Kategorie: Aktuell

Unfallrisiko nach der Kontaktsperre

Mit dem schönen Wetter, gehen gerade Kinder wie mehr nach draußen. Hinzu kommt, dass sich mit den ersten Lockerungen des Lockdown auch der Aktionsradius der Kinder ausweitet. Endlich können sie freier spielen. Damit das Unfallrisiko begrenzt bleibt, sollten Eltern einige Risiken vorab einschätzen. Und mit den Klein-Kindern die ersten Schritte zu mehr Wagemut gemeinsam gehen.

Schulweg

Auch wenn es paradox erscheint: Die meisten Unfälle auf dem Weg von und zur Schule passieren im Auto (41.6% laut Angaben des statistischen Bundesamtes). Erst dann kommen die Fußgänger (29.8%) und schließlich die Fahrradfahrer. Logische Konsequenz aus diesen Zahlen: Wenn es die Strecke und der Zeitplan der Familie zulässt, sollten Kinder zu Fuß zur Schule gehen oder mit dem Fahrrad fahren. Die Gefahren auf der Strecke sollten zuvor angeschaut werden (Ampel, Einbiegungen, unübersichtliche Engstellen). Dabei ist auch sinnvoll, verschiedene Strecken anzusehen, weil Kinder durchaus auch mal vom üblichen Weg abweichen.

Das Fahrrad ist häufig ein gutes Fortbewegungsmittel. Besonders dann, wenn die Kinder die verschiedenen Probleme im Verkehr kennen und dies in der Fahrradprüfung bereits bewiesen haben. Da die Prüfung erst in der 4. Grundschulklasse stattfindet, sollte für die meisten Kinder das Fahrrad erst ab dann auf dem Weg zur Schule eingesetzt werden.

Im Auto

Die meisten Unfälle passieren im Auto. Deswegen ist ein altersentsprechender Autokindersitz sehr wichtig. Weitere Informationen hierzu haben wir in einem praxisblättle zusammengefasst.

Vorbild der Eltern

Im Verkehr, und auch sonst im Zusammenleben mit den Kindern, zählt das Vorbild der Eltern. Was wir als Eltern tun, machen Kinder meist nach. Heute oder später. Darauf können wir zählen. Diese Chance sollten Eltern nützen, um den Kindern schwerwiegende Unfall-Folgen zu ersparen. Nicht, dass wir ängstlich sein sollten. Eine gewisse Verwegenheit der Eltern gefällt Kindern. An vielen Stellen können wir aber Vorbild sein…

  • wir Eltern tragen regelmäßig den Fahrradhelm
  • wir Eltern gehen raus in die Natur, bewegen uns oder machen Sport
  • wir Eltern verhalten uns am Zebrastreifen korrekt
  • wir Eltern beachten die rote Ampel. Immer.

Das mag sich für manche spießig anhören. Aber damit geben wir als Eltern einen Rahmen vor, der unsere Kinder schützt. Ihre kleinen Freiheiten holen sie sich schon selber. Und es ist meist auch gut, die Kinder machen zu lassen, ohne das ganze mit einem langen Vortrag einzuleiten. Kinder wissen meist ohnehin, wie was geht. Und sonst fragen sie.

Weitere Hinweise gibt eine Broschüre, die hier heruntergeladen oder kostenlos bestellt werden kann.

EXTRA-blättle: Coronaviren bei Kindern

Wir hören und lesen seit Wochen Nachrichten vom Coronavirus. Jetzt hat das „Innovation Lab“ des Berliner Tagesspiegels die Reise des Virus in unseren Körper optisch nachgezeichnet. Besser als tausend Worte.

Fünf weitere Beträge der letzten Woche haben Bedeutung für die Kinder und Jugendlichen in Deutschland. Im Folgenden haben wir sie kurz zusammengefasst:

1. Die Kinder- und Jugendärzte in Deutschland fordern Öffnung von Schulen und KiTas

Die Deutlichkeit war dann doch überraschend. Vor wenigen Tagen forderten die Kinder- und Jugendärzte über die verschiedenen Verbände eine vollständige Öffnung aller Schulen und Kindergärten in Deutschland. In Ihrer Stellungnahme begründen sie ihre Haltung mit Fakten aus der Wissenschaft. Darunter sind einige Studien, die bereits im praxisblättle diskutiert wurden.

2. Erwachsene, Männer, Städter: Wer wird häufiger positiv auf Corona-Virus getestet? 

Zu dieser Frage hat das Royal College of General Practitioners (RCGP) eine Studie in England mit Hilfe des RCGP Research and Surveillance Centres durchgeführt. Über das Netz von Arztpraxen in Großbritannien wurden zwischen Januar und April 2020 Daten von 3802 Rachen-Abstrichen auf das neue Coronavirus durchgeführt. Von diesen fielen 587 Test positiv auf. Bei den positiven Test zeigten sich markante Trends:

  • Bei Männern (18.4%) war der Test häufiger positiv als bei Frauen (13.3%). Risiko für Männer: 1.55 Mal häufiger positiv
  • Bei den Erwachsenen von 40-64 Jahren (18.5%) war der Test häufiger positive als bei Kindern und Jugendlichen (4.6%). Risiko für Erwachsene: 5.36 Mal häufiger positiv
  • Menschen in der Stadt (26.2%) wurden häufiger positiv getestet als auf dem Land (5.6%). Risiko für Menschen in der Stadt: 4.59 Mal häufiger positiv

Auch Menschen mit Nierenerkrankungen und Übergewicht wiesen höhere Werte aus. Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Gruppen sind deutlicher als erwartet.

3. Katzen können auch an COVID-19 erkranken

Katzen können sich wohl leicht  mit den neuen Coronavirus (SARS-CoV-2) anstecken. Das ergab eine Studie aus Madison in Wisconsin. Dabei wurden 3 Katzen mit dem Virus eines an COVID-19 erkrankten Menschen infiziert. Danach wurden diese Katzen wiederum mit gesund Katzen zusammen gebracht und übertrugen das Virus. Diese Katzen wurden dann bereits nach 2 Tagen positiv auf das Coronavirus getestet und schieden es 4 Tage über die Nase aus. Keines der Tiere erkrankte jedoch.

Im Unterscheid zu Katzen infizieren sich Hunde und Schweine seltener mit dem Coronavirus. Katzen geben das Virus jedoch leicht an andere Katzen weiter.

Es bleiben noch Fragen: Katzen könnten recht häufig infiziert sein, da sie sich untereinander leicht anstecken können. Ob sie aber ebenso leicht auch Menschen anstecken ist völlig offen.

4. Großes Risiko, vermutlich kein Nutzen: Dampfinhalation in Zeiten von Corona

Im letzten Jahrhundert wurden Dampfinhalationen bei jeglichen Atemwegsinfektionen https://www.nature.com/articles/s41586-020-2349-yeingesetzt. Der Nutzen dieser Maßnahme soll in der Verflüssigung von zähem Schleim und Öffnen der Atemwege liegen. Gesichert ist das bis heute aber nicht, wie auch eine Studie nochmals betont. Kinder – und Jugendärzte erleben jedoch immer wieder Verbrühungen, die hierunter auftreten.

Ein aktueller Bericht im Lancet zeigt, dass parallel zur Coronavirus-Pandemie auch die Zahl der Verbrühungen bei Kindern anstiegt. Dieser Anstieg fiel besonders auf in Regionen mit großer Häufigkeit an COVID-19-Erkrankungen und bei Bevölkerungsgruppen aus Asien, die aus in Großbritannien leben.

Wie wir es sehen: Dampfinhalationen haben keinen belegten Nutzen, aber das Risiko, dass Kinder versehentlich Verbrühungen erleiden. Klares Nein!

5. Gibt es bald eine Therapie zur Vorbeugung von COVID-19?

Eine Forschergruppe aus der Schweiz, Frankreich und den USA hat vor wenigen Tagen eine Arbeit veröffentlicht, in der sie von monoklonale Antikörpern berichten. Diese Antikörper wurden einem Patienten nachgewiesen, der 2003 eine schwere SARS-Infektion überstanden hat. Es zeigte sich, dass diese Antikörper (S309) auch gegen die Spikes des SARS-CoV-2 wirksam sind. Damit könnten sie verhindern, dass das neue Coronavirus in Zellen eindringen kann. Ein spannender Ansatz. Bleibt zu hoffen, dass er sich im klinischen Alltag umsetzen lässt.

Was geht rum? 23. Mai 2020

Kinder und Jugendliche brauchen wieder einen Alltag miteinander. Und die Wissenschaft hat mehrfach belegt, dass dem nur wenig Argumente entgegenstehen. Im praxisblättle haben wir uns schon länger dafür ausgesprochen. Nun liegt eine Stellungnahme der wichtigsten deutschen Fachgesellschaften der Kinder- und Jugendmedizin vor: Schulen und Kitas sollten wieder geöffnet werden.

Dem widersetzen sich noch einzelne Personen, denen wir die Kinder anvertraut haben und die aus Angst lieber zuhause bleiben wollen. Weil sie über 60 sind oder einen Onkel haben, der an Krebs erkrankt ist. Vorbei mit dem Engagement für Kinder? Risikogruppen haben ein erhöhtes Risiko, soweit richtig. Aber sie müssen sich nicht verstecken. Ein Kontakt für sie ist nicht gleich mit einer schweren Erkrankung verbunden. Nur das Risiko hierfür ist etwas höher. In Kliniken arbeiten Schwestern, Pfleger und Ärzt*Innen schon seit Monaten, weil ihnen unser aller Wohl am Herzen liegt. Auch wenn sie damit höhere Risiken eingehen. Diese Einstellung muss nun bei manchem Pädagogen ankommen. Nur Mut! „Eure“ Kinder brauchen Euch!

Gräserpollenflug am Bodensee. Die graue Fläche zeigt die Werte von 2009-2019. Die schwarzen Säulen zeigt die aktuellen Werte. Quelle: pollenundallergie.ch

Die Gräserpollensaison ist im vollen Gange. Sie begann ja schon Anfang April und erreichte in den letzten Tagen Spitzenwerte. Kinder und Jugendliche mit Allergien gegen Sommerkräuter müssen sich langsam darauf einstellen, dass auch sie mit eher frühen Allergiesymptomen rechnen müssen.

Zecken. Nicht nur auf Gräsern Quelle: pixabay, Erik Karits

Was wir nicht vergessen sollten: Die Zecken. Jetzt feiern auch sie die angenehme Temperatur und krabbeln von den Blättern und Blüten gerne auf die Haut unserer Kinder. Das machen sie alles sehr elegant. Irgendwann juckt es vielleicht auf der Haut und man spürt beim Kratzen den kleinen Zecken-Körper. Der sollte gekonnt entfernt werden. Spätestens beim abendlichen Absuchen der Haut. Wenn hohe Risiken erwartet werden, kann auch mal im Vorfeld ein Insektenschutzmittel angewendet werden.

Seit Wochen die gleiche Meldung an dieser Stelle: Wenig Infektionen. Im Moment geht kaum was rum. Schnupfen – außer allergisch – gibt’s kaum. Husten im Rahmen von Infekten ebenso wenig. Magen-Darm-Infektionen durch Viren sind sehr selten: Bei Noroviren 50% der üblichen Zahl. Bei den Rotaviren, die vorwiegend Kinder betreffen, sind es gar nur noch 25% der üblichen Erkrankungen. Daneben sehr wenige Kinderkrankheiten mit der Ausnahme von Mumps (2 Neuerkrankungen). Wir könnten so zufrieden sein, wenn da nicht……

… noch die Coronaviren wären. Was über sie mit Bezug auf die Kinder Neues bekannt wurde,  können Sie ab Montag an dieser Stelle lesen. Im EXTRA-blättle gehen wir dann auf wichtige Informationen der vergangenen Woche ein.

Was geht in der Welt rum? Corona hin oder her. Weltweit breitet sich das Dengue-Virus mehr aus als einem lieb sein. kann. Es ist zwar nicht mit soviel Todesfällen verbunden, kann aber gerade Kinder oder Schwangere heftig treffen. Im Moment sind die Karibikinseln Martinique von 3236 Dengue-Fieber-Fällen betroffen. Die kaum 80 km entfernte Insel Guadeloupe hat seit Jahresbeginn 4605 Neuerkrankungen registriert. Aber auch Asien ist betroffen. Dort haben sich – ähnlich wie auf den Inseln der Karibik – in Singapur die Fälle (7620 in diesem Jahr) gegenüber dem letzten Jahr verdoppelt.

Genießen Sie nach dem Brückentag das restliche Wochenende und die Aussicht, dass der Alltag für Eltern und ihre Kinder bald angenehmer wird. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff

EXTRA-blättle: Coronaviren bei Kindern

Heilige Corona im Straßburger Münster. Quelle: Heiligenlexikon.de

Vor vier Tagen wurde der Namenstag der Heiligen Corona gefeiert. Ja, die gab es wirklich. Im zarten Alter von 16 Jahren starb sie noch zu Zeiten der Christenverfolgung im Jahre 177 als Märtyrerin. Dabei wurde sie – ohne auf weitere Details einzugehen – zwischen zwei Palmen gespannt. Deswegen wird sie häufig mit einem Palmenzweig dargestellt. Sie ist die Patronin der Schatzgräber und des Geldes.Mit dem Virus hat sie vor fast 2000 Jahren nicht rechnen können.

Corona-Infektionen bei Kindern. Unsere Informationen nehmen stetig zu. Mit der schrittweisen Öffnung der Schulen werden wir bald erfahren, wie sich die Infektionen innerhalb dieser Altersgruppe verhalten. Was wir bisher wissen: Kinder und Jugendliche sind vergleichsweise wenig vom Virus betroffen. Das zeigt auch die aktuelle Graphik des Landesgesundheitsamtes von Baden-Württemberg, in dem jede der blauen Säulen ein Lebensjahrzehnt wiederspiegelt.

Inzidenz (Anzahl pro 100.000 Einwohner in der betreffenden Altersgruppe) der SARS-CoV-2
Fälle in Baden-Württemberg, Stand 15.05.2020 Quelle: LGA BW

Dabei sind Kinder und Jugendliche nur wenig von Erkrankungen mit dem Coronavirus betroffen. Es gibt zunehmende Hinweise, dass die Infektionen unter den Kindern und Jugendlichen – also die horizontalen Infektionen –  selbst häufig stattfinden, in den meisten Fällen aber ohne Krankheitszeichen. Gerade aus Schweden kommen Daten, die dies belegen. Das Problem sind die vertikalen Infektionen: Wenn also ein Kind die Infektion „nach oben“ zu den Eltern oder Großeltern weitergibt.

Daten des Schwedischen Gesundheitsministeriums zur Altersverteilung von Krankheitsfällen (Sjukdomsfall; linke Graphik) und Todesfällen (Avlidna, rechte Graphik), Stand: 12. Mai 2020 Quelle: Socialstyrelsen, Stockholm

Werfen wir eine Blick nach Schweden zu nehmen: Es stimmt, beim offenen Umgang mit dem Coronavirus ohne staatliche Eingriffe sind recht viele Menschen gestorben. Aber: darunter ist nur 1 Kind im Alter bis 9 Jahre und kein Jugendlicher bis 19 Jahre. Und es sind 432 Infektionen bei Kinder und Jugendlichen ab Geburt bis zum 20. Geburtstag erfasst worden bei über 10 Millionen Einwohnern. Diese Daten können Mut machen, Schulen und KiTas zu öffnen. Parallel müssten weitere Maßnahmen diskutiert werden, um Erwachsene und insbesondere alte Menschen zu schützen. Dass Oma und Opa den Enkel aus der KiTa abholen, wird lange nicht möglich sein.

Folgende fünf Themen zum Thema Coronavirus-Infektionen bei Kindern haben wir für Sie aufbereitet:

1. HEROS-Studie untersucht Bedeutung von COVID-19 bei Kindern

Das National Institute of Health (NIH) in den USA hat die Human Epidemiology and Response to SARS-CoV-2 (HEROS) – Studie aufgelegt. Mit deren Informationen sollen die Besonderheiten der Coronavirus-Infektionen bei Kindern aufgeklärt werden. Dazu werden mindestens 6000 Personen aus 2000 Familien untersucht. Die Untersuchung erfolgt prospektiv. Das bedeutet, die Daten werden über zumindest weitere 6 Monate immer wieder erneut erhoben. Somit erfahren wir auch, wie sich Kontakte zu Coronaviren über die nächste Zeit entwickeln.

Sicher kennen Sie noch aus den Nachrichten den Direktor des NIAID (National Institute of Allergy and Infectious Diseases) Anthony S. Fauci. Das ist der freundliche kleine Mann, der als Berater des amerikanischen Präsidenten in Sachen Corona aktiv war und bei dessen Pressekonferenzen sich gelegentlich an den Kopf fasste. Er sagt zum Ziel dieser Studie, was Sie als Leser des praxisblättle schon länger wissen: “One interesting feature of this novel coronavirus pandemic is that very few children have become sick with COVID-19 compared to adults. Is this because children are resistant to infection with SARS-CoV-2, or because they are infected but do not develop symptoms? The HEROS study will help us begin to answer these and other key questions.”

So schätzen wir es ein: Endlich werden die Corona-Erkrankungen bei Kindern in einer Langzeitstudie erforscht. Erste Ergebnisse sind vor Juni jedoch nicht zu erwarten.

2. Corona- Kinderstudie Baden-Württemberg: Ein erster Blick

Auch im Ländle wurde gerade eine Studie aufgelegt, die den Stellenwert von Coronaviren bei Kindern von 1 bis 10 Jahren untersuchen wird. Beteiligt sind alle vier großen Universitätskliniken des Landes in Heidelberg, Freiburg, Tübingen und Ulm. Geplant ist, insgesamt  2000 Kinder in die Studie aufzunehmen. Diese Studie wirft zunächst nur einen Blick auf die jetzige Situation und untersucht die Kinder nicht langfristig. Wir können absehbarer Zeit damit rechnen, mehr über die Bedeutung der Coronaviren bei Kindern in unserem Land zu erfahren. Mit solchen Daten wird es für die die Politik einfacher, Entscheidungen über die Öffnung von KiTas, Schulen und anderen Angeboten für Kinder zu treffen.

3. Selten heißt nicht harmlos: Schwere COVID-19 bei Kindern

Es gibt zunehmend Veröffentlichungen über COVID-19-Verläufe bei Kindern. Schwerste COVID-19-Erkrankungen auf 46 Intensivstationen in den USA und Canada hat eine Studie um Lara S. Shekerdemian und Mitarbeiter dokumentiert, die von Mitte März bis Anfang April  stationär aufgenommen wurden. Es handelt sich um 48 Kinder, von den 83% eine Grunderkrankung hatten. Von allen Kindern wurden 73% wegen  Atemproblemen vorgestellt, 18 (38%) mussten beatmet werden.  Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung waren zwei Kinder verstorben, vier weitere waren noch in sehr kritischen Zustand. Damit liegt die Rate der tödlichen Verläufe einer Intensivbehandlung von Kindern mit COVID-19 unter 5%, während sie bei Erwachsenen immer über 50% liegt. Bis zum 28. April 2020 verstarben am Corona-Virus 8 Kinder unter 14 Jahren. An der Influenza (Grippe) verstarben in der Saison 2019/2020 deutlich mehr, nämlich 169 Kinder in der gleichen Altersgruppe.

So schätzen wir es ein: Kinder erkranken eher selten an COVID-19. Aber auch bei Ihnen gibt es schwerste Verläufe mit Todesfolge, jedoch deutlich seltener als bei Erwachsenen. Und es sind  weit weniger Todesfälle als bei der Grippe, deren Todesrate allein in diesem Jahr 10 x höher lag.

4. Atypische Kawasaki-Syndrome?

Die ersten Berichte über das Kawasaki-Syndrom haben weitere Veröffentlichungen ausgelöst. Besonders überraschend ist die Arbeit von Luico Verdoni und Mitarbeitern aus Bergamo, wo das Coronavirus heftig gewütet hatte. Sie berichten von einer 30-fachen Häufigkeit des Kawasaki-Syndroms mit zwei Unterschieden:

  • Die Diagnose des Kawasaki-Syndroms wird am gleichzeitigen Auftreten verschiedener Symptome gestellt. Die Verläufe in Bergamo, erfüllen diese strengen Kriterien nur in der Hälfte der Erkrankungen
  • Die Krankheitsverläufe sind oft deutlich heftiger als bei den bisherigen Verläufen
  • Beim typischen Kawasaki-Syndrom erkranken Kleinkinder. Bei den jetzt beschriebenen liegt das Durchschnittsalter bei 7.5 Jahren.

Aus anderen Ländern kommen ähnliche Daten. Auch sie berichten von schweren Verläufen die dem Kawasaki-Syndrom ähneln und zeitversetzt nach einer Coronainfektion auftreten. Deswegen nennen sie das Krankheitsbild auch atypisches Kawasaki-Syndrom. Die Amerikaner sprechen vom „pediatric multi-system inflammatory syndrome“, das alleine in New York 85 Mal vorkam mit 3 Todesfällen. Für Deutschland stehen vergleichende Daten noch aus.

5. COVID-19 bei Kindern mit Krebs

Bei den dramatischen Meldungen , gehen gute Nachrichten gehen fast unter. Aber es gibt sie. Kinder und Jugendliche mit Krebs sowie deren Eltern können sich aber freuen. Erste Daten aus New York zeigen, dass eine Krebserkrankung im Kindesalter wohl kein Risikofaktor ist, um häufiger an COVID zu erkranken. In ihrer Studie haben dies Farid Boulad und Mitarbeiter vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center in Manhattan belegt. So wurden von allen Kindern, die selbst Symptome von COVID-19 zeigten oder Kontakt zur COVID-19-Erkrankten hatten 29,3% positiv auf das Virus getestet. Bis auf eines konnten aber alle Betroffenen ambulant behandelt werden und hatten einen milden Verlauf.

Von allen 120 Kinder ohne Kontakt zu Coronaviren und ohne Symptome für COVID-19 wurden nur 3 (2,5%) positiv auf das SARS-CoV-2 getestet. Bei deren Eltern betrug diese Rate jedoch 17,6%. Das bedeutet, dass Kinder mit einer Krebserkrankung auch dann kaum an COVID-19 erkranken, wenn ihre Eltern mit dem Virus behaftet sind.

Was geht rum? 16. Mai 2020

Die Öffnungen von Schulen und KiTas werden in den Medien breit diskutiert. Endlich. Trotzdem müssen noch viele Kinder zuhause warten und dürfen sich nicht mit ihren Freunden regelmäßig treffen. Bei dieser Pandemie geht es inzwischen um mehr als eine zügellose Infektion und eine Krise der Weltwirtschaft. Das Wohlergehen der Kinder ist bedroht.

Schulklasse in in den 1960’gern. Kein Laptop, kein Corona. Aber Schiefertafeln zum Schreiben, was sehr kostengünstig war. Quelle ptw

Schauen wir auf die Kleinkinder. Seit 2 Monaten sind die KiTas faktisch geschlossen. Es gibt keine Gruppenspiele mehr. Aber genau das ist es, was Zweijährige suchen und brauchen. Die ersten Lebensjahre waren sie in den Kleinstfamilien oft nur mit den Eltern zusammen. Jetzt hätten sie die Chance, mit anderen Kindern um die Wette zu rennen, zu spielen oder zu singen. Zwei Monate keine Kita bedeutet für sie – bisherige Leben gerechnet – fast 10% Ausfall des sozialen Lebens. Für die Schulkinder gilt ähnliches, vielleicht nicht so dramatisch. Ihnen droht ein essentieller Lebensabschnitt verloren zu gehen.

Einen kleinen Vorteil hat die Situation dann doch. Gerade Kleinkinder sind so gesund wie noch nie. In der Praxen der Kinder- und Jugendärzte tauchen nur wenige Kinder mit Infekten auf. Das wird sich alles wenden, wenn sie wieder zusammenkommen. Viren und Bakterien werden dann munter ausgetauscht. Neben den verschiedenen Corona-Viren – es gibt ja auch harmlose Vertreter dieser Gruppe- werden auch Rotaviren, Streptokokken und Meningokokken weitergegeben. Wird das eine besonders heftige Infektwelle werden? Wir wissen es nicht. In dieser Krise machen wir viele neue Erfahrungen. Was die Kinder betrifft, sollten wir andere gefährliche Keime jedoch nicht aus dem Blick verlieren.

Gräserpollenflug im Bodenseeraum. Quelle: www.pollenundallergie.ch

In den kommenden Tagen müssen wir uns und unsere Kinder wieder auf den Pollenflug vorbereiten. Die Gräserpollen-Belastungen erreichen dann nochmals Höchststände. Also schnell nachschauen, ob auch alle Medikamente zur Erleichterungen von Beschwerden (releiver) in der Hausapotheke vorhanden sind.

Die Zahl der Infekte ist wie seit Wochen gering. Bei den Kinderkrankheiten sind die Zahl der Erkrankungen mit Keuchhusten und Windpocken auf niedrigem Niveau. Auffallend sind nur Masern (keine Erkrankungen) und Mumps: Hier liegen die Neuerkrankungen in diesem Jahr 4 Mal höher als im letzten Jahr. Warum das so ist, bleibt unklar. Darminfektionen mit Rota- oder Noroviren sind für Kinder landesweit unbedeutend.

Was geht in der Welt rum? Von den weltweiten Kontaktbeschränkungen zeigt sich die Malaria unbeeindruckt. Da sie durch Mücken übertragen wird, bleibt sie ein Dauerproblem besonders in den Ländern Afrikas. In Namibia haben sich in diesem Jahr doppelt so viele Menschen (> 1100) angesteckt wie im letzten Jahr. Deutlich mehr Malariaerkrankungen gibt es auch in Madagaskar und in Simbabwe. Dort sind inzwischen 236.300 Menschen infiziert und 226 von ihnen daran verstorben.

Auch diese Woche erscheint wieder unser EXTRA-blättle zum Thema „Coronainfektionen bei Kindern“. Diesmal aber erst am Montag. Darin finden Sie wieder aktuelle Informationen, die für Sie als Eltern besonders interessieren dürften.

Ich hoffe,Sie können das Wochenende bei wärmenden Sonnenstrahlen hoffnungsvoll genießen, trotz der vielen schwierigen Nachrichten, die im Moment verarbeitet werden müssen. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff

EXTRA-blättle: Coronaviren bei Kindern

Nicht nur die Wissenschaft beschäftigt sich nun häufiger mit den Auswirkungen von COVID-19 auf die Kinder und Jugendlichen. Auch in der Politik ist das Thema angekommen. Leider wird es häufig mit wirtschaftlichen Faktoren (Beschäftigung der Eltern) verknüpft und ist weniger auf das Wohl der Kinder selbst ausgerichtet.

Die letzten Tage sind viele Menschen wieder nach draußen gegangen. Sie haben geniest und genossen. Ob das eine neue Infektwelle einleitet, wissen wir nicht. Was für Kinder und Jugendliche aktuell Bedeutung hat, haben wir für Sie in den folgenden 6 Themen aufbereitet.

1.Stationäre Behandlung von Kindern mit Coronaerkrankungen

Kinderkliniken in Baden-Württemberg, die COVID-19 behandeln; Stand 03.05.2020 Quelle: DGPI

Die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) untersucht die schweren Coronaerkrankungen von Kindern in Kliniken. Bundesweit nehmen an diesem Projekt 66 Kinderkliniken teil, die ihre Daten wöchentlich melden. Die Karte links zeigt alle Kinderkliniken in Baden-Württemberg, von denen bisher Fälle gemeldet wurden. Dabei gibt die Größe der roten Punkte in der Graphik die Anzahl der im Krankenhaus behandelten Kinder an COVID-19 wieder. Freiburg im Südwesten des Landes hat bisher besonders viele Kinder und Jugendliche mit Coronavirus-Infektionen stationär behandelt, während es im Rhein-Neckar-Raum erstaunlich wenige sind.

 

Altersverteilung COVID-19 bei Kindern in Deutschland Quelle: DGPI

Die Mehrzahl der in ganz Deutschland stationär behandelten Kinder, das zeigt die Graphik links, ist jünger als 5 Jahre. Es verwundert nicht, dass die Erkrankungen im „Infektalter“ von 1-5 Jahren besonders hoch liegt. In diesem Lebensabschnitt tauschen Kinder in Deutschland die meisten Infektionen aus. Viele an sich gesunde Kinder erkranken auch unter normalen Bedingungen ohne Kontaktsperre in diese Alter mit bis zu 12 Infektionen pro Jahr. Das sind wohlgemerkt trotzdem gesunde Kinder, ohne einen Immundefekt.

2. Welche Medikamente kommen gegen COVID-19 in Frage?

Das einige Wochen populäre Chloroquin („Malaria-Medikament“) hat sich offenbar nicht bewährt. Dagegen spricht manches für Remdesivir, das ursprünglich gegen Ebola entwickelt wurde und sich als gut verträglich erwies. Dieses Remdesivir bildet einen Teil des genetischen Codes des Virus nach und ist damit eine Art künstliche RNA (Ribo Nuclein Acid). Es schleicht sich bei der Vermehrung des Virus ein und hemmt sie, ähnlich wie Sand im Getriebe. Bisherige, eher kleine Studien zeigten, dass Patienten unter dieser Behandlung bereits nach 11 anstatt nach 15 Tagen gesund waren. Die Daten wurden aber nicht komplett offengelegt und so sind noch viele Fragen offen. So ist auch der ideale Zeitpunkt der Therapie unsicher. Vielleicht kann Remdesivir Teil einer erfolgreichen Mehrfach-Therapie sein? Wird eine ausreichende Herstellung möglich sein?

Eine andere Möglichkeit stellt eine Therapie gegen die Entzündung dar. Ein aussichtsreicher Kandidat ist Tocilizumab (Actemra©), ein Rheuma-Medikament, genauer: ein monoklonaler Antikörper gegen den Interleukin-6-Rezeptor. Wie wirkt er? Bei den schweren Verläufen von COVID-19 kommt es zu einem Cytokine-Sturm. Dabei werden Botenstoffe einer Entzündung – sogenannte Cytokine – in riesigen Mengen freigesetzt und verursachen mit dieser Überreaktion des Immunsystems eine massive Entzündung der Lunge. Bei diesem Sturm kommt es auch zu einer Durchlässigkeit der Äderchen, was eine Gefäßentzündung mit dem Risiko für kleinste Thrombosen nach sich zieht. Tocilizumab kann diesen Prozess stoppen. Die große Frage ist: Zu welchem Zeitpunkt soll es eingesetzt werden? Zu früh würde bedeuten, dass der Körper das Virus nicht wahrnimmt und keine eigene Abwehr aufbaut. Zu spät, dann würde der Patient an der überschießenden Immunantwort seines Körpers versterben. Ähnlich wie beim allergischen Schock bei Bienengiftallergie.

3. Kawasaki-Syndrom bei Kindern mit COVID-19?

Anfang April 2020 haben Kinderärzte in Kalifornien den vermutlichen ersten Fallbericht über ein sechs Monate altes Mädchen mit einem Kawasaki-Syndrom veröffentlicht. Das Kind war wegen eines typischen Kawasaki-Syndroms in der Klinik erfolgreich behandelt worden. Kurz vor Entlassung kam das positive Testergebnis auf SARS-CoV-2. Unter der Auflage einer Quarantäne konnte sie bei guter Gesundheit entlassen werden. Weitere Berichte unterstreichen die Bedeutung dieser schweren Verläufe bei Kindern und Jugendlichen.

Das Kawasaki-Syndrom ist eine Systemerkrankung des Körpers, die auf einer Entzündung der kleineren Blutgefäße (Vaskulitis) beruht. Sie tritt mit Schwellungen der Lymphknoten, hohem und lang andauernden Fieber (mehr als 5 Tage), deutlich geröteten Bindehäuten und lackartig roten Lippen auf. Betroffen sind vorwiegend Kleinkinder. Besonders kritisch ist die Erkrankung des Herzens, die oft mit Herzmuskelentzündung und Erweiterung (Aneurysma) einzelner Herzkranzgefäße verbunden ist.Inzwischen wurden weitere Fälle aus Genf, Dresden, Italien, Spanien und zuletzt auch Luxemburg gemeldet.

Die genaue Ursache ist unbekannt. Es wird vermutet, dass das Kawasaki-Syndrom durch banale Infekte ausgelöst wird. Neben Rhinoviren und RS-Viren sollen auch die harmlosen Coronaviren ( 229E, HKU1, NL63 und OC43) dafür verantwortlich sein. In Europa ist die Erkrankung eher selten (pro Jahr unter 10 auf 100.000 Kinder), in Japan sind es 185 auf 100.000. Dort wurde sie auch erstmals von Prof. Kawasaki beschrieben.

Bei Erwachsenen, die an einer schweren COVID-19-Infektion erkrankt sind, wurden schon häufiger Entzündungen der Gefäße beschrieben. Teilweise führten diese zu Mikrothromben, wie sie beim ARDS zu beobachten sind. Es wird nun vermutet, dass parallel hierzu auch die schweren Verläufe der Corona-Infektionen beim Kind eine Entzündung der Gefäße (Vaskulitis) auslösen. Diese äußert sich im Kindesalter als Kawasaki-Syndrom. Dieser Zusammenhang ist jedoch bis heute nicht geklärt. Für das Kawasaki-Syndrom gibt es etablierte Therapien, die schwere Verläufe meist verhindern können.

4. Welche Grunderkrankungen stellen ein Hindernis beim Schulbesuch dar?

Schulen und Kindertagesstätten öffnen wieder. Schneller und umfassender als gedacht. Das wirft für Kinder- und Jugendärzte die Frage auf, welche Kinder mit Grunderkrankungen zunächst nicht am Unterricht teilnehmen sollten, weil sie besonders gefährdet sind. Diese Frage stellt sich für Kinder und Jugendliche mit Atemwegserkrankungen wie Asthma, angeborenen Herzfehlern, Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus und beispielsweise auch Immundefekten. Einig sind sich die Experten, dass eine generelle Freistellung vom Unterricht an Schulen bzw. der Teilhabe in KiTas nicht sinnvoll sind.

Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) hat in einer Stellungnahme hierzu Position bezogen. Darin wird klar, dass vieles noch unklar ist. Es geht in letzter Konsequenz um die Frage, welche Kinder durch ihre Grunderkrankung in „relevantem Maße“ beeinträchtigt sind. Dabei zeigt sich, dass die genauen Risikoprofile bislang nicht definiert werden konnten.

5. Antikörpertests bei COVID-19: Was sagen sie aus?

Für viel Verwirrung sogen zur Zeit auch die Antikörpertests. Bislang gibt es verschiedene auf dem Markt, deren Ergebnisse sehr unsicher sind. Nun ist in den USA ein Antikörper-Test vom Schweizer Konzern Roche zugelassen worden, der offenbar gute Ergebnisse liefert. Unsicherheit besteht noch zur Frage der Immunität:

  • Noch gibt es keine Langzeituntersuchungen. Wir wissen also noch nicht, ob die Antikörper nach Erkrankung wieder zurückgehen. Und ob damit auch die mögliche Immunität wieder verschwindet. Manche Forscher vermuten eine lebenslangen Schutz nach COVID-19, andere nur einen von „einigen Wochen“.
  • Es gibt zwei unterschiedliche Testgruppen:  Schnelltests und Antikörpertests, die aufwändig im Labor durchgeführt werden. Schweizer Untersuchungen legen den Verdacht nahe, dass die Schnelltests bis zu 3 Mal so viele positive Ergebnisse liefern wie im Labor durchgeführte Antikörpertests. Das bedeutet: Tests sollten zunächst nur zurückhaltend bewertet werden.

Im praktischen Alltag werden uns Antikörpertests im Mai somit wenig weiterhelfen. Es gibt zwar den ausreichend standardisierten Test von Roche. Aber auch der muss in größeren Studien noch weiter untersucht werden und dann auch in den auslieferbaren Mengen vorliegen, dass er alle Patienten in Europa erreicht. Und wir wissen ja, es gibt einen amerikanischen Präsidenten, der in dieser Hinsicht sehr eigenartig denkt.

6. Was tut sich bei den Impfstoffentwicklungen?

Weltweit gibt es inzwischen 115 verschiedene Impfstoffe untersucht (Impfstoffkandidaten). Von diesen sind zehn bereits soweit fortgeschritten, dass sie klinische Untersuchungen zur Verträglichkeit bei Freiwilligen durchführen dürfen. Eine dieser Studien läuft in Mainz mit etwa 200 Personen im Alter von 18 bis 55 Jahren.

Zahl der gemeldeten SARS CoV-2-Fälle in Baden-Württemberg (Stand 08. Mai 2020, 16:00 Uhr). In Gelb die Zahl der Neuerkrankungen Quelle: LGA

Die Zahl der Neuerkrankungen ging in Baden-Württemberg weiter spürbar zurück. Demnach haben wir – Stand Freitag Abend – wieder eine Häufigkeit an Coronainfektionen wie vor 2 Monaten.

In diesen komplexen Zeiten, in denen sich Informationen zum Coronavirus und die damit verbundenen Entscheidungen zumindest täglich ändern, werde ich an eine Aussage von Joachim Ringelnatz erinnert: „Sicher ist, dass nichts sicher ist. Selbst das nicht“

Was geht rum? 09. Mai 2020

Heute lesen Sie ein fast Corona-freies praxisblättle. Was es Neues zum Thema Coronavirus gibt, erfahren Sie morgen im „EXTRA-blättle Corona“. Dort habe Ihnen 6 Themen zu verschiedenen Fragen vorbereitet.

Mit dem Regen der letzten Woche hat sich die Natur wieder etwas erholt. Die Pflanzen haben  einen neuen Wachstumsreiz bekommen, der auch die Pollenzahl wieder nach oben schnellen ließ.

Gräserpollenflug am Bodensee Quelle: www.pollenundallergie.ch

Inzwischen kam auch die Wärme hinzu. Der Gräserpollenflug ist im vollen Gange. Für alle allergischen Kinder und Jugendlichen gibt es einige Möglichkeiten, die Pollen-Belastung im Alltag gering zu halten:

  • Bei starkem Pollenflug die Fenster geschlossen halten. Das gilt besonders am Morgen (05:00 Uhr bis 09:00 Uhr) und am Abend. Nachts gibt es so gut wie keinen Pollenflug (ab etwa 21:00 Uhr), da können die Fenster problemlos offen bleiben.
  • Jeder Mensch ist tagsüber draußen Pollen ausgesetzt. Die lassen sich auf der Haut und den Haaren nieder. Abendliches Duschen (am besten mit Waschen der Haare) ist sehr wirkungsvoll, um nahezu pollenfrei ins Bett zu steigen. Wenn Sie das jeden Abend machen, bleibt das Bett von Pollen verschont.
  • Damit die frisch gewaschene Bettwäsche frei von Pollen bleibt, dürfen Betttücher nur im Trockner oder im Keller getrocknet werden. An der frischen Luft nehmen sie erhebliche Mengen an Pollen auf, die nachts den Weg in Nase und Bronchien der Schlafenden finden. 
  • Je schneller die Bewegung an der frischen Luft, umso mehr Pollen geraten ins Gesicht (und damit an die Nase und in die Bronchien). Fahrten im Auto mit geöffneten Fenstern oder gar mit Kindern als Beifahrer auf dem Motorrad oder dem Scooter sind für allergische Kinder und Jugendliche ungünstig. Klimaanlage (am besten mit Pollenfilter) im Auto anschalten.
  • Eine komplett freie Nasenatmung kann oft nicht erreicht werden. Wenn die Nase aber nachts „zu“ ist, sollte mit dem Kinder- und Jugendarzt geklärt werden, welche Medikamente vielleicht doch – wenn auch nur etwas – helfen könnten. Offener Mund heißt: Die Atemluft wird nicht mehr gefiltert und so gelangen Pollen auf direktem Wege in die Bronchien. Das kann den Weg für Asthma ebnen.
  • Und: Natürlich wird das Spiel auf einer Wiese mit vermehrten Beschwerden bestraft. Das ist schrecklich, aber das ist nun mal eine Allergie und diese Krankheit achtet nicht auf die psychische Befindlichkeit. Deswegen sollte das Rasen mähen zuhause nicht den allergischen Kindern aufgetragen werden.

Seit Wochen gibt es eine große gute Nachricht: Nahezu keine weiteren Infektionen. Noch sind die Kinder und Jugendlichen im Ländle kaum von Infektionen – außer der C-Infektion – betroffen. Weiterhin gibt es Windpocken, aber weniger als die Hälfte der üblichen Belastung. Mumps kommt eher gehäuft vor, aber in der letzten Woche kam nur eine Neuerkrankung hinzu.

Dengue-Fieber. Verteilung im Jahre 2006. Quelle Percherie / CC BY-SA http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/

Was geht in der Welt rum? Während bei uns über das Corona-Virus diskutiert wird, setzt eine andere Virusinfektion ihren Weg um den Globus fort. Die Rede ist vom Dengue-Fieber, das schon mehrfach an dieser Stelle genannt wurde. Weltweit sind die Hälfte der Menschen von ihm bedroht, weil sie in einem Endemiegebiet leben. Im Unterschied zum Coronavirus ist das Dengue-Virus bezüglich Temperaturen anspruchsvoller. Trotzdem erkranken etwa 100 Millionen Menschen jährlich daran, 22.000 versterben. Nun hat das Dengue-Fieber Argentinien mit etwa 43.500 Verdachtsfällen und bislang 21 Toten erreicht. Das kleinere Nachbarland Paraguay berichtet gar von über 215.000 Erkrankungen. Eine Impfung gegen Dengue ist dringend nötig, weil aber alle bisherigen Versuche scheiterten, gibt es keine. Es ist nicht oft nicht so einfach, eine gute und verträgliche Impfung zu entwickeln.

Genießen Sie das sommerlich warme Wochenende in der Natur. Oder auf dem Spielplatz. Mit Anstand und Abstand. Un bleiben Sie zuversichtlich. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff

 

EXTRA-blättle: Coronaviren bei Kindern

Erkrankungen mit dem neuen Coronavirus (SARS-CoV-2) sind seit knapp 4 Monaten bekannt. Inzwischen ist die Infektion sogar bei fünf Tigern und drei Löwen im Zoo der Bronx (New York) gesichert worden.

Die Infektion mit dem Coronavirus wird COVID-19 genannt. Dieser Name bedeutet: Corona Virus Disease, die im Jahre 2019 erstmals auftrat.

Welche Symptome treten auf?

Genau genommen gibt es keine typischen Symptome. COVID-19 zeigt sich mit den Zeichen eines üblichen Infektes: Fieber, Husten. Abgeschlagenheit. Bei schwereren Verläufen kommt Kurzatmigkeit und Atemnot hinzu. Manchmal treten Symptome auf, die typisch auf COVID-19 hinweise wir Störungen des Geschmack – und Geruchssinns.

Wie wird die Diagnose gesichert?

Sie beruht in aller Regel auf den passenden Symptomen zusammen mit einem Nachweis des Virus im Nasen-Rachen-Abstrich, meist als sog. RT-PCR. Bei dieser Methode werden Bruchstücke des Genmaterials (RNA) vom Virus nachgewiesen. Die PCR ist sehr empfindlich („Sensitivität“) und kann auch kleinste Mengen Genmaterial erfassen. Wie empfindlich sie für das neue Coronavirus ist, ist noch nicht genau bekannt. Hingegen gibt es erste Hinweise, dass der Abstrich den Befall mit dem Virus gut erfasst („Spezifität“). Ist also jemand mit dem SARS-CoV-2 befallen, so wird der Test dies auch anzeigen. Wir können uns also darauf verlassen, dass ein positiver Test stimmt.

Antikörpernachweis von Coronaviren in einigen Regionen weltweit. Quelle: Economist

Antikörper gegen COVID-19 lassen sich inzwischen auch im Serum (Blut) nachweisen. Dazu gibt es verschiedene Tests mit sehr unterschiedlicher Aussagekraft. Die Abbildung links zeigt einen Vergleich zwischen den offiziell bekannten Erkrankungen und den Ergebnissen von Antikörper-Tests. Diese sind jedoch mit großen Unsicherheiten behaftet, weil die untersuchten Personen nicht dem Bevölkerungsdurchschnitt entsprachen. Einige Tests beruhen auf Blutspenden (von denen die Alten ausgeschlossen sind) oder auf einem Facebook-Aufruf, der ebenfalls eher junge Menschen erreicht. Es fällt aber auf, dass tendenziell wohl mehr Menschen am Virus erkrankten als offiziell bekannt wurde. Besonders auffallend ist, dass in New York etwa 2-3% der Bevölkerung erkrankt war, aber über 20% im Blutest Antikörper auswiesen, also bereits eine Infektion hinter sich hatten. Vergleichbares gilt für Gangelt im Kreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen.

Wann sollte ein Abstrich bei meinem Kind gemacht werden?

Seit Ende April wird ein Abstrich bei allen Menschen empfohlen, die Symptome einer Atemwegsinfektion haben, auch wenn kein Kontakt zu einem an COVID-19-Erkrankten bestand. Die Einzelheiten sind im Flussschema des RKI vom 22.04.2020 aufgeführt. Bitte beachten Sie hier die rechte Spalte „kein Kontakt“.

Sind auch Kinder stark ansteckend?

Diese Frage bewegt im Moment die Wissenschaft. Um es gleich vorweg zu sagen: Wir werden diese Frage momentan nicht genau beantworten können. Durch die spezielle Situation („Shutdown“) sind erforderliche Studien (sog. Schul- oder Haushaltskontaktstudien) nicht möglich. Es können also nur indirekte Faktoren geprüft werden. Und hier fiel den Forschern um Prof. Christian Drosten von der Charité auf, dass die Viruslast, also die Zahl der Viren im Rachen, bei Kindern ebenso hoch war wie bei Erwachsenen.

Inzidenz von COVID-19 in Baden-Württemberg. Die Säulen zeigen an, wie viele Personen einer Altersgruppe (bezogen auf 100.000) an COVID-19 erkranken. Quelle: LGA Baden-Württemberg

Kinder haben aber auch weniger Symptome. Sie husten also seltener. Das könnte bedeuten, dass sie andere Menschen weniger anstecken. Aber wissen tun wir das bislang nicht. Sicher ist nur, dass sie deutlich seltener krank werden als Erwachsene. Ob sie aber zur schnellen Verbreitung der Erkrankung beitragen, ist weiterhin umstritten.

Werden KiTas und Schulen bald wieder geöffnet?

Das ist eher unwahrscheinlich. Denn bislang fehlt uns ein Mittel, um das Virus direkt bekämpfen zu können. Wir keine Aussicht auf ein rasch und sicher wirksames Medikament. Eine Impfung ist in diesem Jahr ebenso wenig zu erwarten. Berichte, wonach der eine oder andere Impfstoff schon im Herbst verfügbar sein könnte, sind unseriös und spielen nur mit unserm Wunsch, dass diese schwierige Situation bald vorbei sein sollte. Die Stellungsnahme der Wissenschaftler von vier wichtigen Forschungsverbänden beschreibt unsere Situation realistisch und ohne Schnörkel. Demnach müssen wir uns auf eine längere Zeit der Kontaktbeschränkungen einstellen. Was das im einzelnen bedeutet haben die Forscher hier zusammengefasst.

Wie sehr werden Kinder von COVID-19 bedroht – ist es für sie tödlich?

Kinder und Jugendliche erkranken seltener und schwächer als Erwachsene. COVID-19 bedroht Menschen umso mehr, je älter sie sind. Aber, es kann in jeder Altersgruppe gefährlich werden. Todesfälle kommen bei Kinder selten vor. Für die USA mit 328 Millionen Einwohnern meldet die CDC bislang neun COVID-19-Todesfälle für Kinder von 0-14 Jahren (Stand 01. Mai 2020).

Wöchentliche Sterbefälle in Europa. In grau sind die Jahr 2009-2019 dargestellt, in orange das Jahr 2020. Die obere Graphik zeigt die Kurve der 15-64-Jährigen, die untere die der 0-14 Jahre alten Kinder und Jugendlichen. Quelle: EuroMOMO nach Economist

Die untere Gruppe zeigt, dass die Sterberate für Kinder und Jugendliche in den Corona-Wochen sogar nach unten geht. Das Kontaktverbot hat nachweislich zu weniger Infekten überhaupt geführt. Und zu weniger Teilnahme am Straßenverkehr. Dadurch sind – bei allem Ärger über die Enge zuhause – manche Todesfälle verhindert worden. Corona hat insofern auch – wenngleich selten – gute Folgen gehabt

Was geht rum? 02. Mai 2020

Viel Unmut äußert sich nach dem wochenlangem Shutdown. Aber kaum von Familien. Dabei werden sie den Maßnahmen in der Coronakrise besonders stark getroffen. Je kleiner die Wohnung und/oder der Garten, umso schlimmer. Aber die Schließung der Kindergärten und Schulen hat auch eine gute Seite: Kinder haben kaum Möglichkeiten, sich anzustecken. Es gibt bisher zwar keine Studien hierzu, aber so gesund dürften Kleinkinder in den letzten Jahren wohl nie gewesen sein. Leider können sie und ihre Eltern das nur begrenzt genießen.

Kindergarten – ein Bild aus glücklichen Tagen Quelle: pixabay, tolmacho

Im praxisblättle haben wir schon manchmal angeregt, bei der Öffnung von Einrichtungen mehr an die Kinder zu denken und weniger ans Shoppen. Es ist schon lange bekannt, dass Kinder seltener und schwächer an COVID-19 erkranken. Das zeigt auch die neueste Studie des Centers for Disease Control (CDC, in Englisch), die sich mit den aktuellen Daten bei Kindern in den USA befasst  Und obwohl sie eher selten von COVID-19 betroffen sind, leiden sie wohl am meisten unter der Kontaktsperre, die ihnen verbietet, mit anderen Kindern zu spielen und das soziale Leben zu üben.

Aus der Schweiz hat sich Prof. Dr. Christian Berger vom Kinderspital Zürich in der NZZ (Neue Zürcher Zeitung) zum diesem Thema geäußert. „Bei uns (Anm in der Schweiz) sind 0,4 Prozent aller bestätigten Fälle Kinder unter 10 Jahren und 2,7 Prozent Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 19 Jahren“. In den allermeisten Fällen seien die bisher 114 an COVID-19 erkrankten Schweizer Kinder von Erwachsenen angesteckt worden. „Wir haben keine große Erfahrung damit, wie das Virus unter Kindern zirkuliert.“ Vieles spricht dafür, dass unter kontrollierten Bedingungen (Kleingruppen mit einem Drittel der Klassengröße?), KiTas und Grundschulen vermutlich geöffnet werden könnten. Das RKI und die WHO vertreten jedoch andere Positionen.

Noch nie haben Wissenschaftler so eifrig in der öffentlichen Diskussion mitgesprochen. Und dabei vertreten sie oft gegensätzliche Positionen. Viele Menschen verstehen jedoch nicht, dass auch Wissenschaft irren kann. Aber, Forscher beobachten genau und lernen aus Fehlern, die nachweisbar sind. So kontrollieren sie sich gegenseitig. Erfreulich, dass auch viele Politiker in der Zusammenarbeit mit den Wissenschaftlern nachdenklicher werden. Oft gilt in diesen Tagen: Argument sticht Parteimeinung.

Gräserpollenflug. Die graue Fläche gibt die Stärke des Pollenflugs über die letzten 10 Jahre wieder. Die Säulen (links unten im Bild) zeigen die aktuellen Daten von 2020, jeweils bezogen auf Münsterlingen (Bodensee, Schweiz) Quelle: www.pollenundallergie.ch

Seit zwei Monaten ist alles anders. Auch bei den Pollen. Bisher war der April die Zeit, in der die Birkenpollen flogen. In diesem Jahr sind diese schon längst auf dem Rückzug und haben den Gräserpollen den ersten Platz überlassen. Am Bodensee und Oberrhein sind sogar schon die Pollen des Wegerich in der Luft. Diese suchten uns bisher erst Ende Juli heim. Eltern allergischer Kinder müssen also den Pollenflugkalender in diesem Jahr umschreiben. Übrigens, ein möglicher und schöner Nebeneffekt vom Mund-Nasen-Schutz („Maske“) könnte sein, dass er viele Pollen abhält und damit Kinder und Jugendlichen vor dem Heuschnupfen – zumindest etwas – schützt.

Unter den wenigen Infektionen die rumgehen, sind natürlich auch Kinderkrankheiten. Vor einer Woche hatten wir berichtet, dass die Windpocken auf 25% des Normalniveaus zurückgegangen sind. Beim Keuchhusten hingegen liegen die Erkrankungszahlen noch auf dem Niveau des letzten Jahres. In der letzten Woche kamen 25 neue hinzu. Ganz anders bei den Masern: Seit den Kontaktbeschränkungen Mitte März ist bis heute nur eine einzige weitere Erkrankung gemeldet worden. Sind im letzten Jahr bis Ende April 61 Menschen im Ländle an Masern erkrankt, so sind es jetzt nur 26. Auch ein schöner Nebeneffekt! Ganz zur schweigen von den selten gewordenen Magen-Darm-Infektionen.

Was geht in der Welt rum? Es gilt eine weltweite Reisewarnung und Reisen selbst in die Schweiz und Österreich sind nicht möglich. Dennoch wollen wir hier weiter berichten, welche Infektionen in der Welt eine Rolle spielen. So werden aus Thailand in diesem Jahr bereits 5 mit Tollwut infizierte Hunde gemeldet. Seit zwei Jahren gibt es dort viele Tollwuterkrankungen, woran im Jahr 2018 nach offiziellen Angaben 17 Menschen und im letzten Jahr 1 Mensch verstarben. Immerhin gibt es gegen Tollwut eine gut wirksame Impfung. Für wen diese sinnvoll ist, sollte vor der Reise mit einem erfahrenen Arzt geklärt werden.

Wenn Sie wegen des Coronavirus auf dem Laufenden bleiben wollen……? Wir bringen ab sofort jeden Sonntag im praxisblättle ein „EXTRA-blättle  Corona“ mit Informationen, die besonders für Eltern und ihre Kinder interessant sein könnten. Schreiben Sie uns gerne, was Sie interessiert und bewegt. Gerne nehmen wir Ihre Fragen und Anregungen auf.

Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende. Mit Ihnen hoffe ich, dass sich im Mai die Lage für die Kinder verbessert und sie wieder raus dürfen. Raus in die Natur, auf den Spielplatz und in die Kindertagesstätte oder Schule. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff

 

Was geht rum? 25. April 2020

In dieser Woche stieg die Hoffnung, dass wir trotz der Corona-Pandemie  dem Ziel zu ein wenig mehr Normalität im Alltag nähergekommen sind. Das Paul-Ehrlich-Institut hat erstmals in Deutschland eine Zulassung für die klinische Prüfung eines Impfstoff-Kandidaten gegen Corona erteilt. Damit geht weltweit der fünfte Impfstoff ins Rennen. Das deutsche Start-up BioNtech beginnt die Verträglichkeitsprüfung an gesunden Freiwilligen. Wie schon mehrfach erwähnt: Eine Impfung für alle Menschen ist frühestens 2021 zu erwarten. Und das nur, wenn alles günstig läuft.

Sahara-Staub und Fichtenpollen umrahmen ein Blütenteilchen einer Pappel. Quelle: ptw

Unsere Autos sind morgens gelb bestäubt. Das ist vorwiegend den Pollen der Fichte und teilweise auch dem Sahara-Staub geschuldet, der einigen Regionen farbenfrohe morgendliche Stimmungen bescherte. Der Birkenpollenflug war ebenfalls erheblich und für Allergiker stark zu spüren. Aber eben nicht zu sehen.

Gräserpollenflug. Messstelle Basel Quelle: pollenundallergie.ch

Der Gräserpollenflug hat, wie schon letzte Woche beschrieben, eingesetzt. Die Pollenwerte sind aber noch gering, da sich die Pflanzen aufgrund der trockenen Witterung nicht ordentlich entwickeln können.

Andere Infektionen als COVID-19 spielen kaum eine Rolle, was für diese Jahreszeit nicht außergewöhnlich ist. Ob die niedrigen Erkrankungszahlen an Rotavirus– und Norovirus-Darminfektionen auf die Kontaktbeschränkungen zurückzuführen sind ist unklar. Selbst bei Kinderkrankheiten gibt es kaum neue Infektionen. Während im letzten Jahr zum Beispiel bei Windpocken noch durchschnittlich 135 Kinder jede Woche neu erkrankten, sind es nun gerade mal ein Viertel: 35 Personen. Das ist verständlich: Windpocken werden als Tröpfcheninfektion weitergereicht. Und die verhindern wir gerade – so gut es geht.

Häufigkeit von COVID-19 bei Kindern an deutschen Kinderkliniken. Quelle: DGPI

Seit kurzem sammelt die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) Informationen über Kinder in Deutschland, die an COVID-19 erkranken. Dabei zeigt sich ein Trend zu schweren Verläufen bei Säuglingen und Kleinkindern. Die nebenstehende Grafik verdeutlicht auch, dass 38% aller Erkrankungen auf Kinder im ersten Lebensjahr zurückgehen. Bei Schulkindern (6-10 Jahre) liegt die Häufigkeit mit knapp 10% spürbar niedriger.

Einzelne Kindertagesstätten waren auch in den letzten Wochen teilweise geöffnet für eine Notbetreuung der Kleinsten. Die gesetzlichen Grundlagen hierfür haben sich inzwischen geändert. Anspruch auf die Betreuung ihrer Kinder haben nun:

  • alle Alleinerziehenden 
  • alle, die systemrelevanten Berufen arbeiten

Voraussetzung ist, dass die Eltern nicht aus einem Homeoffice arbeiten können. Welche Berufe systemrelevant sind, ist in jedem Bundesland etwas anders geregelt. Mitarbeiter von Polizei, Feuerwehr, Wasser- und Energieversorgung gehören immer dazu. Teilweise aber auch Steuerberater, Mitarbeiter von Banken oder Krankenkassen. Weitere Informationen fürs das Land Baden-Württemberg sind in einer Pressemitteilung aufgeführt.

Was geht in der Welt rum? Wieder einmal such das Dengue-Fieber global viele Menschen heim. Es ist glücklicherweise nicht so gefährlich wie COVID-19, hat aber für einige Kinder durchaus das Risiko tödlich zu sein. Das gilt besonders für solche, die mehrfach daran erkranken. Besonders betroffen sind in diesem Jahr Guadeloupe (7.260 Fälle), Indonesien (17.280 Fälle), Mexiko (20.815 Fälle) und Argentinien (6.170 Fälle). Ganz dramatisch hat es das ehr kleine Land Paraguay mit 223.750 Erkrankungen bei etwa 7 Millionen Einwohnern getroffen. Eine Therapie oder zugelassene wirksame Impfung gibt es nicht.

Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende. Am besten im Garten zuhause mit Ihren Kindern. Die Frühlingsstimmung sollte uns nicht täuschen. Wir müssen leider noch Abstand halten, das Coronavirus bleibt wie es ist. Gefährlich. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff