Schlagwort: COVID-19

Was geht rum? 02. Oktober 2021

Nicht so selten: Corona-Komplikationen bei Kindern 

Bald mRNA-Grippe-Impfstoff?

Krupphusten und Hand-Fuß-Mund-Krankheit

Meningokokken-Meningitis im Kongo

Morgens erwachen viele mit Nebel vor der Haustüre. Der Herbst hat uns wieder. Die Zeit der Infekte beginnt bald. Auch wenn die Zahl der Neuerkrankungen mit COVID-19 schwanken ist klar, dass uns eine Welle in den kommenden Monaten bevorsteht. Was bedeutet das aber für Kinder? Etwa jedes hundertste Kind in Deutschland muss stationär behandelt werden. Ein Grund dafür ist das PIMS (Pädiatrische Inflammatorische Multiorgan-Syndrom), eine schwere entzündliche Erkrankung, die einer Coronainfektion folgen kann und die bei einem von 1000 – 5000 Kindern auftritt. Das PIMS betrifft besonders Schüler (9-13 Jahre) und endet – gemessen an den Zahlen aus den USA – in fast 1% der Fälle tödlich.

Der amerikanische Konzern Pfizer und die deutsche BioNTech haben einen mRNA-Impfstoff gegen die Grippe entwickelt. Momentan startet einen Studie an 600 Menschen im Alter von 65 bis 85 Jahren. Bisherige Impfstoffe gegen die Grippe haben nur eine Wirksamkeit um 50%, während die mRNA-Impfstoffe gegen das Coronavirus die Krankheit zu etwa 95% verhindern konnten. Es besteht Hoffnung auf einen verbesserten Schutz gegen die Influenza.

Die Pollen verabschieden sich in diesen Tagen. Am Bodensee und Oberrhein gibt es noch eine minimale Konzentration von Gräserpollen, die aber vermutlich für keinen Allergiker mehr spürbar ist. Die Erkältungsinfekte der letzten Wochen halten an, in den kommenden Wochen muss wieder mit dem Krupphusten gerechnet werden. Alle Eltern von betroffenen Kindern sollten jetzt überprüfen, ob Notfallmedikamente zuhause verfügbar sind. Die Hand-Fuß-Mund-Krankheit hat saisonal wieder Einzug gehalten. Ausgelöst wird sie häufig durch Coxsackie A-16-Viren, die als Komplikation zu Herzmuskelentzündungen (Myokarditis) führen können – wie das Coronavirus oder in seltenen Fällen auch die Impfung gegen das Coronavirus mit dem mRNA-Impfstoff.

Was geht in der Welt rum? Die Entzündung der Hirnhäute – medizinisch Meningitis – kann durch verschiedene Erreger erfolgen. Zu den gefährlichsten gehören die Meningokokken. In der Demokratischen Republik Kongo ist es in den letzten Wochen zu einem Ausbruch mit über 600 Verdachtsfällen gekommen, 161 Menschen sind an der Meningokokken-Meningitis verstorben. Das Kongobecken gehört zum „Afrikanischen Meningitisgürtel“, einer Kette von Ländern, in denen es zur Trockenzeit von Dezember bis April häufiger zu schweren Ausbrüchen kommt. Eigentlich gibt es gegen die meisten Erreger dieser Meningitis hervorragende Impfstoffe. Diese werden leider häufig erst dann eingesetzt (Abriegelungsimpfung) , wenn Ausbrüche erfolgt sind. Im Impfplan der STIKO erhalten Kinder im Alter von 12 Monaten (bei der U6) eine Impfung gegen Meningokokken der Gruppe C.

Ich hoffe Sie haben Zeit, dieses herrliche Wochenende mit strahlender Sonne zusammen mit Ihrer Familie zu genießen, ganz  herzlich Ihr

 

Was geht rum? 11. September 2021

Kleine Kinder, große Übertragung: Corona-Ansteckung im gleichen Haushalt

Kindergärten: Werden sie zu Infektionstreibern?

Coronaimpfungen bei Schwangeren

Erste Masernerkrankung in Baden-Württemberg seit März 2020

Nächste Woche ist Schulbeginn in Baden-Württemberg. In Bezug auf Coronainfektionen stellt sich da auch die Frage, wer in Haushalten eine Infektion am ehesten weiterverbreitet. Dazu liegt eine aktuelle Studie aus Ontario (Canada) vor in der untersucht wurde, wie oft infizierte Kinder ihre Umgebung ansteckten. Dazu wurden 6.280 Haushalte mit an Corona infizierten Kindern  vor Ausbruch des Deltavirus beobachtet. Im Vergleich zu Jugendlichen (14-17 Jahre) waren es die Kinder von 0-3 Jahren, die am häufigsten das Coronavirus übertrugen (1,43 Mal so oft wie die Jugendlichen), gefolgt von den 4-8-Jährigen (1,40 Mal so oft). Die Kinder, für die keine Impfung zur Verfügung steht tragen somit innerhalb der Familie besonders stark zur Verbreitung des Virus bei. Für Eltern und Geschwister ist es ratsam, andere Schutzmaßnahmen (eigene Impfung !, Maske, Abstand) zu ergreifen, um eine Ansteckung zu verhindern.

Die Lage in den Kindertagesstätten ist nochmals anders. Dort arbeiten in aller Regel deutlich jüngere Menschen, die seltener geimpft sind als beispielsweise Lehrer. Die Folgen erleben bereits viele Länder wie unsere Nachbarn in der Schweiz, deren Impfquote (nach Luxemburg) die zweitniedrigste in Europa ist.

Einstellung zu Coronaimpfungen in verschiedenen Ländern Ende August 2021. Foto: Economist

Die letzten Monate zeigen, dass Impfungen sehr gut vor schweren Krankheitsverläufen schützen. In den meisten Ländern sind über 90% der COVID-19-Erkrankten in Kliniken Ungeimpfte. Was alle Länder ebenfalls eint: Die Gruppe der Noch-Impfwilligen wird immer kleiner, außer in den armen Ländern, wo bisher kaum Impfungen ankamen.

Coronaimpfungen für Schwangere werden seit Monaten diskutiert. Dabei geht es zum einen darum, Schwangere zu schützen, die im Rahmen von COVID-19 ein deutlich erhöhtes Risiko tragen. Zum anderen besteht auch Hoffnung, dass Antikörper auf das werdende Baby übertragen werden und dort auch einen „Nestschutz“ vermitteln könnten. Die STIKO hat noch keine Impfempfehlung für Schwangere gegeben, diese sei aber in Arbeit. Ein Studie aus Israel zeigt nun, dass die Schutzwirkung für Schwangere sieben Tage nach der zweitem Impfung mit dem mRNA-Impfstoff von BioNTech/Pfizer bei 96% liegt.

Die Pollen haben sich inzwischen weitgehend verabschiedet, die Zecken noch nicht. Es bleibt weiterhin sinnvoll, sich und die Kinder abends auf die kleinen Spinnentiere zu untersuchen.

Aus dem Landkreis Böblingen wird die erste Erkrankung mit Masern seit 18 Monaten gemeldet.

Infekte treten unverändert auf. Die Mehrheit ist momentan nicht durch das Coronavirus ausgelöst sondern durch einen Topf von Viren, die man vereinfacht „Erkältungsviren“ nennt. Zu diesen zählen allerdings auch die „älteren Coronaviren“, die schon seit Jahrzehnten bekannt sind und die bei Kindern für etwa ein Viertel aller „Erkältungen“ verantwortlich sind.

Was geht in der Welt rum? Das Coronavirus hat praktisch jeden bewohnten Flecken der Erde erreicht, aber mit jeweils unterschiedlichen Folgen. Kuba, bekannt durch ein personell gut aufgestelltes Gesundheitssystem mit allerdings sehr begrenzten technischen Möglichkeiten hat sogar eigene Impfstoffe entwickelt: Abdala und Soberana. Diese stehen

Ich wünsche Ihnen einen schönes Wochenende und den Kindern einen munteren Start in den Schulalltag, herzlichst, Ihr

Was geht rum? 04. September 2021

Schüler von Impfgegnern bedroht   

Luftfilteranlagen: Ja, aber!

Coronaausbruch in einer Schule trotz Masken und Luftfilter

Körpergewicht von Kindern in Zeiten der Pandemie

Wie geht’s an den Schulen weiter in der vierten Pandemiewelle? Klar wäre es ideal, wenn sich die Erwachsenen an die – nicht verschnupfte – Nase fassen und zum Wohle der Kinder impfen lassen würden. Aber das wird vermutlich nicht so kommen. Denn viele Impfgegner leben im Protest gegen Impfbefürworter, den Staat oder Bill Gates. Warum auch immer. Und sie  ignorieren die Kinder, die durch Schulschließungen im letzten Jahr dafür gesorgt haben, dass die Älteren unter ihnen überhaupt noch leben. Das haben die Impfgegner aber schon vergessen.

Ach so, da gibt’s ja noch die Lüftungsanlagen. Deren Beschaffung ist aus technischen (Geräteprüfung), finanziellen (nicht billig – wer bezahlt?) und politischen Gründen (alle Schulen/ KiTas sollen gleichbehandelt werden, Antwort in Berlin: keine bekommt einen Luftfilter) ein mühsames Unterfangen. So kann man sich gerne Lorenz Maroldt vom Tagesspiegel in Berlin anschließen: „Lieber die Lüftungsanlage an der Wand als die Spritze auf dem Dach.“

Oder vielleicht doch nicht? Das legt eine Beobachtung an einer Grundschule bei San Francisco im Zusammenhang mit dem Delta-Virus nahe. Eine Lehrerin an dieser Grundschule unterrichtete 24 Kinder, obwohl sie selbst Symptome von COVID-19 hatte und zwei Tage später auch als erkrankt getestet wurde. An dieser Schule bestand Maskenpflicht für alle, also auch für alle Kinder. Alle Klassenzimmer waren mit einer mobilen Lüftungsanlage ausgestattet und die Kinder saßen an Einzelbänken mit einem Mindestabstand von fast 2 Metern (6 feet). Die Impfquote (vollständig Geimpfte) in der Region betrug zu dieser Zeit enorme 72%. Dennoch kam es zu einem Ausbruch mit Coronainfektionen, nachdem die Lehrerin für eine kurze Zeit die Maske abgenommen hatte, um den Kindern laut vorlesen zu können: Unter den 22 ungeimpften Kindern wurden in der Folge 12 positiv getestet. In den ersten beiden Tischreihen waren sogar 80% der Kinder infiziert. Trotz idealer Bedingungen (Maskenpflicht, Abstandsregeln, Luftfiltersystem, Lüftung) wurden durch das laute Vorlesen der Lehrerin 55% der getesteten Schüler infiziert. Warum hatte dieser Mix an Maßnahmen  so wenig Wirkung?

Hamburger – manchmal auch in schwäbisch ummantelt mit Laugenweckle – sind für viele eine ständige Versuchung. Foto: ptw

Daheimbleiben statt In-die-Schule-Gehen wirkt sich nicht nur auf die Stimmung zuhause oder die Bildung aus. In vielen Fällen fällt auch Bewegung weg. Welches Kind rennt schon alleine im Lockdown um den Wohnblock? Gerald Jarnig am Grazer Institut für Bewegungswissenschaften hat sich in einer zufällig entstandenen Studie (in Englisch) auch der Frage des Körpergewichts in Zeiten der Pandemie gewidmet. Kurz und schwerwiegend: Bei den 760 Mädchen und Jungen zwischen 7 und 10 Jahren zeigte sich ein Übergewicht/Fettleibigkeit vor der Pandemie in 20,3% der Kinder. Im September 2020 waren es bereits 24,1 Prozent, somit ist die Gruppe der Übergewichtigen in einem Jahr um 20% größer geworden. Dazu hier für alle Interessierten auch ein Kommentar aus dem amerikanischen Ärzteblatt (JAMA; in Englisch).

Einzig verlässlich sind im Moment nur die Infektionen: Viele „Erkältungskrankheiten“ im Spätsommer, kaum Kinderkrankheiten seit einem Jahr und zum Glück wenig schwere Infektionen. Die Ruhe vor dem Sturm? Fast sieht es so aus im Beginn der 4. Pandemiewelle, der sich vielleicht die Influenza und die RS-Viren und eventuell noch einige andere Infektionen anschließen werden. Eine Gefahr besonders für Kinder von 6-12 Jahren, die ja weiter zur Schule gehen „sollen dürfen“. Da mag man nur rufen: Ungeimpfte, denkt auch an die Kinder!

Was geht in der Welt rum? In Madagaskar ist – fernab jeder Idylle – wieder die Lungenpest auf dem Vormarsch. Aus der kleinen Stadt Miandrandra südlich der Hauptstadt Antananarivo werden 7 Todesfälle gemeldet. Mittlerweile wurden 960 Kontaktpersonen identifiziert und isoliert. Die Pest sucht die viertgrößte Insel in Trockenperioden regelmäßig heim. Dann begeben sich die Ratten auf der Suche nach Nahrung näher an die Hütten der Menschen. Und mit ihnen auch die infizierten Flöhe, die dann den Erreger auf Menschen übertragen. Deswegen ist es in Madagaskar auch schwierig, den Ausbruchsherd überhaupt zu identifizieren und zu isolieren. So kommt es jedes Jahr zu Pestausbrüchen mit oft mehreren Hundert Todesfällen.

Das Wochenende verspricht Sonne und angenehme Wärme. Viel Spaß wünsche ich allen Familie, herzlichst Ihr

Was geht rum? 14. August 2021

Meist leichte COVID-19-Verläufe bei Kinder – aber nicht jeder Infekt ist Corona

Schwangere: CDC empfiehlt Coronaimpfung für alle Schwangeren

Masern, Meningokokken und Keuchhusten weiterhin selten

Pollenflug geht langsam zu Ende

 

Die Rolle der Kinder in der Pandemie erhellt eine neue Studie aus Großbritannien. Darin untersuchten die Forscher um Erika Molteni 258.790 Kinder im Alter von 5 bis 17 Jahren, die Symptome einer Coronainfektion zeigten. Der Verlauf wurde mittels einer App verfolgt. Insgesamt wurden 75.529 Corona-Tests durchgeführt, von denen 1.734 positiv ausfielen. Häufigste Krankheitszeichen waren Kopfschmerz (62,2 %) und Müdigkeit (55 %). Die Erkrankungen dauerten im Durchschnitt bei positiv getesteten 6 Tage, bei negativ Getesteten nur 3 Tage. Manchen Kinder zeigten längere Verläufe. Nach 56 Tagen lagen bei den allermeisten keine Beschwerden mehr vor. Interessanterweise kamen lange + schwere Krankheiten besonders bei negativ getesteten Kindern vor. Wie bewerten wir die Studie? COVID-19 verläuft bei Kindern leichter. Und, nicht alles was wie eine Coronaerkrankung aussieht ist auch eine. Testungen bleiben wichtig. Besonders im kommenden Winter.

Schwangerschaft. Foto: pixabay, contato1034

Viele Eltern überlegen, weitere Kinder zu bekommen. Wenn da nicht Corona-Infektionen drohen würden. Und diese führen gerade in der Schwangerschaft nach neuen Erkenntnissen vermehrt  zu schweren Komplikationen. Sollten sich Schwangere impfen lassen? Die amerikanische Gesundheitsbehörde CDC (in Englisch) hat sich klar positioniert: Sie empfiehlt COVID-19-Impfungen in der Schwangerschaft: „COVID-19 vaccination is recommended for all people aged 12 years and older, including people who are pregnant, breastfeeding, trying to get pregnant now, or might become pregnant in the future.“ Die deutsche STIKO lässt Impfungen in der Schwangerschaft zu, gibt aber keine Empfehlung zur Impfung.

Der Pollenflug geht rasch zu Ende. Noch sind Pollen von Spitzwegerich, Beifuß und auch Gräsern in den Lüften. Aber die Menge der Pollen nimmt spürbar ab. Probleme für die Atemwege bestehen nur noch für schwer von Allergien Betroffene. Für alle anderen ist die Pollensaison zu Ende.

Inzidenz von Meningokokkenerkrankungen in den USA. Die größte Häufigkeit betrifft Kinder vor dem ersten Geburtstag. Foto: CDC

Viele schwerwiegenden Erkrankungen für Kinder sind in diesem Jahr noch immer selten. Ganz vorne der Keuchhusten (Pertussis) mit bislang 123 Fällen in diesem Jahr, der im letzten Jahr 6 Mal häufiger auftrat. Gleiches gilt für die Erkrankungen mit Meningokokken (Sepsis („Blutvergiftung“) bzw. Hirnhautentzündung), von denen in diesem Jahr neun registriert wurden (2020 zur gleichen Zeit: 28). Dass Masern und Mumps ebenfalls selten auftreten ist den Lesern des praxisblättle gut bekannt.

Die Erkältungsviren machen aber durchaus schon die Runde, auch wenn die Sommer-Wetterlage eine massive Ausbreitung begrenzt. Ob der Schnupfen oder Husten aber nicht doch vom Coronavirus ausgelöst wurden, kann nur durch Tests geklärt werden. Für den kommenden Winter bleiben Coronatests ein zentrales Werkzeug für Kinder- und Jugendärzte.

Was geht in der Welt rum? Mit den höheren Temperaturen kommt auch das West-Nil-Fieber im Mittelmeerraum vor. Aus Griechenland  (Bezirk Imathia und Pella in Zentralmakedonien) und Italien werden Fälle gemeldet. Die Erkrankung betrifft meist Vögel, Menschen erkranken aber nach Übertragung durch eine infizierte Stechmücke auch vereinzelt. Impfung gibt es keine. Die einzig mögliche Maßnahme das West-Nil-Fieber zu verhindern ist ausreichender Mückenschutz.

Endlich ist der Sommer da, den wir uns wünschten. Genießen wir es, durch laue Wälder zu wandern, in der Hängematte zu liegen oder zu picknicken. Ganz herzlich, Ihr

Was geht rum? 31. Juli 2021

BioNTech: Bei den Coronaimpfungen immer vorne dabei

Coronaimpfungen für Kinder? Diskussion jetzt wichtig

Salmonellenerkrankungen im Spätsommer

Vibrionen in der Ostsee

Im Rennen um den besten Corona-Impfstoff liegt BioNTech ganz vorne. Vor 20 Monaten war die Firma aus Mainz kaum jemandem bekannt. Ab seit dieser Zeit hat sie medizinisch und medial alles richtig gemacht. Nun liegt BioNTech auch im Rennen um die Zulassung des Impfstoffs für Kinder von 5-11 Jahren weit vorne. Diskussionen gab in den letzten Wochen wegen seltener Herzmuskelerkrankungen (Myokarditis, Perikarditis) nach Zweitimpfungen von Männern unter 30 Jahren. Auf Drängen der amerikanischen Zulassungsbehörde wurde laut Informationen der New York Times die Zahl der Studienteilnehmer auf 3000 erhöht. Ergebnisse werden bereits für September erwartet. Für die Studiengruppe der 2 bis 5-Jährigen sei „kurz danach“ auch mit Ergebnissen zu rechnen, für die 6 Monate – 2 Jahre alten Kinder sei es im Oktober bis November soweit. Konkurrent Moderna liegt bei den Studien etwas zurück. Von anderen Mitbewerbern gibt es keine Informationen. Israel will bald Kinder zwischen 5 und 12 Jahren zur Impfung zulassen, wenn sie ein Risiko für extreme Corona-Infektionen aufweisen (hochgradige Adipositas, schwere Herz- und Lungenerkrankungen).

Noch gibt es keine Zulassung eines Corona-Impfstoffs für Kinder unter 12 Jahren. Aber für die über 12-Jährigen sehr wohl. Deren Wunsch geimpft zu werden nimmt zu. Haben wir eine gute Antwort, um ihnen den Wunsch zu verweigern? Die weiter fehlende Empfehlung der STIKO kommt eher aus dem Elfenbeinturm, als dass sie den Gedanken und Sorgen der Kinder gerecht würde. Schulen sollen nach den Ferien ja wieder geöffnet werden, oder doch nicht? Die Folgen von Schulschließungen wären monumental, beginnend bei den psychischen Konsequenzen, wenn Kinder sich nicht uneingeschränkt treffen können bis hin zu den wirtschaftlichen Folgen, die mangelnde Bildung über 2 Jahre für die gesamte Gesellschaft nach sich ziehen würde. „Wenn wir sehen, die Impfquote ist im Herbst immer noch zu niedrig, muss man weiternachdenken, aber nicht jetzt“ meinte Armin Laschet. Dem kann man nur widersprechen. Über die Impfungen – auch bei Kindern und Jugendlichen – müssen wir jetzt sprechen. Als Gesellschaft und mit den Betroffenen. 

Wirksamkeit von einer gg. zwei Dosen der Impfstoffe von BioNTech (BNT162b2) und AstraZeneca (ChAdOx1). Foto: NEJM, Jamie Lopez Bernal et al., 2021

Erst die zweite Impfung machts. Das zeigt eindrücklich die Untersuchung von Jamie Lopez Bernal und MitarbeiterInnen im New England Journal of Medicine. Gerade für den Impfstoff von BioNTech sind die Unterschiede frappant. Dabei ist der Schutz gegen die Delta-Variante dem Schutz gegen die Alpha-Variante ebenbürtig

Darstellung des Testablaufs bei der Lolli-Methode. Foto: RKI, Epidemiologisches Bulletin 32/2021

Die Lolli-Methode zur Testung auf SARS-CoV-2 haben wir im praxisblättle vorgestellt. Dieser Test ist einfach durchzuführen, worauf schon sein Name hindeutet. Nun bekommt er vom RKI den Ritterschlag. In der neuesten Ausgabe des epidemiologischen Bulletins wird ihm eine Spezifität (Genauigkeit) von 93.0% attestiert. Somit könne er „eine Grundlage für ein breit anwendbares und systematisches Testkonzept in Kitas und Schulen darstellen“.

Der Spätsommer ist die Zeit der Salmonellenerkrankungen. Der bakterielle Durchfall mit diesem Erreger ist heftig, meist grünlich mit blutigen Auflagerungen und nicht selten mit Fieber verbunden. Am stärksten werden Kinder unter 10 Jahren von dieser Infektion betroffen, die in den kommenden Wochen ihren Höhepunkt im Jahr erreichen wird. In der letzten Woche erkrankten 34 Personen im Ländle, fürs bisherige Jahr waren es 514 (Vorjahr: 660). Die Ansteckung erfolgt oral und häufig über Geflügel (und unzureichend abgekochte Eier). Strikte Hygiene in der Küche bei der Zubereitung von Hühnern und Eiern ist entscheidend.

Die viralen Erreger von Durchfallserkrankungen (Novoviren, Rotaviren) spielen weiterhin kaum eine Rolle. Sie sind deutlich seltener als noch im letzten Jahr, obwohl auch damals die Coronawellen (mit Kontaktbeschränkungen) durchs Land gingen.

Die Gräserpollen sind auf dem Rückzug. Im Rheintal ist die Belastung gering, in der Bodenseeregion aber noch bedeutsam – solange der Regen den Flug nicht komplett verhindert.

Was geht in der Welt rum? An der nördlichen Grenze von Deutschland, genauer an der Ostseeküste können in den Sommerwochen weiterhin Vibrionen auftreten. Messungen haben diesen Erreger bereits mehrfach gesichert, wie das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) von Mecklenburg-Vorpommern mitteilte. Die gleichen Vibrionen, Vibrio vulniformis, gibt es auch an anderen Küsten der Ostsee wie in Schweden. Dort sind in diesem Juli bei Götaland und Svealand 13 Menschen an einer schweren Infektion (Sepsis) erkrankt.

Ich wünsche allen Familien im Ländle eine sonnigen Start in die Ferien, mit herzlichen Grüßen, Ihr

COVID-19 bei Kindern: Ergebnisse einer Studie aus Baden-Würtemberg

Informationen über Coronainfektionen bei Kindern gibt es Deutschland nur wenige. Eine sehr wichtige Studie aus Baden-Württemberg schließt nun diese Lücke.

In diese prospektiven (vorausschauenden) Studie wurden Personen aus 328 Haushalten in Baden-Württemberg von Mai bis August 2020 während der ersten Coronawelle aufgenommen. Ab Beginn der Studie wurden 548 Kinder zwischen 6 und 14 Jahren sowie 717 Erwachsene aus diesen Haushalten in Bezug auf auftretende Coronainfektionen verfolgt. Die Studie wurde von den Universitäten Ulm, Tübingen und Freiburg  unter Leitung von Dr. Roland Elling von der Universitätskinderklinik in Freiburg durchgeführt.

Was waren die wichtigsten Ergebnisse der Studie?

1. Innerhalb der Familien steckten sich Kinder seltener (34 Prozent) mit Coronavirus an als die Erwachsenen (58 Prozent). Darüber hinaus war der Verlauf der Coronainfektion deutlich milder als bei den Erwachsenen, was seit langem bekannt ist. Besonders auffallend aber: Bei Kindern verlief die Erkrankung fünfmal häufiger ohne Krankheitszeichen als bei den Erwachsenen (45% gegenüber 9 %).

2. Trotz schwächerer oder fehlender Krankheitszeichen war die Immunantwort von Kindern im Durchschnitt stärker und hielt länger an als bei Er­wachsenen. In Bezug auf Antikörper im Serum zeigten nach 11 bis 12 Monaten noch 96% der Kinder noch relevante Werte, während Erwachsene zu gleichen Zeit spezifische Antikörper nur in 83% aufwiesen.

Trotz spürbar weniger Symptomen – übrigens vorwiegend Geschmacksverlust – zeigten Kinder eine robuste Immunantwort.

Corona-Komplikationen bei Kindern: PIMS / MIS-C:

Coronainfektionen verlaufen bei Kindern anders als bei Erwachsenen, das ist gut bekannt. Meist sind die Erkrankungen so schwach, dass die Infektion kaum bemerkt wird. Dennoch kann es nach Coronainfektionen von Kindern zu schweren Komplikationen kommen, deren Bedeutung gelegentlich unterschätzt wird.

Stationäre Behandlungen von COVID-19 bei Kindern in Deutschland (grau) sowie Fallzahlen von PIMS /MIS-C (orange) seit Beginn der Pandemie. Foto: DGPI

Eine schwere Komplikation im Zusammenhang von COVID-19 stellt das Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome (PIMS) dar, das in den USA als „multisystem inflammatory syndrome in children“ (MIS-C) bezeichnet wird. Der Buchstabe M (multisystem) beschreibt ein typisches Zeichen dieser Erkrankung: Es betrifft mehrere Organe des kindlichen Körpers: Herz, Lunge, Nieren, Haut, Gehirn, Augen oder Magen-Darm-Trakt. Um es gleich vorweg zu sagen: Die Ursache hierfür ist unbekannt. Klar ist nur, dass es im Zusammenhang mit einer Coronainfektion steht und oftmals 2 Wochen nach einer solchen bei Kindern und Jugendlichen unter 21 Jahren auftauchen kann. Das PIMS/ MIS-C ähnelt in vielen Aspekten dem Kawasaki-Syndrom, weißt aber auch entscheidende Unterschiede auf (z.B. die betroffene Altersgruppe ist beim Kawasaki-Syndrom deutlich jünger).

Welche Symptome zeigt PIMS/ MIS-C?

Meist kommt es etwa zwei Wochen nach einer Coronainfektion zu ersten Beschwerden, wobei die Coronainfektion selbst gelegentlich so schwach verlief, dass sie kaum bemerkt wurde. Typisch sind anhaltendes Fieber, Bauchschmerzen, Erbrechen, Durchfall, Hautausschläge und – in schweren Fällen – auch Blutdruckabfall mit Schock. Besonders häufig sind eine Myokarditis (Herzmuskelentzündung) oder akute Nierenerkrankungen.

Wer ist betroffen?

Altersverteilung PIMS. Foto: DGPI

In den USA sind (Stand 06.06.2021) sind dort inzwischen 4018 Kinder und Jugendliche mit einem Durchschnittsalter von 9 Jahren betroffen. Von ihnen sind die Hälfte zwischen 5 und 13 Jahre alt und 60% männlich. Insgesamt verstarben in den USA 36 Kinder an PIMS/ MIS-C, also fast jedes hundertste erkrankte.

In Deutschland sind (Stand 06.06.2021) 341 PIMS-Fälle bekannt. Von diesen trugen 5,9% Folgeschäden davon, aber keines verstarb. Interessant ist, dass die meisten Kinder mit PIMS mit einer anderen Aufnahmediagnose als PIMS in die Klinik eingeliefert wurden. Die Mehrheit wurde auf einer Intensivstation behandelt und erhielt immunmodulatorische Therapien.

Manche Forscher vermuten, dass MIS-C /PIMS  mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:1000 Corona-Infektionen bei Kindern auftritt. In der Fachwelt ist die Bedeutung der schwerwiegenden Komplikation von COVID-19 jedoch noch nicht abgeschlossen.

Das CDC in den USA hat einige Fälle einer vergleichbaren Erkrankung bei Erwachsenen beschrieben. Sie nennt sich MIS-A, wobei „A“ für Erwachsene (adult) im Gegensatz zu „C“ (child) steht.

Was geht rum? 12. Juni 2021

Chaos um Coronaimpfungen für Jugendliche

Explosionsartiger Anstieg bei den Hantavirusinfektionen

Die Gräser blühen mit aller Macht

Windpocken fliegen weit

Es war fast zu erwarten, das Chaos um die Coronaimpfungen für Jugendliche. Die STIKO kommt nach wissenschaftlichen Abwägungen zur Überzeugung, dass nur Kinder und Jugendliche (ab 12 Jahren) mit Vorerkrankungen zu impfen seien. Ihr indirekter Boss hingegen, der Gesundheitsminister, empfiehlt Impfungen für die gesamte Altersgruppe. Und die Kinder bzw.  Jugendlichen selbst? Ihre Überlegungen und Gefühle kommen in der Diskussion nicht vor. Dabei haben nicht wenige von Ihnen weiterhin Angst vor COVID-19. Angst um sich selbst oder um Menschen in ihrer Umgebung die ihnen wichtig sind. Könnte das nicht auch ein Grund zur Impfung sein? Okay, Eltern sind Wähler. Der Bundestagswahlkampf lässt grüßen. Aber im Zentrum sollte doch der jugendliche Mensch stehen, der auch für sich selbst Verantwortung übernehmen möchte.

Häufigkeit der Hantavirusinfektionen in Deutschland im Jahre 2005 Foto: Epidemiologisches Bulletin, RKI

Das Hantavirus ist ein eher unbekannter Krankheitserreger. In Baden-Württemberg ist dieses Virus schon seit Jahren aktiv. Die Krankheitsfälle haben in diesem Jahr explosionsartig zugenommen. Waren es im letzten Jahr Mitte Juni 24 Fälle, so liegt die Zahl jetzt beim 35-fachen, genau bei 839. Bei Kindern kommen Hantavirusinfektionen eher selten vor, die die Fallverteilung des Jahres 2005 vom RKI zeigt. Mehr Informationen zum Krankheitsbild finden Sie im praxisblättle-Beitrag „Hantavirus – eine seltene Gefahr für Kinder“ .

Eine Dusche: Angenehm an heißen Tagen und für Allergiker sinnvoll vom dem Zu-Bett-Gehen. Foto: pixabay, Abdul Momin

Allergiker merken es seit 2 Tagen: Der Gräserpollenflug hat mit der Rückkehr des Sommer massiv zugenommen. Bis Mitte nächster Woche wird die Wetterlage und vermutlich auch der Flug der Pollen unverändert bleiben. Dabei kann es im Zusammenhang mit Hitzegewittern auch zu massiven Pollenbelastungen gerade bei Asthma-Betroffenen kommen. Noch ein kleiner Tipp: Abendliches Duschen inklusive Haarwäsche verhindert, dass die Pollen ins Bett getragen werden und dort über die Nacht die Atemwege belasten.

Windpocken in einem frühen Stadium mit Papeln und beginnenden Bläschen. Foto: ptw

Die Windpocken sind insgesamt kaum präsent. In der Region Lörrach und Ravensburg gibt es jedoch kleiner Ausbrüche. Die Windpockenviren als solche sind sehr stabil und können selbst durch trockene Lüfte über 100 Meter weit fliegen und andere Menschen erreichen, die von „ihrem Glück“ nichts mitbekommen.

Was geht in der Welt rum? Einen Ausbruch von Hepatitis-A-Infektionen erlebt in diesem Jahr Neukaledonien. Auf der zu Frankreich gehörenden Inselgruppe im Südpazifik wurden bislang 251 Infektionen festgestellt. Bei Kindern verläuft diese Infektion meist ohne Symptome. Es gibt eine sehr gut verträgliche und gut wirksame Impfung gegen Hepatitis A.

Endlich ist der Sommer angekommen. Ich wünsche Ihnen ein genussvolles Wochenende. Herzlich grüßt Sie Ihr

Was geht rum? 05. Juni 2021

Zwei Milliarden Coronaimpfungen weltweit

Coronaimpfungen für Jugendliche: Das Ringen um den richtigen Weg

Coronainfektionen in Kindertagesstätten

Gräserpollen und Hantaviren

Vor weniger als einem halben Jahr begann die weltweite Impfkampagne. Seit dem 2. Juni dieser Woche sind mehr als 2 Milliarden Impfungen durchgeführt worden. Damit wurde etwa ein Viertel der Erwachsenen weltweit erreicht. Bis alle durchgeimpft sein werden sind jedoch noch weitere 10 Milliarden Impfungen erforderlich.

Die Häufigkeit an Coronainfektionen in Deutschland geht zurück. Manche Menschen haben dennoch sehr große Angst, weil es nicht nur um sie selbst geht: Schwangere sind verunsichert, ob eine Erkrankung auch Folgen für ihr Baby haben kann. Die Beobachtung, dass kein Grund zur Sorge besteht, teilt nun auch eine schwedische Studie um Mikael Norman vom Karolinska Institutet in Stockholm, in der 92% aller Geburten während der ersten 10 Monate der Pandemie in Schweden erfasst wurden. Demnach ist die Rate von Atemproblemen bei Neugeborenen von Corona-infizierten Müttern mit 2,8% gegenüber den anderen Müttern (2,0%) nur leicht erhöht.

Über die Bedeutung von Coronainfektionen für Kindern wird inzwischen kontrovers diskutiert. Das ist eine gute Nachricht. Inzwischen ist unumstritten, dass Kinder und Jugendliche seltener und schwächer an COVID-19 erkranken als Erwachsene. Unklar ist jedoch die Häufigkeit und die Bedeutung der Komplikationen wie long-COVID oder PIMS (MIS-C). Eine andere Frage hat die Forschergruppe um Prof. Dr. Drosten erhellt. In Ihrer Studie in Science konnte die Berliner Gruppe zeigen, dass im Erwachsenenalter keine bedeutsamen Unterschiede in der Viruslast bei von COVID-19-Infizierten vorliegen (in den PCR-Abstrichen um die 2,5 Millionen Kopien des SARV-CoV-2-Erbmaterials). Bei Kindern und Jugendliche über 5 Jahren ließen sich mit steigendem Alter gleiche Werte belegen: „Mein anfänglicher Eindruck einer ungefähr gleich großen Infektiosität aller Altersgruppen hat sich bestätigt, nicht nur hier, sondern auch in anderen Studien“, so Drosten. Ob Impfungen von Kindern im Schulalter sinnvoll sein könnten, hängt also auch von der Bedeutung von COVID-19-Komplikationen bei Kindern ab. Ab Montag werden sie erlaubt sein. Die STIKO bewertet momentan die Daten aus der Zulassungsstudie von BioNTech/Pfizer, die sie für nicht ausreichend hält: „Die Zahl der in der Studie geimpften Kinder ist einfach zu gering, um eine belastbare Aussage über die Sicherheit in dieser Alters­gruppe zu machen“, so der Vorsitzende der STIKO Prof. Dr. Thomas Mertens aus Ulm

Im Leicester Children’s Hospital in Großbritannien wurden von März 2020 bis Februar 2021 Kinder bei Aufnahme in die Klinik auf SARS-CoV-2 untersucht. Von den 1427 aufgenommenen Kindern waren 5,6% in der PCR positiv getestet worden, von denen wiederum 20% keine COVID-19-Symptome aufwiesen. Auffallend war, dass mit der Öffnung der Schulen in Großbritannien die Zahl der asymptomatischen Kindern im Krankenhaus um das 1,65-fache anstiegen. 

Aus Washington, DC, gibt es eine Studie der Kindertagesstätten (day care centers). Dort waren zwischen Juli und Dezember 2020 etwa 24% der 449 KiTas von mindestens einem Fall einer Coronavirusinfektion betroffen, 5,8% hatten einen Ausbruch. Von den insgesamt 319 Infizierten waren nur 43,9% Kinder. Ansonsten waren Lehrer und andere Mitarbeiter betroffen.

Infekte treten im Sommer wenige auf. Das ist seit Wochen so und zuletzt – bei ansteigenden Temperaturen – nicht anders. Das gilt nicht für das Hantavirus, das in diesem Jahr zu 796 (2021: 24 Infektionen) Infektionen geführt hat.

Pollenbelastung der Gräserpollen in Basel über die letzten 365 Tage in No/qm Foto: meteoschweiz.ch

Die Gräserpollenzeit ist gekommen. Besonders starke Belastung wird aus dem Bodenseeraum und vom Oberrhein gemeldet. Begleitend haben sich die ersten Wegerichpollen zurückgemeldet.

Was geht in der Welt rum? Unterernährung ist gerade für Kinder ein unermesslich gravierendes Problem. Es betrifft vorwiegend Kinder in Afrika: Stunting, so wird das in der Medizin genannt, wenn die Körpergröße aufgrund der Mangelernährung deutlich unter der Norm liegt. Das gibt leider keine Schlagzeilen in den Medien, setzt aber Kindern und Jugendlichen kurz- und langfristig Grenzen für ein würdiges und erfolgreiches Leben auf diesem Planeten. Zwischen 2010 und 2020 ist nach Angaben der WHO die Häufigkeit des Stunting bei Kindern unter 5 Jahren von 27.7% auf 22% zurückgegangen. Anders gesagt. Es sind nun 30 Millionen weniger Kinder, die darunter leiden müssen. Ein erster Erfolg, der anspornen sollte.

Genießen Sie mit Ihren Kindern ein warmes und abwechslungsreiches Wochenende. Herzlich grüßt Sie Ihr

 

Was geht rum? 15. Mai 2021

Giftpflanzen: Das Maiglöckchen

Zecken: Übertragung von Borreliose und FSME

BioNTech/Pfizer-Impfstoff: Wie gut ist der Schutz vor Ansteckung?

Pollen und Viren (außer Corona) im Ruhemodus

Die Welt um uns herum ist jetzt saftig grün, alles sprießt, und einige Blumen wie die Tulpen sind an den meisten Orten schon verblüht. In den Wäldern zeigen sich jetzt die Maiglöckchen – filigrane weiße Glöckchen. Die echten Bärlauchanhänger können das Maiglöckchen einfach vom Bärlauch unterscheiden. Eltern sollten Kinder beim Pflücken jedoch unterstützen, damit sie auch später diese hübsche aber giftige Pflanze kennen. Weitere Informationen dazu hier.

Nicht nur im Wald, sondern eher in den Büschen an Wegesrändern und auch im eigenen Garten warten die Zecken auf Opfer. Erste Erkrankungen an FSME oder Borreliose sind bereits zu beobachten. Eltern sollten Ihre Kinder (und sich selbst) am Abend auf die Spinnentierchen hin untersuchen. Die Impfung gegen FSME macht für alle Menschen ab dem Schulalter Sinn, je nach individueller Belastung kann sie auch für Kleinkinder überlegt werden. In Baden-Württemberg ist sie ab dem ersten Geburtstag empfohlen. Zur Zeckenentfernung empfiehlt sich die sanfte Streichelmethode.

Vermutlich noch im Mai können Jugendliche ab dem 12. Geburtstag auch gegen Corona geimpft werden. Hierfür zugelassen ist der Impfstoff von BioNTech/Pfizer. Aber wie gut ist seine Schutz-Wirkung? Eine Studie im JAMA (Journal of the American Medical Association), der medizinischen Zeitschrift der amerikanischen Ärzte hat hierzu 2.776 geimpfte Mitarbeiter des St Jude Children’s Research Hospital in Memphis (Tennessee) untersucht. Gegenüber den ungeimpften Kollegen zeigte sich, dass 7 Tage nach der zweiten Impfung gerade einmal 1 asymptomatische Infektion auftrat gegenüber 10 Infektionen bei den Ungeimpften (IRR = 0,10). Trotz weiterer Überwachung konnte sieben Tage nach der zweiten Impfung keine Infektion mit Symptomen mehr aufgedeckt werden.

Todesursachen unter 10 Millionen Kindern pro Jahr Foto: Susan Waserman et al., Journal of Allergy and Clinical Immunology, 147

Wie gefährlich ist eigentlich eine Nahrungsmittelallergie? Dazu gibt es aktuelle Informationen, die ein Internationales Forscherteam um Susan Waserman aus Hamilton (Canada) durch Sichtung aktueller Veröffentlichungen zusammengetragen hat. In Bezug auf die Nahrungsmittelallergie ist das Ergebnis halbwegs beruhigend – ein Todesfall pro 10 Millionen Kinder und Jahr. Erschreckend sind die Autounfälle (633 Todesfälle), Suizide (351) und  die Todesfälle durch Waffengewalt (112).

Die Pollenbelastung ist inzwischen momentan gering. Eher kühle Temperaturen und täglicher Regen vermasseln den Pollenflug. Gut für Allergiker.

Infektionen – außer den Coronainfektionen – sind im Moment fast bedeutungslos. Das betrifft auch alle Kinderkrankheiten und selbst die Windpocken, die sich eigentlich leicht („Wind“…) ausbreiten können. Lediglich Hantavirus-Infektionen sind sehr häufig, betreffen aber nur selten Kinder und Jugendliche. Also weiterhin: Vorsicht beim Aufräumen von Scheunen und anderen staubigen Orten, an denen sich Mäuse aufgehalten haben könnten.

h  Seychellen Foto: pixabay, Walkerssk

Was geht in der Welt rum? Natürlich das Coronavirus. Und es erreicht auch unsere Sehnsuchtsorte wie die Seychellen, bei denen wir Deutsche an türkisfarbenes Meer oder exotische Drinks denken. Vor Wochen erreichten die Seychellen bei der Durchimpfung einen Spitzenplatz. Von den 100.000 Einwohnern sind über 60 Prozent geimpft, davon 57% mit dem chinesischen Sinopharm und 43% mit dem AstraZeneca-Impfstoff. Alles könnte gut sein. Nun kam es jedoch zu einer neuen Corona-Welle. Von den erkrankten Menschen waren 37% vollständig (mit 2 Dosen) geimpft. Unklar ist jedoch, welcher Impfstoff bei den Neuerkrankten verwandt wurde. Verglichen mit den Erfolgsmeldungen aus Israel sind die Zahlen erschreckend: Bezogen auf 1 Million Menschen erkrankten auf den Seychellen 2613 neu an Corona, in Israel jedoch nur 5 nach Angaben von Our World in Data.
Noch schnell ein tweet von @kono_HG
Kommunikation unter Eltern ist toll. Papa an ner unübersichtlichen Kreuzung:
„Kommt von rechts ein Auto?“
Mama: „Nein…“
Papa fährt an
Mama: „Aber ein Laster.“
An dem Tag habe ich viele neue Wörter gelernt. Und ich weiß seitdem, was eine Vollbremsung ist.
Bleiben Sie humorvoll und genießen Sie das Wochenende, herzlich grüßt Sie Ihr