Schlagwort: Anaphylaxie

Kuhmilchallergie: Wie gefährlich kann sie sein?

Über Lebensmittel unterhalten wir uns täglich. So zum Beispiel über Unverträglichkeiten aller Art wie Lactoseintoleranz oder Unverträglichkeit von Weizen. Man vermutet, dass jeder fünfte in Deutschland bei sich eine Unverträglichkeit beobachtet, obwohl nur bei 2% aller Menschen eine solche nachweisbar ist.

Ähnlich ist es bei Allergien gegen Nahrungsmittel. Solche Allergien werden oft vermutet, lassen sich aber nur bei einer kleineren Gruppe von Menschen nachweisen. Genaue Daten hierzu gibt es wenige. Insofern ist die Studie aus der Arbeitsgruppe von Paul J. Turner vom National Heart and Lung Institute in London (England) sehr interessant.

Zunahme der Anaphylaxien gegen Nahrungsmittel zwischen 1998 und 2018 in Großbritannien. Quelle: British Medical Journal

Die Briten haben die nationalen Daten von 1998 bis 2018 hinsichtlich Krankenhausaufnahme wegen Nahrungsmittelallergien ausgewertet. In diesen 20 Jahren stieg die Zahl der stationär aufgenommenen Personen mit Nahrungsmittelallergien von 1,23 auf 4,04 pro 100.000 Einwohner und Jahr. Dabei lag der Anstieg bei Kindern deutlich höher: 2,1 auf 9,2 Aufnahmen pro 100.000 Personen.

Allergische Reaktionen auf Nahrungsmittel sind unangenehm und manchmal auch bedrohlich. Todesfällen sind jedoch selten. Für Großbritannien ließen sich 66 Todesfälle für Kinder im Schulalter innerhalb der 20 Jahre nachweisen. Davon entfielen 17 Todesfälle (26%) auf Kinder mit Kuhmilchallergie. Die nächst häufigere Todesursache waren die Erdnüsse als Auslöser in 14%, die bei Erwachsenen das „tödlichste Allergien“ mit 20% darstellt.

Ein beruhigendes Ergebnis der Studie ist, dass zwischen 1998 und 2018 laut des staatlichen Gesundheitsdienstes (NHS) die Zahl der verordneten Adrenalin-Injektoren um 336% zugenommen hat. Adrenalin ist die einzige Arznei, die eine Anaphylaxie (allergischer Schock) erfolgreich stoppen kann. Kampagnen der Allergologen weltweit werben seit Jahrzehnten dafür, diese Notfallarznei unbedingt den kritischen Allergiker zu verordnen.

Diese Zahlen aus Großbritannien zeigen auch eine Tendenz, die für Deutschland gilt: Schwere Allergien kommen häufiger vor als oft gedacht. Sie zu erkennen und exakt zu diagnostizieren ist der eine Schritt. Der andere ist die Planung der Notfalltherapie mit dem Adrenalin-Injektor sowie der Schulung der persönlichen Umgebung (Eltern, ErzieherInnen, LehrerInnen u.a.) im Einsatz desselben. Denn Todesfälle sind möglich, aber in vielen Fällen vermeidbar.

Was geht rum? 30. Januar 2021

Schockrisiko nach mRNA-Impfungen

COVID-19 bei Kindern in den USA

KiTas und Grundschulen im Ländle bleiben zu

Saubere Luft im Ländle –  dank Winter und Coronavirus

Zuletzt haben Sie manche Beiträge im praxisblättle über Impfungen gelesen. Bleiben wir also bei diesem Thema. Ein allergischer Schock, medizinisch Anaphylaxie genannt, ist die schwerste akute Reaktion, die nach einer Impfung auftreten kann. Inzwischen liegen zu diesem Risiko erste Daten aus den USA vor. Was den Impfstoff von BioNTech/Pfizer betrifft, so liegt die Rate bei 11,1 Anaphylaxien auf 1 Million Impfungen. Dies zeigt die Studie aus dem Team von Tom Shimabukuro vom Center for Disease Control (CDC), dem amerikanischen Pendant des deutschen Robert-Koch-Instituts (RKI). Für den anderen in Deutschland zugelassenen  Impfstoff, den der Firma Moderna, liegen die Zahlen bei einem Viertel: 2,5 Anaphylaxien auf 1 Million Impfungen. Das zeigt der MMWR ebenfalls aus dem CDC vom 22. Januar dieses Jahres auf, der sich auf 4,041,396 Erstimpfungen bezieht. Aus diesem Grunde müssen alle Geimpften in Deutschland 30 Minuten nach der Impfung im Impfzentrum bleiben. Über die speziellen Risikogruppen gibt eine Studie von Alvaro Moreira und Mitarbeitern aus dem CDC weitere Auskünfte.

In Deutschland erfahren wir nur vereinzelte Daten über COVID-19 bei Kindern. Aus den USA wissen wir seit der Veröffentlichung der AAP News (in Englisch; AAP  ist die Gesellschaft der amerikanischen Kinderärzte) nun genauer, wie sich das Coronavirus bei Kindern und Jugendlichen ausbreitet. Demnach sind in den USA seit Ausbruch bis heute 2,5 Millionen Kinder und Jugendliche an COVID-19 erkrankt (12,5% aller Erkrankter überhaupt). 10.182 Kinder wurden stationär behandelt (0.8%) und 191 (0.01%) verstarben an der Corona-Infektion.

Nun bleiben die Kindergärten und Grundschulen in Baden-Württemberg doch erstmal mindestens bis zum 21. Februar – also nach den Fasnachtsferien – geschlossen. Nur die Notbetreuung wird weitergeführt. Der Grund, so Ministerpräsident Kretschmann: „Die Mutanten sind nicht vor der Tür, sie sind leider schon da“. Aus den aktuellen Sequenzierungsdaten ginge hervor, dass bereits 2 bis 3 Prozent der neuen Corona-Infektionen auf mutierte Varianten des SARS-CoV-2 zurückzuführen seien. „Das klingt wenig, kann aber schnell ansteigen.“ Zuletzt waren in der Evangelische Kindertagesstätte Immergrün im Freiburger Stadtteil Vauban 18 Fälle mit der britischen Mutante bei Kindern und Erzieherinnen nachgewiesen worden.

Im Internet gibt es eine weiter steigende Zahl an Apps zum Thema Gesundheit. Sie reichen von allgemeinen Informationen bis hin zur Erinnerung an die Einnahme von Medikamenten. Sind die Informationen der jeweiligen App medizinisch korrekt? Sind die Apps sicher in Bezug auf den Umgang mit Daten? Mit diesen Fragen hat sich das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin (im Auftrag von Bundesärztekammer und der Kassenärztlichen Bundes-Vereinigung) befasst. Eine Patienteninformation soll helfen, vertrauensvolle Apps zu diesen Themen leichter zu erkennen.

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Wie steht es eigentlich um die Luftqualität in deutschen Städten? Für Baden-Württemberg sind leider von keiner Messstation umfassende Daten zu bekommen. Wohl aber aus Wörth am Rhein, das gerade mal 3 Kilometer von Karlsruhe entfernt auf der anderen Seite des Rheins liegt. Und die Daten sind günstig.

So sollte nach den deutschen Richtlinien der Höchstwert für Ozon von 120 µg/m3 maximal an 25 Kalendertagen pro Jahr überschritten werden. Gemessen daran ist der Wert von momentan 73 µg/m3 schon erstaunlich hoch in Anbetracht der geringen Sonneneinstrahlung des winterlichen Januar.

Niedrig sind jedoch die PM10, als wichtiger Hinweis auf eine Feinstaubbelastung. Nach den vielen Niederschlägen der letzten zwei Wochen ist die Luft gereinigt.

Die Stickstoffdioxid(NO2)-Werte werden hauptsächlich durch den Straßenverkehr und ganz besonders durch Dieselfahrzeuge erzeugt. Nebenbei ist NO2 auch ein Vorläufer vieler Feinstäube und kommt im Verbund mit anderen Schadstoffen vor. Insgesamt zeigt NO2 die Luftbelastung durch Verbrennungsprozesse unter hohen Temperaturen an. Dieser Wert liegt also sehr günstig und spiegelt vermutlich eine günstige Folge des Lockdowns wieder: weniger Straßenverkehr.

Zusammengenommen haben wir im Moment eine wunderbare Luft draußen – nur leider eben auch ein Schmuddelwetter. Die Luft ist aber von selten guter Qualität und wir sollten den Versuch wagen nach draußen zu gehen – mit unseren Kindern. Alle werden begeistert sein, wenn wir mehr bieten als einen langweiligen Sonntag-Nachmittags-Spaziergang.

Was geht in der Welt rum? In vielen Ländern von Asien, Lateinamerika und Afrika legen die Krankheitszahlen beim Dengue-Fieber zu. Aber selbst für diese Länder ist das Coronavirus spürbar wichtiger, sei es, dass Mutanten seine Verbreitung anheizen – wie zur Zeit in Südafrika. Die weiteren Auswirkungen des Coronavirus auf den Alltag der armen Menschen in vielen armen Ländern sind beispielsweise durch Ausgangssperren weit dramatischer: Der Handel wird unmöglich und Polizeiwillkür (die durch Bestechungsgelder sehr teuer ist) nimmt rasant zu. Mit schwerwiegenden Folgen für die Schwächsten jeder Gesellschaft: die Kinder!

Gemessen daran erscheint unsere Situation trotz aller Belastungen gut erträglich. Ich hoffe, Sie haben Zeit ein schönes Wochenende mit viel frischer Luft zu genießen. Herzlichst verbleibe ich Ihr

TIPP Elternratgeber Anaphylaxie

Die schlimmste Ausprägung einer Allergie ist die Anaphylaxie – in Deutsch: der allergische Schock. Dieser stellt eine Überreaktion des Organismus dar, der auf an sich harmlose Stoffe wie Nüsse oder einen Bienenstich unangemessen heftig reagiert. In der Summe hilft er sich selbst überhaupt nicht. Vielmehr verursacht die Überreaktion eine rasche Ausschüttung von aktiven Botenstoffen wie Histamin, die den gesamten Körper in Gefahr bringt. Kurzum: Der Körper reagiert zu heftig und gefährdet sich dabei selbst massiv.

Eine Anaphylaxie kann auf verschiedenste Reize hin erfolgen. Für Kinder und Jugendliche sind dies meist allergische Reaktionen auf Nahrungsmittel (Nüsse, Ei, Fisch und andere), Insektenstiche (vorwiegend Biene oder Wespe) und Medikamente.

Kurz und prägnant sind die wichtigsten Informationen im Elternratgeber Anaphylaxie der GPS (Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin) zusammengefasst.

Bei Anaphylaxien ist eine enge Zusammenarbeit mit der/m Kinder- und Jugendärztin enorm wichtig. Neben der medizinischen Bewertung geht es auch um verschiedene Fragen: Ist eine Schulung sinnvoll oder notwendig? Sollte der Kindergarten oder die Schule informiert und für einen möglichen Notfall geschult werden? Müssen Medikamente ständig vorgehalten werden?

Nuss-Allergien bei Kinder immer häufiger

Wenn das Thema Allergie es bis in die Schlagzeilen des Economist schafft, dann ist offensichtlich was los. The Economist ist eine sehr seriöse britische Wochenzeitung mit den Schwerpunkten Wirtschaft und Politik. Es kommt also selten vor, dass sie sich um ein medizinisches Thema kümmert.

Entwicklung von Allergien gegen Nüsse im Kindesalter. LINKS Notaufnahmen in US-Kliniken wegen allergischer Reaktion RECHTS Darstellung der Häufigkeit von Erdnussallergien in Prozent des Geburtsjahrgangs. Foto: The Economist

Wie die Grafik (links) zeigt nehmen schwere allergische Reaktionen („Anaphylaxie„) gegen Nahrungsmittel wie Milch oder Ei in den USA seit etwa 15 Jahren nur langsam zu. Demgegenüber steigt die Zahl der Notfälle mit Atemnot und Hautschwellungen seit 10 Jahren für viele Nüsse dramatisch an.

Für Deutschland stellt sich die Situation – noch? – anders dar. Hier ist die Erdnuss nur teilweise im Ernährungsplan angekommen und die Allergien gegen dieses Allergen sind vergleichsweise gering, wenn man die Häufigkeiten mit denen der USA oder Israel vergleicht. Aber auch bei uns zeigt sich ein Trend zu häufigeren Allergien gegen Nuss-Allergene.

Fast zeitgleich kam von der Gesellschaft Pädiatrische Allergologie (GPA) ein Elternratgeber zu den Baumnussallergien heraus. Darin sind die momentan wichtigsten Informationen für Kinder und Jugendliche in Deutschland übersichtlich zusammengefasst.

Bald gibt es vielleicht neue Möglichkeiten der Behandlung. In den USA zeigte die Studie eines neuen Typs einer oralen Hyposensibilisierung, dass Betroffene bereits nach einer 6-monatigen Therapie mit AR101 (Palforzia©) – so heißt die Therapie – mehrheitlich 600 mg Erdnussallergen vertragen. Das sind immerhin zwei Nüsse pro Tag – eine ganze Menge für jemanden, der zuvor schon bei Geruch von Erdnuss erste Symptome durchmachte. In den USA erwartet man die Zulassung für Anfang kommenden Jahres.

Insektenstiche und Allergie

In den kommenden Wochen wird das Problem der Mückenstiche zunehmen. Wir beobachten in den letzten Jahren zwar einen deutlichen Rückgang an Insekten, dennoch können zum Beispiel Stechmücken an lauen Abenden draußen sehr lästig sein.

Abbildung 1: Quaddel. Foto: ptw

Dabei ist es häufig nicht der Stich an sich der so lästig ist, sondern meist die allergische Spätreaktion, die ihm folgt. Diese Reaktion tritt frühestens 8 Stunden später auf und zeigt sich mit einer deutlichen Schwellung/ Quaddel (meist > 30 mm) und Juckreiz. Gerade bei kleineren Kindern, die mit dem Juckreiz schlecht zurechtkommen, treten bald Kratzspuren und manchmal auch Entzündungsreaktionen in der Folge auf.

Wie kann man sich vor Insektenstichen schützen?

Eine alte Frage. Einen perfekten Schutz gibt es nicht. Sofern technisch und finanziell möglich, sind Schnakengitter in der Wohnung sehr wirksam. Ansonsten ist die Anwendung von Repellents sinnvoll. Das beste hierbei ist DEET (z.B. Anti-Brumm®, zu 75 ml etwa 8 Euro). Dieser Stoff wirkt sicher über 4 Stunden, ist leicht klebrig auf der Haut und wird deutlich besser vertragen als bislang angenommen. Vorsicht nur im Gesicht und an Händen, weil er zu Reizungen der Bindehäute führen kann und Kinder mit den Händen gerne mal ins Gesicht fassen. Mit der Anwendung kann man bei Kindern ab 3 Jahren beginnen. Nicht ganz so gut wirksam, aber gerade für kleine Kinder besser verträglich ist Icaridin (z.B. in Autan© Protection Plus Pumpspray – z.Zt. bei Discountern momentan im Angebot für 3,99 € pro 100 ml). Für genauere Informationen können Sie auf’s praxisblättle vom August 2018 zurückgreifen. .

….und wenn der Stich frisch aufgetreten ist?

Dann ist die Anwendung einer aufgeschnittenen Zwiebel für 5 min auf der Einstichstelle gut wirksam. Alternativ kann Speichel oder auch Kälte (Eiswürfel) die Zwiebel ersetzen – wer hat schon immer eine Zwiebel bei sich? Das berühmte Fenistil© Gel jedoch hat über einen kurzen kühlenden Effekt hinaus keine Wirkung.

…. und wenn die Schwellung bereits da ist?

Dann kann nur noch eine Cortisonsalbe helfen. Antihistaminika sind nicht wirksam. Der Einsatz von Cortison sollte jedoch auch bei diesen kleinen Flächen auf schwere Stiche begrenzt bleiben.

Können Insektenstiche gefährlich werden?

Manche Insekten wie Bienen und Wespen können – ähnlich wie Nahrungsmittel oder Medikamente – eine schwere Allergie hervorrufen. Diese zeigt sich vielfach durch akute Körperreaktionen nach Einstich, die über das übliche Maß hinausgehen. So kann die Einstichstelle deutlich anschwellen (was meist kein großes medizinisches Problem darstellt), es können aber auch Reaktionen an anderen Organen hervorgerufen werden. Um diese korrekt zu bewerten, sollte zeitnah ein Kinderallergologe aufgesucht werden. Dieser kann durch gezielte Nachfragen, Allergietests und gelegentlich auch Bluttests das Risiko für kommende Insektenstiche abschätzen.

Manche Kinder können bereits im frühen Kleinkindesalter eine solche schwere Allergie entwickeln. Dann besteht auch das Risiko für einen allergischen Schock. Das nennen wir in der Medizin Anaphylaxie. Diese betrifft in Europa immerhin einen von 300 Menschen, darunter 23% Kinder. Kürzlich wurden von der Gesellschaft Pädiatrische Allergologie (GPA) Hinweise veröffentlicht, wie Eltern ihre Kinder hiervor schützen können.

Stich und Schock: Insektengiftallergie

Nun fliegen sie wieder. Bienen, Wespen, Hornissen und Hummeln. Vielen Menschen sind sie beim Genuss von Speiseeis lästig.

Deutlich gefährlicher als der Stich dieser Insekten sind jedoch Allergien gegen Gifte dieser Insekten. Sie kommen in jedem Lebensalter vor, teilweise auch bei Kleinkindern. Besonders schwerwiegend sind Allergien gegen Bienen und Wespen. Hierbei kann es zum allergischen Schock (Anaphylaxie) kommen, der bei Kindern jedoch nur in einer Häufigkeit von 0.34% auftritt. Erwachsene sind 10 Mal so oft davon bedroht.

Dennoch muss auch bei Kindern in jedem Einzelfall versucht werden, das individuelle Risiko zu klären. Die weitaus meisten Insektengiftallergien zeigen sich als allergische Lokalreaktionen: Um die Einstichstelle bildet sich eine Rötung und Schwellung, die gelegentlich über 10 cm groß wird und länger als einen Tag anhält. Die Stärke der Lokalreaktion kann durch Sofortmaßnahmen direkt nach dem Stich begrenzt werden. Dabei helfen folgende Maßnahmen:

  • Anwendung von Kälte (Eiswürfel) über weniger Minuten.
  • frische Zwiebel aufschneiden und mit leichtem Druck auf die Einstichstelle pressen.
  • die Einstichstelle mehrfach mit Speichel bestreichen

Treten nach einem Stich Allgemeinsymptome auf, sollte sofort ein Arzt bzw. ein Notarzt alarmiert werden. Im Gegensatz zu Erwachsenen ist eine Nesselsucht (Urtikaria) als einziges Symptom in aller Regel für Kinder nicht bedrohlich. Die im Folgenden genannten Symptome können jedoch ein Alarmzeichen sein und sollten immer dazu führen, umgehend einen Notarzt anzufordern.

  • Atemnot oder Engegefühl im Hals oder in der Brust
  • Schwindel oder Müdigkeit
  • Kribbeln in Händen/ Füßen/ am Kopf
  • Erbrechen.

Ist aber die Reaktion auf einen Insektenstich als Hinweis auf eine mögliche schwere Allergie zu werten? Das sollte im Zweifelsfall mit dem Allergologen geklärt werden. Alle Kinder und Jugendliche, bei denen Hautreaktionen fernab der Einstichstelle oder Allgemeinsymptome (Atemnot, Kribbeln in den Händen u.ä.) auftreten, müssen eine Diagnostik in Bezug auf eine Allergie erfahren. Idealer Zeitpunkt für diese Abklärung ist ein Zeitraum von 3-6 Wochen nach einem Stich, bei sehr schweren Reaktionen ggf. auch früher.

Ziel der medizinischen Abklärung ist es, das individuelle Risiko zu bestimmen. Dazu sind besonders die Angaben über die erlebten Symptome und deren zeitlichen Ablauf wichtig. In aller Regel wird auch ein Allergietest und eine Laboruntersuchung durchgeführt. In wenigen schwierigen Fällen gibt es noch weitergehende Untersuchungen (Intrakutantest; Stichprovokation u.a.), die aber bei Kindern nur selten erforderlich sind.

Die effektivste Therapie einer Allergie ist die spezifische Immuntherapie (SCIT), oft auch als Hypo-/Desensibilisierung bezeichnet. Bei Allergien gegen Biene oder Wespe liegt deren Erfolgsquote bei über 90 Prozent. Vor dem Erfolg steht aber ein gewisser Aufwand in Form von Injektionen, die in etwa monatlichen Abständen für meist 5 Jahre durchgeführt werden. Andere Maßnahmen wie die Gabe von Antihistaminika (Cetirizin u.a.) vermögen allenfalls den Juckreiz nach einem Stich zu mindern. Auch Cortison stellt keine sichere Therapie dar.

Sollte der allergische Notfall – die Anaphylaxie – eintreten, ist das sog. Notfallset zwingend wichtig. Zentral ist hierbei der Adrenalin-Autoinjektor (AA – Notfallspritze). Nur mit diesem lässt sich eine potentiell tödliche Anaphylaxie sicher behandeln. Der Allergologe klärt im Vorfeld die Frage (Indikation), ob ein solcher AA im Einzelfall sinnvoll ist und weist in die praktische Anwendung ein (Anaphylaxie-Notfallplan_). Die weiteren Medikamente (Cortison, Antihistaminika) sind zweitrangig. Im schweren Notfall setzt ihre Wirkung deutlich zu spät ein. Nur das in den Muskel gespritzte Adrenalin über den AA vermag den Kreislaufkollaps sicher zu verhindern. Und im Zweifelsfall muss sich das der Patient selbst spritzen können.

Zusammen mit der Verschreibung des Notfallsets ist auch eine Instruktion (Anaphylaxie-Training) wichtig. Das betroffene Kind und die Eltern müssen in die Handhabung der Medikamente eingewiesen werden. Das betrifft ggf. auch Personen des weiteren Umfeldes wie Großeltern oder Erzieher- und LehrerInnen. Dadurch werden Ängste im Umgang mit der Spritze abgebaut. Eines muss klar sein: Wenn eine schwere Allergie gegen Insektengift vorliegt, so hilft nur die Adrenalin-Spritze. Dafür muss sie erstens vorhanden sein und zweitens ohne Zögern im Notfall (vom betroffenen Kind oder Jugendlichen oder seinen/ihren Umgebungspersonen) auch angewendet werden. Damit können die ersten 15 Minuten bis zum Eintreffen des Notarztes sicher überbrückt werden.

Man sich durchaus vorbeugend schützen. Dann sollten folgende Dinge beachtet werden:

  • Im Sommer ist es nicht sinnvoll direkt aus Flaschen oder Getränkedosen zu trinken. Unbemerkt könnten Insekten hineingekrochen sein. Also: Getränke immer abdecken oder verschließen. Die Anwendung von Strohalmen ist hilfreich.
  • Abfall und insbesondere Essensreste /Obstreste sollten aus der näheren Umgebung bald entfernt werden. Also: Den Tisch draußen abräumen, sobald die Mahlzeit beendet ist.
  • Parfüm und andere intensive Gerüche locken – ähnlich die Blüten – Insekten an. Sie sollten also draußen vermieden werden. 
  • Auch helle farbenfrohe Kleidung lockt – wie bei den Blüten – die Insekten an. Also eher gedeckte Farben tragen und keine Blumenmuster. Und am besten Kleidung, die viele Körperpartien verdeckt. 
  • Herumfliegende Insekten nicht schlagen. Sie allenfalls mit langsamen Bewegungen in eine andere Richtung lenken. Bei schwülwarmem Wetter sind Insekten oft aggressiver. Dann ist es meistens besser, sich ins Haus zurückzuziehen. 
  • Nicht barfuß laufen. Auch Sandalen und andere offene Schuhe stellen ein erhöhtes Risiko dar. Das gilt besonders beim Rasenmähen, was Insektengift-Allergiker meiden sollten. 
  • Die Wohnungsfenster sollten mit Fliegengitter versehen sein. Ebenso wichtig ist es, Terrassentüren sofort zu schließen.