Kategorie: Was geht rum?

Was geht rum? 23. Mai 2020

Kinder und Jugendliche brauchen wieder einen Alltag miteinander. Und die Wissenschaft hat mehrfach belegt, dass dem nur wenig Argumente entgegenstehen. Im praxisblättle haben wir uns schon länger dafür ausgesprochen. Nun liegt eine Stellungnahme der wichtigsten deutschen Fachgesellschaften der Kinder- und Jugendmedizin vor: Schulen und Kitas sollten wieder geöffnet werden.

Dem widersetzen sich noch einzelne Personen, denen wir die Kinder anvertraut haben und die aus Angst lieber zuhause bleiben wollen. Weil sie über 60 sind oder einen Onkel haben, der an Krebs erkrankt ist. Vorbei mit dem Engagement für Kinder? Risikogruppen haben ein erhöhtes Risiko, soweit richtig. Aber sie müssen sich nicht verstecken. Ein Kontakt für sie ist nicht gleich mit einer schweren Erkrankung verbunden. Nur das Risiko hierfür ist etwas höher. In Kliniken arbeiten Schwestern, Pfleger und Ärzt*Innen schon seit Monaten, weil ihnen unser aller Wohl am Herzen liegt. Auch wenn sie damit höhere Risiken eingehen. Diese Einstellung muss nun bei manchem Pädagogen ankommen. Nur Mut! „Eure“ Kinder brauchen Euch!

Gräserpollenflug am Bodensee. Die graue Fläche zeigt die Werte von 2009-2019. Die schwarzen Säulen zeigt die aktuellen Werte. Quelle: pollenundallergie.ch

Die Gräserpollensaison ist im vollen Gange. Sie begann ja schon Anfang April und erreichte in den letzten Tagen Spitzenwerte. Kinder und Jugendliche mit Allergien gegen Sommerkräuter müssen sich langsam darauf einstellen, dass auch sie mit eher frühen Allergiesymptomen rechnen müssen.

Zecken. Nicht nur auf Gräsern Quelle: pixabay, Erik Karits

Was wir nicht vergessen sollten: Die Zecken. Jetzt feiern auch sie die angenehme Temperatur und krabbeln von den Blättern und Blüten gerne auf die Haut unserer Kinder. Das machen sie alles sehr elegant. Irgendwann juckt es vielleicht auf der Haut und man spürt beim Kratzen den kleinen Zecken-Körper. Der sollte gekonnt entfernt werden. Spätestens beim abendlichen Absuchen der Haut. Wenn hohe Risiken erwartet werden, kann auch mal im Vorfeld ein Insektenschutzmittel angewendet werden.

Seit Wochen die gleiche Meldung an dieser Stelle: Wenig Infektionen. Im Moment geht kaum was rum. Schnupfen – außer allergisch – gibt’s kaum. Husten im Rahmen von Infekten ebenso wenig. Magen-Darm-Infektionen durch Viren sind sehr selten: Bei Noroviren 50% der üblichen Zahl. Bei den Rotaviren, die vorwiegend Kinder betreffen, sind es gar nur noch 25% der üblichen Erkrankungen. Daneben sehr wenige Kinderkrankheiten mit der Ausnahme von Mumps (2 Neuerkrankungen). Wir könnten so zufrieden sein, wenn da nicht……

… noch die Coronaviren wären. Was über sie mit Bezug auf die Kinder Neues bekannt wurde,  können Sie ab Montag an dieser Stelle lesen. Im EXTRA-blättle gehen wir dann auf wichtige Informationen der vergangenen Woche ein.

Was geht in der Welt rum? Corona hin oder her. Weltweit breitet sich das Dengue-Virus mehr aus als einem lieb sein. kann. Es ist zwar nicht mit soviel Todesfällen verbunden, kann aber gerade Kinder oder Schwangere heftig treffen. Im Moment sind die Karibikinseln Martinique von 3236 Dengue-Fieber-Fällen betroffen. Die kaum 80 km entfernte Insel Guadeloupe hat seit Jahresbeginn 4605 Neuerkrankungen registriert. Aber auch Asien ist betroffen. Dort haben sich – ähnlich wie auf den Inseln der Karibik – in Singapur die Fälle (7620 in diesem Jahr) gegenüber dem letzten Jahr verdoppelt.

Genießen Sie nach dem Brückentag das restliche Wochenende und die Aussicht, dass der Alltag für Eltern und ihre Kinder bald angenehmer wird. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff

Was geht rum? 16. Mai 2020

Die Öffnungen von Schulen und KiTas werden in den Medien breit diskutiert. Endlich. Trotzdem müssen noch viele Kinder zuhause warten und dürfen sich nicht mit ihren Freunden regelmäßig treffen. Bei dieser Pandemie geht es inzwischen um mehr als eine zügellose Infektion und eine Krise der Weltwirtschaft. Das Wohlergehen der Kinder ist bedroht.

Schulklasse in in den 1960’gern. Kein Laptop, kein Corona. Aber Schiefertafeln zum Schreiben, was sehr kostengünstig war. Quelle ptw

Schauen wir auf die Kleinkinder. Seit 2 Monaten sind die KiTas faktisch geschlossen. Es gibt keine Gruppenspiele mehr. Aber genau das ist es, was Zweijährige suchen und brauchen. Die ersten Lebensjahre waren sie in den Kleinstfamilien oft nur mit den Eltern zusammen. Jetzt hätten sie die Chance, mit anderen Kindern um die Wette zu rennen, zu spielen oder zu singen. Zwei Monate keine Kita bedeutet für sie – bisherige Leben gerechnet – fast 10% Ausfall des sozialen Lebens. Für die Schulkinder gilt ähnliches, vielleicht nicht so dramatisch. Ihnen droht ein essentieller Lebensabschnitt verloren zu gehen.

Einen kleinen Vorteil hat die Situation dann doch. Gerade Kleinkinder sind so gesund wie noch nie. In der Praxen der Kinder- und Jugendärzte tauchen nur wenige Kinder mit Infekten auf. Das wird sich alles wenden, wenn sie wieder zusammenkommen. Viren und Bakterien werden dann munter ausgetauscht. Neben den verschiedenen Corona-Viren – es gibt ja auch harmlose Vertreter dieser Gruppe- werden auch Rotaviren, Streptokokken und Meningokokken weitergegeben. Wird das eine besonders heftige Infektwelle werden? Wir wissen es nicht. In dieser Krise machen wir viele neue Erfahrungen. Was die Kinder betrifft, sollten wir andere gefährliche Keime jedoch nicht aus dem Blick verlieren.

Gräserpollenflug im Bodenseeraum. Quelle: www.pollenundallergie.ch

In den kommenden Tagen müssen wir uns und unsere Kinder wieder auf den Pollenflug vorbereiten. Die Gräserpollen-Belastungen erreichen dann nochmals Höchststände. Also schnell nachschauen, ob auch alle Medikamente zur Erleichterungen von Beschwerden (releiver) in der Hausapotheke vorhanden sind.

Die Zahl der Infekte ist wie seit Wochen gering. Bei den Kinderkrankheiten sind die Zahl der Erkrankungen mit Keuchhusten und Windpocken auf niedrigem Niveau. Auffallend sind nur Masern (keine Erkrankungen) und Mumps: Hier liegen die Neuerkrankungen in diesem Jahr 4 Mal höher als im letzten Jahr. Warum das so ist, bleibt unklar. Darminfektionen mit Rota- oder Noroviren sind für Kinder landesweit unbedeutend.

Was geht in der Welt rum? Von den weltweiten Kontaktbeschränkungen zeigt sich die Malaria unbeeindruckt. Da sie durch Mücken übertragen wird, bleibt sie ein Dauerproblem besonders in den Ländern Afrikas. In Namibia haben sich in diesem Jahr doppelt so viele Menschen (> 1100) angesteckt wie im letzten Jahr. Deutlich mehr Malariaerkrankungen gibt es auch in Madagaskar und in Simbabwe. Dort sind inzwischen 236.300 Menschen infiziert und 226 von ihnen daran verstorben.

Auch diese Woche erscheint wieder unser EXTRA-blättle zum Thema „Coronainfektionen bei Kindern“. Diesmal aber erst am Montag. Darin finden Sie wieder aktuelle Informationen, die für Sie als Eltern besonders interessieren dürften.

Ich hoffe,Sie können das Wochenende bei wärmenden Sonnenstrahlen hoffnungsvoll genießen, trotz der vielen schwierigen Nachrichten, die im Moment verarbeitet werden müssen. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff

Was geht rum? 09. Mai 2020

Heute lesen Sie ein fast Corona-freies praxisblättle. Was es Neues zum Thema Coronavirus gibt, erfahren Sie morgen im „EXTRA-blättle Corona“. Dort habe Ihnen 6 Themen zu verschiedenen Fragen vorbereitet.

Mit dem Regen der letzten Woche hat sich die Natur wieder etwas erholt. Die Pflanzen haben  einen neuen Wachstumsreiz bekommen, der auch die Pollenzahl wieder nach oben schnellen ließ.

Gräserpollenflug am Bodensee Quelle: www.pollenundallergie.ch

Inzwischen kam auch die Wärme hinzu. Der Gräserpollenflug ist im vollen Gange. Für alle allergischen Kinder und Jugendlichen gibt es einige Möglichkeiten, die Pollen-Belastung im Alltag gering zu halten:

  • Bei starkem Pollenflug die Fenster geschlossen halten. Das gilt besonders am Morgen (05:00 Uhr bis 09:00 Uhr) und am Abend. Nachts gibt es so gut wie keinen Pollenflug (ab etwa 21:00 Uhr), da können die Fenster problemlos offen bleiben.
  • Jeder Mensch ist tagsüber draußen Pollen ausgesetzt. Die lassen sich auf der Haut und den Haaren nieder. Abendliches Duschen (am besten mit Waschen der Haare) ist sehr wirkungsvoll, um nahezu pollenfrei ins Bett zu steigen. Wenn Sie das jeden Abend machen, bleibt das Bett von Pollen verschont.
  • Damit die frisch gewaschene Bettwäsche frei von Pollen bleibt, dürfen Betttücher nur im Trockner oder im Keller getrocknet werden. An der frischen Luft nehmen sie erhebliche Mengen an Pollen auf, die nachts den Weg in Nase und Bronchien der Schlafenden finden. 
  • Je schneller die Bewegung an der frischen Luft, umso mehr Pollen geraten ins Gesicht (und damit an die Nase und in die Bronchien). Fahrten im Auto mit geöffneten Fenstern oder gar mit Kindern als Beifahrer auf dem Motorrad oder dem Scooter sind für allergische Kinder und Jugendliche ungünstig. Klimaanlage (am besten mit Pollenfilter) im Auto anschalten.
  • Eine komplett freie Nasenatmung kann oft nicht erreicht werden. Wenn die Nase aber nachts „zu“ ist, sollte mit dem Kinder- und Jugendarzt geklärt werden, welche Medikamente vielleicht doch – wenn auch nur etwas – helfen könnten. Offener Mund heißt: Die Atemluft wird nicht mehr gefiltert und so gelangen Pollen auf direktem Wege in die Bronchien. Das kann den Weg für Asthma ebnen.
  • Und: Natürlich wird das Spiel auf einer Wiese mit vermehrten Beschwerden bestraft. Das ist schrecklich, aber das ist nun mal eine Allergie und diese Krankheit achtet nicht auf die psychische Befindlichkeit. Deswegen sollte das Rasen mähen zuhause nicht den allergischen Kindern aufgetragen werden.

Seit Wochen gibt es eine große gute Nachricht: Nahezu keine weiteren Infektionen. Noch sind die Kinder und Jugendlichen im Ländle kaum von Infektionen – außer der C-Infektion – betroffen. Weiterhin gibt es Windpocken, aber weniger als die Hälfte der üblichen Belastung. Mumps kommt eher gehäuft vor, aber in der letzten Woche kam nur eine Neuerkrankung hinzu.

Dengue-Fieber. Verteilung im Jahre 2006. Quelle Percherie / CC BY-SA http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/

Was geht in der Welt rum? Während bei uns über das Corona-Virus diskutiert wird, setzt eine andere Virusinfektion ihren Weg um den Globus fort. Die Rede ist vom Dengue-Fieber, das schon mehrfach an dieser Stelle genannt wurde. Weltweit sind die Hälfte der Menschen von ihm bedroht, weil sie in einem Endemiegebiet leben. Im Unterschied zum Coronavirus ist das Dengue-Virus bezüglich Temperaturen anspruchsvoller. Trotzdem erkranken etwa 100 Millionen Menschen jährlich daran, 22.000 versterben. Nun hat das Dengue-Fieber Argentinien mit etwa 43.500 Verdachtsfällen und bislang 21 Toten erreicht. Das kleinere Nachbarland Paraguay berichtet gar von über 215.000 Erkrankungen. Eine Impfung gegen Dengue ist dringend nötig, weil aber alle bisherigen Versuche scheiterten, gibt es keine. Es ist nicht oft nicht so einfach, eine gute und verträgliche Impfung zu entwickeln.

Genießen Sie das sommerlich warme Wochenende in der Natur. Oder auf dem Spielplatz. Mit Anstand und Abstand. Un bleiben Sie zuversichtlich. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff

 

Was geht rum? 02. Mai 2020

Viel Unmut äußert sich nach dem wochenlangem Shutdown. Aber kaum von Familien. Dabei werden sie den Maßnahmen in der Coronakrise besonders stark getroffen. Je kleiner die Wohnung und/oder der Garten, umso schlimmer. Aber die Schließung der Kindergärten und Schulen hat auch eine gute Seite: Kinder haben kaum Möglichkeiten, sich anzustecken. Es gibt bisher zwar keine Studien hierzu, aber so gesund dürften Kleinkinder in den letzten Jahren wohl nie gewesen sein. Leider können sie und ihre Eltern das nur begrenzt genießen.

Kindergarten – ein Bild aus glücklichen Tagen Quelle: pixabay, tolmacho

Im praxisblättle haben wir schon manchmal angeregt, bei der Öffnung von Einrichtungen mehr an die Kinder zu denken und weniger ans Shoppen. Es ist schon lange bekannt, dass Kinder seltener und schwächer an COVID-19 erkranken. Das zeigt auch die neueste Studie des Centers for Disease Control (CDC, in Englisch), die sich mit den aktuellen Daten bei Kindern in den USA befasst  Und obwohl sie eher selten von COVID-19 betroffen sind, leiden sie wohl am meisten unter der Kontaktsperre, die ihnen verbietet, mit anderen Kindern zu spielen und das soziale Leben zu üben.

Aus der Schweiz hat sich Prof. Dr. Christian Berger vom Kinderspital Zürich in der NZZ (Neue Zürcher Zeitung) zum diesem Thema geäußert. „Bei uns (Anm in der Schweiz) sind 0,4 Prozent aller bestätigten Fälle Kinder unter 10 Jahren und 2,7 Prozent Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 19 Jahren“. In den allermeisten Fällen seien die bisher 114 an COVID-19 erkrankten Schweizer Kinder von Erwachsenen angesteckt worden. „Wir haben keine große Erfahrung damit, wie das Virus unter Kindern zirkuliert.“ Vieles spricht dafür, dass unter kontrollierten Bedingungen (Kleingruppen mit einem Drittel der Klassengröße?), KiTas und Grundschulen vermutlich geöffnet werden könnten. Das RKI und die WHO vertreten jedoch andere Positionen.

Noch nie haben Wissenschaftler so eifrig in der öffentlichen Diskussion mitgesprochen. Und dabei vertreten sie oft gegensätzliche Positionen. Viele Menschen verstehen jedoch nicht, dass auch Wissenschaft irren kann. Aber, Forscher beobachten genau und lernen aus Fehlern, die nachweisbar sind. So kontrollieren sie sich gegenseitig. Erfreulich, dass auch viele Politiker in der Zusammenarbeit mit den Wissenschaftlern nachdenklicher werden. Oft gilt in diesen Tagen: Argument sticht Parteimeinung.

Gräserpollenflug. Die graue Fläche gibt die Stärke des Pollenflugs über die letzten 10 Jahre wieder. Die Säulen (links unten im Bild) zeigen die aktuellen Daten von 2020, jeweils bezogen auf Münsterlingen (Bodensee, Schweiz) Quelle: www.pollenundallergie.ch

Seit zwei Monaten ist alles anders. Auch bei den Pollen. Bisher war der April die Zeit, in der die Birkenpollen flogen. In diesem Jahr sind diese schon längst auf dem Rückzug und haben den Gräserpollen den ersten Platz überlassen. Am Bodensee und Oberrhein sind sogar schon die Pollen des Wegerich in der Luft. Diese suchten uns bisher erst Ende Juli heim. Eltern allergischer Kinder müssen also den Pollenflugkalender in diesem Jahr umschreiben. Übrigens, ein möglicher und schöner Nebeneffekt vom Mund-Nasen-Schutz („Maske“) könnte sein, dass er viele Pollen abhält und damit Kinder und Jugendlichen vor dem Heuschnupfen – zumindest etwas – schützt.

Unter den wenigen Infektionen die rumgehen, sind natürlich auch Kinderkrankheiten. Vor einer Woche hatten wir berichtet, dass die Windpocken auf 25% des Normalniveaus zurückgegangen sind. Beim Keuchhusten hingegen liegen die Erkrankungszahlen noch auf dem Niveau des letzten Jahres. In der letzten Woche kamen 25 neue hinzu. Ganz anders bei den Masern: Seit den Kontaktbeschränkungen Mitte März ist bis heute nur eine einzige weitere Erkrankung gemeldet worden. Sind im letzten Jahr bis Ende April 61 Menschen im Ländle an Masern erkrankt, so sind es jetzt nur 26. Auch ein schöner Nebeneffekt! Ganz zur schweigen von den selten gewordenen Magen-Darm-Infektionen.

Was geht in der Welt rum? Es gilt eine weltweite Reisewarnung und Reisen selbst in die Schweiz und Österreich sind nicht möglich. Dennoch wollen wir hier weiter berichten, welche Infektionen in der Welt eine Rolle spielen. So werden aus Thailand in diesem Jahr bereits 5 mit Tollwut infizierte Hunde gemeldet. Seit zwei Jahren gibt es dort viele Tollwuterkrankungen, woran im Jahr 2018 nach offiziellen Angaben 17 Menschen und im letzten Jahr 1 Mensch verstarben. Immerhin gibt es gegen Tollwut eine gut wirksame Impfung. Für wen diese sinnvoll ist, sollte vor der Reise mit einem erfahrenen Arzt geklärt werden.

Wenn Sie wegen des Coronavirus auf dem Laufenden bleiben wollen……? Wir bringen ab sofort jeden Sonntag im praxisblättle ein „EXTRA-blättle  Corona“ mit Informationen, die besonders für Eltern und ihre Kinder interessant sein könnten. Schreiben Sie uns gerne, was Sie interessiert und bewegt. Gerne nehmen wir Ihre Fragen und Anregungen auf.

Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende. Mit Ihnen hoffe ich, dass sich im Mai die Lage für die Kinder verbessert und sie wieder raus dürfen. Raus in die Natur, auf den Spielplatz und in die Kindertagesstätte oder Schule. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff

 

Was geht rum? 18. April 2020

Wie kommen wir zur Normalität zurück? Indem wir uns im Alltag weiterhin unnormal bewegen und Abstand halten. Warum, das zeigt diese Animation der New York Times sehr anschaulich. Der Flug von kleinsten Tröpfchen ist beeindruckend.

Die Öffnung der Schulen und Kindergärten wurde in den letzten zwei Wochen von vielen Seiten diskutiert. Das Coronavirus hat in Deutschland maximal eine Million Menschen infiziert, genau weiß das keiner („Dunkelziffer“ der nicht ernsthaft Erkrankten). Bis wir ein halbwegs normales Leben führen können, müssen also mindestens 50 weitere Millionen Deutsche infiziert sein. Warum nicht bei den Kindern beginnen? Abgesehen von den Neugeborenen, die von der COVID-19 stark betroffen sein können, haben Kinder eher wenig zu befürchten. Nebenbei würde die Kluft zwischen Schülern geschlossen, die zuhause gefördert werden und jenen, die das nicht erleben. Da geht es also auch um den sozialen Zusammenhalt. Wir können solange mal nach Dänemark schauen, die einen Schritt weiter gehen. Dort öffnen Kindergärten und Schulen. Aber unter Auflagen. So müssen Teddybären (Kuscheltiere) beim Eintritt abgegeben und viele andere Regeln beachtet werden.

Mobilität in Stuttgart in den letzten 3 Monaten Quelle: apple

Gerade für Kleinkinder hat sich die Welt massiv verkleinert. Sie lieben den Auslauf, bewegen sich spontan und spielen gerne in Gruppen. Die Mobilitäts-App zeigt, wie stark sich das Virus auf unsere Bewegungen im Freien „walking“) ausgewirkt hat. Für alle Kinder eine enorme Belastung. Gegenüber dem 13. Januar 2020 ist immerhin gleichzeitig der lokale Verkehr („driving“)  zurückgegangen. Weniger Bewegung, aber in besserer Luft. Wer weitere Informationen sucht findet sie vielleicht hier.

Kinderkrankheiten ? Absolut gesehen spielen die Erkrankungen an Mumps keine so große Rolle. Das liegt daran, dass Mumps oft mit geringsten Symptomen verlaufen und damit leicht übersehen werden kann. In diesem Jahr traten traten bislang viermal (49) so viele Infektionen auf wie zur gleichen Zeit im letzen Jahr. Damals war es weniger als eine pro Woche. Woran man Mumps erkennen kann, können Sie hier nochmals nachlesen.

Andere Infektionen kommen nur vereinzelt vor. Rotaviren, sonst ganz vorne dabei im Frühjahr, haben ihre Häufigkeit gedrittelt. Die Infektionen der oberen Luftwege wie Schnupfen spielen kaum eine Rolle. In Anbetracht der Pandemie, werden sie wohl kaum mehr wahrgenommen.

Gräserpollenflug am Bodensee Quelle: pollenundallergie.ch

Die Pollen von Birke und Esche fliegen seit April massiv, wir wir jeden Morgen auf dem gelb bestäubten Auto sehen können. Nun fliegen am Bodensee bereits seit einer Woche die ersten Gräserpollen. Eltern allergischer Kinder müssen sich also auf diese Belastung in den kommenden Wochen vorbereiten. Dabei steht an erster Stelle die Frage, ob alle Notfallmedikamente vorrätig sind. Die Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie (GPA) unterstreicht nochmals, dass auch in Zeiten von Corona die Standardtherapie fortgesetzt werden sollte. Feuchtinhalationen (z.B. über den PARI-boy) sollten jedoch unterlassen werden. Inhalationen mit Dosieraerosolen („Spray“) oder Pulverinhalationen sind zu bevorzugen.

Zum Schutz vor hohen Belastungen durch Pollen, sind viele weitere Maßnahmen geeignet. Sehr wirksam ist abendliches Duschen und das Schließen der Fenster von momentan 06:00 Uhr bis 09:00 Uhr morgens, da hier der grösste Pollenflug zu erwarten ist.

Was geht in der Welt rum? Im Kongo hat das Ebola-Fieber seit Mitte letzten Jahres bis heute 3.456 Menschen betroffen. Zuletzt schien es, als ob die Infektion vorbei sei. Nun sind im April drei weitere Personen erkrankt, zuletzt ein 7-jähriges Mädchen. Die Zahl der Toten hat sich auf 2.277 summiert. Es gibt also noch schlimmere Erkrankungen als die COVID-19.

Unsere englischen Nachbarn haben schon immer einen Sinn fürs Spezielle gehabt. Im März noch haben dem Corona-Virus noch freien Lauf gelassen, jetzt setzen sie auf Hunde. Die sollen darauf trainiert werden, das Virus zu erschnüffeln, berichtet eine amerikanische Nachrichtenagentur.

Der Frühsommer wird immer schöner. Ich hoffe, Sie können ihn mit Ihren Kindern in freier Natur genießen. Noch mehr hoffe ich, dass die Situation eine Öffnung der Schulen weiter zulässt. Für Ihre Kinder – und auch für Sie als Eltern. Im Moment wird viel von Ihnen abverlangt. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff

 

Was geht rum? 11. April 2020

Osterfest, einmal anders. In den Zeiten von Corona treffen sich vermutlich weniger Menschen zum gemeinsamen Fest. Die Suche nach den Ostereiern für Kinder wird schwieriger, weil ihnen Oma und Opa nicht mehr flüsternd zur Seite stehen.

Ostern, das Fest der Wiederauferstehung. Die wird auch nach dem Fest auf sich warten lassen. Für Eltern lohnt es sich aber schon jetzt, sich vorausschauend mit ihrer/m Kinder- und Jugendärztin/arzt zu besprechen, wie es mit den Impfungen weitergeht. Gerade Säuglinge sind ja von einigen schwerwiegenden Krankheiten bedroht. Keuchhusten ist eine davon, die sich nicht vor Coronaviren fürchtet und weiterhin Menschen ansteckt. Es lohnt sich, nicht nur die Coronaviren zu beachten

Die Zahl der Infekte wird insgesamt geringer. Das ist für diese Jahreszeit typisch. Untypisch ist, dass die Rotaviren fast ausbleiben. Auch die Noroviren sind spürbar weniger aktiv. Darüber sind wir nicht traurig. Nebenbei, das war plötzlich keine Meldung mehr wert, ist auch die Grippesaison zu Ende gegangen. Mit fast 24.000 gemeldeten Erkrankungen war sie stärker als im letzten Jahr.

Unter den Kinderkrankheiten ist der Keuchhusten weiter präsent. Ein Schwerpunkt bei den  Neuinfektionen dieser Woche ist Nordbaden. Die Kontaktbeschränkungen haben aber auch ihr Gutes: Im Gegensatz zum Keuchhusten (ausgelöst durch Bakterien; Impfschutz schwieriger), geht die Zahl der Windpockeninfektionen  (Viren) zurück. Weniger Kontakte, weniger Ansteckungen auch hier.

Bei den Allergien ist die Lage fast stabil. Birkenpollen sind die Stars der Lüfte, aber in den trockenen Zeiten geht auch ihnen bald ein Teil ihrer Power verloren. Für Allergiker auf mittlere Sicht also eher günstige Aussichten.

Zecken. Ja, sie können uns auch von hübschen Blumen aus attackieren Quelle: pixabay, Erik Karits

Die Zecken sind weiter sehr aktiv. Eltern sollten insofern ihre Kinder nach Waldspaziergängen und immer vor dem Zubettgehen auf die kleinen Spinnentiere untersuchen. Zonen, in denen die sich gerne aufhalten sind die Achseln, der Nabel, die Genitalregion und die Region hinter den Ohren. Sie sollten entfernt werden. Entweder mit den bekannten Zeckenzangen oder durch die Streichelmethode. Weitere Hinweise finden Sie im praxisblättle..

Ach so, noch ein paar Zeilen zu Corona. Es keimt wieder mehr Hoffnung auf. Das zeigt eine Karte, die die Forschung über COVID-19 darstellt. Wissenschaftler sind neugierige Menschen. Diese Karte zeigt, dass viele von ihnen auf der ganzen Welt daran arbeiten, das Coronavirus zu bekämpfen. Egal, ob sie neue Tests, Medikamente oder Impfungen suchen. Sie sind voller Optimismus, uns irgendwie helfen zu können.

Es scheint, wir müssen in diesen Wochen täglich umdenken. An das Social Distancing haben wir uns gewöhnt, auch wenn manchmal von 1,5 Metern Abstand, ein anderes Mal von 2 Metern Abstand die Rede ist. Aber wie so oft: die Realität des Lebens komplizierter. Das zeigt eine aktuelle Veröffentlichung von Lydia Bourouiba vom Massachusetts Institute of Technology (MIT), über turbulente Gaswolken und ihre Dynamik. Im Artikel (in englischer Sprache) zeigt ein Video sehr eindrücklich, wie sich die feinsten Tröpfchen beim Niesen bis zu fast 8 Metern ausbreiten können. Dabei können sich kleinste Tröpfchen in der Gaswolke (bedingt durch Wärme und Feuchtigkeit) ihrer Verdampfung entziehen und dadurch bis zu 1000-fach länger existieren und Viren transportieren.

Nebenbei weisen andere Daten darauf hin, dass auch die Viruslast wichtig ist, also wie viele Viren in den Tröpfchen enthalten sind. Vieles deutet darauf hin, dass die Schwere der Erkrankung auch davon abhängig ist. Wer sich mit wenigen Viren angesteckt hat, erkrankt offenbar leichter als jemand, der von vielen Viren heimgesucht wird. Das unterstreicht nochmal das Risiko für Pflegepersonal und Ärztinnen und Ärzte.

Was geht in der Welt rum? Während sich COVID-19 über den Erdball verbreitet hat, wurden manch andere Viren zu schnell vergessen. Deutlich gefährlicher als Coronaviren sind die Ebola- und Marburg-Viren, aber auch das Gelbfieber-Virus. Äthiopien erlebt gerade wieder einen kleinen Ausbruch mit derzeit 85 Verdachtsfällen und 4 gesicherten Todesfällen. Der große Unterscheid zu Coronaviren: Gegen Gelbfieber schützt eine einzige Impfung fast zu 100%.

Für alle, die Asterix und Obelix lieben: Als Hommage an den großartigen Zeichner Albert Uderzo gibt es eine Sonderausgabe: Unbeugsam mit Asterix – 1. Kostenlos.

Ich wünsche Ihren Kindern und Ihnen von Herzen ein frohes Osterfest. Genießen Sie die Sonne und Wärme. Danke, dass Sie so treue Leser sind. Ich würde mich freuen, wenn Sie das praxisblättle auch anderen Eltern weiterempfehlen. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff

Was geht rum? 04. April 2020

Informationen fliegen uns zur Zeit nur so um die Ohren. Ob von Politikern, Virologen oder den Anhängern von Verschwörungstheorien. Es ist an uns, uns selbst ein Bild zu machen. Damit kann das praxisblättle wieder zu seinen Wurzeln zurückkehren. Und zwar wollen wir uns wieder vermehrt um die anderen Krankheiten Ihrer Kinder kümmern, die von Corona leider nicht ganz vertrieben wurden.

Um also anderen Themen wieder Platz zu geben, haben wir Ihnen hier einige wichtige Links eingestellt, damit Sie sich selbst aktuell über den Stand der COVID-19 informieren können:

Ja, dabei wollen wir es für diese Woche mal mit COVID-19 belassen. Da fällt mir noch der unvergessene Karl Valentin ein: „Es ist zwar schon alles gesagtnur noch nicht von jedem!“

Der Frühling nimmt an diesem Wochenende einen erneuten Anlauf mit warmen Temperaturen. Damit ist der Weg frei für die Birkenpollen. Allergische Kinder und Jugendliche (oder besser gesagt Sie als Eltern) sollten wichtige Medikamente vorhalten. Das gilt besonders für die, die mit einer Atemnot rechnen müssen: Kurz mal im Medikamentenschrank zuhause nachsehen, ob also ein Notfallspray (beispielsweise Salbutamol) dort zu finden ist. Abgelaufen? Leer? Alles im grünen Bereich? Dann kann der Frühling ja mal starten.

Es ist klar, dass noch viele andere Erkrankungen rumgehen: Durchfall, einfache Erkältungen, oder auch Mittelohrentzündungen. Aber hinter der Heimtücke und der Tödlichkeit des neuen Coronavirus stehen sie, glücklicherweise, alle zurück. Was gestern noch schlimm schien, ist heute harmlos. Zumindest langfristig. Auch wenn für Kinder auch solche Infekte wirklich belastend sein können.

Es gibt auch gute Nachrichten. Die Rotaviren, von denen Kinder gerne im Frühjahr heimgesucht werden, halten sich in diesem Jahr zurück. Die Zahl der Fälle ist verglichen mit 2019 halb so groß. Letzte Woche wurden gerade mal 7 Neuerkrankungen landesweit festgestellt, wo es sonst weit über 50 pro Woche sind. Auch die Kinderkrankheiten wie Keuchhusten halten sich zurück. Von den 25 Fällen an Keuchhusten traten allein 5 in Freiburg auf. Hoffen wir mal,dass dies die Realität abbildet und nicht die fehlende Meldefreudigkeit in Zeiten von ….. Corona.

Was geht in der Welt rum? In vielen tropischen Ländern ist das Dengue-Fieber wieder sehr verbreitet. So zum Beispiel in Singapur, wo sich 4776 Personen in diesem Jahr bereits angesteckt haben. Damit haben im Stadtstaat in den letzten Jahren die Erkrankungen mit Dengue ständig zugenommen. In diesem Jahr sind es gar doppelt so viele wie im letzten Jahr.

Cerealien. Aus verschiedenen Getreiden hergestellt. Foto: pixabay, congerdesign

Den Deutschen ist ein gutes Frühstück wichtig. Dabei spielen die Cerealien („Müesli“) eine wichtige Rolle. Weil sie auf gerösteten Getreiden beruhen erscheinen sie vielen als „gesund“. Und die Milch dazu hat den gleichen Ruf. Die Kritik der Kinder- und Jugendärzte am viel zu hohen Zuckergehalt ist trotz angeblicher Maßnahmen der Nahrungsmittelindustrie noch immer richtig. Das zeigt nochmals eine Studie der AOK,die zum Schluss kommt, dass 99% aller Kindercerealien überzuckert sind. Bis zu 43 Gramm Zucker auf 100 Gramm Cerealien – das kann’s wirklich nicht sein.

So kurz vor Ostern steht die Schokolade in Form von Hasen immer ganz oben bei den Wünschen in Deutschland. In diesem Jahr scheint es ein bisschen anders zu sein. Lindt & Sprüngli verkauft zwar weiterhin die berühmten Goldhasen. Sie sind aber spürbar weniger gefragt als: Toilettenpapier.

Ich wünsche Ihnen einen erfrischenden Frühlingsanfang. Blauer Himmel, klare Luft und frisches Grün in der Natur tun unserer Seele gut. Danach dürfte der Start in die kommende Woche etwas einfacher sein. Auch wenn uns die Viren weiter zusetzen. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff

Was geht rum? 28. März 2020

Während wir uns im Social Distancing üben, ist die Zahl der COVID-19-Kranken weltweit auf über eine halbe Million angestiegen. Auf den Straßen ist spürbar weniger los. Trotzdem bekommen die meisten Menschen kaum direkt mit, was das Coronavirus ausrichtet. Zahlen sind so abstrakt. Allein in Freiburg wurden am Donnerstag 50 Menschen wegen COVID-19 beatmet. Bei dieser hohen Zahl schwer Erkrankter verwundert nicht, dass Freiburg seit heute 5 Corona-Tote meldet. Und dass dort die Zahl der COVID-19-Erkrankten auf 141 – bezogen auf 100.000 Menschen – anstieg. Damit liegt die Breisgaumetropole aber noch deutlich hinter Tübingen (238), das mittlerweile Platz 4 unter den am meisten betroffenen Stadt- und Landkreisen in Deutschland einnimmt. Stark betroffen sind aber auch ländliche Kreise wie Sigmaringen (180) und ganz besonders der Hohenlohekreis mit 312 COVID-19-Fällen auf 100.000 Einwohner.

COVID-19-Fälle auf 100.000 Einwohner in Baden-Württemberg (Stand: 27.03.2020). Je dunkler die Farbe, umso höher liegt die Zahl der Erkrankten. Der tiefblaue Kreis hat >250, die dunkelblauen >100 Erkrankungen auf 100.000 Einwohner. Bei den hellen Kreisen sind es < 50 auf 100.000 Einwohner. Quelle: RKI

Ein deutscher Kinderarzt, der in Brescia in Italien arbeitet, hat gerade einen Bericht an die Kollegen in Deutschland versandt. Die gute Nachricht: Kinder sind selbst in Italien nur wenige erkrankt (etwa 300). Fast alle von ihnen nur leicht. Sie benötigen allenfalls Sauerstoff. Was aber die Erwachsenen betrifft ist die Situation erschreckend. Mauern niedergerissen um Sauerstoff-Leitungen zu verlegen, Klinik-Küchen werden zu Intensivstationen umgebaut und Pfleger, Schwestern und Ärzte arbeiten rund um die Uhr. Auszubildende müssen voll mitarbeiten. Wartezimmer sind kahl, in den Ecken ein Stuhl. Sein Bericht endet: „Bereitet Euch also gut vor, es kommt schlimmer und schneller als ihr denkt!

Für Familien mit Kindern stellt sich die Frage, wie groß ist eigentlich das Risiko für meine Kinder? Laut RKI sind heute 42.288 Personen an COVID-19 erkrankt (27. März 2020, Daten des RKI). Davon sind 1143 Kinder und Jugendliche im Alter von 0 -14 Jahren. Also 2.7% aller jetzt Erkrankten sind Kinder. Ihr Anteil an der Bevölkerung liegt aber fünf Mal höher (13.5%). Im Umkehrschluss zeigen die Daten, dass Kinder offensichtlich seltener an COVID-19 erkranken. Diese Tendenz wird auch durch erste Veröffentlichungen aus China bestätigt. So berichten Haiyan Qiu und Mitarbeiter über die Behandlung von 36 Kindern (Durchschnittsalter 8 Jahre), die alle nach 14 Tagen als geheilt aus der Klinik entlassen werden konnten. Eine andere Studie Lingkong Zeng und Mitarbeiter untersuchte Neugeborene, deren Mütter in der Schwangerschaft an COVID-19 erkrankt waren. Unter den 33 Neugeborenen erkrankte eines schwer. Letztlich wurden alle wieder gesund.

Sicher können auch Kinder als gesunde Überträger das Virus weitergeben. In welchem Umfang aber die Kinder zur Verbreitung von COVID-19 beitragen, das wissen wir eigentlich nicht so richtig. Für so eine wichtige Gruppe in unserer Gesellschaft wäre das aber dringend geboten. Insbesondere, weil die Isolierung von Kindern eine extreme Belastung für die Kinder selbst und die Familien darstellt.

Das Virus mag den sichtbaren Alltag verlangsamen, aber in Bezug auf die politischen Prozesse und ganz besonders die Digitalisierung ist SARS-CoV-2 ein Beschleuniger. Die Nutzung des Internets feiert fast täglich Rekorde. Die stärksten Nutzer sind Netflix, YouTube und Co. Sie machen über 60% des Datenvolumens aus. Damit es nicht zu Engpässen kommt, haben die Dienste die Übertragungsrate ihrer Produkte um 25% gedrosselt. Filme und Serien sind ab jetzt nur noch in SD-Format statt HD zu sehen.

Aber es gibt viele Alternativen zu den Medien. Was können Kinder unter den schwierigen Bedingungen in einer kleinen Wohnung noch tun? Hier ein paar Anregungen:

Bärlauch in unseren Wäldern. Ein wichtiges und würziges Wildkraut, das unsere Küche bereichert    Quelle: ptw

Außen-Aktivitäten

Familien (so sie in einem Haushalt leben) dürfen ganz offiziell gemeinsam nach draußen gehen.

  • In den nächst gelegenen Wald gehen und den Vögeln zuhören, die gerade jetzt sehr singfreudig sind. Sie als Eltern können die Vogelstimmen nicht unterscheiden? Gut, dann lernen auch Sie dazu. Zur Vorbereitung kann man sich hier auf der Seite des NABU darauf einstimmen. Vom NABU und anderen Anbietern (teilweise kostenpflichtig) gibt es diese Informationen auch als App.
  • Im Wald können die ersten Triebe von Pflanzen (Farne, Waldmeister u.a.) beobachtet werden.
  • Im Wald Bärlauch ernten, um die eigene Küche mit diesem Wildkraut zu bereichern. Anfänger sollten sich zuvor über die Unterscheidung zu Maiglöckchen informieren. Deren Blätter sind nämlich giftig, aber recht einfach zu unterscheiden. 
  • Oder: Der Wald ist voller Material, das zu Hause kreativ für ein Kunstwerk eingesetzt werden kann – ob Holzstücke, Äste, Blätter oder Eicheln. Die Phantasie liegt nicht rum, aber sie schlummert in uns.
  • Steine gibt es überall. Unbeachtet, haben sie teilweise eine wunderbare Schönheit. Einfach mal anfangen und mit einem Vergrößerungsglas oder einer Lupe zuhause anschauen.
  • Enten füttern mit den Kleinen.

Spiele spielen Quelle: ptw

Innen-Aktivitäten

Kinder und Jugendliche spielen gerne.

  • Mensch-ärgere-Dich-nicht. Irgendwo wird es noch herumliegen. Das spielen alle gern. Und später kommen je nach Alter Spiele wie Uno, skip-bo oder Quirkle dran. 
  • Collagen basteln – beispielsweise mit Materialien aus dem Wald.
  • Auf einer alten Matratze rumhüpfen. Oder im Garten auf einem Trampolin. Das sollte vor der ersten Nutzung in diesem Jahr kontrolliert werden: Sind die Federn korrekt eingehängt und gespannt? Ist die Sprungmatte ohne Risse?
  • ein Puzzle zusammensetzen.
  • Pustebilder, sehr lustig (nicht immer für Eltern, wenn’s zu wild wird). Einen Klecks Wasserfarbe aufs Papier geben. Dann die Farbe mit Hilfe eines Strohhalms auf dem Papier verpusten. 

Von Tag zu Tag verstehen wir das SARS-CoV-2 besser. Eine kürzlich in Lancet Infectious Diseases veröffentlichte Studie aus Hongkong zeigt zwei Erkenntnisse. Zum einen bildet der Körper bereits 10 Tage nach Auftreten der Krankheit spezifische Antikörper aus, die vermutlich vor weiteren Infektionen schützen. Damit lässt sich künftig eine durchgemachte Krankheit im Blut nachweisen. Zumindest für Forschungszwecke. Zum anderen kann die Ausscheidung von Viren bis zu 20 Tagen dauern. Die Genesung von dieser Krankheit kann also dauern.

Einige Familien können durch das Coronavirus in wirtschaftliche Nöte kommen. Sie sollten sich informieren, ob ihnen ein Kinderzuschlag zusteht. Dazu gibt es Anhaltspunkte:

  • Wer kein Arbeitslosengeld II bezieht und wenig verdient kann unter bestimmten Voraussetzungen einen Zuschlag zum Kindergeld erhalten.
  • Möglich sind bis zu 185 Euro je Kind monatlich (bezahlt durch die Familienkasse)
  • Den Kinderzuschlag gibt es ab einem monatlichen Einkommen von 900 Euro, bei Alleinerziehenden ab 600 Euro. Mit steigendem Einkommen sinkt der Zuschlag.
  • Sollte der Verdient durch die Corona-Krise kurzfristig niedriger sein, kann ein Anspruch auf einen Notfall-Kinderzuschlag bestehen. 

Ob tatsächlich ein Anspruch besteht, kann man beim KiZ-Lotze der Bundesagentur für Arbeit prüfen. Der Antrag kann hier online gestellt werden.

Belastung durch Birkenpollen in Basel Quelle: pollenundallergie.ch

Am Oberrhein ist die Birkenpollensaison eröffnet. Abhängig von der Wärme bewegten sich die Konzentrationen in der letzten Woche zwischen schwach und extrem stark. An diesem Wochenende mit den frühlingshaften Temperaturen dürfte wieder ein sehr starker Pollenflug zu erwarten sein.

Was geht in der Welt rum? Im Moment beherrscht das Coronavirus die ganze Welt. Bislang scheint Afrika weitgehend ausgenommen. Das könnte daran liegen, dass das warme Klima das Virus ebenso ausbremst wie bei uns sonst die Influenza (Grippe). Es gibt einige Forscher, die das vermuten. Es könnte aber auch sein, dass in den armen Ländern keine Ressourcen bestehen um nach dem Virus zu fahnden. Auffällig ist jedenfalls, dass die gut entwickelten Staaten Südafrika, Ägypten und Algerien die höchsten Erkrankungszahlen melden, während am anderen Ende Süd Sudan, Burundi und Eritrea liegen, die alle zu den Ärmsten der Region gehören. Von Reisen dorthin ist trotz der niedrigen oder fehlenden Erkrankungen abzuraten.

Heute fasst es Lorenz Maroldt vom Berliner Tagesspiegel Checkpoint treffend zusammen: „Corona ist eine Prüfung, ein Überfall auf die Welt. Aber anders als andere Generationen zuvor müssten die Menschen heute nicht einmal kämpfen, um den Angreifer abzuwehren. Sie müssten ihm nur aus dem Weg gehen, ihm ausweichen, anstrengungslos. Der beste Platz dafür ist das Sofa. Es ist so leicht, so absurd – aber vielleicht gerade deshalb so schwer zu verstehen.“  

Ich wünsche Ihnen eine anhaltend gute Gesundheit und weiterhin Gelassenheit, die täglich neuen Herausforderungen des Lebens zu meistern. Gemeinsam – mit der Familie und Ihren Freunden – werden Sie stärker. Gerade in der Krise. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff

Was geht rum? 21. März 2020

Inzwischen beherrscht uns das Coronavirus bereits seit mehr als zwei Monaten. Und ein Ende ist nicht in Sicht. Den Verlauf der Erkrankung zeigt erschreckend deutlich diese interaktive Karte. Ihre Daten beruhen auf den gemeldeten und geprüften Fallzahlen des RKI (Robert Koch-Institut in Berlin). Innerhalb von 9 Tagen hat sich die Zahl der Erkrankungen in Baden-Württemberg mehr als verzehnfacht. Bezogen auf 100.000 Menschen von 2.5 (11. März) auf heute morgen 33.3 (21.März). Auch im Alltag ist zu spüren, dass sich viele Menschen aus dem öffentlichen Raum zurückziehen. Das ist gut so, denn bekanntermaßen ist die soziale Distanz im Moment wichtig, um die Ausbreitung des COVID-19 zu bremsen: #SocialDistancing.

Für alle Eltern, die ihren Arbeitgeber noch überzeugen müssen, dass sie zuhause arbeiten können, gibt es zum home office einen kostenlosen Ratgeber „guide“ des Magazins t3n hier. Eine Möglichkeit, für die eigenen Kinder da zu sein und dennoch arbeiten zu können. Nicht immer einfach, aber …. immerhin.

Haben mein Kind oder ich uns mit dem Coronavirus angesteckt? Das fragen sich wohl einige Familien täglich. Das Problem ist, dass die Erkrankung nicht ganz so leicht zu erkennen ist. Die Symptome von COVID-19 kommen auch bei anderen Erkrankungen vor. Damit ist eine Diagnose nur über die Testung möglich. Im Einzelnen kann auftreten:

  • Fieber (bei etwa 90%)
  • Husten, meist als eher trockener Reizhusten (70%)
  • Durchfall (02 – 33%)
  • verstopfte Nase
  • Störungen des Riechens  

Es bleibt also das Problem, dass wir Erkrankte nicht erkennen können. Auch, weil manchmal fast keine Symptome vorliegen, aber dennoch eine Ansteckungsfähigkeit. Nach Informationen des RKI geht die Ansteckungsfähigkeit bis zu 7 Tage lang. Inzwischen hat eine Forschergruppe um Florian Krammer von der Icahn School of Medicin am Mount Sinai in New York einem Antikörpertest (Publikation in englischer Sprache) entwickelt. Mit dessen Hilfe kann im Serum eines Menschen nachgewiesen werden, ob COVID-19 durchgemacht wurde. Damit könnten Personen identifiziert werden, die bereits eine Abwehr gegen das neue Coronavirus aufweisen ohne dass sie spürbar diese Krankheit durchgemacht hätten.

Die aktuellen Erkrankungszahlen weltweit zeigt die bekannte Karte der Johns Hopkins University.

Zecke am Ohr. Klein, aber deswegen nicht harmlos. Quelle: ptw

Die warmen Tage der letzten Woche haben zwei weitere medizinische Belastungen aufleben lassen. Zum einen die Zecken. Sie sind wieder aktiv und verbreiten im Wesentlichen zwei Krankheiten. Da ist einmal die bakteriell bedingte Borreliose, die zunächst wenig Symptome macht und in dieser Phase unbedingt erkannt werden sollte. Dann lässt sie sich mit einem Antibiotikum vollständig behandeln. Zum anderen gibt es die FSME (Früh-Sommer-Meningo-Encephalitis). Sie wird durch Viren ausgelöst und ist nach Ausbruch nicht mehr (ursächlich) behandelbar. Andererseits gibt es eine gut wirksame Impfung, um sich davor zu schützen. Wer die noch nicht hat und sich gegen FSME wappnen möchte, sollte sich jetzt impfen lassen.

Birkenpollenflug am Oberrhein in Basel Quelle: pollenundallergie.ch

Die andere Entwicklung in der letzten Woche mit den traumhaften Temperaturen war die spürbare Zunahme des Pollenfluges. Die Pollen-Allergien sind zurück. Noch ist der Flug der Birkenpollen – bis auf die letzten 3 Tage – schwach. Daran wird sich auch in der ersten Hälfte der kommenden Woche nichts ändern. Sollten aber die Temperaturen wieder angenehme Werte um 20 Grad erreichen, wird sich für Birkenpollenallergiker einiges ändern. Wer also plant, seinem allergischen Kind ein Antihistaminikum zu geben, tut sich gut daran bald damit zu beginnen. Der Erfolg ist spürbar grösser, wenn die Therapie vor den ersten Beschwerden begonnen wird. Wann das ist, hängt natürlich vom Wohnort ab. Kinder am Kaiserstuhl werden bald Probleme bekommen. Wer in Freudenstadt lebt hat vermutlich noch wenige Wochen Zeit.

In afrikanischen Metropolen geht es eng her. Durch die Bedeutung der kleinen und großen Märkte als Versorgungszentren sind die Kontakte unter den Menschen deutlich häufiger als bei uns. Bleibt zu hoffen, dass das Coronavirus wenigstens dort fernbleibt. Quelle: ptw

Was geht in der Welt rum? Angesichts der massiven Krise durch COVID-19 in Europa, sind Informationen über ferne Länder im Moment für Familien mit Kindern wenig bedeutsam. Reisen sind ohnehin untersagt. Dennoch beobachten wir auch die anderen Regionen in der Welt. So die Zentralafrikanische Republik, in der seit Jahresbeginn über 6600 Menschen – meist Kinder – an Masern erkrankt sind. Verstorben sind daran 108 Personen. Die Masern werden auch durch Viren verursacht. Gegen sie gibt es jedoch eine sehr gut wirksame Impfung, die bei uns leider nicht von allen genutzt wird. In Afrika steht diese aus Kostengründen oft nicht zur Verfügung. Dadurch sind gerade Kinder und Jugendliche auch den Masern hilflos ausgeliefert.

Sollte die Coronavirus-Pandemie in Afrika gleiche Ausmaße annehmen wie bei uns, werden wir noch ganz schreckliche Dinge – aus der Ferne – erleben. Ich fürchte, das wird in wenigen Wochen der Fall sein. Nachdem gestern die ersten drei (offiziellen) COVID-19-Fälle in Madagaskar gemeldet wurden, hat auch dort der Sturm auf Toilettenpapier und einige andere Artikel de täglichen Lebens eingesetzt. Dort gibt es einige wenige Supermärkte für die Wohlhabenden, in denen es also genauso abläuft wie bei uns.

Ich wünsche Ihnen für das Wochenende genügend Gelassenheit, um die vielen beunruhigenden Meldungen zu verarbeiten. Schön, dass uns wenigstens die Natur täglich ein Stückchen mehr mit ihren Farben erfreut. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff

Was geht rum? 14. März 2020

Vermutlich nimmt bei Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, die Verwirrung in diesen Tagen täglich oder stündlich zu. Nun hat sogar der Vatikan die Schließung aller katholischen Kirchen in Italien verfügt. Seltsame Zeiten. Nein, das ist keine Science Fiction. Wir erleben eine Krankheit, COVID-19 genannt, die sich über den Erdball ausbreitet. Und gleichzeitig erleben wir persönlich von dieser Krankheit in den meisten Fällen nichts. Außer den Folgen von Sorgen, Angst oder Panik. Was sollen wir also glauben? Hier dazu sechs Fakten.

Erstens. Der amerikanische Präsident hat den Schuldigen gefunden. Das SARS-CoV-2 Virus sei ein „ausländisches Virus“. Sehr praktisch. In der Geschichte gab es mehrfach Versuche, „Ausländer“ zu brandmarken. Zum Beispiel die Syphilis (Geschlechtskrankheit). Die Franzosen nannten sie seinerzeit „englische Krankheit“, die Engländer „französische Krankheit“. Grenzen können nicht effektiv geschlossen werden, weder damals, noch heute. Es ist für uns wenig bedeutsam, wo das Coronavirus herkam. Wichtig ist, es breitet sich weltweit aus. Und wir sollten dazu beitragen, dass diese Verbreitung weniger heftig verläuft.

Zweitens. Länder sind unterschiedlich organisiert und haben Gesundheitssysteme, die mal besser, mal weniger gut aufgestellt sind. Das erklärt zum Teil, warum die Erkrankungsfälle und Todesfälle von Land zu Land so stark variieren. Aber eben nur zum Teil. Großteils wissen wir und unsere Experten noch zu wenig über diesen Erreger. Aber wir alle lernen täglich dazu.

Wasser und Seife – alles was es braucht, um das Risiko für Ansteckung drastisch zu senken Quelle pixabay; Susanne Jutzeler

Drittens. Für uns in Baden-Württemberg ist im Moment noch alles ziemlich gut. Nach Angaben des SWR sind, Stand diese Woche, 2,5 von 100.000 Menschen infiziert. Von diesen sind 80% nur leicht betroffen. Das ist eine gute Basis. Weil wir bereits wissen, dass das Coronavirus sich rasch ausbreiten kann, helfen Hygienemaßnahmen (wie das Händewaschen) und die Vermeidung großer Menschenansammlungen enorm, um eine schwere Epidemie im Ländle zu vermeiden.

Viertens. Wie erklärt sich, warum wir trotz der wenigen Infektionen im Lande so vorsichtig sein sollen? Die Ausbreitung von Krankheiten hängt von einer Reihe Faktoren ab. Dabei sind viele wie die Inkubationszeit (Zeit zwischen Ansteckung und Erkrankung), die Latenzzeit (Zeit bis eine angesteckte Person selbst für andere anstecken wird) und die Zeit der Ansteckungsdauer nicht veränderbar. Sie sind vom Erreger, also hier dem Coronavirus, vorgegeben. Worauf wir als Menschen einen Einfluss haben, ist die Basisreproduktionszahl Ro. Diese Zahl zeigt an, wie viele Personen ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt. Beim SARS-CoV-2-Erreger sind das nach den bisherigen Forschungen 2,4 – 3,3 Personen. Nach statistischen Analysen würde dies bedeuten, dass zwei Drittel der Bevölkerung über die kommenden Monate angesteckt würden, bevor sich niemand mehr anstecken kann. In China lag diese Zahl Ro nach einer letzten Studie im Januar bei 3,86 und wurde durch die drastischen Maßnahmen wie die Abschirmung von Millionenstädten auf Ro=0,32 Mitte Februar gesenkt. Man hatte also erreicht, dass es nur jedem dritten Infizierten gelang, eine weitere Person zu infizieren.

Bodensee im Frühling   Quelle   ptw

Fünftens. Viele versuchen die Angst zu schüren und den Weltuntergang zu beschwören, besonders die Börse, die vor wenigen Tagen noch ihre Rekorde feierte. Wir sollten aber wissen, dass die Verbreitung des Coronavirus ähnlich verläuft wie beim Influenzavirus und anderen Viren auch. Erkrankungen mit diesen Viren haben wir alle durchgemacht. Und überstanden. Wir dürfen also entspannt bleiben, sollten aber unseren Alltag anders organisieren. Statt großer Feste können wir schöne Spaziergänge in der erwachenden Natur machen. Für Baden-Württemberg hat die Regierung entschieden, dass ab Dienstag der kommenden Woche alle Kindergärten und Schulen bis zu den Osterferien geschlossen werden. Dann wird es für die berufstätigen Eltern der etwa 2 Millionen Schüler mühsam. Sie müssen ihren Alltag umkrempeln und im engeren Umfeld nach Lösungen suchen, wie ihre Kinder tagsüber betreuen (lassen) können. Eltern, die beide in einem „besonders sensiblen Beruf“ (Polizei, Feuerwehr, Gesundheit u.a.)  arbeiten, erhalten Hilfe vom Land.

Sechstens. Eine Impfung ist in diesem Jahr realistischerweise nicht zu erwarten. Sollte eine entwickelt sein, bräuchte sie noch Monate, um ihre Wirksamkeit und gute Verträglichkeit zu belegen. Wer anderes sagt hat im besten Fall wenig Ahnung. Es gibt im Moment aber eine kleine Aussicht auf eine ursächliche Therapie. Die Substanz heißt Remdesivir und wurde ursprünglich als Therapie gegen das Ebola-Virus entwickelt. Von ihr ist bereits bekannt, dass sie gut verträglich ist. Zwei Studien versuchen gerade zu erforschen, ob sie auch eine ausreichende Wirkung hat. Mit Ergebnissen – sagen die Forscher – könnte in einem Monat zu rechnen sein.

Kinder und Jugendliche können vermutlich zur Ausbreitung der COVID-19 beitragen, erkranken aber selten daran. Wenden wir uns also den Krankheiten zu, die die Jüngsten im Lande persönlich jetzt härter treffen könnten. Wie erwähnt, ist die Influenza die häufigste und schlimmste Infektion im Ländle in diesen Tagen. Die Hygienemaßnahmen (Händewaschen, Reinigen von Türklinken etc.) helfen auch gut gegen die Grippe. Geimpfte Personen haben etwa ein halb so großes Risiko krank zu werden. Immerhin. Es gibt noch einige weitere Viren, die Atemwegsinfekte auslösen: das RS-Virus, das humane Metapneumovirus (HMPV), das Rhinovirus, das Adenovirus , einige Parainfluenzaviren und – erschrecken Sie nicht – die Coronavirus-Typen 229E (CoV 229E), OC43, NL63 und HKU1 (seit den 1960ger Jahren wurden weltweit mehr als 40 verschiedene Coronaviren entdeckt). Letztere sind also schon Jahrzehnte unterwegs und befallen Kinder. Man weiß, dass etwa 15-30% aller „Erkältungen“ der letzten Jahrzehnte auf ein Corona-Virus zurückgehen und meist harmlos verlaufen. Alle lösen in unterschiedlichem Ausmaß Schnupfen, Husten und Fieber aus. Und gegen alle hilft was wir täglich hören und hier lesen: Hygiene, meiden großer Menschenansammlungen.

Eschenpollen-Konzentrationen der Pollenfalle in Münsterlingen (Schweiz)  Quelle  www.pollenundallergie.ch

Ach so, es gibt ja noch die Pollen. Fast vergessen. Die Zeit der Hasel- und Erlenpollen ist vorbei. Der Flug der Eschenpollen hat bereits eingesetzt, obwohl dies im langjährigen Mittel erst Anfang April zu erwarten wäre. Es ist mit mittleren Konzentrationen zum Wochenende und einer weiteren Zunahme in der kommenden Woche zu rechnen.

Eigentlich wollte ich in diesem praxisblättle vom Kongress der amerikanischen Allergologen (AAAAI) in Philadelphia berichten, wo ich selbst an diesem Wochenende ein Poster über eine Studie zu Allergien und Asthma bei Kindern in Madagaskar vorstellen wollte. Zu Recht wurde dieses Meeting wegen der Pandemie abgesagt und so erlebe ich den zarten Frühlingsbeginn in Oberschwaben.

Was geht in der Welt rum? Das Hauptthema weltweit bleibt das SARS-CoV-2 genannte Coronavirus. Glücklicherweise löst es bei Kindern und Jugendlichen nur selten eine Krankheit aus. Aber das Ansteckungsrisiko ist auf allen Reisen nachweislich höher – für Coronaviren wie für Influenzaviren. Insofern ist es im Moment ratsam, sich mit Kindern nicht auf grössere Reisen zu begeben (sofern überhaupt Flüge möglich sein sollten). Schwerwiegender als die beiden Viren ist beispielsweise das Gelbfieber-Virus in Brasilien, das bereits zu mehreren Todesfällen in diesem Jahr führte. Dagegen gibt es aber eine hervorragend wirksame Impfung. Bei Reisen in exotische Länder sind im Moment die Gefahren höher als sonst. Wer nicht aus beruflichen Gründen losziehen muss, bleibt lieber im Land. Der Schwarzwald hat auch seine Reize!

Ich wünsche Ihnen für das Wochenende viel Sonnenschein und schöne Spaziergänge mit Ihren Kindern. Und bleiben Sie nächste Woche mutig, auch wenn’s manchmal mühsam sein sollte. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff