Kategorie: Was tut gut?

Unfallrisiko nach der Kontaktsperre

Mit dem schönen Wetter, gehen gerade Kinder wie mehr nach draußen. Hinzu kommt, dass sich mit den ersten Lockerungen des Lockdown auch der Aktionsradius der Kinder ausweitet. Endlich können sie freier spielen. Damit das Unfallrisiko begrenzt bleibt, sollten Eltern einige Risiken vorab einschätzen. Und mit den Klein-Kindern die ersten Schritte zu mehr Wagemut gemeinsam gehen.

Schulweg

Auch wenn es paradox erscheint: Die meisten Unfälle auf dem Weg von und zur Schule passieren im Auto (41.6% laut Angaben des statistischen Bundesamtes). Erst dann kommen die Fußgänger (29.8%) und schließlich die Fahrradfahrer. Logische Konsequenz aus diesen Zahlen: Wenn es die Strecke und der Zeitplan der Familie zulässt, sollten Kinder zu Fuß zur Schule gehen oder mit dem Fahrrad fahren. Die Gefahren auf der Strecke sollten zuvor angeschaut werden (Ampel, Einbiegungen, unübersichtliche Engstellen). Dabei ist auch sinnvoll, verschiedene Strecken anzusehen, weil Kinder durchaus auch mal vom üblichen Weg abweichen.

Das Fahrrad ist häufig ein gutes Fortbewegungsmittel. Besonders dann, wenn die Kinder die verschiedenen Probleme im Verkehr kennen und dies in der Fahrradprüfung bereits bewiesen haben. Da die Prüfung erst in der 4. Grundschulklasse stattfindet, sollte für die meisten Kinder das Fahrrad erst ab dann auf dem Weg zur Schule eingesetzt werden.

Im Auto

Die meisten Unfälle passieren im Auto. Deswegen ist ein altersentsprechender Autokindersitz sehr wichtig. Weitere Informationen hierzu haben wir in einem praxisblättle zusammengefasst.

Vorbild der Eltern

Im Verkehr, und auch sonst im Zusammenleben mit den Kindern, zählt das Vorbild der Eltern. Was wir als Eltern tun, machen Kinder meist nach. Heute oder später. Darauf können wir zählen. Diese Chance sollten Eltern nützen, um den Kindern schwerwiegende Unfall-Folgen zu ersparen. Nicht, dass wir ängstlich sein sollten. Eine gewisse Verwegenheit der Eltern gefällt Kindern. An vielen Stellen können wir aber Vorbild sein…

  • wir Eltern tragen regelmäßig den Fahrradhelm
  • wir Eltern gehen raus in die Natur, bewegen uns oder machen Sport
  • wir Eltern verhalten uns am Zebrastreifen korrekt
  • wir Eltern beachten die rote Ampel. Immer.

Das mag sich für manche spießig anhören. Aber damit geben wir als Eltern einen Rahmen vor, der unsere Kinder schützt. Ihre kleinen Freiheiten holen sie sich schon selber. Und es ist meist auch gut, die Kinder machen zu lassen, ohne das ganze mit einem langen Vortrag einzuleiten. Kinder wissen meist ohnehin, wie was geht. Und sonst fragen sie.

Weitere Hinweise gibt eine Broschüre, die hier heruntergeladen oder kostenlos bestellt werden kann.

Babytragetücher

Nach der Geburt werden in vielen Kulturen die Babies eng am Körper getragen. Meist von den Müttern. So spüren die Säuglinge weiterhin, wie zuvor im Mutterleib, die Wärme der Eltern, den Herzschlag und hören die bekannte Stimme. Und sie sind am Leben direkt beteiligt.

Das einfache Tragetuch, das hierzu früher auch bei uns verwendet wurde, muss gekonnt gefaltet werden, um den Körper des Säuglings in seiner natürlichen Haltung zu tragen. Weil das so mühsam ist, werden heute verschiedene Tragetücher angeboten. Die Stiftung Warentest hat sich im Januarheft 2020 diesem Thema gewidmet. In TEST-Heft finden Eltern auf den Seiten 64-70 eine Reihe guter Hinweise. Dabei geht es insbesondere um die Haltung des Rückens und der Hüfte (M).

Hier wollen wir kurz die guten Tragesysteme als Einstieg in das Thema vorstellen:

Typ Name Note Preis Anmerkung
Vollschnallen-Tr. Manduca XT 2.0 159 € einfache Anwendung
Kokadi Flip Gr Baby 2.1 179 € einfache Anwendung
Halbschnallen-Tr Hoppediz Nabaca R 1.9 150 € ergonomisch sehr gut
Cybex Maria.tie 2.5 120 €
Tragetücher Amazonas Carry Sling 1.7 50 € Wickeltechnik erforderlich
Didymos Prima 1.8 109 € Wickeltechnik erforderlich

Bei den Tragetüchern müssen Eltern eine Wickeltechnik erlernen, was bei den Halb- und Vollschnallen-Tragetüchern nicht erforderlich ist. Ansonsten zeichnen sich alle vier getesteten Tücher durch Schadstofffreiheit und einen recht günstigen Preis aus.

Neurodermitis. Ist häufiges Baden günstig?

Die Neurodermitis ist eine chronische Entzündung der Haut. Sie betrifft zwischen 15 und 30% aller Kinder weltweit und ist durch eine trockene und rissige Haut gekennzeichnet. Die gestörte Hautbarriere hat viele Folgen. Einmal „liegen die Nerven blank“, was zu einem quälenden Juckreiz führt. Das ist mehr als unangenehm und stört den Nachtschlaf des Kindes und damit auch seiner Eltern erheblich. Daneben treten auch häufige Entzündungen der Haut durch Bakterien oder Viren auf, die ihrerseits die Entzündungsprozesse und deren Folgen enorm anheizen. Ein Teufelskreis.

Vieles ist inzwischen erforscht und wir verstehen die Prozesse recht gut, die in der Haut ablaufen. Wenn es aber zur Therapie kommt, so ist der eine Schlüssel, der alles heilen würde bislang nicht gefunden. Es verwundert also nicht, dass es an Ratschlägen aller Art nicht fehlt. Die beginnen bei teilweise abstrusen Diäten, die dem Kind in seiner Entwicklung sehr schaden können und gehen über das bei allen Krankheiten benutzte Teebaumöl bis zu verschiedenen Pflegecremes.

Auch die Frage, ob ein Kind lieber häufig oder doch selten gebadet werden sollte ist nicht gut geklärt. Hierzu gibt es jetzt aber eine Untersuchung von Ivan D. Cardona und Kollegen aus den USA. Sie ursprünglich 63 Kindern im Alter von 6 Monaten bis 11 Jahren, konnten die Daten bei 40 Kindern ausgewertet werden. Dabei wurde eine Gruppe während zwei Wochen zunächst zweimal wöchentlich für weniger als 10 Minuten gebadet und danach eingecremt („soak-and-seal“). Nach dieser Zeit wurden sie zweimal täglich – aber für 15 bis 20 Minuten – gebadet und danach eingecremt. Bei der zweiten Gruppe wurde genau umgekehrt verfahren. Dabei wurde der Zustand der Haut mit dem SCORAD, einem seit Jahrzehnten bewährten Verfahren, bestimmt.

Es zeigte sich, dass sich der Zustand der Haut mit der „feuchten Methode“ – wenn also die Kinder zweimal täglich gebadet und eingecremt wurden – spürbar gegenüber der „trockenen Methode“ verbesserte. Die Verbesserung des SCORAD’s lag bei 30%, was ein enormer Wert ist.

Die Untersuchung konnte wissenschaftlich belegen, dass häufiges Baden mit nachfolgendem Eincremen deutlich günstiger ist als seltenes Baden. Damit wurde ein Gefühl bestätigt, was viele Eltern und Experten schon lange hatten.

Verhindert vorbeugendes Eincremen eine Neurodermitis?

Ein recht häufiges und für die Babys und ihre Eltern belastendes Krankheitsbild ist die Neurodermitis (atopisches Ekzem). Die Neurodermitis plagt Kinder durch ihren quälenden Juckreiz, die damit verbundenen häufigen Infektionen der Haut und – oft noch schlimmer – einen damit einhergehenden schlechten Schlaf.

Eltern wollen eine solche Belastung ihrem Kind ersparen. Deswegen ergreifen sie viele Maßnahmen, beginnend bei der Ernährung bis hin zu Umstellungen im Lebensalltag. Einer der Vorschläge ist, die schon die Haut des gesunden Babys vorbeugend zu cremen. Aber kann dadurch eine Neurodermitis verhindert werden?

Dieser Frage ging eine Forschergruppe um Joanne R Chalmers im Rahmen der BEEP-Studie nach. In ihrer umfangreichen Studie, die sie hier im Detail nachlesen können, konnten sie in einer Stichprobe von 1394 Babys folgendes zeigen: Babys, die während der ersten 12 Monate regelmäßig eingecremt wurden, hatten im Alter von 2 Jahren ebenso häufig eine Neurodermitis wie die anderen Kinder ohne Behandlung. Eincremen hilft also – leider – nicht vorbeugend.

Als Nebeneffekt zeigte sich, dass Kinder, die regelmäßig eingecremt wurden eine leicht erhöhte Rate an Hautinfektionen hatten.

Was geht rum? 25. April 2020

In dieser Woche stieg die Hoffnung, dass wir trotz der Corona-Pandemie  dem Ziel zu ein wenig mehr Normalität im Alltag nähergekommen sind. Das Paul-Ehrlich-Institut hat erstmals in Deutschland eine Zulassung für die klinische Prüfung eines Impfstoff-Kandidaten gegen Corona erteilt. Damit geht weltweit der fünfte Impfstoff ins Rennen. Das deutsche Start-up BioNtech beginnt die Verträglichkeitsprüfung an gesunden Freiwilligen. Wie schon mehrfach erwähnt: Eine Impfung für alle Menschen ist frühestens 2021 zu erwarten. Und das nur, wenn alles günstig läuft.

Sahara-Staub und Fichtenpollen umrahmen ein Blütenteilchen einer Pappel. Quelle: ptw

Unsere Autos sind morgens gelb bestäubt. Das ist vorwiegend den Pollen der Fichte und teilweise auch dem Sahara-Staub geschuldet, der einigen Regionen farbenfrohe morgendliche Stimmungen bescherte. Der Birkenpollenflug war ebenfalls erheblich und für Allergiker stark zu spüren. Aber eben nicht zu sehen.

Gräserpollenflug. Messstelle Basel Quelle: pollenundallergie.ch

Der Gräserpollenflug hat, wie schon letzte Woche beschrieben, eingesetzt. Die Pollenwerte sind aber noch gering, da sich die Pflanzen aufgrund der trockenen Witterung nicht ordentlich entwickeln können.

Andere Infektionen als COVID-19 spielen kaum eine Rolle, was für diese Jahreszeit nicht außergewöhnlich ist. Ob die niedrigen Erkrankungszahlen an Rotavirus– und Norovirus-Darminfektionen auf die Kontaktbeschränkungen zurückzuführen sind ist unklar. Selbst bei Kinderkrankheiten gibt es kaum neue Infektionen. Während im letzten Jahr zum Beispiel bei Windpocken noch durchschnittlich 135 Kinder jede Woche neu erkrankten, sind es nun gerade mal ein Viertel: 35 Personen. Das ist verständlich: Windpocken werden als Tröpfcheninfektion weitergereicht. Und die verhindern wir gerade – so gut es geht.

Häufigkeit von COVID-19 bei Kindern an deutschen Kinderkliniken. Quelle: DGPI

Seit kurzem sammelt die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) Informationen über Kinder in Deutschland, die an COVID-19 erkranken. Dabei zeigt sich ein Trend zu schweren Verläufen bei Säuglingen und Kleinkindern. Die nebenstehende Grafik verdeutlicht auch, dass 38% aller Erkrankungen auf Kinder im ersten Lebensjahr zurückgehen. Bei Schulkindern (6-10 Jahre) liegt die Häufigkeit mit knapp 10% spürbar niedriger.

Einzelne Kindertagesstätten waren auch in den letzten Wochen teilweise geöffnet für eine Notbetreuung der Kleinsten. Die gesetzlichen Grundlagen hierfür haben sich inzwischen geändert. Anspruch auf die Betreuung ihrer Kinder haben nun:

  • alle Alleinerziehenden 
  • alle, die systemrelevanten Berufen arbeiten

Voraussetzung ist, dass die Eltern nicht aus einem Homeoffice arbeiten können. Welche Berufe systemrelevant sind, ist in jedem Bundesland etwas anders geregelt. Mitarbeiter von Polizei, Feuerwehr, Wasser- und Energieversorgung gehören immer dazu. Teilweise aber auch Steuerberater, Mitarbeiter von Banken oder Krankenkassen. Weitere Informationen fürs das Land Baden-Württemberg sind in einer Pressemitteilung aufgeführt.

Was geht in der Welt rum? Wieder einmal such das Dengue-Fieber global viele Menschen heim. Es ist glücklicherweise nicht so gefährlich wie COVID-19, hat aber für einige Kinder durchaus das Risiko tödlich zu sein. Das gilt besonders für solche, die mehrfach daran erkranken. Besonders betroffen sind in diesem Jahr Guadeloupe (7.260 Fälle), Indonesien (17.280 Fälle), Mexiko (20.815 Fälle) und Argentinien (6.170 Fälle). Ganz dramatisch hat es das ehr kleine Land Paraguay mit 223.750 Erkrankungen bei etwa 7 Millionen Einwohnern getroffen. Eine Therapie oder zugelassene wirksame Impfung gibt es nicht.

Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende. Am besten im Garten zuhause mit Ihren Kindern. Die Frühlingsstimmung sollte uns nicht täuschen. Wir müssen leider noch Abstand halten, das Coronavirus bleibt wie es ist. Gefährlich. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff

Gaumenmandelentzündung: Angina tonsillaris

Eine häufige Krankheit in den Sommermonaten ist die Angina tonsillaris. So heißt sie bei den Ärzten: Angina = Enge, tonsillaris = der Mandeln – also eine Krankheit mit Enge der Mandeln.  Gemeint ist letztlich also eine Infektion der Gaumen-Mandeln, die über die Schwellung auch oft zu einer Enge im Halsbereich führen kann.

Die Angina ist im Kindesalter recht häufig. Sie kommt bevorzugt in den Sommermonaten vor und betrifft Kinder besonders im Alter von 4 bis 12 Jahren.

Erreger

Meist, zu etwa 70%, sind Viren die Auslöser einer Angina. Die übrigen 20-30% gehen auf Bakterien zurück (meist Streptokokken), der Rest verteilt sich auf andere Ursachen.

Symptome

Die meisten Mandelentzündungen beginnen mit Erbrechen, Bauchschmerzen und Fieber ohne dass zunächst Beschwerden im Hals empfunden werden. Diese treten meist innerhalb der ersten 24 Stunden zusammen mit Kopfschmerzen auf. Das Krankheitsgefühl ist sehr unterschiedlich und bei Erkrankungen durch Viren in der Regel weniger stark ausgeprägt.

Akute Mandelentzündung. Die Gaumenmandeln sind gerötet, die Rötung zieht sich bis zum Gaumen. Quelle: By CDC (Centers for Disease Control and Prevention) – http://phil.cdc.gov/phil/, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5626143

Bei der Untersuchung findet sich eine starke Rötung der Gaumenmandeln (Tonsillen), die meist auch angeschwollen sind. Die regionären Lymphknoten (am Unterkieferrand) sind oft schmerzhaft vergrößert, die Wangen gerötet, die Region um den Mund erscheint sehr blass.

Bei der Streptokokkenangina findet sich häufig ein Mund-Ausschlag der von den Mandeln auf den Gaumen übergeht (sog. Enanthem).

In einzelnen Fällen kommt es bei der Streptokokkenangina zu einem Ausschlag der Haut. Dann handelt es sich um den Scharlach. Der Ausschlag des Scharlach tritt oft erst nach 24 – 48 Stunden auf und beginnt parallel in der Achsel- und der Leistenregion. Von dort breitet er sich über den gesamten Körper aus.

Diagnostik

Für eine Therapie ist die Unterscheidung einer viralen Angina von der Streptokokkenangina bzw. dem Scharlach wichtig. Dafür wird ein Rachenabstrich durchgeführt. Dieser kann durch den „ärztlichen Blick“ nicht ersetzt werden wie in Untersuchungen festgestellt wurde. Leider hat der Rachenabstrich selbst auch nur eine Genauigkeit von ca. 93% – eine Restunsicherheit bleibt also.

Therapie

Virusangina : nur unspezifisch, d.h. man lindert die Symptome des Kindes, indem man kalte Flüssigkeit anbietet (führt zur Abschwellung der Mandeln und senkt den Halsschmerz), das gleiche kann auch durch Speiseeis erreicht werden. Zur Nacht oder bei starken Beschwerden und/ oder Fieber kann Ibuprofen (z.B. Nurofen©, Dolormin©) oder Paracetamol (z.B. ben-u-ron© oder Captin©) eingesetzt werden

Streptokokkenangina oder Scharlach. Obwohl es sich hier um eine Infektion durch ein Bakterium handelt, muss nicht unbedingt eine Antibiotikum eingesetzt werden. Die Kinderärztin/ Kinderarzt entscheidet je nach Verlauf über den Sinn einer solchen Therapie. Ein Vorteil der Gabe eines Antibiotikums ist, dass die Ansteckungsfähigkeit schnell – innerhalb 24 Stunden – endet. Und noch wichtiger: Dem betroffenen Kind geht es schnell gut. Verschiedene Antibiotika kommen in Frage, in der Regel reicht das „einfache“ Penicillin V über zumeist 7 Tage.

Früher waren Folgeerkrankungen wie das rheumatische Fieber oder eine schwere Entzündung der Nieren (Glomerulonephritis) nach Scharlach sehr gefürchtet. Die sind jedoch in den letzen Jahrzehnten immer seltener zu beobachten, auch dann, wenn kein Antibiotikum eingesetzt wird.

Sollten Kinder viel Milch trinken?

Milch macht müde Männer munter“ war ein beliebter Slogan in den 1950ger-Jahren. Dass er nicht stimmt, war vermutlich schon damals klar.

Richtig ist, dass Milch – womit in aller Regel die Milch von der Kuh gemeint ist – und Milchprodukte wie Joghurt, Quark und Käse reich an Kalzium und Vitamin D sind. Daraus aber zu schließen, dass man durch Trinken von Milch die Knochen festigen könne und weniger Knochenbrüche im Alter erleiden müsse, stimmt leider nicht.

Da reicht schon der Blick in die Welt. So erleiden in Schweden dreimal so viele Menschen eine Hüftfraktur wie in China, wobei in Schweden Milch ein Grundnahrungsmittel ist und die meisten Chinesen Milch (wegen Laktoseintoleranz) gar nicht vertragen.

Zwei Wissenschaftler von der Harvard University in Boston haben sich mit dieser Frage intensiv auseinandergesetzt. Im New England Journal of Medicine zeigen Walter C. Willet und David S Ludwig auf, dass mit steigendem Milchkonsum das Risiko für Knochenbrüche sogar ansteigt. Warum das so ist, können sie momentan aber noch nicht erklären. Der Körper nimmt sogar dann ausreichend Kalzium auf, wenn ihm nur 1/5 der Menge an Kalzium angeboten wird, die ein Amerikaner durchschnittlich zu sich nimmt.

Manche Studien zeigen, dass ein hoher Milchkonsum zu einer Zunahme der Körpergröße führt.  Für Männer konnte eine Arbeit von Diane Feskanich und Mitarbeiter im amerikanischen Ärzteblatt JAMA zeigen, dass jedes zusätzlich getrunkene tägliche Glas Milch im Jugendlichenalter dazu führte, dass Männer ein um 9% höheres Risiko hatten, eine Hüftfraktur zu erleiden.

Weitere Wirkungen von Milch betreffen auch das Krebsrisiko. Dabei sind die Daten jedoch unschlüssig, indem Milch bei einigen Krebsarten positive, bei anderen negative Auswirkungen hat.

Es besteht also noch einiger Forschungsbedarf. Bis heute ist klar, dass Milch zur Zufuhr von Kalzium nicht nötig ist und dass es für die Gesundheit eher wenig günstig ist. Insofern besteht für Eltern kein Grund ihren Kindern Milch schmackhaft zu machen. Es besteht aber nach momentaner Datenlage auch kein Grund, den Milchkonsum aktiv zu beschränken.

Das Geschäft mit dem Wunsch nach Gesundheit: Schüßler-Salze ?

Gesundheit ist das wichtigste, sagen fast alle Menschen, denen ich begegne. Dazu schweige ich meistens. Zu oft steht die Hoffnung auf immerwährende Gesundheit am Anfang des Selbstbetrugs.

Ein seit Jahren beliebter Weg seine Gesundheit zu erhalten sind die Schüßler-Salze. Sie wurden im 19. Jahrhundert vom Homöopathen Wilhelm Heinrich Schüßler (1821 – 1898) so zusammengestellt. Dabei berief er sich zum einen auf die Forschungen des Pathologen Rudolf Virchow, der an der Berliner Charité Zellforschungen durchführte sowie des holländischen Physiologen Jakob Moleschott, der sich mit der Bedeutung der Mineralstoffwechsels beschäftigte. Selbst Homöopath, störte ihn in dieser Lehre die Vielfalt der angewendeten Mittel und er reduzierte deswegen seine Therapie auf 12 Arzneien – „eine abgekürzte Therapie“, wie er sie selbst nannte. Zur Verwendung kamen Salze in homöopathischen Dosen, „Funktionsmittel“ :

  • 1     Calcium fluoratum (Bindegewebe, Gelenke, Haut)
  • 2     Calcium phosphoricum (Knochen, Zähne)
  • 3     Ferrum phosphoricum (Immunsystem)
  • 4      Kalium chloratum (Schleimhäute)
  • 5      Kalium phosphoricum (Nerven, Psyche)
  • 6      Kalium sulfuricum (Entschlackung)
  • 7      Magnesium phosphoricum (Muskeln, Nerven)
  • 8      Natrium chloratum (Flüssigkeitshaushalt)
  • 9      Natrium phosphoricum (Stoffwechsel)
  • 10    Natrium sulfuricum (innere Reinigung)
  • 11    Silicea (Bindegewebe, Haut, Haare)
  • 12    Calcium sulfuricum (Gelenke)

Alle diese Mittel werden in homöopathischen Konzentrationen von D6 bis D12 angeboten. Das sind umgerechnet 1:1 Million bzw. 1:1 Billion. Diese Zahlen kennen wir aus der heutigen Finanzwelt. Eine Billion heißt praktisch: 1 Teilchen auf 1 000 000 000 000 Teilchen. Das ist eine verschwindend geringe Menge. Das steht im Widerspruch zu seiner These, dass ein Mangel an Mineralien die Krankheiten auslösen würde. Ebenso schwierig ist nachzuvollziehen, wie mit 12 Mitteln (inzwischen werden übrigens 69 Schüßler-Salze angeboten) das Spektrum aller Krankheiten zu behandeln sein soll.

Wie ist die Wirksamkeit zu bewerten? Heute, fast 150 Jahre nach Darlegung von Schüßlers Überlegungen, ist die Medizin sehr wohl in der Lage, einen Mangel an Mineralien nachzuweisen. Auch eine erfolgreiche Behandlung mit Mineralien wäre belegbar. Dennoch existieren keinerlei Studien. Das belegt auch ein Blick auf die Homepage „Forschung und Wissen“, die gleich zu Beginn schreibt: „Doch muss es immer die streng wissenschaftliche Untersuchung sein? Reicht es nicht aus, wenn nach der Einnahme eines Präparates die Mehrzahl der Probanden über eine Besserung ihrer Beschwerden berichten?“ Nein, dieses Gefühl reicht eben nicht aus. Das nennt sich Placeboeffekt. Kurz zusammengefasst:

  1. Ein Wirkungsnachweis für Schüßler-Salze besteht bis heute nicht. Es liegen keinerlei wissenschaftliche Studien vor. 
  2. Bein Einnahme der Schüßler-Salze – meist Tabletten – kann es durch den Gehalt an Laktose bei Laktoseintoleranz zu Beschwerden kommen (darauf weist der Beipackzettel auch hin).
  3. Durch Unterlassen einer nachweislich wirksamen Therapie kann eine „Behandlung“ mit Schüßler-Salzen für Erkrankte schwerwiegende Folgen haben.

Die Therapie mit Schüßler-Salzen kommt einem großen Bedürfnis von uns Menschen entgegen: Wir wollen gesund sein und bleiben. Und das mit möglichst wenig Aufwand (Sport, kein Übergewicht) und ohne Nebenwirkungen aller Art. Ähnliche Wünsche in anderen Bereichen des Lebens (z.B. Finanzen) haben meist fatale Auswirkungen.

Die Schüßler-Salze waren vor 150 Jahren sicher ein spannender Ansatz. Heute wissen wir mehr und können viele Erkrankungen behandeln, die damals noch nicht einmal bekannt waren (z.B. einige Stoffwechseldefekte, die – unbehandelt – im Säuglingsalter zum Tod führen). Insofern wäre es richtig, diese Therapien als interessanten,aber gescheiterten Versuch ihrer Zeit (19. Jahrhundert) zu bewerten, Krankheiten zu behandeln. Schüßler-Salze haben aus meiner Sicht keinen Platz in der medizinischen Behandlung von Kindern und Jugendlichen. Erwachsene, die eine „gutes Gefühl“ dabei haben, kann man nicht davon abhalten. Als Eigenversuch muss sie jeder Erwachsene für sich selbst verantworten.

Die Diskussion über alternative Behandlungsmethoden ist auf politischer Ebene endlich in vollem Gang. Bei den Grünen könnte das zu einer Zerreißprobe führen. Im Moment gehören diese Behandlungen in Deutschland nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV). Allerdings erstatten viele Krankenkassen Behandlungskosten für Naturheilverfahren über ihre sog. Satzungsleistungen. Frankreich ist einen Schritt weitergegangen: Dort werden homöopathische Arzneimittel mangels erwiesener Wirksamkeit ab 2021 nicht mehr erstattet werden.

Ist eine Sitzerhöhung für ältere Kinder als Beifahrer ausreichend?

Für Kinder sind in Deutschland Kindersitze beim Mitfahren im Auto gesetzlich vorgeschrieben. Das trägt dazu bei, dass die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland wie den Nachbarländern von Jahr zu Jahr sinkt.

Zahl der Verkehrstoten bis 2018 Deutschland  Foto: Statista

Die gesetzlichen Vorgaben sind verpflichtend. Aber sie bieten manches Mal nicht den Schutz, der heute machbar und somit sinnvoll ist. Im letzten Heft der Stiftung Warentest (Februar 2020) wurde diese Tatsache nochmals deutlich rausgestellt. Die Stiftung betont, dass insbesondere ein Sitzerhöhung zwar einen Schutz bei frontalen Zusammenstößen biete, aber nicht beim seitlichen Aufprall. Wenn Kinder im Auto einschlafen, sacken sie meist zur Seite weg und hängen dann förmlich in den Seilen, also in diesem Fall im Sicherheitsgurt. Das kann gefährlich werden. Deswegen sei immer auch eine Rückenlehne erforderlich.

Eine gute Zusammenfassung aller Sicherungssysteme bietet der DVR (Deutscher Verkehrssicherheitsrat). In der folgenden Broschüre sind wichtige Details hierzu übersichtlich dargestellt.

Stiftung Warentest betont, dass Kinder erst ab einer Größe von 1,5 Meter auch ohne Sitzerhöhung und Rückenlehne ausreichend gesichert sind.

Mobbing in der Schule

Das Thema Mobbing (engl. to mob: schikanieren) ist besonders in Schulen bedeutsam. Trotz langer Diskussionen mit Schülern und deren Eltern (auch an Elternabenden) sind die Bemühungen, Mobbing zu verhindern oder wenigstens einzuschränken, begrenzt. Das belegt auch die PISA-Studie 2017 die zeigt, dass etwa jeder sechste 15-jährige Schüler in Deutschland von Mobbing betroffen ist. Seit Jahren wird das Thema durch das zunehmende Cybermobbing, das sich häufig in der Anonymität versteckt, verstärkt. Kinder- und Jugendärzten ist dieses dramatische Problem aus dem Alltag gut bekannt.

Nun gibt es von der Techniker-Krankenkasse (TK) und der „Beratungsstelle Gewaltprävention“ der Behörde für Schule und Berufsbildung in Hamburg das Programm „Gemeinsam Klasse sein“ als Anti-Mobbing-Projekt. Bundesweit. Damit können Schulen kostenfrei Materialen nutzen, die sich für die Jahrgangsstufen fünf bis sieben eignen.

Bleibt nur zu hoffen, dass dieses Programm gut angenommen wird. Von Lehrern, denen als sog. Multiplikatoren viel Vorarbeit ins Haus steht. Von Eltern, deren Mitarbeit enorm bedeutsam ist. Und insbesondere natürlich von den Schülern in den Kassen, die durch das Programm zu Experten in der Abwehr von Mobbing werden. Schüler sind die Experten, die ihre Eltern aufklären.

Wo über Mobbing geredet wird darf man hoffen, dass es weniger oft vorkommt.