Kategorie: TIPP

Warum wir uns maskieren sollten

Was vor einem halben Jahr noch zum Schmunzeln anregte, ist heute fast schon Standard: der Mund-Nasen-Schutz (MNS). Sein Ziel: Er soll den Flug der Tröpfchen, die beim Ausatmen die Nase und beim Sprechen den Mund verlassen, abbremsen. Das bedeutet natürlich, dass er beide Eingänge zu den Atemwegen filtern muss. Mund und Nase. Nebenbei hilft er auch etwas, Tröpfchen von außen bei der Einatmung abzublocken.

Zwei Corona-positive Hairstylisten und ihre gesunden Kunden. Der Mundschutz macht’s. Quelle: cdc.gov

Dazu eine schöne Geschichte, die gerade im Morbidity and Mortality Weekly Report (MMWR) veröffentlicht wurde. Die Autoren um M. Joshua Hendrix berichten von 2 Haar-Stylisten in den USA, die mit dem Coronavirus infiziert waren. Vermutlich haben sie sich beim Reden nach der Arbeit gegenseitig angesteckt. Es verwundert nicht, dass in beiden Familien mehrere Mitglieder an COVID-19 erkrankten. In ihrem Salon jedoch trugen sie konsequent eine Maske während sie 139 Klienten (jeweils über 15 Minuten) stylten. Von diesen 139 Personen erkrankte: Niemand. Bei 67 der Kunden wurde ein Rachenabstrich durchgeführt: alle negativ. Maske nutzt. Wenn man sie be-nutzt.

Häufigkeit, mit der ein Mund-Nasen-Schutz in einigen Ländern seit Februar 2020 getragen wird. Quelle: The Economist

In vielen Ländern Asiens wird er seit langem getragen und gehört zur Normalität, wie die blaue Kurve (mittlere Graphik, Ostasien) für China zeigt. Viele Länder haben nachgezogen. So ist das Tragen des MNS in Spanien neuerdings ebenso Alltag wie in China.

Eine Reihe von Länder in Europa haben die Maskenpflicht neu eingeführt (Schweiz: im öffentlichen Nahverkehr), wieder erneuert (Österreich) oder ausgeweitet (Frankreich: auf Banken, Supermärkte und Kultureinrichtungen).

Meist ist es der einfache, oft selbst genähte MNS der getragen wird. Er bietet einen guten Schutz. Da aber verschiedene Materialien zum Einsatz kommen, lässt sich dieser nicht genau bestimmen. Im Übrigen ist für jeden dieser MNS unklar, wie lange die Schutzwirkung anhält. Sicher ist nur: Der Mund-Nasen-Schutz muss über dem Mund und der Nase getragen werden. Sonst ist er wirkungslos.

Qualitativ besser sind Atemschutzmasken, die eng anliegen und die Einatmen- und/ oder Ausatemluft filtern. Allerdings nur, wenn sie korrekt getragen werden. Wie das geht (oder besser nicht gemacht wird) zeigt eine schöne Informationstafel des Robert Koch-Instituts (RKI). Speziell weist sie nochmals darauf hin, dass diese Atemschutzmasken (also FFP2, FFP3 oder der amerikanische Standard N95) mit oder ohne Ventil geliefert werden.

  • Mit Ventil: Diese Maske filtert nur die Einatemluft. Damit stellt sie einen Eigenschutz dar. Aber keinen Fremdschutz. Vorteile sind verminderter Hitze- und Feuchtigkeitsstau sowie verlängerte die Tragedauer
  • Ohne Ventil: Filtert die Einatemluft und die Ausatemluft. Damit stellt diese Maske einen Eigen- und einen Fremdschutz dar.

Viele Studien haben untersucht, ob ein Mundschutz vor der Übertragung von Viren schützen kann. Eine zentrale Arbeit hierzu erschien bereits vor 11 Jahren. Damals gab es noch kein SARS-CoV-2,wohl aber Grippeviren (Influenza A und B). Auf diese hin haben die Forscher um D.F. Johnson in Australien ihre kranken Probanden untersucht. Die Untersuchung lief in 4 Schritten ab: 1. Husten ohne Maske, 2. Husten hinter einer N95-Maske, 3. Husten in eine chirurgische Maske und 4. Nochmals Husten ohne Maske. Die Tröpfchenladung beim Husten wurde 20 cm vor dem Mund des Probanden aufgefangen. Danach erfolgte ein PCR-Test, der auch heute der Standard bei der Erfassung des Coronavirus ist.

Im Ergebnis zeigte sich, dass die chirurgischen Atemmasken gegenüber den N95-Masken (sie entsprechen den deutschen FFP2-Masken) gleich gut wirkten und die gesamte Viruslast abblocken konnten.

Fazit: Vor wenigen Tagen hat sich der Leiter des Centers of Disease Control (CDC) zum MNS geäußert. Dr. R.R. Redfield. “Cloth face coverings are one of the most powerful weapons we have to slow and stop the spread of the virus…..“ (Stoff-Gesichtsmasken sind eine der stärksten Waffen die wir haben, das Virus zu verlangsamen und zu stoppen).

Autokindersitze

Das aktuelle Test-Heft der Stiftung Warentest befasst sich mit den Autokindersitzen. Darin empfehlen die Experten mindestens 2 Autositze für Kinder im Laufe der Zeit: eine Baby-Schale ab Geburt bis zum Alter von 15 Monaten, danach ein zweites altersgerechtes Model.

Die internationalen Normen für Autokindersitze sind die Grundvoraussetzung, damit diese überhaupt in den Handel gelangen können. Da gibt es die alte Norm R44, innerhalb derer die Einteilung nach dem Gewicht der Kinder erfolgt. Die neue Norm R129 „i-Size“ wird parallel geführt, sortiert die Sitze aber nach Körpergröße. Die Anforderungen der Prüfer der Stiftung Warentest gehen über die Standards dieser beiden gültigen Normen hinaus, sind also strenger. Kurzum, alle Sitze die in den Handel gelangen unterliegen der Norm R44 oder R129 und sind damit als gute Kindersitze geprüft. Die Beurteilung der Tester von Warentest geht über dieses Niveau hinaus.

Im Beitrag des Test-Heftes empfehlen die Experten für die Kleinen das Modell Silver Cross Dream + Basis Dream i-Size (500 €). Deutlich günstiger – und auch sehr sicher – sei Joie i-Snug + i-Base Advance (220 €).

Für größere Kinder empfiehlt sich laut Stiftung Warentest besonders der Sitz Joie Traver Shield (150 €), der ab etwa 1 Jahr eingesetzt werden könne.

Für interessierte Eltern lohnt es sich, den Artikel mit allen Details zu lesen, um in dieser wichtigen Sicherheitsfrage gut informiert einzukaufen.

Sonnenschutzmittel für Kinder

Pünktlich zur sonnigsten Jahreszeit hat die Stiftung Warentest ein Untersuchung zu 17 Sonnenschutzmitteln für Kinder veröffentlicht. Bis auf das teuerste sind alle gut geeignet. In der folgenden Tabelle haben wir die vier Besten zusammengestellt.

Produktname Preis pro 100 ml Note Anmerkung
Lidl Cien Sun Kids Sonnencreme 2,25 € sehr gut (1.4) Feuchtigkeitsanreicherung (1.0)
Müller Lavozon Kids Med Sonnenmilch 2,48 € sehr gut (1.4)
Aldi Ombra Sonnenspray Easy Protect 1,99 € sehr gut (1.5) Anwendung nur gut (2.2)
Rossmann Sunozon Kids Sonnensoray 2,40 € sehr gut (1.5)

Die Unterschiede zwischen diesen Produkten sind in allen Aspekten marginal. So stehen für Kinder somit sehr gute Produkte als Creme, Milch oder Spray zur Verfügung. Das test-Heft Juli 2020 enthält den kompletten Test mit den oft spannenden Hinweisen im Text. Darin sind auch gute Sonnenschutzpräparate aus früheren Jahren (2018 und 2019) nochmals aufgeführt.

pet-the-tick (ptt): Zeckenentfernung durch Streicheln

Es ist Zeckenzeit. Wer aus der Haustüre tritt ist bereits in der Natur und kann mit Zecken nach Hause zurückkommen. Ab dem Verlassen des Hauses können wir Zecken begegnen. In der Hofeinfahrt, im kleinen Park bei der Straßenbahnhaltestelle oder in den Grünanlagen des Schwimmbads.

Zecken übertragen manche folgenschwere Krankheiten. Bei uns sind das die Borreliose und die FSME (Frühsommer-Meningo-Encephalitis). Je länger die Zecke Zeit hat sich beim Menschen aufzuhalten, umso größer ist das Risiko der Ansteckung..

Die sofortige Entfernung von Zecken ist also wichtig. Für Panik und Hektik besteht jedoch keinerlei Anlass. Wenn also eine Zecke entdeckt wird, sollte das Vorgehen gut überlegt werden. Ein sofortiger Termin beim Arzt ist nicht erforderlich.

Die Entfernung sollte so schonend wie möglich erfolgen, um die Zecke nicht in den letzten Sekunden zu weiteren Bissen – und damit zur möglichen Übertragung weiterer Erreger – anzuregen. Dazu gibt es im Internet eine Reihe von Websites, die oft darstellen wie man es „richtig“ macht – wobei dieses Wort zu unterschiedlichen Ergebnissen führt. Nahezu alle dieser Methoden verlangen ein Werkzeug. Und allermeist hat der Betreiber der Webseite Gründe, warum er über dieses Thema schreibt. Denn rein zufällig, kommt ein direkter Hinweis, welches Werkzeug man verwenden sollte.

(1) Zecke über Bißstelle Quelle: ptw

An dieser Stelle möchten wir eine Methode vorstellen, für deren Anwendung man nur einen seiner Finger benötigt + Zärtlichkeit + Geduld. Bislang ist diese Methode nirgends publiziert, aber bei einigen regionalen Kinder- und Jugendärzten jahrzehntelang im Einsatz. Die Erfolgsquote liegt über 80%. Erfolglos ist die Methode an einigen Körperstellen, über denen kreisende Bewegungen eines Fingers nicht möglich sind.

Die Streichelmethode – pet-the tick (ptt)

(2) Finger beim Streicheln Quelle: ptw

Diese Art Zecken zu entfernen verzichtet auf alle Hilfsmittel und kann somit jederzeit eingesetzt werden. Die jeweilige Zecke wird mit einem Finger entfernt. Dazu braucht es

  1. Zärtlichkeit. Die Zecke wird mit der Kuppe des rechten Zeigefingers (bei Linkshänder mit dem linken) mit kreisenden Bewegungen gestreichelt. Dabei wird ein Druck von 10-20 Gramm ausgeübt und ein Kreis von etwa 5-8 mm mit einer Geschwindigkeit von etwa 120/min. Das klingt alles kompliziert, ist aber ganz enspannt und einfach durchzuführen. Der Druck ist also ganz gering. Die Zecke ist unter der Fingerkuppe beim Streicheln spürbar, sollte aber nie gesehen werden (als keine Neugierde). Man streichelt solange, bis die Zecke loslässt und als kleines Kügelchen zu spüren ist.
  2. Dazu braucht es Geduld. Gerade bei den ersten Anwendungen haben viele Zweifel, ob eine so „primitive Methode“ überhaupt wirken kann. Man wird unruhig, schaut unter den Finger, hört immer wieder auf. Damit dauert der Akt länger und Geduld ist gefragt. Mit zunehmender Erfahrung gelingt es eine Zecke meist in 1-3 Minuten zum Loslassen zu bewegen. Wenn bei richtiger Technik nach 5 Minuten kein Erfolg kommt, sollte man aufgeben. Auch das kommt vor. Dann kann gelegentlich auch der Einsatz einer Zeckenzange erforderlich werden. 

(3) Die Zecke hat losgelassen Quelle: ptw

Die Zecke wird nach Entfernung entweder auf den Finger oder in der Umgebung der Bißstelle krabbeln. Sie wurde ja nicht zerstört. Man kann sie mit dem Finger oder einer Pinzette nehmen und beseitigen. Nicht sinnvoll ist es, sie im Garten auszusetzen, weil sie sonst in wenigen Tagen vielleicht wieder den Weg zurück zu ihrem Opfer findet.

 

Was ist nach erfolgreicher Entfernung zu unternehmen?

Mit der Streichelmethode wird die gesamte Zecke entfernt, es verbleibt kein Teil in der Haut. Dennoch ist eine einmalige Desinfektion der Bissstelle wichtig (z.B. mit Octenisept©) . Da die Zecke 2 Krankheiten übertragen kann, sind auch 2 Überlegungen wichtig:

  1. Borreliose. Die Einstichstelle sollte täglich zwei Wochen lang inspiziert werden. Eine kleine Rötung nach Zeckenbiss ist häufig und unproblematisch (sofern nach der Entfernung eine Desinfektion erfolgte – s.o.). Wenn sich aber eine kreisförmige Rötung mit einem Durchmesser von mehr als 10 mm ausbildet, sollte ein/e Kinder- und Jugendärzt/in aufgesucht werden. Dort wird untersucht, ob es sich um ein beginnendes Erythema migrans handelt.Das ist eine Form der Borreliose, die mit einem Antibiotikum sicher und einfach behandelt werden kann.
  2. FSME. Gegen die FSME hilft nur die Impfung. Ob eine Impfung des Kinder, Jugendlichen oder Erwachsenen sinnvoll ist, sollte mit der/m Kinder- und Jugendärzt/in  besprochen werden. Baden-Württemberg ist inzwischen in allen Landkreisen als Risikogebiet eingestuft und weist seit 2 Jahren die meisten FSME-Erkrankungen aller Bundesländer auf. Insofern ist die Impfung für die meisten Schulkinder und Jugendlichen sinnvoll.

Unfallrisiko nach der Kontaktsperre

Mit dem schönen Wetter, gehen gerade Kinder wie mehr nach draußen. Hinzu kommt, dass sich mit den ersten Lockerungen des Lockdown auch der Aktionsradius der Kinder ausweitet. Endlich können sie freier spielen. Damit das Unfallrisiko begrenzt bleibt, sollten Eltern einige Risiken vorab einschätzen. Und mit den Klein-Kindern die ersten Schritte zu mehr Wagemut gemeinsam gehen.

Schulweg

Auch wenn es paradox erscheint: Die meisten Unfälle auf dem Weg von und zur Schule passieren im Auto (41.6% laut Angaben des statistischen Bundesamtes). Erst dann kommen die Fußgänger (29.8%) und schließlich die Fahrradfahrer. Logische Konsequenz aus diesen Zahlen: Wenn es die Strecke und der Zeitplan der Familie zulässt, sollten Kinder zu Fuß zur Schule gehen oder mit dem Fahrrad fahren. Die Gefahren auf der Strecke sollten zuvor angeschaut werden (Ampel, Einbiegungen, unübersichtliche Engstellen). Dabei ist auch sinnvoll, verschiedene Strecken anzusehen, weil Kinder durchaus auch mal vom üblichen Weg abweichen.

Das Fahrrad ist häufig ein gutes Fortbewegungsmittel. Besonders dann, wenn die Kinder die verschiedenen Probleme im Verkehr kennen und dies in der Fahrradprüfung bereits bewiesen haben. Da die Prüfung erst in der 4. Grundschulklasse stattfindet, sollte für die meisten Kinder das Fahrrad erst ab dann auf dem Weg zur Schule eingesetzt werden.

Im Auto

Die meisten Unfälle passieren im Auto. Deswegen ist ein altersentsprechender Autokindersitz sehr wichtig. Weitere Informationen hierzu haben wir in einem praxisblättle zusammengefasst.

Vorbild der Eltern

Im Verkehr, und auch sonst im Zusammenleben mit den Kindern, zählt das Vorbild der Eltern. Was wir als Eltern tun, machen Kinder meist nach. Heute oder später. Darauf können wir zählen. Diese Chance sollten Eltern nützen, um den Kindern schwerwiegende Unfall-Folgen zu ersparen. Nicht, dass wir ängstlich sein sollten. Eine gewisse Verwegenheit der Eltern gefällt Kindern. An vielen Stellen können wir aber Vorbild sein…

  • wir Eltern tragen regelmäßig den Fahrradhelm
  • wir Eltern gehen raus in die Natur, bewegen uns oder machen Sport
  • wir Eltern verhalten uns am Zebrastreifen korrekt
  • wir Eltern beachten die rote Ampel. Immer.

Das mag sich für manche spießig anhören. Aber damit geben wir als Eltern einen Rahmen vor, der unsere Kinder schützt. Ihre kleinen Freiheiten holen sie sich schon selber. Und es ist meist auch gut, die Kinder machen zu lassen, ohne das ganze mit einem langen Vortrag einzuleiten. Kinder wissen meist ohnehin, wie was geht. Und sonst fragen sie.

Weitere Hinweise gibt eine Broschüre, die hier heruntergeladen oder kostenlos bestellt werden kann.

Babytragetücher

Nach der Geburt werden in vielen Kulturen die Babies eng am Körper getragen. Meist von den Müttern. So spüren die Säuglinge weiterhin, wie zuvor im Mutterleib, die Wärme der Eltern, den Herzschlag und hören die bekannte Stimme. Und sie sind am Leben direkt beteiligt.

Das einfache Tragetuch, das hierzu früher auch bei uns verwendet wurde, muss gekonnt gefaltet werden, um den Körper des Säuglings in seiner natürlichen Haltung zu tragen. Weil das so mühsam ist, werden heute verschiedene Tragetücher angeboten. Die Stiftung Warentest hat sich im Januarheft 2020 diesem Thema gewidmet. In TEST-Heft finden Eltern auf den Seiten 64-70 eine Reihe guter Hinweise. Dabei geht es insbesondere um die Haltung des Rückens und der Hüfte (M).

Hier wollen wir kurz die guten Tragesysteme als Einstieg in das Thema vorstellen:

Typ Name Note Preis Anmerkung
Vollschnallen-Tr. Manduca XT 2.0 159 € einfache Anwendung
Kokadi Flip Gr Baby 2.1 179 € einfache Anwendung
Halbschnallen-Tr Hoppediz Nabaca R 1.9 150 € ergonomisch sehr gut
Cybex Maria.tie 2.5 120 €
Tragetücher Amazonas Carry Sling 1.7 50 € Wickeltechnik erforderlich
Didymos Prima 1.8 109 € Wickeltechnik erforderlich

Bei den Tragetüchern müssen Eltern eine Wickeltechnik erlernen, was bei den Halb- und Vollschnallen-Tragetüchern nicht erforderlich ist. Ansonsten zeichnen sich alle vier getesteten Tücher durch Schadstofffreiheit und einen recht günstigen Preis aus.

Neurodermitis. Ist häufiges Baden günstig?

Die Neurodermitis ist eine chronische Entzündung der Haut. Sie betrifft zwischen 15 und 30% aller Kinder weltweit und ist durch eine trockene und rissige Haut gekennzeichnet. Die gestörte Hautbarriere hat viele Folgen. Einmal „liegen die Nerven blank“, was zu einem quälenden Juckreiz führt. Das ist mehr als unangenehm und stört den Nachtschlaf des Kindes und damit auch seiner Eltern erheblich. Daneben treten auch häufige Entzündungen der Haut durch Bakterien oder Viren auf, die ihrerseits die Entzündungsprozesse und deren Folgen enorm anheizen. Ein Teufelskreis.

Vieles ist inzwischen erforscht und wir verstehen die Prozesse recht gut, die in der Haut ablaufen. Wenn es aber zur Therapie kommt, so ist der eine Schlüssel, der alles heilen würde bislang nicht gefunden. Es verwundert also nicht, dass es an Ratschlägen aller Art nicht fehlt. Die beginnen bei teilweise abstrusen Diäten, die dem Kind in seiner Entwicklung sehr schaden können und gehen über das bei allen Krankheiten benutzte Teebaumöl bis zu verschiedenen Pflegecremes.

Auch die Frage, ob ein Kind lieber häufig oder doch selten gebadet werden sollte ist nicht gut geklärt. Hierzu gibt es jetzt aber eine Untersuchung von Ivan D. Cardona und Kollegen aus den USA. Sie ursprünglich 63 Kindern im Alter von 6 Monaten bis 11 Jahren, konnten die Daten bei 40 Kindern ausgewertet werden. Dabei wurde eine Gruppe während zwei Wochen zunächst zweimal wöchentlich für weniger als 10 Minuten gebadet und danach eingecremt („soak-and-seal“). Nach dieser Zeit wurden sie zweimal täglich – aber für 15 bis 20 Minuten – gebadet und danach eingecremt. Bei der zweiten Gruppe wurde genau umgekehrt verfahren. Dabei wurde der Zustand der Haut mit dem SCORAD, einem seit Jahrzehnten bewährten Verfahren, bestimmt.

Es zeigte sich, dass sich der Zustand der Haut mit der „feuchten Methode“ – wenn also die Kinder zweimal täglich gebadet und eingecremt wurden – spürbar gegenüber der „trockenen Methode“ verbesserte. Die Verbesserung des SCORAD’s lag bei 30%, was ein enormer Wert ist.

Die Untersuchung konnte wissenschaftlich belegen, dass häufiges Baden mit nachfolgendem Eincremen deutlich günstiger ist als seltenes Baden. Damit wurde ein Gefühl bestätigt, was viele Eltern und Experten schon lange hatten.

Phimose

Ein Dauerthema bei bei den Vorsorgeuntersuchungen für der Jungen ist die Vorhautverengung, die Phimose, wie wir Ärzte sagen.

Wie entsteht eine Phimose?

Zwischen der 8. und 16. Woche der Embryonalentwicklung schiebt sich eine Haut über die Eichel des Penis (glans penis), die sich in der Spitze vereint. Das ist der Beginn der Abdeckung der Eichel durch die Vorhaut. Sie tritt bei praktisch allen Jungen als normales Phänomen auf. Die Verklebung der Vorhaut mit der Eichel löst sich langsam zum Ende der Schwangerschaft. Dieser Prozess zieht sich lange hin, so dass bei der Geburt nur bei 4% der Buben die Vorhaut über die Eichel zurückgezogen werden kann. Die Vorhautverklebung bei Geburt ist also etwas Normales. Bei der Hälfte der Jungen gelingt es zu diesem Zeitpunkt nicht, überhaupt den Ausgang der Harnröhre einzusehen.

Was ist eine Phimose?

Das ist der Knackpunkt, über den Mediziner lange schon diskutieren und bis heute zum Teil unterschiedlicher Auffassung sind. Klar ist, dass die Rückbildung der Vorhaut teilweise schon vor der Geburt beginnt. Wichtig ist folgende Unterscheidung:

Physiologische Phimose. Hierbei ist die Eichel von der Vorhaut bedeckt, ohne dass es zu einer Behinderung des Harnflusses kommt. Dieser normale (physiologische) Vorgang kann sich unterschiedlich lange hinziehen. Bis zum Alter von 3 Jahren hat sich die Vorhaut bei 90% der Jungen bereits ausreichend zurückgebildet. Im Alter von etwa 13 Jahren liegt diese Quote bei 99% (laut Untersuchungen aus Dänemark):„Was mit 7 Monaten wie eine nadelförmige Öffnung aussieht wird mit dem 17. Lebensjahr ein weiter Kommunikations-Kanal sein“, so ein dänischer Experte. Bis zur Pubertät besteht in der Regel also keine Eile. Bis dahin schützt die Vorhaut den Eingang der Harnröhre vor Infektionen (wie bei der Windeldermatitis). Und, nur bei sehr wenigen Jungen besteht überhaupt Handlungsbedarf.

Pathologische Phimose. Krankhaft ist eine Phimose dann, wenn die Vorhaut auf Grund von Vernarbungen nicht mehr zurückzuziehen ist. Diese Vernarbungen entstehen als Folge von Infektionen und Entzündungen der Vorhaut. In einigen Fällen enstehen diese Entzündungen durch Manipulationen an der Vorhaut im Versuch, die Vorhaut – zu früh! – über die Eichel schieben zu wollen. Diese pathologische Phimose bedarf einer Behandlung beim Urologen oder Kinderchirurgen.

Welche Therapie gibt es?

In vielen Fällen kann eine Verengung der Vorhaut konservativ mit Hilfe einer cortisonhaltigen Creme (über 4-8 Wochen) behandelt werden. Wann und wie die Behandlung gemacht wird, kann die/der Kinderärztin/-arzt je nach Befund entscheiden. In einer Übersichtsarbeit (Cochrane Review) konnten Gladys Moreno und Mitarbeiter von der Pontificia Universidad Católica de Chile in Santiago nachweisen, dass bei bei 84% der behandelten Buben (Durchschnittsalter 6 Jahre) eine zumindest teilweise Rückbildung der Verengung nachgewiesen werden konnte. Eine vollständige Auflösung der Phimose konnte bei erstaunlichen 62.6% aller Buben erreicht werden.

Wann sollte eine Phimose operiert werden?

Wie angedeutet, gibt es da leicht unterschiedliche Interpretationen. Eine Publikation aus Dänemark (in Englisch) zeigt, dass Operationen (medizinisch: Zirkumzision) eher selten erforderlich sind und in der Mehrheit eher ältere Jungen (Durchschnittsalter 10.1 Jahre) betreffen. Die neue Lehrmeinung gibt folgende Anhaltspunkte.

  • narbige Phimose (oft ausgelöst durch aktives Zurückziehen der Vorhaut – was unbedingt zu unterlassen ist !)
  • beim Lichen sclerosus et atrophicus (eine Erkrankung der Vorhaut bzw. bei Mädchen der Vulva häufig auf der Basis einer lokalen Autoimmunerkrankung)
  • Blasenentleerungsstörung mit Ballonierung der Vorhaut bei der Miktion (Pinkeln)

Im Einzelfall sollte der Penis von einer/m erfahrenen Kinder- und Jugendärzt/in untersucht werden. Auch eine „Einengung“ ist immer relativ, je nachdem wie groß der Penis bzw. wie alt der Junge ist. Bei jeder Vorsorge schauen die Ärzt/innen die Genitalien an. Ganz besonders wichtig ist hier natürlich die J1 (Jugendgesundheitsberatung) bzw. U10 in der Pubertät, bei der letztlich die Entscheidung zur Operation fallen sollte.

Pflege der Vorhaut

Wie das Genitale gepflegt werden sollte, ist noch oft vielen überlieferten Mythen unterworfen. Es ist wichtig, dass die Kinderärzt/innen dieses Thema aktiv bei der Vorsorgeuntersuchung aufgreifen (auch für das Genitale der Mädchen). Für die Jungens gilt:

  • Penis und Vorhaut werden im Neugeborenen- und Kindesalter ebenso gewaschen, wie die übrigen Hautbereiche. D.h., es kommen sanfte, für Kinder geeignete Seifen zum Einsatz
  • Häufiges Wechseln der Windeln ist wichtig, um Entzündungen im Windelbereich vorzubeugen
  • Die Vorhaut sollte zart und sanft mit Wasser und/oder Seife gereinigt werden. Soweit es mit zarten Bewegungen möglich ist, darf die Vorhaut zurückgestreift werden. Ein Zurückziehen unter Zug und Druck muss unterbleiben! Nach dem Waschen sollte die Vorhaut wieder nach vorne gestreift werden, um die Eichel zu bedecken.
  • Sollte der Junge beim Wickeln Wasser lassen, beobachten Sie, ob sich die Vorhaut dabei ballonartig aufweitet. Sollte dies der Fall sein, ist eine ärztliche Untersuchung wichtig.

Eine angemessene Pflege des männlichen Genitales hilft, viele unnötige Operationen an der Vorhaut zu vermeiden.

Jugendliche mit Allergie: Welcher Beruf geht?

Allergien sind nicht in Stein gemeißelt, sie unterliegen wie alle Prozesse im Körper der Veränderung. Ein schwer allergischer Säugling kann seine Nahrungsmittelallergien verlieren, was häufig vorkommt. Er kann im späteren Leben ohne andere Allergien wie Heuschnupfen und Asthma sein, was selten vorkommt. Ebenso kann ein Mensch, der 70 Jahre ohne Allergien durchs Leben kam, im hohen Alter seinen ersten Heuschnupfen entwickeln.

Eine wichtige Weichenstellung zeigen Allergien in die Pubertät. In dieser Zeit finden nicht nur Ablösungsprozesse von der Eltern statt. Auch in Bezug auf die Allergien – um es salopp zu sagen – werden die Karten für viele Menschen neu gemischt. Parallel steht in dieser Zeit neben vielen noch wichtigeren Themen (wie Ablösungsprozesse, sexuelle Reife, Liebe) oft auch Überlegungen zur beruflichen Entwicklung an.

Ein allergischer Jugendlicher stellt sich dann die Frage, ob sein Beruf langfristig seiner Allergie schaden könnte. Hierzu gibt es inzwischen einen Allergierisikorechner von der Universität München (Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Radon). Dieser liegt in zwei Varianten vor. Interessant für Jugendliche sind die verschiedenen Rechner „Bis ins junge Erwachsenenalter“. Dort wiederum gibt es für die verschiedenen Probleme wie Handekzem jeweils eigene Rechner. Diese sind sehr schnell zu bearbeiten. Hierzu finden sich im unteren Teil Erklärungen zu den gestellten Fragen. Mit dem Druck auf die Taste „Risiko ausrechnen“ erfährt ein Jugendlicher dann die Wahrscheinlichkeit, mit der dieser ungünstige Fall – z.B. Handekzem – eintritt.

Dieser Allergierisikorechner gibt eine erste und gut abgesicherte Einschätzung. Darüber hinaus ist für so wichtige Entscheidungen auch eine individuelle Beratung bei einem – am besten kinderärztlichen – Allergolog*in sinnvoll. Schließlich geht es um eine weitreichende Entscheidung. Es sollte wenn irgendwie möglich vermieden werden, dass ein beruflicher Werdegang wegen allergischer Probleme abgebrochen werden muss, die vorher schon zu erwarten waren.

Masern – ein aktuelles Merkblatt

Die Viren machen krank, die Folgen der Vorsichtsmaßnahmen manchmal auch. Eltern erleben durch diese Pandemie täglich neuartige Probleme infolge COVID-19. Denn noch immer ist die soziale Distanz die wirksamste Maßnahme. Eine wirksame Therapie oder Impfung gegen das Virus steht noch nicht zur Verfügung. In den letzten Tagen haben sich einige Hoffnungen auf eine Therapie zerschlagen (z.B. beim Malaria-Medikament Chloroquin). Neue Hoffnungen machen die Fortschritte bei der Impfstoffentwicklung.

Die Masern haben mit COVID-19 gemein, dass auch sie eine schwerwiegende Infektion mit Viren darstellen. Auch gegen Masern gibt es keine medikamentöse Therapie. Aber, es gibt eine hochwirksame Impfung, die es gegen das Coronavirus (noch) nicht gibt.

Gerade hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV)  eine Patienteninformation zur Masern-Impfung herausgebracht, die umfassend und klar formuliert ist.

Das ist eine Hilfe für alle Eltern, die noch unsicher sind, ob und warum sie ihre Kindern gegen diese Krankheit impfen lassen sollten. Zeit zum Lesen haben Sie vermutlich jetzt mehr als genug. Und es macht auch Sinn, die Kinder (und sich selbst?) jetzt gegen Masern impfen zu lassen.