Badedermatitis: Folge von Saugwürmern in warmen Seen

Enten im See Foto: pixabay, Karsten Paulick

Endlich Sommer. Endlich Sonne. Endlich baden. Das sehen auch die kleinen Larven der Saugwürmer (Zerkarien) so, die besonders bei Temperaturen von über 20° Celsius von ihren Wirten freigesetzt werden. Der bei weitem häufigste Wirt ist die Ente. Insofern kommen diese Larven hauptsächlich in warmen Seen vor, in denen sich auch Enten wohlfühlen.

Zyklus der Zerkarien (in Englisch). Foto: CDC

Alles beginnt mit Wasservögeln wie Enten, die von den Saugwürmern (medizinisch: Trematoden) befallen sind. Mit ihrem Kot scheiden die Vögel Wurmeier aus. Deren Larven befallen dann zunächst Wasserschnecken, später manchmal auch Fische. Von diesen werden schließlich die Zerkarien ausgeschieden.

Zerkarie Foto: CDC

Die Zerkarien suchen im Wasser nach Enten oder anderen Wasservögeln, in denen sie zu reifen Würmern heranwachsen können. Dabei halten sie sich an der Wasseroberfläche auf, wo sie bis zu drei Tage überleben können. Auf der Suche nach den Enten verwechseln die kleinen Zerkarien ihr Ziel gelegentlich und dringen in die Haut von Menschen ein. Dort haben sie jedoch keine Chance und sterben ab. Der Mensch ist also ein „Fehlwirt“, weil die Zerkarien den Menschen mit der Ente verwechseln.

Wie äußert sich die Badedermatitis?

Badedermatitis. Foto: CDC

Bereits zehn Minuten nach dem Eintritt der Zerkarien beginnt ein leichtes Jucken und es treten kleinste rote Fleckchen auf. Das fällt zunächst kaum auf. Bei wiederholtem Befall, wenn somit an verschiedenen Tagen Zerkarien in die Haut eindringen, tritt eine Sensibilisierung ein: Stunden nach dem Befall mit Zerkarien treten Quaddeln (wie nach Brennesselberührung) auf, die massiv jucken. Aus diesen entwickeln sich kleine Knötchen, die meist nach 1-3 Wochen folgenlos abheilen.

Was hilft vorbeugend?

Das Risiko den Zerkarien zu begegnen kann nur grob abgeschätzt werden. Sie können in stehenden Gewässern auftreten, in denen Wasservögel und Süßwasserschnecken vorkommen.

  • Zerkarien können in trüben stehenden Gewässern mit stark verringerter Sichttiefe vermutet werden.
  • Besonders betroffen sind wasserpflanzenreiche Uferbereiche.
  • Betroffen sind Gewässer, in denen sich Enten und andere Wasservögel wohl fühlen. 
  • Bereiche mit grünen oder blaugrünen Schlieren oder “Teppichen” stellen ebenso ein Risiko dar.

Was kann ich vorbeugend machen, wenn Kinder in einem solchen Wasser gebadet haben?

  • Nach dem Baden umgehend die Badebekleidung wechseln.
  • Die Haut mit dem Handtuch kräftig abrubbeln, um ggf. einige Zerkarien noch von der Haut zu entfernen (fürs bloße Auge sind sie nicht sichtbar).
  • Sofortiges Duschen und Ausspülen der Badebekleidung.
  • Wenn nach dem Baden Hautreizungen, Reizungen der Atemwege oder Magen-Darm-Beschwerden auftreten: Arzt aufsuchen

Die Badedermatitis/ Zerkariendermatitis kommt in unseren Breiten (und auch in Nordamerika) regelmäßig in dieser Jahreszeit vor – aber nur für kurze Zeit, wenn die stehenden Gewässer warm genug sind und sich darin viele Zerkarien aufhalten können. Das trifft meist nur für den Monat Juli zu.

1 Kommentare

  1. Pingback: Was geht rum? 03. Juli 2021 – praxisblättle

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.