Autokindersitze: Schalen für Babys

Pünktlich zur Sommersaison, wenn Familien mehr Zeit haben etwas zu unternehmen, kommt ein aktueller Test der Stiftung Warentest zu Autokindersitzen. In der folgenden Tabelle führen wir alle 15 Modelle mit einer zumindest guten Note auf. Eine erfreulich große Auswahl.

Modell Preis Note Anmerkung
Silver Cross Dream+Dream i-Size Base 450 € 1,5 bereits in 7/2020 getestet
Maxi-Cosi Coral+FamilyFix3 Base 520 € 1,6  bereits in 7/2020 getestet
Nuna Pipa Next + Pipa Next Base 370 € 1,6  bereits in 7/2020 getestet
Babyzen Yoyo iZi Go Modular X1 i-Sizeby BeSafe + iZi Modular i-Size Basis 490 € 1,7
Maxi-Cosi Tinca + Maxi-Cosi Tinca Base 330 € 1,7
Peg-Pérego Primo Vaggio Lounge + i-Size Basis 420 € 1,7
Silver Cross Simplicity Plus + Simplifix Isofix Base 440 € 1,7
Stokke iZiGo Modular X1 i-Size by BeSafe + iZi Modular i-Size Basis 520 € 1,7
Maxi-Cosi Marble 350 € 1,8
Maxi-Cosi Tinca 159 € 1,8
Babyzen Yoyo iZi Go Modular X1 i-Sizeby BeSafe 259 € 2,0
Stokke iZiGo Modular X1 i-Size by BeSafe 289 € 2,0
Chicco Kiros i-Size 420 € 2,3
Silver Cross Simplicity Plus 239 € 2,3
Peg-Pérego Primo Vaggio Lounge 279 € 2,4

Diese Zusammenstellung kann nur eine ersten Eindruck über die verschiedenen Angebote sein. Wie bei allen Test der Stiftung aus Berlin: Im Text des Hefts (Juni 2021) stehen noch viele Details, die für einen Kauf von großer Bedeutung sind.

Was geht rum? 19. Juni 2021

Kommen nach Corona die anderen Viren zurück? Zunahme von RS-Viren

Wiesengräserdermatitis 

Viel Sonne – viel Ozon

Chikungunya in Brasilien

Der Lockdown mit Tragen der Gesichtsmasken und viel Abstand zwischen den Menschen hat einen Großteil der Virusinfektionen unterbunden. So ist die Grippewelle (Influenza) im letzten Winter ausgefallen. Auch die anderen Erreger von „Erkältungen“ wie die Rhinoviren, die Metapneumo- und Parainfluenzaviren hielten sich zurück. Und ebenso die älteren saisonalen Coronaviren, die es schon lange vor dem SARS-CoV-2 gab.

Der Lockdown ist weitgehend zu Ende. Es verwundert also nicht, dass das Center for Disease Control and Prevention (CDC) aus den USA einen rasanten Anstieg der Erkrankungen mit einem anderen Virus meldet: dem Respiratorischen Synzytial-Virus (RS-Virus). Dieser Erreger betrifft häufig Kinder im ersten und zweiten Lebensjahr mit teilweise schweren Krankheiten wie der Bronchiolitis. Für die kommenden Monate rechnet man in den USA auch mit RSV-Erkrankungen älterer Kinder, die das Virus wegen des Lockdown bisher nicht „kennengelernt“ haben. Bleibt abzuwarten, wie sich diese und die anderen Erkältungsviren bei uns im Herbst verhalten werden.

Häufigkeit der Corona-Varianten in Deutschland im Verlauf der letzten Wochen. Foto: RKI

Noch ist das Coronavirus im Lande. Und immer häufiger auch die Delta-Variante (B.1.617.2), die früher indische Variante hieß und die um 40-80% ansteckender ist als der Wildtyp. Glücklicherweise mag sie nach neuen Informationen den Sommer weniger als gedacht. Dennoch ist ihr Anteil an den untersuchten Varianten im Ländle nach Angaben des Landesgesundheitsamtes auf 2,73% angestiegen. Besonders betroffen ist eine KiTa in Waiblingen, für deren Kinder und Mitarbeiter in dieser Woche Quarantäne angeordnet wurde. Diese Delta-Variante könnte, wenn es ungünstig läuft und keine ausreichende Zahl an Erwachsenen vollständig geimpft sind, im Herbst eine weitere Krankheitswelle auslösen.

Corona-Schnelltests sind im Moment nicht mehr so bedeutsam wie noch vor einigen Wochen. Aber sie sind so günstig wie wohl noch nie. So bietet die Drogeriekette DM Schnelltests zum Selbermachen vom Anbieter Hotgen für 80 Cent an. Dabei handelt es sich um geprüfte Tests mit Zulassung vom Bundesinstitut für Medizinprodukte (BfArM).

Wiesenbärenklau im Schwarzwald. Eine schöne Pflanze in unseren Wiesen, deren Saft aber Hautprobleme hervorrufen kann. Foto: ptw

Langsam beginnt die Zeit des Wiesenbärenklau. Die Berührung mit dieser Pflanze, besonders aber der Saft in deren Stängeln kann im Zusammenhang mit Sonneneinstrahlung zu verbrennungsartigen Hautverletzungen führen: Wiesengräserdermatitis. Besonders heftig sind die Blasen auf der Haut nach Kontakt zum Riesenbärenklau, der großen Variante der an sich hübschen Pflanze.

Ozon-Werte von Friedrichhafen am 17.06.2021. Foto:ptw

Mit der herrlich scheinenden Sonne steigen auch die Ozon-Werte wieder kräftig an. Das gilt besonders für die frühen Nachmittagsstunden. In dieser Zeit sollten sich Kinder eher in der Wohnung oder auch im Wald aufhalten, da in den schattigen Zonen die Belastung mit Ozon niedriger ist. Körperliche Anstrengungen am Nachmittag sind für alle ungünstig, besonders wenn sie von Atemwegsproblemen wie Asthma bronchiale oder Mukoviszidose betroffen sind. Am Morgen liegen die Werte noch niedrig, wie das Beispiel von Friedrichhafen zeigt: 41 µg/m3 um 09:00 Uhr am Freitag. Nachmittags steigen sie bis nahe 180 µg/m3, was der Schwellenwert zur Information der Bevölkerung ist.

Der Gräserpollenflug ist auf seinem Höhepunkt angekommen, alle betroffenen Allergiker spüren es seit Tagen. Entspannter ist die Situation in den Höhenlagen des Schwarzwaldes. Auch in der zweiten Hälfte des Juni bleiben die Gräser die häufigste Pollenart in den Lüften.

Was geht in der Welt rum? In Brasilien, genauer im Bundesstaat São Paulo, traten in diesem Jahr viele Verdachtsfälle an Chikungunya auf. Bis Mai wurden schon 9.475 festgestellt. Im letzten Jahr kam es landesweit zu 36.250 Verdachtsfällen, im Jahr 2019 waren es 174.140 Verdachtsfälle sowie 81 Todesfälle. Chikungunya ist eine Viruserkrankung, die mit heftigen Knochenschmerzen einhergeht. Sie wird von Mücken übertragen, ein konsequenter Einsatz von Repellentien wie DEET ist zur Vorbeugung sinnvoll.

Mit etwas Schatten, einem kleinen Planschbecken und Eis können Kinder zusammen mit den Eltern auch das kommende heiße Wochenende genießen. Herzlich grüßt Sie Ihr

 

Corona-Komplikationen bei Kindern: PIMS / MIS-C:

Coronainfektionen verlaufen bei Kindern anders als bei Erwachsenen, das ist gut bekannt. Meist sind die Erkrankungen so schwach, dass die Infektion kaum bemerkt wird. Dennoch kann es nach Coronainfektionen von Kindern zu schweren Komplikationen kommen, deren Bedeutung gelegentlich unterschätzt wird.

Stationäre Behandlungen von COVID-19 bei Kindern in Deutschland (grau) sowie Fallzahlen von PIMS /MIS-C (orange) seit Beginn der Pandemie. Foto: DGPI

Eine schwere Komplikation im Zusammenhang von COVID-19 stellt das Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome (PIMS) dar, das in den USA als „multisystem inflammatory syndrome in children“ (MIS-C) bezeichnet wird. Der Buchstabe M (multisystem) beschreibt ein typisches Zeichen dieser Erkrankung: Es betrifft mehrere Organe des kindlichen Körpers: Herz, Lunge, Nieren, Haut, Gehirn, Augen oder Magen-Darm-Trakt. Um es gleich vorweg zu sagen: Die Ursache hierfür ist unbekannt. Klar ist nur, dass es im Zusammenhang mit einer Coronainfektion steht und oftmals 2 Wochen nach einer solchen bei Kindern und Jugendlichen unter 21 Jahren auftauchen kann. Das PIMS/ MIS-C ähnelt in vielen Aspekten dem Kawasaki-Syndrom, weißt aber auch entscheidende Unterschiede auf (z.B. die betroffene Altersgruppe ist beim Kawasaki-Syndrom deutlich jünger).

Welche Symptome zeigt PIMS/ MIS-C?

Meist kommt es etwa zwei Wochen nach einer Coronainfektion zu ersten Beschwerden, wobei die Coronainfektion selbst gelegentlich so schwach verlief, dass sie kaum bemerkt wurde. Typisch sind anhaltendes Fieber, Bauchschmerzen, Erbrechen, Durchfall, Hautausschläge und – in schweren Fällen – auch Blutdruckabfall mit Schock. Besonders häufig sind eine Myokarditis (Herzmuskelentzündung) oder akute Nierenerkrankungen.

Wer ist betroffen?

Altersverteilung PIMS. Foto: DGPI

In den USA sind (Stand 06.06.2021) sind dort inzwischen 4018 Kinder und Jugendliche mit einem Durchschnittsalter von 9 Jahren betroffen. Von ihnen sind die Hälfte zwischen 5 und 13 Jahre alt und 60% männlich. Insgesamt verstarben in den USA 36 Kinder an PIMS/ MIS-C, also fast jedes hundertste erkrankte.

In Deutschland sind (Stand 06.06.2021) 341 PIMS-Fälle bekannt. Von dieser trugen 5,9% Folgeschäden davon, aber keines verstarb. Interessant ist, dass die meisten Kinder mit PIMS mit einer anderen Aufnahmediagnose als PIMS in die Klinik eingeliefert wurden. Die Mehrheit wurde auf einer Intensivstation behandelt und erhielt immunmodulatorische Therapien.

Manche Forscher vermuten, dass MIS-C /PIMS  mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:1000 Corona-Infektionen bei Kindern auftritt. In der Fachwelt ist die Bedeutung der schwerwiegenden Komplikation von COVID-19 jedoch noch nicht abgeschlossen.

Das CDC in den USA hat einige Fälle einer vergleichbaren Erkrankung bei Erwachsenen beschrieben. Sie nennt sich MIS-A, wobei „A“ für Erwachsene (adult) im Gegensatz zu „C“ (child) steht.

Was geht rum? 12. Juni 2021

Chaos um Coronaimpfungen für Jugendliche

Explosionsartiger Anstieg bei den Hantavirusinfektionen

Die Gräser blühen mit aller Macht

Windpocken fliegen weit

Es war fast zu erwarten, das Chaos um die Coronaimpfungen für Jugendliche. Die STIKO kommt nach wissenschaftlichen Abwägungen zur Überzeugung, dass nur Kinder und Jugendliche (ab 12 Jahren) mit Vorerkrankungen zu impfen seien. Ihr indirekter Boss hingegen, der Gesundheitsminister, empfiehlt Impfungen für die gesamte Altersgruppe. Und die Kinder bzw.  Jugendlichen selbst? Ihre Überlegungen und Gefühle kommen in der Diskussion nicht vor. Dabei haben nicht wenige von Ihnen weiterhin Angst vor COVID-19. Angst um sich selbst oder um Menschen in ihrer Umgebung die ihnen wichtig sind. Könnte das nicht auch ein Grund zur Impfung sein? Okay, Eltern sind Wähler. Der Bundestagswahlkampf lässt grüßen. Aber im Zentrum sollte doch der jugendliche Mensch stehen, der auch für sich selbst Verantwortung übernehmen möchte.

Häufigkeit der Hantavirusinfektionen in Deutschland im Jahre 2005 Foto: Epidemiologisches Bulletin, RKI

Das Hantavirus ist ein eher unbekannter Krankheitserreger. In Baden-Württemberg ist dieses Virus schon seit Jahren aktiv. Die Krankheitsfälle haben in diesem Jahr explosionsartig zugenommen. Waren es im letzten Jahr Mitte Juni 24 Fälle, so liegt die Zahl jetzt beim 35-fachen, genau bei 839. Bei Kindern kommen Hantavirusinfektionen eher selten vor, die die Fallverteilung des Jahres 2005 vom RKI zeigt. Mehr Informationen zum Krankheitsbild finden Sie im praxisblättle-Beitrag „Hantavirus – eine seltene Gefahr für Kinder“ .

Eine Dusche: Angenehm an heißen Tagen und für Allergiker sinnvoll vom dem Zu-Bett-Gehen. Foto: pixabay, Abdul Momin

Allergiker merken es seit 2 Tagen: Der Gräserpollenflug hat mit der Rückkehr des Sommer massiv zugenommen. Bis Mitte nächster Woche wird die Wetterlage und vermutlich auch der Flug der Pollen unverändert bleiben. Dabei kann es im Zusammenhang mit Hitzegewittern auch zu massiven Pollenbelastungen gerade bei Asthma-Betroffenen kommen. Noch ein kleiner Tipp: Abendliches Duschen inklusive Haarwäsche verhindert, dass die Pollen ins Bett getragen werden und dort über die Nacht die Atemwege belasten.

Windpocken in einem frühen Stadium mit Papeln und beginnenden Bläschen. Foto: ptw

Die Windpocken sind insgesamt kaum präsent. In der Region Lörrach und Ravensburg gibt es jedoch kleiner Ausbrüche. Die Windpockenviren als solche sind sehr stabil und können selbst durch trockene Lüfte über 100 Meter weit fliegen und andere Menschen erreichen, die von „ihrem Glück“ nichts mitbekommen.

Was geht in der Welt rum? Einen Ausbruch von Hepatitis-A-Infektionen erlebt in diesem Jahr Neukaledonien. Auf der zu Frankreich gehörenden Inselgruppe im Südpazifik wurden bislang 251 Infektionen festgestellt. Bei Kindern verläuft diese Infektion meist ohne Symptome. Es gibt eine sehr gut verträgliche und gut wirksame Impfung gegen Hepatitis A.

Endlich ist der Sommer angekommen. Ich wünsche Ihnen ein genussvolles Wochenende. Herzlich grüßt Sie Ihr

Hantavirus – eine seltene Gefahr für Kinder im Ländle

Viele Erkrankungen werden vom Tier auf den Menschen übertragen. Tiere treten also als Überträger – Vektor – auf. Obwohl sie einen Erreger übertragen, werden sie dabei aber selbst nicht krank. Das betrifft zum Beispiel die Borrelien und FSME-Viren, die von der Zecke an den Menschen bzw. andere Tiere weitergegeben werden. Als Vektor können aber auch Ratten – wie bei der Pest – oder Mäuse auftreten.

Baden-Württemberg ist bei den Erkrankungen mit dem Hantavirus schon immer führend in Deutschland. Dabei wird zumeist das Puumalavirus (PUUV) durch die Rötelmaus übertragen. In diesem Jahr übertrifft sich das Ländle dabei selbst. Waren es im letzten Jahr um diese Zeit gerade mal 24 gemeldete Infektionen, so sind im bisherigen Jahr 2021 bereits 796  Hantavirus-Infektionen aufgetreten.

Häufigkeit der Hantavirusinfektionen in Deutschland im Jahre 2005 Foto: Epidemiologisches Bulletin, RKI

Die relativ seltene Erkrankung mit Hantaviren wird in aller Regel über die Ausscheidung infizierter Mäuse übertragen. Dabei ist Interessant, dass die Übertragung des Hantavirus vorwiegend durch die Einatmung (Inhalation) von infiziertem Staub erfolgt. Dorthin gelangt das Virus durch den Speichel, Urin oder Kot der Mäuse. Betroffen sind meist Männer der Altersgruppe 30-49 Jahre. Bei Kindern tritt die Erkrankung selten auf. So sind zwischen 2001 und 2018 in Baden-Württemberg 6 Erkrankungen bei Kleinkindern (unter 7 Jahre) gesichert.

Die Erkrankung tritt in unseren Breiten nach einer Inkubationszeit von 2-4 Wochen als hämorrhagisches Fieber mit renalem Syndrom (HFRS) auf: in der ersten Woche bestimmen Fieber, Schüttelfrost und Kopfschmerzen das Bild. Gelegentlich kommt es zu Blutungen der Haut oder Schleimhäute. In der zweiten Woche kommt es zum Blutdruckabfall, zum Abfall der Blutplättchen (Thrombozytopenie) sowie einer interstitiellen Nephritis (Nierenentzündung). Zwischen dem 9. und 12. Tag tritt ein Nierenversagen ein sowie Lungenstörungen, die teilweise zum Tod führen. Auch wenn viele Erkrankungen eher schwach oder sogar ohne Symptome verlaufen, kann die Hantavirusinfektion einen extrem schweren Krankheitsverlauf nehmen. Details hierzu beschreibt die Seite des RKI hier.

Obwohl Kinder selten mit dem Hantavirus erkranken, kann das Risiko im Einzelfall etwas höher sein. Beispielsweise bei Kindern, die auf alten Bauerhöfen mit großen Tennen leben oder bei Kindern in Waldkindergarten. Hierzu gibt es ein interessantes Merkblatt vom Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg.

Beim Reinigen von Gartenhäusern, Kellern oder Speichern sollte immer bedacht werden, dass in der Raumluft – Aerosol – infektiöse Teichen schweben könnten, die beim Einatmen zu einer Hantavirus-Erkrankung führen könnten. Im Zweifelsfall sollte der schwäbische Ordnungssinn zurückgestellt werden. Vorbeugende Maßnahmen beim Reinigen solcher Räume: zunächst gutes Durchlüften (mind. 30 Minuten). Grundsätzlich sollten Handschuhe und Mundschutz getragen werden. Zur Vermeidung von Staubaufwirbelungen ist feuchtes Wischen günstiger. Verschmutzte Flächen sollten desinfiziert werden. Detaillierte Hinweise gibt das Robert-Koch-Institut hier.

Was geht rum? 05. Juni 2021

Zwei Milliarden Coronaimpfungen weltweit

Coronaimpfungen für Jugendliche: Das Ringen um den richtigen Weg

Coronainfektionen in Kindertagesstätten

Gräserpollen und Hantaviren

Durchgeführte Impfungen weltweit. Foto: economist

Vor weniger als einem halben Jahr begann die weltweite Impfkampagne. Seit dem 2. Juni dieser Woche sind mehr als 2 Milliarden Impfungen durchgeführt worden. Damit wurde etwa ein Viertel der Erwachsenen weltweit erreicht. Bis alle durchgeimpft sein werden sind jedoch noch weitere 10 Milliarden Impfungen erforderlich.

Die Häufigkeit an Coronainfektionen in Deutschland geht zurück. Manche Menschen haben dennoch sehr große Angst, weil es nicht nur um sie selbst geht: Schwangere sind verunsichert, ob eine Erkrankung auch Folgen für ihr Baby haben kann. Die Beobachtung, dass kein Grund zur Sorge besteht, teilt nun auch eine schwedische Studie um Mikael Norman vom Karolinska Institutet in Stockholm, in der 92% aller Geburten während der ersten 10 Monate der Pandemie in Schweden erfasst wurden. Demnach ist die Rate von Atemproblemen bei Neugeborenen von Corona-infizierten Müttern mit 2,8% gegenüber den anderen Müttern (2,0%) nur leicht erhöht.

Über die Bedeutung von Coronainfektionen für Kindern wird inzwischen kontrovers diskutiert. Das ist eine gute Nachricht. Inzwischen ist unumstritten, dass Kinder und Jugendliche seltener und schwächer an COVID-19 erkranken als Erwachsene. Unklar ist jedoch die Häufigkeit und die Bedeutung der Komplikationen wie long-COVID oder PIMS (MIS-C). Eine andere Frage hat die Forschergruppe um Prof. Dr. Drosten erhellt. In Ihrer Studie in Science konnte die Berliner Gruppe zeigen, dass im Erwachsenenalter keine bedeutsamen Unterschiede in der Viruslast bei von COVID-19-Infizierten vorliegen (in den PCR-Abstrichen um die 2,5 Millionen Kopien des SARV-CoV-2-Erbmaterials). Bei Kindern und Jugendliche über 5 Jahren ließen sich mit steigendem Alter gleiche Werte belegen: „Mein anfänglicher Eindruck einer ungefähr gleich großen Infektiosität aller Altersgruppen hat sich bestätigt, nicht nur hier, sondern auch in anderen Studien“, so Drosten. Ob Impfungen von Kindern im Schulalter sinnvoll sein könnten, hängt also auch von der Bedeutung von COVID-19-Komplikationen bei Kindern ab. Ab Montag werden sie erlaubt sein. Die STIKO bewertet momentan die Daten aus der Zulassungsstudie von BioNTech/Pfizer, die sie für nicht ausreichend hält: „Die Zahl der in der Studie geimpften Kinder ist einfach zu gering, um eine belastbare Aussage über die Sicherheit in dieser Alters­gruppe zu machen“, so der Vorsitzende der STIKO Prof. Dr. Thomas Mertens aus Ulm

Im Leicester Children’s Hospital in Großbritannien wurden von März 2020 bis Februar 2021 Kinder bei Aufnahme in die Klinik auf SARS-CoV-2 untersucht. Von den 1427 aufgenommenen Kindern waren 5,6% in der PCR positiv getestet worden, von denen wiederum 20% keine COVID-19-Symptome aufwiesen. Auffallend war, dass mit der Öffnung der Schulen in Großbritannien die Zahl der asymptomatischen Kindern im Krankenhaus um das 1,65-fache anstiegen. 

Aus Washington, DC, gibt es eine Studie der Kindertagesstätten (day care centers). Dort waren zwischen Juli und Dezember 2020 etwa 24% der 449 KiTas von mindestens einem Fall einer Coronavirusinfektion betroffen, 5,8% hatten einen Ausbruch. Von den insgesamt 319 Infizierten waren nur 43,9% Kinder. Ansonsten waren Lehrer und andere Mitarbeiter betroffen.

Infekte treten im Sommer wenige auf. Das ist seit Wochen so und zuletzt – bei ansteigenden Temperaturen – nicht anders. Das gilt nicht für das Hantavirus, das in diesem Jahr zu 796 (2021: 24 Infektionen) Infektionen geführt hat.

Pollenbelastung der Gräserpollen in Basel über die letzten 365 Tage in No/qm Foto: meteoschweiz.ch

Die Gräserpollenzeit ist gekommen. Besonders starke Belastung wird aus dem Bodenseeraum und vom Oberrhein gemeldet. Begleitend haben sich die ersten Wegerichpollen zurückgemeldet.

Stunting – wenn Mangelernährung das Wachstum beeinträchtigt    Foto: future crunch

Was geht in der Welt rum? Unterernährung ist gerade für Kinder ein unermesslich gravierendes Problem. Es betrifft vorwiegend Kinder in Afrika: Stunting, so wird das in der Medizin genannt, wenn die Körpergröße aufgrund der Mangelernährung deutlich unter der Norm liegt. Das gibt leider keine Schlagzeilen in den Medien, setzt aber Kindern und Jugendlichen kurz- und langfristig Grenzen für ein würdiges und erfolgreiches Leben auf diesem Planeten. Zwischen 2010 und 2020 ist nach Angaben der WHO die Häufigkeit des Stunting bei Kindern unter 5 Jahren von 27.7% auf 22% zurückgegangen. Anders gesagt. Es sind nun 30 Millionen weniger Kinder, die darunter leiden müssen. Ein erster Erfolg, der anspornen sollte.

Genießen Sie mit Ihren Kindern ein warmes und abwechslungsreiches Wochenende. Herzlich grüßt Sie Ihr

 

Lyme-Borreliose

Die Zecken sind wieder unterwegs, auch wenn der kühle April und Mai ihre Aktivität noch etwas ausbremst. Besonders bedeutsam in unseren Breiten ist der gemeine Holzbock, wie die wichtigste Zecke Ixodes ricisnus im Deutschen genannt wird. Bei zweistelligen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit ist sie von März bis Oktober unterwegs.

Der Zecke, dem gemeinen Holzbock, begegnen wir an vielen Orten: Im Garten unseres Hauses oder unserer Wohnanlage, in Stadtparks oder im Wald (Laub- und Mischwald) in Lagen unter 1500 Metern Höhe. In hohen Gräsern oder Büschen wartet die Zecke tagelang, bis ein Warmblüter – ob Vogel, Hund oder Mensch – vorbeikommt, um diesen zu befallen. Der Holzbock hat  keine Augen, sondern erkennt sein Objekt über Tasthaare und seine anderen Sinnesorgane am Atem, Geruch und der Körperwärme. Zecken warten also gezielt auf unser Kommen.

Amèdèe Borrel  Foto:https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/btv1b32000224/f67.item

Der Zeckenstich selbst ist kaum zu spüren. Nach dem Stich holt sich die Zecke ihre Blutmahlzeit. Dabei kann es sein, dass sie Erreger, die beispielsweise in ihrem Verdauungstrakt leben übertragen werden. Die bei weitem häufigste Übertragung betrifft die Borrelien. Das ist eine große Gruppe von schraubenförmigen Bakterien (Spirochäten), die nach dem Forscher Amédée Borrel benannt sind, der in Strasbourg gearbeitet hat. In Deutschland ist bislang Borrelia burgdorferi der häufigste Erreger der Borreliose. Zu einer Übertragung der Borrelien kommt es bei etwa einem von tausend Zeckenstichen. Der zweitwichtigste Zecken-Erreger bei uns ist ein Virus: Das Früh-Sommer-Meningo-Encephalitis-Virus, kurz: FSME-Virus. Weitere Erreger spielen im Ländle eine untergeordnete Rolle.

Erythema migrans Foto: ptw

Die Borreliose tritt Tage bis wenige Wochen nach dem Zeckenstich als Hautveränderung an der Stichstelle auf. Dabei kommt es meistens zur sog. Wanderröte, dem Erythema migrans. Diese Ausschlag zeigt sich als Rötung mit kleinen Pünktchen (Maculae) um die Bissstelle, wobei die Größe über Tage zunimmt (immer mehr als 1 cm Durchmesser) und das Zentrum des Ausschlags blasser wird. Da die Rötung gelegentlich dezent ist oder sich an versteckten Stellen wir der Achsel befindet, wird das Erythema migrans oft kaum erkannt. Umso mehr, als der Ausschlag weder juckt noch schmerzt.

In diesem Stadium ist die Borreliose nahezu zu 100% und sehr einfach behandelbar. Hierfür stehen verschiedene Antibiotika bereit, die der Arzt je nach Alter des Patienten einsetzt.

Selten kann es statt der Wanderröte zu einem Borrelienlymphozytom kommen. Dabei treten schmerzlose Schwellungen meist an Ohr, der Brustwarze oder dem Hodensack auf. Diese werden oft erst nach Monaten erkannt.

Nach einer unerkannten Wanderröte oder einem unerkannten Borrelienlymphozytom kann es nach Wochen und Monaten zu einer Neuroborreliose kommen – die Krankheit hat dann das zentrale Nervensystem erreicht. Diese kann sich – abhängig vom Alter des Patienten – als Hirnhautentzündung (lymphozytäre Meningitis) oder Gesichtslähmung (Facialisparese) zeigen. Beide Komplikationen kommen regelmäßig bei Kindern und Jugendlichen vor.

Noch später, teilweise nach Jahren, kann eine Lyme-Arthritis auftreten. Diese Entzündung von Gelenken tritt bei Kindern häufig einseitig am Kniegelenk auf und ist sehr schmerzhaft. Auch eine Entzündung am Herzen, Lyme-Karditis, ist möglich. Lyme ist übrigens ein Städtchen unweit von Boston mit etwas mehr als 2000 Einwohnern. Dort wurde der Zusammenhang zwischen der Gelenkentzündung und den Borrelien erstmals erkannt. Noch heute wird aus diesem Grund die Borreliose in den USA Lyme Disease (in Englisch) genannt.

Um eben diese schweren Verläufe am Gehirn (Neuroborreliose), Gelenk (Lyme-Arthritis) und an den Gelenken (Lyme-Arthritis) zu verhindern, ist die Vorbeugung (Prophylaxe) so wichtig:

Vermeidung der Borreliose

Bei ausgedehnten Spaziergängen in der Natur:

  • eher helle Kleidung tragen (damit laufende Zecken bessererkannt werden können)
  • lockere, langärmelige Kleidung
  • Hosenbeine in die Socken stecken
  • ggf. Anwendung von DEET, Permethrin oder Icaridin (z.B. Autan© Insektenschutz-Spray Protection Plus Zeckenschutz)

Vorbeugende Anwendung von Antibiotika ist übertrieben und nicht angebracht. Auch das Meiden der Natur aus Angst vor Zecken ist nicht sinnvoll und beraubt Kinder wichtiger Erfahrungen in ihrer Umgebung.

Impfung?

Eine Impfung gegen die Borreliose gibt es bis heute nicht, wohl aber sicher wirksame Antibiotika. Bei der FSME ist es umgekehrt: Hier gibt es kaum Behandlungsmöglichkeiten, aber eine gut wirksame Impfung

Frühzeitige Erkennung der Borreliose

Während der abendlichen Untersuchung auf Zecken am Körper, sollte auch auf die meist kreisrunden und zentral blassen Ausschläge der Wanderröte geachtet werden. Zur Übertragung der Borreliose muss das Blutsaugen der Zecke länger als 12 Stunden dauern. Eine FSME kann hingegen sofort bei Stich übertragen werden.

Entfernung der Zecke

Hierzu empfiehlt sich die Entfernung der Zecke direkt auf Hautniveau, z.B. mit einer Zeckenzange oder auch einer Pinzette. Alternativ gibt es die Streichelmethode, die ohne jegliches Werkzeug überall anwendbar ist. Geübte können damit Zecken in 90% aus ihrer Bisshaltung zu 90% „herauskitzeln“.

Was geht rum? 29. Mai 2021

Immer wieder Vitamin D: Niedriges Vitamin D stellt kein Coronarisiko dar

Schweizer SchülerInnen: Jede/r 5. hat eine Coronainfektion durchgemacht

Einfluss der Coronapandemie auf die sekundäre Rauchbelastung für Kinder 

Zecken auf den Gräsern, Pollen in den Lüften

Große Verwirrung bei den Impfungen für „Kinder“ – besser Jugendliche – von 12-15 Jahren. Da tritt das Gesundheitsministerium großspurig gegen die STIKO (Ständige Impfkommission) an, bevor die medizinischen Argumente ausgetauscht wurden. Und so ganz nebenbei ist der Impfstoff ohnehin knapp. Eine weitere, undurchsichtige Gemengelage, in der medizinische Daten und die Jugendlichen nur am Rande eine Rolle spielen- wie so oft in dieser Pandemie.

Bei fast allen Erkrankungen spielt Vitamin D eine mal geringere, mal größere Rolle. Unbestritten ist, dass Vitamin D bei vielen Immunprozessen bedeutsam und „günstig“ eingreift. Vitamin D hat aber auch wirtschaftliche Bedeutung. So kam es wohl auch, dass viele kleinere Arbeiten  ohne ausreichende Begründung dazu rieten, im Zusammenhang von Coronainfektionen Vitamin D einzunehmen. Mal zur Vorbeugung, mal zur Therapie. Eine Studie von Yonghong Li und Mitarbeiter vom amerikanischen Laborunternehmen Quest Diagnostics in San Juan Capistra­no (Kalifornien) hat nun umfangreiche Daten erhoben: Bei 18.148 Mitarbeitern (Alter 37 bis 56 Jahre) wurden vor und nach Beginn der Pandemie Vitamin-D-Spiegel untersucht. Unter Berücksichtigung aller Faktoren wie Alter, Gewicht, Ethnie und Hochschulabschluss zeigte sich, dass niedrige Vitamin-D-Spiegel keinen Einfluss auf das Corona-Infektionsrisiko hatten.

Für Eltern stellt sich wieder die Frage: Hat mein Kind eigentlich schon  eine Coronainfektion durchgemacht? Aus Zürich liegen Daten aus der Studie «Ciao Corona» der Universität Zürich vor. Diese hat nun zum dritten Mal (Sommer 2020, Herbst 2020, Frühling 2021) 2500 Schulkinder aus 275 Klassen und 55 Schulen auf Antikörper gegen das SARS-CoV2 untersucht. Ergebnis: Seit Juni 2020 ist der Anteil der Kinder, die bereits Antikörper haben, von 2% auf zuletzt 19% (April 2021) angestiegen. Über 80% der Kinder haben auch nach 6 Monaten noch Antikörper gegen das Coronavirus im Blut. Bei der Bewertung der Symptome nehmen die Autoren der Studie an, dass etwa 2 Prozent der infizierten Kinder Langzeitsymptome („long COVID)“ zeigen, die mit COVID-19 in Zusammenhang stehen können.

Veränderungen des Rauch-Verhaltens im Rahmen der Coronapandemie Foto: Lancet

Das SARS-Coronavirus hat bedeutend mehr Folgen als die Infektion selbst. Befragt wurden  50 Eltern von Kindern mit Atemwegserkrankungen (82% hatten Asthma, 12% Mukoviszidose, der Rest seltenere Lungenerkrankungen). Für die Kinder zeigte sich eine erhöhte Belastung durch Raucher in der Umgebung (second hand smoking, SHS). In den Wohnungen wurde als Folge des familiären Stresses (Ausgangsbeschränkungen, Home-Schooling, Home-Office u.a.) häufiger und intensiver geraucht, wie eine Studie um Mira Osinibi (in Englisch) vom Department für Kinderpneumologie am King’s College Hospital NHS in London zeigt. Die Publikation im Lancet berichtet, dass zwei Drittel aller Eltern gleich oder mehr rauchten als vor der Pandemie.

Der Mund ist für Kinder ein wichtiger Ort, um die Umwelt zu erkunden, nicht nur in der oralen Phase. Das stellt erhöhte Anforderungen an die Spielzeugindustrie, aber ganz besonders an die Eltern, die ihre Kinder immer wieder im Blick haben müssen. Dass Nüsse (besonders Erdnüsse) mit einem hohen Risiko für eine Aspiration (Aufnahme der Erdnuss in den Atemwegen) verbunden ist ist bekannt. Weniger bekannt ist die Gefährlichkeit von Knopfbatterien. Nun berichten Ärzte aus England von verschluckter Spielzeugmagneten. Im Journal Archives of Disease in Childhood berichten die Forscher um den Kinderchirurgen Hemanshoo Thakkar, dass sich die Zahl der verschluckten Magneten in den Jahren 2016-2020 verfünffacht hat. Mehr als 40% der Magnete mussten operativ entfernt werden.

Gräserblüte im Regen Foto:ptw

Die Pflanzen haben in den letzten Wochen genug Wasser fürs weitere Wachstum gesammelt und die Temperaturen gehen nach oben. Beste Bedingungen für einen starken Pollenflug der Gräser. Eltern allergiebetroffener Kinder sollten überprüfen, ob in der Hausapotheke auch ausreichend Notfallmedikamente (Salbutamol? Cortison? Adrenalin-Injektor für Insektengift-Allergiker) vorhanden sind.

Atemwegsinfekte sind weiterhin selten. Bei den Windpocken fallen jedoch langsam steigende Zahlen auf. Offensichtlich kommen sich Kinder wieder öfter nahe, wodurch sich die leicht übertragbaren Windpockenviren vermehrt ausbreiten können. Noch liegen die Zahlen aber klar unter denen des letzten Jahren.

In der kommenden Woche dürften Erkrankungen zunehmen, die von den Zecken übertragen werden, allen voran die Borreliose. Am kommenden Montag finden Sie im praxisblättle einen Spezialbeitrag zu dieser heimtückischen Infektion.

Was geht in der Welt rum? Ein riesiges Problem in armen Ländern ist der Wurmbefall bei Kindern. Nicht nur, dass allein die Vorstellung – Würmer im Bauch zu haben – schrecklich ist. Die Würmer verbrauchen viel Eisen. Und die wichtigste und effektivste Quelle für Eisen ist Fleisch. Und genau das steht armen Menschen nicht zur Verfügung. Umso erfreulicher, dass Wurmprogramme in Afrika südlich der Sahara in den letzten Jahrzehnten so erfolgreich waren, wie eine Veröffentlichung von Benn Sartorius und Kollegen im angesehenen Lancet zeigt. Der Wurmbefall ist vom Jahre 2000 bis 2018 von anfangs 44% auf zuletzt 13% der Kinder zurückgegangen.

Ich wünsche Ihnen einen frohen Start in ein lockeres und sonniges Wochenende, ganz herzlich Ihr

Welche Kinder neigen zu schweren Asthmaerkrankungen?

Das Asthma bronchiale ist gekennzeichnet durch chronisch enge Atemwege, die sich nach Wegfall des Auslösers oder durch Medikamente wie Salbutamol wieder weiten. Schon im frühen Kleinkindesalter können Kinder davon betroffen sein. Dann spricht man eher von obstruktiver („spastischer“) Bronchitis, weil zunächst nicht klar ist, ob die engen Atemwege nur im Rahmen der vielen Atemwegsinfekte auftreten oder weil dies der Beginn einer chronischen Erkrankung ist.
Im englischen Sprachraum wird bei den Kleinkindern vom recurrent wheezing, dem wiederkehrenden Pfeifen, gesprochen.
Die Studie einer Forschergruppe um Guillaume Lezmi aus Paris (Frankreich) hat sich mit der Frage beschäftigt, welche Faktoren zu den besonders schweren Verläufen der Erkrankung führen. Sie untersuchten Kinder im Alter von 3-6 Jahren mit servere recurrent wheezing (SRW) und Schulkinder von 7-11 Jahren mit severe asthma bronchiale jeweils im Vergleich zu den Kindern, bei denen die Enge der Atemwege – also das Asthma – nur schwach ausgeprägt war.
Im Vergleich fanden sie verschiedene Faktoren. Bei den Kleinkindern von 3-6 Jahren neigten besonders die Kinder zu den schweren Verläufen der Atemwegsverengung, die von Rauchern zuhause umgeben waren. Ihr Risiko für einen schweren Verlauf war 29,8 Mal so hoch wie bei denen aus Nicht-Raucher-Haushalten. Bedeutsam war auch Feuchtigkeit und Schimmelbefall in der Wohnung, was mit einem 4-fachen Risiko für einen schweren Verlauf verbunden war.
Ganz anders die Situation bei den Schulkindern. Hier war es eine Neurodermitis oder eine Nahrungsmittelallergie, die das Risiko für einen schweren Verlauf anzeigte.
Manchmal kann es so einfach sein Kindern zu helfen, dass es ihnen gesundheitlich besser geht. Allein der Verzicht auf Rauchen in der Umgebung der Kleinsten hat eine hohe Wirkung.

Was geht rum? 22. Mai 2021

COVID-19: Sind Impfungen für Kinder sinnvoll?

Vaxzevria (Impfstoff von Astra-Zeneca): Nutzen und Risiko abwägen

Wenige Infekte bei Kindern – kaum Pollenflug – aber viel Hantavirus

Q-Fieber in Spanien

Immer häufiger kommen die Impfungen von Kinder und Jugendlichen in den Fokus. Seit diesem Monat, wir berichteten darüber, sind Impfungen für Jugendliche ab 12 Jahren mit dem BioNTech/Pfizer-Impfstoff in den USA und Kanada möglich geworden. Europa wird in Kürze folgen.

Für Eltern bleibt die Frage, ob Impfungen auch für Schulkinder oder sogar Kleinkinder möglich werden. Oder noch wichtiger: Sind diese Impfungen sinnvoll oder nötig, damit der KiTa- oder Schulbetrieb wieder ohne Maske und Homeschooling laufen kann? Es gab Perioden in der dritten Welle, in denen die Infektionsrate bei Kindern und Jugendlichen besonders hoch war. Ende April 2021 ist sie – zumindest in den USA – trotz häufigen Präsenzunterrichts wieder zurückgegangen.

Alle diese Überlegungen sind eng verknüpft mit der Frage: Wie gefährlich ist nun eigentlich COVID-19 für Kinder? Ist es so harmlos wie oft gesagt? Oder sind nur die meisten akuten Verläufe harmlos, aber chronischelong-COVID“ sogar häufiger? Es gibt Hinweise, dass das multisystem inflammatory syndrome in children (MIS-C) – oder auch paediatric inflammatory multisystem syndrome (PIMS) mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:1000 Infektionen auftritt. Beim MIS-C handelt es sich um eine schwere Allgemeininfektion bei Kindern nach Coronaerkrankung, die in vielen Aspekten dem Kawasaki-Syndrom ähnlich ist. Diese Häufigkeit von 1:1000 wäre somit sehr besorgniserregend. Beides, das long-COVID und das MIS-C, sind Faktoren, die für eine Impfung von Kindern ab dem Schulalter sprechen. Bleibt zu hoffen, dass über das Für und Wider einer Impfung intensiv und sachlich unter Wissenschaftlern diskutiert und entschieden wird.

Momentan kann eine Empfehlung an Eltern sein, sich selbst in jedem Fall impfen zu lassen. Dadurch kommt ein individueller Impfschutz sowie – indirekt – auch ein gewisser Schutz für die Kinder zusammen.

Tesla, Model 3 Fot: pixabay, capital street fx

Wär das was? Sie nehmen an einer Verlosung für eine Tesla Model 3 teil, wenn Sie sich impfen lassen. Das ist gerade bei Dr. Vazquez in Buffalo (New York) möglich. Ob diese Motivationshilfen für Impfungen auch in Deutschland ankommen darf bezweifelt werden.

Nutzen / Risiko des Impfstoffes von AstraZeneca bei einer Inzidenz von 140 pro 100.000 Personen und Woche. Foto: Winton Centre Cambridge

Coronaimpfungen. Hitzig wird es oft, wenn es um die Impfung mit Vaxzevria, den Impfstoff von Astra-Zeneca geht. Die Diskussionen über diesen Impfstoff sind häufig emotional, auch in den Medien steht der Impfstoff eher schlecht da. Aus den bisherigen Daten und der Graphik des Winton Centre wird jedoch deutlich, dass der Nutzen der Impfung das Risiko mit zunehmendem Alter übersteigt. Oder anders herum: Je niedriger die Inzidenz – somit das Risiko an COVID-19 zu erkranken – umso weniger sinnvoll ist es für Menschen unter 30 bis 40 Jahren sich mit dem Impfstoff von AstraZeneca schützen zu lassen. Eine ausführliche und individuelle ärztliche Beratung ist sehr wichtig.

Noch ist der Mai nicht richtig angekommen. Wenn selbst in Freiburg die Temperaturen unter 20 Grad herumdümpeln halten sich die Pollen sehr zurück. Die Gräserpollen sind zwar da, aber für einen Startflug reicht es nur selten. Die Verbreitung des Hantavirus, sonst eine Rarität im Lande, nimmt fast das Ausmaß einer Explosion an: 657 Fälle in diesem Jahr, im letzten waren es zur gleichen Zeit gerade mal 22. Für Kinder und Jugendliche ist dies eher wenig bedeutsam. Vorsicht ist in Räumen geboten, in denen sich Mäuse aufhalten könnten (Scheunen, Dachböden u.a.). Atemwegsinfekte gibt es zu Zeit kaum. Beim Keuchhusten traten in der letzten Woche gerade mal 2 Erkrankungen in Baden-Württemberg auf. Das ist die kleine positive Kehrseite der Corona-Pandemie.

Was geht in der Welt rum? Aus Spanien werden Fälle des Q-Fiebers gemeldet. Betroffen sind Sportkletterer, die sich in einer Karsthöhle Cuevas de Baltzola im Baskenland aufgehalten haben. Ausgelöst wird das Q-Fieber durch das Bakterium Coxiella burnetii, das von speziellen Zecken auf Schafe und Ziegen übertragen wird. Es findet sich dann oftmals im Staub, von wo es über die Einatmung in die Lunge gelangt. Dabei reicht ein einziges Bakterium um eine Infektion auszulösen. Diese kann dann als Hepatitis (Leberentzündung) oder auch Pneumonie (Lungenentzündung) verlaufen. Insgesamt verläuft es mit grippeartigen Symptomen und Fieber oft über 7 Tage.

Machen Sie das Beste aus dem Wochenende mit mehr Bewegungsfreiheit. Herzlich grüßt Sie Ihr