Kategorie: TIPP

Akute Mittelohrentzündung

Infekte bei Kleinkindern sind zu manchen Zeiten fast normaler als völlige Gesundheit. Viele von ihnen haben im Herbst und Winter Schnupfen, der mal besser mal schlimmer ist. Aber nie weg – Schnupfensaison.

Im Rahmen akuter Infektionen, wenn aus einem Schnupfen Krankheit mit Abgeschlagenheit, Husten und Fieber wird, entwickelt sich bei vielen Kleinkindern eine akute Entzündung der Mittelohren – akute Otitis media (AOM). Das ist gar nicht selten. In den ersten zwei Lebensjahren erleben 80% aller Kinder eine Mittelohrentzündung. Bis zur Einschulung haben nahezu die Hälfte aller Kinder bereits 6 oder mehr Episoden mit AOM hinter sich.

Die Mittelohrentzündung beginnt meist dann, wenn Eltern das Gefühl haben, nun sei das gröbste eines Virusinfektes vorbei: Etwa 3-7 Tage nach Ausbruch des vorausgehenden Infektes kommt es in aller Regel akut zu massiven Ohrschmerzen. Wenn Kinder kleiner sind, schreien sie sehr heftig und beklagen sich manchmal über Bauchschmerzen – obwohl die Ursache im Ohr liegt.

Eustachische Röhre, hier als „auditory tube“ bezeichnet Quelle: Von Henry Vandyke Carter – Henry Gray (1918) Anatomy of the Human Body (See „Buch“ section below)Bartleby.com: Gray’s Anatomy, Tafel 907, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=566848

Die Entzündung im Mittelohr kommt meist dadurch zustande, dass die Eustachische Tube (im Deutschen als Ohrtrompete bezeichnet) durch den vorausgehenden Virusinfekt zugeht. Damit wird die Verbindung von Mittelohr und Rachenhinterwand verschlossen und Keime, die bereits im Mittelohr sind können sich vermehren und die AOM auslösen. Das Zugehen der Eustachischen Röhre ist vielen gut bekannt, wenn sie mit dem Auto eine Passstraße zügig hoch bzw. runter fahren, Dann „gehen die Ohren zu„. In der Graphik links ist der Zusammenhang dargestellt. Die Ohrtrompete ist dort als „auditory tube“ bezeichnet.

Die Mittelohrentzündung kann durch Bakterien wie durch Viren ausgelöst werden. Oft kommt die AOM durch eine Mischinfektion aus verschiedenen Bakterien und Viren zustande.

Es gibt einzelne Risikofaktoren, die eine Mittelohrentzündung begünstigen:

  • Kinder, die einen Schnuller benutzen.
  • Das Rauchen der Eltern erhöht das Risiko für eine Mittelohrentzündung um 50%.
  • ältere Geschwister bzw. Besuch von Gemeinschaftseinrichtungen.
  • Adenoide Vegetationen, fälschlicherweise oft „Polypen“ genannt.

Eine günstige Wirkung hat das Stillen. Ebenfalls schützend sind Impfungen. So ging seit Einführung der Pneumokokken-Impfung in Deutschland die Zahl aller Mittelohrentzündungen um 32% zurück. Auch nach Haemophilus-influenzae-Impfungen sowie nach Influenza-Impfungen (20%) ging die Zahl der Mittelohrentzündungen nachweislich zurück.

Die Therapie mit Antibiotika wird seit Jahren immer weniger eingesetzt. Das gilt nicht für Säuglinge unter 6 Monaten und nur eingeschränkt für Kinder unter 2 Jahren. Trotz der Gabe  eines Antibiotikums bleibt der Schmerz manchmal noch Tage bestehen. Die Behandlung mit Schmerzmitteln sollte gerade bei der AOM großzügig erfolgen.

Traditionell werden abschwellende Nasentropfen verabreicht. Das lässt die Nasenschleimhaut abschwellen, hat aber keinen Einfluss auf die Eustachische Röhre und damit auch keinen Einfluss auf eine raschere Besserung der Mittelohrentzündung. Für die Anwendung pflanzlicher Säfte kann bei momentaner Studienlage keine Empfehlung gegeben werden.

Fazit: Die akute Mittelohrentzündung ist eine extrem schmerzhafte Erkrankung, die eine entsprechend großzügige Behandlung mit Schmerzmitteln rechtfertigt. Ein Kind mit AOM sollte immer einem Kinder- und Jugendarzt zur Kontrolle vorgestellt werden. Dabei ist es häufig ausreichend, wenn zunächst einmal der Schmerz behandelt wird und der Arztbesuch auf den kommenden Morgen vereinbart wird.

Lästig: Warzen

Warzen können in jedem Lebensalter auftreten und enorm lästig sein. Gefährlich sind sie extrem selten (Entwicklung eines Krebs). Kleinkinder sind häufiger von Warzen betroffen. Ähnlich wie bei anderen viralen und bakteriellen Infekten, hat ihr Immunsystem noch wenig Erfahrung mit den Warzenviren.

Auslöser für die Entwicklung von Warzen sind humane Papillomaviren (HPV), von denen es weit über 100 verschiedene Typen gibt. Auch die Auslöser des Gebärmutter-Hals-Krebses (Cervix-Carcinom) kommen aus dieser Gruppe. Diese „high-risk“-Viren sind aber an der Auslösung der Haut-Warzen nicht beteiligt. Eine Art Warzen, die gerade im Kindesalter sehr häufig ist, aber nicht durch HPV ausgelöst werden sind: die Dellwarzen. Was es mit diesen auf sich hat können Sie in einem früheren Beitrag des praxisblättle nachlesen.

Die Papillomaviren können über kleinste Verletzungen oder Risse in die Haut eindringen. Das gelingt ihnen beim Barfußlaufen (z.B. im Schwimmbad) oder auch bei engem Körperkontakt wie dem Händeschütteln. Die Viren erreichen auf diesem Weg die Epidermis, eine Hautzone, in der Wachstum stattfinden. Auch wenn für uns die Haut jeden Tag ziemlich gleich aussieht, so ist auch dieses Organ – die Haut ist ein Organ wie beispielsweise die Lunge – ständig im Umbau begriffen.

Normal Haut mit Epidermis. Quelle: Prof. Höger, Hamburg

In der Epidermis dringen die Viren in die Zellen ein und nötigen diese schneller zu wachsen. Das führt im Endeffekt zu den fühlbaren Hautwucherungen einer Warze. Auf deren Oberfläche sitzen wiederum Viren, die einerseits über Böden oder Gegenstände (Schuhe) an andere weitergegeben werden können. Ebenso können sie sich aber durch Kratzen an der Warze auch auf der eigenen Haut weiter ausbreiten.

Dem Immunsystem fallen die Viren natürlich auf. Wie auch bei den Atemwegserkrankungen bilden sie Antikörper, um die Viren abzuwehren. Wenn Kleinkinder die Welt kennenlernen, kommen sie auch vermehrt mit den Viren zusammen. In dieser Zeit treten immer wieder Waren auf, bis der Körper eine ausreichend Abwehr gegen das HPV Typ 1 – als wichtigstem Vertreter der Warzenviren – und die anderen Varianten dieses Virus erarbeitet hat. Wenn die Viruslast (vereinfacht gesagt die Menge an Viren) sehr hoch ist oder die Abwehr des Körpers weniger gut, so können in jedem Lebensalter Viren auftreten.

Warzen  Quelle: ptw

Es gibt in der Ausprägung unterschiedliche Warzen: Verrucae vulgares (gewöhnliche Warzen) treten häufig an den Händen auf. Verrucae plantares (Dornwarzen, Stechwarzen) treten an den Füßen auf. Weil sie eine Kegelform haben, drückt die Spitze dieses Kegels bei Gehen gegen das Gewebe und schmerzt – „sticht“. Im Gesicht oder auf den Händen gibt es auch Verrucae planae juveniles (Flachwarzen), die als Fleck auffallen und nicht schmerzen.

 

Was kann man gegen Warzen unternehmen?

Wie gesagt, im Kleinkindesalter sind Warzen häufig, wenn Kinder erstmals mit den Warzen-Viren in Kontakt kommen. Wenn sie nicht darunter leiden, kann man nichts machen. Das ist die einfachste und für Kinder am wenigsten belästigende Therapie.

Eine weitere Option sind Tinkturen (z.B. mit Fluorouracil), die das Virenwachstum hemmen können. Das Problem dabei ist, die Tinktur an die Viren heranzubringen. Rein theoretisch muss hierfür zunächst die Warzenwucherung / Hornschicht durch aufweichende Salben (meist mit Salicylsäure) über viele Tage abgetragen werden. Diese täglichen Aktionen nerven die meisten Kinder, zumal in der Wachstumszone der Viren die Haut auch empfindlich ist. Kurzum, der Weg bis zu dem Virenzentrum ist zum Schluss durchaus auch mal schmerzhaft.

Für Viren an sehr empfindlichen Stellen wie dem After oder am Genitale gibt es wirksame Medikamente, die oral eingenommen werden können.

Für hartnäckige Fälle wenden manche Hautärzte auch eine Methode an, die Warzen direkt zu entfernen. Dabei können sie einen „scharfen Löffel“ oder auch ein Skalpell verwenden. Oder sie setzen Laser ein.

Weitere Methoden, die bei bestimmten Warzen erfolgreich sein können sind die Kältetherapie (Kryotherapie) oder auch die Verätzung oder das Vereisen. Alle diese Therapien sind mit Schmerzen verbunden und bei Kleinkindern nicht hoch im Kurs.

Auch das Gegenteil kann hilfreich sein: Eine Art Okklusionstherapie – „duct tape therapy„, die hier (in Englisch) in einer Arbeit von Ran D. Goldman aus Kanada ausführlich beschrieben ist.

Sehr beliebt ist bei vielen Menschen Thuja als Tinktur zum Betupfen oder auch als Tropfen / Globuli zum Einnehmen. Auch darunter verschwinden bei ausreichend langer Geduld die Warzen. Die Therapie dauert aber ebenso lange wie die des Nichts-Tuns.

Gesundbeten? Dazu muss ich folgendes vorausschicken: Medizin, das ist meine Überzeugung, sollte beweisen, dass sie hilft, wenn sie eingesetzt wird. Das nennt man heute evidenzbasierte Medizin (evidence-based-medicine, EBM). Deren Erfolg kann man über Cochrane-Studien belegen. Also, Gesundbeten? Das ist eine sehr alte Tradition im Allgäu und in Oberschwaben. Sie wird häufig in Familien weitergegeben. Meine tiefsitzende Skepsis wurde durch vielfache Erfolge ins Wanken gebracht, bei denen zig Warzen innerhalb weniger Tage ohne eine direkte Therapie der Haut verschwanden. Warum? Ich weiß es nicht. Helfen Sie, das Geheimnis zu lüften.

Ach so, die Schnecken. Ab da wird’s langsam schwierig. Es gibt Hunderte von Möglichkeiten, was zeigt: die einzig selig machende Therapie gibt es wohl nicht. Außer: Nichts tun und entspannen. Gut für mache Eltern und die allermeisten Kinder.

Masern-Impfpflicht

Sie wurde just damals eingeführt als das Coronavirus in Europa einfiel: Die Masern-Impfpflicht. Und sie gilt schon seit dem 01. März 2020. Durch die vielen anderen medizinischen Probleme rückte dieses Thema sofort in den Hintergrund. Langsam, mit der Öffnung der Kindergärten und Schulen, kommt es wieder zum Tragen. Wir wollen hier einige Fragen beantworten, die sich Ihnen in den kommenden Wochen stellen könnten.

Wer unterliegt der Impfpflicht gegen die Masern?

Zunächst einmal alle Kinder (nach dem ersten Lebensjahr) und Jugendlichen, die eine Gemeinschaftseinrichtung besuchen. Dabei ist es gleich, ob es sich um einen Kindergarten, eine Grund-, Werkreal- und Realschule oder um ein Gymnasium handelt. Auch Schüler an Berufsschulen und andere Bildungsstätten unterliegen der Masernimpfpflicht.

Schülerinnen und Schüler, die neu in eine Schule kommen müssen den Impfschutz mit dem Eintritt in die neue Schule nachweisen. Das betrifft beispielsweise Schüler in diesem September, die von der Grund- in die Realschule wechseln. Die Schule wird diesen Nachweis verlangen. Alle anderen, die in der gleichen Schule bleiben müssen den Impfschutz gegen Masern bis spätestens 31. Juli 2021 (also zum Ende des jetzt beginnenden Schuljahres) nachweisen.

Auch die Lehrer / Betreuer sind betroffen

Ja. Auch die Lehrerinnen und Lehrer in Schulen sind betroffen, Erzieherinnen und Erzieher in Kindergärten ebenso. Das gilt jedoch nur für Personen, die nach 1970 (als frühestens am 01.01.1971) geboren wurden. Der Nachweis muss bei Beginn der Tätigkeit in einer Schule sofort geführt werden. Für Lehrer, die bereits an einer Schule tätig sind und tätig bleiben ist der Nachweis spätestens bis zum 31. Juli 2021 zu erbringen.

Was muss genau nachgewiesen werden?

Letztlich geht es dem Gesetzgeber darum, dass die Ausbreitung der Masern gestoppt wird. Der persönlich Schutz gegen Masern kann nachgewiesen werden durch:

  • Eine durchgeführte zweimalig Impfung. Als Nachweis gilt der Eintrag einer Masernimpfung im persönlichen Impfausweis, der in der Schule bzw. im Kindergarten vorgelegt wird.
  • Alternativ kann ein ärztliches Zeugnis über eine ausreichende Immunität gegen Masern vorgelegt werden (Nachweis von schützenden Masern-IgG-Titern). Die Kosten hierfür trägt der Patient in der Regel selbst (keine Kassenleistung).

Können Personen von der Impfpflicht ausgenommen werden?

Ja. Es gibt eine eher kleine Gruppe von Menschen, die nicht geimpft werden können. Das sind oft Personen mit einer angeborenen oder krankheitsbedingten Abwehrschwäche. Liegen solche Gründe gegen die Durchführung einer Impfung vor, können Eltern gegen Vorlage eines ärztlichen Attests ihr Kind von der Impfung ausnehmen. Vergleichbares gilt für Lehrer und Lehrerinnen (z.B. während einer Schwangerschaft).

Es gibt (noch) approbierte Ärzte, die sich dazu hinreisen lassen und falsche Atteste ausstellen. Wie ein Film vom frontal 21 (ZDF) zeigt geht die kriminelle Energie soweit, dass gegen Zahlung von 10 € sogar Bescheinigungen für Kinder ausgestellt werden, die es gar nicht gibt. Damit erfüllen sie einen strafrechtlichen Tatbestand und müssten eigentlich verfolgt werden.

Warum gibt es überhaupt die Masern-Impfpflicht?

Die Masern sind eine der höchst ansteckenden Erkrankungen weltweit. Und sie gehören zu den besonders gefährlichen Erkrankungen. So führen die vielen Komplikationen bei dieser Krankheit bei einem von 1000 – 1500 erkrankten Kindern oder Erwachsenen zum Tod. Detaillierte Informationen finden Sie im praxisblättle.

Wo kann ich weitere Informationen finden?

Das Thema Masernschutzgesetz sieht auf den ersten Blick einfacher aus als gedacht. Wenn Sie weitere Fragen haben, werden Sie vermutlich auf der Homepage des Bundesministeriums für Gesundheit zum Masernschutzgesetz eine kompetente und verständliche Antwort finden.

Kinderwagen: gute Modelle sind selten

Die Stiftung Warentest widmet sich in ihrer neuesten Ausgabe (8/2020) dem Kinderwagen. Sie sollen die Kinder sich durch die Gegend transportieren, wenn die Kräfte der Eltern das nicht mehr erlauben. So bequem wie auf Mamas oder Papas Arm sind sie jedoch mitnichten. Das zeigt sich im Ergebnis: Nur zwei Sitze können überzeugen. Auch deswegen, weil die meisten Wannen der Kinderwägen zu klein für die Kleinen sind. Das erstaunt dann doch.

Die beiden „gut“ gestesten Modell wollen wir hier kurz erwähnen. Wie immer möchte wir allen Eltern jedoch den gesamten Beitrag (Seiten 70-75) sehr empfehlen. Im Kleingedruckten finden sich noch viele Informationen, die für die „Fahrgäste“ Kinder wichtig sind.

Name Note Preis Anmerkung
Maxi-Cosi Lila XP 2,2 950 € hohes Gewicht (leere Schale: 4,6 kg); sperrig
Hartan YES GTS 2,3 1100 € nur für Kinder bis 36 Monate Alter

Die Preise sind happig, bei den schlechter getesteten Modell jedoch nur selten günstiger.

Krafttraining bei Kindern: Müssen wir umdenken?

In Deutschland spricht man davon eher kaum: Krafttraining bei Kindern. In den USA ist das ein wichtiges Thema, mit dem sich sogar das Fachjournal der Kinder- und Jugendärzte Pediatrics regelmäßig befasst.

Das Team um Paul R Stricker von der Sripps Clinic in San Diego, Kalifornien, hat kürzlich neue Leitlinien für das Krafttraining (resistance training) für Kinder und Jugendliche veröffentlicht. Damit liegt eine Revision der letzten Leitlinie der Amerikanischen Akademie für Pädiatrie (AAP) aus dem Jahre 2008 vor.

Aus Sicht der amerikanischen Kinderärzte hat Krafttraining mehr damit zu tun Verletzungen zu verhindern als dass es selbst zu Verletzungen führen würde. Das Krafttraining wird als sehr sinnvoll angesehen, wenn einige Voraussetzungen gegeben sind. Die wichtigste Bedingung ist die Supervision: Ein qualifizierter Trainer muss die Kinder und Jugendlichen einführen und begleiten. Deswegen erstaunt es nicht, dass die meisten Verletzungen im Zusammenhang mit Krafttraining zuhause auf den privaten Geräten passieren.

Desweiteren müssen einige medizinische Voraussetzungen gegeben sein. So sollte in jedem Fall vor Beginn des Trainings eine Untersuchung bei einem Kinder- und Jugendarzt erfolgen. Dabei sind Fragen eines Bluthochdrucks (arterielle Hypertonie) oder von Hinweisen auf ein Anfallsleiden (Epilepsie) zu klären. Bei diesen Erkrankungen ist das Krafttraining möglich, muss aber mit dem Facharzt abgestimmt werden. Bei anderen Erkrankungen wie der hypertrophen Kardiomyopathie oder dem Marfan-Syndrom sollte ein Krafttraining gemieden werden.

Das Krafttraining hat unter diesen Bedingungen mehr damit zu tun Verletzungen zu vermeiden als dass es selbst zu Verletzungen führt. Es verbessert die Muskelkraft und die Muskelausdauer. Das wiederum verbessert die körperliche Beweglichkeit, vermittelt ein besseres Körpergefühl und trägt letztlich zu besserer Koordination bei. In der Summe wird dadurch das Verletzungsrisiko gesenkt. Daneben sind viele weiteren gesundheitlichen Vorteile bekannt, wie die Verbesserung kardiovaskulärer Fitness („Kreislauf“), verbesserte Mineralisation der Knochen und niedrigere Blutfette.

Eine ganz große Bedeutung könnte das Krafttraining für übergewichtige Kinder und Jugendliche haben. Ihr Übergewicht führt dazu, eher herumzuhängen und wenig aktiv zu sein. Dadurch verlieren sie an Fitness und gewinnen an Gewicht. Beim Krafttraining ist Schnelligkeit und Agilität erstmal nicht gefragt. Damit könnten also Übergewichtige ohne Gesichtsverlust starten, ihren Muskelapparat zu trainieren und damit den Fettanteil zu senken. Der Druck bedauernswerte Blicke ertragen zu müssen würde wegfallen. Damit wäre auch die Chance größer, dass sie dabeibleiben und langfristig eine Balance von Nahrungsaufnahme und körperlicher Bewegung erreichen.

Warum wir uns maskieren sollten

Was vor einem halben Jahr noch zum Schmunzeln anregte, ist heute fast schon Standard: der Mund-Nasen-Schutz (MNS). Sein Ziel: Er soll den Flug der Tröpfchen, die beim Ausatmen die Nase und beim Sprechen den Mund verlassen, abbremsen. Das bedeutet natürlich, dass er beide Eingänge zu den Atemwegen filtern muss. Mund und Nase. Nebenbei hilft er auch etwas, Tröpfchen von außen bei der Einatmung abzublocken.

Zwei Corona-positive Hairstylisten und ihre gesunden Kunden. Der Mundschutz macht’s. Quelle: cdc.gov

Dazu eine schöne Geschichte, die gerade im Morbidity and Mortality Weekly Report (MMWR) veröffentlicht wurde. Die Autoren um M. Joshua Hendrix berichten von 2 Haar-Stylisten in den USA, die mit dem Coronavirus infiziert waren. Vermutlich haben sie sich beim Reden nach der Arbeit gegenseitig angesteckt. Es verwundert nicht, dass in beiden Familien mehrere Mitglieder an COVID-19 erkrankten. In ihrem Salon jedoch trugen sie konsequent eine Maske während sie 139 Klienten (jeweils über 15 Minuten) stylten. Von diesen 139 Personen erkrankte: Niemand. Bei 67 der Kunden wurde ein Rachenabstrich durchgeführt: alle negativ. Maske nutzt. Wenn man sie be-nutzt.

Häufigkeit, mit der ein Mund-Nasen-Schutz in einigen Ländern seit Februar 2020 getragen wird. Quelle: The Economist

In vielen Ländern Asiens wird er seit langem getragen und gehört zur Normalität, wie die blaue Kurve (mittlere Graphik, Ostasien) für China zeigt. Viele Länder haben nachgezogen. So ist das Tragen des MNS in Spanien neuerdings ebenso Alltag wie in China.

Eine Reihe von Länder in Europa haben die Maskenpflicht neu eingeführt (Schweiz: im öffentlichen Nahverkehr), wieder erneuert (Österreich) oder ausgeweitet (Frankreich: auf Banken, Supermärkte und Kultureinrichtungen).

Meist ist es der einfache, oft selbst genähte MNS der getragen wird. Er bietet einen guten Schutz. Da aber verschiedene Materialien zum Einsatz kommen, lässt sich dieser nicht genau bestimmen. Im Übrigen ist für jeden dieser MNS unklar, wie lange die Schutzwirkung anhält. Sicher ist nur: Der Mund-Nasen-Schutz muss über dem Mund und der Nase getragen werden. Sonst ist er wirkungslos.

Qualitativ besser sind Atemschutzmasken, die eng anliegen und die Einatmen- und/ oder Ausatemluft filtern. Allerdings nur, wenn sie korrekt getragen werden. Wie das geht (oder besser nicht gemacht wird) zeigt eine schöne Informationstafel des Robert Koch-Instituts (RKI). Speziell weist sie nochmals darauf hin, dass diese Atemschutzmasken (also FFP2, FFP3 oder der amerikanische Standard N95) mit oder ohne Ventil geliefert werden.

  • Mit Ventil: Diese Maske filtert nur die Einatemluft. Damit stellt sie einen Eigenschutz dar. Aber keinen Fremdschutz. Vorteile sind verminderter Hitze- und Feuchtigkeitsstau sowie verlängerte die Tragedauer
  • Ohne Ventil: Filtert die Einatemluft und die Ausatemluft. Damit stellt diese Maske einen Eigen- und einen Fremdschutz dar.

Viele Studien haben untersucht, ob ein Mundschutz vor der Übertragung von Viren schützen kann. Eine zentrale Arbeit hierzu erschien bereits vor 11 Jahren. Damals gab es noch kein SARS-CoV-2,wohl aber Grippeviren (Influenza A und B). Auf diese hin haben die Forscher um D.F. Johnson in Australien ihre kranken Probanden untersucht. Die Untersuchung lief in 4 Schritten ab: 1. Husten ohne Maske, 2. Husten hinter einer N95-Maske, 3. Husten in eine chirurgische Maske und 4. Nochmals Husten ohne Maske. Die Tröpfchenladung beim Husten wurde 20 cm vor dem Mund des Probanden aufgefangen. Danach erfolgte ein PCR-Test, der auch heute der Standard bei der Erfassung des Coronavirus ist.

Im Ergebnis zeigte sich, dass die chirurgischen Atemmasken gegenüber den N95-Masken (sie entsprechen den deutschen FFP2-Masken) gleich gut wirkten und die gesamte Viruslast abblocken konnten.

Fazit: Vor wenigen Tagen hat sich der Leiter des Centers of Disease Control (CDC) zum MNS geäußert. Dr. R.R. Redfield. “Cloth face coverings are one of the most powerful weapons we have to slow and stop the spread of the virus…..“ (Stoff-Gesichtsmasken sind eine der stärksten Waffen die wir haben, das Virus zu verlangsamen und zu stoppen).

Autokindersitze

Das aktuelle Test-Heft der Stiftung Warentest befasst sich mit den Autokindersitzen. Darin empfehlen die Experten mindestens 2 Autositze für Kinder im Laufe der Zeit: eine Baby-Schale ab Geburt bis zum Alter von 15 Monaten, danach ein zweites altersgerechtes Model.

Die internationalen Normen für Autokindersitze sind die Grundvoraussetzung, damit diese überhaupt in den Handel gelangen können. Da gibt es die alte Norm R44, innerhalb derer die Einteilung nach dem Gewicht der Kinder erfolgt. Die neue Norm R129 „i-Size“ wird parallel geführt, sortiert die Sitze aber nach Körpergröße. Die Anforderungen der Prüfer der Stiftung Warentest gehen über die Standards dieser beiden gültigen Normen hinaus, sind also strenger. Kurzum, alle Sitze die in den Handel gelangen unterliegen der Norm R44 oder R129 und sind damit als gute Kindersitze geprüft. Die Beurteilung der Tester von Warentest geht über dieses Niveau hinaus.

Im Beitrag des Test-Heftes empfehlen die Experten für die Kleinen das Modell Silver Cross Dream + Basis Dream i-Size (500 €). Deutlich günstiger – und auch sehr sicher – sei Joie i-Snug + i-Base Advance (220 €).

Für größere Kinder empfiehlt sich laut Stiftung Warentest besonders der Sitz Joie Traver Shield (150 €), der ab etwa 1 Jahr eingesetzt werden könne.

Für interessierte Eltern lohnt es sich, den Artikel mit allen Details zu lesen, um in dieser wichtigen Sicherheitsfrage gut informiert einzukaufen.

Sonnenschutzmittel für Kinder

Pünktlich zur sonnigsten Jahreszeit hat die Stiftung Warentest ein Untersuchung zu 17 Sonnenschutzmitteln für Kinder veröffentlicht. Bis auf das teuerste sind alle gut geeignet. In der folgenden Tabelle haben wir die vier Besten zusammengestellt.

Produktname Preis pro 100 ml Note Anmerkung
Lidl Cien Sun Kids Sonnencreme 2,25 € sehr gut (1.4) Feuchtigkeitsanreicherung (1.0)
Müller Lavozon Kids Med Sonnenmilch 2,48 € sehr gut (1.4)
Aldi Ombra Sonnenspray Easy Protect 1,99 € sehr gut (1.5) Anwendung nur gut (2.2)
Rossmann Sunozon Kids Sonnensoray 2,40 € sehr gut (1.5)

Die Unterschiede zwischen diesen Produkten sind in allen Aspekten marginal. So stehen für Kinder somit sehr gute Produkte als Creme, Milch oder Spray zur Verfügung. Das test-Heft Juli 2020 enthält den kompletten Test mit den oft spannenden Hinweisen im Text. Darin sind auch gute Sonnenschutzpräparate aus früheren Jahren (2018 und 2019) nochmals aufgeführt.

pet-the-tick (ptt): Zeckenentfernung durch Streicheln

Es ist Zeckenzeit. Wer aus der Haustüre tritt ist bereits in der Natur und kann mit Zecken nach Hause zurückkommen. Ab dem Verlassen des Hauses können wir Zecken begegnen. In der Hofeinfahrt, im kleinen Park bei der Straßenbahnhaltestelle oder in den Grünanlagen des Schwimmbads.

Zecken übertragen manche folgenschwere Krankheiten. Bei uns sind das die Borreliose und die FSME (Frühsommer-Meningo-Encephalitis). Je länger die Zecke Zeit hat sich beim Menschen aufzuhalten, umso größer ist das Risiko der Ansteckung..

Die sofortige Entfernung von Zecken ist also wichtig. Für Panik und Hektik besteht jedoch keinerlei Anlass. Wenn also eine Zecke entdeckt wird, sollte das Vorgehen gut überlegt werden. Ein sofortiger Termin beim Arzt ist nicht erforderlich.

Die Entfernung sollte so schonend wie möglich erfolgen, um die Zecke nicht in den letzten Sekunden zu weiteren Bissen – und damit zur möglichen Übertragung weiterer Erreger – anzuregen. Dazu gibt es im Internet eine Reihe von Websites, die oft darstellen wie man es „richtig“ macht – wobei dieses Wort zu unterschiedlichen Ergebnissen führt. Nahezu alle dieser Methoden verlangen ein Werkzeug. Und allermeist hat der Betreiber der Webseite Gründe, warum er über dieses Thema schreibt. Denn rein zufällig, kommt ein direkter Hinweis, welches Werkzeug man verwenden sollte.

(1) Zecke über Bißstelle Quelle: ptw

An dieser Stelle möchten wir eine Methode vorstellen, für deren Anwendung man nur einen seiner Finger benötigt + Zärtlichkeit + Geduld. Bislang ist diese Methode nirgends publiziert, aber bei einigen regionalen Kinder- und Jugendärzten jahrzehntelang im Einsatz. Die Erfolgsquote liegt über 80%. Erfolglos ist die Methode an einigen Körperstellen, über denen kreisende Bewegungen eines Fingers nicht möglich sind.

Die Streichelmethode – pet-the tick (ptt)

(2) Finger beim Streicheln Quelle: ptw

Diese Art Zecken zu entfernen verzichtet auf alle Hilfsmittel und kann somit jederzeit eingesetzt werden. Die jeweilige Zecke wird mit einem Finger entfernt. Dazu braucht es

  1. Zärtlichkeit. Die Zecke wird mit der Kuppe des rechten Zeigefingers (bei Linkshänder mit dem linken) mit kreisenden Bewegungen gestreichelt. Dabei wird ein Druck von 10-20 Gramm ausgeübt und ein Kreis von etwa 5-8 mm mit einer Geschwindigkeit von etwa 120/min. Das klingt alles kompliziert, ist aber ganz enspannt und einfach durchzuführen. Der Druck ist also ganz gering. Die Zecke ist unter der Fingerkuppe beim Streicheln spürbar, sollte aber nie gesehen werden (als keine Neugierde). Man streichelt solange, bis die Zecke loslässt und als kleines Kügelchen zu spüren ist.
  2. Dazu braucht es Geduld. Gerade bei den ersten Anwendungen haben viele Zweifel, ob eine so „primitive Methode“ überhaupt wirken kann. Man wird unruhig, schaut unter den Finger, hört immer wieder auf. Damit dauert der Akt länger und Geduld ist gefragt. Mit zunehmender Erfahrung gelingt es eine Zecke meist in 1-3 Minuten zum Loslassen zu bewegen. Wenn bei richtiger Technik nach 5 Minuten kein Erfolg kommt, sollte man aufgeben. Auch das kommt vor. Dann kann gelegentlich auch der Einsatz einer Zeckenzange erforderlich werden. 

(3) Die Zecke hat losgelassen Quelle: ptw

Die Zecke wird nach Entfernung entweder auf den Finger oder in der Umgebung der Bißstelle krabbeln. Sie wurde ja nicht zerstört. Man kann sie mit dem Finger oder einer Pinzette nehmen und beseitigen. Nicht sinnvoll ist es, sie im Garten auszusetzen, weil sie sonst in wenigen Tagen vielleicht wieder den Weg zurück zu ihrem Opfer findet.

 

Was ist nach erfolgreicher Entfernung zu unternehmen?

Mit der Streichelmethode wird die gesamte Zecke entfernt, es verbleibt kein Teil in der Haut. Dennoch ist eine einmalige Desinfektion der Bissstelle wichtig (z.B. mit Octenisept©) . Da die Zecke 2 Krankheiten übertragen kann, sind auch 2 Überlegungen wichtig:

  1. Borreliose. Die Einstichstelle sollte täglich zwei Wochen lang inspiziert werden. Eine kleine Rötung nach Zeckenbiss ist häufig und unproblematisch (sofern nach der Entfernung eine Desinfektion erfolgte – s.o.). Wenn sich aber eine kreisförmige Rötung mit einem Durchmesser von mehr als 10 mm ausbildet, sollte ein/e Kinder- und Jugendärzt/in aufgesucht werden. Dort wird untersucht, ob es sich um ein beginnendes Erythema migrans handelt.Das ist eine Form der Borreliose, die mit einem Antibiotikum sicher und einfach behandelt werden kann.
  2. FSME. Gegen die FSME hilft nur die Impfung. Ob eine Impfung des Kinder, Jugendlichen oder Erwachsenen sinnvoll ist, sollte mit der/m Kinder- und Jugendärzt/in  besprochen werden. Baden-Württemberg ist inzwischen in allen Landkreisen als Risikogebiet eingestuft und weist seit 2 Jahren die meisten FSME-Erkrankungen aller Bundesländer auf. Insofern ist die Impfung für die meisten Schulkinder und Jugendlichen sinnvoll.

Unfallrisiko nach der Kontaktsperre

Mit dem schönen Wetter, gehen gerade Kinder wie mehr nach draußen. Hinzu kommt, dass sich mit den ersten Lockerungen des Lockdown auch der Aktionsradius der Kinder ausweitet. Endlich können sie freier spielen. Damit das Unfallrisiko begrenzt bleibt, sollten Eltern einige Risiken vorab einschätzen. Und mit den Klein-Kindern die ersten Schritte zu mehr Wagemut gemeinsam gehen.

Schulweg

Auch wenn es paradox erscheint: Die meisten Unfälle auf dem Weg von und zur Schule passieren im Auto (41.6% laut Angaben des statistischen Bundesamtes). Erst dann kommen die Fußgänger (29.8%) und schließlich die Fahrradfahrer. Logische Konsequenz aus diesen Zahlen: Wenn es die Strecke und der Zeitplan der Familie zulässt, sollten Kinder zu Fuß zur Schule gehen oder mit dem Fahrrad fahren. Die Gefahren auf der Strecke sollten zuvor angeschaut werden (Ampel, Einbiegungen, unübersichtliche Engstellen). Dabei ist auch sinnvoll, verschiedene Strecken anzusehen, weil Kinder durchaus auch mal vom üblichen Weg abweichen.

Das Fahrrad ist häufig ein gutes Fortbewegungsmittel. Besonders dann, wenn die Kinder die verschiedenen Probleme im Verkehr kennen und dies in der Fahrradprüfung bereits bewiesen haben. Da die Prüfung erst in der 4. Grundschulklasse stattfindet, sollte für die meisten Kinder das Fahrrad erst ab dann auf dem Weg zur Schule eingesetzt werden.

Im Auto

Die meisten Unfälle passieren im Auto. Deswegen ist ein altersentsprechender Autokindersitz sehr wichtig. Weitere Informationen hierzu haben wir in einem praxisblättle zusammengefasst.

Vorbild der Eltern

Im Verkehr, und auch sonst im Zusammenleben mit den Kindern, zählt das Vorbild der Eltern. Was wir als Eltern tun, machen Kinder meist nach. Heute oder später. Darauf können wir zählen. Diese Chance sollten Eltern nützen, um den Kindern schwerwiegende Unfall-Folgen zu ersparen. Nicht, dass wir ängstlich sein sollten. Eine gewisse Verwegenheit der Eltern gefällt Kindern. An vielen Stellen können wir aber Vorbild sein…

  • wir Eltern tragen regelmäßig den Fahrradhelm
  • wir Eltern gehen raus in die Natur, bewegen uns oder machen Sport
  • wir Eltern verhalten uns am Zebrastreifen korrekt
  • wir Eltern beachten die rote Ampel. Immer.

Das mag sich für manche spießig anhören. Aber damit geben wir als Eltern einen Rahmen vor, der unsere Kinder schützt. Ihre kleinen Freiheiten holen sie sich schon selber. Und es ist meist auch gut, die Kinder machen zu lassen, ohne das ganze mit einem langen Vortrag einzuleiten. Kinder wissen meist ohnehin, wie was geht. Und sonst fragen sie.

Weitere Hinweise gibt eine Broschüre, die hier heruntergeladen oder kostenlos bestellt werden kann.