Schlagwort: Atemnot

…..Ich bleib dann mal daheim!

Erst war Corona weit weg, jetzt kommt die Erkrankung COVID-19 in den Dörfern an. Leider gab es in den letzen Wochen zu viele Menschen, die mal eben noch auf die auf die Skipiste gingen (“ es ist so herrlich leer hier“) oder sonstwie dazu beitrugen, dass sich viel ansteckten. Allein ein Barkeeper in Ischgl soll Hunderte angesteckt haben.

Neuinfektionen mit COVID-19 nach Tag in Deutschland Quelle esri

Wie zügig die Ausbreitung verläuft zeigt die interaktive esri-Karte für Deutschland. Sie gibt die Daten des Robert Koch-Instituts in Berlin wieder, also die besten und sichersten Daten auch für Baden-Württemberg. Im „Was geht rum“ vom Samstag war zu lesen, dass von 100.000 Menschen im Lände 2,5 am Coronavirus erkrankt seien (Daten vom 11. März). Gestern (17.03.), 6 Tage später sind es bereits 10,02 – also vier Mal so viele. Heute (18.03.) liegt sie bereits bei 14,60. Die Kurve auf der interaktiven Karte (siehe auch die Graphik links) zeigt diesen exponentiellen Verlauf deutlich.

Es ist also wenig verständlich, dass sich bei dem herrlichen Wetter gestern lange Schlagen vor den Eisdielen bildeten und Menschen in Gruppen in den Parks saßen. Zwei Drittel von uns werden erkranken, Kinder und Jugendliche schwächer als die Erwachsenen. Alle, Eltern, Geschwister, Opas und Omis, Freunde, Verwandte und Chefs sind also gefordert. Wir müssen Abstand voneinander halten, damit das Virus weniger Menschen anstecken kann.

Die Bedrohung durch das Virus ist tatsächlich da, ganz banal und für manche Menschen existentiell. Der Blick nach Italien hilft. Dort wird vielen über 80-Jährigen die Beatmung verweigert, weil für die Maßnahme schlicht keine Kapazität vorhanden ist. Manche Opis und Omis mögen sagen, ich will sowieso sterben. Aber bitte nicht so! Wenn eine Atemnot nicht behandelt werden kann ist das grausam!

Die kleinen Freiheiten sind sicher etwas nettes, wie im anrührenden und herrlichen Film „les petites fugues“ von 1979. Jetzt aber ist das Brechen der Verbote völlig fehl am Platz. Jetzt gilt es, dass wir dazu beitragen, damit wir alle halbwegs ungeschoren durch diese Infektion kommen. Dieses Miteinander ist was schönes. Fangen wir mal gleich an. … Ich bleib mal daheim.

Cortison bei akutem Krupphusten?

Der Krupphusten, das war in den letzten Wochen bereits bei „Was geht rum“ zu lesen, ist eine Erkrankung, die sich oft in den Frühjahrs- und Herbstmonaten März bzw. November zeigt. Das heimtückische an dieser Krankheit ist, dass sie sich nicht langsam anmeldet, sondern häufig von einer auf die andere Minute mit bellendem Husten, Atemnot und Halsschmerz ein Kind überfällt. Schwere Notfälle sind selten, kommen aber vor. In jedem Fall ist das Auftreten des Krupphustens für das Kind und seine Eltern besorgniserregend.

Die akute Atemnot zwingt Eltern in vielen Fällen zum schnellen Handeln. Was können Sie tun?

  • Ruhe bewahren. Das ist die erste und schwierigste Aufgabe. Denn nicht nur die Eltern haben Angst, auch das Kind. Und es ist zunächst wichtig dem Kind zu zeigen, dass die eigenen Eltern das Problem im Griff haben. Dann geht alles schon besser, denn die Eltern helfen immer am besten. Das weiß ein Kind. Also auch wenns extrem schwerfällt: Ruhe bewahren.
  • Feuchte und gute Luft anbieten. Das geht am schnellsten, wenn Eltern das Kind in dicke Decken einwickeln und mit ihm auf dem Arm nach draußen gehen und dort das Kind unterhalten: mit dem Kind über den Sternenhimmel oder andere nette Dinge reden. Alternativ kann man auch im Bad einen kräftigen Dampf erzeugen (Duschbrause aufdrehen), sich auf eine kuschelige Decke setzen und Kinderbücher ansehen.
  • Gute Atmosphäre schaffen. Ablenkung ist wichtig. Das Kind atmet schlecht, das ist klar, also sollte das nicht lange beredet werden. Getränke anbieten, an schöne Tageserlebnisse erinnern. Oftmals bessert sich darunter die Atemnot schon nach 10 – 20 Minuten. Also, eine gewisse Geduld ist auch wichtig.
  • Sollten diese Maßnahmen keine Besserung bringen, ist Cortison die einfachste Maßnahme, die schnell und effektiv eingesetzt werden kann. Dabei kann es sein, dass die Wirkung verzögert eintritt. Fünf Minuten sind es sicher, es können aber auch 20 Minuten sein. Deswegen sollten Eltern Cortison-Ängste zurückstellen – aber das wird Eltern in der Situation schnell bewusst.

Erst kürzlich hat eine Forschergruppe um CM Parker und MN Cooper aus Australien in einer Studie belegt, dass das Cortison Prednisolon (z.B. in Rectodelt©) dem Dexamathason (z.B. in Fortecortin©) gleichwertig sind. Das gibt erstmals eine wissenschaftlich sichere Grundlage für die Anwendung von Prednisolon.

In der Praxis bzw. Kliniken stehen noch weitere Therapien (spezielle Inhalationen, Medikamente per Infusion) zur Verfügung, die in aller Regel für zuhause nicht praktikabel sind.

Wenn Eltern wegen des Krupphustens in Sorge sind, so sollten sie erst die o.g. Maßnahmen durchführen und dann einen Kinder- und Jugendarzt kontaktieren. Gerade auch beim Krupphusten kann die Telemedizin sehr hilfreich sein, wenn die betreffende Ärztin/ Arzt hört, wie das Kind atmet. Dann kann sie/er die Situation besser einschätzen und die Eltern umgehend beraten, was zu tun ist.

Wenn ein Kind bereits einen Krupphusten hinter sich hat, sind folgende vorbeugenden Maßnahmen sinnvoll:

  • Vorhalten eines Notfallmedikaments nach Absprache mit der Kinderärztin / Kinderarzt
  • Notfall-Telefonnummern (Kinderärztin / Kinderarzt; Notfalldienst; Telemedizin) ins Haustelefon einprogrammieren bzw. als Notiz ans schwarze Brett
  • Babysitter instruieren, was bei einem möglich nächsten Kruppanfall zu machen ist.