Kategorie: Was tut gut?

Babymenus

Der Ernährungsaufbau von Säuglingen ist für Eltern so manches Mal verwirrend. Es gibt jedoch einige Eckpfeiler. Einer – allen bekannt – ist, dass Stillen die beste Nahrung für den Säugling ist. Und dass Säuglinge – soweit es der Mutter möglich ist – mindestens 4 Monate, besser 6 Monate, voll gestillt werden sollten.

Nach dem 4. Lebensmonat, wenn also der fünfte Monat begonnen hat, kann mit dem Zufüttern begonnen werden. Ein weiterer Eckpfeiler ist: Spätestens, wenn der Säugling volle sechs Monate alt ist, sollte er neben dem Stillen zugefüttert werden.

Die Breie können von den Eltern selbst hergestellt werden. Gerade zu Beginn des Zufütterns, wenn Säuglinge sich mit Löffelmahlzeiten noch etwas schwer tun und vieles wieder heraustrielen oder – spucken, sind die „Gläsle“ jedoch sehr praktisch.

Dass es bei den Fertiggläschen Qualitätsunterschiede gibt, verwundert nicht. Ein Test der Stiftung Warentest fand heraus, dass nur ein Teil der Produkte die Babys optimal mit Nährstoffen versorgt. Dazu zählen folgende Breie:

Produkt Note Preis Anmerkung
dmBio Fenchel-Pastinake mit Couscous&Huhn 2,2 0,87 € sehr vorteilhafter Fettgehalt
Hipp vegetarisches Menü Couscous Gemüse-Pfanne 2,2 1,25 € vegetarisch; sehr vorteilhafter Fettgehalt
Alnatura vegetarisches Menü Linsengemüse mit Couscous 2,3 1,09 € vegetarisch
Bebivita Rahmkartoffeln mit Karotten und Hühnchen 2,3 0,85 € sehr vorteilhafter Fettgehalt; viel zugesetztes Eisen
Bebivita Kartoffel-Püree mit Gemüse und Hackfleisch 2,4 0,85 € viel zugesetztes Eisen
Alnatura Gemüse mit Süßkartoffeln und Huhn 2,5 1,09 € einziger Brei mit zugesetztem Vitamin C
dm Babylove Tomaten-Gemüse mit Nudeln 2,5 0,58 € vegetarisch; günstigster Fertigbrei, viel Jod

Die Tabelle zeigt die empfehlenswerten Babybreie. Alle enthalten übriges 190 Gramm Brei pro Gläschen. Spannend sind auch viele weitere Informationen, die im Test aufgeführt sind. Wir möchten Ihnen also empfehlen, den ganzen Test zu lesen (Heft 01/2021).

Impfungen: Was haben sie bisher erreicht?

Das Thema Impfung löst bei uns Deutschen häufig enorme Emotionen aus. Das Spektrum reicht von der Sorge um vermeintlich hohe Raten an Nebenwirkungen (die verschweigen würden) bis hin zu Genmanipulationen im Zusammenhang mit den neuen mRNA-Impfstoffen von BioNTech, Moderna und CureVac.

Manchmal ist ein Blick zurück ganz sinnvoll. Was haben Impfstoffe in den letzten Jahrzehnten erreicht? Da aus Deutschland nur unzureichende Daten vorliegen, werfen wir hier anhand der Daten der American Academy of Pediatrics* einen Blick darauf, was Impfungen bisher in den USA aufweisen können:

Erkrankung Jährliche Erkrankungen vor Einführung der Impfung Jährliche Erkrankungen im Jahr 2007 Rückgang in %
Pocken 48.164 0 100
Diphterie 175.885 0 100
Tetanus 1314 28 98
Keuchhusten 147.271 10.545 93
Kinderlähmung 16.316 0 100
Masern 503.282 43 > 99
Mumps 152.209 800 > 99
Röteln 47.745 12 > 99

Dabei zeigt sich, dass einige Krankheiten mithilfe der Impfungen – bezogen auf die USA – auf dem amerikanischen Kontinent ausgerottet sind: Pocken, Kinderlähmung. Der riesige Impferfolg bei anderen Infektionskrankheiten beginnt jedoch zu bröckeln. Die Bereitschaft zum Impfen ist in einigen Gruppen der Bevölkerung abgesunken. Das gilt besonders für die Masern. Aber Impferfolge sind davon abhängig, dass sich gesunde Menschen solidarisieren und sagen: Ich lasse mich impfen, damit ein Erreger sich in meinem Körper nicht ausbreiten kann. Und das, obwohl mir die Krankheit wenig ausmachen würde. Weil es andere Menschen gibt, die keine so gute Immunität haben und meine Solidarität brauchen. Wenn wir beim Impfen erfolgreich sein wollen, müssen wir vom Egoismus etwas abkehren – vom Ich zum Wir.

Die Mehrheit der Menschen in den Industrieländern haben diese schlimmen Krankheiten nicht mehr kennengelernt, die heute – bis auf den Keuchhusten und Tetanus – komplett zu besiegen wären. Ob die Impfpflicht gegen Masern hier etwas bewirken wird, bleibt abzuwarten. Deren Umsetzung wird auch nach der Corona-Pandemie mühsam sein.

Mit den neu entwickelten Impfstoffen gegen das SARS-Coronavirus-2 ist die Diskussion um Impfungen wieder aufgeflammt. Das bietet den Wissenschaftlern die Chance, interessierten Menschen zu erklären, wie die unterschiedlichen Konzepte funktionieren. Das sind jedoch keine Information so nebenbei. Die Impfprinzipien können nicht mit einfachen Schlagwort beschrieben werden. Wichtig ist, dass die Aussagen wie sie die AfD verbreitet zwar einfach sind – aber ebenso auch falsch: fake news. Wer von Genetik spricht, sollte sich auch die Mühe machen, nicht Birnen mit Äpfeln zu vermengen.

* Active and passive immunization. In: Pickering LK, Baker CJ, Kimberlin DW, Long SS, eds. 2009 red book: report of the Committee on Infectious Diseases. 28th ed. Elk Grove Village, IL: American Academy of Pediatrics; 2009; 48-49

Tipps – für Eltern mit kleinen Kindern

Wer Kinder hat ist täglich mindestens einmal unsicher. Wie soll ich reagieren? Was ist gut für mein Kind? Soll ich eingreifen?

Ganz nett wären da ein paar Ideen oder Anregungen von anderen Eltern oder Fachleuten. Sie werden sagen, dafür gibt es doch das praxisblättle – stimmt. Aber es gibt auch andere seriöse Adressen, wo sich Eltern spannende Informationen holen können. Eine davon ist www.gesund-ins-leben.de, ein Netzwerk von Institutionen, Fachgesellschaften und Verbänden. Beiträge gibt es vor allem zum Thema Ernährung wie „So lernen Kleinkinder essen“, aber auch zu „Allergien und Unverträglichkeiten“ und zum Coronavirus.

Neues Jugendschutzgesetz auf dem Weg

Durch die Pandemie wenig beachtet, hat das Bundeskabinett die Reform des  Jugendschutzgesetzes (JuSchG) auf den Weg gebracht. Dabei geht es besonders darum, Kinder und Jugendliche vor den Risiken zu schützen, die von der digitalen Welt ausgehen. Im Fokus stehen hier Cybermobbing, sexuelle Belästigung und auch finanzielle Kostenfallen. Kurzum, das JuSchG wird der neuen Zeit angepasst, in dem der Schutz in der analogen Welt auch in der digitalen Welt gegeben sein soll.

„Was offline gilt, muss auch online gelten“, so der Kinder- und Jugendarzt Dr. Uwe Büsching aus Bielefeld. Die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin (DAKJ) hält auch das neue Gesetz nicht für ausreichend. So fehle eine altersbezogene Beschränkung des Zugangs zu online verfügbaren Spielen: „Die Anbieter müssten sicherstellen, dass jeder, der ihre Spiele nutzt, ein bestimmtes Alter hat. Es braucht eine formale, technische Zugangskontrolle“, sagte der Generalsekretär der DAKJ Prof. Dr. Hans-Iko Huppertz aus Bremen.

Ein erster Anfang ist gemacht. Bis das Gesetz in Kraft treten kann, muss es aber noch viele Hürden nehmen: Zunächst muss es vom Bundestag verabschiedet werden, um dann in der Länderkammer (Bundesrat) diskutiert zu werden. Es werden also noch viele Monate ins Land gehen, bis dieser Schutz aufgebaut ist.

Das von Franziska Giffey geführte Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend weist darauf in einer Pressemitteilung nochmals darauf hin, warum das Gesetz so wichtig und überfällig ist.

Corona-Schnelltests: erhebliche Qualitätsunterschiede

Wo gerade die Erkrankungen mit dem SARS-CoV-2 rasant ansteigen, bekommen die Corona-Schnelltests eine immer größere Bedeutung. Um der Verwirrung vorzubeugen: Die Corona-Schnelltests haben viele Namen: Antigentest. Oder PoC-Test (manchmal PoC-Antigentest), was so viel heißt wie Point of care-Test: Das sind Tests, die unabhängig von einem großen Labor direkt beim Patienten, also am „Ort der Versorgung“ durchgeführt werden.

Die Tests sind somit sehr praktisch, weil unmittelbar nach Durchführung des Test in wenigen Minuten ein Resultat vorliegt. Nur, sie testen etwas ganz anderes als die bisherigen „Corona-Tests“, die sog. PCR-Tests. Und damit ist auch ihre Bewertung anders. Dabei ist wichtig zu wissen, dass ein negatives Ergebnis nicht unbedingt sagt, dass jemand nicht mit dem Virus infiziert ist. Und umgekehrt ist auch ein positives Ergebnis nicht sofort eine sichere „Corona-Diagnose“. Diese Umstände beschreiben die Begriffe Spezifität und Sensitivität. Was sie bedeuten, soll kurz erklärt werden:

Spezifität

Die Spezifität für einen diagnostischen Test zeigt die Wahrscheinlichkeit an, dass dieser Test tatsächlich gesunde Personen, die nicht an Corona erkrankt sind, im Test auch als gesund erkennt. Eine Spezifität von 99% bedeutet also: Von 100 Gesunden Personen schätzt der Test  also 1 Person als krank („positiv“) ein, obwohl sie gesund ist.

Sensitivität

Die Sensitivität zeigt die Wahrscheinlichkeit eines diagnostischen Tests an, eine bestimmte Krankheit sicher zu erkennen. Liegt die Sensitivität eines Tests bei 98%, so bedeutet dies, dass der Test 98 Erkrankte als erkrankt („positiv“) richtig erkennt, aber zwei tatsächlich Erkrankte für gesund hält – das nennen Mediziner zwei „falsch Positive“.

Es ist somit klar, dass im Idealfall Sensitivität und Spezifität bei jeweils 100% liegen sollten. Aber so einfach funktioniert die Welt leider nicht. Ein weiterer Störfaktor kommt hinzu: Nehmen wir an, dass in Baden-Württemberg die Zahl der tatsächlich Erkrankten einer Gruppe von 100 Menschen bei 1% läge (tatsächlich liegt, auf das ganze Land bezogen die Zahl deutlich geringer). Dann müsste bei einer Testung von 100 Personen 1 Test positiv ausfallen. Liegt die Spezifität dieses Test bei 99%, so kommt (s.o.) nochmals 1 Person hinzu, die der Test – fälschlicherweise – als positiv erkennt, obwohl sie eigentlich gesund ist. Somit haben wir zwei positive Tests und wissen nicht, welches Testergebnis nun die Wahrheit widerspiegelt. Der Test sagt uns in diesem Fall nur: eine der beiden Personen ist krank (oder in Bezug auf Corona „infiziert“), die andere gesund. Aber welche?

Die Schnelltests bringen also manche Tücken mit sich. Zusammenfassend kann man sagen, dass – gute Tests vorausgesetzt – die Ergebnisse umso sicherer sind, je mehr Menschen in der getesteten Gruppe tatsächlich Corona-krank sind. Insofern eignet sich der Schnelltest etwa in Schulen, wenn sog. Cluster auftreten. Wenn also mehrere Schüler von Corona betroffen sind, aber keine Symptome haben. Wenn dann unter 100 getesteten Schülern 11 positiv getestet werden bedeutet das bei einer Spezifität des Test von 99%: bei 10 Personen zeigt der Test die Wahrheit (sie sind infektiös), nur bei einem (s.o.) irrt sich der Test.

Ein weiteres Problem kommt hinzu. Die Qualität des jeweiligen Tests. Viele Schnelltests sind in den letzten Monaten entwickelt worden und kommen nun auf den Markt. Sie verkaufen sich gut, obwohl im Einzelfall nicht ganz klar ist, welche Tests wie gut sind. Viele der genannten Daten zu Spezifität und Sensitivität sind Angaben der Hersteller, die bisher ungeprüft sind. Inzwischen gibt es jedoch auch unabhängige Prüfungen, die für manche Hersteller gut und für andere weniger gut ausfallen. Eine Übersicht über die aktuelle Bewertung der Schnelltest (in Englisch) verschafft die Webseite von Forschern der Universität Heidelberg. Darin sind auch die Quellen der jeweiligen Beurteilung klar hinterlegt. Nicht ganz einfach zu lesen. Wer aber je für den Einkauf von Tests verantwortlich sein sollte, sollte diese Information berücksichtigen.

Wie man sich bettet: Jugendliche brauchen eine gute Matratze

Manch Erwachsener denkt erst dann an die Matratze, wenn der Rücken schmerzt. Das erstaunt, denn Erwachsene verbringen fast ein Drittel ihres Lebens im Bett. Ganz konsequent wäre, dass bereits Jugendliche eine gute Matratze haben. Das ist kein Luxus, sondern eine bezahlbare und wichtige Investition.

Mit den Kindermatratzen haben wir uns bereits vor 3 Jahren befasst. Wer sich orientieren möchte, kann die hier im praxisblättle tun.

Wenn Jugendliche die Eltern überholen – also grösser werden – brauchen sie auch ein neues Bett. Das kostet natürlich einen Batzen Geld, ist aber inzwischen weit billiger als noch vor vielen Jahren. Gerade was Matratzen betrifft gibt es inzwischen sehr gute und günstige Modelle, die für Jugendliche und Erwachsene geeignet sind. Das demonstriert auch der neue Testbericht der Stiftung Warentest über Federkernmatratzen. Unter den fünf als „gut“ beurteilten ist die beste auch die günstigste. Im Folgenden haben wir diese fünf guten Modell aufgeführt:

Name Note Preis Härte laut Anbieter
Otto My Home Black Diamond Comfort 2,1 230 Härtegrad H3
Badenia Irisette Sylt TTFK 2,3 350 Härtegrad H3 – mittelfest
f.a.n. Calypso Plus 1.000 T 2,5 500 Härtegrad 3
Rummel Sensoflex 600 2,5 1000 Fest
Selecta Value TF5 2,5 480 Fest

Vor dem Kauf einer Matratze sind viele Dinge zu bedenken. Zunächst steht die Frage an, soll es eine Schaumstoff- oder eine Federkernmatratze sein. Danach geht es um die Frage des Härtegrades. Da stimmen die Angaben der Hersteller häufig nicht mit den Testergebnissen überein. Wie die Stiftung Warentest schreibt, bemüht sich der Matratzenverband eine einheitliche Regelung für den Härtegrad festzulegen. Sie soll 2021 kommen und macht den Kauf einer Matratze dann einfacher. Aber auch dann sind noch einige individuelle Aspekt zu klären: Druckverteilung (wie verteilt sich das Körpergewicht auf die verschiedenen Regionen der Matratze), Komforteigenschaften (z.B. störendes Rascheln), Lageänderungswiderstand (wie leicht kann ich mich auf der Matratze hin und her wälzen) oder der Schulterklappeneffekt (sinken die Schultern in Rückenlange weniger stark ein als der Rumpf).

Alles in allem ist eine gute Matratze für jugendliche Personen enorm wichtig und gut bezahlbar. Der Weg,, eine geeignete Matratze zu finden, ist jedoch etwas mühsam. Mit dem Studium der letzten Tests vom November 2020 (Federkernmatratze) oder April 2020 (Schaumstoffmatratze) sollte der Kauf halbwegs entspannt gelingen.

Übrigens: Das Abonnement des Testheftes ist im Moment besonders günstig: Für 12 Hefte 30,00 € statt 54,90 €.

Erster direkter Nachweis: HPV-Impfung schützt vor Gebärmutterhalskrebs

Es ist seit Jahrzehnten belegt, dass das humane Papilloma Virus – kurz HPV – die wichtigste Ursache für das Cervixkarzinom („Gebärmutterhalskrebs“) darstellt. Dass eine Impfung gegen die verschiedenen HP-Viren sinnvoll sein würde, war schon lange belegt. In einem früheren praxisblättle haben wir darüber berichtet.

Schwieriger war es, eine direkte Schutzwirkung der Impfung gegen diese Krebsart zu belegen. Denn zwischen dem Kontakt mit dem Virus im Alltag (meist sexuell) und der Entstehung der Krebserkrankungen können Jahrzehnte liegen. In einer schwedischen Studie konnte nun eine Forschergruppe um Jiayao Lei vom Karolinska Institut in Stockholm erstmals zeigen, dass die Impfung in der Lage ist, das Entstehen des Gebärmutterhalskrebses zu verhindern. Das war möglich, weil in Schweden drei sich ergänzende Register zum Thema Impfen existieren, die eine genaue Analyse der Daten von weit über 1 Million Frauen ermöglichten.

Die Studie bezieht sich auf Frauen, die ab 2007 mit einem Impfstoff gegen die HPV-Typen 6, 11, 16 und 18 (Gardasil© – inzwischen enthält dieser Impfstoff 9 HPV-Typen) geimpft wurden. Das sind die 4 wesentlichen HPV-Virustypen, die als onkogen (krebsverursachend) gelten. Die Daten wurden mit denen der nicht geimpften Frauen in Bezug auf das Auftreten des Gebärmutterhalskrebses verglichen. Dabei haben die Wissenschaftler auch andere Aspekte berücksichtigt. So könnte es durchaus sein, das gesundheitsbewusste Frauen sich eher impfen lassen und sich auch durch Kondome eher vor der sexuell übertragbaren Erkrankung schützen. Diese Faktoren wurden statistisch herausgearbeitet.

Als Maß für die Wirkung verwendeten die Forscher die alters-adjustierte relative Inzidenzrate (IRR). Die lag für alle geimpften Frauen gemeinsam bei 0,37. Das bedeutet, dass das Risiko für die geimpften Frauen  an dieser Krebsart zu erkranken um 63% niedriger lag. Für die Frauen, die sich vor dem 17. Lebensjahr impfen ließen lag das Risiko sogar 88% niedriger (IRR 0,12).

Dass die HPV-Impfung das Wachstum von Genitalwarzen bremsen kann war lange klar. Ebenso, dass Krebsvorstufen entstehen. Mit dieser schwedischen Studie ist nun erstmals der wichtigste Beweis gelungen: die HPV-Impfung schützt effektiv gegen Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom).

Sie zeigt aber auch: Der Schutz ist nicht 100%-ig– Das wird bei den vielen Typen an HP-Viren wohl auch nicht gelingen. Insofern ist es für alle Frauen wichtig, weiterhin die gynäkologischen Vorsorgeuntersuchungen wahrzunehmen.

Schlafapnoe bei Kindern: Ist die Entfernung der Mandeln günstig?

Über die letzten 50 Jahre hat sich die Einstellung zu den Mandeln – medizinisch: Tonsillen – enorm verändert. Zum einen wurde deren Bedeutung als Immunorgan immer besser verstanden. Zum anderen ging mit neuen diagnostischen Untersuchungsmöglichkeiten die Rate an Mandeloperationen (Tonsillektomie bzw. Adenotonsillektomie) deutlich zurück.

Wenn Kinder viele Infekte durchmachen, sind ihre Tonsillen (Mandeln) im Rahmen der Abwehr bedeutsam. In den Tonsillen sitzen Scharen von Immunzellen, die sich mit den Erregern im Nasen-Rachenraum auseinandersetzen. Bei einigen der Kinder führt dieser Kampf der Immunzellen zu Vernarbungen in den Mandeln und damit schließlich zu deren Vergrößerung. Diese Mandelvergrößerung (Tonsillenhyperthrophie) kann so erheblich sein, dass bei offenem Mund nur die Mandeln und nicht der Rachen zu sehen ist: als kissing tonsils  bezeichnen die amerikanischen Ärzte den Zustand, wenn die linke und die rechte Mandel sich fast permanent berühren.

Das hat Folgen. Zum einen fällt es Kindern schwerer, voluminöses Essen (wie Pommes) zu schlucken. Noch schlimmer ist, dass diese großen Mandeln im entspannten Zustand im Schlaf nach hinten Fallen und die Atemwege verengen. Das führt häufig zu enormem Schnarchen und auch zur kompletten Verlegung der Atemwege mit Atemaussetzern. Zum Glück wehrt sich das Gehirn und lässt das betreffende Kind in dieser Not erwachen. Aber die entspannende Ruhe der Nacht ist weg und Kinder durchleben eine Achterbahnfahrt zwischen Entspannung und  Atemnot mit der Folge, dass sie sich nachts kaum erholen und an Tagesmüdigkeit, Kopfschmerzen und Lernschwäche leiden.

Für Erwachsene und Schulkinder sind diese Prozesse recht gut untersucht, für Kleinkinder mit vielen Infekten jedoch nicht. Klar ist bislang nur, dass die schwere obstruktive Schlafapnoe – kurz OSA – (so nennt sich dieser Zustand) in erster Linie durch Entfernung der Gaumen- und Rachenmandeln (Adenotonsillektomie – ATE) behandelt werden sollten.

Eine neue Arbeit von J Fehrm und Kollegen aus den HNO Kliniken von Uppsala und Stockholm (Schweden) beschäftigt sich mit den obstruktiven Schlafapnoen von leichten bis mittlerem Grad in der Altersgruppe von 2 bis 5 Jahren. Es zeigte sich in einer kleinen Gruppe von 60 Kindern, dass Kinder nach ATE spürbare Verbesserungen der Lebensqualität aufwiesen gegenüber denen, bei denen zugewartet wurde. Ebenso wurde bei den mittelgradigen OSA ein Rückgang der Atemaussetzer gefunden.

Die Autoren kommen zum Schluss, dass eine beobachtende Haltung – „watchful waiting“ für sechs Monate möglich sei. Diese könne jedoch mit dem Risiko von nächtlichen Symptomen, Verhaltensauffälligkeiten und einer beeinträchtigen Lebensqualität für die jungen Kinder verbunden ein.

Schnupfen

Ein lästiges Problem nicht nur in der kalten Jahreszeit ist der Schnupfen (medizinisch: Rhinitis). Jeder hat ihn mal erlebt und kennt die Symptome der dieser häufigen Erkrankung:

  • Atembehinderung, oft verbunden mit dem Gefühl von Atemnot (besonders bei jungen Kindern)
  • Schlechter Schlaf, dadurch Müdigkeit und Abgeschlagenheit am Tag
  • Kopfdruck oder Kopfschmerz
  • Morgendlich trockener Mund
  • Reizung der Gesichtshaut durch Nasensekret

Die Liste der Probleme erscheint endlos. Aber was ist eigentlich Schnupfen? Schnupfen ist die Entzündung der Nasenschleimhaut. Und Entzündung bedeutet wie auch an anderen Organen: Schwellung, Rötung, Überwärmung und Sekretion. Je nach Ausprägung unterscheidet man zwei Formen einer Rhinitis:

  • Fließschnupfen: die „Nase läuft“. Meist klares Sekret verlässt die Nase.
  • Stockschnupfen: die „Nase ist zu“, die Schleimhäute sind verschwollen, schnäuzen bringt nicht weiter.

Schnupfen wird oft „Erkältung“ genannt. Das ist manchmal korrekt, oft aber nicht. Nach außen mag der Schupfen gleichartig aussehen, in der Schleimhaut der Nase spielt sich aber unterschiedliches ab. So kann die Rhinitis sehr viele Ursachen haben:

  • Infektion („Erkältung“)
  • Allergie: „Heuschnupfen“. Aber auch Allergien gegen Milben oder Nahrungsmittel können Schnupfen auslösen. Betroffen sind davon aktuell 13% der amerikanischen Kinder.
  • Chronischer Schnupfen in der Folge von Infektionen. Die Infektion ist zu Ende (keine Viren mehr nachweisbar), aber die Entzündung der Schleimhaut bleibt. 
  • Adenoide Vegetationen – sog. Polypen im Kindesalter
  • vasomotorische Rhinitis. Hierbei tritt der Schnupfen häufig durch Änderungen der Temperatur oder der Luftfeuchtigkeit auf, beispielsweise bei trocken-kalter Luft.
  • Echte Polypen und andere Tumoren (eher bei Erwachsenen)
  • Andere Ursachen wie hormoneller Schnupfen wie die „honeymoon rhinitis“, wenn das Glück der Verliebtheit zu Schnupfen führt.

Muss Schnupfen behandelt werden? Der Erkältungsschnupfen lässt ich nicht behandeln. Er nimmt seinen Verlauf über 5 bis 7 Tage und klingt danach ab. Während dieser Zeit kann man belästigende Symptome beseitigen durch:

  • Abschwellende Nasentropfen: diese machen die Nasenatmung für wenige Stunden freier, trocknen jedoch die Schleimhäute aus. Die Anwendung dieser Tropfen (wie Otriven©, Olynth©) sollte sich auf max. 3 bis 5 Tage beschränken
  • Nasensalben: befeuchten eine trockene Schleimhaut
  • Ätherische Öle: vermitteln (letztlich durch eine Reizung !) das Gefühl, die Nase sei freier. Geeignet allenfalls für Erwachsene. Wird leider sehr oft auch bei Kindern angewandt und birgt das Risiko, dass die Kinder in einem unbeachteten Moment diese Öle trinken oder gar inhalieren, was sehr gefährlich sein kann
  • Heuschnupfen, chronischer Schnupfen, Polypen und alle die anderen Ursachen brauchen eine spezielle Behandlung, die nur Ihr Arzt nach Untersuchung festlegen kann.

Selbst diese kurze Zusammenfassung der wesentlichen Merkmale des Schnupfens führt zu einer langen Liste. Kein Wunder also, dass es eines Hals-Nasen-Ohren-Arztes (HNO-Arzt) bedarf, der alleine für die Nase und die beiden anderen kleinen Organe zuständig ist. Wer weitere Informationen sucht, kann sie in der 96 Seiten langen Leitlinie zum Thema Rhinosinusitis (in Deutsch) finden. Interessant und klar gegliedert ist auch das aktuelle Update der AAAAI (in Englisch).

Die Infektwelle kommt bald. Macht eine Grippe-Impfung bei Kindern Sinn?

Für viele Laien sind die Impf-Empfehlungen in Deutschland verwirrend. Die STIKO bzw. das RKI empfehlen die Grippeimpfung nur für Versicherte ab 60 Jahre, für Menschen mit chronischen Erkrankungen, für Schwangere und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen. Für Baden-Württemberg hat das Sozialministerium jedoch erweiterte Empfehlungen. Hier wird – entsprechend den Vorgaben der WHO – die Grippeimpfung für alle Kinder ab dem 6. Lebensmonat empfohlen.

In den USA läuft bei der Corona-Pandemie sicher manches nicht so gut. Was aber die Influenza betrifft, liegen die Impfraten bei Kindern bei über 60%. Eine Zahl, die selbst bei den sog. Risikogruppen in Deutschland nicht annähend erreicht wird. Die American Academy of Pediatrics (in Englisch) hat gerade die Details für die Grippeimpfung von Kindern in der Saison 2020 / 2021 veröffentlicht, die in vielen Aspekten auch für Laien sehr interessant sind.

Klar ist, dass die Impfung gegen Influenza lange nicht so wirksam ist wie diejenige gegen Masern, bei denen eine „sterile Immunität“ erreicht wird, also beinahe bei allen Geimpften der Ausbruch von Masern verhindert werden kann. Dennoch ist sie gut wirksam und schützt viele Menschen. Und, sie ist der einzig verfügbare und nachweißlich wirksame Schutz vor dieser – wie „Corona “ – schweren Infektion.

Die Kinder- und Jugendärzte sehen den Stellenwert für die Grippe-Impfung bei Kindern ähnlich wie die Behörden im Ländle und raten Kinder in diesem Herbst gegen Influenza impfen zu lassen. Dazu der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) Johannes Hübner: „Wir wissen, dass Kinder den Influenzavirus maßgeblich übertra­gen“.

Eine Impfung der Kinder, das ist wissenschaftlich gut belegt, schützt indirekt auch die älteren Risikogruppen. Das zeigt eindrücklich eine zentrale wissenschaftliche Untersuchung von 2001 aus der Arbeitsgruppe um Masato Tashiro und Mitarbeiter aus Tokyo (Japan). Wenn der Enkel kein Grippevirus verbreitet, wird auch Omi nicht krank.

Aber Kinder können selbst auch schwer an Influenza (Grippe) erkranken, so dass sie sogar stationär behandelt werden müssen. Folgerichtig unterstützt auch Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) die Impfung von Kindern: „Deswegen haben wir diesmal zusätzlichen Grippeimpfstoff besorgt. Jeder, der sich und seine Kinder impfen lassen will, sollte und kann das tun.“

Als erste große Krankenkasse hat sich Mitte der Woche die AOK angeschlossen. Laut dem Deutschen Ärzteblatt hat ein Sprecher der AOK angekündigt, die Kostenübernahme betreffe „nicht nur die Impfung von Risikogruppen, sondern alle AOK-Versicherten, sofern die Ärzte dies für erforderlich halten“. Das ist ein gewichtiges Wort.

Konnten Sie sich für Ihre Kinder entscheiden können? Oder noch Fragen? Ganz sicher. Dann los an die Tasten. Anderen Eltern geht’s vermutlich recht ähnlich bei der Grippeimpfung ihrer Kinder.