Kategorie: Was geht rum?

Was geht rum? 17. Oktober 2020

Heute geht es wieder einmal um …. das Coronavirus. Für alle, die gerne Texte auswendig lernten, gab es früher „Die Glocke“ von Friedrich Schiller. Die moderne Variante ist die Verordnung über die Maskenpflicht auf öffentlichen Plätzen der freien Hansestadt Hamburg. Keine Sorge, wir werden Sie nicht abfragen.

Lüften- ein wichtiges Prinzip, um Viren aus Innenräumen zu verjagen. Quelle: pixabay, Bru_nO

Aber mal echt: Ab kommenden Montag wird in den Schulen in Baden-Württemberg ab der 5. Klasse die Maskenpflicht eingeführt. Also auch im Unterricht. Darüber hinaus soll in Klassenzimmern alle 20 Minuten für 3-5 Minuten gelüftet werden – am besten Querlüftung. Warum das günstig ist, haben Sie in einem Beitrag des praxisblättle vom letzten Samstag schon lesen können. Die aktuelle Empfehlung des Umweltbundesamtes finden Sie hier.

Was gestern noch richtig war, ist heute überholt. Wenn Sie sich aktuell über den Stand der Infizierten in einem Landkreis informieren wollen, dann hilft Ihnen diese Karte des RKI (COVID-19-Dashboard) weiter. Die Zahlen gehen in den meisten Regionen im Ländle steil nach oben.

Nun liegen die PoC-Tests vor, kurz Antigentest und noch kürzer „Schnelltest“ genannt. Sie verändern in Kürze einige Regeln der Teststrategie. Quelle: pixabay, Belova59

Testungen werden immer häufiger durchgeführt. Das betrifft die PCR-Testungen, die in spezialisierten Labors durchgeführt werden müssen. Im besten Fall muss man auf das Ergebnis 24 Stunden warten – es sein denn, man ist der Präsident der USA oder wohnt neben einem Labor. Die neue Alternative sind die Antigentests (point-of-care test, PoC). Sie sind zwar etwas weniger genau, aber das Ergebnis wird an Ort und Stelle ermittelt und liegt in knapp 1 Stunde vor. Die Firma Roche hat eine weitere Verbesserung zum Ende dieses Jahres angekündigt. Das Testergebnis soll dann in 18 Minuten abzulesen sein.

Für Eltern ist insbesondere wichtig, dass die Kindergärten und Schulen nicht zu Corona-Hotspots werden. In dieser Beziehung ist Baden-Württemberg – noch? – ein Musterländle. Von den 63.000 Schul-Klassen sind weniger als 1% wegen eines Infizierten geschlossen. In Berlin sieht’s schon anders aus. An einer Schule sind neun Schüler infiziert, an einer anderen (Campus Rütli) im Bezirk  Neukölln gar 21 Schüler.

Wollen Sie eine kleine Reise unternehmen? Hier finden Sie die aktuellen Corona-Verordnungen des jeweiligen Bundeslandes.

Die Atemwegsinfekte zeigen sich im jahreszeitlich üblichen Rahmen und nehmen leicht zu. Bislang ist zumindest bei der Zahl der „einfachen Racheninfekten“ kein günstiger Effekt durch die AHA-Regeln zu erkennen. In einzelnen Fällen treten auch obstruktive Bronchitiden auf.

Erkrankungen mit Windpocken (nur 39 in der letzten Woche) gehen weiter zurück. Ob hierzu auch das häufige Tragen eines MNS beiträgt ?

Was geht in der Welt rum? In Pandemiezeiten wird deutlich weniger gereist. Schon gar nicht in ferne Regionen wie Ostafrika. Dort wurde das West-Nil-Virus erstmals 1937 in Uganda festgestellt. Seit der Jahrtausendwende gibt es Ausbrüche auch in den USA. In der Corona-Pandemie hat sich dieses Virus auf den Weg nach Deutschland gemacht und hat in diesem Jahr 12 Menschen infiziert. Davon betroffen sind Halle an der Saale, Leipzig und der Großraum Berlin. Das sind Städte, die in diesen Zeiten für Badener und Württemberger schon fast so etwas wie Ausland darstellen.

Für das Wochenende wünsche ich Ihren Familien gemütliche Stunden und viele Sonnenstrahlen. Herzliche Grüße, Ihr

Was geht rum? 10. Oktober 2020

Vielen Menschen ziehen neuerdings wortgewaltig über ein unbekümmert feiernde Jugend her, und andere echauffieren sich über die Einschränkungen im Alltag. Das Mittelmaß zwischen Sorglosigkeit und Überreaktion zu finden bleibt eine Herkulesaufgabe in dieser Pandemie. Wenden wir uns also nochmal den Möglichkeiten der Virenabwehr zu.

FFP2-Maske. Der Goldstandard. Quelle: ptw

1.  Die Masken. Das Coronavirus kann sich über verschiedene Wege ausbreiten. Ein wichtiger ist die Verbreitung über Tröpfchen – „Tröpfcheninfektion“ – weswegen das Tragen von Mund-Nasen-Schutz (MNS) so bedeutsam ist. Als besonders sicher gelten die FFP-2 (bzw. FFP-3)-Masken. Sie werden auf dem Markt mit unterschiedlichsten Preisen und aus unterschiedlichster Quelle angeboten. Handwerkern ist diese sog. Halbmaske, filtering face piece (FFP), seit Jahren ein essentieller Schutz gegen Feinstaub. Die Kategorie FFP-2 muss entsprechend der europäischen Norm EN 149 eine Schutzwirkung gegen kleine Partikel (max. 0.6 µg) zu 95% entfalten. Der entsprechende Standard in den USA ist die N95-Maske. KN95 nennt sich deren Schwester, die in China produziert wurde. Bleibt für uns als Verbraucher die Frage: Welche Maske ist die richtige? Vom Center für Disease Control (CDC), der US-Gesundheitsbehörde, wurde in dieser Woche eine Aufstellung der Masken veröffentlicht, die keine ausreichende Qualität (in Englisch) aufweisen können – Begründung inklusive. Vor jeder Bestellung im Internet eine empfehlenswerte und erhellende Lektüre.

Bereits im Juni hat eine Forschergruppe aus Mainz um Prof. Klaus Wälde gefunden, dass das die Einführung der Maskenpflicht zu einem Rückgang von COVID-19 um etwa 40% führte. Zu etwas weniger günstigen Zahlen kommen die Ökonomen um  Alexander Karaivanov aus Vancouver (in Englisch). Bei ihren Berechnungen lag der Effekt bei 25-40%. Wer sich die Wirkung des MNS in Bildern anschauen möchte, findet hier beeindruckende und klare Videos. MNS: Gute Wirkung, wenig Aufwand.

Haus in Lehmbauweise. Zum Lüften bleibt nur ein Fenster. Durchlüften ist somit schwer umsetzbar, solange die Haustüre geschlossen ist. Quelle: ptw

2. Die Lüftung – wegen der Aerosole. Inzwischen hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass Viren – wie die Coronaviren – in kleinsten Wassertröpfchen, also Aerosolen, in der Raumluft über einige Zeit halten können. Abstand zu halten ist extrem wichtig, aber durch die Bildung von Aerosolen keine absolut sichere Maßnahme. Dazu schreibt das RKI im neuen Steckbrief zum Coronavirus (Stand 02.10.2020):

Bei längerem Aufenthalt in kleinen, schlecht oder nicht belüfteten Räumen kann sich die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung durch Aerosole auch über eine größere Distanz als 1,5 m erhöhen, insbesondere dann, wenn eine infektiöse Person besonders viele kleine Partikel (Aerosole) ausstößt, sich längere Zeit in dem Raum aufhält und exponierte Personen besonders tief oder häufig einatmen. Durch die Anreicherung und Verteilung der Aerosole im Raum ist das Einhalten des Mindestabstandes zur Infektionsprävention ggf. nicht mehr ausreichend. Ein Beispiel dafür ist das gemeinsame Singen in geschlossenen Räumen über einen längeren Zeitraum, wo es z. T. zu hohen Infektionsraten kam, die sonst nur selten beobachtet werden (17, 18). Auch schwere körperliche Arbeit bei mangelnder Lüftung hat, beispielsweise in fleischverarbeitenden Betrieben, zu hohen Infektionsraten geführt (19). Ein effektiver Luftaustausch kann die Aerosolkonzentration in einem Raum vermindern. Übertragungen im Außenbereich kommen insgesamt selten vor (20). Bei Wahrung des Mindestabstandes ist die Übertragungswahrscheinlichkeit im Außenbereich aufgrund der Luftbewegung sehr gering.

Was bedeutet das praktisch? Dazu gibt das Umweltbundesamt in Bezug auf das Corona-Virus klare Handlungsanweisungen – für zuhause, die Schulräume und für Sporträume. Sehr lesenswert! Ebenso konkret sind die Hygienehinweise für die Schulen in Baden-Württemberg, die vor knapp 4 Wochen veröffentlicht wurden (Stand 16.09.2020). In Anbetracht der rasant ansteigenden Infektionszahlen eine wichtige Lektüre, nicht nur für Eltern.

Trotz der Zunahme der Coronainfektionen wollen wir die banalen Infekte nicht vergessen. Das sind ganz besonders Infektionen mit Schnupfen, aber auch häufig auch Durchfall. Dahinter stecken häufig Adenoviren. Insgesamt sind die Infekte bei Kindern zumindest nicht mehr geworden. Trotzdem können einzelne Kinder auch schwerer erkranken, z.B. mit einem Krupphusten.

Die Windpocken zeigen einen ersten Trend, wieder an Fahrt aufzunehmen. Noch liegen die wöchentlichen Zahlen aber deutlich unter denen des letzten Jahres. Vermutlich dank der Abstandsregeln. Beim Mumps der gegenläufige Trend. Hier steuert die Häufigkeit der Fälle auf das Doppelt des letzten Jahres zu. Mit den zwei Erkrankungen der letzten Woche wurde Mumps nun 71 mal in diesem Jahr registriert.

 

Stickstoffdioxid-Konzentrationen (NO2) an Messstationen in Zentral-London in Mikrogramm pro Kubikmeter.  Quelle: The Guardian

Stephen Holgate Quelle: Universität Southhampton

Die gute Nachricht? Die gibt’s auch diese Woche. London ist die Stadt, die durch eine ungünstige Gemengelage von smoke (Rauch) und fog (Nebel) den Begriff Smog prägte. Die oftmals ungünstige Wetterlage führte bei zunehmender Luftverschmutzung durch Industrie und Autos immer wieder zu extremer Belastung der Atemwege der Menschen und ganz besonders der Kinder. Aber Politik kann etwas bewirken, wie der dramatische Rückgang der NO2-Konzentration im Zentrum von London zeigt. Der sonst eher zurückhaltende Immunologe und Allergologe Stephen Holgate– ich kenne ihn von Kongressen seit über 2 Jahrzehnten – stellt dazu fest: “Air pollution is a scourge on society, especially harming the young and old“ (freie Übersetzung: Luftverschmutzung ist eine Geißel, die speziell den jungen und alten Menschen Leid zufügt). Der Bürgermeister von London habe bewiesen, dass enorme Verminderungen giftiger Schadstoffe möglich sei und dass die Geschäftswelt und die Bürger bereit seien, diese Maßnahmen mitzutragen. Ich denke, das könnte ein belebender Ansporn für die Metropole im Ländle sein.

Was geht in der Welt rum? Das West-Nil-Fieber hat sich in diesem Sommer in Europa spürbar ausgebreitet: 130 Fälle in Griechenland, 20 davon verliefen tödlich. Die Erkrankung betrifft in aller Regel Vögel. Menschen können auch betroffen sein. Impfung gibt es keine. Die einzig mögliche Maßnahme das West-Nil-Fieber zu verhindern ist ausreichender Mückenschutz.

Wollen Sie unsere Arbeit unterstützen? Dann nutzen Sie die Hinweise, die Sie auf der Eingangsseite zum Blog rechts oben finden. An dieser Stelle schon mal herzlichen Dank.

Das Wochenende wird von wenig Schadstoffen in der Luft geprägt sein. Oder anders, es ist wohl regnerisch und kühl. Genießen Sie mit Ihren Kindern auch solche Tage, an denen die Herbstdüfte in der Natur besonders intensiv sind.

Was geht rum? 03. Oktober 2020

Der Herbst ist da, es wird spürbar kühler und die Lust großzügig zu lüften lässt ebenso spürbar nach. Damit steigt das Risiko an Infektionen zu erkranken. Wie in jedem Jahr. Nur, dass in diesem Herbst und Winter das Coronavirus als neuer Begleiter hinzukommt. Interessant ist, dass die Erkrankung einer einzigen, weltpolitisch wichtigen Person in der Wahrnehmung der Pandemie mehr bewirkt, als viele erhellende wissenschaftliche Erkenntnisse der letzten Woche. Wir bleiben bei den wissenschaftlichen Fakten.

COVID – Erkrankungen bei Kindern, prozentual zu den Gesamterkrankungen von April bis September. Quelle: Blake Sisk et al., PEDIATRICS, 2020

In den USA ist ein wichtiger Trend zu erkennen: Das SARS-CoV-2 breitet sich bei den Kindern zunehmend aus. Durch die Schulschließungen im Frühjahr war der Anteil der Kinder an den Infizierten noch sehr gering. Seit April (2.2%) hat sich deren Anteil nun fast verfünffacht (10.0%), wie die PrePublication von Blake et al. aus Pediatrics gerade zeigt.

SARS-CoV-2-Fälle in Baden-Württemberg nach Altersgruppe und Meldewoche. Die hell- und dunkelgrauen Bezirke zeigen den Anteil der Kinder und Jugendlichen bis 20 Jahre. Quelle: LGA Baden-Württemberg

Nicht viel anders stellt sich dieser Trend auch in Baden-Württemberg dar. Das zeigen die grauen Säulen im Diagramm. Es scheint, dass sich das Virus in dieser jungen Altersgruppe weiter ausbreitet. Infektionen von Kind zu Kind sind aber noch immer selten. Das hat vermutlich auch damit zu tun, dass Schulen und Kindergärten ihre Konzepte zum Schutz vor dem Coronavirus auch gut umsetzen.

Im Herbst nehmen die Infekte zu. Das zeigen auch die offiziellen Statistiken. Die Aktivität der Atemwegsinfektionen ist bisher vergleichbar mit den letzten Jahren, wobei sie in Baden-Württemberg gegenüber anderen Regionen in Deutschland tendenziell niedriger liegt. Als Erreger liegen – wie erwartet – die Rhinoviren ganz vorne. Das sind die Erreger des typischen Herbstschnupfens: Schnupfensaison.

Bei den Kinderkrankheiten zum Glück nichts Neues: Nur Keuchhusten und Windpocken, keine Masern oder Mumps.

Was geht in der Welt rum? Nach Russland reisen viele Menschen aus Baden-Württemberg. Dabei sollte bedacht werden, dass es dort noch vereinzelte Fälle von Tollwut gibt. Zuletzt verstarb eine Frau im Oblast Jaroslawl nach dem Biss eines tollwütigen Fuchses. Die Tollwut wird oftmals von Wildtieren auf Haustiere übertragen und kann auf diesem Weg den Menschen bedrohen. Gerade bei Reisen in abgelegene Gebiete kann deswegen eine Impfung gegen Tollwut sinnvoll sein.

In eigener Sache: Die planet4kids media unterstützen Projekte, die das gesundheitliche Wohl von Kindern im Focus haben. Zwei Projekte sind bereits ohne finanzielle Hilfe von außen abgeschlossen. Zum einen untersuchte die VAVANY-Studie die 2009 in Antananarivo die Bedeutung von Asthma bei Stadt-Kindern. Das andere ist die MAKI-Studie, die ich Ihnen kürzlich im praxisblättle kurz vorgestellt habe. Beides sind für Kinder wichtige Projekte, können aber medial – ohne Hilfe großer Marketingagenturen wie Jung von Matt – kaum mit finanzieller Unterstützung rechnen.

Das dritte Projekt – und darum geht es heute – ist Ihr praxisblättle. Im Frühjahr, kurz bevor die Pandemie unser Leben veränderte, haben viele der praxisblättle– Leser in unserer Umfrage ihre Bereitschaft erklärt, uns auch finanziell zu unterstützen. Das hat uns sehr gefreut und uns Mut gemacht. So können wir weiterhin – wie schon seit 25 Jahren – dieses Format ohne Werbung beibehalten. Unterstützen können Sie uns ganz klassisch per Überweisung (planet4kids media, Fidor Bank AG,  DE97 7002 2200 0020 4770 40, FDDODEMMXXX; Stichwort „praxisblättle“). Oder Sie nutzen Patreon, über den Sie uns einen kleinen Betrag monatlich spenden.

Welche Kosten fallen für die Erstellung des praxisblättle an (wichtigste Posten)?

  • Fotographie. Manche Bilder müssen eingekauft werden
  • Zugang zu Original-Literatur. Medizinische Fachliteratur ist meist nicht kostenlos.
  • Kosten für Unterhalt und Pflege der Homepage

Ich wünsche Ihnen ein entspanntes Wochenende. Herzliche Grüße, Ihr

 

Was geht rum? 26. September 2020

Mit den ersten Frühnebeln beginnt die Schupfensaison. In diesem Jahr sind damit für Sie als Eltern mehr Überlegungen und Sorgen verbunden. In unserem Beitrag Schnupfen im Herbst haben wir für Sie eine kleine Orientierung zusammengestellt, was bei akut auftretendem Schnupfen zu beachten ist.

PCR-Test Quelle: cdc

In den vergangenen Monaten nahm die Zahl der Corona-Tests enorm zu. Damit konnten viele Infizierte identifiziert und frühzeitig isoliert werden. Ein Grund, warum die Zahl der Corona-Erkrankten in Deutschland im internationalen Vergleich noch recht niedrig. ist. Diese Tests – dahinter steckt die sog. Polymerase-Kettenreaktion, kurz: PCR-RT genannt – setzen aber sehr leistungsfähige Labors voraus und eine umfangreiche Logistik, beginnend mit dem Transport des Wattestäbchens ins Labor. Erst mit der raschen Übermittlung der Daten vom Labor an die Patienten / Gesundheitsämter ist dieser Prozess abgeschlossen. Im Idealfall sind das 24 Stunden. Seit den Pannen in Bayern ist jedoch klar, wie anfällig ein solcher Prozess ist. In Kürze gibt es vermutlich schnellere Vor-Ort-Alternativen:

Patientennahe Tests („point-of-care“ – Tests),oftmals auch Antigentests genannt: Diese funktionieren wie die Schwangerschaftstests und enthalten im Testkit alle Reagenzien, um Bestandteile des Coronavirus schnell zu erkennen. Ihr Vorteil liegt darin, dass sie ein Testergebnis in weniger als 90 Minuten liefern. Direkt am Ort der Untersuchung. Dennoch weisen sie eine große Zielgenauigkeit (Spezifität) und Empfindlichkeit (Sensitivität) auf. Das zeigt eine Veröffentlichung einer Arbeitsgruppe aus London und Oxford zum CovidNudge (in Englisch). Zur Zeit werden weltweit verschiedene Antigentests geprüft, so auch von der Arbeitsgruppe von Prof. Drosten an der Charité in Berlin. Man hofft, dass sie in Kürze verfügbar sind.

Mit dem Lüften wollen wir die Tröpfchen mit Virusinhalt nach draußen vertreiben. Dort haben die Viren unter UV-Strahlung und anderen ungünstigen Bedingungen keine günstigen Bedingungen mehr. Quelle: pixabay, Alexas Fotos

Auch in Baden-Württemberg zeigt sich mancherorts „nachlässiges Freizeitverhalten“, weswegen auch hier die Infektionszahlen mit dem Coronavirus zunehmen. Das sind beängstigende Nachrichten für Eltern, deren Kinder in der Kita oder in der Schule sind. Das Verhalten junger Menschen in Bars oder Clubs können sie nicht ändern. Das ist anders beim Faktor „Lüften“. Bis diese Woche konnten öffentliche Räume bei herrlichem Wetter leicht gelüftet werden. Das ändert sich nun. Eltern sollten nachfragen, wie in Schulen und Kitas die Lüftung auch im November oder Februar sichergestellt werden kann. Noch einmal Prof. Drosten im Berliner Tagesspiegel auf die Frage Ist Lüften wichtiger als Händewaschen? „Ja, das ist es, nach Datenstand“.

Mit dem Herbst kommen pünktlich einige Infektionen zurück. Besonders häufig sind das Racheninfekte meist mit Schnupfen: „Schnupfensaison“. Einige dieser Infekte der oberen Atemwege steigen etwas ab und führen auch schon mal zum Krupphusten. Alle Eltern, die bei ihrem Kind diese Krankheit bereits erlebt haben, sollten darauf vorbereitet sein, wenn der Krupphusten – meist ganz plötzlich – eintritt.

Magen-Darm-Infektionen gibt es teilweise auch in Kombination mit einer Racheninfektion. Das weist auf die Adenoviren hin, die zu den „üblichen Verdächtigen“ in dieser Jahreszeit gehören.

Bei den Kinderkrankheiten bleibt alles wie letzte Woche: Wenige (4) Neuerkrankungen an Keuchhusten in Baden-Württemberg sowie – gegenüber der Vor-Corona-Zeit – die Hälfte bei den Windpockenerkrankungen. Glücklicherweise kein Mumps und keine Masern.

Bällebad – purer Spaß für Kinder Quelle: ptw

Heute möchte ich Ihnen planet4kids media vorstellen. Mit diesem Label verbinden sich Projekte, die zur Gesundheit und Wohlbefinden von Kindern weltweit beitragen wollen. Zwei Projekte sind bereits ohne finanzielle Hilfe von außen abgeschlossen. Das eine ist die VAVANY-Studie, die im Jahre 2009 in Antananarivo (Madagaskar) durchgeführt wurde. Das andere ist die MAKI-Studie, die ich Ihnen in der letzten Woche im praxisblättle kurz vorgestellt habe. Beides sind Projekte, für die sich auch in Zeiten großartiger Gesten von Firmen und bekannten Persönlichkeiten keine finanziellen Unterstützer finden.

Das dritte Projekt – und darum geht es heute – ist Ihr praxisblättle. Im Frühjahr, kurz bevor die Pandemie unser Leben veränderte, haben viele der praxisblättle– Leser in unserer Umfrage ihre Bereitschaft erklärt, uns auch finanziell zu unterstützen. Das hat uns sehr gefreut und uns Mut gemacht. So können wir weiterhin – wie schon seit 25 Jahren – dieses Format ohne Werbung beibehalten. Unterstützen können Sie uns ganz klassisch per Überweisung (planet4kids media, Fidor Bank AG,  DE97 7002 2200 0020 4770 40, FDDODEMMXXX; Stichwort „praxisblättle“; Die Kontodaten finden Sie künftig auch auf unserer Homepage). Oder Sie nutzen Patreon, über den Sie uns einen kleinen Betrag monatlich spenden.

Welche Kosten fallen für die Erstellung des praxisblättle an (wichtigste Posten)?

  • Fotographie. Manche Bilder müssen eingekauft werden
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Was geht in der Welt rum? In diesem Jahr hat das West-Nil-Fieber den Süden Europas in einem Ausmaß erreicht, dass bisher unbekannt war. Nach 4 Jahren Pause, kam es in Spanien zu einem Ausbruch. Zunächst mit 6 Erkrankten in Sevilla. Inzwischen sind in der südlichen Nachbarschaft in Cádiz 61 Personen daran erkrankt, von denen 5 verstorben sind. Das bei weitem schlimmere Übel aber bleibt für Spanien COVID-19. Allein in der letzten Woche sind daran laut spanischem Gesundheitsministerium  517 Personen verstorben (Stand 23.09.2020)

Das regnerische Wochenende lädt zu gemütlichen Stunden zuhause ein. Ich wünsche Ihrer Familie viele lustige gemeinsame Stunden, sei es beim Bücherlesen oder Kochen oder anderen kreativen Familienevents, Ihr

Was geht rum? 19. September 2020

Im September sind die gemeldeten Fallzahlen für das Corona-Virus in Baden-Württemberg spürbar angestiegen. Das beunruhigt viele. Viele beunruhigt noch mehr, dass  manche nichts mehr beunruhigt. Verwirrend sind für viele auch die Botschaften von Wissenschaftlern.  Wir bekommen oftmals einzelne zugespitzte Sätze zu lesen, die verwirrend sind. Liest oder hört man aber zu, wenn die Virologen ihre komplexen Inhalte erläutern dürfen – mit mehr als einen Satz -, dann sind die Unterschiede gering. Eine Botschaft scheint mir zu sein: In der Bevölkerung breitet sich das Virus zunehmend aus (sog. Perkolation), um dann möglicherweise plötzlich überzuschwappen. Beweise gibt es keine, aber einige Faktoren sprechen dafür, dass die Lage besser beherrscht aussieht als sie es ist.

Anteil der SARS-CoV-2 Fälle in Baden-Württemberg nach 10-Jahres-Altersgruppe. Quelle: LGA Baden-Württemberg

Wir sollten also nicht sorglos sein. Für Sie als Eltern dürfte interessant sein, dass der Nachweis für das SARS-CoV-2 bei den Kindern und Jugendlichen von 0-20 Jahren (in der Graphik: beide unteren, grauen Spalten) in den letzten 12 Wochen – relativ zu den anderen Altersgruppen – deutlich höher lag, als zu Beginn der Pandemie. Auch wenn diese jungen Menschen kaum schwer krank werden, tragen sie vielleicht mehr zur Verbreitung des Virus bei als gedacht. Bleibt zu hoffen, dass die Schulen und Kindergärten im weitgehenden Regelbetrieb für alle Kinder offen bleiben. Das ist wichtiger als andere neu erlaubte Lebensfreuden.

Seit Monaten finden Studien zu Coronatests mit Speichelproben statt Nasen-Rachen-Abstrichen statt. Der große Vorteil wäre, dass sie gerade bei Kindern einfach durchzuführen wären. Aber wie gut sind diese Tests? Erste Ergebnisse im direkten vergleich bietet die Studie von Lisa Caulley und Mitarbeitern (in Englisch) aus Ottawa und Halifax in Kanada. Darin untersuchten sie 1939 asymptomatische Personen mit den handelsüblichen Nasen-Rachen-Abstrichen sowie mit Speicheltests. Sie fanden 70 Personen mit Nachweis des SARS-CoV-2. Übereinstimmend positiv war der Test nur bei 48,6%, während er in 31.4% nur positiv beim Rachenabstrich bzw. 20% nur positiv im Speicheltest war. So charmant die Anwendung von Speicheltest gerade bei Kindern wäre, es besteht offensichtlich noch weiterer Forschungsbedarf.

Ansonsten das gleiche Bild wie schon in den letzten Wochen: Kaum Infekte. Kaum Kinderkrankheiten, nur vereinzelte Magen-Darm-Infektionen. In der letzten Woche kam das Coronavirus in Schulen und Kindergärten vor. In Banden-Württemberg mussten aber nur 17 Klassen – keine Schulen! – in zweiwöchige Quarantäne gehen. Allermeist werden diese Infektionen im familiären Umfeld erworben und in die Schule oder die Kita hinein getragen. Bislang kein Grund zur Sorge.

Was geht in der Welt rum? Viele Deutsche reisen noch in sog. Risikoländer. In die Demokratische Republik Kongo wird es aber nur weniger verschlagen. Dort gibt es wieder einen Ausbruch des Ebola hämorrhagischen Fiebers im Nordwesten des Landes. Es wurden seit Juni 115 Fälle bestätigt, 48 Menschen sind an Ebola seither verstorben. Ebola hat immer wieder lokal begrenzte Ausbrüche. Bleibt für das gebeutelte Land zu hoffen, dass auch dieser Ausbruch begrenzt bleibt und bald abklingt.

Genießen Sie zusammen mit Ihrer Familie nochmals ein sonniges und fast sommerliches Wochenende,

Ihr

Was geht rum? 12. September 2020

Noch zwei Tage und die Schule beginnt wieder im Regelbetrieb. Endlich besteht wieder die Hoffnung, dass Kinder und Jugendliche einen Alltag fern von Begrenzungen erleben können: Freunde sehen, gemeinsam mit ihnen etwas erleben und nebenher noch etwas lernen. Hoffen wir mal, dass so manche Corona-Querschüsse von Massenveranstaltungen diese Freiheit für die Kinder nicht so bald beenden.

Infekte bei Kindern und Jugendlichen finden im Moment ja kaum statt. Das wird sich in den nächsten Monaten vermutlich langsam ändern. Mit der großen Belastungsprobe müssen wir erst zu Beginn des kommenden Jahres rechnen. Der herbstliche Schnupfen von Kindern – das hat das Sozialministerium ja schon klar gemacht – ist in Bezug auf das Coronavirus in aller Regel unproblematisch. Zumindest, wenn alle Beteiligten keine Panik schieben und Schulen und Kitas nicht komplett geschlossen werden.

Infektionen sind momentan nahezu keine unterwegs. Selbst bei den Kinderkrankheiten gibt es nur Windpocken sowie insgesamt 3 Erkrankungen an Keuchhusten in ganz Baden-Württemberg. Grund genug, dieses herrliche Wochenende entspannt zu genießen.

Eine aktuelle Untersuchung hat einen interessanten Aspekt aufgegriffen: Um das Coronavirus zu bekämpfen haben Wissenschaftler um Manuela Buonanno aus New York eine neue Möglichkeit beschrieben, die Inaktivierung des Virus mit UV-Strahlen. Ausgehend von Versuchen an Grippeviren und den harmlosen Coronaviren HCoV-229E und beta HCoV-OC43 zeigten sie dass auch das neue Coronavirus (SARS-CoV-2) auf diese Weise erfolgreich bekämpft werden könnte.

Was muss beim Tragen von Masken beachtet werden? Kurz und knapp illustriert das die Zusammenfassung des CDC (Centers for Disease Control and Prevention; in Englisch).

Was geht in der Welt rum? Im südlichen Europa, von Spanien über Griechenland und Italien bis Rumänien tritt vermehrt das West-Nil-Fieber auf. Eigentlich betrifft es im Wesentlichen Vögel, kann aber auch den Menschen befallen. Die Übertragung erfolgt durch Stechmücken. In Deutschland wurde vorm Tropeninstitut bestätigt, dass der Erreger auch bei vier Blutspendern gefunden wurde, die aber symptomlos blieben.

Die Kinder haben das Glück, dass ihre Ferien bis zuletzt sommerliches Wetter brachten. Ich wünsche alle viel Spaß in der Natur, ob im eigenen Garten, im Schwimmbad oder in den Bergen. Erstmals schaffen es die Pollen – mangels Masse –  an solch schönen Tagen nicht, die Allergiker zu ärgern.

Ihr

Was geht rum? 05. September 2020

Im September kommt jedes Jahr der erste Impfstoff gegen Influenza (Grippeimpfstoff) auf den Markt. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), das in Deutschland für die Sicherheit der Impfstoffe steht, hat vor wenigen Tagen 13,6 Millionen Impfdosen freigegeben. Schon äußern sich erst Stimmen zu diesem Thema. Gesundheitsminister Spahn rät zur Grippeimpfung auch bei Kindern, es sei  genügend Impfstoff da.

In diesen Tagen sind unsere Kinder so gesund wie noch selten. Das hängt mit der Jahreszeit zusammen. Und mit dem Abstand, den Hygieneregeln und dem Mund-Nasen-Schutz – kurz, den AHA-Regeln. Die schützen nicht nur vor dem Coronavirus, sondern vor vielen anderen Erregern ebenso. Der September ist also günstig, um sich und seine Kinder für schwierige Zeiten zu rüsten. Das heißt in in diesem Fall, an die Impfungen zu denken. Drei Aspekte sind besonders interessant:

Erstens. Die Masern-Mumps-Röteln-Impfung, MMR-Impfung. Die AHA-Regeln haben dazu geführt, dass über vier Monate in Baden-Württemberg keine einzige Masern-Infektion auftrat. Das wird sich ändern, wenn wir näher beieinander sein werden, wie in der Schule oder der Kita. Also unbedingt jetzt nachsehen, ob Ihre Kinder zweimal gegen MMR oder noch besser MMRV (mit Varizellen = Windpocken) geimpft sind.

Zweitens. Der Schutz gegen Keuchhusten hält immer nur wenige Jahre, muss also mehrfach aufgefrischt werden. Vor der Einschulung, wenn Kinder bald mit neuen Klassenkameraden zusammen kommen, macht es Sinn den Schutz zu erneuern, zusammen mit Tetanus und Diphtherie als sog. TdaP. Auch der Keuchhusten wird wieder vermehrt auftreten, wenn der reguläre Schulbetrieb startet. Und den wünschen sich alle.

Drittens. Jetzt sind wir wieder bei der Grippeimpfung. Alle denken dann an die Risikogruppen und meinen die über 60-Jährigen, die unbedingt geimpft sein sollten. Die tun sie aber nur zu etwa 35%, wobei über die letzten 10 Jahre diese Quote sogar weiter absank. Ebenso sollte man auch an die Kinder denken, die alle von dieser Impfung profitieren und damit – nebenbei – auch die älteren Menschen wie Oma und Opa schützen. In Baden-Württemberg ist die Grippeimpfung ab dem 6. Lebensmonat empfohlen (Sozialministerium), so wie es die WHO empfiehlt. Der wohl beste Zeitpunkt für diese Impfung ist im Laufe des November. Damit reicht der optimale Schutz bis in den März des folgenden Jahres hinein.

Nein, im Moment blühen keine Krokusse. Es sind die zarten Blüten der Herbstzeitlose, die wir sehen. Leider giftig! Quelle: ptw

Neben vereinzelten harmlosen Atemwegsinfekten gibt es nur wenige bedeutsame Infektionen. Im ganzen Ländle erkrankten in dieser Woche drei Personen an Keuchhusten, keine an Masern. Die FSME ist trotz der zuletzt kühlen Temperaturen noch mit neun Neuerkrankungen vertreten. Mit insgesamt 294 FSME-Fällen in diesem Jahr sind die Zahlen mehr als doppelt so hoch. Im letzten Jahr waren es Anfang September noch 140 Menschen, die infiziert worden waren.

Das sommerliche Wetter dieser Tage führt doch noch einmal zu einem spürbaren Pollenflug: Spitzwegerich und Ambrosia. Für beide sind Allergien bei Kindern und Jugendlichen aber eher selten. Gleiches gilt auch für die Belastung mit Schimmelpilzsporen, die sich in den nächsten 2 Tagen verstärkt in die Lüfte schwingen dürften.

Was geht in der Welt rum? Urlaube in fernen Ländern finden im Moment kaum statt. Viele Familien aus Baden-Württemberg besuchen jedoch Österreich und die Schweiz. Und auch dort begegnen sie den Zecken. In unserem beschaulichen Nachbarland ist die Zahl der an FSME Erkrankten auf inzwischen 380 Personen (Ende August) angestiegen. Damit liegt sie bezogen auf die Einwohnerzahl deutlich höher als in Baden-Württemberg. Beim Wandern also trotz aller Idylle den kleinen Feind Zecke nicht vergessen.

Ich wünsche Ihnen ein sonniges Wochenende zwischen sommerlicher Hitze und herbstlichen Morgenstimmungen.

Ihr

Was geht rum? 29. August 2020

Noch zwei Wochen bis zum Ferienende. Urlauber mögen im Meer schwimmen oder Berge erklimmen. Eine zusätzliche tägliche Aufgabe für alle Reisenden bleibt die Beschäftigung mit den Bestimmungen um das Coronavirus.

Wenn Sie aus dem Urlaub zurück und wieder im Ländle sein sollten, stellt sich schnell die Frage: „Coronavirus und Schule/ Kita“. Bis es soweit ist vergehen noch zwei Wochen. Zeit, um einen Blick nach Köln zu werfen. Das Gesundheitsamt der Domstadt berichtet in einer Vorab-Veröffentlichung des Epidemiologischen Bulletin des RKI, dass in der Zeit vom 01. März bis 15. Juli in den Kölner Schulen 23 „Indexfälle“ auftraten. Das sind Kinder und Jugendliche, die mit dem Corona-Virus infiziert sind. Von ihnen haben sich 16 innerhalb der Familie und drei auf außerschulischen Veranstaltungen angesteckt (für die anderen 4 Schüler konnte die Quelle nicht eruiert werden). Die Ermittlungen führten zu 28 Kontaktpersonen, bei denen die Rachenabstriche (PCR-Tests) keine für die Schule relevanten Informationen ergaben. Diese und weitere bekannten Informationen über Coronainfektionen bei Kindern sprechen dafür, dass wir einen normalen Schulstart wagen können. Das sehen übrigens auch die amerikanischen Kinder- und Jugendärzte (AAP) so, die gerade einen ausführlichen Leitfaden für die Wiedereröffnung der Schulen (in Englisch) veröffentlicht haben. Dabei sollten wir immer an Voltaire denken: „Alle Menschen sind klug – die einen vorher, die anderen nachher.“

Wenn Ihr Kind krank werden sollte, erhalten Sie von der Krankenkasse Kinderkrankengeld. Pro Kalenderjahr und Kind können Sie für höchstens zehn Arbeitstage Krankengeld beziehen. Bei großen Familien mit drei oder mehr Kindern stehen höchstens 25 Tage pro Jahr zur Verfügung. Wenn beide Eltern arbeiten oder bei  Alleinerziehenden stehe doppelt so viele Tage zur Verfügung. Neu ist, dass infolge der Corona-Pandemie im Jahr 2020 jeweils fünf weitere Tage pro Elternteil (Alleinerziehende: weitere zehn Tage) gewährt werden können..

Die Blätter welk, aber die Früchte strahlen in der tiefstehenden Sonne: Eberesche. Quelle: ptw

Die Zeit der Pollen geht zu Ende, die Zeit der Früchte beginnt. Neben knackigen Äpfeln und saftig-süßen Trauben versuchen verschiedene Beeren auf sich aufmerksam zu machen. Einige davon sind giftig. Hier im praxisblättle gibt es dazu einige Beiträge. So z.B. zu den Tollkirschen, den Eiben und den Beeren des Pfaffenhütchens.

Infektionen sind immer noch selten. Auch von Kinderkrankheiten sind Kinder weitgehend verschont. Zwei neue Infektionen mit Keuchhusten und 49 Fälle mit Windpocken: Keine Masern, kein Mumps, keine Röteln.

Was geht in der Welt rum? Viele Menschen aus Süddeutschland besuchen gerne Italien. Nach den schlimmen Wochen im März und April ist dort die Lage in Bezug auf das Corona-Virus sehr gut – ohne dass dies bei uns so richtig wahrgenommen würde: In Italien sind laut der Europäischen Gesundheitsbehörde ECDC (in Englisch) über 14 Tage bezogen auf 100.000 Einwohner 16.5 Personen an COVID-19 erkrankt, in Deutschland in der gleichen Zeit 20.5 Menschen (Stand 26.08.2020).

Es gibt dort aber auch spezielle Krankheiten, die bei  kaum bekannt sind. So sind seit Anfang August 19 Erkrankungen mit dem West-Nil-Fieber-Virus aufgedeckt geworden, die in den Regionen Emilia-Romagna, Piemont und Lombardei auftraten. Die Ansteckung erfolgt über Viren, die von Stechmücken von einem Wirt zum nächsten übertragen werden. Konsequenter Mückenschutz ist die wirksamste Maßnahme.

Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende,

Ihr

 

 

 

Was geht rum? 22. August 2020

Mit hoher Sonneneinstrahlung steigen die Konzentrationen von Ozon in der Luft.. Ozon entsteht vorwiegend aus Stickoxiden und seine Konzentration ist gerade auch in Gebieten

Ozonbelastung gestern in Pforzheim. Quelle: ptw

mit sonst eher geringen Schadstoffwerten hoch. So kommt es, dass auf dem Lande die Werte meist höher sind als in den Städten. Mit der noch starken Sonneneinstrahlung am Donnerstag und Freitag stiegen die Werte erneut. Betroffen waren viele Orte im sonnigen Rheintal wie etwa Baden-Baden. Aber auch Pforzheim und Heilbronn zeigten leicht erhöhte Werte. Das Reizgas Ozon kann Kindern und Jugendlichen mit Atemwegserkrankungen wie Asthma bronchiale oder Mukoviszidose zusetzen. Die Zeit der Ozonbelastungen geht nun aber zu Ende. Wir sehen die Sonne schwächer und kürzer.

Viele Familien sind in Urlaub. Einige nutzen die Gelegenheit, um ihre Verwandten und Freunde in den Heimatländern zu besuchen. Kinder mit Familien reisen dabei meist mit dem Flugzeug, um die Belastung für Kinder gering zu halten. Aber wie hoch ist denn das Risiko sich im Flugzeug anzustecken? So ganz genau weiß das niemand. Eine gerade erschienene Studie kann jedoch Hinweise geben. Darin analysieren die Autoren um Sebastian Hoehl von der Universität Frankfurt am Main einen Flug vom März 2020, als noch keine Maskenpflicht beim Fliegen bestand. Wer die PDF-Datei herunterlädt kann in einer einfachen Graphik sehen, wie sich die Infizierten im Flugzeug verteilten. Welchen Effekt die Maskenpflicht heute hat, ist leider noch nicht klar belegt. Sinnvoll ist sie jedoch auch im Flugzeug.

Die übrigen Infektionen sind wenig bedeutsam. Selbst bei den Kinderkrankheiten besteht nur wenig Aktivität: Keuchhusten, Mumps und Masern traten in der letzten Woche jeweils einmal in ganz Baden-Württemberg auf. Paradiesische Zustände, die bald Vergangenheit sein dürften.

Ab diesem Wochenende haben es die Pollen schwerer, die Menschen im Land zu ärgern. Gestern noch im heißen Aufwind, kommen jetzt Wetterbedingungen, die nur leichte und kurzzeitige Pollenflüge zulassen. Die Allergiker können frei atmen.

In dieser Woche hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) den Vorschlag der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Instituts (STIKO) aufgenommen und das Impfschema für die Säuglinge vereinfacht. Bei vergleichbar gutem Impfschutz sind ab sofort statt bisher 3+1 nur noch 2+1 Impfungen für einen guten Impfschutz mit der Sechsfachimpfung (Diphtherie, Tetanus, Pertussis, Poliomyelitis, Haemophilus influenzae Typ b und Hepatitis B) erforderlich. Somit entfällt ein Impftermin. Vergleichbarer Schutz, ein Impftermin weniger – eine gute Sache.

Einige Länder sind schon soweit. In Baden-Württemberg liegt der Termin der Einschulung noch weit in der Ferne. Klar ist aber: Die Schul-Eingangsuntersuchungen der Gesundheitsämter sind der Corona-Pandemie weitgehend zum Opfer gefallen. Für Kinder, die regelmäßig zu den U’s – den kinderärztlichen Vorsorgeuntersuchungen – vorgestellt werden ist das kein Problem. Für die anderen, die oft mehrfach benachteiligt sind, kann das jedoch ernste Folgen haben. In den letzten Wochen haben viele Ämter die Eingangsuntersuchungen in geringem Umfang nachgeholt. Die Lücke kann aber bis zum Schulbeginn unmöglich geschlossen werden. Eine der schwerwiegenden Folgen eines unsichtbaren Virus.

Was geht in der Welt rum? Das Dengue-Fieber ist eine enorm bedeutsame Infektion, die vorwiegend in den Tropen vorkommt. Inzwischen sind Hitzewelle in Europa kaum eine echte Besonderheit mehr. So erstaunt es nicht, dass kürzlich die erste Infektion mit dem Dengue-Virus auch in Frankreich, in der Provinz Okzitanien ganz im Süden, erworben wurde.

Ich wünsche Ihnen ein heiteres Wochenende.

Ihr

Peter Th. Wolff

Was geht rum? 15. August 2019

Baden-Württemberg ist noch in den Ferien. In Berlin hat diese Woche der Unterricht wieder begonnen und es traten bereits 8 Coronaerkrankungen an den Schulen auf. Was haben wir im Ländle vom Corona-Virus zu erwarten, wenn der Unterricht in den Schulen oder die Betreuung in der Kindergärten bei uns wieder beginnen? Werden aus den Urlaubsländern Coronaviren zu uns getragen? Danach sieht es im Moment fast aus. Olaf Palme, früherer schwedischer Ministerpräsident kommt mir dabei in den Sinn:„Die Geschichte ist eine Schule, in der die Stundenpläne selten eingehalten werden.“ Versuchen wir aus den eignen und den Erfahrungen anderer zu lernen. Damit ein Stückchen Normalität für unsere Kinder zurückkommt.

Anteil der positiven Test auf das Coronavirus steigt in den letzten Wochen. Quelle: statista

Der Anteil der positiven Testergebnisse liegt inzwischen bei 1% bezogen auf die Gesamtzahl der durchgeführten Corona-Tests. Viele Gründe tragen dazu bei. Die Reiserückkehrer sind einer. Und die steigende Unachtsamkeit von uns allen ist ein anderer. In den Schulen oder den Kindergärten breitet sich das Coronavirus jedoch kaum aus. Wir sollten alles daran setzen, die Kindergärten und Schulen offen zu halten. Die Kinder sollten nicht länger darunter leiden, dass wir Erwachsene oftmals nicht vernünftig handeln. Dazu liegt auch eine klare Stellungnahme der kinderärztlichen Fachgesellschaften von letzter Woche vor. Dennoch ist in Berlin nach drei Tagen Unterricht bereits die erste Schule wieder geschlossen worden. Meine Meinung: Unsere Kinder sind uns wichtiger als Fußballspiele oder Urlaub in Risikogebieten. Was meine Sie?

Andere Erreger spielen bei den Infektionen kaum eine Rolle. Selbst die einfachen Infekte mit Schnupfen sind in den Urlaubsmonaten wieder selten geworden. Interessant ist, dass alle Magen-Darm-Infektionen weiterhin deutlich weniger auftreten als im letzten Jahr: Rotaviren – typisch für Kleinkinder – in diesem Jahr 406 Erkrankungen (2019: 1909), Noroviren 3836 in diesem Jahr (2019: 7582). Selbst die Salmonellen fürchten sich (2020: 756, 2019: 920 Fälle). Die AHA-Regel ist mühsam für die, die sich daran halten. Das scheinen im Ländle viele zu sein, sonst hätten wir keinen so guten Effekt bei all den anderen Infektionen. Danke an all diese freundlichen Menschen!

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) in Langen bei Frankfurt befasst sich unter anderem mit der Zulassung von Impfstoffen. Für uns KinderärztInnen ist das PEI schon immer eine wichtige Behörde. Durch die Corona-Pandemie ist ihre Bedeutung jedoch enorm gestiegen. Für alle, die mehr über Corona-Impfstoffe erfahren möchten hat das Institut inzwischen eine sehr hilfreiche Informationsseite hochgeladen. Die Frage „Warum gibt es noch keinen zugelassenen Impfstoff gegen SARS-CoV-2?“ stimmt leider nicht mehr. Russlands Führung hat ihrem Hang zu großen Gesten nachgegeben und eine wenig geprüften Impfstoff zugelassen. Ohne wissenschaftliche ausreichend Grundlage.

Gräserpollenflug am Oberrhein. Die aktuellen Zahlen von 2020 sind mit schwarzen Balken dargestellt, den Mittelwert der letzten 10 Jahre zeigt die graue Fläche. Das zeigt: früher Beginn der Gräserpollensaison, danach aber eher harmloser Verlauf.   Quelle: www.pollenundallergie.ch

Es ist sehr warm und schwül im Südwesten. Noch. Mit den spürbar kürzeren Tagen deutet sich an, dass der Sommer bald zu Ende gehen wird. Das zeigt sich auch beim Pollenflug. Wie jedes Jahr um diese geht die Zahl der Gräserpollen spürbar zurück. Bedeutsame Belastungen gibt es für Allergiker nur regional in der Nähe von Feldern oder beim Wetterwechsel.

Was geht in der Welt rum? Pollen gibt es nicht nur bei uns. Der Mittelmeerraum weist ein großes Spektrum von Pflanzen aus, die natürlich auch Pollen produzieren. Im Sommer ist der Pollenflug aber im Wesentlich auf Brennesselgewächse (Urticaceae) und Traubenkraut (Ambrosia) in der westlichen Türkei begrenzt. Und diese fliegen nur zeitweise. Gute Zeiten für Allergiker im sommerlichen Mittelmeerraum.

Sind Sie gerade noch im Urlaub? Die aktuellen Fragen für Reiserückkehrer nach Baden-Württemberg sind auf der Homepage des Landes beantwortet.

Ich wünsche Ihnen trotz aller schlechten Nachrichten ein entspanntes und erholsames Wochenende

Ihr

Peter Th. Wolff