Monat: Juni 2021

Badedermatitis: Folge von Saugwürmern in warmen Seen

Endlich Sommer. Endlich Sonne. Endlich baden. Das sehen auch die kleinen Larven der Saugwürmer (Zerkarien) so, die besonders bei Temperaturen von über 20° Celsius von ihren Wirten freigesetzt werden. Der bei weitem häufigste Wirt ist die Ente. Insofern kommen diese Larven hauptsächlich in warmen Seen vor, in denen sich auch Enten wohlfühlen.

Zyklus der Zerkarien (in Englisch). Foto: CDC

Alles beginnt mit Wasservögeln wie Enten, die von den Saugwürmern (medizinisch: Trematoden) befallen sind. Mit ihrem Kot scheiden die Vögel Wurmeier aus. Deren Larven befallen dann zunächst Wasserschnecken, später manchmal auch Fische. Von diesen werden schließlich die Zerkarien ausgeschieden.

Zerkarie Foto: CDC

Die Zerkarien suchen im Wasser nach Enten oder anderen Wasservögeln, in denen sie zu reifen Würmern heranwachsen können. Dabei halten sie sich an der Wasseroberfläche auf, wo sie bis zu drei Tage überleben können. Auf der Suche nach den Enten verwechseln die kleinen Zerkarien ihr Ziel gelegentlich und dringen in die Haut von Menschen ein. Dort haben sie jedoch keine Chance und sterben ab. Der Mensch ist also ein „Fehlwirt“, weil die Zerkarien den Menschen mit der Ente verwechseln.

Wie äußert sich die Badedermatitis?

Badedermatitis. Foto: CDC

Bereits zehn Minuten nach dem Eintritt der Zerkarien beginnt ein leichtes Jucken und es treten kleinste rote Fleckchen auf. Das fällt zunächst kaum auf. Bei wiederholtem Befall, wenn somit an verschiedenen Tagen Zerkarien in die Haut eindringen, tritt eine Sensibilisierung ein: Stunden nach dem Befall mit Zerkarien treten Quaddeln (wie nach Brennesselberührung) auf, die massiv jucken. Aus diesen entwickeln sich kleine Knötchen, die meist nach 1-3 Wochen folgenlos abheilen.

Was hilft vorbeugend?

Das Risiko den Zerkarien zu begegnen kann nur grob abgeschätzt werden. Sie können in stehenden Gewässern auftreten, in denen Wasservögel und Süßwasserschnecken vorkommen.

  • Zerkarien können in trüben stehenden Gewässern mit stark verringerter Sichttiefe vermutet werden.
  • Besonders betroffen sind wasserpflanzenreiche Uferbereiche.
  • Betroffen sind Gewässer, in denen sich Enten und andere Wasservögel wohl fühlen. 
  • Bereiche mit grünen oder blaugrünen Schlieren oder “Teppichen” stellen ebenso ein Risiko dar.

Was kann ich vorbeugend machen, wenn Kinder in einem solchen Wasser gebadet haben?

  • Nach dem Baden umgehend die Badebekleidung wechseln.
  • Die Haut mit dem Handtuch kräftig abrubbeln, um ggf. einige Zerkarien noch von der Haut zu entfernen (fürs bloße Auge sind sie nicht sichtbar).
  • Sofortiges Duschen und Ausspülen der Badebekleidung.
  • Wenn nach dem Baden Hautreizungen, Reizungen der Atemwege oder Magen-Darm-Beschwerden auftreten: Arzt aufsuchen

Die Badedermatitis/ Zerkariendermatitis kommt in unseren Breiten (und auch in Nordamerika) regelmäßig in dieser Jahreszeit vor – aber nur für kurze Zeit, wenn die stehenden Gewässer warm genug sind und sich darin viele Zerkarien aufhalten können. Das trifft meist nur für den Monat Juli zu.

Was geht rum? 26. Juni 2021

Sommer I: Schwimmen lernen – weil’s Spaß macht und vorm Ertrinken schützt

Sommer II: Mit Sonne weniger Corona-Infektionen

Sommer III: Erneut erheblicher Gräserpollenflug

Sommer: IV: Kaum Infektionen

Schwimmen in Bädern, in Seen oder im Meer ist für viele der Höhepunkt eines Sommer. Mit der Corona-Pandemie dürfte jedoch die Zahl der Kinder die schwimmen können zurückgegangen sein. Aus den USA liegen Daten vor, die klarmachen, wie wichtig die Fähigkeit zu schwimmen für Kinder ist. Demnach ist der Ertrinkungstod die zweithäufigste Todesursache von Kindern unter 14 Jahren. Das gilt auch für Deutschland. Bei uns sind es pro Jahr 30-40 Kinder, die so ihr Leben verlieren. Umso wichtiger ist es, Kinder in diesem Sommer den Wasserspaß genießen zu lassen. Damit sie Lust bekommen, schwimmen zu lernen.

Einflussfaktoren auf den saisonalen Rückgang der SARS-CoV-2 Infektionen im Sommer in Europa. Foto: Tomáš Gavenciak et al., 2021

Drängt der Sommer die Bedeutung der Coronaviren zurück? Betrachtet man die Erkrankungszahlen scheint dies der Fall zu sein. Auch Wissenschaftler wie Prof. Drosten von der Charité weisen darauf hin: „Nach derzeit konsensfähigen Schätzungen bewirkt der Sommereffekt ca. 20% Reduktion“ schreibt er auf Twitter. Eine Studie der Universität Oxford findet mit ihren Modellrechnungen, dass in 143 gemäßigten Klimazonen in Europa ein Rückgang der Übertragung von 42,1% zum letzten Winter stattgefunden hat. Diese Saisonalität ist jedoch komplexer als gedacht, wie die obenstehende Graphik (in Englisch) zeigt. So geht der Sommer mit mehr UV-Strahlung einher, Menschen halten sich länger draußen auf und somit wird die Empfänglichkeit für Infektionen auch über höhere Vitamin-D-Spiegel vermutlich verringert.

Vor den Ferien hat das Auswärtige Amt eine wichtige Änderung umgesetzt: Ab Juli werden nur noch Reisewarnungen für Hochrisikogebiete ab einem Inzidenzwert von 200 (Neuinfektionen mit dem Coronavirus auf 100.000 Einwohner pro Woche) ausgesprochen.

Die Gräserpollensaison wird zum Wochenende einen zweiten heftigen Anlauf nehmen. Dieser wird vom (geringen) Flug der Spitzwegerichpollen begleitet sein.

Atemwegsinfektionen sind jahreszeitlich bedingt weiterhin selten. Bei den Kinderkrankheiten wirken die Corona-Schutzmaßnahmen nach: keine Masern, kein Mumps, keine Röteln im Ländle in der letzten Woche. Der Sommer ist eine gute Gelegenheit, das Impfheft herauszuholen und fehlende Impfungen (nicht nur) bei Kindern nachzuholen.

Was geht in der Welt rum? In Madagaskar steigt die Zahl der Malaria-Erkrankten seit dem vierten Quartal 2020 stark an. Bis März dieses Jahres wurden etwa 768.200 Fälle dokumentiert, wobei die südlichen Regionen der Insel im Indischen Ozean besonders stark betroffen sind. Dort regnet es – vermutlich infolge des Klimawandels – in den letzten Jahren kaum noch, die chronische Unterernährung (stunting) nimmt dramatische Ausmaße an und die Gesetzeslosigkeit (Vieh-Diebstahl von sog. valahos) ebenso. Als Reiseziel ist diese Region aus genannten Gründen kaum zu empfehlen. Für  unerschrockene Menschen dürften die Malariaprophylaxe oder das Verhindern von Coronainfektionen vernachlässigbare Probleme sein.

Ich wünsche Ihnen ein genussvolles Sommerwochenende mit Ihrer Familie. Herzlich grüßt Sie  Ihr

Autokindersitze: Schalen für Babys

Pünktlich zur Sommersaison, wenn Familien mehr Zeit haben etwas zu unternehmen, kommt ein aktueller Test der Stiftung Warentest zu Autokindersitzen. In der folgenden Tabelle führen wir alle 15 Modelle mit einer zumindest guten Note auf. Eine erfreulich große Auswahl.

Modell Preis Note Anmerkung
Silver Cross Dream+Dream i-Size Base 450 € 1,5 bereits in 7/2020 getestet
Maxi-Cosi Coral+FamilyFix3 Base 520 € 1,6  bereits in 7/2020 getestet
Nuna Pipa Next + Pipa Next Base 370 € 1,6  bereits in 7/2020 getestet
Babyzen Yoyo iZi Go Modular X1 i-Sizeby BeSafe + iZi Modular i-Size Basis 490 € 1,7
Maxi-Cosi Tinca + Maxi-Cosi Tinca Base 330 € 1,7
Peg-Pérego Primo Vaggio Lounge + i-Size Basis 420 € 1,7
Silver Cross Simplicity Plus + Simplifix Isofix Base 440 € 1,7
Stokke iZiGo Modular X1 i-Size by BeSafe + iZi Modular i-Size Basis 520 € 1,7
Maxi-Cosi Marble 350 € 1,8
Maxi-Cosi Tinca 159 € 1,8
Babyzen Yoyo iZi Go Modular X1 i-Sizeby BeSafe 259 € 2,0
Stokke iZiGo Modular X1 i-Size by BeSafe 289 € 2,0
Chicco Kiros i-Size 420 € 2,3
Silver Cross Simplicity Plus 239 € 2,3
Peg-Pérego Primo Vaggio Lounge 279 € 2,4

Diese Zusammenstellung kann nur eine ersten Eindruck über die verschiedenen Angebote sein. Wie bei allen Test der Stiftung aus Berlin: Im Text des Hefts (Juni 2021) stehen noch viele Details, die für einen Kauf von großer Bedeutung sind.

Was geht rum? 19. Juni 2021

Kommen nach Corona die anderen Viren zurück? Zunahme von RS-Viren

Wiesengräserdermatitis 

Viel Sonne – viel Ozon

Chikungunya in Brasilien

Der Lockdown mit Tragen der Gesichtsmasken und viel Abstand zwischen den Menschen hat einen Großteil der Virusinfektionen unterbunden. So ist die Grippewelle (Influenza) im letzten Winter ausgefallen. Auch die anderen Erreger von „Erkältungen“ wie die Rhinoviren, die Metapneumo- und Parainfluenzaviren hielten sich zurück. Und ebenso die älteren saisonalen Coronaviren, die es schon lange vor dem SARS-CoV-2 gab.

Antigen-Nachweis bei RS-Viren in den USA. Foto: CDC

Der Lockdown ist weitgehend zu Ende. Es verwundert also nicht, dass das Center for Disease Control and Prevention (CDC) aus den USA einen rasanten Anstieg der Erkrankungen mit einem anderen Virus meldet: dem Respiratorischen Synzytial-Virus (RS-Virus). Dieser Erreger betrifft häufig Kinder im ersten und zweiten Lebensjahr mit teilweise schweren Krankheiten wie der Bronchiolitis. Für die kommenden Monate rechnet man in den USA auch mit RSV-Erkrankungen älterer Kinder, die das Virus wegen des Lockdown bisher nicht „kennengelernt“ haben. Bleibt abzuwarten, wie sich diese und die anderen Erkältungsviren bei uns im Herbst verhalten werden.

Häufigkeit der Corona-Varianten in Deutschland im Verlauf der letzten Wochen. Foto: RKI

Noch ist das Coronavirus im Lande. Und immer häufiger auch die Delta-Variante (B.1.617.2), die früher indische Variante hieß und die um 40-80% ansteckender ist als der Wildtyp. Glücklicherweise mag sie nach neuen Informationen den Sommer weniger als gedacht. Dennoch ist ihr Anteil an den untersuchten Varianten im Ländle nach Angaben des Landesgesundheitsamtes auf 2,73% angestiegen. Besonders betroffen ist eine KiTa in Waiblingen, für deren Kinder und Mitarbeiter in dieser Woche Quarantäne angeordnet wurde. Diese Delta-Variante könnte, wenn es ungünstig läuft und keine ausreichende Zahl an Erwachsenen vollständig geimpft sind, im Herbst eine weitere Krankheitswelle auslösen.

Corona-Schnelltests sind im Moment nicht mehr so bedeutsam wie noch vor einigen Wochen. Aber sie sind so günstig wie wohl noch nie. So bietet die Drogeriekette DM Schnelltests zum Selbermachen vom Anbieter Hotgen für 80 Cent an. Dabei handelt es sich um geprüfte Tests mit Zulassung vom Bundesinstitut für Medizinprodukte (BfArM).

Wiesenbärenklau im Schwarzwald. Eine schöne Pflanze in unseren Wiesen, deren Saft aber Hautprobleme hervorrufen kann. Foto: ptw

Langsam beginnt die Zeit des Wiesenbärenklau. Die Berührung mit dieser Pflanze, besonders aber der Saft in deren Stängeln kann im Zusammenhang mit Sonneneinstrahlung zu verbrennungsartigen Hautverletzungen führen: Wiesengräserdermatitis. Besonders heftig sind die Blasen auf der Haut nach Kontakt zum Riesenbärenklau, der großen Variante der an sich hübschen Pflanze.

Ozon-Werte von Friedrichhafen am 17.06.2021. Foto:ptw

Mit der herrlich scheinenden Sonne steigen auch die Ozon-Werte wieder kräftig an. Das gilt besonders für die frühen Nachmittagsstunden. In dieser Zeit sollten sich Kinder eher in der Wohnung oder auch im Wald aufhalten, da in den schattigen Zonen die Belastung mit Ozon niedriger ist. Körperliche Anstrengungen am Nachmittag sind für alle ungünstig, besonders wenn sie von Atemwegsproblemen wie Asthma bronchiale oder Mukoviszidose betroffen sind. Am Morgen liegen die Werte noch niedrig, wie das Beispiel von Friedrichhafen zeigt: 41 µg/m3 um 09:00 Uhr am Freitag. Nachmittags steigen sie bis nahe 180 µg/m3, was der Schwellenwert zur Information der Bevölkerung ist.

Der Gräserpollenflug ist auf seinem Höhepunkt angekommen, alle betroffenen Allergiker spüren es seit Tagen. Entspannter ist die Situation in den Höhenlagen des Schwarzwaldes. Auch in der zweiten Hälfte des Juni bleiben die Gräser die häufigste Pollenart in den Lüften.

Was geht in der Welt rum? In Brasilien, genauer im Bundesstaat São Paulo, traten in diesem Jahr viele Verdachtsfälle an Chikungunya auf. Bis Mai wurden schon 9.475 festgestellt. Im letzten Jahr kam es landesweit zu 36.250 Verdachtsfällen, im Jahr 2019 waren es 174.140 Verdachtsfälle sowie 81 Todesfälle. Chikungunya ist eine Viruserkrankung, die mit heftigen Knochenschmerzen einhergeht. Sie wird von Mücken übertragen, ein konsequenter Einsatz von Repellentien wie DEET ist zur Vorbeugung sinnvoll.

Mit etwas Schatten, einem kleinen Planschbecken und Eis können Kinder zusammen mit den Eltern auch das kommende heiße Wochenende genießen. Herzlich grüßt Sie Ihr

 

Corona-Komplikationen bei Kindern: PIMS / MIS-C:

Coronainfektionen verlaufen bei Kindern anders als bei Erwachsenen, das ist gut bekannt. Meist sind die Erkrankungen so schwach, dass die Infektion kaum bemerkt wird. Dennoch kann es nach Coronainfektionen von Kindern zu schweren Komplikationen kommen, deren Bedeutung gelegentlich unterschätzt wird.

Stationäre Behandlungen von COVID-19 bei Kindern in Deutschland (grau) sowie Fallzahlen von PIMS /MIS-C (orange) seit Beginn der Pandemie. Foto: DGPI

Eine schwere Komplikation im Zusammenhang von COVID-19 stellt das Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome (PIMS) dar, das in den USA als „multisystem inflammatory syndrome in children“ (MIS-C) bezeichnet wird. Der Buchstabe M (multisystem) beschreibt ein typisches Zeichen dieser Erkrankung: Es betrifft mehrere Organe des kindlichen Körpers: Herz, Lunge, Nieren, Haut, Gehirn, Augen oder Magen-Darm-Trakt. Um es gleich vorweg zu sagen: Die Ursache hierfür ist unbekannt. Klar ist nur, dass es im Zusammenhang mit einer Coronainfektion steht und oftmals 2 Wochen nach einer solchen bei Kindern und Jugendlichen unter 21 Jahren auftauchen kann. Das PIMS/ MIS-C ähnelt in vielen Aspekten dem Kawasaki-Syndrom, weißt aber auch entscheidende Unterschiede auf (z.B. die betroffene Altersgruppe ist beim Kawasaki-Syndrom deutlich jünger).

Welche Symptome zeigt PIMS/ MIS-C?

Meist kommt es etwa zwei Wochen nach einer Coronainfektion zu ersten Beschwerden, wobei die Coronainfektion selbst gelegentlich so schwach verlief, dass sie kaum bemerkt wurde. Typisch sind anhaltendes Fieber, Bauchschmerzen, Erbrechen, Durchfall, Hautausschläge und – in schweren Fällen – auch Blutdruckabfall mit Schock. Besonders häufig sind eine Myokarditis (Herzmuskelentzündung) oder akute Nierenerkrankungen.

Wer ist betroffen?

Altersverteilung PIMS. Foto: DGPI

In den USA sind (Stand 06.06.2021) sind dort inzwischen 4018 Kinder und Jugendliche mit einem Durchschnittsalter von 9 Jahren betroffen. Von ihnen sind die Hälfte zwischen 5 und 13 Jahre alt und 60% männlich. Insgesamt verstarben in den USA 36 Kinder an PIMS/ MIS-C, also fast jedes hundertste erkrankte.

In Deutschland sind (Stand 06.06.2021) 341 PIMS-Fälle bekannt. Von diesen trugen 5,9% Folgeschäden davon, aber keines verstarb. Interessant ist, dass die meisten Kinder mit PIMS mit einer anderen Aufnahmediagnose als PIMS in die Klinik eingeliefert wurden. Die Mehrheit wurde auf einer Intensivstation behandelt und erhielt immunmodulatorische Therapien.

Manche Forscher vermuten, dass MIS-C /PIMS  mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:1000 Corona-Infektionen bei Kindern auftritt. In der Fachwelt ist die Bedeutung der schwerwiegenden Komplikation von COVID-19 jedoch noch nicht abgeschlossen.

Das CDC in den USA hat einige Fälle einer vergleichbaren Erkrankung bei Erwachsenen beschrieben. Sie nennt sich MIS-A, wobei „A“ für Erwachsene (adult) im Gegensatz zu „C“ (child) steht.

Was geht rum? 12. Juni 2021

Chaos um Coronaimpfungen für Jugendliche

Explosionsartiger Anstieg bei den Hantavirusinfektionen

Die Gräser blühen mit aller Macht

Windpocken fliegen weit

Es war fast zu erwarten, das Chaos um die Coronaimpfungen für Jugendliche. Die STIKO kommt nach wissenschaftlichen Abwägungen zur Überzeugung, dass nur Kinder und Jugendliche (ab 12 Jahren) mit Vorerkrankungen zu impfen seien. Ihr indirekter Boss hingegen, der Gesundheitsminister, empfiehlt Impfungen für die gesamte Altersgruppe. Und die Kinder bzw.  Jugendlichen selbst? Ihre Überlegungen und Gefühle kommen in der Diskussion nicht vor. Dabei haben nicht wenige von Ihnen weiterhin Angst vor COVID-19. Angst um sich selbst oder um Menschen in ihrer Umgebung die ihnen wichtig sind. Könnte das nicht auch ein Grund zur Impfung sein? Okay, Eltern sind Wähler. Der Bundestagswahlkampf lässt grüßen. Aber im Zentrum sollte doch der jugendliche Mensch stehen, der auch für sich selbst Verantwortung übernehmen möchte.

Häufigkeit der Hantavirusinfektionen in Deutschland im Jahre 2005 Foto: Epidemiologisches Bulletin, RKI

Das Hantavirus ist ein eher unbekannter Krankheitserreger. In Baden-Württemberg ist dieses Virus schon seit Jahren aktiv. Die Krankheitsfälle haben in diesem Jahr explosionsartig zugenommen. Waren es im letzten Jahr Mitte Juni 24 Fälle, so liegt die Zahl jetzt beim 35-fachen, genau bei 839. Bei Kindern kommen Hantavirusinfektionen eher selten vor, die die Fallverteilung des Jahres 2005 vom RKI zeigt. Mehr Informationen zum Krankheitsbild finden Sie im praxisblättle-Beitrag „Hantavirus – eine seltene Gefahr für Kinder“ .

Eine Dusche: Angenehm an heißen Tagen und für Allergiker sinnvoll vom dem Zu-Bett-Gehen. Foto: pixabay, Abdul Momin

Allergiker merken es seit 2 Tagen: Der Gräserpollenflug hat mit der Rückkehr des Sommer massiv zugenommen. Bis Mitte nächster Woche wird die Wetterlage und vermutlich auch der Flug der Pollen unverändert bleiben. Dabei kann es im Zusammenhang mit Hitzegewittern auch zu massiven Pollenbelastungen gerade bei Asthma-Betroffenen kommen. Noch ein kleiner Tipp: Abendliches Duschen inklusive Haarwäsche verhindert, dass die Pollen ins Bett getragen werden und dort über die Nacht die Atemwege belasten.

Windpocken in einem frühen Stadium mit Papeln und beginnenden Bläschen. Foto: ptw

Die Windpocken sind insgesamt kaum präsent. In der Region Lörrach und Ravensburg gibt es jedoch kleiner Ausbrüche. Die Windpockenviren als solche sind sehr stabil und können selbst durch trockene Lüfte über 100 Meter weit fliegen und andere Menschen erreichen, die von „ihrem Glück“ nichts mitbekommen.

Was geht in der Welt rum? Einen Ausbruch von Hepatitis-A-Infektionen erlebt in diesem Jahr Neukaledonien. Auf der zu Frankreich gehörenden Inselgruppe im Südpazifik wurden bislang 251 Infektionen festgestellt. Bei Kindern verläuft diese Infektion meist ohne Symptome. Es gibt eine sehr gut verträgliche und gut wirksame Impfung gegen Hepatitis A.

Endlich ist der Sommer angekommen. Ich wünsche Ihnen ein genussvolles Wochenende. Herzlich grüßt Sie Ihr

Hantavirus – eine seltene Gefahr für Kinder im Ländle

Viele Erkrankungen werden vom Tier auf den Menschen übertragen. Tiere treten also als Überträger – Vektor – auf. Obwohl sie einen Erreger übertragen, werden sie dabei aber selbst nicht krank. Das betrifft zum Beispiel die Borrelien und FSME-Viren, die von der Zecke an den Menschen bzw. andere Tiere weitergegeben werden. Als Vektor können aber auch Ratten – wie bei der Pest – oder Mäuse auftreten.

Baden-Württemberg ist bei den Erkrankungen mit dem Hantavirus schon immer führend in Deutschland. Dabei wird zumeist das Puumalavirus (PUUV) durch die Rötelmaus übertragen. In diesem Jahr übertrifft sich das Ländle dabei selbst. Waren es im letzten Jahr um diese Zeit gerade mal 24 gemeldete Infektionen, so sind im bisherigen Jahr 2021 bereits 796  Hantavirus-Infektionen aufgetreten.

Häufigkeit der Hantavirusinfektionen in Deutschland im Jahre 2005 Foto: Epidemiologisches Bulletin, RKI

Die relativ seltene Erkrankung mit Hantaviren wird in aller Regel über die Ausscheidung infizierter Mäuse übertragen. Dabei ist Interessant, dass die Übertragung des Hantavirus vorwiegend durch die Einatmung (Inhalation) von infiziertem Staub erfolgt. Dorthin gelangt das Virus durch den Speichel, Urin oder Kot der Mäuse. Betroffen sind meist Männer der Altersgruppe 30-49 Jahre. Bei Kindern tritt die Erkrankung selten auf. So sind zwischen 2001 und 2018 in Baden-Württemberg 6 Erkrankungen bei Kleinkindern (unter 7 Jahre) gesichert.

Die Erkrankung tritt in unseren Breiten nach einer Inkubationszeit von 2-4 Wochen als hämorrhagisches Fieber mit renalem Syndrom (HFRS) auf: in der ersten Woche bestimmen Fieber, Schüttelfrost und Kopfschmerzen das Bild. Gelegentlich kommt es zu Blutungen der Haut oder Schleimhäute. In der zweiten Woche kommt es zum Blutdruckabfall, zum Abfall der Blutplättchen (Thrombozytopenie) sowie einer interstitiellen Nephritis (Nierenentzündung). Zwischen dem 9. und 12. Tag tritt ein Nierenversagen ein sowie Lungenstörungen, die teilweise zum Tod führen. Auch wenn viele Erkrankungen eher schwach oder sogar ohne Symptome verlaufen, kann die Hantavirusinfektion einen extrem schweren Krankheitsverlauf nehmen. Details hierzu beschreibt die Seite des RKI hier.

Obwohl Kinder selten mit dem Hantavirus erkranken, kann das Risiko im Einzelfall etwas höher sein. Beispielsweise bei Kindern, die auf alten Bauerhöfen mit großen Tennen leben oder bei Kindern in Waldkindergarten. Hierzu gibt es ein interessantes Merkblatt vom Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg.

Beim Reinigen von Gartenhäusern, Kellern oder Speichern sollte immer bedacht werden, dass in der Raumluft – Aerosol – infektiöse Teichen schweben könnten, die beim Einatmen zu einer Hantavirus-Erkrankung führen könnten. Im Zweifelsfall sollte der schwäbische Ordnungssinn zurückgestellt werden. Vorbeugende Maßnahmen beim Reinigen solcher Räume: zunächst gutes Durchlüften (mind. 30 Minuten). Grundsätzlich sollten Handschuhe und Mundschutz getragen werden. Zur Vermeidung von Staubaufwirbelungen ist feuchtes Wischen günstiger. Verschmutzte Flächen sollten desinfiziert werden. Detaillierte Hinweise gibt das Robert-Koch-Institut hier.

Was geht rum? 05. Juni 2021

Zwei Milliarden Coronaimpfungen weltweit

Coronaimpfungen für Jugendliche: Das Ringen um den richtigen Weg

Coronainfektionen in Kindertagesstätten

Gräserpollen und Hantaviren

Vor weniger als einem halben Jahr begann die weltweite Impfkampagne. Seit dem 2. Juni dieser Woche sind mehr als 2 Milliarden Impfungen durchgeführt worden. Damit wurde etwa ein Viertel der Erwachsenen weltweit erreicht. Bis alle durchgeimpft sein werden sind jedoch noch weitere 10 Milliarden Impfungen erforderlich.

Die Häufigkeit an Coronainfektionen in Deutschland geht zurück. Manche Menschen haben dennoch sehr große Angst, weil es nicht nur um sie selbst geht: Schwangere sind verunsichert, ob eine Erkrankung auch Folgen für ihr Baby haben kann. Die Beobachtung, dass kein Grund zur Sorge besteht, teilt nun auch eine schwedische Studie um Mikael Norman vom Karolinska Institutet in Stockholm, in der 92% aller Geburten während der ersten 10 Monate der Pandemie in Schweden erfasst wurden. Demnach ist die Rate von Atemproblemen bei Neugeborenen von Corona-infizierten Müttern mit 2,8% gegenüber den anderen Müttern (2,0%) nur leicht erhöht.

Über die Bedeutung von Coronainfektionen für Kindern wird inzwischen kontrovers diskutiert. Das ist eine gute Nachricht. Inzwischen ist unumstritten, dass Kinder und Jugendliche seltener und schwächer an COVID-19 erkranken als Erwachsene. Unklar ist jedoch die Häufigkeit und die Bedeutung der Komplikationen wie long-COVID oder PIMS (MIS-C). Eine andere Frage hat die Forschergruppe um Prof. Dr. Drosten erhellt. In Ihrer Studie in Science konnte die Berliner Gruppe zeigen, dass im Erwachsenenalter keine bedeutsamen Unterschiede in der Viruslast bei von COVID-19-Infizierten vorliegen (in den PCR-Abstrichen um die 2,5 Millionen Kopien des SARV-CoV-2-Erbmaterials). Bei Kindern und Jugendliche über 5 Jahren ließen sich mit steigendem Alter gleiche Werte belegen: „Mein anfänglicher Eindruck einer ungefähr gleich großen Infektiosität aller Altersgruppen hat sich bestätigt, nicht nur hier, sondern auch in anderen Studien“, so Drosten. Ob Impfungen von Kindern im Schulalter sinnvoll sein könnten, hängt also auch von der Bedeutung von COVID-19-Komplikationen bei Kindern ab. Ab Montag werden sie erlaubt sein. Die STIKO bewertet momentan die Daten aus der Zulassungsstudie von BioNTech/Pfizer, die sie für nicht ausreichend hält: „Die Zahl der in der Studie geimpften Kinder ist einfach zu gering, um eine belastbare Aussage über die Sicherheit in dieser Alters­gruppe zu machen“, so der Vorsitzende der STIKO Prof. Dr. Thomas Mertens aus Ulm

Im Leicester Children’s Hospital in Großbritannien wurden von März 2020 bis Februar 2021 Kinder bei Aufnahme in die Klinik auf SARS-CoV-2 untersucht. Von den 1427 aufgenommenen Kindern waren 5,6% in der PCR positiv getestet worden, von denen wiederum 20% keine COVID-19-Symptome aufwiesen. Auffallend war, dass mit der Öffnung der Schulen in Großbritannien die Zahl der asymptomatischen Kindern im Krankenhaus um das 1,65-fache anstiegen. 

Aus Washington, DC, gibt es eine Studie der Kindertagesstätten (day care centers). Dort waren zwischen Juli und Dezember 2020 etwa 24% der 449 KiTas von mindestens einem Fall einer Coronavirusinfektion betroffen, 5,8% hatten einen Ausbruch. Von den insgesamt 319 Infizierten waren nur 43,9% Kinder. Ansonsten waren Lehrer und andere Mitarbeiter betroffen.

Infekte treten im Sommer wenige auf. Das ist seit Wochen so und zuletzt – bei ansteigenden Temperaturen – nicht anders. Das gilt nicht für das Hantavirus, das in diesem Jahr zu 796 (2021: 24 Infektionen) Infektionen geführt hat.

Pollenbelastung der Gräserpollen in Basel über die letzten 365 Tage in No/qm Foto: meteoschweiz.ch

Die Gräserpollenzeit ist gekommen. Besonders starke Belastung wird aus dem Bodenseeraum und vom Oberrhein gemeldet. Begleitend haben sich die ersten Wegerichpollen zurückgemeldet.

Was geht in der Welt rum? Unterernährung ist gerade für Kinder ein unermesslich gravierendes Problem. Es betrifft vorwiegend Kinder in Afrika: Stunting, so wird das in der Medizin genannt, wenn die Körpergröße aufgrund der Mangelernährung deutlich unter der Norm liegt. Das gibt leider keine Schlagzeilen in den Medien, setzt aber Kindern und Jugendlichen kurz- und langfristig Grenzen für ein würdiges und erfolgreiches Leben auf diesem Planeten. Zwischen 2010 und 2020 ist nach Angaben der WHO die Häufigkeit des Stunting bei Kindern unter 5 Jahren von 27.7% auf 22% zurückgegangen. Anders gesagt. Es sind nun 30 Millionen weniger Kinder, die darunter leiden müssen. Ein erster Erfolg, der anspornen sollte.

Genießen Sie mit Ihren Kindern ein warmes und abwechslungsreiches Wochenende. Herzlich grüßt Sie Ihr