Kategorie: Was geht rum?

Was geht rum? 18. September 2021

RSV-Infektionen: Prophylaxe ist bereits ab Oktober empfohlen

Coronaausbrüche in KiTas

Malaria in Afrika: Bessere Therapie für Kinder in Aussicht?

Tigermücke in Baden-Württemberg: Oberrhein, Stuttgart und nun Heilbronn

Die Tage werden kürzer, die Temperaturen gehen langsam zurück. Wir nähern uns also den Infektzeiten. Das stimmt nicht so ganz, denn eigentlich sind wir mittendrin. Die RSV-Infektionen haben in vielen Regionen der nördlichen Hemisphäre besonders Kleinkinder infiziert. So auch in Baden-Württemberg. Dementsprechend sind manche Richtlinien für die (passiven) Schutzimpfungen – man spricht besser von einer Prophylaxe –  gegen dieses Virus geändert und vorgezogen worden. Für Deutschland sollen die ersten RSV-Prophylaxen ab Anfang Oktober verabreicht werden. Schwere Verläufe der RS-Viren gibt es insbesondere für Kinder in den ersten beiden Lebensjahren und da ganz besonders bei Kindern mit Risiken (z.B. Frühgeborene, herzkranke Kinder). Nähere Einzelheiten erläutert ein Merkblatt der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin.

Eine neue Strategie gegen Malaria (in Englisch) zeigt gute Erfolge. Wie aus Burkina Faso und Mali bekannt wurde, konnte in einer Studie mit 6000 Kindern über 17 Monate die Häufigkeit an Malaria durch die Kombination eines Anti-Malaria-Mittels mit eine Malariaimpfung um 70% gesenkt werden.

In der letzten Woche kam es in 13 KiTas im Ländle zu Ausbrüchen von Corona-Infektionen. Davon waren zwischen 2 bis 9 Personen in den Institutionen betroffen. Unter den Schulen meldete nur ein einzige einen Ausbruch (mit 3 Infizierten).

Asiatische Marionetten. Foto: pixabay, Martine Auvray

Der Wahlkampf zum Bundestag findet zunehmend in medialen Arenen statt, mehr Show als Diskurs um politische Themen. Nun hat der Sender ProSieben eine Linie überschritten, als er 11-jährige Kinder als Interviewer einsetzte. An sich wäre das okay. Diesen Kindern aber Erwachsenen-Fragen über das Knöpfchen im Ohr zuzuschieben macht Kinder zu Marionetten. Als Erwachsene sollten wir Kinder in jedem Alter ernst nehmen. Respekt ist ein Wort, das im Wahlkampf häufiger fiel. Vielleicht sollten deswegen dem Sender und den Eltern der beiden Kinder die Frage gestellt werden, warum sie so entwürdigend handelten.

Was geht in der Welt rum? Die TigermückeAedes albopictus – ist längst nicht nur mehr in den Tropen anzutreffen. In Europa ist sie nicht nur in den Küstenregionen von Frankreich, Italien und Spanien sowie auf Sardinien und Korsika anzutreffen. In Deutschland wurde sie erstmals 2011 in Baden-Württemberg gesichtet. Am Oberrhein gibt es mehrere Populationen dieser gestreiften Mücke, die Erkrankungen wie das Dengue-Fieber verbreiten kann. So zum Beispiel im Stadtgebiet von Stuttgart, Ludwigsburg und – erstmals in diesem Jahr – auch in Heilbronn. Im Moment ist das Risiko von Krankheitsübertragungen durch die Tigermücke noch gering. Aber wärmere Wintermonate und heiße Sommer könnten das in den nächsten Jahren ändern. Der Klimawandel hat viele Gesichter.

Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie ein entspanntes Wochenende, ganz herzlich grüßt Sie Ihr

Was geht rum? 11. September 2021

Kleine Kinder, große Übertragung: Corona-Ansteckung im gleichen Haushalt

Kindergärten: Werden sie zu Infektionstreibern?

Coronaimpfungen bei Schwangeren

Erste Masernerkrankung in Baden-Württemberg seit März 2020

Nächste Woche ist Schulbeginn in Baden-Württemberg. In Bezug auf Coronainfektionen stellt sich da auch die Frage, wer in Haushalten eine Infektion am ehesten weiterverbreitet. Dazu liegt eine aktuelle Studie aus Ontario (Canada) vor in der untersucht wurde, wie oft infizierte Kinder ihre Umgebung ansteckten. Dazu wurden 6.280 Haushalte mit an Corona infizierten Kindern  vor Ausbruch des Deltavirus beobachtet. Im Vergleich zu Jugendlichen (14-17 Jahre) waren es die Kinder von 0-3 Jahren, die am häufigsten das Coronavirus übertrugen (1,43 Mal so oft wie die Jugendlichen), gefolgt von den 4-8-Jährigen (1,40 Mal so oft). Die Kinder, für die keine Impfung zur Verfügung steht tragen somit innerhalb der Familie besonders stark zur Verbreitung des Virus bei. Für Eltern und Geschwister ist es ratsam, andere Schutzmaßnahmen (eigene Impfung !, Maske, Abstand) zu ergreifen, um eine Ansteckung zu verhindern.

Die Lage in den Kindertagesstätten ist nochmals anders. Dort arbeiten in aller Regel deutlich jüngere Menschen, die seltener geimpft sind als beispielsweise Lehrer. Die Folgen erleben bereits viele Länder wie unsere Nachbarn in der Schweiz, deren Impfquote (nach Luxemburg) die zweitniedrigste in Europa ist.

Einstellung zu Coronaimpfungen in verschiedenen Ländern Ende August 2021. Foto: Economist

Die letzten Monate zeigen, dass Impfungen sehr gut vor schweren Krankheitsverläufen schützen. In den meisten Ländern sind über 90% der COVID-19-Erkrankten in Kliniken Ungeimpfte. Was alle Länder ebenfalls eint: Die Gruppe der Noch-Impfwilligen wird immer kleiner, außer in den armen Ländern, wo bisher kaum Impfungen ankamen.

Coronaimpfungen für Schwangere werden seit Monaten diskutiert. Dabei geht es zum einen darum, Schwangere zu schützen, die im Rahmen von COVID-19 ein deutlich erhöhtes Risiko tragen. Zum anderen besteht auch Hoffnung, dass Antikörper auf das werdende Baby übertragen werden und dort auch einen „Nestschutz“ vermitteln könnten. Die STIKO hat noch keine Impfempfehlung für Schwangere gegeben, diese sei aber in Arbeit. Ein Studie aus Israel zeigt nun, dass die Schutzwirkung für Schwangere sieben Tage nach der zweitem Impfung mit dem mRNA-Impfstoff von BioNTech/Pfizer bei 96% liegt.

Die Pollen haben sich inzwischen weitgehend verabschiedet, die Zecken noch nicht. Es bleibt weiterhin sinnvoll, sich und die Kinder abends auf die kleinen Spinnentiere zu untersuchen.

Aus dem Landkreis Böblingen wird die erste Erkrankung mit Masern seit 18 Monaten gemeldet.

Infekte treten unverändert auf. Die Mehrheit ist momentan nicht durch das Coronavirus ausgelöst sondern durch einen Topf von Viren, die man vereinfacht „Erkältungsviren“ nennt. Zu diesen zählen allerdings auch die „älteren Coronaviren“, die schon seit Jahrzehnten bekannt sind und die bei Kindern für etwa ein Viertel aller „Erkältungen“ verantwortlich sind.

Was geht in der Welt rum? Das Coronavirus hat praktisch jeden bewohnten Flecken der Erde erreicht, aber mit jeweils unterschiedlichen Folgen. Kuba, bekannt durch ein personell gut aufgestelltes Gesundheitssystem mit allerdings sehr begrenzten technischen Möglichkeiten hat sogar eigene Impfstoffe entwickelt: Abdala und Soberana. Diese stehen

Ich wünsche Ihnen einen schönes Wochenende und den Kindern einen munteren Start in den Schulalltag, herzlichst, Ihr

Was geht rum? 04. September 2021

Schüler von Impfgegnern bedroht   

Luftfilteranlagen: Ja, aber!

Coronaausbruch in einer Schule trotz Masken und Luftfilter

Körpergewicht von Kindern in Zeiten der Pandemie

Wie geht’s an den Schulen weiter in der vierten Pandemiewelle? Klar wäre es ideal, wenn sich die Erwachsenen an die – nicht verschnupfte – Nase fassen und zum Wohle der Kinder impfen lassen würden. Aber das wird vermutlich nicht so kommen. Denn viele Impfgegner leben im Protest gegen Impfbefürworter, den Staat oder Bill Gates. Warum auch immer. Und sie  ignorieren die Kinder, die durch Schulschließungen im letzten Jahr dafür gesorgt haben, dass die Älteren unter ihnen überhaupt noch leben. Das haben die Impfgegner aber schon vergessen.

Ach so, da gibt’s ja noch die Lüftungsanlagen. Deren Beschaffung ist aus technischen (Geräteprüfung), finanziellen (nicht billig – wer bezahlt?) und politischen Gründen (alle Schulen/ KiTas sollen gleichbehandelt werden, Antwort in Berlin: keine bekommt einen Luftfilter) ein mühsames Unterfangen. So kann man sich gerne Lorenz Maroldt vom Tagesspiegel in Berlin anschließen: „Lieber die Lüftungsanlage an der Wand als die Spritze auf dem Dach.“

Oder vielleicht doch nicht? Das legt eine Beobachtung an einer Grundschule bei San Francisco im Zusammenhang mit dem Delta-Virus nahe. Eine Lehrerin an dieser Grundschule unterrichtete 24 Kinder, obwohl sie selbst Symptome von COVID-19 hatte und zwei Tage später auch als erkrankt getestet wurde. An dieser Schule bestand Maskenpflicht für alle, also auch für alle Kinder. Alle Klassenzimmer waren mit einer mobilen Lüftungsanlage ausgestattet und die Kinder saßen an Einzelbänken mit einem Mindestabstand von fast 2 Metern (6 feet). Die Impfquote (vollständig Geimpfte) in der Region betrug zu dieser Zeit enorme 72%. Dennoch kam es zu einem Ausbruch mit Coronainfektionen, nachdem die Lehrerin für eine kurze Zeit die Maske abgenommen hatte, um den Kindern laut vorlesen zu können: Unter den 22 ungeimpften Kindern wurden in der Folge 12 positiv getestet. In den ersten beiden Tischreihen waren sogar 80% der Kinder infiziert. Trotz idealer Bedingungen (Maskenpflicht, Abstandsregeln, Luftfiltersystem, Lüftung) wurden durch das laute Vorlesen der Lehrerin 55% der getesteten Schüler infiziert. Warum hatte dieser Mix an Maßnahmen  so wenig Wirkung?

Hamburger – manchmal auch in schwäbisch ummantelt mit Laugenweckle – sind für viele eine ständige Versuchung. Foto: ptw

Daheimbleiben statt In-die-Schule-Gehen wirkt sich nicht nur auf die Stimmung zuhause oder die Bildung aus. In vielen Fällen fällt auch Bewegung weg. Welches Kind rennt schon alleine im Lockdown um den Wohnblock? Gerald Jarnig am Grazer Institut für Bewegungswissenschaften hat sich in einer zufällig entstandenen Studie (in Englisch) auch der Frage des Körpergewichts in Zeiten der Pandemie gewidmet. Kurz und schwerwiegend: Bei den 760 Mädchen und Jungen zwischen 7 und 10 Jahren zeigte sich ein Übergewicht/Fettleibigkeit vor der Pandemie in 20,3% der Kinder. Im September 2020 waren es bereits 24,1 Prozent, somit ist die Gruppe der Übergewichtigen in einem Jahr um 20% größer geworden. Dazu hier für alle Interessierten auch ein Kommentar aus dem amerikanischen Ärzteblatt (JAMA; in Englisch).

Einzig verlässlich sind im Moment nur die Infektionen: Viele „Erkältungskrankheiten“ im Spätsommer, kaum Kinderkrankheiten seit einem Jahr und zum Glück wenig schwere Infektionen. Die Ruhe vor dem Sturm? Fast sieht es so aus im Beginn der 4. Pandemiewelle, der sich vielleicht die Influenza und die RS-Viren und eventuell noch einige andere Infektionen anschließen werden. Eine Gefahr besonders für Kinder von 6-12 Jahren, die ja weiter zur Schule gehen „sollen dürfen“. Da mag man nur rufen: Ungeimpfte, denkt auch an die Kinder!

Was geht in der Welt rum? In Madagaskar ist – fernab jeder Idylle – wieder die Lungenpest auf dem Vormarsch. Aus der kleinen Stadt Miandrandra südlich der Hauptstadt Antananarivo werden 7 Todesfälle gemeldet. Mittlerweile wurden 960 Kontaktpersonen identifiziert und isoliert. Die Pest sucht die viertgrößte Insel in Trockenperioden regelmäßig heim. Dann begeben sich die Ratten auf der Suche nach Nahrung näher an die Hütten der Menschen. Und mit ihnen auch die infizierten Flöhe, die dann den Erreger auf Menschen übertragen. Deswegen ist es in Madagaskar auch schwierig, den Ausbruchsherd überhaupt zu identifizieren und zu isolieren. So kommt es jedes Jahr zu Pestausbrüchen mit oft mehreren Hundert Todesfällen.

Das Wochenende verspricht Sonne und angenehme Wärme. Viel Spaß wünsche ich allen Familie, herzlichst Ihr

Was geht rum? 28. August 2021

Winterinfekte: Corona, Erkältungsviren, Influenza, RSV – eine heiße Mischung

Das spezielle Risiko der unter 2-Jährigen: RS-Viren

Keuchhusten: Zeitgerechtes Impfen schützt besser

Masern: Corona führt zu Ausbrüchen in Afrika

Der Sommer geht langsam in den Herbst über. Neben den Coronainfektionen gibt eine Reihe weiterer Erreger, die sich zurückmelden. Da sind einmal die Erkältungsviren, die über die Kindergärten – und die Eltern der Kinder – verbreitet werden. Mit dem Fallen der Masken und der Abstände werden vermutlich auch die Grippeviren (Influenza) wieder an Bedeutung gewinnen. Im letzten Winter spielten sie ja keine Rolle. Aber wie hat sich deren krankmachende Wirkung inzwischen verändert? Wie meldet sich das Influenza-Virus nach der Pause zurück? Wir wissen es im Moment nicht. Ebenso – wie jedes Jahr um diese Zeit – ist unklar, wie gut eine Grippe-

RSV-Virus. Foto: niaid.nih.gov

Impfung schützen wird. Für die Kleinsten spielt ein weiterer Erreger eine enorme Rolle: Die RS-Viren. Diese befallen zumeist Kinder unter 2 Jahren und können bei diesen schwere Erkrankungen wie die Bronchiolitis auslösen. Der Lockdown hat dies über die letzten beiden Winter verhindert. Nun gehen Kinder im Alter von bis zu 2 Jahren in einen Winter, ohne diesem Erreger etwas entgegenzusetzen haben. Das könnte im schlimmsten Fall zur Überbelastung der Intensivstationen führen – in den Kinderkliniken. Viele Kliniken bereiten sich schon vor.

Da uns also vermutlich ein Bündel von Erregern ins Haus stehen wird, werden Testungen wieder wichtig werden: Testung auf Influenza-Viren, auf RS-Viren, aber eben auch auf Corona-Viren. Es kann nur so kommen, dass auch letztere wieder kostenlos werden. Anders kann man die infektiologische Herausforderung medizinisch nicht beherrschen. Bessere Ideen sind also gefragt, die Elterngeneration von Kindern und Jugendlichen zur Impfung zu motivieren.

Apropos Impfungen. Amerikanische Daten haben gezeigt, dass es zeitgerechtes Impfen für einen guten Schutz gegen Keuchhusten wichtig ist. In einer großen Studie mit 316.404 Kindern konnte gezeigt werden, dass verspätete Impfungen mit DTaP (Diphterie-Tetanus-azellulärer Pertussis) das Risiko für Keuchhusten (Pertussis) bis 4,8-fach erhöht. Im Moment sind Kinder wenig von Infekten betroffen, was gute Gelegenheiten für Impfungen eröffnet.

Auch in dieser Woche spielen Infekte keine so große Rolle in Baden-Württemberg. Selbst bei den Kinderkrankheiten ist zum Glück wenig los: einzelne Erkrankungen mit Windpocken (43) und nur ein einziger Fall von Keuchhusten.

Was geht in der Welt rum? In Afrika drohen Ausbrüche von Masern. Ursache hierfür ist die Coronapandemie. Wie die WHO mitteilt, sind in 15 Ländern Afrikas die Impfungen gegen Masern verschoben worden. In der Folge haben 16,6 Millionen Kinder zwischen Januar 2020 und April 2021 keine Impfung erhalten. Hohe Risiken bestehen besonders in Gabun, Angola, Guinea und in Kenia. Erste Masernausbrüche traten bereits auf. Masern sind sehr gefährlich. In Deutschland tritt auf etwa 2000 Infektionen ein Todesfall auf, in allen Ländern Afrikas liegt diese Zahl deutlich höher. Die Coronamaßnahmen verschlimmern fast überall das Risiko für Kinder. Das gilt für die Gesundheit, die Bildung (Schulen oft geschlossen) und die immer größer werdende Armut. Coronainfektionen selbst sind für viele jüngere Menschen in Afrika streng genommen kein Problem.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Kindern engagierte Lehrer, die es trotz widriger Rahmenbedingungen schaffen, einen ganz „normalen“ Präsenzunterricht zu realisieren. Ganz herzlich grüßt Sie Ihr

Was geht rum? 21. August 2021

Coronaimpfung für Kinder: Wichtig für Bildung und soziales Leben

Coronaimpfung für Kinder: STIKO spricht Empfehlung aus

Corona und Erkältungen bei jungen Erwachsenen

Ebola in Côte’d Ivoire

Traumstrand. Foto: pixabay, Sinousxl

Manche Traumstrände sind in diesen Ferien wieder erreichbar. Strände zu Träumen. Einfach daliegen, während die Gedanken davonfliegen. Zum Beispiel der Traum von offenen Schulen im Ländle, was eigentlich der Normalzustand sein sollte. Ob die Politik das in diesem Winter schafft? Dann muss sie einigen Erwachsenen auch klar machen, dass seit vielen Wochen Impfungen für Erwachsene frei verfügbar sind oder den Menschen fast aufgedrängt wurden. Es besteht also kein Grund mehr, Kinder für die Sorglosigkeit oder Verschwörungsgedanken der Älteren in Haft zu nehmen. Ein klares Bekenntnis der Politik wäre wünschenswert. Man denkt an Kurt Tucholsky: » Das erste der zehn Gebote sollte heißen: Tue, was du predigst. «

Wer? Wie? Was? Warum? Kinder stellen Fragen, sie wollen die Welt um sich herum verstehen und gestalten lernen. Sie wollen Bildung. Diese Bildung haben wir Erwachsene ihnen über 1 1/2 Jahre weitgehend verwehrt, um unsere alten Menschen zu schützen. Inzwischen ist die Großelterngeneration zu über 80% durchs Impfen geschützt. Es ist an der Zeit, dass die Schulen so ausgerüstet werden, dass diese Pandemie keine weiteren Einschnitte mehr für Schüler auslöst. Jedem ehemaligen Schüler ist bekannt, dass die Corona-Maßnahmen in den Unterrichtspausen ausgesetzt wird – keine Abstände, kaum Masken. Kinder erfahren sich gegenseitig, treten aus der Einsamkeit der Elternwohnung heraus und wollen einfach leben. Soziales Leben ist ebenso wichtig wie die Bildung. Solange die Elterngeneration nicht für bessere Impfquoten sorgt, sollten Kinder und Jugendliche auch die Chance haben, sich impfen zu lassen. Bei dieser Entscheidung sollten sie eine zentrale Rolle spielen.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat sich zu Beginn dieser Woche entschlossen, die Corona-Impfung von Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren zu empfehlen. Das 18-köpfige Gremium kam zur Überzeugung, „dass nach gegenwärtigem Wissensstand die Vorteile der Impfung gegenüber dem Risiko von sehr seltenen Impfnebenwirkungen überwiegen“. Bleibt zu hoffen, dass in Baden-Württemberg die Politik die verbliebene Ferienzeit nutzt, um den Start ins neue Schuljahr möglichst glatt hinzulegen. Das umfasst Planungen, wie Schulausfälle auch bei hohen Inzidenzen verhindert werden können: Von Lüftungskonzepten bis hin zu Mutmachern, die jetzt empfohlene Impfung mit den mRNA-Impfstoffen auch wahrzunehmen.

Meldezahlen von COVID-19 nach Altersgruppen und Woche. Foto: Wochenbericht des RKI

Die vorgezogenen Erkältungskrankheiten der Kinder schreiten weiter fort. Die meisten sind unspezifische Infekte, wie sie in den Herbstmonaten auftreten, wenn sich die Menschen wegen der Kälte in die Wohnungen zurückziehen. Diesmal ist zwar Sommer, aber die Abstände und Nasen-Mund-Masken fallen. So haben auch die banalen Infekte wieder ihre Chance, Opfer zu finden. Wie die obenstehende Graphik des RKI zeigt, ist die Häufigkeit an Corona zu erkranken bei Jugendlichen und junge Erwachsene (15 – 29 Jahre) am höchsten – eine Gruppe, die viele enge Kontakte hat, aber offensichtlich zu wenig geimpft ist. Die Infekte könnten von den Kindern unter 4 Jahren kommen, die kaum Symptome haben, aber – so zeigt es eine Studie aus Ontario – zu fast 50% häufiger die Überträger innerhalb ihrer Familien sind als die Jugendlichen.

Was geht in der Welt rum? Seit über 25 Jahren wird aus Côte’d Ivoire der erste Fall einer Erkrankung mit dem hochgefährlichen Ebolavirus gemeldet. Es handelt sich um eine 18-jährige Frau, die aus dem benachbarten Guinea in die Hauptstadt Abidjan gereist war. Es bleibt zu hoffen, dass es in der 4-Millionen-Stadt nicht zu einem Ausbruch kommt. Das Ebolavirus wurde erstmals 1976 identifiziert. Nach den schweren Ausbrüchen in Westafrika zwischen 2014 und 2016 wurden inzwischen wirksame Impfstoffe entwickelt. Seit 2019 hat ein Impfstoff der Firma Merck eine Zulassung aus den USA und der EU. Die Impfungen in Abidjan haben begonnen.

Ich hoffe, es gelingt Ihnen trotz der diversen „Brandmeldungen“ aus aller Welt ein ruhiges und entspanntes Wochenende zu verbringen.

 

Was geht rum? 14. August 2021

Meist leichte COVID-19-Verläufe bei Kinder – aber nicht jeder Infekt ist Corona

Schwangere: CDC empfiehlt Coronaimpfung für alle Schwangeren

Masern, Meningokokken und Keuchhusten weiterhin selten

Pollenflug geht langsam zu Ende

 

Die Rolle der Kinder in der Pandemie erhellt eine neue Studie aus Großbritannien. Darin untersuchten die Forscher um Erika Molteni 258.790 Kinder im Alter von 5 bis 17 Jahren, die Symptome einer Coronainfektion zeigten. Der Verlauf wurde mittels einer App verfolgt. Insgesamt wurden 75.529 Corona-Tests durchgeführt, von denen 1.734 positiv ausfielen. Häufigste Krankheitszeichen waren Kopfschmerz (62,2 %) und Müdigkeit (55 %). Die Erkrankungen dauerten im Durchschnitt bei positiv getesteten 6 Tage, bei negativ Getesteten nur 3 Tage. Manchen Kinder zeigten längere Verläufe. Nach 56 Tagen lagen bei den allermeisten keine Beschwerden mehr vor. Interessanterweise kamen lange + schwere Krankheiten besonders bei negativ getesteten Kindern vor. Wie bewerten wir die Studie? COVID-19 verläuft bei Kindern leichter. Und, nicht alles was wie eine Coronaerkrankung aussieht ist auch eine. Testungen bleiben wichtig. Besonders im kommenden Winter.

Schwangerschaft. Foto: pixabay, contato1034

Viele Eltern überlegen, weitere Kinder zu bekommen. Wenn da nicht Corona-Infektionen drohen würden. Und diese führen gerade in der Schwangerschaft nach neuen Erkenntnissen vermehrt  zu schweren Komplikationen. Sollten sich Schwangere impfen lassen? Die amerikanische Gesundheitsbehörde CDC (in Englisch) hat sich klar positioniert: Sie empfiehlt COVID-19-Impfungen in der Schwangerschaft: „COVID-19 vaccination is recommended for all people aged 12 years and older, including people who are pregnant, breastfeeding, trying to get pregnant now, or might become pregnant in the future.“ Die deutsche STIKO lässt Impfungen in der Schwangerschaft zu, gibt aber keine Empfehlung zur Impfung.

Der Pollenflug geht rasch zu Ende. Noch sind Pollen von Spitzwegerich, Beifuß und auch Gräsern in den Lüften. Aber die Menge der Pollen nimmt spürbar ab. Probleme für die Atemwege bestehen nur noch für schwer von Allergien Betroffene. Für alle anderen ist die Pollensaison zu Ende.

Inzidenz von Meningokokkenerkrankungen in den USA. Die größte Häufigkeit betrifft Kinder vor dem ersten Geburtstag. Foto: CDC

Viele schwerwiegenden Erkrankungen für Kinder sind in diesem Jahr noch immer selten. Ganz vorne der Keuchhusten (Pertussis) mit bislang 123 Fällen in diesem Jahr, der im letzten Jahr 6 Mal häufiger auftrat. Gleiches gilt für die Erkrankungen mit Meningokokken (Sepsis („Blutvergiftung“) bzw. Hirnhautentzündung), von denen in diesem Jahr neun registriert wurden (2020 zur gleichen Zeit: 28). Dass Masern und Mumps ebenfalls selten auftreten ist den Lesern des praxisblättle gut bekannt.

Die Erkältungsviren machen aber durchaus schon die Runde, auch wenn die Sommer-Wetterlage eine massive Ausbreitung begrenzt. Ob der Schnupfen oder Husten aber nicht doch vom Coronavirus ausgelöst wurden, kann nur durch Tests geklärt werden. Für den kommenden Winter bleiben Coronatests ein zentrales Werkzeug für Kinder- und Jugendärzte.

Was geht in der Welt rum? Mit den höheren Temperaturen kommt auch das West-Nil-Fieber im Mittelmeerraum vor. Aus Griechenland  (Bezirk Imathia und Pella in Zentralmakedonien) und Italien werden Fälle gemeldet. Die Erkrankung betrifft meist Vögel, Menschen erkranken aber nach Übertragung durch eine infizierte Stechmücke auch vereinzelt. Impfung gibt es keine. Die einzig mögliche Maßnahme das West-Nil-Fieber zu verhindern ist ausreichender Mückenschutz.

Endlich ist der Sommer da, den wir uns wünschten. Genießen wir es, durch laue Wälder zu wandern, in der Hängematte zu liegen oder zu picknicken. Ganz herzlich, Ihr

Was geht rum? 07. August 2021

Verhinderung von Kurzsichtigkeit: Aufenthalt im Freien günstig

Allergie Reaktion auf Nahrungsmittel: Vorsicht in Restaurants

Coronaimpfungen für Ab-12-Jährige?  

Pollenpause

In dieser Woche erkrankte weltweit der 200 Millionste Mensch an Corona. Somit sind an dieser Krankheit mehr Menschen erkrankt als zusammengenommen in Spanien, Frankreich und Deutschland leben.

Bei Kindern im Grundschulalter tritt immer häufiger Kurzsichtigkeit auf. Ursache hierfür ist, dass sie erstmals in diesem Alter über längere Zeit auf kurze Abstände – meist auf ihr Schulheft – fokussieren müssen. Dadurch wird das Längenwachstum des Auges stimuliert. Wenn schließlich die Linse die verlängerte Brennweite nicht mehr ausgleichen kann, benötigen Kinder wegen Kurzsichtigkeit (Myopie) eine Brille. Dieses Phänomen tritt besonders stark unter chinesischen Kindern auf.  Diese Phänomen scheint sich durch die Pandemie enorm verstärkt zu haben. Eine Studie aus dem dichtbesiedelten Hongkong beschreibt die aktuellen Daten: Die Zeit im Freien ging von 1,27 auf 0,41 Stunden am Tag zurück, die Zeit vor dem Bildschirm  nahm 2,45 auf 6,89 Stunden am Tag massiv zu. Die Häufigkeiten für die Kurzsichtigkeit sind massiv: Vor der Pandemie nahm die Zahl der kurzsichtigen Kinder pro Jahr um 13% zu, nunmehr sind es für die 6-, 7- und 8-jährigen Kinder 28 %, 27 % und 26 %. Man vermutet, dass sich die Zahl der kurzsichtigen Kinder in den kommenden Jahren verdoppeln wird. Glücklicherweise sind die Lebensbedingungen für Kinder in Deutschland andere. Die Zeit, die sie im Freien verbringen ist deutlich höher. Somit besteht ein geringeres Risiko für Kurzsichtigkeit.

In die USA können Europäer im Moment nicht reisen. Das schränkt die Bedeutung einer Studie ein, die kürzlich im Journal of Allergy and Clinical ImmunologyIn Practice erschienen ist. Darin geht es um allergische Reaktionen beim Essen in Restaurants in den USA. Es zeigte sich, dass 13% aller allergischen Notfälle mit Nahrungsmittel bei Kindern unter 18 Jahren in Restaurants auftreten. Somit bleibt mit 51% das Zuhause der gefährlichste Ort. Besonders häufig traten Nahrungsmittelallergie bei Erdnüssen und Nüssen (Haselnuss u.a.) auf. Bei diesen mussten in 28% mindestens einmal Adrenalin wegen schwerer Reaktionen injiziert werden. Tragisch dabei ist, dass 53,9% der Betroffenen vorher das Personal des Restaurants über die Allergie aufgeklärt hatte. Es gibt sicher viele Unterschiede zwischen Restaurants in Europa und den USA. Dennoch lohnt es sich gerade in Urlaubszeiten für Allergiker in Restaurants Vorsicht walten zu lassen.

Tipps gegen Coronainfektionen. Foto: RKI

Thema der Woche: Die Impfungen von Kindern ab 12 Jahren. Die Politik ist mehrheitlich dafür, die STIKO sieht noch keine ausreichenden wissenschaftlichen Daten, die eine Empfehlung für die Impfung der 12-17-Jährigen rechtfertigen würde. Inzwischen hat sich die Sächsische Impfkommission (SIKO) für die Impfung der Über-12-Jährigen ausgesprochen und dafür plausible Daten vorgelegt. Ergänzend hat sich auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung mit einem Merkblatt zu diesem Thema eingebracht. Bei allem Durcheinander nicht vergessen: Es geht um Kinder und Jugendliche, die eineinhalb Jahre Corona-Pandemie hinter sich haben. Und auch sie haben eine Meinung, die bei der Frage – ob eine Impfung angemessen sei – an erster Stelle stehen sollte.

Die Pollen fliegen immer weniger. Momentan werden in den meisten Regionen des Landes bei den Gräserpollen kaum Mengen erreicht, die Beschwerden verursachen. Lediglich die Menge der Beifuß-Pollen liegt etwas höher. Aber gegen dies Pollen sind nur wenige Menschen allergisch.

Die Infekte bei Kindern gehen unverändert weiter. Meist nichts gravierendes, aber gerade bei den Kleinkindern – und deren Eltern – häufig Schnupfen, leichter Husten und selten Fieber.

Was geht in der Welt rum? Im Süden Brasiliens, genauer im Bundesstaat Bahia sind 58 Neu-Infektionen an Malaria aufgetreten. Diese Region gilt als malariafrei. Man geht deswegen davon aus, dass der Erreger aus dem Amazonasgebiet eingeschleppt wurde.

Wettervorhersage der nächsten Tage für Karlsruhe. Foto: meteo, SRF

Ich wünsche Ihnen, dass der Sommer im Ländle bald beginnt. Ab Mitte der kommenden Woche soll es soweit sein. Herzlichst grüßt Sie Ihr

Was geht rum? 31. Juli 2021

BioNTech: Bei den Coronaimpfungen immer vorne dabei

Coronaimpfungen für Kinder? Diskussion jetzt wichtig

Salmonellenerkrankungen im Spätsommer

Vibrionen in der Ostsee

Im Rennen um den besten Corona-Impfstoff liegt BioNTech ganz vorne. Vor 20 Monaten war die Firma aus Mainz kaum jemandem bekannt. Ab seit dieser Zeit hat sie medizinisch und medial alles richtig gemacht. Nun liegt BioNTech auch im Rennen um die Zulassung des Impfstoffs für Kinder von 5-11 Jahren weit vorne. Diskussionen gab in den letzten Wochen wegen seltener Herzmuskelerkrankungen (Myokarditis, Perikarditis) nach Zweitimpfungen von Männern unter 30 Jahren. Auf Drängen der amerikanischen Zulassungsbehörde wurde laut Informationen der New York Times die Zahl der Studienteilnehmer auf 3000 erhöht. Ergebnisse werden bereits für September erwartet. Für die Studiengruppe der 2 bis 5-Jährigen sei „kurz danach“ auch mit Ergebnissen zu rechnen, für die 6 Monate – 2 Jahre alten Kinder sei es im Oktober bis November soweit. Konkurrent Moderna liegt bei den Studien etwas zurück. Von anderen Mitbewerbern gibt es keine Informationen. Israel will bald Kinder zwischen 5 und 12 Jahren zur Impfung zulassen, wenn sie ein Risiko für extreme Corona-Infektionen aufweisen (hochgradige Adipositas, schwere Herz- und Lungenerkrankungen).

Noch gibt es keine Zulassung eines Corona-Impfstoffs für Kinder unter 12 Jahren. Aber für die über 12-Jährigen sehr wohl. Deren Wunsch geimpft zu werden nimmt zu. Haben wir eine gute Antwort, um ihnen den Wunsch zu verweigern? Die weiter fehlende Empfehlung der STIKO kommt eher aus dem Elfenbeinturm, als dass sie den Gedanken und Sorgen der Kinder gerecht würde. Schulen sollen nach den Ferien ja wieder geöffnet werden, oder doch nicht? Die Folgen von Schulschließungen wären monumental, beginnend bei den psychischen Konsequenzen, wenn Kinder sich nicht uneingeschränkt treffen können bis hin zu den wirtschaftlichen Folgen, die mangelnde Bildung über 2 Jahre für die gesamte Gesellschaft nach sich ziehen würde. „Wenn wir sehen, die Impfquote ist im Herbst immer noch zu niedrig, muss man weiternachdenken, aber nicht jetzt“ meinte Armin Laschet. Dem kann man nur widersprechen. Über die Impfungen – auch bei Kindern und Jugendlichen – müssen wir jetzt sprechen. Als Gesellschaft und mit den Betroffenen. 

Wirksamkeit von einer gg. zwei Dosen der Impfstoffe von BioNTech (BNT162b2) und AstraZeneca (ChAdOx1). Foto: NEJM, Jamie Lopez Bernal et al., 2021

Erst die zweite Impfung machts. Das zeigt eindrücklich die Untersuchung von Jamie Lopez Bernal und MitarbeiterInnen im New England Journal of Medicine. Gerade für den Impfstoff von BioNTech sind die Unterschiede frappant. Dabei ist der Schutz gegen die Delta-Variante dem Schutz gegen die Alpha-Variante ebenbürtig

Darstellung des Testablaufs bei der Lolli-Methode. Foto: RKI, Epidemiologisches Bulletin 32/2021

Die Lolli-Methode zur Testung auf SARS-CoV-2 haben wir im praxisblättle vorgestellt. Dieser Test ist einfach durchzuführen, worauf schon sein Name hindeutet. Nun bekommt er vom RKI den Ritterschlag. In der neuesten Ausgabe des epidemiologischen Bulletins wird ihm eine Spezifität (Genauigkeit) von 93.0% attestiert. Somit könne er „eine Grundlage für ein breit anwendbares und systematisches Testkonzept in Kitas und Schulen darstellen“.

Der Spätsommer ist die Zeit der Salmonellenerkrankungen. Der bakterielle Durchfall mit diesem Erreger ist heftig, meist grünlich mit blutigen Auflagerungen und nicht selten mit Fieber verbunden. Am stärksten werden Kinder unter 10 Jahren von dieser Infektion betroffen, die in den kommenden Wochen ihren Höhepunkt im Jahr erreichen wird. In der letzten Woche erkrankten 34 Personen im Ländle, fürs bisherige Jahr waren es 514 (Vorjahr: 660). Die Ansteckung erfolgt oral und häufig über Geflügel (und unzureichend abgekochte Eier). Strikte Hygiene in der Küche bei der Zubereitung von Hühnern und Eiern ist entscheidend.

Die viralen Erreger von Durchfallserkrankungen (Novoviren, Rotaviren) spielen weiterhin kaum eine Rolle. Sie sind deutlich seltener als noch im letzten Jahr, obwohl auch damals die Coronawellen (mit Kontaktbeschränkungen) durchs Land gingen.

Die Gräserpollen sind auf dem Rückzug. Im Rheintal ist die Belastung gering, in der Bodenseeregion aber noch bedeutsam – solange der Regen den Flug nicht komplett verhindert.

Was geht in der Welt rum? An der nördlichen Grenze von Deutschland, genauer an der Ostseeküste können in den Sommerwochen weiterhin Vibrionen auftreten. Messungen haben diesen Erreger bereits mehrfach gesichert, wie das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) von Mecklenburg-Vorpommern mitteilte. Die gleichen Vibrionen, Vibrio vulniformis, gibt es auch an anderen Küsten der Ostsee wie in Schweden. Dort sind in diesem Juli bei Götaland und Svealand 13 Menschen an einer schweren Infektion (Sepsis) erkrankt.

Ich wünsche allen Familien im Ländle eine sonnigen Start in die Ferien, mit herzlichen Grüßen, Ihr

Was geht rum? 24. Juli 2021

Delta-Variante I : Weniger Wirksamkeit bei AstraZeneca und Johnson&Johnson

Delta-Variante II : Mehr Infektionen bei Jugendlichen

Viel Gemüse = weniger Asthma

Rückschlag für die chinesische Impfdiplomatie: COVID-19 in Asien trotz Sinovac© 

Impfungen sind ein effektiver Schutz vor Coronavirus-Infektionen. Vorausgesetzt, man ist mit dem „richtigen“ Impfstoff versorgt worden. Das gilt zumindest, wenn es sich um die Beta-Variante (die zuerst in Südafrika auftrat) und die Delta-Variante (die erstmals in Indien auftrat) handelt. Die Vektor-Impfstoffe von AstraZeneca und Johnson&Johnson zeigen bei diesen beiden Corona-Varianten klare Schwächen. Für Kinder und Jugendliche kein Problem: Für sie ist nur die Impfung mit einem mRNA-Impfstoff zugelassen. Neben dem Impfstoff von BioNTech/Pfizer (Comirnaty®) ist seit gestern in der EU auch der Impfstoff von Moderna (Spikevax®) für Kinder ab 12 Jahren zugelassen. Eine Stellungnahme der STIKO liegt bislang nicht vor.

Corona-7-Tage-Inzidenzen nach Alter (x-Achse) und Kalenderwoche (y-Achse). Foto: RKI per twitter

Seit gestern sind über 40 Millionen Deutsche vollständig geimpft. Und trotzdem bleibt der Jubel aus. Zum einen ist diese Zahl nicht ausreichend, um die Delta-Variante des Coronavirus effektiv in Schach zu halten. Zum anderen nehmen die Infektionen mit SARS-CoV-2 wieder sprunghaft zu. Besonders betroffen sind die Niederlande und die Mittelmeerländer. Dort gibt es in Valencia (Spanien) sogar eine nächtliche Ausgangssperre. In Deutschland sind wir noch vergleichsweise günstig dran. In der Graphik (untere Ecke rechts) ist aber zu erkennen, dass die Häufigkeit an Neuinfektionen in der Altersgruppe von 15 – 29 Jahre spürbar zunimmt.

Dass Essen einen Zusammenhang mit unserer Gesundheit hat ist wohl bekannt. Dabei sind besonders Obst und Gemüse in vieler Hinsicht günstig. Dies hat eine Studie aus Porto (Portugal) nochmals für Kinder bestätigt. Darin wurden 649 Kinder (7-12 Jahre) aus 20 Schulen hinsichtlich ihrer Essgewohnheiten betreffend Gemüse und Obst befragt. Es zeigte sich, dass Kinder, die häufiger Gemüse aßen, um ein Drittel weniger von Asthma bronchiale betroffen waren.

Der Gräserpollenflug geht weiter, der Höhepunkt der Saison ist aber überschritten. In den Lüften befinden sich auch die Pollen von Spitzwegerich und Brennesselpollen. Die schlimmsten Tage von Allergikern dürften dennoch vorüber sein.

Weiterhin treten „Erkältungsinfekte“ auf. Indem der Mund-Nasen-Schutz weniger oft getragen wird, haben die üblichen Erkältungsviren mehr Chancen Kinder und deren Eltern anzustecken. Das ist eigentlich ganz gut, weil damit auch das Immunsystem wieder aktiviert wird. Nebenbei kann aber auch Schnupfen, Husten und Fieber auftreten. Seit März 2020, also seit Beginn der Coronapandemie, kam es zur ersten Masernerkrankung in Baden-Württemberg. Langsam steigen auch die Zahl der Windpockeninfektionen wieder an – alles Zeichen einer langsamen Normalisierung des Alltags. In Anbetracht des angenehmen Wetters sind solche Infektionen (nicht die Masern!) besser erträglich.

Was geht in der Welt rum? COVID-19 ist weiter auf dem Vormarsch, nicht nur bei uns. Asien war lange ein Hort der niedrigen Inzidenzen. Nun steigen aber dort die Infektionszahlen rasant an: In Indonesien wurden kürzlich an einem Tag 60.000 Neuerkrankungen (und 1000 Todesfälle) registriert. Vietnam, bisher sehr erfolgreich im Kampf gegen das Coronavirus wies gestern Coronainfektionen bei 7300 Menschen auf. Damit traten an einem einzigen Tag 5 Mal so viele  Infektionen auf wie im gesamten letzten Jahr. Auch in Thailand kam es kürzlich an einem Tag zu 11.000 Neuerkrankungen, nachdem im gesamten letzten Jahr nur 7000 Fälle bestätigt wurden. Thailands Regierung hat in diesem Zusammenhang die Impfstrategie geändert, nachdem Zweifel am chinesischen Impfstoff Sinovac© aufkamen. Zweitimpfungen sollen ab sofort mit dem Impfstoff von AstraZeneca erfolgen. Ein herber Rückschlag für die Impfdiplomatie der Chinesen. Mit bislang 940 Millionen Dosen von Sinovac© sind sie bislang Impf-Weltmeister und haben sich nebenbei Sympathien in armen Ländern erworben. Diese sind schnell verspielt, wenn sich der Impfstoff als wenig wirksam erweist.

In der nächsten Woche beginnen die Ferien, immer mehr Länder um Deutschland herum werden zu Corona-Risikoländern. Ich hoffe, Sie finden nette Plätze, wo Sie mit Ihrer Familie einen schönen Sommerurlaub verbringen können.

Was geht rum? 17. Juli 2021

Erkältungsviren auf dem Vormarsch – der Beginn von den Herbst-Infektionen?

Corona-Impfpflicht in Europa

Impfpflicht in Baden-Württemberg?

Chile: Zweifel an chinesischen Impfstoffen

Im Schatten der Corona-Meldungen haben – für viele noch unbemerkt – die Erkältungsviren ihren Siegeszug angetreten. Wir haben nicht nur herbstliches Wetter im Hochsommer, auch die Infekte entsprechen dieser Großwetterlage: Klein- und Schulkinder sind seit Wochen vermehrt von Husten, Schnupfen und Fieber betroffen. Und nebenbei werden auch junge Eltern angesteckt, die über ein Jahr, durch Maske und Abstand geschützt, keinen Infekt erlebt haben. Das wird über die nächsten Wochen so weitergehen. Die große Frage wird sein: Was machen die Coronaviren im Herbst? Und kommen die Influenza-Viren wieder machtvoll zurück? Dieser Herbst wird also bunter, nicht nur in den Wäldern.

 

Corona-Impftermine im Juni/ Juli in Frankreich. Foto: Economist

Die Corona-Impfungen waren vor drei Monaten noch ein absolutes Luxus-Produkt. Inzwischen wurden sie zur Discounter-Ware. In Frankreich hat sich das von einem auf den anderen Tag geändert. Nachdem Präsident Macron eine weitgehende Impfpflicht verkündete, stieg die Zahl der Impftermine massiv an (siehe Graphik). Auch die Zahl unserer Nachbarn die sich impfen lassen wollen stieg an: Im Dezember 2020 waren es 39%, heute sind es 69% – damit aber noch deutlich weniger als in unserem Lande.

In Baden-Württemberg sind inzwischen 45,4% der Menschen vollständig geimpft. Die Impfquote ist bei Jüngeren aber deutlich niedriger. Bisher gibt es von der STIKO ja nur eine Empfehlung zur Impfung bei Menschen über 18 Jahren (Ausnahme Vorerkrankungen bei Über-12-Jährigen). Damit sind für die nächste Zeit alle Kleinkinder und Schulkinder bis 12 Jahre dem C-Virus voll ausgesetzt, auch wenn nur wenige von ihnen eine schwere Infektion erleiden werden. In einer freien Gesellschaft müssen wir die Menschen aushalten, die sich nicht impfen lassen wollen. Aber diese  Menschen müssen dann auch aushalten, wenn sie sich besonderen Schutzmaßnahmen unterwerfen müssen. Das betrifft besonders impfunwillige Lehrer und auch Gesundheitspersonal, die ein hohes Maß an Verantwortung tragen.

Dürremonitor Gesamtoden 1,8 Meter (09/2020). Foto: ufz.de

Dürremonitor Gesamtboden 1,8 Meter (07/2021) Foto: ufz.de

Pollen werden sich an diesem Wochenende selbst in Freiburg nur zögerlich in die Lüfte schwingen. Allergiker müssen erst ab Montag mit der Fortsetzung des typischen Gräserpollenflugs rechnen. Grund ist der Starkregen, der seit Wochen die Böden im Südwesten erfolgreich mit Wasser aufgefüllt hat, wie der Vergleich von September 2020 (linke Graphik) und der aktuellen Graphik vom 13. Juli 2021 (rechts) zeigt. Wir können uns also freuen. Wir müssen aber auch betrübt sein. Denn der Grund für diese Wasservorräte ist das Tief „Bernd“, das infolge des verminderten Jetstreams lange über uns verharrte: Der Klimawandel und ein bisschen auch der Zufall haben uns statt Schwimmbadtemperaturen Schwimmbäder in Orten, auf Äckern und Wiesen beschert.

Was geht in der Welt rum? In vielen Ländern der Erde gibt es ambitionierte Impfprojekte, um die Bevölkerung vor Coronainfektionen zu schützen. Ein leuchtendes Beispiel ist Chile. Doch dort kam es zuletzt zu einem erneuten rasanten Anstieg der Coronainfektionen, was Zweifel an der Wirksamkeit des verwendeten Impfstoffs CoronaVac des Herstellers Sinovac aus China aufkommen lässt. Gegenüber den Varianten ist die Wirksamkeit besonders schlecht. Sinovac rät nunmehr zu einem «Booster-Shot», also einer dritten Impfung. Chile plant diesen aber mit einem mRNA-Impfstoff (BioNTech/ Moderna) durchzuführen.

Der Regen verschwindet langsam. Vielleicht halten wir es wie die Bundeskanzlerin, die in Bezug auf ihr Leben nach der Politik sagte: „Und dann werde ich vielleicht versuchen, was zu lesen, dann werden mir die Augen zufallen, weil ich müde bin, dann werde ich ein bisschen schlafen, und dann schauen wir mal.“

Ich wünsche Ihnen und Ihren Kindern ein geruhsames Wochenende. Herzlich grüßt Sie Ihr