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Säuglinge können gestillt werden, auch wenn ihre Mütter an COVID-19 erkrankt sind

Dürfen Mütter, die mit dem SARS-CoV-2 Virus infiziert sind, ihr Baby stillen? Eine von vielen Fragen, die erst seit kurzem recht klar beantwortet werden kann. Ja, sie dürfen.

Dafür sprechen Daten, die gerade im angesehenen Fachjournal The Lancet erschienen sind. Die Autoren Christine M. Salvatore und Mitarbeiter haben dazu an den 3 Kliniken der New York Presbyterian Hospitals Mütter untersucht, die zwischen Ende März und Mitte Mai ihre Kinder zur Welt brachten. Von 1481 Gebärenden wurden 116 (8%) positiv auf das Coronavirus getestet. Von den 120 Kindern (auch Zwillinge) wurden am Tag nach der Geburt alle negativ auf das Virus getestet.

Allen Müttern wurde das Stillen erlaubt, sie sollten hierbei jedoch einen Mund-Nasen-Schutz (MNS) tragen und vorher und nachher die Hände desinfizieren. Von den Müttern, die nach einer Woche noch in der Klinik waren stillten noch 78%. Unter den 82 Kindern, die zu dieser Zeit noch in der Klinik waren konnten 79 (96%) nochmals auf das Coronavirus untersucht werden: alle negativ. Auch die 72 Kinder, die nach zwei Wochen nochmals getestet wurden, zeigten einen negatives Corona-Testergebnis. Alle Kinder hatten zu keiner Zeit Zeichen einer COVID-19.

Das Stillen selbst wird beim SARS-CoV-2 schon immer als unproblematisch angesehen. Für sehr viele Virus-Infektionen (nicht bei HIV: hier ist Stillen nur unter einer antiviralen Therapie möglich) ist nachgewiesen, dass sie nicht über die Muttermilch übertragen werden und zur Infektions des Kindes führen.

Fazit: Unter der Bedingung, dass die Coronavirus-infizierten Mütter beim Stillen einen MNS tragen und ihre Hände vor und nach dem Stillen desinfizieren, wurde nachweislich kein Neugeborenes angesteckt.

 

Was geht rum? 11. Juli 2020

Seit nun zwei Wochen gehen Grundschüler wieder zur Schule und die Kleinen in den Kindergarten. Bislang wurden nur vereinzelt mit dem Coronavirus infizierte Kinder entdeckt. Durch die konsequente Ermittlungsarbeit der Gesundheitsämter konnten die Infektionsketten schnell unterbrochen werden.

Wiesen-Bärenklau. Er wächst munter am Wegesrand, wo sich anderes Grün kaum entwickeln kann. Quelle: ptw

Draußen grünt es wunderbar. Und es scheint, dass der Wiesenbärenklau besonders gut gedeiht. Für Kinder hat diese Pflanze so ihre Tücken. Wenn Sie mehr erfahren wollen, finden Sie hier weitere Informationen.

Die Natur zeigt ihre ganze Diversität. Die Gräserpollen fliegen stark, aber nicht mehr so stark wie in den letzten Wochen, auch der Wegerich entlässt seine ersten Pollen in die Lüfte. Beifuß und Ambrosia sind noch in der Ruhephase.

Magen-Darm-Infektionen durch Bakterien sind in den Sommermonaten gehäuft. An erster Stelle stehen hier Infektionen mit Campylobacter jejuni. Dieser Erreger kommt bei Wild- und Nutztieren (Rinder, Schweine, Geflügel) vor und wird meist über Nahrungsmittel übertragen: Hühnerfleisch, Rohmilch, gelegentlich auch kontaminiertes Trinkwasser. In der Osterwoche erkrankten in Baden-Württemberg 39 Personen, in der vergangenen Woche waren es bereits 218. Besonders betroffen war der Ortenaukreis mit 24 Fällen. Trotz allem liegen die Zahlen noch um ein Drittel niedriger als im letzten Jahr. Betroffen sind oftmals Kleinkinder, die mit Durchfall (teilweise blutig), krampfartigen Bauchschmerzen und Fieber (bis 40 Grad) erkranken. Eine ärztliche Untersuchung ist wichtig. Eine Therapie ist nur selten erforderlich.

Rohes Ei auf der Tischplatte. Ein Risiko für die Aufnahme von Salmonellen. Quelle: pixabay, stevepb

Die Symptome der Campylobacter-Infektion ähneln denen der Salmonellose. Letztere kommt seltener (29 Erkrankungen in der letzten Woche) vor, verläuft aber in aller Regel heftiger und länger. Die Ansteckung geht meist über Speisen mit rohen oder nicht ausreichend gekochten Eiern. Da inzwischen für einige Geflügel eine Impfpflicht gegen Salmonellen besteht, ist das Risiko heute deutlich geringer als früher.

Viele Kleinkinder erkranken zur Zeit an Schnupfen, einige mit Fieber. Sofort steht die Frage im Raum: Ist das eine Coronainfektion? Zuallermeist nein. Seit 2 Wochen haben Kinder im Regelbetrieb von Kita und Grundschule die Gelegenheit Erreger auszutauschen. Wir Ärzte und auch die Gesundheitsbehörden testen häufiger. Dadurch versuchen wir besser zu verstehen, was „normale“ Infekte sind und was eine COVID-19-Infektion ist. Übrigens, auch leichte „normale“ Infekte werden zu mindestens 10% durch Coronaviren ausgelöst. Diese harmloseren Varianten des Virus kommen schon seit Jahrzehnten bei uns vor und ihre Infektionen verlaufen fast immer schwach. Bei den Testungen schauen wir deswegen nur nach SARS-CoV-2, dem neuen Coronavirus.

Wenn Sie als Eltern Erfahrungen in dieser Hinsicht gemacht haben, schreiben Sie gerne einen Kommentar oder eine Anfrage. Wichtig ist immer, wie Sie im Alltag von Kita und Schule die Situation für sich und Ihre Kinder einschätzen.

Was geht in der Welt rum? Viele Länder sind für uns Deutsche durch die Reisewarnung kaum erreichbar. Weit weg und dennoch erreichbar ist La Réunion, eine Insel im Indischen Ozean bei Madagaskar. Diese Insel ist französisches Staatsgebiet und damit Teil der Europäischen Union. Dort gib es gerade einen Ausbruch des Dengue-Fiebers mit 14.900 Erkrankungen und 13 Todesfällen. Wichtigste Maßnahme: Guter Mückenschutz.

Ich wünsche Ihnen ein sommerlich warmes Wochenende zum Entspannen mit Ihrer Familie.

Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff

EXTRA-blättle: Coronaviren bei Kindern (05)

Der Schrecken von Corona scheint in Deutschland zu schwinden. Standen die Pflegekräfte vor wenigen Wochen noch im Fokus, scheint die finanzielle Stärkung dieser Menschen inzwischen wieder vergessen.

Und unser Mitgefühl mit den Kranken? Dazu der Ausschnitt aus einem Beitrag in der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ):  Mit dem Mitgefühl hat es eine seltsame Bewandtnis. So selbstlos, wie man meinen könnte, ist es nicht. Denn: Leidet man wirklich mit denen, die irgendwo weit weg ein schreckliches Schicksal erleiden? Oder denkt man doch in erster Linie an sich selbst, indem
man sich vorstellt, man könnte in eine ähnliche Lage kommen – und empfindet man im Grunde nur Mitleid mit sich selber oder gar ein gut kaschiertes Hochgefühl, weil man selbst nochmals davongekommen ist? 

In diesem vermutlich (und hoffentlich) letzten EXTRA-blättle zu den Coronainfektionen haben wir einige Beiträge zusammengestellt, die im praktischen Leben von Bedeutung sind.

1 Ausbreitung von Coronainfektionen innerhalb der Familie

Eine erste Untersuchung aus China gibt nun Hinweise, dass innerhalb eines Haushaltes Infektionen mit dem Coronavirus begrenzt werden können. Das Tragen eines Mundschutzes sowie die regelmäßige Desinfektionen haben sich als sehr günstig erwiesen. Die Studie beruht jedoch auf nachträglich erhobenen Daten und ist deswegen als weniger aussagekräftig zu bewerten als eine prospektive Studie. Aber immerhin, haben wir hierdurch erste Hinweise.

Ampel in Pontresina Quelle: ptw

2. Wie viele Ampeln gibt es denn?

Jetzt spricht alles von der Ampel, wenn es um die Coronainfektionen geht. In Baden-Württemberg beschreibt die Ampel, in welchen Schritten das öffentliche Leben wieder in die Gänge kommt. So gilt seit Pfingsten die Farbe gelb (Öffnung von Gastronomie, Camping u.a.). Die Farbe rot umfasst Großveranstaltungen  und Festivals – wann dieses Licht aufleuchtet ist im Moment noch unklar.

In Berlin gibt es auch eine Ampel, die etwas komplett anderes aussagt. Dort stellen die drei Farben drei Zahlenwerte dar. Somit kann man hier absehen, wie aktiv das Coronavirus gerade ist.                

(Basis-) Reproduktionszahl „R“ R-Wert < 1,1 = Grün     
R-Wert mindestens 3 Mal in Folge ≥ 1,1 = Gelb
R-Wert mindestens 3 Mal in Folge ≥ 1,2 = Rot 
Inzidenz Neuinfektionen pro Woche Zahl < 20 je 100.000 Einwohner = Grün
Zahl ≥ 20 je 100.000 Einwohner = Gelb
Zahl ≥ 30 je 100.000 Einwohner = Rot 
Anteil COVID-19 Plätze auf Intensivstationen Anteil < 15 % = Grün
Anteil ≥ 15 % = Gelb
Anteil ≥ 25 % = Rot  

Mit dieser Ampel werden bereits kleinere Veränderungen erfasst und farblich deutlich markiert. So steht in Berlin seit dieser Woche ein Licht der Ampel auf rot (R-Faktor drei Tage > 1,2). Also nicht mehr alles im grünen Bereich.

3. Impfstoff gegen Coronavirusinfektionen

Gerade schließen sich Frankreich, Italien, die Niederlande und Deutschland in einer Impfstoff-Allianz zusammen. Ziel ist, möglichst schnell einen Impfstoff gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 zu entwickeln. Und das offensichtlich ohne die USA.

Auch wenn weltweit über 130 Impfstoffkandidaten geprüft werden, dürfen wir nicht sicher sein, dass bald ein guter Impfstoff zur Verfügung steht. Prof. Dr. Streeck aus Bonn hat diese Zweifel zusammengefasst: „Gegen HIV wurden schon über 500 Impfstoffe konstruiert, aber keiner hat funktioniert“, sagte er. Man müsse sich auch auf die Möglichkeit einstellen, dass kein Impfstoff gefunden werde. „Das Virus ist da und wird bleiben. Und wir müssen uns darauf einstellen, damit umzugehen“.

Eine weitere Frage bleibt ebenso: Wenn wir je einen guten Impfstoff haben sollten, werden sich dann auch genügend Menschen impfen lassen um eine Herdenimmunität zu erzielen?

Aerosol beim SongKran-Fest in Thailand Quelle: ptw

4. Ansteckung über Tröpfchen (Aerosole). Was bedeutet das im praktischen Leben?

im Lancet erschien kürzlich eine Arbeit über die Verteilungsmuster von Tröpfchen aus der Atemluft von Menschen. Die niederländischen Autoren um G Aernout Somsen zeigten darin auf, dass die großen Tröpfchen, die beispielsweise beim Niesen auftreten (100 – 1000 µm Durchmesser) wohl kaum eine Rolle spielen, weil sie innerhalb einer Sekunde zu Boden sinken. Anders die kleinen Tröpfchen: Diese meist 5µm großen Wassertröpfchen bleiben, wenn sie aus 160 cm Höhe abgeatmet werden sehr lange in der Luft und bilden das Aerosol. Sie benötigen 9 Minuten, bis sie am Boden landen.

Eine entscheidende Rolle spielt hierbei die Raumlüftung. Im Idealfall bei künstlicher Belüftung und offenen Türen halbiert sich die Zahl der Tröpfchen in der Luft.

Und was machen Masken? Die einfachen chirurgischen Masken können für den Maskenträger 30% der Tröpfchen bei der Einatmung abfangen. Für die Ausatemluft ist die Rate deutlich besser. Wer eine Maske trägt schützt also vorwiegend die Menschen um sich herum, sich selbst aber nur wenig. Maskentragen als soziale Verantwortung.

Was geht rum? 06. Juni 2020

Für die allergischen Kinder und Jugendlichen kommt an diesem Wochenende eine kleine Erholungspause. Mit dem Regen dieser Tage werden die Pflanzen aber wieder neue Pollen bilden können, die sich zur Wochenmitte bei ansteigenden Temperaturen ausbreiten werden. Dann wird sich die Saison der Gräserpollen fortsetzen.

Auf die Infekte hat das Wetter wohl keinen Einfluss. Sporadische Infekte sind immer möglich, es gibt aber keine eindeutigen Trends. Auffallend ist nur, wie selten Infektionen auftreten: Die Zahl der Rotavirus-Infektionen (Magen-Darm-Grippe) liegen in diesem Jahr gegenüber 2019 um mehr als 75% niedriger. Und, in ganz Baden-Württemberg trat in dieser Woche kein einziger Fall von Masern, Mumps oder Röteln auf. An Kinderkrankheiten spielt nur Scharlach, Windpocken und Keuchhusten eine Rolle. Aber nur eine kleine!

Die Erkrankungen mit dem Coronavirus sind in Baden-Württemberg auf sehr niedrigen Niveau angekommen. Pro 100.000 Einwohner sind – Stand 04.06.32020 –  genau 1,2 Personen davon betroffen. Die Schwankungen bewegen sich von Werten über 6 (Schwarzwald-Baar) bis zu 0 (Breisgau-Hochschwarzwald, Bodenseekreis, Freudenstadt, Göppingen, Konstanz, Lörrach, Ravensburg, Sigmaringen, Tuttlingen, Waldshut, Baden-Baden). Das ist nur eine Momentaufnahme, die Zahlen können sich schnell ändern. Wir sollten sorgsam mit der gebesserten Situation umgehen. Ein zentrales Ziel sollte weiterhin sein, den Kindern und Jugendlichen möglichst bald ein unbeschwertes und freies Leben in der Gruppe möglich zu machen. Auf den Absacker in der Bar, sollten wir solange verzichten.

Was geht in der Welt rum? Die Demokratische Republik Kongo erlebt gerade wieder einen Ausbruch von Ebola hämorrhagisches Fieber (EHF) in der Provinz Équateur. Noch sind es erst 3 gesicherte und 3 Verdachtsfälle. Vorsicht in angesagt, denn vor 2 Jahren nahm dort der schwere Ebola-Ausbruch seinen Anfang.

Traumstrände. Kein Mensch, Natur pur. Quelle: ptw

Zieht es Sie und Ihre Familie wieder in den Urlaub in Europa? Dann vergessen Sie nicht, über eine Auslandskrankenversicherung nachzudenken. Nein, wir vom praxisblättle werden von keinem Versicherungsunternehmen gesponsert. Es stimmt, dass die gesetzliche Krankenkasse prinzipiell für Krankheitskosten in der Europäischen Union, in Island, Liechtenstein und Norwegen und einigen anderen Ländern für einen Anteil der Arzt- und Krankheitskosten aufkommt. In der Regel erstattet sie nur einen Teil der angefallenen Kosten. Bei der Erstattung von Medikamenten-Kosten wird es oft noch schwieriger. Eine Auslandskrankenversicherung kostet hingegen für eine Familie um die 20 € fürs ganze Jahr. Fast immer eine lohnende Sache.

Ausgedehnte Wanderungen werden wohl die wenigsten an diesem Wochenende unternehmen. Es sieht eher nach nass-kaltem Wetter aus. Egal, ob Sie nun Ihr Haus aufräumen oder mit den Kindern einen ausgedehnten Spiele-Nachmittag verbringen – genießen Sie die Abwechslung. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff

EXTRA-blättle: Coronaviren bei Kindern (04)

Wir hören und lesen seit Wochen Nachrichten vom Coronavirus. Jetzt hat das „Innovation Lab“ des Berliner Tagesspiegels die Reise des Virus in unseren Körper optisch nachgezeichnet. Besser als tausend Worte.

Fünf weitere Beträge der letzten Woche haben Bedeutung für die Kinder und Jugendlichen in Deutschland. Im Folgenden haben wir sie kurz zusammengefasst:

1. Die Kinder- und Jugendärzte in Deutschland fordern Öffnung von Schulen und KiTas

Die Deutlichkeit war dann doch überraschend. Vor wenigen Tagen forderten die Kinder- und Jugendärzte über die verschiedenen Verbände eine vollständige Öffnung aller Schulen und Kindergärten in Deutschland. In Ihrer Stellungnahme begründen sie ihre Haltung mit Fakten aus der Wissenschaft. Darunter sind einige Studien, die bereits im praxisblättle diskutiert wurden.

2. Erwachsene, Männer, Städter: Wer wird häufiger positiv auf Corona-Virus getestet? 

Zu dieser Frage hat das Royal College of General Practitioners (RCGP) eine Studie in England mit Hilfe des RCGP Research and Surveillance Centres durchgeführt. Über das Netz von Arztpraxen in Großbritannien wurden zwischen Januar und April 2020 Daten von 3802 Rachen-Abstrichen auf das neue Coronavirus durchgeführt. Von diesen fielen 587 Test positiv auf. Bei den positiven Test zeigten sich markante Trends:

  • Bei Männern (18.4%) war der Test häufiger positiv als bei Frauen (13.3%). Risiko für Männer: 1.55 Mal häufiger positiv
  • Bei den Erwachsenen von 40-64 Jahren (18.5%) war der Test häufiger positive als bei Kindern und Jugendlichen (4.6%). Risiko für Erwachsene: 5.36 Mal häufiger positiv
  • Menschen in der Stadt (26.2%) wurden häufiger positiv getestet als auf dem Land (5.6%). Risiko für Menschen in der Stadt: 4.59 Mal häufiger positiv

Auch Menschen mit Nierenerkrankungen und Übergewicht wiesen höhere Werte aus. Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Gruppen sind deutlicher als erwartet.

3. Katzen können auch an COVID-19 erkranken

Katzen können sich wohl leicht  mit den neuen Coronavirus (SARS-CoV-2) anstecken. Das ergab eine Studie aus Madison in Wisconsin. Dabei wurden 3 Katzen mit dem Virus eines an COVID-19 erkrankten Menschen infiziert. Danach wurden diese Katzen wiederum mit gesund Katzen zusammen gebracht und übertrugen das Virus. Diese Katzen wurden dann bereits nach 2 Tagen positiv auf das Coronavirus getestet und schieden es 4 Tage über die Nase aus. Keines der Tiere erkrankte jedoch.

Im Unterscheid zu Katzen infizieren sich Hunde und Schweine seltener mit dem Coronavirus. Katzen geben das Virus jedoch leicht an andere Katzen weiter.

Es bleiben noch Fragen: Katzen könnten recht häufig infiziert sein, da sie sich untereinander leicht anstecken können. Ob sie aber ebenso leicht auch Menschen anstecken ist völlig offen.

4. Großes Risiko, vermutlich kein Nutzen: Dampfinhalation in Zeiten von Corona

Im letzten Jahrhundert wurden Dampfinhalationen bei jeglichen Atemwegsinfektionen https://www.nature.com/articles/s41586-020-2349-yeingesetzt. Der Nutzen dieser Maßnahme soll in der Verflüssigung von zähem Schleim und Öffnen der Atemwege liegen. Gesichert ist das bis heute aber nicht, wie auch eine Studie nochmals betont. Kinder – und Jugendärzte erleben jedoch immer wieder Verbrühungen, die hierunter auftreten.

Ein aktueller Bericht im Lancet zeigt, dass parallel zur Coronavirus-Pandemie auch die Zahl der Verbrühungen bei Kindern anstiegt. Dieser Anstieg fiel besonders auf in Regionen mit großer Häufigkeit an COVID-19-Erkrankungen und bei Bevölkerungsgruppen aus Asien, die aus in Großbritannien leben.

Wie wir es sehen: Dampfinhalationen haben keinen belegten Nutzen, aber das Risiko, dass Kinder versehentlich Verbrühungen erleiden. Klares Nein!

5. Gibt es bald eine Therapie zur Vorbeugung von COVID-19?

Eine Forschergruppe aus der Schweiz, Frankreich und den USA hat vor wenigen Tagen eine Arbeit veröffentlicht, in der sie von monoklonale Antikörpern berichten. Diese Antikörper wurden einem Patienten nachgewiesen, der 2003 eine schwere SARS-Infektion überstanden hat. Es zeigte sich, dass diese Antikörper (S309) auch gegen die Spikes des SARS-CoV-2 wirksam sind. Damit könnten sie verhindern, dass das neue Coronavirus in Zellen eindringen kann. Ein spannender Ansatz. Bleibt zu hoffen, dass er sich im klinischen Alltag umsetzen lässt.

EXTRA-blättle: Coronaviren bei Kindern (03)

Heilige Corona im Straßburger Münster. Quelle: Heiligenlexikon.de

Vor vier Tagen wurde der Namenstag der Heiligen Corona gefeiert. Ja, die gab es wirklich. Im zarten Alter von 16 Jahren starb sie noch zu Zeiten der Christenverfolgung im Jahre 177 als Märtyrerin. Dabei wurde sie – ohne auf weitere Details einzugehen – zwischen zwei Palmen gespannt. Deswegen wird sie häufig mit einem Palmenzweig dargestellt. Sie ist die Patronin der Schatzgräber und des Geldes.Mit dem Virus hat sie vor fast 2000 Jahren nicht rechnen können.

Corona-Infektionen bei Kindern. Unsere Informationen nehmen stetig zu. Mit der schrittweisen Öffnung der Schulen werden wir bald erfahren, wie sich die Infektionen innerhalb dieser Altersgruppe verhalten. Was wir bisher wissen: Kinder und Jugendliche sind vergleichsweise wenig vom Virus betroffen. Das zeigt auch die aktuelle Graphik des Landesgesundheitsamtes von Baden-Württemberg, in dem jede der blauen Säulen ein Lebensjahrzehnt wiederspiegelt.

Inzidenz (Anzahl pro 100.000 Einwohner in der betreffenden Altersgruppe) der SARS-CoV-2
Fälle in Baden-Württemberg, Stand 15.05.2020 Quelle: LGA BW

Dabei sind Kinder und Jugendliche nur wenig von Erkrankungen mit dem Coronavirus betroffen. Es gibt zunehmende Hinweise, dass die Infektionen unter den Kindern und Jugendlichen – also die horizontalen Infektionen –  selbst häufig stattfinden, in den meisten Fällen aber ohne Krankheitszeichen. Gerade aus Schweden kommen Daten, die dies belegen. Das Problem sind die vertikalen Infektionen: Wenn also ein Kind die Infektion „nach oben“ zu den Eltern oder Großeltern weitergibt.

Daten des Schwedischen Gesundheitsministeriums zur Altersverteilung von Krankheitsfällen (Sjukdomsfall; linke Graphik) und Todesfällen (Avlidna, rechte Graphik), Stand: 12. Mai 2020 Quelle: Socialstyrelsen, Stockholm

Werfen wir eine Blick nach Schweden zu nehmen: Es stimmt, beim offenen Umgang mit dem Coronavirus ohne staatliche Eingriffe sind recht viele Menschen gestorben. Aber: darunter ist nur 1 Kind im Alter bis 9 Jahre und kein Jugendlicher bis 19 Jahre. Und es sind 432 Infektionen bei Kinder und Jugendlichen ab Geburt bis zum 20. Geburtstag erfasst worden bei über 10 Millionen Einwohnern. Diese Daten können Mut machen, Schulen und KiTas zu öffnen. Parallel müssten weitere Maßnahmen diskutiert werden, um Erwachsene und insbesondere alte Menschen zu schützen. Dass Oma und Opa den Enkel aus der KiTa abholen, wird lange nicht möglich sein.

Folgende fünf Themen zum Thema Coronavirus-Infektionen bei Kindern haben wir für Sie aufbereitet:

1. HEROS-Studie untersucht Bedeutung von COVID-19 bei Kindern

Das National Institute of Health (NIH) in den USA hat die Human Epidemiology and Response to SARS-CoV-2 (HEROS) – Studie aufgelegt. Mit deren Informationen sollen die Besonderheiten der Coronavirus-Infektionen bei Kindern aufgeklärt werden. Dazu werden mindestens 6000 Personen aus 2000 Familien untersucht. Die Untersuchung erfolgt prospektiv. Das bedeutet, die Daten werden über zumindest weitere 6 Monate immer wieder erneut erhoben. Somit erfahren wir auch, wie sich Kontakte zu Coronaviren über die nächste Zeit entwickeln.

Sicher kennen Sie noch aus den Nachrichten den Direktor des NIAID (National Institute of Allergy and Infectious Diseases) Anthony S. Fauci. Das ist der freundliche kleine Mann, der als Berater des amerikanischen Präsidenten in Sachen Corona aktiv war und bei dessen Pressekonferenzen sich gelegentlich an den Kopf fasste. Er sagt zum Ziel dieser Studie, was Sie als Leser des praxisblättle schon länger wissen: “One interesting feature of this novel coronavirus pandemic is that very few children have become sick with COVID-19 compared to adults. Is this because children are resistant to infection with SARS-CoV-2, or because they are infected but do not develop symptoms? The HEROS study will help us begin to answer these and other key questions.”

So schätzen wir es ein: Endlich werden die Corona-Erkrankungen bei Kindern in einer Langzeitstudie erforscht. Erste Ergebnisse sind vor Juni jedoch nicht zu erwarten.

2. Corona- Kinderstudie Baden-Württemberg: Ein erster Blick

Auch im Ländle wurde gerade eine Studie aufgelegt, die den Stellenwert von Coronaviren bei Kindern von 1 bis 10 Jahren untersuchen wird. Beteiligt sind alle vier großen Universitätskliniken des Landes in Heidelberg, Freiburg, Tübingen und Ulm. Geplant ist, insgesamt  2000 Kinder in die Studie aufzunehmen. Diese Studie wirft zunächst nur einen Blick auf die jetzige Situation und untersucht die Kinder nicht langfristig. Wir können absehbarer Zeit damit rechnen, mehr über die Bedeutung der Coronaviren bei Kindern in unserem Land zu erfahren. Mit solchen Daten wird es für die die Politik einfacher, Entscheidungen über die Öffnung von KiTas, Schulen und anderen Angeboten für Kinder zu treffen.

3. Selten heißt nicht harmlos: Schwere COVID-19 bei Kindern

Es gibt zunehmend Veröffentlichungen über COVID-19-Verläufe bei Kindern. Schwerste COVID-19-Erkrankungen auf 46 Intensivstationen in den USA und Canada hat eine Studie um Lara S. Shekerdemian und Mitarbeiter dokumentiert, die von Mitte März bis Anfang April  stationär aufgenommen wurden. Es handelt sich um 48 Kinder, von den 83% eine Grunderkrankung hatten. Von allen Kindern wurden 73% wegen  Atemproblemen vorgestellt, 18 (38%) mussten beatmet werden.  Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung waren zwei Kinder verstorben, vier weitere waren noch in sehr kritischen Zustand. Damit liegt die Rate der tödlichen Verläufe einer Intensivbehandlung von Kindern mit COVID-19 unter 5%, während sie bei Erwachsenen immer über 50% liegt. Bis zum 28. April 2020 verstarben am Corona-Virus 8 Kinder unter 14 Jahren. An der Influenza (Grippe) verstarben in der Saison 2019/2020 deutlich mehr, nämlich 169 Kinder in der gleichen Altersgruppe.

So schätzen wir es ein: Kinder erkranken eher selten an COVID-19. Aber auch bei Ihnen gibt es schwerste Verläufe mit Todesfolge, jedoch deutlich seltener als bei Erwachsenen. Und es sind  weit weniger Todesfälle als bei der Grippe, deren Todesrate allein in diesem Jahr 10 x höher lag.

4. Atypische Kawasaki-Syndrome?

Die ersten Berichte über das Kawasaki-Syndrom haben weitere Veröffentlichungen ausgelöst. Besonders überraschend ist die Arbeit von Luico Verdoni und Mitarbeitern aus Bergamo, wo das Coronavirus heftig gewütet hatte. Sie berichten von einer 30-fachen Häufigkeit des Kawasaki-Syndroms mit zwei Unterschieden:

  • Die Diagnose des Kawasaki-Syndroms wird am gleichzeitigen Auftreten verschiedener Symptome gestellt. Die Verläufe in Bergamo, erfüllen diese strengen Kriterien nur in der Hälfte der Erkrankungen
  • Die Krankheitsverläufe sind oft deutlich heftiger als bei den bisherigen Verläufen
  • Beim typischen Kawasaki-Syndrom erkranken Kleinkinder. Bei den jetzt beschriebenen liegt das Durchschnittsalter bei 7.5 Jahren.

Aus anderen Ländern kommen ähnliche Daten. Auch sie berichten von schweren Verläufen die dem Kawasaki-Syndrom ähneln und zeitversetzt nach einer Coronainfektion auftreten. Deswegen nennen sie das Krankheitsbild auch atypisches Kawasaki-Syndrom. Die Amerikaner sprechen vom „pediatric multi-system inflammatory syndrome“, das alleine in New York 85 Mal vorkam mit 3 Todesfällen. Für Deutschland stehen vergleichende Daten noch aus.

5. COVID-19 bei Kindern mit Krebs

Bei den dramatischen Meldungen , gehen gute Nachrichten gehen fast unter. Aber es gibt sie. Kinder und Jugendliche mit Krebs sowie deren Eltern können sich aber freuen. Erste Daten aus New York zeigen, dass eine Krebserkrankung im Kindesalter wohl kein Risikofaktor ist, um häufiger an COVID zu erkranken. In ihrer Studie haben dies Farid Boulad und Mitarbeiter vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center in Manhattan belegt. So wurden von allen Kindern, die selbst Symptome von COVID-19 zeigten oder Kontakt zur COVID-19-Erkrankten hatten 29,3% positiv auf das Virus getestet. Bis auf eines konnten aber alle Betroffenen ambulant behandelt werden und hatten einen milden Verlauf.

Von allen 120 Kinder ohne Kontakt zu Coronaviren und ohne Symptome für COVID-19 wurden nur 3 (2,5%) positiv auf das SARS-CoV-2 getestet. Bei deren Eltern betrug diese Rate jedoch 17,6%. Das bedeutet, dass Kinder mit einer Krebserkrankung auch dann kaum an COVID-19 erkranken, wenn ihre Eltern mit dem Virus behaftet sind.

EXTRA-blättle: Coronaviren bei Kindern (01)

Erkrankungen mit dem neuen Coronavirus (SARS-CoV-2) sind seit knapp 4 Monaten bekannt. Inzwischen ist die Infektion sogar bei fünf Tigern und drei Löwen im Zoo der Bronx (New York) gesichert worden.

Die Infektion mit dem Coronavirus wird COVID-19 genannt. Dieser Name bedeutet: Corona Virus Disease, die im Jahre 2019 erstmals auftrat.

Welche Symptome treten auf?

Genau genommen gibt es keine typischen Symptome. COVID-19 zeigt sich mit den Zeichen eines üblichen Infektes: Fieber, Husten. Abgeschlagenheit. Bei schwereren Verläufen kommt Kurzatmigkeit und Atemnot hinzu. Manchmal treten Symptome auf, die typisch auf COVID-19 hinweise wir Störungen des Geschmack – und Geruchssinns.

Wie wird die Diagnose gesichert?

Sie beruht in aller Regel auf den passenden Symptomen zusammen mit einem Nachweis des Virus im Nasen-Rachen-Abstrich, meist als sog. RT-PCR. Bei dieser Methode werden Bruchstücke des Genmaterials (RNA) vom Virus nachgewiesen. Die PCR ist sehr empfindlich („Sensitivität“) und kann auch kleinste Mengen Genmaterial erfassen. Wie empfindlich sie für das neue Coronavirus ist, ist noch nicht genau bekannt. Hingegen gibt es erste Hinweise, dass der Abstrich den Befall mit dem Virus gut erfasst („Spezifität“). Ist also jemand mit dem SARS-CoV-2 befallen, so wird der Test dies auch anzeigen. Wir können uns also darauf verlassen, dass ein positiver Test stimmt.

Antikörpernachweis von Coronaviren in einigen Regionen weltweit. Quelle: Economist

Antikörper gegen COVID-19 lassen sich inzwischen auch im Serum (Blut) nachweisen. Dazu gibt es verschiedene Tests mit sehr unterschiedlicher Aussagekraft. Die Abbildung links zeigt einen Vergleich zwischen den offiziell bekannten Erkrankungen und den Ergebnissen von Antikörper-Tests. Diese sind jedoch mit großen Unsicherheiten behaftet, weil die untersuchten Personen nicht dem Bevölkerungsdurchschnitt entsprachen. Einige Tests beruhen auf Blutspenden (von denen die Alten ausgeschlossen sind) oder auf einem Facebook-Aufruf, der ebenfalls eher junge Menschen erreicht. Es fällt aber auf, dass tendenziell wohl mehr Menschen am Virus erkrankten als offiziell bekannt wurde. Besonders auffallend ist, dass in New York etwa 2-3% der Bevölkerung erkrankt war, aber über 20% im Blutest Antikörper auswiesen, also bereits eine Infektion hinter sich hatten. Vergleichbares gilt für Gangelt im Kreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen.

Wann sollte ein Abstrich bei meinem Kind gemacht werden?

Seit Ende April wird ein Abstrich bei allen Menschen empfohlen, die Symptome einer Atemwegsinfektion haben, auch wenn kein Kontakt zu einem an COVID-19-Erkrankten bestand. Die Einzelheiten sind im Flussschema des RKI vom 22.04.2020 aufgeführt. Bitte beachten Sie hier die rechte Spalte „kein Kontakt“.

Sind auch Kinder stark ansteckend?

Diese Frage bewegt im Moment die Wissenschaft. Um es gleich vorweg zu sagen: Wir werden diese Frage momentan nicht genau beantworten können. Durch die spezielle Situation („Shutdown“) sind erforderliche Studien (sog. Schul- oder Haushaltskontaktstudien) nicht möglich. Es können also nur indirekte Faktoren geprüft werden. Und hier fiel den Forschern um Prof. Christian Drosten von der Charité auf, dass die Viruslast, also die Zahl der Viren im Rachen, bei Kindern ebenso hoch war wie bei Erwachsenen.

Inzidenz von COVID-19 in Baden-Württemberg. Die Säulen zeigen an, wie viele Personen einer Altersgruppe (bezogen auf 100.000) an COVID-19 erkranken. Quelle: LGA Baden-Württemberg

Kinder haben aber auch weniger Symptome. Sie husten also seltener. Das könnte bedeuten, dass sie andere Menschen weniger anstecken. Aber wissen tun wir das bislang nicht. Sicher ist nur, dass sie deutlich seltener krank werden als Erwachsene. Ob sie aber zur schnellen Verbreitung der Erkrankung beitragen, ist weiterhin umstritten.

Werden KiTas und Schulen bald wieder geöffnet?

Das ist eher unwahrscheinlich. Denn bislang fehlt uns ein Mittel, um das Virus direkt bekämpfen zu können. Wir keine Aussicht auf ein rasch und sicher wirksames Medikament. Eine Impfung ist in diesem Jahr ebenso wenig zu erwarten. Berichte, wonach der eine oder andere Impfstoff schon im Herbst verfügbar sein könnte, sind unseriös und spielen nur mit unserm Wunsch, dass diese schwierige Situation bald vorbei sein sollte. Die Stellungsnahme der Wissenschaftler von vier wichtigen Forschungsverbänden beschreibt unsere Situation realistisch und ohne Schnörkel. Demnach müssen wir uns auf eine längere Zeit der Kontaktbeschränkungen einstellen. Was das im einzelnen bedeutet haben die Forscher hier zusammengefasst.

Wie sehr werden Kinder von COVID-19 bedroht – ist es für sie tödlich?

Kinder und Jugendliche erkranken seltener und schwächer als Erwachsene. COVID-19 bedroht Menschen umso mehr, je älter sie sind. Aber, es kann in jeder Altersgruppe gefährlich werden. Todesfälle kommen bei Kinder selten vor. Für die USA mit 328 Millionen Einwohnern meldet die CDC bislang neun COVID-19-Todesfälle für Kinder von 0-14 Jahren (Stand 01. Mai 2020).

Wöchentliche Sterbefälle in Europa. In grau sind die Jahr 2009-2019 dargestellt, in orange das Jahr 2020. Die obere Graphik zeigt die Kurve der 15-64-Jährigen, die untere die der 0-14 Jahre alten Kinder und Jugendlichen. Quelle: EuroMOMO nach Economist

Die untere Gruppe zeigt, dass die Sterberate für Kinder und Jugendliche in den Corona-Wochen sogar nach unten geht. Das Kontaktverbot hat nachweislich zu weniger Infekten überhaupt geführt. Und zu weniger Teilnahme am Straßenverkehr. Dadurch sind – bei allem Ärger über die Enge zuhause – manche Todesfälle verhindert worden. Corona hat insofern auch – wenngleich selten – gute Folgen gehabt

Was geht rum? 28. März 2020

Während wir uns im Social Distancing üben, ist die Zahl der COVID-19-Kranken weltweit auf über eine halbe Million angestiegen. Auf den Straßen ist spürbar weniger los. Trotzdem bekommen die meisten Menschen kaum direkt mit, was das Coronavirus ausrichtet. Zahlen sind so abstrakt. Allein in Freiburg wurden am Donnerstag 50 Menschen wegen COVID-19 beatmet. Bei dieser hohen Zahl schwer Erkrankter verwundert nicht, dass Freiburg seit heute 5 Corona-Tote meldet. Und dass dort die Zahl der COVID-19-Erkrankten auf 141 – bezogen auf 100.000 Menschen – anstieg. Damit liegt die Breisgaumetropole aber noch deutlich hinter Tübingen (238), das mittlerweile Platz 4 unter den am meisten betroffenen Stadt- und Landkreisen in Deutschland einnimmt. Stark betroffen sind aber auch ländliche Kreise wie Sigmaringen (180) und ganz besonders der Hohenlohekreis mit 312 COVID-19-Fällen auf 100.000 Einwohner.

COVID-19-Fälle auf 100.000 Einwohner in Baden-Württemberg (Stand: 27.03.2020). Je dunkler die Farbe, umso höher liegt die Zahl der Erkrankten. Der tiefblaue Kreis hat >250, die dunkelblauen >100 Erkrankungen auf 100.000 Einwohner. Bei den hellen Kreisen sind es < 50 auf 100.000 Einwohner. Quelle: RKI

Ein deutscher Kinderarzt, der in Brescia in Italien arbeitet, hat gerade einen Bericht an die Kollegen in Deutschland versandt. Die gute Nachricht: Kinder sind selbst in Italien nur wenige erkrankt (etwa 300). Fast alle von ihnen nur leicht. Sie benötigen allenfalls Sauerstoff. Was aber die Erwachsenen betrifft ist die Situation erschreckend. Mauern niedergerissen um Sauerstoff-Leitungen zu verlegen, Klinik-Küchen werden zu Intensivstationen umgebaut und Pfleger, Schwestern und Ärzte arbeiten rund um die Uhr. Auszubildende müssen voll mitarbeiten. Wartezimmer sind kahl, in den Ecken ein Stuhl. Sein Bericht endet: „Bereitet Euch also gut vor, es kommt schlimmer und schneller als ihr denkt!

Für Familien mit Kindern stellt sich die Frage, wie groß ist eigentlich das Risiko für meine Kinder? Laut RKI sind heute 42.288 Personen an COVID-19 erkrankt (27. März 2020, Daten des RKI). Davon sind 1143 Kinder und Jugendliche im Alter von 0 -14 Jahren. Also 2.7% aller jetzt Erkrankten sind Kinder. Ihr Anteil an der Bevölkerung liegt aber fünf Mal höher (13.5%). Im Umkehrschluss zeigen die Daten, dass Kinder offensichtlich seltener an COVID-19 erkranken. Diese Tendenz wird auch durch erste Veröffentlichungen aus China bestätigt. So berichten Haiyan Qiu und Mitarbeiter über die Behandlung von 36 Kindern (Durchschnittsalter 8 Jahre), die alle nach 14 Tagen als geheilt aus der Klinik entlassen werden konnten. Eine andere Studie Lingkong Zeng und Mitarbeiter untersuchte Neugeborene, deren Mütter in der Schwangerschaft an COVID-19 erkrankt waren. Unter den 33 Neugeborenen erkrankte eines schwer. Letztlich wurden alle wieder gesund.

Sicher können auch Kinder als gesunde Überträger das Virus weitergeben. In welchem Umfang aber die Kinder zur Verbreitung von COVID-19 beitragen, das wissen wir eigentlich nicht so richtig. Für so eine wichtige Gruppe in unserer Gesellschaft wäre das aber dringend geboten. Insbesondere, weil die Isolierung von Kindern eine extreme Belastung für die Kinder selbst und die Familien darstellt.

Das Virus mag den sichtbaren Alltag verlangsamen, aber in Bezug auf die politischen Prozesse und ganz besonders die Digitalisierung ist SARS-CoV-2 ein Beschleuniger. Die Nutzung des Internets feiert fast täglich Rekorde. Die stärksten Nutzer sind Netflix, YouTube und Co. Sie machen über 60% des Datenvolumens aus. Damit es nicht zu Engpässen kommt, haben die Dienste die Übertragungsrate ihrer Produkte um 25% gedrosselt. Filme und Serien sind ab jetzt nur noch in SD-Format statt HD zu sehen.

Aber es gibt viele Alternativen zu den Medien. Was können Kinder unter den schwierigen Bedingungen in einer kleinen Wohnung noch tun? Hier ein paar Anregungen:

Bärlauch in unseren Wäldern. Ein wichtiges und würziges Wildkraut, das unsere Küche bereichert    Quelle: ptw

Außen-Aktivitäten

Familien (so sie in einem Haushalt leben) dürfen ganz offiziell gemeinsam nach draußen gehen.

  • In den nächst gelegenen Wald gehen und den Vögeln zuhören, die gerade jetzt sehr singfreudig sind. Sie als Eltern können die Vogelstimmen nicht unterscheiden? Gut, dann lernen auch Sie dazu. Zur Vorbereitung kann man sich hier auf der Seite des NABU darauf einstimmen. Vom NABU und anderen Anbietern (teilweise kostenpflichtig) gibt es diese Informationen auch als App.
  • Im Wald können die ersten Triebe von Pflanzen (Farne, Waldmeister u.a.) beobachtet werden.
  • Im Wald Bärlauch ernten, um die eigene Küche mit diesem Wildkraut zu bereichern. Anfänger sollten sich zuvor über die Unterscheidung zu Maiglöckchen informieren. Deren Blätter sind nämlich giftig, aber recht einfach zu unterscheiden. 
  • Oder: Der Wald ist voller Material, das zu Hause kreativ für ein Kunstwerk eingesetzt werden kann – ob Holzstücke, Äste, Blätter oder Eicheln. Die Phantasie liegt nicht rum, aber sie schlummert in uns.
  • Steine gibt es überall. Unbeachtet, haben sie teilweise eine wunderbare Schönheit. Einfach mal anfangen und mit einem Vergrößerungsglas oder einer Lupe zuhause anschauen.
  • Enten füttern mit den Kleinen.

Spiele spielen Quelle: ptw

Innen-Aktivitäten

Kinder und Jugendliche spielen gerne.

  • Mensch-ärgere-Dich-nicht. Irgendwo wird es noch herumliegen. Das spielen alle gern. Und später kommen je nach Alter Spiele wie Uno, skip-bo oder Quirkle dran. 
  • Collagen basteln – beispielsweise mit Materialien aus dem Wald.
  • Auf einer alten Matratze rumhüpfen. Oder im Garten auf einem Trampolin. Das sollte vor der ersten Nutzung in diesem Jahr kontrolliert werden: Sind die Federn korrekt eingehängt und gespannt? Ist die Sprungmatte ohne Risse?
  • ein Puzzle zusammensetzen.
  • Pustebilder, sehr lustig (nicht immer für Eltern, wenn’s zu wild wird). Einen Klecks Wasserfarbe aufs Papier geben. Dann die Farbe mit Hilfe eines Strohhalms auf dem Papier verpusten. 

Von Tag zu Tag verstehen wir das SARS-CoV-2 besser. Eine kürzlich in Lancet Infectious Diseases veröffentlichte Studie aus Hongkong zeigt zwei Erkenntnisse. Zum einen bildet der Körper bereits 10 Tage nach Auftreten der Krankheit spezifische Antikörper aus, die vermutlich vor weiteren Infektionen schützen. Damit lässt sich künftig eine durchgemachte Krankheit im Blut nachweisen. Zumindest für Forschungszwecke. Zum anderen kann die Ausscheidung von Viren bis zu 20 Tagen dauern. Die Genesung von dieser Krankheit kann also dauern.

Einige Familien können durch das Coronavirus in wirtschaftliche Nöte kommen. Sie sollten sich informieren, ob ihnen ein Kinderzuschlag zusteht. Dazu gibt es Anhaltspunkte:

  • Wer kein Arbeitslosengeld II bezieht und wenig verdient kann unter bestimmten Voraussetzungen einen Zuschlag zum Kindergeld erhalten.
  • Möglich sind bis zu 185 Euro je Kind monatlich (bezahlt durch die Familienkasse)
  • Den Kinderzuschlag gibt es ab einem monatlichen Einkommen von 900 Euro, bei Alleinerziehenden ab 600 Euro. Mit steigendem Einkommen sinkt der Zuschlag.
  • Sollte der Verdient durch die Corona-Krise kurzfristig niedriger sein, kann ein Anspruch auf einen Notfall-Kinderzuschlag bestehen. 

Ob tatsächlich ein Anspruch besteht, kann man beim KiZ-Lotze der Bundesagentur für Arbeit prüfen. Der Antrag kann hier online gestellt werden.

Belastung durch Birkenpollen in Basel Quelle: pollenundallergie.ch

Am Oberrhein ist die Birkenpollensaison eröffnet. Abhängig von der Wärme bewegten sich die Konzentrationen in der letzten Woche zwischen schwach und extrem stark. An diesem Wochenende mit den frühlingshaften Temperaturen dürfte wieder ein sehr starker Pollenflug zu erwarten sein.

Was geht in der Welt rum? Im Moment beherrscht das Coronavirus die ganze Welt. Bislang scheint Afrika weitgehend ausgenommen. Das könnte daran liegen, dass das warme Klima das Virus ebenso ausbremst wie bei uns sonst die Influenza (Grippe). Es gibt einige Forscher, die das vermuten. Es könnte aber auch sein, dass in den armen Ländern keine Ressourcen bestehen um nach dem Virus zu fahnden. Auffällig ist jedenfalls, dass die gut entwickelten Staaten Südafrika, Ägypten und Algerien die höchsten Erkrankungszahlen melden, während am anderen Ende Süd Sudan, Burundi und Eritrea liegen, die alle zu den Ärmsten der Region gehören. Von Reisen dorthin ist trotz der niedrigen oder fehlenden Erkrankungen abzuraten.

Heute fasst es Lorenz Maroldt vom Berliner Tagesspiegel Checkpoint treffend zusammen: „Corona ist eine Prüfung, ein Überfall auf die Welt. Aber anders als andere Generationen zuvor müssten die Menschen heute nicht einmal kämpfen, um den Angreifer abzuwehren. Sie müssten ihm nur aus dem Weg gehen, ihm ausweichen, anstrengungslos. Der beste Platz dafür ist das Sofa. Es ist so leicht, so absurd – aber vielleicht gerade deshalb so schwer zu verstehen.“  

Ich wünsche Ihnen eine anhaltend gute Gesundheit und weiterhin Gelassenheit, die täglich neuen Herausforderungen des Lebens zu meistern. Gemeinsam – mit der Familie und Ihren Freunden – werden Sie stärker. Gerade in der Krise. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff

Warum Toilettenpapier?

Die Unsicherheit, die das Coronavirus auslöst, treibt die Menschen in die Geschäfte, um sich mit wichtigen Waren einzudecken. Das ist nachvollziehbar. Die Hamsterkäufe machen ja nur die anderen. Am Samstag war einer der bekannten Discounter in meiner Nachbarschaft voller Menschen, vor der Kasse bildeten sich Schlangen. Mit meinen zwei Produkten in der Hand (saure Sahne, eine Packung gefrorene Erbsen) kam ich mir richtig komisch vor. Die Einkaufs-wägen waren voller H-Milch, Dosenwurst oder Nudeln. Vernünftige Sachen.

Interessanterweise gab es sogar Toilettenpapier. Es war am Morgen, und die vielleicht sieben Packungen lagen friedlich und einsam im Regal. Wie ich hörte, waren in den Tagen zuvor Menschen über 25 Kilometer gefahren, um an Toilettenpapier zu kommen.

Wie der Autor eines Berichts im Berliner Tagesspiegel dachte ich zuerst auch, dass wir Deutsche einen Hang zur analen Phase haben. So wurde vor etwa 100 Jahren von Sigmund Freud eine Entwicklungsphase bezeichnet, in der das zwei- bis dreijährige Kind die Lust am Produzieren, Hergeben und Verweigern lernt. Die Darmentleerung wird vom Kind als lustvoll und „gut“ erlebt, von der Umgebung aber als „böse“. Viele Eltern nennen das ausgeschiedene Produkt denn auch „bäh“, was ich schon immer seltsam fand. Und es gilt bis heute als ein elterlicher Erfolg, wenn Kinder früh „sauber sind“. Was in den folgenden Jahrzehnten dazu führt, das dieses Thema eine lebenslange Belastung bleibt. Ich sage nur mal Dulcolax.

Der anale Charakter wird logischerweise mit Begriffen wie ordnungsliebend, penibel, starrsinnig, zwanghaft und sparsam umschrieben. Typisch Schwabe? Typisch deutsch? Mitnichten.

Gerade erfahre ich, dass auch in Washington D.C. (USA) eines in den Supermärkten vergriffen ist: Toilettenpapier. Ich bin verzweifelt. Meine Erklärungsversuche sind am Ende.

Haben Sie eine Idee?

Was geht rum? 14. März 2020

Vermutlich nimmt bei Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, die Verwirrung in diesen Tagen täglich oder stündlich zu. Nun hat sogar der Vatikan die Schließung aller katholischen Kirchen in Italien verfügt. Seltsame Zeiten. Nein, das ist keine Science Fiction. Wir erleben eine Krankheit, COVID-19 genannt, die sich über den Erdball ausbreitet. Und gleichzeitig erleben wir persönlich von dieser Krankheit in den meisten Fällen nichts. Außer den Folgen von Sorgen, Angst oder Panik. Was sollen wir also glauben? Hier dazu sechs Fakten.

Erstens. Der amerikanische Präsident hat den Schuldigen gefunden. Das SARS-CoV-2 Virus sei ein „ausländisches Virus“. Sehr praktisch. In der Geschichte gab es mehrfach Versuche, „Ausländer“ zu brandmarken. Zum Beispiel die Syphilis (Geschlechtskrankheit). Die Franzosen nannten sie seinerzeit „englische Krankheit“, die Engländer „französische Krankheit“. Grenzen können nicht effektiv geschlossen werden, weder damals, noch heute. Es ist für uns wenig bedeutsam, wo das Coronavirus herkam. Wichtig ist, es breitet sich weltweit aus. Und wir sollten dazu beitragen, dass diese Verbreitung weniger heftig verläuft.

Zweitens. Länder sind unterschiedlich organisiert und haben Gesundheitssysteme, die mal besser, mal weniger gut aufgestellt sind. Das erklärt zum Teil, warum die Erkrankungsfälle und Todesfälle von Land zu Land so stark variieren. Aber eben nur zum Teil. Großteils wissen wir und unsere Experten noch zu wenig über diesen Erreger. Aber wir alle lernen täglich dazu.

Wasser und Seife – alles was es braucht, um das Risiko für Ansteckung drastisch zu senken Quelle pixabay; Susanne Jutzeler

Drittens. Für uns in Baden-Württemberg ist im Moment noch alles ziemlich gut. Nach Angaben des SWR sind, Stand diese Woche, 2,5 von 100.000 Menschen infiziert. Von diesen sind 80% nur leicht betroffen. Das ist eine gute Basis. Weil wir bereits wissen, dass das Coronavirus sich rasch ausbreiten kann, helfen Hygienemaßnahmen (wie das Händewaschen) und die Vermeidung großer Menschenansammlungen enorm, um eine schwere Epidemie im Ländle zu vermeiden.

Viertens. Wie erklärt sich, warum wir trotz der wenigen Infektionen im Lande so vorsichtig sein sollen? Die Ausbreitung von Krankheiten hängt von einer Reihe Faktoren ab. Dabei sind viele wie die Inkubationszeit (Zeit zwischen Ansteckung und Erkrankung), die Latenzzeit (Zeit bis eine angesteckte Person selbst für andere anstecken wird) und die Zeit der Ansteckungsdauer nicht veränderbar. Sie sind vom Erreger, also hier dem Coronavirus, vorgegeben. Worauf wir als Menschen einen Einfluss haben, ist die Basisreproduktionszahl Ro. Diese Zahl zeigt an, wie viele Personen ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt. Beim SARS-CoV-2-Erreger sind das nach den bisherigen Forschungen 2,4 – 3,3 Personen. Nach statistischen Analysen würde dies bedeuten, dass zwei Drittel der Bevölkerung über die kommenden Monate angesteckt würden, bevor sich niemand mehr anstecken kann. In China lag diese Zahl Ro nach einer letzten Studie im Januar bei 3,86 und wurde durch die drastischen Maßnahmen wie die Abschirmung von Millionenstädten auf Ro=0,32 Mitte Februar gesenkt. Man hatte also erreicht, dass es nur jedem dritten Infizierten gelang, eine weitere Person zu infizieren.

Bodensee im Frühling   Quelle   ptw

Fünftens. Viele versuchen die Angst zu schüren und den Weltuntergang zu beschwören, besonders die Börse, die vor wenigen Tagen noch ihre Rekorde feierte. Wir sollten aber wissen, dass die Verbreitung des Coronavirus ähnlich verläuft wie beim Influenzavirus und anderen Viren auch. Erkrankungen mit diesen Viren haben wir alle durchgemacht. Und überstanden. Wir dürfen also entspannt bleiben, sollten aber unseren Alltag anders organisieren. Statt großer Feste können wir schöne Spaziergänge in der erwachenden Natur machen. Für Baden-Württemberg hat die Regierung entschieden, dass ab Dienstag der kommenden Woche alle Kindergärten und Schulen bis zu den Osterferien geschlossen werden. Dann wird es für die berufstätigen Eltern der etwa 2 Millionen Schüler mühsam. Sie müssen ihren Alltag umkrempeln und im engeren Umfeld nach Lösungen suchen, wie ihre Kinder tagsüber betreuen (lassen) können. Eltern, die beide in einem „besonders sensiblen Beruf“ (Polizei, Feuerwehr, Gesundheit u.a.)  arbeiten, erhalten Hilfe vom Land.

Sechstens. Eine Impfung ist in diesem Jahr realistischerweise nicht zu erwarten. Sollte eine entwickelt sein, bräuchte sie noch Monate, um ihre Wirksamkeit und gute Verträglichkeit zu belegen. Wer anderes sagt hat im besten Fall wenig Ahnung. Es gibt im Moment aber eine kleine Aussicht auf eine ursächliche Therapie. Die Substanz heißt Remdesivir und wurde ursprünglich als Therapie gegen das Ebola-Virus entwickelt. Von ihr ist bereits bekannt, dass sie gut verträglich ist. Zwei Studien versuchen gerade zu erforschen, ob sie auch eine ausreichende Wirkung hat. Mit Ergebnissen – sagen die Forscher – könnte in einem Monat zu rechnen sein.

Kinder und Jugendliche können vermutlich zur Ausbreitung der COVID-19 beitragen, erkranken aber selten daran. Wenden wir uns also den Krankheiten zu, die die Jüngsten im Lande persönlich jetzt härter treffen könnten. Wie erwähnt, ist die Influenza die häufigste und schlimmste Infektion im Ländle in diesen Tagen. Die Hygienemaßnahmen (Händewaschen, Reinigen von Türklinken etc.) helfen auch gut gegen die Grippe. Geimpfte Personen haben etwa ein halb so großes Risiko krank zu werden. Immerhin. Es gibt noch einige weitere Viren, die Atemwegsinfekte auslösen: das RS-Virus, das humane Metapneumovirus (HMPV), das Rhinovirus, das Adenovirus , einige Parainfluenzaviren und – erschrecken Sie nicht – die Coronavirus-Typen 229E (CoV 229E), OC43, NL63 und HKU1 (seit den 1960ger Jahren wurden weltweit mehr als 40 verschiedene Coronaviren entdeckt). Letztere sind also schon Jahrzehnte unterwegs und befallen Kinder. Man weiß, dass etwa 15-30% aller „Erkältungen“ der letzten Jahrzehnte auf ein Corona-Virus zurückgehen und meist harmlos verlaufen. Alle lösen in unterschiedlichem Ausmaß Schnupfen, Husten und Fieber aus. Und gegen alle hilft was wir täglich hören und hier lesen: Hygiene, meiden großer Menschenansammlungen.

Eschenpollen-Konzentrationen der Pollenfalle in Münsterlingen (Schweiz)  Quelle  www.pollenundallergie.ch

Ach so, es gibt ja noch die Pollen. Fast vergessen. Die Zeit der Hasel- und Erlenpollen ist vorbei. Der Flug der Eschenpollen hat bereits eingesetzt, obwohl dies im langjährigen Mittel erst Anfang April zu erwarten wäre. Es ist mit mittleren Konzentrationen zum Wochenende und einer weiteren Zunahme in der kommenden Woche zu rechnen.

Eigentlich wollte ich in diesem praxisblättle vom Kongress der amerikanischen Allergologen (AAAAI) in Philadelphia berichten, wo ich selbst an diesem Wochenende ein Poster über eine Studie zu Allergien und Asthma bei Kindern in Madagaskar vorstellen wollte. Zu Recht wurde dieses Meeting wegen der Pandemie abgesagt und so erlebe ich den zarten Frühlingsbeginn in Oberschwaben.

Was geht in der Welt rum? Das Hauptthema weltweit bleibt das SARS-CoV-2 genannte Coronavirus. Glücklicherweise löst es bei Kindern und Jugendlichen nur selten eine Krankheit aus. Aber das Ansteckungsrisiko ist auf allen Reisen nachweislich höher – für Coronaviren wie für Influenzaviren. Insofern ist es im Moment ratsam, sich mit Kindern nicht auf grössere Reisen zu begeben (sofern überhaupt Flüge möglich sein sollten). Schwerwiegender als die beiden Viren ist beispielsweise das Gelbfieber-Virus in Brasilien, das bereits zu mehreren Todesfällen in diesem Jahr führte. Dagegen gibt es aber eine hervorragend wirksame Impfung. Bei Reisen in exotische Länder sind im Moment die Gefahren höher als sonst. Wer nicht aus beruflichen Gründen losziehen muss, bleibt lieber im Land. Der Schwarzwald hat auch seine Reize!

Ich wünsche Ihnen für das Wochenende viel Sonnenschein und schöne Spaziergänge mit Ihren Kindern. Und bleiben Sie nächste Woche mutig, auch wenn’s manchmal mühsam sein sollte. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff