche Ärzte und im anderen auch Jugendliche gemeint sind. Denen dürfte die ganze Diskussion ohnehin wurscht sein. Sie sind keine Kinder mehr, als Erwachsene werden sie auch nicht wahrgenommen (oder wollen es meistens auch nicht). Und sie sind gewohnt – nicht nur in der Sprache – vergessen zu werden.

Ein mit viel Herz und Witz gespickter Artikel von Nele Pollatschek im Tagesspiegel nimmt der schwermütigen Diskussion dieses Themas die Spitze. Den möchte ich Ihnen zum Lesen empfehlen. Danach ist der Umgang mit dem genderism – oder auf gut Deutsch Geschlechterwissen – viel leichter.

Was geht rum? 01. Mai 2021

Wie viele Personen erkranken trotz Impfung an COVID-19 ?

Coronaimpfung in der Schwangerschaft?

Coronapandemie: Psychische Belastung für Kinder und Jugendliche

Birkenpollen – Rotaviren – FSME

Die Zahl der Geimpften steigt nun auch in Deutschland stetig an. Aber wie hoch ist die Zahl der Durchbruchsinfektionen? Wie viele Personen erkranken mit COVID-19 trotz einer Impfung? Dazu gibt es aktuelle Informationen vom CDC (Centers for Disease Control an Prevention) aus den USA. Stand 20. April sind dort 87 Millionen Menschen vollständig geimpft, während 7157 von ihnen eine Durchbruchsinfektion erlitten (0,008% – also eine Person auf 12.155 Geimpfte). Von diesen waren 46% älter als 60 Jahre und 1% verstarb an der Infektion – also 1 auf 1 Million Geimpfte.

Schwangerschaft Foto: pixabay, Marjon Besteman

Bislang wird in Deutschland eine Impfung in der Schwangerschaft von der STIKO (Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut) generell nicht empfohlen. Für Einzelfälle ist sie nach Abwägung von Nutzen und Risiko aber möglich. Schwangere und ungeborene Kinder genießen einen besonderen Schutz, der sich auch auf Impfungen erstreckt. Andererseits erkranken schwangere Frauen nachweislich schwerer an SARS-CoV2. In einer umfangreichen Studie des CDC zeigte sich, dass – gegenüber nicht schwangeren Frauen – sie 3 Mal häufiger auf Intensivstationen behandelt und beatmet werden müssen. Auch das Sterberisiko ist über die Hälfte größer.

Mit Hilfe einer komplexen Studie hat das Center for Disease Control and Prevention (CDC) (in Englisch) nun erste Ergebnisse zur Coronaimpfung von 35.000 Schwangeren veröffentlicht. Sie beziehen sich auf Daten von Mitte Dezember 2020 bis Ende Februar 2021 nach Impfungen mit mRNA-Impfstoffen erfolgte. Es zeigte sich, dass gegenüber einer Kontrollgruppe nicht geimpfter schwangerer Frauen keine Unterschiede in Bezug auf Komplikationen (Abort, Blutungen, Frühgeburtlichtkeit u.a.)  zu sehen waren. Das ist sehr erfreulich, gibt aber nur Informationen über 2 1/2 Monate einer Schwangerschaft wieder. In einigen Ländern werden Schwangere sogar priorisiert geimpft. In Frankreich gilt seit dem 16. April 2021: „Schwangere Frauen ab dem 2. Trimester können sich in einer Impfstelle impfen lassen“

Symptome von Jugendlichen in Zürich im Zusammenhang mit COVID-19 Foto: NZZ

Schulschließungen, geschlossene KiTas, gesperrte Kinderspielplätze und geschlossene Clubs seit Monaten. Für Kinder und Jugendliche sind körperliche Erkrankungen im Zusammenhang mit dem SARS-CoV-2 sicher eher selten. Die Bedeutung der psychischen Auswirkungen werden andererseits klarer und bedrückender. So berichtet Markus A. Landolt vom Kinderspital Zürich, dass im Jahr vor der Coronainfektion 19 Kinder und Jugendliche auf der Notfallstation wegen eines Suizidversuchs aufgenommen wurden. Im Corona-Jahr 2020 waren es bereits 49, mehr als doppelt so viele. In einer Studie befasst sich das Team um Landolt (in Englisch) mit den Auswirkungen von Corona auf die seelische Gesundheit in den verschiedenen Altersstufen. Für Jugendliche zeigt sich, dass depressive Symptome und Ängste gegenüber aggressivem Verhalten überwiegen.

Für dieses Wochenende ist Regen angekündigt, die Birkenpollen werden vermutlich erst am Montag wieder zum Flug ansetzen. Der könnte dann aber heftig ausfallen.

Wie in jeder Woche, so sind auch jetzt Infektionen bei Kindern glücklicherweise rar. Magen-Darm-Infektionen durch Rotaviren und Noroviren spielen kaum eine Rolle. Die von Zecken übertragene FSME kommt – vermutlich wegen des recht kalten Aprils – noch selten vor: ein Fall in der letzten Woche.

Was geht in der Welt rum? In Indien ist je nach Lesart eine zweite oder dritte Welle mit Coronainfektionen ausgebrochen mit dramatischen Folgen für die Menschen auf dem Subkontinent. Aus vielen anderen Ländern werden eher erfreuliche Zahlen gemeldet.

Ich wünsche einen angenehmen Start in den Wonnemonat. Ganz herzlich grüßt Sie Ihr