Kategorie: Krankheitsbilder

Asthma bronchiale: eine komplexe Erkrankung

Nahezu jedes zehnte Kind in Deutschland leidet zeitweise an Asthma bronchiale. Viele Eltern erleben das im Alltag. Eine häufige erste Erfahrung ist ein Infekt, der beim Kind neben Fieber und Husten auch mit Atemnot kombiniert ist – Infektasthma. Andere erleben die Enge der Atemwege im Rahmen von Allergien – das allergische Asthma.

Was steckt hinter der Diagnose Asthma bronchiale? Die wissenschaftliche Forschung hat über die letzten Jahrzehnte immer mehr neue Aspekte herausgearbeitet. Wenn alle diese Erkenntnisse zusammengefügt sind, ergibt sich ein extrem komplexes Bild. Um eine Idee davon zu bekommen, ist die interaktive Karte – die Asthma Map (in Englisch) – sehr erhellend, die von einer Gruppe Wissenschaftler aus vielen Ländern erarbeitet wurde. Ein Blick zeigt, wie verworren die Abläufe der Entzündung beim Asthma bronchiale sind.

Kuhmilchallergie: Wie gefährlich kann sie sein?

Über Lebensmittel unterhalten wir uns täglich. So zum Beispiel über Unverträglichkeiten aller Art wie Lactoseintoleranz oder Unverträglichkeit von Weizen. Man vermutet, dass jeder fünfte in Deutschland bei sich eine Unverträglichkeit beobachtet, obwohl nur bei 2% aller Menschen eine solche nachweisbar ist.

Ähnlich ist es bei Allergien gegen Nahrungsmittel. Solche Allergien werden oft vermutet, lassen sich aber nur bei einer kleineren Gruppe von Menschen nachweisen. Genaue Daten hierzu gibt es wenige. Insofern ist die Studie aus der Arbeitsgruppe von Paul J. Turner vom National Heart and Lung Institute in London (England) sehr interessant.

Zunahme der Anaphylaxien gegen Nahrungsmittel zwischen 1998 und 2018 in Großbritannien. Quelle: British Medical Journal

Die Briten haben die nationalen Daten von 1998 bis 2018 hinsichtlich Krankenhausaufnahme wegen Nahrungsmittelallergien ausgewertet. In diesen 20 Jahren stieg die Zahl der stationär aufgenommenen Personen mit Nahrungsmittelallergien von 1,23 auf 4,04 pro 100.000 Einwohner und Jahr. Dabei lag der Anstieg bei Kindern deutlich höher: 2,1 auf 9,2 Aufnahmen pro 100.000 Personen.

Allergische Reaktionen auf Nahrungsmittel sind unangenehm und manchmal auch bedrohlich. Todesfällen sind jedoch selten. Für Großbritannien ließen sich 66 Todesfälle für Kinder im Schulalter innerhalb der 20 Jahre nachweisen. Davon entfielen 17 Todesfälle (26%) auf Kinder mit Kuhmilchallergie. Die nächst häufigere Todesursache waren die Erdnüsse als Auslöser in 14%, die bei Erwachsenen das „tödlichste Allergien“ mit 20% darstellt.

Ein beruhigendes Ergebnis der Studie ist, dass zwischen 1998 und 2018 laut des staatlichen Gesundheitsdienstes (NHS) die Zahl der verordneten Adrenalin-Injektoren um 336% zugenommen hat. Adrenalin ist die einzige Arznei, die eine Anaphylaxie (allergischer Schock) erfolgreich stoppen kann. Kampagnen der Allergologen weltweit werben seit Jahrzehnten dafür, diese Notfallarznei unbedingt den kritischen Allergiker zu verordnen.

Diese Zahlen aus Großbritannien zeigen auch eine Tendenz, die für Deutschland gilt: Schwere Allergien kommen häufiger vor als oft gedacht. Sie zu erkennen und exakt zu diagnostizieren ist der eine Schritt. Der andere ist die Planung der Notfalltherapie mit dem Adrenalin-Injektor sowie der Schulung der persönlichen Umgebung (Eltern, ErzieherInnen, LehrerInnen u.a.) im Einsatz desselben. Denn Todesfälle sind möglich, aber in vielen Fällen vermeidbar.

Fingerknacken – ein Problem?

Jedes Kind probiert das wohl mal aus: das Fingerknacken. Wenn Eltern das mitbekommen sind sie häufig besorgt, was einige Kinder dazu anregt es immer wieder zu machen, Manchmal als Provokation, häufig auch aus Langeweile.

Ist das Fingerknacken schädlich? Hat es Folgen für die Gelenke, sei es dass diese vermehrt beweglich würden oder dass eine Arthrose die Folge ist? So einfach solche Fragen scheinen, so führen sie doch oft zu Stirnrunzeln beim Kinder- und Jugendarzt.

Erstaunlicherweise gibt es zu diesem Thema einige Literatur. Diese bezieht sich zumeist auf Erwachsene, die jedoch schon lange das Fingerknacken praktizierten. Das Ergebnis: Ein negativer Effekt auf die Gelenke lässt sich mit verschiedenen Methoden nicht nachweisen. Die Literatur zu diesem Thema gipfelt in dem Selbstversuch eines Dr. Donald L. Unger aus Kalifornien (in Englisch), der an seiner linken Hand über 50 Jahre die Finger mindestens 2 mal täglich knackte, während er die rechte Hand in Ruhe ließ. Nach mindestens 36.500 Knackversuchen konnte er keinen Unterschied zwischen beiden Händen finden und insbesondere keine Arthrose.

Eltern können also gelassen ihren Kindern zuschauen, wenn sie die Finger knacken lassen. Mit dieser Nonchalance dürfte dieser Tic der Kinder bald vorbei sein.

Trampolinspringen

Der Frühling kommt. Kinder und Jugendliche drängt es nach draußen. Wärme, Freiheit und Bewegung. Was gibt’s da schöneres als ein Trampolin?

Wir verbinden es mit der Freiheit zu fliegen, dem ausgelassenen Spaß draußen im Grünen und der Einladung, sich körperlich zu verausgaben. Leider sieht die Realität oft anders aus. Die meisten Kinder sind eben nicht so sportlich. Und, das Trampolin ist ein Saison-Gerät. Nach einem langen Winter sind einige Bewegungen nicht mehr so drin wie im Jahr zuvor – kurzum: es birgt gerade zu Beginn im Frühjahr einige Risiken.

Dazu liegen vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) liegen erstmals Merkblätter zu den Trampolinunfällen vor. Und gleich in mehreren Sprachen: Deutsch, Türkisch, Englisch, Polnisch, Italienisch und Französisch. In gedruckter Version gibt es sie nicht, sie können aber nach Registrierung kostenlos bei der bvkj-service GmbH bestellt und runtergeladen werden.

Die Zahl der Unfälle mit dem Trampolin werden von vielen Eltern unterschätzt. Sie kommen in der Praxis jedes Kinder- und Jugendarztes regelmäßig vor. Eine zentrale Regel ist: Für Kinder unter 6 Jahren ist kein Trampolinspringen sinnvoll.

Kreuzreaktionen bei Nahrungsmittelallergien

Bald blühen die Birken. Das wäre nicht besonders spektakulär, wenn deren Pollen nicht so herrlich weit fliegen und tief in die Atemwege von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen eindringen würden. Das mag so manches Immunsystem überhaupt nicht und reagiert allergisch.

Oft bleibt es aber nicht beim „Heuschnupfen“, der eigentlich ein allergischer Schnupfen ist und bei den Birken ohne Heu auskommt –  manchmal kommt auch Asthma bronchiale hinzu. Das betrifft zum Glück eher Schulkinder und Jugendliche, so dass die Kleinsten im Frühjahr meist ungestört rumtollen können.

Wer von der Allergie gegen die Frühblüher wie Birke oder Hasel oder auch Erle betroffen wird hat ein großes Risiko auch eine Nahrungsmittelallergie zu bekommen. Weil das Allergen der Pollen so ähnlich aufgebaut ist, reagieren viele Pollen-Allergiker auch auf einige Nahrungsmittel wie Äpfel (Kernobst) oder Haselnüsse.

Und dann wird’s langsam kompliziert. Denn es gibt auch Kreuz-Reaktionen von einem Nahrungsmittel zum anderen. Das ist vielen Eltern allergischer Kinder bekannt. Wo aber welches Risiko vorliegt ist eher weniger bekannt. Deswegen wollen wir hier eine Übersicht vorstellen, die kürzlich von ausgewiesenen Experten aus New York und Genf veröffentlicht wurde.

Nahrungsmittelallergien und ihre Kreuzallergene (siehe Text). Quelle: JACI-inpractice Amanda Cox et al, 2021

Die Tabelle zeigt auf der linken Seite die „primäre“ Nahrungsallergie, die ein Kind oder einen jugendlichen betrifft. In der mittleren Spalte sind dass die kreuzreaktiven Nahrungsmittel abgebildet, wogegen eine weitere Allergie sich entwickeln könnte. Das Risiko hierfür zeigt die rechte Spalte.

Grundsätzlich ist es gut, um diese Kreuzallergien zu wissen. Es besteht aber für Eltern in aller Regel kein Grund, mögliche Kreuzallergene bei den Kindern von vorneherein zu vermeiden. Solche Maßnahmen könnten sich im Einzelfall auch ungünstig auswirken. Die Tabelle gibt eine gute Orientierung über die klinisch bedeutsamen Kreuzallergien von Nahrungsmitteln. Gute Therapievorschläge geben jedoch nur allergologisch versierte Kinder- und JugendärztInnen.

Weniger Neurodermitis auf dem Bauernhof

Das Leben auf dem Bauernhof ist in vielen Beziehungen günstig für ein gesundes Leben von Kindern. Studien aus Europa haben dies für die Entstehung von Allergien schon mehrfach belegt. So wurde bereits vor 10 Jahren im Rahmen der PASTURE-Study gezeigt, dass frühe Kontakte zu Tieren auf dem Bauernhof bei vielen Kindern das Auftreten von Neurodermitis verhindern kann.

Zusammenhang von der Häufigkeit von Neurodermitis (AD) mit der Anzahl und Diversität von Tieren in der Umgebung. Quelle: JACI, Steiman et al, 2020

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch eine Studie über das Auftreten von Neurodermitis im Vergleich von Müttern und Kindern, die in den USA auf einem Bauernhof leben. Darin untersuchten Cheryl A. Steiman und Mitarbeiter von der University of Wisconsin in Madison das frühe Auftreten von Neurodermitis (early-onset AD (atopic dermatitis)) bei Müttern, die bereits in der Schwangerschaft auf dem Bauernhof lebten.

Es zeigte sich, dass eine frühe und damit tendenziell schwere Neurodermitis deutlich seltener auftrat, wenn zwei Bedingungen erfüllt waren:

  1. Ständige und enge Kontakte zu Tieren auf dem Bauernhof.
  2. Auf dem Bauernhof lebten viele unterschiedliche Tiere (Diversität).

Dabei spielt schon die Schwangerschaft eine günstige Rolle. Wenn also schwangere Bäuerinnen eng in die Arbeit mit Tieren eingebunden waren, trat bei ihren Kindern später seltener die – eher schwere – Frühform einer Neurodermitis auf.

Das enge Zusammenleben mit verschiedenen Tieren ist also auch in Bezug auf die Verhinderung einer Neurodermitis günstig. Für einzelne Tiere wie Katzen oder Hunde ließ sich dieser Effekt bisher nicht belegen.

Kann Fischöl Asthma verhindern?

Hat der Verzehr von Fischöl einen günstigen Einfluss und vermag die Entstehung von Asthma bronchiale bei Kindern zu verhindern? Das legt eine Studie nahe, die Hinweise für einen Zusammenhang zwischen zu wenig langkettigen Omega-3-Fettsäuren in der Nahrung und dem vermehrten Auftreten von Asthma fanden.

Durch die Ernährung nehmen wir je nach Zusammensetzung der Speisen mehr oder weniger Omega-3-Fettsäuren auf. Prinzipiell ist der menschliche Stoffwechsel jedoch in der Lage, die wichtigen langkettigen Omega-3-Fettsäuren (Docosahexaensäure (DHA) und Eicosapentaensäure (EPA)) selbst zu bilden. Dazu benötigt er das Enzym Delta-6-Desaturase. Das Gen für dieses Enzyms kann jedoch die Variante (rs1535) aufweisen, wodurch die Aktivität deutlich herabgesetzt ist. In der Folge gelingt es dem Körper nicht, einen Mangel an der Zufuhr der langkettigen Omega-3-Fettsäuren bei einer Durchschnittskost aus der Nahrung ausgleichen.

Eine Forschergruppe um Seif Shaheen von der Queen Mary University of London hat im Rahmen der Avon Longitudinal Study of Parents and Children – kurz ALSPAC-Studie – gefunden, dass fast die Hälfte der untersuchten Kinder von der Variante rs1535 betroffen sind. Bezogen auf die Zufuhr der langkettigen Omega-3-Fettsäuren in der Nahrung zeigte sich, dass Kinder, die im Alter von 7 Jahren sehr viele der Omega-3-Fettsäuren – beispielsweise als Fischöl – in ihrer Nahrung aufnahmen, im Alter von 11 bis 14 Jahren nur halb so oft an Asthma bronchiale erkrankt waren.

Noch ist der Zusammenhang nicht wissenschaftlich gesichert. Dazu bedarf es weiterer Studien, die diese Frage unter Einsatz von Placebos direkt untersuchen (sog. randomisierte placebo-kontrollierte Doppelblindstudien).

Bis dahin ist es sicher kein Fehler, bewusst Fisch auf den Tisch zu bringen. Die gewünschten langkettigen Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA finden sich besonders bei Fischen aus Kaltwasserregionen: Lachs, Hering, Makrele und Thunfisch. Für viele Eltern ist aber die schwierigere Frage: Wie kann ich meine Kinder dazu bewegen, Fisch zu essen? 

Baden-Württemberg: Schlusslicht bei den Impfungen

Mit Impfungen tun sich manche Menschen schwer. Das fängt schon mit dem Piecks an und geht weiter mit der Unsicherheit, was denn im Impfstoff so alles drin sei. Klar ist, dass die Herstellung von Impfstoffen ein komplexer Prozess ist. Darüber hinaus unterscheiden sich Impfstoffe in ihrer Zusammensetzung und ihren Wirkprinzipien teilweise erheblich. Um das zu verstehen, sind gute Kenntnisse der Immunologie erforderlich. Deswegen sind Vergleiche für Laien kaum möglich, auch wenn der fachliche Austausch von Wissenschaftlern in den Medien bzw. Fachmedien verfolgt werden kann. Durch diese offene Diskussion vieler Wissenschaftler und den nachfolgenden transparenten Prozess der Zulassung eines Impfstoffes durch die Kontrollbehörden in Deutschland (Paul Ehrlich-Institut) oder in der Europäischen Gemeinschaft (European Medicines Agency, EMA) besteht jedoch ein sehr hohes Maß an Sicherheit.

Wenn Kinder geimpft werden sollen, steht am Anfang die Aufklärung der Eltern. Sie umfasst Informationen über die Krankheit gegen die geimpft wird ebenso wie Informationen über Wirkungen und Nebenwirkungen des Impfstoffes. Es geht dabei um die Frage, ob das geringe Risiko der Impfung in einer vernünftigen Beziehung zum Nutzen der Impfung steht. All das ist am Schluss nur möglich, wenn Eltern und Kinderärztin/ Kinderarzt sich gegenseitig vertrauen.

Impfquoten in Baden-Württemberg im Vergleich zur gesamten BRD. Quelle: Kindergesundheitsbericht BW 2020

In Baden-Württemberg liegen die Impfquoten so niedrig wie in keinem anderen Bundesland. Das zeigt die nebenstehende Graphik mit den Impfdaten aus den Jahren 2018 bzw. 2019 recht klar: Bei allen Impfungen liegt die prozentuale Beteiligung der Menschen in Deutschland höher als in Baden-Württemberg selbst. Nur bei der Pneumokokkenimpfung besteht ein gleicher Wert von 81.3%.

Ein großer Unterschied besteht auch zwischen der Beteiligung an der ersten Masernimpfung zur zweiten Impfung gegen Masern. Für Baden-Württemberg liegt der Wert bei 5,4%, wodurch keine Herdenimmunität erreicht werden kann. Erst wenn sich alle Personen, die bereits eine erste Impfung hinter sich haben auch eine zweite Masernimpfung geben lassen würden, wäre das Ziel der Herdenimmunität in Baden-Württemberg erreicht.

So kann man also sagen: Die Impfquoten sind ganz ordentlich, aber für einen richtig guten Effekt bräuchte es bei allen Impfungen eine Quote, die noch um einige Prozentpunkte höher liegen sollte.

Zur Impfung gegen das SARS-CoV-2 („Coronaimpfung„) haben wir natürlich nur eine vage Idee, wie gut diese angenommen wird. Auch wenn viele jetzt schnell nach der Impfung verlangen, ist die Zahl derer, die (noch?) kein Interesse haben, erstaunlich hoch. Bei den gegen das Coronavirus liegt das Ländle im Vergleich zu den anderen Bundesländern wieder ganz hinten. Das liegt einmal nicht an der Bereitschaft zum Impfen. Sondern daran, dass für jeden der geimpft wird eine zweite Dosis zurückgelegt und reserviert wird. Das ist vernünftig. So erhalten alle Geimpften einen vollen Schutz, so sie es wollen. Nur dadurch können wir dem Virus wirklich die Stirn bieten.

Für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren gibt es noch keine Freigabe für einen der Impfstoffe. Insofern werden wir auch zum Ende dieses neuen Jahres eher eine  bescheidene Teilnahmequote für die Impfung gegen SARS-CoV-2 sehen, die nur wenig über der 50%-Marke liegen dürfte. Ob auch dann Baden-Württemberg wieder ganz hinten liegen wird? Warten wir’s ab.

Impfungen: Was haben sie bisher erreicht?

Das Thema Impfung löst bei uns Deutschen häufig enorme Emotionen aus. Das Spektrum reicht von der Sorge um vermeintlich hohe Raten an Nebenwirkungen (die verschweigen würden) bis hin zu Genmanipulationen im Zusammenhang mit den neuen mRNA-Impfstoffen von BioNTech, Moderna und CureVac.

Manchmal ist ein Blick zurück ganz sinnvoll. Was haben Impfstoffe in den letzten Jahrzehnten erreicht? Da aus Deutschland nur unzureichende Daten vorliegen, werfen wir hier anhand der Daten der American Academy of Pediatrics* einen Blick darauf, was Impfungen bisher in den USA aufweisen können:

Erkrankung Jährliche Erkrankungen vor Einführung der Impfung Jährliche Erkrankungen im Jahr 2007 Rückgang in %
Pocken 48.164 0 100
Diphterie 175.885 0 100
Tetanus 1314 28 98
Keuchhusten 147.271 10.545 93
Kinderlähmung 16.316 0 100
Masern 503.282 43 > 99
Mumps 152.209 800 > 99
Röteln 47.745 12 > 99

Dabei zeigt sich, dass einige Krankheiten mithilfe der Impfungen – bezogen auf die USA – auf dem amerikanischen Kontinent ausgerottet sind: Pocken, Kinderlähmung. Der riesige Impferfolg bei anderen Infektionskrankheiten beginnt jedoch zu bröckeln. Die Bereitschaft zum Impfen ist in einigen Gruppen der Bevölkerung abgesunken. Das gilt besonders für die Masern. Aber Impferfolge sind davon abhängig, dass sich gesunde Menschen solidarisieren und sagen: Ich lasse mich impfen, damit ein Erreger sich in meinem Körper nicht ausbreiten kann. Und das, obwohl mir die Krankheit wenig ausmachen würde. Weil es andere Menschen gibt, die keine so gute Immunität haben und meine Solidarität brauchen. Wenn wir beim Impfen erfolgreich sein wollen, müssen wir vom Egoismus etwas abkehren – vom Ich zum Wir.

Die Mehrheit der Menschen in den Industrieländern haben diese schlimmen Krankheiten nicht mehr kennengelernt, die heute – bis auf den Keuchhusten und Tetanus – komplett zu besiegen wären. Ob die Impfpflicht gegen Masern hier etwas bewirken wird, bleibt abzuwarten. Deren Umsetzung wird auch nach der Corona-Pandemie mühsam sein.

Mit den neu entwickelten Impfstoffen gegen das SARS-Coronavirus-2 ist die Diskussion um Impfungen wieder aufgeflammt. Das bietet den Wissenschaftlern die Chance, interessierten Menschen zu erklären, wie die unterschiedlichen Konzepte funktionieren. Das sind jedoch keine Information so nebenbei. Die Impfprinzipien können nicht mit einfachen Schlagwort beschrieben werden. Wichtig ist, dass die Aussagen wie sie die AfD verbreitet zwar einfach sind – aber ebenso auch falsch: fake news. Wer von Genetik spricht, sollte sich auch die Mühe machen, nicht Birnen mit Äpfeln zu vermengen.

* Active and passive immunization. In: Pickering LK, Baker CJ, Kimberlin DW, Long SS, eds. 2009 red book: report of the Committee on Infectious Diseases. 28th ed. Elk Grove Village, IL: American Academy of Pediatrics; 2009; 48-49

Tipps – für Eltern mit kleinen Kindern

Wer Kinder hat ist täglich mindestens einmal unsicher. Wie soll ich reagieren? Was ist gut für mein Kind? Soll ich eingreifen?

Ganz nett wären da ein paar Ideen oder Anregungen von anderen Eltern oder Fachleuten. Sie werden sagen, dafür gibt es doch das praxisblättle – stimmt. Aber es gibt auch andere seriöse Adressen, wo sich Eltern spannende Informationen holen können. Eine davon ist www.gesund-ins-leben.de, ein Netzwerk von Institutionen, Fachgesellschaften und Verbänden. Beiträge gibt es vor allem zum Thema Ernährung wie „So lernen Kleinkinder essen“, aber auch zu „Allergien und Unverträglichkeiten“ und zum Coronavirus.