Schlagwort: Birkenpollen

Was geht rum? 24. April 2021

Kinderarztpraxen: Deutlich weniger Behandlungen

Nach einer COVID-Impfung: Antikörper in der Muttermilch nachweisbar

schwere COVID-19 bei Kindern: Vergleich USA – Deutschland

Pollenflug – Fahrradhelm – Malaria

Auch dieses praxisblättle hat den Schwerpunkt Coronaerkrankungen. Dabei verzichten wir auf die staatlichen Regelungen wie die Notfallbremse, von denen Sie rund um die Uhr hören und am nächsten Morgen dennoch nicht wissen was gilt. Eines ist gewiss: Alles funktioniert nur mit der Eigenverantwortung jedes Einzelnen. Der Staat kann gelegentlich kontrollieren. Aber als Erwachsene sollten wir soweit sein, unsere Verantwortung eigenständig wahrzunehmen. Bei Kindern ist das manchmal anders: Sie wollen gelegentlich Grenzen austesten.

Kindergesundheit in der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 Foto: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung DIW-Berlin

Mit Beginn der Coronapandemie waren die Praxen der Kinder- und Jugendärztinnen plötzlich fast leer. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin hat untersucht, warum das so war. Einmal – das hatten wir mehrfach hier beschrieben – haben die Pandemieregelungen  neben den Coronavirus auch andere Viren an der Ausbreitung gehindert: Die Behandlungen wegen Infektionen gingen um über 50% zurück. Die Zahl der psychischen Erkrankungen ging jedoch nur um 12% zurück, während bei den Terminen infolge chronischer Erkrankungen (Diabetes, Zöliakie u.a.) überhaupt kein Rückgang festzustellen war. Man darf also annehmen, dass Eltern die Praxen nicht aus Angst vor Ansteckung seltener aufsuchten, sondern weil oft  weniger Bedarf bestand.

Aus Israel kommt eine Studie, die zeigt, dass nach einer COVID-19-Impfung von Müttern in der Stillzeit in der Muttermilch Antikörper gegen das SARS-CoV-2 nachzuweisen sind. IgA-Antikörper waren bereits nach 2 Wochen, IgG-Antikörper nach 4 Wochen nachweisbar. Welchen Effekt die Antikörper auf Säuglinge haben ist nicht bekannt. Die Studiengruppe umfasste nur 84 stillende Frauen, so dass weitere Aussagen nicht möglich sind.

Krankenhaus – auch Kinder werden wegen Coronainfektionen stationär behandelt. Foto: pixabay, Silas Camargo Silão

In den USA sind im Jahre 2020 über 2 Millionen Kinder an COVID-19 erkrankt. In einer Studie von CDC-Forschern wurde untersucht, wie viel schwere Verläufe Kinder durchmachten und wen es besonders traf. Es zeigte sich, dass drei Gruppen besonders betroffen sind: Zum einen Kinder mit Grunderkrankungen, zum anderen Kinder der Altersgruppe von 2-11 Jahren und Buben, die klar häufiger von Coronainfektionen betroffen waren als Mädchen.

Bis Anfang April sind in Deutschland etwa 385.000 Kinder und Jugendliche (bis 19 Jahre) seit Beginn der Pandemie an einer Coronainfektion erkrankt. Das ergeben Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI), die in einer Antwort der Bundesregierung der FDP-Fraktion vom 9. April veröffentlich wurden. Am häufigsten erkrankten Jugendliche von 15-19 Jahren: In den 14 Monaten seit Beginn der Pandemie 152.912 Jugendliche. Stationär wurden 4.789 Kinder und Jugendliche von 0-19 Jahre behandelt, davon mindestens 68 auf Intensivstationen. Elf Todesfälle sind nachgewiesen, wobei in acht Fällen eine Vorerkrankung bekannt war.

Der Birkenpollenflug erreicht in diesen Tagen seinen Höhepunkt im Südwesten. In den kommenden sieben Tagen ist bei weiter steigenden Temperaturen auch mit dem Flug der Gräserpollen zu rechnen. Kurzum, die schwierigen Tage für viele Pollenallergiker haben begonnen.

Die Infektions-Nachrichten sind diese Woche fast die gleichen wie letzte Woche: Bisher kein Fall von Masern in Baden-Württemberg, drei Fälle von Mumps (Vorjahr: 48), recht wenig Keuchhusten mit 61 Fällen seit Jahresbeginn (Vorjahr: 613). Die Infektionen des Hantavirus steigen logarithmisch an, ähnlich den Coronainfektionen: 80 Fälle allein in der letzten Woche (Vorjahr: 18 Fälle insgesamt in den ersten 15 Wochen des Jahres).

Fahrradfahren. Foto: pixabay, Sylwia Aptacy

Laut der Bundesanstalt für Straßenwesen tragen 82 Prozent der Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren beim Radfahren einen Helm. Über alle Altersgruppen sind es aber nur 18 Prozent der beobach­teten Fahrradfahrer (Zahlen für 2018). Laut dem Statistischen Bundesamt gab es 2019 genau 86.897 Fahrradfahrer, die bei einem Verkehrsunfall ver­letzt wurden. 15.176 Fahrradfahrer wurden schwer verletzt, 445 verunglückten tödlich. Eltern können auch von Kindern lernen – nicht nur beim Helmtragen!

Was geht in der Welt rum? Morgen ist Welt-Malaria-Tag. Wenn wir nicht auf Reisen sind, ist diese Erkrankung extrem weit weg. Aktuell sterben allein in Afrika pro Jahr 380.000 Menschen an dieser Infektionskrankheit, der überwiegende Teil sind Kinder in den ersten 5 Lebensjahren. Fehlernährung, dadurch schlechte Immunitätslage, kaum Zugang zu effektiver medizinischer Therapie – kurzum Armut ist die letztendlich wichtigste Ursache für dieses Drama. Eine Impfung gibt es bislang nicht, wenngleich eine neue Impfstudie (R21/Matrix-M (MM) in Burkina Faso) sowie  die mRNA-Technologie wie bei der Coronaimpfung von BioNTech und Pfizer neue Hoffnungen wecken.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß mit Ihrer Familie an diesem herrlichen Wochenende. Herzlich grüßt Sie Ihr

Was geht rum? 17. April 2021

Schulschließungen wegen Corona?

Schwere Corona-Infektionen bei Kindern – PIMS

Corona-Todesfälle in den USA: oft Eltern von Kindern betroffen

viele Birkenpollen, mehr agile Zecken und nur wenig Viren

Coronainfektionen und Schule. Die Osterferien sind zu Ende und mit jedem Tag ist zu spüren, wie schnell sich die „britische Variante“ des Virus ausbreitet. Nach schmerzlichen Schulschließungen seit einem Jahr ist heute unklar, wie es mit den Schulen und KiTas ab Montag angesichts hoher Corona-Inzidenzen weitergehen kann. Sicher ist klar, dass in Schulen  Infektionen „rumgehen“. Tests würden helfen, sind vielerorts aber nicht angekommen. Wie der Schul-Alltag für Kinder und Jugendliche dennoch weitgehend normal – was ist das ? – weitergehen kann zeigt die Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) und der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) zu dieser Frage. Prädikat: sehr lesenswert!

Stationäre Behandlung von Kindern wegen COVID-19 und PIMS (siehe Text) in Deutschland.
Foto: DGPI

Die dritte Corona-Welle bereitet Deutschland erhebliche Probleme. Die Kliniken melden, dass die Zahl der stationär behandelten Erwachsenen auf Intensivstationen rasant zunimmt. Diese hohen Zahlen gehen auch auf junge Erwachsene zurück, die zunehmend betroffen sind. Aber eben nicht die Kinder und Jugendlichen. Das unterscheidet die zweite Welle von der dritten Welle (obenstehende Graphik). Auch die Zahl der sehr schweren kindlichen Verläufe mit PIMS* bewegst sich weiter auf niedrigem Niveau.    *Paediatric Inflammatory Multisystem Syndrome: PIMS. Das ist der neue Name für die bedrohliche Corona-Komplikation, die dem sog. Kawasaki-Syndrom in vieler Hinsicht ähnelt und von der wir im praxisblättle bereits Mitte Mai 2020 berichteten. Manchmal wird auch der Begriff Multisystem Inflammatory Syndrome in Children: MIS-C verwendet. 

Die Diskussion um Todesfälle nach Impfungen läuft weiter. Bis zum 2. April sind in Deutschland nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts insgesamt rund 14,38 Millionen Impfungen durchgeführt worden. Gemeldet wurden 407 Todesfälle „in unterschiedlichem zeitlichen Abstand zur Impfung“ bei Menschen im Alter zwischen 24 und 102 Jahren. Der Abstand habe zwischen weniger als einer Stunde und 40 Tagen betragen. Dabei gilt es zu unterscheiden, ob diese Todesfälle mit der Impfung im Zusammenhang stehen oder mit anderen Umständen. So liegt das Risiko für eine aseptische Sinus-Venen-Thrombose (SVT) bei 3-5/ 1 Million Personen und Jahr, wobei mindestens 50% davon durch Antikonzeptiva („die Pille“) verursacht werden. Wenn jetzt, wie aus den USA berichtet 6 Fälle nach 7 Millionen Impfungen mit dem Johnson&Johnson-Impfstoff auftraten, muss geklärt werden, welchen Ursachen die einzelnen Erkrankungen zugeordnet werden können. Die Zahlen zeigen aber auch, dass die Corona-Impfung in jedem Fall weniger SVT-Nebenwirkungen hat als „die Pille“. Warten wir die Ergebnisse ab und halten es wie Voltaire: „Alle Menschen sind klug – die einen vorher, die anderen nachher.“

Fast alles, was in den USA populär wurde kam bald darauf auf bei uns in Europa an. Deswegen zeigen wir hier (Video 1:13 ohne Sprachinformationen), was vielleicht schon bald Realität wird: Ein Selbst-Test auf das Coronavirus, der rezeptfrei bezogen werden kann und zur Anwendung ab dem Alter von 2 Jahren (Bis zum Alter von 13 Jahren Durchführung durch Erwachsene) zugelassen ist. Dabei handelt es sich um einen molekularen Test, dessen Ergebnisse der Qualität eines PCR-Tests deutlich näher kommt als die üblichen Schnelltests. Leider gilt das auch für den Preis, der mit 55 USD (etwa 46 €) sehr stattlich ist.

Nach recht erfolgreicher Impfung vieler Menschen über 80 Jahre betreffen schwere COVID-19-Infektionen in der dritten Welle oftmals Menschen mittleren Alters. Das sind dann auch Eltern, die erkranken sind und teilweise an ihrer Coronainfektion sterben. Aus den USA gibt es eine aktuelle Untersuchung die schätzt, dass 40.000 Kinder einen Elternteil im Rahmen einer COVID-19-Erkankung verloren haben. Die Studie schätzt, dass 1 unter 13 Corona-Todesfällen in den USA ein Kind unter 18 Jahre betraf, das ein Elternteil verlor. Die betroffenen Kinder brauchen gerade in den Pandemiezeiten mit Ausgangsbeschränkungen die Unterstützung Ihrer Umgebung (Freunde, erweiterte Familie, Therapeuten) mehr als sonst.

Birkenpollenflug letzte Woche am Bodensee. Die graue Fläche zeigt die Pollenbelastung derletzten JKahr, die schwarzen Balken die aktuellen täglichen Werte Foto: pollenundallergie.ch

Nach frostigen Nächten steigen die Temperaturen täglich an und mit ihnen die Belastung mit Birkenpollen. Nach den tiefsten Lagen (Oberrhein) sind nun auch mittlere Lagen betroffen wie die Bodenseeregion.

Hochrisikogebiete für das FSME-Virus mit Bezug auf die Erkrankungen zwischen 2002 und 2020. Foto: modifiziert nach RKI

Mit Ausnahme des Stadtkreises Heilbronn sind alle Landkreise in Baden-Württemberg vom Robert-Koch-Institut als Risikogebiete für FSME eingestuft. Mit den ansteigenden Temperaturen werden auch die Zecken wieder agil und verbreiten zwei bedeutsame Erkrankungen: die FSME und die Borreliose. Abendliche Zeckenkontrolle sollte für die kommenden Monate zum Ritual werden.

Nach zwei Wochen Schulferien kreisen kaum mehr Infekte unter Kindern und Jugendlichen – abgesehen vom Coronavirus, das sich gerade in diesen Altersgruppen weiter ausbreitet, wenngleich zumeist ohne Symptome. Die Ausbreitung des Hantavirus ist jedoch heftig: Seit Jahresbeginn 269 Infektionen – im letzten Jahr waren es zur gleichen Zeit nur 17. Vorsicht beim Aufräumen von Scheunen und anderen staubigen Orten, an denen sich Mäuse aufgehalten haben könnten. Kinder sind eher selten betroffen. Keuchhusten kommt zur Zeit selten vor – ein Zehntel der Fälle des letzten Jahres, ebenso Masern oder Mumps. Windpocken sind – wie der Name schon sagt – leicht über die Lüfte ansteckend. Trotzdem treten auch hier nur ein Drittel der sonst üblichen Infektionszahlen auf.

Was geht in der Welt rum? Wieder einmal geht es um die Tollwut. Sie kommt in vielen Ländern vor, in die deutsche Urlauber vor der Coronapandemie gerne reisten. So zum Beispiel Südafrika. Dort verstarb im Februar ein 2-jähriger Junge an einer Tollwutinfektion und im März nun ein 7-Jähriger. Beide waren nach einem Hundebiss erkrankt. Die Tollwut kann unsere Kinder im Urlaub prinzipiell erreichen. Und sie kommt überwiegend mit Hunden.

Freuen Sie sich mit mir auf ansteigende Temperaturen und viele blühende Hoffnungsschimmer für einen kommenden Sommer. Ganz herzlich, Ihr

Was geht in der Welt rum? 10. April 2021

Moderna: Entwicklung eines spezifischen Impfstoffs gegen britische Mutante

AstraZeneca: Pausiert die Corona-Impfstoffstudie bei Kindern

Starker Birkenpollenflug im Oberrheintal

Luftqualität: Schadstoffe nehmen bei ruhiger Wetterlage zu

Das Corona-Durcheinander für Schulen und KiTas bleibt uns erhalten: Präsenzunterricht oder Wechselunterricht? Oder doch Lockdown? Ach so, testen wäre gut. Aber womit? Tests sind versprochen, sind aber in den meisten Schulen und KiTas bisher nicht angekommen. Und wenn Tests da sind – wo sollen sie durchgeführt werden? Zuhause oder in der Schule? Die Serie an Fragen könnte locker verlängert werden. Antworten sind wichtig: Damit wir nicht länger locked-down bleiben.

Coronavirus. Foto: pixabay, Gerd Altmann

Im Corona-Chaos wird deutlich, dass nur die Impfungen dem SARS-CoV-2 effektiv und anhaltend etwas entgegenzusetzen haben. Aber was ist mit den Mutanten? Die National Institutes of Health (NIH) in den USA haben eine erste Studie gestartet, in der eine Variante des mRNA-Impfstoffs von Moderna getestet wird: mRNA-1273.351. Dieser Impfstoff ist speziell gegen die südafrikanische Variante B.1.351 gerichtet. Mal sehen, ob und wie schnell es nach Beginn der ersten Testung (Phase 1) bis zu einem guten – gleich wirksamen und verträglichen – Impfstoff kommt. Das ist die zweite große Hoffnung, die sich mit der neuen mRNA-Technologie verknüpft: In kurzer Zeit wirksame Impfstoffe bereitstellen zu können.

BioNTech und Pfizer haben gestern bekannt gegeben, dass sie ihren Coronaimpfstoff Comirnaty© bei Jugendlichen ab 12 Jahren einsetzen wollen. Eine Ende März veröffentlichte Studie hatte für die Altersgruppe der 12-15-Jährigen eine 100%-ige Wirksamkeit gezeigt .Die Erweiterung der  Notfallzulassung für den Impfstoff sei bei der Lebens- und Arzneimittelbehörde (FDA) eingereicht worden. Bislang besteht eine Zulassung ab 16 Jahren.

AstraZeneca und kein Ende der Pannen. Gerade wurde bekannt, dass die schwedisch-britische Pharmafirma ihre Corona-Impfstoffstudie bei Kindern pausiert. Von der Universität Oxford, die den Impfstoff entwickelt hat, war zu hören: „Während es keine Sicher­heitsbedenken in der pädiatrischen klinischen Studie gibt, warten wir auf zu­sätzliche Informationen von der britischen Arzneimittelbehörde MHRA über ihre Überprüfung der selte­nen Fälle von Thrombosen bei Erwachsenen“.

Wie weit wir in Deutschland mit den Impfungen aktuelle sind, zeigt der Corona-Impfindex, zusammengestellt vom Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) und der Kassenärztlichen Bundes­ver­einigung (KBV).

Birkenpollenflug am Oberrhein (Basel). Foto: pollenundallergie.ch

Der Birkenpollenflug hat über Ostern am Oberrhein begonnen. Nach kurzer Unterbrechung, hat er vor zwei Tagen erneut Fahrt aufgenommen. Pollenallergikern stehen nun einige harte Wochen bevor, denn nach den Birkenpollen fliegen bald auch die Gräserpollen – diese beiden sind die für Kinder und Jugendliche häufigsten Pollenarten.

Luftqualität in Freiburg gestern (09.04.2021). Foto: Umweltbundesamt

Leider liegt noch viel mehr in der Luft als nur Pollen. Die Luftqualität hängt von einigen Faktoren ab. Der wichtigste ist die Menge an Schadstoffen, die in die Luft eingebracht wird – sei es durch Industrie, private Feuerungsanlagen oder den Autoverkehr. Der zweite Faktor ist die Wetterlage. Im Winter ist diese eher ruhig (z.B. die Inversionswetterlage): wenig Wind und oft Nebel. Das bedeutet, dass die eingebrachten Schadstoffe am Ort bleiben und nicht verdünnt oder weggetragen werden. In den Sommermonaten hingegen trägt die Sonneneinstrahlung zum Anstieg des Ozons bei. Gestern am Freitag – das zeigt die Graphik mit Daten aus Freiburg – war der Wind am Morgen eher schwach und das Stickstoffdioxid (NO2) – vornehmlich bedingt durch den Autoverkehr –  stieg in den Morgenstunden auf mäßige Werte an. Mit der Sonne kam Wind (im Mittel 20 km/h) auf mit zwei Folgen: Die NO2-Werte sanken ab (gepunktete Linie), weil eine Verdünnung eintrat. Und die Werte für Ozon stiegen an.

Bei den Infektionen läuft es hingegen günstig: Die Zahlen bewegen sich auf sehr niedrigem Niveau für Masern (0 Fälle in diesem Jahr), Mumps (3), Keuchhusten (56 in 2020 gegenüber 558 zur gleichen Zeit im letzten Jahr), Noroviren (264 gegenüber 3481 Fällen zur gleichen Zeit im letzten Jahr) … und so weiter. Außer: Das Hantavirus kommt enorm häufig vor. Allein im Kreis Reutlingen wurden in der letzten Woche 13 neue Fälle registriert.

Was geht in der Welt rum? In Neukaledonien, einer Inselgruppe zwischen Australien und den Fidschi-Inseln im Südpazifik kam es in diesem Jahr zu einem Ausbruch von Hepatitis A – einer infektiösen Leberentzündung, die für alte Menschen und Schwangere gefährlich werden kann. Bei Kindern und Jugendlichen verläuft die Infektion häufig ohne jeglichen Symptome. Reisen zu diesen Inseln sind im Moment nicht möglich, ansonsten würde eine Impfung gegen Hepatitis A perfekt helfen: fast 100%-iger Schutz + beste Verträglichkeit.

Ich wünsche Ihnen ein sonniges Wochenende. Ganz herzlich grüßt Sie

Ihr

Was geht rum? 03. April 2021

mRNA-Impfung bei Jugendlichen (12-15 Jahre): perfekte erste Studiendaten

Testungen an Schulen: Auch mit genügend Tests nicht so einfach

Einfluss der COVID-19-Impfung auf Mutter und Kind in der Schwangerschaft

Hantavirus im Ländle auf dem Vormarsch

Seit dieser Woche liegen erste Daten vor, dass die mRNA-Impfung auch bei Jugendlichen von 12-15 Jahren gut funktioniert. So berichtet die New York Times (in Englisch), dass in einer Studie mit 2260 Jugendlichen 19 symptomatische Infektionen auftraten – alle in der Placebo-Gruppe. Kein mit dem BioNTech/Pfizer-Impfstoff Geimpfter erkrankte. Nebenbei bauten die Jugendlichen um etwa 75% höhere Antikörpertiter auf als junge Erwachsene. Nebenwirkungen traten seltener auf. Eine wissenschaftliche Bewertung der Daten steht noch aus. Sollte diese ebenfalls positiv sein, wäre ein weiterer kleiner Schritt Richtung Herdenimmunität erreicht.

Schule. Foto: pixabay, congerdesign

Alles ist bei genauer Betrachtung nicht gar so einfach. Zu den Testungen auf das SARS-CoV-2 an den Schulen äußerten sich die beiden wichtigsten Verbände der Kinder- und Jugendärzte in dieser Woche: „Bei zwölf Millionen Schülern und 780.000 Lehrern in Deutschland, die regelmäßig zwei Mal in der Woche getestet werden, ergibt sich bei einer Spezifität von 98 Prozent eine Summe von 511.000 falsch positiv getesteten Personen in einer Woche, die in ein Post-Testverfahren eingeschleust und bis zum Ergebnis des PCR-Kontrolltestes isoliert werden müssen“, erklärten die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) und der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). „Falsch positiv“ sind Tests mit positivem Ergebnis, obwohl die betroffene Person nicht infiziert ist. Eine PCR-Testung würde also ein negatives Ergebnis zeigen. Dieser Sachverhalt wir als Spezifität eines Tests bezeichnet. Es ist also die Fähigkeit des Tests, die Patienten ohne Krankheit korrekt zu identifizieren. Das ist eine große Schwäche der Schnelltests, bei dem die Spezifität einiger Tests nur knapp über 80% liegt. Genauere Informationen zu Test gibt das RKI hier.

Ein Thema für werdende Mütter: Welchen Einfluss hat eine COVID-19-Impfung auf Mutter und Kind in der Schwangerschaft? Eine kleine Studie der Harvard-Universität (Preprint in Englisch) gibt Hinweise. Demnach sind die Antikörper einer geimpften Schwangeren ebenso hoch wie die einer nicht schwangeren Geimpften. Und die Antikörper von Schwangeren sind nach einer Impfung höher als nach einer natürlichen Infektion. Wichtig ist die Beobachtung, dass die Antikörper auch im Nabelschnurblut sowie in der Muttermilch nachweisbar sind.

Virus im Aerosol. Vermutlich der wichtigste Weg, um die Atemwege anderer Menschen zu erreichen. Foto: pixabay, PIRO4D

Haben Sie Interesse, Ihr COVID-19-Infektionsrisiko durch Aerosole in verschiedenen Situationen näherungsweise zu bestimmen? Dazu hat die TU Berlin eine Berechnung erstellt, die diesen komplexen Prozess recht einfach erfasst. Hierzu gibt es weitere Literatur, die den Prozess etwas detaillierter darstellt – einen ersten Einstieg finden Sie hier.

Lebensmittel in Deutschland sind von guter Qualität. Damit das so bleibt, finden regelmäßig Kontrollen in Betrieben und Restaurants statt. Die Organisationen Foodwatch und „Frag den Staat“ haben nun die Internetplattform „Topf Secret“ erstellt, auf der Sie die Ergebnisse dieser Lebensmittelkontrollen mittlerweile – zumindest teilweise – einsehen können. Die Karte umfasst Restaurants und Cafés in ganz Deutschland.

Neben der Zunahme bei den Coronaviren fällt die rasante Zunahme an Infektionen mit dem Hantavirus in Baden-Württemberg auf. Allein in der letzten Woche kamen 25 neue Infektionen hinzu, so dass in diesem Jahr 165 Erkrankungen gesichert sind gegenüber nur 17 im letzten Jahr. Welche Bedeutung das Hantavirus hat können Sie hier lesen.

Infekte sind selten. Bei den Kinderkrankheiten setzt sich der Trend fort: deutlich weniger Infektionen als zur gleichen Zeit im letzten Jahr: 0 x Masern in 2020 (2019:25), 3 x Mumps in 2020 (2019:44), 55 x Keuchhusten in 2020 (2019:533). Grund zur Freude. Ebenso Grund zum Impfen, weil mit dem Ende der Coronamaßnahmen alle diese Erkrankungen wieder zunehmen werden.

Birkenpollenflug am Oberrhein (Basel). Foto: www.pollenundallergie.ch

Mit dem frühsommerlichen Wetter stehen die Birken in tiefen Lagen wie im Oberrheingraben in vollen Blüte. Birkenpollenallergiker werden in den kommenden Wochen mit Symptomen rechnen müssen. Empfehlung: Notfallmedikamente kontrollieren und ggf. ersetzen.

Straße auf dem Weg in ein Dorf im Kongo. Mit einem heißen Ritt auf einem Motorrad haben mein Kollege und der Autor dieses Beitrags das Ziel nach 36 Stunden erreicht. Foto: ptw

Was geht in der Welt rum? In der Demokratischen Republik Kongo kam es seit Januar nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen in einigen nördlichen Provinzen zu Ausbrüchen von Masern. Betroffen seien 13.000 Neuerkrankte in den Provinzen Nord-Ubangi und Süd-Ubangi. Viele Dörfer dort sind von der Gesundheitsversorgung abgeschnitten und schwer erreichbar – das Bild, aufgenommen von mir im Jahre 2006, zeigt eine solche Straße durch den Busch. Bisher seien 186 Menschen an den Masern verstorben.

Ich wünsche Ihnen ein frohes und sonniges Osterfest,

ganz herzlich grüßt Sie Ihr

 

 

Was geht rum? 28. März 2020

Während wir uns im Social Distancing üben, ist die Zahl der COVID-19-Kranken weltweit auf über eine halbe Million angestiegen. Auf den Straßen ist spürbar weniger los. Trotzdem bekommen die meisten Menschen kaum direkt mit, was das Coronavirus ausrichtet. Zahlen sind so abstrakt. Allein in Freiburg wurden am Donnerstag 50 Menschen wegen COVID-19 beatmet. Bei dieser hohen Zahl schwer Erkrankter verwundert nicht, dass Freiburg seit heute 5 Corona-Tote meldet. Und dass dort die Zahl der COVID-19-Erkrankten auf 141 – bezogen auf 100.000 Menschen – anstieg. Damit liegt die Breisgaumetropole aber noch deutlich hinter Tübingen (238), das mittlerweile Platz 4 unter den am meisten betroffenen Stadt- und Landkreisen in Deutschland einnimmt. Stark betroffen sind aber auch ländliche Kreise wie Sigmaringen (180) und ganz besonders der Hohenlohekreis mit 312 COVID-19-Fällen auf 100.000 Einwohner.

COVID-19-Fälle auf 100.000 Einwohner in Baden-Württemberg (Stand: 27.03.2020). Je dunkler die Farbe, umso höher liegt die Zahl der Erkrankten. Der tiefblaue Kreis hat >250, die dunkelblauen >100 Erkrankungen auf 100.000 Einwohner. Bei den hellen Kreisen sind es < 50 auf 100.000 Einwohner. Quelle: RKI

Ein deutscher Kinderarzt, der in Brescia in Italien arbeitet, hat gerade einen Bericht an die Kollegen in Deutschland versandt. Die gute Nachricht: Kinder sind selbst in Italien nur wenige erkrankt (etwa 300). Fast alle von ihnen nur leicht. Sie benötigen allenfalls Sauerstoff. Was aber die Erwachsenen betrifft ist die Situation erschreckend. Mauern niedergerissen um Sauerstoff-Leitungen zu verlegen, Klinik-Küchen werden zu Intensivstationen umgebaut und Pfleger, Schwestern und Ärzte arbeiten rund um die Uhr. Auszubildende müssen voll mitarbeiten. Wartezimmer sind kahl, in den Ecken ein Stuhl. Sein Bericht endet: „Bereitet Euch also gut vor, es kommt schlimmer und schneller als ihr denkt!

Für Familien mit Kindern stellt sich die Frage, wie groß ist eigentlich das Risiko für meine Kinder? Laut RKI sind heute 42.288 Personen an COVID-19 erkrankt (27. März 2020, Daten des RKI). Davon sind 1143 Kinder und Jugendliche im Alter von 0 -14 Jahren. Also 2.7% aller jetzt Erkrankten sind Kinder. Ihr Anteil an der Bevölkerung liegt aber fünf Mal höher (13.5%). Im Umkehrschluss zeigen die Daten, dass Kinder offensichtlich seltener an COVID-19 erkranken. Diese Tendenz wird auch durch erste Veröffentlichungen aus China bestätigt. So berichten Haiyan Qiu und Mitarbeiter über die Behandlung von 36 Kindern (Durchschnittsalter 8 Jahre), die alle nach 14 Tagen als geheilt aus der Klinik entlassen werden konnten. Eine andere Studie Lingkong Zeng und Mitarbeiter untersuchte Neugeborene, deren Mütter in der Schwangerschaft an COVID-19 erkrankt waren. Unter den 33 Neugeborenen erkrankte eines schwer. Letztlich wurden alle wieder gesund.

Sicher können auch Kinder als gesunde Überträger das Virus weitergeben. In welchem Umfang aber die Kinder zur Verbreitung von COVID-19 beitragen, das wissen wir eigentlich nicht so richtig. Für so eine wichtige Gruppe in unserer Gesellschaft wäre das aber dringend geboten. Insbesondere, weil die Isolierung von Kindern eine extreme Belastung für die Kinder selbst und die Familien darstellt.

Das Virus mag den sichtbaren Alltag verlangsamen, aber in Bezug auf die politischen Prozesse und ganz besonders die Digitalisierung ist SARS-CoV-2 ein Beschleuniger. Die Nutzung des Internets feiert fast täglich Rekorde. Die stärksten Nutzer sind Netflix, YouTube und Co. Sie machen über 60% des Datenvolumens aus. Damit es nicht zu Engpässen kommt, haben die Dienste die Übertragungsrate ihrer Produkte um 25% gedrosselt. Filme und Serien sind ab jetzt nur noch in SD-Format statt HD zu sehen.

Aber es gibt viele Alternativen zu den Medien. Was können Kinder unter den schwierigen Bedingungen in einer kleinen Wohnung noch tun? Hier ein paar Anregungen:

Bärlauch in unseren Wäldern. Ein wichtiges und würziges Wildkraut, das unsere Küche bereichert    Quelle: ptw

Außen-Aktivitäten

Familien (so sie in einem Haushalt leben) dürfen ganz offiziell gemeinsam nach draußen gehen.

  • In den nächst gelegenen Wald gehen und den Vögeln zuhören, die gerade jetzt sehr singfreudig sind. Sie als Eltern können die Vogelstimmen nicht unterscheiden? Gut, dann lernen auch Sie dazu. Zur Vorbereitung kann man sich hier auf der Seite des NABU darauf einstimmen. Vom NABU und anderen Anbietern (teilweise kostenpflichtig) gibt es diese Informationen auch als App.
  • Im Wald können die ersten Triebe von Pflanzen (Farne, Waldmeister u.a.) beobachtet werden.
  • Im Wald Bärlauch ernten, um die eigene Küche mit diesem Wildkraut zu bereichern. Anfänger sollten sich zuvor über die Unterscheidung zu Maiglöckchen informieren. Deren Blätter sind nämlich giftig, aber recht einfach zu unterscheiden. 
  • Oder: Der Wald ist voller Material, das zu Hause kreativ für ein Kunstwerk eingesetzt werden kann – ob Holzstücke, Äste, Blätter oder Eicheln. Die Phantasie liegt nicht rum, aber sie schlummert in uns.
  • Steine gibt es überall. Unbeachtet, haben sie teilweise eine wunderbare Schönheit. Einfach mal anfangen und mit einem Vergrößerungsglas oder einer Lupe zuhause anschauen.
  • Enten füttern mit den Kleinen.

Spiele spielen Quelle: ptw

Innen-Aktivitäten

Kinder und Jugendliche spielen gerne.

  • Mensch-ärgere-Dich-nicht. Irgendwo wird es noch herumliegen. Das spielen alle gern. Und später kommen je nach Alter Spiele wie Uno, skip-bo oder Quirkle dran. 
  • Collagen basteln – beispielsweise mit Materialien aus dem Wald.
  • Auf einer alten Matratze rumhüpfen. Oder im Garten auf einem Trampolin. Das sollte vor der ersten Nutzung in diesem Jahr kontrolliert werden: Sind die Federn korrekt eingehängt und gespannt? Ist die Sprungmatte ohne Risse?
  • ein Puzzle zusammensetzen.
  • Pustebilder, sehr lustig (nicht immer für Eltern, wenn’s zu wild wird). Einen Klecks Wasserfarbe aufs Papier geben. Dann die Farbe mit Hilfe eines Strohhalms auf dem Papier verpusten. 

Von Tag zu Tag verstehen wir das SARS-CoV-2 besser. Eine kürzlich in Lancet Infectious Diseases veröffentlichte Studie aus Hongkong zeigt zwei Erkenntnisse. Zum einen bildet der Körper bereits 10 Tage nach Auftreten der Krankheit spezifische Antikörper aus, die vermutlich vor weiteren Infektionen schützen. Damit lässt sich künftig eine durchgemachte Krankheit im Blut nachweisen. Zumindest für Forschungszwecke. Zum anderen kann die Ausscheidung von Viren bis zu 20 Tagen dauern. Die Genesung von dieser Krankheit kann also dauern.

Einige Familien können durch das Coronavirus in wirtschaftliche Nöte kommen. Sie sollten sich informieren, ob ihnen ein Kinderzuschlag zusteht. Dazu gibt es Anhaltspunkte:

  • Wer kein Arbeitslosengeld II bezieht und wenig verdient kann unter bestimmten Voraussetzungen einen Zuschlag zum Kindergeld erhalten.
  • Möglich sind bis zu 185 Euro je Kind monatlich (bezahlt durch die Familienkasse)
  • Den Kinderzuschlag gibt es ab einem monatlichen Einkommen von 900 Euro, bei Alleinerziehenden ab 600 Euro. Mit steigendem Einkommen sinkt der Zuschlag.
  • Sollte der Verdient durch die Corona-Krise kurzfristig niedriger sein, kann ein Anspruch auf einen Notfall-Kinderzuschlag bestehen. 

Ob tatsächlich ein Anspruch besteht, kann man beim KiZ-Lotze der Bundesagentur für Arbeit prüfen. Der Antrag kann hier online gestellt werden.

Belastung durch Birkenpollen in Basel Quelle: pollenundallergie.ch

Am Oberrhein ist die Birkenpollensaison eröffnet. Abhängig von der Wärme bewegten sich die Konzentrationen in der letzten Woche zwischen schwach und extrem stark. An diesem Wochenende mit den frühlingshaften Temperaturen dürfte wieder ein sehr starker Pollenflug zu erwarten sein.

Was geht in der Welt rum? Im Moment beherrscht das Coronavirus die ganze Welt. Bislang scheint Afrika weitgehend ausgenommen. Das könnte daran liegen, dass das warme Klima das Virus ebenso ausbremst wie bei uns sonst die Influenza (Grippe). Es gibt einige Forscher, die das vermuten. Es könnte aber auch sein, dass in den armen Ländern keine Ressourcen bestehen um nach dem Virus zu fahnden. Auffällig ist jedenfalls, dass die gut entwickelten Staaten Südafrika, Ägypten und Algerien die höchsten Erkrankungszahlen melden, während am anderen Ende Süd Sudan, Burundi und Eritrea liegen, die alle zu den Ärmsten der Region gehören. Von Reisen dorthin ist trotz der niedrigen oder fehlenden Erkrankungen abzuraten.

Heute fasst es Lorenz Maroldt vom Berliner Tagesspiegel Checkpoint treffend zusammen: „Corona ist eine Prüfung, ein Überfall auf die Welt. Aber anders als andere Generationen zuvor müssten die Menschen heute nicht einmal kämpfen, um den Angreifer abzuwehren. Sie müssten ihm nur aus dem Weg gehen, ihm ausweichen, anstrengungslos. Der beste Platz dafür ist das Sofa. Es ist so leicht, so absurd – aber vielleicht gerade deshalb so schwer zu verstehen.“  

Ich wünsche Ihnen eine anhaltend gute Gesundheit und weiterhin Gelassenheit, die täglich neuen Herausforderungen des Lebens zu meistern. Gemeinsam – mit der Familie und Ihren Freunden – werden Sie stärker. Gerade in der Krise. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff

Was geht rum? 21. März 2020

Inzwischen beherrscht uns das Coronavirus bereits seit mehr als zwei Monaten. Und ein Ende ist nicht in Sicht. Den Verlauf der Erkrankung zeigt erschreckend deutlich diese interaktive Karte. Ihre Daten beruhen auf den gemeldeten und geprüften Fallzahlen des RKI (Robert Koch-Institut in Berlin). Innerhalb von 9 Tagen hat sich die Zahl der Erkrankungen in Baden-Württemberg mehr als verzehnfacht. Bezogen auf 100.000 Menschen von 2.5 (11. März) auf heute morgen 33.3 (21.März). Auch im Alltag ist zu spüren, dass sich viele Menschen aus dem öffentlichen Raum zurückziehen. Das ist gut so, denn bekanntermaßen ist die soziale Distanz im Moment wichtig, um die Ausbreitung des COVID-19 zu bremsen: #SocialDistancing.

Für alle Eltern, die ihren Arbeitgeber noch überzeugen müssen, dass sie zuhause arbeiten können, gibt es zum home office einen kostenlosen Ratgeber „guide“ des Magazins t3n hier. Eine Möglichkeit, für die eigenen Kinder da zu sein und dennoch arbeiten zu können. Nicht immer einfach, aber …. immerhin.

Haben mein Kind oder ich uns mit dem Coronavirus angesteckt? Das fragen sich wohl einige Familien täglich. Das Problem ist, dass die Erkrankung nicht ganz so leicht zu erkennen ist. Die Symptome von COVID-19 kommen auch bei anderen Erkrankungen vor. Damit ist eine Diagnose nur über die Testung möglich. Im Einzelnen kann auftreten:

  • Fieber (bei etwa 90%)
  • Husten, meist als eher trockener Reizhusten (70%)
  • Durchfall (02 – 33%)
  • verstopfte Nase
  • Störungen des Riechens  

Es bleibt also das Problem, dass wir Erkrankte nicht erkennen können. Auch, weil manchmal fast keine Symptome vorliegen, aber dennoch eine Ansteckungsfähigkeit. Nach Informationen des RKI geht die Ansteckungsfähigkeit bis zu 7 Tage lang. Inzwischen hat eine Forschergruppe um Florian Krammer von der Icahn School of Medicin am Mount Sinai in New York einem Antikörpertest (Publikation in englischer Sprache) entwickelt. Mit dessen Hilfe kann im Serum eines Menschen nachgewiesen werden, ob COVID-19 durchgemacht wurde. Damit könnten Personen identifiziert werden, die bereits eine Abwehr gegen das neue Coronavirus aufweisen ohne dass sie spürbar diese Krankheit durchgemacht hätten.

Die aktuellen Erkrankungszahlen weltweit zeigt die bekannte Karte der Johns Hopkins University.

Zecke am Ohr. Klein, aber deswegen nicht harmlos. Quelle: ptw

Die warmen Tage der letzten Woche haben zwei weitere medizinische Belastungen aufleben lassen. Zum einen die Zecken. Sie sind wieder aktiv und verbreiten im Wesentlichen zwei Krankheiten. Da ist einmal die bakteriell bedingte Borreliose, die zunächst wenig Symptome macht und in dieser Phase unbedingt erkannt werden sollte. Dann lässt sie sich mit einem Antibiotikum vollständig behandeln. Zum anderen gibt es die FSME (Früh-Sommer-Meningo-Encephalitis). Sie wird durch Viren ausgelöst und ist nach Ausbruch nicht mehr (ursächlich) behandelbar. Andererseits gibt es eine gut wirksame Impfung, um sich davor zu schützen. Wer die noch nicht hat und sich gegen FSME wappnen möchte, sollte sich jetzt impfen lassen.

Birkenpollenflug am Oberrhein in Basel Quelle: pollenundallergie.ch

Die andere Entwicklung in der letzten Woche mit den traumhaften Temperaturen war die spürbare Zunahme des Pollenfluges. Die Pollen-Allergien sind zurück. Noch ist der Flug der Birkenpollen – bis auf die letzten 3 Tage – schwach. Daran wird sich auch in der ersten Hälfte der kommenden Woche nichts ändern. Sollten aber die Temperaturen wieder angenehme Werte um 20 Grad erreichen, wird sich für Birkenpollenallergiker einiges ändern. Wer also plant, seinem allergischen Kind ein Antihistaminikum zu geben, tut sich gut daran bald damit zu beginnen. Der Erfolg ist spürbar grösser, wenn die Therapie vor den ersten Beschwerden begonnen wird. Wann das ist, hängt natürlich vom Wohnort ab. Kinder am Kaiserstuhl werden bald Probleme bekommen. Wer in Freudenstadt lebt hat vermutlich noch wenige Wochen Zeit.

In afrikanischen Metropolen geht es eng her. Durch die Bedeutung der kleinen und großen Märkte als Versorgungszentren sind die Kontakte unter den Menschen deutlich häufiger als bei uns. Bleibt zu hoffen, dass das Coronavirus wenigstens dort fernbleibt. Quelle: ptw

Was geht in der Welt rum? Angesichts der massiven Krise durch COVID-19 in Europa, sind Informationen über ferne Länder im Moment für Familien mit Kindern wenig bedeutsam. Reisen sind ohnehin untersagt. Dennoch beobachten wir auch die anderen Regionen in der Welt. So die Zentralafrikanische Republik, in der seit Jahresbeginn über 6600 Menschen – meist Kinder – an Masern erkrankt sind. Verstorben sind daran 108 Personen. Die Masern werden auch durch Viren verursacht. Gegen sie gibt es jedoch eine sehr gut wirksame Impfung, die bei uns leider nicht von allen genutzt wird. In Afrika steht diese aus Kostengründen oft nicht zur Verfügung. Dadurch sind gerade Kinder und Jugendliche auch den Masern hilflos ausgeliefert.

Sollte die Coronavirus-Pandemie in Afrika gleiche Ausmaße annehmen wie bei uns, werden wir noch ganz schreckliche Dinge – aus der Ferne – erleben. Ich fürchte, das wird in wenigen Wochen der Fall sein. Nachdem gestern die ersten drei (offiziellen) COVID-19-Fälle in Madagaskar gemeldet wurden, hat auch dort der Sturm auf Toilettenpapier und einige andere Artikel de täglichen Lebens eingesetzt. Dort gibt es einige wenige Supermärkte für die Wohlhabenden, in denen es also genauso abläuft wie bei uns.

Ich wünsche Ihnen für das Wochenende genügend Gelassenheit, um die vielen beunruhigenden Meldungen zu verarbeiten. Schön, dass uns wenigstens die Natur täglich ein Stückchen mehr mit ihren Farben erfreut. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff

Was geht rum? 20. April 2019

Der Frühling ist da. Angenehme Temperaturen, zwitschernde Vögel, bunte Vielfalt an Blumen. Aber nicht nur die Blumen blühen, sondern auch Allergie auslösende Gräser, Büsche und Bäume. Und nicht zu vergessen die Zecken. Sie kommen zu voller Aktivität. In dieser Hinsicht haben sich seit letzter Woche keine grundlegenden Änderungen ergeben. Nur sind Pollen und Zecken noch aktiver als zuvor.

Abbildung 1. Flug der Birkenpollen im März und April 2019 (schwarze Balken) gegenüber dem langjährigen Durchschnitt (graue Fläche). Foto: pollenundallergie.ch

Was beim Ganzen oft in den Hintergrund gerät: die Sonne. Sie wärmt so herrlich und tut der Seele so gut. Aber, sie hat schon jetzt eine enorme Kraft. Für uns und unsere Kinder müssen wir also auch an den Sonnenschutz denken. Immerhin ist die Sonne heute so stark wie am 20. August, also mitten in den Sommerferien. Jetzt sind die Temperaturen halt angenehmer. Wie Sonnenschutz gut umsetzbar ist, finden Sie hier.

Abbildung 2: Praxisindex für Atemwegserkrankungen. Die rote Kurve (Saison 2018/2019) hat wie in den Vorjahren fast das Normalniveau wieder unterschritten. Die Infektwelle ist vorbei. Foto: AG Influenza

So bunt wie die Natur im April ist auch das Spektrum an Infektionskrankheiten. Die Grippe (Influenza) hat sich nahezu verabschiedet. Mit Ihr auch die anderen Infekte, wie die Abbildung 2 zeigt, ging der Praxisindex – er vermittelt die Veränderung bei den Atemwegserkrankungen – deutlich unter das Normalniveau zurück. Die Infektwelle ist zu Ende.

Die Zahl der Rotavirusinfektionen nimmt ebenfalls wieder ab. Weiterhin treten jedoch die einfachen Luftwegsinfekte auf, die selten von Mittelohrentzündungen oder Lungenentzündungen begleitet sind. Streptokokkeninfektionen sowie vereinzelt Scharlach sind noch immer zu beobachten.

Was geht in der Welt rum? Mit Frankreich verbindet uns Deutsche ja eine enge Kooperation und Freundschaft. Leider sind wir auch bei den Masern auf einer Linie. In diesem Jahr sind in Frankreich bereits 573 Menschen daran erkrankt. Ganz besonders viele im Wintersportort Val Thorens (Region Auvergne-Rhône-Alpes) mit 53 Erkrankungen. Dort leben nur 800 Einwohner – aber übers Jahr kommen 300.000 Touristen. Die sollten sich vorher über den Stand ihrer Impfungen gute Gedanken machen.

Ich wünsche Ihnen frohe Osterfeiertage.

Was geht rum? 13. April 2019

Eine unspektakuläre Woche geht zu Ende. Die Pollen hatten trotz kühler Temperaturen immer wieder Chancen ihre Power auszuspielen. Die Birkenpollen haben bereits die höheren Lagen erreicht, während am Oberrhein leicht geringere Werte als in der Vorwoche gemessen wurden. Inzwischen sind auch die ersten Gräserpollen – in geringem Umfang – in den Lüften  unterwegs.

Abbildung 1. Meldezahlen für Rotavirusinfektionen beim RKI für die Jahre 2010 bis 2015. Foto: Docplayer

Nach den vielen Atemwegserkrankungen des Winters haben jetzt die Magen-Darm-Infektionen an Bedeutung gewonnen. Die Rotavirus-Infektionen haben landesweit in der ersten Aprilwoche um 101 Neuerkrankungen auf zuletzt 656 Infektionen im laufenden Jahr (Vorjahr: 383) zugenommen. Das erstaunt nicht, da im jährlichen Rhythmus um diese Jahreszeit die Zahl der Rotavirus-Infektionen ihren Höhepunkt erreicht (siehe Abbildung 1). Die Rotaviren sind weltweit die häufigsten Erreger einer Darminfektion bei Säuglingen und Kleinkindern.

Trotz allem gibt es noch Luftwegsinfekte, ganz vereinzelt kommt sogar Influenza bei Kindern und Jugendlichen vor. Daneben Streptokokkeninfektionen und weiterhin einzelne Erkrankungen an Drei-Tage-Fieber. Insgesamt also ein bunter Reigen von Krankheiten, bei jedoch niedrigen Erkrankungszahlen.

Nach einigen kalten Tagen werden die Temperaturen ab Montag wieder anziehen. Das wird die Zecken flügge machen. In den kommenden Wochen ist es ratsam, Kinder abends auf diese Tiere zu untersuchen. Zecken verkriechen sich oft in kuschelige Ecken. Also unbedingt in den Nabel schauen, hinter die Ohren, in Gelenkbeugen (Ellenbeuge, Kniekehle, Achsel) und auch im Genitalbereich. Für Erwachsene gilt natürlich das gleiche.

Was geht in der Welt rum? Das Dengue-Fieber hat weitere Urlaubsziele erreicht. Auf den Malediven wurden seit Jahresbeginn 1300 Infektionen registriert, auch in Singapur sind in diesem Jahr 2332 Menschen neu erkrankt. Und das, obwohl der Stadtstaat so viel Wert auf Sauberkeit legt. Die übertragenden Mücken hält es nicht davon ab, Menschen tagsüber zu stechen. Also auch hier: Mückenschutz ist immer auch tagsüber ratsam!

Was geht rum? 06. April 2019

In der letzten Woche ging die Häufigkeit von Infekten tendenziell weiter zurück. Zwar gibt es noch vereinzelt Erkrankungen an Influenza, aber die einfachen Virusinfekte überwiegen.

Regional tritt vermehrt das Drei-Tage-Fieber (Exanthema subitum) auf. Diese durch Viren verursachte Infektion ist sehr ansteckend, weswegen sie gerne bereits im Säuglings- und Kleinkindesalter auftritt. Damit verbunden ist auch ein etwas höheres Risiko für Infekt-/ Fieberkrämpfe.

Die Masern zeigen in der ersten drei Monaten dieses Jahres eine deutliche Häufung. Bis jetzt wurden 48 Erkrankungen im Ländle gemeldet (Vorjahr zur gleichen Zeit: 19). Allein in der letzten März-Woche traten in der Region Freiburg drei Neuerkrankungen auf.

Der erste massive Flug der Birkenpollen wurde durch die Kaltfront der letzten Tage erstmal ausgebremst. Mit den milderen Temperaturen der kommenden Woche wird sich das bald wieder ändern. Es bleibt also ratsam, die Antihistaminika (Cetirizin und andere) noch regelmäßig einzunehmen und abends die Pollen vom Körper abzuduschen. Die gute Seite des heftigen Pollenflugs: An Ostern dürfte das schlimmste vorbei sein und Birken-Allergiker können vielleicht in Ruhe Ostereier suchen.

Abbildung 1. Beginnendes Erythema migrans als erstes Zeichen einer Borreliose. Foto: ptw

Mit den erwarteten milderen Temperaturen der kommenden Woche werden auch die Zecken wieder flügge. Dann ist es ratsam abends die eigenen Kinder auf diese Tiere zu untersuchen. Zecken verkriechen sich oft in kuschelige Ecken. Also unbedingt den Nabel inspizieren, hinter die Ohren schauen, in Gelenkbeugen (Ellenbeuge, Kniekehle, Achsel) und auch im Genitalbereich nachsehen. Für Erwachsene gilt natürlich das gleiche. Sollte eine Zecke entfernt werden, muss die Einstichstelle über etwa 2 Wochen täglich beobachtet werden. Es könnte sich ein Ausschlag (Erythema migrans – siehe Abbildung 1) als Zeichen einer Borreliose ausbilden.

Was geht in der Welt rum? Es ist wieder einmal das Dengue-Fieber, das tropische Regionen heimsucht. Im Moment sind auch zwei typische Feriendestinationen betroffen: Die Region Mombasa in Kenia meldet 660 Verdachtsfälle. Auf Réunion sind es sogar 3.048 Erkrankungen und 5 Todesfälle. Mückenschutz tagsüber ist die bislang beste Möglichkeit, sich dieser Krankheit zu erwehren. Übrigens: Auch in Baden-Württemberg werden (mitgebrachte) Erkrankungen an Dengue-Fieber gemeldet. Bis 31. März 2019 waren es in diesem Jahr 36 Fälle (Vorjahr: 18). Ein diskreter Hinweis, dass diese Erkrankung weltweit immer mehr zunimmt und auch vor Touristen nicht halt macht. Warum auch!

Was geht rum? 30. März 2019

Im Ländle ist der Frühling eingetroffen. Geringere Minustemperaturen am Morgen ändern nichts daran. Es blüht bunt allerorten.

Damit sind auch zahlreiche Pollen in der Luft. Die bedeutsamsten dieser Tage sind die  Birkenpollen. Am Oberrhein haben sie bereits Mitte dieser Woche starke Konzentrationswerte erreicht, wie die Abbildung 1 zeigt. Zum Wochenende werden die Konzentration auch in anderen Landesteilen weiter ansteigen und alle Allergiker erreichen, die gegen diese Frühblüher empfindlich sind. Für alle betroffenen Kinder und Jugendliche ist es vermutlich sinnvoll spätestens jetzt mit der Therapie eines Antihistaminikums einzusetzen. Auch dann, wenn in den höher gelegenen Orten, die Birkenpollen noch kaum präsent sind.

Abbildung 1. Birkenpollenflug in Basel. Die Farben symbolisieren die Konzentration der Pollen in der Luft. Die graue Fläche stellt die mittlere Belastung für die letzten 10 Jahre dar. Die aktuellen Werte sind als schwarze Säulen markiert. Foto: www.pollenundallergie.ch

Die Winterinfekte sind weiter auf dem Rückmarsch. Manche Kinder und Jugendliche sind noch immer nicht ganz gesund, da sich die Infekte oft über lange Zeit hinziehen.

Neu hinzugekommen sind regional vermehrte Erkrankungen mit Pfeiffer’schem Drüsenfieber (Mononukleose). Oft sind Jugendliche davon betroffen, aber auch Kleinkinder, die in Einzelfällen Fieber über Tage bis eine Woche haben und sich sehr krank fühlen. Windpocken zeigen gerade im Kreis Konstanz und der Region Mannheim eine Häufung. Daneben treten aktuell auch wieder Erkrankungen an Streptokokken und Scharlach auf.

Magen-Darm-Infektionen – meist der harmloseren Art – sind ganzjährig zu beobachten. Die Zahl der Norovirus-Infektionen ging zuletzt zurück, während Rotaviren in den letzten Wochen an Bedeutung zunahmen.

Was geht in der Welt rum? Die Tollwut ist eine Bedrohung in vielen Ländern. Eher unbekannt ist, dass sie auch in Südafrika vorkommt. Im letzten Jahr sind 16 Menschen daran verstorben, in diesem Jahr sind zwei Infektionen gesichert. Wie in den meisten anderen Ländern (z.B. Indonesien) auch ist der Hund meist der Überträger. Die Frage, ob für eine Reise diese Impfung wichtig ist, sollte mit einem Arzt für Reisemedizin / Tropenmediziner Monate vor Antritt der Reise geklärt werden.