Kategorie: Krankheitsbilder

Impfungen: Was haben sie bisher erreicht?

Das Thema Impfung löst bei uns Deutschen häufig enorme Emotionen aus. Das Spektrum reicht von der Sorge um vermeintlich hohe Raten an Nebenwirkungen (die verschweigen würden) bis hin zu Genmanipulationen im Zusammenhang mit den neuen mRNA-Impfstoffen von BioNTech, Moderna und CureVac.

Manchmal ist ein Blick zurück ganz sinnvoll. Was haben Impfstoffe in den letzten Jahrzehnten erreicht? Da aus Deutschland nur unzureichende Daten vorliegen, werfen wir hier anhand der Daten der American Academy of Pediatrics* einen Blick darauf, was Impfungen bisher in den USA aufweisen können:

Erkrankung Jährliche Erkrankungen vor Einführung der Impfung Jährliche Erkrankungen im Jahr 2007 Rückgang in %
Pocken 48.164 0 100
Diphterie 175.885 0 100
Tetanus 1314 28 98
Keuchhusten 147.271 10.545 93
Kinderlähmung 16.316 0 100
Masern 503.282 43 > 99
Mumps 152.209 800 > 99
Röteln 47.745 12 > 99

Dabei zeigt sich, dass einige Krankheiten mithilfe der Impfungen – bezogen auf die USA – auf dem amerikanischen Kontinent ausgerottet sind: Pocken, Kinderlähmung. Der riesige Impferfolg bei anderen Infektionskrankheiten beginnt jedoch zu bröckeln. Die Bereitschaft zum Impfen ist in einigen Gruppen der Bevölkerung abgesunken. Das gilt besonders für die Masern. Aber Impferfolge sind davon abhängig, dass sich gesunde Menschen solidarisieren und sagen: Ich lasse mich impfen, damit ein Erreger sich in meinem Körper nicht ausbreiten kann. Und das, obwohl mir die Krankheit wenig ausmachen würde. Weil es andere Menschen gibt, die keine so gute Immunität haben und meine Solidarität brauchen. Wenn wir beim Impfen erfolgreich sein wollen, müssen wir vom Egoismus etwas abkehren – vom Ich zum Wir.

Die Mehrheit der Menschen in den Industrieländern haben diese schlimmen Krankheiten nicht mehr kennengelernt, die heute – bis auf den Keuchhusten und Tetanus – komplett zu besiegen wären. Ob die Impfpflicht gegen Masern hier etwas bewirken wird, bleibt abzuwarten. Deren Umsetzung wird auch nach der Corona-Pandemie mühsam sein.

Mit den neu entwickelten Impfstoffen gegen das SARS-Coronavirus-2 ist die Diskussion um Impfungen wieder aufgeflammt. Das bietet den Wissenschaftlern die Chance, interessierten Menschen zu erklären, wie die unterschiedlichen Konzepte funktionieren. Das sind jedoch keine Information so nebenbei. Die Impfprinzipien können nicht mit einfachen Schlagwort beschrieben werden. Wichtig ist, dass die Aussagen wie sie die AfD verbreitet zwar einfach sind – aber ebenso auch falsch: fake news. Wer von Genetik spricht, sollte sich auch die Mühe machen, nicht Birnen mit Äpfeln zu vermengen.

* Active and passive immunization. In: Pickering LK, Baker CJ, Kimberlin DW, Long SS, eds. 2009 red book: report of the Committee on Infectious Diseases. 28th ed. Elk Grove Village, IL: American Academy of Pediatrics; 2009; 48-49

Tipps – für Eltern mit kleinen Kindern

Wer Kinder hat ist täglich mindestens einmal unsicher. Wie soll ich reagieren? Was ist gut für mein Kind? Soll ich eingreifen?

Ganz nett wären da ein paar Ideen oder Anregungen von anderen Eltern oder Fachleuten. Sie werden sagen, dafür gibt es doch das praxisblättle – stimmt. Aber es gibt auch andere seriöse Adressen, wo sich Eltern spannende Informationen holen können. Eine davon ist www.gesund-ins-leben.de, ein Netzwerk von Institutionen, Fachgesellschaften und Verbänden. Beiträge gibt es vor allem zum Thema Ernährung wie „So lernen Kleinkinder essen“, aber auch zu „Allergien und Unverträglichkeiten“ und zum Coronavirus.

Corona-Impfungen: Wieso kamen sie so schnell auf den Markt?

In vielen Ländern (Großbritannien, USA, Russland, China u.a.) sind Corona-Impfungen schon verfügbar. In Deutschland ist erst in den letzten Tagen dieses Jahres damit zu rechnen. Damit ging die Entwicklung von Corona-Impfstoffen so schnell wie noch nie. Das beunruhigt einige Menschen. Sind solche Ängste angebracht?

Die Zulassung von Impfstoffen verläuft je nach Land unterschiedlich. So wurde der Corona-Impfstoff Sputnik V (Russland) als erster weltweit im August 2020 zugelassen. Zur der Zeit lagen kaum Daten über diesen Impfstoff vor, die Phase-3-Studie begann erst im Oktober. Für den Impfstoff der Firma Sinovac aus China liegen ebenso kaum Daten vor. Dennoch hat beispielsweise die Türkei bereits am 11. Dezember angefangen Risikogruppen mit dem chinesischen Impfstoff, der sich auch in der Türkei noch in der Testphase geprüft wird, zu impfen. In beiden Fällen wurde der Impfstoff freigegeben, ohne dass Wissenschaftler die Daten zur Verfügung hatten, um ihn auf Herz und Nieren zu prüfen. Der Impfstoff ist ein zu einem Politikum und zu einem Machtinstrument geworden.

Die Wissenschaftsgemeinde weltweit hat anerkannte Standards mit den neue Medikamente und Impfstoffe auf ihre Verträglichkeit und ihre Wirkung untersucht werden. Nach den Tierversuchen – sie sind zumeist auch heute noch erforderlich – findet die erste klinische Anwendung der neuen Substanz in einer sogenannten Phase 1-Studie statt. Dabei wird ein Medikament oder eine Impfung auf die Pharmakokinetik  bzw. die Verträglichkeit an einer kleinen Gruppe freiwilliger Probanden geprüft. Es folgt dann die Phase 2-Studie, um die richtige Dosierung und die Wirkungen auf das Immunsystem bei einer größeren Gruppe von Probanden (meist 100 – 200 Menschen) zu finden. In der Phase 3-Studie schließlich wird geklärt, wie gut ein Medikament oder Impfstoff effektiv schützen. In dieser Studienphase nehmen Tausende von Probanden teil. Deren Anzahl hängt im Wesentlichen davon ab, wie häufig ein Ereignis (z.B. eine Infektion mit SARS-Coronavirus-2) in einer Bevölkerung vorkommt und wie schnell ein Ergebnis vorliegen soll. Es liegt auf der Hand, dass je grösser die Studiengruppe ist, je schneller liegt auch ein Ergebnis vor.

Ablauf einer Studie bis zur erfolgreichen Abschluss – traditionell und im Rahmen der Coronapandemie Quelle: F. Krammer, Nature

Damit wird auch klar, dass auch die Finanzlage über die Schnelligkeit dieser Studienschritte entscheidet. Bei Impfstoffen oder Medikamenten, die nur für eine kleine Bevölkerung von Bedeutung sind (z.B. Behandlung einer seltenen Stoffwechselkrankheit) wird eine Firma, die ein solches Medikament entwickelt hat abwägen, ob die Kosten der Studien durch den Verkauf am Schluss wieder eingespielt werden. Im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie spielt Geld – fast – keine Rolle. Insofern wird beispielsweise die Entwicklungszeit verkürzt, in dem die Phasen der Studie überlappend durchlaufen werden.

Gespart wurde jedenfalls bei den Impfstudien nicht. In der Geschichte der Impfungen gibt es nur zwei Kandidaten, die in einer größeren Gruppe untersucht wurden: Prevenar 13 (Pfizer) an 89.000 und Rotarix (GSK) an 75.000 Probanden. Danach folgt der mRNA-Impftstoff von BioNTech mit 44.000 Probanden. Interessant – und für Mediziner wie mich erschreckend – ist: Twinrix gegen Hepatitis A&B (GSK) wurde an 843 Menschen getestet. Die Impfexperten der Harvard-University Eric J. Rubin und Dan L. Longo kommen zum Schluss: „This is a triumph“. Wenn Sie Zeit haben: Das Editorial der Experten ist eine spannende Lektüre (in Englisch). 

Nach den Studien erfolgen noch intensive Prüfungen durch nationale (z.B. das Paul-Ehrlich-Institut – PEI – in Langen, südlich von Frankfurt am Main) oder internationale Behörden wie die European Medicines Agency (EMA) in Amsterdam. Erst diese Behörden können die Freigabe eines Impfstoffes vornehmen.

In seiner hochinteressanten Publikation SARS-CoV-2 vaccines in development (in Englisch) hat der Österreicher Florian Krammer vom Mount Sinai Hospital in New York die verschiedenen Ansätze bei den Impfungen gegen Das SARS-COV-2 dargelegt.

Fazit: Intensive Forschung in vielen Ländern dieser Erde, gute finanzielle Ausstattung der Forschungsprojekte und wenige bürokratische Hemmnisse haben – zusammen mit einem Quäntchen Glück – zur raschen Entwicklung einiger Impfstoffe gegen das Corona-Virus geführt. Viele erfolgversprechende Impfstoffe sind noch auf dem Weg. Jetzt bleibt zu hoffen, dass die logistische Umsetzung der Impfung ebenso gut gelingt. Und dass auch die Prüfung der Impfungen bei Kindern  – für sie gibt es bislang keine ausreichenden Daten – erfolgreich sein wird.

Bis allen Menschen in Deutschland eine Impfung angeboten werden kann, wird es trotz aller Schnelligkeit wohl Weihnachten 2021 werden.

Erster direkter Nachweis: HPV-Impfung schützt vor Gebärmutterhalskrebs

Es ist seit Jahrzehnten belegt, dass das humane Papilloma Virus – kurz HPV – die wichtigste Ursache für das Cervixkarzinom („Gebärmutterhalskrebs“) darstellt. Dass eine Impfung gegen die verschiedenen HP-Viren sinnvoll sein würde, war schon lange belegt. In einem früheren praxisblättle haben wir darüber berichtet.

Schwieriger war es, eine direkte Schutzwirkung der Impfung gegen diese Krebsart zu belegen. Denn zwischen dem Kontakt mit dem Virus im Alltag (meist sexuell) und der Entstehung der Krebserkrankungen können Jahrzehnte liegen. In einer schwedischen Studie konnte nun eine Forschergruppe um Jiayao Lei vom Karolinska Institut in Stockholm erstmals zeigen, dass die Impfung in der Lage ist, das Entstehen des Gebärmutterhalskrebses zu verhindern. Das war möglich, weil in Schweden drei sich ergänzende Register zum Thema Impfen existieren, die eine genaue Analyse der Daten von weit über 1 Million Frauen ermöglichten.

Die Studie bezieht sich auf Frauen, die ab 2007 mit einem Impfstoff gegen die HPV-Typen 6, 11, 16 und 18 (Gardasil© – inzwischen enthält dieser Impfstoff 9 HPV-Typen) geimpft wurden. Das sind die 4 wesentlichen HPV-Virustypen, die als onkogen (krebsverursachend) gelten. Die Daten wurden mit denen der nicht geimpften Frauen in Bezug auf das Auftreten des Gebärmutterhalskrebses verglichen. Dabei haben die Wissenschaftler auch andere Aspekte berücksichtigt. So könnte es durchaus sein, das gesundheitsbewusste Frauen sich eher impfen lassen und sich auch durch Kondome eher vor der sexuell übertragbaren Erkrankung schützen. Diese Faktoren wurden statistisch herausgearbeitet.

Als Maß für die Wirkung verwendeten die Forscher die alters-adjustierte relative Inzidenzrate (IRR). Die lag für alle geimpften Frauen gemeinsam bei 0,37. Das bedeutet, dass das Risiko für die geimpften Frauen  an dieser Krebsart zu erkranken um 63% niedriger lag. Für die Frauen, die sich vor dem 17. Lebensjahr impfen ließen lag das Risiko sogar 88% niedriger (IRR 0,12).

Dass die HPV-Impfung das Wachstum von Genitalwarzen bremsen kann war lange klar. Ebenso, dass Krebsvorstufen entstehen. Mit dieser schwedischen Studie ist nun erstmals der wichtigste Beweis gelungen: die HPV-Impfung schützt effektiv gegen Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom).

Sie zeigt aber auch: Der Schutz ist nicht 100%-ig– Das wird bei den vielen Typen an HP-Viren wohl auch nicht gelingen. Insofern ist es für alle Frauen wichtig, weiterhin die gynäkologischen Vorsorgeuntersuchungen wahrzunehmen.

Schlafapnoe bei Kindern: Ist die Entfernung der Mandeln günstig?

Über die letzten 50 Jahre hat sich die Einstellung zu den Mandeln – medizinisch: Tonsillen – enorm verändert. Zum einen wurde deren Bedeutung als Immunorgan immer besser verstanden. Zum anderen ging mit neuen diagnostischen Untersuchungsmöglichkeiten die Rate an Mandeloperationen (Tonsillektomie bzw. Adenotonsillektomie) deutlich zurück.

Wenn Kinder viele Infekte durchmachen, sind ihre Tonsillen (Mandeln) im Rahmen der Abwehr bedeutsam. In den Tonsillen sitzen Scharen von Immunzellen, die sich mit den Erregern im Nasen-Rachenraum auseinandersetzen. Bei einigen der Kinder führt dieser Kampf der Immunzellen zu Vernarbungen in den Mandeln und damit schließlich zu deren Vergrößerung. Diese Mandelvergrößerung (Tonsillenhyperthrophie) kann so erheblich sein, dass bei offenem Mund nur die Mandeln und nicht der Rachen zu sehen ist: als kissing tonsils  bezeichnen die amerikanischen Ärzte den Zustand, wenn die linke und die rechte Mandel sich fast permanent berühren.

Das hat Folgen. Zum einen fällt es Kindern schwerer, voluminöses Essen (wie Pommes) zu schlucken. Noch schlimmer ist, dass diese großen Mandeln im entspannten Zustand im Schlaf nach hinten Fallen und die Atemwege verengen. Das führt häufig zu enormem Schnarchen und auch zur kompletten Verlegung der Atemwege mit Atemaussetzern. Zum Glück wehrt sich das Gehirn und lässt das betreffende Kind in dieser Not erwachen. Aber die entspannende Ruhe der Nacht ist weg und Kinder durchleben eine Achterbahnfahrt zwischen Entspannung und  Atemnot mit der Folge, dass sie sich nachts kaum erholen und an Tagesmüdigkeit, Kopfschmerzen und Lernschwäche leiden.

Für Erwachsene und Schulkinder sind diese Prozesse recht gut untersucht, für Kleinkinder mit vielen Infekten jedoch nicht. Klar ist bislang nur, dass die schwere obstruktive Schlafapnoe – kurz OSA – (so nennt sich dieser Zustand) in erster Linie durch Entfernung der Gaumen- und Rachenmandeln (Adenotonsillektomie – ATE) behandelt werden sollten.

Eine neue Arbeit von J Fehrm und Kollegen aus den HNO Kliniken von Uppsala und Stockholm (Schweden) beschäftigt sich mit den obstruktiven Schlafapnoen von leichten bis mittlerem Grad in der Altersgruppe von 2 bis 5 Jahren. Es zeigte sich in einer kleinen Gruppe von 60 Kindern, dass Kinder nach ATE spürbare Verbesserungen der Lebensqualität aufwiesen gegenüber denen, bei denen zugewartet wurde. Ebenso wurde bei den mittelgradigen OSA ein Rückgang der Atemaussetzer gefunden.

Die Autoren kommen zum Schluss, dass eine beobachtende Haltung – „watchful waiting“ für sechs Monate möglich sei. Diese könne jedoch mit dem Risiko von nächtlichen Symptomen, Verhaltensauffälligkeiten und einer beeinträchtigen Lebensqualität für die jungen Kinder verbunden ein.

Schnupfen

Ein lästiges Problem nicht nur in der kalten Jahreszeit ist der Schnupfen (medizinisch: Rhinitis). Jeder hat ihn mal erlebt und kennt die Symptome der dieser häufigen Erkrankung:

  • Atembehinderung, oft verbunden mit dem Gefühl von Atemnot (besonders bei jungen Kindern)
  • Schlechter Schlaf, dadurch Müdigkeit und Abgeschlagenheit am Tag
  • Kopfdruck oder Kopfschmerz
  • Morgendlich trockener Mund
  • Reizung der Gesichtshaut durch Nasensekret

Die Liste der Probleme erscheint endlos. Aber was ist eigentlich Schnupfen? Schnupfen ist die Entzündung der Nasenschleimhaut. Und Entzündung bedeutet wie auch an anderen Organen: Schwellung, Rötung, Überwärmung und Sekretion. Je nach Ausprägung unterscheidet man zwei Formen einer Rhinitis:

  • Fließschnupfen: die „Nase läuft“. Meist klares Sekret verlässt die Nase.
  • Stockschnupfen: die „Nase ist zu“, die Schleimhäute sind verschwollen, schnäuzen bringt nicht weiter.

Schnupfen wird oft „Erkältung“ genannt. Das ist manchmal korrekt, oft aber nicht. Nach außen mag der Schupfen gleichartig aussehen, in der Schleimhaut der Nase spielt sich aber unterschiedliches ab. So kann die Rhinitis sehr viele Ursachen haben:

  • Infektion („Erkältung“)
  • Allergie: „Heuschnupfen“. Aber auch Allergien gegen Milben oder Nahrungsmittel können Schnupfen auslösen. Betroffen sind davon aktuell 13% der amerikanischen Kinder.
  • Chronischer Schnupfen in der Folge von Infektionen. Die Infektion ist zu Ende (keine Viren mehr nachweisbar), aber die Entzündung der Schleimhaut bleibt. 
  • Adenoide Vegetationen – sog. Polypen im Kindesalter
  • vasomotorische Rhinitis. Hierbei tritt der Schnupfen häufig durch Änderungen der Temperatur oder der Luftfeuchtigkeit auf, beispielsweise bei trocken-kalter Luft.
  • Echte Polypen und andere Tumoren (eher bei Erwachsenen)
  • Andere Ursachen wie hormoneller Schnupfen wie die „honeymoon rhinitis“, wenn das Glück der Verliebtheit zu Schnupfen führt.

Muss Schnupfen behandelt werden? Der Erkältungsschnupfen lässt ich nicht behandeln. Er nimmt seinen Verlauf über 5 bis 7 Tage und klingt danach ab. Während dieser Zeit kann man belästigende Symptome beseitigen durch:

  • Abschwellende Nasentropfen: diese machen die Nasenatmung für wenige Stunden freier, trocknen jedoch die Schleimhäute aus. Die Anwendung dieser Tropfen (wie Otriven©, Olynth©) sollte sich auf max. 3 bis 5 Tage beschränken
  • Nasensalben: befeuchten eine trockene Schleimhaut
  • Ätherische Öle: vermitteln (letztlich durch eine Reizung !) das Gefühl, die Nase sei freier. Geeignet allenfalls für Erwachsene. Wird leider sehr oft auch bei Kindern angewandt und birgt das Risiko, dass die Kinder in einem unbeachteten Moment diese Öle trinken oder gar inhalieren, was sehr gefährlich sein kann
  • Heuschnupfen, chronischer Schnupfen, Polypen und alle die anderen Ursachen brauchen eine spezielle Behandlung, die nur Ihr Arzt nach Untersuchung festlegen kann.

Selbst diese kurze Zusammenfassung der wesentlichen Merkmale des Schnupfens führt zu einer langen Liste. Kein Wunder also, dass es eines Hals-Nasen-Ohren-Arztes (HNO-Arzt) bedarf, der alleine für die Nase und die beiden anderen kleinen Organe zuständig ist. Wer weitere Informationen sucht, kann sie in der 96 Seiten langen Leitlinie zum Thema Rhinosinusitis (in Deutsch) finden. Interessant und klar gegliedert ist auch das aktuelle Update der AAAAI (in Englisch).

Tierliebe kann Folgen haben: Ringelflechte (Tinea corporis)

Pilzerkrankungen gehören weltweit zu den häufigsten Infektionen. Zu diesen zählt die Ringelflechte, die durch Fadenpilze (Dermatophyten) ausgelöst wird. Mediziner bezeichnen sie als Tinea. Nachfolgend sind einzelne Formen mit dem Ort ihres Auftretens benannt:

  • Tinea capitis – Kopf
  • Tinea facei – Gesicht
  • Tinea corporis – Rumpf und Gliedmaßen
  • Tinea corporis gladiatorum – am Rumpf bei Ringern
  • Tinea barbae – Bartbereich

Die Fadenpilze werden in aller Regel von den Tieren auf den Mensch, teilweise auch von Mensch zu Mensch (etwa bei Ringern) übertragen:

  • Meerschweinchen
  • Katzen: über 20% aller Katzen sind mit Microsporum canis infiziert
  • Hamster
  • Hasen
  • Kälber

Häufig verlaufen die Krankheiten bei Tieren ohne Symptome, während bei Menschen stark entzündliche Hauterkrankungen auftreten. Deswegen ist es für Tierbesitzer oft schwer ersichtlich, ob beim eigenen Haustier ein Befall mit einem der Pilze vorliegt.

Festgestellt wird die Erkrankung meist als sog. Blickdiagnose, d.h., der Arzt weiß wie die Tinea aussieht und stellt mit dem ersten Blick die Diagnose. Danach folgt die Sicherung des Erregers, was gelegentlich schwierig und immer zeitraubend (2-6 Wochen) ist.

Gleichzeitig wird mit der Therapie begonnen, die je nach Ausprägung und Tiefe der Pilzinfektion unterschiedlich ausfällt. Häufig ist bei Kindern eine Salbenbehandlung z.B. mit Clotrimazol (2 x tgl.) über einen Monat ausreichend.

Parallel muss versucht werden, die Ursache herauszufinden. Denn eine Therapie macht nur Sinn, wenn auch die Ursache behandelt wird. Bei Katzenbesitzern sollte beispielsweise die Katze vom Tierarzt auf Pilzerkrankungen untersucht und behandelt werden. Enge Tierkontakte, z.B. im Bett, sind unbedingt zu vermeiden.

RSV-Virus – gibt es bald neue Therapien?

Informationen zu Impfungen gegen Viren finden sich seit Beginn der Corona-Pandemie spürbar häufiger in den Medien. Im Vordergrund stehen dabei die Impfungen gegen das Corona-Virus (SARS-CoV-2) und das Grippevirus (Influenza), deutlich dahinter das Masernvirus, was im Zusammenhang mit dem Masernschutzgesetz wieder an Bedeutung gewann.

Für Säuglinge gibt es jedoch ein weiteres Virus, das eine große Bedeutung hat: das Respiratorische Synzytial-Virus, kurz RSV. Wie das Influenzavirus tritt auch das RS-Virus vorwiegend in den Wintermonaten auf. Das RS-Virus wird vornehmlich übertragen, wenn mit Virus-Tröpfchen bedeckte Hände die Augen- und Nase berühren. Kinder im ersten Lebensjahr sind besonders stark betroffen, 48.5 von 1000 Kindern laut RKI. Dabei liegt die Tödlichkeit bei sonst gesunden stationär behandelten Kindern in den ersten beiden Lebensjahren bei immerhin 0.2 Prozent.

Ein Impfstoff gegen das RSV wäre also ein Segen, gerade für Säuglinge und jungen Kleinkinder und ganz besonders für frühgeborene Kinder und solche mit Vorerkrankungen (z.B. Herzfehler, Mukoviszidose, neurologische Erkrankungen). Leider sind vielfache Versuche einen Impfstoff zu entwickeln gescheitert, zuletzt in den 1990ger Jahren. Das liegt auch daran, dass der Aufbau ausreichender Antikörper beim jungen Säugling nicht gelingt. Der Versuch, Schwangere gegen RSV zu impfen in der Hoffnung, dass sie Antikörper auf den Säugling übertragen könnten, gelang zwar. Aber die Wirksamkeit dieser Impfung bei den Säuglingen war dann doch enttäuschend, so dass bislang keine aktive Impfung gegen RSV zugelassen wurde.

Bis heute steht zur Vorbeugung von RSV-Infektionen bei Risikokindern nur eine passive Immunisierung mit dem monoklonalen Antikörper Palivizumab (Handelsname: Synagis©) zur Verfügung. Dieser zeigt immerhin eine mäßige Wirksamkeit und muss monatlich als intramuskuläre Spritze verabreicht werden.

Inzwischen ist ein weiterer monoklonaler Antikörper namens Nirsevimab entwickelt worden, der sich in einer Phase-2-Studie als wirksam erwiesen hat. Die Ergebnisse der Studie um das Forscherteam von M. Pamela Griffin lassen auf eine bessere Wirksamkeit hoffen. Immerhin konnten in der Studie etwa 70% der RSV-Infektionen im Vergleich zu einem Placebo verhindert werden. Und das bei nur einer Injektion für die gesamte RSV-Saison.

Weitere Studien sind erforderlich, bis dieser Antikörper zugelassen werden kann. Bleibt zu hoffen, dass auch diese günstig ausfallen, damit die Risikokindern noch besser vor diesem potentiell gefährlichen Virus geschützt werden können.

Die Infektwelle kommt bald. Macht eine Grippe-Impfung bei Kindern Sinn?

Für viele Laien sind die Impf-Empfehlungen in Deutschland verwirrend. Die STIKO bzw. das RKI empfehlen die Grippeimpfung nur für Versicherte ab 60 Jahre, für Menschen mit chronischen Erkrankungen, für Schwangere und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen. Für Baden-Württemberg hat das Sozialministerium jedoch erweiterte Empfehlungen. Hier wird – entsprechend den Vorgaben der WHO – die Grippeimpfung für alle Kinder ab dem 6. Lebensmonat empfohlen.

In den USA läuft bei der Corona-Pandemie sicher manches nicht so gut. Was aber die Influenza betrifft, liegen die Impfraten bei Kindern bei über 60%. Eine Zahl, die selbst bei den sog. Risikogruppen in Deutschland nicht annähend erreicht wird. Die American Academy of Pediatrics (in Englisch) hat gerade die Details für die Grippeimpfung von Kindern in der Saison 2020 / 2021 veröffentlicht, die in vielen Aspekten auch für Laien sehr interessant sind.

Klar ist, dass die Impfung gegen Influenza lange nicht so wirksam ist wie diejenige gegen Masern, bei denen eine „sterile Immunität“ erreicht wird, also beinahe bei allen Geimpften der Ausbruch von Masern verhindert werden kann. Dennoch ist sie gut wirksam und schützt viele Menschen. Und, sie ist der einzig verfügbare und nachweißlich wirksame Schutz vor dieser – wie „Corona “ – schweren Infektion.

Die Kinder- und Jugendärzte sehen den Stellenwert für die Grippe-Impfung bei Kindern ähnlich wie die Behörden im Ländle und raten Kinder in diesem Herbst gegen Influenza impfen zu lassen. Dazu der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) Johannes Hübner: „Wir wissen, dass Kinder den Influenzavirus maßgeblich übertra­gen“.

Eine Impfung der Kinder, das ist wissenschaftlich gut belegt, schützt indirekt auch die älteren Risikogruppen. Das zeigt eindrücklich eine zentrale wissenschaftliche Untersuchung von 2001 aus der Arbeitsgruppe um Masato Tashiro und Mitarbeiter aus Tokyo (Japan). Wenn der Enkel kein Grippevirus verbreitet, wird auch Omi nicht krank.

Aber Kinder können selbst auch schwer an Influenza (Grippe) erkranken, so dass sie sogar stationär behandelt werden müssen. Folgerichtig unterstützt auch Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) die Impfung von Kindern: „Deswegen haben wir diesmal zusätzlichen Grippeimpfstoff besorgt. Jeder, der sich und seine Kinder impfen lassen will, sollte und kann das tun.“

Als erste große Krankenkasse hat sich Mitte der Woche die AOK angeschlossen. Laut dem Deutschen Ärzteblatt hat ein Sprecher der AOK angekündigt, die Kostenübernahme betreffe „nicht nur die Impfung von Risikogruppen, sondern alle AOK-Versicherten, sofern die Ärzte dies für erforderlich halten“. Das ist ein gewichtiges Wort.

Konnten Sie sich für Ihre Kinder entscheiden können? Oder noch Fragen? Ganz sicher. Dann los an die Tasten. Anderen Eltern geht’s vermutlich recht ähnlich bei der Grippeimpfung ihrer Kinder.

Akute Mittelohrentzündung

Infekte bei Kleinkindern sind zu manchen Zeiten fast normaler als völlige Gesundheit. Viele von ihnen haben im Herbst und Winter Schnupfen, der mal besser mal schlimmer ist. Aber nie weg – Schnupfensaison.

Im Rahmen akuter Infektionen, wenn aus einem Schnupfen Krankheit mit Abgeschlagenheit, Husten und Fieber wird, entwickelt sich bei vielen Kleinkindern eine akute Entzündung der Mittelohren – akute Otitis media (AOM). Das ist gar nicht selten. In den ersten zwei Lebensjahren erleben 80% aller Kinder eine Mittelohrentzündung. Bis zur Einschulung haben nahezu die Hälfte aller Kinder bereits 6 oder mehr Episoden mit AOM hinter sich.

Die Mittelohrentzündung beginnt meist dann, wenn Eltern das Gefühl haben, nun sei das gröbste eines Virusinfektes vorbei: Etwa 3-7 Tage nach Ausbruch des vorausgehenden Infektes kommt es in aller Regel akut zu massiven Ohrschmerzen. Wenn Kinder kleiner sind, schreien sie sehr heftig und beklagen sich manchmal über Bauchschmerzen – obwohl die Ursache im Ohr liegt.

Eustachische Röhre, hier als „auditory tube“ bezeichnet Quelle: Von Henry Vandyke Carter – Henry Gray (1918) Anatomy of the Human Body (See „Buch“ section below)Bartleby.com: Gray’s Anatomy, Tafel 907, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=566848

Die Entzündung im Mittelohr kommt meist dadurch zustande, dass die Eustachische Tube (im Deutschen als Ohrtrompete bezeichnet) durch den vorausgehenden Virusinfekt zugeht. Damit wird die Verbindung von Mittelohr und Rachenhinterwand verschlossen und Keime, die bereits im Mittelohr sind können sich vermehren und die AOM auslösen. Das Zugehen der Eustachischen Röhre ist vielen gut bekannt, wenn sie mit dem Auto eine Passstraße zügig hoch bzw. runter fahren, Dann „gehen die Ohren zu„. In der Graphik links ist der Zusammenhang dargestellt. Die Ohrtrompete ist dort als „auditory tube“ bezeichnet.

Die Mittelohrentzündung kann durch Bakterien wie durch Viren ausgelöst werden. Oft kommt die AOM durch eine Mischinfektion aus verschiedenen Bakterien und Viren zustande.

Es gibt einzelne Risikofaktoren, die eine Mittelohrentzündung begünstigen:

  • Kinder, die einen Schnuller benutzen.
  • Das Rauchen der Eltern erhöht das Risiko für eine Mittelohrentzündung um 50%.
  • ältere Geschwister bzw. Besuch von Gemeinschaftseinrichtungen.
  • Adenoide Vegetationen, fälschlicherweise oft „Polypen“ genannt.

Eine günstige Wirkung hat das Stillen. Ebenfalls schützend sind Impfungen. So ging seit Einführung der Pneumokokken-Impfung in Deutschland die Zahl aller Mittelohrentzündungen um 32% zurück. Auch nach Haemophilus-influenzae-Impfungen sowie nach Influenza-Impfungen (20%) ging die Zahl der Mittelohrentzündungen nachweislich zurück.

Die Therapie mit Antibiotika wird seit Jahren immer weniger eingesetzt. Das gilt nicht für Säuglinge unter 6 Monaten und nur eingeschränkt für Kinder unter 2 Jahren. Trotz der Gabe  eines Antibiotikums bleibt der Schmerz manchmal noch Tage bestehen. Die Behandlung mit Schmerzmitteln sollte gerade bei der AOM großzügig erfolgen.

Traditionell werden abschwellende Nasentropfen verabreicht. Das lässt die Nasenschleimhaut abschwellen, hat aber keinen Einfluss auf die Eustachische Röhre und damit auch keinen Einfluss auf eine raschere Besserung der Mittelohrentzündung. Für die Anwendung pflanzlicher Säfte kann bei momentaner Studienlage keine Empfehlung gegeben werden.

Fazit: Die akute Mittelohrentzündung ist eine extrem schmerzhafte Erkrankung, die eine entsprechend großzügige Behandlung mit Schmerzmitteln rechtfertigt. Ein Kind mit AOM sollte immer einem Kinder- und Jugendarzt zur Kontrolle vorgestellt werden. Dabei ist es häufig ausreichend, wenn zunächst einmal der Schmerz behandelt wird und der Arztbesuch auf den kommenden Morgen vereinbart wird.