Was geht rum? 29. Mai 2021

Pollen. An diesem Wochenende haben sie ihren ersten großen Flugtag (Gräser). Foto: pixabay, jggrz

Immer wieder Vitamin D: Niedriges Vitamin D stellt kein Coronarisiko dar

Schweizer SchülerInnen: Jede/r 5. hat eine Coronainfektion durchgemacht

Einfluss der Coronapandemie auf die sekundäre Rauchbelastung für Kinder 

Zecken auf den Gräsern, Pollen in den Lüften

Große Verwirrung bei den Impfungen für „Kinder“ – besser Jugendliche – von 12-15 Jahren. Da tritt das Gesundheitsministerium großspurig gegen die STIKO (Ständige Impfkommission) an, bevor die medizinischen Argumente ausgetauscht wurden. Und so ganz nebenbei ist der Impfstoff ohnehin knapp. Eine weitere, undurchsichtige Gemengelage, in der medizinische Daten und die Jugendlichen nur am Rande eine Rolle spielen- wie so oft in dieser Pandemie.

Bei fast allen Erkrankungen spielt Vitamin D eine mal geringere, mal größere Rolle. Unbestritten ist, dass Vitamin D bei vielen Immunprozessen bedeutsam und „günstig“ eingreift. Vitamin D hat aber auch wirtschaftliche Bedeutung. So kam es wohl auch, dass viele kleinere Arbeiten  ohne ausreichende Begründung dazu rieten, im Zusammenhang von Coronainfektionen Vitamin D einzunehmen. Mal zur Vorbeugung, mal zur Therapie. Eine Studie von Yonghong Li und Mitarbeiter vom amerikanischen Laborunternehmen Quest Diagnostics in San Juan Capistra­no (Kalifornien) hat nun umfangreiche Daten erhoben: Bei 18.148 Mitarbeitern (Alter 37 bis 56 Jahre) wurden vor und nach Beginn der Pandemie Vitamin-D-Spiegel untersucht. Unter Berücksichtigung aller Faktoren wie Alter, Gewicht, Ethnie und Hochschulabschluss zeigte sich, dass niedrige Vitamin-D-Spiegel keinen Einfluss auf das Corona-Infektionsrisiko hatten.

Für Eltern stellt sich wieder die Frage: Hat mein Kind eigentlich schon  eine Coronainfektion durchgemacht? Aus Zürich liegen Daten aus der Studie «Ciao Corona» der Universität Zürich vor. Diese hat nun zum dritten Mal (Sommer 2020, Herbst 2020, Frühling 2021) 2500 Schulkinder aus 275 Klassen und 55 Schulen auf Antikörper gegen das SARS-CoV2 untersucht. Ergebnis: Seit Juni 2020 ist der Anteil der Kinder, die bereits Antikörper haben, von 2% auf zuletzt 19% (April 2021) angestiegen. Über 80% der Kinder haben auch nach 6 Monaten noch Antikörper gegen das Coronavirus im Blut. Bei der Bewertung der Symptome nehmen die Autoren der Studie an, dass etwa 2 Prozent der infizierten Kinder Langzeitsymptome („long COVID)“ zeigen, die mit COVID-19 in Zusammenhang stehen können.

Veränderungen des Rauch-Verhaltens im Rahmen der Coronapandemie Foto: Lancet

Das SARS-Coronavirus hat bedeutend mehr Folgen als die Infektion selbst. Befragt wurden  50 Eltern von Kindern mit Atemwegserkrankungen (82% hatten Asthma, 12% Mukoviszidose, der Rest seltenere Lungenerkrankungen). Für die Kinder zeigte sich eine erhöhte Belastung durch Raucher in der Umgebung (second hand smoking, SHS). In den Wohnungen wurde als Folge des familiären Stresses (Ausgangsbeschränkungen, Home-Schooling, Home-Office u.a.) häufiger und intensiver geraucht, wie eine Studie um Mira Osinibi (in Englisch) vom Department für Kinderpneumologie am King’s College Hospital NHS in London zeigt. Die Publikation im Lancet berichtet, dass zwei Drittel aller Eltern gleich oder mehr rauchten als vor der Pandemie.

Der Mund ist für Kinder ein wichtiger Ort, um die Umwelt zu erkunden, nicht nur in der oralen Phase. Das stellt erhöhte Anforderungen an die Spielzeugindustrie, aber ganz besonders an die Eltern, die ihre Kinder immer wieder im Blick haben müssen. Dass Nüsse (besonders Erdnüsse) mit einem hohen Risiko für eine Aspiration (Aufnahme der Erdnuss in den Atemwegen) verbunden ist ist bekannt. Weniger bekannt ist die Gefährlichkeit von Knopfbatterien. Nun berichten Ärzte aus England von verschluckter Spielzeugmagneten. Im Journal Archives of Disease in Childhood berichten die Forscher um den Kinderchirurgen Hemanshoo Thakkar, dass sich die Zahl der verschluckten Magneten in den Jahren 2016-2020 verfünffacht hat. Mehr als 40% der Magnete mussten operativ entfernt werden.

Gräserblüte im Regen Foto:ptw

Die Pflanzen haben in den letzten Wochen genug Wasser fürs weitere Wachstum gesammelt und die Temperaturen gehen nach oben. Beste Bedingungen für einen starken Pollenflug der Gräser. Eltern allergiebetroffener Kinder sollten überprüfen, ob in der Hausapotheke auch ausreichend Notfallmedikamente (Salbutamol? Cortison? Adrenalin-Injektor für Insektengift-Allergiker) vorhanden sind.

Atemwegsinfekte sind weiterhin selten. Bei den Windpocken fallen jedoch langsam steigende Zahlen auf. Offensichtlich kommen sich Kinder wieder öfter nahe, wodurch sich die leicht übertragbaren Windpockenviren vermehrt ausbreiten können. Noch liegen die Zahlen aber klar unter denen des letzten Jahren.

In der kommenden Woche dürften Erkrankungen zunehmen, die von den Zecken übertragen werden, allen voran die Borreliose. Am kommenden Montag finden Sie im praxisblättle einen Spezialbeitrag zu dieser heimtückischen Infektion.

Was geht in der Welt rum? Ein riesiges Problem in armen Ländern ist der Wurmbefall bei Kindern. Nicht nur, dass allein die Vorstellung – Würmer im Bauch zu haben – schrecklich ist. Die Würmer verbrauchen viel Eisen. Und die wichtigste und effektivste Quelle für Eisen ist Fleisch. Und genau das steht armen Menschen nicht zur Verfügung. Umso erfreulicher, dass Wurmprogramme in Afrika südlich der Sahara in den letzten Jahrzehnten so erfolgreich waren, wie eine Veröffentlichung von Benn Sartorius und Kollegen im angesehenen Lancet zeigt. Der Wurmbefall ist vom Jahre 2000 bis 2018 von anfangs 44% auf zuletzt 13% der Kinder zurückgegangen.

Ich wünsche Ihnen einen frohen Start in ein lockeres und sonniges Wochenende, ganz herzlich Ihr

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