Kategorie: TIPP

Tipps – für Eltern mit kleinen Kindern

Wer Kinder hat ist täglich mindestens einmal unsicher. Wie soll ich reagieren? Was ist gut für mein Kind? Soll ich eingreifen?

Ganz nett wären da ein paar Ideen oder Anregungen von anderen Eltern oder Fachleuten. Sie werden sagen, dafür gibt es doch das praxisblättle – stimmt. Aber es gibt auch andere seriöse Adressen, wo sich Eltern spannende Informationen holen können. Eine davon ist www.gesund-ins-leben.de, ein Netzwerk von Institutionen, Fachgesellschaften und Verbänden. Beiträge gibt es vor allem zum Thema Ernährung wie „So lernen Kleinkinder essen“, aber auch zu „Allergien und Unverträglichkeiten“ und zum Coronavirus.

Corona-Impfungen: Wieso kamen sie so schnell auf den Markt?

In vielen Ländern (Großbritannien, USA, Russland, China u.a.) sind Corona-Impfungen schon verfügbar. In Deutschland ist erst in den letzten Tagen dieses Jahres damit zu rechnen. Damit ging die Entwicklung von Corona-Impfstoffen so schnell wie noch nie. Das beunruhigt einige Menschen. Sind solche Ängste angebracht?

Die Zulassung von Impfstoffen verläuft je nach Land unterschiedlich. So wurde der Corona-Impfstoff Sputnik V (Russland) als erster weltweit im August 2020 zugelassen. Zur der Zeit lagen kaum Daten über diesen Impfstoff vor, die Phase-3-Studie begann erst im Oktober. Für den Impfstoff der Firma Sinovac aus China liegen ebenso kaum Daten vor. Dennoch hat beispielsweise die Türkei bereits am 11. Dezember angefangen Risikogruppen mit dem chinesischen Impfstoff, der sich auch in der Türkei noch in der Testphase geprüft wird, zu impfen. In beiden Fällen wurde der Impfstoff freigegeben, ohne dass Wissenschaftler die Daten zur Verfügung hatten, um ihn auf Herz und Nieren zu prüfen. Der Impfstoff ist ein zu einem Politikum und zu einem Machtinstrument geworden.

Die Wissenschaftsgemeinde weltweit hat anerkannte Standards mit den neue Medikamente und Impfstoffe auf ihre Verträglichkeit und ihre Wirkung untersucht werden. Nach den Tierversuchen – sie sind zumeist auch heute noch erforderlich – findet die erste klinische Anwendung der neuen Substanz in einer sogenannten Phase 1-Studie statt. Dabei wird ein Medikament oder eine Impfung auf die Pharmakokinetik  bzw. die Verträglichkeit an einer kleinen Gruppe freiwilliger Probanden geprüft. Es folgt dann die Phase 2-Studie, um die richtige Dosierung und die Wirkungen auf das Immunsystem bei einer größeren Gruppe von Probanden (meist 100 – 200 Menschen) zu finden. In der Phase 3-Studie schließlich wird geklärt, wie gut ein Medikament oder Impfstoff effektiv schützen. In dieser Studienphase nehmen Tausende von Probanden teil. Deren Anzahl hängt im Wesentlichen davon ab, wie häufig ein Ereignis (z.B. eine Infektion mit SARS-Coronavirus-2) in einer Bevölkerung vorkommt und wie schnell ein Ergebnis vorliegen soll. Es liegt auf der Hand, dass je grösser die Studiengruppe ist, je schneller liegt auch ein Ergebnis vor.

Ablauf einer Studie bis zur erfolgreichen Abschluss – traditionell und im Rahmen der Coronapandemie Quelle: F. Krammer, Nature

Damit wird auch klar, dass auch die Finanzlage über die Schnelligkeit dieser Studienschritte entscheidet. Bei Impfstoffen oder Medikamenten, die nur für eine kleine Bevölkerung von Bedeutung sind (z.B. Behandlung einer seltenen Stoffwechselkrankheit) wird eine Firma, die ein solches Medikament entwickelt hat abwägen, ob die Kosten der Studien durch den Verkauf am Schluss wieder eingespielt werden. Im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie spielt Geld – fast – keine Rolle. Insofern wird beispielsweise die Entwicklungszeit verkürzt, in dem die Phasen der Studie überlappend durchlaufen werden.

Gespart wurde jedenfalls bei den Impfstudien nicht. In der Geschichte der Impfungen gibt es nur zwei Kandidaten, die in einer größeren Gruppe untersucht wurden: Prevenar 13 (Pfizer) an 89.000 und Rotarix (GSK) an 75.000 Probanden. Danach folgt der mRNA-Impftstoff von BioNTech mit 44.000 Probanden. Interessant – und für Mediziner wie mich erschreckend – ist: Twinrix gegen Hepatitis A&B (GSK) wurde an 843 Menschen getestet. Die Impfexperten der Harvard-University Eric J. Rubin und Dan L. Longo kommen zum Schluss: „This is a triumph“. Wenn Sie Zeit haben: Das Editorial der Experten ist eine spannende Lektüre (in Englisch). 

Nach den Studien erfolgen noch intensive Prüfungen durch nationale (z.B. das Paul-Ehrlich-Institut – PEI – in Langen, südlich von Frankfurt am Main) oder internationale Behörden wie die European Medicines Agency (EMA) in Amsterdam. Erst diese Behörden können die Freigabe eines Impfstoffes vornehmen.

In seiner hochinteressanten Publikation SARS-CoV-2 vaccines in development (in Englisch) hat der Österreicher Florian Krammer vom Mount Sinai Hospital in New York die verschiedenen Ansätze bei den Impfungen gegen Das SARS-COV-2 dargelegt.

Fazit: Intensive Forschung in vielen Ländern dieser Erde, gute finanzielle Ausstattung der Forschungsprojekte und wenige bürokratische Hemmnisse haben – zusammen mit einem Quäntchen Glück – zur raschen Entwicklung einiger Impfstoffe gegen das Corona-Virus geführt. Viele erfolgversprechende Impfstoffe sind noch auf dem Weg. Jetzt bleibt zu hoffen, dass die logistische Umsetzung der Impfung ebenso gut gelingt. Und dass auch die Prüfung der Impfungen bei Kindern  – für sie gibt es bislang keine ausreichenden Daten – erfolgreich sein wird.

Bis allen Menschen in Deutschland eine Impfung angeboten werden kann, wird es trotz aller Schnelligkeit wohl Weihnachten 2021 werden.

Kuscheltiere – sind Schadstoffe ein Problem?

In diesen kalten Tagen werden Kuscheltiere für Kinder – und Erwachsene? – wieder wichtiger. Die kuschelige Nähe ist gefragt.

Kuscheltiere sind im ersten Moment süß. Beim Anblick im Regal oder unter’m Weihnachtsbaum mag man sie (oder auch nicht). Wer denkt da an Risiken? Diese können bereits von der Folie ausgehen, in die die Tiere verpackt sind. Wenn diese zu dünn ist, kann sie sich auf die warme Haut des Kindes legen und im schlimmsten Fall zum Ersticken führen. Manche der freundlichen Tiere enthalten gesundheitsgefährdende Schadstoffe im Material. Andere tragen Kleinteile, die sich lösen und verschluckt werden könnten, andere sind schnell brennbar. All diese Probleme führen dazu, dass im Test der Stiftung Warentest nur die Hälfte der getesteten kuscheligen Freund auch empfehlenswert sind. Die Qualitätsurteile haben mit dem Preis wenig zu tun, wie die nachfolgende Auswahl der drei besten Beispiele zeigt:

Note Preis Anmerkung
dm: Pusblu Dino blau 1,0 5,95 € waschbar bis 30 Grad
Rossmann: Babaydream Hund 1,0 4,70 € waschbar bis 30 Grad
Schmidt Spiele: Sorgenfresser Ping 1,5 16,80 € Handwäsche bis 40 Grad

Die detaillierte Untersuchung ist im Testheft vom Dezember 2020 zu finden und sehr lohnend. Übrigens: Ein TEST-Abonnement ist bis Ende des Jahres besonders günstig.

Corona-Schnelltests: erhebliche Qualitätsunterschiede

Wo gerade die Erkrankungen mit dem SARS-CoV-2 rasant ansteigen, bekommen die Corona-Schnelltests eine immer größere Bedeutung. Um der Verwirrung vorzubeugen: Die Corona-Schnelltests haben viele Namen: Antigentest. Oder PoC-Test (manchmal PoC-Antigentest), was so viel heißt wie Point of care-Test: Das sind Tests, die unabhängig von einem großen Labor direkt beim Patienten, also am „Ort der Versorgung“ durchgeführt werden.

Die Tests sind somit sehr praktisch, weil unmittelbar nach Durchführung des Test in wenigen Minuten ein Resultat vorliegt. Nur, sie testen etwas ganz anderes als die bisherigen „Corona-Tests“, die sog. PCR-Tests. Und damit ist auch ihre Bewertung anders. Dabei ist wichtig zu wissen, dass ein negatives Ergebnis nicht unbedingt sagt, dass jemand nicht mit dem Virus infiziert ist. Und umgekehrt ist auch ein positives Ergebnis nicht sofort eine sichere „Corona-Diagnose“. Diese Umstände beschreiben die Begriffe Spezifität und Sensitivität. Was sie bedeuten, soll kurz erklärt werden:

Spezifität

Die Spezifität für einen diagnostischen Test zeigt die Wahrscheinlichkeit an, dass dieser Test tatsächlich gesunde Personen, die nicht an Corona erkrankt sind, im Test auch als gesund erkennt. Eine Spezifität von 99% bedeutet also: Von 100 Gesunden Personen schätzt der Test  also 1 Person als krank („positiv“) ein, obwohl sie gesund ist.

Sensitivität

Die Sensitivität zeigt die Wahrscheinlichkeit eines diagnostischen Tests an, eine bestimmte Krankheit sicher zu erkennen. Liegt die Sensitivität eines Tests bei 98%, so bedeutet dies, dass der Test 98 Erkrankte als erkrankt („positiv“) richtig erkennt, aber zwei tatsächlich Erkrankte für gesund hält – das nennen Mediziner zwei „falsch Positive“.

Es ist somit klar, dass im Idealfall Sensitivität und Spezifität bei jeweils 100% liegen sollten. Aber so einfach funktioniert die Welt leider nicht. Ein weiterer Störfaktor kommt hinzu: Nehmen wir an, dass in Baden-Württemberg die Zahl der tatsächlich Erkrankten einer Gruppe von 100 Menschen bei 1% läge (tatsächlich liegt, auf das ganze Land bezogen die Zahl deutlich geringer). Dann müsste bei einer Testung von 100 Personen 1 Test positiv ausfallen. Liegt die Spezifität dieses Test bei 99%, so kommt (s.o.) nochmals 1 Person hinzu, die der Test – fälschlicherweise – als positiv erkennt, obwohl sie eigentlich gesund ist. Somit haben wir zwei positive Tests und wissen nicht, welches Testergebnis nun die Wahrheit widerspiegelt. Der Test sagt uns in diesem Fall nur: eine der beiden Personen ist krank (oder in Bezug auf Corona „infiziert“), die andere gesund. Aber welche?

Die Schnelltests bringen also manche Tücken mit sich. Zusammenfassend kann man sagen, dass – gute Tests vorausgesetzt – die Ergebnisse umso sicherer sind, je mehr Menschen in der getesteten Gruppe tatsächlich Corona-krank sind. Insofern eignet sich der Schnelltest etwa in Schulen, wenn sog. Cluster auftreten. Wenn also mehrere Schüler von Corona betroffen sind, aber keine Symptome haben. Wenn dann unter 100 getesteten Schülern 11 positiv getestet werden bedeutet das bei einer Spezifität des Test von 99%: bei 10 Personen zeigt der Test die Wahrheit (sie sind infektiös), nur bei einem (s.o.) irrt sich der Test.

Ein weiteres Problem kommt hinzu. Die Qualität des jeweiligen Tests. Viele Schnelltests sind in den letzten Monaten entwickelt worden und kommen nun auf den Markt. Sie verkaufen sich gut, obwohl im Einzelfall nicht ganz klar ist, welche Tests wie gut sind. Viele der genannten Daten zu Spezifität und Sensitivität sind Angaben der Hersteller, die bisher ungeprüft sind. Inzwischen gibt es jedoch auch unabhängige Prüfungen, die für manche Hersteller gut und für andere weniger gut ausfallen. Eine Übersicht über die aktuelle Bewertung der Schnelltest (in Englisch) verschafft die Webseite von Forschern der Universität Heidelberg. Darin sind auch die Quellen der jeweiligen Beurteilung klar hinterlegt. Nicht ganz einfach zu lesen. Wer aber je für den Einkauf von Tests verantwortlich sein sollte, sollte diese Information berücksichtigen.

Wie man sich bettet: Jugendliche brauchen eine gute Matratze

Manch Erwachsener denkt erst dann an die Matratze, wenn der Rücken schmerzt. Das erstaunt, denn Erwachsene verbringen fast ein Drittel ihres Lebens im Bett. Ganz konsequent wäre, dass bereits Jugendliche eine gute Matratze haben. Das ist kein Luxus, sondern eine bezahlbare und wichtige Investition.

Mit den Kindermatratzen haben wir uns bereits vor 3 Jahren befasst. Wer sich orientieren möchte, kann die hier im praxisblättle tun.

Wenn Jugendliche die Eltern überholen – also grösser werden – brauchen sie auch ein neues Bett. Das kostet natürlich einen Batzen Geld, ist aber inzwischen weit billiger als noch vor vielen Jahren. Gerade was Matratzen betrifft gibt es inzwischen sehr gute und günstige Modelle, die für Jugendliche und Erwachsene geeignet sind. Das demonstriert auch der neue Testbericht der Stiftung Warentest über Federkernmatratzen. Unter den fünf als „gut“ beurteilten ist die beste auch die günstigste. Im Folgenden haben wir diese fünf guten Modell aufgeführt:

Name Note Preis Härte laut Anbieter
Otto My Home Black Diamond Comfort 2,1 230 Härtegrad H3
Badenia Irisette Sylt TTFK 2,3 350 Härtegrad H3 – mittelfest
f.a.n. Calypso Plus 1.000 T 2,5 500 Härtegrad 3
Rummel Sensoflex 600 2,5 1000 Fest
Selecta Value TF5 2,5 480 Fest

Vor dem Kauf einer Matratze sind viele Dinge zu bedenken. Zunächst steht die Frage an, soll es eine Schaumstoff- oder eine Federkernmatratze sein. Danach geht es um die Frage des Härtegrades. Da stimmen die Angaben der Hersteller häufig nicht mit den Testergebnissen überein. Wie die Stiftung Warentest schreibt, bemüht sich der Matratzenverband eine einheitliche Regelung für den Härtegrad festzulegen. Sie soll 2021 kommen und macht den Kauf einer Matratze dann einfacher. Aber auch dann sind noch einige individuelle Aspekt zu klären: Druckverteilung (wie verteilt sich das Körpergewicht auf die verschiedenen Regionen der Matratze), Komforteigenschaften (z.B. störendes Rascheln), Lageänderungswiderstand (wie leicht kann ich mich auf der Matratze hin und her wälzen) oder der Schulterklappeneffekt (sinken die Schultern in Rückenlange weniger stark ein als der Rumpf).

Alles in allem ist eine gute Matratze für jugendliche Personen enorm wichtig und gut bezahlbar. Der Weg,, eine geeignete Matratze zu finden, ist jedoch etwas mühsam. Mit dem Studium der letzten Tests vom November 2020 (Federkernmatratze) oder April 2020 (Schaumstoffmatratze) sollte der Kauf halbwegs entspannt gelingen.

Übrigens: Das Abonnement des Testheftes ist im Moment besonders günstig: Für 12 Hefte 30,00 € statt 54,90 €.

Süßes für Kinder

Seit Urzeiten mögen Menschen Süßes. Schon Eva hat Adam mit einem süßen Apfel verführt. Das bewegt auch viele Menschen heute, wenn sie ihre Produkte erfolgreich vermarkten wollen. Klassiker der letzten Jahrzehnte sind  das Überraschungsei oder der Fruchtzwerg.

Fruchtzwerg? Ein interessanter Test der Stiftung Warentest (Heft 10/2020) zeigt Erstaunliches. Der Fruchtzwerg hat sich weiterentwickelt und liegt mit geringerem Zuckergehalt auf Platz zwei bei den Kinderdesserts. Also wieder einmal vorne dabei – beim Rückzug von den Kalorien.

Dieser Test ist enorm praktisch für Eltern, die Kindern gerne auch was Süßes gönnen. Mit einem speziellen Rechner für Kinderdesserts können sie ausrechnen, wieviel Kalorien, Zucker und Fett empfehlenswert sind.

Das Kind ist krank: Was bedeutet das für Berufstätige?

Die Schnupfensaison ist da. Damit ist der Infektreigen mit den harmlosen Schnupfen-Viren (Rhinovirus, Corona-Schnupfenviren) eingeläutet. Andere Infekte werden bei Kindern folgen. Vermutlich sind die Coronaviren nicht die häufigsten, sondern eher Influenzaviren („Grippe“) oder Parainfluenzaviren.

Bald beginnt also eine sehr stressige Zeit für Eltern. Denn zu den üblichen Aufgaben des Alltags zwischen Beruf und den Kindern kommt bald hinzu, dass die Kinder öfter nicht mehr in die KiTa oder die Schule dürfen. Der Supergau wäre eine Quarantäne – dazu kommts hoffentlich nicht.

Wenn Kinder unter 12 Jahren – und nur um diese geht es im Folgenden – von der Kita oder der Schule weg bleiben müssen, gibt es einige Dinge zu beachten, damit der Familien-Haushalt (auch bei Selbstständigen) weiter Einkommen bezieht. Hier die wichtigsten Tipps.

Den Arbeitgeber informieren

Wer nicht zur Arbeit kommen kann, muss den Arbeitgeber informieren. Dazu sollte man sich selbst in der Personalabteilung oder bei direkten Vorgesetzten abmelden.

Das Kind krankschreiben lassen

Wer selbst krank wird, muss nicht sofort zum Arzt gehen. Im Falle einer Erkrankung des Kindes ist dies jedoch am ersten Krankheitstag erforderlich. Im Rahmen der Coronapandemie ist die auch telefonisch möglich. Kulanterweise kann der Arzt die Meldung aber auch rückwirkend bis zu 3 Tagen ausstellen, wenn das Kind sehr krank ist und die Lebensumstände einen direkten Kontakt mit dem Arzt nicht schneller zulassen. Oftmals ist es ja schwierig, die Kinderarztpraxis telefonisch zu erreichen, weil immer besetzt ist.

Besteht die Möglichkeit auf Lohnfortzahlung?

Wenn ein Arbeitnehmer bei Erkrankung des Kindes nicht zur Arbeit gehen kann, muss der Arbeitgeber prüfen, ob hier § 616 BGB anzuwenden ist. Darin steht, dass Arbeitnehmer Anspruch auf Entgeltfortzahlung haben, wenn sie für eine „verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit“ ihre Arbeitsleistung nicht erbringen können aus Gründen, die nicht in ihrer Person liegen. Häufig ist also eine Lohnfortzahlung möglich, wenn das eigene Kind krank ist. Meist sind es fünf Tage, manchmal auch zehn Tage. In einigen Arbeitsverträgen ist die Lohnfortzahlung aber ausgeschlossen.

Antrag auf Kinderkrankengeld 

Ist die Zeit der Lohnfortzahlung zu Ende oder hat der Arbeitsgeber dies ausgeschlossen, sollte Kinderkrankengeld beantrag werden. Momentan, wegen der Corona-Pandemie besteht bis zum 31. Dezember 2020 ein verlängerter Anspruch auf das Kinderkrankengeld von insgesamt für 15 Tagen statt wie bisher üblich für zehn Arbeitstage. Bei Alleinerziehenden sind die Zeiträume doppelt so lange, also bis Ende des Jahres 30 statt normalerweise 20 Tage. Folgende Voraussetzungen müssen erfüllt sein:

  • Die Eltern sind berufstätig und haben selbst Anspruch auf Krankengeld.
  • Ihr Kind ist gesetzlich versichert.
  • Es gibt im Haushalt keine andere Person, die Ihr Kind pflegen kann.
  • Sie haben eine Bescheinigung vom Arzt, dass Ihr Kind betreut werden muss.

Sind zwei oder mehr Kinder im Haushalt, erhöht sich die mögliche Zahl der Tage für die Kinderkrankengeld beantragt werden kann. So hat jeder Elternteil pro Kind maximal  Anspruch in Coronazeiten auf 30 Tage (normal 20 Tage), Alleinerziehende auf maximal 70 Tage (normal 50 Tage).

Was gilt, wenn mein Kind in Quarantäne muss?

Momentan ist das Risiko hoch, dass Kinder, auch wenn sie nicht krank sind, vom Gesundheitsamt als sog. enge Kontaktpersonen (KP1) in Quarantäne müssen. In dieser Situation dürfen die Eltern ihr Kind zuhause betreuen (für Kinder bis 8 Jahre hat der Bundesgerichtshof sogar eine Pflicht zur elterlichen Betreuung zuhause festgestellt) – aber, die hatten keinen Anspruch auf ein Gehalt. Wenn sich keine Möglichkeit wie das Homeoffice für Eltern auftun, springt in der Corona-Pandemie der Staat ein.

Für bis zu 20 Wochen Kinderbetreuung zuhause zahl er einen Lohnersatz entsprechend dem Infektionsschutzgesetz (§ 56 Abs. 1a IfSG). Dieser liegt bei 67 Prozent des Nettoverdienstes und ist bei 2.016 Euro pro Monat nach oben begrenzt.

Akute Mittelohrentzündung

Infekte bei Kleinkindern sind zu manchen Zeiten fast normaler als völlige Gesundheit. Viele von ihnen haben im Herbst und Winter Schnupfen, der mal besser mal schlimmer ist. Aber nie weg – Schnupfensaison.

Im Rahmen akuter Infektionen, wenn aus einem Schnupfen Krankheit mit Abgeschlagenheit, Husten und Fieber wird, entwickelt sich bei vielen Kleinkindern eine akute Entzündung der Mittelohren – akute Otitis media (AOM). Das ist gar nicht selten. In den ersten zwei Lebensjahren erleben 80% aller Kinder eine Mittelohrentzündung. Bis zur Einschulung haben nahezu die Hälfte aller Kinder bereits 6 oder mehr Episoden mit AOM hinter sich.

Die Mittelohrentzündung beginnt meist dann, wenn Eltern das Gefühl haben, nun sei das gröbste eines Virusinfektes vorbei: Etwa 3-7 Tage nach Ausbruch des vorausgehenden Infektes kommt es in aller Regel akut zu massiven Ohrschmerzen. Wenn Kinder kleiner sind, schreien sie sehr heftig und beklagen sich manchmal über Bauchschmerzen – obwohl die Ursache im Ohr liegt.

Eustachische Röhre, hier als „auditory tube“ bezeichnet Quelle: Von Henry Vandyke Carter – Henry Gray (1918) Anatomy of the Human Body (See „Buch“ section below)Bartleby.com: Gray’s Anatomy, Tafel 907, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=566848

Die Entzündung im Mittelohr kommt meist dadurch zustande, dass die Eustachische Tube (im Deutschen als Ohrtrompete bezeichnet) durch den vorausgehenden Virusinfekt zugeht. Damit wird die Verbindung von Mittelohr und Rachenhinterwand verschlossen und Keime, die bereits im Mittelohr sind können sich vermehren und die AOM auslösen. Das Zugehen der Eustachischen Röhre ist vielen gut bekannt, wenn sie mit dem Auto eine Passstraße zügig hoch bzw. runter fahren, Dann „gehen die Ohren zu„. In der Graphik links ist der Zusammenhang dargestellt. Die Ohrtrompete ist dort als „auditory tube“ bezeichnet.

Die Mittelohrentzündung kann durch Bakterien wie durch Viren ausgelöst werden. Oft kommt die AOM durch eine Mischinfektion aus verschiedenen Bakterien und Viren zustande.

Es gibt einzelne Risikofaktoren, die eine Mittelohrentzündung begünstigen:

  • Kinder, die einen Schnuller benutzen.
  • Das Rauchen der Eltern erhöht das Risiko für eine Mittelohrentzündung um 50%.
  • ältere Geschwister bzw. Besuch von Gemeinschaftseinrichtungen.
  • Adenoide Vegetationen, fälschlicherweise oft „Polypen“ genannt.

Eine günstige Wirkung hat das Stillen. Ebenfalls schützend sind Impfungen. So ging seit Einführung der Pneumokokken-Impfung in Deutschland die Zahl aller Mittelohrentzündungen um 32% zurück. Auch nach Haemophilus-influenzae-Impfungen sowie nach Influenza-Impfungen (20%) ging die Zahl der Mittelohrentzündungen nachweislich zurück.

Die Therapie mit Antibiotika wird seit Jahren immer weniger eingesetzt. Das gilt nicht für Säuglinge unter 6 Monaten und nur eingeschränkt für Kinder unter 2 Jahren. Trotz der Gabe  eines Antibiotikums bleibt der Schmerz manchmal noch Tage bestehen. Die Behandlung mit Schmerzmitteln sollte gerade bei der AOM großzügig erfolgen.

Traditionell werden abschwellende Nasentropfen verabreicht. Das lässt die Nasenschleimhaut abschwellen, hat aber keinen Einfluss auf die Eustachische Röhre und damit auch keinen Einfluss auf eine raschere Besserung der Mittelohrentzündung. Für die Anwendung pflanzlicher Säfte kann bei momentaner Studienlage keine Empfehlung gegeben werden.

Fazit: Die akute Mittelohrentzündung ist eine extrem schmerzhafte Erkrankung, die eine entsprechend großzügige Behandlung mit Schmerzmitteln rechtfertigt. Ein Kind mit AOM sollte immer einem Kinder- und Jugendarzt zur Kontrolle vorgestellt werden. Dabei ist es häufig ausreichend, wenn zunächst einmal der Schmerz behandelt wird und der Arztbesuch auf den kommenden Morgen vereinbart wird.

Lästig: Warzen

Warzen können in jedem Lebensalter auftreten und enorm lästig sein. Gefährlich sind sie extrem selten (Entwicklung eines Krebs). Kleinkinder sind häufiger von Warzen betroffen. Ähnlich wie bei anderen viralen und bakteriellen Infekten, hat ihr Immunsystem noch wenig Erfahrung mit den Warzenviren.

Auslöser für die Entwicklung von Warzen sind humane Papillomaviren (HPV), von denen es weit über 100 verschiedene Typen gibt. Auch die Auslöser des Gebärmutter-Hals-Krebses (Cervix-Carcinom) kommen aus dieser Gruppe. Diese „high-risk“-Viren sind aber an der Auslösung der Haut-Warzen nicht beteiligt. Eine Art Warzen, die gerade im Kindesalter sehr häufig ist, aber nicht durch HPV ausgelöst werden sind: die Dellwarzen. Was es mit diesen auf sich hat können Sie in einem früheren Beitrag des praxisblättle nachlesen.

Die Papillomaviren können über kleinste Verletzungen oder Risse in die Haut eindringen. Das gelingt ihnen beim Barfußlaufen (z.B. im Schwimmbad) oder auch bei engem Körperkontakt wie dem Händeschütteln. Die Viren erreichen auf diesem Weg die Epidermis, eine Hautzone, in der Wachstum stattfinden. Auch wenn für uns die Haut jeden Tag ziemlich gleich aussieht, so ist auch dieses Organ – die Haut ist ein Organ wie beispielsweise die Lunge – ständig im Umbau begriffen.

Normal Haut mit Epidermis. Quelle: Prof. Höger, Hamburg

In der Epidermis dringen die Viren in die Zellen ein und nötigen diese schneller zu wachsen. Das führt im Endeffekt zu den fühlbaren Hautwucherungen einer Warze. Auf deren Oberfläche sitzen wiederum Viren, die einerseits über Böden oder Gegenstände (Schuhe) an andere weitergegeben werden können. Ebenso können sie sich aber durch Kratzen an der Warze auch auf der eigenen Haut weiter ausbreiten.

Dem Immunsystem fallen die Viren natürlich auf. Wie auch bei den Atemwegserkrankungen bilden sie Antikörper, um die Viren abzuwehren. Wenn Kleinkinder die Welt kennenlernen, kommen sie auch vermehrt mit den Viren zusammen. In dieser Zeit treten immer wieder Waren auf, bis der Körper eine ausreichend Abwehr gegen das HPV Typ 1 – als wichtigstem Vertreter der Warzenviren – und die anderen Varianten dieses Virus erarbeitet hat. Wenn die Viruslast (vereinfacht gesagt die Menge an Viren) sehr hoch ist oder die Abwehr des Körpers weniger gut, so können in jedem Lebensalter Viren auftreten.

Warzen  Quelle: ptw

Es gibt in der Ausprägung unterschiedliche Warzen: Verrucae vulgares (gewöhnliche Warzen) treten häufig an den Händen auf. Verrucae plantares (Dornwarzen, Stechwarzen) treten an den Füßen auf. Weil sie eine Kegelform haben, drückt die Spitze dieses Kegels bei Gehen gegen das Gewebe und schmerzt – „sticht“. Im Gesicht oder auf den Händen gibt es auch Verrucae planae juveniles (Flachwarzen), die als Fleck auffallen und nicht schmerzen.

 

Was kann man gegen Warzen unternehmen?

Wie gesagt, im Kleinkindesalter sind Warzen häufig, wenn Kinder erstmals mit den Warzen-Viren in Kontakt kommen. Wenn sie nicht darunter leiden, kann man nichts machen. Das ist die einfachste und für Kinder am wenigsten belästigende Therapie.

Eine weitere Option sind Tinkturen (z.B. mit Fluorouracil), die das Virenwachstum hemmen können. Das Problem dabei ist, die Tinktur an die Viren heranzubringen. Rein theoretisch muss hierfür zunächst die Warzenwucherung / Hornschicht durch aufweichende Salben (meist mit Salicylsäure) über viele Tage abgetragen werden. Diese täglichen Aktionen nerven die meisten Kinder, zumal in der Wachstumszone der Viren die Haut auch empfindlich ist. Kurzum, der Weg bis zu dem Virenzentrum ist zum Schluss durchaus auch mal schmerzhaft.

Für Viren an sehr empfindlichen Stellen wie dem After oder am Genitale gibt es wirksame Medikamente, die oral eingenommen werden können.

Für hartnäckige Fälle wenden manche Hautärzte auch eine Methode an, die Warzen direkt zu entfernen. Dabei können sie einen „scharfen Löffel“ oder auch ein Skalpell verwenden. Oder sie setzen Laser ein.

Weitere Methoden, die bei bestimmten Warzen erfolgreich sein können sind die Kältetherapie (Kryotherapie) oder auch die Verätzung oder das Vereisen. Alle diese Therapien sind mit Schmerzen verbunden und bei Kleinkindern nicht hoch im Kurs.

Auch das Gegenteil kann hilfreich sein: Eine Art Okklusionstherapie – „duct tape therapy„, die hier (in Englisch) in einer Arbeit von Ran D. Goldman aus Kanada ausführlich beschrieben ist.

Sehr beliebt ist bei vielen Menschen Thuja als Tinktur zum Betupfen oder auch als Tropfen / Globuli zum Einnehmen. Auch darunter verschwinden bei ausreichend langer Geduld die Warzen. Die Therapie dauert aber ebenso lange wie die des Nichts-Tuns.

Gesundbeten? Dazu muss ich folgendes vorausschicken: Medizin, das ist meine Überzeugung, sollte beweisen, dass sie hilft, wenn sie eingesetzt wird. Das nennt man heute evidenzbasierte Medizin (evidence-based-medicine, EBM). Deren Erfolg kann man über Cochrane-Studien belegen. Also, Gesundbeten? Das ist eine sehr alte Tradition im Allgäu und in Oberschwaben. Sie wird häufig in Familien weitergegeben. Meine tiefsitzende Skepsis wurde durch vielfache Erfolge ins Wanken gebracht, bei denen zig Warzen innerhalb weniger Tage ohne eine direkte Therapie der Haut verschwanden. Warum? Ich weiß es nicht. Helfen Sie, das Geheimnis zu lüften.

Ach so, die Schnecken. Ab da wird’s langsam schwierig. Es gibt Hunderte von Möglichkeiten, was zeigt: die einzig selig machende Therapie gibt es wohl nicht. Außer: Nichts tun und entspannen. Gut für mache Eltern und die allermeisten Kinder.

Masern-Impfpflicht

Sie wurde just damals eingeführt als das Coronavirus in Europa einfiel: Die Masern-Impfpflicht. Und sie gilt schon seit dem 01. März 2020. Durch die vielen anderen medizinischen Probleme rückte dieses Thema sofort in den Hintergrund. Langsam, mit der Öffnung der Kindergärten und Schulen, kommt es wieder zum Tragen. Wir wollen hier einige Fragen beantworten, die sich Ihnen in den kommenden Wochen stellen könnten.

Wer unterliegt der Impfpflicht gegen die Masern?

Zunächst einmal alle Kinder (nach dem ersten Lebensjahr) und Jugendlichen, die eine Gemeinschaftseinrichtung besuchen. Dabei ist es gleich, ob es sich um einen Kindergarten, eine Grund-, Werkreal- und Realschule oder um ein Gymnasium handelt. Auch Schüler an Berufsschulen und andere Bildungsstätten unterliegen der Masernimpfpflicht.

Schülerinnen und Schüler, die neu in eine Schule kommen müssen den Impfschutz mit dem Eintritt in die neue Schule nachweisen. Das betrifft beispielsweise Schüler in diesem September, die von der Grund- in die Realschule wechseln. Die Schule wird diesen Nachweis verlangen. Alle anderen, die in der gleichen Schule bleiben müssen den Impfschutz gegen Masern bis spätestens 31. Juli 2021 (also zum Ende des jetzt beginnenden Schuljahres) nachweisen.

Auch die Lehrer / Betreuer sind betroffen

Ja. Auch die Lehrerinnen und Lehrer in Schulen sind betroffen, Erzieherinnen und Erzieher in Kindergärten ebenso. Das gilt jedoch nur für Personen, die nach 1970 (als frühestens am 01.01.1971) geboren wurden. Der Nachweis muss bei Beginn der Tätigkeit in einer Schule sofort geführt werden. Für Lehrer, die bereits an einer Schule tätig sind und tätig bleiben ist der Nachweis spätestens bis zum 31. Juli 2021 zu erbringen.

Was muss genau nachgewiesen werden?

Letztlich geht es dem Gesetzgeber darum, dass die Ausbreitung der Masern gestoppt wird. Der persönlich Schutz gegen Masern kann nachgewiesen werden durch:

  • Eine durchgeführte zweimalig Impfung. Als Nachweis gilt der Eintrag einer Masernimpfung im persönlichen Impfausweis, der in der Schule bzw. im Kindergarten vorgelegt wird.
  • Alternativ kann ein ärztliches Zeugnis über eine ausreichende Immunität gegen Masern vorgelegt werden (Nachweis von schützenden Masern-IgG-Titern). Die Kosten hierfür trägt der Patient in der Regel selbst (keine Kassenleistung).

Können Personen von der Impfpflicht ausgenommen werden?

Ja. Es gibt eine eher kleine Gruppe von Menschen, die nicht geimpft werden können. Das sind oft Personen mit einer angeborenen oder krankheitsbedingten Abwehrschwäche. Liegen solche Gründe gegen die Durchführung einer Impfung vor, können Eltern gegen Vorlage eines ärztlichen Attests ihr Kind von der Impfung ausnehmen. Vergleichbares gilt für Lehrer und Lehrerinnen (z.B. während einer Schwangerschaft).

Es gibt (noch) approbierte Ärzte, die sich dazu hinreisen lassen und falsche Atteste ausstellen. Wie ein Film vom frontal 21 (ZDF) zeigt geht die kriminelle Energie soweit, dass gegen Zahlung von 10 € sogar Bescheinigungen für Kinder ausgestellt werden, die es gar nicht gibt. Damit erfüllen sie einen strafrechtlichen Tatbestand und müssten eigentlich verfolgt werden.

Warum gibt es überhaupt die Masern-Impfpflicht?

Die Masern sind eine der höchst ansteckenden Erkrankungen weltweit. Und sie gehören zu den besonders gefährlichen Erkrankungen. So führen die vielen Komplikationen bei dieser Krankheit bei einem von 1000 – 1500 erkrankten Kindern oder Erwachsenen zum Tod. Detaillierte Informationen finden Sie im praxisblättle.

Wo kann ich weitere Informationen finden?

Das Thema Masernschutzgesetz sieht auf den ersten Blick einfacher aus als gedacht. Wenn Sie weitere Fragen haben, werden Sie vermutlich auf der Homepage des Bundesministeriums für Gesundheit zum Masernschutzgesetz eine kompetente und verständliche Antwort finden.