Kategorie: Krankheitsbilder

Kopfgneis

Der Kopfgneis ist eine Auffälligkeit, die bei vielen Säuglingen beobachtet und fälschlicherweise oft als „Milchschorf“ bezeichnet wird. Sie betrifft die Haut des – vielleicht noch nicht – behaarten Kopfes. Der Kopfgneis ist medizinisch unbedenklich, kein Notfall, aber dennoch lästig. Ohne Behandlung klingt er, nachdem er in den ersten Lebenswochen aufgetaucht ist, meist bis zum Alter von 9 Monaten von sich aus ab. Er ist medizinisch eine Form des sog. seborrhoischen Ekzem des Säuglings und zeigt sich als fettig-gelbliche, festhaftende Schuppenschicht im Bereich des behaarten Kopfes (siehe nebenstehendes Bild). Entgegen anderslautender Gerüchte hat er nichts mit einer Allergie zu tun, selbst die Häufigkeit von Allergien ist beim Gneis nicht höher.

Soll man den Kopfgneis entfernen?

In der Regel nein. Wie gesagt, der Kopfgneis ist medizinisch unbedenklich und die Entfernung hat keinerlei Einfluss auf die Gesundheit oder das Wohlbefinden des Säuglings. Oft jedoch fühlt sich jedoch die Umgebung (der Erwachsenen) wohler, wenn kein Gneis zu sehen ist. In extremen Fällen mit dicken schuppigen Belägen kann die Entfernung auch einmal sinnvoll sein, um Infektionen der – unter dem Belag geröteten – Haut zu vermeiden.

Welche Therapiemöglichkeiten stehen zur Verfügung?

(1)  Meist wird abends der Kopfgneis mit Olivenöl eingerieben und somit aufgeweicht. Dann kann am nächsten Morgen mit leichten Reibbewegungen der Gneis langsam und vorsichtig entfernt werden. Bei dieser Methode gelingt es nicht, den Gneis vollständig zu entfernen. Oft findet in den kommenden Wochen auch eine gewisse Neubildung statt.

(2)  In schwierigen Fällen, kann durch niedrig konzentrierte Anwendung von Salicylsäure ein guter Erfolg erzielt werden. Die Art und Konzentration der Anwendung sollte mit dem Arzt abgesprochen und nicht auf eigene Faust eingeleitet werden.

(3)  Es soll wohl von manchen Ärzten in Einzelfällen auch Cortisonsalbe angewendet werden. In unserer Praxis war dies noch nie nötig. Bei Abwägung der unerwünschten Wirkungen ist mit dieser Methode kein vertretbarer Nutzen zu erkennen.

(4)  Als weitere Option wird die Anwendung von BabyBene® Gel beschrieben. Dieses Gel enthält u.a. Oliven- und Jojoba-Öl und ist von der Zusammensetzung her unproblematisch.

Fazit: Eine Behandlung des Kopfgneis‘ ist medizinisch nicht erforderlich. Versuche zuhause mit Olivenöl oder dem BabyBene® Gel scheinen gerechtfertigt.

Schnarchen

Schnarchen kommt nicht nur bei Erwachsenen vor, sondern auch bei Kindern. Nach Studienlage leiden 5% bis 10% der amerikanischen Kinder unter einer obstruktiven Schlafapnoe, also krankhaft verlängerten Atempausen (Apnoe) im Schlaf, verursacht durch eine Einengung (Obstruktion) der oberen Atemwege. Ursache hierfür können stark vergrößerte Mandeln (Tonsillenhyperplasie) oder auch Übergewicht/ Adipositas sein. In jedem Fall hat eine unerkannte Schlafapnoe gravierende Folgen auf die körperliche und seelische Gesundheit.

Recht typisch für die Schlafapnoen ist eine Tagesmüdigkeit. Weil die Kinder nachts einen immer wieder Episoden mit Sauerstoffmangel durch die Atemaussetzer erleben, ist ihr Schlaf nicht erholsam. Somit setzt tagsüber immer wieder ein Schlafdruck ein, wenn sie weniger gefordert sind wie manchmal in der Schule, wenn Lehrer – frontal – ihnen neue Dinge erklärt. Neben der Tagesmüdigkeit fallen aber auch Verhaltensstörungen auf, mit denen sich die Forschung seit längerem beschäftigt.

In der Avon Longitudinal Study of Parents and Children (ALSPAC) wurden bereits vor 10 Jahren Kinder im Alter von 4-7 Jahren untersucht. Dabei zeigte sich, dass das Schnarchen dem auffälligen Verhalten vorausging. Symptome wie Schnarchen, sollten bereits für Kinder im ersten Lebensjahr ernst genommen werden. In der deutlichen größeren ABCD-Studie (Adolescent Brain Cognitive Development) mit über 10.000 Teilnehmern wird auch dieser Frage nachgegangen.

Kürzlich erfolgte eine Publikation im Zusammenhang mit der ABCD-Studie. Dort konnte die Forschergruppe um Amal Isaiah über die Messungen mit MRT-Untersuchungen belegen, dass die Verhaltensstörungen häufig von strukturellen Veränderungen an der Großhirnrinde begleitet sind.

Fazit: Schnarchen mag für manche Schläfer im gleichen Zimmer unangenehm sein. Für Kinder hat es unter Umständen aber deutlich größere Folgen, wenn das Schnarchen als Teil einer obstruktiven Schlafapnoe anzusehen ist. Es lohnt sich, diese Frage auch schon bei den Kleinsten mit dem Kinder- und Jugendarzt zu klären.

Häufige Mittelohrentzündung: Antibiotika oder Paukenröhrchen?

Manche Kleinkinder neigen zu häufigen Mittelohrentzündungen (rezidivierende Otitis media). Das ist immer mit sehr starken Schmerzen und auch längeren Höreinschränkungen verbunden. In der Folge der Hörstörungen ziehen sich Kinder beispielsweise in der KiTa gerne in eine Ecke und damit von ihren Spielkollegen zurück. Dadurch vereinsamen sie über Wochen und ganz nebenbei auch die Sprache. Sie hören wenig, reden wenig, eine Sprachentwicklungsstörung kann einsetzen.

Eine solch gravierende Störung der Sprache soll natürlich unbedingt vermieden werden. Deswegen sind Eltern, KinderärztInnen und HNO-Äc von „Abwarten“ über „Antibiotikagabe“ bis hin zu „Paukenröhrchen“.

In einer Studie mit 250 Kindern im Alter von 6 bis 35 Monaten untersuchte eine Forschergruppe um Alejandro Hoberman von der Universität Pittsburgh die Fragestellung, ob eine Behandlung mit Paukenröhrchen oder eine Antibiotikagabe günstiger seien. In die Studie wurden Kinder aufgenommen, die in den vergangenen 6 Monate mindestens 3 Episoden einer Otitis media durchgemacht hatte.

Einige Eltern der Antibiotikagruppe forderten jedoch eine Behandlung mit dem Paukenröhrchen – die bevorzugte Therapie in den USA – wodurch es in der Studie zu unerwarteten Verschiebungen kam. Nach Abschluss der Studie lag die Rate für Mittelohrentzündungen bei Kindern mit 1,48 pro Jahr etwas niedriger als bei denen, die eine antibiotische Therapie erhalten hatten (1,56 Mittelohrepisoden/ Jahr).

So kamen die Forscher zum Schluss, dass beide Strategien – die Einlage antibiotische Therapie wie die Einlage der Paukenröhrchen – hilfreich sei und es zwischen beiden keine bedeutsamen Unterschiede gebe. Die Einlage eine Paukenröhrchens verlangt jedoch einen operativen Eingriff in Narkose und führt häufiger zum „laufenden Ohr“ (Otorrhoe). Letztere beiden Punkte werden wohl von deutschen Eltern weniger toleriert als in den USA.

Fruchtzucker und Fettleber

Das erschreckt dann doch. Schon handelsübliche Mengen an Frucht- und Haushaltszucker (Fructose und Saccharose) in Süßgetränken können die Fettproduktion der Leber bei Gesunden verdoppeln. Damit ist ein erster Schritt für die mögliche Entwicklung einer Fettlebererkrankung und eines Diabetes getan.

Forscher der Universität Zürich haben sich der Rolle der Zucker auf die Entstehung einer Fettleber gewidmet. In ihrem Experiment untersuchte die Gruppe um Bettina Geidl-Flueck über sieben Wochen 94 normalgewichtige (BMI < 24) und gesunde junge Männer. Diese Gruppe nahm zusätzlich zur normalen Ernährung täglich Getränke zu sich, die mit Frucht-, Trauben- oder Haushaltszucker gesüßt war. Insgesamt lag diese zusätzliche Zuckermenge bei gerade mal 80 Gramm pro Tag. Eine gleich aufgebaute Kontrollgruppe verzichtete auf die Softgetränke. Im Ergebnis zeigte sich, dass die Süßgetränke zu einer Verdopplung der Fettproduktion in der Leber der Probanden führte.

Die von der Leber produzierten Fette werden in der Leber eingelagert und führen zu einer Fettleber. Somit ist davon auszugehen, dass neben fettreichen Nahrungsmittel auch zuckerreiche Lebensmittel mittelfristig zu Erkrankungen wie Adipositas, Diabetes Typ II und Fettleber führen. Dazu bemerkt Prof. Dr. Heiner Wedemeyer, Mediensprecher der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten e.V. (DGVS): „In Deutschland leidet bereits jetzt fast jeder Dritte an einer nicht-alkoholischen Fettleber (NAFL). Schätzungen gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2030 die Anzahl der Patienten mit einer Fettleberhepatitis (NASH) auf 4,7 Millionen ansteigen wird. Die Politik ist in der Verantwortung, Maßnahmen gegen diese Entwicklung zu ergreifen“, so Wedemeyer.

In diesem Zusammenhang lohnt sich der Blick auf ein Klassiker-Getränk: Coca-Cola. Ein Liter Coca-Cola enthält 90 Gramm Zucker.

Vorbereitungen für Ferien mit Kindern

Nicht wenige Familien werden in diesem Sommer Ferien machen: im Schwarzwald, in der Türkei oder bei sich zuhause. Bislang ist der Sommer noch nicht im Ländle angekommen. Die Morgenstimmungen erinnern eher an den Herbst. Aber wir geben die Hoffnung nicht auf und wollen Ihnen einige Themen vorstellen, die in einem echten Sommer wichtig werden können.

Magen-Darm-Erkrankungen (Gastroenteritis)

Eine Magen-Darm-Grippe beginnt oft damit, dass ein Kind akut erbricht, manchmal mehrfach. Was ist da zu machen? In den meisten Fällen hilft es, das Kind zu beruhigen, in den Arm zu nehmen und ihm langsam ein Getränk zuzuführen. Dabei sind Elektrolytlösungen wie Oralpädon© oder Santalyt© ideal. Das Problem besteht darin, dass viele Kinder, die an sich nicht schlecht schmeckenden Getränke schlicht verweigern. Dann kann man alternativ auf eine Apfelschorle (1 Teil Apfelsaft + 3 Teile Wasser, dazu etwas Salz direkt oder indirekt als Salzstängele) zurückgreifen, die von fast allen Kindern gerne getrunken wird. Aber es gibt noch eine bessere Möglichkeit, die sich über Jahrzehnte bewährt hat: Die „Fanconi-Lösung“

Diese Fanconi-Lösung ist für Kinder schmackhaft und in ihrer Zusammensetzung besser als die Apfelschorle (jedoch nicht ganz so gut wie die o.g. Elektrolytlösungen). Mit dieser Lösung gelingt es, die Salzverluste nach dem Erbrechen wieder gut aufzufangen:

  • 3 Esslöffel (Trauben-) Zucker
  • 1/2 Teelöffel Salz
  • beides zusammen in 300 ml Orangensaft auflösen und diese Mischung dann in
  • 1 Liter verdünnten Schwarztee geben

Alle diese Getränke werden zunächst löffelweise gegeben mit langsam zunehmender Menge. Dabei sollte ein Kleinkind nach 30 Minuten etwa 100 ml getrunken haben (nicht mehr!). Ist bis dahin kein Erbrechen mehr aufgetreten, kann das Kind so viel trinken wie es mag. Im anderen Falle wieder zur löffelweisen Gabe der Flüssigkeit zurückkehren und von vorne beginnen. Immer sehr langsam, mit viel Geduld und ohne die Frage „Musst Du spucken?“. Denn dem Kind geht es meist schon schlecht genug und es ist besser, es geschickt z.B. durch Anschauen eines Bilderbuches abzulenken.

Ein Durchfall, der meist auch auftritt, ist in der Regel solange unproblematisch, solange ein Kind nach der ersten Phase des Erbrechens ordentlich in kleinen Mengen (!!) isst. Eine Diät ist selten nötig, Hauptsache, die Kinder nehmen etwas zu sich. Wann muss ein Arzt aufgesucht werden? Wenn…

  • das Erbrechen lange anhält (abhängig vom Alter des Kindes!) oder
  • Blut im Stuhl auftaucht oder
  • hohes Fieber auftritt

Verbrennungen

Verbrennungen sind in den vergangenen Jahren glücklicherweise selten geworden, kommen aber trotzdem immer wieder vor und sollen deswegen hier ins Gedächtnis gerufen werden. Die meisten Verletzungen treten beim Grillen auf, wenn Kinder aus Unachtsamkeit bzw. bei mangelnder Beobachtung durch die Erwachsenen sich verbrennen. Hier gilt es, Kinder behutsam ans Feuer heranzuführen und ihre ersten Versuche – wenn sie denn alt genug sind – sorgsam zu überwachen. Verbrennungen, wie sie beim Grillen auftreten, sind oft schwerwiegend.

Sonnenbrand

Schwere Sonnenbrände beobachten wir in den Sommermonaten immer häufiger. Abgesehen von der akuten Beeinträchtigung mit massiven Schmerzen und teilweise Blasenbildungen, sind sie langfristig ein bedeutsames Problem wegen des Risikos der Entwicklung von Hautkrebs (malignes Melanom). Deswegen hier nochmals die Hinweise, wie wir sie im praxisblättle 2009 bereits veröffentlich haben.

Das Sonnenlicht, das uns auf der Erde erreicht, besteht zu 5% aus ultravioletter Strahlung (UV), die für unsere Haut einen Reiz darstellt. UV-B-Strahlen (280 – 315 nm) führt durch die verstärkte Pigmentierung zur Bräunung, wodurch der Körper seinen Sonnenschutz um das 2- bis 3-fache steigert. Eine Verdickung der Hornschicht schließlich steigert diesen Schutz nochmals auf das 4-fache. Es gibt aber Körperregionen, die nicht bräunen können und dadurch unter UV-B leiden: die Lippen. Sie sollten mit einem Sonnenschutzstift geschützt werden. Die UV-Strahlung schwächt übrigens auch das Immunsystem, weswegen es nach Sonneneinstrahlung oft z.B. Lippenherpes durchbricht.

Die UV-A-Strahlung (315 – 380 nm) verursacht eine sofortige und eine verzögerte Pigmentierung der Haut. Dieses UV-Licht trägt besonders stark zur Hautalterung bei. Andererseits ist es UV-B, das die Entstehung von Hauttumoren zu über 60% bedingt. Diese treten mit zunehmender Häufung von Sonnenbränden vermehrt auf, abhängig auch vom Hauttyp.

Besonderheiten beim Kind

Die Haut des Kindes ist wie die meisten kindlichen Organe in einem Reifungsprozess. Körpereigene Abwehrmechanismen wie Pigmentierung und Lichtschwiele sind noch nicht richtig ausgebildet. Auch der schützende Lipidfilm durch die Talgdrüsenfunktion fällt weitgehend weg. Ebenso schwitzen Kinder deutlich weniger und bilden damit auch kaum Urokaninsäure, die wiederum UV-absorbierend ist. In Summe ist die kindliche Haut deutlich lichtempfindlicher als die der Erwachsenen. Darüber hinaus verbringen Kinder deutlich mehr Zeit in der Sonne als Erwachsene, was das Risiko weiter erhöht. Bis zum 18. Geburtstag erleben Menschen 50 – 80% ihrer Sonnenbestrahlung des gesamten Lebens. In dieser Zeit wird also auch die Basis für die Tumoren im Erwachsenenalter gelegt.

Welcher Sonnenschutz ist sinnvoll?

Meiden der Sonne: Die Zeit zwischen 11:00 und 16:00 ist am sonnenintensivsten. Zumindest in der Kernzeit 12:00 bis 14:30 Uhr sollten Kinder im Haus bleiben. Sollte draußen die Sonne nicht scheinen, denken Sie bitte daran, dass die lichtschützende Wirkung von Wolken überschätzt wird: Eine dünne Wolke mindert die UV-Strahlung gerade mal um 20 bis 40%. Der Effekt, drinnen zu bleiben, ist also der sicherste Weg.

2 Unter einem Sonnenschirm ist die UV-Strahlung meist 50% geringer, besonders bei heller Umgebung mit Abstrahlung (Strand, helle Hauswand). Auch im Wasser gibt es noch erhebliche UV-Strahlung. Dort, wo beim Schwimmen die Füße sind, also in etwa 50 cm Tiefe, sind noch 60% des UV-B und 75% des UV-A wirksam.

3 Der textile Sonnenschutz durch Kleider ist sicher, wirksam und billig. Gelegentlich ist er schwer durchzusetzen. Aber an seine Schutzwirkung kommen die Sonnenschutzmittel nicht heran

Sonnenschutzmittel. Nur Regionen, die nicht von Kleidern beschützt sind sollten durch Sonnenschutzmittel behandelt werden. Sonnenschutzmittel sind also Ergänzungen und nicht wie oft angenommen im Zentrum des Sonnenschutzes. Es wird grundsätzlich ein Lichtschutzfaktor von mindestens LSF 30 empfohlen. Der Sonnenschutz sollte etwa 15 min vor Sonneneinstrahlung dick aufgetragen werden. Von einem Schutz kann man dann für 2 Stunden ausgehen. Zwei Arten von Sonnenschutz gibt es:

a) chemischer Sonnenschutz
b) physikalischer Sonnenschutz.

Der physikalische Sonnenschutz besteht aus anorganischen Nanopartikeln (Zinkoxid, Titandioxid), die die UV-Strahlen streuen, absorbieren und auch reflektieren. Sie dringen – im Gegensatz zum chemischen Schutz – nicht in die lebenden Hautschichten ein und sind somit für Kinder besonders zu empfehlen. Aktuell als gut eingestufte Sonnenschutzmittel finden Sie hier.

COVID-19 bei Kindern: Ergebnisse einer Studie aus Baden-Würtemberg

Informationen über Coronainfektionen bei Kindern gibt es Deutschland nur wenige. Eine sehr wichtige Studie aus Baden-Württemberg schließt nun diese Lücke.

In diese prospektiven (vorausschauenden) Studie wurden Personen aus 328 Haushalten in Baden-Württemberg von Mai bis August 2020 während der ersten Coronawelle aufgenommen. Ab Beginn der Studie wurden 548 Kinder zwischen 6 und 14 Jahren sowie 717 Erwachsene aus diesen Haushalten in Bezug auf auftretende Coronainfektionen verfolgt. Die Studie wurde von den Universitäten Ulm, Tübingen und Freiburg  unter Leitung von Dr. Roland Elling von der Universitätskinderklinik in Freiburg durchgeführt.

Was waren die wichtigsten Ergebnisse der Studie?

1. Innerhalb der Familien steckten sich Kinder seltener (34 Prozent) mit Coronavirus an als die Erwachsenen (58 Prozent). Darüber hinaus war der Verlauf der Coronainfektion deutlich milder als bei den Erwachsenen, was seit langem bekannt ist. Besonders auffallend aber: Bei Kindern verlief die Erkrankung fünfmal häufiger ohne Krankheitszeichen als bei den Erwachsenen (45% gegenüber 9 %).

2. Trotz schwächerer oder fehlender Krankheitszeichen war die Immunantwort von Kindern im Durchschnitt stärker und hielt länger an als bei Er­wachsenen. In Bezug auf Antikörper im Serum zeigten nach 11 bis 12 Monaten noch 96% der Kinder noch relevante Werte, während Erwachsene zu gleichen Zeit spezifische Antikörper nur in 83% aufwiesen.

Trotz spürbar weniger Symptomen – übrigens vorwiegend Geschmacksverlust – zeigten Kinder eine robuste Immunantwort.

Schnuller und Nahrungsmittelallergie

Vielen Babys wird ein Schnuller angeboten. Meist als Beruhigung (pacifier – „Beruhiger“ ist das englische Wort für Schnuller) oder auch, um sie kurz abzulenken, bevor sie zum Stillen an die Brust angelegt werden.

In einer australischen Studie gingen Victoria X. Soriano und Mitarbeiterinnen nun der Frage nach, ob der Gebrauch von Schnullern einen Zusammenhang mit Nahrungsmittelallergien haben könnte.

Dazu befragten die Forscherinnen 894 Mütter/ Familien ab der 28. Schwangerschaftswoche als die Babys im Alter von 1, 6 und 12 Monaten waren. Bei den einjährigen Kindern wurde geprüft, ob eine Nahrungsmittelallergie vorliegt.

Es zeigte sich, dass die Benutzung von Schnullern im Alter von 6 Monaten das Risiko für eine Allergie gegen Nahrungsmittel um den Faktor 1,94 erhöhte. Bei genauer Betrachtung beruhte dieser Effekt auf einem besonders hohen Risiko für NM-Allergien, wenn Schnuller zuvor auch mit einem Antiseptikum gereinigt wurden. Schnullern + Antiseptikum führten zu einem fast 5-fachen Risiko an einer Nahrungsmittelallergie zu erkranken. 

Wieso es zu diesem hohen Risiko kommt, ist bislang nicht geklärt.

Allergischer Schock bei Kindern

Auch im Kindesalter kommt es zu schwersten allergischen Schockzuständen. Wir Mediziner nennen das eine Anaphylaxie. Dieser Begriff beschreibt eine Überreaktion des erworbenen Immunsystems. Dabei erkennt das Immunsystem eine Substanz, wie beispielsweise Kuhmilch beim Säugling, als fremd und will sie deswegen abwehren.  Die Abwehr dieses fremden Stoffes gerät jedoch so aus den Fugen, dass der eigene Organismus lebensbedrohlich gefährdet wird.

Die Anaphylaxie tritt in rasender Geschwindigkeit auf. Meist dauert es nur wenige Minuten nach dem Kontakt zum Auslöser, bis in kurzer Abfolge die Symptome auftreten: Urtikaria (Nesselsucht), Verengungen der Atemwege (sog. Larynx-Ödem, Asthmaanfall), nach kurzzeitigem Blutdruckanstieg kommt es rasch zu einem Abfall des Blutdrucks mit nachfolgendem Kreislaufschock.

Sesamsamen Foto: pixabay, TheUjulala

In der Bevölkerung treten 26% aller Fälle von Anaphylaxie bei Kindern und Jugendlichen bis zum 18. Geburtstag auf. Auf 1000 Patientenjahre wurden im Jahr 2016 fünf Anaphylaxien festgestellt. Das hat kürzlich nochmals eine Studie der Harvard Universität in Boston betreffend Kinder unter 3 Jahren aus des USA bekräftigt. Auffallend war dabei ein Anstieg der Häufigkeit bei den Nahrungsmittelallergien (hier besonders auf Nüsse und Samen). Als Auslöser für eine Anaphylaxie kommen im Kindes- und Jugendalter besonders in Frage:

  • Nahrungsmittel: Milch, Ei (Eiweiß > Eigelb), Erdnüsse, Nüsse, Samen (z.B. Sesam), Fisch u.a.
  • Insektengifte: Wespengift und Bienengift, seltener auch Gift der Hornisse
  • Medikamente: Häufigkeit liegt bei 1-2% aller Anaphylaxien. Auch für die mRNA-Impfstoffe ist eine extrem seltene Anaphylaxie bekannt (vermutlich auf Polyethylengykol PEG)

Die Rate der Anaphylaxien ist zwar angestiegen, die Mortalität (Tödlichkeit) glücklicherweise nicht. Weltweit liegt die Tödlichkeit bei 0.5 bis 1 Todesfall pro 1 Million Einwohner und Jahr.

Es ist leuchtet ein, dass eine Therapie des anaphylaktischen Schocks ebenso schnell eingeleitet werden muss um eine Chance zu haben. Der erste Schritt ist, den Auslöser für den Schock zu stoppen: Kein weiterer Verzehr des Nahrungsmittels (z.B. Milch, Erdnuss) oder Beendigung einer Infusion (z.B. bei einer Penizillinallergie). Meist werden die ersten Symptome wie Hitzegefühl, Kribbeln in den Händen oder Juckreiz bald abgelöst von schweren Symptomen wie Atemnot, Schluckbeschwerden und einer zunehmenden Angst.

Adrenalin – Epinephrin. Foto: pixabay, WikiMediaImages

Ab diesem Moment besteht die Gefahr einer gefährlichen Kreislaufspirale: Zunächst schafft es der Körper durch eine kurze Gegenreaktion den Blutdruck ansteigen zu lassen. Dieser hoffnungsvollen Maßnahme folgt jedoch bald ein Abfall des Blutdrucks, der letztlich über den Verlauf des allergischen Schocks entscheidet. Spätestens in dieser Phase muss Adrenalin als Spritze – Adrenalin-Autoinjektoren wie Emerade©, EpiPen©, Fastjekt© –  in den Oberschenkel gegeben werden, um die Abwärtsspirale zu stoppen. Denn jeder weitere Abfall des Blutdrucks führt zu neuerlichem Blutdruckabfall, an dessen Ende ein Kreislaufversagen steht. Damit ist klar, dass Menschen, die um ihr Risiko für einen allergischen Schock wissen (Bienengiftallergiker z.B.) immer einen Adrenalin-Autoinjektor mit sich führen müssen. Nur damit lässt sich die Zeit zwischen dem Beginn des Schocks und dem Eintreffen eines Notarztes überbrücken. Egal, ob man sich in der Innenstadt von Karlsruhe oder auf dem Feldberg im Schwarzwald befindet.

Inzwischen gibt es für Eltern und Kinder gute Möglichkeiten, sich über die Anaphylaxie zu informieren und insbesondere auch über deren Erkennung und Therapie. Empfehlenswert sind die Informationen zu Frühwarnzeichen und Umgang mit dem Notfallset der GPA (Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie) sowie deren Elternratgeber.

Um gut vorbereitet zu sein, sind einige Informationen wichtig, damit die Umgebung im Falle einer anaphylaktischen Reaktion schnell informiert ist: Der Anaphylaxie-Pass und der Anaphylaxie-Notfallplan. Bei können beispielsweise über den Deutschen Allergie- und Asthmabund (daab.de) hier bestellt werden.

Badedermatitis: Folge von Saugwürmern in warmen Seen

Endlich Sommer. Endlich Sonne. Endlich baden. Das sehen auch die kleinen Larven der Saugwürmer (Zerkarien) so, die besonders bei Temperaturen von über 20° Celsius von ihren Wirten freigesetzt werden. Der bei weitem häufigste Wirt ist die Ente. Insofern kommen diese Larven hauptsächlich in warmen Seen vor, in denen sich auch Enten wohlfühlen.

Zyklus der Zerkarien (in Englisch). Foto: CDC

Alles beginnt mit Wasservögeln wie Enten, die von den Saugwürmern (medizinisch: Trematoden) befallen sind. Mit ihrem Kot scheiden die Vögel Wurmeier aus. Deren Larven befallen dann zunächst Wasserschnecken, später manchmal auch Fische. Von diesen werden schließlich die Zerkarien ausgeschieden.

Zerkarie Foto: CDC

Die Zerkarien suchen im Wasser nach Enten oder anderen Wasservögeln, in denen sie zu reifen Würmern heranwachsen können. Dabei halten sie sich an der Wasseroberfläche auf, wo sie bis zu drei Tage überleben können. Auf der Suche nach den Enten verwechseln die kleinen Zerkarien ihr Ziel gelegentlich und dringen in die Haut von Menschen ein. Dort haben sie jedoch keine Chance und sterben ab. Der Mensch ist also ein „Fehlwirt“, weil die Zerkarien den Menschen mit der Ente verwechseln.

Wie äußert sich die Badedermatitis?

Badedermatitis. Foto: CDC

Bereits zehn Minuten nach dem Eintritt der Zerkarien beginnt ein leichtes Jucken und es treten kleinste rote Fleckchen auf. Das fällt zunächst kaum auf. Bei wiederholtem Befall, wenn somit an verschiedenen Tagen Zerkarien in die Haut eindringen, tritt eine Sensibilisierung ein: Stunden nach dem Befall mit Zerkarien treten Quaddeln (wie nach Brennesselberührung) auf, die massiv jucken. Aus diesen entwickeln sich kleine Knötchen, die meist nach 1-3 Wochen folgenlos abheilen.

Was hilft vorbeugend?

Das Risiko den Zerkarien zu begegnen kann nur grob abgeschätzt werden. Sie können in stehenden Gewässern auftreten, in denen Wasservögel und Süßwasserschnecken vorkommen.

  • Zerkarien können in trüben stehenden Gewässern mit stark verringerter Sichttiefe vermutet werden.
  • Besonders betroffen sind wasserpflanzenreiche Uferbereiche.
  • Betroffen sind Gewässer, in denen sich Enten und andere Wasservögel wohl fühlen. 
  • Bereiche mit grünen oder blaugrünen Schlieren oder “Teppichen” stellen ebenso ein Risiko dar.

Was kann ich vorbeugend machen, wenn Kinder in einem solchen Wasser gebadet haben?

  • Nach dem Baden umgehend die Badebekleidung wechseln.
  • Die Haut mit dem Handtuch kräftig abrubbeln, um ggf. einige Zerkarien noch von der Haut zu entfernen (fürs bloße Auge sind sie nicht sichtbar).
  • Sofortiges Duschen und Ausspülen der Badebekleidung.
  • Wenn nach dem Baden Hautreizungen, Reizungen der Atemwege oder Magen-Darm-Beschwerden auftreten: Arzt aufsuchen

Die Badedermatitis/ Zerkariendermatitis kommt in unseren Breiten (und auch in Nordamerika) regelmäßig in dieser Jahreszeit vor – aber nur für kurze Zeit, wenn die stehenden Gewässer warm genug sind und sich darin viele Zerkarien aufhalten können. Das trifft meist nur für den Monat Juli zu.

Corona-Komplikationen bei Kindern: PIMS / MIS-C:

Coronainfektionen verlaufen bei Kindern anders als bei Erwachsenen, das ist gut bekannt. Meist sind die Erkrankungen so schwach, dass die Infektion kaum bemerkt wird. Dennoch kann es nach Coronainfektionen von Kindern zu schweren Komplikationen kommen, deren Bedeutung gelegentlich unterschätzt wird.

Stationäre Behandlungen von COVID-19 bei Kindern in Deutschland (grau) sowie Fallzahlen von PIMS /MIS-C (orange) seit Beginn der Pandemie. Foto: DGPI

Eine schwere Komplikation im Zusammenhang von COVID-19 stellt das Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome (PIMS) dar, das in den USA als „multisystem inflammatory syndrome in children“ (MIS-C) bezeichnet wird. Der Buchstabe M (multisystem) beschreibt ein typisches Zeichen dieser Erkrankung: Es betrifft mehrere Organe des kindlichen Körpers: Herz, Lunge, Nieren, Haut, Gehirn, Augen oder Magen-Darm-Trakt. Um es gleich vorweg zu sagen: Die Ursache hierfür ist unbekannt. Klar ist nur, dass es im Zusammenhang mit einer Coronainfektion steht und oftmals 2 Wochen nach einer solchen bei Kindern und Jugendlichen unter 21 Jahren auftauchen kann. Das PIMS/ MIS-C ähnelt in vielen Aspekten dem Kawasaki-Syndrom, weißt aber auch entscheidende Unterschiede auf (z.B. die betroffene Altersgruppe ist beim Kawasaki-Syndrom deutlich jünger).

Welche Symptome zeigt PIMS/ MIS-C?

Meist kommt es etwa zwei Wochen nach einer Coronainfektion zu ersten Beschwerden, wobei die Coronainfektion selbst gelegentlich so schwach verlief, dass sie kaum bemerkt wurde. Typisch sind anhaltendes Fieber, Bauchschmerzen, Erbrechen, Durchfall, Hautausschläge und – in schweren Fällen – auch Blutdruckabfall mit Schock. Besonders häufig sind eine Myokarditis (Herzmuskelentzündung) oder akute Nierenerkrankungen.

Wer ist betroffen?

Altersverteilung PIMS. Foto: DGPI

In den USA sind (Stand 06.06.2021) sind dort inzwischen 4018 Kinder und Jugendliche mit einem Durchschnittsalter von 9 Jahren betroffen. Von ihnen sind die Hälfte zwischen 5 und 13 Jahre alt und 60% männlich. Insgesamt verstarben in den USA 36 Kinder an PIMS/ MIS-C, also fast jedes hundertste erkrankte.

In Deutschland sind (Stand 06.06.2021) 341 PIMS-Fälle bekannt. Von diesen trugen 5,9% Folgeschäden davon, aber keines verstarb. Interessant ist, dass die meisten Kinder mit PIMS mit einer anderen Aufnahmediagnose als PIMS in die Klinik eingeliefert wurden. Die Mehrheit wurde auf einer Intensivstation behandelt und erhielt immunmodulatorische Therapien.

Manche Forscher vermuten, dass MIS-C /PIMS  mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:1000 Corona-Infektionen bei Kindern auftritt. In der Fachwelt ist die Bedeutung der schwerwiegenden Komplikation von COVID-19 jedoch noch nicht abgeschlossen.

Das CDC in den USA hat einige Fälle einer vergleichbaren Erkrankung bei Erwachsenen beschrieben. Sie nennt sich MIS-A, wobei „A“ für Erwachsene (adult) im Gegensatz zu „C“ (child) steht.