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Entzündung der Nebenhöhlen

Als Schwabe kennt man neben der Bärenhöhle auch die Nebelhöhle auf der Schwäbischen Alb. Wenn’s aber um die Nebenhöhlen geht wird’s schon schwieriger. Kein Wunder, denn auch die Medizin tut sich mit den Nebenhöhlen schwer, zumindest, wenn es um die Behandlung einer  Entzündung geht.

Nebenhöhlen (medizinisch lat.: sinus) sind Hohlräume, die sich in unserem Schädel finden. Sie liegen hinter den Wangen, in den Knochen um die Augen und hinter der Nase. Ihre Aufgabe ist es, die Luft die die Nase durchströmt zu wärmen, zu befeuchten und zu filtern. Wie in der Natur häufig auch, haben alle Nebenhöhlen einen sehr schmalen Zugang zu Nase. Das bedeutet, dass sie auch gesundheitlich an die Nase gebunden sind. Geht es der Nase schlecht, geht es häufig auch einzelnen Nebelhöhlen schlechter.

Bei Geburt gibt es einzelne Nebenhöhlen sie die Kieferhöhlen. Andere bilden sich erst im Lauf der Kinder- und Jugendalters aus, wie die Stirnhöhlen. Es kann sogar vorkommen, dass die Stirnhöhlen gar nicht angelegt werden. Die Nebenhöhlen spielen also im Kindesalter eine geringere Rollen als bei Jugendlichen. Bei Erwachsenen spielt die chronische Entzündung der Nebenhöhlen eine große Rolle. Es sind 5 – 12% aller Erwachsenen betroffen.

Die Nebenhöhlen können sich entzünden: Sinusitis. Dabei schwellen die Schleimhäute in den Nebenhöhlen an. Vielfach bildet sich auch Sekret, das in komplizierten Fällen nicht mehr abfließen kann. Das geht manchmal ohne Beschwerden einher, in vielen Fällen tritt ein Druckgefühl hinter den Augen auf, manchmal auch Kopfschmerz. Das Nasensekret ist dick und zäh und läuft hinten am Rachen herunter („post nasal drip“), was typischerweise zu häufigen leichten Husten führt. Ohrdruck oder Zahnschmerz kann auch auftreten. Fieber ist nicht sehr häufig.

Bei den Ursachen stehen drei Krankheitsbilder im Vordergrund, die sich überschneiden können.

1. Akute Nasennebenhöhlenentzündung

Sie tritt im Zusammenhang mit einer üblichen Erkältung auf und dauert höchstens 4 Wochen. Die ursächlichen Viren leiten die Entzündung ein, es kommt eine bakterielle Entzündung hinzu.

2. Chronische Nebenhöhlenentzündung

Sie beginnt häufig als akute Entzündung und setzt sich über mehr als einen Monat fort. Dabei führt die Schwellung der Schleimhäute und die bakterielle Besiedlung zu einem sich aufschaukelnden Prozess. In ungünstigen Fällen wird er durch den sog. Biofilm unterhalten. Das sind pilzförmige Gebilde von Millionen von Bakterien, die schwer zu behandeln sind. Antibiotika sind meist eher ungünstig, da sie nur die Erreger an der Oberfläche treffen, nicht aber das Zentrum des Biofilms. In schwerwiegenden Fällen stehen Therapien mit sog. Biologica (z.B. Dupilumab) zur Verfügung, die sehr erfolgsversprechend sind.

3. Allergische Nasennebenhöhlenentzündung

Bei einem allergischen Schnupfen steht häufig die Schwellung der Nasenschleimhäute im Zentrum. Diese Schwellung kann sich über die Zeit in die angrenzenden Nebenhöhlen fortsetzen. Dabei wird häufig der zarte Gang zu den Nebenhöhlen durch die Schwellung verschlossen, wodurch die einzelnen Nebenhöhle nicht mehr belüftet werden kann. In der Folge kommt es meist zu einer bakteriellen, also eitrigen, Entzündung der Nebenhöhle.

Die Sicherung der Diagnose ist oftmals nicht einfach. Manche Menschen haben wenig Symptome und die klinische Untersuchung ist leider unsicher. Mit Ultraschall können die Nebenhöhlen in der Wange (sinus maxillares) untersucht werden, die anderen sind nur mithilfe einer Computer-Tomographie (CT) oder eines Magnet Resonanz Tomographen (MRT) zu sehen. Ergänzend sind die Untersuchung des Nasensekrets oder bei speziellem Verdacht ein Allergentest sinnvoll. Bei Kindern ist man mit einer Untersuchung der Nase (Rhinoskopie) erstmal zurückhaltend.

Die Therapie beruht auf der richtigen Diagnose und kann gelegentlich eine große Herausforderung sein. Häufig besteht sie aus der Anwendung mehreren Maßnahmen gleichzeitig. Obwohl eine bakterielle Infektion oft eine Rolle spielt, sind Antibiotika nur selten sinnvoll. Ein wichtiger Teil der Therapie ist für die meisten Betroffenen die Anwendung von Cortison-Nasensprays, um die Schwellung der Nasenschleimhäute gezielt zu behandeln.

Wenn Lehrer in Stress kommen: Chronisch kranke Kinder

In der Schule arbeiten nicht nur Lehrer. Schon immer gibt es Hausmeister, Reinigungspersonal und seit einigen Jahren auch Sozialarbeiter und Psychologen. Was es in aller Regel noch nicht gibt: Schulgesundheitsfachkräfte. Also spezialisierte Fachkräfte, die Kindern und Jugendlichen in Sachen Gesundheit zur Seite stehen.

„Ich habe Bauchweh“. Diese Aussage führt Kinder meist ins sog. Krankenzimmer. Dort werden sie nach kurzer Betreuung von den Eltern abgeholt oder – wenn es ganz dringend ist – auch mal vom Lehrer zum Kinder- und Jugendarzt gebracht. Politisch gut geregelt ist das nicht unbedingt.

Praktisch keine Hilfe steht bereit, wenn chronisch kranke Kinder und Jugendliche Unterstützung brauchen. So vertritt das Kultusministerium in Baden-Württemberg den Standpunkt, dass für eine medizinische Assistenz die Krankenkassen in der Pflicht seien. Diese wiederum zeigen sich in aller Regel zugeknöpft, wenn es um die Erstattung von Extrakosten geht, die durch ausgebildete Kräfte vor Ort in der Schule erbracht werden müssen.

Aber das Gesundheitswesen hat sich in den letzten Jahrzehnten grundlegend gewandelt. Heute wird eine einfache Lungenentzündung (Bronchopneumonie) mit Unterstützung des niedergelassenen Kinder- und Jugendarztes zuhause behandelt. Das dauert meist um die drei Tage. Die gleiche Krankheit führte vor 50 Jahren noch zu einem Krankenhausaufenthalt mit Isolation für mehrere Wochen. Eltern durften vom Balkon des Krankenhauses durch die Fenster ihre Kinder sehen, sie konnten an die Scheiben klopfen, aber sie nicht in den Arm nehmen.

Das ist heute anders, weil Eltern Assistenzaufgaben übernommen haben. Heute haben alle Eltern gute Grundkenntnisse in der Medizin und der Arzt kann sich darauf verlassen, dass sie die Therapie – grosso modo – zuhause entsprechend gut durchführen.

Hinzu kommt, dass die medizinische Therapie erheblich komplexer wurde. Das erleichtert das Leben von Kindern und Jugendlichen mit chronischen Erkrankungen wie etwa Diabetes mellitus, Epilepsie oder Asthma bronchiale erheblich. Andererseits verlangt es aber auch eine exakte und oftmals aufwendige Mitarbeit Dritter, weil ansonsten schwere Krankheit mit Krankenhausaufenthalt drohen.

Und jetzt haben wir die Ganztagsschule mit dem Anspruch, dass die Schule für ein Drittel des Tages der Lebensmittelpunkt für Kinder ist. In dieser Situation muss die Schule auch die Aufgaben übernehmen, die Eltern sonst zu Hause erfüllen. Eine Rückstufung der Schüler in spezielle Förderschulen wäre hier eine Diskriminierung und würde die Laufbahn des Kindes oder Jugendlichen gefährden. Trotz allem kommt so etwas auch heute noch vor. Die Lehrer sehen diesen Widerspruch klar und lösen die Problematik, indem sie kurzerhand auch medizinische Aufgaben übernehmen. Damit kommen sie aber in juristische Grauzonen und fühlen sich darüber hinaus überfordert, weil ihnen für diese medizinische Aufgabe die Ausbildung fehlt. Dabei geht es oft nicht nur um eine Tablette (die regelmäßig verabreicht werden muss), sondern auch um eine Notfallspritze, die beispielsweise ein Kind mit einer schweren Nussallergie im allergischen Notfall schnell braucht.

Im Moment ist gerade in Baden-Württemberg noch keine umfassende Regelung gefunden. Für Eltern bleibt damit die Aufgabe, bei den verschiedenen chronischen Erkrankungen mit dem jeweiligen Lehrer Kontakt aufzunehmen und um Unterstützung zu bitten:

  • Bei Kindern mit Diabetes mellitus: Dass man ihnen einen Rückzugsort für die Durchführung der Blutzuckermessung und der Injektion der Insulindosis gewährt.
  • Bei Asthma bronchiale: Dass der Lehrer kurz nachfragt, ob vor akuter Belastung im Sport das Notfallspray inhaliert wurde.
  • Bei schweren Allergien: Dass der Lehrer bereit ist, an einer Kurzschulung beim Kinder- und Jugendarzt teilzunehmen, um im Notfall im Umgang mit dem Adrenalin-Injektor sicher zu sein.
  • Bei Epilepsie: Dass das Notfallmedikament sicher (im Lehrerzimmer?) gelagert werden kann und alle Fachlehrer damit umzugehen wissen. 
  • Bei den vielen weiteren Erkrankungen wie Mukoviszidose werden die Anforderungen an die Schule nochmals höher und komplizierter.

Eine gute Zusammenarbeit von Eltern, Kinder- und Jugendarzt und Schule ist möglich. Sie erfordert aber einen erheblichen Aufwand aller Beteiligter und eine gute schriftliche Dokumentation der medizinischen Hilfsmaßnahmen.

Mit einer spezialisierten Schulgesundheitsfachkraft wären die differenzierten Aufgaben in guten Händen. Eltern und Lehrer sollten ihre Möglichkeiten nutzen, diese beim Kultusministerium einzufordern. „Wir sind ein reiches Land …..“ heißt es an dieser Stelle immer. Wichtiger ist aber, dass wir ethische Ansprüche an uns selbst haben müssten, damit unsere Kinder mit den speziellen Bedürfnissen ein weitgehend normales Leben führen können. Das wäre dann echte Inklusion – leider auch wieder so ein überstrapaziertes Wort.