Kategorie: TIPP

Unfallrisiko nach der Kontaktsperre

Mit dem schönen Wetter, gehen gerade Kinder wie mehr nach draußen. Hinzu kommt, dass sich mit den ersten Lockerungen des Lockdown auch der Aktionsradius der Kinder ausweitet. Endlich können sie freier spielen. Damit das Unfallrisiko begrenzt bleibt, sollten Eltern einige Risiken vorab einschätzen. Und mit den Klein-Kindern die ersten Schritte zu mehr Wagemut gemeinsam gehen.

Schulweg

Auch wenn es paradox erscheint: Die meisten Unfälle auf dem Weg von und zur Schule passieren im Auto (41.6% laut Angaben des statistischen Bundesamtes). Erst dann kommen die Fußgänger (29.8%) und schließlich die Fahrradfahrer. Logische Konsequenz aus diesen Zahlen: Wenn es die Strecke und der Zeitplan der Familie zulässt, sollten Kinder zu Fuß zur Schule gehen oder mit dem Fahrrad fahren. Die Gefahren auf der Strecke sollten zuvor angeschaut werden (Ampel, Einbiegungen, unübersichtliche Engstellen). Dabei ist auch sinnvoll, verschiedene Strecken anzusehen, weil Kinder durchaus auch mal vom üblichen Weg abweichen.

Das Fahrrad ist häufig ein gutes Fortbewegungsmittel. Besonders dann, wenn die Kinder die verschiedenen Probleme im Verkehr kennen und dies in der Fahrradprüfung bereits bewiesen haben. Da die Prüfung erst in der 4. Grundschulklasse stattfindet, sollte für die meisten Kinder das Fahrrad erst ab dann auf dem Weg zur Schule eingesetzt werden.

Im Auto

Die meisten Unfälle passieren im Auto. Deswegen ist ein altersentsprechender Autokindersitz sehr wichtig. Weitere Informationen hierzu haben wir in einem praxisblättle zusammengefasst.

Vorbild der Eltern

Im Verkehr, und auch sonst im Zusammenleben mit den Kindern, zählt das Vorbild der Eltern. Was wir als Eltern tun, machen Kinder meist nach. Heute oder später. Darauf können wir zählen. Diese Chance sollten Eltern nützen, um den Kindern schwerwiegende Unfall-Folgen zu ersparen. Nicht, dass wir ängstlich sein sollten. Eine gewisse Verwegenheit der Eltern gefällt Kindern. An vielen Stellen können wir aber Vorbild sein…

  • wir Eltern tragen regelmäßig den Fahrradhelm
  • wir Eltern gehen raus in die Natur, bewegen uns oder machen Sport
  • wir Eltern verhalten uns am Zebrastreifen korrekt
  • wir Eltern beachten die rote Ampel. Immer.

Das mag sich für manche spießig anhören. Aber damit geben wir als Eltern einen Rahmen vor, der unsere Kinder schützt. Ihre kleinen Freiheiten holen sie sich schon selber. Und es ist meist auch gut, die Kinder machen zu lassen, ohne das ganze mit einem langen Vortrag einzuleiten. Kinder wissen meist ohnehin, wie was geht. Und sonst fragen sie.

Weitere Hinweise gibt eine Broschüre, die hier heruntergeladen oder kostenlos bestellt werden kann.

Babytragetücher

Nach der Geburt werden in vielen Kulturen die Babies eng am Körper getragen. Meist von den Müttern. So spüren die Säuglinge weiterhin, wie zuvor im Mutterleib, die Wärme der Eltern, den Herzschlag und hören die bekannte Stimme. Und sie sind am Leben direkt beteiligt.

Das einfache Tragetuch, das hierzu früher auch bei uns verwendet wurde, muss gekonnt gefaltet werden, um den Körper des Säuglings in seiner natürlichen Haltung zu tragen. Weil das so mühsam ist, werden heute verschiedene Tragetücher angeboten. Die Stiftung Warentest hat sich im Januarheft 2020 diesem Thema gewidmet. In TEST-Heft finden Eltern auf den Seiten 64-70 eine Reihe guter Hinweise. Dabei geht es insbesondere um die Haltung des Rückens und der Hüfte (M).

Hier wollen wir kurz die guten Tragesysteme als Einstieg in das Thema vorstellen:

Typ Name Note Preis Anmerkung
Vollschnallen-Tr. Manduca XT 2.0 159 € einfache Anwendung
Kokadi Flip Gr Baby 2.1 179 € einfache Anwendung
Halbschnallen-Tr Hoppediz Nabaca R 1.9 150 € ergonomisch sehr gut
Cybex Maria.tie 2.5 120 €
Tragetücher Amazonas Carry Sling 1.7 50 € Wickeltechnik erforderlich
Didymos Prima 1.8 109 € Wickeltechnik erforderlich

Bei den Tragetüchern müssen Eltern eine Wickeltechnik erlernen, was bei den Halb- und Vollschnallen-Tragetüchern nicht erforderlich ist. Ansonsten zeichnen sich alle vier getesteten Tücher durch Schadstofffreiheit und einen recht günstigen Preis aus.

Neurodermitis. Ist häufiges Baden günstig?

Die Neurodermitis ist eine chronische Entzündung der Haut. Sie betrifft zwischen 15 und 30% aller Kinder weltweit und ist durch eine trockene und rissige Haut gekennzeichnet. Die gestörte Hautbarriere hat viele Folgen. Einmal „liegen die Nerven blank“, was zu einem quälenden Juckreiz führt. Das ist mehr als unangenehm und stört den Nachtschlaf des Kindes und damit auch seiner Eltern erheblich. Daneben treten auch häufige Entzündungen der Haut durch Bakterien oder Viren auf, die ihrerseits die Entzündungsprozesse und deren Folgen enorm anheizen. Ein Teufelskreis.

Vieles ist inzwischen erforscht und wir verstehen die Prozesse recht gut, die in der Haut ablaufen. Wenn es aber zur Therapie kommt, so ist der eine Schlüssel, der alles heilen würde bislang nicht gefunden. Es verwundert also nicht, dass es an Ratschlägen aller Art nicht fehlt. Die beginnen bei teilweise abstrusen Diäten, die dem Kind in seiner Entwicklung sehr schaden können und gehen über das bei allen Krankheiten benutzte Teebaumöl bis zu verschiedenen Pflegecremes.

Auch die Frage, ob ein Kind lieber häufig oder doch selten gebadet werden sollte ist nicht gut geklärt. Hierzu gibt es jetzt aber eine Untersuchung von Ivan D. Cardona und Kollegen aus den USA. Sie ursprünglich 63 Kindern im Alter von 6 Monaten bis 11 Jahren, konnten die Daten bei 40 Kindern ausgewertet werden. Dabei wurde eine Gruppe während zwei Wochen zunächst zweimal wöchentlich für weniger als 10 Minuten gebadet und danach eingecremt („soak-and-seal“). Nach dieser Zeit wurden sie zweimal täglich – aber für 15 bis 20 Minuten – gebadet und danach eingecremt. Bei der zweiten Gruppe wurde genau umgekehrt verfahren. Dabei wurde der Zustand der Haut mit dem SCORAD, einem seit Jahrzehnten bewährten Verfahren, bestimmt.

Es zeigte sich, dass sich der Zustand der Haut mit der „feuchten Methode“ – wenn also die Kinder zweimal täglich gebadet und eingecremt wurden – spürbar gegenüber der „trockenen Methode“ verbesserte. Die Verbesserung des SCORAD’s lag bei 30%, was ein enormer Wert ist.

Die Untersuchung konnte wissenschaftlich belegen, dass häufiges Baden mit nachfolgendem Eincremen deutlich günstiger ist als seltenes Baden. Damit wurde ein Gefühl bestätigt, was viele Eltern und Experten schon lange hatten.

Phimose

Ein Dauerthema bei bei den Vorsorgeuntersuchungen für der Jungen ist die Vorhautverengung, die Phimose, wie wir Ärzte sagen.

Wie entsteht eine Phimose?

Zwischen der 8. und 16. Woche der Embryonalentwicklung schiebt sich eine Haut über die Eichel des Penis (glans penis), die sich in der Spitze vereint. Das ist der Beginn der Abdeckung der Eichel durch die Vorhaut. Sie tritt bei praktisch allen Jungen als normales Phänomen auf. Die Verklebung der Vorhaut mit der Eichel löst sich langsam zum Ende der Schwangerschaft. Dieser Prozess zieht sich lange hin, so dass bei der Geburt nur bei 4% der Buben die Vorhaut über die Eichel zurückgezogen werden kann. Die Vorhautverklebung bei Geburt ist also etwas Normales. Bei der Hälfte der Jungen gelingt es zu diesem Zeitpunkt nicht, überhaupt den Ausgang der Harnröhre einzusehen.

Was ist eine Phimose?

Das ist der Knackpunkt, über den Mediziner lange schon diskutieren und bis heute zum Teil unterschiedlicher Auffassung sind. Klar ist, dass die Rückbildung der Vorhaut teilweise schon vor der Geburt beginnt. Wichtig ist folgende Unterscheidung:

Physiologische Phimose. Hierbei ist die Eichel von der Vorhaut bedeckt, ohne dass es zu einer Behinderung des Harnflusses kommt. Dieser normale (physiologische) Vorgang kann sich unterschiedlich lange hinziehen. Bis zum Alter von 3 Jahren hat sich die Vorhaut bei 90% der Jungen bereits ausreichend zurückgebildet. Im Alter von etwa 13 Jahren liegt diese Quote bei 99% (laut Untersuchungen aus Dänemark):„Was mit 7 Monaten wie eine nadelförmige Öffnung aussieht wird mit dem 17. Lebensjahr ein weiter Kommunikations-Kanal sein“, so ein dänischer Experte. Bis zur Pubertät besteht in der Regel also keine Eile. Bis dahin schützt die Vorhaut den Eingang der Harnröhre vor Infektionen (wie bei der Windeldermatitis). Und, nur bei sehr wenigen Jungen besteht überhaupt Handlungsbedarf.

Pathologische Phimose. Krankhaft ist eine Phimose dann, wenn die Vorhaut auf Grund von Vernarbungen nicht mehr zurückzuziehen ist. Diese Vernarbungen entstehen als Folge von Infektionen und Entzündungen der Vorhaut. In einigen Fällen enstehen diese Entzündungen durch Manipulationen an der Vorhaut im Versuch, die Vorhaut – zu früh! – über die Eichel schieben zu wollen. Diese pathologische Phimose bedarf einer Behandlung beim Urologen oder Kinderchirurgen.

Welche Therapie gibt es?

In vielen Fällen kann eine Verengung der Vorhaut konservativ mit Hilfe einer cortisonhaltigen Creme (über 4-8 Wochen) behandelt werden. Wann und wie die Behandlung gemacht wird, kann die/der Kinderärztin/-arzt je nach Befund entscheiden. In einer Übersichtsarbeit (Cochrane Review) konnten Gladys Moreno und Mitarbeiter von der Pontificia Universidad Católica de Chile in Santiago nachweisen, dass bei bei 84% der behandelten Buben (Durchschnittsalter 6 Jahre) eine zumindest teilweise Rückbildung der Verengung nachgewiesen werden konnte. Eine vollständige Auflösung der Phimose konnte bei erstaunlichen 62.6% aller Buben erreicht werden.

Wann sollte eine Phimose operiert werden?

Wie angedeutet, gibt es da leicht unterschiedliche Interpretationen. Eine Publikation aus Dänemark (in Englisch) zeigt, dass Operationen (medizinisch: Zirkumzision) eher selten erforderlich sind und in der Mehrheit eher ältere Jungen (Durchschnittsalter 10.1 Jahre) betreffen. Die neue Lehrmeinung gibt folgende Anhaltspunkte.

  • narbige Phimose (oft ausgelöst durch aktives Zurückziehen der Vorhaut – was unbedingt zu unterlassen ist !)
  • beim Lichen sclerosus et atrophicus (eine Erkrankung der Vorhaut bzw. bei Mädchen der Vulva häufig auf der Basis einer lokalen Autoimmunerkrankung)
  • Blasenentleerungsstörung mit Ballonierung der Vorhaut bei der Miktion (Pinkeln)

Im Einzelfall sollte der Penis von einer/m erfahrenen Kinder- und Jugendärzt/in untersucht werden. Auch eine „Einengung“ ist immer relativ, je nachdem wie groß der Penis bzw. wie alt der Junge ist. Bei jeder Vorsorge schauen die Ärzt/innen die Genitalien an. Ganz besonders wichtig ist hier natürlich die J1 (Jugendgesundheitsberatung) bzw. U10 in der Pubertät, bei der letztlich die Entscheidung zur Operation fallen sollte.

Pflege der Vorhaut

Wie das Genitale gepflegt werden sollte, ist noch oft vielen überlieferten Mythen unterworfen. Es ist wichtig, dass die Kinderärzt/innen dieses Thema aktiv bei der Vorsorgeuntersuchung aufgreifen (auch für das Genitale der Mädchen). Für die Jungens gilt:

  • Penis und Vorhaut werden im Neugeborenen- und Kindesalter ebenso gewaschen, wie die übrigen Hautbereiche. D.h., es kommen sanfte, für Kinder geeignete Seifen zum Einsatz
  • Häufiges Wechseln der Windeln ist wichtig, um Entzündungen im Windelbereich vorzubeugen
  • Die Vorhaut sollte zart und sanft mit Wasser und/oder Seife gereinigt werden. Soweit es mit zarten Bewegungen möglich ist, darf die Vorhaut zurückgestreift werden. Ein Zurückziehen unter Zug und Druck muss unterbleiben! Nach dem Waschen sollte die Vorhaut wieder nach vorne gestreift werden, um die Eichel zu bedecken.
  • Sollte der Junge beim Wickeln Wasser lassen, beobachten Sie, ob sich die Vorhaut dabei ballonartig aufweitet. Sollte dies der Fall sein, ist eine ärztliche Untersuchung wichtig.

Eine angemessene Pflege des männlichen Genitales hilft, viele unnötige Operationen an der Vorhaut zu vermeiden.

Jugendliche mit Allergie: Welcher Beruf geht?

Allergien sind nicht in Stein gemeißelt, sie unterliegen wie alle Prozesse im Körper der Veränderung. Ein schwer allergischer Säugling kann seine Nahrungsmittelallergien verlieren, was häufig vorkommt. Er kann im späteren Leben ohne andere Allergien wie Heuschnupfen und Asthma sein, was selten vorkommt. Ebenso kann ein Mensch, der 70 Jahre ohne Allergien durchs Leben kam, im hohen Alter seinen ersten Heuschnupfen entwickeln.

Eine wichtige Weichenstellung zeigen Allergien in die Pubertät. In dieser Zeit finden nicht nur Ablösungsprozesse von der Eltern statt. Auch in Bezug auf die Allergien – um es salopp zu sagen – werden die Karten für viele Menschen neu gemischt. Parallel steht in dieser Zeit neben vielen noch wichtigeren Themen (wie Ablösungsprozesse, sexuelle Reife, Liebe) oft auch Überlegungen zur beruflichen Entwicklung an.

Ein allergischer Jugendlicher stellt sich dann die Frage, ob sein Beruf langfristig seiner Allergie schaden könnte. Hierzu gibt es inzwischen einen Allergierisikorechner von der Universität München (Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Radon). Dieser liegt in zwei Varianten vor. Interessant für Jugendliche sind die verschiedenen Rechner „Bis ins junge Erwachsenenalter“. Dort wiederum gibt es für die verschiedenen Probleme wie Handekzem jeweils eigene Rechner. Diese sind sehr schnell zu bearbeiten. Hierzu finden sich im unteren Teil Erklärungen zu den gestellten Fragen. Mit dem Druck auf die Taste „Risiko ausrechnen“ erfährt ein Jugendlicher dann die Wahrscheinlichkeit, mit der dieser ungünstige Fall – z.B. Handekzem – eintritt.

Dieser Allergierisikorechner gibt eine erste und gut abgesicherte Einschätzung. Darüber hinaus ist für so wichtige Entscheidungen auch eine individuelle Beratung bei einem – am besten kinderärztlichen – Allergolog*in sinnvoll. Schließlich geht es um eine weitreichende Entscheidung. Es sollte wenn irgendwie möglich vermieden werden, dass ein beruflicher Werdegang wegen allergischer Probleme abgebrochen werden muss, die vorher schon zu erwarten waren.

Masern – ein aktuelles Merkblatt

Die Viren machen krank, die Folgen der Vorsichtsmaßnahmen manchmal auch. Eltern erleben durch diese Pandemie täglich neuartige Probleme infolge COVID-19. Denn noch immer ist die soziale Distanz die wirksamste Maßnahme. Eine wirksame Therapie oder Impfung gegen das Virus steht noch nicht zur Verfügung. In den letzten Tagen haben sich einige Hoffnungen auf eine Therapie zerschlagen (z.B. beim Malaria-Medikament Chloroquin). Neue Hoffnungen machen die Fortschritte bei der Impfstoffentwicklung.

Die Masern haben mit COVID-19 gemein, dass auch sie eine schwerwiegende Infektion mit Viren darstellen. Auch gegen Masern gibt es keine medikamentöse Therapie. Aber, es gibt eine hochwirksame Impfung, die es gegen das Coronavirus (noch) nicht gibt.

Gerade hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV)  eine Patienteninformation zur Masern-Impfung herausgebracht, die umfassend und klar formuliert ist.

Das ist eine Hilfe für alle Eltern, die noch unsicher sind, ob und warum sie ihre Kindern gegen diese Krankheit impfen lassen sollten. Zeit zum Lesen haben Sie vermutlich jetzt mehr als genug. Und es macht auch Sinn, die Kinder (und sich selbst?) jetzt gegen Masern impfen zu lassen.

Vergiftung: Thuja occidentalis (Abendländischer Lebensbaum)

Wenn sie nicht im eigenen Garten zu finden ist, so zumindest beim Nachbarn: Thuja occidentalis, kurz Thuja genannt. Sie hat ein schönes Grün, schirmt gut vor Nachbars Blicken ab und ist pflegeleicht. Und – was wenige wissen – sie ist giftig.

Sehr eindrücklich wurde vom Fall eines 11 Monate alten Kindes auf dem 60. Kongress der DGP (Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V.) aus der Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Markus Rose berichtet. Dieses wurde mit blutigem Husten in der Kinderklinik in Stuttgart (Olgahospital) vorgestellt. Dabei zeigte sich bei der Spiegelung der Atemwege (Bronchoskopie) ein etwa 1 cm großes Stückchen einer Thujapflanze, das im rechten Hauptbronchus steckte und eine erhebliche Entzündung verursacht hatte. Nach einer Therapie mit Kortison konnte das Kind wieder beschwerdefrei entlassen werden. Vermutlich hat der Junge das Thujaästchen auf einem Spielplatz zu fassen bekommen und es verschluckt. Dabei geriet es in die Atemwege.

Symptome

Alle Teile der Thujapflanze können zu Haut- und Schleimhautreizungen führen. Daneben sind auch Juckreiz, Magen-Darm-Krämpfe, Erbrechen und Durchfall bekannte Symptome. Bei hohen Dosen des Pflanzengifts können Lähmung, Krampfanfälle, Leber- und Nierenschädigungen bis hin zum Tod auftreten.

Prävention / Vorbeugung

Deswegen empfehlen die Mediziner:

  • Thujahecken nur mit Handschuhen zu schneiden und Schnittgut sorgfältig zu beseitigen,
  • in der Schwangerschaft Thuja­hecken überhaupt zu meiden (die Pflanze ist nicht nur für die werdende Mutter giftig, die Monoterpene können auch zu Fehlgeburten führen),
  • Eltern über das Risiko von Thujahecken zu informieren und
  • die Pflanzung von Lebensbäumen in Bereichen, wo sich Kinder aufhalten, eher vermeiden.

Therapie

Flüssigkeitszufuhr als Tee oder verdünnter Saft ist günstig. Kinder- und Jugendarzt aufsuchen

Eltern sollte dieses Risiko bekannt sein. In diesem Wissen sollten die Zypressengewächse im Garten eher nicht gepflanzt werden. Übrigens, Thuja ist auch für Hunde, Katzen und sogar Pferde giftig.
Ein Grund mehr, im Garten statt langweiliger Thujamauern verschiedene Pflanzen zu setzen. In der Vielfalt liegt die Schönheit.

Sollten Kinder viel Milch trinken?

Milch macht müde Männer munter“ war ein beliebter Slogan in den 1950ger-Jahren. Dass er nicht stimmt, war vermutlich schon damals klar.

Richtig ist, dass Milch – womit in aller Regel die Milch von der Kuh gemeint ist – und Milchprodukte wie Joghurt, Quark und Käse reich an Kalzium und Vitamin D sind. Daraus aber zu schließen, dass man durch Trinken von Milch die Knochen festigen könne und weniger Knochenbrüche im Alter erleiden müsse, stimmt leider nicht.

Da reicht schon der Blick in die Welt. So erleiden in Schweden dreimal so viele Menschen eine Hüftfraktur wie in China, wobei in Schweden Milch ein Grundnahrungsmittel ist und die meisten Chinesen Milch (wegen Laktoseintoleranz) gar nicht vertragen.

Zwei Wissenschaftler von der Harvard University in Boston haben sich mit dieser Frage intensiv auseinandergesetzt. Im New England Journal of Medicine zeigen Walter C. Willet und David S Ludwig auf, dass mit steigendem Milchkonsum das Risiko für Knochenbrüche sogar ansteigt. Warum das so ist, können sie momentan aber noch nicht erklären. Der Körper nimmt sogar dann ausreichend Kalzium auf, wenn ihm nur 1/5 der Menge an Kalzium angeboten wird, die ein Amerikaner durchschnittlich zu sich nimmt.

Manche Studien zeigen, dass ein hoher Milchkonsum zu einer Zunahme der Körpergröße führt.  Für Männer konnte eine Arbeit von Diane Feskanich und Mitarbeiter im amerikanischen Ärzteblatt JAMA zeigen, dass jedes zusätzlich getrunkene tägliche Glas Milch im Jugendlichenalter dazu führte, dass Männer ein um 9% höheres Risiko hatten, eine Hüftfraktur zu erleiden.

Weitere Wirkungen von Milch betreffen auch das Krebsrisiko. Dabei sind die Daten jedoch unschlüssig, indem Milch bei einigen Krebsarten positive, bei anderen negative Auswirkungen hat.

Es besteht also noch einiger Forschungsbedarf. Bis heute ist klar, dass Milch zur Zufuhr von Kalzium nicht nötig ist und dass es für die Gesundheit eher wenig günstig ist. Insofern besteht für Eltern kein Grund ihren Kindern Milch schmackhaft zu machen. Es besteht aber nach momentaner Datenlage auch kein Grund, den Milchkonsum aktiv zu beschränken.

Luftschadstoffe verschlimmern Gräserpollenallergie

Auch wenn die Klimadebatte erst in den letzten Jahren Bedeutung gewann, ist der Einfluss von Schadstoffen auf die allergische Reaktion schon seit 30 Jahren bekannt. Eine europäische Studie konnte nun diesen Einfluss auf den allergischen Schnupfen belegen.

In der MASK-POLLAR Studie konnten Annabelle Bédard und viele weitere Mitarbeiter aus neun europäischen Städten von Barcelona bis Vilnius zeigen, dass der Gräserpollenflug durch einige Schadstoffe ungünstig beeinflusst wird. Bei einigen der 3323 Teilnehmer trat während der Gräserpollensaison ein unkontrollierter allergischer Schnupfen auf. Als „unkontrolliert“ wurde der allergischer Schnupfen bezeichnet, wenn die Symptome (auf einer bestimmten Skala) und / oder der Verbrauch an Medikamenten sehr hoch war.

Diese Befunde wurden in Beziehung gesetzt zu den Messungen von Luftschadstoffen. Dabei zeigte sich, dass bei hohen Ozonwerten oder hohen Werten von kleinsten Luftpartikeln (PM2,5– das sind alle Schwebeteilchen in der Luft, die einen kleineren Durchmesser als 2,5 μm haben) auch die Symptome von Allergikern stärker waren. Die Folge war, dass es zu einem Anstieg der schwerwiegenden Symptome um 25% kam.

Diese Verschlechterung kann dadurch erklärt werden, dass die Luftschadstoffe Pollen zerstören können, wodurch diese eine grössere allergische Potenz bekommen. Inwieweit ein solcher Zusammenhang auch beim allergischen Asthma besteht, ist noch nicht abschließend geklärt.

Konsequenz? Während der Gräserpollensaison sollten betroffene Allergiker bei hoher Schadstoffbelastung in der Luft die körperliche Belastung im Freien gering halten. Das wäre insbesondere um die Mittagszeit günstig, wenn die Ozonkonzentration am höchsten liegt. Für PM2,5 gibt es leider keine einfache Regel zur Ermittlung der maximalen Belastung.

Was geht rum? 04. April 2020

Informationen fliegen uns zur Zeit nur so um die Ohren. Ob von Politikern, Virologen oder den Anhängern von Verschwörungstheorien. Es ist an uns, uns selbst ein Bild zu machen. Damit kann das praxisblättle wieder zu seinen Wurzeln zurückkehren. Und zwar wollen wir uns wieder vermehrt um die anderen Krankheiten Ihrer Kinder kümmern, die von Corona leider nicht ganz vertrieben wurden.

Um also anderen Themen wieder Platz zu geben, haben wir Ihnen hier einige wichtige Links eingestellt, damit Sie sich selbst aktuell über den Stand der COVID-19 informieren können:

Ja, dabei wollen wir es für diese Woche mal mit COVID-19 belassen. Da fällt mir noch der unvergessene Karl Valentin ein: „Es ist zwar schon alles gesagtnur noch nicht von jedem!“

Der Frühling nimmt an diesem Wochenende einen erneuten Anlauf mit warmen Temperaturen. Damit ist der Weg frei für die Birkenpollen. Allergische Kinder und Jugendliche (oder besser gesagt Sie als Eltern) sollten wichtige Medikamente vorhalten. Das gilt besonders für die, die mit einer Atemnot rechnen müssen: Kurz mal im Medikamentenschrank zuhause nachsehen, ob also ein Notfallspray (beispielsweise Salbutamol) dort zu finden ist. Abgelaufen? Leer? Alles im grünen Bereich? Dann kann der Frühling ja mal starten.

Es ist klar, dass noch viele andere Erkrankungen rumgehen: Durchfall, einfache Erkältungen, oder auch Mittelohrentzündungen. Aber hinter der Heimtücke und der Tödlichkeit des neuen Coronavirus stehen sie, glücklicherweise, alle zurück. Was gestern noch schlimm schien, ist heute harmlos. Zumindest langfristig. Auch wenn für Kinder auch solche Infekte wirklich belastend sein können.

Es gibt auch gute Nachrichten. Die Rotaviren, von denen Kinder gerne im Frühjahr heimgesucht werden, halten sich in diesem Jahr zurück. Die Zahl der Fälle ist verglichen mit 2019 halb so groß. Letzte Woche wurden gerade mal 7 Neuerkrankungen landesweit festgestellt, wo es sonst weit über 50 pro Woche sind. Auch die Kinderkrankheiten wie Keuchhusten halten sich zurück. Von den 25 Fällen an Keuchhusten traten allein 5 in Freiburg auf. Hoffen wir mal,dass dies die Realität abbildet und nicht die fehlende Meldefreudigkeit in Zeiten von ….. Corona.

Was geht in der Welt rum? In vielen tropischen Ländern ist das Dengue-Fieber wieder sehr verbreitet. So zum Beispiel in Singapur, wo sich 4776 Personen in diesem Jahr bereits angesteckt haben. Damit haben im Stadtstaat in den letzten Jahren die Erkrankungen mit Dengue ständig zugenommen. In diesem Jahr sind es gar doppelt so viele wie im letzten Jahr.

Cerealien. Aus verschiedenen Getreiden hergestellt. Foto: pixabay, congerdesign

Den Deutschen ist ein gutes Frühstück wichtig. Dabei spielen die Cerealien („Müesli“) eine wichtige Rolle. Weil sie auf gerösteten Getreiden beruhen erscheinen sie vielen als „gesund“. Und die Milch dazu hat den gleichen Ruf. Die Kritik der Kinder- und Jugendärzte am viel zu hohen Zuckergehalt ist trotz angeblicher Maßnahmen der Nahrungsmittelindustrie noch immer richtig. Das zeigt nochmals eine Studie der AOK,die zum Schluss kommt, dass 99% aller Kindercerealien überzuckert sind. Bis zu 43 Gramm Zucker auf 100 Gramm Cerealien – das kann’s wirklich nicht sein.

So kurz vor Ostern steht die Schokolade in Form von Hasen immer ganz oben bei den Wünschen in Deutschland. In diesem Jahr scheint es ein bisschen anders zu sein. Lindt & Sprüngli verkauft zwar weiterhin die berühmten Goldhasen. Sie sind aber spürbar weniger gefragt als: Toilettenpapier.

Ich wünsche Ihnen einen erfrischenden Frühlingsanfang. Blauer Himmel, klare Luft und frisches Grün in der Natur tun unserer Seele gut. Danach dürfte der Start in die kommende Woche etwas einfacher sein. Auch wenn uns die Viren weiter zusetzen. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff