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Appendizitis – und doch keine Operation?

Für viele Menschen ist die „Blinddarmentzündung“ ein großer Schrecken. Blinddarm? Der ist eigentlich gar nicht betroffen, das deutsche Wort ist irreführend. Entzündet ist der Wurmfortsatz des Blinddarmes, also ein kleines Anhängsel (lateinisch: Appendix). Deswegen bleiben wir mal beim medizinischen Wort für das Problem: Appendizitis – also Entzündung des Anhängsels.

Üblicherweise wird eine Appendizitis chirurgisch behandelt. Die Operation erfolgt entweder klassisch über einen Unterbauchschnitt oder laparoskopisch, also mit Hilfe einer Optik (meist über einen kleinen Schnitt im Nabelbereich) und zwei weitere kleinste Schnitte am rechten Unterbauch, über die die Arbeitsgeräte eingeführt werden.

Schon länger gibt es Berichte über eine Behandlung der Appendizitis ohne Operation. Hierbei werden Antibiotika eingesetzt, um die Entzündung des Wurmfortsatzes in den Griff zu bekommen und damit einen chirurgischen Eingriff vermeiden zu können. Nun liegt eine gute Studie aus dem renommierten JAMA (Journal of the American Medical Association) vor.

Die Autoren der Studie um Peter C. Menneci aus den USA untersuchten 1068 Kinder und Jugendliche (7-17 Jahre) mit unkomplizierter Appendizitis aus 10 verschiedenen Kliniken in 7 Bundesstaaten. Von ihnen wählten 370 Kinder bzw. ihre Eltern (35%) die nicht-operative Behandlung mit Antibiotika. Nach einem Jahr konnten über 75% aller Patienten kontrolliert werden. Dabei zeigte sich, dass von den Kindern mit Antibiotikatherapie 67.1% nicht operiert werden mussten. Darüber hinaus hatten sie weniger Fieber als die operierten Kinder und der Aufenthalt in der Klinik war kürzer (6.6 Tage gegenüber 10.9 Tagen).

Für die unkomplizierte Appendizitis scheint die konservative Therapie mit Antibiotika eine echte Alternative zur chirurgischen Intervention zu sein.

TIPP Madenwürmer: ärgerlich, aber nicht schlimm

Manchen ekelt allein der Gedanke. Dennoch können Würmer unseren Darm befallen, sich einnisten und auch Beschwerden verursachen. Bei Kindern ist das gar nicht mal so selten. Die bei weitem häufigsten Würmer – die Madenwürmer – sind letztlich eher harmlose Mitbewohner, sofern sie nicht die Appendix befallen und damit zum Bild einer „Blinddarmentzündung“ und zur Operation derselben führen.

Madenwürmer sind die am häufigsten auftretenden Würmer und befallen jeden zweiten Menschen irgendwann einmal. Sie sind weißlich, zwischen 3 und 13 mm lang und kaum einen Millimeter dick und werden manches Mal in Gruppen auf den Ausscheidungen des Darmes gesehen (siehe Abbildung 2). In vielen Fällen bzw. zu Beginn des Darmbefalls sind sie diskreter und äußern sich zunächst nur durch lästigen Juckreiz am After, besonders nachts.

Abbildung 1. Eier der Madenwürmer. So stellen sie sich im sog Analfilm unter dem Mikroskop dar. Foto: Center for Disease Control (CDC)

Die Aufnahme der Wurmeier (siehe Abbildung 1) erfolgt meist durch von Madenwürmer befallene Nahrungsmittel über den Mund (oral). Eine Infektion durch Inhalation (inhalativ) aus Staub ist jedoch auch möglich. Die Eier kommen letztlich im Magen an, werden dort aufgeweicht und beginnen sich bereits nach wenigen Stunden im Zwölffingerdarm (Duodenum) geschlechtlich weiter zu entwickeln. Nach der Wanderung durch den Dünndarm siedeln sie sich in der Region der Bauhin’schen Klappe im Blinddarm (Ceocum) an und vermehren sich dort. Nach der Paarung stirbt das – kleinere – Männchen ab, das Weibchen bewegt sich in Richtung After und legt dort vorzugsweise nachts in den Falten Tausende von Eiern ab bevor es auch stirbt. Durch den Juckreiz kommen die Eier häufig unter die Fingernägel des betroffenen Menschen, von wo sie wieder durch Fingerkauen aufgenommen werden. Damit beginnt der Zyklus von vorne.

Abbildung 1. Madenwürmer. Foto: http://digestivedetective.com.au

Die Diagnose wird über den sog. Analfilm gestellt. Hierbei werden morgens mit Hilfe eines Klebestreifens die Wurmeier vom After abgezogen und unter dem Mikroskop untersucht. Wenn Würmer gesichtet wurden ist eine weiter Untersuchung nicht erforderlich. Bei einem negativen Ausfall des Analfilms sollte dieser Test insgesamt 3 mal wiederholt werden. Im Analfilm lassen sich die Wurmeier meist sehr einfach darstellen (siehe Abbildung 1).

Die Therapie ist in den meisten Fällen einfach, umfasst aber eine Reihe von begleitenden Verhaltensregeln um erfolgreich zu sein:

  • Pyrantel (Helmex©) in einmaliger Dosis, das teilweise nach 2 und 4 Wochen nochmals verabreicht wird
  • Nagelpflege. Die Fingernägel müssen kurz geschnitten und glatt gefeilt werden
  • Nach jedem Stuhlgang gründliches Händewaschen mit Fingerbürste (unter den Nägeln bürsten)
  • Wechseln der Unterwäsche zweimal täglich
  • Wechseln der Bett- und Nachtwäsche vor und nach Therapie
  • Bettwäsche nicht ausschütteln
  • Alle Wäsche bei mindestens 60 Grad waschen
  • Staub um das Bett saugen (Vorsicht: Im Staub können Wurmeier sein, die inhaliert werden können)

Von vielen Mikrobiologen wird die zeitgleiche Behandlung aller Haushaltsmitglieder empfohlen, weil es häufig symptomfreie Menschen gibt, die dennoch von Madenwürmern befallen sind. Alternativ sollten in jedem Falle alle Menschen in einem Haushalt mit dem Analfilm auf Wurmeier untersucht werden.