Kategorie: Aktuell

Was geht rum? 04. Juli 2020

Infektionen werden wieder vermehrt beobachtet. In Kindergärten gibt es einige fiebernde und schnupfende Kinder, wie in den besten Wintertagen. Und viele fragen sich, ob das nun ein normaler Infekt oder vielleicht doch eine Coronainfektion sein könnte. In solchen Fällen, also bei Symptomen, kann getestet werden. Das bringt Klarheit. Bislang sind es aber im Ländle fast immer sog. banale Infekte.

Warn-App. Quelle: ptw

Schauen wir einmal die Corona-Warn-App genauer an. Dort ist bei mir alles im „grünen Bereich“. Dort steht aber auch, dass ich an „16 von 14 Tagen aktiv“ war. Ups. Hatten die Programmierer der gefeierten App in der heißen Phase der Pandemie keinen Mathe-Unterricht mehr? Oder habe ich die letzten 2 Wochen einfach extrem gut – zu 114,29% genutzt?

Häufigkeit PIMS / MIS-C gegenüber COVID-19. Quelle: DGPI

In diesen Corona-armen Zeiten lohnt sich ein Blick zurück. Was hat das Coronavirus alles gemacht? Und wie haben wir darauf reagiert? Erinnern Sie sich noch, wie plötzlich alle vom  Kawasaki-Syndrom sprachen? Das beherrschte zwei Wochen die Meldungen und verschwand so schnell wie es gekommen war. Inzwischen hat sich der Name des Krankheitsbildes geändert, weil sich zu viele Unterschiede zum (bekannten) Kawasaki-Syndrom zeigten: Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome (PIMS) (In den USA wird PIMS als „multisystem inflammatory syndrome in children“ (MIS-C) bezeichnet). Von der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie kommen nun erste Beobachtungen. So erkrankten nach Meldungen der Kinderkliniken 40 Kinder in Deutschland an PIMS, die meisten – so zeigt es die Graphik – zwei Wochen nach der höchsten Belastung mit COVID-19. Weltweit sind über 1000 Fälle von PIMS bzw. MIS-C bekannt.

Gräserpollenflug am, Bodensee Ende Juni 2020. Quelle: pollenundallergie.ch

Der Flug der Gräserpollen wird auch an diesem Wochenende – je nach Wetter – vermutlich stark schwanken. Die Graphik zeigt die Werte vom Bodensee von Ende Juni. Am Oberrhein liegt die Pollenbelastung niedriger, in den Bergregionen eher höher.

Und nochmal zurück zu den Infektionen. Wie in der letzten Woche keine Masern, kein Mumps und keine Röteln. Für Windpocken und Keuchhusten werden wenig Erkrankungen gemeldet. Der Anstieg von FSME-Erkrankungen ist jedoch enorm: In der Vorwoche waren es 18 Neuerkrankungen, nun sind es gar 22. Damit sind in diesem Jahr in Baden-Württemberg fast doppelt so viele Fälle an dieser Zecken-vermittelten Krankheit zu verzeichnen. Abendliche Untersuchung der Kinder (und auch persönlich) auf Zecken ist die eine Möglichkeit um sich zu schützen. Die andere ist die Anwendung von Repellentien (Mückenschutz), die Icaridin oder DEET enthalten.

Impetigo contagiosa – Borkenflechte im Anfangsstadium. Quelle: ptw

Typisch für die Jahreszeit, wenn es warm und feucht ist, sind bakterielle Hautinfektionen bei Kindern wie die Impetigo contagiosa. Im Deutschen oft „Borkenflechte“ genannt. Diese Entzündung der Haut ist eine nässende, schuppende und Blasen bildende Erkrankung, die durch Bakterien in kleinen Wunden ausgelöst wird. Im Anfang zeigt sich eine Rötung. Recht schnell bildet sich ein Bläschen, was in kurzer Zeit grösser wird und schließlich platzt. An seiner Stelle bildet sich ein nässender Grund aus. Meist sind Staphylokokken die Ursache, aber auch Streptokokken (die den Scharlach auslösen) können beteiligt sein. Eine umgehende Untersuchung beim Kinder- und Jugendarzt ist wichtig, um einen massiven Befall zu verhindern.

Was geht in der Welt rum? Aus Tunesien werden aus dem Gouvernement Tataouine 130 Infektionen mit Typhus gemeldet. Die Bevölkerung wurde darauf hingewiesen, nur Trinkwasser aus sicheren Quellen zu verwenden. Eine Übertragung ist auch über Lebensmittel möglich. Für Reisende gilt, auf gute Hygiene bei Wasser und Nahrungsmitteln zu achten. Eine Impfung steht zur Verfügung. Ob sie individuell sinnvoll ist, sollte mit einem Reisemediziner vor der Reise besprochen werden.

Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende.

Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff

Impfung gegen Mücken

Da könnte noch mancher Impfgegner schwach werden: Eine Impfung gegen Mückenstiche. Aber wie soll das gehen? Und was können wir davon erwarten?

Über Impfungen gibt es in Zeiten des Coronavirus tägliche Informationen. Aber die Impfungen, von den wir hören, sind sämtlich gegen einen einzigen Erreger gerichtet: Impfung gegen Gelbfieber, gegen Malaria (bisher erfolglos), gegen FSME. Jetzt haben Forscher um Jessica E. Manning vom National Institute of Health (NIH) in Bethesda (USA) erste Untersuchungen mit einem Impfstoff durchgeführt, der sich gegen die Speichelsekrete des übertragenden Insekts richtet.

Die Idee dabei ist genial. Wir bekämpfen nicht mehr jeden einzigen Erreger. Denn davon gibt es viele in Mücken, die diese Erreger übertragen: Malaria, Dengue, Gelbfieber, Chikungunya, Zika, Japan-Encephalitis, West Nil-Fieber. Wenn es gelingen könnte, einen Impfstoff gegen Eiweiße im Speichel von Stechmücken zu entwickeln, könnte im Idealfall die Übertragung von Krankheiten beim Mückenstich verhindert werden. Immerhin werden weltweit 17% aller Infektionen durch Vektoren wie Mücken oder Zecken übertragen. Und diese führen jährlich zu über 700.000 Todesfällen.

In Tierexperimenten konnte bereits gezeigt werden, dass dieser Ansatz erfolgreich ist. Eine Impfung gegen die Eiweiße (Proteine) im Speichel der Insekten war erfolgreich um Krankheiten zu verhindern, die durch das Insekt übertragen werden. Diese Studie an Menschen zeigte nun, dass die Anwendung des Impfstoffes gut vertragen wurde und dass nach einem Insektenstich eine Immunantwort ausgelöst wurde. Genau das war die Fragestellung dieser „Phase-1-Studie“ – vergleichbar mit den Phase-1-Studien bei der Entwicklung von Impfstoffen gegen das neue Coronavirus, wie sie von den Formen curevac in Tübingen und BionTech in Mainz gerade durchgeführt werden.

Wie wir diese Studie sehen: Es ist ein spannender Ansatz, einen Impfstoff gegen Eiweiße im Speichel von Moskitos durchzuführen. Sollte sich bei den kommenden Studien auch beim Menschen zeigen, dass damit die Übertragung von Krankheiten (wie Malaria, Gelbfieber, West-Nil-Fieber) verhindert werden kann, wäre das genial und Nobelpreis-verdächtig. Der Schritt zu einem Impfstoff gegen den Speichel von Zecken wäre dann nicht mehr weit. Und wenn dieser erfolgreich wäre, hätten Kinder und Erwachsene eine Schutz gegen FSME und Borreliose.  Gleichzeitig. Aber das ist erstmal Zukunftsmusik.

Sonnenschutzmittel für Kinder

Pünktlich zur sonnigsten Jahreszeit hat die Stiftung Warentest ein Untersuchung zu 17 Sonnenschutzmitteln für Kinder veröffentlicht. Bis auf das teuerste sind alle gut geeignet. In der folgenden Tabelle haben wir die vier Besten zusammengestellt.

Produktname Preis pro 100 ml Note Anmerkung
Lidl Cien Sun Kids Sonnencreme 2,25 € sehr gut (1.4) Feuchtigkeitsanreicherung (1.0)
Müller Lavozon Kids Med Sonnenmilch 2,48 € sehr gut (1.4)
Aldi Ombra Sonnenspray Easy Protect 1,99 € sehr gut (1.5) Anwendung nur gut (2.2)
Rossmann Sunozon Kids Sonnensoray 2,40 € sehr gut (1.5)

Die Unterschiede zwischen diesen Produkten sind in allen Aspekten marginal. So stehen für Kinder somit sehr gute Produkte als Creme, Milch oder Spray zur Verfügung. Das test-Heft Juli 2020 enthält den kompletten Test mit den oft spannenden Hinweisen im Text. Darin sind auch gute Sonnenschutzpräparate aus früheren Jahren (2018 und 2019) nochmals aufgeführt.

Was geht rum? 27. Juni 2020

Die Zecken freuen sich über die guten Lebensbedingungen. Ob es die Feuchtigkeit ist, die ihnen so gefällt, oder mehr Rehe in den Wäldern oder der recht milde Winter – wir wissen es nicht. Sicher ist nur, Scharen von Zecken sind unterwegs.

Zahl der gemeldeten FSME-Erkrankungen nach Monat    Quelle: Epidemiologisches Bulletin, 2020

Hinzu kommt, dass wir Menschen bei angenehmeren Temperaturen eher nach draußen gehen. Und direkt vor unserer Haustüre treffen wir die kleinen Spinnentiere an. Denn diese kommen immer häufiger in unseren Gärten vor, wie die Forscherin Prof. Dr. Mackenstedt von der Universität Hohenheim betont: „Inzwischen können wir in 60 Prozent aller Gärten Zecken nachweisen – in Einzelfällen fanden wir in einer halben Stunde bis zu 800 Tiere.“ Und diese führen fast ganzjährig zur FSME, wie die Graphik zeigt. Übrigens, in Baden-Württemberg haben sich in der letzten Woche 18 Personen neu mit FSME infiziert. Aufs Jahr gesehen sind es bisher 76 Fälle, in 2019 waren es zur gleichen Zeit 49 Erkrankungen. Impfung in Erwägung ziehen.

Über die viel häufigere Borreliose gibt es leider keine verlässlichen Zahlen in Deutschland. Es wird vermutet, dass von 1000 Menschen jedes Jahr einer eine Borreliose durchmacht. Für die Borreliose gibt es bekanntermaßen keine Impfung, aber sehr wirkungsvolle Antibiotika.

Zur Vorbeugung von Zeckenstichen bieten sich für Kinder und Erwachsene Repellentien an. Einzelne werden als Anti-Zecken-Mittel angeboten, andere als Mückenschutz. Wirkstoffe sind DEET und Icaridin. Dazu gibt es auf dem Markt viele Hersteller. Eine gute Übersicht zeigt der Test der Stiftung WARENTEST vom Mai 2017 oder unser Beitrag über Insektenschutzmittel im praxisblättle. Ganz wichtig bleibt, die Kinder (und sich selbst) jeden Abend auf Zecken zu untersuchen. Täglich.

Pollenkonzentrationen der Gräser in Basel. Die graue Fläche zeigt den langjährigen Verlauf, die Balken den Pollenflug in diesem Jahr Quelle: pollenundallergie.ch

Die Gräserpollen scheinen andererseits in diesem Jahr gnädiger zu sein. Am Oberrhein liegen die Pollenkonzentrationen in diesem Jahr spürbar niedriger als sonst. Jahreszeitlich ist damit zu rechnen, dass die Belastung in den kommenden Wochen weiter abnimmt. Die schlimmste Zeit mit den Gräserpollen ist vorbei.

Ozonbelastung für Kehl am 26.06.2020 Quelle: UBA

Unter der kräftigen Sonne steigen die Ozon-Werte wieder. Ozon entsteht aus anderen Schadstoffen wie Stickoxiden (NO2) unter dem Eisfluss der intensiv strahlenden Sonne. Obwohl es in Städten am meisten gebildet wird, liegen seine Konzentrationen im ländlichen Regionen (eher in Stadtnähe) höher. Das liegt daran, dass Stickstoffmonoxid (NO), ein typisches Autogas, das Ozon abbaut. Ozon ist ein Reizgas und kann bei Kindern und Jugendlichen mit Asthma bronchiale zu vermehrten Beschwerden bis hin zum Asthmaanfall führen. Was ist gut? Keine körperliche Anstrengung im Freien bei starker Sonneneinstrahlung (12-18 Uhr). Eine praktische Hilfe ist die App zur Luftqualität vom Bundesumweltamt (siehe Beispiel links), die die aktuellen Ozon-Werte anzeigt und Prognosen wagt.

Windpocken sind die zur Zeit häufigste Kinderkrankheit im Ländle. Dennoch liegt die Zahl der neuen Infektionen um 50% niedriger als im letzten Jahr. Bei Keuchhusten – drei Erkrankungen letzte Woche – liegen die Zahlen fast 90% unter den üblichen Werten. Masern, Mumps und Röteln traten letzte Woche gar nicht auf. Beruhigende Informationen für Eltern.

Und fast vergessen: Weiterhin kaum Infekte. Nichts, auf was sich Eltern einstellen müssten.

Was geht in der Welt rum? Vor zwei Wochen haben wir hier von FSME-Erkrankungen durch Ziegenkäse in der Schweiz berichtet. Nun ist auch Frankreich betroffen. Dort sind in der Region Auvergne-Rhône-Alpes 28 Personen nach Verzehr von Rohmilchkäse (Ziege, Kuh) erkrankt.

Endlich ist Sommer. Ich wünsche Ihnen und Ihren Kindern ein sonniges und angenehmes Wochenende. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff

Was geht rum? 20. Juni 2020

Es sieht so aus, als käme der Sommer langsam zurück. Neben geselligen Grillabenden oder ersten Besuchen im Freibad werden die Zecken und die Pollen nochmal spürbar aktiv werden.

Apropos Grillen. Feuer übt eine enorme Faszination auf Kinder aus. Das bedeutet, dass ihr Risiko sich zu verbrennen jetzt deutlich ansteigt. Unser Beitrag im praxisblättle zum Thema Verbrennungen zeigt nochmals auf, wie Sie sich darauf vorbereiten können.

Langsam zeigen sich wieder mehr Infektionen bei Kindern. Nach der langen Abschottung von Kindern aus Kindergärten und Schulen verwundert es nicht, dass sich mit den ersten Freiheiten erhöhte Infektions-Zahlen zeigen. Das betrifft besonders stark ansteckende Erkrankungen wie das Drei-Tage-Fieber, das oft schon im Säuglingsalter auftritt und mit hohem Fieber über 3 Tage (2-4 Tage) und einem typischen Ausschlag einhergeht. Die Häufigkeit der Kinderkrankheiten bewegt sich – noch ? – unverändert auf dem Niveau der letzten Wochen.

Die COVID-19-Kinder-Studie des Landes Baden-Württemberg erbrachte nur wenig Erkenntnisgewinn. Getestet wurden 2500 Kinder im Alter von 1 bis 10 Jahren mit jeweils einem Elternteil. Dabei wurde nur 1 Kind-Eltern-Paar positiv (mit Rachenabstrich) getestet. Im Blutest fanden sich bei 45 Erwachsenen und 19 Kindern Antikörper gegen SARS-CoV-2, das Corona-Virus. Kinder zeigten in der Summe also weniger Reaktionen als Erwachsene. Zur Studie hatten sich Kinder und Eltern sich selbst gemeldet. Sie waren also nicht zufällig ausgewählt worden. Das alleine schränkt die Aussagekraft bei so niedrigen Zahlen schon deutlich ein. Tendenziell darf man aber vermuten, dass sich Kinder weniger anstecken als Erwachsene. Zumindest liefert die Studie keine Argumente die Kitas und Grundschulen (mit Notbetreuung) länger geschlossen zu halten. Das hat die Regierung um Ministerpräsident Kretschmann genauso gesehen. Ende des Monats kehrt das Ländle zum Regelbetrieb in Kindergärten und Grundschulen zurück.

Ziege Quelle: pixabay, Doris Metternich

Die Zecken sind im Moment wieder sehr aktiv. Das zeigt sich auch an den Fallzahlen für die FSME (Früh-Sommer-Meningo-Encephalitis), einer Virus-bedingten neurologischen Infektion nach Übertragung durch die kleinen Spinnentiere. So hat sich die Zahl in Baden-Württemberg sprunghaft um 12 Neuerkrankungen in der letzten Woche auf insgesamt 57 für das Jahr 2020 erhöht.

Aus Frankreich werden 37 FSME-Neuerkrankungen nach Genuss von Ziegenmilch und Rohmilchkäse der Firma ,,GAEC des Chevrettes du Vieux Valey‘‘ in Condamine berichtet. Die Zecke am eigenen Körper zu suchen und zu finden reicht also alleine nicht aus, um sich zu schützen. Die Bedeutung der FSME-Impfung wird deswegen immer größer.

Was geht in der Welt rum? Erneut befällt das Dengue-Fieber Menschen in verschiedenen Ländern rund um den Äquator. In Singapur sind es in diesem Jahr 10.995 Menschen, in Thailand sind es 10.940,  in Sri Lanka gar 20.870, die erkrankten. Etwa jeder Tausendste verstirbt an dieser durch Mücken übertragenen, grippeähnlichen Infektionskrankheit. Eine Impfung gibt es bislang nicht. Vorbeugend hilft Mückenschutz vor den tagaktiven Überträger-Mücken.

Denken Sie schon an einen Urlaub in Europa? Dann finden Sie auf dieser Informationsseite der Europäischen Union weitere Hinweise unter welchen Bedingungen sie in ein bestimmtes Land in Europa einreisen können.

Ich wünsche Ihnen ein entspanntes und sonniges Wochenende. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff

Allergisch nur gegen männliche Hunde?

Allergisch nur gegen männliche Hunde? Das hört sich seltsam an. Spiel aber tatsächlich eine grössere Rolle als gedacht. Wie kommt das?

Zur Diagnose einer Allergie ist der Haut-Allergietest (Prick-Test; englisch: skin prick test – SPT) die erste Maßnahme. Dazu könnten die Haare eines Hundes verwendet werden. Meistens wird aber eine standardisierte Lösung angewendet, in der die verschiedenen allergischen Anteile  des Allergens eingearbeitet sind. Zur Bestätigung wird häufig noch ein serologischer Test aus dem Blut durchgeführt, über den das Immunglobulin E (IgE) – ein Marker für eine mögliche Allergie – sowie das spezifische IgE gegen Hundehaare bestimmt werden kann. Kurz: zur Diagnose einer Hunde-Allergie wird üblicherweise ein Hauttest und ein Blutest durchgeführt.

In den letzten Jahrzehnten hat die Allergologie immense Fortschritte gemacht. Inzwischen sind unterschiedliche Moleküle als Bestandteile des Hunde-Allergens bekannt. Diese molekularen Bausteine nennen sich: can f 1, can f 2 …. bis can f 7. Das wichtigste unter diesen Allergenen ist can f 1, gegenüber dem die meisten gegen Hunde allergischen Menschen reagieren („Major-Allergen“). Es kommt im Hundehaar, -Speichel und -Urin vor. Das can f 5 ist ebenfalls ein Major-Allergen. Dieses wird jedoch in der Prostata des männlichen Hundes gebildet und kommt praktisch nur im Urin eines männlichen Hundes vor.

In einer kleinen Studie, hat die innovative Arbeitsgruppe um den dänischen Kinderallergologen Hans Bisgaard herausgearbeitet, dass es Kinder und Jugendliche gibt, die nur gegen dieses can f 5 allergisch sind. Das bedeutet: Diese Gruppe von Kindern ist damit nur allergisch gegen männliche Hunde.

Was geht rum? 13. Juni 2020

Erste Pressestimmen sprechen inzwischen über die Kinder in der Coronakrise. Meist noch unter dem Titel, dass Kinder ein Recht auf Bildung haben. Das ist schon mal gut. Kinder und Jugendliche sollten aber auch ein Recht zugesprochen bekommen, wieder mehr gemeinsam machen zu dürfen: Mit anderen Kindern im Sandkasten. Oder in Jugendzentren abhängen. Ohne gleich „gebildet“ zu werden. Für ihre Entwicklung ist das mindestens genauso wichtig, macht den meisten jedoch erheblich mehr Spaß.

Altersanteil der COVID-19-Erkrankungen über die Kalenderwochen 10 bis 21 Quelle: RKI

Die Virologen um Prof. Drosten sind noch zögerlich, den Kinder und Jugendlichen mehr Freiheit im öffentlichen Raum zuzugestehen. Ein wichtiger Grund ist, dass seit dem Höhepunkt der Corona-Pandemie, also seit Ende März, der prozentuale Anteil der Kinder und Jugendlichen (0-20 Jahre) an allen Erkrankten immer mehr ansteigt. Andere Daten sehen eine Verbreitung der Infektion unter Kindern gelassener. Wie auch immer, wir sollten langsam versuchen, Kindern mehr Freiheit zu geben. Für die Beschränkung der elementaren Bedürfnisse von Kindern liegen keine ausreichenden Gründe vor. Einige Bundesländer wie Schleswig-Holstein haben jetzt damit begonnen, diese Freiheiten für Kinder wiederherzustellen. Neue Hoffnungen.

Gräserpollenkonzentration der letzten Woche am Bodensee Quelle: pollenundallergie.ch

Nach den regenreichen Tagen sind die Pollen seit gestern in Hochform. Gräserpollenallergiker sollten erstmal vorsichtig sein. In den kommenden Tagen ist mit einem leichten Rückgang der Pollenbelastung zu rechnen, sofern kein bedeutsamer Wind hinzukommt.

Infekte? Noch immer fast Fehlanzeige. Welch ein Glück für Kinder und Jugendliche.

Was machen die Kinderkrankheiten? Bei den Masern wurde die vorletzte Neuerkrankung in der 9. Kalenderwoche in Baden-Württemberg gemeldet. Der Lockdown hat in den folgenden Wochen dazu geführt, dass keine Masern mehr auftraten. Nun ist in der letzten Woche erstmals wieder eine neue Infektion aus Reutlingen gemeldet worden – nach 12 Wochen Pause also jetzt der Erkrankungsfall Nummer 26 in diesem Jahr. Im letzten Jahr waren es zur gleichen Zeit 67 Betroffene.

Was geht in der Welt rum? Bald dürfen wir wieder reisen. Aber nur in Europa. Auch hier können uns Krankheiten begegnen. Sogar in der so idyllischen Schweiz, wo in diesem Jahr bereits 67 Erkrankungen an FSME (Frühsommer-Meningo-Encephalitis) gesichert wurden, mehr als im bisherigen Rekordjahr 2018. Die Zecken machen also an der Grenze nicht Halt. Im angrenzenden Baden-Württemberg haben in der letzten Woche 9 neue Fälle die Zahl der Betroffenen auf 42 hochschnellen lassen. Gemessen daran, dass im Ländle aber 2.5 Millionen Menschen mehr leben, ist die Zahl erstaunlich gering. In jedem Fall: Vorsicht vor Zecken. Egal ob im Ländle oder in der Schweiz. Mehr dazu finden Sie hier.

Am Montag beginnt nach 3 Monaten wieder der Unterricht für alle Kinder und Jugendlichen, im Schichtbetrieb und ausgedünnt. Aber immerhin. Je nach Schule (und Zahl der arbeitenden Lehrer) sind das bis zu den Sommerferien mal knapp 5 Tage Unterricht, mal wochenweise halbtags.

Das Wochenende bringt heute Morgen Sonnenschein und angenehme Wärme, später am Nachmittag wohl mehr Sturm und Regen. Genießen Sie das Wechselspiel. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff

Zöliakie – neuer Stellenwert der Blutwerte

Die Zöliakie ist eine Immunerkrankung, die den gesamten Körper betrifft. Ihre Diagnose ist nicht ganz einfach zu stellen, weswegen sie zu den 10 am häufigsten übersehenen Erkrankungen gehört.

Warum ist das so? Es gibt weder ein Symptom noch eine Untersuchungsmethode, die eine Diagnose sichern. Es gibt jedoch Hinweise, die bei Kindern und Jugendlichen den Verdacht auf Zöliakie begründen. Diese führen wie ein Puzzle zur Diagnose. Zur Sicherung ist in aller Regel eine Vorstellung beim Spezialisten erforderlich, dem Kindergastroenenterologen, erforderlich. Die wichtigsten Hinweise auf die Zöliakie sind in einem Beitrag des praxisblättle vom letzten Jahr zusammengefasst.

Obwohl ungefähr 1% aller Kinder und Jugendlichen von der Zöliakie betroffen sind, dauert es manchmal Monate und Jahre bis die Diagnose gestellt werden kann. In den letzten Jahren hat sich in dieser Hinsicht vieles verbessert. Diese Neuerungen sind in den Zöliakierichtlinien der Europäischen Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung (ESPGHAN) niedergelegt, die zuletzt Anfang 2020 neu veröffentlicht wurden mit zwei wichtigen Änderungen:

  1. Die Untersuchung der Schleimhaut des Zwölffingerdarmes ist weniger wichtig als bisher. diese sog. Biopsie ist nur noch bei speziellen Konstellationen empfohlen.
  2. Im Gegenzug ist die Bedeutung der Serum-Untersuchung deutlich gestiegen. Dort lassen sich die spezifischen Auto-Antikörper treffsicher messen. Ebenso stehen auch genetische Untersuchungen zur Verfügung, die in einzelnen Fällen die Diagnose sicher bzw. ausschließen könne.

An der Therapie hat sich nichts geändert. Sie besteht aus einer konsequenten, lebenslangen glutenfreien Diät. Als „glutenfrei“ gelten Nahrungsmittel mit einem Glutengehalt unter 20ppm (mg/kg).

Sehr hilfreich sind für Betroffene oder Interessierte die interaktiven Onlinekurse, die vom EU-Projekt „Focus IN CD“ kostenfrei angeboten werden.

EXTRA-blättle: Coronaviren bei Kindern (05)

Der Schrecken von Corona scheint in Deutschland zu schwinden. Standen die Pflegekräfte vor wenigen Wochen noch im Fokus, scheint die finanzielle Stärkung dieser Menschen inzwischen wieder vergessen.

Und unser Mitgefühl mit den Kranken? Dazu der Ausschnitt aus einem Beitrag in der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ):  Mit dem Mitgefühl hat es eine seltsame Bewandtnis. So selbstlos, wie man meinen könnte, ist es nicht. Denn: Leidet man wirklich mit denen, die irgendwo weit weg ein schreckliches Schicksal erleiden? Oder denkt man doch in erster Linie an sich selbst, indem
man sich vorstellt, man könnte in eine ähnliche Lage kommen – und empfindet man im Grunde nur Mitleid mit sich selber oder gar ein gut kaschiertes Hochgefühl, weil man selbst nochmals davongekommen ist? 

In diesem vermutlich (und hoffentlich) letzten EXTRA-blättle zu den Coronainfektionen haben wir einige Beiträge zusammengestellt, die im praktischen Leben von Bedeutung sind.

1 Ausbreitung von Coronainfektionen innerhalb der Familie

Eine erste Untersuchung aus China gibt nun Hinweise, dass innerhalb eines Haushaltes Infektionen mit dem Coronavirus begrenzt werden können. Das Tragen eines Mundschutzes sowie die regelmäßige Desinfektionen haben sich als sehr günstig erwiesen. Die Studie beruht jedoch auf nachträglich erhobenen Daten und ist deswegen als weniger aussagekräftig zu bewerten als eine prospektive Studie. Aber immerhin, haben wir hierdurch erste Hinweise.

Ampel in Pontresina Quelle: ptw

2. Wie viele Ampeln gibt es denn?

Jetzt spricht alles von der Ampel, wenn es um die Coronainfektionen geht. In Baden-Württemberg beschreibt die Ampel, in welchen Schritten das öffentliche Leben wieder in die Gänge kommt. So gilt seit Pfingsten die Farbe gelb (Öffnung von Gastronomie, Camping u.a.). Die Farbe rot umfasst Großveranstaltungen  und Festivals – wann dieses Licht aufleuchtet ist im Moment noch unklar.

In Berlin gibt es auch eine Ampel, die etwas komplett anderes aussagt. Dort stellen die drei Farben drei Zahlenwerte dar. Somit kann man hier absehen, wie aktiv das Coronavirus gerade ist.                

(Basis-) Reproduktionszahl „R“ R-Wert < 1,1 = Grün     
R-Wert mindestens 3 Mal in Folge ≥ 1,1 = Gelb
R-Wert mindestens 3 Mal in Folge ≥ 1,2 = Rot 
Inzidenz Neuinfektionen pro Woche Zahl < 20 je 100.000 Einwohner = Grün
Zahl ≥ 20 je 100.000 Einwohner = Gelb
Zahl ≥ 30 je 100.000 Einwohner = Rot 
Anteil COVID-19 Plätze auf Intensivstationen Anteil < 15 % = Grün
Anteil ≥ 15 % = Gelb
Anteil ≥ 25 % = Rot  

Mit dieser Ampel werden bereits kleinere Veränderungen erfasst und farblich deutlich markiert. So steht in Berlin seit dieser Woche ein Licht der Ampel auf rot (R-Faktor drei Tage > 1,2). Also nicht mehr alles im grünen Bereich.

3. Impfstoff gegen Coronavirusinfektionen

Gerade schließen sich Frankreich, Italien, die Niederlande und Deutschland in einer Impfstoff-Allianz zusammen. Ziel ist, möglichst schnell einen Impfstoff gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 zu entwickeln. Und das offensichtlich ohne die USA.

Auch wenn weltweit über 130 Impfstoffkandidaten geprüft werden, dürfen wir nicht sicher sein, dass bald ein guter Impfstoff zur Verfügung steht. Prof. Dr. Streeck aus Bonn hat diese Zweifel zusammengefasst: „Gegen HIV wurden schon über 500 Impfstoffe konstruiert, aber keiner hat funktioniert“, sagte er. Man müsse sich auch auf die Möglichkeit einstellen, dass kein Impfstoff gefunden werde. „Das Virus ist da und wird bleiben. Und wir müssen uns darauf einstellen, damit umzugehen“.

Eine weitere Frage bleibt ebenso: Wenn wir je einen guten Impfstoff haben sollten, werden sich dann auch genügend Menschen impfen lassen um eine Herdenimmunität zu erzielen?

Aerosol beim SongKran-Fest in Thailand Quelle: ptw

4. Ansteckung über Tröpfchen (Aerosole). Was bedeutet das im praktischen Leben?

im Lancet erschien kürzlich eine Arbeit über die Verteilungsmuster von Tröpfchen aus der Atemluft von Menschen. Die niederländischen Autoren um G Aernout Somsen zeigten darin auf, dass die großen Tröpfchen, die beispielsweise beim Niesen auftreten (100 – 1000 µm Durchmesser) wohl kaum eine Rolle spielen, weil sie innerhalb einer Sekunde zu Boden sinken. Anders die kleinen Tröpfchen: Diese meist 5µm großen Wassertröpfchen bleiben, wenn sie aus 160 cm Höhe abgeatmet werden sehr lange in der Luft und bilden das Aerosol. Sie benötigen 9 Minuten, bis sie am Boden landen.

Eine entscheidende Rolle spielt hierbei die Raumlüftung. Im Idealfall bei künstlicher Belüftung und offenen Türen halbiert sich die Zahl der Tröpfchen in der Luft.

Und was machen Masken? Die einfachen chirurgischen Masken können für den Maskenträger 30% der Tröpfchen bei der Einatmung abfangen. Für die Ausatemluft ist die Rate deutlich besser. Wer eine Maske trägt schützt also vorwiegend die Menschen um sich herum, sich selbst aber nur wenig. Maskentragen als soziale Verantwortung.

Was geht rum? 06. Juni 2020

Für die allergischen Kinder und Jugendlichen kommt an diesem Wochenende eine kleine Erholungspause. Mit dem Regen dieser Tage werden die Pflanzen aber wieder neue Pollen bilden können, die sich zur Wochenmitte bei ansteigenden Temperaturen ausbreiten werden. Dann wird sich die Saison der Gräserpollen fortsetzen.

Auf die Infekte hat das Wetter wohl keinen Einfluss. Sporadische Infekte sind immer möglich, es gibt aber keine eindeutigen Trends. Auffallend ist nur, wie selten Infektionen auftreten: Die Zahl der Rotavirus-Infektionen (Magen-Darm-Grippe) liegen in diesem Jahr gegenüber 2019 um mehr als 75% niedriger. Und, in ganz Baden-Württemberg trat in dieser Woche kein einziger Fall von Masern, Mumps oder Röteln auf. An Kinderkrankheiten spielt nur Scharlach, Windpocken und Keuchhusten eine Rolle. Aber nur eine kleine!

Die Erkrankungen mit dem Coronavirus sind in Baden-Württemberg auf sehr niedrigen Niveau angekommen. Pro 100.000 Einwohner sind – Stand 04.06.32020 –  genau 1,2 Personen davon betroffen. Die Schwankungen bewegen sich von Werten über 6 (Schwarzwald-Baar) bis zu 0 (Breisgau-Hochschwarzwald, Bodenseekreis, Freudenstadt, Göppingen, Konstanz, Lörrach, Ravensburg, Sigmaringen, Tuttlingen, Waldshut, Baden-Baden). Das ist nur eine Momentaufnahme, die Zahlen können sich schnell ändern. Wir sollten sorgsam mit der gebesserten Situation umgehen. Ein zentrales Ziel sollte weiterhin sein, den Kindern und Jugendlichen möglichst bald ein unbeschwertes und freies Leben in der Gruppe möglich zu machen. Auf den Absacker in der Bar, sollten wir solange verzichten.

Was geht in der Welt rum? Die Demokratische Republik Kongo erlebt gerade wieder einen Ausbruch von Ebola hämorrhagisches Fieber (EHF) in der Provinz Équateur. Noch sind es erst 3 gesicherte und 3 Verdachtsfälle. Vorsicht in angesagt, denn vor 2 Jahren nahm dort der schwere Ebola-Ausbruch seinen Anfang.

Traumstrände. Kein Mensch, Natur pur. Quelle: ptw

Zieht es Sie und Ihre Familie wieder in den Urlaub in Europa? Dann vergessen Sie nicht, über eine Auslandskrankenversicherung nachzudenken. Nein, wir vom praxisblättle werden von keinem Versicherungsunternehmen gesponsert. Es stimmt, dass die gesetzliche Krankenkasse prinzipiell für Krankheitskosten in der Europäischen Union, in Island, Liechtenstein und Norwegen und einigen anderen Ländern für einen Anteil der Arzt- und Krankheitskosten aufkommt. In der Regel erstattet sie nur einen Teil der angefallenen Kosten. Bei der Erstattung von Medikamenten-Kosten wird es oft noch schwieriger. Eine Auslandskrankenversicherung kostet hingegen für eine Familie um die 20 € fürs ganze Jahr. Fast immer eine lohnende Sache.

Ausgedehnte Wanderungen werden wohl die wenigsten an diesem Wochenende unternehmen. Es sieht eher nach nass-kaltem Wetter aus. Egal, ob Sie nun Ihr Haus aufräumen oder mit den Kindern einen ausgedehnten Spiele-Nachmittag verbringen – genießen Sie die Abwechslung. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff