Kategorie: TIPP

Buggy – eine Hilfe für ausgedehnte Spaziergänge

Wenn Eltern mit ihren Kleinkindern mal so richtig lange Strecken zurücklegen wollen, ist der Buggy eine große Hilfe. So können Kinder, die dem Kinderwagen entwachsen sind, einfach transportiert werden ohne die Frage: „Wann sind wir endlich da?“

Die Stiftung Warentest hat sich im Septemberheft diesen Fahrgeräten gewidmet. Die Ergebnisse sind eher ernüchternd. In der nachfolgenden Tabelle haben wir die Modelle mit Noten bis 2,5 aufgeführt.

Name Note Preis Anmerkung
Smiloo Happy + 2,0 250 € für Kinder ab 6 Monate bis 3 1/2 Jahre geeignet
Joie Mytrax 2,2 215 € bis 3 Jahre geeignet, leicht zusammenzuklappen
Kinderkraft Grande 2020 2,4 159 € bis 2 1/2 Jahre geeignet
Thule Urban Glide 2 2,3 600 € bis etwa 4 Jahre; Räder für Waldboden geeignet
Mountain Buggy Terrain 3.0 2,5 700 € bis etwa 3 Jahre geeignet

Wie immer kann diese Tabelle nur ein „Gruß aus der Testküche“ sein, also eine Anregung, sich mit den Buggys mit all ihren Facetten auseinanderzusetzen. Wir möchten Sie ermuntern, sich im Testheft selbst kundig zu machen. Übrigens: Der Preis für die digitale Ausgabe des Testheftes liegt für ein Halbjahres-Abo bei 29,99 €.

Kopfgneis

Der Kopfgneis ist eine Auffälligkeit, die bei vielen Säuglingen beobachtet und fälschlicherweise oft als „Milchschorf“ bezeichnet wird. Sie betrifft die Haut des – vielleicht noch nicht – behaarten Kopfes. Der Kopfgneis ist medizinisch unbedenklich, kein Notfall, aber dennoch lästig. Ohne Behandlung klingt er, nachdem er in den ersten Lebenswochen aufgetaucht ist, meist bis zum Alter von 9 Monaten von sich aus ab. Er ist medizinisch eine Form des sog. seborrhoischen Ekzem des Säuglings und zeigt sich als fettig-gelbliche, festhaftende Schuppenschicht im Bereich des behaarten Kopfes (siehe nebenstehendes Bild). Entgegen anderslautender Gerüchte hat er nichts mit einer Allergie zu tun, selbst die Häufigkeit von Allergien ist beim Gneis nicht höher.

Soll man den Kopfgneis entfernen?

In der Regel nein. Wie gesagt, der Kopfgneis ist medizinisch unbedenklich und die Entfernung hat keinerlei Einfluss auf die Gesundheit oder das Wohlbefinden des Säuglings. Oft jedoch fühlt sich jedoch die Umgebung (der Erwachsenen) wohler, wenn kein Gneis zu sehen ist. In extremen Fällen mit dicken schuppigen Belägen kann die Entfernung auch einmal sinnvoll sein, um Infektionen der – unter dem Belag geröteten – Haut zu vermeiden.

Welche Therapiemöglichkeiten stehen zur Verfügung?

(1)  Meist wird abends der Kopfgneis mit Olivenöl eingerieben und somit aufgeweicht. Dann kann am nächsten Morgen mit leichten Reibbewegungen der Gneis langsam und vorsichtig entfernt werden. Bei dieser Methode gelingt es nicht, den Gneis vollständig zu entfernen. Oft findet in den kommenden Wochen auch eine gewisse Neubildung statt.

(2)  In schwierigen Fällen, kann durch niedrig konzentrierte Anwendung von Salicylsäure ein guter Erfolg erzielt werden. Die Art und Konzentration der Anwendung sollte mit dem Arzt abgesprochen und nicht auf eigene Faust eingeleitet werden.

(3)  Es soll wohl von manchen Ärzten in Einzelfällen auch Cortisonsalbe angewendet werden. In unserer Praxis war dies noch nie nötig. Bei Abwägung der unerwünschten Wirkungen ist mit dieser Methode kein vertretbarer Nutzen zu erkennen.

(4)  Als weitere Option wird die Anwendung von BabyBene® Gel beschrieben. Dieses Gel enthält u.a. Oliven- und Jojoba-Öl und ist von der Zusammensetzung her unproblematisch.

Fazit: Eine Behandlung des Kopfgneis‘ ist medizinisch nicht erforderlich. Versuche zuhause mit Olivenöl oder dem BabyBene® Gel scheinen gerechtfertigt.

Babywindeln

Seit Jahren geht die Diskussion: Was ist besser, Stoffwindeln oder Einwegwindeln? Besser fürs Kind, die Eltern oder die Umwelt? Jeder Kinderarzt weiß, dass Eltern mit dem ersten Baby sehr oft mit Stoffwindeln zur Vorsorge U3 (4.-6. Lebenswoche) kommen – mit nochmals großen Unterschieden bezüglich Stadt- und Landbevölkerung. Klar ist auch, dass mit jedem weiteren Kind und mit dem zunehmenden Alter (der Kinder, nicht der Eltern!) die Stoffwindeln immer seltener werden.

Die Stiftung Warentest hat sich in ihrem August-Heft wieder diesem Thema gewidmet. Das Ergebnis überrascht nicht. Wie immer sind die Pampers Sieger. Aber nun zu den einzelnen Bewertungen der Einmalwindeln (alle bezogen auf die Größe 4):

Name Note Preis pro Windel Anmerkung
Pampers Premium Protection 1,4 26 cent nachts sehr gut
Pampers Baby-Dry 1,5 21 cent nachts sehr gut
dm Babylove Premium-Windeln 1,7 12 cent
Hipp Baby Sanft Extra weiche Windeln 1,7 23 cent
Lillydoo Windeln 1,9 38 cent
Lidl Lupilu soft&dry 2,0 12 cent
Edeka Elkos Baby Glück Premium W 2,1 13 cent

Die Bewertungen liegen recht nahe beieinander, die Preise jedoch nicht. Aber manchmal lassen sich Eltern es etwas kosten, wenn die feucht-schwere Windel am Morgen allen Urin der Nacht auffangen konnte und kein Feuchtigkeitsfleck im Bett zurückbleibt.

Wie immer der Hinweis: Diese Tabelle kann nur eine grobe Orientierung sein. Im Testheft der Stiftung Warentest (August 2021) werden noch viele weitere praktische Tipps gegeben, die sich zu lesen lohnen.

Vorbereitungen für Ferien mit Kindern

Nicht wenige Familien werden in diesem Sommer Ferien machen: im Schwarzwald, in der Türkei oder bei sich zuhause. Bislang ist der Sommer noch nicht im Ländle angekommen. Die Morgenstimmungen erinnern eher an den Herbst. Aber wir geben die Hoffnung nicht auf und wollen Ihnen einige Themen vorstellen, die in einem echten Sommer wichtig werden können.

Magen-Darm-Erkrankungen (Gastroenteritis)

Eine Magen-Darm-Grippe beginnt oft damit, dass ein Kind akut erbricht, manchmal mehrfach. Was ist da zu machen? In den meisten Fällen hilft es, das Kind zu beruhigen, in den Arm zu nehmen und ihm langsam ein Getränk zuzuführen. Dabei sind Elektrolytlösungen wie Oralpädon© oder Santalyt© ideal. Das Problem besteht darin, dass viele Kinder, die an sich nicht schlecht schmeckenden Getränke schlicht verweigern. Dann kann man alternativ auf eine Apfelschorle (1 Teil Apfelsaft + 3 Teile Wasser, dazu etwas Salz direkt oder indirekt als Salzstängele) zurückgreifen, die von fast allen Kindern gerne getrunken wird. Aber es gibt noch eine bessere Möglichkeit, die sich über Jahrzehnte bewährt hat: Die „Fanconi-Lösung“

Diese Fanconi-Lösung ist für Kinder schmackhaft und in ihrer Zusammensetzung besser als die Apfelschorle (jedoch nicht ganz so gut wie die o.g. Elektrolytlösungen). Mit dieser Lösung gelingt es, die Salzverluste nach dem Erbrechen wieder gut aufzufangen:

  • 3 Esslöffel (Trauben-) Zucker
  • 1/2 Teelöffel Salz
  • beides zusammen in 300 ml Orangensaft auflösen und diese Mischung dann in
  • 1 Liter verdünnten Schwarztee geben

Alle diese Getränke werden zunächst löffelweise gegeben mit langsam zunehmender Menge. Dabei sollte ein Kleinkind nach 30 Minuten etwa 100 ml getrunken haben (nicht mehr!). Ist bis dahin kein Erbrechen mehr aufgetreten, kann das Kind so viel trinken wie es mag. Im anderen Falle wieder zur löffelweisen Gabe der Flüssigkeit zurückkehren und von vorne beginnen. Immer sehr langsam, mit viel Geduld und ohne die Frage „Musst Du spucken?“. Denn dem Kind geht es meist schon schlecht genug und es ist besser, es geschickt z.B. durch Anschauen eines Bilderbuches abzulenken.

Ein Durchfall, der meist auch auftritt, ist in der Regel solange unproblematisch, solange ein Kind nach der ersten Phase des Erbrechens ordentlich in kleinen Mengen (!!) isst. Eine Diät ist selten nötig, Hauptsache, die Kinder nehmen etwas zu sich. Wann muss ein Arzt aufgesucht werden? Wenn…

  • das Erbrechen lange anhält (abhängig vom Alter des Kindes!) oder
  • Blut im Stuhl auftaucht oder
  • hohes Fieber auftritt

Verbrennungen

Verbrennungen sind in den vergangenen Jahren glücklicherweise selten geworden, kommen aber trotzdem immer wieder vor und sollen deswegen hier ins Gedächtnis gerufen werden. Die meisten Verletzungen treten beim Grillen auf, wenn Kinder aus Unachtsamkeit bzw. bei mangelnder Beobachtung durch die Erwachsenen sich verbrennen. Hier gilt es, Kinder behutsam ans Feuer heranzuführen und ihre ersten Versuche – wenn sie denn alt genug sind – sorgsam zu überwachen. Verbrennungen, wie sie beim Grillen auftreten, sind oft schwerwiegend.

Sonnenbrand

Schwere Sonnenbrände beobachten wir in den Sommermonaten immer häufiger. Abgesehen von der akuten Beeinträchtigung mit massiven Schmerzen und teilweise Blasenbildungen, sind sie langfristig ein bedeutsames Problem wegen des Risikos der Entwicklung von Hautkrebs (malignes Melanom). Deswegen hier nochmals die Hinweise, wie wir sie im praxisblättle 2009 bereits veröffentlich haben.

Das Sonnenlicht, das uns auf der Erde erreicht, besteht zu 5% aus ultravioletter Strahlung (UV), die für unsere Haut einen Reiz darstellt. UV-B-Strahlen (280 – 315 nm) führt durch die verstärkte Pigmentierung zur Bräunung, wodurch der Körper seinen Sonnenschutz um das 2- bis 3-fache steigert. Eine Verdickung der Hornschicht schließlich steigert diesen Schutz nochmals auf das 4-fache. Es gibt aber Körperregionen, die nicht bräunen können und dadurch unter UV-B leiden: die Lippen. Sie sollten mit einem Sonnenschutzstift geschützt werden. Die UV-Strahlung schwächt übrigens auch das Immunsystem, weswegen es nach Sonneneinstrahlung oft z.B. Lippenherpes durchbricht.

Die UV-A-Strahlung (315 – 380 nm) verursacht eine sofortige und eine verzögerte Pigmentierung der Haut. Dieses UV-Licht trägt besonders stark zur Hautalterung bei. Andererseits ist es UV-B, das die Entstehung von Hauttumoren zu über 60% bedingt. Diese treten mit zunehmender Häufung von Sonnenbränden vermehrt auf, abhängig auch vom Hauttyp.

Besonderheiten beim Kind

Die Haut des Kindes ist wie die meisten kindlichen Organe in einem Reifungsprozess. Körpereigene Abwehrmechanismen wie Pigmentierung und Lichtschwiele sind noch nicht richtig ausgebildet. Auch der schützende Lipidfilm durch die Talgdrüsenfunktion fällt weitgehend weg. Ebenso schwitzen Kinder deutlich weniger und bilden damit auch kaum Urokaninsäure, die wiederum UV-absorbierend ist. In Summe ist die kindliche Haut deutlich lichtempfindlicher als die der Erwachsenen. Darüber hinaus verbringen Kinder deutlich mehr Zeit in der Sonne als Erwachsene, was das Risiko weiter erhöht. Bis zum 18. Geburtstag erleben Menschen 50 – 80% ihrer Sonnenbestrahlung des gesamten Lebens. In dieser Zeit wird also auch die Basis für die Tumoren im Erwachsenenalter gelegt.

Welcher Sonnenschutz ist sinnvoll?

Meiden der Sonne: Die Zeit zwischen 11:00 und 16:00 ist am sonnenintensivsten. Zumindest in der Kernzeit 12:00 bis 14:30 Uhr sollten Kinder im Haus bleiben. Sollte draußen die Sonne nicht scheinen, denken Sie bitte daran, dass die lichtschützende Wirkung von Wolken überschätzt wird: Eine dünne Wolke mindert die UV-Strahlung gerade mal um 20 bis 40%. Der Effekt, drinnen zu bleiben, ist also der sicherste Weg.

2 Unter einem Sonnenschirm ist die UV-Strahlung meist 50% geringer, besonders bei heller Umgebung mit Abstrahlung (Strand, helle Hauswand). Auch im Wasser gibt es noch erhebliche UV-Strahlung. Dort, wo beim Schwimmen die Füße sind, also in etwa 50 cm Tiefe, sind noch 60% des UV-B und 75% des UV-A wirksam.

3 Der textile Sonnenschutz durch Kleider ist sicher, wirksam und billig. Gelegentlich ist er schwer durchzusetzen. Aber an seine Schutzwirkung kommen die Sonnenschutzmittel nicht heran

Sonnenschutzmittel. Nur Regionen, die nicht von Kleidern beschützt sind sollten durch Sonnenschutzmittel behandelt werden. Sonnenschutzmittel sind also Ergänzungen und nicht wie oft angenommen im Zentrum des Sonnenschutzes. Es wird grundsätzlich ein Lichtschutzfaktor von mindestens LSF 30 empfohlen. Der Sonnenschutz sollte etwa 15 min vor Sonneneinstrahlung dick aufgetragen werden. Von einem Schutz kann man dann für 2 Stunden ausgehen. Zwei Arten von Sonnenschutz gibt es:

a) chemischer Sonnenschutz
b) physikalischer Sonnenschutz.

Der physikalische Sonnenschutz besteht aus anorganischen Nanopartikeln (Zinkoxid, Titandioxid), die die UV-Strahlen streuen, absorbieren und auch reflektieren. Sie dringen – im Gegensatz zum chemischen Schutz – nicht in die lebenden Hautschichten ein und sind somit für Kinder besonders zu empfehlen. Aktuell als gut eingestufte Sonnenschutzmittel finden Sie hier.

Sonnenschutzmittel

Kurz vor dem Sommerurlaub hat sich die Stiftung Warentest wie jedes Jahr der Bewertung von Sonnenschutzmitteln gewidmet. In diesem Jahr wurden die Cremes und Lotiones spezielle für Kinder – übrigens alle mit einem Lichtschutzfaktor von 50+ – nicht erneut getestet. Es liegt jedoch eine Zusammenstellung der getesteten Kindercremes des letzten Jahres vor. In der folgenden Tabelle listen wir die besten auf:

Name LF Note Preis/ ml Anmerkung
Lidl Cien Sun Kids Sonnencreme 50+ 1,4 2,25 / 100 Kinder-Test von Juli 2020
Müller Lavozon Kids Med Sonnenmilch 50+ 1,4 5,75 / 200 Kinder-Test von Juli 2020
Rossmann Sunozon Kids Sonnenspray 50+ 1,5 6,00 / 250 Kinder-Test von Juli 2020
dm Sundance Sensitiv Sonnenbalsam 30 1,4 3,45 /200 NEU
Sun D’Or Sonnenmilch 50 1,4 4,30 / 200 NEU
Müller Lavozon Sonnenmilch 30 1,5 2,45 / 200 NEU
Rossmann Sunozon Sonnenspray 30 1,5 3,50 / 200 NEU

Wichtig wie immer: Die Cremes und Sprays sollten regelmäßig und großzügig angewendet  werden. Im Wasser werden sie teilweise abgewaschen, so dass nach jedem Baden / Abtrocknen der Sonnenschutz neu aufgetragen werden sollte.

Auch im Wasser ist der Sonnenschutz enorm wichtig. Die UV-Strahlung dringt zu über 80% in Tiefen von einem Meter Wassertiefe ein. Gerade Kinder und Jugendliche sollten also mit ausreichend Sonnenschutz ins Wasser steigen.

Wie immer lohnt es sich, den gesamten Test der Stiftung mit den vielen praktischen Details im Einzelnen zu lesen.

Allergischer Schock bei Kindern

Auch im Kindesalter kommt es zu schwersten allergischen Schockzuständen. Wir Mediziner nennen das eine Anaphylaxie. Dieser Begriff beschreibt eine Überreaktion des erworbenen Immunsystems. Dabei erkennt das Immunsystem eine Substanz, wie beispielsweise Kuhmilch beim Säugling, als fremd und will sie deswegen abwehren.  Die Abwehr dieses fremden Stoffes gerät jedoch so aus den Fugen, dass der eigene Organismus lebensbedrohlich gefährdet wird.

Die Anaphylaxie tritt in rasender Geschwindigkeit auf. Meist dauert es nur wenige Minuten nach dem Kontakt zum Auslöser, bis in kurzer Abfolge die Symptome auftreten: Urtikaria (Nesselsucht), Verengungen der Atemwege (sog. Larynx-Ödem, Asthmaanfall), nach kurzzeitigem Blutdruckanstieg kommt es rasch zu einem Abfall des Blutdrucks mit nachfolgendem Kreislaufschock.

Sesamsamen Foto: pixabay, TheUjulala

In der Bevölkerung treten 26% aller Fälle von Anaphylaxie bei Kindern und Jugendlichen bis zum 18. Geburtstag auf. Auf 1000 Patientenjahre wurden im Jahr 2016 fünf Anaphylaxien festgestellt. Das hat kürzlich nochmals eine Studie der Harvard Universität in Boston betreffend Kinder unter 3 Jahren aus des USA bekräftigt. Auffallend war dabei ein Anstieg der Häufigkeit bei den Nahrungsmittelallergien (hier besonders auf Nüsse und Samen). Als Auslöser für eine Anaphylaxie kommen im Kindes- und Jugendalter besonders in Frage:

  • Nahrungsmittel: Milch, Ei (Eiweiß > Eigelb), Erdnüsse, Nüsse, Samen (z.B. Sesam), Fisch u.a.
  • Insektengifte: Wespengift und Bienengift, seltener auch Gift der Hornisse
  • Medikamente: Häufigkeit liegt bei 1-2% aller Anaphylaxien. Auch für die mRNA-Impfstoffe ist eine extrem seltene Anaphylaxie bekannt (vermutlich auf Polyethylengykol PEG)

Die Rate der Anaphylaxien ist zwar angestiegen, die Mortalität (Tödlichkeit) glücklicherweise nicht. Weltweit liegt die Tödlichkeit bei 0.5 bis 1 Todesfall pro 1 Million Einwohner und Jahr.

Es ist leuchtet ein, dass eine Therapie des anaphylaktischen Schocks ebenso schnell eingeleitet werden muss um eine Chance zu haben. Der erste Schritt ist, den Auslöser für den Schock zu stoppen: Kein weiterer Verzehr des Nahrungsmittels (z.B. Milch, Erdnuss) oder Beendigung einer Infusion (z.B. bei einer Penizillinallergie). Meist werden die ersten Symptome wie Hitzegefühl, Kribbeln in den Händen oder Juckreiz bald abgelöst von schweren Symptomen wie Atemnot, Schluckbeschwerden und einer zunehmenden Angst.

Adrenalin – Epinephrin. Foto: pixabay, WikiMediaImages

Ab diesem Moment besteht die Gefahr einer gefährlichen Kreislaufspirale: Zunächst schafft es der Körper durch eine kurze Gegenreaktion den Blutdruck ansteigen zu lassen. Dieser hoffnungsvollen Maßnahme folgt jedoch bald ein Abfall des Blutdrucks, der letztlich über den Verlauf des allergischen Schocks entscheidet. Spätestens in dieser Phase muss Adrenalin als Spritze – Adrenalin-Autoinjektoren wie Emerade©, EpiPen©, Fastjekt© –  in den Oberschenkel gegeben werden, um die Abwärtsspirale zu stoppen. Denn jeder weitere Abfall des Blutdrucks führt zu neuerlichem Blutdruckabfall, an dessen Ende ein Kreislaufversagen steht. Damit ist klar, dass Menschen, die um ihr Risiko für einen allergischen Schock wissen (Bienengiftallergiker z.B.) immer einen Adrenalin-Autoinjektor mit sich führen müssen. Nur damit lässt sich die Zeit zwischen dem Beginn des Schocks und dem Eintreffen eines Notarztes überbrücken. Egal, ob man sich in der Innenstadt von Karlsruhe oder auf dem Feldberg im Schwarzwald befindet.

Inzwischen gibt es für Eltern und Kinder gute Möglichkeiten, sich über die Anaphylaxie zu informieren und insbesondere auch über deren Erkennung und Therapie. Empfehlenswert sind die Informationen zu Frühwarnzeichen und Umgang mit dem Notfallset der GPA (Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie) sowie deren Elternratgeber.

Um gut vorbereitet zu sein, sind einige Informationen wichtig, damit die Umgebung im Falle einer anaphylaktischen Reaktion schnell informiert ist: Der Anaphylaxie-Pass und der Anaphylaxie-Notfallplan. Bei können beispielsweise über den Deutschen Allergie- und Asthmabund (daab.de) hier bestellt werden.

Autokindersitze: Schalen für Babys

Pünktlich zur Sommersaison, wenn Familien mehr Zeit haben etwas zu unternehmen, kommt ein aktueller Test der Stiftung Warentest zu Autokindersitzen. In der folgenden Tabelle führen wir alle 15 Modelle mit einer zumindest guten Note auf. Eine erfreulich große Auswahl.

Modell Preis Note Anmerkung
Silver Cross Dream+Dream i-Size Base 450 € 1,5 bereits in 7/2020 getestet
Maxi-Cosi Coral+FamilyFix3 Base 520 € 1,6  bereits in 7/2020 getestet
Nuna Pipa Next + Pipa Next Base 370 € 1,6  bereits in 7/2020 getestet
Babyzen Yoyo iZi Go Modular X1 i-Sizeby BeSafe + iZi Modular i-Size Basis 490 € 1,7
Maxi-Cosi Tinca + Maxi-Cosi Tinca Base 330 € 1,7
Peg-Pérego Primo Vaggio Lounge + i-Size Basis 420 € 1,7
Silver Cross Simplicity Plus + Simplifix Isofix Base 440 € 1,7
Stokke iZiGo Modular X1 i-Size by BeSafe + iZi Modular i-Size Basis 520 € 1,7
Maxi-Cosi Marble 350 € 1,8
Maxi-Cosi Tinca 159 € 1,8
Babyzen Yoyo iZi Go Modular X1 i-Sizeby BeSafe 259 € 2,0
Stokke iZiGo Modular X1 i-Size by BeSafe 289 € 2,0
Chicco Kiros i-Size 420 € 2,3
Silver Cross Simplicity Plus 239 € 2,3
Peg-Pérego Primo Vaggio Lounge 279 € 2,4

Diese Zusammenstellung kann nur eine ersten Eindruck über die verschiedenen Angebote sein. Wie bei allen Test der Stiftung aus Berlin: Im Text des Hefts (Juni 2021) stehen noch viele Details, die für einen Kauf von großer Bedeutung sind.

Schweizer Studie: Cannabiskonsum mit Wasserpfeife riskant

Das Thema Drogen beschäftigt wohl alle Eltern in der Pubertät ihrer Kinder. In aller Regel liegt ein Tabu über allem. Das zeigt sich in vollmundigen Statements wie: „In unserer Schule haben wir kein Drogenproblem“. Auf dem Lande verweist man dabei gerne auf den Sündenpfuhl der Städte. Dass Drogen aber in allen Landesregionen eine Rolle spielen, zeigt ein schlichter Blick in die regionalen Tageszeitungen.

Ein Thema ist in diesem Zusammenhang die Wasserpfeife (Shisha), über die verschiedenes inhaliert werden kann, eben auch Cannabis.

Mit diesem Thema hat sich eine Untersuchung in der Schweiz befasst. In der Studie um die Forscherin Dai-Hua Tsai von der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Universitätsspitals in Zürich wurden 5987 Schweizer Rekruten bei Ihrer Eingangsuntersuchung ins Militär befragt. In die Studie aufgenommen wurden 1108 Rekruten, die bei der ersten Befragung (zwischen 2010 bis 2012) angaben, nur Cannabis zu konsumieren. Von diesen benutzten 343 (30%) eine Wasserpfeife als Mittel zur Inhalation von Cannabis.

Bei einer weiteren Untersuchung 6 Jahre später (2016-2018) zeigte sich, dass sich unter den Nutzern der Wasserpfeife mehr Männer befanden, die inzwischen auch andere illegale Drogen (Stimulantien, Halluzinogen)  konsumierten. Das Risiko, weitere Drogen zu nutzen war gegenüber den Nicht-Wasserpfeifen-Nutzern um über die Hälfte (aOR 1,54) höher.

Die Nutzung der Wasserpfeife als Mittel zur Inhalation von Cannabis erhöht das Risiko, später zu härteren Drogen zu greifen.

Kampf dem Plastikmüll: Auch ein Weg für gesündere Atemwege unserer Kinder

Mit dem wärmer werdenden Frühling wird auch die Luftqualität in den Städten meist schlechter. Die Qualität ergibt sich aus einer Summe vieler Schadstoffe, die von uns Menschen verursacht sind. Die gute Seite: Was wir verbockt haben, können wir – rein theoretisch und mit einigen Kraftanstrengungen – auch wieder in die positive Richtung ändern und damit die Zunahme weiterer Schäden verlangsamen.

Hauptursache für eine schlechte Luftqualität ist das Verbrennen fossiler Energieträger und von Biomasse wie bei den Brandrodungen. Dabei entstehen Giftgase wie SO2, NOx, Methan , Feinstaub und Schwebestoffe aus unterschiedlichen Quellen.

Apropos Schwebestoffe. Auch Plastikmüll schadet langfristig enorm. Allein in Deutschland verbrauchen die Menschen pro Stunde 320.000 Stück Kaffeebecher, wie das Bundesumweltministerium berechnet hat. Pro Jahr sind das 2,8 Milliarden Becher. Und damit eine Menge Mikroplastik für die Zukunft, die über Jahre den zerfallenden Plastikbechern entfleucht. Mikroplastik ist schon heute in spürbaren Mengen in der Nahrung. Und es findet sich sogar in der Luft, wie Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts nachweisen konnten. In frisch gefallenem Schnee in den Bayrischen Alpen fanden sie bis zu 154.000 Plastikteilen pro Liter, die der Schneefall aus der Luft „ausgewaschen“ hatte. Es sieht also so aus, als würden wir zunehmend auch Mikroplastik einatmen. Dass diese Teilchen fliegen können dürfte nicht verwundern. Immerhin haben uns in diesem Jahr schon mehrere Sahara-Staubwolken aus über 3000 km Entfernung in Baden-Württemberg erreicht.

In wenigen Wochen, ab dem 3. Juli 2021, ist die Herstellung von Einwegplastik in der EU untersagt. Das ist ein wichtiger Schritt, der unseren Alltag verändert. Mit der beginnenden Grillsaison können wir direkt dazu beitragen und Einwegplastik einsparen. Eine Möglichkeit ist, schon jetzt auf essbares Besteck umzusteigen.

Das wird zum Beispiel vom Start-up-Unternehmen Kulero angeboten, das von Hemant Chawla mit seiner Geschäftspartnerin Juliane Schöning aufgebaut wurde. Sie stellen essbare Löffel, Schüsseln, Strohhalme oder Teller her, wobei in Westindien sowie bei einem Kekshersteller in Baden-Württemberg produziert wird. Abnehmer ihrer Produkte sind Supermarktketten wie Edeka oder Rewe ebenso wie Restaurants und Gefängnisse.

Alexander von Humboldt. Statue im Central Park, NYC Foto: wikimedialimages

Ein kleiner Beitrag zur Verbesserung der Umwelt. Immerhin. Übrigens hat schon Alexander von Humboldt – lange bevor das Auto erfunden oder Industrieschlote rauchten – erkannt, wie die Menschen durch ihr Verhalten die Abläufe der Natur nachhaltig stören. Auf seiner Reise durch Südamerika von 1799 bis 1804 beschrieb er beispielsweise den Einfluss von Waldrodungen auf den Wasserhaushalt. Obwohl wir  Menschen das seit über 220 Jahren wissen, werden weiter Wälder abgeholzt um Soja anzubauen, damit wir schließlich mehr Fleisch auf den Tisch bekommen. Und vieles andere mehr.

Fluorid zur Kariesvorbeugung

Seit Jahrzehnten ein Klassiker und immer wieder in der Diskussion ist die Frage zur kindlichen Karies: Wer braucht wann wieviel Fluorid? Und, sind damit auch negative Wirkungen verbunden?

Karies ist eine chronische Erkrankung, die das Zahnhartgewebe angreift. Ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren begünstigt diesen Prozess:

  • Bakterien im Mundraum wie z.B. Streptokokkus mutans.
  • Kohlenhydrate wie Zucker.
  • der Faktor Zeit.

Im Zusammenspiel dieser Bakterien mit Kohlenhydraten entstehen Säuren, die die Calcium-Phosphate aus dem Zahnschmelz lösen. Das führt zu Demineralisation, die fortschreitet und eine kariösen Zahn hinterlässt.

Fluoride haben Wirkungen, die diesem Prozess entgegenwirken:

  • sie fördern die Re-Mineralisation
  • die verringern die De-Mineralisation
  • die bremsen den Stoffwechsel der Bakterien und führen hierdurch zu einer geringeren Säureproduktion

Diese Effekte können die Fluoride auf zwei unterschiedlichen Wegen entwickeln:

  • systemisch: wenn sie also dem Körper als ganzes (wie z.B. in Tablettenform) zugeführt werden.
  • topisch:  wenn sie auf die Zahnoberfläche aufgebracht werden – sei es als Zahnpasta oder als Lack.

Aber was bedeuten diese Erkenntnisse für den Alltag von Säuglingen, Klein- und Schulkindern?

Das große Dilemma ist, dass Eltern widersprüchliche Empfehlungen präsentiert werden. Die kinderärztlichen Gesellschaften empfehlen seit Jahrzehnten die Gabe von Vitamin D in Kombination mit Fluor (z.B. als D-Fluoretten© 500) beginnend ab dem 10. Lebenstag. Die Kinderzahnärzte betonten derweil immer, dass die regelmäßige Zahnpflege mit Zahnpasta ab dem ersten Zahn sinnvoller sei. Dieser Widerspruch von systemischer Therapie (Kinderärzte) und topischer Therapie (Zahnärzte) könnte sich dieser Tage langsam auflösen. Bald soll eine neue Leitlinie hierzu erscheinen, eine Überarbeitung der alten soll in Bälde vorliegen.

Aus den USA liegt die neueste Empfehlung der amerikanischen Kinderärzte (AAP) gerade vor, die in Pediatrics erschienen ist. Darin steht (verkürzt zusammengefasst):

  • Zahnpasta ab Durchbruch des ersten Milchzahns (zunächst mit reiskorngroßer Menge = etwa 0,1 mf Fluorid)
  • Fluoridlack ab Zahndurchbruch alle 3-6 Monate (bei hochwertiger Zahnpflege kann darauf verzichtet werden)
  • Orales Fluorid, wenn das Trinkwasser nicht fluoridiert ist. Bei Fluoridgehalt von <0,3ppm Zufuhr ab 6 Monaten mit 0,25 mg/ Tag beginnen

Dabei fällt auf, dass in den ersten 6 Monaten kein Fluorid überhaupt gegeben wird. Daneben ist keine Rede von „Kinderzahnpasta“ – die Menge des Fluorids wird also über die Menge an der auch für Erwachsenen üblichen Zahnpasta gesteuert.

Typisch amerikanisch: Klare und einfache Regeln. Wir dürfen sicher sein, dass die deutschen Regeln deutlich komplizierter ausfallen. Die Frage ist, was am Schluss mehr Erfolg hat. Dieser Unterschied ist ja gerade auch für alle bei den Coronaimpfungen zu sehen: Deutschland stellt beste, komplex ausgefeilte Regeln auf – die im Alltag permanent umgangen werden. Ob wir das beim Thema Kariesprophylaxe besser machen werden?