peter
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Kinder- und Jugendarzt

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Fluorid zur Kariesvorbeugung

Seit Jahrzehnten ein Klassiker und immer wieder in der Diskussion ist die Frage zur kindlichen Karies: Wer braucht wann wieviel Fluorid? Und, sind damit auch negative Wirkungen verbunden?

Karies ist eine chronische Erkrankung, die das Zahnhartgewebe angreift. Ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren begünstigt diesen Prozess:

  • Bakterien im Mundraum wie z.B. Streptokokkus mutans.
  • Kohlenhydrate wie Zucker.
  • der Faktor Zeit.

Im Zusammenspiel dieser Bakterien mit Kohlenhydraten entstehen Säuren, die die Calcium-Phosphate aus dem Zahnschmelz lösen. Das führt zu Demineralisation, die fortschreitet und eine kariösen Zahn hinterlässt.

Fluoride haben Wirkungen, die diesem Prozess entgegenwirken:

  • sie fördern die Re-Mineralisation
  • die verringern die De-Mineralisation
  • die bremsen den Stoffwechsel der Bakterien und führen hierdurch zu einer geringeren Säureproduktion

Diese Effekte können die Fluoride auf zwei unterschiedlichen Wegen entwickeln:

  • systemisch: wenn sie also dem Körper als ganzes (wie z.B. in Tablettenform) zugeführt werden.
  • topisch:  wenn sie auf die Zahnoberfläche aufgebracht werden – sei es als Zahnpasta oder als Lack.

Aber was bedeuten diese Erkenntnisse für den Alltag von Säuglingen, Klein- und Schulkindern?

Das große Dilemma ist, dass Eltern widersprüchliche Empfehlungen präsentiert werden. Die kinderärztlichen Gesellschaften empfehlen seit Jahrzehnten die Gabe von Vitamin D in Kombination mit Fluor (z.B. als D-Fluoretten© 500) beginnend ab dem 10. Lebenstag. Die Kinderzahnärzte betonten derweil immer, dass die regelmäßige Zahnpflege mit Zahnpasta ab dem ersten Zahn sinnvoller sei. Dieser Widerspruch von systemischer Therapie (Kinderärzte) und topischer Therapie (Zahnärzte) könnte sich dieser Tage langsam auflösen. Bald soll eine neue Leitlinie hierzu erscheinen, eine Überarbeitung der alten soll in Bälde vorliegen.

Aus den USA liegt die neueste Empfehlung der amerikanischen Kinderärzte (AAP) gerade vor, die in Pediatrics erschienen ist. Darin steht (verkürzt zusammengefasst):

  • Zahnpasta ab Durchbruch des ersten Milchzahns (zunächst mit reiskorngroßer Menge = etwa 0,1 mf Fluorid)
  • Fluoridlack ab Zahndurchbruch alle 3-6 Monate (bei hochwertiger Zahnpflege kann darauf verzichtet werden)
  • Orales Fluorid, wenn das Trinkwasser nicht fluoridiert ist. Bei Fluoridgehalt von <0,3ppm Zufuhr ab 6 Monaten mit 0,25 mg/ Tag beginnen

Dabei fällt auf, dass in den ersten 6 Monaten kein Fluorid überhaupt gegeben wird. Daneben ist keine Rede von „Kinderzahnpasta“ – die Menge des Fluorids wird also über die Menge an der auch für Erwachsenen üblichen Zahnpasta gesteuert.

Typisch amerikanisch: Klare und einfache Regeln. Wir dürfen sicher sein, dass die deutschen Regeln deutlich komplizierter ausfallen. Die Frage ist, was am Schluss mehr Erfolg hat. Dieser Unterschied ist ja gerade auch für alle bei den Coronaimpfungen zu sehen: Deutschland stellt beste, komplex ausgefeilte Regeln auf – die im Alltag permanent umgangen werden. Ob wir das beim Thema Kariesprophylaxe besser machen werden?

Was geht rum? 17. April 2021

Schulschließungen wegen Corona?

Schwere Corona-Infektionen bei Kindern – PIMS

Corona-Todesfälle in den USA: oft Eltern von Kindern betroffen

viele Birkenpollen, mehr agile Zecken und nur wenig Viren

Coronainfektionen und Schule. Die Osterferien sind zu Ende und mit jedem Tag ist zu spüren, wie schnell sich die „britische Variante“ des Virus ausbreitet. Nach schmerzlichen Schulschließungen seit einem Jahr ist heute unklar, wie es mit den Schulen und KiTas ab Montag angesichts hoher Corona-Inzidenzen weitergehen kann. Sicher ist klar, dass in Schulen  Infektionen „rumgehen“. Tests würden helfen, sind vielerorts aber nicht angekommen. Wie der Schul-Alltag für Kinder und Jugendliche dennoch weitgehend normal – was ist das ? – weitergehen kann zeigt die Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) und der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) zu dieser Frage. Prädikat: sehr lesenswert!

Stationäre Behandlung von Kindern wegen COVID-19 und PIMS (siehe Text) in Deutschland.
Foto: DGPI

Die dritte Corona-Welle bereitet Deutschland erhebliche Probleme. Die Kliniken melden, dass die Zahl der stationär behandelten Erwachsenen auf Intensivstationen rasant zunimmt. Diese hohen Zahlen gehen auch auf junge Erwachsene zurück, die zunehmend betroffen sind. Aber eben nicht die Kinder und Jugendlichen. Das unterscheidet die zweite Welle von der dritten Welle (obenstehende Graphik). Auch die Zahl der sehr schweren kindlichen Verläufe mit PIMS* bewegst sich weiter auf niedrigem Niveau.    *Paediatric Inflammatory Multisystem Syndrome: PIMS. Das ist der neue Name für die bedrohliche Corona-Komplikation, die dem sog. Kawasaki-Syndrom in vieler Hinsicht ähnelt und von der wir im praxisblättle bereits Mitte Mai 2020 berichteten. Manchmal wird auch der Begriff Multisystem Inflammatory Syndrome in Children: MIS-C verwendet. 

Die Diskussion um Todesfälle nach Impfungen läuft weiter. Bis zum 2. April sind in Deutschland nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts insgesamt rund 14,38 Millionen Impfungen durchgeführt worden. Gemeldet wurden 407 Todesfälle „in unterschiedlichem zeitlichen Abstand zur Impfung“ bei Menschen im Alter zwischen 24 und 102 Jahren. Der Abstand habe zwischen weniger als einer Stunde und 40 Tagen betragen. Dabei gilt es zu unterscheiden, ob diese Todesfälle mit der Impfung im Zusammenhang stehen oder mit anderen Umständen. So liegt das Risiko für eine aseptische Sinus-Venen-Thrombose (SVT) bei 3-5/ 1 Million Personen und Jahr, wobei mindestens 50% davon durch Antikonzeptiva („die Pille“) verursacht werden. Wenn jetzt, wie aus den USA berichtet 6 Fälle nach 7 Millionen Impfungen mit dem Johnson&Johnson-Impfstoff auftraten, muss geklärt werden, welchen Ursachen die einzelnen Erkrankungen zugeordnet werden können. Die Zahlen zeigen aber auch, dass die Corona-Impfung in jedem Fall weniger SVT-Nebenwirkungen hat als „die Pille“. Warten wir die Ergebnisse ab und halten es wie Voltaire: „Alle Menschen sind klug – die einen vorher, die anderen nachher.“

Fast alles, was in den USA populär wurde kam bald darauf auf bei uns in Europa an. Deswegen zeigen wir hier (Video 1:13 ohne Sprachinformationen), was vielleicht schon bald Realität wird: Ein Selbst-Test auf das Coronavirus, der rezeptfrei bezogen werden kann und zur Anwendung ab dem Alter von 2 Jahren (Bis zum Alter von 13 Jahren Durchführung durch Erwachsene) zugelassen ist. Dabei handelt es sich um einen molekularen Test, dessen Ergebnisse der Qualität eines PCR-Tests deutlich näher kommt als die üblichen Schnelltests. Leider gilt das auch für den Preis, der mit 55 USD (etwa 46 €) sehr stattlich ist.

Nach recht erfolgreicher Impfung vieler Menschen über 80 Jahre betreffen schwere COVID-19-Infektionen in der dritten Welle oftmals Menschen mittleren Alters. Das sind dann auch Eltern, die erkranken sind und teilweise an ihrer Coronainfektion sterben. Aus den USA gibt es eine aktuelle Untersuchung die schätzt, dass 40.000 Kinder einen Elternteil im Rahmen einer COVID-19-Erkankung verloren haben. Die Studie schätzt, dass 1 unter 13 Corona-Todesfällen in den USA ein Kind unter 18 Jahre betraf, das ein Elternteil verlor. Die betroffenen Kinder brauchen gerade in den Pandemiezeiten mit Ausgangsbeschränkungen die Unterstützung Ihrer Umgebung (Freunde, erweiterte Familie, Therapeuten) mehr als sonst.

Birkenpollenflug letzte Woche am Bodensee. Die graue Fläche zeigt die Pollenbelastung derletzten JKahr, die schwarzen Balken die aktuellen täglichen Werte Foto: pollenundallergie.ch

Nach frostigen Nächten steigen die Temperaturen täglich an und mit ihnen die Belastung mit Birkenpollen. Nach den tiefsten Lagen (Oberrhein) sind nun auch mittlere Lagen betroffen wie die Bodenseeregion.

Hochrisikogebiete für das FSME-Virus mit Bezug auf die Erkrankungen zwischen 2002 und 2020. Foto: modifiziert nach RKI

Mit Ausnahme des Stadtkreises Heilbronn sind alle Landkreise in Baden-Württemberg vom Robert-Koch-Institut als Risikogebiete für FSME eingestuft. Mit den ansteigenden Temperaturen werden auch die Zecken wieder agil und verbreiten zwei bedeutsame Erkrankungen: die FSME und die Borreliose. Abendliche Zeckenkontrolle sollte für die kommenden Monate zum Ritual werden.

Nach zwei Wochen Schulferien kreisen kaum mehr Infekte unter Kindern und Jugendlichen – abgesehen vom Coronavirus, das sich gerade in diesen Altersgruppen weiter ausbreitet, wenngleich zumeist ohne Symptome. Die Ausbreitung des Hantavirus ist jedoch heftig: Seit Jahresbeginn 269 Infektionen – im letzten Jahr waren es zur gleichen Zeit nur 17. Vorsicht beim Aufräumen von Scheunen und anderen staubigen Orten, an denen sich Mäuse aufgehalten haben könnten. Kinder sind eher selten betroffen. Keuchhusten kommt zur Zeit selten vor – ein Zehntel der Fälle des letzten Jahres, ebenso Masern oder Mumps. Windpocken sind – wie der Name schon sagt – leicht über die Lüfte ansteckend. Trotzdem treten auch hier nur ein Drittel der sonst üblichen Infektionszahlen auf.

Was geht in der Welt rum? Wieder einmal geht es um die Tollwut. Sie kommt in vielen Ländern vor, in die deutsche Urlauber vor der Coronapandemie gerne reisten. So zum Beispiel Südafrika. Dort verstarb im Februar ein 2-jähriger Junge an einer Tollwutinfektion und im März nun ein 7-Jähriger. Beide waren nach einem Hundebiss erkrankt. Die Tollwut kann unsere Kinder im Urlaub prinzipiell erreichen. Und sie kommt überwiegend mit Hunden.

Freuen Sie sich mit mir auf ansteigende Temperaturen und viele blühende Hoffnungsschimmer für einen kommenden Sommer. Ganz herzlich, Ihr

Mutter/Vater-Kind-Kur abgelehnt: Wie Einspruch einlegen?

Für kranke oder überlastete Eltern gibt es die Möglichkeit von Kuren. Diese kann unter gewissen Voraussetzungen zusammen mit den eigenen Kindern erfolgen. Im Zentrum dieser Maßnahme stehen Mutter oder Vater, weswegen sie auch als Mutter/Vater-Kind-Kur bezeichnet wird. Als Voraussetzung für die Mitaufnahme des/der Kinder kommen in Frage:

  • Das Kind kann ebenfalls behandlungsbedürftig, weil es zum Beispiel an einem Infektasthma leidet.
  • Es zu befürchten ist, dass das Kind unter der Trennung von der Mutter/Vater leidet.
  • Bei alleinerziehenden Vätern oder Müttern: Eine belastende Mutter-(Vater)-Kind-Beziehung soll verbessert werden.
  • Bei alleinerziehenden Vätern oder Mütter: Das Kind kann während der Kur nicht anderweitig betreut werden.

Diese Fragen beantwortet der Kinder- und Jugendarzt auf einem Antrag, der der jeweiligen Krankenkasse vorgelegt wird.

Was aber tun, wenn trotz allem der Antrag auf die Mutter/Vater-Kind-Kur abgelehnt wird? In vielen Fällen hängt das davon ab, bei welcher Krankenkasse man versichert ist; manche Kassen lehnen häufiger ab als andere. Auch die Dauer der Bearbeitung dieser Anträge ist höchst unterschiedlich. Nach Untersuchungen braucht die AOK Baden-Württemberg hierfür besonders lang, nämlich bis zu 6 Wochen.

Eine Ablehnung ist nicht in Stein gemeißelt. Insofern kann und sollte man gegen den negativen Bescheid Widerspruch einlegen. Untersuchungen belegen, dass 40% der Widersprüche erfolgreich sind.

Wie lege ich Widerspruch ein?

Zunächst reicht ein formloses Schreiben, in dem das Aktenzeichen und Datum der Ablehnung vermerkt sind. Hierzu kann man beispielsweise das Muster verwenden, das die Redaktion von Finanztip.de bereithält. Der Widerspruch muss innerhalb eines Monats bei der Krankenkasse eingehen. Um das nachweisen zu können, sollte man ihn als Einschreiben verschicken.

In diesem Widerspruch sollte die Notwendigkeit der Kur nochmals begründet werden. Dabei kann die Unterstützung durch den Arzt/Kinderarzt sowie Beratungsstellen (Verbraucherzentrale, Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD)) sinnvoll sein.

Was geht in der Welt rum? 10. April 2021

Moderna: Entwicklung eines spezifischen Impfstoffs gegen britische Mutante

AstraZeneca: Pausiert die Corona-Impfstoffstudie bei Kindern

Starker Birkenpollenflug im Oberrheintal

Luftqualität: Schadstoffe nehmen bei ruhiger Wetterlage zu

Das Corona-Durcheinander für Schulen und KiTas bleibt uns erhalten: Präsenzunterricht oder Wechselunterricht? Oder doch Lockdown? Ach so, testen wäre gut. Aber womit? Tests sind versprochen, sind aber in den meisten Schulen und KiTas bisher nicht angekommen. Und wenn Tests da sind – wo sollen sie durchgeführt werden? Zuhause oder in der Schule? Die Serie an Fragen könnte locker verlängert werden. Antworten sind wichtig: Damit wir nicht länger locked-down bleiben.

Coronavirus. Foto: pixabay, Gerd Altmann

Im Corona-Chaos wird deutlich, dass nur die Impfungen dem SARS-CoV-2 effektiv und anhaltend etwas entgegenzusetzen haben. Aber was ist mit den Mutanten? Die National Institutes of Health (NIH) in den USA haben eine erste Studie gestartet, in der eine Variante des mRNA-Impfstoffs von Moderna getestet wird: mRNA-1273.351. Dieser Impfstoff ist speziell gegen die südafrikanische Variante B.1.351 gerichtet. Mal sehen, ob und wie schnell es nach Beginn der ersten Testung (Phase 1) bis zu einem guten – gleich wirksamen und verträglichen – Impfstoff kommt. Das ist die zweite große Hoffnung, die sich mit der neuen mRNA-Technologie verknüpft: In kurzer Zeit wirksame Impfstoffe bereitstellen zu können.

BioNTech und Pfizer haben gestern bekannt gegeben, dass sie ihren Coronaimpfstoff Comirnaty© bei Jugendlichen ab 12 Jahren einsetzen wollen. Eine Ende März veröffentlichte Studie hatte für die Altersgruppe der 12-15-Jährigen eine 100%-ige Wirksamkeit gezeigt .Die Erweiterung der  Notfallzulassung für den Impfstoff sei bei der Lebens- und Arzneimittelbehörde (FDA) eingereicht worden. Bislang besteht eine Zulassung ab 16 Jahren.

AstraZeneca und kein Ende der Pannen. Gerade wurde bekannt, dass die schwedisch-britische Pharmafirma ihre Corona-Impfstoffstudie bei Kindern pausiert. Von der Universität Oxford, die den Impfstoff entwickelt hat, war zu hören: „Während es keine Sicher­heitsbedenken in der pädiatrischen klinischen Studie gibt, warten wir auf zu­sätzliche Informationen von der britischen Arzneimittelbehörde MHRA über ihre Überprüfung der selte­nen Fälle von Thrombosen bei Erwachsenen“.

Wie weit wir in Deutschland mit den Impfungen aktuelle sind, zeigt der Corona-Impfindex, zusammengestellt vom Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) und der Kassenärztlichen Bundes­ver­einigung (KBV).

Birkenpollenflug am Oberrhein (Basel). Foto: pollenundallergie.ch

Der Birkenpollenflug hat über Ostern am Oberrhein begonnen. Nach kurzer Unterbrechung, hat er vor zwei Tagen erneut Fahrt aufgenommen. Pollenallergikern stehen nun einige harte Wochen bevor, denn nach den Birkenpollen fliegen bald auch die Gräserpollen – diese beiden sind die für Kinder und Jugendliche häufigsten Pollenarten.

Luftqualität in Freiburg gestern (09.04.2021). Foto: Umweltbundesamt

Leider liegt noch viel mehr in der Luft als nur Pollen. Die Luftqualität hängt von einigen Faktoren ab. Der wichtigste ist die Menge an Schadstoffen, die in die Luft eingebracht wird – sei es durch Industrie, private Feuerungsanlagen oder den Autoverkehr. Der zweite Faktor ist die Wetterlage. Im Winter ist diese eher ruhig (z.B. die Inversionswetterlage): wenig Wind und oft Nebel. Das bedeutet, dass die eingebrachten Schadstoffe am Ort bleiben und nicht verdünnt oder weggetragen werden. In den Sommermonaten hingegen trägt die Sonneneinstrahlung zum Anstieg des Ozons bei. Gestern am Freitag – das zeigt die Graphik mit Daten aus Freiburg – war der Wind am Morgen eher schwach und das Stickstoffdioxid (NO2) – vornehmlich bedingt durch den Autoverkehr –  stieg in den Morgenstunden auf mäßige Werte an. Mit der Sonne kam Wind (im Mittel 20 km/h) auf mit zwei Folgen: Die NO2-Werte sanken ab (gepunktete Linie), weil eine Verdünnung eintrat. Und die Werte für Ozon stiegen an.

Bei den Infektionen läuft es hingegen günstig: Die Zahlen bewegen sich auf sehr niedrigem Niveau für Masern (0 Fälle in diesem Jahr), Mumps (3), Keuchhusten (56 in 2020 gegenüber 558 zur gleichen Zeit im letzten Jahr), Noroviren (264 gegenüber 3481 Fällen zur gleichen Zeit im letzten Jahr) … und so weiter. Außer: Das Hantavirus kommt enorm häufig vor. Allein im Kreis Reutlingen wurden in der letzten Woche 13 neue Fälle registriert.

Was geht in der Welt rum? In Neukaledonien, einer Inselgruppe zwischen Australien und den Fidschi-Inseln im Südpazifik kam es in diesem Jahr zu einem Ausbruch von Hepatitis A – einer infektiösen Leberentzündung, die für alte Menschen und Schwangere gefährlich werden kann. Bei Kindern und Jugendlichen verläuft die Infektion häufig ohne jeglichen Symptome. Reisen zu diesen Inseln sind im Moment nicht möglich, ansonsten würde eine Impfung gegen Hepatitis A perfekt helfen: fast 100%-iger Schutz + beste Verträglichkeit.

Ich wünsche Ihnen ein sonniges Wochenende. Ganz herzlich grüßt Sie

Ihr

Asthma bronchiale: eine komplexe Erkrankung

Nahezu jedes zehnte Kind in Deutschland leidet zeitweise an Asthma bronchiale. Viele Eltern erleben das im Alltag. Eine häufige erste Erfahrung ist ein Infekt, der beim Kind neben Fieber und Husten auch mit Atemnot kombiniert ist – Infektasthma. Andere erleben die Enge der Atemwege im Rahmen von Allergien – das allergische Asthma.

Was steckt hinter der Diagnose Asthma bronchiale? Die wissenschaftliche Forschung hat über die letzten Jahrzehnte immer mehr neue Aspekte herausgearbeitet. Wenn alle diese Erkenntnisse zusammengefügt sind, ergibt sich ein extrem komplexes Bild. Um eine Idee davon zu bekommen, ist die interaktive Karte – die Asthma Map (in Englisch) – sehr erhellend, die von einer Gruppe Wissenschaftler aus vielen Ländern erarbeitet wurde. Ein Blick zeigt, wie verworren die Abläufe der Entzündung beim Asthma bronchiale sind.

Was geht rum? 03. April 2021

mRNA-Impfung bei Jugendlichen (12-15 Jahre): perfekte erste Studiendaten

Testungen an Schulen: Auch mit genügend Tests nicht so einfach

Einfluss der COVID-19-Impfung auf Mutter und Kind in der Schwangerschaft

Hantavirus im Ländle auf dem Vormarsch

Seit dieser Woche liegen erste Daten vor, dass die mRNA-Impfung auch bei Jugendlichen von 12-15 Jahren gut funktioniert. So berichtet die New York Times (in Englisch), dass in einer Studie mit 2260 Jugendlichen 19 symptomatische Infektionen auftraten – alle in der Placebo-Gruppe. Kein mit dem BioNTech/Pfizer-Impfstoff Geimpfter erkrankte. Nebenbei bauten die Jugendlichen um etwa 75% höhere Antikörpertiter auf als junge Erwachsene. Nebenwirkungen traten seltener auf. Eine wissenschaftliche Bewertung der Daten steht noch aus. Sollte diese ebenfalls positiv sein, wäre ein weiterer kleiner Schritt Richtung Herdenimmunität erreicht.

Schule. Foto: pixabay, congerdesign

Alles ist bei genauer Betrachtung nicht gar so einfach. Zu den Testungen auf das SARS-CoV-2 an den Schulen äußerten sich die beiden wichtigsten Verbände der Kinder- und Jugendärzte in dieser Woche: „Bei zwölf Millionen Schülern und 780.000 Lehrern in Deutschland, die regelmäßig zwei Mal in der Woche getestet werden, ergibt sich bei einer Spezifität von 98 Prozent eine Summe von 511.000 falsch positiv getesteten Personen in einer Woche, die in ein Post-Testverfahren eingeschleust und bis zum Ergebnis des PCR-Kontrolltestes isoliert werden müssen“, erklärten die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) und der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). „Falsch positiv“ sind Tests mit positivem Ergebnis, obwohl die betroffene Person nicht infiziert ist. Eine PCR-Testung würde also ein negatives Ergebnis zeigen. Dieser Sachverhalt wir als Spezifität eines Tests bezeichnet. Es ist also die Fähigkeit des Tests, die Patienten ohne Krankheit korrekt zu identifizieren. Das ist eine große Schwäche der Schnelltests, bei dem die Spezifität einiger Tests nur knapp über 80% liegt. Genauere Informationen zu Test gibt das RKI hier.

Ein Thema für werdende Mütter: Welchen Einfluss hat eine COVID-19-Impfung auf Mutter und Kind in der Schwangerschaft? Eine kleine Studie der Harvard-Universität (Preprint in Englisch) gibt Hinweise. Demnach sind die Antikörper einer geimpften Schwangeren ebenso hoch wie die einer nicht schwangeren Geimpften. Und die Antikörper von Schwangeren sind nach einer Impfung höher als nach einer natürlichen Infektion. Wichtig ist die Beobachtung, dass die Antikörper auch im Nabelschnurblut sowie in der Muttermilch nachweisbar sind.

Virus im Aerosol. Vermutlich der wichtigste Weg, um die Atemwege anderer Menschen zu erreichen. Foto: pixabay, PIRO4D

Haben Sie Interesse, Ihr COVID-19-Infektionsrisiko durch Aerosole in verschiedenen Situationen näherungsweise zu bestimmen? Dazu hat die TU Berlin eine Berechnung erstellt, die diesen komplexen Prozess recht einfach erfasst. Hierzu gibt es weitere Literatur, die den Prozess etwas detaillierter darstellt – einen ersten Einstieg finden Sie hier.

Lebensmittel in Deutschland sind von guter Qualität. Damit das so bleibt, finden regelmäßig Kontrollen in Betrieben und Restaurants statt. Die Organisationen Foodwatch und „Frag den Staat“ haben nun die Internetplattform „Topf Secret“ erstellt, auf der Sie die Ergebnisse dieser Lebensmittelkontrollen mittlerweile – zumindest teilweise – einsehen können. Die Karte umfasst Restaurants und Cafés in ganz Deutschland.

Neben der Zunahme bei den Coronaviren fällt die rasante Zunahme an Infektionen mit dem Hantavirus in Baden-Württemberg auf. Allein in der letzten Woche kamen 25 neue Infektionen hinzu, so dass in diesem Jahr 165 Erkrankungen gesichert sind gegenüber nur 17 im letzten Jahr. Welche Bedeutung das Hantavirus hat können Sie hier lesen.

Infekte sind selten. Bei den Kinderkrankheiten setzt sich der Trend fort: deutlich weniger Infektionen als zur gleichen Zeit im letzten Jahr: 0 x Masern in 2020 (2019:25), 3 x Mumps in 2020 (2019:44), 55 x Keuchhusten in 2020 (2019:533). Grund zur Freude. Ebenso Grund zum Impfen, weil mit dem Ende der Coronamaßnahmen alle diese Erkrankungen wieder zunehmen werden.

Birkenpollenflug am Oberrhein (Basel). Foto: www.pollenundallergie.ch

Mit dem frühsommerlichen Wetter stehen die Birken in tiefen Lagen wie im Oberrheingraben in vollen Blüte. Birkenpollenallergiker werden in den kommenden Wochen mit Symptomen rechnen müssen. Empfehlung: Notfallmedikamente kontrollieren und ggf. ersetzen.

Straße auf dem Weg in ein Dorf im Kongo. Mit einem heißen Ritt auf einem Motorrad haben mein Kollege und der Autor dieses Beitrags das Ziel nach 36 Stunden erreicht. Foto: ptw

Was geht in der Welt rum? In der Demokratischen Republik Kongo kam es seit Januar nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen in einigen nördlichen Provinzen zu Ausbrüchen von Masern. Betroffen seien 13.000 Neuerkrankte in den Provinzen Nord-Ubangi und Süd-Ubangi. Viele Dörfer dort sind von der Gesundheitsversorgung abgeschnitten und schwer erreichbar – das Bild, aufgenommen von mir im Jahre 2006, zeigt eine solche Straße durch den Busch. Bisher seien 186 Menschen an den Masern verstorben.

Ich wünsche Ihnen ein frohes und sonniges Osterfest,

ganz herzlich grüßt Sie Ihr

 

 

Kuhmilchallergie: Wie gefährlich kann sie sein?

Über Lebensmittel unterhalten wir uns täglich. So zum Beispiel über Unverträglichkeiten aller Art wie Lactoseintoleranz oder Unverträglichkeit von Weizen. Man vermutet, dass jeder fünfte in Deutschland bei sich eine Unverträglichkeit beobachtet, obwohl nur bei 2% aller Menschen eine solche nachweisbar ist.

Ähnlich ist es bei Allergien gegen Nahrungsmittel. Solche Allergien werden oft vermutet, lassen sich aber nur bei einer kleineren Gruppe von Menschen nachweisen. Genaue Daten hierzu gibt es wenige. Insofern ist die Studie aus der Arbeitsgruppe von Paul J. Turner vom National Heart and Lung Institute in London (England) sehr interessant.

Zunahme der Anaphylaxien gegen Nahrungsmittel zwischen 1998 und 2018 in Großbritannien. Quelle: British Medical Journal

Die Briten haben die nationalen Daten von 1998 bis 2018 hinsichtlich Krankenhausaufnahme wegen Nahrungsmittelallergien ausgewertet. In diesen 20 Jahren stieg die Zahl der stationär aufgenommenen Personen mit Nahrungsmittelallergien von 1,23 auf 4,04 pro 100.000 Einwohner und Jahr. Dabei lag der Anstieg bei Kindern deutlich höher: 2,1 auf 9,2 Aufnahmen pro 100.000 Personen.

Allergische Reaktionen auf Nahrungsmittel sind unangenehm und manchmal auch bedrohlich. Todesfällen sind jedoch selten. Für Großbritannien ließen sich 66 Todesfälle für Kinder im Schulalter innerhalb der 20 Jahre nachweisen. Davon entfielen 17 Todesfälle (26%) auf Kinder mit Kuhmilchallergie. Die nächst häufigere Todesursache waren die Erdnüsse als Auslöser in 14%, die bei Erwachsenen das „tödlichste Allergien“ mit 20% darstellt.

Ein beruhigendes Ergebnis der Studie ist, dass zwischen 1998 und 2018 laut des staatlichen Gesundheitsdienstes (NHS) die Zahl der verordneten Adrenalin-Injektoren um 336% zugenommen hat. Adrenalin ist die einzige Arznei, die eine Anaphylaxie (allergischer Schock) erfolgreich stoppen kann. Kampagnen der Allergologen weltweit werben seit Jahrzehnten dafür, diese Notfallarznei unbedingt den kritischen Allergiker zu verordnen.

Diese Zahlen aus Großbritannien zeigen auch eine Tendenz, die für Deutschland gilt: Schwere Allergien kommen häufiger vor als oft gedacht. Sie zu erkennen und exakt zu diagnostizieren ist der eine Schritt. Der andere ist die Planung der Notfalltherapie mit dem Adrenalin-Injektor sowie der Schulung der persönlichen Umgebung (Eltern, ErzieherInnen, LehrerInnen u.a.) im Einsatz desselben. Denn Todesfälle sind möglich, aber in vielen Fällen vermeidbar.

Was geht rum? 27. März 2021

Tests: Spucktests im Kanton Basel-Land

Maske: Wie kann sie wieder keimfrei werden?

Impfung: ab 7. April in der Hausarztpraxis

Pollen: kurze Verschnaufpause

Spucktests im Kanton Basel-Landschaft (BL). Quelle: baselland.ch

Mehrere Schweizer Kantone machen es vor: Mit Corona-Spucktest (auf PCR-Basis) testen sie Schulen und Unternehmen, um frühzeitig symptomlose Infizierte zu erkennen. Der Kanton Basel-Landschaft ist einer dieser aktiven Kantone, die wöchentlich 50.000 Menschen testen. Ein guter, aber nicht ganz billiger Weg, um trotz hoher Infektionsraten in Schulen die Klassen weiter offen lassen zu können. Für Politiker aus Baden-Württemberg: Schaut mal in die Schweiz. Oder wie es dort heißt: Chume und luegä!

Müdigkeit. Quelle: pixabay, PublicDomainPictures

Dass eine Coronainfektion (COVID-19) nicht immer folgenlos abheilt ist bekannt. Dieser Zustand nach der akuten Erkrankung, der noch etwas schwer fassbar ist, hat nun einen Namen: Post Acute Sequelae of COVID-19 (PASC). In einer Studie hierzu berichten 51% der untersuchten Patienten nach einem Krankenhausaufenthalt, dass sie zumindest eines der folgenden Symptome noch nach vier Monaten hatten: Müdigkeit (31%), kognitive Symptome (21%) und eine neu aufgetretene Atemnot (16%). Auch Kinder und Jugendliche sind in Einzelfällen betroffen. So stellt Markus Hufnagel vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin der Universitätsklinik Freiburg fest: „Wir rechnen durch die Lockerungen der Maßnahmen mit mehr Betroffenen mit meist diffusen, länger anhaltenden gesundheitlichen Problemen“.

Maske bei Kindern. Quelle: pixabay, René Bittner

Masken. Wie können sie von Viren entseucht (dekontaminiert) werden? Dazu liegt ein rückblickende Untersuchung (review) vor, in dem die Ergebnisse von 42 Studien zusammengefasst sind. Wirksam sind: UV-Strahlung zur Keimabtötung, feuchte Hitze und Mikrowellen-Dampf-Aufarbeitung als effektive Maßnahmen.

Impfungen. Wie kompliziert kann man dieses Thema eigentlich behandeln? Wir sollten unseren Sinn für Gerechtigkeit bremsen. Die Impfempfehlungen sind gut, der Umgang damit ernüchtert. Manche sind halt „gleicher“: diverse Bürgermeister, manche Landräte und ein Bischof. Da kommt von Prof. Drosten der Vorschlag, dass „der Schalter für die Hausärzte umgelegt“ werden soll. „Man kennt seine Pappenheimer als Hausarzt. Dieser menschliche Faktor wird im Moment nicht genutzt.“ Stimmt!

Inzwischen habe ich so viele Impfungen im Fernsehen gesehen, dass ich überzeugt bin inzwischen optisch immun zu sein. Auch gegen die schreckliche Impftechnik, die über den TV-Bildschirm flackert, angefangen von minutenlangen Injektionen bis zur verbogenen Impfnadel bei einem geduldigen Erwachsenen. Noch ein Argument mehr, die Kinder- und Hausärzte für die Coronaimpfungen einzusetzen. Solch einfache technische Dinge beherrschen sie klar. Ab dem 7. April soll es nach Angaben der Kassenärztlichen Bundes-Vereinigung (KBV) soweit sein, dass Impfstoffe in der Hausarztpraxis bereitliegen.

Weitere aktuelle Details zu den Impfungen finden Sie hier, auf einer Seite des Robert-Koch-Instituts und des Bundes-Gesundheitsministeriums.

Letzte Haselblüten im Schwarzwald. Quelle: ptw

Der Frühling kommt doch noch. Hasel- und Erlenpollen gibt’s nur noch in höheren Lagen, jetzt machen sich die Eschenpollen (+ die Pollen von Pappeln, Weiden und Ulmen) bereit. Allergien gegen diese Pollenart sind jedoch selten. Heikel wird es wohl über Ostern. Dann ist mit dem Birkenpollenflug zu rechnen.

Infektionen – außer mit dem SARS-CoV-2 – bleiben weiterhin selten. Wie in der Vorwoche traten auch in dieser Woche Fälle von Keuchhusten auf. Aber deren Zahl liegt bei einem Zehntel der Fälle des letzten Jahres. Masern oder Mumps traten überhaupt nicht auf. Auch die Rotaviren kommen nur selten vor.

Was geht in der Welt rum? Auch wenn viele Kinderkrankheiten in Deutschland seit der Corona-Pandemie spürbar seltener vorkommen: Neben einer Pandemie kann zusätzlich auch eine Epidemie auftreten. So in Peru, wo das Dengue-Fieber seit Wochen um sich greift. Inzwischen sind 3.176 Infektionen und 6 Todesfälle bestätigt. Parallel hat COVID-19 bereits zu mehr als 50.000 Todesfällen geführt. Damit liegt die Tödlichkeit dieser Erkrankung um 60% höher als bei uns.

Genießen Sie das frühlingshaftes Wochenende.

Ganz herzlich, Ihr

Medien- und Internetabhängigkeit – Ein Problem von Kindern und Jugendlichen?

Von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) gibt es einige Daten, die sich mit Sucht bei Kindern und Jugendlichen befassen. Das umfasst Studien zum Rauchen, zum Konsum von Alkohol und zu Drogen.

Zum Thema einer exzessiven Mediennutzung gibt es Studiendaten erst seit 10 Jahren. Kürzlich erschein die BZgA-Studie zum Thema „Die Drogenaffinität Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland 2019 – Teilband Computerspiele und Internet„, die im Internet zum Download bereitsteht.

Grundlage war die Drogenaffinitätsstudie 2019, für die – ähnlich wie vier Jahre zuvor – 7.000 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 12 bis 25 Jahren befragt wurden. Die Befragung ergab, dass 12- bis 17-Jährige Computerspiele und Internet wöchentlich im Durchschnitt 22,8 Stunden, die Älteren (18- bis 25-Jährige) durchschnittlich 23,6 Stunden nutzten.

Von einer computerspiel- oder internetbezogenen Störung gehen die Autoren bei 8.4% der befragten Jugendlichen und 5.5% der jungen Erwachsenen aus. Interessanterweise sind bei den Jugendlichen mehr Mädchen (10%) als Jungen (7%) davon betroffen. Seit der ersten Untersuchung im Jahre 2011 sowie der Nachfolgeuntersuchung 2015 zeigt sich eine Zunahme dieser Störung.

Was geht rum? 20. März 2021

Britische Corona-Variante B.1.1.7 bei Kindern in Südbaden

Lolli-Tests an Schulen? 

6 Fuß oder 3 Fuß? Abstandsregeln in Schulen

Impfstofftestung bei Kindern unter 12 Jahren gestartet

Das Frühjahr ist seit heute 10:37 Uhr da. Auch wenn mancherorts noch Schneeflocken fallen, die ersten Hummeln und Bienen fliegen bereits die Blüten von Mandelbäumen und Heidekräutern an. Für Eltern von Kindern und Jugendlichen mit Insektenallergie das untrügliche Zeichen, dass auch die Notfallapotheke überprüft werden sollte. Im gleichen Zuge kann die Anwendung des Injektors in Gedanken durchgespielt werden. Was für das Präparat Emerade© wichtig ist, zeigt diese Patientenbroschüre anschaulich auf.

Durch die Pandemie wurden im vergangenen Jahr weltweit 168 Millionen Kinder vom Schulunterricht ausgeschlossen. Das gab die UNICEF bekannt. Eine von vielen Zahlen, die belegen, wie heftig sich das SARS-CoV-2 für Kinder und Jugendliche auswirkt. Die indirekten Folgen im Alltag – das enge Zusammenleben in kleinen Wohnungen, die fehlende Nähe zu Freunden und die damit verbundenen Folgen – treten zunehmend in den Vordergrund. Vom Defizit bei der Bildung ganz zu schweigen.

Die Coronainfektionen mit der britischen Virusvariante (B 1.1.7) nehmen rasant zu. Davon betroffen sind in dieser dritten Welle besonders die Kinder. In Freiburg (Stadt- und Landkreis) wurden laut Badischer Zeitung seit Januar bis jetzt (Stand Dienstag der Woche) 721 Fälle mit dem britischen V-Virus gesichert. Betroffene Kinder unter 10 Jahren: 78 (10.8%), betroffene Kinder und Jugendliche bis 19 Jahre: 72 (10.0%). Hören wir von Plänen, wie die Schulen trotz solcher Belastungen weiter geöffnet bleiben können? Statt dessen treten „Experten“ in den Medien auf, die mangels eigener Information nicht in der Lage sind, die Sinusvenenthrombose nach Impfung korrekt einzuordnen. Kurzum: Das wichtigste Thema sollte aus meiner Sicht sein: Wie können die Kindergärten und Schulen auch in einer dritten Welle weiter offen bleiben (Tests, Impfungen, nicht-pharmazeutische Maßnahmen)?

Lollipop Quelle: pixabay; Rudy and Peter Skitterians

Eine Möglichkeit wären systematische Testungen. Ein Pilotprojekt hierzu ist SCHOCO – „Schul-Observation auf Corona“, das in Freiburg im Zusammenarbeit von Stadt, Schulen, Gesundheitsamt und der Universität gerade umgesetzt wird. Einmal pro Woche werden Schulklassen der beteiligten Schulen getestet. Dabei lutschen Schüler jeweils 30 Sekunden auf zwei Wattestäbchen („Lolli-Test“) herum und speicheln diese unter Aufsicht der Lehrer ein. Die Stäbchen (max. 25) kommen dann in ein großes Reagenzglas als Pool-Testung. Die bisher getesteten Klassen waren alle negativ.

Aber werfen wir mal ein Blick zurück in die zweite Corona-Welle: Für die Zeit von Oktober bis Dezember 2020 zeigt uns eine Studie aus New York , dass dort in Schulen die Inzidenz der Infektionen um 60% niedriger lag als in der allgemeinen Bevölkerung. Die Forscher um Jay K. Varma untersuchten 234.132 Schüler und Lehrer (sowie weiteres Personal) in 1594 öffentlichen Schulen und fanden 986 SARS-CoV-2-positive Tests (0,4%). Harte Fakten, die es leichter machen, auch jetzt die Schulen (und KiTas) offenzuhalten.

Füsse. Quelle: ptw

Eine große Diskussion hat die USA erfasst: 6 Fuß oder doch 3 Fuß? Dort wird ja nicht in Metern sondern „in Füßen“ gemessen. Es um die Frage, wie eng Kinder in Schulen in Kontakt kommen dürfen: 3 Fuß = 0,9144 Meter oder sollte der Abstand doch lieber das Doppelte betragen: 6 Fuß = 1,8288 Meter? Eine retrospektive Studie, die also Daten im Nachhinein untersucht, hat sich in Bezug auf die Schulen mit dieser Frage befasst. Das Team um Westyn Branch-Elliman von der Harvard Medical School hat 537.336 Schüler sowie 99.390 Mitarbeiter während 16 Wochen (September 2020 bis Januar 2021) untersucht. Dabei kam es unter den Schülern zu 4.226 und beim Schulpersonal zu 2.382 Infektionen mit SARS-CoV-2. Die Rate an Infektionen war gleich hoch, egal, ob regional ein Abstand von 3 Fuß (WHO: 1 Meter), 6 Fuß (CDC) oder 3-6 Fuß (AAP, amerikanische Kinderärzte) empfohlen worden war. Inzwischen hat sich auch die Direktorin des CDC, Rochelle Walensky, in einem kurzen Video (in Englisch, 01:12 Minuten) für die 3-feet-Regel ausgesprochen.

Seit kurzem werden auch Coronaimpfstoffe für Kinder getestet. So gab die Firma Moderna bekannt, dass sie eine Testreihe bei Kindern gestartet habe. Dabei werde bei 6.750 gesunden,  sechs Monate bis 11 Jahre alten Kindern in den USA und Großbritannien der Impfstoff mRNa-1273 auf seine Wirksamkeit und Sicherheit getestet. Untersuchungen für die Altersgruppe von 12-18 Jahren sind schon seit einigen Monaten im Gange (u.a. bei Moderna, AstraZeneca und BioNTech/Pfizer). Ergebnisse sind vor Herbst nicht zu erwarten.

Gibt’s eigentlich keine Grippe in diesem Jahr? Vor einem Jahr um diese Zeit waren in Baden-Württemberg 20.544 Menschen an der Influenza erkrankt. In diesem Jahr weniger als ein Tausendstel: 19 Erkrankungen. In der letzten Woche: 2 Fälle. Selbst die Rotaviren, die sich als Magen-Darm-Grippe gern bei Kleinkindern austoben treten nur vereinzelt auf. Mit Öffnung der KiTas sind jedoch wieder mehr Schnupfeninfekte (Rhinoviren?) bei Kindern zu beobachten.

Was geht in der Welt rum? Von der Welt sehen wir in der Pandemie ja wenig. Dennoch gibt es gerade in den tropischen Ländern bedeutsame und schwerwiegende Krankheiten, die sich von der Coronainfektion kaum beeindrucken lassen. Beispielsweise das Gelbfiebervirus. Das tritt auch – wenngleich selten – in Brasilien auf. Zuletzt wurden Neuerkrankungen im Bundesstaat Santa Catarina bekannt. Vor Reisen in den Amazonasstaat ist allen Menschen anzuraten, sich ärztlichen Rat zu aktuell wichtigen Impfungen einzuholen.

Märklin-Eisenbahn-Modell, ca. Baujahr 1930. Quelle: ptw

Die Pandemiezeiten sind schwierig. Besonders für Jugendliche. Denn für sie gibt es spürbar weniger Angebote an Ausbildungsstellen. Ein kleiner und überraschender Lichtblick: Märklin aus Göppingen. Eigentlich haben Modelleisenbahnen ein verstaubtes Image. Dennoch legte im letzten Jahr der Umsatz des Traditionsunternehmens mit 1170 Mitarbeitern um über 70 Prozent zu. Und so will das 162 Jahre alte Unternehmen am Rande der Schwäbischen Alb seit Jahren erstmals wieder Lehrlinge einstellen.

Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie ein entspanntes Wochenende.

Herzlich grüßt Sie, Ihr