Kategorie: Aktuell

Was geht rum? 29. Februar 2020

Auch in dieser Woche war die Influenza die beherrschende Krankheit für Kinder, Jugendliche und Erwachsene in Baden-Württemberg. Nachdem das Coronavirus SARS-CoV-2 nun in Baden-Württemberg angekommen ist, steht dennoch die Sorge vor einem Ausbruch von Corvid-19 im Zentrum. So nennt sich die Erkrankung, über die Experten spürbar mehr wissen, als noch im Januar. So liegt das Risiko an der Grippe (Influenza) zu versterben bei 0.1-0.2%. Beim Corvid-19 liegt es bei 1-2% – also 10 Mal höher.

Häufigkeit der Arztbesuche nach Kalenderwoche in Baden-Württemberg wegen einer Atemwegserkrankung. Klare Tendenz: Rückgang der Infekte seit 2 Wochen Quelle: AG Influenza

Noch ist die Influenza aber in Baden-Württemberg deutlich häufiger (neueste Zahl der gemeldeten (!) Erkrankten in Baden-Württemberg: 13935) und somit effektiv das grössere Risiko für alle Menschen. Für diese Erkrankung, die Grippe, sind uns die Gefahren seit über 100 Jahren bekannt. Was wir wissen:

Erstens: Die Influenza unterliegt jährlichen Schwankungen, die kaum vorhersehbar sind. Das Virus ändert seine Struktur ständig bei seiner Wanderung um den Erdball. Und wir hoffen, dass – wie in den letzten Jahren – alles wieder gut geht. Danach sieht es im Moment aus.

Zweitens: Wir wissen, dass das Influenza-Virus dazu fähig ist, eine Pandemie auszulösen. So zeigte es vor 100 Jahren eine enorme Virulenz (krankmachende Wirkung) bei der spanischen Grippe. Damals starben von 1918 bis 1920 etwa 25 Millionen Menschen an der Influenza.

Drittens: Wir haben seit vielen Jahren eine Impfung. Mit Rechenmodellen wird jährlich versucht die richtige Zusammensetzung dieses 4-fach-Impfstoffes zu berechnen. In diesem Jahr ist das gut gelungen. Die diesjährige Grippeimpfung hilft bei der jetzigen Grippewelle in Europa ordentlich, aber – wie immer – leider nicht perfekt.

Die Grippewelle dieses Jahres ist deutlich, aber nicht massiv. Sie vermag aber kaum in die Schlagzeilen der Medien zu kommen. Das schafft das Coronavirus, wobei dessen Ausbreitung seit Tagen zunimmt. Das amerikanische CDC (Center for Disease Control) – das Gegenstück zum deutschen RKI – vertritt inzwischen die Meinung, dass eine Pandemie nun unvermeidlich sei. Auf die interaktiven Karte des CSSE der renommierten Johns Hopkins University, finden Sie jeweils die aktuellen Zahlen weltweit. Wir schauen die Nachrichten mit gewisser Sorge an.

Die Sorge vor dieser Erkrankung ist sicher berechtigt. Die Vorsorge  ist aber auch recht einfach. Wir wissen, dass sich das Coronavirus SARS-CoV-2 über Schmierinfektion und auch Tröpfcheninfektion ausbreitet. Das Risiko, dass wir das Virus mit den Händen z.B. an Türklinken aufnehmen und mit unseren Händen danach ins Gesicht wischen ist groß. Ansteckung von Person zu Person ist nur bei recht engem Kontakt möglich. Fragen zum Coronavirus beantwortet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung wieder einmal perfekt. Was Sie konkret als Vorsorge sofort tun können kurz zusammengefasst hier:

  • Die wichtigste Maßnahme: Ausreichende Hygiene der Hände. Händeschütteln bei Begrüßung ist freundlich, im Moment aber nicht sinnvoll.
  • Da die Hände auch viele andere Kontakte haben: Häufiges Händewaschen und/oder Desinfektion, ganz besonders nach Kontakt zu kranken Personen. Händewaschen mit Seife verringert die Zahl der Keime um das Tausendfache!
  • An Orten mit vielen Menschen (z.B. im Supermarkt) kann Übertragung durch Schmierinfektion an Türklinken, Griffen (Kühltruhe) und auch Wasserhähnen stattfinden. Danach immer Hände waschen oder desinfizieren.
  • Reisen in Zügen/ Flugzeugen sollten wenn möglich zunächst aufgeschoben werden. Falls dies nicht möglich ist: große Menschensammlungen soweit möglich meiden.
  • Vorsicht bei Kontakten zu Personen, die an Atemwegserkrankungen (besonders Husten) erkrankt sind. Schnupfen hingegen ist eher typisch für die Influenza (Grippe).
  • Das Tragen eines Atemschutzes (am besten FFP3-Masken, mindestens aber FFP2-Masken) ist nur bei engen Menschenkontakten sinnvoll. Die üblichen „OP-Masken“ schützen Ihre Umgebung aber nicht Sie selbst! Der Schutz der Masken lässt relativ bald nach. Wenn sie feucht werden, kann sich der sogar ins Gegenteil wenden und der Mundschutz zum Risiko werden.
  • Bei hustenden Menschen Abstand halten. Bei > 2 Meter Abstand ist eine Ansteckung weitgehend ausgeschlossen
  • Husten und Niesen am besten in ein Papiertaschentuch, das direkt danach sicher entsorgt wird. Ist das nicht möglich, in die Ellenbeuge niesen. 

Wir können uns also recht gut selbst schützen. Sorgen wir vor und machen uns und andere nicht verrückt. Dazu gibt es keinen Grund!

Über die Vorsorge gegenüber den Coronaviren sollten wir nicht die vielen verschiedenen Infekte vergessen, die unsere Kinder aktuell plagen. Leider gibt es ja noch die RS-Viren, Rhinoviren, Adenoviren, Moraxella und wie sie alle heißen. Sie machen unsere Kinder krank. Aber diese Infektionen sind bei weitem nicht so gefährlich. Andere Erkrankungen wie Krupphusten und Mittelohrentzündungen scheinen im Moment kaum eine Rolle zu spielen.

Es gibt auch Gutes zu vermelden: Die Haselblüte schwächt sich ab, die Erlenblüte ist im Gange. Die Wetterbedingungen lassen aber für die kommenden Tage nur einen schwachen Pollenflug zu. Gut für die allergischen Kinder und Jugendlichen.

Die Windpocken sind in einigen Regionen des Landes ausgebrochen: Hochschwarzwald, Ortenaukreis, Region Heidelberg/Mannheim, Ludwigsburg und Stuttgart.

Ab morgen tritt formal die Masernimpfpflicht in Kraft. Ab dann müssen Sie als Eltern vor der Aufnahme ihrer Kinder in den Kindergarten oder die Schule nachweisen, dass ihr Kind geimpft ist. Für Kinder, die bereits im Kindergarten oder der Schule sind, muss der Nachweis bis zum 31. Juli 2021 erfolgen. Bei Verstößen kann ein Bußgeld bis zu 2500 € verhängt werden. Details zum Gesetz finden Sie hier. Detaillierte und klar dargestellte Informationen sind besser hier nachzusehen. Wie Regelung praktisch umgesetzt wird, wird sich zeigen.

Was geht in der Welt rum?  Das Problem Nummer ein ist das Coronavirus SARS-CoV-2. Es betrifft so viele Länder inzwischen, dass wir empfehlen, auf die aktuellen Meldungen zu achten. Eine ausführliche und mehrfach aktualisierte Beurteilung finden Sie auch hier im praxisblättle. Aktuelle Nachrichten finden Sie auch beim Bundesgesundheitsministerium.

In Moçambique trat in einigen Landesteilen Cholera auf. Für Reisende wird deswegen eine Impfung gegen Cholera empfohlen. Das Risiko daran zu erkranken bleibt für Touristen aber sehr gering. Problematischer ist das Risiko auf Sansibar an Malaria zu erkranken. Hier besteht neuerdings die klare Empfehlung einer Malariaprophylaxe (also nicht nur für das Festland von Tansania) .

Was geht rum? 22. Februar 2020

Narri… Narro! Jetzt ist Fasnet im Südwesten. Die Narren sind unterwegs, gehen in die Besenwirtschaften oder ganz gesittet zu Faschingsbällen. Gute Gelegenheiten für die Viren, zu zeigen was sie können. Am Schluss bleibt aber unser Immunsystem meist der Sieger. Und nebenbei freuen sich unsere Abwehrzellen über ein bisschen Aktivität. In dieser Beziehung sind die Zellen wie Sportler, die es „einfach wissen wollen“. Im Zusammenhang mit dem Kontakt zu Erregern vermehren sie sich und mit ihnen die Stärke der Immunantworten.

Influenza in Baden-Württemberg (7. KW 2020) Quelle: influenza.rki.de

Alle Menschen bleiben natürlich nicht gesund. Das Angebot an Erregern ist im Moment hoch. Zu allererst natürlich die Influenza. Im Moment (18.Februar) sind insgesamt 19723 Menschen in ganz Deutschland daran erkrankt, davon alleine in Baden-Württemberg 10.902 Personen. In der Graphik links sind die am heftigsten betroffenen Gebiete rot gezeichnet (z.B. Bodenseekreis mit 160 neuen Meldungen in einer Woche). Beruhigend ist wenigstens, dass die Antigene der Impfung mit den Viren übereinstimmen, die die Influenza gerade auslösen. Die Impfung könnte also wirken.

Neben der Grippe, die Kinder und Jugendliche kräftig mit Schnupfen, trockenem Husten und schwerem Krankheitsgefühl plagt gibt es auch Atemwegsinfektionen mit anderen Viren, die weniger heftig sind. Dabei kommt es zu Schnupfen und Husten, teilweise aber auch zu Mittelohrentzündungen (die auch bei der Grippe auftreten kann). Einige Säuglinge erkranken auch an RS-Viren, was nicht selten eine stationäre Behandlung wegen Atemproblemen und Trinkstörungen nach sich zieht. Tendenziell scheinen die Infektionen aber langsam ihren Rückzug anzutreten.

Und dann kommt über das Wochenende wieder ein kleiner Hauch von Frühling. Darüber freuen sich die Narren im Ländle. Für die allergischen Kinder und Jugendlichen wird es aber schwierig. Es sind sehr hohe Konzentrationen bei den Hasel- und Erlenpollen, besonders am Bodensee und Oberrhein, zu erwarten. Kinder mit Allergien gegen diese Pollen sollten – ggf. in Absprache mit dem Kinder- und Jugendarzt – auf Beschwerden an Nase, Augen und Bronchien vorbereitet sein.

Rückruf Emerade-Notfallspritze: Wichtig für Allergiker, die mit einem Adrenalin Notfall-Pen ausgestattet sind. Die Herstellerfirma gibt bekannt, dass sie die Produkte „Emerade 150/300/500 Mikro­gramm Injektionslösung in einem Fertigpen“ wegen eines Fehlers zurückzieht. Das betrifft alle Pens, die mit einem Verfallsdatum bis 10/2020 gekennzeichnet sind. Die Patienten sind gebeten, sich einen anderen Adrenalin-Injektor verordnen zu lassen und danach den Emerade© zurückzugeben. Am besten ist eine kurze Rücksprache mit dem Kinder- und Jugendarzt. Im Vordergrund steht die Sicherheit im allergischen Notfall geschützt zu sein.

Was geht in der Welt rum? Viele Jugendliche und junge Erwachsene haben heute ferne Reiseziele im Auge. Dazu zählen bei manchen die Seychellen und bei sehr vielen Neuseeland. In diesen beiden Regionen breiten sich gerade die Masern aus. Gerade in Auckland wurden bereits 1735 Fälle registriert. Die meisten der Reisenden dürften zwei Impfungen (in der Regel sog. MMR-Impfungen) aufweisen. In diesem Fall ist der Impfschutz perfekt, wenngleich nicht 100%, was Impfungen nie erreichen können. Alle, die keine zwei Masern-Mumps- oder Masern-Mumps-Röteln-Impfungen aufweisen, sollten unbedingt vor Abreise nachgeimpft werden.

Die Daten zu Sars-CoV-2 („Coronavirus“) ändern sich täglich. Aktuelle Informationen können über das Bundesgesundheitsministerium oder ausführlicher das Robert-Koch-Institut bezogen werden.

Mobbing in der Schule

Das Thema Mobbing (engl. to mob: schikanieren) ist besonders in Schulen bedeutsam. Trotz langer Diskussionen mit Schülern und deren Eltern (auch an Elternabenden) sind die Bemühungen, Mobbing zu verhindern oder wenigstens einzuschränken, begrenzt. Das belegt auch die PISA-Studie 2017 die zeigt, dass etwa jeder sechste 15-jährige Schüler in Deutschland von Mobbing betroffen ist. Seit Jahren wird das Thema durch das zunehmende Cybermobbing, das sich häufig in der Anonymität versteckt, verstärkt. Kinder- und Jugendärzten ist dieses dramatische Problem aus dem Alltag gut bekannt.

Nun gibt es von der Techniker-Krankenkasse (TK) und der „Beratungsstelle Gewaltprävention“ der Behörde für Schule und Berufsbildung in Hamburg das Programm „Gemeinsam Klasse sein“ als Anti-Mobbing-Projekt. Bundesweit. Damit können Schulen kostenfrei Materialen nutzen, die sich für die Jahrgangsstufen fünf bis sieben eignen.

Bleibt nur zu hoffen, dass dieses Programm gut angenommen wird. Von Lehrern, denen als sog. Multiplikatoren viel Vorarbeit ins Haus steht. Von Eltern, deren Mitarbeit enorm bedeutsam ist. Und insbesondere natürlich von den Schülern in den Kassen, die durch das Programm zu Experten in der Abwehr von Mobbing werden. Schüler sind die Experten, die ihre Eltern aufklären.

Wo über Mobbing geredet wird darf man hoffen, dass es weniger oft vorkommt.

Was geht rum? 15. Februar 2020

Nun sind wir in der Grippewelle angekommen. Für die meisten Familien kein Grund zu echter Sorge. Es kann alle treffen, die Geimpften halt weniger als die nicht Geimpften. Dennoch möchte jeder vermeiden krank zu werden. In den nächsten Tagen sollten wir vielleicht vom Ritual des Händeschüttelns Abstand nehmen. Und wir können die Hände immer wieder mal desinfizieren – sie stehen im Zentrum der Übertragung – und gleich auch die Türgriffe. Das alles wird helfen, obwohl wir uns die Grippe trotz allem einfangen können.

So ganz ohne Infekte wird’s in diesem Winter nicht abgehen. Es gibt noch viele andere Viren, die unser Immunsystem auf Trab halten können. Unsere Kinder begegnen in Kindergarten und Schule einer bunten Vielfalt von Viren und anderen Erregern. Da kann das eigene Immunsystem vor dem einen oder anderen Virus mal kurz in die Knie gehen, was meist nur einen Schnupfen zur Folge hat. Wichtiger ist, dass unser Körper daraus lernen und weitere Abwehrkräfte in seiner Schatztruhe lagern wird. Und das Schöne ist: Beim nächsten Infekt muss nicht lange in der Truhe gesucht werden: Unser Körper hat ruck-zuck seine Abwehrmaßnahmen parat und kann sich wehren. Also keine Angst: ein Schnupfen zeigt auch an, dass unser Immunsystem fit ist.

Die Magen-Darm-Infektionen kommen im Moment eher selten vor. Das liegt an den Rotaviren, die sich im Moment im Ruhemodus befinden, einzelne Ausbrüche von Noroviren in Kindertagesstätten (oder Seniorenheimen) spielen da kaum eine Rolle. Noch liegen die gemeldeten Erkrankungen mit Rotaviren niedrig. In der letzten Woche waren es in Baden-Württemberg gerade einmal 16 Betroffene. In den nächsten Wochen wird sich das ändern. Dann werden die Rotaviren deutlich zulegen. Aus diesem Grund haben wir in zehn Tagen einen Beitrag im praxisblättle vorbereitet.

Noch sind es also die Infektionen der Atemwege, die das Feld beherrschen. In erster Linie Schnupfen und Halsschmerzen (Rhinopharyngitis). Daneben aber auch Bronchitis (oft durch das RS-Virus) und Bronchopneumonie (Lungenentzündung). Auffällig häufig sind Mittelohrentzündungen.

Aus dem Ortenaukreis wurden in der letzten Woche 9 Masernfälle gemeldet. Im gesamten Ländle kamen zwei weitere hinzu. Im Rhein-Neckarkreis sind es die Windpocken, die rumgehen.

Was geht in der Welt rum? Mit dem DengueFieber kann man eine Weltreise erleben. Hier im praxisblättle ist es fast monatlich Thema. Und jedes Mal in einem anderen Land. Momentan verbreitet es sich in Mexiko (6.100 Erkrankungen in diesem Jahr), in Paraguay (35.800 Erkrankungen in diesem Jahr) und Guadeloupe in der Karibik (über 1000 Erkrankungen in diesem Jahr). Insektenschutz besonders tagsüber ist die beste Maßnahme um sich zu schützen.

Grotesk aber wahr. Manche Firmen investieren inzwischen in Babys wie hier zu lesen ist. In den Vereinigten Arabischen Emiraten ist in den vergangenen knapp 60 Jahren die Geburtenrate von 6.9 Kindern pro Frau auf 1.4 Kinder (2017) zurückgegangen. Hier will die Regierung gegensteuern und bietet bis zu 3 In-vitro-Fertilisationen kostenlos an. In der Wirtschaft rechnet man damit, dass dieser Sektor damit ein Wachstumspotential von jährlich 15 Prozent haben dürfte. Das lockt das große Geld an, an dieser Entwicklung teilzuhaben. Ob das ganze erfolgreich sein wird? Vieles spricht dagegen. Kinderwunsch bleibt ein Wunsch zwischen zweien.

Welches Risiko haben Säuglinge an Masern zu erkranken?

Kinder in Deutschland werden gemäß dem aktuellen Impfplan der STIKO (Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut) im Alter von 11 bis 14 Monaten erstmals gegen die Masern geimpft. Der Zeitpunkt ist so gewählt, weil man davon ausgeht, dass Kinder zuvor über mütterliche Abwehrstoffe (Antikörper) vor Masern geschützt seien. Diese werden während der Schwangerschaft auf das Kind übertragen. Aber reicht die Wirkung der mütterlichen Antikörper tatsächlich bis zur geplanten Impfung?

Eine Studie aus Kanada lässt nun Zweifel aufkommen. Die Forschergruppe um Michelle Science aus Toronto untersuchte die schützenden Antikörper gegen Masern bei Säuglingen. Bei den knapp 200 untersuchten Säuglingen fand sie, dass im Alter von 1 Monat 80% von aller Säuglinge einen sicheren Schutz vor Masern hatten. Im Alter von 3 Monaten waren es nur noch 8%, während mit 6 Monaten kein Säugling mehr über einen ausreichenden Schutz gegen Masern verfügte. Damit steht zu befürchten, dass Säuglinge über viele Monate vor der ersten Impfung nicht vor Masern geschützt sind.

Die untersuchte Gruppe von Säuglingen ist mit 196 Säuglingen klein. Aber das Ergebnis muss uns wachsam machen. Bisher dachten wir, dass Kinder bis zur ersten Masernimpfung in den meisten Fällen gut geschützt seien. Das sind sie vermutlich nicht. Das sollten alle Eltern wissen, in deren Umgebung ein Masernausbruch auftritt. Und das sollte auch bei Reisen in ferne Länder beachtet werden.

Wasserpfeife: vermutlich erhöhtes Risiko für Tuberkulose

Aus der Schweiz berichtete kürzlich in einer kurzen Veröffentlichung Anna Ursula Marchetti von einem 20-jährigen Mann aus dem Spital Uster bei Zürich. Er hatte sich in einer Klinik wegen  Bluthustens in der Notfallambulanz vorgestellt.

CT-Bild der cavernösen Tuberkulose bei dem beschriebenen 20 jährigen Schweizer Foto: European Journal of Case Reports in Internal Medicine

Weitere Nachforschungen ergaben, dass er bereits seit 3 Monaten produktiven Husten hatte. Die Computertomographie (CT) zeigte dann den Befund einer Tuberkulose. Der junge Mann rauchte regelmäßig bis zu 5 Mal pro Woche mit Freunden Wasserpfeife. Andere belastende Faktoren wurden nicht festgestellt.

Die Ärzte gehen davon aus, dass er sich die Infektion durch Kontakt beim Rauchen zugezogen hatte. Das Rauchen der Wasserpfeife bedeute eine mehr als 10 Mal so höhere Inhalation gegenüber dem Zigarettenrauchen. Zudem fänden Bakterien wie das Tuberkulosebakterium ein ideales Medium im Wasserbehälter, der von Mitrauchern mitgenutzt würde.

Rauchen von Wasserpfeifen muss somit als Risikofaktor für die Entwicklung einer Tuberkulose in Betracht gezogen werden. Vom Rauchen einer Wasserpfeife ist bei Jugendlichen abzuraten.

Was geht rum? 08. Februar 2020

Letzte Woche haben wir unsere Umfrage abgeschlossen. Hunderte Leser des praxisblättle haben teilgenommen. Mit einer solchen Resonanz hatten wir tatsächlich nicht gerechnet. Ihnen allen möchte ich im Namen des Teams für Ihr Engagement danken. Wir werden in nächster Zeit die Ergebnisse und auch Ihre persönlichen Ideen genau studieren und soweit möglich, umsetzen.

Zunächst stellt sich für viele die Frage: Soll ich Angst vor dem Coronavirus haben oder, ganz altmodisch, vor dem Influenza-Virus? Ganz ehrlich, niemand kann diese Frage heute abschließend beantworten. Eines ist sicher: Die Influenza geht ihren Weg in Deutschland und in Baden-Württemberg. Wie heftig die Grippe uns und die Kinder und Jugendlichen erwischt, weiß allerdings niemand. Das beurteilen gewisse Propheten – alle Jahr wieder – anders. Diese wollen im Sommer aber nichts mehr davon hören, was sie im Winter gepredigt hatten. Beim Coronavirus läuft es wohl auf die Frage hinaus, ob auch in einem zweiten Land außerhalb Chinas eine Epidemie ins Rollen kommt. Dann dürfte es nach Ansicht ernsthafter Wissenschaftler wie Julien Riou und Christian L. Althaus von der Universität in Bern deutlich schwieriger werden, das Virus einzudämmen. Ihre komplexen Überlegungen finden sie hier zum Nachlesen.

Die Grippewelle in Baden-Württemberg hat eingesetzt. Am Mittwoch (06.02.) waren 6430 Erkrankungen gesichert (alle Altersgruppen). Von diesen sind bislang in diesem Jahr 12 Menschen verstorben.

Viel häufiger als Influenza sind bei uns wie immer die „banalen Infekte“. Banal, weil sie von Gesunden beurteilt nicht gefährlich sind. So weit so gut. Für betroffene Kinder und Jugendliche sieht die Sache ganz anders aus. Nehmen wir als aktuelles Beispiel den Schnupfen. Tagsüber nicht schlimm, aber doch etwas mühsam mit Schniefen, Niesen und Mattigkeit. Und nachts ist ein erholsamer Schlaf kaum möglich: Schlafen mit offenem Mund, trockene Schleimhäute, Reizhusten und immer das Gefühl keine Luft zu bekommen. In der Summe nicht banal. Zum Glück steht man nicht alleine da, es geht momentan vielen so.

Regional werden vermehrt Erkrankungen mit Streptokokken beobachtet. Darunter sind auch viele Kinder, die an Scharlach erkrankt sind. Damit ist der wirkliche Scharlach gemeint, also die Krankheit, die mit einem Ausschlag einhergeht. Aber darüber hatten wir im praxisblättle ja schon mal berichtet. Wer nochmal nachschauen möchte, findet hier den Betrag zum Scharlach.

Haselpollenflug der letzten Woche. Quelle pollenundflug.ch

Als ob nicht schon genug rum-ginge, haben auch die Pollen ihren Höhenflug. In den letzten Tagen reichten einstellige Temperaturen, um sie freizusetzen. Nun hilft der Südwestwind dieses Wochenendes um Hasel- und Erlenpollen weiter zu verbreiten. Ein Glück, dass Allergien gegen diese Pollen bei Kindern nicht so oft vorkommen.

Was geht in der Welt rum? Aktuell spielt das Gelbfieber wieder eine grössere Rolle. Das sollte übrigens nicht mit der Gelbsucht verwechselt werden. Letztere ist nur ein Symptom und bedeutet, dass die Haut gelb ist. Medizinisch nennt man das: Ikterus. Im Zusammenhang von Reisen wird er zumeist durch das Hepatitis A-Virus ausgelöst. Das Gelbfieber hingegen ist eine extrem schwere und oft tödliche Erkrankung, ausgelöst durch das Gelbfiebervirus. Momentan sind viele Länder betroffen. In Afrika sind das Mali (in 2019 wurden 41 Erkrankungen erfasst, 5 endeten tödlich), Uganda (im Januar 5 Erkrankungen, 3 Todesfälle) und Nigeria (in 2019 genau 4190 Erkrankungen und 207 Todesfälle). Daneben ist Brasilien betroffen (landesweit seit Juli 2019 327 Erkrankungen, 1 Todesfall). Es gibt eine hervorragend wirksame Impfung. Diese muss nur einmal verabreicht werden und wirkt danach lebenslang. Wichtig bei Reisen sind immer auch aktuelle Informationen, da das Virus sich regional verändern kann. Gerade in Brasilien wurde dies oft beobachtet. Was also heute aktuell ist, muss morgen schon nicht mehr stimmen.

Tablets sind ein Risiko für Kinder

In einer vor kurzem veröffentlichten Studie legten Forscher erstmals Daten vor, die sich mit der Mediennutzung von Kleinkindern beschäftigen.

Die Forscher um John S. Hutton und sein Team vom  Cincinnati Children’s Hospital Medical Center untersuchten dabei eine Gruppe von 47 Kleinkindern im Alter von 3 bis 5 Jahren. Diese absolvierten verschiedene kognitive Tests und eine MRT (diffusionsgewichtet). Deren Eltern wurden mit Hilfe des ScreenQ-Fragebogens über das Nutzungsverhalten ihrer Kinder in Bezug auf Smartphones und Tablets befragt. Zum Vergleich für kindgerechtes Verhalten gegenüber diesen Medien wurden die Empfehlungen der American Academy of Pediatrics (AAP) herangezogen. Die AAP schlägt Eltern beispielsweise vor, Kindern zwischen zwei und fünf Jahren nicht länger als eine Stunde am Tag vor einem Display sitzen zu lassen.

Im Ergebnis fanden die amerikanischen Forscher Veränderungen in der weißen Hirnsubstanz bei den Kindern, die ein hohes Nutzungsverhalten für die neuen Medien aufwiesen. Bereiche des Gehirns, die eng mit Sprache und dem Erlernen von Schreiben und Lesen verbunden sind, waren deutlich weniger strukturiert.

Diese Studie kann nur ein Anfang sein, Einflüsse neuer Medien auf unsere Kinder besser zu verstehen. Weitere Untersuchungen sind erforderlich. Der Studienleiter John S. Hutton fasst kurz zusammen: „Die Ergebnisse machen deutlich, wie wichtig es ist, die Effekte von Smartphone- und Tablet-Nutzung auf das Gehirn zu untersuchen“.

Bis dahin ist es sich nicht falsch, Kleinkinder von den Medien fernzuhalten. Oder noch besser: Kinder sollten angeregt werden, die Natur zu genießen: Spiele im Freien, Schneebälle werfen, wenn es mal kurzzeitig die Chance dazu gibt. Und wenn’s draußen mal richtig stürmt basteln oder „Mensch-ärgere-Dich-nicht“ spielen. Die Zeit rausgehen zu dürfen wird im Leben mit den Jahren immer kürzer. Und ob’s bald noch Schnee gibt? Also los geht’s!

Und wenn Sie in Bezug auf das Coronavirus auf dem aktuellen Stand bleiben wollen: Hier im praxisblättle finden Sie die neuesten Informationen. Ganz am Ende des Beitrags steht ein Link zur interaktiven Karte von Bloomberg – sehr informativ (aber in Englisch).

Was geht rum? 01. Februar 2020

Gut versteckt hinter den Coronaviren kommen die Influenzaviren fast unbemerkt daher. Ihre Ansteckung ist grösser, auch das Risiko daran zu versterben. Es scheint, als hätten wir uns zumindest medial schon an  die Grippewelle gewöhnt.

Konsultationsindex. Er zeigt, wie oft Menschen in Baden-Württemberg wegen Atemwegsinfektionen den Arzt aufsuchen Foto: AG Influenza

Die Daten für Deutschland zeigen, dass im Vergleich zu den letzten Jahren die Zahl der Grippekranken in diesem Jahr schon recht hoch liegt. Auch in Baden-Württemberg ist die Zahl der nachgewiesenen Grippefälle massiv nach oben geschnellt, parallel auch die Erkrankungen der Atemwege überhaupt, wie die Graphik gerade für die Kinder im Infektalter (hellgrün; 0-4 Jahre)  zeigt. Besonders betroffen sind die Städte um Stuttgart herum (Böblingen, Esslingen und Ludwigsburg). Auch hier gilt übrigens: aufs Händeschütteln verzichten und öfter mal die Hände waschen schützt.

Pollendaten für die Hasel an der Messstation Basel. Foto: pollenundallergie.ch

Sich gegen die Pollen zu schützen ist schon schwieriger. Das schafft am besten das Wetter wie die Graphik für den Oberrhein (Basel) deutlich macht. Der Pollenflug war in diesem Jahr sehr früh und sehr stark, aber die letzten 10 Tage war weniger los. Hohe Temperaturen am Wochenende und der Wind werden die Lage nun wieder ändern.

Nochmal zurück zu den Coronaviren. Täglich werden uns neue Zahlen über Neuerkrankungen und Todesfälle mitgeteilt. Die neuesten Informationen versuchen wir zeitnah in unseren Artikel im praxisblättle vom Montag einzuarbeiten. Es scheint, dass Kinder nicht sehr stark betroffen sind. Für Kinder in Baden-Württemberg dürfte das Risiko also trotz allem extrem gering sein.

Es gibt natürlich noch viele andere Krankheiten, die Kindern zusetzen. In „Konkurrenz“ zur Influenza gibt es Infektionen mit RSV (respiratory syncytial virus). Diese Erkrankung kommt immer wieder parallel zur Influenza vor. Bei einer RSV-Infektion kommt es meist zu Fieber um 38 – 39 Grad (also meist weniger als bei der Grippe), aber im Gegenzug zu mehr Beschwerden der Atemwege. Da insbesondere die kleinsten Bronchien („Bronchiolen“) betroffen sind, sind es Säuglinge und Kleinkinder, die besonders leiden müssen. Die Möglichkeiten von Medikamenten sind leider beschränkt, weswegen immer wieder stationäre Behandlungen erforderlich sind, um eine ausreichend Sauerstoff- und Flüssigkeitsversorgung sicherzustellen.

Die Größeren Kinder und Jugendliche sind regional von der Mononukleose (Pfeiffer’sches Drüsenfieber) häufiger betroffen. Diese Krankheit verläuft – wie auch die Infektion mit den Coronaviren – öfter asymptomatisch. Es gibt also Jugendliche, die die Krankheit durchmachen ohne es zu merken. Andere sind schwer krank. In einem Betrag des praxisblättle können Sie sich über Details informieren.

Seit gestern ist in den USA erstmals eine Therapie zur Abschwächung des Risikos einer  Anaphylaxie (schwerer allergischer Schock) zugelassen. Das Medikament heißt Palforzia und ist bei Erdnussallergie für Kinder und Jugendliche von 4 bis 17 Jahren zugelassen. Weitere Details finden Sie in englischer Sprache hier in einer Stellungnahme der Food and Drug Administration (FDA). In Kürze werden wir dieses Thema auch im praxisblättle behandeln. Auf deutsch. Nur so viel sei verraten: Die Zulassung ist wirklich ein großer Schritt für allergische Kinder und Jugendlich, aber zunächst nur für sehr wenige von ihnen.

Was geht in der Welt rum? Noch ist Afrika nicht von den Coronaviren betroffen. Wohl aber von Malaria, was für die Menschen dort extrem gefährlich ist. Bedingt durch die Regenzeit ist das beliebte Reiseziel Sansibar seit Monaten stark von der Malaria betroffen. Deswegen ist neben den allgemeinen Maßnahmen (Anwendung von DEET u.a.) eine Malariaprophylaxe wichtig.

Coronavirus-Epidemie in Asien: Welches Risiko besteht für Kinder bei uns?

Kinder in Mitteleuropa machen von Geburt bis zur Einschulung bis zu 50 Infektionen durch. Alle Eltern erleben in dieser Zeit Momente, in denen sie sich große Sorgen machen. Die Infektionen beginnen fast immer als Virusinfektionen, bakterielle Infektionen sind in diesem Alter deutlich seltener. Die Tatsache, dass kein Antibiotikum nötig und sinnvoll ist bedeutet aber nicht, dass die viralen Infektionen damit harmlos wären. Virusinfektionen können extrem gefährlich sein, siehe das HI-Virus oder die Masern. Und selbst das sehr häufige Rhinovirus – ein Schnupfenvirus – kann in extrem seltenen Fällen auch im Kindesalter einmal tödliche Folgen haben. Viren kommen also sehr häufig vor und führen dabei meist zu leichteren Infektionen. Sie können aber auch ganz anders und viel schlimmer!

Was sind Coronaviren?

Der Name Coronaviren geht auf das Aussehen dieser Gruppe von Viren zurück, das einer Krone (lat./ span. corona) ähnelt.  Die Coronaviren sind im Tierreich sehr verbreitet. Für den Menschen spielten bisher lediglich sechs Viren eine Rolle. Vier der Viren (HCoV-NL63, HCoV-229E, HCoV-OC43 and HCoV-HKU1) kommen ständig vor. Das nennt man endemisch. Sie verursachen beim Menschen leichte Atemwegsinfektionen (Schnupfen, leichtes Fieber, Hüsteln). Zwei weitere ((SARS)-CoV und Middle East respiratory syndrome (MERS)-CoV) kommen epidemisch vor. Sie können also regional über die Menschen herfallen. Zu dieser Gruppe hat sich nun als drittes Mitglied das neue Coronavirus (neu: SARSCoV-2 genannt, bisher 2019-nCoV) hinzugesellt. Dieses Virus hat sich erst neu herausgebildet und zeigt die höchste Ähnlichkeit zu einem Coronavirus, das bei Fledermäuse vorkommt. Bei diesen dreien Coronaviren weiß man nicht genau, wie sie sich im Lauf der Ausbreitung verändern. Das schafft Unsicherheit.

Wie verläuft die Infektion mit dem SARS-CoV-2 (Covid-19)?

Hierüber gibt es inzwischen mehr Klarheit. Die Inkubationszeit ist mit etwa 10 Tagen eher lang. Das ist aber eine eher theoretische Zahl, denn es sind bisher Verläufe bekannt, wo schon 1 Tag nach Kontakt die Krankheit auftrat, in anderen Fälle betrug die Zeit 14 Tage. Nach den letzten Informationen sind junge Menschen eher weniger von schweren Infektionen betroffen, sondern eher Personen im „mittleren Alter“. Unter den Erkrankten sind in China 2/3 Männer.

Wie ansteckend ist das Coronavirus? Foto: statista

Die Ansteckung – so zeigt die Darstellung von statista am 23. Januar 2020 – ist geringer als bei der Grippe (Influenza) und deutlich geringer als bei Masern. Aber sie läuft ähnlich ab wie bei der Grippe. Nach einer neuen Untersuchung aus der Arbeitsgruppe um Jie Wu aus Guangzhou (China), die am 19. Februar veröffentlicht wurde, zeigte sich, dass auch das SARS-CoV-2 sich besonders in der Nasenschleimhaut vermehrt und auch von nicht symptomatischen (gesunden) Menschen übertragen werden kann.

Interessant ist, dass diese epidemische Coronavirusinfektion (seit 12. Februar 2020 Covid-19 genannt) dann mit Husten, Muskelschmerzen und Abgeschlagenheit beginnt. Im Gegensatz zu den anderen Infektionen mit Coronaviren (siehe oben) kommt es kaum zu Schupfen und Halsschmerzen. Das scheint ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal auch zur Influenza – der Grippe – zu sein, die sich zu Beginn mit deutlichem Schnupfen und geröteten Augen zeigt. Innerhalb der folgenden Woche kommt es zur Ausbildung von Atemnot, die dann einen stationäre Behandlung unumgänglich machen.

Welche Bedeutung hat das Coronavirus für Kinder?

Die endemischen Coronaviren haben für Kinder eine große Bedeutung. Für gesunde Kinder ohne chronische Erkrankung stellen sie in fast allen Fällen aber kein Risiko dar, da diese Kinder an einem der vier endemischen Coronaviren (siehe oben) erkranken. Untersuchungen zeigen, dass nahezu alle Kinder einmal Kontakt zu einem Virus der Coronagruppe haben. Das belegt auch eine Studie aus Norwegen vom letzten Jahr eindrücklich. Die Forschergruppe um I Heimdal konnte zeigen, dass bei jedem zehnten gesunden Kind Coronaviren im Rachen gefunden wurden. Bei Kindern mit Atemwegssymptomen (Husten, Fieber) fand sich eines der verschiedenen Coronaviren in 9.1%. Coronaviren an sich sind für gesunde Kinder keine echte Bedrohung.

Was bedeutet das neue Virus (SARS-CoV-2) für uns?

Das SARS-CoV-2 kommt ebenso wie die beiden anderen epidemischen Viren aus dem Tierreich und ist auf den Menschen übergesprungen. Dort hat es bislang bei vorwiegend älteren Personen zu teilweise schweren Atemwegserkrankungen mit Lungenentzündung geführt. Nachdem inzwischen klar wurde, dass es von Mensch zu Mensch übertragen werden kann und dass selbst gesunde Virusträger das Virus übertragen können (The Lancet), ist es ein weiteres Stückchen mehr unkalkulierbar geworden.

Das sind alles nicht gerade beruhigende Informationen. In Asien herrscht teilweise Panik. In China wurden ganze Städte unter Quarantäne gestellt, Straßen von Millionen-Metropolen sind wie leer gefegt und die Produktion in vielen Fabriken ruht noch immer. Auch in Europa ist SARS-CoV-2 angekommen. In Baden-Württemberg gab es bislang (Stand 20.02.2020) aber keinen nachgewiesenen Fall. Für Europa und insbesondere für Kinder und Jugendliche in Europa besteht im Moment jedoch keinerlei Grund zur Sorge. Unser Problem ist allenfalls die beginnende Grippewelle. Aber die ist in ihrem Ausmaß noch nicht so deutlich wie die des letzten Jahres.

Spezifische Empfehlungen können Ärzte den Reisenden momentan nicht gegeben. Sinnvoll erscheinen folgende Vorsichtsmaßnahmen besonders für Kinder und Jugendliche:

  • Reisen in die o.g. Länder sollten zunächst aufgeschoben werden. Falls dies nicht möglich ist gilt es große Menschensammlungen soweit möglich zu meiden.
  • Vorsicht bei Kontakten zu Personen, die an Atemwegserkrankungen (Husten, Schnupfen) erkrankt sind.
  • Das Tragen eines Atemschutzes (am besten FFP3-Masken, mindestens aber FFP2-Masken) erscheint sinnvoll. Die üblichen „OP-Masken“ schützen Ihre Umgebung aber nicht Sie selbst!
  • Ausreichende Hygiene, insbesondere Händewaschen nach Kontakt zu kranken Personen.
  • Bei hustenden Menschen Abstand halten. Bei > 2 Meter Abstand ist eine Ansteckung weitgehend ausgeschlossen
  • Keine Kontakte zu wilden oder gar toten Tieren.

Meldepflicht

Seit Samstag (01.02.2020) hat das Bundesgesundheitsministerium eine Eilverordnung zur Meldepflicht für das neue Coronavirus erlassen. Danach müssen Ärzte alle Verdachts- , Krankheits- und Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus namentlich dem örtlichen Gesundheitsamt melden. Verdachtsfälle müssen abgeklärt werden.

Ebenfalls seit Sonnabend gilt eine Vereinbarung, wonach die gesetzlichen Krankenkassen bei begründeten Verdachtsfällen die Kosten für den Test auf das neuartige Coronavirus (2019-nCoV) übernehmen. Anspruch auf einen Test haben ausschließlich Risikogruppen. Nach der Falldefinition des Robert Koch-Instituts (RKI) sind dies Personen, die sich in einem Risikogebiet aufgehalten haben (z.B. in Wuhan, China) oder Kontakt mit einer am Coronavirus (2019-nCoV) erkrankten Person hatten und innerhalb von 14 Tagen Symptome wie Fieber oder Atemwegsprobleme entwickeln.

Aktuelle Informationen (Stand 03.02.2020)

Die aktuellen Informationen über die Verbreitung der Coronavirus finden Sie auf der Webseite des Bundesgesundheitsministeriums. Oder noch einfacher – aber nur in englischer Sprache – hier bei Bloomberg mit Graphiken, die einen schnellen Überblock verschaffen.