Was geht rum? 04. September 2021

Spätsommer. Zeit der Wespen. Für ihr Wohlbefinden reicht wenig, manchmal ein dünner Belag von Butter. Foto: ptw

Schüler von Impfgegnern bedroht   

Luftfilteranlagen: Ja, aber!

Coronaausbruch in einer Schule trotz Masken und Luftfilter

Körpergewicht von Kindern in Zeiten der Pandemie

Wie geht’s an den Schulen weiter in der vierten Pandemiewelle? Klar wäre es ideal, wenn sich die Erwachsenen an die – nicht verschnupfte – Nase fassen und zum Wohle der Kinder impfen lassen würden. Aber das wird vermutlich nicht so kommen. Denn viele Impfgegner leben im Protest gegen Impfbefürworter, den Staat oder Bill Gates. Warum auch immer. Und sie  ignorieren die Kinder, die durch Schulschließungen im letzten Jahr dafür gesorgt haben, dass die Älteren unter ihnen überhaupt noch leben. Das haben die Impfgegner aber schon vergessen.

Ach so, da gibt’s ja noch die Lüftungsanlagen. Deren Beschaffung ist aus technischen (Geräteprüfung), finanziellen (nicht billig – wer bezahlt?) und politischen Gründen (alle Schulen/ KiTas sollen gleichbehandelt werden, Antwort in Berlin: keine bekommt einen Luftfilter) ein mühsames Unterfangen. So kann man sich gerne Lorenz Maroldt vom Tagesspiegel in Berlin anschließen: „Lieber die Lüftungsanlage an der Wand als die Spritze auf dem Dach.“

Oder vielleicht doch nicht? Das legt eine Beobachtung an einer Grundschule bei San Francisco im Zusammenhang mit dem Delta-Virus nahe. Eine Lehrerin an dieser Grundschule unterrichtete 24 Kinder, obwohl sie selbst Symptome von COVID-19 hatte und zwei Tage später auch als erkrankt getestet wurde. An dieser Schule bestand Maskenpflicht für alle, also auch für alle Kinder. Alle Klassenzimmer waren mit einer mobilen Lüftungsanlage ausgestattet und die Kinder saßen an Einzelbänken mit einem Mindestabstand von fast 2 Metern (6 feet). Die Impfquote (vollständig Geimpfte) in der Region betrug zu dieser Zeit enorme 72%. Dennoch kam es zu einem Ausbruch mit Coronainfektionen, nachdem die Lehrerin für eine kurze Zeit die Maske abgenommen hatte, um den Kindern laut vorlesen zu können: Unter den 22 ungeimpften Kindern wurden in der Folge 12 positiv getestet. In den ersten beiden Tischreihen waren sogar 80% der Kinder infiziert. Trotz idealer Bedingungen (Maskenpflicht, Abstandsregeln, Luftfiltersystem, Lüftung) wurden durch das laute Vorlesen der Lehrerin 55% der getesteten Schüler infiziert. Warum hatte dieser Mix an Maßnahmen  so wenig Wirkung?

Hamburger – manchmal auch in schwäbisch ummantelt mit Laugenweckle – sind für viele eine ständige Versuchung. Foto: ptw

Daheimbleiben statt In-die-Schule-Gehen wirkt sich nicht nur auf die Stimmung zuhause oder die Bildung aus. In vielen Fällen fällt auch Bewegung weg. Welches Kind rennt schon alleine im Lockdown um den Wohnblock? Gerald Jarnig am Grazer Institut für Bewegungswissenschaften hat sich in einer zufällig entstandenen Studie (in Englisch) auch der Frage des Körpergewichts in Zeiten der Pandemie gewidmet. Kurz und schwerwiegend: Bei den 760 Mädchen und Jungen zwischen 7 und 10 Jahren zeigte sich ein Übergewicht/Fettleibigkeit vor der Pandemie in 20,3% der Kinder. Im September 2020 waren es bereits 24,1 Prozent, somit ist die Gruppe der Übergewichtigen in einem Jahr um 20% größer geworden. Dazu hier für alle Interessierten auch ein Kommentar aus dem amerikanischen Ärzteblatt (JAMA; in Englisch).

Einzig verlässlich sind im Moment nur die Infektionen: Viele „Erkältungskrankheiten“ im Spätsommer, kaum Kinderkrankheiten seit einem Jahr und zum Glück wenig schwere Infektionen. Die Ruhe vor dem Sturm? Fast sieht es so aus im Beginn der 4. Pandemiewelle, der sich vielleicht die Influenza und die RS-Viren und eventuell noch einige andere Infektionen anschließen werden. Eine Gefahr besonders für Kinder von 6-12 Jahren, die ja weiter zur Schule gehen „sollen dürfen“. Da mag man nur rufen: Ungeimpfte, denkt auch an die Kinder!

Was geht in der Welt rum? In Madagaskar ist – fernab jeder Idylle – wieder die Lungenpest auf dem Vormarsch. Aus der kleinen Stadt Miandrandra südlich der Hauptstadt Antananarivo werden 7 Todesfälle gemeldet. Mittlerweile wurden 960 Kontaktpersonen identifiziert und isoliert. Die Pest sucht die viertgrößte Insel in Trockenperioden regelmäßig heim. Dann begeben sich die Ratten auf der Suche nach Nahrung näher an die Hütten der Menschen. Und mit ihnen auch die infizierten Flöhe, die dann den Erreger auf Menschen übertragen. Deswegen ist es in Madagaskar auch schwierig, den Ausbruchsherd überhaupt zu identifizieren und zu isolieren. So kommt es jedes Jahr zu Pestausbrüchen mit oft mehreren Hundert Todesfällen.

Das Wochenende verspricht Sonne und angenehme Wärme. Viel Spaß wünsche ich allen Familie, herzlichst Ihr

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