peter
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Kinder- und Jugendarzt

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Drogenkonsum bei Jugendlichen

Drogenkonsum ist ein wohl ein Thema mit dem sich alle Eltern von Jugendlichen irgendwann auseinandersetzen müssen. Auf dem Land glauben manche noch heute, die äußere Idylle sei ein Beleg dafür, dass Drogenkonsum kaum ein Problem sei. Das ist jedoch ein Irrtum. Richtig ist nur, dass sich der Drogenkonsum auf dem Lande anders darstellt als in der Stadt.

Die bedeutendsten Drogen sind Alkohol, Nikotin und Cannabis. Dabei fallen Unterschiede für Europa und die USA auf. Während 15- bis 16-jährige Schüler in den USA deutlich mehr Cannabis konsumieren (bezogen auf einen Monat: USA 15-17%- Europa 5-8%), ist der Alkoholkonsum in Europa spürbar höher (Europa 50% – USA ca. 22%). Diese Zahlen zeigen nur einen groben Rahmen. Modetrends und politische Entscheidungen (Legalisierungen von Cannabis in einzelnen Staaten der USA) verändern das Spektrum.

Der Europäische Drogenbericht von 2019 gibt einen guten Einblick in die Bedeutung der einzelnen Drogen. Dabei werden jedoch nur die „jungen Erwachsenen“ (15 – 24 bzw. 35 Jahre) den Erwachsenen (15 – 64 Jahre) gegenübergestellt. In Europa haben 96 Millionen Menschen (29%) jemals im Leben illegale Drogen konsumiert. Weitaus am häufigsten ist das Cannabis. Innerhalb der EU gibt es aber auch hierfür enorme Unterschiede. In Malta liegt die Rate der Erwachsenen, die Cannabis konsumiert haben, bei 4%. In Frankreich liegt sie – trotz oder wegen des guten Rotweins – bei 45%.

Cannabis. Trends für Preis und Wirkstoffgehalt Quelle: Europäischer Drogenbericht 2019

In den letzten Jahren hat sich der Markt für Cannabis spürbar verändert. Das zeigt die oben stehende Graphik. Cannabis kann als Cannabiskraut („Marihuana”) oder als Cannabisharz („Haschisch”) konsumiert werden. Während die Preise von 2007 bis 2017 kaum angestiegen sind, liegt der Wirkstoffgehalt (bezüglich THC = Tetrahydrocannabinol) für Cannabis inzwischen deutlich höher.

Für weitergehende Informationen auch über andere Drogen wie Kokain, MDMA, Amphetamine oder neue psychoaktive Substanzen (NPS) ist der Europäische Drogenbericht eine gute Quelle.

Wenn Jugendliche durch schwer erklärbare Symptome mit Verhaltensauffälligkeiten auffallen, sollte an Drogenkonsum gedacht werden. Es ist sinnvoll, sie direkt ohne einen moralischen Unterton darauf anzusprechen.

Was geht rum? 01. August 2020

Es scheint, dass Party und Panik den neuen Umgang mit dem Coronavirus bestimmen. Beides ist nicht zielführend. Für Sie als Eltern ist wichtig, dass nach heutigem Stand kein besonderes Risiko von Kindergärten oder Schulen für Ihre Kinder ausgeht. Die überwiegende Zahl von erkrankten Schülern haben die Infektion durch eine Ansteckung von außen in die Schule hinein getragen. So kam es laut Landesgesundheitsamt seit Beginn der zu 78 Corona-Infektion bei Schülern. Durch die akribische Arbeit der Gesundheitsämter („Ermittlung von Kontaktpersonen“) konnten echte Ausbrüche in Schulen verhindert werden.

Abstand und Maske. Das ist kurz und knapp, was uns vor einer Infektion mit dem Coronavirus schützt. Eine neue Untersuchung zeigt, dass selbstgenähte Masken gewisse Anforderungen erfüllen sollten: Am besten sollten sie aus 2 Lagen Stoff bestehen. In ruhigen Situationen (wie Gesprächen) gibt eine einfache und einlagige Maske durchaus einen spürbaren Effekt. Aber spätestens beim Niesen und Husten ist nur die 2-lagige Maske in der Lage, die Tröpfchen-Verbreitung aufzuhalten. Es lohnt sich, die Original-Publikation von Paatrek Bahl und Mitarbeitern aus Sydney (Australien) wegen der graphischen Darstellungen anzusehen.

Die Juli-Infektwelle mit Schnupfen in Kindergärten und Schulen scheint abzuebben. Mit den Ferien gibt es weniger Chancen sich anzustecken. Auch bei den Kinderkrankheiten kommen seit Wochen fast nur gute Nachrichten. Der Keuchhusten kommt spürbar seltener vor als im letzten Jahr. Grund hierfür dürften die AHA – Regeln ( Abstand + Hygiene + Alltagsmaske) sein. An diese Regeln sollten wir uns weiter konsequent halten.

Neuerkrankungen an FSME in Baden-Württemberg. Die blauen Säulen geben die Fälle pro Kalenderwoche wieder. Die hellblaue Fläche gibt die maximalen und minimalen Fallzahlen der letzten 10 Jahre an. Quelle: Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg

Besorgniserregend sind die Erkrankungszahlen bei der FSME: Früh-Sommer-Meningo-Encephalitis. Sie erreichen in einem Ost-West-Gürtel vom Landkreis Ravensburg bis in den mittleren Schwarzwald sehr hohe Neuinfektionen mit bis zu 14 pro 100.000 Einwohner. Auch wenn dies Kinder weniger betrifft als Erwachsene, sollte mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt überlegt werden, ob eine Impfung regional wichtig ist. Empfohlen ist sie für das Land-Baden-Württemberg ohnehin (ab dem Alter von 1 Jahr).

Für Pollenallergiker gibt es keine neuen Nachrichten. Pollen fliegen weiterhin. In höheren Lagen herrschen die Gräserpollen vor, in tieferen fliegen Spitzwegerich und inzwischen auch Beifußpollen. Besondere Änderungen sind über die nächste Woche nicht zu erwarten

Was geht in der Welt rum? In den letzten Wochen trat das West-Nil-Fieber in Rumänien und in Griechenland auf. Das Virus kommt über Zugvögel aus den Tropen nach Europa und betrifft viele Länder, wie die Karte des ECDC zeigt. Die Übertragung erfolgt über infizierte Stechmücken – selten – auch auf den Menschen. Beim Menschen tritt in 20% nach einer Infektion eine grippeähnliche Erkrankung auf. In Deutschland kam es erstmals im letzten Jahr zu einer West-Nil-Infektion. Eine Impfung gibt es nicht, im Zentrum steht der Mückenschutz.

Für alle, die sich auf Reisen möchte ich hier nochmal die Einreisebestimmungen und Corona-Regeln für die Europäische Union zur Lektüre empfehlen. Auf diesem Terrain ändern sich manche Dinge täglich. Es lohnt sich also, mehrfach vor dem Urlaub nachzusehen.

Ich wünsche Ihnen ein schattiges Sommer-Wochenende und verbleibe mit herzlichen Grüßen

Ihr

Peter Th. Wolff

Säuglinge können gestillt werden, auch wenn ihre Mütter an COVID-19 erkrankt sind

Dürfen Mütter, die mit dem SARS-CoV-2 Virus infiziert sind, ihr Baby stillen? Eine von vielen Fragen, die erst seit kurzem recht klar beantwortet werden kann. Ja, sie dürfen.

Dafür sprechen Daten, die gerade im angesehenen Fachjournal The Lancet erschienen sind. Die Autoren Christine M. Salvatore und Mitarbeiter haben dazu an den 3 Kliniken der New York Presbyterian Hospitals Mütter untersucht, die zwischen Ende März und Mitte Mai ihre Kinder zur Welt brachten. Von 1481 Gebärenden wurden 116 (8%) positiv auf das Coronavirus getestet. Von den 120 Kindern (auch Zwillinge) wurden am Tag nach der Geburt alle negativ auf das Virus getestet.

Allen Müttern wurde das Stillen erlaubt, sie sollten hierbei jedoch einen Mund-Nasen-Schutz (MNS) tragen und vorher und nachher die Hände desinfizieren. Von den Müttern, die nach einer Woche noch in der Klinik waren stillten noch 78%. Unter den 82 Kindern, die zu dieser Zeit noch in der Klinik waren konnten 79 (96%) nochmals auf das Coronavirus untersucht werden: alle negativ. Auch die 72 Kinder, die nach zwei Wochen nochmals getestet wurden, zeigten einen negatives Corona-Testergebnis. Alle Kinder hatten zu keiner Zeit Zeichen einer COVID-19.

Das Stillen selbst wird beim SARS-CoV-2 schon immer als unproblematisch angesehen. Für sehr viele Virus-Infektionen (nicht bei HIV: hier ist Stillen nur unter einer antiviralen Therapie möglich) ist nachgewiesen, dass sie nicht über die Muttermilch übertragen werden und zur Infektions des Kindes führen.

Fazit: Unter der Bedingung, dass die Coronavirus-infizierten Mütter beim Stillen einen MNS tragen und ihre Hände vor und nach dem Stillen desinfizieren, wurde nachweislich kein Neugeborenes angesteckt.

 

Was hilft gegen Erbrechen bei Kindern?

Alle Eltern erleben es irgendwann: Ihr Kind sitzt im Bett, würgt und erbricht. Ein jämmerliches Bild. Alle wollen das möglichst schnell beenden, um dem Kind diesen Stress und die Angst zu nehmen. Aber wie?

Da gibt’s doch die „Erbrechenszäpfle“? Ja, davon gibt es so manche. Aber helfen die wirklich?

Eine Untersuchung der Forschergruppe um Laura F. Niño-Serna von der Universität Antioquia in Medellín (Kolumbien) hat die verfügbaren Daten zu diesem Thema im renommierten Journal der amerikanischen Kinderärzte (Pediatrics) zusammengefasst. Das wird Metaanalyse genannt, also eine Arbeit, die versuch das aktuell verfügbare Wissen zu einer Frage in eine Antwort zu gießen.

In den Datenbanken fanden die Wissenschaftler 1840 Treffer zum Thema Antiemetika (Mittel gegen das Erbrechen) bei Magen-Darm-Grippe von Kindern. Von diesen Studien suchten sie 24 Arbeiten aus, die den strengen Kriterien genügten (sog. randomisierte, kontrollierte Studien). Darin sind Daten von 3482 Kindern im Alter von einem 1/2 bis zu 5 Jahren aus 16 Ländern enthalten.

Was fanden die Forscher? Die einzig gut wirkende Substanz war Ondansetron (Zofran©, Axisetron©). Sie vermochte Erbrechen bei Magen-Darm-Infektionen zu beenden und die Notwendigkeit zur stationären Behandlung bzw. zur Anwendung von Infusionen deutlich zu vermindern. Das Problem ist: In Deutschland ist diese Arznei im Kindes- und Jugendlichenalter nur für die Behandlung von Erbrechen im Rahmen einer Chemotherapie im Rahmen einer Krebsbehandlung zugelassen. Für eine Magen-Darm-Grippe besteht keine Zulassung.

Alle anderen Arzneien kann man sich schlicht sparen, folgt man den Daten der Untersuchung: Dimenhydrinat (Vomex A©, Vomacur©) oder Metoclopramid (Paspertin©).

Wer sich genauer informieren möchte, kann die umfangreiche Sk2-Leitlinie akute infektiöse
Gastroenteritis im Säuglings-, Kindes- und Jugendalter zu diesem Thema studieren. Dort finden sich Hinweise für gesicherte Erkenntnis zur Therapie des Erbrechens bei Gastroenteritis (Seite 44 und folgende). Die ausführlichen Erläuterungen zur medikamentösen Therapie (Seite 56 und folgende) ist sicher für manche Eltern ebenfalls interessant.

Kurzes Fazit: Bei Erbrechen von Kindern hilft die geduldige Gabe von Flüssigkeit am besten. Gute Medikamente zum Beenden des Erbrechens gibt es, sie sind aber für diese Diagnose bei Kindern nicht zugelassen – faktisch also verboten. Die Medikamente, die zugelassen sind, verwenden Eltern lieber nicht. Sie bringen praktisch nichts, außer unerwünschte Nebenwirkungen.

Was geht rum? 25. Juli 2020

Die Ferien beginnen diese Woche. Aber ohne Jubel. Durch die Pandemie haben Schülerinnen und Schüler schmerzhaft erfahren, dass zuhause bleiben und chillen nicht alles ist. Auch die Aussicht auf das neue Schuljahr ist getrübt.

Noch immer läuft die nachgeholte Infektwelle. Die Viren, die sich im Lockdown nicht ausleben, konnten haben nun die Kindergärten und Schulen erfasst. Schnupfen allüberall. Und Sorgen bei Eltern und Lehrern. Könnte unter den meist leicht kranken Kindern auch eines mit einer Corona-Infektion sein? Schnupfen ist nicht unbedingt ein typisches COVID-19-Symptom. Aber es kommt bei dieser Krankheit durchaus vor. Das macht es so schwierig: Man sucht Sicherheit und findet keine. Corona hat uns weiterhin im Griff, auch wenn momentan nur wenige im Ländle daran erkranken.

Viren, allüberall. Quelle: pixabay, Gerd Altmann (mod.)

In Friedrichshafen zeigt sich das beispielhaft. Dort steckte ein Reiserückkehrer aus Serbien, der die Quarantäne nicht einhielt zwei Menschen an. Auch die Tochter eines der beiden Infizierten hielt sich nicht an die Quarantäne und steckte auf einer Party viele Schüler an. Diese haben das Corona-Virus in 6 Schulen getragen. Inzwischen sind weit über 200 Kontaktpersonen ermittelt worden.

Ein Problem bei der Gesundheitsvorsorge: Wir können Viren mit dem Auge nicht sehen. So sehen wir auch nicht das FSME-Virus. Aber, wir können die Zecke sehen und fühlen. Und wir können sie auf der Haut unserer Kinder suchen. Das sollten wir auch. Denn in diesem Jahr schnellen die Erkrankungszahlen mit dem Virus massiv nach oben. Das gilt für unser Ländle wie für die Schweiz (siehe weiter unten). In Baden-Württemberg sind seit Januar 170 Erkrankungen an FSME neu gemeldet worden (in 2019 zur gleichen Zeit 102). Allein in der letzten Woche kamen 28 hinzu. Schwerpunkte sind der Ortenaukreis, der Kreis Rottweil und der Zollern-Alb-Kreis.

Biene im verblühenden Lavendel. Quelle: ptw

Ebenfalls kaum sichtbar sind die Pollen. Aber es fliegen noch genügende. Im Rheintal sind die Gräserpollen weiter am schwinden, die Spitzwegerich-Pollen breiten sich mehr aus.In besonders warmen Regionen blüht bereits der erste Beifuß.

Was geht in der Welt rum? Die Zecke ist grenzenlos. Zumindest in Baden-Württemberg. Bei unserem südlichen Nachbar sind mit bislang 249 mehr als doppelt so viele Erkrankungen gemeldet als im Vorjahr. Weitere Informationen über die FSME in der Schweiz gibt das Bundesamt für Gesundheit. Durchaus wichtig auch für Tagesausflügler in die Alpen.

Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie einen guten Start in die Ferien,

Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff

Warum wir uns maskieren sollten

Was vor einem halben Jahr noch zum Schmunzeln anregte, ist heute fast schon Standard: der Mund-Nasen-Schutz (MNS). Sein Ziel: Er soll den Flug der Tröpfchen, die beim Ausatmen die Nase und beim Sprechen den Mund verlassen, abbremsen. Das bedeutet natürlich, dass er beide Eingänge zu den Atemwegen filtern muss. Mund und Nase. Nebenbei hilft er auch etwas, Tröpfchen von außen bei der Einatmung abzublocken.

Zwei Corona-positive Hairstylisten und ihre gesunden Kunden. Der Mundschutz macht’s. Quelle: cdc.gov

Dazu eine schöne Geschichte, die gerade im Morbidity and Mortality Weekly Report (MMWR) veröffentlicht wurde. Die Autoren um M. Joshua Hendrix berichten von 2 Haar-Stylisten in den USA, die mit dem Coronavirus infiziert waren. Vermutlich haben sie sich beim Reden nach der Arbeit gegenseitig angesteckt. Es verwundert nicht, dass in beiden Familien mehrere Mitglieder an COVID-19 erkrankten. In ihrem Salon jedoch trugen sie konsequent eine Maske während sie 139 Klienten (jeweils über 15 Minuten) stylten. Von diesen 139 Personen erkrankte: Niemand. Bei 67 der Kunden wurde ein Rachenabstrich durchgeführt: alle negativ. Maske nutzt. Wenn man sie be-nutzt.

Häufigkeit, mit der ein Mund-Nasen-Schutz in einigen Ländern seit Februar 2020 getragen wird. Quelle: The Economist

In vielen Ländern Asiens wird er seit langem getragen und gehört zur Normalität, wie die blaue Kurve (mittlere Graphik, Ostasien) für China zeigt. Viele Länder haben nachgezogen. So ist das Tragen des MNS in Spanien neuerdings ebenso Alltag wie in China.

Eine Reihe von Länder in Europa haben die Maskenpflicht neu eingeführt (Schweiz: im öffentlichen Nahverkehr), wieder erneuert (Österreich) oder ausgeweitet (Frankreich: auf Banken, Supermärkte und Kultureinrichtungen).

Meist ist es der einfache, oft selbst genähte MNS der getragen wird. Er bietet einen guten Schutz. Da aber verschiedene Materialien zum Einsatz kommen, lässt sich dieser nicht genau bestimmen. Im Übrigen ist für jeden dieser MNS unklar, wie lange die Schutzwirkung anhält. Sicher ist nur: Der Mund-Nasen-Schutz muss über dem Mund und der Nase getragen werden. Sonst ist er wirkungslos.

Qualitativ besser sind Atemschutzmasken, die eng anliegen und die Einatmen- und/ oder Ausatemluft filtern. Allerdings nur, wenn sie korrekt getragen werden. Wie das geht (oder besser nicht gemacht wird) zeigt eine schöne Informationstafel des Robert Koch-Instituts (RKI). Speziell weist sie nochmals darauf hin, dass diese Atemschutzmasken (also FFP2, FFP3 oder der amerikanische Standard N95) mit oder ohne Ventil geliefert werden.

  • Mit Ventil: Diese Maske filtert nur die Einatemluft. Damit stellt sie einen Eigenschutz dar. Aber keinen Fremdschutz. Vorteile sind verminderter Hitze- und Feuchtigkeitsstau sowie verlängerte die Tragedauer
  • Ohne Ventil: Filtert die Einatemluft und die Ausatemluft. Damit stellt diese Maske einen Eigen- und einen Fremdschutz dar.

Viele Studien haben untersucht, ob ein Mundschutz vor der Übertragung von Viren schützen kann. Eine zentrale Arbeit hierzu erschien bereits vor 11 Jahren. Damals gab es noch kein SARS-CoV-2,wohl aber Grippeviren (Influenza A und B). Auf diese hin haben die Forscher um D.F. Johnson in Australien ihre kranken Probanden untersucht. Die Untersuchung lief in 4 Schritten ab: 1. Husten ohne Maske, 2. Husten hinter einer N95-Maske, 3. Husten in eine chirurgische Maske und 4. Nochmals Husten ohne Maske. Die Tröpfchenladung beim Husten wurde 20 cm vor dem Mund des Probanden aufgefangen. Danach erfolgte ein PCR-Test, der auch heute der Standard bei der Erfassung des Coronavirus ist.

Im Ergebnis zeigte sich, dass die chirurgischen Atemmasken gegenüber den N95-Masken (sie entsprechen den deutschen FFP2-Masken) gleich gut wirkten und die gesamte Viruslast abblocken konnten.

Fazit: Vor wenigen Tagen hat sich der Leiter des Centers of Disease Control (CDC) zum MNS geäußert. Dr. R.R. Redfield. “Cloth face coverings are one of the most powerful weapons we have to slow and stop the spread of the virus…..“ (Stoff-Gesichtsmasken sind eine der stärksten Waffen die wir haben, das Virus zu verlangsamen und zu stoppen).

FODMAP Diät: Sinnvoll für Kinder?

Bauchschmerzen kommen bei Kindern häufig vor. Und das macht es für die Umgebung so mühsam, diese Schmerzen richtig einzuordnen. Am Schmerz besteht kein Zweifel. Aber ob dieser eine organische oder eine psychische Ursache hat, das lässt sich nicht so ohne weiteres sagen. Das ist eine Frage, mit der sich Eltern an die Kinder- und JugendärztInnen wenden sollten, die ihre Kinder kennen.

Sicher ist nur: Eine Diät einfach mal so zu beginnen, ist nicht sinnvoll. Und kann gerade bei Kindern Schaden anrichten.

Eine Diät, die im Zusammenhang mit Bauchschmerzen immer wieder auftaucht ist die FODMAP: fermentable oligo-, di-, monosaccharides and polyols“. Diese Diät umfasst also Kohlenhydrate und deren Alkohole, die von der Schleimhaut nur in geringem Umfang aufgenommen werden und damit zur Gärung im Dickdarm neigen. Dazu zählen neben anderen Fruktose, Laktose, Sorbit und Mannit. Die FODMAPs tragen aber bei gesundem Darm auch zur Vermehrung von Präbiotika (Bifidobakterien, Lactobazillen) und somit zur Gesundheitserhaltung bei. Günstig sind die FODMAPs auch für die Aufnahme von Calcium und Vitamin C bzw. für eine bessere Stuhlkonsistenz.

Ein FODMAP-arme Diät hat somit Auswirkungen auf vielfältige Prozesse des Darmes. Sie sollte insofern immer von einer erfahrenen Fachkraft begleitet und nur für eine begrenzte Zeit durchgeführt werden. In dieser Periode von sehr wenigen Wochen sollten Provokationen von Nahrungsanteilen erfolgen.

Aus diesen Hinweisen wird deutlich, dass die Durchführung einer FODMAP-Diät bei Kindern und Jugendlichen nur in enger Abstimmung mit einem kinderärztlichen Gastroenterologen und nie „nach Kochbuch“ in Eigenregie erfolgen sollte. Sie wird meistens als Instrument zur Klärung schwierig fassbarer Erkrankungen wie Reizdarmsyndrom oder einer sog. Nicht-Zöliakie-Glutensensitivität genutzt, die bei Kindern ohnehin selten sind.

Was geht rum? 18. Juli 2020

Was mich jede Woche aufs Neue freut: Keine Masernerkrankungen. Seit 16 Wochen gibt es in Baden-Württemberg keine einzige neue Infektion dieser heftigen Kinderkrankheit. Da verwundert es nicht, dass im ersten Halbjahr 2019 fast dreimal so viele Menschen an Masern erkrankten. Es hat den Anschein, dass die Corona-Maßnahmen sich hier weiterhin positiv auswirken.

Die Corona-Warn-App haben wir nun seit fünf Wochen. Auch in anderen Ländern wie in der Türkei und Großbritannien werden ähnliche Informationssysteme in Anlehnung an das deutsche Modell erstellt. Und bei uns scheint diese technische Lösung erste Erfolge zu zeigen.

Wie sich das Coronavirus genau ausbreitet, ist noch nicht vollständig geklärt. In einer spannenden Untersuchung zeigen Michael Klompas und seine Mitautoren von der Harvard Medical School Aspekte auf, dass die Bedeutung der Aerosole nicht so bedeutsam sein dürfte wie gedacht. Dabei verweisen sie auch auf die Reproduktionszahl. Sie gibt an, wie viele Personen von einem Infizierten neu angesteckt werden. Bevor die Schutzmaßnahmen (Abstand halten; Maskentragen) umgesetzt wurden, lag diese beim neuen Coronavirus SARS-CoV-2 bei 2,5. Bei den Masern, die zu den am meisten ansteckenden Erkrankungen (auch über Aerosole) gehören, liegt sie jedoch bei 18. In der Studie können Sie weiter Daten finden, die die These der Autoren unterstreichen.

Tropische Reiseziele sind in die Ferne gerückt. Quelle: ptw

Haben Sie eine Reise geplant? Dann schauen Sie doch kurz auf den Beitrag der Neuen Züricher Zeitung (NZZ) mit Corona-Hinweisen auf 14 Reiseländern. Prädikat: Wertvolle und klare Zusammenstellung.

Wie sieht’s mit Infekten in Baden-Württemberg aus. Gut, was die Masern und die anderen Kinderkrankheiten betrifft, wie Sie oben bereits gelesen haben. Auf der anderen Seite treten besonders in den Kindergärten enorm viele Atemwegsinfekte mit Schnupfen und Husten, teilweise auch Fieber, auf. Die erkrankten Kinder dürfen bis zu ihrer Genesung nicht mehr den Kindergarten oder die Schule besuchen. Das war schon immer so. Neu ist, dass mit den Infekten auch die Angst vor dem SARS-CoV-2 – Virus steigt. Und keiner weiß so richtig, wie damit umzugehen sei. Eltern stehen wieder unter dem Druck zuhause bleiben zu müssen und machen der Politik Druck. Die Landesregierung will sich nächste Woche positionieren.

Spitzwegerich. Quelle: pixabay, myfriso

Irgendwie scheint dieser Sommer mehrere Anläufe zu brauchen, unterbrochen durch Kältetage mit Regen. Deswegen ist es kaum verwunderlich, dass es den Allergikern relativ gut geht. Erst jetzt scheint eine Pollenart, die Pollen des Spitzwegerich, sich langsam stärker zu zeigen. Die übrigen Pollen, allen voran die Gräserpollen, sind weiter auf niedrigem Niveau.

Was geht in der Welt rum? Wie in den letzten Jahren gibt es in Nigeria wieder einen Ausbruch des Lassa-Fiebers. Dabei handelt es sich um Erkrankung, die mit einer hohen Tödlichkeit verbunden ist. Nach einer einwöchigen Inkubationszeit entwickelt sich bald sehr hohes Fieber, in dessen Folge verschiedene Organe erkranken. Nach einer weiteren Woche kann es im Rahmen einer Blutungsneigung zu Nierenversagen und einer schwerwiegenden Pneumonie (Lungenentzündung) kommen. Die Sterblichkeit liegt bei etwa 15%, bei Schwangeren ist sie doppelt so hoch. In Nigeria wurden in diesem Jahr bereist über 1000 Erkrankungen gesichert.

Ich hoffe, die Sonne erreicht heute jeden Winkel im Ländle und erfreut alle Kinder und ihre Eltern.

Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff

Hühnerei-Allergie und Ekzem beim Säugling

Nahrungsmittelallergien scheinen an Bedeutung zuzunehmen. Sie schränken einerseits die Lebensqualität ein und können für die Betroffenen auch lebensgefährlich sein.

Zu den häufigsten Allergien in den ersten beiden Lebensjahren gehört die Allergie gegen Hühnerei. Die europäische EuroPrevall-Studie untersuchte eine Gruppe von 12.049 Kindern ab Geburt, die in Bezug auf Allergien beobachtet wurde. Kürzlich erschien im The Journal of Allergy and Clinical Immunology: In Practice zum Thema Hühnereiallergie eine Studie aus der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Kirsten Beyer von der Charité in Berlin. Auf der Basis von 86 Kindern aus der EuroPrevall-Studie mit gesicherter Eiallergie konnten sie zeigen, dass das Ekzem (Neurodermitis) eng mit dem Risiko einer Hühnereiallergie verknüpft ist.

Interessant ist, dass bei nachgewiesener Ei-Allergie das Ekzem im Schnitt 3,6 Monate zuvor begonnen hatte. Interessant ist ebenso, dass das Ekzem rasch an Schwere zugenommen hatte. Bei besonders starker Neurodermitis (SCORAD über 15) lag die Wahrscheinlichkeit für eine Eiallergie bei über 25%. Der Zeitpunkt, wann Ei erstmals zugefüttert worden war hatte jedoch keinen Einfluss. Es scheint also einen Zusammenhang von Ekzem und Kontakt zu Ei zu bestehen.

Weitere Risikofaktoren für eine Hühnerei-Allergie waren eine Antibiotikagabe in der ersten Lebenswoche und ein bestehender Schnupfen.

In einer Anschluss-Studie soll nun untersucht werden, ob ggf. gezielte Hautpflege und frühes Zufüttern von Ei günstig sein könnten. Diese Daten müssen abgewartet werden, bevor Empfehlungen ausgesprochen werden.

Unsere Einschätzung: Bei schwerem, rasch aufgetretenem Ekzem scheint es ratsam, mit einer/m allergologisch versierter/m Kinderärztin/arzt Kontakt aufzunehmen, um eine Allergie gegen Hühnerei auszuschließen.

Was geht rum? 11. Juli 2020

Seit nun zwei Wochen gehen Grundschüler wieder zur Schule und die Kleinen in den Kindergarten. Bislang wurden nur vereinzelt mit dem Coronavirus infizierte Kinder entdeckt. Durch die konsequente Ermittlungsarbeit der Gesundheitsämter konnten die Infektionsketten schnell unterbrochen werden.

Wiesen-Bärenklau. Er wächst munter am Wegesrand, wo sich anderes Grün kaum entwickeln kann. Quelle: ptw

Draußen grünt es wunderbar. Und es scheint, dass der Wiesenbärenklau besonders gut gedeiht. Für Kinder hat diese Pflanze so ihre Tücken. Wenn Sie mehr erfahren wollen, finden Sie hier weitere Informationen.

Die Natur zeigt ihre ganze Diversität. Die Gräserpollen fliegen stark, aber nicht mehr so stark wie in den letzten Wochen, auch der Wegerich entlässt seine ersten Pollen in die Lüfte. Beifuß und Ambrosia sind noch in der Ruhephase.

Magen-Darm-Infektionen durch Bakterien sind in den Sommermonaten gehäuft. An erster Stelle stehen hier Infektionen mit Campylobacter jejuni. Dieser Erreger kommt bei Wild- und Nutztieren (Rinder, Schweine, Geflügel) vor und wird meist über Nahrungsmittel übertragen: Hühnerfleisch, Rohmilch, gelegentlich auch kontaminiertes Trinkwasser. In der Osterwoche erkrankten in Baden-Württemberg 39 Personen, in der vergangenen Woche waren es bereits 218. Besonders betroffen war der Ortenaukreis mit 24 Fällen. Trotz allem liegen die Zahlen noch um ein Drittel niedriger als im letzten Jahr. Betroffen sind oftmals Kleinkinder, die mit Durchfall (teilweise blutig), krampfartigen Bauchschmerzen und Fieber (bis 40 Grad) erkranken. Eine ärztliche Untersuchung ist wichtig. Eine Therapie ist nur selten erforderlich.

Rohes Ei auf der Tischplatte. Ein Risiko für die Aufnahme von Salmonellen. Quelle: pixabay, stevepb

Die Symptome der Campylobacter-Infektion ähneln denen der Salmonellose. Letztere kommt seltener (29 Erkrankungen in der letzten Woche) vor, verläuft aber in aller Regel heftiger und länger. Die Ansteckung geht meist über Speisen mit rohen oder nicht ausreichend gekochten Eiern. Da inzwischen für einige Geflügel eine Impfpflicht gegen Salmonellen besteht, ist das Risiko heute deutlich geringer als früher.

Viele Kleinkinder erkranken zur Zeit an Schnupfen, einige mit Fieber. Sofort steht die Frage im Raum: Ist das eine Coronainfektion? Zuallermeist nein. Seit 2 Wochen haben Kinder im Regelbetrieb von Kita und Grundschule die Gelegenheit Erreger auszutauschen. Wir Ärzte und auch die Gesundheitsbehörden testen häufiger. Dadurch versuchen wir besser zu verstehen, was „normale“ Infekte sind und was eine COVID-19-Infektion ist. Übrigens, auch leichte „normale“ Infekte werden zu mindestens 10% durch Coronaviren ausgelöst. Diese harmloseren Varianten des Virus kommen schon seit Jahrzehnten bei uns vor und ihre Infektionen verlaufen fast immer schwach. Bei den Testungen schauen wir deswegen nur nach SARS-CoV-2, dem neuen Coronavirus.

Wenn Sie als Eltern Erfahrungen in dieser Hinsicht gemacht haben, schreiben Sie gerne einen Kommentar oder eine Anfrage. Wichtig ist immer, wie Sie im Alltag von Kita und Schule die Situation für sich und Ihre Kinder einschätzen.

Was geht in der Welt rum? Viele Länder sind für uns Deutsche durch die Reisewarnung kaum erreichbar. Weit weg und dennoch erreichbar ist La Réunion, eine Insel im Indischen Ozean bei Madagaskar. Diese Insel ist französisches Staatsgebiet und damit Teil der Europäischen Union. Dort gib es gerade einen Ausbruch des Dengue-Fiebers mit 14.900 Erkrankungen und 13 Todesfällen. Wichtigste Maßnahme: Guter Mückenschutz.

Ich wünsche Ihnen ein sommerlich warmes Wochenende zum Entspannen mit Ihrer Familie.

Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff