Monat: August 2021

Schnarchen

Schnarchen kommt nicht nur bei Erwachsenen vor, sondern auch bei Kindern. Nach Studienlage leiden 5% bis 10% der amerikanischen Kinder unter einer obstruktiven Schlafapnoe, also krankhaft verlängerten Atempausen (Apnoe) im Schlaf, verursacht durch eine Einengung (Obstruktion) der oberen Atemwege. Ursache hierfür können stark vergrößerte Mandeln (Tonsillenhyperplasie) oder auch Übergewicht/ Adipositas sein. In jedem Fall hat eine unerkannte Schlafapnoe gravierende Folgen auf die körperliche und seelische Gesundheit.

Recht typisch für die Schlafapnoen ist eine Tagesmüdigkeit. Weil die Kinder nachts einen immer wieder Episoden mit Sauerstoffmangel durch die Atemaussetzer erleben, ist ihr Schlaf nicht erholsam. Somit setzt tagsüber immer wieder ein Schlafdruck ein, wenn sie weniger gefordert sind wie manchmal in der Schule, wenn Lehrer – frontal – ihnen neue Dinge erklärt. Neben der Tagesmüdigkeit fallen aber auch Verhaltensstörungen auf, mit denen sich die Forschung seit längerem beschäftigt.

In der Avon Longitudinal Study of Parents and Children (ALSPAC) wurden bereits vor 10 Jahren Kinder im Alter von 4-7 Jahren untersucht. Dabei zeigte sich, dass das Schnarchen dem auffälligen Verhalten vorausging. Symptome wie Schnarchen, sollten bereits für Kinder im ersten Lebensjahr ernst genommen werden. In der deutlichen größeren ABCD-Studie (Adolescent Brain Cognitive Development) mit über 10.000 Teilnehmern wird auch dieser Frage nachgegangen.

Kürzlich erfolgte eine Publikation im Zusammenhang mit der ABCD-Studie. Dort konnte die Forschergruppe um Amal Isaiah über die Messungen mit MRT-Untersuchungen belegen, dass die Verhaltensstörungen häufig von strukturellen Veränderungen an der Großhirnrinde begleitet sind.

Fazit: Schnarchen mag für manche Schläfer im gleichen Zimmer unangenehm sein. Für Kinder hat es unter Umständen aber deutlich größere Folgen, wenn das Schnarchen als Teil einer obstruktiven Schlafapnoe anzusehen ist. Es lohnt sich, diese Frage auch schon bei den Kleinsten mit dem Kinder- und Jugendarzt zu klären.

Was geht rum? 28. August 2021

Winterinfekte: Corona, Erkältungsviren, Influenza, RSV – eine heiße Mischung

Das spezielle Risiko der unter 2-Jährigen: RS-Viren

Keuchhusten: Zeitgerechtes Impfen schützt besser

Masern: Corona führt zu Ausbrüchen in Afrika

Der Sommer geht langsam in den Herbst über. Neben den Coronainfektionen gibt eine Reihe weiterer Erreger, die sich zurückmelden. Da sind einmal die Erkältungsviren, die über die Kindergärten – und die Eltern der Kinder – verbreitet werden. Mit dem Fallen der Masken und der Abstände werden vermutlich auch die Grippeviren (Influenza) wieder an Bedeutung gewinnen. Im letzten Winter spielten sie ja keine Rolle. Aber wie hat sich deren krankmachende Wirkung inzwischen verändert? Wie meldet sich das Influenza-Virus nach der Pause zurück? Wir wissen es im Moment nicht. Ebenso – wie jedes Jahr um diese Zeit – ist unklar, wie gut eine Grippe-

RSV-Virus. Foto: niaid.nih.gov

Impfung schützen wird. Für die Kleinsten spielt ein weiterer Erreger eine enorme Rolle: Die RS-Viren. Diese befallen zumeist Kinder unter 2 Jahren und können bei diesen schwere Erkrankungen wie die Bronchiolitis auslösen. Der Lockdown hat dies über die letzten beiden Winter verhindert. Nun gehen Kinder im Alter von bis zu 2 Jahren in einen Winter, ohne diesem Erreger etwas entgegenzusetzen haben. Das könnte im schlimmsten Fall zur Überbelastung der Intensivstationen führen – in den Kinderkliniken. Viele Kliniken bereiten sich schon vor.

Da uns also vermutlich ein Bündel von Erregern ins Haus stehen wird, werden Testungen wieder wichtig werden: Testung auf Influenza-Viren, auf RS-Viren, aber eben auch auf Corona-Viren. Es kann nur so kommen, dass auch letztere wieder kostenlos werden. Anders kann man die infektiologische Herausforderung medizinisch nicht beherrschen. Bessere Ideen sind also gefragt, die Elterngeneration von Kindern und Jugendlichen zur Impfung zu motivieren.

Apropos Impfungen. Amerikanische Daten haben gezeigt, dass es zeitgerechtes Impfen für einen guten Schutz gegen Keuchhusten wichtig ist. In einer großen Studie mit 316.404 Kindern konnte gezeigt werden, dass verspätete Impfungen mit DTaP (Diphterie-Tetanus-azellulärer Pertussis) das Risiko für Keuchhusten (Pertussis) bis 4,8-fach erhöht. Im Moment sind Kinder wenig von Infekten betroffen, was gute Gelegenheiten für Impfungen eröffnet.

Auch in dieser Woche spielen Infekte keine so große Rolle in Baden-Württemberg. Selbst bei den Kinderkrankheiten ist zum Glück wenig los: einzelne Erkrankungen mit Windpocken (43) und nur ein einziger Fall von Keuchhusten.

Was geht in der Welt rum? In Afrika drohen Ausbrüche von Masern. Ursache hierfür ist die Coronapandemie. Wie die WHO mitteilt, sind in 15 Ländern Afrikas die Impfungen gegen Masern verschoben worden. In der Folge haben 16,6 Millionen Kinder zwischen Januar 2020 und April 2021 keine Impfung erhalten. Hohe Risiken bestehen besonders in Gabun, Angola, Guinea und in Kenia. Erste Masernausbrüche traten bereits auf. Masern sind sehr gefährlich. In Deutschland tritt auf etwa 2000 Infektionen ein Todesfall auf, in allen Ländern Afrikas liegt diese Zahl deutlich höher. Die Coronamaßnahmen verschlimmern fast überall das Risiko für Kinder. Das gilt für die Gesundheit, die Bildung (Schulen oft geschlossen) und die immer größer werdende Armut. Coronainfektionen selbst sind für viele jüngere Menschen in Afrika streng genommen kein Problem.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Kindern engagierte Lehrer, die es trotz widriger Rahmenbedingungen schaffen, einen ganz „normalen“ Präsenzunterricht zu realisieren. Ganz herzlich grüßt Sie Ihr

Babywindeln

Seit Jahren geht die Diskussion: Was ist besser, Stoffwindeln oder Einwegwindeln? Besser fürs Kind, die Eltern oder die Umwelt? Jeder Kinderarzt weiß, dass Eltern mit dem ersten Baby sehr oft mit Stoffwindeln zur Vorsorge U3 (4.-6. Lebenswoche) kommen – mit nochmals großen Unterschieden bezüglich Stadt- und Landbevölkerung. Klar ist auch, dass mit jedem weiteren Kind und mit dem zunehmenden Alter (der Kinder, nicht der Eltern!) die Stoffwindeln immer seltener werden.

Die Stiftung Warentest hat sich in ihrem August-Heft wieder diesem Thema gewidmet. Das Ergebnis überrascht nicht. Wie immer sind die Pampers Sieger. Aber nun zu den einzelnen Bewertungen der Einmalwindeln (alle bezogen auf die Größe 4):

Name Note Preis pro Windel Anmerkung
Pampers Premium Protection 1,4 26 cent nachts sehr gut
Pampers Baby-Dry 1,5 21 cent nachts sehr gut
dm Babylove Premium-Windeln 1,7 12 cent
Hipp Baby Sanft Extra weiche Windeln 1,7 23 cent
Lillydoo Windeln 1,9 38 cent
Lidl Lupilu soft&dry 2,0 12 cent
Edeka Elkos Baby Glück Premium W 2,1 13 cent

Die Bewertungen liegen recht nahe beieinander, die Preise jedoch nicht. Aber manchmal lassen sich Eltern es etwas kosten, wenn die feucht-schwere Windel am Morgen allen Urin der Nacht auffangen konnte und kein Feuchtigkeitsfleck im Bett zurückbleibt.

Wie immer der Hinweis: Diese Tabelle kann nur eine grobe Orientierung sein. Im Testheft der Stiftung Warentest (August 2021) werden noch viele weitere praktische Tipps gegeben, die sich zu lesen lohnen.

Was geht rum? 21. August 2021

Coronaimpfung für Kinder: Wichtig für Bildung und soziales Leben

Coronaimpfung für Kinder: STIKO spricht Empfehlung aus

Corona und Erkältungen bei jungen Erwachsenen

Ebola in Côte’d Ivoire

Traumstrand. Foto: pixabay, Sinousxl

Manche Traumstrände sind in diesen Ferien wieder erreichbar. Strände zu Träumen. Einfach daliegen, während die Gedanken davonfliegen. Zum Beispiel der Traum von offenen Schulen im Ländle, was eigentlich der Normalzustand sein sollte. Ob die Politik das in diesem Winter schafft? Dann muss sie einigen Erwachsenen auch klar machen, dass seit vielen Wochen Impfungen für Erwachsene frei verfügbar sind oder den Menschen fast aufgedrängt wurden. Es besteht also kein Grund mehr, Kinder für die Sorglosigkeit oder Verschwörungsgedanken der Älteren in Haft zu nehmen. Ein klares Bekenntnis der Politik wäre wünschenswert. Man denkt an Kurt Tucholsky: » Das erste der zehn Gebote sollte heißen: Tue, was du predigst. «

Wer? Wie? Was? Warum? Kinder stellen Fragen, sie wollen die Welt um sich herum verstehen und gestalten lernen. Sie wollen Bildung. Diese Bildung haben wir Erwachsene ihnen über 1 1/2 Jahre weitgehend verwehrt, um unsere alten Menschen zu schützen. Inzwischen ist die Großelterngeneration zu über 80% durchs Impfen geschützt. Es ist an der Zeit, dass die Schulen so ausgerüstet werden, dass diese Pandemie keine weiteren Einschnitte mehr für Schüler auslöst. Jedem ehemaligen Schüler ist bekannt, dass die Corona-Maßnahmen in den Unterrichtspausen ausgesetzt wird – keine Abstände, kaum Masken. Kinder erfahren sich gegenseitig, treten aus der Einsamkeit der Elternwohnung heraus und wollen einfach leben. Soziales Leben ist ebenso wichtig wie die Bildung. Solange die Elterngeneration nicht für bessere Impfquoten sorgt, sollten Kinder und Jugendliche auch die Chance haben, sich impfen zu lassen. Bei dieser Entscheidung sollten sie eine zentrale Rolle spielen.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat sich zu Beginn dieser Woche entschlossen, die Corona-Impfung von Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren zu empfehlen. Das 18-köpfige Gremium kam zur Überzeugung, „dass nach gegenwärtigem Wissensstand die Vorteile der Impfung gegenüber dem Risiko von sehr seltenen Impfnebenwirkungen überwiegen“. Bleibt zu hoffen, dass in Baden-Württemberg die Politik die verbliebene Ferienzeit nutzt, um den Start ins neue Schuljahr möglichst glatt hinzulegen. Das umfasst Planungen, wie Schulausfälle auch bei hohen Inzidenzen verhindert werden können: Von Lüftungskonzepten bis hin zu Mutmachern, die jetzt empfohlene Impfung mit den mRNA-Impfstoffen auch wahrzunehmen.

Meldezahlen von COVID-19 nach Altersgruppen und Woche. Foto: Wochenbericht des RKI

Die vorgezogenen Erkältungskrankheiten der Kinder schreiten weiter fort. Die meisten sind unspezifische Infekte, wie sie in den Herbstmonaten auftreten, wenn sich die Menschen wegen der Kälte in die Wohnungen zurückziehen. Diesmal ist zwar Sommer, aber die Abstände und Nasen-Mund-Masken fallen. So haben auch die banalen Infekte wieder ihre Chance, Opfer zu finden. Wie die obenstehende Graphik des RKI zeigt, ist die Häufigkeit an Corona zu erkranken bei Jugendlichen und junge Erwachsene (15 – 29 Jahre) am höchsten – eine Gruppe, die viele enge Kontakte hat, aber offensichtlich zu wenig geimpft ist. Die Infekte könnten von den Kindern unter 4 Jahren kommen, die kaum Symptome haben, aber – so zeigt es eine Studie aus Ontario – zu fast 50% häufiger die Überträger innerhalb ihrer Familien sind als die Jugendlichen.

Was geht in der Welt rum? Seit über 25 Jahren wird aus Côte’d Ivoire der erste Fall einer Erkrankung mit dem hochgefährlichen Ebolavirus gemeldet. Es handelt sich um eine 18-jährige Frau, die aus dem benachbarten Guinea in die Hauptstadt Abidjan gereist war. Es bleibt zu hoffen, dass es in der 4-Millionen-Stadt nicht zu einem Ausbruch kommt. Das Ebolavirus wurde erstmals 1976 identifiziert. Nach den schweren Ausbrüchen in Westafrika zwischen 2014 und 2016 wurden inzwischen wirksame Impfstoffe entwickelt. Seit 2019 hat ein Impfstoff der Firma Merck eine Zulassung aus den USA und der EU. Die Impfungen in Abidjan haben begonnen.

Ich hoffe, es gelingt Ihnen trotz der diversen „Brandmeldungen“ aus aller Welt ein ruhiges und entspanntes Wochenende zu verbringen.

 

Häufige Mittelohrentzündung: Antibiotika oder Paukenröhrchen?

Manche Kleinkinder neigen zu häufigen Mittelohrentzündungen (rezidivierende Otitis media). Das ist immer mit sehr starken Schmerzen und auch längeren Höreinschränkungen verbunden. In der Folge der Hörstörungen ziehen sich Kinder beispielsweise in der KiTa gerne in eine Ecke und damit von ihren Spielkollegen zurück. Dadurch vereinsamen sie über Wochen und ganz nebenbei auch die Sprache. Sie hören wenig, reden wenig, eine Sprachentwicklungsstörung kann einsetzen.

Eine solch gravierende Störung der Sprache soll natürlich unbedingt vermieden werden. Deswegen sind Eltern, KinderärztInnen und HNO-Äc von „Abwarten“ über „Antibiotikagabe“ bis hin zu „Paukenröhrchen“.

In einer Studie mit 250 Kindern im Alter von 6 bis 35 Monaten untersuchte eine Forschergruppe um Alejandro Hoberman von der Universität Pittsburgh die Fragestellung, ob eine Behandlung mit Paukenröhrchen oder eine Antibiotikagabe günstiger seien. In die Studie wurden Kinder aufgenommen, die in den vergangenen 6 Monate mindestens 3 Episoden einer Otitis media durchgemacht hatte.

Einige Eltern der Antibiotikagruppe forderten jedoch eine Behandlung mit dem Paukenröhrchen – die bevorzugte Therapie in den USA – wodurch es in der Studie zu unerwarteten Verschiebungen kam. Nach Abschluss der Studie lag die Rate für Mittelohrentzündungen bei Kindern mit 1,48 pro Jahr etwas niedriger als bei denen, die eine antibiotische Therapie erhalten hatten (1,56 Mittelohrepisoden/ Jahr).

So kamen die Forscher zum Schluss, dass beide Strategien – die Einlage antibiotische Therapie wie die Einlage der Paukenröhrchen – hilfreich sei und es zwischen beiden keine bedeutsamen Unterschiede gebe. Die Einlage eine Paukenröhrchens verlangt jedoch einen operativen Eingriff in Narkose und führt häufiger zum „laufenden Ohr“ (Otorrhoe). Letztere beiden Punkte werden wohl von deutschen Eltern weniger toleriert als in den USA.

Was geht rum? 14. August 2021

Meist leichte COVID-19-Verläufe bei Kinder – aber nicht jeder Infekt ist Corona

Schwangere: CDC empfiehlt Coronaimpfung für alle Schwangeren

Masern, Meningokokken und Keuchhusten weiterhin selten

Pollenflug geht langsam zu Ende

 

Die Rolle der Kinder in der Pandemie erhellt eine neue Studie aus Großbritannien. Darin untersuchten die Forscher um Erika Molteni 258.790 Kinder im Alter von 5 bis 17 Jahren, die Symptome einer Coronainfektion zeigten. Der Verlauf wurde mittels einer App verfolgt. Insgesamt wurden 75.529 Corona-Tests durchgeführt, von denen 1.734 positiv ausfielen. Häufigste Krankheitszeichen waren Kopfschmerz (62,2 %) und Müdigkeit (55 %). Die Erkrankungen dauerten im Durchschnitt bei positiv getesteten 6 Tage, bei negativ Getesteten nur 3 Tage. Manchen Kinder zeigten längere Verläufe. Nach 56 Tagen lagen bei den allermeisten keine Beschwerden mehr vor. Interessanterweise kamen lange + schwere Krankheiten besonders bei negativ getesteten Kindern vor. Wie bewerten wir die Studie? COVID-19 verläuft bei Kindern leichter. Und, nicht alles was wie eine Coronaerkrankung aussieht ist auch eine. Testungen bleiben wichtig. Besonders im kommenden Winter.

Schwangerschaft. Foto: pixabay, contato1034

Viele Eltern überlegen, weitere Kinder zu bekommen. Wenn da nicht Corona-Infektionen drohen würden. Und diese führen gerade in der Schwangerschaft nach neuen Erkenntnissen vermehrt  zu schweren Komplikationen. Sollten sich Schwangere impfen lassen? Die amerikanische Gesundheitsbehörde CDC (in Englisch) hat sich klar positioniert: Sie empfiehlt COVID-19-Impfungen in der Schwangerschaft: „COVID-19 vaccination is recommended for all people aged 12 years and older, including people who are pregnant, breastfeeding, trying to get pregnant now, or might become pregnant in the future.“ Die deutsche STIKO lässt Impfungen in der Schwangerschaft zu, gibt aber keine Empfehlung zur Impfung.

Der Pollenflug geht rasch zu Ende. Noch sind Pollen von Spitzwegerich, Beifuß und auch Gräsern in den Lüften. Aber die Menge der Pollen nimmt spürbar ab. Probleme für die Atemwege bestehen nur noch für schwer von Allergien Betroffene. Für alle anderen ist die Pollensaison zu Ende.

Inzidenz von Meningokokkenerkrankungen in den USA. Die größte Häufigkeit betrifft Kinder vor dem ersten Geburtstag. Foto: CDC

Viele schwerwiegenden Erkrankungen für Kinder sind in diesem Jahr noch immer selten. Ganz vorne der Keuchhusten (Pertussis) mit bislang 123 Fällen in diesem Jahr, der im letzten Jahr 6 Mal häufiger auftrat. Gleiches gilt für die Erkrankungen mit Meningokokken (Sepsis („Blutvergiftung“) bzw. Hirnhautentzündung), von denen in diesem Jahr neun registriert wurden (2020 zur gleichen Zeit: 28). Dass Masern und Mumps ebenfalls selten auftreten ist den Lesern des praxisblättle gut bekannt.

Die Erkältungsviren machen aber durchaus schon die Runde, auch wenn die Sommer-Wetterlage eine massive Ausbreitung begrenzt. Ob der Schnupfen oder Husten aber nicht doch vom Coronavirus ausgelöst wurden, kann nur durch Tests geklärt werden. Für den kommenden Winter bleiben Coronatests ein zentrales Werkzeug für Kinder- und Jugendärzte.

Was geht in der Welt rum? Mit den höheren Temperaturen kommt auch das West-Nil-Fieber im Mittelmeerraum vor. Aus Griechenland  (Bezirk Imathia und Pella in Zentralmakedonien) und Italien werden Fälle gemeldet. Die Erkrankung betrifft meist Vögel, Menschen erkranken aber nach Übertragung durch eine infizierte Stechmücke auch vereinzelt. Impfung gibt es keine. Die einzig mögliche Maßnahme das West-Nil-Fieber zu verhindern ist ausreichender Mückenschutz.

Endlich ist der Sommer da, den wir uns wünschten. Genießen wir es, durch laue Wälder zu wandern, in der Hängematte zu liegen oder zu picknicken. Ganz herzlich, Ihr

Impfungen weltweit: Wo stehen wir heute?

Impfungen gegen das Coronavirus ist das Thema der letzten Wochen. Aus einem Mangel an Impfstoffen wurde in den Industrieländern ein Überfluss. Auf der anderen Seite sind in den Ländern Lateinamerikas, Asiens und Afrikas nur wenige Menschen geimpft. Das hat zum Teil mit einem Mangel an Impfstoff zu tun. Ein größeres Problem ist aber, dass die Menschen in diesen Ländern häufig nicht ausreichend über Nutzen und Risiken der Impfungen aufgeklärt werden.

Ein Beispiel ist Madagaskar. Dort wurden 250.000 Dosen von Covishield – so nennt sich der Impfstoff von AstraZeneca, der in Indien produziert wurde –  im Mai 2021 für die Bevölkerung von etwa 28 Millionen Madegassen bereitgestellt. Ende Juni mussten zehntausende Dosen verworfen werden, weil nach dem Tod eines 42-jährigen Mannes nicht geklärt wurde, ob ein Zusammenhang mit seiner Impfung wenige Tage zuvor bestand. Laut Statista sind inzwischen 0.7% (Stand Ende Juli 2021) der Bevölkerung geimpft auf der Insel im Indischen Ozean.

Durchimpfung weltweit von 1980 bis 2019. Foto: The Lancet

Dass Impfungen auch ein Erfolgsmodell sein können zeigt eine Studie auf, die kürzlich im Lancet erschienen ist. Darin werden die Daten zu den Routineimpfungen bei Kindern zwischen 1980 und 2019 aufgeschlüsselt. Ein riesiges Werk. Und dieses Studie fördert erstaunlich gute Daten zu Tage: So weisen die Kinder weltweit eine komplette Impfung für Diphterie-Tetanus-Keuchhusten (DTP3 = 3 Mal in Folge DTP) in 81,6% vor. Diese Zahl hat sich seit 1980 mehr als verdoppelt (1980: 39,9%). Ähnlich sieht es für die erste Dosis einer Impfung mit Masern-Mumps-Röteln (MMR1) aus, mit der seit 2 Jahren 83,6% aller Kinder weltweit geschützt sind.

Die Zahl der völlig ungeimpften Kinder ging in den letzten 40 Jahren um erfreuliche 75% zurück und liegt nun bei 14,5 Millionen Kindern. Leider zeigt sich aber auch, dass in den letzten 10 Jahren die Erfolge stagnieren.

Langfristige Impfziele sind offensichtlich umsetzbar, bei den kurzfristigen (Corona-Impfungen) scheint das viel schwieriger zu sein. Das liegt auch daran, dass die Pandemie vielfach für politische Ziele genutzt wird. So stehen die allgemeinen Maßnahmen (Ausgangssperre u.a.) häufig in keiner Relation zu den Bemühungen, die Bevölkerung aktiv vor der Krankheit und deren negativen wirtschaftlichen Auswirkungen (z.B. Jobverlust) zu bewahren.

Was geht rum? 07. August 2021

Verhinderung von Kurzsichtigkeit: Aufenthalt im Freien günstig

Allergie Reaktion auf Nahrungsmittel: Vorsicht in Restaurants

Coronaimpfungen für Ab-12-Jährige?  

Pollenpause

In dieser Woche erkrankte weltweit der 200 Millionste Mensch an Corona. Somit sind an dieser Krankheit mehr Menschen erkrankt als zusammengenommen in Spanien, Frankreich und Deutschland leben.

Bei Kindern im Grundschulalter tritt immer häufiger Kurzsichtigkeit auf. Ursache hierfür ist, dass sie erstmals in diesem Alter über längere Zeit auf kurze Abstände – meist auf ihr Schulheft – fokussieren müssen. Dadurch wird das Längenwachstum des Auges stimuliert. Wenn schließlich die Linse die verlängerte Brennweite nicht mehr ausgleichen kann, benötigen Kinder wegen Kurzsichtigkeit (Myopie) eine Brille. Dieses Phänomen tritt besonders stark unter chinesischen Kindern auf.  Diese Phänomen scheint sich durch die Pandemie enorm verstärkt zu haben. Eine Studie aus dem dichtbesiedelten Hongkong beschreibt die aktuellen Daten: Die Zeit im Freien ging von 1,27 auf 0,41 Stunden am Tag zurück, die Zeit vor dem Bildschirm  nahm 2,45 auf 6,89 Stunden am Tag massiv zu. Die Häufigkeiten für die Kurzsichtigkeit sind massiv: Vor der Pandemie nahm die Zahl der kurzsichtigen Kinder pro Jahr um 13% zu, nunmehr sind es für die 6-, 7- und 8-jährigen Kinder 28 %, 27 % und 26 %. Man vermutet, dass sich die Zahl der kurzsichtigen Kinder in den kommenden Jahren verdoppeln wird. Glücklicherweise sind die Lebensbedingungen für Kinder in Deutschland andere. Die Zeit, die sie im Freien verbringen ist deutlich höher. Somit besteht ein geringeres Risiko für Kurzsichtigkeit.

In die USA können Europäer im Moment nicht reisen. Das schränkt die Bedeutung einer Studie ein, die kürzlich im Journal of Allergy and Clinical ImmunologyIn Practice erschienen ist. Darin geht es um allergische Reaktionen beim Essen in Restaurants in den USA. Es zeigte sich, dass 13% aller allergischen Notfälle mit Nahrungsmittel bei Kindern unter 18 Jahren in Restaurants auftreten. Somit bleibt mit 51% das Zuhause der gefährlichste Ort. Besonders häufig traten Nahrungsmittelallergie bei Erdnüssen und Nüssen (Haselnuss u.a.) auf. Bei diesen mussten in 28% mindestens einmal Adrenalin wegen schwerer Reaktionen injiziert werden. Tragisch dabei ist, dass 53,9% der Betroffenen vorher das Personal des Restaurants über die Allergie aufgeklärt hatte. Es gibt sicher viele Unterschiede zwischen Restaurants in Europa und den USA. Dennoch lohnt es sich gerade in Urlaubszeiten für Allergiker in Restaurants Vorsicht walten zu lassen.

Tipps gegen Coronainfektionen. Foto: RKI

Thema der Woche: Die Impfungen von Kindern ab 12 Jahren. Die Politik ist mehrheitlich dafür, die STIKO sieht noch keine ausreichenden wissenschaftlichen Daten, die eine Empfehlung für die Impfung der 12-17-Jährigen rechtfertigen würde. Inzwischen hat sich die Sächsische Impfkommission (SIKO) für die Impfung der Über-12-Jährigen ausgesprochen und dafür plausible Daten vorgelegt. Ergänzend hat sich auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung mit einem Merkblatt zu diesem Thema eingebracht. Bei allem Durcheinander nicht vergessen: Es geht um Kinder und Jugendliche, die eineinhalb Jahre Corona-Pandemie hinter sich haben. Und auch sie haben eine Meinung, die bei der Frage – ob eine Impfung angemessen sei – an erster Stelle stehen sollte.

Die Pollen fliegen immer weniger. Momentan werden in den meisten Regionen des Landes bei den Gräserpollen kaum Mengen erreicht, die Beschwerden verursachen. Lediglich die Menge der Beifuß-Pollen liegt etwas höher. Aber gegen dies Pollen sind nur wenige Menschen allergisch.

Die Infekte bei Kindern gehen unverändert weiter. Meist nichts gravierendes, aber gerade bei den Kleinkindern – und deren Eltern – häufig Schnupfen, leichter Husten und selten Fieber.

Was geht in der Welt rum? Im Süden Brasiliens, genauer im Bundesstaat Bahia sind 58 Neu-Infektionen an Malaria aufgetreten. Diese Region gilt als malariafrei. Man geht deswegen davon aus, dass der Erreger aus dem Amazonasgebiet eingeschleppt wurde.

Wettervorhersage der nächsten Tage für Karlsruhe. Foto: meteo, SRF

Ich wünsche Ihnen, dass der Sommer im Ländle bald beginnt. Ab Mitte der kommenden Woche soll es soweit sein. Herzlichst grüßt Sie Ihr

Fruchtzucker und Fettleber

Das erschreckt dann doch. Schon handelsübliche Mengen an Frucht- und Haushaltszucker (Fructose und Saccharose) in Süßgetränken können die Fettproduktion der Leber bei Gesunden verdoppeln. Damit ist ein erster Schritt für die mögliche Entwicklung einer Fettlebererkrankung und eines Diabetes getan.

Forscher der Universität Zürich haben sich der Rolle der Zucker auf die Entstehung einer Fettleber gewidmet. In ihrem Experiment untersuchte die Gruppe um Bettina Geidl-Flueck über sieben Wochen 94 normalgewichtige (BMI < 24) und gesunde junge Männer. Diese Gruppe nahm zusätzlich zur normalen Ernährung täglich Getränke zu sich, die mit Frucht-, Trauben- oder Haushaltszucker gesüßt war. Insgesamt lag diese zusätzliche Zuckermenge bei gerade mal 80 Gramm pro Tag. Eine gleich aufgebaute Kontrollgruppe verzichtete auf die Softgetränke. Im Ergebnis zeigte sich, dass die Süßgetränke zu einer Verdopplung der Fettproduktion in der Leber der Probanden führte.

Die von der Leber produzierten Fette werden in der Leber eingelagert und führen zu einer Fettleber. Somit ist davon auszugehen, dass neben fettreichen Nahrungsmittel auch zuckerreiche Lebensmittel mittelfristig zu Erkrankungen wie Adipositas, Diabetes Typ II und Fettleber führen. Dazu bemerkt Prof. Dr. Heiner Wedemeyer, Mediensprecher der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten e.V. (DGVS): „In Deutschland leidet bereits jetzt fast jeder Dritte an einer nicht-alkoholischen Fettleber (NAFL). Schätzungen gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2030 die Anzahl der Patienten mit einer Fettleberhepatitis (NASH) auf 4,7 Millionen ansteigen wird. Die Politik ist in der Verantwortung, Maßnahmen gegen diese Entwicklung zu ergreifen“, so Wedemeyer.

In diesem Zusammenhang lohnt sich der Blick auf ein Klassiker-Getränk: Coca-Cola. Ein Liter Coca-Cola enthält 90 Gramm Zucker.