Kategorie: Was tut gut?

Was hilft gegen Erbrechen bei Kindern?

Alle Eltern erleben es irgendwann: Ihr Kind sitzt im Bett, würgt und erbricht. Ein jämmerliches Bild. Alle wollen das möglichst schnell beenden, um dem Kind diesen Stress und die Angst zu nehmen. Aber wie?

Da gibt’s doch die „Erbrechenszäpfle“? Ja, davon gibt es so manche. Aber helfen die wirklich?

Eine Untersuchung der Forschergruppe um Laura F. Niño-Serna von der Universität Antioquia in Medellín (Kolumbien) hat die verfügbaren Daten zu diesem Thema im renommierten Journal der amerikanischen Kinderärzte (Pediatrics) zusammengefasst. Das wird Metaanalyse genannt, also eine Arbeit, die versuch das aktuell verfügbare Wissen zu einer Frage in eine Antwort zu gießen.

In den Datenbanken fanden die Wissenschaftler 1840 Treffer zum Thema Antiemetika (Mittel gegen das Erbrechen) bei Magen-Darm-Grippe von Kindern. Von diesen Studien suchten sie 24 Arbeiten aus, die den strengen Kriterien genügten (sog. randomisierte, kontrollierte Studien). Darin sind Daten von 3482 Kindern im Alter von einem 1/2 bis zu 5 Jahren aus 16 Ländern enthalten.

Was fanden die Forscher? Die einzig gut wirkende Substanz war Ondansetron (Zofran©, Axisetron©). Sie vermochte Erbrechen bei Magen-Darm-Infektionen zu beenden und die Notwendigkeit zur stationären Behandlung bzw. zur Anwendung von Infusionen deutlich zu vermindern. Das Problem ist: In Deutschland ist diese Arznei im Kindes- und Jugendlichenalter nur für die Behandlung von Erbrechen im Rahmen einer Chemotherapie im Rahmen einer Krebsbehandlung zugelassen. Für eine Magen-Darm-Grippe besteht keine Zulassung.

Alle anderen Arzneien kann man sich schlicht sparen, folgt man den Daten der Untersuchung: Dimenhydrinat (Vomex A©, Vomacur©) oder Metoclopramid (Paspertin©).

Wer sich genauer informieren möchte, kann die umfangreiche Sk2-Leitlinie akute infektiöse
Gastroenteritis im Säuglings-, Kindes- und Jugendalter zu diesem Thema studieren. Dort finden sich Hinweise für gesicherte Erkenntnis zur Therapie des Erbrechens bei Gastroenteritis (Seite 44 und folgende). Die ausführlichen Erläuterungen zur medikamentösen Therapie (Seite 56 und folgende) ist sicher für manche Eltern ebenfalls interessant.

Kurzes Fazit: Bei Erbrechen von Kindern hilft die geduldige Gabe von Flüssigkeit am besten. Gute Medikamente zum Beenden des Erbrechens gibt es, sie sind aber für diese Diagnose bei Kindern nicht zugelassen – faktisch also verboten. Die Medikamente, die zugelassen sind, verwenden Eltern lieber nicht. Sie bringen praktisch nichts, außer unerwünschte Nebenwirkungen.

Warum wir uns maskieren sollten

Was vor einem halben Jahr noch zum Schmunzeln anregte, ist heute fast schon Standard: der Mund-Nasen-Schutz (MNS). Sein Ziel: Er soll den Flug der Tröpfchen, die beim Ausatmen die Nase und beim Sprechen den Mund verlassen, abbremsen. Das bedeutet natürlich, dass er beide Eingänge zu den Atemwegen filtern muss. Mund und Nase. Nebenbei hilft er auch etwas, Tröpfchen von außen bei der Einatmung abzublocken.

Zwei Corona-positive Hairstylisten und ihre gesunden Kunden. Der Mundschutz macht’s. Quelle: cdc.gov

Dazu eine schöne Geschichte, die gerade im Morbidity and Mortality Weekly Report (MMWR) veröffentlicht wurde. Die Autoren um M. Joshua Hendrix berichten von 2 Haar-Stylisten in den USA, die mit dem Coronavirus infiziert waren. Vermutlich haben sie sich beim Reden nach der Arbeit gegenseitig angesteckt. Es verwundert nicht, dass in beiden Familien mehrere Mitglieder an COVID-19 erkrankten. In ihrem Salon jedoch trugen sie konsequent eine Maske während sie 139 Klienten (jeweils über 15 Minuten) stylten. Von diesen 139 Personen erkrankte: Niemand. Bei 67 der Kunden wurde ein Rachenabstrich durchgeführt: alle negativ. Maske nutzt. Wenn man sie be-nutzt.

Häufigkeit, mit der ein Mund-Nasen-Schutz in einigen Ländern seit Februar 2020 getragen wird. Quelle: The Economist

In vielen Ländern Asiens wird er seit langem getragen und gehört zur Normalität, wie die blaue Kurve (mittlere Graphik, Ostasien) für China zeigt. Viele Länder haben nachgezogen. So ist das Tragen des MNS in Spanien neuerdings ebenso Alltag wie in China.

Eine Reihe von Länder in Europa haben die Maskenpflicht neu eingeführt (Schweiz: im öffentlichen Nahverkehr), wieder erneuert (Österreich) oder ausgeweitet (Frankreich: auf Banken, Supermärkte und Kultureinrichtungen).

Meist ist es der einfache, oft selbst genähte MNS der getragen wird. Er bietet einen guten Schutz. Da aber verschiedene Materialien zum Einsatz kommen, lässt sich dieser nicht genau bestimmen. Im Übrigen ist für jeden dieser MNS unklar, wie lange die Schutzwirkung anhält. Sicher ist nur: Der Mund-Nasen-Schutz muss über dem Mund und der Nase getragen werden. Sonst ist er wirkungslos.

Qualitativ besser sind Atemschutzmasken, die eng anliegen und die Einatmen- und/ oder Ausatemluft filtern. Allerdings nur, wenn sie korrekt getragen werden. Wie das geht (oder besser nicht gemacht wird) zeigt eine schöne Informationstafel des Robert Koch-Instituts (RKI). Speziell weist sie nochmals darauf hin, dass diese Atemschutzmasken (also FFP2, FFP3 oder der amerikanische Standard N95) mit oder ohne Ventil geliefert werden.

  • Mit Ventil: Diese Maske filtert nur die Einatemluft. Damit stellt sie einen Eigenschutz dar. Aber keinen Fremdschutz. Vorteile sind verminderter Hitze- und Feuchtigkeitsstau sowie verlängerte die Tragedauer
  • Ohne Ventil: Filtert die Einatemluft und die Ausatemluft. Damit stellt diese Maske einen Eigen- und einen Fremdschutz dar.

Viele Studien haben untersucht, ob ein Mundschutz vor der Übertragung von Viren schützen kann. Eine zentrale Arbeit hierzu erschien bereits vor 11 Jahren. Damals gab es noch kein SARS-CoV-2,wohl aber Grippeviren (Influenza A und B). Auf diese hin haben die Forscher um D.F. Johnson in Australien ihre kranken Probanden untersucht. Die Untersuchung lief in 4 Schritten ab: 1. Husten ohne Maske, 2. Husten hinter einer N95-Maske, 3. Husten in eine chirurgische Maske und 4. Nochmals Husten ohne Maske. Die Tröpfchenladung beim Husten wurde 20 cm vor dem Mund des Probanden aufgefangen. Danach erfolgte ein PCR-Test, der auch heute der Standard bei der Erfassung des Coronavirus ist.

Im Ergebnis zeigte sich, dass die chirurgischen Atemmasken gegenüber den N95-Masken (sie entsprechen den deutschen FFP2-Masken) gleich gut wirkten und die gesamte Viruslast abblocken konnten.

Fazit: Vor wenigen Tagen hat sich der Leiter des Centers of Disease Control (CDC) zum MNS geäußert. Dr. R.R. Redfield. “Cloth face coverings are one of the most powerful weapons we have to slow and stop the spread of the virus…..“ (Stoff-Gesichtsmasken sind eine der stärksten Waffen die wir haben, das Virus zu verlangsamen und zu stoppen).

FODMAP Diät: Sinnvoll für Kinder?

Bauchschmerzen kommen bei Kindern häufig vor. Und das macht es für die Umgebung so mühsam, diese Schmerzen richtig einzuordnen. Am Schmerz besteht kein Zweifel. Aber ob dieser eine organische oder eine psychische Ursache hat, das lässt sich nicht so ohne weiteres sagen. Das ist eine Frage, mit der sich Eltern an die Kinder- und JugendärztInnen wenden sollten, die ihre Kinder kennen.

Sicher ist nur: Eine Diät einfach mal so zu beginnen, ist nicht sinnvoll. Und kann gerade bei Kindern Schaden anrichten.

Eine Diät, die im Zusammenhang mit Bauchschmerzen immer wieder auftaucht ist die FODMAP: fermentable oligo-, di-, monosaccharides and polyols“. Diese Diät umfasst also Kohlenhydrate und deren Alkohole, die von der Schleimhaut nur in geringem Umfang aufgenommen werden und damit zur Gärung im Dickdarm neigen. Dazu zählen neben anderen Fruktose, Laktose, Sorbit und Mannit. Die FODMAPs tragen aber bei gesundem Darm auch zur Vermehrung von Präbiotika (Bifidobakterien, Lactobazillen) und somit zur Gesundheitserhaltung bei. Günstig sind die FODMAPs auch für die Aufnahme von Calcium und Vitamin C bzw. für eine bessere Stuhlkonsistenz.

Ein FODMAP-arme Diät hat somit Auswirkungen auf vielfältige Prozesse des Darmes. Sie sollte insofern immer von einer erfahrenen Fachkraft begleitet und nur für eine begrenzte Zeit durchgeführt werden. In dieser Periode von sehr wenigen Wochen sollten Provokationen von Nahrungsanteilen erfolgen.

Aus diesen Hinweisen wird deutlich, dass die Durchführung einer FODMAP-Diät bei Kindern und Jugendlichen nur in enger Abstimmung mit einem kinderärztlichen Gastroenterologen und nie „nach Kochbuch“ in Eigenregie erfolgen sollte. Sie wird meistens als Instrument zur Klärung schwierig fassbarer Erkrankungen wie Reizdarmsyndrom oder einer sog. Nicht-Zöliakie-Glutensensitivität genutzt, die bei Kindern ohnehin selten sind.

Hühnerei-Allergie und Ekzem beim Säugling

Nahrungsmittelallergien scheinen an Bedeutung zuzunehmen. Sie schränken einerseits die Lebensqualität ein und können für die Betroffenen auch lebensgefährlich sein.

Zu den häufigsten Allergien in den ersten beiden Lebensjahren gehört die Allergie gegen Hühnerei. Die europäische EuroPrevall-Studie untersuchte eine Gruppe von 12.049 Kindern ab Geburt, die in Bezug auf Allergien beobachtet wurde. Kürzlich erschien im The Journal of Allergy and Clinical Immunology: In Practice zum Thema Hühnereiallergie eine Studie aus der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Kirsten Beyer von der Charité in Berlin. Auf der Basis von 86 Kindern aus der EuroPrevall-Studie mit gesicherter Eiallergie konnten sie zeigen, dass das Ekzem (Neurodermitis) eng mit dem Risiko einer Hühnereiallergie verknüpft ist.

Interessant ist, dass bei nachgewiesener Ei-Allergie das Ekzem im Schnitt 3,6 Monate zuvor begonnen hatte. Interessant ist ebenso, dass das Ekzem rasch an Schwere zugenommen hatte. Bei besonders starker Neurodermitis (SCORAD über 15) lag die Wahrscheinlichkeit für eine Eiallergie bei über 25%. Der Zeitpunkt, wann Ei erstmals zugefüttert worden war hatte jedoch keinen Einfluss. Es scheint also einen Zusammenhang von Ekzem und Kontakt zu Ei zu bestehen.

Weitere Risikofaktoren für eine Hühnerei-Allergie waren eine Antibiotikagabe in der ersten Lebenswoche und ein bestehender Schnupfen.

In einer Anschluss-Studie soll nun untersucht werden, ob ggf. gezielte Hautpflege und frühes Zufüttern von Ei günstig sein könnten. Diese Daten müssen abgewartet werden, bevor Empfehlungen ausgesprochen werden.

Unsere Einschätzung: Bei schwerem, rasch aufgetretenem Ekzem scheint es ratsam, mit einer/m allergologisch versierter/m Kinderärztin/arzt Kontakt aufzunehmen, um eine Allergie gegen Hühnerei auszuschließen.

Impfung gegen Mücken

Da könnte noch mancher Impfgegner schwach werden: Eine Impfung gegen Mückenstiche. Aber wie soll das gehen? Und was können wir davon erwarten?

Über Impfungen gibt es in Zeiten des Coronavirus tägliche Informationen. Aber die Impfungen, von den wir hören, sind sämtlich gegen einen einzigen Erreger gerichtet: Impfung gegen Gelbfieber, gegen Malaria (bisher erfolglos), gegen FSME. Jetzt haben Forscher um Jessica E. Manning vom National Institute of Health (NIH) in Bethesda (USA) erste Untersuchungen mit einem Impfstoff durchgeführt, der sich gegen die Speichelsekrete des übertragenden Insekts richtet.

Die Idee dabei ist genial. Wir bekämpfen nicht mehr jeden einzigen Erreger. Denn davon gibt es viele in Mücken, die diese Erreger übertragen: Malaria, Dengue, Gelbfieber, Chikungunya, Zika, Japan-Encephalitis, West Nil-Fieber. Wenn es gelingen könnte, einen Impfstoff gegen Eiweiße im Speichel von Stechmücken zu entwickeln, könnte im Idealfall die Übertragung von Krankheiten beim Mückenstich verhindert werden. Immerhin werden weltweit 17% aller Infektionen durch Vektoren wie Mücken oder Zecken übertragen. Und diese führen jährlich zu über 700.000 Todesfällen.

In Tierexperimenten konnte bereits gezeigt werden, dass dieser Ansatz erfolgreich ist. Eine Impfung gegen die Eiweiße (Proteine) im Speichel der Insekten war erfolgreich um Krankheiten zu verhindern, die durch das Insekt übertragen werden. Diese Studie an Menschen zeigte nun, dass die Anwendung des Impfstoffes gut vertragen wurde und dass nach einem Insektenstich eine Immunantwort ausgelöst wurde. Genau das war die Fragestellung dieser „Phase-1-Studie“ – vergleichbar mit den Phase-1-Studien bei der Entwicklung von Impfstoffen gegen das neue Coronavirus, wie sie von den Formen curevac in Tübingen und BionTech in Mainz gerade durchgeführt werden.

Wie wir diese Studie sehen: Es ist ein spannender Ansatz, einen Impfstoff gegen Eiweiße im Speichel von Moskitos durchzuführen. Sollte sich bei den kommenden Studien auch beim Menschen zeigen, dass damit die Übertragung von Krankheiten (wie Malaria, Gelbfieber, West-Nil-Fieber) verhindert werden kann, wäre das genial und Nobelpreis-verdächtig. Der Schritt zu einem Impfstoff gegen den Speichel von Zecken wäre dann nicht mehr weit. Und wenn dieser erfolgreich wäre, hätten Kinder und Erwachsene eine Schutz gegen FSME und Borreliose.  Gleichzeitig. Aber das ist erstmal Zukunftsmusik.

Sonnenschutzmittel für Kinder

Pünktlich zur sonnigsten Jahreszeit hat die Stiftung Warentest ein Untersuchung zu 17 Sonnenschutzmitteln für Kinder veröffentlicht. Bis auf das teuerste sind alle gut geeignet. In der folgenden Tabelle haben wir die vier Besten zusammengestellt.

Produktname Preis pro 100 ml Note Anmerkung
Lidl Cien Sun Kids Sonnencreme 2,25 € sehr gut (1.4) Feuchtigkeitsanreicherung (1.0)
Müller Lavozon Kids Med Sonnenmilch 2,48 € sehr gut (1.4)
Aldi Ombra Sonnenspray Easy Protect 1,99 € sehr gut (1.5) Anwendung nur gut (2.2)
Rossmann Sunozon Kids Sonnensoray 2,40 € sehr gut (1.5)

Die Unterschiede zwischen diesen Produkten sind in allen Aspekten marginal. So stehen für Kinder somit sehr gute Produkte als Creme, Milch oder Spray zur Verfügung. Das test-Heft Juli 2020 enthält den kompletten Test mit den oft spannenden Hinweisen im Text. Darin sind auch gute Sonnenschutzpräparate aus früheren Jahren (2018 und 2019) nochmals aufgeführt.

Hirnhautentzündungen bei Kindern. Welche Impfungen helfen?

Hirnhautentzündungen sind ein Schrecken. Besonders wenn es Kinder trifft, die aus völliger Gesundheit plötzlich schwer krank werden.

Die Hirnhaut heißt in der Sprache der Mediziner meninx (Haut) encephali (Gehirn). Deswegen sprechen Ärzte von der Meningitis, wenn es um eine Entzündung („itis“) der Hirnhaut geht. Diese kann durch Hunderte verschiedener Ursachen entzündet sein, wie

  • Bakterien: HiB (Haemophilus influenzae B), Borrelien (durch Zecken übertragen) und viele mehr
  • Viren: FSME (Frühsommer-Meningo-Encephalitis, durch Zecken übertragen), Masern, Windpocken und weitere
  • Parasiten wie Würmer
  • nicht-infektiös – beispielsweise durch Medikamente

Viele Ursachen bedeutet auch: nur viele verschiedene Therapien helfen. Es kann also auch vorbeugend keine „Impfung gegen Hirnhautentzündung“ geben, sondern immer nur die Impfung gegen einen bestimmten Erreger. Nach Einführung der Impfung gegen Haemophilus influenzae Typ B vor fast 30 Jahren folgten weitere (besonders gegen Pneumokokken und Meningokokken-C), die zu einem erheblichen Rückgang von bakteriellen Entzündungen der Hirnhäute führten.

Altersverteilung der Erkrankungen an Meningokokken-Meningitis Quelle: RKI

Besonders schlimme Infektionen bis heute sind noch immer die invasiven Meningokokken-Meningitiden. Die Tödlichkeit dieser Infektion ist gerade für Säuglinge sehr hoch. Traten im Jahre 2001 noch 781 dieser Infektionen auf, ging die Zahl bis im Jahre 2019 in Deutschland auf 295 zurück. Dieser Effekt geht auch auf Impfungen (gegen Meningokokken Typ-C) zurück. Die meisten schweren Meningitis-Erkrankungen (invasiv) werden heute durch Meningokokken des Typs B (58.6%) verursacht und betreffen vorwiegend Säuglinge.

Nun gibt es hierfür seit einigen Jahren eine Impfung (4CMenB – Handelsname Bexero©), die bis heute jedoch noch nicht von der STIKO (Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut) empfohlen und somit keine Standardimpfung in Deutschland ist. Eine Studie aus England um den Forscher Shamez N. Ladhani hat nun herausgefunden, dass die Impfung gegen die Meningokokken Typ B bei Säuglingen dazu führt, dass die Zahl der erwarteten Infektionen um 75% zurückgeht, wenn die Impfquote entsprechend hoch ist. Das ist in England, wo diese Impfung seit Jahren staatlich empfohlen ist, der Fall. Dort sind 92.5% aller Kinder im ersten Lebensjahr gegen 4CMenB geimpft. Die Wirksamkeit der Impfung beginnt bereits mit der ersten Injektion und steigt mit den folgenden Nachimpfungen weiter an.

Impfempfehlungen gibt die STIKO unter Beachtung vieler Kriterien. Dazu gehört auch, ob eine Impfung von den Eltern angenommen wird oder nicht. Die Einstellung zu Impfungen hat sich mutmaßlich durch das Corona-Virus geändert. Mal sehen, ob sich in Folge dessen auch die STIKO zu einer Empfehlung hinwenden wird. Ende August wissen wir mehr. Dann kommen die neuen jährlichen Empfehlungen.

pet-the-tick (ptt): Zeckenentfernung durch Streicheln

Es ist Zeckenzeit. Wer aus der Haustüre tritt ist bereits in der Natur und kann mit Zecken nach Hause zurückkommen. Ab dem Verlassen des Hauses können wir Zecken begegnen. In der Hofeinfahrt, im kleinen Park bei der Straßenbahnhaltestelle oder in den Grünanlagen des Schwimmbads.

Zecken übertragen manche folgenschwere Krankheiten. Bei uns sind das die Borreliose und die FSME (Frühsommer-Meningo-Encephalitis). Je länger die Zecke Zeit hat sich beim Menschen aufzuhalten, umso größer ist das Risiko der Ansteckung..

Die sofortige Entfernung von Zecken ist also wichtig. Für Panik und Hektik besteht jedoch keinerlei Anlass. Wenn also eine Zecke entdeckt wird, sollte das Vorgehen gut überlegt werden. Ein sofortiger Termin beim Arzt ist nicht erforderlich.

Die Entfernung sollte so schonend wie möglich erfolgen, um die Zecke nicht in den letzten Sekunden zu weiteren Bissen – und damit zur möglichen Übertragung weiterer Erreger – anzuregen. Dazu gibt es im Internet eine Reihe von Websites, die oft darstellen wie man es „richtig“ macht – wobei dieses Wort zu unterschiedlichen Ergebnissen führt. Nahezu alle dieser Methoden verlangen ein Werkzeug. Und allermeist hat der Betreiber der Webseite Gründe, warum er über dieses Thema schreibt. Denn rein zufällig, kommt ein direkter Hinweis, welches Werkzeug man verwenden sollte.

(1) Zecke über Bißstelle Quelle: ptw

An dieser Stelle möchten wir eine Methode vorstellen, für deren Anwendung man nur einen seiner Finger benötigt + Zärtlichkeit + Geduld. Bislang ist diese Methode nirgends publiziert, aber bei einigen regionalen Kinder- und Jugendärzten jahrzehntelang im Einsatz. Die Erfolgsquote liegt über 80%. Erfolglos ist die Methode an einigen Körperstellen, über denen kreisende Bewegungen eines Fingers nicht möglich sind.

Die Streichelmethode – pet-the tick (ptt)

(2) Finger beim Streicheln Quelle: ptw

Diese Art Zecken zu entfernen verzichtet auf alle Hilfsmittel und kann somit jederzeit eingesetzt werden. Die jeweilige Zecke wird mit einem Finger entfernt. Dazu braucht es

  1. Zärtlichkeit. Die Zecke wird mit der Kuppe des rechten Zeigefingers (bei Linkshänder mit dem linken) mit kreisenden Bewegungen gestreichelt. Dabei wird ein Druck von 10-20 Gramm ausgeübt und ein Kreis von etwa 5-8 mm mit einer Geschwindigkeit von etwa 120/min. Das klingt alles kompliziert, ist aber ganz enspannt und einfach durchzuführen. Der Druck ist also ganz gering. Die Zecke ist unter der Fingerkuppe beim Streicheln spürbar, sollte aber nie gesehen werden (als keine Neugierde). Man streichelt solange, bis die Zecke loslässt und als kleines Kügelchen zu spüren ist.
  2. Dazu braucht es Geduld. Gerade bei den ersten Anwendungen haben viele Zweifel, ob eine so „primitive Methode“ überhaupt wirken kann. Man wird unruhig, schaut unter den Finger, hört immer wieder auf. Damit dauert der Akt länger und Geduld ist gefragt. Mit zunehmender Erfahrung gelingt es eine Zecke meist in 1-3 Minuten zum Loslassen zu bewegen. Wenn bei richtiger Technik nach 5 Minuten kein Erfolg kommt, sollte man aufgeben. Auch das kommt vor. Dann kann gelegentlich auch der Einsatz einer Zeckenzange erforderlich werden. 

(3) Die Zecke hat losgelassen Quelle: ptw

Die Zecke wird nach Entfernung entweder auf den Finger oder in der Umgebung der Bißstelle krabbeln. Sie wurde ja nicht zerstört. Man kann sie mit dem Finger oder einer Pinzette nehmen und beseitigen. Nicht sinnvoll ist es, sie im Garten auszusetzen, weil sie sonst in wenigen Tagen vielleicht wieder den Weg zurück zu ihrem Opfer findet.

 

Was ist nach erfolgreicher Entfernung zu unternehmen?

Mit der Streichelmethode wird die gesamte Zecke entfernt, es verbleibt kein Teil in der Haut. Dennoch ist eine einmalige Desinfektion der Bissstelle wichtig (z.B. mit Octenisept©) . Da die Zecke 2 Krankheiten übertragen kann, sind auch 2 Überlegungen wichtig:

  1. Borreliose. Die Einstichstelle sollte täglich zwei Wochen lang inspiziert werden. Eine kleine Rötung nach Zeckenbiss ist häufig und unproblematisch (sofern nach der Entfernung eine Desinfektion erfolgte – s.o.). Wenn sich aber eine kreisförmige Rötung mit einem Durchmesser von mehr als 10 mm ausbildet, sollte ein/e Kinder- und Jugendärzt/in aufgesucht werden. Dort wird untersucht, ob es sich um ein beginnendes Erythema migrans handelt.Das ist eine Form der Borreliose, die mit einem Antibiotikum sicher und einfach behandelt werden kann.
  2. FSME. Gegen die FSME hilft nur die Impfung. Ob eine Impfung des Kinder, Jugendlichen oder Erwachsenen sinnvoll ist, sollte mit der/m Kinder- und Jugendärzt/in  besprochen werden. Baden-Württemberg ist inzwischen in allen Landkreisen als Risikogebiet eingestuft und weist seit 2 Jahren die meisten FSME-Erkrankungen aller Bundesländer auf. Insofern ist die Impfung für die meisten Schulkinder und Jugendlichen sinnvoll.

Unfallrisiko nach der Kontaktsperre

Mit dem schönen Wetter, gehen gerade Kinder wie mehr nach draußen. Hinzu kommt, dass sich mit den ersten Lockerungen des Lockdown auch der Aktionsradius der Kinder ausweitet. Endlich können sie freier spielen. Damit das Unfallrisiko begrenzt bleibt, sollten Eltern einige Risiken vorab einschätzen. Und mit den Klein-Kindern die ersten Schritte zu mehr Wagemut gemeinsam gehen.

Schulweg

Auch wenn es paradox erscheint: Die meisten Unfälle auf dem Weg von und zur Schule passieren im Auto (41.6% laut Angaben des statistischen Bundesamtes). Erst dann kommen die Fußgänger (29.8%) und schließlich die Fahrradfahrer. Logische Konsequenz aus diesen Zahlen: Wenn es die Strecke und der Zeitplan der Familie zulässt, sollten Kinder zu Fuß zur Schule gehen oder mit dem Fahrrad fahren. Die Gefahren auf der Strecke sollten zuvor angeschaut werden (Ampel, Einbiegungen, unübersichtliche Engstellen). Dabei ist auch sinnvoll, verschiedene Strecken anzusehen, weil Kinder durchaus auch mal vom üblichen Weg abweichen.

Das Fahrrad ist häufig ein gutes Fortbewegungsmittel. Besonders dann, wenn die Kinder die verschiedenen Probleme im Verkehr kennen und dies in der Fahrradprüfung bereits bewiesen haben. Da die Prüfung erst in der 4. Grundschulklasse stattfindet, sollte für die meisten Kinder das Fahrrad erst ab dann auf dem Weg zur Schule eingesetzt werden.

Im Auto

Die meisten Unfälle passieren im Auto. Deswegen ist ein altersentsprechender Autokindersitz sehr wichtig. Weitere Informationen hierzu haben wir in einem praxisblättle zusammengefasst.

Vorbild der Eltern

Im Verkehr, und auch sonst im Zusammenleben mit den Kindern, zählt das Vorbild der Eltern. Was wir als Eltern tun, machen Kinder meist nach. Heute oder später. Darauf können wir zählen. Diese Chance sollten Eltern nützen, um den Kindern schwerwiegende Unfall-Folgen zu ersparen. Nicht, dass wir ängstlich sein sollten. Eine gewisse Verwegenheit der Eltern gefällt Kindern. An vielen Stellen können wir aber Vorbild sein…

  • wir Eltern tragen regelmäßig den Fahrradhelm
  • wir Eltern gehen raus in die Natur, bewegen uns oder machen Sport
  • wir Eltern verhalten uns am Zebrastreifen korrekt
  • wir Eltern beachten die rote Ampel. Immer.

Das mag sich für manche spießig anhören. Aber damit geben wir als Eltern einen Rahmen vor, der unsere Kinder schützt. Ihre kleinen Freiheiten holen sie sich schon selber. Und es ist meist auch gut, die Kinder machen zu lassen, ohne das ganze mit einem langen Vortrag einzuleiten. Kinder wissen meist ohnehin, wie was geht. Und sonst fragen sie.

Weitere Hinweise gibt eine Broschüre, die hier heruntergeladen oder kostenlos bestellt werden kann.

Babytragetücher

Nach der Geburt werden in vielen Kulturen die Babies eng am Körper getragen. Meist von den Müttern. So spüren die Säuglinge weiterhin, wie zuvor im Mutterleib, die Wärme der Eltern, den Herzschlag und hören die bekannte Stimme. Und sie sind am Leben direkt beteiligt.

Das einfache Tragetuch, das hierzu früher auch bei uns verwendet wurde, muss gekonnt gefaltet werden, um den Körper des Säuglings in seiner natürlichen Haltung zu tragen. Weil das so mühsam ist, werden heute verschiedene Tragetücher angeboten. Die Stiftung Warentest hat sich im Januarheft 2020 diesem Thema gewidmet. In TEST-Heft finden Eltern auf den Seiten 64-70 eine Reihe guter Hinweise. Dabei geht es insbesondere um die Haltung des Rückens und der Hüfte (M).

Hier wollen wir kurz die guten Tragesysteme als Einstieg in das Thema vorstellen:

Typ Name Note Preis Anmerkung
Vollschnallen-Tr. Manduca XT 2.0 159 € einfache Anwendung
Kokadi Flip Gr Baby 2.1 179 € einfache Anwendung
Halbschnallen-Tr Hoppediz Nabaca R 1.9 150 € ergonomisch sehr gut
Cybex Maria.tie 2.5 120 €
Tragetücher Amazonas Carry Sling 1.7 50 € Wickeltechnik erforderlich
Didymos Prima 1.8 109 € Wickeltechnik erforderlich

Bei den Tragetüchern müssen Eltern eine Wickeltechnik erlernen, was bei den Halb- und Vollschnallen-Tragetüchern nicht erforderlich ist. Ansonsten zeichnen sich alle vier getesteten Tücher durch Schadstofffreiheit und einen recht günstigen Preis aus.