Kategorie: Aktuell

Buggy – eine Hilfe für ausgedehnte Spaziergänge

Wenn Eltern mit ihren Kleinkindern mal so richtig lange Strecken zurücklegen wollen, ist der Buggy eine große Hilfe. So können Kinder, die dem Kinderwagen entwachsen sind, einfach transportiert werden ohne die Frage: „Wann sind wir endlich da?“

Die Stiftung Warentest hat sich im Septemberheft diesen Fahrgeräten gewidmet. Die Ergebnisse sind eher ernüchternd. In der nachfolgenden Tabelle haben wir die Modelle mit Noten bis 2,5 aufgeführt.

Name Note Preis Anmerkung
Smiloo Happy + 2,0 250 € für Kinder ab 6 Monate bis 3 1/2 Jahre geeignet
Joie Mytrax 2,2 215 € bis 3 Jahre geeignet, leicht zusammenzuklappen
Kinderkraft Grande 2020 2,4 159 € bis 2 1/2 Jahre geeignet
Thule Urban Glide 2 2,3 600 € bis etwa 4 Jahre; Räder für Waldboden geeignet
Mountain Buggy Terrain 3.0 2,5 700 € bis etwa 3 Jahre geeignet

Wie immer kann diese Tabelle nur ein „Gruß aus der Testküche“ sein, also eine Anregung, sich mit den Buggys mit all ihren Facetten auseinanderzusetzen. Wir möchten Sie ermuntern, sich im Testheft selbst kundig zu machen. Übrigens: Der Preis für die digitale Ausgabe des Testheftes liegt für ein Halbjahres-Abo bei 29,99 €.

Was geht rum? 11. September 2021

Kleine Kinder, große Übertragung: Corona-Ansteckung im gleichen Haushalt

Kindergärten: Werden sie zu Infektionstreibern?

Coronaimpfungen bei Schwangeren

Erste Masernerkrankung in Baden-Württemberg seit März 2020

Nächste Woche ist Schulbeginn in Baden-Württemberg. In Bezug auf Coronainfektionen stellt sich da auch die Frage, wer in Haushalten eine Infektion am ehesten weiterverbreitet. Dazu liegt eine aktuelle Studie aus Ontario (Canada) vor in der untersucht wurde, wie oft infizierte Kinder ihre Umgebung ansteckten. Dazu wurden 6.280 Haushalte mit an Corona infizierten Kindern  vor Ausbruch des Deltavirus beobachtet. Im Vergleich zu Jugendlichen (14-17 Jahre) waren es die Kinder von 0-3 Jahren, die am häufigsten das Coronavirus übertrugen (1,43 Mal so oft wie die Jugendlichen), gefolgt von den 4-8-Jährigen (1,40 Mal so oft). Die Kinder, für die keine Impfung zur Verfügung steht tragen somit innerhalb der Familie besonders stark zur Verbreitung des Virus bei. Für Eltern und Geschwister ist es ratsam, andere Schutzmaßnahmen (eigene Impfung !, Maske, Abstand) zu ergreifen, um eine Ansteckung zu verhindern.

Die Lage in den Kindertagesstätten ist nochmals anders. Dort arbeiten in aller Regel deutlich jüngere Menschen, die seltener geimpft sind als beispielsweise Lehrer. Die Folgen erleben bereits viele Länder wie unsere Nachbarn in der Schweiz, deren Impfquote (nach Luxemburg) die zweitniedrigste in Europa ist.

Einstellung zu Coronaimpfungen in verschiedenen Ländern Ende August 2021. Foto: Economist

Die letzten Monate zeigen, dass Impfungen sehr gut vor schweren Krankheitsverläufen schützen. In den meisten Ländern sind über 90% der COVID-19-Erkrankten in Kliniken Ungeimpfte. Was alle Länder ebenfalls eint: Die Gruppe der Noch-Impfwilligen wird immer kleiner, außer in den armen Ländern, wo bisher kaum Impfungen ankamen.

Coronaimpfungen für Schwangere werden seit Monaten diskutiert. Dabei geht es zum einen darum, Schwangere zu schützen, die im Rahmen von COVID-19 ein deutlich erhöhtes Risiko tragen. Zum anderen besteht auch Hoffnung, dass Antikörper auf das werdende Baby übertragen werden und dort auch einen „Nestschutz“ vermitteln könnten. Die STIKO hat noch keine Impfempfehlung für Schwangere gegeben, diese sei aber in Arbeit. Ein Studie aus Israel zeigt nun, dass die Schutzwirkung für Schwangere sieben Tage nach der zweitem Impfung mit dem mRNA-Impfstoff von BioNTech/Pfizer bei 96% liegt.

Die Pollen haben sich inzwischen weitgehend verabschiedet, die Zecken noch nicht. Es bleibt weiterhin sinnvoll, sich und die Kinder abends auf die kleinen Spinnentiere zu untersuchen.

Aus dem Landkreis Böblingen wird die erste Erkrankung mit Masern seit 18 Monaten gemeldet.

Infekte treten unverändert auf. Die Mehrheit ist momentan nicht durch das Coronavirus ausgelöst sondern durch einen Topf von Viren, die man vereinfacht „Erkältungsviren“ nennt. Zu diesen zählen allerdings auch die „älteren Coronaviren“, die schon seit Jahrzehnten bekannt sind und die bei Kindern für etwa ein Viertel aller „Erkältungen“ verantwortlich sind.

Was geht in der Welt rum? Das Coronavirus hat praktisch jeden bewohnten Flecken der Erde erreicht, aber mit jeweils unterschiedlichen Folgen. Kuba, bekannt durch ein personell gut aufgestelltes Gesundheitssystem mit allerdings sehr begrenzten technischen Möglichkeiten hat sogar eigene Impfstoffe entwickelt: Abdala und Soberana. Diese stehen

Ich wünsche Ihnen einen schönes Wochenende und den Kindern einen munteren Start in den Schulalltag, herzlichst, Ihr

Nomophobie

Haben Sie schon einmal von der Nomophobie gehört? Das ist dir Kurzform für „NoMobile-Phone-Phobia“ und benennt die Trennungsangst die aufkommt, wenn das Handy nicht zu finden, der Akku leer oder kein W-LAN erreichbar ist. Kurzum, als Person bin ich in den sozialen Netzwerken nicht mehr existent.

Diese Nomophobie ist eine Spielart der Handyabhängigkeit und betrifft besonders Jugendliche und junge Erwachsene.

Eine erste Studie aus Spanien hat sich diesem Thema gewidmet und bisher vorliegende Daten über die Bedeutung zusammengetragen. Die Ergebnisse sind eher verwirrend als erhellend: So ist liegt die Häufigkeit (Prävalenz) der Nomophobie bei Zahlen zwischen 6% und 73%. Diese Abhängigkeit vom Handy – das zeigt bereits der Alltag – gibt es. Was fehlt sind klare und standardisierte Daten dazu.

Es sind also noch viele Fragen offen. Ganz besonders die wichtigste: Gibt es Erfahrungen in der Therapie?

Was geht rum? 04. September 2021

Schüler von Impfgegnern bedroht   

Luftfilteranlagen: Ja, aber!

Coronaausbruch in einer Schule trotz Masken und Luftfilter

Körpergewicht von Kindern in Zeiten der Pandemie

Wie geht’s an den Schulen weiter in der vierten Pandemiewelle? Klar wäre es ideal, wenn sich die Erwachsenen an die – nicht verschnupfte – Nase fassen und zum Wohle der Kinder impfen lassen würden. Aber das wird vermutlich nicht so kommen. Denn viele Impfgegner leben im Protest gegen Impfbefürworter, den Staat oder Bill Gates. Warum auch immer. Und sie  ignorieren die Kinder, die durch Schulschließungen im letzten Jahr dafür gesorgt haben, dass die Älteren unter ihnen überhaupt noch leben. Das haben die Impfgegner aber schon vergessen.

Ach so, da gibt’s ja noch die Lüftungsanlagen. Deren Beschaffung ist aus technischen (Geräteprüfung), finanziellen (nicht billig – wer bezahlt?) und politischen Gründen (alle Schulen/ KiTas sollen gleichbehandelt werden, Antwort in Berlin: keine bekommt einen Luftfilter) ein mühsames Unterfangen. So kann man sich gerne Lorenz Maroldt vom Tagesspiegel in Berlin anschließen: „Lieber die Lüftungsanlage an der Wand als die Spritze auf dem Dach.“

Oder vielleicht doch nicht? Das legt eine Beobachtung an einer Grundschule bei San Francisco im Zusammenhang mit dem Delta-Virus nahe. Eine Lehrerin an dieser Grundschule unterrichtete 24 Kinder, obwohl sie selbst Symptome von COVID-19 hatte und zwei Tage später auch als erkrankt getestet wurde. An dieser Schule bestand Maskenpflicht für alle, also auch für alle Kinder. Alle Klassenzimmer waren mit einer mobilen Lüftungsanlage ausgestattet und die Kinder saßen an Einzelbänken mit einem Mindestabstand von fast 2 Metern (6 feet). Die Impfquote (vollständig Geimpfte) in der Region betrug zu dieser Zeit enorme 72%. Dennoch kam es zu einem Ausbruch mit Coronainfektionen, nachdem die Lehrerin für eine kurze Zeit die Maske abgenommen hatte, um den Kindern laut vorlesen zu können: Unter den 22 ungeimpften Kindern wurden in der Folge 12 positiv getestet. In den ersten beiden Tischreihen waren sogar 80% der Kinder infiziert. Trotz idealer Bedingungen (Maskenpflicht, Abstandsregeln, Luftfiltersystem, Lüftung) wurden durch das laute Vorlesen der Lehrerin 55% der getesteten Schüler infiziert. Warum hatte dieser Mix an Maßnahmen  so wenig Wirkung?

Hamburger – manchmal auch in schwäbisch ummantelt mit Laugenweckle – sind für viele eine ständige Versuchung. Foto: ptw

Daheimbleiben statt In-die-Schule-Gehen wirkt sich nicht nur auf die Stimmung zuhause oder die Bildung aus. In vielen Fällen fällt auch Bewegung weg. Welches Kind rennt schon alleine im Lockdown um den Wohnblock? Gerald Jarnig am Grazer Institut für Bewegungswissenschaften hat sich in einer zufällig entstandenen Studie (in Englisch) auch der Frage des Körpergewichts in Zeiten der Pandemie gewidmet. Kurz und schwerwiegend: Bei den 760 Mädchen und Jungen zwischen 7 und 10 Jahren zeigte sich ein Übergewicht/Fettleibigkeit vor der Pandemie in 20,3% der Kinder. Im September 2020 waren es bereits 24,1 Prozent, somit ist die Gruppe der Übergewichtigen in einem Jahr um 20% größer geworden. Dazu hier für alle Interessierten auch ein Kommentar aus dem amerikanischen Ärzteblatt (JAMA; in Englisch).

Einzig verlässlich sind im Moment nur die Infektionen: Viele „Erkältungskrankheiten“ im Spätsommer, kaum Kinderkrankheiten seit einem Jahr und zum Glück wenig schwere Infektionen. Die Ruhe vor dem Sturm? Fast sieht es so aus im Beginn der 4. Pandemiewelle, der sich vielleicht die Influenza und die RS-Viren und eventuell noch einige andere Infektionen anschließen werden. Eine Gefahr besonders für Kinder von 6-12 Jahren, die ja weiter zur Schule gehen „sollen dürfen“. Da mag man nur rufen: Ungeimpfte, denkt auch an die Kinder!

Was geht in der Welt rum? In Madagaskar ist – fernab jeder Idylle – wieder die Lungenpest auf dem Vormarsch. Aus der kleinen Stadt Miandrandra südlich der Hauptstadt Antananarivo werden 7 Todesfälle gemeldet. Mittlerweile wurden 960 Kontaktpersonen identifiziert und isoliert. Die Pest sucht die viertgrößte Insel in Trockenperioden regelmäßig heim. Dann begeben sich die Ratten auf der Suche nach Nahrung näher an die Hütten der Menschen. Und mit ihnen auch die infizierten Flöhe, die dann den Erreger auf Menschen übertragen. Deswegen ist es in Madagaskar auch schwierig, den Ausbruchsherd überhaupt zu identifizieren und zu isolieren. So kommt es jedes Jahr zu Pestausbrüchen mit oft mehreren Hundert Todesfällen.

Das Wochenende verspricht Sonne und angenehme Wärme. Viel Spaß wünsche ich allen Familie, herzlichst Ihr

Was geht rum? 28. August 2021

Winterinfekte: Corona, Erkältungsviren, Influenza, RSV – eine heiße Mischung

Das spezielle Risiko der unter 2-Jährigen: RS-Viren

Keuchhusten: Zeitgerechtes Impfen schützt besser

Masern: Corona führt zu Ausbrüchen in Afrika

Der Sommer geht langsam in den Herbst über. Neben den Coronainfektionen gibt eine Reihe weiterer Erreger, die sich zurückmelden. Da sind einmal die Erkältungsviren, die über die Kindergärten – und die Eltern der Kinder – verbreitet werden. Mit dem Fallen der Masken und der Abstände werden vermutlich auch die Grippeviren (Influenza) wieder an Bedeutung gewinnen. Im letzten Winter spielten sie ja keine Rolle. Aber wie hat sich deren krankmachende Wirkung inzwischen verändert? Wie meldet sich das Influenza-Virus nach der Pause zurück? Wir wissen es im Moment nicht. Ebenso – wie jedes Jahr um diese Zeit – ist unklar, wie gut eine Grippe-

RSV-Virus. Foto: niaid.nih.gov

Impfung schützen wird. Für die Kleinsten spielt ein weiterer Erreger eine enorme Rolle: Die RS-Viren. Diese befallen zumeist Kinder unter 2 Jahren und können bei diesen schwere Erkrankungen wie die Bronchiolitis auslösen. Der Lockdown hat dies über die letzten beiden Winter verhindert. Nun gehen Kinder im Alter von bis zu 2 Jahren in einen Winter, ohne diesem Erreger etwas entgegenzusetzen haben. Das könnte im schlimmsten Fall zur Überbelastung der Intensivstationen führen – in den Kinderkliniken. Viele Kliniken bereiten sich schon vor.

Da uns also vermutlich ein Bündel von Erregern ins Haus stehen wird, werden Testungen wieder wichtig werden: Testung auf Influenza-Viren, auf RS-Viren, aber eben auch auf Corona-Viren. Es kann nur so kommen, dass auch letztere wieder kostenlos werden. Anders kann man die infektiologische Herausforderung medizinisch nicht beherrschen. Bessere Ideen sind also gefragt, die Elterngeneration von Kindern und Jugendlichen zur Impfung zu motivieren.

Apropos Impfungen. Amerikanische Daten haben gezeigt, dass es zeitgerechtes Impfen für einen guten Schutz gegen Keuchhusten wichtig ist. In einer großen Studie mit 316.404 Kindern konnte gezeigt werden, dass verspätete Impfungen mit DTaP (Diphterie-Tetanus-azellulärer Pertussis) das Risiko für Keuchhusten (Pertussis) bis 4,8-fach erhöht. Im Moment sind Kinder wenig von Infekten betroffen, was gute Gelegenheiten für Impfungen eröffnet.

Auch in dieser Woche spielen Infekte keine so große Rolle in Baden-Württemberg. Selbst bei den Kinderkrankheiten ist zum Glück wenig los: einzelne Erkrankungen mit Windpocken (43) und nur ein einziger Fall von Keuchhusten.

Was geht in der Welt rum? In Afrika drohen Ausbrüche von Masern. Ursache hierfür ist die Coronapandemie. Wie die WHO mitteilt, sind in 15 Ländern Afrikas die Impfungen gegen Masern verschoben worden. In der Folge haben 16,6 Millionen Kinder zwischen Januar 2020 und April 2021 keine Impfung erhalten. Hohe Risiken bestehen besonders in Gabun, Angola, Guinea und in Kenia. Erste Masernausbrüche traten bereits auf. Masern sind sehr gefährlich. In Deutschland tritt auf etwa 2000 Infektionen ein Todesfall auf, in allen Ländern Afrikas liegt diese Zahl deutlich höher. Die Coronamaßnahmen verschlimmern fast überall das Risiko für Kinder. Das gilt für die Gesundheit, die Bildung (Schulen oft geschlossen) und die immer größer werdende Armut. Coronainfektionen selbst sind für viele jüngere Menschen in Afrika streng genommen kein Problem.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Kindern engagierte Lehrer, die es trotz widriger Rahmenbedingungen schaffen, einen ganz „normalen“ Präsenzunterricht zu realisieren. Ganz herzlich grüßt Sie Ihr

Was geht rum? 21. August 2021

Coronaimpfung für Kinder: Wichtig für Bildung und soziales Leben

Coronaimpfung für Kinder: STIKO spricht Empfehlung aus

Corona und Erkältungen bei jungen Erwachsenen

Ebola in Côte’d Ivoire

Traumstrand. Foto: pixabay, Sinousxl

Manche Traumstrände sind in diesen Ferien wieder erreichbar. Strände zu Träumen. Einfach daliegen, während die Gedanken davonfliegen. Zum Beispiel der Traum von offenen Schulen im Ländle, was eigentlich der Normalzustand sein sollte. Ob die Politik das in diesem Winter schafft? Dann muss sie einigen Erwachsenen auch klar machen, dass seit vielen Wochen Impfungen für Erwachsene frei verfügbar sind oder den Menschen fast aufgedrängt wurden. Es besteht also kein Grund mehr, Kinder für die Sorglosigkeit oder Verschwörungsgedanken der Älteren in Haft zu nehmen. Ein klares Bekenntnis der Politik wäre wünschenswert. Man denkt an Kurt Tucholsky: » Das erste der zehn Gebote sollte heißen: Tue, was du predigst. «

Wer? Wie? Was? Warum? Kinder stellen Fragen, sie wollen die Welt um sich herum verstehen und gestalten lernen. Sie wollen Bildung. Diese Bildung haben wir Erwachsene ihnen über 1 1/2 Jahre weitgehend verwehrt, um unsere alten Menschen zu schützen. Inzwischen ist die Großelterngeneration zu über 80% durchs Impfen geschützt. Es ist an der Zeit, dass die Schulen so ausgerüstet werden, dass diese Pandemie keine weiteren Einschnitte mehr für Schüler auslöst. Jedem ehemaligen Schüler ist bekannt, dass die Corona-Maßnahmen in den Unterrichtspausen ausgesetzt wird – keine Abstände, kaum Masken. Kinder erfahren sich gegenseitig, treten aus der Einsamkeit der Elternwohnung heraus und wollen einfach leben. Soziales Leben ist ebenso wichtig wie die Bildung. Solange die Elterngeneration nicht für bessere Impfquoten sorgt, sollten Kinder und Jugendliche auch die Chance haben, sich impfen zu lassen. Bei dieser Entscheidung sollten sie eine zentrale Rolle spielen.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat sich zu Beginn dieser Woche entschlossen, die Corona-Impfung von Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren zu empfehlen. Das 18-köpfige Gremium kam zur Überzeugung, „dass nach gegenwärtigem Wissensstand die Vorteile der Impfung gegenüber dem Risiko von sehr seltenen Impfnebenwirkungen überwiegen“. Bleibt zu hoffen, dass in Baden-Württemberg die Politik die verbliebene Ferienzeit nutzt, um den Start ins neue Schuljahr möglichst glatt hinzulegen. Das umfasst Planungen, wie Schulausfälle auch bei hohen Inzidenzen verhindert werden können: Von Lüftungskonzepten bis hin zu Mutmachern, die jetzt empfohlene Impfung mit den mRNA-Impfstoffen auch wahrzunehmen.

Meldezahlen von COVID-19 nach Altersgruppen und Woche. Foto: Wochenbericht des RKI

Die vorgezogenen Erkältungskrankheiten der Kinder schreiten weiter fort. Die meisten sind unspezifische Infekte, wie sie in den Herbstmonaten auftreten, wenn sich die Menschen wegen der Kälte in die Wohnungen zurückziehen. Diesmal ist zwar Sommer, aber die Abstände und Nasen-Mund-Masken fallen. So haben auch die banalen Infekte wieder ihre Chance, Opfer zu finden. Wie die obenstehende Graphik des RKI zeigt, ist die Häufigkeit an Corona zu erkranken bei Jugendlichen und junge Erwachsene (15 – 29 Jahre) am höchsten – eine Gruppe, die viele enge Kontakte hat, aber offensichtlich zu wenig geimpft ist. Die Infekte könnten von den Kindern unter 4 Jahren kommen, die kaum Symptome haben, aber – so zeigt es eine Studie aus Ontario – zu fast 50% häufiger die Überträger innerhalb ihrer Familien sind als die Jugendlichen.

Was geht in der Welt rum? Seit über 25 Jahren wird aus Côte’d Ivoire der erste Fall einer Erkrankung mit dem hochgefährlichen Ebolavirus gemeldet. Es handelt sich um eine 18-jährige Frau, die aus dem benachbarten Guinea in die Hauptstadt Abidjan gereist war. Es bleibt zu hoffen, dass es in der 4-Millionen-Stadt nicht zu einem Ausbruch kommt. Das Ebolavirus wurde erstmals 1976 identifiziert. Nach den schweren Ausbrüchen in Westafrika zwischen 2014 und 2016 wurden inzwischen wirksame Impfstoffe entwickelt. Seit 2019 hat ein Impfstoff der Firma Merck eine Zulassung aus den USA und der EU. Die Impfungen in Abidjan haben begonnen.

Ich hoffe, es gelingt Ihnen trotz der diversen „Brandmeldungen“ aus aller Welt ein ruhiges und entspanntes Wochenende zu verbringen.

 

Häufige Mittelohrentzündung: Antibiotika oder Paukenröhrchen?

Manche Kleinkinder neigen zu häufigen Mittelohrentzündungen (rezidivierende Otitis media). Das ist immer mit sehr starken Schmerzen und auch längeren Höreinschränkungen verbunden. In der Folge der Hörstörungen ziehen sich Kinder beispielsweise in der KiTa gerne in eine Ecke und damit von ihren Spielkollegen zurück. Dadurch vereinsamen sie über Wochen und ganz nebenbei auch die Sprache. Sie hören wenig, reden wenig, eine Sprachentwicklungsstörung kann einsetzen.

Eine solch gravierende Störung der Sprache soll natürlich unbedingt vermieden werden. Deswegen sind Eltern, KinderärztInnen und HNO-Äc von „Abwarten“ über „Antibiotikagabe“ bis hin zu „Paukenröhrchen“.

In einer Studie mit 250 Kindern im Alter von 6 bis 35 Monaten untersuchte eine Forschergruppe um Alejandro Hoberman von der Universität Pittsburgh die Fragestellung, ob eine Behandlung mit Paukenröhrchen oder eine Antibiotikagabe günstiger seien. In die Studie wurden Kinder aufgenommen, die in den vergangenen 6 Monate mindestens 3 Episoden einer Otitis media durchgemacht hatte.

Einige Eltern der Antibiotikagruppe forderten jedoch eine Behandlung mit dem Paukenröhrchen – die bevorzugte Therapie in den USA – wodurch es in der Studie zu unerwarteten Verschiebungen kam. Nach Abschluss der Studie lag die Rate für Mittelohrentzündungen bei Kindern mit 1,48 pro Jahr etwas niedriger als bei denen, die eine antibiotische Therapie erhalten hatten (1,56 Mittelohrepisoden/ Jahr).

So kamen die Forscher zum Schluss, dass beide Strategien – die Einlage antibiotische Therapie wie die Einlage der Paukenröhrchen – hilfreich sei und es zwischen beiden keine bedeutsamen Unterschiede gebe. Die Einlage eine Paukenröhrchens verlangt jedoch einen operativen Eingriff in Narkose und führt häufiger zum „laufenden Ohr“ (Otorrhoe). Letztere beiden Punkte werden wohl von deutschen Eltern weniger toleriert als in den USA.

Was geht rum? 14. August 2021

Meist leichte COVID-19-Verläufe bei Kinder – aber nicht jeder Infekt ist Corona

Schwangere: CDC empfiehlt Coronaimpfung für alle Schwangeren

Masern, Meningokokken und Keuchhusten weiterhin selten

Pollenflug geht langsam zu Ende

 

Die Rolle der Kinder in der Pandemie erhellt eine neue Studie aus Großbritannien. Darin untersuchten die Forscher um Erika Molteni 258.790 Kinder im Alter von 5 bis 17 Jahren, die Symptome einer Coronainfektion zeigten. Der Verlauf wurde mittels einer App verfolgt. Insgesamt wurden 75.529 Corona-Tests durchgeführt, von denen 1.734 positiv ausfielen. Häufigste Krankheitszeichen waren Kopfschmerz (62,2 %) und Müdigkeit (55 %). Die Erkrankungen dauerten im Durchschnitt bei positiv getesteten 6 Tage, bei negativ Getesteten nur 3 Tage. Manchen Kinder zeigten längere Verläufe. Nach 56 Tagen lagen bei den allermeisten keine Beschwerden mehr vor. Interessanterweise kamen lange + schwere Krankheiten besonders bei negativ getesteten Kindern vor. Wie bewerten wir die Studie? COVID-19 verläuft bei Kindern leichter. Und, nicht alles was wie eine Coronaerkrankung aussieht ist auch eine. Testungen bleiben wichtig. Besonders im kommenden Winter.

Schwangerschaft. Foto: pixabay, contato1034

Viele Eltern überlegen, weitere Kinder zu bekommen. Wenn da nicht Corona-Infektionen drohen würden. Und diese führen gerade in der Schwangerschaft nach neuen Erkenntnissen vermehrt  zu schweren Komplikationen. Sollten sich Schwangere impfen lassen? Die amerikanische Gesundheitsbehörde CDC (in Englisch) hat sich klar positioniert: Sie empfiehlt COVID-19-Impfungen in der Schwangerschaft: „COVID-19 vaccination is recommended for all people aged 12 years and older, including people who are pregnant, breastfeeding, trying to get pregnant now, or might become pregnant in the future.“ Die deutsche STIKO lässt Impfungen in der Schwangerschaft zu, gibt aber keine Empfehlung zur Impfung.

Der Pollenflug geht rasch zu Ende. Noch sind Pollen von Spitzwegerich, Beifuß und auch Gräsern in den Lüften. Aber die Menge der Pollen nimmt spürbar ab. Probleme für die Atemwege bestehen nur noch für schwer von Allergien Betroffene. Für alle anderen ist die Pollensaison zu Ende.

Inzidenz von Meningokokkenerkrankungen in den USA. Die größte Häufigkeit betrifft Kinder vor dem ersten Geburtstag. Foto: CDC

Viele schwerwiegenden Erkrankungen für Kinder sind in diesem Jahr noch immer selten. Ganz vorne der Keuchhusten (Pertussis) mit bislang 123 Fällen in diesem Jahr, der im letzten Jahr 6 Mal häufiger auftrat. Gleiches gilt für die Erkrankungen mit Meningokokken (Sepsis („Blutvergiftung“) bzw. Hirnhautentzündung), von denen in diesem Jahr neun registriert wurden (2020 zur gleichen Zeit: 28). Dass Masern und Mumps ebenfalls selten auftreten ist den Lesern des praxisblättle gut bekannt.

Die Erkältungsviren machen aber durchaus schon die Runde, auch wenn die Sommer-Wetterlage eine massive Ausbreitung begrenzt. Ob der Schnupfen oder Husten aber nicht doch vom Coronavirus ausgelöst wurden, kann nur durch Tests geklärt werden. Für den kommenden Winter bleiben Coronatests ein zentrales Werkzeug für Kinder- und Jugendärzte.

Was geht in der Welt rum? Mit den höheren Temperaturen kommt auch das West-Nil-Fieber im Mittelmeerraum vor. Aus Griechenland  (Bezirk Imathia und Pella in Zentralmakedonien) und Italien werden Fälle gemeldet. Die Erkrankung betrifft meist Vögel, Menschen erkranken aber nach Übertragung durch eine infizierte Stechmücke auch vereinzelt. Impfung gibt es keine. Die einzig mögliche Maßnahme das West-Nil-Fieber zu verhindern ist ausreichender Mückenschutz.

Endlich ist der Sommer da, den wir uns wünschten. Genießen wir es, durch laue Wälder zu wandern, in der Hängematte zu liegen oder zu picknicken. Ganz herzlich, Ihr

Impfungen weltweit: Wo stehen wir heute?

Impfungen gegen das Coronavirus ist das Thema der letzten Wochen. Aus einem Mangel an Impfstoffen wurde in den Industrieländern ein Überfluss. Auf der anderen Seite sind in den Ländern Lateinamerikas, Asiens und Afrikas nur wenige Menschen geimpft. Das hat zum Teil mit einem Mangel an Impfstoff zu tun. Ein größeres Problem ist aber, dass die Menschen in diesen Ländern häufig nicht ausreichend über Nutzen und Risiken der Impfungen aufgeklärt werden.

Ein Beispiel ist Madagaskar. Dort wurden 250.000 Dosen von Covishield – so nennt sich der Impfstoff von AstraZeneca, der in Indien produziert wurde –  im Mai 2021 für die Bevölkerung von etwa 28 Millionen Madegassen bereitgestellt. Ende Juni mussten zehntausende Dosen verworfen werden, weil nach dem Tod eines 42-jährigen Mannes nicht geklärt wurde, ob ein Zusammenhang mit seiner Impfung wenige Tage zuvor bestand. Laut Statista sind inzwischen 0.7% (Stand Ende Juli 2021) der Bevölkerung geimpft auf der Insel im Indischen Ozean.

Durchimpfung weltweit von 1980 bis 2019. Foto: The Lancet

Dass Impfungen auch ein Erfolgsmodell sein können zeigt eine Studie auf, die kürzlich im Lancet erschienen ist. Darin werden die Daten zu den Routineimpfungen bei Kindern zwischen 1980 und 2019 aufgeschlüsselt. Ein riesiges Werk. Und dieses Studie fördert erstaunlich gute Daten zu Tage: So weisen die Kinder weltweit eine komplette Impfung für Diphterie-Tetanus-Keuchhusten (DTP3 = 3 Mal in Folge DTP) in 81,6% vor. Diese Zahl hat sich seit 1980 mehr als verdoppelt (1980: 39,9%). Ähnlich sieht es für die erste Dosis einer Impfung mit Masern-Mumps-Röteln (MMR1) aus, mit der seit 2 Jahren 83,6% aller Kinder weltweit geschützt sind.

Die Zahl der völlig ungeimpften Kinder ging in den letzten 40 Jahren um erfreuliche 75% zurück und liegt nun bei 14,5 Millionen Kindern. Leider zeigt sich aber auch, dass in den letzten 10 Jahren die Erfolge stagnieren.

Langfristige Impfziele sind offensichtlich umsetzbar, bei den kurzfristigen (Corona-Impfungen) scheint das viel schwieriger zu sein. Das liegt auch daran, dass die Pandemie vielfach für politische Ziele genutzt wird. So stehen die allgemeinen Maßnahmen (Ausgangssperre u.a.) häufig in keiner Relation zu den Bemühungen, die Bevölkerung aktiv vor der Krankheit und deren negativen wirtschaftlichen Auswirkungen (z.B. Jobverlust) zu bewahren.

Was geht rum? 07. August 2021

Verhinderung von Kurzsichtigkeit: Aufenthalt im Freien günstig

Allergie Reaktion auf Nahrungsmittel: Vorsicht in Restaurants

Coronaimpfungen für Ab-12-Jährige?  

Pollenpause

In dieser Woche erkrankte weltweit der 200 Millionste Mensch an Corona. Somit sind an dieser Krankheit mehr Menschen erkrankt als zusammengenommen in Spanien, Frankreich und Deutschland leben.

Bei Kindern im Grundschulalter tritt immer häufiger Kurzsichtigkeit auf. Ursache hierfür ist, dass sie erstmals in diesem Alter über längere Zeit auf kurze Abstände – meist auf ihr Schulheft – fokussieren müssen. Dadurch wird das Längenwachstum des Auges stimuliert. Wenn schließlich die Linse die verlängerte Brennweite nicht mehr ausgleichen kann, benötigen Kinder wegen Kurzsichtigkeit (Myopie) eine Brille. Dieses Phänomen tritt besonders stark unter chinesischen Kindern auf.  Diese Phänomen scheint sich durch die Pandemie enorm verstärkt zu haben. Eine Studie aus dem dichtbesiedelten Hongkong beschreibt die aktuellen Daten: Die Zeit im Freien ging von 1,27 auf 0,41 Stunden am Tag zurück, die Zeit vor dem Bildschirm  nahm 2,45 auf 6,89 Stunden am Tag massiv zu. Die Häufigkeiten für die Kurzsichtigkeit sind massiv: Vor der Pandemie nahm die Zahl der kurzsichtigen Kinder pro Jahr um 13% zu, nunmehr sind es für die 6-, 7- und 8-jährigen Kinder 28 %, 27 % und 26 %. Man vermutet, dass sich die Zahl der kurzsichtigen Kinder in den kommenden Jahren verdoppeln wird. Glücklicherweise sind die Lebensbedingungen für Kinder in Deutschland andere. Die Zeit, die sie im Freien verbringen ist deutlich höher. Somit besteht ein geringeres Risiko für Kurzsichtigkeit.

In die USA können Europäer im Moment nicht reisen. Das schränkt die Bedeutung einer Studie ein, die kürzlich im Journal of Allergy and Clinical ImmunologyIn Practice erschienen ist. Darin geht es um allergische Reaktionen beim Essen in Restaurants in den USA. Es zeigte sich, dass 13% aller allergischen Notfälle mit Nahrungsmittel bei Kindern unter 18 Jahren in Restaurants auftreten. Somit bleibt mit 51% das Zuhause der gefährlichste Ort. Besonders häufig traten Nahrungsmittelallergie bei Erdnüssen und Nüssen (Haselnuss u.a.) auf. Bei diesen mussten in 28% mindestens einmal Adrenalin wegen schwerer Reaktionen injiziert werden. Tragisch dabei ist, dass 53,9% der Betroffenen vorher das Personal des Restaurants über die Allergie aufgeklärt hatte. Es gibt sicher viele Unterschiede zwischen Restaurants in Europa und den USA. Dennoch lohnt es sich gerade in Urlaubszeiten für Allergiker in Restaurants Vorsicht walten zu lassen.

Tipps gegen Coronainfektionen. Foto: RKI

Thema der Woche: Die Impfungen von Kindern ab 12 Jahren. Die Politik ist mehrheitlich dafür, die STIKO sieht noch keine ausreichenden wissenschaftlichen Daten, die eine Empfehlung für die Impfung der 12-17-Jährigen rechtfertigen würde. Inzwischen hat sich die Sächsische Impfkommission (SIKO) für die Impfung der Über-12-Jährigen ausgesprochen und dafür plausible Daten vorgelegt. Ergänzend hat sich auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung mit einem Merkblatt zu diesem Thema eingebracht. Bei allem Durcheinander nicht vergessen: Es geht um Kinder und Jugendliche, die eineinhalb Jahre Corona-Pandemie hinter sich haben. Und auch sie haben eine Meinung, die bei der Frage – ob eine Impfung angemessen sei – an erster Stelle stehen sollte.

Die Pollen fliegen immer weniger. Momentan werden in den meisten Regionen des Landes bei den Gräserpollen kaum Mengen erreicht, die Beschwerden verursachen. Lediglich die Menge der Beifuß-Pollen liegt etwas höher. Aber gegen dies Pollen sind nur wenige Menschen allergisch.

Die Infekte bei Kindern gehen unverändert weiter. Meist nichts gravierendes, aber gerade bei den Kleinkindern – und deren Eltern – häufig Schnupfen, leichter Husten und selten Fieber.

Was geht in der Welt rum? Im Süden Brasiliens, genauer im Bundesstaat Bahia sind 58 Neu-Infektionen an Malaria aufgetreten. Diese Region gilt als malariafrei. Man geht deswegen davon aus, dass der Erreger aus dem Amazonasgebiet eingeschleppt wurde.

Wettervorhersage der nächsten Tage für Karlsruhe. Foto: meteo, SRF

Ich wünsche Ihnen, dass der Sommer im Ländle bald beginnt. Ab Mitte der kommenden Woche soll es soweit sein. Herzlichst grüßt Sie Ihr