Schlagwort: Allergie

Kuhmilchallergie: Wie gefährlich kann sie sein?

Über Lebensmittel unterhalten wir uns täglich. So zum Beispiel über Unverträglichkeiten aller Art wie Lactoseintoleranz oder Unverträglichkeit von Weizen. Man vermutet, dass jeder fünfte in Deutschland bei sich eine Unverträglichkeit beobachtet, obwohl nur bei 2% aller Menschen eine solche nachweisbar ist.

Ähnlich ist es bei Allergien gegen Nahrungsmittel. Solche Allergien werden oft vermutet, lassen sich aber nur bei einer kleineren Gruppe von Menschen nachweisen. Genaue Daten hierzu gibt es wenige. Insofern ist die Studie aus der Arbeitsgruppe von Paul J. Turner vom National Heart and Lung Institute in London (England) sehr interessant.

Zunahme der Anaphylaxien gegen Nahrungsmittel zwischen 1998 und 2018 in Großbritannien. Quelle: British Medical Journal

Die Briten haben die nationalen Daten von 1998 bis 2018 hinsichtlich Krankenhausaufnahme wegen Nahrungsmittelallergien ausgewertet. In diesen 20 Jahren stieg die Zahl der stationär aufgenommenen Personen mit Nahrungsmittelallergien von 1,23 auf 4,04 pro 100.000 Einwohner und Jahr. Dabei lag der Anstieg bei Kindern deutlich höher: 2,1 auf 9,2 Aufnahmen pro 100.000 Personen.

Allergische Reaktionen auf Nahrungsmittel sind unangenehm und manchmal auch bedrohlich. Todesfällen sind jedoch selten. Für Großbritannien ließen sich 66 Todesfälle für Kinder im Schulalter innerhalb der 20 Jahre nachweisen. Davon entfielen 17 Todesfälle (26%) auf Kinder mit Kuhmilchallergie. Die nächst häufigere Todesursache waren die Erdnüsse als Auslöser in 14%, die bei Erwachsenen das „tödlichste Allergien“ mit 20% darstellt.

Ein beruhigendes Ergebnis der Studie ist, dass zwischen 1998 und 2018 laut des staatlichen Gesundheitsdienstes (NHS) die Zahl der verordneten Adrenalin-Injektoren um 336% zugenommen hat. Adrenalin ist die einzige Arznei, die eine Anaphylaxie (allergischer Schock) erfolgreich stoppen kann. Kampagnen der Allergologen weltweit werben seit Jahrzehnten dafür, diese Notfallarznei unbedingt den kritischen Allergiker zu verordnen.

Diese Zahlen aus Großbritannien zeigen auch eine Tendenz, die für Deutschland gilt: Schwere Allergien kommen häufiger vor als oft gedacht. Sie zu erkennen und exakt zu diagnostizieren ist der eine Schritt. Der andere ist die Planung der Notfalltherapie mit dem Adrenalin-Injektor sowie der Schulung der persönlichen Umgebung (Eltern, ErzieherInnen, LehrerInnen u.a.) im Einsatz desselben. Denn Todesfälle sind möglich, aber in vielen Fällen vermeidbar.

Kreuzreaktionen bei Nahrungsmittelallergien

Bald blühen die Birken. Das wäre nicht besonders spektakulär, wenn deren Pollen nicht so herrlich weit fliegen und tief in die Atemwege von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen eindringen würden. Das mag so manches Immunsystem überhaupt nicht und reagiert allergisch.

Oft bleibt es aber nicht beim „Heuschnupfen“, der eigentlich ein allergischer Schnupfen ist und bei den Birken ohne Heu auskommt –  manchmal kommt auch Asthma bronchiale hinzu. Das betrifft zum Glück eher Schulkinder und Jugendliche, so dass die Kleinsten im Frühjahr meist ungestört rumtollen können.

Wer von der Allergie gegen die Frühblüher wie Birke oder Hasel oder auch Erle betroffen wird hat ein großes Risiko auch eine Nahrungsmittelallergie zu bekommen. Weil das Allergen der Pollen so ähnlich aufgebaut ist, reagieren viele Pollen-Allergiker auch auf einige Nahrungsmittel wie Äpfel (Kernobst) oder Haselnüsse.

Und dann wird’s langsam kompliziert. Denn es gibt auch Kreuz-Reaktionen von einem Nahrungsmittel zum anderen. Das ist vielen Eltern allergischer Kinder bekannt. Wo aber welches Risiko vorliegt ist eher weniger bekannt. Deswegen wollen wir hier eine Übersicht vorstellen, die kürzlich von ausgewiesenen Experten aus New York und Genf veröffentlicht wurde.

Nahrungsmittelallergien und ihre Kreuzallergene (siehe Text). Quelle: JACI-inpractice Amanda Cox et al, 2021

Die Tabelle zeigt auf der linken Seite die „primäre“ Nahrungsallergie, die ein Kind oder einen jugendlichen betrifft. In der mittleren Spalte sind dass die kreuzreaktiven Nahrungsmittel abgebildet, wogegen eine weitere Allergie sich entwickeln könnte. Das Risiko hierfür zeigt die rechte Spalte.

Grundsätzlich ist es gut, um diese Kreuzallergien zu wissen. Es besteht aber für Eltern in aller Regel kein Grund, mögliche Kreuzallergene bei den Kindern von vorneherein zu vermeiden. Solche Maßnahmen könnten sich im Einzelfall auch ungünstig auswirken. Die Tabelle gibt eine gute Orientierung über die klinisch bedeutsamen Kreuzallergien von Nahrungsmitteln. Gute Therapievorschläge geben jedoch nur allergologisch versierte Kinder- und JugendärztInnen.

Schnupfen

Ein lästiges Problem nicht nur in der kalten Jahreszeit ist der Schnupfen (medizinisch: Rhinitis). Jeder hat ihn mal erlebt und kennt die Symptome der dieser häufigen Erkrankung:

  • Atembehinderung, oft verbunden mit dem Gefühl von Atemnot (besonders bei jungen Kindern)
  • Schlechter Schlaf, dadurch Müdigkeit und Abgeschlagenheit am Tag
  • Kopfdruck oder Kopfschmerz
  • Morgendlich trockener Mund
  • Reizung der Gesichtshaut durch Nasensekret

Die Liste der Probleme erscheint endlos. Aber was ist eigentlich Schnupfen? Schnupfen ist die Entzündung der Nasenschleimhaut. Und Entzündung bedeutet wie auch an anderen Organen: Schwellung, Rötung, Überwärmung und Sekretion. Je nach Ausprägung unterscheidet man zwei Formen einer Rhinitis:

  • Fließschnupfen: die „Nase läuft“. Meist klares Sekret verlässt die Nase.
  • Stockschnupfen: die „Nase ist zu“, die Schleimhäute sind verschwollen, schnäuzen bringt nicht weiter.

Schnupfen wird oft „Erkältung“ genannt. Das ist manchmal korrekt, oft aber nicht. Nach außen mag der Schupfen gleichartig aussehen, in der Schleimhaut der Nase spielt sich aber unterschiedliches ab. So kann die Rhinitis sehr viele Ursachen haben:

  • Infektion („Erkältung“)
  • Allergie: „Heuschnupfen“. Aber auch Allergien gegen Milben oder Nahrungsmittel können Schnupfen auslösen. Betroffen sind davon aktuell 13% der amerikanischen Kinder.
  • Chronischer Schnupfen in der Folge von Infektionen. Die Infektion ist zu Ende (keine Viren mehr nachweisbar), aber die Entzündung der Schleimhaut bleibt. 
  • Adenoide Vegetationen – sog. Polypen im Kindesalter
  • vasomotorische Rhinitis. Hierbei tritt der Schnupfen häufig durch Änderungen der Temperatur oder der Luftfeuchtigkeit auf, beispielsweise bei trocken-kalter Luft.
  • Echte Polypen und andere Tumoren (eher bei Erwachsenen)
  • Andere Ursachen wie hormoneller Schnupfen wie die „honeymoon rhinitis“, wenn das Glück der Verliebtheit zu Schnupfen führt.

Muss Schnupfen behandelt werden? Der Erkältungsschnupfen lässt ich nicht behandeln. Er nimmt seinen Verlauf über 5 bis 7 Tage und klingt danach ab. Während dieser Zeit kann man belästigende Symptome beseitigen durch:

  • Abschwellende Nasentropfen: diese machen die Nasenatmung für wenige Stunden freier, trocknen jedoch die Schleimhäute aus. Die Anwendung dieser Tropfen (wie Otriven©, Olynth©) sollte sich auf max. 3 bis 5 Tage beschränken
  • Nasensalben: befeuchten eine trockene Schleimhaut
  • Ätherische Öle: vermitteln (letztlich durch eine Reizung !) das Gefühl, die Nase sei freier. Geeignet allenfalls für Erwachsene. Wird leider sehr oft auch bei Kindern angewandt und birgt das Risiko, dass die Kinder in einem unbeachteten Moment diese Öle trinken oder gar inhalieren, was sehr gefährlich sein kann
  • Heuschnupfen, chronischer Schnupfen, Polypen und alle die anderen Ursachen brauchen eine spezielle Behandlung, die nur Ihr Arzt nach Untersuchung festlegen kann.

Selbst diese kurze Zusammenfassung der wesentlichen Merkmale des Schnupfens führt zu einer langen Liste. Kein Wunder also, dass es eines Hals-Nasen-Ohren-Arztes (HNO-Arzt) bedarf, der alleine für die Nase und die beiden anderen kleinen Organe zuständig ist. Wer weitere Informationen sucht, kann sie in der 96 Seiten langen Leitlinie zum Thema Rhinosinusitis (in Deutsch) finden. Interessant und klar gegliedert ist auch das aktuelle Update der AAAAI (in Englisch).

In eigener Sache: Asthma bei Kindern in Madagaskar

In Madagaskar stellt sich für vier von fünf Menschen jeden Abend die Frage: Wo finde ich morgen Arbeit? Und: Wird der Lohn reichen, mich und meine Familie zu ernähren. Oft reicht er nicht. Deswegen leiden 80% aller Kinder und Jugendlichen in Madagaskar unter chronischer Unterernährung. Zu wenig Nahrung, um eine normale Entwicklung  zu durchlaufen. Zu viel Nahrung, um dramatische Bilder für die Weltpresse zu liefern.

Ein Studienort im Distrikt Ankazobe Quelle: ptw

Welche Bedeutung hat dann eine Studie über Asthma bronchiale in Madagaskar? Auch in einem armen Land ist es wichtig, den Stellenwert solcher Krankheiten zu kennen, die im Alltag für die meisten zweitrangig sind. Asthma, so zeigte sich, ist in Madagaskar genauso bedeutsam wie in Deutschland und anderen Industrienationen. Nur war das bisher unbekannt, kaum einer hat sich um die Versorgung der betroffenen Kinder und Jugendlichen bemüht.

In einer ersten Studie im Jahre 2013 hat unsere Arbeitsgruppe mit Unterstützung durch Prof. Dr. Bodo Niggemann von der Charité in Berlin die Situation in der Hauptstadt Antananarivo beleuchtet. Dass in der pulsierenden Stadt mit tausendfach stinkenden Kleinbussen und Autos Asthma vorkommen würde, hat nicht verwundert. Aber dass in einer Schule in der Innenstadt bei 10% aller Kinder verengte Atemwege in der Lungenfunktion festgestellt wurden, das erstaunt dann doch.

Dorfzentrum von Sambatra (Distrikt Ankazobe) Quelle: ptw

Wir stellten uns dann die Frage: Wie häufig ist die pfeifende Atmung („wheezing“) auf dem Lande anzutreffen? Man braucht nicht weit aus der Hauptstadt wegzufahren, um fast im Mittelalter anzukommen. Knapp 80 Kilometer nördlich fanden wir ein idyllisch gelegenes Dorf: Fihaonana. Dort leben Menschen noch zumeist in traditionellen strohgedeckten Adobe-Häusern, ohne Strom, fließend Wasser oder Handy. Dementsprechend ist es stockfinster, wenn abends die Sonne am Horizont verschwindet. Am Morgen wecken einen knarrende Ochsenkarren oder Hühner, die aus dem schützenden Wohnhaus entlassen werden. Die Bevölkerung und ihr umtriebiger und ehrlicher Bürgermeister Olivier Rasolomahatratra waren so freundlich, uns bei der Ermittlung der Daten zu unterstützen.

Neben dem MAKI-Studienzentrum in Fihaonana    Quelle: ptw

Das Ergebnis dieser Untersuchung ist gerade in ALLERGY, der bedeutendsten Fachzeitschrift für Allergie und Immunologie in Europa, erschienen. Unter dem Titel High prevalence of wheeze and atopy in rural Malagasy children (in Englisch) beschreiben meine Mitautoren und ich, welchen Einfluss Asthma und Allergien für Kinder und Jugendliche auf dem Land haben.

Ein Studienzentrum in einem Schulraum bei Fihaonana. Die Stromversorgung für das Lungenfunktionsgerät läuft über einen Generator, der vor dem Haus steht. Quelle: ptw

Es zeigte sich, dass auch auf dem Lande ohne Luftverschmutzung durch Straßenverkehr und Industrie, Asthma gleich häufig auftrat wie in der Metropole Antananarivo. Als Ursache stehen Allergien gegen Hausstaubmilben (Dermatophagoides pteronyssinus) und die Küchenschabe (Engl: cockroach) im Vordergrund. Das ist nicht viel anders als in vielen anderen Ländern. Bei uns in Deutschland sind die Hausstaubmilben führend, in vielen Regionen der USA sind es die Hausstaubmilben und die Küchenschaben, wie in Madagaskar auch. Der Effekt von Armut konnte nicht untersucht werden, weil alle Menschen in der Region – etwa gleich – arm sind. Exemplarisch zeigen dies die Daten zu Mobilität: In den untersuchten 210 Haushalten gab es in 83 Fällen (39,5%) ein Fahrrad, aber nur in einem einzigen ein Auto.

Asthma und Allergien kommen somit in Madagaskar etwa in gleicher Häufigkeit vor wie in vielen Ländern der Welt. Dennoch bleibt ihre Bedeutung für Kinder und Jugendliche angesichts der massiven Armut mit chronischer Unterernährung und enorm hoher Kinderarbeit zweitrangig.

Auf der Basis dieser Daten gilt es jetzt das Land darin zu unterstützen, die betroffenen Kinder und Jugendlichen zu identifizieren. Denn trotz des Hungers leiden auch sie an Atemnot und den Folgen daraus – wie unsere Kinder in Deutschland. Und es gilt dabei zu helfen, eine effektive Therapie für die betroffenen Kinder und Jugendlichen zu ermöglichen. Hoffen wir, dass trotz der Corona-Pandemie dies bald umsetzbar sein wird.

Hühnerei-Allergie und Ekzem beim Säugling

Nahrungsmittelallergien scheinen an Bedeutung zuzunehmen. Sie schränken einerseits die Lebensqualität ein und können für die Betroffenen auch lebensgefährlich sein.

Zu den häufigsten Allergien in den ersten beiden Lebensjahren gehört die Allergie gegen Hühnerei. Die europäische EuroPrevall-Studie untersuchte eine Gruppe von 12.049 Kindern ab Geburt, die in Bezug auf Allergien beobachtet wurde. Kürzlich erschien im The Journal of Allergy and Clinical Immunology: In Practice zum Thema Hühnereiallergie eine Studie aus der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Kirsten Beyer von der Charité in Berlin. Auf der Basis von 86 Kindern aus der EuroPrevall-Studie mit gesicherter Eiallergie konnten sie zeigen, dass das Ekzem (Neurodermitis) eng mit dem Risiko einer Hühnereiallergie verknüpft ist.

Interessant ist, dass bei nachgewiesener Ei-Allergie das Ekzem im Schnitt 3,6 Monate zuvor begonnen hatte. Interessant ist ebenso, dass das Ekzem rasch an Schwere zugenommen hatte. Bei besonders starker Neurodermitis (SCORAD über 15) lag die Wahrscheinlichkeit für eine Eiallergie bei über 25%. Der Zeitpunkt, wann Ei erstmals zugefüttert worden war hatte jedoch keinen Einfluss. Es scheint also einen Zusammenhang von Ekzem und Kontakt zu Ei zu bestehen.

Weitere Risikofaktoren für eine Hühnerei-Allergie waren eine Antibiotikagabe in der ersten Lebenswoche und ein bestehender Schnupfen.

In einer Anschluss-Studie soll nun untersucht werden, ob ggf. gezielte Hautpflege und frühes Zufüttern von Ei günstig sein könnten. Diese Daten müssen abgewartet werden, bevor Empfehlungen ausgesprochen werden.

Unsere Einschätzung: Bei schwerem, rasch aufgetretenem Ekzem scheint es ratsam, mit einer/m allergologisch versierter/m Kinderärztin/arzt Kontakt aufzunehmen, um eine Allergie gegen Hühnerei auszuschließen.

Allergisch nur gegen männliche Hunde?

Allergisch nur gegen männliche Hunde? Das hört sich seltsam an. Spiel aber tatsächlich eine grössere Rolle als gedacht. Wie kommt das?

Zur Diagnose einer Allergie ist der Haut-Allergietest (Prick-Test; englisch: skin prick test – SPT) die erste Maßnahme. Dazu könnten die Haare eines Hundes verwendet werden. Meistens wird aber eine standardisierte Lösung angewendet, in der die verschiedenen allergischen Anteile  des Allergens eingearbeitet sind. Zur Bestätigung wird häufig noch ein serologischer Test aus dem Blut durchgeführt, über den das Immunglobulin E (IgE) – ein Marker für eine mögliche Allergie – sowie das spezifische IgE gegen Hundehaare bestimmt werden kann. Kurz: zur Diagnose einer Hunde-Allergie wird üblicherweise ein Hauttest und ein Blutest durchgeführt.

In den letzten Jahrzehnten hat die Allergologie immense Fortschritte gemacht. Inzwischen sind unterschiedliche Moleküle als Bestandteile des Hunde-Allergens bekannt. Diese molekularen Bausteine nennen sich: can f 1, can f 2 …. bis can f 7. Das wichtigste unter diesen Allergenen ist can f 1, gegenüber dem die meisten gegen Hunde allergischen Menschen reagieren („Major-Allergen“). Es kommt im Hundehaar, -Speichel und -Urin vor. Das can f 5 ist ebenfalls ein Major-Allergen. Dieses wird jedoch in der Prostata des männlichen Hundes gebildet und kommt praktisch nur im Urin eines männlichen Hundes vor.

In einer kleinen Studie, hat die innovative Arbeitsgruppe um den dänischen Kinderallergologen Hans Bisgaard herausgearbeitet, dass es Kinder und Jugendliche gibt, die nur gegen dieses can f 5 allergisch sind. Das bedeutet: Diese Gruppe von Kindern ist damit nur allergisch gegen männliche Hunde.

Was geht rum? 09. Mai 2020

Heute lesen Sie ein fast Corona-freies praxisblättle. Was es Neues zum Thema Coronavirus gibt, erfahren Sie morgen im „EXTRA-blättle Corona“. Dort habe Ihnen 6 Themen zu verschiedenen Fragen vorbereitet.

Mit dem Regen der letzten Woche hat sich die Natur wieder etwas erholt. Die Pflanzen haben  einen neuen Wachstumsreiz bekommen, der auch die Pollenzahl wieder nach oben schnellen ließ.

Gräserpollenflug am Bodensee Quelle: www.pollenundallergie.ch

Inzwischen kam auch die Wärme hinzu. Der Gräserpollenflug ist im vollen Gange. Für alle allergischen Kinder und Jugendlichen gibt es einige Möglichkeiten, die Pollen-Belastung im Alltag gering zu halten:

  • Bei starkem Pollenflug die Fenster geschlossen halten. Das gilt besonders am Morgen (05:00 Uhr bis 09:00 Uhr) und am Abend. Nachts gibt es so gut wie keinen Pollenflug (ab etwa 21:00 Uhr), da können die Fenster problemlos offen bleiben.
  • Jeder Mensch ist tagsüber draußen Pollen ausgesetzt. Die lassen sich auf der Haut und den Haaren nieder. Abendliches Duschen (am besten mit Waschen der Haare) ist sehr wirkungsvoll, um nahezu pollenfrei ins Bett zu steigen. Wenn Sie das jeden Abend machen, bleibt das Bett von Pollen verschont.
  • Damit die frisch gewaschene Bettwäsche frei von Pollen bleibt, dürfen Betttücher nur im Trockner oder im Keller getrocknet werden. An der frischen Luft nehmen sie erhebliche Mengen an Pollen auf, die nachts den Weg in Nase und Bronchien der Schlafenden finden. 
  • Je schneller die Bewegung an der frischen Luft, umso mehr Pollen geraten ins Gesicht (und damit an die Nase und in die Bronchien). Fahrten im Auto mit geöffneten Fenstern oder gar mit Kindern als Beifahrer auf dem Motorrad oder dem Scooter sind für allergische Kinder und Jugendliche ungünstig. Klimaanlage (am besten mit Pollenfilter) im Auto anschalten.
  • Eine komplett freie Nasenatmung kann oft nicht erreicht werden. Wenn die Nase aber nachts „zu“ ist, sollte mit dem Kinder- und Jugendarzt geklärt werden, welche Medikamente vielleicht doch – wenn auch nur etwas – helfen könnten. Offener Mund heißt: Die Atemluft wird nicht mehr gefiltert und so gelangen Pollen auf direktem Wege in die Bronchien. Das kann den Weg für Asthma ebnen.
  • Und: Natürlich wird das Spiel auf einer Wiese mit vermehrten Beschwerden bestraft. Das ist schrecklich, aber das ist nun mal eine Allergie und diese Krankheit achtet nicht auf die psychische Befindlichkeit. Deswegen sollte das Rasen mähen zuhause nicht den allergischen Kindern aufgetragen werden.

Seit Wochen gibt es eine große gute Nachricht: Nahezu keine weiteren Infektionen. Noch sind die Kinder und Jugendlichen im Ländle kaum von Infektionen – außer der C-Infektion – betroffen. Weiterhin gibt es Windpocken, aber weniger als die Hälfte der üblichen Belastung. Mumps kommt eher gehäuft vor, aber in der letzten Woche kam nur eine Neuerkrankung hinzu.

Dengue-Fieber. Verteilung im Jahre 2006. Quelle Percherie / CC BY-SA http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/

Was geht in der Welt rum? Während bei uns über das Corona-Virus diskutiert wird, setzt eine andere Virusinfektion ihren Weg um den Globus fort. Die Rede ist vom Dengue-Fieber, das schon mehrfach an dieser Stelle genannt wurde. Weltweit sind die Hälfte der Menschen von ihm bedroht, weil sie in einem Endemiegebiet leben. Im Unterschied zum Coronavirus ist das Dengue-Virus bezüglich Temperaturen anspruchsvoller. Trotzdem erkranken etwa 100 Millionen Menschen jährlich daran, 22.000 versterben. Nun hat das Dengue-Fieber Argentinien mit etwa 43.500 Verdachtsfällen und bislang 21 Toten erreicht. Das kleinere Nachbarland Paraguay berichtet gar von über 215.000 Erkrankungen. Eine Impfung gegen Dengue ist dringend nötig, weil aber alle bisherigen Versuche scheiterten, gibt es keine. Es ist nicht oft nicht so einfach, eine gute und verträgliche Impfung zu entwickeln.

Genießen Sie das sommerlich warme Wochenende in der Natur. Oder auf dem Spielplatz. Mit Anstand und Abstand. Un bleiben Sie zuversichtlich. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff

 

Jugendliche mit Allergie: Welcher Beruf geht?

Allergien sind nicht in Stein gemeißelt, sie unterliegen wie alle Prozesse im Körper der Veränderung. Ein schwer allergischer Säugling kann seine Nahrungsmittelallergien verlieren, was häufig vorkommt. Er kann im späteren Leben ohne andere Allergien wie Heuschnupfen und Asthma sein, was selten vorkommt. Ebenso kann ein Mensch, der 70 Jahre ohne Allergien durchs Leben kam, im hohen Alter seinen ersten Heuschnupfen entwickeln.

Eine wichtige Weichenstellung zeigen Allergien in die Pubertät. In dieser Zeit finden nicht nur Ablösungsprozesse von der Eltern statt. Auch in Bezug auf die Allergien – um es salopp zu sagen – werden die Karten für viele Menschen neu gemischt. Parallel steht in dieser Zeit neben vielen noch wichtigeren Themen (wie Ablösungsprozesse, sexuelle Reife, Liebe) oft auch Überlegungen zur beruflichen Entwicklung an.

Ein allergischer Jugendlicher stellt sich dann die Frage, ob sein Beruf langfristig seiner Allergie schaden könnte. Hierzu gibt es inzwischen einen Allergierisikorechner von der Universität München (Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Radon). Dieser liegt in zwei Varianten vor. Interessant für Jugendliche sind die verschiedenen Rechner „Bis ins junge Erwachsenenalter“. Dort wiederum gibt es für die verschiedenen Probleme wie Handekzem jeweils eigene Rechner. Diese sind sehr schnell zu bearbeiten. Hierzu finden sich im unteren Teil Erklärungen zu den gestellten Fragen. Mit dem Druck auf die Taste „Risiko ausrechnen“ erfährt ein Jugendlicher dann die Wahrscheinlichkeit, mit der dieser ungünstige Fall – z.B. Handekzem – eintritt.

Dieser Allergierisikorechner gibt eine erste und gut abgesicherte Einschätzung. Darüber hinaus ist für so wichtige Entscheidungen auch eine individuelle Beratung bei einem – am besten kinderärztlichen – Allergolog*in sinnvoll. Schließlich geht es um eine weitreichende Entscheidung. Es sollte wenn irgendwie möglich vermieden werden, dass ein beruflicher Werdegang wegen allergischer Probleme abgebrochen werden muss, die vorher schon zu erwarten waren.

Was geht rum? 02. Mai 2020

Viel Unmut äußert sich nach dem wochenlangem Shutdown. Aber kaum von Familien. Dabei werden sie den Maßnahmen in der Coronakrise besonders stark getroffen. Je kleiner die Wohnung und/oder der Garten, umso schlimmer. Aber die Schließung der Kindergärten und Schulen hat auch eine gute Seite: Kinder haben kaum Möglichkeiten, sich anzustecken. Es gibt bisher zwar keine Studien hierzu, aber so gesund dürften Kleinkinder in den letzten Jahren wohl nie gewesen sein. Leider können sie und ihre Eltern das nur begrenzt genießen.

Kindergarten – ein Bild aus glücklichen Tagen Quelle: pixabay, tolmacho

Im praxisblättle haben wir schon manchmal angeregt, bei der Öffnung von Einrichtungen mehr an die Kinder zu denken und weniger ans Shoppen. Es ist schon lange bekannt, dass Kinder seltener und schwächer an COVID-19 erkranken. Das zeigt auch die neueste Studie des Centers for Disease Control (CDC, in Englisch), die sich mit den aktuellen Daten bei Kindern in den USA befasst  Und obwohl sie eher selten von COVID-19 betroffen sind, leiden sie wohl am meisten unter der Kontaktsperre, die ihnen verbietet, mit anderen Kindern zu spielen und das soziale Leben zu üben.

Aus der Schweiz hat sich Prof. Dr. Christian Berger vom Kinderspital Zürich in der NZZ (Neue Zürcher Zeitung) zum diesem Thema geäußert. „Bei uns (Anm in der Schweiz) sind 0,4 Prozent aller bestätigten Fälle Kinder unter 10 Jahren und 2,7 Prozent Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 19 Jahren“. In den allermeisten Fällen seien die bisher 114 an COVID-19 erkrankten Schweizer Kinder von Erwachsenen angesteckt worden. „Wir haben keine große Erfahrung damit, wie das Virus unter Kindern zirkuliert.“ Vieles spricht dafür, dass unter kontrollierten Bedingungen (Kleingruppen mit einem Drittel der Klassengröße?), KiTas und Grundschulen vermutlich geöffnet werden könnten. Das RKI und die WHO vertreten jedoch andere Positionen.

Noch nie haben Wissenschaftler so eifrig in der öffentlichen Diskussion mitgesprochen. Und dabei vertreten sie oft gegensätzliche Positionen. Viele Menschen verstehen jedoch nicht, dass auch Wissenschaft irren kann. Aber, Forscher beobachten genau und lernen aus Fehlern, die nachweisbar sind. So kontrollieren sie sich gegenseitig. Erfreulich, dass auch viele Politiker in der Zusammenarbeit mit den Wissenschaftlern nachdenklicher werden. Oft gilt in diesen Tagen: Argument sticht Parteimeinung.

Gräserpollenflug. Die graue Fläche gibt die Stärke des Pollenflugs über die letzten 10 Jahre wieder. Die Säulen (links unten im Bild) zeigen die aktuellen Daten von 2020, jeweils bezogen auf Münsterlingen (Bodensee, Schweiz) Quelle: www.pollenundallergie.ch

Seit zwei Monaten ist alles anders. Auch bei den Pollen. Bisher war der April die Zeit, in der die Birkenpollen flogen. In diesem Jahr sind diese schon längst auf dem Rückzug und haben den Gräserpollen den ersten Platz überlassen. Am Bodensee und Oberrhein sind sogar schon die Pollen des Wegerich in der Luft. Diese suchten uns bisher erst Ende Juli heim. Eltern allergischer Kinder müssen also den Pollenflugkalender in diesem Jahr umschreiben. Übrigens, ein möglicher und schöner Nebeneffekt vom Mund-Nasen-Schutz („Maske“) könnte sein, dass er viele Pollen abhält und damit Kinder und Jugendlichen vor dem Heuschnupfen – zumindest etwas – schützt.

Unter den wenigen Infektionen die rumgehen, sind natürlich auch Kinderkrankheiten. Vor einer Woche hatten wir berichtet, dass die Windpocken auf 25% des Normalniveaus zurückgegangen sind. Beim Keuchhusten hingegen liegen die Erkrankungszahlen noch auf dem Niveau des letzten Jahres. In der letzten Woche kamen 25 neue hinzu. Ganz anders bei den Masern: Seit den Kontaktbeschränkungen Mitte März ist bis heute nur eine einzige weitere Erkrankung gemeldet worden. Sind im letzten Jahr bis Ende April 61 Menschen im Ländle an Masern erkrankt, so sind es jetzt nur 26. Auch ein schöner Nebeneffekt! Ganz zur schweigen von den selten gewordenen Magen-Darm-Infektionen.

Was geht in der Welt rum? Es gilt eine weltweite Reisewarnung und Reisen selbst in die Schweiz und Österreich sind nicht möglich. Dennoch wollen wir hier weiter berichten, welche Infektionen in der Welt eine Rolle spielen. So werden aus Thailand in diesem Jahr bereits 5 mit Tollwut infizierte Hunde gemeldet. Seit zwei Jahren gibt es dort viele Tollwuterkrankungen, woran im Jahr 2018 nach offiziellen Angaben 17 Menschen und im letzten Jahr 1 Mensch verstarben. Immerhin gibt es gegen Tollwut eine gut wirksame Impfung. Für wen diese sinnvoll ist, sollte vor der Reise mit einem erfahrenen Arzt geklärt werden.

Wenn Sie wegen des Coronavirus auf dem Laufenden bleiben wollen……? Wir bringen ab sofort jeden Sonntag im praxisblättle ein „EXTRA-blättle  Corona“ mit Informationen, die besonders für Eltern und ihre Kinder interessant sein könnten. Schreiben Sie uns gerne, was Sie interessiert und bewegt. Gerne nehmen wir Ihre Fragen und Anregungen auf.

Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende. Mit Ihnen hoffe ich, dass sich im Mai die Lage für die Kinder verbessert und sie wieder raus dürfen. Raus in die Natur, auf den Spielplatz und in die Kindertagesstätte oder Schule. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff

 

Luftschadstoffe verschlimmern Gräserpollenallergie

Auch wenn die Klimadebatte erst in den letzten Jahren Bedeutung gewann, ist der Einfluss von Schadstoffen auf die allergische Reaktion schon seit 30 Jahren bekannt. Eine europäische Studie konnte nun diesen Einfluss auf den allergischen Schnupfen belegen.

In der MASK-POLLAR Studie konnten Annabelle Bédard und viele weitere Mitarbeiter aus neun europäischen Städten von Barcelona bis Vilnius zeigen, dass der Gräserpollenflug durch einige Schadstoffe ungünstig beeinflusst wird. Bei einigen der 3323 Teilnehmer trat während der Gräserpollensaison ein unkontrollierter allergischer Schnupfen auf. Als „unkontrolliert“ wurde der allergischer Schnupfen bezeichnet, wenn die Symptome (auf einer bestimmten Skala) und / oder der Verbrauch an Medikamenten sehr hoch war.

Diese Befunde wurden in Beziehung gesetzt zu den Messungen von Luftschadstoffen. Dabei zeigte sich, dass bei hohen Ozonwerten oder hohen Werten von kleinsten Luftpartikeln (PM2,5– das sind alle Schwebeteilchen in der Luft, die einen kleineren Durchmesser als 2,5 μm haben) auch die Symptome von Allergikern stärker waren. Die Folge war, dass es zu einem Anstieg der schwerwiegenden Symptome um 25% kam.

Diese Verschlechterung kann dadurch erklärt werden, dass die Luftschadstoffe Pollen zerstören können, wodurch diese eine grössere allergische Potenz bekommen. Inwieweit ein solcher Zusammenhang auch beim allergischen Asthma besteht, ist noch nicht abschließend geklärt.

Konsequenz? Während der Gräserpollensaison sollten betroffene Allergiker bei hoher Schadstoffbelastung in der Luft die körperliche Belastung im Freien gering halten. Das wäre insbesondere um die Mittagszeit günstig, wenn die Ozonkonzentration am höchsten liegt. Für PM2,5 gibt es leider keine einfache Regel zur Ermittlung der maximalen Belastung.