Unser letztes „Was geht rum?“ (09. Oktober 2021) – Tschüss :)

Impfgegner: Warum diese Gruppe so angewachsen ist. Einige Anmerkungen

Enormer Anstieg von Klinikaufnahmen bei Kindern wegen Corona

Infekte? Eigentlich nichts Neues. Zum Glück

Tschüss: Das praxisblättle verabschiedet sich heute

 

Arbeiten Sie im Schichtdienst? Dann spüren regelmäßig Sie am eigenen Körper was es bedeutet, zu unterschiedlichen Tageszeiten präsent zu sein. Und sie stellen jede Woche fest, wie belastend es ist, sich nicht spontan mit Freunden treffen zu können, weil sie mal in der einen mal in der anderen Schicht eingeplant sind. Auf Intensivstationen sind inzwischen 90% der Corona-Patienten Ungeimpfte. Wie kann das sein? In meinen 35 Jahren in der Pädiatrie habe ich manche Impfgegner kennengelernt. Das waren zumeist empfindsame Eltern, die Sorge um ihr Kind hatten, wenn es darum ging fremde Substanzen in deren Körper zu bringen. Und sie machten unter allen betreuten Kindern vielleicht 2% aus. Heute verweigern fast 25% der Deutschen die Corona-Impfung. Wie kann das sein? Plötzlich 10 Mal so viele Impfgegner? Die Gruppe der Impfgegner ist offensichtlich um Menschen angewachsen, die – so macht es den Eindruck – ihre persönliche Unzufriedenheit auf die Impfung (und den Staat) sowie Trotz zum Ausdruck bringen. Daneben gibt es vermutlich viele Mitläufer. Mit ihrem Verhalten bedrohen sie die Gesundheit unserer Kinder. Und sie strapazieren die Zufriedenheit von Medizinpersonal in den Kliniken, die tägliches rund-um-die-Uhr Engagement für Menschen aufbringen, die einfach mal so eine Impfung ablehnten. Ich mache mir Sorgen, dass mehr Krankenschwestern, Krankenpfleger und ÄrztInnen in naher Zukunft ihren Beruf aufgeben werden.

Zahl der Kinder, die in einer Klinik in den USA wegen Coronainfektionen behandelt wurden. GRAU Kinder von 5-17 Jahren, OCKER Kinder von 0-4 Jahren.   Foto CDC

Die Ungeimpften bedrohen die Gesundheit der Kinder, die nicht geimpft werden können (alle unter 12 Jahren). Für die USA zeigt sich, dass die Zahl der Coronaerkrankungen von Kindern mit stationärem Behandlungbedarf im September auf höchste Werte anstieg. Ob Ungeimpfte das beeindruckt?

Bei den Infekten gibt es kaum Neuigkeiten. Die Erkältungsviren breiten sich weiter aus, nachdem der Mund-Nasen-Schutz weniger häufig angewandt wird. Fürs Immunsystem ist das günstig – es will sich mit seiner Umgebung (Viren, Bakterien) auseinandersetzen. Bei Kindern führt das „nebenbei“ zu Erkältungskrankheiten, die aber meist nicht schlimm sind. Aber auch die Erwachsenen dürften in diesem Winter von mehr Infekten geplagt werden, als die letzten 18 Monate. Bleibt zu hoffen, dass – besonders für Kinder – das RS-Virus nicht zu vielen schweren Verläufen führt und dass auch das Influenza-Virus (Grippe) sich nicht allzu heftig vermehrt.

Bei den Kinderkrankheiten bleibt alles recht ruhig: wenige Erkrankungen in der vergangenen Woche an Keuchhusten (7) und Windpocken (43) in ganz Baden-Württemberg. Weiterhin seit März 2020 (!) keinerlei Masern-Erkrankungen. Auch die Zahl der Mumps-Erkrankungen ist überschaubar (14 in diesem Jahr im Ländle).

Was geht in der Welt rum? In Madagaskar schreitet die Pest-Saison weiter. Im Hochland um die Hauptstadt Antananarivo bestehen 42 Verdachtsfälle, 22 Personen sind bislang sicher erkrankt. Bereits 8 Menschen sind seit August an der Pest verstorben.

Heute, nach 28 Jahren, verabschiedet sich das praxisblättle von Ihnen, geneigter LeserInnen. Wir hoffen, dass Sie in den letzten Jahren interessante Informationen fanden, die Ihnen bei der Einschätzung von Krankheiten Ihrer Kinder weitergeholfen haben. Im Rummel oberflächlicher Angebote mit Ratschlägen wie „Trinken Sie viel“ haben wir versucht, wissenschaftliche Informationen in Ihren Alltag zu transportieren. Ohne marktschreierische Effekte. Und ohne Werbung. In Zeiten von marketinggesteuerten „Informationen“, deren manipulativer oder allenfalls magerer Inhalt sich erst beim zweiten Lesen als Schmu entpuppt waren wir manchmal etwas trocken. Aber immer echt.

Als verantwortlicher Autor des praxisblättle wünsche ich Ihnen und ihrer Familie Gesundheit, Freude im Alltag und Zuversicht in spannenden und gelegentlich mühsamen Zeiten. Machen Sie’s gut!

Guter Schlaf für Kinder

Die Stiftung Warentest hat sich im neuen Heft dem Thema Matratzen gewidmet – sowohl für Erwachsene (sehr empfehlenswert!) als auch für Babys und Kleinkinder. In der folgenden Tabelle wollen wir die fünf Modelle nennen, die im Test als GUT beurteilt wurden.

Name Note Preis Anmerkung
Paradies Mariella Hygienica 2,1 159 € besonders gute Haltbarkeit, Schaumstoff
Pinolino Luna Cloud 2,2 175 € Schaumstoff
Ikea Himlavalv 2,3 139 € Kunststoffvlies
Dänisches Bettenlager Jonas 2,4 100 € Schamstoff
MFO Kindermatratze Mini 2,5 99 € Schaumstoff

Eine solche Zusammenfassung zeigt in groben Zügen auf, was auf dem Markt erhältlich ist und welche Kosten auf Eltern in etwa zukommen.

Oftmals sind die Details noch wichtiger. Deswegen empfehlen wir vor einem Kauf unbedingt die weiteren Aspekte für den Kauf eine Matratze im Testheft – das es auch vergünstigt auch digital zu beziehen gibt – zu studieren.

Was geht rum? 02. Oktober 2021

Nicht so selten: Corona-Komplikationen bei Kindern 

Bald mRNA-Grippe-Impfstoff?

Krupphusten und Hand-Fuß-Mund-Krankheit

Meningokokken-Meningitis im Kongo

Morgens erwachen viele mit Nebel vor der Haustüre. Der Herbst hat uns wieder. Die Zeit der Infekte beginnt bald. Auch wenn die Zahl der Neuerkrankungen mit COVID-19 schwanken ist klar, dass uns eine Welle in den kommenden Monaten bevorsteht. Was bedeutet das aber für Kinder? Etwa jedes hundertste Kind in Deutschland muss stationär behandelt werden. Ein Grund dafür ist das PIMS (Pädiatrische Inflammatorische Multiorgan-Syndrom), eine schwere entzündliche Erkrankung, die einer Coronainfektion folgen kann und die bei einem von 1000 – 5000 Kindern auftritt. Das PIMS betrifft besonders Schüler (9-13 Jahre) und endet – gemessen an den Zahlen aus den USA – in fast 1% der Fälle tödlich.

Der amerikanische Konzern Pfizer und die deutsche BioNTech haben einen mRNA-Impfstoff gegen die Grippe entwickelt. Momentan startet einen Studie an 600 Menschen im Alter von 65 bis 85 Jahren. Bisherige Impfstoffe gegen die Grippe haben nur eine Wirksamkeit um 50%, während die mRNA-Impfstoffe gegen das Coronavirus die Krankheit zu etwa 95% verhindern konnten. Es besteht Hoffnung auf einen verbesserten Schutz gegen die Influenza.

Die Pollen verabschieden sich in diesen Tagen. Am Bodensee und Oberrhein gibt es noch eine minimale Konzentration von Gräserpollen, die aber vermutlich für keinen Allergiker mehr spürbar ist. Die Erkältungsinfekte der letzten Wochen halten an, in den kommenden Wochen muss wieder mit dem Krupphusten gerechnet werden. Alle Eltern von betroffenen Kindern sollten jetzt überprüfen, ob Notfallmedikamente zuhause verfügbar sind. Die Hand-Fuß-Mund-Krankheit hat saisonal wieder Einzug gehalten. Ausgelöst wird sie häufig durch Coxsackie A-16-Viren, die als Komplikation zu Herzmuskelentzündungen (Myokarditis) führen können – wie das Coronavirus oder in seltenen Fällen auch die Impfung gegen das Coronavirus mit dem mRNA-Impfstoff.

Was geht in der Welt rum? Die Entzündung der Hirnhäute – medizinisch Meningitis – kann durch verschiedene Erreger erfolgen. Zu den gefährlichsten gehören die Meningokokken. In der Demokratischen Republik Kongo ist es in den letzten Wochen zu einem Ausbruch mit über 600 Verdachtsfällen gekommen, 161 Menschen sind an der Meningokokken-Meningitis verstorben. Das Kongobecken gehört zum „Afrikanischen Meningitisgürtel“, einer Kette von Ländern, in denen es zur Trockenzeit von Dezember bis April häufiger zu schweren Ausbrüchen kommt. Eigentlich gibt es gegen die meisten Erreger dieser Meningitis hervorragende Impfstoffe. Diese werden leider häufig erst dann eingesetzt (Abriegelungsimpfung) , wenn Ausbrüche erfolgt sind. Im Impfplan der STIKO erhalten Kinder im Alter von 12 Monaten (bei der U6) eine Impfung gegen Meningokokken der Gruppe C.

Ich hoffe Sie haben Zeit, dieses herrliche Wochenende mit strahlender Sonne zusammen mit Ihrer Familie zu genießen, ganz  herzlich Ihr

 

Super günstige Corona-Auszeit für Familien

Die Coronapandemie war besonders für Familien eine große Belastung. Eine Auszeit, ein Urlaub wäre also angebracht. Damit sich den auch ärmere Familien leisten können, fördert das Familienministerium einen Urlaub für Familien ab Oktober mit einem kräftigen Zuschuss.

Eine wichtige Voraussetzung für den Familienurlaub ist, dass für die Kinder ein Anspruch auf Kindergeld besteht. Die Einzelheiten zur vergünstigten Familienferienzeit sind übersichtlich dargestellt. In der Summe muss eine Familie knapp 10 Prozent aller Ferienkosten selbst aufbringen, den Rest bezahlt das Ministerium.

Welche Familienferienstätten in Frage kommen, zeigt eine Deutschlandkarte, in der die einzelnen Orte markiert sind. Darunter sind auch 9 Ort in Baden-Württemberg.

Was geht rum? 25. September 2021

Das praxisblättle gibt auf! 

Aerosole: entscheidender Weg der Ausbreitung nicht nur für SARS-CoV2

Enormer Anstieg von Klinikaufnahmen bei Kindern wegen Corona

Beulenpest in den USA

Das Foto in einem Blog vor vielen Jahren hat alles ausgelöst: Versehentlich hatte ich zum zweiten Mal ein Bild der dpa (Deutsche Presseagentur) für den Blog genutzt und wurde mit 350 € von einer Rechtsanwaltskanzlei abgemahnt. Eigener Fehler ja, weh tat’s trotzdem. Es sind also schnöde finanzielle Überlegungen, die zur Einstellung des praxisblättle führen. Der Versuch, Sie als Leser zu finanziellen Unterstützern zu machen, hat leider nicht die notwendige Resonanz gefunden. Andererseits kam ein werbungsfinanzierter Blog für mich nicht in Frage. Mitte Oktober 2021 wird Schluss sein. Leider. Denn ich weiß, dass das praxisblättle viele Leser hat, die es regelmäßig und mit Freude lesen. Und mir selbst hat es jede Woche Spaß gemacht Themen zu präsentieren, die nicht schon die ganze Woche in den Medien vorkamen und für Eltern im Alltag dennoch interessant waren.

Seit Beginn der Coronapandemie stehen allerorten Desinfektionsspender, die uns auffordern, die Händen von Keimen zu befreien. Dabei ist in den letzten Monaten immer deutlicher geworden, dass die Coronaviren hauptsächlich als Aerosol weiterverbreiten. Und nicht nur diese Viren. Auch Masern, Influenza, RS-Viren und die meist „banalen“ Rhinoviren finden als kleinste Tröpfchen von etwa 100 µm den Weg zu ihren Opfern. Anders als die größeren Tröpfchen können sind Aerosolteilchen über 5 Sekunden in der Luft halten und im zarten Luftstrom weitaus mehr als 2 Meter durch die Luft gleiten. Und: Diese Aerosole werden ständig freigesetzt: bei Reden, beim Lachen, beim Singen. Sichtbar sind sie nicht, aber oft hochinfektiös. Wollen Sie mehr wissen? Dieser Artikel aus Science ist sehr informativ (in Englisch).

Coronainfektion: Tägliche Neuaufnahmen in Kliniken (gemittelt über 1 Woche) pro 100.000 Personen, nach Alter gestaffelt. Die orange Kurve zeigt den Verlauf bei Kindern und Jugendlichen (Alter 0 – 18 Jahre) seit August 2020 in den USA. Foto: NYT

Wenn Kinder mit dem Coronavirus infiziert sind, werden sie meist nur wenig krank. Somit sind Einweisungen ins Krankenhaus eher selten. Nun zeigt sich in den USA ein Trend, der sich möglichweise auch bei uns bemerkbar machen könnte: Die Krankenhausbehandlungen von Kindern (0-18 Jahre) mit Coronaerkrankungen ist in den letzten Wochen auf Werte angestiegen, wie sie seit Beginn der Pandemie noch nie beobachtet wurden. Impfungen für Schulkinder (5-11 Jahre) wurden mit von BioNTech/Pfizer mit einer verringerten Dosis und sehr guten Ergebnissen getestet. Es ist jedoch kaum denkbar, dass mit einer Studie an 2268 Kindern – davon ein Drittel mit Placebo) eine ausreichende Grundlage für eine Impfempfehlung besteht. Es bleibt dabei: Kinder sind am besten geschützt, wenn sich die Erwachsenen schützen, also impfen lassen.

Wöchentliche COVID-19-Inzidenz nach Altersgruppen. Foto: RKI

Und wie sieht es aktuell aus? Coronainfektionen bei Kindern und Jugendlichen nehmen zu. Dias zeigen „roten Zonen“ in der Graphik des Robert-Koch-Instituts (RKI), die sich seit letztem Jahr nach unten bewegt haben. Die Erkältungsviren sind weiterhin aktiv, eine echte Infektwelle ist aber nicht in Sicht. Bei den Windpocken zeigte sich in der vergangenen Woche ein Anstieg der Fälle um 50%.

Was geht in der Welt rum? Die USA sind für viele das Land der Träume. Daran hat auch ein Donald Trump nicht sehr viel geändert und auch nicht die Tatsache, dass Europäer trotz geringer Corona-Infektionszahlen nunmehr 18 Monate sich diesen Traum nicht mehr gönnen durfte. Die USA sind deutlich anders, als wir oft meinen. So kommt in diesem hochentwickelten Land seit Jahren auch die Beulenpest vor: Im Juli verstarb ein Mädchen an der Erkrankung, im August gab es einen weiteren Fall und Mitte September ist wiederum ein Mann an Lungenpest erkrankt. Der Infektionsweg ist bislang nicht bekannt. Von außerhalb des Landes kann der Erreger kaum eingeschleppt sein.

Ich wünsche Ihnen allen ein sonniges Wochenende. Bis nächste Woche an dieser Stelle bleibe ich Ihr

 

 

Buggy – eine Hilfe für ausgedehnte Spaziergänge

Wenn Eltern mit ihren Kleinkindern mal so richtig lange Strecken zurücklegen wollen, ist der Buggy eine große Hilfe. So können Kinder, die dem Kinderwagen entwachsen sind, einfach transportiert werden ohne die Frage: „Wann sind wir endlich da?“

Die Stiftung Warentest hat sich im Septemberheft diesen Fahrgeräten gewidmet. Die Ergebnisse sind eher ernüchternd. In der nachfolgenden Tabelle haben wir die Modelle mit Noten bis 2,5 aufgeführt.

Name Note Preis Anmerkung
Smiloo Happy + 2,0 250 € für Kinder ab 6 Monate bis 3 1/2 Jahre geeignet
Joie Mytrax 2,2 215 € bis 3 Jahre geeignet, leicht zusammenzuklappen
Kinderkraft Grande 2020 2,4 159 € bis 2 1/2 Jahre geeignet
Thule Urban Glide 2 2,3 600 € bis etwa 4 Jahre; Räder für Waldboden geeignet
Mountain Buggy Terrain 3.0 2,5 700 € bis etwa 3 Jahre geeignet

Wie immer kann diese Tabelle nur ein „Gruß aus der Testküche“ sein, also eine Anregung, sich mit den Buggys mit all ihren Facetten auseinanderzusetzen. Wir möchten Sie ermuntern, sich im Testheft selbst kundig zu machen. Übrigens: Der Preis für die digitale Ausgabe des Testheftes liegt für ein Halbjahres-Abo bei 29,99 €.

Was geht rum? 18. September 2021

RSV-Infektionen: Prophylaxe ist bereits ab Oktober empfohlen

Coronaausbrüche in KiTas

Malaria in Afrika: Bessere Therapie für Kinder in Aussicht?

Tigermücke in Baden-Württemberg: Oberrhein, Stuttgart und nun Heilbronn

Die Tage werden kürzer, die Temperaturen gehen langsam zurück. Wir nähern uns also den Infektzeiten. Das stimmt nicht so ganz, denn eigentlich sind wir mittendrin. Die RSV-Infektionen haben in vielen Regionen der nördlichen Hemisphäre besonders Kleinkinder infiziert. So auch in Baden-Württemberg. Dementsprechend sind manche Richtlinien für die (passiven) Schutzimpfungen – man spricht besser von einer Prophylaxe –  gegen dieses Virus geändert und vorgezogen worden. Für Deutschland sollen die ersten RSV-Prophylaxen ab Anfang Oktober verabreicht werden. Schwere Verläufe der RS-Viren gibt es insbesondere für Kinder in den ersten beiden Lebensjahren und da ganz besonders bei Kindern mit Risiken (z.B. Frühgeborene, herzkranke Kinder). Nähere Einzelheiten erläutert ein Merkblatt der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin.

Eine neue Strategie gegen Malaria (in Englisch) zeigt gute Erfolge. Wie aus Burkina Faso und Mali bekannt wurde, konnte in einer Studie mit 6000 Kindern über 17 Monate die Häufigkeit an Malaria durch die Kombination eines Anti-Malaria-Mittels mit eine Malariaimpfung um 70% gesenkt werden.

In der letzten Woche kam es in 13 KiTas im Ländle zu Ausbrüchen von Corona-Infektionen. Davon waren zwischen 2 bis 9 Personen in den Institutionen betroffen. Unter den Schulen meldete nur ein einzige einen Ausbruch (mit 3 Infizierten).

Asiatische Marionetten. Foto: pixabay, Martine Auvray

Der Wahlkampf zum Bundestag findet zunehmend in medialen Arenen statt, mehr Show als Diskurs um politische Themen. Nun hat der Sender ProSieben eine Linie überschritten, als er 11-jährige Kinder als Interviewer einsetzte. An sich wäre das okay. Diesen Kindern aber Erwachsenen-Fragen über das Knöpfchen im Ohr zuzuschieben macht Kinder zu Marionetten. Als Erwachsene sollten wir Kinder in jedem Alter ernst nehmen. Respekt ist ein Wort, das im Wahlkampf häufiger fiel. Vielleicht sollten deswegen dem Sender und den Eltern der beiden Kinder die Frage gestellt werden, warum sie so entwürdigend handelten.

Was geht in der Welt rum? Die TigermückeAedes albopictus – ist längst nicht nur mehr in den Tropen anzutreffen. In Europa ist sie nicht nur in den Küstenregionen von Frankreich, Italien und Spanien sowie auf Sardinien und Korsika anzutreffen. In Deutschland wurde sie erstmals 2011 in Baden-Württemberg gesichtet. Am Oberrhein gibt es mehrere Populationen dieser gestreiften Mücke, die Erkrankungen wie das Dengue-Fieber verbreiten kann. So zum Beispiel im Stadtgebiet von Stuttgart, Ludwigsburg und – erstmals in diesem Jahr – auch in Heilbronn. Im Moment ist das Risiko von Krankheitsübertragungen durch die Tigermücke noch gering. Aber wärmere Wintermonate und heiße Sommer könnten das in den nächsten Jahren ändern. Der Klimawandel hat viele Gesichter.

Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie ein entspanntes Wochenende, ganz herzlich grüßt Sie Ihr

Kopfgneis

Der Kopfgneis ist eine Auffälligkeit, die bei vielen Säuglingen beobachtet und fälschlicherweise oft als „Milchschorf“ bezeichnet wird. Sie betrifft die Haut des – vielleicht noch nicht – behaarten Kopfes. Der Kopfgneis ist medizinisch unbedenklich, kein Notfall, aber dennoch lästig. Ohne Behandlung klingt er, nachdem er in den ersten Lebenswochen aufgetaucht ist, meist bis zum Alter von 9 Monaten von sich aus ab. Er ist medizinisch eine Form des sog. seborrhoischen Ekzem des Säuglings und zeigt sich als fettig-gelbliche, festhaftende Schuppenschicht im Bereich des behaarten Kopfes (siehe nebenstehendes Bild). Entgegen anderslautender Gerüchte hat er nichts mit einer Allergie zu tun, selbst die Häufigkeit von Allergien ist beim Gneis nicht höher.

Soll man den Kopfgneis entfernen?

In der Regel nein. Wie gesagt, der Kopfgneis ist medizinisch unbedenklich und die Entfernung hat keinerlei Einfluss auf die Gesundheit oder das Wohlbefinden des Säuglings. Oft jedoch fühlt sich jedoch die Umgebung (der Erwachsenen) wohler, wenn kein Gneis zu sehen ist. In extremen Fällen mit dicken schuppigen Belägen kann die Entfernung auch einmal sinnvoll sein, um Infektionen der – unter dem Belag geröteten – Haut zu vermeiden.

Welche Therapiemöglichkeiten stehen zur Verfügung?

(1)  Meist wird abends der Kopfgneis mit Olivenöl eingerieben und somit aufgeweicht. Dann kann am nächsten Morgen mit leichten Reibbewegungen der Gneis langsam und vorsichtig entfernt werden. Bei dieser Methode gelingt es nicht, den Gneis vollständig zu entfernen. Oft findet in den kommenden Wochen auch eine gewisse Neubildung statt.

(2)  In schwierigen Fällen, kann durch niedrig konzentrierte Anwendung von Salicylsäure ein guter Erfolg erzielt werden. Die Art und Konzentration der Anwendung sollte mit dem Arzt abgesprochen und nicht auf eigene Faust eingeleitet werden.

(3)  Es soll wohl von manchen Ärzten in Einzelfällen auch Cortisonsalbe angewendet werden. In unserer Praxis war dies noch nie nötig. Bei Abwägung der unerwünschten Wirkungen ist mit dieser Methode kein vertretbarer Nutzen zu erkennen.

(4)  Als weitere Option wird die Anwendung von BabyBene® Gel beschrieben. Dieses Gel enthält u.a. Oliven- und Jojoba-Öl und ist von der Zusammensetzung her unproblematisch.

Fazit: Eine Behandlung des Kopfgneis‘ ist medizinisch nicht erforderlich. Versuche zuhause mit Olivenöl oder dem BabyBene® Gel scheinen gerechtfertigt.

Was geht rum? 11. September 2021

Kleine Kinder, große Übertragung: Corona-Ansteckung im gleichen Haushalt

Kindergärten: Werden sie zu Infektionstreibern?

Coronaimpfungen bei Schwangeren

Erste Masernerkrankung in Baden-Württemberg seit März 2020

Nächste Woche ist Schulbeginn in Baden-Württemberg. In Bezug auf Coronainfektionen stellt sich da auch die Frage, wer in Haushalten eine Infektion am ehesten weiterverbreitet. Dazu liegt eine aktuelle Studie aus Ontario (Canada) vor in der untersucht wurde, wie oft infizierte Kinder ihre Umgebung ansteckten. Dazu wurden 6.280 Haushalte mit an Corona infizierten Kindern  vor Ausbruch des Deltavirus beobachtet. Im Vergleich zu Jugendlichen (14-17 Jahre) waren es die Kinder von 0-3 Jahren, die am häufigsten das Coronavirus übertrugen (1,43 Mal so oft wie die Jugendlichen), gefolgt von den 4-8-Jährigen (1,40 Mal so oft). Die Kinder, für die keine Impfung zur Verfügung steht tragen somit innerhalb der Familie besonders stark zur Verbreitung des Virus bei. Für Eltern und Geschwister ist es ratsam, andere Schutzmaßnahmen (eigene Impfung !, Maske, Abstand) zu ergreifen, um eine Ansteckung zu verhindern.

Die Lage in den Kindertagesstätten ist nochmals anders. Dort arbeiten in aller Regel deutlich jüngere Menschen, die seltener geimpft sind als beispielsweise Lehrer. Die Folgen erleben bereits viele Länder wie unsere Nachbarn in der Schweiz, deren Impfquote (nach Luxemburg) die zweitniedrigste in Europa ist.

Einstellung zu Coronaimpfungen in verschiedenen Ländern Ende August 2021. Foto: Economist

Die letzten Monate zeigen, dass Impfungen sehr gut vor schweren Krankheitsverläufen schützen. In den meisten Ländern sind über 90% der COVID-19-Erkrankten in Kliniken Ungeimpfte. Was alle Länder ebenfalls eint: Die Gruppe der Noch-Impfwilligen wird immer kleiner, außer in den armen Ländern, wo bisher kaum Impfungen ankamen.

Coronaimpfungen für Schwangere werden seit Monaten diskutiert. Dabei geht es zum einen darum, Schwangere zu schützen, die im Rahmen von COVID-19 ein deutlich erhöhtes Risiko tragen. Zum anderen besteht auch Hoffnung, dass Antikörper auf das werdende Baby übertragen werden und dort auch einen „Nestschutz“ vermitteln könnten. Die STIKO hat noch keine Impfempfehlung für Schwangere gegeben, diese sei aber in Arbeit. Ein Studie aus Israel zeigt nun, dass die Schutzwirkung für Schwangere sieben Tage nach der zweitem Impfung mit dem mRNA-Impfstoff von BioNTech/Pfizer bei 96% liegt.

Die Pollen haben sich inzwischen weitgehend verabschiedet, die Zecken noch nicht. Es bleibt weiterhin sinnvoll, sich und die Kinder abends auf die kleinen Spinnentiere zu untersuchen.

Aus dem Landkreis Böblingen wird die erste Erkrankung mit Masern seit 18 Monaten gemeldet.

Infekte treten unverändert auf. Die Mehrheit ist momentan nicht durch das Coronavirus ausgelöst sondern durch einen Topf von Viren, die man vereinfacht „Erkältungsviren“ nennt. Zu diesen zählen allerdings auch die „älteren Coronaviren“, die schon seit Jahrzehnten bekannt sind und die bei Kindern für etwa ein Viertel aller „Erkältungen“ verantwortlich sind.

Was geht in der Welt rum? Das Coronavirus hat praktisch jeden bewohnten Flecken der Erde erreicht, aber mit jeweils unterschiedlichen Folgen. Kuba, bekannt durch ein personell gut aufgestelltes Gesundheitssystem mit allerdings sehr begrenzten technischen Möglichkeiten hat sogar eigene Impfstoffe entwickelt: Abdala und Soberana. Diese stehen

Ich wünsche Ihnen einen schönes Wochenende und den Kindern einen munteren Start in den Schulalltag, herzlichst, Ihr

Nomophobie

Haben Sie schon einmal von der Nomophobie gehört? Das ist dir Kurzform für „NoMobile-Phone-Phobia“ und benennt die Trennungsangst die aufkommt, wenn das Handy nicht zu finden, der Akku leer oder kein W-LAN erreichbar ist. Kurzum, als Person bin ich in den sozialen Netzwerken nicht mehr existent.

Diese Nomophobie ist eine Spielart der Handyabhängigkeit und betrifft besonders Jugendliche und junge Erwachsene.

Eine erste Studie aus Spanien hat sich diesem Thema gewidmet und bisher vorliegende Daten über die Bedeutung zusammengetragen. Die Ergebnisse sind eher verwirrend als erhellend: So ist liegt die Häufigkeit (Prävalenz) der Nomophobie bei Zahlen zwischen 6% und 73%. Diese Abhängigkeit vom Handy – das zeigt bereits der Alltag – gibt es. Was fehlt sind klare und standardisierte Daten dazu.

Es sind also noch viele Fragen offen. Ganz besonders die wichtigste: Gibt es Erfahrungen in der Therapie?