Monat: Juli 2021

Was geht rum? 31. Juli 2021

BioNTech: Bei den Coronaimpfungen immer vorne dabei

Coronaimpfungen für Kinder? Diskussion jetzt wichtig

Salmonellenerkrankungen im Spätsommer

Vibrionen in der Ostsee

Im Rennen um den besten Corona-Impfstoff liegt BioNTech ganz vorne. Vor 20 Monaten war die Firma aus Mainz kaum jemandem bekannt. Ab seit dieser Zeit hat sie medizinisch und medial alles richtig gemacht. Nun liegt BioNTech auch im Rennen um die Zulassung des Impfstoffs für Kinder von 5-11 Jahren weit vorne. Diskussionen gab in den letzten Wochen wegen seltener Herzmuskelerkrankungen (Myokarditis, Perikarditis) nach Zweitimpfungen von Männern unter 30 Jahren. Auf Drängen der amerikanischen Zulassungsbehörde wurde laut Informationen der New York Times die Zahl der Studienteilnehmer auf 3000 erhöht. Ergebnisse werden bereits für September erwartet. Für die Studiengruppe der 2 bis 5-Jährigen sei „kurz danach“ auch mit Ergebnissen zu rechnen, für die 6 Monate – 2 Jahre alten Kinder sei es im Oktober bis November soweit. Konkurrent Moderna liegt bei den Studien etwas zurück. Von anderen Mitbewerbern gibt es keine Informationen. Israel will bald Kinder zwischen 5 und 12 Jahren zur Impfung zulassen, wenn sie ein Risiko für extreme Corona-Infektionen aufweisen (hochgradige Adipositas, schwere Herz- und Lungenerkrankungen).

Noch gibt es keine Zulassung eines Corona-Impfstoffs für Kinder unter 12 Jahren. Aber für die über 12-Jährigen sehr wohl. Deren Wunsch geimpft zu werden nimmt zu. Haben wir eine gute Antwort, um ihnen den Wunsch zu verweigern? Die weiter fehlende Empfehlung der STIKO kommt eher aus dem Elfenbeinturm, als dass sie den Gedanken und Sorgen der Kinder gerecht würde. Schulen sollen nach den Ferien ja wieder geöffnet werden, oder doch nicht? Die Folgen von Schulschließungen wären monumental, beginnend bei den psychischen Konsequenzen, wenn Kinder sich nicht uneingeschränkt treffen können bis hin zu den wirtschaftlichen Folgen, die mangelnde Bildung über 2 Jahre für die gesamte Gesellschaft nach sich ziehen würde. „Wenn wir sehen, die Impfquote ist im Herbst immer noch zu niedrig, muss man weiternachdenken, aber nicht jetzt“ meinte Armin Laschet. Dem kann man nur widersprechen. Über die Impfungen – auch bei Kindern und Jugendlichen – müssen wir jetzt sprechen. Als Gesellschaft und mit den Betroffenen. 

Wirksamkeit von einer gg. zwei Dosen der Impfstoffe von BioNTech (BNT162b2) und AstraZeneca (ChAdOx1). Foto: NEJM, Jamie Lopez Bernal et al., 2021

Erst die zweite Impfung machts. Das zeigt eindrücklich die Untersuchung von Jamie Lopez Bernal und MitarbeiterInnen im New England Journal of Medicine. Gerade für den Impfstoff von BioNTech sind die Unterschiede frappant. Dabei ist der Schutz gegen die Delta-Variante dem Schutz gegen die Alpha-Variante ebenbürtig

Darstellung des Testablaufs bei der Lolli-Methode. Foto: RKI, Epidemiologisches Bulletin 32/2021

Die Lolli-Methode zur Testung auf SARS-CoV-2 haben wir im praxisblättle vorgestellt. Dieser Test ist einfach durchzuführen, worauf schon sein Name hindeutet. Nun bekommt er vom RKI den Ritterschlag. In der neuesten Ausgabe des epidemiologischen Bulletins wird ihm eine Spezifität (Genauigkeit) von 93.0% attestiert. Somit könne er „eine Grundlage für ein breit anwendbares und systematisches Testkonzept in Kitas und Schulen darstellen“.

Der Spätsommer ist die Zeit der Salmonellenerkrankungen. Der bakterielle Durchfall mit diesem Erreger ist heftig, meist grünlich mit blutigen Auflagerungen und nicht selten mit Fieber verbunden. Am stärksten werden Kinder unter 10 Jahren von dieser Infektion betroffen, die in den kommenden Wochen ihren Höhepunkt im Jahr erreichen wird. In der letzten Woche erkrankten 34 Personen im Ländle, fürs bisherige Jahr waren es 514 (Vorjahr: 660). Die Ansteckung erfolgt oral und häufig über Geflügel (und unzureichend abgekochte Eier). Strikte Hygiene in der Küche bei der Zubereitung von Hühnern und Eiern ist entscheidend.

Die viralen Erreger von Durchfallserkrankungen (Novoviren, Rotaviren) spielen weiterhin kaum eine Rolle. Sie sind deutlich seltener als noch im letzten Jahr, obwohl auch damals die Coronawellen (mit Kontaktbeschränkungen) durchs Land gingen.

Die Gräserpollen sind auf dem Rückzug. Im Rheintal ist die Belastung gering, in der Bodenseeregion aber noch bedeutsam – solange der Regen den Flug nicht komplett verhindert.

Was geht in der Welt rum? An der nördlichen Grenze von Deutschland, genauer an der Ostseeküste können in den Sommerwochen weiterhin Vibrionen auftreten. Messungen haben diesen Erreger bereits mehrfach gesichert, wie das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) von Mecklenburg-Vorpommern mitteilte. Die gleichen Vibrionen, Vibrio vulniformis, gibt es auch an anderen Küsten der Ostsee wie in Schweden. Dort sind in diesem Juli bei Götaland und Svealand 13 Menschen an einer schweren Infektion (Sepsis) erkrankt.

Ich wünsche allen Familien im Ländle eine sonnigen Start in die Ferien, mit herzlichen Grüßen, Ihr

Vorbereitungen für Ferien mit Kindern

Nicht wenige Familien werden in diesem Sommer Ferien machen: im Schwarzwald, in der Türkei oder bei sich zuhause. Bislang ist der Sommer noch nicht im Ländle angekommen. Die Morgenstimmungen erinnern eher an den Herbst. Aber wir geben die Hoffnung nicht auf und wollen Ihnen einige Themen vorstellen, die in einem echten Sommer wichtig werden können.

Magen-Darm-Erkrankungen (Gastroenteritis)

Eine Magen-Darm-Grippe beginnt oft damit, dass ein Kind akut erbricht, manchmal mehrfach. Was ist da zu machen? In den meisten Fällen hilft es, das Kind zu beruhigen, in den Arm zu nehmen und ihm langsam ein Getränk zuzuführen. Dabei sind Elektrolytlösungen wie Oralpädon© oder Santalyt© ideal. Das Problem besteht darin, dass viele Kinder, die an sich nicht schlecht schmeckenden Getränke schlicht verweigern. Dann kann man alternativ auf eine Apfelschorle (1 Teil Apfelsaft + 3 Teile Wasser, dazu etwas Salz direkt oder indirekt als Salzstängele) zurückgreifen, die von fast allen Kindern gerne getrunken wird. Aber es gibt noch eine bessere Möglichkeit, die sich über Jahrzehnte bewährt hat: Die „Fanconi-Lösung“

Diese Fanconi-Lösung ist für Kinder schmackhaft und in ihrer Zusammensetzung besser als die Apfelschorle (jedoch nicht ganz so gut wie die o.g. Elektrolytlösungen). Mit dieser Lösung gelingt es, die Salzverluste nach dem Erbrechen wieder gut aufzufangen:

  • 3 Esslöffel (Trauben-) Zucker
  • 1/2 Teelöffel Salz
  • beides zusammen in 300 ml Orangensaft auflösen und diese Mischung dann in
  • 1 Liter verdünnten Schwarztee geben

Alle diese Getränke werden zunächst löffelweise gegeben mit langsam zunehmender Menge. Dabei sollte ein Kleinkind nach 30 Minuten etwa 100 ml getrunken haben (nicht mehr!). Ist bis dahin kein Erbrechen mehr aufgetreten, kann das Kind so viel trinken wie es mag. Im anderen Falle wieder zur löffelweisen Gabe der Flüssigkeit zurückkehren und von vorne beginnen. Immer sehr langsam, mit viel Geduld und ohne die Frage „Musst Du spucken?“. Denn dem Kind geht es meist schon schlecht genug und es ist besser, es geschickt z.B. durch Anschauen eines Bilderbuches abzulenken.

Ein Durchfall, der meist auch auftritt, ist in der Regel solange unproblematisch, solange ein Kind nach der ersten Phase des Erbrechens ordentlich in kleinen Mengen (!!) isst. Eine Diät ist selten nötig, Hauptsache, die Kinder nehmen etwas zu sich. Wann muss ein Arzt aufgesucht werden? Wenn…

  • das Erbrechen lange anhält (abhängig vom Alter des Kindes!) oder
  • Blut im Stuhl auftaucht oder
  • hohes Fieber auftritt

Verbrennungen

Verbrennungen sind in den vergangenen Jahren glücklicherweise selten geworden, kommen aber trotzdem immer wieder vor und sollen deswegen hier ins Gedächtnis gerufen werden. Die meisten Verletzungen treten beim Grillen auf, wenn Kinder aus Unachtsamkeit bzw. bei mangelnder Beobachtung durch die Erwachsenen sich verbrennen. Hier gilt es, Kinder behutsam ans Feuer heranzuführen und ihre ersten Versuche – wenn sie denn alt genug sind – sorgsam zu überwachen. Verbrennungen, wie sie beim Grillen auftreten, sind oft schwerwiegend.

Sonnenbrand

Schwere Sonnenbrände beobachten wir in den Sommermonaten immer häufiger. Abgesehen von der akuten Beeinträchtigung mit massiven Schmerzen und teilweise Blasenbildungen, sind sie langfristig ein bedeutsames Problem wegen des Risikos der Entwicklung von Hautkrebs (malignes Melanom). Deswegen hier nochmals die Hinweise, wie wir sie im praxisblättle 2009 bereits veröffentlich haben.

Das Sonnenlicht, das uns auf der Erde erreicht, besteht zu 5% aus ultravioletter Strahlung (UV), die für unsere Haut einen Reiz darstellt. UV-B-Strahlen (280 – 315 nm) führt durch die verstärkte Pigmentierung zur Bräunung, wodurch der Körper seinen Sonnenschutz um das 2- bis 3-fache steigert. Eine Verdickung der Hornschicht schließlich steigert diesen Schutz nochmals auf das 4-fache. Es gibt aber Körperregionen, die nicht bräunen können und dadurch unter UV-B leiden: die Lippen. Sie sollten mit einem Sonnenschutzstift geschützt werden. Die UV-Strahlung schwächt übrigens auch das Immunsystem, weswegen es nach Sonneneinstrahlung oft z.B. Lippenherpes durchbricht.

Die UV-A-Strahlung (315 – 380 nm) verursacht eine sofortige und eine verzögerte Pigmentierung der Haut. Dieses UV-Licht trägt besonders stark zur Hautalterung bei. Andererseits ist es UV-B, das die Entstehung von Hauttumoren zu über 60% bedingt. Diese treten mit zunehmender Häufung von Sonnenbränden vermehrt auf, abhängig auch vom Hauttyp.

Besonderheiten beim Kind

Die Haut des Kindes ist wie die meisten kindlichen Organe in einem Reifungsprozess. Körpereigene Abwehrmechanismen wie Pigmentierung und Lichtschwiele sind noch nicht richtig ausgebildet. Auch der schützende Lipidfilm durch die Talgdrüsenfunktion fällt weitgehend weg. Ebenso schwitzen Kinder deutlich weniger und bilden damit auch kaum Urokaninsäure, die wiederum UV-absorbierend ist. In Summe ist die kindliche Haut deutlich lichtempfindlicher als die der Erwachsenen. Darüber hinaus verbringen Kinder deutlich mehr Zeit in der Sonne als Erwachsene, was das Risiko weiter erhöht. Bis zum 18. Geburtstag erleben Menschen 50 – 80% ihrer Sonnenbestrahlung des gesamten Lebens. In dieser Zeit wird also auch die Basis für die Tumoren im Erwachsenenalter gelegt.

Welcher Sonnenschutz ist sinnvoll?

Meiden der Sonne: Die Zeit zwischen 11:00 und 16:00 ist am sonnenintensivsten. Zumindest in der Kernzeit 12:00 bis 14:30 Uhr sollten Kinder im Haus bleiben. Sollte draußen die Sonne nicht scheinen, denken Sie bitte daran, dass die lichtschützende Wirkung von Wolken überschätzt wird: Eine dünne Wolke mindert die UV-Strahlung gerade mal um 20 bis 40%. Der Effekt, drinnen zu bleiben, ist also der sicherste Weg.

2 Unter einem Sonnenschirm ist die UV-Strahlung meist 50% geringer, besonders bei heller Umgebung mit Abstrahlung (Strand, helle Hauswand). Auch im Wasser gibt es noch erhebliche UV-Strahlung. Dort, wo beim Schwimmen die Füße sind, also in etwa 50 cm Tiefe, sind noch 60% des UV-B und 75% des UV-A wirksam.

3 Der textile Sonnenschutz durch Kleider ist sicher, wirksam und billig. Gelegentlich ist er schwer durchzusetzen. Aber an seine Schutzwirkung kommen die Sonnenschutzmittel nicht heran

Sonnenschutzmittel. Nur Regionen, die nicht von Kleidern beschützt sind sollten durch Sonnenschutzmittel behandelt werden. Sonnenschutzmittel sind also Ergänzungen und nicht wie oft angenommen im Zentrum des Sonnenschutzes. Es wird grundsätzlich ein Lichtschutzfaktor von mindestens LSF 30 empfohlen. Der Sonnenschutz sollte etwa 15 min vor Sonneneinstrahlung dick aufgetragen werden. Von einem Schutz kann man dann für 2 Stunden ausgehen. Zwei Arten von Sonnenschutz gibt es:

a) chemischer Sonnenschutz
b) physikalischer Sonnenschutz.

Der physikalische Sonnenschutz besteht aus anorganischen Nanopartikeln (Zinkoxid, Titandioxid), die die UV-Strahlen streuen, absorbieren und auch reflektieren. Sie dringen – im Gegensatz zum chemischen Schutz – nicht in die lebenden Hautschichten ein und sind somit für Kinder besonders zu empfehlen. Aktuell als gut eingestufte Sonnenschutzmittel finden Sie hier.

COVID-19 bei Kindern: Ergebnisse einer Studie aus Baden-Würtemberg

Informationen über Coronainfektionen bei Kindern gibt es Deutschland nur wenige. Eine sehr wichtige Studie aus Baden-Württemberg schließt nun diese Lücke.

In diese prospektiven (vorausschauenden) Studie wurden Personen aus 328 Haushalten in Baden-Württemberg von Mai bis August 2020 während der ersten Coronawelle aufgenommen. Ab Beginn der Studie wurden 548 Kinder zwischen 6 und 14 Jahren sowie 717 Erwachsene aus diesen Haushalten in Bezug auf auftretende Coronainfektionen verfolgt. Die Studie wurde von den Universitäten Ulm, Tübingen und Freiburg  unter Leitung von Dr. Roland Elling von der Universitätskinderklinik in Freiburg durchgeführt.

Was waren die wichtigsten Ergebnisse der Studie?

1. Innerhalb der Familien steckten sich Kinder seltener (34 Prozent) mit Coronavirus an als die Erwachsenen (58 Prozent). Darüber hinaus war der Verlauf der Coronainfektion deutlich milder als bei den Erwachsenen, was seit langem bekannt ist. Besonders auffallend aber: Bei Kindern verlief die Erkrankung fünfmal häufiger ohne Krankheitszeichen als bei den Erwachsenen (45% gegenüber 9 %).

2. Trotz schwächerer oder fehlender Krankheitszeichen war die Immunantwort von Kindern im Durchschnitt stärker und hielt länger an als bei Er­wachsenen. In Bezug auf Antikörper im Serum zeigten nach 11 bis 12 Monaten noch 96% der Kinder noch relevante Werte, während Erwachsene zu gleichen Zeit spezifische Antikörper nur in 83% aufwiesen.

Trotz spürbar weniger Symptomen – übrigens vorwiegend Geschmacksverlust – zeigten Kinder eine robuste Immunantwort.

Was geht rum? 24. Juli 2021

Delta-Variante I : Weniger Wirksamkeit bei AstraZeneca und Johnson&Johnson

Delta-Variante II : Mehr Infektionen bei Jugendlichen

Viel Gemüse = weniger Asthma

Rückschlag für die chinesische Impfdiplomatie: COVID-19 in Asien trotz Sinovac© 

Impfungen sind ein effektiver Schutz vor Coronavirus-Infektionen. Vorausgesetzt, man ist mit dem „richtigen“ Impfstoff versorgt worden. Das gilt zumindest, wenn es sich um die Beta-Variante (die zuerst in Südafrika auftrat) und die Delta-Variante (die erstmals in Indien auftrat) handelt. Die Vektor-Impfstoffe von AstraZeneca und Johnson&Johnson zeigen bei diesen beiden Corona-Varianten klare Schwächen. Für Kinder und Jugendliche kein Problem: Für sie ist nur die Impfung mit einem mRNA-Impfstoff zugelassen. Neben dem Impfstoff von BioNTech/Pfizer (Comirnaty®) ist seit gestern in der EU auch der Impfstoff von Moderna (Spikevax®) für Kinder ab 12 Jahren zugelassen. Eine Stellungnahme der STIKO liegt bislang nicht vor.

Corona-7-Tage-Inzidenzen nach Alter (x-Achse) und Kalenderwoche (y-Achse). Foto: RKI per twitter

Seit gestern sind über 40 Millionen Deutsche vollständig geimpft. Und trotzdem bleibt der Jubel aus. Zum einen ist diese Zahl nicht ausreichend, um die Delta-Variante des Coronavirus effektiv in Schach zu halten. Zum anderen nehmen die Infektionen mit SARS-CoV-2 wieder sprunghaft zu. Besonders betroffen sind die Niederlande und die Mittelmeerländer. Dort gibt es in Valencia (Spanien) sogar eine nächtliche Ausgangssperre. In Deutschland sind wir noch vergleichsweise günstig dran. In der Graphik (untere Ecke rechts) ist aber zu erkennen, dass die Häufigkeit an Neuinfektionen in der Altersgruppe von 15 – 29 Jahre spürbar zunimmt.

Dass Essen einen Zusammenhang mit unserer Gesundheit hat ist wohl bekannt. Dabei sind besonders Obst und Gemüse in vieler Hinsicht günstig. Dies hat eine Studie aus Porto (Portugal) nochmals für Kinder bestätigt. Darin wurden 649 Kinder (7-12 Jahre) aus 20 Schulen hinsichtlich ihrer Essgewohnheiten betreffend Gemüse und Obst befragt. Es zeigte sich, dass Kinder, die häufiger Gemüse aßen, um ein Drittel weniger von Asthma bronchiale betroffen waren.

Der Gräserpollenflug geht weiter, der Höhepunkt der Saison ist aber überschritten. In den Lüften befinden sich auch die Pollen von Spitzwegerich und Brennesselpollen. Die schlimmsten Tage von Allergikern dürften dennoch vorüber sein.

Weiterhin treten „Erkältungsinfekte“ auf. Indem der Mund-Nasen-Schutz weniger oft getragen wird, haben die üblichen Erkältungsviren mehr Chancen Kinder und deren Eltern anzustecken. Das ist eigentlich ganz gut, weil damit auch das Immunsystem wieder aktiviert wird. Nebenbei kann aber auch Schnupfen, Husten und Fieber auftreten. Seit März 2020, also seit Beginn der Coronapandemie, kam es zur ersten Masernerkrankung in Baden-Württemberg. Langsam steigen auch die Zahl der Windpockeninfektionen wieder an – alles Zeichen einer langsamen Normalisierung des Alltags. In Anbetracht des angenehmen Wetters sind solche Infektionen (nicht die Masern!) besser erträglich.

Was geht in der Welt rum? COVID-19 ist weiter auf dem Vormarsch, nicht nur bei uns. Asien war lange ein Hort der niedrigen Inzidenzen. Nun steigen aber dort die Infektionszahlen rasant an: In Indonesien wurden kürzlich an einem Tag 60.000 Neuerkrankungen (und 1000 Todesfälle) registriert. Vietnam, bisher sehr erfolgreich im Kampf gegen das Coronavirus wies gestern Coronainfektionen bei 7300 Menschen auf. Damit traten an einem einzigen Tag 5 Mal so viele  Infektionen auf wie im gesamten letzten Jahr. Auch in Thailand kam es kürzlich an einem Tag zu 11.000 Neuerkrankungen, nachdem im gesamten letzten Jahr nur 7000 Fälle bestätigt wurden. Thailands Regierung hat in diesem Zusammenhang die Impfstrategie geändert, nachdem Zweifel am chinesischen Impfstoff Sinovac© aufkamen. Zweitimpfungen sollen ab sofort mit dem Impfstoff von AstraZeneca erfolgen. Ein herber Rückschlag für die Impfdiplomatie der Chinesen. Mit bislang 940 Millionen Dosen von Sinovac© sind sie bislang Impf-Weltmeister und haben sich nebenbei Sympathien in armen Ländern erworben. Diese sind schnell verspielt, wenn sich der Impfstoff als wenig wirksam erweist.

In der nächsten Woche beginnen die Ferien, immer mehr Länder um Deutschland herum werden zu Corona-Risikoländern. Ich hoffe, Sie finden nette Plätze, wo Sie mit Ihrer Familie einen schönen Sommerurlaub verbringen können.

Sonnenschutzmittel

Kurz vor dem Sommerurlaub hat sich die Stiftung Warentest wie jedes Jahr der Bewertung von Sonnenschutzmitteln gewidmet. In diesem Jahr wurden die Cremes und Lotiones spezielle für Kinder – übrigens alle mit einem Lichtschutzfaktor von 50+ – nicht erneut getestet. Es liegt jedoch eine Zusammenstellung der getesteten Kindercremes des letzten Jahres vor. In der folgenden Tabelle listen wir die besten auf:

Name LF Note Preis/ ml Anmerkung
Lidl Cien Sun Kids Sonnencreme 50+ 1,4 2,25 / 100 Kinder-Test von Juli 2020
Müller Lavozon Kids Med Sonnenmilch 50+ 1,4 5,75 / 200 Kinder-Test von Juli 2020
Rossmann Sunozon Kids Sonnenspray 50+ 1,5 6,00 / 250 Kinder-Test von Juli 2020
dm Sundance Sensitiv Sonnenbalsam 30 1,4 3,45 /200 NEU
Sun D’Or Sonnenmilch 50 1,4 4,30 / 200 NEU
Müller Lavozon Sonnenmilch 30 1,5 2,45 / 200 NEU
Rossmann Sunozon Sonnenspray 30 1,5 3,50 / 200 NEU

Wichtig wie immer: Die Cremes und Sprays sollten regelmäßig und großzügig angewendet  werden. Im Wasser werden sie teilweise abgewaschen, so dass nach jedem Baden / Abtrocknen der Sonnenschutz neu aufgetragen werden sollte.

Auch im Wasser ist der Sonnenschutz enorm wichtig. Die UV-Strahlung dringt zu über 80% in Tiefen von einem Meter Wassertiefe ein. Gerade Kinder und Jugendliche sollten also mit ausreichend Sonnenschutz ins Wasser steigen.

Wie immer lohnt es sich, den gesamten Test der Stiftung mit den vielen praktischen Details im Einzelnen zu lesen.

Was geht rum? 17. Juli 2021

Erkältungsviren auf dem Vormarsch – der Beginn von den Herbst-Infektionen?

Corona-Impfpflicht in Europa

Impfpflicht in Baden-Württemberg?

Chile: Zweifel an chinesischen Impfstoffen

Im Schatten der Corona-Meldungen haben – für viele noch unbemerkt – die Erkältungsviren ihren Siegeszug angetreten. Wir haben nicht nur herbstliches Wetter im Hochsommer, auch die Infekte entsprechen dieser Großwetterlage: Klein- und Schulkinder sind seit Wochen vermehrt von Husten, Schnupfen und Fieber betroffen. Und nebenbei werden auch junge Eltern angesteckt, die über ein Jahr, durch Maske und Abstand geschützt, keinen Infekt erlebt haben. Das wird über die nächsten Wochen so weitergehen. Die große Frage wird sein: Was machen die Coronaviren im Herbst? Und kommen die Influenza-Viren wieder machtvoll zurück? Dieser Herbst wird also bunter, nicht nur in den Wäldern.

 

Corona-Impftermine im Juni/ Juli in Frankreich. Foto: Economist

Die Corona-Impfungen waren vor drei Monaten noch ein absolutes Luxus-Produkt. Inzwischen wurden sie zur Discounter-Ware. In Frankreich hat sich das von einem auf den anderen Tag geändert. Nachdem Präsident Macron eine weitgehende Impfpflicht verkündete, stieg die Zahl der Impftermine massiv an (siehe Graphik). Auch die Zahl unserer Nachbarn die sich impfen lassen wollen stieg an: Im Dezember 2020 waren es 39%, heute sind es 69% – damit aber noch deutlich weniger als in unserem Lande.

In Baden-Württemberg sind inzwischen 45,4% der Menschen vollständig geimpft. Die Impfquote ist bei Jüngeren aber deutlich niedriger. Bisher gibt es von der STIKO ja nur eine Empfehlung zur Impfung bei Menschen über 18 Jahren (Ausnahme Vorerkrankungen bei Über-12-Jährigen). Damit sind für die nächste Zeit alle Kleinkinder und Schulkinder bis 12 Jahre dem C-Virus voll ausgesetzt, auch wenn nur wenige von ihnen eine schwere Infektion erleiden werden. In einer freien Gesellschaft müssen wir die Menschen aushalten, die sich nicht impfen lassen wollen. Aber diese  Menschen müssen dann auch aushalten, wenn sie sich besonderen Schutzmaßnahmen unterwerfen müssen. Das betrifft besonders impfunwillige Lehrer und auch Gesundheitspersonal, die ein hohes Maß an Verantwortung tragen.

Dürremonitor Gesamtoden 1,8 Meter (09/2020). Foto: ufz.de

Dürremonitor Gesamtboden 1,8 Meter (07/2021) Foto: ufz.de

Pollen werden sich an diesem Wochenende selbst in Freiburg nur zögerlich in die Lüfte schwingen. Allergiker müssen erst ab Montag mit der Fortsetzung des typischen Gräserpollenflugs rechnen. Grund ist der Starkregen, der seit Wochen die Böden im Südwesten erfolgreich mit Wasser aufgefüllt hat, wie der Vergleich von September 2020 (linke Graphik) und der aktuellen Graphik vom 13. Juli 2021 (rechts) zeigt. Wir können uns also freuen. Wir müssen aber auch betrübt sein. Denn der Grund für diese Wasservorräte ist das Tief „Bernd“, das infolge des verminderten Jetstreams lange über uns verharrte: Der Klimawandel und ein bisschen auch der Zufall haben uns statt Schwimmbadtemperaturen Schwimmbäder in Orten, auf Äckern und Wiesen beschert.

Was geht in der Welt rum? In vielen Ländern der Erde gibt es ambitionierte Impfprojekte, um die Bevölkerung vor Coronainfektionen zu schützen. Ein leuchtendes Beispiel ist Chile. Doch dort kam es zuletzt zu einem erneuten rasanten Anstieg der Coronainfektionen, was Zweifel an der Wirksamkeit des verwendeten Impfstoffs CoronaVac des Herstellers Sinovac aus China aufkommen lässt. Gegenüber den Varianten ist die Wirksamkeit besonders schlecht. Sinovac rät nunmehr zu einem «Booster-Shot», also einer dritten Impfung. Chile plant diesen aber mit einem mRNA-Impfstoff (BioNTech/ Moderna) durchzuführen.

Der Regen verschwindet langsam. Vielleicht halten wir es wie die Bundeskanzlerin, die in Bezug auf ihr Leben nach der Politik sagte: „Und dann werde ich vielleicht versuchen, was zu lesen, dann werden mir die Augen zufallen, weil ich müde bin, dann werde ich ein bisschen schlafen, und dann schauen wir mal.“

Ich wünsche Ihnen und Ihren Kindern ein geruhsames Wochenende. Herzlich grüßt Sie Ihr

 

Schnuller und Nahrungsmittelallergie

Vielen Babys wird ein Schnuller angeboten. Meist als Beruhigung (pacifier – „Beruhiger“ ist das englische Wort für Schnuller) oder auch, um sie kurz abzulenken, bevor sie zum Stillen an die Brust angelegt werden.

In einer australischen Studie gingen Victoria X. Soriano und Mitarbeiterinnen nun der Frage nach, ob der Gebrauch von Schnullern einen Zusammenhang mit Nahrungsmittelallergien haben könnte.

Dazu befragten die Forscherinnen 894 Mütter/ Familien ab der 28. Schwangerschaftswoche als die Babys im Alter von 1, 6 und 12 Monaten waren. Bei den einjährigen Kindern wurde geprüft, ob eine Nahrungsmittelallergie vorliegt.

Es zeigte sich, dass die Benutzung von Schnullern im Alter von 6 Monaten das Risiko für eine Allergie gegen Nahrungsmittel um den Faktor 1,94 erhöhte. Bei genauer Betrachtung beruhte dieser Effekt auf einem besonders hohen Risiko für NM-Allergien, wenn Schnuller zuvor auch mit einem Antiseptikum gereinigt wurden. Schnullern + Antiseptikum führten zu einem fast 5-fachen Risiko an einer Nahrungsmittelallergie zu erkranken. 

Wieso es zu diesem hohen Risiko kommt, ist bislang nicht geklärt.

Was geht rum? 10. Juli 2021

Corona I: Deltavariante hochgefährlich? Oder doch nicht?

Corona II: Gibt es doch Gründe, Kinder gegen COVID-19 zu impfen?

Corona III: Stellenwert der zellulären Immun-Antwort 

Gefahr für Immungeschwächte: Vibrionen in der Ostsee

Impfquote und erwartete Inzidenz in den kommenden 9 Monaten. Foto: RKI, Epidemiologisches Bulletin

Ist die Delta-Variante nun hochgefährlich, weil sie ansteckender als die anderen Virus-Varianten ist? Oder doch harmlos, weil die gängigen Corona-Impfungen gut gegen die Infektion oder zumindest gegen schwere Verläufe schützen? Die Aufarbeitung der Daten ist statistisch anspruchsvoll, solange kann es kein begründete Antwort geben. Dabei geht es um die Frage, wie lange eine Impfung die Weitergabe von Corona-Viren bei Infizierten bremsen kann. Auch wenn Sie es schon oft gehört haben: Am wichtigsten bleibt ein kompletter Impfschutz von möglichst vielen Menschen. Dieser liegt im Ländle bei 40,1% (Stand: 08.07.2021). Damit werden – neben dem Geimpften selbst – auch geschwächte Menschen und die riesige Gruppe der Kinder geschützt, für die es bislang keine Impfung gibt. Wie hier mehrfach  angemahnt: Urlaub ist schön, ohne Maske herumlaufen auch. Aber: Vergesst die Kinder (und Schüler) nicht ! 

Häufigkeit der PIMS in Deutschland, Stand 04.07.2021. Foto: DGPI

Für Kinder stellt eine Infektion mit dem SARS-CoV-2 ein geringes Risiko dar, auch an COVID-19 (mit Symptomen) zu erkranken. Andererseits kommt es gerade in der Gruppe der Schulkinder zum PIMS (Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome, in den USA:MIS-C), einer schweren Folgekrankheit, die auch nach sehr leichten Coronaerkrankungen auftreten kann. Bisher wurden der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) 378 Fälle (Stand 04.07.2021) gemeldet. Neben dem Auftreten des Post-COVID, ist auch das PIMS bei Kindern ein Argument, umfangreichere Impfungen für Kinder und Jugendliche in Erwägung zu ziehen.

In 19 Tagen beginnen in Baden-Württemberg die Sommerferien. Somit wäre jetzt ein günstiger Zeitpunkt, an dem sich Eltern, Schulbehörden und Lehrer zusammensetzen und eine Corona-Strategie für das kommende Schuljahr ausarbeiten könnten. Dafür gäbe es eine gute Grundlage von medizinischer Seite: S3-Leitlinie Maßnahmen zur Prävention und Kontrolle der SARS-CoV-2-Übertragung in Schulen, erarbeitet von verschiedenen Verbänden, darunter auch die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ). Hier geht es um Fragen des Mund-Nasen-Schutzes, aber eben auch um Raum-Lüftungskonzepte. Lassen wir uns nicht einlullen: Eine neue Corona-Welle, hoffentlich leichteren Ausmaßes, wird kommen. Und wir sollten jetzt alles tun, um dann wenigsten den Schulbetrieb aufrecht erhalten zu können.

Kinder erkranken weniger schwer und selten mit dem SARS-CoV-2. Das ist lange bekannt und so manche Studie mit Antikörpern gegen das Coronavirus zeigten bereits, dass die saisonalen Coronaviren an der Abwehr von SARS-CoV-2 beteiligt sind. Die saisonalen Coronaviren sind schon seit Jahrzehnten für etwa jede vierte „Erkältung“ von Kindern verantwortlich. Jetzt konnten Forscher der Stanford University in einer Studie von Vamsee Mallajosyula und MitarbeiterInnen zeigen, dass auch die zelluläre Immunantwort für saisonale Coronaviren einen Beitrag dazu leistet, die SARS-CoV-2 zu bekämpfen. Es scheint, dass diese Immunreaktion von Abwehrzellen bei Kindern noch so stark ist, dass sie auch schwere COVID-19-Infektionen häufig verhindern kann.  

Regen in der Stadt. Foto: ptw

Weiterhin steht Regen auf dem Wetterprogramm. Doch zunächst auch mal etwas Hitze, damit die Allergiker ihre Allergie nicht vergessen. In Familien mit KiTa-Kleinkindern nehmen die einfachen Erkältungen zu: Winterinfekt im Sommer, Corona sei Dank. Da klagen selbst junge Mütter und Väter über Halsweh und Schnupfen. Im Homeoffice schläft das Immunsystem ein, nix ist los, keine Viren von den Büro-Kolleginnen oder -Kollegen von nebenan. Und mit FFP-2 Mundschutz kann man sich selbst am Wühltisch von ALDI nix mehr einfangen.

Was geht in der Welt rum? Okay, die Ostsee grenzt an Deutschland, ist aber auch mit anderen Ländern dieser Welt verbunden. Während im Südwesten bei warmen Wassertemperaturen die Zerkarien eine Badedermatitis verursachen, sind es sog. Vibrionen, die bei Temperaturen von über 20 Grad in der Ostsee bei Immungeschwächten schwere Infektionen auslösen können. Weitere Informationen finden Sie hier.

Die Wärme an diesem Wochenende wird uns allen sicher wohltun – pardon an alle Allergiker, die den Regen so genossen haben. Herzlich, Ihr

Allergischer Schock bei Kindern

Auch im Kindesalter kommt es zu schwersten allergischen Schockzuständen. Wir Mediziner nennen das eine Anaphylaxie. Dieser Begriff beschreibt eine Überreaktion des erworbenen Immunsystems. Dabei erkennt das Immunsystem eine Substanz, wie beispielsweise Kuhmilch beim Säugling, als fremd und will sie deswegen abwehren.  Die Abwehr dieses fremden Stoffes gerät jedoch so aus den Fugen, dass der eigene Organismus lebensbedrohlich gefährdet wird.

Die Anaphylaxie tritt in rasender Geschwindigkeit auf. Meist dauert es nur wenige Minuten nach dem Kontakt zum Auslöser, bis in kurzer Abfolge die Symptome auftreten: Urtikaria (Nesselsucht), Verengungen der Atemwege (sog. Larynx-Ödem, Asthmaanfall), nach kurzzeitigem Blutdruckanstieg kommt es rasch zu einem Abfall des Blutdrucks mit nachfolgendem Kreislaufschock.

Sesamsamen Foto: pixabay, TheUjulala

In der Bevölkerung treten 26% aller Fälle von Anaphylaxie bei Kindern und Jugendlichen bis zum 18. Geburtstag auf. Auf 1000 Patientenjahre wurden im Jahr 2016 fünf Anaphylaxien festgestellt. Das hat kürzlich nochmals eine Studie der Harvard Universität in Boston betreffend Kinder unter 3 Jahren aus des USA bekräftigt. Auffallend war dabei ein Anstieg der Häufigkeit bei den Nahrungsmittelallergien (hier besonders auf Nüsse und Samen). Als Auslöser für eine Anaphylaxie kommen im Kindes- und Jugendalter besonders in Frage:

  • Nahrungsmittel: Milch, Ei (Eiweiß > Eigelb), Erdnüsse, Nüsse, Samen (z.B. Sesam), Fisch u.a.
  • Insektengifte: Wespengift und Bienengift, seltener auch Gift der Hornisse
  • Medikamente: Häufigkeit liegt bei 1-2% aller Anaphylaxien. Auch für die mRNA-Impfstoffe ist eine extrem seltene Anaphylaxie bekannt (vermutlich auf Polyethylengykol PEG)

Die Rate der Anaphylaxien ist zwar angestiegen, die Mortalität (Tödlichkeit) glücklicherweise nicht. Weltweit liegt die Tödlichkeit bei 0.5 bis 1 Todesfall pro 1 Million Einwohner und Jahr.

Es ist leuchtet ein, dass eine Therapie des anaphylaktischen Schocks ebenso schnell eingeleitet werden muss um eine Chance zu haben. Der erste Schritt ist, den Auslöser für den Schock zu stoppen: Kein weiterer Verzehr des Nahrungsmittels (z.B. Milch, Erdnuss) oder Beendigung einer Infusion (z.B. bei einer Penizillinallergie). Meist werden die ersten Symptome wie Hitzegefühl, Kribbeln in den Händen oder Juckreiz bald abgelöst von schweren Symptomen wie Atemnot, Schluckbeschwerden und einer zunehmenden Angst.

Adrenalin – Epinephrin. Foto: pixabay, WikiMediaImages

Ab diesem Moment besteht die Gefahr einer gefährlichen Kreislaufspirale: Zunächst schafft es der Körper durch eine kurze Gegenreaktion den Blutdruck ansteigen zu lassen. Dieser hoffnungsvollen Maßnahme folgt jedoch bald ein Abfall des Blutdrucks, der letztlich über den Verlauf des allergischen Schocks entscheidet. Spätestens in dieser Phase muss Adrenalin als Spritze – Adrenalin-Autoinjektoren wie Emerade©, EpiPen©, Fastjekt© –  in den Oberschenkel gegeben werden, um die Abwärtsspirale zu stoppen. Denn jeder weitere Abfall des Blutdrucks führt zu neuerlichem Blutdruckabfall, an dessen Ende ein Kreislaufversagen steht. Damit ist klar, dass Menschen, die um ihr Risiko für einen allergischen Schock wissen (Bienengiftallergiker z.B.) immer einen Adrenalin-Autoinjektor mit sich führen müssen. Nur damit lässt sich die Zeit zwischen dem Beginn des Schocks und dem Eintreffen eines Notarztes überbrücken. Egal, ob man sich in der Innenstadt von Karlsruhe oder auf dem Feldberg im Schwarzwald befindet.

Inzwischen gibt es für Eltern und Kinder gute Möglichkeiten, sich über die Anaphylaxie zu informieren und insbesondere auch über deren Erkennung und Therapie. Empfehlenswert sind die Informationen zu Frühwarnzeichen und Umgang mit dem Notfallset der GPA (Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie) sowie deren Elternratgeber.

Um gut vorbereitet zu sein, sind einige Informationen wichtig, damit die Umgebung im Falle einer anaphylaktischen Reaktion schnell informiert ist: Der Anaphylaxie-Pass und der Anaphylaxie-Notfallplan. Bei können beispielsweise über den Deutschen Allergie- und Asthmabund (daab.de) hier bestellt werden.

Was geht rum? 03. Juli 2021

3 Milliarden Menschen geimpft – Impftempo nimmt Fahrt auf

Wird eine dritte Corona-Impfung kommen? 

Badedermatitis: Larven dringen in die Haut

USA: Winterinfekte schon im Sommer – bald auch bei uns?

Am Dienstag dieser Woche war es soweit: 3.000.000.000 (3 Milliarden) Corona-Impfungen sind weltweit verabreicht worden. Die erste Milliarde war innerhalb 20 Wochen verimpft worden, die letzte in nur 4 Wochen. Eine großartige Leistung. Richtig stolz können wir aber erst sein, wenn auch Menschen außerhalb der Industriestaaten – wie in Afrika – erreicht wurden.

Das Impftempo in Deutschland ist seit Wochen enorm hoch. Deutschland hat inzwischen sogar die USA übertroffen: In Deutschland sind zur Mitte des Jahres 54,08 Prozent der Bevölkerung erstgeimpft, in den USA sind es 53,80 Prozent. Bei den Zweitimpfungen haben wir noch Nachholbedarf.

Anteil der Virusvarianten in den auf SARS-CoV-2 untersuchten Proben des RKI nach Kalenderwoche. Foto: RKI

Am Wettlauf beteiligt sich auch die hochansteckende Delta-Variante des Coronavirus (B.1.617.2). Seit dieser Woche gehen 37% aller Infektionen (Stand 30.06.) deutschlandweit auf diese Variante zurück. In Baden-Württemberg liegt die Zahl mit 32% etwas niedriger. Trotzdem: Die Zahl der Neuinfektionen mit dem SARS-CoV-2 sinkt – noch!

Brauchen wir vielleicht eine dritte Impfung? Eine solche Booster-Impfung sollte für den wieder erlahmenden Impfschutz bei älteren oder immungeschwächten Menschen ein Antrieb (engl: booster) sein. Zu dieser Frage startet in England gerade die CoV-BOOST-Studie. In ihr wird verglichen, wie gut die Auffrischung einer bisher zweimaligen Impfung mit AstraZeneca oder BioNTech durch eine weitere Impfung gelingt. Zum Einsatz kommen dabei 7 verschiedene Impfstoffe, unter ihnen natürlich AstraZeneca (ChadOx1 nCoV-1), BioNTech (BNT162b2), aber auch Novavax (NVX-CoV2373) und CureVac (CVnCoV). Letzterer ist bekanntlich der Impfstoff aus Tübingen, dessen Wirkprofil im Moment heiß diskutiert wird.

Zu den Coronaimpfungen kommen in enger Taktung immer neue Aspekte ans Tageslicht. Ist ja auch verständlich: Immerhin gibt es die Impfung erst seit 7 Monaten. Viele Menschen sind verwirrt, besonders wenn es um die ständigen Wechsel bei der Strategie mit dem AstraZeneca- Impfstoff geht. Man wir an ein Zitat von Kurt Tucholsky erinnert: „Ich glaube jedem, der die Wahrheit sucht. Ich glaube keinem, der sie gefunden hat. “

Wasservögel. Foto: pixabay, S. Hermann & F. Richter

Im Juli wärmen sich die Seen in Baden-Württemberg spürbar auf, das Baden wird sehr angenehm. Die Wassertemperaturen gefallen aber auch den Zerkarien, kleinen Larven von Saugwürmern, die auf der Suche nach Enten sind, die sie befallen können. Auf diesem Weg verirren sie sich manchmal in die Haut von Menschen, die dann über viele Tage vom Juckreiz geplagt sind: Badedermatitis oder Zerkariendermatitis. Im praxisblättle der letzten Woche können Sie weitere Informationen hierzu finden.

Aus den USA kommen vermehrt Berichte, dass Kinder schon jetzt – vor der eigentlichen Infektzeit – die typischen Infekte der kalten Jahreszeit bekommen: Fieber, Halsschmerzen, Ohrentzündungen verursacht durch die Erkältungsviren (Rhinoviren, Parainfluenzaviren u.a.). Die Washington Post (in Englisch) hat gerade einen Artikel veröffentlicht, dass im Süden der USA die „Erkältungen“ schon jetzt begonnen haben. In Baden-Württemberg sind wir nicht soweit. Die Wintersaison wird aber in diesem Jahr zwischen den Erkältungsviren, Grippeviren und Coronaviren anders aussehen als vor der Pandemie.

Nach langer Pause sind im Kreis Konstanz zwei Fälle von Mumps aufgetreten. Wegen der Pandemie sind in Baden-Württemberg in diesem Jahr bisher nur 7 Fälle bekannt geworden. Im letzten Jahr waren es zur gleichen Zeit 62. Andere ansteckende Krankheiten des Kindes- und Jugendlichenalters sind nicht auffällig.

Bei den Pollen bleibt alles beim Gleichen: Am Wochenende werden die Gräserpollen wieder zu einem Höhenflug antreten nach einer weitgehend verregneten Woche. Begleitet werden sie von den Pollen des Spitzwegerich.

Grillspieße Foto: pixabay, Paweł Szpiler

Mit den warmen Temperaturen gibt es am Wochenende wieder vermehrt Grillfeste. Für Kinder sind das wunderbare Gelegenheiten, sich draußen auszutoben. Kontakt zu Gräsern wird sicher dabei sein. Deswegen sollte am Abend der Körper auf Zecken untersucht werden. Keine Panik: Gerade die Übertragung der Borrelien dauert Stunden. Wenn Zecken erst am Abend entdeckt werden, kann also eine Infektion höchstwahrscheinlich verhindert werden. Weitere Informationen hier.

Was geht in der Welt rum? In Nicaragua sind im Laufe dieses Jahres bereits 20.365 Menschen am Dengue-Fieber erkrankt, im letzten Jahr waren es insgesamt über 53.000 Betroffene. Mückenschutz ist die wichtigste Maßnahme, eine Ansteckung zu verhindern.

Ich wünsche Ihnen ein entspanntes und genussvolles Wochenende, Ihr