Kategorie: Was geht rum?

Was geht rum? 16. Januar 2021

Verbreitet sich das Coronavirus in Schulen?

Wie häufig kommen Kinder wegen COVOD-19 ins Krankenhaus?

Impfungen bei COVID-19, Impfung gegen FSME

Soziale Entwicklung der Kinder in Gefahr

Zeit und Gründe für Kinderkrankengeld ausgeweitet

Mit den Impfungen geht es voran. Aber nicht so schnell wie wir es erhofft haben. Geduld ist gefragt.

Züge vor über hundert Jahren. Jedes Abteil wurde von außen über eine Tür geöffnet. Brauchen wir wieder solche Wagen für die Bundesbahn? Zumindest wäre dann das Infektionsrisiko vermutlich spürbar geringer. Quelle: unbekannt

Ebenso wichtig ist die Fortführung der bekannten Maßnahmen, am besten noch konsequenter als bisher. Die Zusammenfassung der Regelungen. wie sie für für Baden-Württemberg gelten, sind hier kompakt zusammengefasst. Ansonsten sollte auch die Bundesbahn überlegen, wieder die Abteilwagen zu bauen, die es in den Jahren 1880 bis 1920 gab. Damals stiegen die Passagiere direkt vom Perron (Bahnsteig) in ihr Abteil ein. Die heute üblichen Durchgangswagen gab es nicht. Die Abstandsregeln wären auf diese Art deutlich besser einzuhalten.

Verbreitet sich das Coronavirus über die Schulen? Ein Studie von Stefan Feuerriegel und Kollegen von der ETH in Zürich zeigt auf, welchen Einfluss die Schulen auf Mobilität haben: Der Aufenthalt in den Klassenzimmer ist eines, die Anreise zur Schule in überfüllten Bussen und engen Autos ist eine andere Seite der Medaille.

Stationäre Behandlung von Kindern und Jugendlichen in deutschen Kinderkliniken (149 meldende Zentren bundesweit)  Quelle: DGPI

Häufig wird übersehen, dass auch Kinder sehr schwer und tödlich an COVID-19 erkranken können. Die neuen Zahlen der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) zeigen, dass Kinder von der zweiten Welle des SARS-CoV-2 deutlich betroffen waren. Hinweise zur Notbetreuung in schulischen Einrichtungen können Sie hier finden.

„Oder ist es doch nur ein Virus?“ Diese Frage haben Eltern früher täglich Ihrer Kinderärztin oder ihrem Kinderarzt gestellt. Heute dürfte das nicht mehr vorkommen. Zika, Ebola und SARS-CoV2 haben uns eindrücklich gezeigt, welche zerstörerische Kraft Viren haben können. Sie haben kein Gehirn, aber sie sind enorm anpassungsfähig. Das zeigen die neuen Mutanten. Wir sollten ihnen keine offene Flanke bieten und den Impfschutz entsprechend den wissenschaftlichen Studie durchführen. In Anbetracht des momentanen Mangels an Impfungen ist eine Diskussion um die Impfpflicht irrsinnig. Selbst wenn wir im Impfstoff-Überfluss lebten, wir sollten niemanden zwingen. Es geht nicht nur darum „mich und meine Familie“ zu schützen. Das wäre ein erweiterter Egoismus. Es geht darum, uns alle im diesem Lande und auf der Welt zu schützen. Darüber müssen wir reden. Und ängstliche Menschen überzeugen: Vom Ich zum WIR. Solidarität tut allen gut. Auch mir selbst. Dadurch wird auch meine verzweifelte Seele getröstet.

Aber egal: Kinder bis 16 Jahre erhalten ohnehin keinen Corona-Impfstoff, er ist schlicht nicht zugelassen. Also wenden wir uns einem anderen Virus zu: dem FSME-Virus, oft einfach Zecken-Virus genannt. Das spielt jedes Jahr einen größere Rolle. Während Windpocken und Masern in der Pandemie deutlich zurückgingen, hat die Früh-Sommer-Meningo-Encephalitis (FSME) wieder Höchststände erreicht: Im Ländle sind 354 Fälle (in 2020) gegenüber 171 Fällen in 2019 aufgetreten. Ein Grund mehr zu impfen. Das lohnt sich in jedem Fall für alle Schulkinder. Empfohlen ist die Impfung in Baden-Württemberg aber bereits ab dem 1. Geburtstag. Übrigens, die Zecken sind spätestens ab März/ April wieder unterwegs. Eine Impfung wäre gut: jetzt.

Das Thema Schulen und Corona wird bleiben. Genau betrachtet gibt es zu wenig Forschung über die Verbreitung des Virus in der Schule (bei Lehrern und Kindern), auf dem Weg zur Schule, in den verschiedenen Altersgruppen. Wo haben sich Lehrer angesteckt? Bei einer persönlichen Ermittlung dürfte es schwierig sein, diese Zusammenhänge sicher darzustellen. Wir brauchen mehr wissenschaftliche Daten. Klar ist nur: Die Bildung der Kinder ist bedroht, besonders der ohnehin benachteiligten Kinder. Und: Kindern können nur noch in kleinen Gruppen zusammen sein, ihre soziale Entwicklung ist in Gefahr. Besonders problematisch ist, dass Kinder und Jugendliche um ein Stück ihrer Kindheit gebracht werden. Um das zu rechtfertigen, brauchen wir mehr begründete Informationen und gehen erstmal vom schlechtesten aus und lassen die Schulen geschlossen.

Der Anspruch auf Kinderkrankengeld ist in dieser Woche – rückwirkend ab 05. Januar 2021 – auf 20 Tage pro Elternteil bzw. 40 Tage bei Alleinerziehenden erhöht worden. Kinderkrankengeld kann in diesem Jahr doppelt also lange bezogen werden. Laut Deutschem Ärzteblatt sind in einer „Formulierungshilfe“ für eine Gesetzesänderung im Sozialgesetzbuch V neben den normalen Krankheitstagen von Kindern weitere drei Gründe auf ein Anspruch für den Bezug von Kinderkrankengeld angegeben: Wenn Schule oder Kita geschlossen sind, wenn für Klassen oder Gruppen „pandemiebedingt ein Betretungsverbot ausgesprochen wurde oder die Prä­senzpflicht im Unterricht ausgesetzt ist oder der Zugang zum Kinderbetreuungsangebot einge­schränkt wurde.“ In diesen Fällen, wenn es darum geht dass Eltern Ihre Kinder beaufsichtigen müssen weil beispielsweise die Schule geschlossen ist, benötigen Eltern eine Bestätigung der Einrichtung (Kindergarten, Schule) und keine ärztliche Bescheinigung.

Was geht in der Welt rum? Natürlich auf das Coronavirus. In der Schweiz mit 8,6 Millionen Einwohnern sind bislang 487.357 Menschen daran erkrankt und 8470 Todesfälle zu beklagen. In Baden-Württemberg (11,1 Millionen Einwohner) sind 264.735 Menschen erkrankt und 5758 daran verstorben (Stand 13. Januar, 14:00 Uhr). Damit sind bei unserem südlichen Nachbarn mehr als doppelt so viele Menschen an COVID-19 erkrankt. Aber, den Eidgenossen war die persönliche Freiheit – der „Schweizer Weg“ – schon immer besonders wichtig. Doch der wurde nun vom Bundesrat, der Schweizer Regierung, beendet. Ab Montag gilt ein ähnlich striktes Regime wie im ersten Lockdown. Und das bis Ende Februar.

Genießen Sie den Winter mit Ihren Kindern mit Schneemännern, Schneeballschlachten oder Schlitteln an einem kleinen Hügel in Ihrer Nachbarschaft,

Ihr

Was geht rum? 9. Januar 2021

Die wichtigsten Corona-Impfstoffe im Vergleich

Corona-Schnelltests: Wann machen sie Sinn, wann weniger?

Schulen und KiTa – noch immer kein langfristiges Konzept?

Schulen als Infektionstreiber? Nein sagt ein Experte

Bewegte Zeiten. Nun geht es also um die Impfstoffe gegen das SARS-CoV-2.Man gewinnt den Eindruck, dass jede halbwegs bekannte Person etwas dazu sagen muss. Um die Bereitstellung von mehr Impfdosen zu erreichen wurde die bereits Verstaatlichung von Pharmabereichen vorgeschlagen. Oder auch, dass die zweite Impfdosis nicht unbedingt mit der ersten übereinstimmen müsste. Wir bewegen uns als wieder zwischen wissenschaftlich gesicherten Erkenntnissen und Wünschen/ Phantasien. Beruhigt Euch – „calm down“ – möchte man gerne ausrufen.

Kommen wir zu den Basisdaten zurück. In der folgenden Tabellen sind die wichtigsten Daten der einzelnen Impfstoffe einander gegenüber gestellt. Mit all den Vor- und Nachteilen.

BioNTech Moderna  AstraZeneca
Art der Impfung mRNA-Vakzine (BNT162b2) mRNA-Vakzine (mRNA-1273) Adenovirus-Vektor-Vakzine (AZD1222)
Dosis pro Impfung 30 µg 100 µg 5×1010 Viruspartikel
Temperatur Dauer-Lagerung – 70° Celsius – 20° Celsius 2° – 8° Celsius
Temperatur Kurzzeitlagerung +2° bis +8° Celsius für max. 5 Tage +2 bis +8° Celsius für 30 Tage +2° bis +8° Celsius für 6 Monate
Dosierung 2×1 Disis (Tage 0-21) 2 x 1 Dosis (Tage 0 – 28) 2×1 Dosis (Tage 0-28)
Teilnehmer Studien-Phase 3  43.538 (10.11.2020) > 30.000 34.000
Effektivität 95,3% (8 von 170) 94,5% (5 von 95) 62% (90% wenn erste Dosis nur 50% wie in GB)
sicherer Impfschutz 28 Tage nach 1. Impf-Dosis 30 Tage nach 2. Impf-Dosis 28 Tage nach 2. Dosis
unerwünschte Wirkungen Schmerz an Impfstelle, Muskelschmerz Schmerz an Impfstelle (2,7%), Muskelschmerz (8,9%) Schmerz an Impfstelle, Muskelschmerz, Kopfschmerz
Zulassung ab Alter von  16 Jahren  16 Jahren 18 Jahren
Kosten (für die EU) 12 € 14,69 € 1,78 €
Impfdosen für D (laut Business Insider) 38.989.787 mind. 15.000.000 56.272.263

Sicher ist: Alle aufgeführten Impfstoffe zeigen eine gute Wirkung gegen das Coronavirus. Es zeigen sich Unterschiede in vielen praktischen Fragen. Mit dem Impfstoff von AstraZeneca wäre das Ziel, viele Menschen zu impfen, einfacher zu erreichen: Er könnte ganz klassisch in den Praxen der Kinder- oder Hausärzte verimpft werden. Nebenbei ist er sehr günstig. Aber, er hat ein Gschmäckle, weil bei der Studie „versehentlich“ eine Gruppe von Patienten bei einem Impftermin nur die halbe Dosis verimpft wurde. Das hat sich im Nachhinein als günstig erwiesen, darf aber bei einer wissenschaftlichen Studie nicht passieren.

Ein tweet des CDC, der amerikanischen Gesundheitsbehörde, fasste den momentanen Stand der Impfungen so zusammen:

🌡️ Some side effects are normal (einige Nebenwirkungen sind normal).
💸 In most cases, COVID-19 vaccines will be available for free (in den meisten Fällen sind COVID-19 Impfungen kostenlos erhältlich)
👨‍🔬Many vaccines are still being developed & tested (viele Impfungen werden immer noch entwickelt und getestet)
😷Vaccines are one of many tools to help stop this pandemic (Impfungen sind eine von vielen Werkzeugen dabei zu helfen, die Pandemie zu stoppen)

… und als Hygieneregeln formuliert die CDC folgende Maßnahmen:

🚫 Avoid gatherings. (Vermeide Zusammenkünfte)
😷 Wear a mask. (Trage eine Maske)
↔️ Stay 6 feet away from others. (Zwei Meter Abstand halten – exakt: 1,83m)
🖐️ Wash your hands. (Wasche Deine Hände)

Hoffen wir mal, dass sowohl Hygieneregeln wie Impfungen in Deutschland bald konsequenter umgesetzt werden.

Schnelltests waren vor Weihnachten das Thema. Schnelltests erfassen eine Infektion in etwa 80% der Fälle im Vergleich zum PCR-Test (100%). Der Grund für den niedrigeren Wert liegt darin, dass der Schnelltest erst bei größeren Mengen an Viren (höherer Viruslast) positiv ist. Das bedeutet, dass Menschen im Beginn der Infektion teilweise nicht erfasst werden, ebenso auch solche, bei denen die Infektion gerade am Abklingen ist. Ersteres ist eine Schwäche, letzteres eine Stärke des Schnelltests. Bei asymptomatischen Infizierten – das zeigt eine Studie der Forscher um Marie Killerby des CDC – liegt die Sensitivität bei etwa der Hälfte, bei 41%. Hier vermag der Schnelltest aus nur 41% der Virusträger zu identifizieren, da diese Gruppe von Menschen mit positivem PCR-Test aber ohne Symptome offensichtlich weniger Virus tragen.

Das zeigt auch eine sog. Metaanalyse um den Forscher Paul Glasziou aus Australien. Diese Wissenschaftler wählten aus 2,454 Artikeln 13 gut gemachte Studien aus und fanden heraus, dass nur 17 Prozent (je nach Studie waren dies zwischen 4 und 41 Prozent) der Ansteckungen mit dem Virus von Menschen ausgehen, die frei von Symptomen sind. Letztlich zeigen diese Daten, dass Menschen mit Symptomen eine Untersuchung mit dem PCR-Test sinnvoll ist, der die Frage sicher klärt (hohe Sensitivität), ob eine Coronainfektion vorliegt. Geht es hingegen darum eine mögliche Ansteckungsfähigkeit (Infektiosität) bei einer Person ohne Symptome auszuschließen, ist die PoC-Testung (also der Schnelltest) gut, weil sie Personen mit sehr niedrigen Virusmengen erst gar nicht erfasst.

Wie geht es weiter mit Schulen und KiTas? Dazu äußerte sich Anfang der Woche Dario Schramm als Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz. Dabei kritisierte er, dass die Schülerinnen und Schüler die gesamten Ferien im Ungewissen verbracht hätten: „Die Kultusministerkonferenz tagt 17 Tage nach Ferienbeginn, ich hätte erwartet, dass sie die Ferien von Beginn an zum Ausarbeiten von Konzepten und Gesprächen mit Verbänden genutzt hätten.“ Eine nachvollziehbare und langfristige Strategie wäre endlich sinnvoll. Wenige Tage nach dem Statement äußerten sich die Ministerpräsidenten und die Bundeskanzlerin: Die KiTas und Schulen sollen bis 31. Januar geschlossen bleiben. Flugs hat Winfried Kretschmann angedeutet, man werde die Grundschulen und Kitas am 18. Januar wieder öffnen, wenn die Infektionszahlen das erlaubten. Der Flickenteppich bleibt und Ungehorsam ist Bürgerpflicht, so scheint es. Eine nachvollziehbare Strategie für die kommenden vier Wintermonate tut Not. Keiner kann absehen, wie sich die Pandemie weiter entwickelt. Wir wissen viel und doch zu wenig. Wir müssen versuchen und können uns irren (auch Politiker). Aber wie wäre es mit einem Stufenmodell, das den Schulzugang in Abhängigkeit von den Infektionszahlen regelt? Wir sollten jedoch unsere private Verantwortung als Bürger nicht auf die Politik abwälzen. Auch im privaten Bereich können wir uns kreativ vor dem Virus schützen. Vorschläge gibt es genug, fangen wir an.

Kinder, die positiv auf das SARS-CoV-2 getestet wurden, waren eher ……… auf Hochzeiten, auf Parties oder Beerdigungen     Quelle: CDC

Sind Kinder in Schulen und KiTas „Infektionstreiber“ ? Zu dieser Frage gibt jetzt eine Studie aus Mississippi (USA). Das Forscherteam um Charlotte V. Hobbs zeigt: Enge Kontakte zu Menschen mit COVID-19, Treffen mit Personen außerhalb des eigenen Haushalts sowie fehlendes Tragen von Masken in der Schule sind mit COVID-19-Erkrankungen bei diesen Kindern und Jugendlichen (unter 18 Jahre) verbunden.  Der Schulbesuch selbst bzw. der Besuch der KiTa war jedoch nicht mit positiven Testergebnissen korreliert. Das sieht Prof. Dr. Reinhard Berner, Chef der Kinderklinik der Uni Dresden genauso. In einer Konferenz von Kanzlerin, Kabinett, Ministerpräsidenten der Länder und Wissenschaftlern in dieser Woche sagte er: „Kinder nehmen am Infektionsgeschehen teil, sind aber nach aktuellem Wissensstand keine Treiber der Pandemie.“ 

Influenza (echte Grippe) in den letzten Jahren und der jetzigen Saison (rote Kurve) in Deutschland nach den Zahlen des RKI Quelle: Statista

Andere Infekte in Baden-Württemberg? Sie spielen weiterhin keine große Rolle. die üblichen Infekte erscheinen vielen als bedeutungslos in Anbetracht der tödlichen Coronapandemie. Die Grippe (Influenza) scheint es in diesem Jahr kaum zu geben. Die Kinderkrankheiten – darüber haben wir mehrfach berichtet – sind deutlich seltener aufgetreten als sonst, Ausnahme Mumps. Der trat etwa so häufig auf wie im Jahr 2019. Aber: Masern, Keuchhusten und Windpocken liegen alle unter 50% der erwarteten Zahlen.

Was geht in der Welt rum? Die Coronapandemie lässt an Pandemien früherer Epochen denken. Dazu zählt auch die Beulenpest. Viele wissen nicht, dass die Pest weltweit noch immer vorkommt. Zum Beispiel in der Demokratischen Republik Kongo, wo aus der Region Aur (Provinz Ituri, NO) mehr als 200 Verdachtsfälle von Beulenpest gemeldet wurden. Fünf Menschen sind verstorben. Auch Madagaskar ist seit 1921 regelmäßig von der Pest betroffen.

Ich wünsche Ihnen eine fröhliche Gelassenheit. Für viele Familien kann der Rückzug auf sich selbst auch eine Chance sein. Ihr

Was geht rum? 02. Januar 2021

Trockene Luft + wenig Sonne: Winterekzem

Wenige wie selten: Atemwegsinfektionen in Baden-Württemberg

Steuer in 2021: Manche Vorteile für Familien mit Kindern

Corona: Erste Erfahrungen mit der Impfung

Ich hoffe, Sie haben das Neue Jahr mit Freude und Zuversicht begonnen. Dafür gibt es viele Gründe, von denen die Impfung gegen das SARS-CoV-2 wohl der Wichtigste ist. Bis wir wieder voll durchatmen können, wird dieses Jahr aber wohl schon wieder vorbei sein.

Dürfen die Heiligen Drei Könige in diesem Jahr kommen? Natürlich nein, sie kommen aus drei verschiedenen Haushalten und das geht gar nicht. Auch die milde Gaben werden keine mildernden Umstände möglich machen. Im Übrigen würden Weihrauch und Myrrhe die Aerosolbelastung ins Unermessliche steigen lassen.

In den Wintermonaten hat die unsere Haut mehr zu leiden. Trockene Luft in den Innenräumen und spärliche Sonnenstrahlen tragen dazu bei. Gerade bei kleinen Kindern mit trockener Haut zeigt sich ein leichtes Ekzem in den Beugen. Das betrifft gerne die Ellenbeugen oder die Kniekehlen, aber auch hinter den Ohren (retroauriculär) oder auf den Augenlidern kann sich die Trockenheit auswirken. In aller Regel dauern diese Phänomene bis in den April an, wenn die Sonne wieder länger scheint und Kinder wieder öfter draußen – in der feuchteren Luft – spielen. Es empfiehlt sich, die trockene Haut bis dahin regelmäßig einzucremen.

Zahl der Atemwegserkrankungen mit denen sich Menschen in Baden-Württemberg beim Arzt vorstellen. Quelle: AG Influenza

Das letzte Jahr ging mit wenig Atemwegsinfektionen zu Ende. Das hat natürlich mit den Festtagen zu tun. Die Werte lagen aber auch klar unter denen der letzten Jahre. Bislang hat die Saison der Influenza nicht begonnen. Der Keuchhusten trat übers Jahr gesehen weniger als halb so oft auf. Bei den Kinderkrankheiten in Baden-Württemberg fielen ganz besonders die Masern auf. In der Fastnachtswoche traten die letzten beiden Fälle von insgesamt 25 Erkrankungen auf, danach keine einzige mehr.

Ähnlich verlief das auch bei den Durchfallserkrankungen. Bei den Rotaviren, wurden gerade mal ein Viertel der sonst üblichen Erkrankungsfälle gemeldet, bei den Noroviren waren es nur 40%. Vermutlich sind im Rahmen der Pandemie manche erkrankten Kinder und Jugendliche nicht beim Kinderarzt vorgestellt worden. Viele Erkrankungen sind aber auch hier wegen der Hygiene- und Anstandsmaßnahmen schlicht nicht aufgetreten.

Steuerlich wird das Jahr für Mütter und Väter von Kindern bei einigen Regelungen günstiger. So wird das Kindergeld und der Kinderfreibetrag erhöht: Ab 2021 sind das für jedes Kind 15 Euro mehr Kindergeld. Für die ersten beiden Kinder gibt es je 219 Euro Kindergeld, für das dritte Kind 225 Euro und ab dem vierten Kind 250 Euro. Die Steuerfreibeträge für Kinder steigen ebenfalls, von 7812 Euro auf 8388 Euro. Auch für Alleinerziehende gibt es mehr Geld: Sie profitieren im kommenden Jahr  ebenfalls von einem höheren Steuerfreibetrag. Statt 1908 Euro beträgt dieser 4008 Euro im Jahr. wie der Bund der Steuerzahler verdeutlicht. Den Freibetrag gibt es, wenn ein Elternteil mit mindestens einem Kind zusammenlebt, für das ein Kindergeldanspruch besteht – selbst wenn keine Haushaltsgemeinschaft mit einer anderen erwachsenen Person besteht.

Seit dem 27. Dezember werden Impfungen gegen das SARS_CoV-2 in Baden-Württemberg durchgeführt. Bislang wurden 78.109 Personen (Stand 30.12.2020, 11:00 Uhr) geimpft, von denen 42% eine berufliche Impfindikation hatten. Bisher steht nur der Impfstoff von BioNTech/ Pfizer zur Verfügung. Stand 31.12.2020, 12:00 Uhr gibt es bis 20. Januar 2021 überhaupt keine Impftermine mehr, danach vereinzelte Termin im ZIZ in Rot am See am nördlichen Rand unseres Bundeslandes. Für Kinder ist der Impfstoff ohnehin nicht zugelassen, erst für Jugendliche ab 16 Jahren.

Was geht in der Welt rum? Das Dengue-Fieber trat in 2020 auf Martinique besonders häufig auf. Waren es 2019 noch 1127 Erkrankte, wurden in den ersten 11 Monaten des Jahres 2020 genau 31.270 Fälle gezählt (16 Todesfälle). Gegen das Dengue-Fieber hilft konsequenter Mückenschutz (tagsüber !), eine Impfung gibt es nicht. Das  Überseedépartement Martinique gehört zu Frankreich und somit auch zu Europäischen Union. Dadurch ist es für reiselustige Menschen jetzt besonders attraktiv.

Starten Sie vergnügt in das erste Wochenende dieses Jahres.

Ihr

Was geht rum? 26. Dezember 2020

Todesfälle durch Lungenentzündung bei Kleinkindern weltweit halbiert

Der chilenische Weg für eine gesunde Ernährung der Kinder

Schulen als Pandemietreiber? Eher nein

Weiterhin wenig Infekte im Ländle

Weihnachten. Das Fest der Freude. Getrübt nur durch kleinste Teilchen, die gerade mal einen zehntausendsten Teil eines Millimeter an Durchmesser aufweisen und uns Menschen angreifen, die wir mehr 120 Milliarden mal so groß sind. Sie machen uns mehr als nur krank. Sie vermögen Teile der Gesellschaft gegeneinander aufzubringen. Und jetzt vor Weihnachten führten sie zu Hast und Eile, was die Impfung gegen das SARS-CoV-2 betrifft. Gut zu wissen, dass die oberste Europäische Arzneimittelbehörde sich nicht unter Druck setzen ließ.

Vielleicht wollen Sie das kleine Teilchen mal Ihren Kindern vorstellen? Vom Bundesministerium für Gesundheit gibt es eine sehr nette Broschüre: „Wie wir uns vor Corona schützen können – Tipps für Kinder von Lisa und Paul. Sie zeigt, Kreativität ist auch ein Merkmal dieser zumeist anstrengenden Zeit.

Im Strudel der schlechten Nachrichten der letzten Woche verschwand eine Meldung, die eine fette Schlagzeile Wert gewesen wäre: Die Gefahr durch Lungenentzündungen bei kleinen Kindern (unter 5 Jahren) hat sich deutlich verringert. Starben im Jahre 2011 noch 1,3 Millionen Kinder daran, waren es zuletzt noch 672.000. Für uns in Mitteleuropa kaum vorstellbar. Aber Lungenentzündung ist für Kinder in den ersten 5 Jahren ihres Lebens in den meisten Ländern der Erde gefährlicher als AIDS, Tuberkulose oder Malaria. Noch heute werden in Krankenhäusern in Afrika schwer kranke Kinder abgewiesen, wenn ihre Eltern kein Geld für die Behandlung hinlegen können. Aber die Kliniken sind ebenso bettelarm wie die Menschen selbst. Weitere Informationen gibt die Kampagne Stopp Pneumonia (in Englisch).

Kennzeichnung von Nahrungsmitteln in Chile Quelle: Gesundheitsministerium von Chile

Aus Chile kommen auch gute Nachrichten für Eltern. Weil chilenische Kinder immer mehr unter Übergewicht litten, hat die Regierung im Jahre 2016 ein neues und strenges Gesetz zur Kennzeichnung von Lebensmitteln eingeführt. Das brachte viele Veränderungen im Alltag: alle Lebensmittel mit zu viel Zucker, Fett, Kalorien oder Salz sind auf der Vorderseite des Produktes sind inzwischen deutlich sichtbar gekennzeichnet. Solchermaßen markierte Nahrungsmittel dürfen in Schulen nicht verkauft werden. Auch in den Schulkantinen sind sie verboten. Ergänzend gibt es erhebliche Werbeverbote. Parallel verschwanden Comic-Helden und Zeichentrickfiguren von den Verpackungen. In einer Langzeit-Beobachtungsstudie (in Englisch) einer Forschergruppe um Camila Corvalán (Universidad de Chile, Santiago de Chile) wurden die Ergebnisse über einen Zeitraum von 3 Jahren untersucht. Es zeigte sich, dass der Konsum von high-in-Getränken seit 3 Jahren um 23,8% zurückging, also solchen Getränken mit hohem Gehalt an Zucker, Fetten, Natrium-Salzen oder Kalorien. Politisch radikale Schritte können sich also günstig auf die Ernährung von Kindern auswirken.

Welche Gruppe unserer Gesellschaft treibt die Pandemie? Erst sollen es die jungen Menschen, später auch die Vor-Rentner (59-65 Jahre) gewesen sein. Und immer wieder die Schulen. Die gerade erschienene Untersuchung unter Federführung von Prof. Dr. Ursel Heudorf aus dem  Gesundheitsamt in Frankfurt am Main belegt, dass Schüler und Lehrer kaum zur Verbreitung des Coronavirus beitragen. So wurde bei jedem Infizierten die Umgebung untersucht: im Durchschnitt 7 Lehrer und 27 Schüler. Aber unter diesen Kontaktpersonen fanden sich nur 0,57 positiv getestete Personen. Aktuelle Zahlen der ONS (Official National Statistics) aus Großbritannien zeigen andererseits, dass die Zahl der positiv getesteten Personen gerade in den jüngsten Altersgruppen (2-11 Jahre) höher liegt (2%-2,5% gegenüber 1% – 1,5%)  als in den anderen Altersgruppen. Ohne ausreichende digitale Lehr- und Lernangebote wird es wohl auf Dauer nicht gehen. Schule kann trotz allem nicht nur als Präsenzunterricht stattfinden. So sehr wir das hofften – und lange glaubten.

In Baden-Württemberg ist die Zahl der Atemwegsinfekte bei Kindern weiterhin eher niedrig und liegt klar unter den Werten der letzten beiden Winter. Obwohl mancherorts enge Kontakte stattfinden, bleibt die Zahl der Kinderkrankheiten ebenfalls sehr niedrig. Das gilt weiterhin für den Keuchhusten mit 872 neuen Erkrankungen in diesem Jahr (Jahr 2019: 1845 Keuchhustenfälle). Es wurden also fast 1000 Personen von dieser unangenehmen und für kleine Kinder gefährlichen Krankheit verschont. Die Abstandsregeln lohnen sich  offensichtlich auch für Kinder, um sich schwerwiegende Kinderkrankheiten vom Hals zu halten.

Was geht in der Welt rum? Im Schatten des Coronavirus traten seit September diesen Jahres 28 Infektionen mit Impfstoff-abgeleitetem Poliovirus Typ 2 (cVDPV2) in der Republik Südsudan auf. Das ist zwar kein touristisches Reiseziel. Dennoch könnte sich von dort ein Polio-Erreger weiter ausbreiten. Damit droht das Ziel einer poliofreien Welt in weite Ferne zu rücken.

Ich wünsche Ihnen eine Fortsetzung der erholsamen Feiertage im Kreise Ihrer Liebsten, ganz herzlich Ihr

Was geht rum? 19. Dezember 2020

Kinder im Lockdown: Weniger Sport, aber mehr Bewegung

Bald Corona-Speichel-Tests für zuhause? 

Aus der Wissenschaft: Spielen fördert die Sprache

Atemwegsinfekte im Ländle

 

Die ersten Tage im zweiten Lockdown liegen hinter uns. Die Kinder sind zuhause, ihr Bewegungsdrang findet nun auf kleinem Raum statt. Oder auch nicht. Im ersten Lockdown im Frühjahr haben sich in Karlsruhe die Kinder jeden Tag sogar 36 Minuten länger bewegt als zuvor.

Das legen zumindest Daten einer Studie des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe nahe. Die Forscher um Alexander Woll untersuchten 1711 Kinder und Jugendliche (4-17 Jahre) und fanden eine erhöhte Alltagsaktivität (habitual physical activities), während die Zeit für sportliche Aktivitäten im Schnitt um 10,8 Minuten pro Tag zurückging. Das betraf besonders Jugendliche (minus 15,6 Minuten), jedoch kaum die Kleinkinder (minus 2,2 Minuten). Die Kehrseite dieser Zeit war, dass die Youngsters zusätzlich mehr als eine Stunde vor dem Bildschirm verbrachten: Je zu einem Drittel mit Fernsehen, Spielen und im Internet. So merkte der Studienleiter Prof. Dr. Woll in einer Pressemittelung dann auch an: „Spielen im Freien, Fahrradfahren, Garten- oder Hausarbeit haben nicht dieselbe Intensität wie Training und Wettkämpfe im Verein. Wie sich der Wegfall von Sport in Schule und Verein langfristig auf die Motorik oder das Übergewicht auswirkt, wissen wir noch nicht.“ Eltern sollten versuchen – soweit möglich – dies auszugleichen, in dem sie gezielt mit ihren Kindern sportlich aktiv bleiben.

Testung mit Naso-Pharyngeal-Abstrich. Quelle: pixabay, lukasmilan

„Testen, testen, testen … aber gezielt“ – so hieß es vor Wochen aus Bayern. Das könnte auch in unserem Bundesland möglich werden. Zum einen ist in den USA ein Schnelltest von der FDA freigegeben worden, den sich dort Privatpersonen für die Selbsttestung besorgen können (nur zugelassen ab einem Alter von 14 Jahren). Darüber haben wir im praxisblättle bereits von 4 Wochen berichtet. Zum anderen gibt es eine Studie, die den Weg zu Testungen daheim und auch bei Kindern ebnen könnte: Speicheltestungen (bzw. Mundspülungs-Tests) sind deutlich weniger belastend. Die Ergebnisse – so zeigt es die Studie um Mini Kamboj vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York (in Englisch) – sind von ähnlicher Qualität wie die der Nasen-Rachen-Abstriche.

Draußen ist es ungemütlich, Shopping ist faktisch unmöglich. Kinder und Eltern sind vermehrt in ihren vier Wänden. Zeit gemeinsam zu backen. Oder auch zum Spielen, Mensch-ärgere-Dich-nicht. Das macht viel Spaß und unterstützt die Entwicklung ungemein. Das konnte eine Studie der australischen Forscher um Angela Gialamas zeigen. Darin wird die Sprachentwicklung und Verhaltensentwicklung von Kindern beleuchtet und sogar in Zahlen gefasst. So konnte die Längsschnittstudie an 4243 Kindern zeigen, welchen Nutzen auf die weitere Entwicklung eine „Zeitinvestition“ in Kinder haben kann. Bildungsfördernde Angebote, Vorlesen und Malen für die Kinder im Alter von 2-3 Jahren haben einen enormen Nutzen: Jede Stunde mit solchen Angeboten ist mit einer Zunahme des passiven Wortschatzes um 0,95% verbunden. Selbst das einfache Spielen mit Kindern (2-3 Jahre und 4-5 Jahre alt) verbesserte den Wortschatz um ca. 0,7%. Friedrich Schiller kommt einen in den Sinn: „Hoher Sinn liegt oft im kind’schen Spiel“.

Konsultationsindex der Atemwegserkrankungen in Baden-Württemberg bezogen auf Altersgruppen und im Vergleich zu Wintersaison 2019/2020 (braun Kurve). Quelle: AG Influenza

Die Zahl der Atemwegserkrankungen – oder akute respiratorische Erkrankungen (ARE) – nimmt langsam Fahrt auf. In der letzten Woche (KW 50) stiegen die Erkrankungszahlen bei Kindern bis 14 Jahre spürbar an. Unterschiede zur letztjährigen Infektsaison sind kaum auszumachen.

Im Ländle haben Politik und Verbände über die Feiertage vier Wochen Zeit, ein stimmiges Konzept für Kindergärten und Schule zu erstellen, um das Bedürfnis der Kinder und Jugendlichen nach Nähe in Gruppen zu ermöglichen ohne gleichzeitig dem Coronavirus Tür und Tor zu öffnen: Welche Klassengrößen sind möglich? Weiterführung des Präsenzunterrichts? Wie können Kinder spontan in der Kita spielen? Regelmäßige Testungen? Impfungen sind bis zum Alter von 16 Jahren bisher nicht zugelassen. Wir brauchen kreative Lösungen. Und den Mut neues zu wagen – für die Kinder, die in vielen Diskussionen wieder einmal ganz hinten auftauchen.

Australien. Vor einem Jahr mussten die Koalas unter den massiven Waldbränden extrem leiden. Quelle: pixabay, jesiana

Was geht in der Welt rum? Manchmal möchte man diesem Pandemie-Durcheinander gerne entfliehen. Weit weg. Zum Beispiel nach Australien. Dort ist Corona fast im Griff, so mag es scheinen: Während im Ländle die 7-Tage-Inzidenz bei 199,1 (18.12.) liegt, hat Australien einen Wert von 0.3 (18.12.) aufzuweisen. Dann lässt sich wohl verschmerzen, dass dort bald wieder die Ross River-Krankheit von tagaktiven Stechmücken übertragen wird. Wie schön, wenn man sich nur gegen Mücken schützen muss.

Im Frühjahr, kurz bevor die Pandemie unser Leben veränderte, haben viele der praxisblättle– Leser in unserer Umfrage ihre Bereitschaft erklärt, uns auch finanziell zu unterstützen. Das hat uns sehr gefreut und uns Mut gemacht. Bei spürbar zunehmenden Kosten können wir dieses Format nur mit Ihrer aktiven Hilfe fortführen. Unterstützen können Sie uns ganz klassisch per Überweisung (planet4kids media, Fidor Bank AG,  DE97 7002 2200 0020 4770 40, FDDODEMMXXX; Stichwort „praxisblättle“). Oder Sie nutzen Patreon, über den Sie uns einen kleinen Betrag monatlich spenden können.

Welche Kosten fallen für die Erstellung des praxisblättle an (wichtigste Posten)?

  • Fotographie. Manche Bilder müssen eingekauft werden. 
  • Zugang zu Original-Literatur. Medizinische Fachliteratur ist meist nicht kostenlos.
  • Kosten für Unterhalt und Pflege der Homepage. 

Es wäre schön, wenn Sie Ihrem praxisblättle ein kleines Präsent unter den Baum legen würden.

Ich wünsche Ihnen Gelassenheit, diese besonderen Tage für Dinge zu nutzen, die schon lange links liegen geblieben sind. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Was geht rum? 12. Dezember 2020

V-Day – erstmal nur für Risikogruppen

„Irgendwie Weihnachten retten“

♦ CO2-Gehalt in Bahnen und das Coronavirus-Aerosol

Vom DNA-Kochbuch und den flüchtigen mRNA-Rezeptkärtchen

 

Haben wir diese Woche den V-Day erlebt?  Der britische Gesundheitsminister Matt Hancock sprach bei der ersten Coronaimpfung mit dem neuen mRNA-Impfstoff von BioNTech/ Pfizer vom „V-Day“: V für Vaccination (Impfung), aber ebenso auch Victory, also Sieg. Hoffen wir, dass der Siegeszug beginnt. Klar ist aber auch: bis gesunde Kinder und Jugendliche geimpft werden können, wird es zumindest Sommer werden. Ob die neuen mRNA-Impfstoffe für sie zugelassen werden ist weiter fraglich. Umfassende Informationen zum BNT162b-Impfstoff von BioNTech und Pfizer gibt es inzwischen von der FDA, der amerikanischen Behörde, die für die Zulassung von Impfstoffen zuständig ist.

In den kommenden Wochen wird sich zeigen, wie viele Menschen durch die Impfung erreicht werden und wann wir mit einer Herdenimmunität rechnen können. Da bleiben noch sehr viele Fragen offen (Lieferbarkeit der Impfstoffe, Umsetzungen der „Massenimpfungen“). Klar ist jedenfalls, dass das Virus seinen Weg fortsetzt, solange wir die Ausbreitung nicht effektiv begrenzen. Diese Ausbreitung geschieht im Wesentlichen durch Menschen, die sich gesund fühlen, aber bereits infiziert sind: Zum einen im Beginn der Erkrankung, wenn die Infektiosität etwa schon zwei Tage vor den Symptomen begonnen hat. Aber auch über die vielen asymptomatisch Infizierten, die sich pudelwohl fühlen und dennoch anstecken. Bevor die Impfung uns weiterhilft, müssen wir die Grundinzidenz (also die Zahl der Personen, die jede Woche erkranken) deutlich senken – durch die „nicht-pharmazeutischen“ Maßnahmen: also durch Begrenzung der Kontakte der Menschen (als potentielle Überträger) untereinander. Kurzum: einen Lockdown.

Vorquarantäne für Oma/ Opa für 10 Tage ist eine besonders effektive Maßnahme über die kommenden Feiertage. Die Familie hält sich mit Kontakten zu anderen Personen so gut es geht zurück, um dann, wenn Oma oder Opa an Heiligabend kommen, guten Gewissens mit ihr feiern zu können. Fangen wir also jetzt an, dann kann Oma oder Opa an Weihnachten beruhigt uns besuchen kommen.

CO2-Konzentration auf der Strecke vom Bahnhof Breisach am Kaiserstuhl nach Freiburg Hbf. Quelle: Badische Zeitung

Noch eine Woche lang sind – nach heutigem Stand- alle Schulen und Kindergärten im Ländle offen. So lange fahren auch die Busse und Bahnen, die frühmorgens Scharen von Kindern zu ihren Bildungsstätten bringen. Dass in deren Fahrzeugen Kinder oft eng zusammengekuschelt stehen müssen ist bekannt. Die Badische Zeitung aus Freiburg hat kürzlich den CO2-Gehalt in der Bahn von Breisach am Kaiserstuhl nach Freiburg gemessen unter der Idee, dass ein hoher Gehalt an CO2 parallel verläuft mit dem Aerosol in den Bahnen. Die Annahme, dass der Anstieg von CO2 auch dem Anstieg der Wahrscheinlichkeit der Corona-Belastung im Aerosol ist liegt nahe, ist aber wissenschaftlich nicht belegt. Eine spannende Anregung für die Politik ist der Artikel allemal. Wie können die AHA-Regeln im öffentlichen Nahverkehr eingehalten werden? Oder wenigstens halbwegs angewendet werden? Wir brauchen Antworten, bald.

Kochbuch für Bären. Quelle: pixabay, bluebudgie

In dieser Woche erfolgte die erste Corona-Impfung in Großbritannien. Zur Anwendung kam ein sogenannter mRNA-Impfstoff. Das ist eine kleine medizinische Revolution. Wie kann man sich die Wirkung eines solchen Impfstoffs vorstellen? Wenn Sie sich die DNA (im Deutschen auch DNS genannt) als ein Buch von Milliarden an Rezepten vorstellen, dann ist die mRNA wie ein Rezept, das auf ein sich auflösendes Kärtchen, auf dieses Rezept mit sich auflösender Tinte geschrieben ist. Die Impfung funktioniert dann so, dass sie eines dieser Rezeptkärtchen im Körper kurz aufblitzen lässt und damit sagt, dass dieses neue Eiweiß – das sog. Spike-Protein des SARS-CoV-2 produziert werden soll. Daraufhin bemerkt unser Immunsystem, dass hier etwas Neues und Fremdes aufgetreten ist. In kurzer Zeit von wenigen Stunden ist die mRNA (das Kärtchen) schon wieder aufgelöst, aber das Immunsystem baut weiter Abwehrstoffe gegen das Spike-Protein des Coronavirus auf – die Immunantwort ist in Gang gesetzt.

Bei dieser Impfung kommt also kein irgendwie geartetes Virus in unseren Körper, lediglich ein flüchtiges Rezeptkärtchen. Nachdem viele Generationen daran gearbeitet haben, ist es erstmals gelungen, mit einer kleinen Information den Körper zu einer zielgerichteten Antwort zu bewegen. Wie gut das alles letztlich gehen wird und wie das Gesundheitswesen alles umsetzen kann (Logistik !) wird sich mehr und mehr zeigen. Grund zur Hoffnung haben wir allemal!

Sicher haben Sie davonmehrfach gehört. Wissenschaftlicher in Deutschland haben in einer Publikation der der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina zur Pandemie mit Bezug auf die Feiertage Stellung bezogen. Die Details können Sie hier lesen.

Praxisindex für Atemwegsinfektionen in Baden-Württemberg. Quelle: AG Influenza

Dass die Grippe noch nicht im Ländle eingezogen ist, ist nichts ungewöhnliches. Die Influenza meldet sich meist in den Monaten Januar bis März. Auch alle anderen Infekte sind selten, wie die rote Kurve in der Grafik zeigt. Erstmals seit Beginn der Pandemie gibt es wieder einen Fall an Masern. Die Zahlen bei den anderen Kinderkrankheiten bewegen sich jedoch auf dem gleichen Level wie die Wochen zuvor.

Was geht in der Welt rum? Natürlich weiterhin die Malaria. Aus Indien wurden landesweit und offiziell 152.277 Erkrankungen und 55 Todesfälle gemeldet für die ersten 9 Monate des Jahres gemeldet.  Die WHO  hat andererseits gemeldet, dass die Zahl der Malariatoten noch nie so gering war wie im letzten Jahr. In den letzten beiden Jahrzehnten .ist sie um fast 60% gesunken von 27,7 Personen auf 100.000 Menschen (2000) auf 10,1 von 100.000 Menschen in 2019. Damit wurden – kaum zu glauben – 7,6 Millionen Todesfälle an Malaria verhindert.

patreon Quelle: wikimedia.org

Im Frühjahr, kurz bevor die Pandemie unser Leben veränderte, haben viele der praxisblättle– Leser in unserer Umfrage ihre Bereitschaft erklärt, uns auch finanziell zu unterstützen. Das hat uns sehr gefreut und uns Mut gemacht. Denn nur so können wir weiterhin – wie seit 25 Jahren – dieses Format ohne Werbung beibehalten. Unterstützen können Sie uns ganz klassisch per Überweisung (planet4kids media, Fidor Bank AG,  DE97 7002 2200 0020 4770 40, FDDODEMMXXX; Stichwort „praxisblättle“). Oder Sie nutzen Patreon, über den Sie uns einen kleinen Betrag monatlich spenden können.

Welche Kosten fallen für die Erstellung des praxisblättle an (wichtigste Posten)?

  • Fotographie. Manche Bilder müssen eingekauft werden. 
  • Zugang zu Original-Literatur. Medizinische Fachliteratur ist meist nicht kostenlos.
  • Kosten für Unterhalt und Pflege der Homepage. 

Es wäre schön, wenn Sie Ihrem praxisblättle ein kleines Präsent unter den Baum legen würden.

Ich wünsche Ihnen, dass diese erfreuliche Meldung Ihnen Mut macht, dem Coronavirus in den kommenden Wochen die Stirn zu zeigen – zusammen mit Ihren Kindern. Zünden Sie das dritte Kerzlein an und genießen Sie ein entspanntes Wochenende, Ihr

Was geht rum? 05. Dezember 2020

♦ Corona – Quarantäne für Kontaktpersonen verkürzt

♦ Corona – Krankheitsverlauf bei Kindern anders als bei Erwachsenen

♦ Corona – Sind Tests aus den Drogeriemärkten sinnvoll?

♦ Atemwegsinfekte in diesem Winter seltener – außer COVID-19

Die offiziellen Empfehlungen im Umgang mit dem Corona-Virus ändern sich beständig. Nun rüttelt sogar das amerikanische CDC (Center for Disease Control) an den Grundprinzipien der Quarantäne. Wie in der New York Times nachzulesen ist, soll die Quarantäne auf 5 Tage verkürzt werden. Die Quarantäne betrifft Personen, die mit einem Infizierten länger in Kontakt kamen (KP1 = Kontaktpersonen ersten Grades). Bisher lagen diese Zeiten in den USA wie in Deutschland bei 14 Tagen. In Baden-Württemberg wurde mit der neuen Coronaverordnung die Quarantäne ebenso wie die Isolation – sie betrifft die Infizierten – auf 10 Tage festgesetzt.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat in der ersten Corona-Welle lange gezögert, das Tragen von Masken zu empfehlen. Inzwischen rät die WHO (in Englisch) sogar, Masken in der eigenen Wohnung zu tragen wenn Besuch kommt. Unabhängig davon, ob Abstand gehalten werden kann oder nicht.

Die COVID-19-Erkrankung verläuft bei Kindern häufig anders als bei Erwachsenen. Das zeigen neue Daten von der University of Alberta in Canada. Dort wurden von April bis September 2463 Kinder und Jugendliche auf die Corona-Infektion untersucht. Dabei zeigte sich, dass Schnupfen oder Husten als Symptom bei positiv wie negativ getesteten Kindern und Jugendlichen gleich häufig waren (25% gegen 22%). Typisch hingegen waren Störungen bei Geruch- und Geschmackssinn, die bei Corona-Erkrankten 7,3 Mal häufiger auftraten. Auch Erbrechen und Übelkeit (5,5-fach häufiger) und Kopfschmerzen (2,5-fach) scheinen für Kinder und Jugendliche eher typische Symptome zu sein. Wenn alle drei Beschwerden (Geruchs-/ Geschmacksinn-störung + Erbrechen/Übelkeit + Kopfschmerz) zusammenkamen, war das Risiko an COVID-19 erkrankt zu sein 66 mal so hoch.

COVID-19-Erkrankungen in Baden-Württemberg bezogen auf die jeweilige Altersgruppe pro 100.000 Personen und Woche. Quelle: LGA

Schwere Verläufe von COVID-19 bei Kindern sind eher selten. Das bestätigen auch die neuen Daten aus Baden-Württemberg, besonders für Kinder unter 10 Jahren. Eine Studie des „TheTri-State Pediatric COVID-19 Research Consortium (in Englisch) aus den USA untersuchte die stationär wegen COVID-19 behandelten Kindern in drei Kliniken. Dabei fanden sie einige Faktoren, die das Risiko für eine schwere Lungenbeteiligung erhöhenÜbergewicht (erhöht das Risiko um den Faktor 3,39), Sauerstoffmangel bei stationärer Aufnahme (Faktor 4,01) und erniedrigte Lymphozyten (eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen) im Blut (Faktor 8,33).

In Drogeriemärkten stehen seit neuestem Coronatests zum Verkauf. Aber Vorsicht: Es handelt sich nur um Antikörper-Tests, die im Blut nachweisen, ob bereits eine Infektion mit dem SARS-CoV-2 stattgefunden hat. Und auch dieser Nachweis hat seine Tücken, abgesehen dafür, dass um die 50 € Kosten anfallen. Es wird vermutlich nicht mehr lange dauern, dann werden auch Antigentests – besser als Schnelltests bekannt – zur Verfügung stehen. Schon die Durchführung der Tests will gekonnt sein. Noch schwieriger ist deren Beurteilung. Prädikat: Warten Sie ab oder fragen Sie den Arzt ……

Praxisindex: Er gibt an, wie viele Personen die Arztpraxen wegen Atemwegsinfekten aufgesucht haben. Die aktuellen Zahlen der Saison 2020/2021 gibt die rote Linie wieder. Quelle: AG Influenza

AHA-Regeln sind auch für andere Erreger wirksam. Das zeigt sich im Moment bei den Infekten der Atemwege. Die Erkrankungszahlen liegen etwa 30% niedriger als im letzten Jahr. Hinzu kommt, dass viele Menschen wegen Schnupfen und Husten keinen Arzt mehr aufsuchen aus Angst, sich in den Praxen mit dem Coronavirus anzustecken. Die Schnupfeninfekte des Herbstes klingen langsam ab, neu zeigen sich Infektionen mit Übelkeit / Erbrechen und Durchfall. Häufig wird bei solcher Symptomatik nicht nach der Ursache gefahndet. Rota- oder Noroviren scheinen an diesen kleinen Ausbrücken wenig beteiligt zu sein. Unter den vielen anderen Erregern können auch einmal Coronaviren solche Beschwerden bei Kindern auslösen.

Was geht in der Welt rum? In fernen Ländern, in die kaum einer mehr reisen kann, treten Krankheiten auf, die fast im Corona-Nebel verschwinden. Wie die Tollwut. In Malaysia ist kürzlich ein 42-Jähriger daran verstorben. Aus Südafrika werden fünf Fälle berichtet. Tollwut wird meist von infizierten Hunden – aber auch anderen Tieren wie Katzen oder Fledermäusen – übertragen.

Ich wünsche Ihnen einen entspannten zweiten Advent, herzliche Grüße, Ihr

Was geht rum? 28. November 2020

Die GRÜNEN und die Homöopathie

USA: Coronainfektionen auf dem Land häufiger als in der Stadt

♦ Auch in Hotspots ist keine Herdenimmunität in Sicht

♦ Immer mehr Kinder in Deutschland wegen COVID-19 im Krankenhaus

Die Bundespartei der Grünen hat sich in den letzten ein heißes Thema vorgenommen: die Homöopathie. Und sie hat es in internen Diskussionsrunden geschafft, Position zu beziehen: Von den Krankenkassen sollen nur noch Leistungen übernommen werden, „die medizi­nisch sinnvoll und gerechtfertigt sind und deren Wirksamkeit wissenschaftlich erwiesen ist“. Dabei wird das Wort „Homöopathie“ umgangen, ebenso aber auch Formulierung, dass im Einzelfall eine Kostenübernahme möglich sein sollte, wie manche Delegierte auf dem Bundesparteitag forderten.

Die Mobilität in Deutschland hat sich während des Shutdowns verändert. Das zeigt eine neue Untersuchung, die auf der Basis der Mobilfunkdaten die Mobilität errechnet. Es zeigt sich, dass im ersten Shutdown die Mobilität um bis zu 55% zurückging. Im zu Ende gehenden Monat November liegt der maximale Rückgang der Mobilität bislang bei 22%. Diese Zahlen sind ein klarer Hinweis, dass die Menschen sich in der Pandemie zurückhalten.

Erkrankungszahlen an COVID-19 pro Wochen und 100.000 Einwohner („Wocheninzidenz“) bezogen auf die Bewohnerdichte der jeweiligen Region (county) in den USA Quelle: Lindsey M. Duca et al im MMWR, veröffentlicht vom CDC

Überraschende Daten zu COVID-19: In den USA erkranken mehr Personen in ländlichen Gebieten als in städtischen (Metropolen). Auch aus Deutschland kommen immer wieder Meldungen, dass dünn besiedelte Regionen wie der Landkreis Hildburghausen in Thüringen mit Wocheninzidenzen von über 400 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner oder der Landkreis Tuttlingen in Baden-Württemberg mit 276 Erkrankungen (Stand: 26.11.2020) auffallen.

Coronainfektionen in Berlin: 7-Tages-Inzidenzen (pro 100.000 Einwohner) in Berlin. Auf der x-Achse sind die Kalenderwochen aufgetragen, auf der y-Achse die Altersgruppen. Quelle: SurvNet des RKI

Die Zahlen für Berlin sind weit dramatischer. Für die Jugendlichen von 15-19 Jahre liegt der Wert bei 390, in Berlin Mitte gar bei 637. Es erstaunt nicht, dass unter diesen Umständen 5% aller Berlinere Schüler in Quarantäne sind Und dennoch: Einfache Erklärungen greifen nicht.

Nach fast einem Jahr in der Pandemie ist an eine beginnende Herdimmunität nicht zu denken. Weder bei uns, noch in Spanien oder Italien. Auch das stark gebeutelte Amerika ist weit davon entfernt, wie eine sehr gut gemachte Studie von Kristina L. Bajema und Mitarbeiter zeigt. Die Zahl der Amerikaner, bei denen im Serum Antikörper gegen das SARS-CoV-2 nachgewiesen wurde, schwankt stark. In den meisten Staaten liegt die Rate unter 10%, in vielen sogar unter 1%. Nur in New York, das vor Monaten heftig gebeutelt wurde, waren es fast 25%. Und das ist noch weit davon entfernt, eine Immunität zu vermitteln. Dazu müssten mindestens 70% einer Population mit dem Virus – oder einer perfekten Impfung – in Kontakt gekommen sein. Es liegt weiterhin ein langer Weg vor uns.

Häufigkeit der stationären Behandlung von Kindern mit COVID-19 in deutschen Kliniken. Quelle: DGPI

In den letzten Wochen ist die Zahl der Kinder, die wegen COVID-19 stationär  behandelt werden musste rasant angestiegen. Die Zahl der wöchentlichen Fälle lag in der letzten Woche bei 16 Kindern. Der bisher höchste Wert mit 39 Meldungen datiert aus der letzten Oktoberwoche. Nicht alle Kliniken in Deutschland melden die COVID-19-Fälle. Dennoch fällt eine hohe Konzentration für Baden-Württemberg in Stuttgart und Freiburg auf.

Stationäre Aufnahme von Kindern in eine deutsche Klinik: Altersverteilung. Quelle: DGPI

Interessant ist auch die Altersverteilung: Über ein Drittel aller betroffenen Kinder sind Säuglinge, also jünger als ein Jahr. Wenn also von „Risikogruppen“ gesprochen wird, sollte auch an die Kleinsten gedacht werden, deren Immunsystem zwar sehr anpassungsfähig, aber eben auch unerfahren ist. Der Anteil der Jugendlichen (grüne Flächen) an den COVID-19-Erkrankungen ist deutlich geringer.

Praxisindex Baden-Württemberg: er spiegelt die Zahl der Patienten wieder, die sich wegen Atemwegsinfekten in einer Praxis vorgestellt haben. Quelle: AG Influenza

Alle reden von Corona. Das ist auch richtig. Gemessen an den Erkrankungen mit dem SARS-CoV-2 spielen andere Infektionen im Moment im Ländle eine untergeordnete Rolle. Das zeigt die aktuelle Graphik für die Praxisbesuchen wegen Atemwegsinfektionen (rote Kurve). Inzwischen ist der Tod an COVID-19 sogar die häufigste Todesursache, vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs. Alles Querdiskutieren kann diese Zahlen nicht ändern.

Was geht in der Welt rum? Neben der Corona-Pandemie ist für tropische Länder das Dengue-Fieber eine Geisel. Die Tödlichkeit dieser Erkrankung ist bei weitem nicht so hoch. Aber die Erkrankung ist dennoch für die armen Menschen dieser Regionen sehr belastend. Aus Indien wurden bis Ende September 16.439 Fälle gemeldet, darunter 12 Todesfälle. Diese Häufigkeiten werden in der momentanen Regenzeit noch deutlich ansteigen. Eine Therapie oder eine Impfung gegen das Dengue-Fieber sind nicht in Sicht.

Ich wünsche Ihren Kindern und Ihnen ein angenehmes Wochenende, bleiben Sie konsequent und gesund, Ihr

Was geht rum? 21. November 2020

♦ Heißer Tee im Winter – für Kinder ein Risiko (Verbrühung / Verbrennung)

♦ Corona-Impfstoffe – Medienkampagne vor Impfung: eine kleine Klarstellung

Corona-Schnelltest für zuhause: Brauchen wir den?

Nach einem Ganz-besonders-Spätherbst mit frühlingshaften Temperaturen am letzten Wochenende, ist der November zurück. Kühl, nass, lange Nächte. Wir sitzen in kuscheligen Wohnungen und es verlangt uns nach Heißgetränken. Kurzum: Die Gefahr für Verbrennungen bei Kindern steigt mit jeder Minute, die die Sonne uns weniger küsst.

Vieles kann in diesen Tagen zur Gefahr werden: Die Tasse heißer Tee steht am Tischrand und wird vom Kind heruntergezogen. Die heiße Kaminofenscheibe wird vom Kind eingesetzt um sich aufzurichten. Es gibt viele, oft unerwartete Anlässe sich zu verbrühen oder verbrennen. In einem Beitrag des praxisblättle können Sie die Einzelheiten nochmals studieren. Oder schauen Sie sich Paulinchen e.V. an.

Erste Impfstoffe gegen das SARS-CoV-2 kommen bald auf den Markt. Die Rede ist von 100’ten Millionen von Impfdosen. Die Aufgabe, die Impfung zu denen zu bringen die sie benötigen und wollen, ist eine Herkulesaufgabe. Quelle: pixabay, Dean Page

Seit zwei Wochen sind die Aussichten auf einen Impfstoff gegen das Coronavirus gestiegen. Zwei Kandidaten konnten nachweisen, dass ihr Impfstoff wirkt: BioNTech/ Pfizer (Mainz, USA) und Moderna (ursprünglich Harvard-University, jetzt auch Investoren wie BlackRock). Mit der Bekanntgabe der Daten begann auch ein kleiner Medienkrieg, zweitweise mit unfairen Vergleichen. Deswegen stellen wir hier die wichtigsten Daten einander gegenüber:

BioNTech Moderna
Art der Impfung mRNA-Vakzine (BNT162b2) mRNA-Vakzine (mRNA-1273)
Dosis pro Impfung 30 µg 100 µg
Temperatur Dauer-Lagerung – 70° Celsius – 20° Celsius
Temperatur Kurzzeitlagerung +2° bis +8° Celsius für max. 5 Tage +2 bis +8° Celsius für 30 Tage
Dosierung 2×1 Disis (Tage 0-21) 2 x 1 Dosis (Tage 0 – 28)
Teilnehmer Studien-Phase 3  43.538 (10.11.2020) > 30.000
Effektivität 95,3% (8 von 170) 94,5% (5 von 95)
sicher Impfschutz 28 Tage nach 1. Impf-Dosis 30 Tage nach 2. Impf-Dosis
unerwünschte Wirkungen Schmerz an Impfstelle, Muskelschmerz Schmerz an Impfstelle (2,7%), Muskelschmerz (8,9%)

Die Zusammenstellung zeigt: Die Impfstoffe sind sich sehr ähnlich: Beide sind mRNA-Vakzinen. Kleine Unterschiede gibt’s, der Rest ist Medienkampagne von Firmen, die auch einen finanziellen Erfolg suchen. Unstrittig ist, dass beide Impfstoffe hervorragend wirken – „besser wird’s nicht…“, so der  US-Virologe Anthony Fauci, bekannt durch einige Pressekonferenzen mit US-Präsident Trump, dessen oftmals falsche Angaben bei ihm sichtbares Stirnrunzeln auslösten. Beide Impfstoffe könnten helfen, die Pandemie besser zu beherrschen. Doch Impfungen werden von vielen Menschen eher als Bedrohung empfunden. Deswegen ist es wichtig, dass eine Impfpflicht nicht mehr als eine unsinnige Idee bleibt. Wie schon bei der Masernimpfpflicht werden Abwehrreflexe ausgelöst, die nicht hilfreich sind. Es sollte klar sein: Die Pharmaindustrie stellt Impfstoffe her (dafür ist sie auch da), sie darf damit auch Geld verdienen. Aber wir als Bürger entscheiden, ob wir uns impfen lassen wollen. Es ist schon schlimm genug, dass das Tragen der Gesichtsmaske trotz guter wissenschaftlicher Daten zum Politikum wurde.

Beide Hersteller werden ihre Studien fortsetzen, bis mindestens 164 COVID-19-Erkrankungen unter den Geimpften aufgetreten sind. Erst dann ist eine reguläre Zulassung möglich. BioNTech hat inzwischen die Notfallzulassung beantragt, Moderna wird bald folgen.

Inter-City-Express: immer wieder ein Erlebnis, auch wegen der Fahrleiter der Bundesbahn Quelle: pixabay, holzijue

Und noch ein Hinweis zum Maskentragen aus dem ICE 373 von Berlin nach Interlaken. Bahnfahren macht Spaß!

Und nun auch neue Nachrichten zum Testen: Die FDA (Federal Drug Administration) hat per Notfallzulassung (emergeny use authorization) einen Corona-Schnelltest für den Hausgebrauch zugelassen: Lucira® heißt er, kommt aus Kalifornien und ist für alle Menschen ab 14 Jahren zugelassen. An Kindern unter 14 Jahren darf er auch angewendet werden. Aber nur durch medizinisches Fachpersonal (healthcare provider). Der Preis liegt in den USA bei 50 USD. In Einzelfällen kann dieser Heim-Schnelltest bei korrekter Anwendung weiterhelfen, zumal er recht genau ist.

Und was geht – außer Corona – sonst noch rum? Nur wenige Erkrankungen. Schnupfeninfekte sind die häufigsten, die aber seit der Pandemie kaum wahrgenommen werden. Daneben gibt es auch Kinder, die eine Bronchitis haben – nicht Corona-bedingt. Und wie immer: Fast keine Kinderkrankheiten, außer Windpocken, die aber um 70% weniger auftreten als im letzten Jahr.

Was geht in der Welt rum? Seit drei Jahren leidet Nigeria unter Ausbrüchen von Gelbfieber. Im letzten Jahr wurden 4.290 Erkrankungen vermutet und 231 Todesfälle gesichert. Seit Januar 2020 wurden 2.285 Verdachtsfälle registriert und 23 Infektionen gesichert. Bis heute gibt es keine Medikamente, um diese Viruserkrankung nach Ausbruch zu behandeln. Aber es gibt eine extrem erfolgreiche Impfung. Eine einzige Impfung – zugelassen ab dem Alter von 9 Monaten- schützt nach heutigen Daten lebenslang.

Mit diesen ermutigenden wie ich finde ermutigenden Nachrichten wünsche ich Ihnen ein sonniges und fast winterliches Wochenende, Ihr

Süßes für Kinder

Seit Urzeiten mögen Menschen Süßes. Schon Eva hat Adam mit einem süßen Apfel verführt. Das bewegt auch viele Menschen heute, wenn sie ihre Produkte erfolgreich vermarkten wollen. Klassiker der letzten Jahrzehnte sind  das Überraschungsei oder der Fruchtzwerg.

Fruchtzwerg? Ein interessanter Test der Stiftung Warentest (Heft 10/2020) zeigt Erstaunliches. Der Fruchtzwerg hat sich weiterentwickelt und liegt mit geringerem Zuckergehalt auf Platz zwei bei den Kinderdesserts. Also wieder einmal vorne dabei – beim Rückzug von den Kalorien.

Dieser Test ist enorm praktisch für Eltern, die Kindern gerne auch was Süßes gönnen. Mit einem speziellen Rechner für Kinderdesserts können sie ausrechnen, wieviel Kalorien, Zucker und Fett empfehlenswert sind.