Kategorie: Aktuell

Was geht rum? 16. Januar 2021

Verbreitet sich das Coronavirus in Schulen?

Wie häufig kommen Kinder wegen COVOD-19 ins Krankenhaus?

Impfungen bei COVID-19, Impfung gegen FSME

Soziale Entwicklung der Kinder in Gefahr

Zeit und Gründe für Kinderkrankengeld ausgeweitet

Mit den Impfungen geht es voran. Aber nicht so schnell wie wir es erhofft haben. Geduld ist gefragt.

Züge vor über hundert Jahren. Jedes Abteil wurde von außen über eine Tür geöffnet. Brauchen wir wieder solche Wagen für die Bundesbahn? Zumindest wäre dann das Infektionsrisiko vermutlich spürbar geringer. Quelle: unbekannt

Ebenso wichtig ist die Fortführung der bekannten Maßnahmen, am besten noch konsequenter als bisher. Die Zusammenfassung der Regelungen. wie sie für für Baden-Württemberg gelten, sind hier kompakt zusammengefasst. Ansonsten sollte auch die Bundesbahn überlegen, wieder die Abteilwagen zu bauen, die es in den Jahren 1880 bis 1920 gab. Damals stiegen die Passagiere direkt vom Perron (Bahnsteig) in ihr Abteil ein. Die heute üblichen Durchgangswagen gab es nicht. Die Abstandsregeln wären auf diese Art deutlich besser einzuhalten.

Verbreitet sich das Coronavirus über die Schulen? Ein Studie von Stefan Feuerriegel und Kollegen von der ETH in Zürich zeigt auf, welchen Einfluss die Schulen auf Mobilität haben: Der Aufenthalt in den Klassenzimmer ist eines, die Anreise zur Schule in überfüllten Bussen und engen Autos ist eine andere Seite der Medaille.

Stationäre Behandlung von Kindern und Jugendlichen in deutschen Kinderkliniken (149 meldende Zentren bundesweit)  Quelle: DGPI

Häufig wird übersehen, dass auch Kinder sehr schwer und tödlich an COVID-19 erkranken können. Die neuen Zahlen der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) zeigen, dass Kinder von der zweiten Welle des SARS-CoV-2 deutlich betroffen waren. Hinweise zur Notbetreuung in schulischen Einrichtungen können Sie hier finden.

„Oder ist es doch nur ein Virus?“ Diese Frage haben Eltern früher täglich Ihrer Kinderärztin oder ihrem Kinderarzt gestellt. Heute dürfte das nicht mehr vorkommen. Zika, Ebola und SARS-CoV2 haben uns eindrücklich gezeigt, welche zerstörerische Kraft Viren haben können. Sie haben kein Gehirn, aber sie sind enorm anpassungsfähig. Das zeigen die neuen Mutanten. Wir sollten ihnen keine offene Flanke bieten und den Impfschutz entsprechend den wissenschaftlichen Studie durchführen. In Anbetracht des momentanen Mangels an Impfungen ist eine Diskussion um die Impfpflicht irrsinnig. Selbst wenn wir im Impfstoff-Überfluss lebten, wir sollten niemanden zwingen. Es geht nicht nur darum „mich und meine Familie“ zu schützen. Das wäre ein erweiterter Egoismus. Es geht darum, uns alle im diesem Lande und auf der Welt zu schützen. Darüber müssen wir reden. Und ängstliche Menschen überzeugen: Vom Ich zum WIR. Solidarität tut allen gut. Auch mir selbst. Dadurch wird auch meine verzweifelte Seele getröstet.

Aber egal: Kinder bis 16 Jahre erhalten ohnehin keinen Corona-Impfstoff, er ist schlicht nicht zugelassen. Also wenden wir uns einem anderen Virus zu: dem FSME-Virus, oft einfach Zecken-Virus genannt. Das spielt jedes Jahr einen größere Rolle. Während Windpocken und Masern in der Pandemie deutlich zurückgingen, hat die Früh-Sommer-Meningo-Encephalitis (FSME) wieder Höchststände erreicht: Im Ländle sind 354 Fälle (in 2020) gegenüber 171 Fällen in 2019 aufgetreten. Ein Grund mehr zu impfen. Das lohnt sich in jedem Fall für alle Schulkinder. Empfohlen ist die Impfung in Baden-Württemberg aber bereits ab dem 1. Geburtstag. Übrigens, die Zecken sind spätestens ab März/ April wieder unterwegs. Eine Impfung wäre gut: jetzt.

Das Thema Schulen und Corona wird bleiben. Genau betrachtet gibt es zu wenig Forschung über die Verbreitung des Virus in der Schule (bei Lehrern und Kindern), auf dem Weg zur Schule, in den verschiedenen Altersgruppen. Wo haben sich Lehrer angesteckt? Bei einer persönlichen Ermittlung dürfte es schwierig sein, diese Zusammenhänge sicher darzustellen. Wir brauchen mehr wissenschaftliche Daten. Klar ist nur: Die Bildung der Kinder ist bedroht, besonders der ohnehin benachteiligten Kinder. Und: Kindern können nur noch in kleinen Gruppen zusammen sein, ihre soziale Entwicklung ist in Gefahr. Besonders problematisch ist, dass Kinder und Jugendliche um ein Stück ihrer Kindheit gebracht werden. Um das zu rechtfertigen, brauchen wir mehr begründete Informationen und gehen erstmal vom schlechtesten aus und lassen die Schulen geschlossen.

Der Anspruch auf Kinderkrankengeld ist in dieser Woche – rückwirkend ab 05. Januar 2021 – auf 20 Tage pro Elternteil bzw. 40 Tage bei Alleinerziehenden erhöht worden. Kinderkrankengeld kann in diesem Jahr doppelt also lange bezogen werden. Laut Deutschem Ärzteblatt sind in einer „Formulierungshilfe“ für eine Gesetzesänderung im Sozialgesetzbuch V neben den normalen Krankheitstagen von Kindern weitere drei Gründe auf ein Anspruch für den Bezug von Kinderkrankengeld angegeben: Wenn Schule oder Kita geschlossen sind, wenn für Klassen oder Gruppen „pandemiebedingt ein Betretungsverbot ausgesprochen wurde oder die Prä­senzpflicht im Unterricht ausgesetzt ist oder der Zugang zum Kinderbetreuungsangebot einge­schränkt wurde.“ In diesen Fällen, wenn es darum geht dass Eltern Ihre Kinder beaufsichtigen müssen weil beispielsweise die Schule geschlossen ist, benötigen Eltern eine Bestätigung der Einrichtung (Kindergarten, Schule) und keine ärztliche Bescheinigung.

Was geht in der Welt rum? Natürlich auf das Coronavirus. In der Schweiz mit 8,6 Millionen Einwohnern sind bislang 487.357 Menschen daran erkrankt und 8470 Todesfälle zu beklagen. In Baden-Württemberg (11,1 Millionen Einwohner) sind 264.735 Menschen erkrankt und 5758 daran verstorben (Stand 13. Januar, 14:00 Uhr). Damit sind bei unserem südlichen Nachbarn mehr als doppelt so viele Menschen an COVID-19 erkrankt. Aber, den Eidgenossen war die persönliche Freiheit – der „Schweizer Weg“ – schon immer besonders wichtig. Doch der wurde nun vom Bundesrat, der Schweizer Regierung, beendet. Ab Montag gilt ein ähnlich striktes Regime wie im ersten Lockdown. Und das bis Ende Februar.

Genießen Sie den Winter mit Ihren Kindern mit Schneemännern, Schneeballschlachten oder Schlitteln an einem kleinen Hügel in Ihrer Nachbarschaft,

Ihr

Was geht rum? 9. Januar 2021

Die wichtigsten Corona-Impfstoffe im Vergleich

Corona-Schnelltests: Wann machen sie Sinn, wann weniger?

Schulen und KiTa – noch immer kein langfristiges Konzept?

Schulen als Infektionstreiber? Nein sagt ein Experte

Bewegte Zeiten. Nun geht es also um die Impfstoffe gegen das SARS-CoV-2.Man gewinnt den Eindruck, dass jede halbwegs bekannte Person etwas dazu sagen muss. Um die Bereitstellung von mehr Impfdosen zu erreichen wurde die bereits Verstaatlichung von Pharmabereichen vorgeschlagen. Oder auch, dass die zweite Impfdosis nicht unbedingt mit der ersten übereinstimmen müsste. Wir bewegen uns als wieder zwischen wissenschaftlich gesicherten Erkenntnissen und Wünschen/ Phantasien. Beruhigt Euch – „calm down“ – möchte man gerne ausrufen.

Kommen wir zu den Basisdaten zurück. In der folgenden Tabellen sind die wichtigsten Daten der einzelnen Impfstoffe einander gegenüber gestellt. Mit all den Vor- und Nachteilen.

BioNTech Moderna  AstraZeneca
Art der Impfung mRNA-Vakzine (BNT162b2) mRNA-Vakzine (mRNA-1273) Adenovirus-Vektor-Vakzine (AZD1222)
Dosis pro Impfung 30 µg 100 µg 5×1010 Viruspartikel
Temperatur Dauer-Lagerung – 70° Celsius – 20° Celsius 2° – 8° Celsius
Temperatur Kurzzeitlagerung +2° bis +8° Celsius für max. 5 Tage +2 bis +8° Celsius für 30 Tage +2° bis +8° Celsius für 6 Monate
Dosierung 2×1 Disis (Tage 0-21) 2 x 1 Dosis (Tage 0 – 28) 2×1 Dosis (Tage 0-28)
Teilnehmer Studien-Phase 3  43.538 (10.11.2020) > 30.000 34.000
Effektivität 95,3% (8 von 170) 94,5% (5 von 95) 62% (90% wenn erste Dosis nur 50% wie in GB)
sicherer Impfschutz 28 Tage nach 1. Impf-Dosis 30 Tage nach 2. Impf-Dosis 28 Tage nach 2. Dosis
unerwünschte Wirkungen Schmerz an Impfstelle, Muskelschmerz Schmerz an Impfstelle (2,7%), Muskelschmerz (8,9%) Schmerz an Impfstelle, Muskelschmerz, Kopfschmerz
Zulassung ab Alter von  16 Jahren  16 Jahren 18 Jahren
Kosten (für die EU) 12 € 14,69 € 1,78 €
Impfdosen für D (laut Business Insider) 38.989.787 mind. 15.000.000 56.272.263

Sicher ist: Alle aufgeführten Impfstoffe zeigen eine gute Wirkung gegen das Coronavirus. Es zeigen sich Unterschiede in vielen praktischen Fragen. Mit dem Impfstoff von AstraZeneca wäre das Ziel, viele Menschen zu impfen, einfacher zu erreichen: Er könnte ganz klassisch in den Praxen der Kinder- oder Hausärzte verimpft werden. Nebenbei ist er sehr günstig. Aber, er hat ein Gschmäckle, weil bei der Studie „versehentlich“ eine Gruppe von Patienten bei einem Impftermin nur die halbe Dosis verimpft wurde. Das hat sich im Nachhinein als günstig erwiesen, darf aber bei einer wissenschaftlichen Studie nicht passieren.

Ein tweet des CDC, der amerikanischen Gesundheitsbehörde, fasste den momentanen Stand der Impfungen so zusammen:

🌡️ Some side effects are normal (einige Nebenwirkungen sind normal).
💸 In most cases, COVID-19 vaccines will be available for free (in den meisten Fällen sind COVID-19 Impfungen kostenlos erhältlich)
👨‍🔬Many vaccines are still being developed & tested (viele Impfungen werden immer noch entwickelt und getestet)
😷Vaccines are one of many tools to help stop this pandemic (Impfungen sind eine von vielen Werkzeugen dabei zu helfen, die Pandemie zu stoppen)

… und als Hygieneregeln formuliert die CDC folgende Maßnahmen:

🚫 Avoid gatherings. (Vermeide Zusammenkünfte)
😷 Wear a mask. (Trage eine Maske)
↔️ Stay 6 feet away from others. (Zwei Meter Abstand halten – exakt: 1,83m)
🖐️ Wash your hands. (Wasche Deine Hände)

Hoffen wir mal, dass sowohl Hygieneregeln wie Impfungen in Deutschland bald konsequenter umgesetzt werden.

Schnelltests waren vor Weihnachten das Thema. Schnelltests erfassen eine Infektion in etwa 80% der Fälle im Vergleich zum PCR-Test (100%). Der Grund für den niedrigeren Wert liegt darin, dass der Schnelltest erst bei größeren Mengen an Viren (höherer Viruslast) positiv ist. Das bedeutet, dass Menschen im Beginn der Infektion teilweise nicht erfasst werden, ebenso auch solche, bei denen die Infektion gerade am Abklingen ist. Ersteres ist eine Schwäche, letzteres eine Stärke des Schnelltests. Bei asymptomatischen Infizierten – das zeigt eine Studie der Forscher um Marie Killerby des CDC – liegt die Sensitivität bei etwa der Hälfte, bei 41%. Hier vermag der Schnelltest aus nur 41% der Virusträger zu identifizieren, da diese Gruppe von Menschen mit positivem PCR-Test aber ohne Symptome offensichtlich weniger Virus tragen.

Das zeigt auch eine sog. Metaanalyse um den Forscher Paul Glasziou aus Australien. Diese Wissenschaftler wählten aus 2,454 Artikeln 13 gut gemachte Studien aus und fanden heraus, dass nur 17 Prozent (je nach Studie waren dies zwischen 4 und 41 Prozent) der Ansteckungen mit dem Virus von Menschen ausgehen, die frei von Symptomen sind. Letztlich zeigen diese Daten, dass Menschen mit Symptomen eine Untersuchung mit dem PCR-Test sinnvoll ist, der die Frage sicher klärt (hohe Sensitivität), ob eine Coronainfektion vorliegt. Geht es hingegen darum eine mögliche Ansteckungsfähigkeit (Infektiosität) bei einer Person ohne Symptome auszuschließen, ist die PoC-Testung (also der Schnelltest) gut, weil sie Personen mit sehr niedrigen Virusmengen erst gar nicht erfasst.

Wie geht es weiter mit Schulen und KiTas? Dazu äußerte sich Anfang der Woche Dario Schramm als Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz. Dabei kritisierte er, dass die Schülerinnen und Schüler die gesamten Ferien im Ungewissen verbracht hätten: „Die Kultusministerkonferenz tagt 17 Tage nach Ferienbeginn, ich hätte erwartet, dass sie die Ferien von Beginn an zum Ausarbeiten von Konzepten und Gesprächen mit Verbänden genutzt hätten.“ Eine nachvollziehbare und langfristige Strategie wäre endlich sinnvoll. Wenige Tage nach dem Statement äußerten sich die Ministerpräsidenten und die Bundeskanzlerin: Die KiTas und Schulen sollen bis 31. Januar geschlossen bleiben. Flugs hat Winfried Kretschmann angedeutet, man werde die Grundschulen und Kitas am 18. Januar wieder öffnen, wenn die Infektionszahlen das erlaubten. Der Flickenteppich bleibt und Ungehorsam ist Bürgerpflicht, so scheint es. Eine nachvollziehbare Strategie für die kommenden vier Wintermonate tut Not. Keiner kann absehen, wie sich die Pandemie weiter entwickelt. Wir wissen viel und doch zu wenig. Wir müssen versuchen und können uns irren (auch Politiker). Aber wie wäre es mit einem Stufenmodell, das den Schulzugang in Abhängigkeit von den Infektionszahlen regelt? Wir sollten jedoch unsere private Verantwortung als Bürger nicht auf die Politik abwälzen. Auch im privaten Bereich können wir uns kreativ vor dem Virus schützen. Vorschläge gibt es genug, fangen wir an.

Kinder, die positiv auf das SARS-CoV-2 getestet wurden, waren eher ……… auf Hochzeiten, auf Parties oder Beerdigungen     Quelle: CDC

Sind Kinder in Schulen und KiTas „Infektionstreiber“ ? Zu dieser Frage gibt jetzt eine Studie aus Mississippi (USA). Das Forscherteam um Charlotte V. Hobbs zeigt: Enge Kontakte zu Menschen mit COVID-19, Treffen mit Personen außerhalb des eigenen Haushalts sowie fehlendes Tragen von Masken in der Schule sind mit COVID-19-Erkrankungen bei diesen Kindern und Jugendlichen (unter 18 Jahre) verbunden.  Der Schulbesuch selbst bzw. der Besuch der KiTa war jedoch nicht mit positiven Testergebnissen korreliert. Das sieht Prof. Dr. Reinhard Berner, Chef der Kinderklinik der Uni Dresden genauso. In einer Konferenz von Kanzlerin, Kabinett, Ministerpräsidenten der Länder und Wissenschaftlern in dieser Woche sagte er: „Kinder nehmen am Infektionsgeschehen teil, sind aber nach aktuellem Wissensstand keine Treiber der Pandemie.“ 

Influenza (echte Grippe) in den letzten Jahren und der jetzigen Saison (rote Kurve) in Deutschland nach den Zahlen des RKI Quelle: Statista

Andere Infekte in Baden-Württemberg? Sie spielen weiterhin keine große Rolle. die üblichen Infekte erscheinen vielen als bedeutungslos in Anbetracht der tödlichen Coronapandemie. Die Grippe (Influenza) scheint es in diesem Jahr kaum zu geben. Die Kinderkrankheiten – darüber haben wir mehrfach berichtet – sind deutlich seltener aufgetreten als sonst, Ausnahme Mumps. Der trat etwa so häufig auf wie im Jahr 2019. Aber: Masern, Keuchhusten und Windpocken liegen alle unter 50% der erwarteten Zahlen.

Was geht in der Welt rum? Die Coronapandemie lässt an Pandemien früherer Epochen denken. Dazu zählt auch die Beulenpest. Viele wissen nicht, dass die Pest weltweit noch immer vorkommt. Zum Beispiel in der Demokratischen Republik Kongo, wo aus der Region Aur (Provinz Ituri, NO) mehr als 200 Verdachtsfälle von Beulenpest gemeldet wurden. Fünf Menschen sind verstorben. Auch Madagaskar ist seit 1921 regelmäßig von der Pest betroffen.

Ich wünsche Ihnen eine fröhliche Gelassenheit. Für viele Familien kann der Rückzug auf sich selbst auch eine Chance sein. Ihr

Was geht rum? 02. Januar 2021

Trockene Luft + wenig Sonne: Winterekzem

Wenige wie selten: Atemwegsinfektionen in Baden-Württemberg

Steuer in 2021: Manche Vorteile für Familien mit Kindern

Corona: Erste Erfahrungen mit der Impfung

Ich hoffe, Sie haben das Neue Jahr mit Freude und Zuversicht begonnen. Dafür gibt es viele Gründe, von denen die Impfung gegen das SARS-CoV-2 wohl der Wichtigste ist. Bis wir wieder voll durchatmen können, wird dieses Jahr aber wohl schon wieder vorbei sein.

Dürfen die Heiligen Drei Könige in diesem Jahr kommen? Natürlich nein, sie kommen aus drei verschiedenen Haushalten und das geht gar nicht. Auch die milde Gaben werden keine mildernden Umstände möglich machen. Im Übrigen würden Weihrauch und Myrrhe die Aerosolbelastung ins Unermessliche steigen lassen.

In den Wintermonaten hat die unsere Haut mehr zu leiden. Trockene Luft in den Innenräumen und spärliche Sonnenstrahlen tragen dazu bei. Gerade bei kleinen Kindern mit trockener Haut zeigt sich ein leichtes Ekzem in den Beugen. Das betrifft gerne die Ellenbeugen oder die Kniekehlen, aber auch hinter den Ohren (retroauriculär) oder auf den Augenlidern kann sich die Trockenheit auswirken. In aller Regel dauern diese Phänomene bis in den April an, wenn die Sonne wieder länger scheint und Kinder wieder öfter draußen – in der feuchteren Luft – spielen. Es empfiehlt sich, die trockene Haut bis dahin regelmäßig einzucremen.

Zahl der Atemwegserkrankungen mit denen sich Menschen in Baden-Württemberg beim Arzt vorstellen. Quelle: AG Influenza

Das letzte Jahr ging mit wenig Atemwegsinfektionen zu Ende. Das hat natürlich mit den Festtagen zu tun. Die Werte lagen aber auch klar unter denen der letzten Jahre. Bislang hat die Saison der Influenza nicht begonnen. Der Keuchhusten trat übers Jahr gesehen weniger als halb so oft auf. Bei den Kinderkrankheiten in Baden-Württemberg fielen ganz besonders die Masern auf. In der Fastnachtswoche traten die letzten beiden Fälle von insgesamt 25 Erkrankungen auf, danach keine einzige mehr.

Ähnlich verlief das auch bei den Durchfallserkrankungen. Bei den Rotaviren, wurden gerade mal ein Viertel der sonst üblichen Erkrankungsfälle gemeldet, bei den Noroviren waren es nur 40%. Vermutlich sind im Rahmen der Pandemie manche erkrankten Kinder und Jugendliche nicht beim Kinderarzt vorgestellt worden. Viele Erkrankungen sind aber auch hier wegen der Hygiene- und Anstandsmaßnahmen schlicht nicht aufgetreten.

Steuerlich wird das Jahr für Mütter und Väter von Kindern bei einigen Regelungen günstiger. So wird das Kindergeld und der Kinderfreibetrag erhöht: Ab 2021 sind das für jedes Kind 15 Euro mehr Kindergeld. Für die ersten beiden Kinder gibt es je 219 Euro Kindergeld, für das dritte Kind 225 Euro und ab dem vierten Kind 250 Euro. Die Steuerfreibeträge für Kinder steigen ebenfalls, von 7812 Euro auf 8388 Euro. Auch für Alleinerziehende gibt es mehr Geld: Sie profitieren im kommenden Jahr  ebenfalls von einem höheren Steuerfreibetrag. Statt 1908 Euro beträgt dieser 4008 Euro im Jahr. wie der Bund der Steuerzahler verdeutlicht. Den Freibetrag gibt es, wenn ein Elternteil mit mindestens einem Kind zusammenlebt, für das ein Kindergeldanspruch besteht – selbst wenn keine Haushaltsgemeinschaft mit einer anderen erwachsenen Person besteht.

Seit dem 27. Dezember werden Impfungen gegen das SARS_CoV-2 in Baden-Württemberg durchgeführt. Bislang wurden 78.109 Personen (Stand 30.12.2020, 11:00 Uhr) geimpft, von denen 42% eine berufliche Impfindikation hatten. Bisher steht nur der Impfstoff von BioNTech/ Pfizer zur Verfügung. Stand 31.12.2020, 12:00 Uhr gibt es bis 20. Januar 2021 überhaupt keine Impftermine mehr, danach vereinzelte Termin im ZIZ in Rot am See am nördlichen Rand unseres Bundeslandes. Für Kinder ist der Impfstoff ohnehin nicht zugelassen, erst für Jugendliche ab 16 Jahren.

Was geht in der Welt rum? Das Dengue-Fieber trat in 2020 auf Martinique besonders häufig auf. Waren es 2019 noch 1127 Erkrankte, wurden in den ersten 11 Monaten des Jahres 2020 genau 31.270 Fälle gezählt (16 Todesfälle). Gegen das Dengue-Fieber hilft konsequenter Mückenschutz (tagsüber !), eine Impfung gibt es nicht. Das  Überseedépartement Martinique gehört zu Frankreich und somit auch zu Europäischen Union. Dadurch ist es für reiselustige Menschen jetzt besonders attraktiv.

Starten Sie vergnügt in das erste Wochenende dieses Jahres.

Ihr

Im Strudel der Veränderungen: Die Kinder nicht vergessen!

Vermutlich werden Sie aufatmen, wenn dieses Jahr in wenigen Stunden zu Ende geht. Für die allermeisten von uns hat es die unterschiedlichsten Veränderungen und Belastungen mit sich gebracht.

Da sind einige Leser, die selbst mit dem Coronavirus erkrankt sind und erfahren haben, dass diese Erkrankung wahrlich mehr machen kann als andere Atemwegsinfekte. Obwohl ihre Krankheit nach außen hin zumeist nicht gar so schlimm erscheint, sind sie vielleicht von einer lähmenden Müdigkeit betroffen, die sie ängstigt. Eltern fragen sich, wie lange kann ich noch für meine Kinder da sein?

Andere Menschen erleben die Folgen des Virus nur aus den Medien und kennen vielleicht keinen, der betroffen ist. Sie merken nicht, dass die Familie an der Kasse des Einkaufsmarktes vor ihnen zum ersten Mal wieder in der Öffentlichkeit ist und die Mutter der drei Kinder es kaum schafft, so lange auf den Beinen zu bleiben. So bleibt ihre Sicht der Welt, dass die Pandemie von böswilligen Kräften gesteuert würde, unverändert.

Viele Kinder kennen zwar das Wort Corona, aber was das genau bezeichnet, ist vielen nicht klar. Sie wissen nur: Seit sie dieses Wort hören, hat sich die Welt komplett verändert. Im Kindergarten dürfen sie nicht mehr zu ihrer Freundin in die andere Gruppe. Ein Kindergeburtstag findet nur im kleinsten Rahmen statt – und Spontanität unter Kindern wird an allen Ecken und Enden ausgebremst. Obwohl sie erst 3 oder 4 Jahre auf dem Planeten leben, sind sie bereits um eine volles Jahr Sorglosigkeit betrogen worden. Wenn über Kinder geredet wird, sind entweder die Eltern gemeint (Vereinbarkeit mit der Arbeit) oder die Bildung (sprich: die Wirtschaft). Beides wichtige Aspekte. Aber sollten wir nicht mehr an die Lust der Kinder denken zu rennen, zu spielen, zu probieren, zu lachen, mit Freunden zusammen zu sein?

Jugendlichen geht es kaum besser. Sie wollen sich vom Elternhaus abnabeln und ihr eigenes Leben aufbauen. Dazu suchen sie Freunde, mit denen sie gemeinsam verrücktes erleben wollen, ausprobieren, über die Stränge schlagen. Wenn sie heute provozieren, verstoßen sie sofort gegen Regeln, die zum Schutz der Gesellschaft etabliert wurden: Treffen zweier Haushalte? Gerade noch möglich. Aber wie soll ein Jugendlicher Erfahrung sammeln ohne sich in seiner Gruppe von Freunden zu treffen? Die meisten wurden um ein Jahr Jugend beraubt – der Vergleich sei erlaubt – wie ihre Großeltern im Krieg, wenngleich damals Gewalt und Hunger hinzukamen. Nebenbei wird die Partnersuche auf später verschoben. Ganz schön heftig.

Und Sie als Eltern? Vielleicht hatten Sie nie Kontakt zu jemandem, der die Coronainfektion erlebt hat. Sie erleben aber die Folgen umso deutlicher: In der Arbeit (Homeoffice), zuhause (zu enge Wohnung für eine Quarantäne) und mit den Kindern (die nicht in die KiTa oder die Schule dürfen und sie müssen trotzdem schauen, dass Geld aufs Konto kommt).

Es verwundert nicht dass Menschen aufmucken. Das Volk will nicht mehr folgen. Vielleicht eint uns bald doch der Gedanke, das Virus bewusst austrocknen zu können? Mit Maske, Abstand und Hygiene? Noch sind viele dazu nicht bereit.

Alle zusammen haben wir Lust auf das neue Jahr. Hoffentlich gelingt es uns das Virus einzugrenzen, wie auch immer. Und möglichst schnell. Deswegen wünschen sich die meisten eine Impfung – aber bitte ohne Hast. Eine solche Maßnahme muss gut geplant und überlegt sein. Eile ja, Hast nein.

Ich wünsche Ihnen, dass im kommenden Jahr zumindest ein Teil unserer zarten Wünsche in Erfüllung gehen wird: Wieder einmal Freunde umarmen, Kinder spielen und Jugendliche in Clubs abhängen lassen so wie sie es wollen.

Ganz herzlich grüßt Sie, Ihr

Was geht rum? 26. Dezember 2020

Todesfälle durch Lungenentzündung bei Kleinkindern weltweit halbiert

Der chilenische Weg für eine gesunde Ernährung der Kinder

Schulen als Pandemietreiber? Eher nein

Weiterhin wenig Infekte im Ländle

Weihnachten. Das Fest der Freude. Getrübt nur durch kleinste Teilchen, die gerade mal einen zehntausendsten Teil eines Millimeter an Durchmesser aufweisen und uns Menschen angreifen, die wir mehr 120 Milliarden mal so groß sind. Sie machen uns mehr als nur krank. Sie vermögen Teile der Gesellschaft gegeneinander aufzubringen. Und jetzt vor Weihnachten führten sie zu Hast und Eile, was die Impfung gegen das SARS-CoV-2 betrifft. Gut zu wissen, dass die oberste Europäische Arzneimittelbehörde sich nicht unter Druck setzen ließ.

Vielleicht wollen Sie das kleine Teilchen mal Ihren Kindern vorstellen? Vom Bundesministerium für Gesundheit gibt es eine sehr nette Broschüre: „Wie wir uns vor Corona schützen können – Tipps für Kinder von Lisa und Paul. Sie zeigt, Kreativität ist auch ein Merkmal dieser zumeist anstrengenden Zeit.

Im Strudel der schlechten Nachrichten der letzten Woche verschwand eine Meldung, die eine fette Schlagzeile Wert gewesen wäre: Die Gefahr durch Lungenentzündungen bei kleinen Kindern (unter 5 Jahren) hat sich deutlich verringert. Starben im Jahre 2011 noch 1,3 Millionen Kinder daran, waren es zuletzt noch 672.000. Für uns in Mitteleuropa kaum vorstellbar. Aber Lungenentzündung ist für Kinder in den ersten 5 Jahren ihres Lebens in den meisten Ländern der Erde gefährlicher als AIDS, Tuberkulose oder Malaria. Noch heute werden in Krankenhäusern in Afrika schwer kranke Kinder abgewiesen, wenn ihre Eltern kein Geld für die Behandlung hinlegen können. Aber die Kliniken sind ebenso bettelarm wie die Menschen selbst. Weitere Informationen gibt die Kampagne Stopp Pneumonia (in Englisch).

Kennzeichnung von Nahrungsmitteln in Chile Quelle: Gesundheitsministerium von Chile

Aus Chile kommen auch gute Nachrichten für Eltern. Weil chilenische Kinder immer mehr unter Übergewicht litten, hat die Regierung im Jahre 2016 ein neues und strenges Gesetz zur Kennzeichnung von Lebensmitteln eingeführt. Das brachte viele Veränderungen im Alltag: alle Lebensmittel mit zu viel Zucker, Fett, Kalorien oder Salz sind auf der Vorderseite des Produktes sind inzwischen deutlich sichtbar gekennzeichnet. Solchermaßen markierte Nahrungsmittel dürfen in Schulen nicht verkauft werden. Auch in den Schulkantinen sind sie verboten. Ergänzend gibt es erhebliche Werbeverbote. Parallel verschwanden Comic-Helden und Zeichentrickfiguren von den Verpackungen. In einer Langzeit-Beobachtungsstudie (in Englisch) einer Forschergruppe um Camila Corvalán (Universidad de Chile, Santiago de Chile) wurden die Ergebnisse über einen Zeitraum von 3 Jahren untersucht. Es zeigte sich, dass der Konsum von high-in-Getränken seit 3 Jahren um 23,8% zurückging, also solchen Getränken mit hohem Gehalt an Zucker, Fetten, Natrium-Salzen oder Kalorien. Politisch radikale Schritte können sich also günstig auf die Ernährung von Kindern auswirken.

Welche Gruppe unserer Gesellschaft treibt die Pandemie? Erst sollen es die jungen Menschen, später auch die Vor-Rentner (59-65 Jahre) gewesen sein. Und immer wieder die Schulen. Die gerade erschienene Untersuchung unter Federführung von Prof. Dr. Ursel Heudorf aus dem  Gesundheitsamt in Frankfurt am Main belegt, dass Schüler und Lehrer kaum zur Verbreitung des Coronavirus beitragen. So wurde bei jedem Infizierten die Umgebung untersucht: im Durchschnitt 7 Lehrer und 27 Schüler. Aber unter diesen Kontaktpersonen fanden sich nur 0,57 positiv getestete Personen. Aktuelle Zahlen der ONS (Official National Statistics) aus Großbritannien zeigen andererseits, dass die Zahl der positiv getesteten Personen gerade in den jüngsten Altersgruppen (2-11 Jahre) höher liegt (2%-2,5% gegenüber 1% – 1,5%)  als in den anderen Altersgruppen. Ohne ausreichende digitale Lehr- und Lernangebote wird es wohl auf Dauer nicht gehen. Schule kann trotz allem nicht nur als Präsenzunterricht stattfinden. So sehr wir das hofften – und lange glaubten.

In Baden-Württemberg ist die Zahl der Atemwegsinfekte bei Kindern weiterhin eher niedrig und liegt klar unter den Werten der letzten beiden Winter. Obwohl mancherorts enge Kontakte stattfinden, bleibt die Zahl der Kinderkrankheiten ebenfalls sehr niedrig. Das gilt weiterhin für den Keuchhusten mit 872 neuen Erkrankungen in diesem Jahr (Jahr 2019: 1845 Keuchhustenfälle). Es wurden also fast 1000 Personen von dieser unangenehmen und für kleine Kinder gefährlichen Krankheit verschont. Die Abstandsregeln lohnen sich  offensichtlich auch für Kinder, um sich schwerwiegende Kinderkrankheiten vom Hals zu halten.

Was geht in der Welt rum? Im Schatten des Coronavirus traten seit September diesen Jahres 28 Infektionen mit Impfstoff-abgeleitetem Poliovirus Typ 2 (cVDPV2) in der Republik Südsudan auf. Das ist zwar kein touristisches Reiseziel. Dennoch könnte sich von dort ein Polio-Erreger weiter ausbreiten. Damit droht das Ziel einer poliofreien Welt in weite Ferne zu rücken.

Ich wünsche Ihnen eine Fortsetzung der erholsamen Feiertage im Kreise Ihrer Liebsten, ganz herzlich Ihr

Neues Jugendschutzgesetz auf dem Weg

Durch die Pandemie wenig beachtet, hat das Bundeskabinett die Reform des  Jugendschutzgesetzes (JuSchG) auf den Weg gebracht. Dabei geht es besonders darum, Kinder und Jugendliche vor den Risiken zu schützen, die von der digitalen Welt ausgehen. Im Fokus stehen hier Cybermobbing, sexuelle Belästigung und auch finanzielle Kostenfallen. Kurzum, das JuSchG wird der neuen Zeit angepasst, in dem der Schutz in der analogen Welt auch in der digitalen Welt gegeben sein soll.

„Was offline gilt, muss auch online gelten“, so der Kinder- und Jugendarzt Dr. Uwe Büsching aus Bielefeld. Die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin (DAKJ) hält auch das neue Gesetz nicht für ausreichend. So fehle eine altersbezogene Beschränkung des Zugangs zu online verfügbaren Spielen: „Die Anbieter müssten sicherstellen, dass jeder, der ihre Spiele nutzt, ein bestimmtes Alter hat. Es braucht eine formale, technische Zugangskontrolle“, sagte der Generalsekretär der DAKJ Prof. Dr. Hans-Iko Huppertz aus Bremen.

Ein erster Anfang ist gemacht. Bis das Gesetz in Kraft treten kann, muss es aber noch viele Hürden nehmen: Zunächst muss es vom Bundestag verabschiedet werden, um dann in der Länderkammer (Bundesrat) diskutiert zu werden. Es werden also noch viele Monate ins Land gehen, bis dieser Schutz aufgebaut ist.

Das von Franziska Giffey geführte Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend weist darauf in einer Pressemitteilung nochmals darauf hin, warum das Gesetz so wichtig und überfällig ist.

Corona-Impfungen: Wieso kamen sie so schnell auf den Markt?

In vielen Ländern (Großbritannien, USA, Russland, China u.a.) sind Corona-Impfungen schon verfügbar. In Deutschland ist erst in den letzten Tagen dieses Jahres damit zu rechnen. Damit ging die Entwicklung von Corona-Impfstoffen so schnell wie noch nie. Das beunruhigt einige Menschen. Sind solche Ängste angebracht?

Die Zulassung von Impfstoffen verläuft je nach Land unterschiedlich. So wurde der Corona-Impfstoff Sputnik V (Russland) als erster weltweit im August 2020 zugelassen. Zur der Zeit lagen kaum Daten über diesen Impfstoff vor, die Phase-3-Studie begann erst im Oktober. Für den Impfstoff der Firma Sinovac aus China liegen ebenso kaum Daten vor. Dennoch hat beispielsweise die Türkei bereits am 11. Dezember angefangen Risikogruppen mit dem chinesischen Impfstoff, der sich auch in der Türkei noch in der Testphase geprüft wird, zu impfen. In beiden Fällen wurde der Impfstoff freigegeben, ohne dass Wissenschaftler die Daten zur Verfügung hatten, um ihn auf Herz und Nieren zu prüfen. Der Impfstoff ist ein zu einem Politikum und zu einem Machtinstrument geworden.

Die Wissenschaftsgemeinde weltweit hat anerkannte Standards mit den neue Medikamente und Impfstoffe auf ihre Verträglichkeit und ihre Wirkung untersucht werden. Nach den Tierversuchen – sie sind zumeist auch heute noch erforderlich – findet die erste klinische Anwendung der neuen Substanz in einer sogenannten Phase 1-Studie statt. Dabei wird ein Medikament oder eine Impfung auf die Pharmakokinetik  bzw. die Verträglichkeit an einer kleinen Gruppe freiwilliger Probanden geprüft. Es folgt dann die Phase 2-Studie, um die richtige Dosierung und die Wirkungen auf das Immunsystem bei einer größeren Gruppe von Probanden (meist 100 – 200 Menschen) zu finden. In der Phase 3-Studie schließlich wird geklärt, wie gut ein Medikament oder Impfstoff effektiv schützen. In dieser Studienphase nehmen Tausende von Probanden teil. Deren Anzahl hängt im Wesentlichen davon ab, wie häufig ein Ereignis (z.B. eine Infektion mit SARS-Coronavirus-2) in einer Bevölkerung vorkommt und wie schnell ein Ergebnis vorliegen soll. Es liegt auf der Hand, dass je grösser die Studiengruppe ist, je schneller liegt auch ein Ergebnis vor.

Ablauf einer Studie bis zur erfolgreichen Abschluss – traditionell und im Rahmen der Coronapandemie Quelle: F. Krammer, Nature

Damit wird auch klar, dass auch die Finanzlage über die Schnelligkeit dieser Studienschritte entscheidet. Bei Impfstoffen oder Medikamenten, die nur für eine kleine Bevölkerung von Bedeutung sind (z.B. Behandlung einer seltenen Stoffwechselkrankheit) wird eine Firma, die ein solches Medikament entwickelt hat abwägen, ob die Kosten der Studien durch den Verkauf am Schluss wieder eingespielt werden. Im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie spielt Geld – fast – keine Rolle. Insofern wird beispielsweise die Entwicklungszeit verkürzt, in dem die Phasen der Studie überlappend durchlaufen werden.

Gespart wurde jedenfalls bei den Impfstudien nicht. In der Geschichte der Impfungen gibt es nur zwei Kandidaten, die in einer größeren Gruppe untersucht wurden: Prevenar 13 (Pfizer) an 89.000 und Rotarix (GSK) an 75.000 Probanden. Danach folgt der mRNA-Impftstoff von BioNTech mit 44.000 Probanden. Interessant – und für Mediziner wie mich erschreckend – ist: Twinrix gegen Hepatitis A&B (GSK) wurde an 843 Menschen getestet. Die Impfexperten der Harvard-University Eric J. Rubin und Dan L. Longo kommen zum Schluss: „This is a triumph“. Wenn Sie Zeit haben: Das Editorial der Experten ist eine spannende Lektüre (in Englisch). 

Nach den Studien erfolgen noch intensive Prüfungen durch nationale (z.B. das Paul-Ehrlich-Institut – PEI – in Langen, südlich von Frankfurt am Main) oder internationale Behörden wie die European Medicines Agency (EMA) in Amsterdam. Erst diese Behörden können die Freigabe eines Impfstoffes vornehmen.

In seiner hochinteressanten Publikation SARS-CoV-2 vaccines in development (in Englisch) hat der Österreicher Florian Krammer vom Mount Sinai Hospital in New York die verschiedenen Ansätze bei den Impfungen gegen Das SARS-COV-2 dargelegt.

Fazit: Intensive Forschung in vielen Ländern dieser Erde, gute finanzielle Ausstattung der Forschungsprojekte und wenige bürokratische Hemmnisse haben – zusammen mit einem Quäntchen Glück – zur raschen Entwicklung einiger Impfstoffe gegen das Corona-Virus geführt. Viele erfolgversprechende Impfstoffe sind noch auf dem Weg. Jetzt bleibt zu hoffen, dass die logistische Umsetzung der Impfung ebenso gut gelingt. Und dass auch die Prüfung der Impfungen bei Kindern  – für sie gibt es bislang keine ausreichenden Daten – erfolgreich sein wird.

Bis allen Menschen in Deutschland eine Impfung angeboten werden kann, wird es trotz aller Schnelligkeit wohl Weihnachten 2021 werden.

Was geht rum? 19. Dezember 2020

Kinder im Lockdown: Weniger Sport, aber mehr Bewegung

Bald Corona-Speichel-Tests für zuhause? 

Aus der Wissenschaft: Spielen fördert die Sprache

Atemwegsinfekte im Ländle

 

Die ersten Tage im zweiten Lockdown liegen hinter uns. Die Kinder sind zuhause, ihr Bewegungsdrang findet nun auf kleinem Raum statt. Oder auch nicht. Im ersten Lockdown im Frühjahr haben sich in Karlsruhe die Kinder jeden Tag sogar 36 Minuten länger bewegt als zuvor.

Das legen zumindest Daten einer Studie des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe nahe. Die Forscher um Alexander Woll untersuchten 1711 Kinder und Jugendliche (4-17 Jahre) und fanden eine erhöhte Alltagsaktivität (habitual physical activities), während die Zeit für sportliche Aktivitäten im Schnitt um 10,8 Minuten pro Tag zurückging. Das betraf besonders Jugendliche (minus 15,6 Minuten), jedoch kaum die Kleinkinder (minus 2,2 Minuten). Die Kehrseite dieser Zeit war, dass die Youngsters zusätzlich mehr als eine Stunde vor dem Bildschirm verbrachten: Je zu einem Drittel mit Fernsehen, Spielen und im Internet. So merkte der Studienleiter Prof. Dr. Woll in einer Pressemittelung dann auch an: „Spielen im Freien, Fahrradfahren, Garten- oder Hausarbeit haben nicht dieselbe Intensität wie Training und Wettkämpfe im Verein. Wie sich der Wegfall von Sport in Schule und Verein langfristig auf die Motorik oder das Übergewicht auswirkt, wissen wir noch nicht.“ Eltern sollten versuchen – soweit möglich – dies auszugleichen, in dem sie gezielt mit ihren Kindern sportlich aktiv bleiben.

Testung mit Naso-Pharyngeal-Abstrich. Quelle: pixabay, lukasmilan

„Testen, testen, testen … aber gezielt“ – so hieß es vor Wochen aus Bayern. Das könnte auch in unserem Bundesland möglich werden. Zum einen ist in den USA ein Schnelltest von der FDA freigegeben worden, den sich dort Privatpersonen für die Selbsttestung besorgen können (nur zugelassen ab einem Alter von 14 Jahren). Darüber haben wir im praxisblättle bereits von 4 Wochen berichtet. Zum anderen gibt es eine Studie, die den Weg zu Testungen daheim und auch bei Kindern ebnen könnte: Speicheltestungen (bzw. Mundspülungs-Tests) sind deutlich weniger belastend. Die Ergebnisse – so zeigt es die Studie um Mini Kamboj vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York (in Englisch) – sind von ähnlicher Qualität wie die der Nasen-Rachen-Abstriche.

Draußen ist es ungemütlich, Shopping ist faktisch unmöglich. Kinder und Eltern sind vermehrt in ihren vier Wänden. Zeit gemeinsam zu backen. Oder auch zum Spielen, Mensch-ärgere-Dich-nicht. Das macht viel Spaß und unterstützt die Entwicklung ungemein. Das konnte eine Studie der australischen Forscher um Angela Gialamas zeigen. Darin wird die Sprachentwicklung und Verhaltensentwicklung von Kindern beleuchtet und sogar in Zahlen gefasst. So konnte die Längsschnittstudie an 4243 Kindern zeigen, welchen Nutzen auf die weitere Entwicklung eine „Zeitinvestition“ in Kinder haben kann. Bildungsfördernde Angebote, Vorlesen und Malen für die Kinder im Alter von 2-3 Jahren haben einen enormen Nutzen: Jede Stunde mit solchen Angeboten ist mit einer Zunahme des passiven Wortschatzes um 0,95% verbunden. Selbst das einfache Spielen mit Kindern (2-3 Jahre und 4-5 Jahre alt) verbesserte den Wortschatz um ca. 0,7%. Friedrich Schiller kommt einen in den Sinn: „Hoher Sinn liegt oft im kind’schen Spiel“.

Konsultationsindex der Atemwegserkrankungen in Baden-Württemberg bezogen auf Altersgruppen und im Vergleich zu Wintersaison 2019/2020 (braun Kurve). Quelle: AG Influenza

Die Zahl der Atemwegserkrankungen – oder akute respiratorische Erkrankungen (ARE) – nimmt langsam Fahrt auf. In der letzten Woche (KW 50) stiegen die Erkrankungszahlen bei Kindern bis 14 Jahre spürbar an. Unterschiede zur letztjährigen Infektsaison sind kaum auszumachen.

Im Ländle haben Politik und Verbände über die Feiertage vier Wochen Zeit, ein stimmiges Konzept für Kindergärten und Schule zu erstellen, um das Bedürfnis der Kinder und Jugendlichen nach Nähe in Gruppen zu ermöglichen ohne gleichzeitig dem Coronavirus Tür und Tor zu öffnen: Welche Klassengrößen sind möglich? Weiterführung des Präsenzunterrichts? Wie können Kinder spontan in der Kita spielen? Regelmäßige Testungen? Impfungen sind bis zum Alter von 16 Jahren bisher nicht zugelassen. Wir brauchen kreative Lösungen. Und den Mut neues zu wagen – für die Kinder, die in vielen Diskussionen wieder einmal ganz hinten auftauchen.

Australien. Vor einem Jahr mussten die Koalas unter den massiven Waldbränden extrem leiden. Quelle: pixabay, jesiana

Was geht in der Welt rum? Manchmal möchte man diesem Pandemie-Durcheinander gerne entfliehen. Weit weg. Zum Beispiel nach Australien. Dort ist Corona fast im Griff, so mag es scheinen: Während im Ländle die 7-Tage-Inzidenz bei 199,1 (18.12.) liegt, hat Australien einen Wert von 0.3 (18.12.) aufzuweisen. Dann lässt sich wohl verschmerzen, dass dort bald wieder die Ross River-Krankheit von tagaktiven Stechmücken übertragen wird. Wie schön, wenn man sich nur gegen Mücken schützen muss.

Im Frühjahr, kurz bevor die Pandemie unser Leben veränderte, haben viele der praxisblättle– Leser in unserer Umfrage ihre Bereitschaft erklärt, uns auch finanziell zu unterstützen. Das hat uns sehr gefreut und uns Mut gemacht. Bei spürbar zunehmenden Kosten können wir dieses Format nur mit Ihrer aktiven Hilfe fortführen. Unterstützen können Sie uns ganz klassisch per Überweisung (planet4kids media, Fidor Bank AG,  DE97 7002 2200 0020 4770 40, FDDODEMMXXX; Stichwort „praxisblättle“). Oder Sie nutzen Patreon, über den Sie uns einen kleinen Betrag monatlich spenden können.

Welche Kosten fallen für die Erstellung des praxisblättle an (wichtigste Posten)?

  • Fotographie. Manche Bilder müssen eingekauft werden. 
  • Zugang zu Original-Literatur. Medizinische Fachliteratur ist meist nicht kostenlos.
  • Kosten für Unterhalt und Pflege der Homepage. 

Es wäre schön, wenn Sie Ihrem praxisblättle ein kleines Präsent unter den Baum legen würden.

Ich wünsche Ihnen Gelassenheit, diese besonderen Tage für Dinge zu nutzen, die schon lange links liegen geblieben sind. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Kuscheltiere – sind Schadstoffe ein Problem?

In diesen kalten Tagen werden Kuscheltiere für Kinder – und Erwachsene? – wieder wichtiger. Die kuschelige Nähe ist gefragt.

Kuscheltiere sind im ersten Moment süß. Beim Anblick im Regal oder unter’m Weihnachtsbaum mag man sie (oder auch nicht). Wer denkt da an Risiken? Diese können bereits von der Folie ausgehen, in die die Tiere verpackt sind. Wenn diese zu dünn ist, kann sie sich auf die warme Haut des Kindes legen und im schlimmsten Fall zum Ersticken führen. Manche der freundlichen Tiere enthalten gesundheitsgefährdende Schadstoffe im Material. Andere tragen Kleinteile, die sich lösen und verschluckt werden könnten, andere sind schnell brennbar. All diese Probleme führen dazu, dass im Test der Stiftung Warentest nur die Hälfte der getesteten kuscheligen Freund auch empfehlenswert sind. Die Qualitätsurteile haben mit dem Preis wenig zu tun, wie die nachfolgende Auswahl der drei besten Beispiele zeigt:

Note Preis Anmerkung
dm: Pusblu Dino blau 1,0 5,95 € waschbar bis 30 Grad
Rossmann: Babaydream Hund 1,0 4,70 € waschbar bis 30 Grad
Schmidt Spiele: Sorgenfresser Ping 1,5 16,80 € Handwäsche bis 40 Grad

Die detaillierte Untersuchung ist im Testheft vom Dezember 2020 zu finden und sehr lohnend. Übrigens: Ein TEST-Abonnement ist bis Ende des Jahres besonders günstig.

Corona-Schnelltests: erhebliche Qualitätsunterschiede

Wo gerade die Erkrankungen mit dem SARS-CoV-2 rasant ansteigen, bekommen die Corona-Schnelltests eine immer größere Bedeutung. Um der Verwirrung vorzubeugen: Die Corona-Schnelltests haben viele Namen: Antigentest. Oder PoC-Test (manchmal PoC-Antigentest), was so viel heißt wie Point of care-Test: Das sind Tests, die unabhängig von einem großen Labor direkt beim Patienten, also am „Ort der Versorgung“ durchgeführt werden.

Die Tests sind somit sehr praktisch, weil unmittelbar nach Durchführung des Test in wenigen Minuten ein Resultat vorliegt. Nur, sie testen etwas ganz anderes als die bisherigen „Corona-Tests“, die sog. PCR-Tests. Und damit ist auch ihre Bewertung anders. Dabei ist wichtig zu wissen, dass ein negatives Ergebnis nicht unbedingt sagt, dass jemand nicht mit dem Virus infiziert ist. Und umgekehrt ist auch ein positives Ergebnis nicht sofort eine sichere „Corona-Diagnose“. Diese Umstände beschreiben die Begriffe Spezifität und Sensitivität. Was sie bedeuten, soll kurz erklärt werden:

Spezifität

Die Spezifität für einen diagnostischen Test zeigt die Wahrscheinlichkeit an, dass dieser Test tatsächlich gesunde Personen, die nicht an Corona erkrankt sind, im Test auch als gesund erkennt. Eine Spezifität von 99% bedeutet also: Von 100 Gesunden Personen schätzt der Test  also 1 Person als krank („positiv“) ein, obwohl sie gesund ist.

Sensitivität

Die Sensitivität zeigt die Wahrscheinlichkeit eines diagnostischen Tests an, eine bestimmte Krankheit sicher zu erkennen. Liegt die Sensitivität eines Tests bei 98%, so bedeutet dies, dass der Test 98 Erkrankte als erkrankt („positiv“) richtig erkennt, aber zwei tatsächlich Erkrankte für gesund hält – das nennen Mediziner zwei „falsch Positive“.

Es ist somit klar, dass im Idealfall Sensitivität und Spezifität bei jeweils 100% liegen sollten. Aber so einfach funktioniert die Welt leider nicht. Ein weiterer Störfaktor kommt hinzu: Nehmen wir an, dass in Baden-Württemberg die Zahl der tatsächlich Erkrankten einer Gruppe von 100 Menschen bei 1% läge (tatsächlich liegt, auf das ganze Land bezogen die Zahl deutlich geringer). Dann müsste bei einer Testung von 100 Personen 1 Test positiv ausfallen. Liegt die Spezifität dieses Test bei 99%, so kommt (s.o.) nochmals 1 Person hinzu, die der Test – fälschlicherweise – als positiv erkennt, obwohl sie eigentlich gesund ist. Somit haben wir zwei positive Tests und wissen nicht, welches Testergebnis nun die Wahrheit widerspiegelt. Der Test sagt uns in diesem Fall nur: eine der beiden Personen ist krank (oder in Bezug auf Corona „infiziert“), die andere gesund. Aber welche?

Die Schnelltests bringen also manche Tücken mit sich. Zusammenfassend kann man sagen, dass – gute Tests vorausgesetzt – die Ergebnisse umso sicherer sind, je mehr Menschen in der getesteten Gruppe tatsächlich Corona-krank sind. Insofern eignet sich der Schnelltest etwa in Schulen, wenn sog. Cluster auftreten. Wenn also mehrere Schüler von Corona betroffen sind, aber keine Symptome haben. Wenn dann unter 100 getesteten Schülern 11 positiv getestet werden bedeutet das bei einer Spezifität des Test von 99%: bei 10 Personen zeigt der Test die Wahrheit (sie sind infektiös), nur bei einem (s.o.) irrt sich der Test.

Ein weiteres Problem kommt hinzu. Die Qualität des jeweiligen Tests. Viele Schnelltests sind in den letzten Monaten entwickelt worden und kommen nun auf den Markt. Sie verkaufen sich gut, obwohl im Einzelfall nicht ganz klar ist, welche Tests wie gut sind. Viele der genannten Daten zu Spezifität und Sensitivität sind Angaben der Hersteller, die bisher ungeprüft sind. Inzwischen gibt es jedoch auch unabhängige Prüfungen, die für manche Hersteller gut und für andere weniger gut ausfallen. Eine Übersicht über die aktuelle Bewertung der Schnelltest (in Englisch) verschafft die Webseite von Forschern der Universität Heidelberg. Darin sind auch die Quellen der jeweiligen Beurteilung klar hinterlegt. Nicht ganz einfach zu lesen. Wer aber je für den Einkauf von Tests verantwortlich sein sollte, sollte diese Information berücksichtigen.