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Die Infektwelle kommt bald. Macht eine Grippe-Impfung bei Kindern Sinn?

Für viele Laien sind die Impf-Empfehlungen in Deutschland verwirrend. Die STIKO bzw. das RKI empfehlen die Grippeimpfung nur für Versicherte ab 60 Jahre, für Menschen mit chronischen Erkrankungen, für Schwangere und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen. Für Baden-Württemberg hat das Sozialministerium jedoch erweiterte Empfehlungen. Hier wird – entsprechend den Vorgaben der WHO – die Grippeimpfung für alle Kinder ab dem 6. Lebensmonat empfohlen.

In den USA läuft bei der Corona-Pandemie sicher manches nicht so gut. Was aber die Influenza betrifft, liegen die Impfraten bei Kindern bei über 60%. Eine Zahl, die selbst bei den sog. Risikogruppen in Deutschland nicht annähend erreicht wird. Die American Academy of Pediatrics (in Englisch) hat gerade die Details für die Grippeimpfung von Kindern in der Saison 2020 / 2021 veröffentlicht, die in vielen Aspekten auch für Laien sehr interessant sind.

Klar ist, dass die Impfung gegen Influenza lange nicht so wirksam ist wie diejenige gegen Masern, bei denen eine „sterile Immunität“ erreicht wird, also beinahe bei allen Geimpften der Ausbruch von Masern verhindert werden kann. Dennoch ist sie gut wirksam und schützt viele Menschen. Und, sie ist der einzig verfügbare und nachweißlich wirksame Schutz vor dieser – wie „Corona “ – schweren Infektion.

Die Kinder- und Jugendärzte sehen den Stellenwert für die Grippe-Impfung bei Kindern ähnlich wie die Behörden im Ländle und raten Kinder in diesem Herbst gegen Influenza impfen zu lassen. Dazu der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) Johannes Hübner: „Wir wissen, dass Kinder den Influenzavirus maßgeblich übertra­gen“.

Eine Impfung der Kinder, das ist wissenschaftlich gut belegt, schützt indirekt auch die älteren Risikogruppen. Das zeigt eindrücklich eine zentrale wissenschaftliche Untersuchung von 2001 aus der Arbeitsgruppe um Masato Tashiro und Mitarbeiter aus Tokyo (Japan). Wenn der Enkel kein Grippevirus verbreitet, wird auch Omi nicht krank.

Aber Kinder können selbst auch schwer an Influenza (Grippe) erkranken, so dass sie sogar stationär behandelt werden müssen. Folgerichtig unterstützt auch Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) die Impfung von Kindern: „Deswegen haben wir diesmal zusätzlichen Grippeimpfstoff besorgt. Jeder, der sich und seine Kinder impfen lassen will, sollte und kann das tun.“

Als erste große Krankenkasse hat sich Mitte der Woche die AOK angeschlossen. Laut dem Deutschen Ärzteblatt hat ein Sprecher der AOK angekündigt, die Kostenübernahme betreffe „nicht nur die Impfung von Risikogruppen, sondern alle AOK-Versicherten, sofern die Ärzte dies für erforderlich halten“. Das ist ein gewichtiges Wort.

Konnten Sie sich für Ihre Kinder entscheiden können? Oder noch Fragen? Ganz sicher. Dann los an die Tasten. Anderen Eltern geht’s vermutlich recht ähnlich bei der Grippeimpfung ihrer Kinder.

TIPP Reiseimpfungen – welche Kosten fallen an?

Fernreisen sind heute richtig günstig. Zumindest für uns in Europa, solange wir bei den Reisezielen nicht allzu exotische Orte aussuchen. So wurden Flüge mit der exklusiven Lufthansa von Paris nach Südafrika kürzlich für 396 € angeboten. Hin und zurück. Reine Flugzeit immerhin 12 Stunden pro Reise. Da ist die Debatte übers Klima für die meisten schnell mal vergessen.

Dazu dann noch die geringen Lebenshaltungskosten in vielen Reiseländern. Die liegen in Südafrika etwa bei der Hälfte der Kosten, die man in Deutschland aufzubringen hätte.

Wenn da nicht die medizinischen Kosten wären. Impfungen und medikamentöse Prophylaxe.  Im beschrieben Falle von Südafrika ist für den Besuch des Kruger-Nationalparks eine Malaria-Prophylaxe geboten, Kosten im günstigsten Fall für sieben Tage Aufenthalt: 136,78 €  (bei Anwendung des Originalpräparates Malarone© – inzwischen gibt es etwa halb so teure Alternativen für Kurzreisen). In anderen Ländern kann es noch teurer werden. Eine Tollwutimpfung, die seit einiger Zeit beispielsweise in Bali wichtig ist, schlägt etwa mit 200 € (bei 3 Injektionen)  zu Buche. Wer dann eine Tour mit Rucksack durch das Hinterland dieser herrlichen Insel mit ihren Reisfeldern vorhat, sollte auch an eine Impfung gegen japanische Encephalitis denken. Wieder Kosten von etwa 200 € . Die Gelbfieber-Impfung (für viele Regionen Afrikas bedeutsam) ist da mit 60-70 € vergleichsweise billig.

Was oft nicht so bekannt ist: Viele Krankenversicherungen übernehmen einen Teil oder in Einzelfällen fast alle Kosten für solche Maßnahmen. Selbst die AOK Baden-Württemberg wird da von vielen Menschen verkannt. Immerhin beteiligt sie sich an den Kosten für reisemedizinisch wichtige Maßnahmen mit bis zu 200 €. Unschlagbar bleibt jedoch die Barmer-Krankenkasse: sie erstattet sämtliche reisemedizinischen Maßnahmen, von der Malaria-Prophylaxe bis hin zur Tollwutimpfung. Für alle Details hilft die Tabelle (Stand: 09. April 2019) des Centrums für Reisemedizin (CRM) weiter, die ständig aktualisiert wird.

Am Schluss ist reisen dann so billig, dass die Frage nach den Konsequenzen fürs Klima drängender wird. Das Umweltministerium in Berlin mag zwar so manche gute Idee haben, bei der Umsetzung sieht es anders aus. Im letzten Jahr 2755 Inlandsflüge der Mitarbeiter des Ministeriums? Ja stimmt, kaum zu glauben. Da kommt einem Gabor Steingart in den Sinn: „Erst kommt das Fliegen, dann die Moral“.

Kinderkrankengeld – was gilt es zu beachten?

Es ist Winter. Kinder machen viele Infekte durch und deren Eltern anstrengende Zeiten: Nachts mehrfach aufstehen, Trost spenden und mit-leiden.

In solchen Situationen bliebt meist ein Elternteil zuhause, um das Kind zu betreuen. Dafür besteht auch ein gesetzlicher Freistellungsanspruch, der im §616 BGB geregelt ist. Praktisch bedeutet dies, dass Eltern sich beim Arbeitgeber abmelden können, wenn der Kindergarten anruft, dass ihr Kind gerade mit Fieber erkrankt ist. Wie viele Tage der Arbeitnehmer zur Pflege seines Kindes  bei voller Bezahlung der Arbeit fernbleiben kann ist nicht konkret festgelegt. Oft gibt es hierfür Angaben in Tarifverträgen oder Betriebsvereinbarungen.

Die Lohnfortzahlung wird jedoch häufig von großen Firmen nicht gewährt. Für diesen Fall hat der Gesetzgeber einige Regeln geschaffen, damit die Eltern für ihr Kind da sein können. So regelt der §45 Abs. 3 SGB V zunächst einen Anspruch auf unbezahlte Freistellung von der Arbeit. Ein Elternteil hat also das Recht, bei Krankheit des Kindes die Arbeit ruhen zu lassen. Eine Ausnahme besteht jedoch: Erkrankt das Kind von Auszubildenden, so besteht für den Arbeitgeber eine Pflicht zur Lohnfortzahlung.

Den Anspruch auf Krankengeld des Versicherten (Elternteil) regelt hingegen der §45 Abs. 1 SGB V. Dieser kommt zum Tragen, wenn ein krankes – ebenfalls gesetzlich versichertes – Kind noch nicht das 12. Lebensjahr erreicht hat und von einem Elternteil betreut werden muss. Im Einzelnen müssen folgende Bedingungen vorliegen

  • Das Kind ist gesetzlich versichert (also z.B. über die AOK oder TK)
  • Die Eltern sind ebenfalls gesetzlich versichert
  • Das ist noch keine 12 Jahre alt
  • im Haushalt lebt niemand, der sich um das Kind kümmern kann

Mit einem ärztlichen Zeugnis (Muster 21) bestätigt der Kinder- und Jugendarzt diese Krankheit.

Wenn diese Voraussetzungen vorliegen, bezahlt die Krankenkasse ab dem ersten Tag des Verdienstausfalles 90% des Nettolohns. Die Regelung ist also gleich wie beim normalen Krankengeld. Es gibt eine Höchstgrenze für das Kinderkrankengeld. Sie lag für das Jahr 2018 bei 103,25 € pro Tag.

Der Anspruch der Eltern richtet sich dann nach der Zeit, die der Arzt attestiert hat. Pro Kind ist das Krankengeld auf zehn Arbeitstage begrenzt, bei Alleinerziehenden auf 20 Arbeitstage. Insgesamt besteht pro Jahr ein Anspruch von maximal 25 Tagen (bei allein erziehenden Versicherten: 50 Tage). Bei schwerstkranken Kindern, die nur noch wenige Wochen zu leben haben, kann die Kasse die Regelung ausweiten.

Ist das Kind bei schwerer Krankheit stationär, also im Krankenhaus, aufgenommen, so stellt der Krankenhausarzt die Bescheinigung aus. Er bescheinigt in aller Regel, dass die „Mitaufnahme einer Begleitperson“ aus „medizinischen Gründen“ notwendig ist. Für die Erstattung des Verdienstausfalles der Begleitperson fehlt es bis heute an einer gesetzlichen Regelung. Hier muss eine Einigung mit der Krankenkasse erzielt werden, die häufig den Verdienstausfall erstatten. Dies ist dann aber eine freiwillige Leistung, die nicht über §45 SGB V geregelt ist.

Privatversicherte haben keinen Anspruch auf Kinderkrankengeld. Das gilt auch, wenn zwar das betroffene Kind privatversichert ist, die Eltern aber gesetzlich versichert sind.