Schlagwort: Coronavirus

Was geht rum? 16. Januar 2021

Verbreitet sich das Coronavirus in Schulen?

Wie häufig kommen Kinder wegen COVOD-19 ins Krankenhaus?

Impfungen bei COVID-19, Impfung gegen FSME

Soziale Entwicklung der Kinder in Gefahr

Zeit und Gründe für Kinderkrankengeld ausgeweitet

Mit den Impfungen geht es voran. Aber nicht so schnell wie wir es erhofft haben. Geduld ist gefragt.

Züge vor über hundert Jahren. Jedes Abteil wurde von außen über eine Tür geöffnet. Brauchen wir wieder solche Wagen für die Bundesbahn? Zumindest wäre dann das Infektionsrisiko vermutlich spürbar geringer. Quelle: unbekannt

Ebenso wichtig ist die Fortführung der bekannten Maßnahmen, am besten noch konsequenter als bisher. Die Zusammenfassung der Regelungen. wie sie für für Baden-Württemberg gelten, sind hier kompakt zusammengefasst. Ansonsten sollte auch die Bundesbahn überlegen, wieder die Abteilwagen zu bauen, die es in den Jahren 1880 bis 1920 gab. Damals stiegen die Passagiere direkt vom Perron (Bahnsteig) in ihr Abteil ein. Die heute üblichen Durchgangswagen gab es nicht. Die Abstandsregeln wären auf diese Art deutlich besser einzuhalten.

Verbreitet sich das Coronavirus über die Schulen? Ein Studie von Stefan Feuerriegel und Kollegen von der ETH in Zürich zeigt auf, welchen Einfluss die Schulen auf Mobilität haben: Der Aufenthalt in den Klassenzimmer ist eines, die Anreise zur Schule in überfüllten Bussen und engen Autos ist eine andere Seite der Medaille.

Stationäre Behandlung von Kindern und Jugendlichen in deutschen Kinderkliniken (149 meldende Zentren bundesweit)  Quelle: DGPI

Häufig wird übersehen, dass auch Kinder sehr schwer und tödlich an COVID-19 erkranken können. Die neuen Zahlen der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) zeigen, dass Kinder von der zweiten Welle des SARS-CoV-2 deutlich betroffen waren. Hinweise zur Notbetreuung in schulischen Einrichtungen können Sie hier finden.

„Oder ist es doch nur ein Virus?“ Diese Frage haben Eltern früher täglich Ihrer Kinderärztin oder ihrem Kinderarzt gestellt. Heute dürfte das nicht mehr vorkommen. Zika, Ebola und SARS-CoV2 haben uns eindrücklich gezeigt, welche zerstörerische Kraft Viren haben können. Sie haben kein Gehirn, aber sie sind enorm anpassungsfähig. Das zeigen die neuen Mutanten. Wir sollten ihnen keine offene Flanke bieten und den Impfschutz entsprechend den wissenschaftlichen Studie durchführen. In Anbetracht des momentanen Mangels an Impfungen ist eine Diskussion um die Impfpflicht irrsinnig. Selbst wenn wir im Impfstoff-Überfluss lebten, wir sollten niemanden zwingen. Es geht nicht nur darum „mich und meine Familie“ zu schützen. Das wäre ein erweiterter Egoismus. Es geht darum, uns alle im diesem Lande und auf der Welt zu schützen. Darüber müssen wir reden. Und ängstliche Menschen überzeugen: Vom Ich zum WIR. Solidarität tut allen gut. Auch mir selbst. Dadurch wird auch meine verzweifelte Seele getröstet.

Aber egal: Kinder bis 16 Jahre erhalten ohnehin keinen Corona-Impfstoff, er ist schlicht nicht zugelassen. Also wenden wir uns einem anderen Virus zu: dem FSME-Virus, oft einfach Zecken-Virus genannt. Das spielt jedes Jahr einen größere Rolle. Während Windpocken und Masern in der Pandemie deutlich zurückgingen, hat die Früh-Sommer-Meningo-Encephalitis (FSME) wieder Höchststände erreicht: Im Ländle sind 354 Fälle (in 2020) gegenüber 171 Fällen in 2019 aufgetreten. Ein Grund mehr zu impfen. Das lohnt sich in jedem Fall für alle Schulkinder. Empfohlen ist die Impfung in Baden-Württemberg aber bereits ab dem 1. Geburtstag. Übrigens, die Zecken sind spätestens ab März/ April wieder unterwegs. Eine Impfung wäre gut: jetzt.

Das Thema Schulen und Corona wird bleiben. Genau betrachtet gibt es zu wenig Forschung über die Verbreitung des Virus in der Schule (bei Lehrern und Kindern), auf dem Weg zur Schule, in den verschiedenen Altersgruppen. Wo haben sich Lehrer angesteckt? Bei einer persönlichen Ermittlung dürfte es schwierig sein, diese Zusammenhänge sicher darzustellen. Wir brauchen mehr wissenschaftliche Daten. Klar ist nur: Die Bildung der Kinder ist bedroht, besonders der ohnehin benachteiligten Kinder. Und: Kindern können nur noch in kleinen Gruppen zusammen sein, ihre soziale Entwicklung ist in Gefahr. Besonders problematisch ist, dass Kinder und Jugendliche um ein Stück ihrer Kindheit gebracht werden. Um das zu rechtfertigen, brauchen wir mehr begründete Informationen und gehen erstmal vom schlechtesten aus und lassen die Schulen geschlossen.

Der Anspruch auf Kinderkrankengeld ist in dieser Woche – rückwirkend ab 05. Januar 2021 – auf 20 Tage pro Elternteil bzw. 40 Tage bei Alleinerziehenden erhöht worden. Kinderkrankengeld kann in diesem Jahr doppelt also lange bezogen werden. Laut Deutschem Ärzteblatt sind in einer „Formulierungshilfe“ für eine Gesetzesänderung im Sozialgesetzbuch V neben den normalen Krankheitstagen von Kindern weitere drei Gründe auf ein Anspruch für den Bezug von Kinderkrankengeld angegeben: Wenn Schule oder Kita geschlossen sind, wenn für Klassen oder Gruppen „pandemiebedingt ein Betretungsverbot ausgesprochen wurde oder die Prä­senzpflicht im Unterricht ausgesetzt ist oder der Zugang zum Kinderbetreuungsangebot einge­schränkt wurde.“ In diesen Fällen, wenn es darum geht dass Eltern Ihre Kinder beaufsichtigen müssen weil beispielsweise die Schule geschlossen ist, benötigen Eltern eine Bestätigung der Einrichtung (Kindergarten, Schule) und keine ärztliche Bescheinigung.

Was geht in der Welt rum? Natürlich auf das Coronavirus. In der Schweiz mit 8,6 Millionen Einwohnern sind bislang 487.357 Menschen daran erkrankt und 8470 Todesfälle zu beklagen. In Baden-Württemberg (11,1 Millionen Einwohner) sind 264.735 Menschen erkrankt und 5758 daran verstorben (Stand 13. Januar, 14:00 Uhr). Damit sind bei unserem südlichen Nachbarn mehr als doppelt so viele Menschen an COVID-19 erkrankt. Aber, den Eidgenossen war die persönliche Freiheit – der „Schweizer Weg“ – schon immer besonders wichtig. Doch der wurde nun vom Bundesrat, der Schweizer Regierung, beendet. Ab Montag gilt ein ähnlich striktes Regime wie im ersten Lockdown. Und das bis Ende Februar.

Genießen Sie den Winter mit Ihren Kindern mit Schneemännern, Schneeballschlachten oder Schlitteln an einem kleinen Hügel in Ihrer Nachbarschaft,

Ihr

Was geht rum? 05. Dezember 2020

♦ Corona – Quarantäne für Kontaktpersonen verkürzt

♦ Corona – Krankheitsverlauf bei Kindern anders als bei Erwachsenen

♦ Corona – Sind Tests aus den Drogeriemärkten sinnvoll?

♦ Atemwegsinfekte in diesem Winter seltener – außer COVID-19

Die offiziellen Empfehlungen im Umgang mit dem Corona-Virus ändern sich beständig. Nun rüttelt sogar das amerikanische CDC (Center for Disease Control) an den Grundprinzipien der Quarantäne. Wie in der New York Times nachzulesen ist, soll die Quarantäne auf 5 Tage verkürzt werden. Die Quarantäne betrifft Personen, die mit einem Infizierten länger in Kontakt kamen (KP1 = Kontaktpersonen ersten Grades). Bisher lagen diese Zeiten in den USA wie in Deutschland bei 14 Tagen. In Baden-Württemberg wurde mit der neuen Coronaverordnung die Quarantäne ebenso wie die Isolation – sie betrifft die Infizierten – auf 10 Tage festgesetzt.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat in der ersten Corona-Welle lange gezögert, das Tragen von Masken zu empfehlen. Inzwischen rät die WHO (in Englisch) sogar, Masken in der eigenen Wohnung zu tragen wenn Besuch kommt. Unabhängig davon, ob Abstand gehalten werden kann oder nicht.

Die COVID-19-Erkrankung verläuft bei Kindern häufig anders als bei Erwachsenen. Das zeigen neue Daten von der University of Alberta in Canada. Dort wurden von April bis September 2463 Kinder und Jugendliche auf die Corona-Infektion untersucht. Dabei zeigte sich, dass Schnupfen oder Husten als Symptom bei positiv wie negativ getesteten Kindern und Jugendlichen gleich häufig waren (25% gegen 22%). Typisch hingegen waren Störungen bei Geruch- und Geschmackssinn, die bei Corona-Erkrankten 7,3 Mal häufiger auftraten. Auch Erbrechen und Übelkeit (5,5-fach häufiger) und Kopfschmerzen (2,5-fach) scheinen für Kinder und Jugendliche eher typische Symptome zu sein. Wenn alle drei Beschwerden (Geruchs-/ Geschmacksinn-störung + Erbrechen/Übelkeit + Kopfschmerz) zusammenkamen, war das Risiko an COVID-19 erkrankt zu sein 66 mal so hoch.

COVID-19-Erkrankungen in Baden-Württemberg bezogen auf die jeweilige Altersgruppe pro 100.000 Personen und Woche. Quelle: LGA

Schwere Verläufe von COVID-19 bei Kindern sind eher selten. Das bestätigen auch die neuen Daten aus Baden-Württemberg, besonders für Kinder unter 10 Jahren. Eine Studie des „TheTri-State Pediatric COVID-19 Research Consortium (in Englisch) aus den USA untersuchte die stationär wegen COVID-19 behandelten Kindern in drei Kliniken. Dabei fanden sie einige Faktoren, die das Risiko für eine schwere Lungenbeteiligung erhöhenÜbergewicht (erhöht das Risiko um den Faktor 3,39), Sauerstoffmangel bei stationärer Aufnahme (Faktor 4,01) und erniedrigte Lymphozyten (eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen) im Blut (Faktor 8,33).

In Drogeriemärkten stehen seit neuestem Coronatests zum Verkauf. Aber Vorsicht: Es handelt sich nur um Antikörper-Tests, die im Blut nachweisen, ob bereits eine Infektion mit dem SARS-CoV-2 stattgefunden hat. Und auch dieser Nachweis hat seine Tücken, abgesehen dafür, dass um die 50 € Kosten anfallen. Es wird vermutlich nicht mehr lange dauern, dann werden auch Antigentests – besser als Schnelltests bekannt – zur Verfügung stehen. Schon die Durchführung der Tests will gekonnt sein. Noch schwieriger ist deren Beurteilung. Prädikat: Warten Sie ab oder fragen Sie den Arzt ……

Praxisindex: Er gibt an, wie viele Personen die Arztpraxen wegen Atemwegsinfekten aufgesucht haben. Die aktuellen Zahlen der Saison 2020/2021 gibt die rote Linie wieder. Quelle: AG Influenza

AHA-Regeln sind auch für andere Erreger wirksam. Das zeigt sich im Moment bei den Infekten der Atemwege. Die Erkrankungszahlen liegen etwa 30% niedriger als im letzten Jahr. Hinzu kommt, dass viele Menschen wegen Schnupfen und Husten keinen Arzt mehr aufsuchen aus Angst, sich in den Praxen mit dem Coronavirus anzustecken. Die Schnupfeninfekte des Herbstes klingen langsam ab, neu zeigen sich Infektionen mit Übelkeit / Erbrechen und Durchfall. Häufig wird bei solcher Symptomatik nicht nach der Ursache gefahndet. Rota- oder Noroviren scheinen an diesen kleinen Ausbrücken wenig beteiligt zu sein. Unter den vielen anderen Erregern können auch einmal Coronaviren solche Beschwerden bei Kindern auslösen.

Was geht in der Welt rum? In fernen Ländern, in die kaum einer mehr reisen kann, treten Krankheiten auf, die fast im Corona-Nebel verschwinden. Wie die Tollwut. In Malaysia ist kürzlich ein 42-Jähriger daran verstorben. Aus Südafrika werden fünf Fälle berichtet. Tollwut wird meist von infizierten Hunden – aber auch anderen Tieren wie Katzen oder Fledermäusen – übertragen.

Ich wünsche Ihnen einen entspannten zweiten Advent, herzliche Grüße, Ihr

Was geht rum? 28. November 2020

Die GRÜNEN und die Homöopathie

USA: Coronainfektionen auf dem Land häufiger als in der Stadt

♦ Auch in Hotspots ist keine Herdenimmunität in Sicht

♦ Immer mehr Kinder in Deutschland wegen COVID-19 im Krankenhaus

Die Bundespartei der Grünen hat sich in den letzten ein heißes Thema vorgenommen: die Homöopathie. Und sie hat es in internen Diskussionsrunden geschafft, Position zu beziehen: Von den Krankenkassen sollen nur noch Leistungen übernommen werden, „die medizi­nisch sinnvoll und gerechtfertigt sind und deren Wirksamkeit wissenschaftlich erwiesen ist“. Dabei wird das Wort „Homöopathie“ umgangen, ebenso aber auch Formulierung, dass im Einzelfall eine Kostenübernahme möglich sein sollte, wie manche Delegierte auf dem Bundesparteitag forderten.

Die Mobilität in Deutschland hat sich während des Shutdowns verändert. Das zeigt eine neue Untersuchung, die auf der Basis der Mobilfunkdaten die Mobilität errechnet. Es zeigt sich, dass im ersten Shutdown die Mobilität um bis zu 55% zurückging. Im zu Ende gehenden Monat November liegt der maximale Rückgang der Mobilität bislang bei 22%. Diese Zahlen sind ein klarer Hinweis, dass die Menschen sich in der Pandemie zurückhalten.

Erkrankungszahlen an COVID-19 pro Wochen und 100.000 Einwohner („Wocheninzidenz“) bezogen auf die Bewohnerdichte der jeweiligen Region (county) in den USA Quelle: Lindsey M. Duca et al im MMWR, veröffentlicht vom CDC

Überraschende Daten zu COVID-19: In den USA erkranken mehr Personen in ländlichen Gebieten als in städtischen (Metropolen). Auch aus Deutschland kommen immer wieder Meldungen, dass dünn besiedelte Regionen wie der Landkreis Hildburghausen in Thüringen mit Wocheninzidenzen von über 400 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner oder der Landkreis Tuttlingen in Baden-Württemberg mit 276 Erkrankungen (Stand: 26.11.2020) auffallen.

Coronainfektionen in Berlin: 7-Tages-Inzidenzen (pro 100.000 Einwohner) in Berlin. Auf der x-Achse sind die Kalenderwochen aufgetragen, auf der y-Achse die Altersgruppen. Quelle: SurvNet des RKI

Die Zahlen für Berlin sind weit dramatischer. Für die Jugendlichen von 15-19 Jahre liegt der Wert bei 390, in Berlin Mitte gar bei 637. Es erstaunt nicht, dass unter diesen Umständen 5% aller Berlinere Schüler in Quarantäne sind Und dennoch: Einfache Erklärungen greifen nicht.

Nach fast einem Jahr in der Pandemie ist an eine beginnende Herdimmunität nicht zu denken. Weder bei uns, noch in Spanien oder Italien. Auch das stark gebeutelte Amerika ist weit davon entfernt, wie eine sehr gut gemachte Studie von Kristina L. Bajema und Mitarbeiter zeigt. Die Zahl der Amerikaner, bei denen im Serum Antikörper gegen das SARS-CoV-2 nachgewiesen wurde, schwankt stark. In den meisten Staaten liegt die Rate unter 10%, in vielen sogar unter 1%. Nur in New York, das vor Monaten heftig gebeutelt wurde, waren es fast 25%. Und das ist noch weit davon entfernt, eine Immunität zu vermitteln. Dazu müssten mindestens 70% einer Population mit dem Virus – oder einer perfekten Impfung – in Kontakt gekommen sein. Es liegt weiterhin ein langer Weg vor uns.

Häufigkeit der stationären Behandlung von Kindern mit COVID-19 in deutschen Kliniken. Quelle: DGPI

In den letzten Wochen ist die Zahl der Kinder, die wegen COVID-19 stationär  behandelt werden musste rasant angestiegen. Die Zahl der wöchentlichen Fälle lag in der letzten Woche bei 16 Kindern. Der bisher höchste Wert mit 39 Meldungen datiert aus der letzten Oktoberwoche. Nicht alle Kliniken in Deutschland melden die COVID-19-Fälle. Dennoch fällt eine hohe Konzentration für Baden-Württemberg in Stuttgart und Freiburg auf.

Stationäre Aufnahme von Kindern in eine deutsche Klinik: Altersverteilung. Quelle: DGPI

Interessant ist auch die Altersverteilung: Über ein Drittel aller betroffenen Kinder sind Säuglinge, also jünger als ein Jahr. Wenn also von „Risikogruppen“ gesprochen wird, sollte auch an die Kleinsten gedacht werden, deren Immunsystem zwar sehr anpassungsfähig, aber eben auch unerfahren ist. Der Anteil der Jugendlichen (grüne Flächen) an den COVID-19-Erkrankungen ist deutlich geringer.

Praxisindex Baden-Württemberg: er spiegelt die Zahl der Patienten wieder, die sich wegen Atemwegsinfekten in einer Praxis vorgestellt haben. Quelle: AG Influenza

Alle reden von Corona. Das ist auch richtig. Gemessen an den Erkrankungen mit dem SARS-CoV-2 spielen andere Infektionen im Moment im Ländle eine untergeordnete Rolle. Das zeigt die aktuelle Graphik für die Praxisbesuchen wegen Atemwegsinfektionen (rote Kurve). Inzwischen ist der Tod an COVID-19 sogar die häufigste Todesursache, vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs. Alles Querdiskutieren kann diese Zahlen nicht ändern.

Was geht in der Welt rum? Neben der Corona-Pandemie ist für tropische Länder das Dengue-Fieber eine Geisel. Die Tödlichkeit dieser Erkrankung ist bei weitem nicht so hoch. Aber die Erkrankung ist dennoch für die armen Menschen dieser Regionen sehr belastend. Aus Indien wurden bis Ende September 16.439 Fälle gemeldet, darunter 12 Todesfälle. Diese Häufigkeiten werden in der momentanen Regenzeit noch deutlich ansteigen. Eine Therapie oder eine Impfung gegen das Dengue-Fieber sind nicht in Sicht.

Ich wünsche Ihren Kindern und Ihnen ein angenehmes Wochenende, bleiben Sie konsequent und gesund, Ihr

EXTRA-blättle: Coronaviren bei Kindern (06)

Ab heute gelten strengere Corona-Vorgaben für die Menschen in Deutschland. Mit manchen Ausnahmen. So dürfen Kinder und Jugendliche weiterhin – unter strengen Regeln – die KiTas und Schulen besuchen.

Übertragung von Viren in Tröpfchen der Ausatmung Quelle: International Journal of Multiphase Flow 132 (2020) 103439

Die Übertragung von Coronaviren kann prinzipiell auf drei Wegen erfolgen:

  1. Oberflächenkontakt: Das SARS-CoV-2 kann auf verschiedenen Materialien teilweise mehrere Stunden überleben. Wir können uns anstecken, wenn wir diese Oberflächen berühren, bzw. wenn unsere Hände das Virus von diesen Oberflächen übernommen hat und wir so nebenbei mit unserer Hand über die Nasenöffnung fahren. Die wichtigste Oberfläche bleibt die Hand, die mir zum Gruß gereicht wird. Aber auch die Haltestangen mit Schulbus oder die Fenstergriffe im Klassenraum gehören dazu.
  2. Tröpfchen, die beim Reden, Lachen oder Husten den Mund verlassen. Das sind in der Abbildung die dicken blauen Pünktchen mit einem Durchmesser von 60µm bis 100µm.
  3. Hinzu kommen die Aerosole. Das sind die kleinsten Wassertröpfchen, worunter man sich eine Art Nebel vorstellen kann. Hier sind die Tröpfchen in der Regel um 5µm groß und enthalten die meisten Viren. Und, diese kleinsten Wasser-Tröpfchen gelangen beim Einatmen tief in die Lunge.

Diese Aerosole verhalten sich anders als die Tröpfchen. Sie sind Schwebeteile, die in einigen Fällen sich über wenige Stunden im Raum verteilen können und in denen die Corona-Viren gut geschützt mitgetragen werden. Selbst wenn ein Infizierter den Raum bereits verlassen hat, können Menschen die den Raum später betreten sich infizieren. Dabei spielen viele Faktoren eine Rolle:

  • wie groß ist der Raum?
  • welche Temperatur ist im Raum?
  • wie hoch ist dessen Luftfeuchtigkeit?
  • gibt es eine Luftströmung?

Hinzu kommt noch die eigene Immunantwort. Unsere Nase kontrolliert genau, was aus der Umgebung eingeatmet wird. Wenn die Umgebungstemperartur aber niedrig ist, lässt diese Fähigkeit nach. Bei Temperaturen von etwa 4° Celsius kann die Nase nicht mehr ausreichend erkennen, mit wem sie es zu tun hat. Ein Grund, weswegen in den kühlen Räumen der Schlachthöfe das Virus leichtes Spiel hat. Ähnlich ist dies in kalten Wartehallen (z.B. in älteren Bahnhöfen). Draußen an der frischen Luft hingegen, hat das SARS-CoV-2 keine Chance. Diese frische Luft draußen enthält keine Viren.

Wer sich intensiver mit dieser Materie befassen möchte, findet hier (in Englisch) eine gute Quelle.

Meldedaten an COVID-19 bezogen auf Altersgruppen pro Kalenderwiche Quelle: LGA

Was tut sich in Baden-Württemberg? Das zeigt die obenstehende Graphik. Demnach ist der prozentuale Anteil der COVID-19-Erkrankungen in der Altersgruppe der 20-30-Jährigen seit der 33. Kalenderwoche spürbar zurückgegangen, währenddessen der Anteil der älteren Menschen ab 50+ enorm zugenommen hat. Auch der relative Anteil der Kinder von 0 – 20 Jahren (untere graue Balken) ist tendenziell rückläufig. Günstige Zahlen, die Hoffnung machen, dass im 2. Lockdown Kinder und Jugendliche weiter in Schule und KiTa aktiv bleiben dürfen.

Was geht rum? 31. Oktober 2020

* Zwischen „Pest und Party“?

* Corona und psychischer Stress

* Polio wieder auf dem Vormarsch?

Nürnberg im Mittelalter Quelle: pixabay, Gerhard G.

Man kann sich in den letzten Wochen fast zwischen „Pest und Party“ fühlen. Da sind viele Menschen, die Angst haben, vom Corona-Virus getroffen zu werden. Es ist ja gut belegt, dass das Ansteckungsrisiko steigt. Wenn aber Schuldige gesucht werden, die das Coronavirus „eingeschleppt“ haben, dann erinnert das sehr an das Mittelalter. Immerhin haben wir heute keinen Scheiterhaufen. Aber die Frage sei erlaubt: Warum haben so wenige Menschen verstanden, welches Wissen um Bakterien (und Viren) uns Robert Koch hinterlassen hat? Sind wir so vergesslich?

Dr. Robert Koch Quelle: cdc

Andere – und sie sind nicht besser – haben auch vergessen, was Robert Koch mit viel Können, Wissen und Beharrlichkeit vor 140 Jahren erforscht hat – er entdeckte das Tuberkulose-Bakterium, das seinerzeit jeden siebten Menschen tötete. Diese Menschen, die sich etwa Querdenker nennen leugnen einfach, dass es das Virus gibt oder zumindest, dass es uns krank machen könnte. Das erinnert an jemanden, der mit einer Badehose am Leib in der Türe steht und es lustig findet, in den Schneesturm hinaus zu laufen. Sofern er eine Runde im Garten dreht, mag sich der Nachbar etwas wundern. Sollte er aber einen Spaziergang machen wollen, wird ihn der Tod ereilen. Wenn andere ihn nicht retten. So kommt es mir vor, wenn „Ältere“ bei Demos die Pandemie leugnen. Aus der warmen Wohnung heraus lassen sich locker Sprüche klopfen.

Party machen, im Rausch genießen …. Quelle: pixabay, Free-Photos

Anders verhält es sich bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Sie verstehen nahezu alle, was es mit dem Virus auf sich hat. Aber sie wollen die Welt genießen. Jetzt. Das ist ihre Zeit. Das Virus droht sie um eine wilde und lustvolle Zeit zu betrügen. Das wollen sie nicht zulassen. Ein Lockdown für sie ist grausam. Vermutlich wäre schon viel geholfen, wenn die Partygänger unter sich blieben und am Wochenende Oma und Opa nicht besuchen. So bliebe das Risiko begrenzt. Aber mit den „älteren“ Leugnern haben sie eigentlich wenig zu tun.

Kinder stehen in der Pandemie unter stärkerem psychischem Druck. Quelle: pixabay, ambermb

Schupfen, leichter Husten und gelegentlich mal eine Mittelohrentzündung – Atemwegsinfekte sind weiterhin selten. Auffallender sind eher psychische Probleme, beginnend mit diffusen Ängsten bis hin zu aggressivem Verhalten. Wenn die Menschen im Land verunsichert sind  und auch Eltern nicht mehr alle Fragen klar beantworten können, verlieren auch Kinder an Sicherheit.

Wo die Coronazahlen nach oben stürmen, bleibt es bei den Kinderkrankheiten ruhig. Die Zahl der Keuchhustenfälle ist seit Wochen auf niedrigem Niveau, zuletzt pro Tag weniger als eine Erkrankungen in Baden-Württemberg. Die Zahl der Windpocken liegen bei einem Drittel der üblichen Werte. Ein Zeichen, dass die Corona-Regeln (AHA-L) bei Familien mit kleinen Kindern offensichtlich wirkungsvoll umgesetzt werden.

Polio-Virus Quelle: cdc

Was geht in der Welt rum? Während wir uns im Krisenmodus um das Coronavirus kümmern, breitet sich – noch in Einzelfällen – in Mali und im Sudan das Poliovirus wieder aus. In Mali wurden in diesem Jahr 11 Fälle mit dem Poliovirus Typ 2 (cVDPV2) festgestellt. Dieses Virus stammt aus einem Schluck-Impfstoff. Diese unerwünschte Wirkung ist bekannt, weswegen in Deutschland die Schluckimpfung durch eine Impfung per Injektion umgestellt wurde. Weitere Details finden Sie auf dieser Seite der WHO (In Englisch). Gleichzeitig sind Organisationen wie die UNICEF besorgt, dass durch die Pandemie die regulären Impfungen in Afrika nicht mehr im ausreichenden Maße durchgeführt werden.

An diesem Wochenende können wir noch mal die Sonnen genießen. Für viele kommen unsichere Tage, bleiben Sie mutig und gesund, Ihr

 

Schnupfen im Herbst

Für viele Kinder beginnt der Herbst mit einem Schnupfen. Die Nase läuft, wird öfter mal „hochgezogen“ und die Hand räumt immer mal wieder das Sekret auf der Oberlippe ab.

Vielfach ist die Schnupfensaison durch das Rhinovirus bedingt, das in den meisten Fällen einen klaren Fließschnupfen hervorruft. In aller Regel nichts schlimmes, aber eine ärgerliche Störung. Oftmals kann der Nachtschlaf dadurch gestört werden. Eine Untersuchung von Prof. Ellen F Foxman von der Yale-Universität konnte Hinweise dafür finden, dass ein solcher erster Herbstinfekt einen gute Schutzwirkung gegen die schwierigeren Infektionen wie die Influenza („Grippe“) darstellen kann. Dafür ist vermutlich ein Interferon verantwortlich. Als Elter haben Sie also Gründe, sich über einen solchen Infekt zu freuen.

Bei manchen Kindern tritt ebenfalls ein klarer Fließschnupfen auf. Der Unterschied bei Ihnen ist, dass dieser über Wochen anhält und oftmals mit morgendlichem Nießen verbunden ist. Das wäre ein Grund, an eine Hausstaubmilbenallergie zu denken. Zuhause können Sie den Unterschied nicht klären. Ein allergologisch versierter Kinder- und Jugendarzt/ärztin wird das gerne für ihr Kind übernehmen.

Und in diesem Jahr denken die meisten beim ersten Schnupfen an eine Corona-Infektion, an COVID-19. Tatsächlich kann Schnupfen bei dieser Infektion auftreten, als einziges Symptom ist Schnupfen jedoch eher selten. Er begründet auch als einziges Symptom in aller Regel keinen Rachenabstrich. Das stellt auch das Merkblatt des Kultusministeriums Baden-Württemberg für den Umgang mit Krankheits- und Erkältungssymptomen bei Kindern und Jugendlichen klar heraus.

Es gibt noch enorm viele Gründe für eine „laufende Nase“ und auch für den „Stockschnupfen“. Die sind vorwiegend für die betreuenden Kinder- und Jugendärzte/innen bedeutsam, wenn zum Schnupfen weitere Faktoren hinzukommen sollten.

Was sollten Sie praktisch tun? Wenn Ihr Kind akut Schnupfen bekommt, können (müssen es aber nicht!) Sie das Kind für einen Tag zuhause beobachten. Bleibts beim Schupfen und tritt beispielsweise kein Fieber auf, kann dieses Kind gerne in den Kindergarten gehen. Ohne Attest einer Ärztin oder eine Arztes!

Was geht rum? 19. September 2020

Im September sind die gemeldeten Fallzahlen für das Corona-Virus in Baden-Württemberg spürbar angestiegen. Das beunruhigt viele. Viele beunruhigt noch mehr, dass  manche nichts mehr beunruhigt. Verwirrend sind für viele auch die Botschaften von Wissenschaftlern.  Wir bekommen oftmals einzelne zugespitzte Sätze zu lesen, die verwirrend sind. Liest oder hört man aber zu, wenn die Virologen ihre komplexen Inhalte erläutern dürfen – mit mehr als einen Satz -, dann sind die Unterschiede gering. Eine Botschaft scheint mir zu sein: In der Bevölkerung breitet sich das Virus zunehmend aus (sog. Perkolation), um dann möglicherweise plötzlich überzuschwappen. Beweise gibt es keine, aber einige Faktoren sprechen dafür, dass die Lage besser beherrscht aussieht als sie es ist.

Anteil der SARS-CoV-2 Fälle in Baden-Württemberg nach 10-Jahres-Altersgruppe. Quelle: LGA Baden-Württemberg

Wir sollten also nicht sorglos sein. Für Sie als Eltern dürfte interessant sein, dass der Nachweis für das SARS-CoV-2 bei den Kindern und Jugendlichen von 0-20 Jahren (in der Graphik: beide unteren, grauen Spalten) in den letzten 12 Wochen – relativ zu den anderen Altersgruppen – deutlich höher lag, als zu Beginn der Pandemie. Auch wenn diese jungen Menschen kaum schwer krank werden, tragen sie vielleicht mehr zur Verbreitung des Virus bei als gedacht. Bleibt zu hoffen, dass die Schulen und Kindergärten im weitgehenden Regelbetrieb für alle Kinder offen bleiben. Das ist wichtiger als andere neu erlaubte Lebensfreuden.

Seit Monaten finden Studien zu Coronatests mit Speichelproben statt Nasen-Rachen-Abstrichen statt. Der große Vorteil wäre, dass sie gerade bei Kindern einfach durchzuführen wären. Aber wie gut sind diese Tests? Erste Ergebnisse im direkten vergleich bietet die Studie von Lisa Caulley und Mitarbeitern (in Englisch) aus Ottawa und Halifax in Kanada. Darin untersuchten sie 1939 asymptomatische Personen mit den handelsüblichen Nasen-Rachen-Abstrichen sowie mit Speicheltests. Sie fanden 70 Personen mit Nachweis des SARS-CoV-2. Übereinstimmend positiv war der Test nur bei 48,6%, während er in 31.4% nur positiv beim Rachenabstrich bzw. 20% nur positiv im Speicheltest war. So charmant die Anwendung von Speicheltest gerade bei Kindern wäre, es besteht offensichtlich noch weiterer Forschungsbedarf.

Ansonsten das gleiche Bild wie schon in den letzten Wochen: Kaum Infekte. Kaum Kinderkrankheiten, nur vereinzelte Magen-Darm-Infektionen. In der letzten Woche kam das Coronavirus in Schulen und Kindergärten vor. In Banden-Württemberg mussten aber nur 17 Klassen – keine Schulen! – in zweiwöchige Quarantäne gehen. Allermeist werden diese Infektionen im familiären Umfeld erworben und in die Schule oder die Kita hinein getragen. Bislang kein Grund zur Sorge.

Was geht in der Welt rum? Viele Deutsche reisen noch in sog. Risikoländer. In die Demokratische Republik Kongo wird es aber nur weniger verschlagen. Dort gibt es wieder einen Ausbruch des Ebola hämorrhagischen Fiebers im Nordwesten des Landes. Es wurden seit Juni 115 Fälle bestätigt, 48 Menschen sind an Ebola seither verstorben. Ebola hat immer wieder lokal begrenzte Ausbrüche. Bleibt für das gebeutelte Land zu hoffen, dass auch dieser Ausbruch begrenzt bleibt und bald abklingt.

Genießen Sie zusammen mit Ihrer Familie nochmals ein sonniges und fast sommerliches Wochenende,

Ihr

Was geht rum? 12. September 2020

Noch zwei Tage und die Schule beginnt wieder im Regelbetrieb. Endlich besteht wieder die Hoffnung, dass Kinder und Jugendliche einen Alltag fern von Begrenzungen erleben können: Freunde sehen, gemeinsam mit ihnen etwas erleben und nebenher noch etwas lernen. Hoffen wir mal, dass so manche Corona-Querschüsse von Massenveranstaltungen diese Freiheit für die Kinder nicht so bald beenden.

Infekte bei Kindern und Jugendlichen finden im Moment ja kaum statt. Das wird sich in den nächsten Monaten vermutlich langsam ändern. Mit der großen Belastungsprobe müssen wir erst zu Beginn des kommenden Jahres rechnen. Der herbstliche Schnupfen von Kindern – das hat das Sozialministerium ja schon klar gemacht – ist in Bezug auf das Coronavirus in aller Regel unproblematisch. Zumindest, wenn alle Beteiligten keine Panik schieben und Schulen und Kitas nicht komplett geschlossen werden.

Infektionen sind momentan nahezu keine unterwegs. Selbst bei den Kinderkrankheiten gibt es nur Windpocken sowie insgesamt 3 Erkrankungen an Keuchhusten in ganz Baden-Württemberg. Grund genug, dieses herrliche Wochenende entspannt zu genießen.

Eine aktuelle Untersuchung hat einen interessanten Aspekt aufgegriffen: Um das Coronavirus zu bekämpfen haben Wissenschaftler um Manuela Buonanno aus New York eine neue Möglichkeit beschrieben, die Inaktivierung des Virus mit UV-Strahlen. Ausgehend von Versuchen an Grippeviren und den harmlosen Coronaviren HCoV-229E und beta HCoV-OC43 zeigten sie dass auch das neue Coronavirus (SARS-CoV-2) auf diese Weise erfolgreich bekämpft werden könnte.

Was muss beim Tragen von Masken beachtet werden? Kurz und knapp illustriert das die Zusammenfassung des CDC (Centers for Disease Control and Prevention; in Englisch).

Was geht in der Welt rum? Im südlichen Europa, von Spanien über Griechenland und Italien bis Rumänien tritt vermehrt das West-Nil-Fieber auf. Eigentlich betrifft es im Wesentlichen Vögel, kann aber auch den Menschen befallen. Die Übertragung erfolgt durch Stechmücken. In Deutschland wurde vorm Tropeninstitut bestätigt, dass der Erreger auch bei vier Blutspendern gefunden wurde, die aber symptomlos blieben.

Die Kinder haben das Glück, dass ihre Ferien bis zuletzt sommerliches Wetter brachten. Ich wünsche alle viel Spaß in der Natur, ob im eigenen Garten, im Schwimmbad oder in den Bergen. Erstmals schaffen es die Pollen – mangels Masse –  an solch schönen Tagen nicht, die Allergiker zu ärgern.

Ihr

Was geht rum? 22. August 2020

Mit hoher Sonneneinstrahlung steigen die Konzentrationen von Ozon in der Luft.. Ozon entsteht vorwiegend aus Stickoxiden und seine Konzentration ist gerade auch in Gebieten

Ozonbelastung gestern in Pforzheim. Quelle: ptw

mit sonst eher geringen Schadstoffwerten hoch. So kommt es, dass auf dem Lande die Werte meist höher sind als in den Städten. Mit der noch starken Sonneneinstrahlung am Donnerstag und Freitag stiegen die Werte erneut. Betroffen waren viele Orte im sonnigen Rheintal wie etwa Baden-Baden. Aber auch Pforzheim und Heilbronn zeigten leicht erhöhte Werte. Das Reizgas Ozon kann Kindern und Jugendlichen mit Atemwegserkrankungen wie Asthma bronchiale oder Mukoviszidose zusetzen. Die Zeit der Ozonbelastungen geht nun aber zu Ende. Wir sehen die Sonne schwächer und kürzer.

Viele Familien sind in Urlaub. Einige nutzen die Gelegenheit, um ihre Verwandten und Freunde in den Heimatländern zu besuchen. Kinder mit Familien reisen dabei meist mit dem Flugzeug, um die Belastung für Kinder gering zu halten. Aber wie hoch ist denn das Risiko sich im Flugzeug anzustecken? So ganz genau weiß das niemand. Eine gerade erschienene Studie kann jedoch Hinweise geben. Darin analysieren die Autoren um Sebastian Hoehl von der Universität Frankfurt am Main einen Flug vom März 2020, als noch keine Maskenpflicht beim Fliegen bestand. Wer die PDF-Datei herunterlädt kann in einer einfachen Graphik sehen, wie sich die Infizierten im Flugzeug verteilten. Welchen Effekt die Maskenpflicht heute hat, ist leider noch nicht klar belegt. Sinnvoll ist sie jedoch auch im Flugzeug.

Die übrigen Infektionen sind wenig bedeutsam. Selbst bei den Kinderkrankheiten besteht nur wenig Aktivität: Keuchhusten, Mumps und Masern traten in der letzten Woche jeweils einmal in ganz Baden-Württemberg auf. Paradiesische Zustände, die bald Vergangenheit sein dürften.

Ab diesem Wochenende haben es die Pollen schwerer, die Menschen im Land zu ärgern. Gestern noch im heißen Aufwind, kommen jetzt Wetterbedingungen, die nur leichte und kurzzeitige Pollenflüge zulassen. Die Allergiker können frei atmen.

In dieser Woche hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) den Vorschlag der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Instituts (STIKO) aufgenommen und das Impfschema für die Säuglinge vereinfacht. Bei vergleichbar gutem Impfschutz sind ab sofort statt bisher 3+1 nur noch 2+1 Impfungen für einen guten Impfschutz mit der Sechsfachimpfung (Diphtherie, Tetanus, Pertussis, Poliomyelitis, Haemophilus influenzae Typ b und Hepatitis B) erforderlich. Somit entfällt ein Impftermin. Vergleichbarer Schutz, ein Impftermin weniger – eine gute Sache.

Einige Länder sind schon soweit. In Baden-Württemberg liegt der Termin der Einschulung noch weit in der Ferne. Klar ist aber: Die Schul-Eingangsuntersuchungen der Gesundheitsämter sind der Corona-Pandemie weitgehend zum Opfer gefallen. Für Kinder, die regelmäßig zu den U’s – den kinderärztlichen Vorsorgeuntersuchungen – vorgestellt werden ist das kein Problem. Für die anderen, die oft mehrfach benachteiligt sind, kann das jedoch ernste Folgen haben. In den letzten Wochen haben viele Ämter die Eingangsuntersuchungen in geringem Umfang nachgeholt. Die Lücke kann aber bis zum Schulbeginn unmöglich geschlossen werden. Eine der schwerwiegenden Folgen eines unsichtbaren Virus.

Was geht in der Welt rum? Das Dengue-Fieber ist eine enorm bedeutsame Infektion, die vorwiegend in den Tropen vorkommt. Inzwischen sind Hitzewelle in Europa kaum eine echte Besonderheit mehr. So erstaunt es nicht, dass kürzlich die erste Infektion mit dem Dengue-Virus auch in Frankreich, in der Provinz Okzitanien ganz im Süden, erworben wurde.

Ich wünsche Ihnen ein heiteres Wochenende.

Ihr

Peter Th. Wolff

Was geht rum? 15. August 2019

Baden-Württemberg ist noch in den Ferien. In Berlin hat diese Woche der Unterricht wieder begonnen und es traten bereits 8 Coronaerkrankungen an den Schulen auf. Was haben wir im Ländle vom Corona-Virus zu erwarten, wenn der Unterricht in den Schulen oder die Betreuung in der Kindergärten bei uns wieder beginnen? Werden aus den Urlaubsländern Coronaviren zu uns getragen? Danach sieht es im Moment fast aus. Olaf Palme, früherer schwedischer Ministerpräsident kommt mir dabei in den Sinn:„Die Geschichte ist eine Schule, in der die Stundenpläne selten eingehalten werden.“ Versuchen wir aus den eignen und den Erfahrungen anderer zu lernen. Damit ein Stückchen Normalität für unsere Kinder zurückkommt.

Anteil der positiven Test auf das Coronavirus steigt in den letzten Wochen. Quelle: statista

Der Anteil der positiven Testergebnisse liegt inzwischen bei 1% bezogen auf die Gesamtzahl der durchgeführten Corona-Tests. Viele Gründe tragen dazu bei. Die Reiserückkehrer sind einer. Und die steigende Unachtsamkeit von uns allen ist ein anderer. In den Schulen oder den Kindergärten breitet sich das Coronavirus jedoch kaum aus. Wir sollten alles daran setzen, die Kindergärten und Schulen offen zu halten. Die Kinder sollten nicht länger darunter leiden, dass wir Erwachsene oftmals nicht vernünftig handeln. Dazu liegt auch eine klare Stellungnahme der kinderärztlichen Fachgesellschaften von letzter Woche vor. Dennoch ist in Berlin nach drei Tagen Unterricht bereits die erste Schule wieder geschlossen worden. Meine Meinung: Unsere Kinder sind uns wichtiger als Fußballspiele oder Urlaub in Risikogebieten. Was meine Sie?

Andere Erreger spielen bei den Infektionen kaum eine Rolle. Selbst die einfachen Infekte mit Schnupfen sind in den Urlaubsmonaten wieder selten geworden. Interessant ist, dass alle Magen-Darm-Infektionen weiterhin deutlich weniger auftreten als im letzten Jahr: Rotaviren – typisch für Kleinkinder – in diesem Jahr 406 Erkrankungen (2019: 1909), Noroviren 3836 in diesem Jahr (2019: 7582). Selbst die Salmonellen fürchten sich (2020: 756, 2019: 920 Fälle). Die AHA-Regel ist mühsam für die, die sich daran halten. Das scheinen im Ländle viele zu sein, sonst hätten wir keinen so guten Effekt bei all den anderen Infektionen. Danke an all diese freundlichen Menschen!

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) in Langen bei Frankfurt befasst sich unter anderem mit der Zulassung von Impfstoffen. Für uns KinderärztInnen ist das PEI schon immer eine wichtige Behörde. Durch die Corona-Pandemie ist ihre Bedeutung jedoch enorm gestiegen. Für alle, die mehr über Corona-Impfstoffe erfahren möchten hat das Institut inzwischen eine sehr hilfreiche Informationsseite hochgeladen. Die Frage „Warum gibt es noch keinen zugelassenen Impfstoff gegen SARS-CoV-2?“ stimmt leider nicht mehr. Russlands Führung hat ihrem Hang zu großen Gesten nachgegeben und eine wenig geprüften Impfstoff zugelassen. Ohne wissenschaftliche ausreichend Grundlage.

Gräserpollenflug am Oberrhein. Die aktuellen Zahlen von 2020 sind mit schwarzen Balken dargestellt, den Mittelwert der letzten 10 Jahre zeigt die graue Fläche. Das zeigt: früher Beginn der Gräserpollensaison, danach aber eher harmloser Verlauf.   Quelle: www.pollenundallergie.ch

Es ist sehr warm und schwül im Südwesten. Noch. Mit den spürbar kürzeren Tagen deutet sich an, dass der Sommer bald zu Ende gehen wird. Das zeigt sich auch beim Pollenflug. Wie jedes Jahr um diese geht die Zahl der Gräserpollen spürbar zurück. Bedeutsame Belastungen gibt es für Allergiker nur regional in der Nähe von Feldern oder beim Wetterwechsel.

Was geht in der Welt rum? Pollen gibt es nicht nur bei uns. Der Mittelmeerraum weist ein großes Spektrum von Pflanzen aus, die natürlich auch Pollen produzieren. Im Sommer ist der Pollenflug aber im Wesentlich auf Brennesselgewächse (Urticaceae) und Traubenkraut (Ambrosia) in der westlichen Türkei begrenzt. Und diese fliegen nur zeitweise. Gute Zeiten für Allergiker im sommerlichen Mittelmeerraum.

Sind Sie gerade noch im Urlaub? Die aktuellen Fragen für Reiserückkehrer nach Baden-Württemberg sind auf der Homepage des Landes beantwortet.

Ich wünsche Ihnen trotz aller schlechten Nachrichten ein entspanntes und erholsames Wochenende

Ihr

Peter Th. Wolff