Häufige Mittelohrentzündung: Antibiotika oder Paukenröhrchen?

Ein gutes Gehör ist von zentraler Bedeutung. Nicht nur bei der Nutzung von headsets. Foto: pixabay, Viktoria Borodinova

Manche Kleinkinder neigen zu häufigen Mittelohrentzündungen (rezidivierende Otitis media). Das ist immer mit sehr starken Schmerzen und auch längeren Höreinschränkungen verbunden. In der Folge der Hörstörungen ziehen sich Kinder beispielsweise in der KiTa gerne in eine Ecke und damit von ihren Spielkollegen zurück. Dadurch vereinsamen sie über Wochen und ganz nebenbei auch die Sprache. Sie hören wenig, reden wenig, eine Sprachentwicklungsstörung kann einsetzen.

Eine solch gravierende Störung der Sprache soll natürlich unbedingt vermieden werden. Deswegen sind Eltern, KinderärztInnen und HNO-Äc von „Abwarten“ über „Antibiotikagabe“ bis hin zu „Paukenröhrchen“.

In einer Studie mit 250 Kindern im Alter von 6 bis 35 Monaten untersuchte eine Forschergruppe um Alejandro Hoberman von der Universität Pittsburgh die Fragestellung, ob eine Behandlung mit Paukenröhrchen oder eine Antibiotikagabe günstiger seien. In die Studie wurden Kinder aufgenommen, die in den vergangenen 6 Monate mindestens 3 Episoden einer Otitis media durchgemacht hatte.

Einige Eltern der Antibiotikagruppe forderten jedoch eine Behandlung mit dem Paukenröhrchen – die bevorzugte Therapie in den USA – wodurch es in der Studie zu unerwarteten Verschiebungen kam. Nach Abschluss der Studie lag die Rate für Mittelohrentzündungen bei Kindern mit 1,48 pro Jahr etwas niedriger als bei denen, die eine antibiotische Therapie erhalten hatten (1,56 Mittelohrepisoden/ Jahr).

So kamen die Forscher zum Schluss, dass beide Strategien – die Einlage antibiotische Therapie wie die Einlage der Paukenröhrchen – hilfreich sei und es zwischen beiden keine bedeutsamen Unterschiede gebe. Die Einlage eine Paukenröhrchens verlangt jedoch einen operativen Eingriff in Narkose und führt häufiger zum „laufenden Ohr“ (Otorrhoe). Letztere beiden Punkte werden wohl von deutschen Eltern weniger toleriert als in den USA.

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