Kategorie: Aktuell

RSV-Virus – gibt es bald neue Therapien?

Informationen zu Impfungen gegen Viren finden sich seit Beginn der Corona-Pandemie spürbar häufiger in den Medien. Im Vordergrund stehen dabei die Impfungen gegen das Corona-Virus (SARS-CoV-2) und das Grippevirus (Influenza), deutlich dahinter das Masernvirus, was im Zusammenhang mit dem Masernschutzgesetz wieder an Bedeutung gewann.

Für Säuglinge gibt es jedoch ein weiteres Virus, das eine große Bedeutung hat: das Respiratorische Synzytial-Virus, kurz RSV. Wie das Influenzavirus tritt auch das RS-Virus vorwiegend in den Wintermonaten auf. Kinder im ersten Lebensjahr sind besonders stark betroffen, 48.5 von 1000 Kindern laut RKI. Dabei liegt die Tödlichkeit bei sonst gesunden stationär behandelten Kindern in den ersten beiden Lebensjahren bei immerhin 0.2%.

Ein Impfstoff gegen das RSV wäre also ein Segen, gerade für Säuglinge und jungen Kleinkinder und ganz besonders für frühgeborene Kinder und solche mit Vorerkrankungen (z.B. Herzfehler, Mukoviszidose, neurologische Erkrankungen). Leider sind vielfache Versuche einen Impfstoff zu entwickeln gescheitert, zuletzt in den 1990ger Jahren. Das liegt auch daran, dass der Aufbau ausreichender Antikörper beim jungen Säugling nicht gelingt. Der Versuch, Schwangere gegen RSV zu impfen in der Hoffnung, dass sie Antikörper auf den Säugling übertragen könnten, gelang zwar. Aber die Wirksamkeit dieser Impfung bei den Säuglingen war dann doch enttäuschend, so dass bislang keine aktive Impfung gegen RSV zugelassen wurde.

Bis heute steht zur Vorbeugung von RSV-Infektionen bei Risikokindern nur eine passive Immunisierung mit dem monoklonalen Antikörper Palivizumab (Handelsname: Synagis©) zur Verfügung. Dieser zeigt immerhin eine mäßige Wirksamkeit und muss monatlich als intramuskuläre Spritze verabreicht werden.

Inzwischen ist ein weiterer monoklonaler Antikörper namens Nirsevimab entwickelt worden, der sich in einer Phase-2-Studie als wirksam erwiesen hat. Die Ergebnisse der Studie um das Forscherteam von M. Pamela Griffin lassen auf eine bessere Wirksamkeit hoffen. Immerhin konnten in der Studie etwa 70% der RSV-Infektionen im Vergleich zu einem Placebo verhindert werden. Und das bei nur einer Injektion für die gesamte RSV-Saison.

Weitere Studien sind erforderlich, bis dieser Antikörper zugelassen werden kann. Bleibt zu hoffen, dass auch diese günstig ausfallen, damit die Risikokindern noch besser vor diesem potentiell gefährlichen Virus geschützt werden können.

Was geht rum? 17. Oktober 2020

Heute geht es wieder einmal um …. das Coronavirus. Für alle, die gerne Texte auswendig lernten, gab es früher „Die Glocke“ von Friedrich Schiller. Die moderne Variante ist die Verordnung über die Maskenpflicht auf öffentlichen Plätzen der freien Hansestadt Hamburg. Keine Sorge, wir werden Sie nicht abfragen.

Lüften- ein wichtiges Prinzip, um Viren aus Innenräumen zu verjagen. Quelle: pixabay, Bru_nO

Aber mal echt: Ab kommenden Montag wird in den Schulen in Baden-Württemberg ab der 5. Klasse die Maskenpflicht eingeführt. Also auch im Unterricht. Darüber hinaus soll in Klassenzimmern alle 20 Minuten für 3-5 Minuten gelüftet werden – am besten Querlüftung. Warum das günstig ist, haben Sie in einem Beitrag des praxisblättle vom letzten Samstag schon lesen können. Die aktuelle Empfehlung des Umweltbundesamtes finden Sie hier.

Was gestern noch richtig war, ist heute überholt. Wenn Sie sich aktuell über den Stand der Infizierten in einem Landkreis informieren wollen, dann hilft Ihnen diese Karte des RKI (COVID-19-Dashboard) weiter. Die Zahlen gehen in den meisten Regionen im Ländle steil nach oben.

Nun liegen die PoC-Tests vor, kurz Antigentest und noch kürzer „Schnelltest“ genannt. Sie verändern in Kürze einige Regeln der Teststrategie. Quelle: pixabay, Belova59

Testungen werden immer häufiger durchgeführt. Das betrifft die PCR-Testungen, die in spezialisierten Labors durchgeführt werden müssen. Im besten Fall muss man auf das Ergebnis 24 Stunden warten – es sein denn, man ist der Präsident der USA oder wohnt neben einem Labor. Die neue Alternative sind die Antigentests (point-of-care test, PoC). Sie sind zwar etwas weniger genau, aber das Ergebnis wird an Ort und Stelle ermittelt und liegt in knapp 1 Stunde vor. Die Firma Roche hat eine weitere Verbesserung zum Ende dieses Jahres angekündigt. Das Testergebnis soll dann in 18 Minuten abzulesen sein.

Für Eltern ist insbesondere wichtig, dass die Kindergärten und Schulen nicht zu Corona-Hotspots werden. In dieser Beziehung ist Baden-Württemberg – noch? – ein Musterländle. Von den 63.000 Schul-Klassen sind weniger als 1% wegen eines Infizierten geschlossen. In Berlin sieht’s schon anders aus. An einer Schule sind neun Schüler infiziert, an einer anderen (Campus Rütli) im Bezirk  Neukölln gar 21 Schüler.

Wollen Sie eine kleine Reise unternehmen? Hier finden Sie die aktuellen Corona-Verordnungen des jeweiligen Bundeslandes.

Die Atemwegsinfekte zeigen sich im jahreszeitlich üblichen Rahmen und nehmen leicht zu. Bislang ist zumindest bei der Zahl der „einfachen Racheninfekten“ kein günstiger Effekt durch die AHA-Regeln zu erkennen. In einzelnen Fällen treten auch obstruktive Bronchitiden auf.

Erkrankungen mit Windpocken (nur 39 in der letzten Woche) gehen weiter zurück. Ob hierzu auch das häufige Tragen eines MNS beiträgt ?

Was geht in der Welt rum? In Pandemiezeiten wird deutlich weniger gereist. Schon gar nicht in ferne Regionen wie Ostafrika. Dort wurde das West-Nil-Virus erstmals 1937 in Uganda festgestellt. Seit der Jahrtausendwende gibt es Ausbrüche auch in den USA. In der Corona-Pandemie hat sich dieses Virus auf den Weg nach Deutschland gemacht und hat in diesem Jahr 12 Menschen infiziert. Davon betroffen sind Halle an der Saale, Leipzig und der Großraum Berlin. Das sind Städte, die in diesen Zeiten für Badener und Württemberger schon fast so etwas wie Ausland darstellen.

Für das Wochenende wünsche ich Ihren Familien gemütliche Stunden und viele Sonnenstrahlen. Herzliche Grüße, Ihr

Die Infektwelle kommt bald. Macht eine Grippe-Impfung bei Kindern Sinn?

Für viele Laien sind die Impf-Empfehlungen in Deutschland verwirrend. Die STIKO bzw. das RKI empfehlen die Grippeimpfung nur für Versicherte ab 60 Jahre, für Menschen mit chronischen Erkrankungen, für Schwangere und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen. Für Baden-Württemberg hat das Sozialministerium jedoch erweiterte Empfehlungen. Hier wird – entsprechend den Vorgaben der WHO – die Grippeimpfung für alle Kinder ab dem 6. Lebensmonat empfohlen.

In den USA läuft bei der Corona-Pandemie sicher manches nicht so gut. Was aber die Influenza betrifft, liegen die Impfraten bei Kindern bei über 60%. Eine Zahl, die selbst bei den sog. Risikogruppen in Deutschland nicht annähend erreicht wird. Die American Academy of Pediatrics (in Englisch) hat gerade die Details für die Grippeimpfung von Kindern in der Saison 2020 / 2021 veröffentlicht, die in vielen Aspekten auch für Laien sehr interessant sind.

Klar ist, dass die Impfung gegen Influenza lange nicht so wirksam ist wie diejenige gegen Masern, bei denen eine „sterile Immunität“ erreicht wird, also beinahe bei allen Geimpften der Ausbruch von Masern verhindert werden kann. Dennoch ist sie gut wirksam und schützt viele Menschen. Und, sie ist der einzig verfügbare und nachweißlich wirksame Schutz vor dieser – wie „Corona “ – schweren Infektion.

Die Kinder- und Jugendärzte sehen den Stellenwert für die Grippe-Impfung bei Kindern ähnlich wie die Behörden im Ländle und raten Kinder in diesem Herbst gegen Influenza impfen zu lassen. Dazu der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) Johannes Hübner: „Wir wissen, dass Kinder den Influenzavirus maßgeblich übertra­gen“.

Eine Impfung der Kinder, das ist wissenschaftlich gut belegt, schützt indirekt auch die älteren Risikogruppen. Das zeigt eindrücklich eine zentrale wissenschaftliche Untersuchung von 2001 aus der Arbeitsgruppe um Masato Tashiro und Mitarbeiter aus Tokyo (Japan). Wenn der Enkel kein Grippevirus verbreitet, wird auch Omi nicht krank.

Aber Kinder können selbst auch schwer an Influenza (Grippe) erkranken, so dass sie sogar stationär behandelt werden müssen. Folgerichtig unterstützt auch Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) die Impfung von Kindern: „Deswegen haben wir diesmal zusätzlichen Grippeimpfstoff besorgt. Jeder, der sich und seine Kinder impfen lassen will, sollte und kann das tun.“

Als erste große Krankenkasse hat sich Mitte der Woche die AOK angeschlossen. Laut dem Deutschen Ärzteblatt hat ein Sprecher der AOK angekündigt, die Kostenübernahme betreffe „nicht nur die Impfung von Risikogruppen, sondern alle AOK-Versicherten, sofern die Ärzte dies für erforderlich halten“. Das ist ein gewichtiges Wort.

Konnten Sie sich für Ihre Kinder entscheiden können? Oder noch Fragen? Ganz sicher. Dann los an die Tasten. Anderen Eltern geht’s vermutlich recht ähnlich bei der Grippeimpfung ihrer Kinder.

Was geht rum? 10. Oktober 2020

Vielen Menschen ziehen neuerdings wortgewaltig über ein unbekümmert feiernde Jugend her, und andere echauffieren sich über die Einschränkungen im Alltag. Das Mittelmaß zwischen Sorglosigkeit und Überreaktion zu finden bleibt eine Herkulesaufgabe in dieser Pandemie. Wenden wir uns also nochmal den Möglichkeiten der Virenabwehr zu.

FFP2-Maske. Der Goldstandard. Quelle: ptw

1.  Die Masken. Das Coronavirus kann sich über verschiedene Wege ausbreiten. Ein wichtiger ist die Verbreitung über Tröpfchen – „Tröpfcheninfektion“ – weswegen das Tragen von Mund-Nasen-Schutz (MNS) so bedeutsam ist. Als besonders sicher gelten die FFP-2 (bzw. FFP-3)-Masken. Sie werden auf dem Markt mit unterschiedlichsten Preisen und aus unterschiedlichster Quelle angeboten. Handwerkern ist diese sog. Halbmaske, filtering face piece (FFP), seit Jahren ein essentieller Schutz gegen Feinstaub. Die Kategorie FFP-2 muss entsprechend der europäischen Norm EN 149 eine Schutzwirkung gegen kleine Partikel (max. 0.6 µg) zu 95% entfalten. Der entsprechende Standard in den USA ist die N95-Maske. KN95 nennt sich deren Schwester, die in China produziert wurde. Bleibt für uns als Verbraucher die Frage: Welche Maske ist die richtige? Vom Center für Disease Control (CDC), der US-Gesundheitsbehörde, wurde in dieser Woche eine Aufstellung der Masken veröffentlicht, die keine ausreichende Qualität (in Englisch) aufweisen können – Begründung inklusive. Vor jeder Bestellung im Internet eine empfehlenswerte und erhellende Lektüre.

Bereits im Juni hat eine Forschergruppe aus Mainz um Prof. Klaus Wälde gefunden, dass das die Einführung der Maskenpflicht zu einem Rückgang von COVID-19 um etwa 40% führte. Zu etwas weniger günstigen Zahlen kommen die Ökonomen um  Alexander Karaivanov aus Vancouver (in Englisch). Bei ihren Berechnungen lag der Effekt bei 25-40%. Wer sich die Wirkung des MNS in Bildern anschauen möchte, findet hier beeindruckende und klare Videos. MNS: Gute Wirkung, wenig Aufwand.

Haus in Lehmbauweise. Zum Lüften bleibt nur ein Fenster. Durchlüften ist somit schwer umsetzbar, solange die Haustüre geschlossen ist. Quelle: ptw

2. Die Lüftung – wegen der Aerosole. Inzwischen hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass Viren – wie die Coronaviren – in kleinsten Wassertröpfchen, also Aerosolen, in der Raumluft über einige Zeit halten können. Abstand zu halten ist extrem wichtig, aber durch die Bildung von Aerosolen keine absolut sichere Maßnahme. Dazu schreibt das RKI im neuen Steckbrief zum Coronavirus (Stand 02.10.2020):

Bei längerem Aufenthalt in kleinen, schlecht oder nicht belüfteten Räumen kann sich die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung durch Aerosole auch über eine größere Distanz als 1,5 m erhöhen, insbesondere dann, wenn eine infektiöse Person besonders viele kleine Partikel (Aerosole) ausstößt, sich längere Zeit in dem Raum aufhält und exponierte Personen besonders tief oder häufig einatmen. Durch die Anreicherung und Verteilung der Aerosole im Raum ist das Einhalten des Mindestabstandes zur Infektionsprävention ggf. nicht mehr ausreichend. Ein Beispiel dafür ist das gemeinsame Singen in geschlossenen Räumen über einen längeren Zeitraum, wo es z. T. zu hohen Infektionsraten kam, die sonst nur selten beobachtet werden (17, 18). Auch schwere körperliche Arbeit bei mangelnder Lüftung hat, beispielsweise in fleischverarbeitenden Betrieben, zu hohen Infektionsraten geführt (19). Ein effektiver Luftaustausch kann die Aerosolkonzentration in einem Raum vermindern. Übertragungen im Außenbereich kommen insgesamt selten vor (20). Bei Wahrung des Mindestabstandes ist die Übertragungswahrscheinlichkeit im Außenbereich aufgrund der Luftbewegung sehr gering.

Was bedeutet das praktisch? Dazu gibt das Umweltbundesamt in Bezug auf das Corona-Virus klare Handlungsanweisungen – für zuhause, die Schulräume und für Sporträume. Sehr lesenswert! Ebenso konkret sind die Hygienehinweise für die Schulen in Baden-Württemberg, die vor knapp 4 Wochen veröffentlicht wurden (Stand 16.09.2020). In Anbetracht der rasant ansteigenden Infektionszahlen eine wichtige Lektüre, nicht nur für Eltern.

Trotz der Zunahme der Coronainfektionen wollen wir die banalen Infekte nicht vergessen. Das sind ganz besonders Infektionen mit Schnupfen, aber auch häufig auch Durchfall. Dahinter stecken häufig Adenoviren. Insgesamt sind die Infekte bei Kindern zumindest nicht mehr geworden. Trotzdem können einzelne Kinder auch schwerer erkranken, z.B. mit einem Krupphusten.

Die Windpocken zeigen einen ersten Trend, wieder an Fahrt aufzunehmen. Noch liegen die wöchentlichen Zahlen aber deutlich unter denen des letzten Jahres. Vermutlich dank der Abstandsregeln. Beim Mumps der gegenläufige Trend. Hier steuert die Häufigkeit der Fälle auf das Doppelt des letzten Jahres zu. Mit den zwei Erkrankungen der letzten Woche wurde Mumps nun 71 mal in diesem Jahr registriert.

 

Stickstoffdioxid-Konzentrationen (NO2) an Messstationen in Zentral-London in Mikrogramm pro Kubikmeter.  Quelle: The Guardian

Stephen Holgate Quelle: Universität Southhampton

Die gute Nachricht? Die gibt’s auch diese Woche. London ist die Stadt, die durch eine ungünstige Gemengelage von smoke (Rauch) und fog (Nebel) den Begriff Smog prägte. Die oftmals ungünstige Wetterlage führte bei zunehmender Luftverschmutzung durch Industrie und Autos immer wieder zu extremer Belastung der Atemwege der Menschen und ganz besonders der Kinder. Aber Politik kann etwas bewirken, wie der dramatische Rückgang der NO2-Konzentration im Zentrum von London zeigt. Der sonst eher zurückhaltende Immunologe und Allergologe Stephen Holgate– ich kenne ihn von Kongressen seit über 2 Jahrzehnten – stellt dazu fest: “Air pollution is a scourge on society, especially harming the young and old“ (freie Übersetzung: Luftverschmutzung ist eine Geißel, die speziell den jungen und alten Menschen Leid zufügt). Der Bürgermeister von London habe bewiesen, dass enorme Verminderungen giftiger Schadstoffe möglich sei und dass die Geschäftswelt und die Bürger bereit seien, diese Maßnahmen mitzutragen. Ich denke, das könnte ein belebender Ansporn für die Metropole im Ländle sein.

Was geht in der Welt rum? Das West-Nil-Fieber hat sich in diesem Sommer in Europa spürbar ausgebreitet: 130 Fälle in Griechenland, 20 davon verliefen tödlich. Die Erkrankung betrifft in aller Regel Vögel. Menschen können auch betroffen sein. Impfung gibt es keine. Die einzig mögliche Maßnahme das West-Nil-Fieber zu verhindern ist ausreichender Mückenschutz.

Wollen Sie unsere Arbeit unterstützen? Dann nutzen Sie die Hinweise, die Sie auf der Eingangsseite zum Blog rechts oben finden. An dieser Stelle schon mal herzlichen Dank.

Das Wochenende wird von wenig Schadstoffen in der Luft geprägt sein. Oder anders, es ist wohl regnerisch und kühl. Genießen Sie mit Ihren Kindern auch solche Tage, an denen die Herbstdüfte in der Natur besonders intensiv sind.

Was geht rum? 03. Oktober 2020

Der Herbst ist da, es wird spürbar kühler und die Lust großzügig zu lüften lässt ebenso spürbar nach. Damit steigt das Risiko an Infektionen zu erkranken. Wie in jedem Jahr. Nur, dass in diesem Herbst und Winter das Coronavirus als neuer Begleiter hinzukommt. Interessant ist, dass die Erkrankung einer einzigen, weltpolitisch wichtigen Person in der Wahrnehmung der Pandemie mehr bewirkt, als viele erhellende wissenschaftliche Erkenntnisse der letzten Woche. Wir bleiben bei den wissenschaftlichen Fakten.

COVID – Erkrankungen bei Kindern, prozentual zu den Gesamterkrankungen von April bis September. Quelle: Blake Sisk et al., PEDIATRICS, 2020

In den USA ist ein wichtiger Trend zu erkennen: Das SARS-CoV-2 breitet sich bei den Kindern zunehmend aus. Durch die Schulschließungen im Frühjahr war der Anteil der Kinder an den Infizierten noch sehr gering. Seit April (2.2%) hat sich deren Anteil nun fast verfünffacht (10.0%), wie die PrePublication von Blake et al. aus Pediatrics gerade zeigt.

SARS-CoV-2-Fälle in Baden-Württemberg nach Altersgruppe und Meldewoche. Die hell- und dunkelgrauen Bezirke zeigen den Anteil der Kinder und Jugendlichen bis 20 Jahre. Quelle: LGA Baden-Württemberg

Nicht viel anders stellt sich dieser Trend auch in Baden-Württemberg dar. Das zeigen die grauen Säulen im Diagramm. Es scheint, dass sich das Virus in dieser jungen Altersgruppe weiter ausbreitet. Infektionen von Kind zu Kind sind aber noch immer selten. Das hat vermutlich auch damit zu tun, dass Schulen und Kindergärten ihre Konzepte zum Schutz vor dem Coronavirus auch gut umsetzen.

Im Herbst nehmen die Infekte zu. Das zeigen auch die offiziellen Statistiken. Die Aktivität der Atemwegsinfektionen ist bisher vergleichbar mit den letzten Jahren, wobei sie in Baden-Württemberg gegenüber anderen Regionen in Deutschland tendenziell niedriger liegt. Als Erreger liegen – wie erwartet – die Rhinoviren ganz vorne. Das sind die Erreger des typischen Herbstschnupfens: Schnupfensaison.

Bei den Kinderkrankheiten zum Glück nichts Neues: Nur Keuchhusten und Windpocken, keine Masern oder Mumps.

Was geht in der Welt rum? Nach Russland reisen viele Menschen aus Baden-Württemberg. Dabei sollte bedacht werden, dass es dort noch vereinzelte Fälle von Tollwut gibt. Zuletzt verstarb eine Frau im Oblast Jaroslawl nach dem Biss eines tollwütigen Fuchses. Die Tollwut wird oftmals von Wildtieren auf Haustiere übertragen und kann auf diesem Weg den Menschen bedrohen. Gerade bei Reisen in abgelegene Gebiete kann deswegen eine Impfung gegen Tollwut sinnvoll sein.

In eigener Sache: Die planet4kids media unterstützen Projekte, die das gesundheitliche Wohl von Kindern im Focus haben. Zwei Projekte sind bereits ohne finanzielle Hilfe von außen abgeschlossen. Zum einen untersuchte die VAVANY-Studie die 2009 in Antananarivo die Bedeutung von Asthma bei Stadt-Kindern. Das andere ist die MAKI-Studie, die ich Ihnen kürzlich im praxisblättle kurz vorgestellt habe. Beides sind für Kinder wichtige Projekte, können aber medial – ohne Hilfe großer Marketingagenturen wie Jung von Matt – kaum mit finanzieller Unterstützung rechnen.

Das dritte Projekt – und darum geht es heute – ist Ihr praxisblättle. Im Frühjahr, kurz bevor die Pandemie unser Leben veränderte, haben viele der praxisblättle– Leser in unserer Umfrage ihre Bereitschaft erklärt, uns auch finanziell zu unterstützen. Das hat uns sehr gefreut und uns Mut gemacht. So können wir weiterhin – wie schon seit 25 Jahren – dieses Format ohne Werbung beibehalten. Unterstützen können Sie uns ganz klassisch per Überweisung (planet4kids media, Fidor Bank AG,  DE97 7002 2200 0020 4770 40, FDDODEMMXXX; Stichwort „praxisblättle“). Oder Sie nutzen Patreon, über den Sie uns einen kleinen Betrag monatlich spenden.

Welche Kosten fallen für die Erstellung des praxisblättle an (wichtigste Posten)?

  • Fotographie. Manche Bilder müssen eingekauft werden
  • Zugang zu Original-Literatur. Medizinische Fachliteratur ist meist nicht kostenlos.
  • Kosten für Unterhalt und Pflege der Homepage

Ich wünsche Ihnen ein entspanntes Wochenende. Herzliche Grüße, Ihr

 

Was geht rum? 26. September 2020

Mit den ersten Frühnebeln beginnt die Schupfensaison. In diesem Jahr sind damit für Sie als Eltern mehr Überlegungen und Sorgen verbunden. In unserem Beitrag Schnupfen im Herbst haben wir für Sie eine kleine Orientierung zusammengestellt, was bei akut auftretendem Schnupfen zu beachten ist.

PCR-Test Quelle: cdc

In den vergangenen Monaten nahm die Zahl der Corona-Tests enorm zu. Damit konnten viele Infizierte identifiziert und frühzeitig isoliert werden. Ein Grund, warum die Zahl der Corona-Erkrankten in Deutschland im internationalen Vergleich noch recht niedrig. ist. Diese Tests – dahinter steckt die sog. Polymerase-Kettenreaktion, kurz: PCR-RT genannt – setzen aber sehr leistungsfähige Labors voraus und eine umfangreiche Logistik, beginnend mit dem Transport des Wattestäbchens ins Labor. Erst mit der raschen Übermittlung der Daten vom Labor an die Patienten / Gesundheitsämter ist dieser Prozess abgeschlossen. Im Idealfall sind das 24 Stunden. Seit den Pannen in Bayern ist jedoch klar, wie anfällig ein solcher Prozess ist. In Kürze gibt es vermutlich schnellere Vor-Ort-Alternativen:

Patientennahe Tests („point-of-care“ – Tests),oftmals auch Antigentests genannt: Diese funktionieren wie die Schwangerschaftstests und enthalten im Testkit alle Reagenzien, um Bestandteile des Coronavirus schnell zu erkennen. Ihr Vorteil liegt darin, dass sie ein Testergebnis in weniger als 90 Minuten liefern. Direkt am Ort der Untersuchung. Dennoch weisen sie eine große Zielgenauigkeit (Spezifität) und Empfindlichkeit (Sensitivität) auf. Das zeigt eine Veröffentlichung einer Arbeitsgruppe aus London und Oxford zum CovidNudge (in Englisch). Zur Zeit werden weltweit verschiedene Antigentests geprüft, so auch von der Arbeitsgruppe von Prof. Drosten an der Charité in Berlin. Man hofft, dass sie in Kürze verfügbar sind.

Mit dem Lüften wollen wir die Tröpfchen mit Virusinhalt nach draußen vertreiben. Dort haben die Viren unter UV-Strahlung und anderen ungünstigen Bedingungen keine günstigen Bedingungen mehr. Quelle: pixabay, Alexas Fotos

Auch in Baden-Württemberg zeigt sich mancherorts „nachlässiges Freizeitverhalten“, weswegen auch hier die Infektionszahlen mit dem Coronavirus zunehmen. Das sind beängstigende Nachrichten für Eltern, deren Kinder in der Kita oder in der Schule sind. Das Verhalten junger Menschen in Bars oder Clubs können sie nicht ändern. Das ist anders beim Faktor „Lüften“. Bis diese Woche konnten öffentliche Räume bei herrlichem Wetter leicht gelüftet werden. Das ändert sich nun. Eltern sollten nachfragen, wie in Schulen und Kitas die Lüftung auch im November oder Februar sichergestellt werden kann. Noch einmal Prof. Drosten im Berliner Tagesspiegel auf die Frage Ist Lüften wichtiger als Händewaschen? „Ja, das ist es, nach Datenstand“.

Mit dem Herbst kommen pünktlich einige Infektionen zurück. Besonders häufig sind das Racheninfekte meist mit Schnupfen: „Schnupfensaison“. Einige dieser Infekte der oberen Atemwege steigen etwas ab und führen auch schon mal zum Krupphusten. Alle Eltern, die bei ihrem Kind diese Krankheit bereits erlebt haben, sollten darauf vorbereitet sein, wenn der Krupphusten – meist ganz plötzlich – eintritt.

Magen-Darm-Infektionen gibt es teilweise auch in Kombination mit einer Racheninfektion. Das weist auf die Adenoviren hin, die zu den „üblichen Verdächtigen“ in dieser Jahreszeit gehören.

Bei den Kinderkrankheiten bleibt alles wie letzte Woche: Wenige (4) Neuerkrankungen an Keuchhusten in Baden-Württemberg sowie – gegenüber der Vor-Corona-Zeit – die Hälfte bei den Windpockenerkrankungen. Glücklicherweise kein Mumps und keine Masern.

Bällebad – purer Spaß für Kinder Quelle: ptw

Heute möchte ich Ihnen planet4kids media vorstellen. Mit diesem Label verbinden sich Projekte, die zur Gesundheit und Wohlbefinden von Kindern weltweit beitragen wollen. Zwei Projekte sind bereits ohne finanzielle Hilfe von außen abgeschlossen. Das eine ist die VAVANY-Studie, die im Jahre 2009 in Antananarivo (Madagaskar) durchgeführt wurde. Das andere ist die MAKI-Studie, die ich Ihnen in der letzten Woche im praxisblättle kurz vorgestellt habe. Beides sind Projekte, für die sich auch in Zeiten großartiger Gesten von Firmen und bekannten Persönlichkeiten keine finanziellen Unterstützer finden.

Das dritte Projekt – und darum geht es heute – ist Ihr praxisblättle. Im Frühjahr, kurz bevor die Pandemie unser Leben veränderte, haben viele der praxisblättle– Leser in unserer Umfrage ihre Bereitschaft erklärt, uns auch finanziell zu unterstützen. Das hat uns sehr gefreut und uns Mut gemacht. So können wir weiterhin – wie schon seit 25 Jahren – dieses Format ohne Werbung beibehalten. Unterstützen können Sie uns ganz klassisch per Überweisung (planet4kids media, Fidor Bank AG,  DE97 7002 2200 0020 4770 40, FDDODEMMXXX; Stichwort „praxisblättle“; Die Kontodaten finden Sie künftig auch auf unserer Homepage). Oder Sie nutzen Patreon, über den Sie uns einen kleinen Betrag monatlich spenden.

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Was geht in der Welt rum? In diesem Jahr hat das West-Nil-Fieber den Süden Europas in einem Ausmaß erreicht, dass bisher unbekannt war. Nach 4 Jahren Pause, kam es in Spanien zu einem Ausbruch. Zunächst mit 6 Erkrankten in Sevilla. Inzwischen sind in der südlichen Nachbarschaft in Cádiz 61 Personen daran erkrankt, von denen 5 verstorben sind. Das bei weitem schlimmere Übel aber bleibt für Spanien COVID-19. Allein in der letzten Woche sind daran laut spanischem Gesundheitsministerium  517 Personen verstorben (Stand 23.09.2020)

Das regnerische Wochenende lädt zu gemütlichen Stunden zuhause ein. Ich wünsche Ihrer Familie viele lustige gemeinsame Stunden, sei es beim Bücherlesen oder Kochen oder anderen kreativen Familienevents, Ihr

Schnupfen im Herbst

Für viele Kinder beginnt der Herbst mit einem Schnupfen. Die Nase läuft, wird öfter mal „hochgezogen“ und die Hand räumt immer mal wieder das Sekret auf der Oberlippe ab.

Vielfach ist die Schnupfensaison durch das Rhinovirus bedingt, das in den meisten Fällen einen klaren Fließschnupfen hervorruft. In aller Regel nichts schlimmes, aber eine ärgerliche Störung. Oftmals kann der Nachtschlaf dadurch gestört werden. Eine Untersuchung von Prof. Ellen F Foxman von der Yale-Universität konnte Hinweise dafür finden, dass ein solcher erster Herbstinfekt einen gute Schutzwirkung gegen die schwierigeren Infektionen wie die Influenza („Grippe“) darstellen kann. Dafür ist vermutlich ein Interferon verantwortlich. Als Elter haben Sie also Gründe, sich über einen solchen Infekt zu freuen.

Bei manchen Kindern tritt ebenfalls ein klarer Fließschnupfen auf. Der Unterschied bei Ihnen ist, dass dieser über Wochen anhält und oftmals mit morgendlichem Nießen verbunden ist. Das wäre ein Grund, an eine Hausstaubmilbenallergie zu denken. Zuhause können Sie den Unterschied nicht klären. Ein allergologisch versierter Kinder- und Jugendarzt/ärztin wird das gerne für ihr Kind übernehmen.

Und in diesem Jahr denken die meisten beim ersten Schnupfen an eine Corona-Infektion, an COVID-19. Tatsächlich kann Schnupfen bei dieser Infektion auftreten, als einziges Symptom ist Schnupfen jedoch eher selten. Er begründet auch als einziges Symptom in aller Regel keinen Rachenabstrich. Das stellt auch das Merkblatt des Kultusministeriums Baden-Württemberg für den Umgang mit Krankheits- und Erkältungssymptomen bei Kindern und Jugendlichen klar heraus.

Es gibt noch enorm viele Gründe für eine „laufende Nase“ und auch für den „Stockschnupfen“. Die sind vorwiegend für die betreuenden Kinder- und Jugendärzte/innen bedeutsam, wenn zum Schnupfen weitere Faktoren hinzukommen sollten.

Was sollten Sie praktisch tun? Wenn Ihr Kind akut Schnupfen bekommt, können (müssen es aber nicht!) Sie das Kind für einen Tag zuhause beobachten. Bleibts beim Schupfen und tritt beispielsweise kein Fieber auf, kann dieses Kind gerne in den Kindergarten gehen. Ohne Attest einer Ärztin oder eine Arztes!

Was geht rum? 19. September 2020

Im September sind die gemeldeten Fallzahlen für das Corona-Virus in Baden-Württemberg spürbar angestiegen. Das beunruhigt viele. Viele beunruhigt noch mehr, dass  manche nichts mehr beunruhigt. Verwirrend sind für viele auch die Botschaften von Wissenschaftlern.  Wir bekommen oftmals einzelne zugespitzte Sätze zu lesen, die verwirrend sind. Liest oder hört man aber zu, wenn die Virologen ihre komplexen Inhalte erläutern dürfen – mit mehr als einen Satz -, dann sind die Unterschiede gering. Eine Botschaft scheint mir zu sein: In der Bevölkerung breitet sich das Virus zunehmend aus (sog. Perkolation), um dann möglicherweise plötzlich überzuschwappen. Beweise gibt es keine, aber einige Faktoren sprechen dafür, dass die Lage besser beherrscht aussieht als sie es ist.

Anteil der SARS-CoV-2 Fälle in Baden-Württemberg nach 10-Jahres-Altersgruppe. Quelle: LGA Baden-Württemberg

Wir sollten also nicht sorglos sein. Für Sie als Eltern dürfte interessant sein, dass der Nachweis für das SARS-CoV-2 bei den Kindern und Jugendlichen von 0-20 Jahren (in der Graphik: beide unteren, grauen Spalten) in den letzten 12 Wochen – relativ zu den anderen Altersgruppen – deutlich höher lag, als zu Beginn der Pandemie. Auch wenn diese jungen Menschen kaum schwer krank werden, tragen sie vielleicht mehr zur Verbreitung des Virus bei als gedacht. Bleibt zu hoffen, dass die Schulen und Kindergärten im weitgehenden Regelbetrieb für alle Kinder offen bleiben. Das ist wichtiger als andere neu erlaubte Lebensfreuden.

Seit Monaten finden Studien zu Coronatests mit Speichelproben statt Nasen-Rachen-Abstrichen statt. Der große Vorteil wäre, dass sie gerade bei Kindern einfach durchzuführen wären. Aber wie gut sind diese Tests? Erste Ergebnisse im direkten vergleich bietet die Studie von Lisa Caulley und Mitarbeitern (in Englisch) aus Ottawa und Halifax in Kanada. Darin untersuchten sie 1939 asymptomatische Personen mit den handelsüblichen Nasen-Rachen-Abstrichen sowie mit Speicheltests. Sie fanden 70 Personen mit Nachweis des SARS-CoV-2. Übereinstimmend positiv war der Test nur bei 48,6%, während er in 31.4% nur positiv beim Rachenabstrich bzw. 20% nur positiv im Speicheltest war. So charmant die Anwendung von Speicheltest gerade bei Kindern wäre, es besteht offensichtlich noch weiterer Forschungsbedarf.

Ansonsten das gleiche Bild wie schon in den letzten Wochen: Kaum Infekte. Kaum Kinderkrankheiten, nur vereinzelte Magen-Darm-Infektionen. In der letzten Woche kam das Coronavirus in Schulen und Kindergärten vor. In Banden-Württemberg mussten aber nur 17 Klassen – keine Schulen! – in zweiwöchige Quarantäne gehen. Allermeist werden diese Infektionen im familiären Umfeld erworben und in die Schule oder die Kita hinein getragen. Bislang kein Grund zur Sorge.

Was geht in der Welt rum? Viele Deutsche reisen noch in sog. Risikoländer. In die Demokratische Republik Kongo wird es aber nur weniger verschlagen. Dort gibt es wieder einen Ausbruch des Ebola hämorrhagischen Fiebers im Nordwesten des Landes. Es wurden seit Juni 115 Fälle bestätigt, 48 Menschen sind an Ebola seither verstorben. Ebola hat immer wieder lokal begrenzte Ausbrüche. Bleibt für das gebeutelte Land zu hoffen, dass auch dieser Ausbruch begrenzt bleibt und bald abklingt.

Genießen Sie zusammen mit Ihrer Familie nochmals ein sonniges und fast sommerliches Wochenende,

Ihr

Was geht rum? 12. September 2020

Noch zwei Tage und die Schule beginnt wieder im Regelbetrieb. Endlich besteht wieder die Hoffnung, dass Kinder und Jugendliche einen Alltag fern von Begrenzungen erleben können: Freunde sehen, gemeinsam mit ihnen etwas erleben und nebenher noch etwas lernen. Hoffen wir mal, dass so manche Corona-Querschüsse von Massenveranstaltungen diese Freiheit für die Kinder nicht so bald beenden.

Infekte bei Kindern und Jugendlichen finden im Moment ja kaum statt. Das wird sich in den nächsten Monaten vermutlich langsam ändern. Mit der großen Belastungsprobe müssen wir erst zu Beginn des kommenden Jahres rechnen. Der herbstliche Schnupfen von Kindern – das hat das Sozialministerium ja schon klar gemacht – ist in Bezug auf das Coronavirus in aller Regel unproblematisch. Zumindest, wenn alle Beteiligten keine Panik schieben und Schulen und Kitas nicht komplett geschlossen werden.

Infektionen sind momentan nahezu keine unterwegs. Selbst bei den Kinderkrankheiten gibt es nur Windpocken sowie insgesamt 3 Erkrankungen an Keuchhusten in ganz Baden-Württemberg. Grund genug, dieses herrliche Wochenende entspannt zu genießen.

Eine aktuelle Untersuchung hat einen interessanten Aspekt aufgegriffen: Um das Coronavirus zu bekämpfen haben Wissenschaftler um Manuela Buonanno aus New York eine neue Möglichkeit beschrieben, die Inaktivierung des Virus mit UV-Strahlen. Ausgehend von Versuchen an Grippeviren und den harmlosen Coronaviren HCoV-229E und beta HCoV-OC43 zeigten sie dass auch das neue Coronavirus (SARS-CoV-2) auf diese Weise erfolgreich bekämpft werden könnte.

Was muss beim Tragen von Masken beachtet werden? Kurz und knapp illustriert das die Zusammenfassung des CDC (Centers for Disease Control and Prevention; in Englisch).

Was geht in der Welt rum? Im südlichen Europa, von Spanien über Griechenland und Italien bis Rumänien tritt vermehrt das West-Nil-Fieber auf. Eigentlich betrifft es im Wesentlichen Vögel, kann aber auch den Menschen befallen. Die Übertragung erfolgt durch Stechmücken. In Deutschland wurde vorm Tropeninstitut bestätigt, dass der Erreger auch bei vier Blutspendern gefunden wurde, die aber symptomlos blieben.

Die Kinder haben das Glück, dass ihre Ferien bis zuletzt sommerliches Wetter brachten. Ich wünsche alle viel Spaß in der Natur, ob im eigenen Garten, im Schwimmbad oder in den Bergen. Erstmals schaffen es die Pollen – mangels Masse –  an solch schönen Tagen nicht, die Allergiker zu ärgern.

Ihr

Keuchhustenimpfung für Schwangere

Pharmakonzerne versuchen in den letzten Monaten mit Halbwahrheiten, Investoren zu bewegen bei Ihnen zu einzusteigen. Da tut es gut, wenn ein Philosoph wie Peter Sloterdijk – geboren in Karlsruhe – eine klare Aussage trifft:  «Man wird mehr und mehr verstehen, dass Immunität keine Privatsache ist

Als Leser des praxisblättle wissen Sie, dass Erreger wie Bakterien und Viren unterschiedlich agieren. Auch in Fragen der Immunität muss – bei allen Gemeinsamkeiten – das Verhalten des Erregers individuell betrachtet werden. So wäre es beispielsweise möglich, die Masern durch konsequente Impfungen weltweit auszurotten. Um diesem Ziel näher zu kommen, wurde in Deutschland das Masernschutzgesetz eingesetzt.

Anders ist das beim Keuchhusten. Mit ihm müssen wir bis zu einem gewissen Grad leben. Die Impfungen von heute können diese Krankheit sehr gut eingrenzen, aber nicht verhindern.Eine offene Flanke ist das Ansteckungsrisiko für die jungen Säuglinge. Sie haben die höchste Rate an Neuerkrankungen (Inzidenz) mit 50 von 100.000 Säuglingen. Am allermeisten sind Säuglinge im 2. – 4. Monat betroffen. Das macht deutlich, dass für viele der Nestschutz nicht ausreichend ist. Sie bekommen also mit der Geburt zu wenig schützende Antikörper, um in den ersten Monaten des Lebens dem Keuchhusten etwas entgegensetzen zu können.

Unter dieser Überlegung ist neuerdings auch in Deutschland – wie schon in anderen Ländern – eine Keuchhusten-Impfung für Schwangere vorgesehen. Diese sollte zu Beginn des letzten Drittels (3. Trimenon) der Schwangerschaft erfolgen, bei hoher Wahrscheinlichkeit für eine Frühgeburt früher. Als Impfstoff soll ein Tdap-Kombinationsimpfstoff (Covaxis©, Repevax©, Boostrix©, Boostrix-Polio©) angewendet werden (Einzelimpfstoffe gegen Keuchhusten sind nicht verfügbar). Die Impfung soll unabhängig vom Abstand zu den Vorimpfungen und in jeder Schwangerschaft erneut durchgeführt werden. Das Ziel ist, ausreichend mütterliche Antikörper aufzubauen, die den Säugling in den ersten Lebensmonaten schützen können.

In vielen Studien in Belgien, Großbritannien, Kanada, Neuseeland, Vietnam, und den USA konnte gezeigt werden, dass diese Impfstrategie wirkungsvoll ist. Je nach Studie konnten durch die mütterliche Impfung 90% der erwarteten Keuchhustenerkrankungen für 2-3 Monate alte Säuglinge verhindert werden. Auch mögliche Nebenwirkungen wurden eingehend untersucht. Die Ergebnisse können im Epidemiologischen Bulletin 13_20 des RKI detailliert nachgelesen werden.

Wie sehen wir die Impfung? Früher bestanden höchste Bedenken, Schwangere zu impfen. Es war mutig, diese Strategie zu überdenken, um Säuglinge in der empfindlichsten Phase ihres Lebens vor Keuchhusten zu schützen. Die umfangreichen Studien belegen, dass diese Strategie funktioniert und kein bedeutsames Risiko für Schwangere darstellt.