Schlagwort: COVID-19

Was geht rum? 01. August 2020

Es scheint, dass Party und Panik den neuen Umgang mit dem Coronavirus bestimmen. Beides ist nicht zielführend. Für Sie als Eltern ist wichtig, dass nach heutigem Stand kein besonderes Risiko von Kindergärten oder Schulen für Ihre Kinder ausgeht. Die überwiegende Zahl von erkrankten Schülern haben die Infektion durch eine Ansteckung von außen in die Schule hinein getragen. So kam es laut Landesgesundheitsamt seit Beginn der zu 78 Corona-Infektion bei Schülern. Durch die akribische Arbeit der Gesundheitsämter („Ermittlung von Kontaktpersonen“) konnten echte Ausbrüche in Schulen verhindert werden.

Abstand und Maske. Das ist kurz und knapp, was uns vor einer Infektion mit dem Coronavirus schützt. Eine neue Untersuchung zeigt, dass selbstgenähte Masken gewisse Anforderungen erfüllen sollten: Am besten sollten sie aus 2 Lagen Stoff bestehen. In ruhigen Situationen (wie Gesprächen) gibt eine einfache und einlagige Maske durchaus einen spürbaren Effekt. Aber spätestens beim Niesen und Husten ist nur die 2-lagige Maske in der Lage, die Tröpfchen-Verbreitung aufzuhalten. Es lohnt sich, die Original-Publikation von Paatrek Bahl und Mitarbeitern aus Sydney (Australien) wegen der graphischen Darstellungen anzusehen.

Die Juli-Infektwelle mit Schnupfen in Kindergärten und Schulen scheint abzuebben. Mit den Ferien gibt es weniger Chancen sich anzustecken. Auch bei den Kinderkrankheiten kommen seit Wochen fast nur gute Nachrichten. Der Keuchhusten kommt spürbar seltener vor als im letzten Jahr. Grund hierfür dürften die AHA – Regeln ( Abstand + Hygiene + Alltagsmaske) sein. An diese Regeln sollten wir uns weiter konsequent halten.

Neuerkrankungen an FSME in Baden-Württemberg. Die blauen Säulen geben die Fälle pro Kalenderwoche wieder. Die hellblaue Fläche gibt die maximalen und minimalen Fallzahlen der letzten 10 Jahre an. Quelle: Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg

Besorgniserregend sind die Erkrankungszahlen bei der FSME: Früh-Sommer-Meningo-Encephalitis. Sie erreichen in einem Ost-West-Gürtel vom Landkreis Ravensburg bis in den mittleren Schwarzwald sehr hohe Neuinfektionen mit bis zu 14 pro 100.000 Einwohner. Auch wenn dies Kinder weniger betrifft als Erwachsene, sollte mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt überlegt werden, ob eine Impfung regional wichtig ist. Empfohlen ist sie für das Land-Baden-Württemberg ohnehin (ab dem Alter von 1 Jahr).

Für Pollenallergiker gibt es keine neuen Nachrichten. Pollen fliegen weiterhin. In höheren Lagen herrschen die Gräserpollen vor, in tieferen fliegen Spitzwegerich und inzwischen auch Beifußpollen. Besondere Änderungen sind über die nächste Woche nicht zu erwarten

Was geht in der Welt rum? In den letzten Wochen trat das West-Nil-Fieber in Rumänien und in Griechenland auf. Das Virus kommt über Zugvögel aus den Tropen nach Europa und betrifft viele Länder, wie die Karte des ECDC zeigt. Die Übertragung erfolgt über infizierte Stechmücken – selten – auch auf den Menschen. Beim Menschen tritt in 20% nach einer Infektion eine grippeähnliche Erkrankung auf. In Deutschland kam es erstmals im letzten Jahr zu einer West-Nil-Infektion. Eine Impfung gibt es nicht, im Zentrum steht der Mückenschutz.

Für alle, die sich auf Reisen möchte ich hier nochmal die Einreisebestimmungen und Corona-Regeln für die Europäische Union zur Lektüre empfehlen. Auf diesem Terrain ändern sich manche Dinge täglich. Es lohnt sich also, mehrfach vor dem Urlaub nachzusehen.

Ich wünsche Ihnen ein schattiges Sommer-Wochenende und verbleibe mit herzlichen Grüßen

Ihr

Peter Th. Wolff

Was geht rum? 25. Juli 2020

Die Ferien beginnen diese Woche. Aber ohne Jubel. Durch die Pandemie haben Schülerinnen und Schüler schmerzhaft erfahren, dass zuhause bleiben und chillen nicht alles ist. Auch die Aussicht auf das neue Schuljahr ist getrübt.

Noch immer läuft die nachgeholte Infektwelle. Die Viren, die sich im Lockdown nicht ausleben, konnten haben nun die Kindergärten und Schulen erfasst. Schnupfen allüberall. Und Sorgen bei Eltern und Lehrern. Könnte unter den meist leicht kranken Kindern auch eines mit einer Corona-Infektion sein? Schnupfen ist nicht unbedingt ein typisches COVID-19-Symptom. Aber es kommt bei dieser Krankheit durchaus vor. Das macht es so schwierig: Man sucht Sicherheit und findet keine. Corona hat uns weiterhin im Griff, auch wenn momentan nur wenige im Ländle daran erkranken.

Viren, allüberall. Quelle: pixabay, Gerd Altmann (mod.)

In Friedrichshafen zeigt sich das beispielhaft. Dort steckte ein Reiserückkehrer aus Serbien, der die Quarantäne nicht einhielt zwei Menschen an. Auch die Tochter eines der beiden Infizierten hielt sich nicht an die Quarantäne und steckte auf einer Party viele Schüler an. Diese haben das Corona-Virus in 6 Schulen getragen. Inzwischen sind weit über 200 Kontaktpersonen ermittelt worden.

Ein Problem bei der Gesundheitsvorsorge: Wir können Viren mit dem Auge nicht sehen. So sehen wir auch nicht das FSME-Virus. Aber, wir können die Zecke sehen und fühlen. Und wir können sie auf der Haut unserer Kinder suchen. Das sollten wir auch. Denn in diesem Jahr schnellen die Erkrankungszahlen mit dem Virus massiv nach oben. Das gilt für unser Ländle wie für die Schweiz (siehe weiter unten). In Baden-Württemberg sind seit Januar 170 Erkrankungen an FSME neu gemeldet worden (in 2019 zur gleichen Zeit 102). Allein in der letzten Woche kamen 28 hinzu. Schwerpunkte sind der Ortenaukreis, der Kreis Rottweil und der Zollern-Alb-Kreis.

Biene im verblühenden Lavendel. Quelle: ptw

Ebenfalls kaum sichtbar sind die Pollen. Aber es fliegen noch genügende. Im Rheintal sind die Gräserpollen weiter am schwinden, die Spitzwegerich-Pollen breiten sich mehr aus.In besonders warmen Regionen blüht bereits der erste Beifuß.

Was geht in der Welt rum? Die Zecke ist grenzenlos. Zumindest in Baden-Württemberg. Bei unserem südlichen Nachbar sind mit bislang 249 mehr als doppelt so viele Erkrankungen gemeldet als im Vorjahr. Weitere Informationen über die FSME in der Schweiz gibt das Bundesamt für Gesundheit. Durchaus wichtig auch für Tagesausflügler in die Alpen.

Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie einen guten Start in die Ferien,

Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff

Was geht rum? 11. Juli 2020

Seit nun zwei Wochen gehen Grundschüler wieder zur Schule und die Kleinen in den Kindergarten. Bislang wurden nur vereinzelt mit dem Coronavirus infizierte Kinder entdeckt. Durch die konsequente Ermittlungsarbeit der Gesundheitsämter konnten die Infektionsketten schnell unterbrochen werden.

Wiesen-Bärenklau. Er wächst munter am Wegesrand, wo sich anderes Grün kaum entwickeln kann. Quelle: ptw

Draußen grünt es wunderbar. Und es scheint, dass der Wiesenbärenklau besonders gut gedeiht. Für Kinder hat diese Pflanze so ihre Tücken. Wenn Sie mehr erfahren wollen, finden Sie hier weitere Informationen.

Die Natur zeigt ihre ganze Diversität. Die Gräserpollen fliegen stark, aber nicht mehr so stark wie in den letzten Wochen, auch der Wegerich entlässt seine ersten Pollen in die Lüfte. Beifuß und Ambrosia sind noch in der Ruhephase.

Magen-Darm-Infektionen durch Bakterien sind in den Sommermonaten gehäuft. An erster Stelle stehen hier Infektionen mit Campylobacter jejuni. Dieser Erreger kommt bei Wild- und Nutztieren (Rinder, Schweine, Geflügel) vor und wird meist über Nahrungsmittel übertragen: Hühnerfleisch, Rohmilch, gelegentlich auch kontaminiertes Trinkwasser. In der Osterwoche erkrankten in Baden-Württemberg 39 Personen, in der vergangenen Woche waren es bereits 218. Besonders betroffen war der Ortenaukreis mit 24 Fällen. Trotz allem liegen die Zahlen noch um ein Drittel niedriger als im letzten Jahr. Betroffen sind oftmals Kleinkinder, die mit Durchfall (teilweise blutig), krampfartigen Bauchschmerzen und Fieber (bis 40 Grad) erkranken. Eine ärztliche Untersuchung ist wichtig. Eine Therapie ist nur selten erforderlich.

Rohes Ei auf der Tischplatte. Ein Risiko für die Aufnahme von Salmonellen. Quelle: pixabay, stevepb

Die Symptome der Campylobacter-Infektion ähneln denen der Salmonellose. Letztere kommt seltener (29 Erkrankungen in der letzten Woche) vor, verläuft aber in aller Regel heftiger und länger. Die Ansteckung geht meist über Speisen mit rohen oder nicht ausreichend gekochten Eiern. Da inzwischen für einige Geflügel eine Impfpflicht gegen Salmonellen besteht, ist das Risiko heute deutlich geringer als früher.

Viele Kleinkinder erkranken zur Zeit an Schnupfen, einige mit Fieber. Sofort steht die Frage im Raum: Ist das eine Coronainfektion? Zuallermeist nein. Seit 2 Wochen haben Kinder im Regelbetrieb von Kita und Grundschule die Gelegenheit Erreger auszutauschen. Wir Ärzte und auch die Gesundheitsbehörden testen häufiger. Dadurch versuchen wir besser zu verstehen, was „normale“ Infekte sind und was eine COVID-19-Infektion ist. Übrigens, auch leichte „normale“ Infekte werden zu mindestens 10% durch Coronaviren ausgelöst. Diese harmloseren Varianten des Virus kommen schon seit Jahrzehnten bei uns vor und ihre Infektionen verlaufen fast immer schwach. Bei den Testungen schauen wir deswegen nur nach SARS-CoV-2, dem neuen Coronavirus.

Wenn Sie als Eltern Erfahrungen in dieser Hinsicht gemacht haben, schreiben Sie gerne einen Kommentar oder eine Anfrage. Wichtig ist immer, wie Sie im Alltag von Kita und Schule die Situation für sich und Ihre Kinder einschätzen.

Was geht in der Welt rum? Viele Länder sind für uns Deutsche durch die Reisewarnung kaum erreichbar. Weit weg und dennoch erreichbar ist La Réunion, eine Insel im Indischen Ozean bei Madagaskar. Diese Insel ist französisches Staatsgebiet und damit Teil der Europäischen Union. Dort gib es gerade einen Ausbruch des Dengue-Fiebers mit 14.900 Erkrankungen und 13 Todesfällen. Wichtigste Maßnahme: Guter Mückenschutz.

Ich wünsche Ihnen ein sommerlich warmes Wochenende zum Entspannen mit Ihrer Familie.

Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff

Was geht rum? 20. Juni 2020

Es sieht so aus, als käme der Sommer langsam zurück. Neben geselligen Grillabenden oder ersten Besuchen im Freibad werden die Zecken und die Pollen nochmal spürbar aktiv werden.

Apropos Grillen. Feuer übt eine enorme Faszination auf Kinder aus. Das bedeutet, dass ihr Risiko sich zu verbrennen jetzt deutlich ansteigt. Unser Beitrag im praxisblättle zum Thema Verbrennungen zeigt nochmals auf, wie Sie sich darauf vorbereiten können.

Langsam zeigen sich wieder mehr Infektionen bei Kindern. Nach der langen Abschottung von Kindern aus Kindergärten und Schulen verwundert es nicht, dass sich mit den ersten Freiheiten erhöhte Infektions-Zahlen zeigen. Das betrifft besonders stark ansteckende Erkrankungen wie das Drei-Tage-Fieber, das oft schon im Säuglingsalter auftritt und mit hohem Fieber über 3 Tage (2-4 Tage) und einem typischen Ausschlag einhergeht. Die Häufigkeit der Kinderkrankheiten bewegt sich – noch ? – unverändert auf dem Niveau der letzten Wochen.

Die COVID-19-Kinder-Studie des Landes Baden-Württemberg erbrachte nur wenig Erkenntnisgewinn. Getestet wurden 2500 Kinder im Alter von 1 bis 10 Jahren mit jeweils einem Elternteil. Dabei wurde nur 1 Kind-Eltern-Paar positiv (mit Rachenabstrich) getestet. Im Blutest fanden sich bei 45 Erwachsenen und 19 Kindern Antikörper gegen SARS-CoV-2, das Corona-Virus. Kinder zeigten in der Summe also weniger Reaktionen als Erwachsene. Zur Studie hatten sich Kinder und Eltern sich selbst gemeldet. Sie waren also nicht zufällig ausgewählt worden. Das alleine schränkt die Aussagekraft bei so niedrigen Zahlen schon deutlich ein. Tendenziell darf man aber vermuten, dass sich Kinder weniger anstecken als Erwachsene. Zumindest liefert die Studie keine Argumente die Kitas und Grundschulen (mit Notbetreuung) länger geschlossen zu halten. Das hat die Regierung um Ministerpräsident Kretschmann genauso gesehen. Ende des Monats kehrt das Ländle zum Regelbetrieb in Kindergärten und Grundschulen zurück.

Ziege Quelle: pixabay, Doris Metternich

Die Zecken sind im Moment wieder sehr aktiv. Das zeigt sich auch an den Fallzahlen für die FSME (Früh-Sommer-Meningo-Encephalitis), einer Virus-bedingten neurologischen Infektion nach Übertragung durch die kleinen Spinnentiere. So hat sich die Zahl in Baden-Württemberg sprunghaft um 12 Neuerkrankungen in der letzten Woche auf insgesamt 57 für das Jahr 2020 erhöht.

Aus Frankreich werden 37 FSME-Neuerkrankungen nach Genuss von Ziegenmilch und Rohmilchkäse der Firma ,,GAEC des Chevrettes du Vieux Valey‘‘ in Condamine berichtet. Die Zecke am eigenen Körper zu suchen und zu finden reicht also alleine nicht aus, um sich zu schützen. Die Bedeutung der FSME-Impfung wird deswegen immer größer.

Was geht in der Welt rum? Erneut befällt das Dengue-Fieber Menschen in verschiedenen Ländern rund um den Äquator. In Singapur sind es in diesem Jahr 10.995 Menschen, in Thailand sind es 10.940,  in Sri Lanka gar 20.870, die erkrankten. Etwa jeder Tausendste verstirbt an dieser durch Mücken übertragenen, grippeähnlichen Infektionskrankheit. Eine Impfung gibt es bislang nicht. Vorbeugend hilft Mückenschutz vor den tagaktiven Überträger-Mücken.

Denken Sie schon an einen Urlaub in Europa? Dann finden Sie auf dieser Informationsseite der Europäischen Union weitere Hinweise unter welchen Bedingungen sie in ein bestimmtes Land in Europa einreisen können.

Ich wünsche Ihnen ein entspanntes und sonniges Wochenende. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff

EXTRA-blättle: Coronaviren bei Kindern (05)

Der Schrecken von Corona scheint in Deutschland zu schwinden. Standen die Pflegekräfte vor wenigen Wochen noch im Fokus, scheint die finanzielle Stärkung dieser Menschen inzwischen wieder vergessen.

Und unser Mitgefühl mit den Kranken? Dazu der Ausschnitt aus einem Beitrag in der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ):  Mit dem Mitgefühl hat es eine seltsame Bewandtnis. So selbstlos, wie man meinen könnte, ist es nicht. Denn: Leidet man wirklich mit denen, die irgendwo weit weg ein schreckliches Schicksal erleiden? Oder denkt man doch in erster Linie an sich selbst, indem
man sich vorstellt, man könnte in eine ähnliche Lage kommen – und empfindet man im Grunde nur Mitleid mit sich selber oder gar ein gut kaschiertes Hochgefühl, weil man selbst nochmals davongekommen ist? 

In diesem vermutlich (und hoffentlich) letzten EXTRA-blättle zu den Coronainfektionen haben wir einige Beiträge zusammengestellt, die im praktischen Leben von Bedeutung sind.

1 Ausbreitung von Coronainfektionen innerhalb der Familie

Eine erste Untersuchung aus China gibt nun Hinweise, dass innerhalb eines Haushaltes Infektionen mit dem Coronavirus begrenzt werden können. Das Tragen eines Mundschutzes sowie die regelmäßige Desinfektionen haben sich als sehr günstig erwiesen. Die Studie beruht jedoch auf nachträglich erhobenen Daten und ist deswegen als weniger aussagekräftig zu bewerten als eine prospektive Studie. Aber immerhin, haben wir hierdurch erste Hinweise.

Ampel in Pontresina Quelle: ptw

2. Wie viele Ampeln gibt es denn?

Jetzt spricht alles von der Ampel, wenn es um die Coronainfektionen geht. In Baden-Württemberg beschreibt die Ampel, in welchen Schritten das öffentliche Leben wieder in die Gänge kommt. So gilt seit Pfingsten die Farbe gelb (Öffnung von Gastronomie, Camping u.a.). Die Farbe rot umfasst Großveranstaltungen  und Festivals – wann dieses Licht aufleuchtet ist im Moment noch unklar.

In Berlin gibt es auch eine Ampel, die etwas komplett anderes aussagt. Dort stellen die drei Farben drei Zahlenwerte dar. Somit kann man hier absehen, wie aktiv das Coronavirus gerade ist.                

(Basis-) Reproduktionszahl „R“ R-Wert < 1,1 = Grün     
R-Wert mindestens 3 Mal in Folge ≥ 1,1 = Gelb
R-Wert mindestens 3 Mal in Folge ≥ 1,2 = Rot 
Inzidenz Neuinfektionen pro Woche Zahl < 20 je 100.000 Einwohner = Grün
Zahl ≥ 20 je 100.000 Einwohner = Gelb
Zahl ≥ 30 je 100.000 Einwohner = Rot 
Anteil COVID-19 Plätze auf Intensivstationen Anteil < 15 % = Grün
Anteil ≥ 15 % = Gelb
Anteil ≥ 25 % = Rot  

Mit dieser Ampel werden bereits kleinere Veränderungen erfasst und farblich deutlich markiert. So steht in Berlin seit dieser Woche ein Licht der Ampel auf rot (R-Faktor drei Tage > 1,2). Also nicht mehr alles im grünen Bereich.

3. Impfstoff gegen Coronavirusinfektionen

Gerade schließen sich Frankreich, Italien, die Niederlande und Deutschland in einer Impfstoff-Allianz zusammen. Ziel ist, möglichst schnell einen Impfstoff gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 zu entwickeln. Und das offensichtlich ohne die USA.

Auch wenn weltweit über 130 Impfstoffkandidaten geprüft werden, dürfen wir nicht sicher sein, dass bald ein guter Impfstoff zur Verfügung steht. Prof. Dr. Streeck aus Bonn hat diese Zweifel zusammengefasst: „Gegen HIV wurden schon über 500 Impfstoffe konstruiert, aber keiner hat funktioniert“, sagte er. Man müsse sich auch auf die Möglichkeit einstellen, dass kein Impfstoff gefunden werde. „Das Virus ist da und wird bleiben. Und wir müssen uns darauf einstellen, damit umzugehen“.

Eine weitere Frage bleibt ebenso: Wenn wir je einen guten Impfstoff haben sollten, werden sich dann auch genügend Menschen impfen lassen um eine Herdenimmunität zu erzielen?

Aerosol beim SongKran-Fest in Thailand Quelle: ptw

4. Ansteckung über Tröpfchen (Aerosole). Was bedeutet das im praktischen Leben?

im Lancet erschien kürzlich eine Arbeit über die Verteilungsmuster von Tröpfchen aus der Atemluft von Menschen. Die niederländischen Autoren um G Aernout Somsen zeigten darin auf, dass die großen Tröpfchen, die beispielsweise beim Niesen auftreten (100 – 1000 µm Durchmesser) wohl kaum eine Rolle spielen, weil sie innerhalb einer Sekunde zu Boden sinken. Anders die kleinen Tröpfchen: Diese meist 5µm großen Wassertröpfchen bleiben, wenn sie aus 160 cm Höhe abgeatmet werden sehr lange in der Luft und bilden das Aerosol. Sie benötigen 9 Minuten, bis sie am Boden landen.

Eine entscheidende Rolle spielt hierbei die Raumlüftung. Im Idealfall bei künstlicher Belüftung und offenen Türen halbiert sich die Zahl der Tröpfchen in der Luft.

Und was machen Masken? Die einfachen chirurgischen Masken können für den Maskenträger 30% der Tröpfchen bei der Einatmung abfangen. Für die Ausatemluft ist die Rate deutlich besser. Wer eine Maske trägt schützt also vorwiegend die Menschen um sich herum, sich selbst aber nur wenig. Maskentragen als soziale Verantwortung.

Was geht rum? 06. Juni 2020

Für die allergischen Kinder und Jugendlichen kommt an diesem Wochenende eine kleine Erholungspause. Mit dem Regen dieser Tage werden die Pflanzen aber wieder neue Pollen bilden können, die sich zur Wochenmitte bei ansteigenden Temperaturen ausbreiten werden. Dann wird sich die Saison der Gräserpollen fortsetzen.

Auf die Infekte hat das Wetter wohl keinen Einfluss. Sporadische Infekte sind immer möglich, es gibt aber keine eindeutigen Trends. Auffallend ist nur, wie selten Infektionen auftreten: Die Zahl der Rotavirus-Infektionen (Magen-Darm-Grippe) liegen in diesem Jahr gegenüber 2019 um mehr als 75% niedriger. Und, in ganz Baden-Württemberg trat in dieser Woche kein einziger Fall von Masern, Mumps oder Röteln auf. An Kinderkrankheiten spielt nur Scharlach, Windpocken und Keuchhusten eine Rolle. Aber nur eine kleine!

Die Erkrankungen mit dem Coronavirus sind in Baden-Württemberg auf sehr niedrigen Niveau angekommen. Pro 100.000 Einwohner sind – Stand 04.06.32020 –  genau 1,2 Personen davon betroffen. Die Schwankungen bewegen sich von Werten über 6 (Schwarzwald-Baar) bis zu 0 (Breisgau-Hochschwarzwald, Bodenseekreis, Freudenstadt, Göppingen, Konstanz, Lörrach, Ravensburg, Sigmaringen, Tuttlingen, Waldshut, Baden-Baden). Das ist nur eine Momentaufnahme, die Zahlen können sich schnell ändern. Wir sollten sorgsam mit der gebesserten Situation umgehen. Ein zentrales Ziel sollte weiterhin sein, den Kindern und Jugendlichen möglichst bald ein unbeschwertes und freies Leben in der Gruppe möglich zu machen. Auf den Absacker in der Bar, sollten wir solange verzichten.

Was geht in der Welt rum? Die Demokratische Republik Kongo erlebt gerade wieder einen Ausbruch von Ebola hämorrhagisches Fieber (EHF) in der Provinz Équateur. Noch sind es erst 3 gesicherte und 3 Verdachtsfälle. Vorsicht in angesagt, denn vor 2 Jahren nahm dort der schwere Ebola-Ausbruch seinen Anfang.

Traumstrände. Kein Mensch, Natur pur. Quelle: ptw

Zieht es Sie und Ihre Familie wieder in den Urlaub in Europa? Dann vergessen Sie nicht, über eine Auslandskrankenversicherung nachzudenken. Nein, wir vom praxisblättle werden von keinem Versicherungsunternehmen gesponsert. Es stimmt, dass die gesetzliche Krankenkasse prinzipiell für Krankheitskosten in der Europäischen Union, in Island, Liechtenstein und Norwegen und einigen anderen Ländern für einen Anteil der Arzt- und Krankheitskosten aufkommt. In der Regel erstattet sie nur einen Teil der angefallenen Kosten. Bei der Erstattung von Medikamenten-Kosten wird es oft noch schwieriger. Eine Auslandskrankenversicherung kostet hingegen für eine Familie um die 20 € fürs ganze Jahr. Fast immer eine lohnende Sache.

Ausgedehnte Wanderungen werden wohl die wenigsten an diesem Wochenende unternehmen. Es sieht eher nach nass-kaltem Wetter aus. Egal, ob Sie nun Ihr Haus aufräumen oder mit den Kindern einen ausgedehnten Spiele-Nachmittag verbringen – genießen Sie die Abwechslung. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff

Was geht rum? 30. Mai 2020

Für Kinder könnte vieles so toll sein. Im Rahmen der Pandemie ging die Zahl der üblichen Virusinfekte massiv zurück. Hinzu kam auch eine größere Sicherheit im Verkehr mit deutlichem Rückgang der tödlichen Unfälle (für März: minus 23%). Für den Alltag der Kinder hat sich bis heute nur wenig verbessert. Sie müssen noch einen weiteren Monat warten, bis sie ohne Einschränkungen mit Freunden spielen können wie es ihnen gefällt.

Auch wenn die Temperaturen in Baden-Württemberg morgens in dieser Woche zumeist einstellig waren, dürfen wir uns nicht täuschen lassen: Die Sonne tagsüber hat enorme Kraft und ist ebenso stark wie im Juli. Es ist gut, an den Sonnenschutz der Kinder zu denken. Was ist wichtig?

  • Etwa 80% der lebenslangen UV-Bestrahlung der Haut findet im Kindes- und Jugendlichenalter statt. Wer seine Kinder gut schützt verhindert also Folgeerkrankungen (z.B. Hautkrebs) so effektiv wie es nie wieder möglich ist.
  • UV-Strahlung erzeugt keine Wärme.Wir spüren also nicht, wenn unsere Haut leidet. Spürbar ist erst der Sonnenbrand. Aber dann ist’s bereits zu spät.
  • Schatten ist der beste Sonnenschutz für Kinder. Und nebenbei ohne Nebenwirkungen oder Kosten
  • Die stärkste UV-Strahlung besteht um die Mittagszeit. Dann sollten Kinder eher im Haus eine kleine Pause einlegen. 

Weitere detaillierte Hinweise finden Sie in einem früheren Beitrag des praxisblättle. Gute Sonnenschutzmittel sind heute auch in Discountern zu finden, wobei in unseren Breiten ein Schutzfaktor von 30 ausreichend ist. Und besser als jede Creme bleibt der Schatten.

Der Gräserpollenflug geht wie vermutet weiter. In den meisten Jahren geht er erst Ende Juni langsam zurück. Neben den Dauermedikamenten sollten die Notfallmedikamente bereit gehalten werden. Bei neu auftretenden Symptomen, wenn beispielsweise zum Heuschnupfen Husten hinzutritt, sollte zeitnah eine ärztliche Untersuchung erfolgen. Allergien können mit der Zeit besser werden. Leider aber können sie sich auch verschlechtern und andere Notfallmedikamente erfordern.

Wo Kinder gerade selten von Infektionen heimgesucht werden, besteht eine gute Gelegenheit, sie gegen andere üble Erreger zu impfen. Eine große Untersuchung der Cochrane Library hat Daten zur Impfung gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken veröffentlicht. Dabei wurde zunächst in 51 Studien mit zusammen etwa 10 Millionen Kindern die Wirksamkeit geprüft. Es zeigte sich, dass bereits nach der ersten Impfung (empfohlen werden zwei) gegen Masern und Windpocken ein Schutz von 95% aller Geimpften vorliegt. Bei Mumps ist die Rate nach der ersten von zwei Impfungen lediglich bei 72%.

In Bezug auf die Nebenwirkungen wurden viele Studien mit zusammen 13 Millionen Kindern ausgewertet. Nochmals konnte ein Zusammenhang mit Autismus klar ausgeschlossen werden. Aber auch in Bezug auf Hirnhautentzündungen, Entwicklungsstörungen oder Leukämie zeigten sich keine Hinweise. Die Impfungen gegen Masern-Mumps-Röteln (MMR) und Masern-Mumps-Röteln-Windpocken (MMR-V) sind also sehr effektiv und sicher.

Wie steht es um die schweren Verläufe von Corona-Virus-Infektionen? Das zeigt die oben stehende Graphik. Seit 3 Wochen nur noch wenige stationäre Aufnahmen in deutschen Kinderkliniken. Und, vielleicht noch wichtiger, keines der Kinder und Jugendlichen musste auf die Intensivstation verlegt werden. War’s das? Wir wissen es nicht. Vorsicht ist weiter angesagt. Ganz besonders der Abstand gegenüber fremden Menschen.

Ach so, ob Infekte rumgehen? So gut wie gar nicht. Vieles ist schwierig. Aber Eltern und Kinder können diese Tage fast ohne Infekte genießen. Da kommen manchem nur die Pollen in den Weg. Aber auch da gibt es für die meisten gute Möglichkeiten, auszuweichen. So ist die Pollenbelastung in den Bergen im Moment nicht gar so stark.

Was geht in der Welt rum? Weiterhin sind die Infektionen mit dem Dengue-Virus besonders bedeutsam. Sie kommen in Asien, Afrika und Lateinamerika vor. Besonders beunruhigend ist, dass trotz einer großen Impfkampagne in Pakistan 49 Personen in diesem Jahr wieder an Polio (Poliomyelitis-Wildvirus) erkrankt sind.

Welches Thema wird am Montag im praxisblättle behandelt? Diesmal geht es nicht um das Corona-Virus, sondern um die Zecke. Genauer, um eine weitgehend unbekannte und elegante Methode, Zecken zu entfernen.

Ich wünsche Ihnen ein entspanntes und sommerliches Pfingsten, Zeit zum Genießen der Natur und Picknicken mit Ihren Kindern. Bleiben wir hoffnungsvoll, dass auch alle Viren sich entspannen und wir wieder enger zusammenrücken dürfen.  Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff

EXTRA-blättle: Coronaviren bei Kindern (04)

Wir hören und lesen seit Wochen Nachrichten vom Coronavirus. Jetzt hat das „Innovation Lab“ des Berliner Tagesspiegels die Reise des Virus in unseren Körper optisch nachgezeichnet. Besser als tausend Worte.

Fünf weitere Beträge der letzten Woche haben Bedeutung für die Kinder und Jugendlichen in Deutschland. Im Folgenden haben wir sie kurz zusammengefasst:

1. Die Kinder- und Jugendärzte in Deutschland fordern Öffnung von Schulen und KiTas

Die Deutlichkeit war dann doch überraschend. Vor wenigen Tagen forderten die Kinder- und Jugendärzte über die verschiedenen Verbände eine vollständige Öffnung aller Schulen und Kindergärten in Deutschland. In Ihrer Stellungnahme begründen sie ihre Haltung mit Fakten aus der Wissenschaft. Darunter sind einige Studien, die bereits im praxisblättle diskutiert wurden.

2. Erwachsene, Männer, Städter: Wer wird häufiger positiv auf Corona-Virus getestet? 

Zu dieser Frage hat das Royal College of General Practitioners (RCGP) eine Studie in England mit Hilfe des RCGP Research and Surveillance Centres durchgeführt. Über das Netz von Arztpraxen in Großbritannien wurden zwischen Januar und April 2020 Daten von 3802 Rachen-Abstrichen auf das neue Coronavirus durchgeführt. Von diesen fielen 587 Test positiv auf. Bei den positiven Test zeigten sich markante Trends:

  • Bei Männern (18.4%) war der Test häufiger positiv als bei Frauen (13.3%). Risiko für Männer: 1.55 Mal häufiger positiv
  • Bei den Erwachsenen von 40-64 Jahren (18.5%) war der Test häufiger positive als bei Kindern und Jugendlichen (4.6%). Risiko für Erwachsene: 5.36 Mal häufiger positiv
  • Menschen in der Stadt (26.2%) wurden häufiger positiv getestet als auf dem Land (5.6%). Risiko für Menschen in der Stadt: 4.59 Mal häufiger positiv

Auch Menschen mit Nierenerkrankungen und Übergewicht wiesen höhere Werte aus. Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Gruppen sind deutlicher als erwartet.

3. Katzen können auch an COVID-19 erkranken

Katzen können sich wohl leicht  mit den neuen Coronavirus (SARS-CoV-2) anstecken. Das ergab eine Studie aus Madison in Wisconsin. Dabei wurden 3 Katzen mit dem Virus eines an COVID-19 erkrankten Menschen infiziert. Danach wurden diese Katzen wiederum mit gesund Katzen zusammen gebracht und übertrugen das Virus. Diese Katzen wurden dann bereits nach 2 Tagen positiv auf das Coronavirus getestet und schieden es 4 Tage über die Nase aus. Keines der Tiere erkrankte jedoch.

Im Unterscheid zu Katzen infizieren sich Hunde und Schweine seltener mit dem Coronavirus. Katzen geben das Virus jedoch leicht an andere Katzen weiter.

Es bleiben noch Fragen: Katzen könnten recht häufig infiziert sein, da sie sich untereinander leicht anstecken können. Ob sie aber ebenso leicht auch Menschen anstecken ist völlig offen.

4. Großes Risiko, vermutlich kein Nutzen: Dampfinhalation in Zeiten von Corona

Im letzten Jahrhundert wurden Dampfinhalationen bei jeglichen Atemwegsinfektionen https://www.nature.com/articles/s41586-020-2349-yeingesetzt. Der Nutzen dieser Maßnahme soll in der Verflüssigung von zähem Schleim und Öffnen der Atemwege liegen. Gesichert ist das bis heute aber nicht, wie auch eine Studie nochmals betont. Kinder – und Jugendärzte erleben jedoch immer wieder Verbrühungen, die hierunter auftreten.

Ein aktueller Bericht im Lancet zeigt, dass parallel zur Coronavirus-Pandemie auch die Zahl der Verbrühungen bei Kindern anstiegt. Dieser Anstieg fiel besonders auf in Regionen mit großer Häufigkeit an COVID-19-Erkrankungen und bei Bevölkerungsgruppen aus Asien, die aus in Großbritannien leben.

Wie wir es sehen: Dampfinhalationen haben keinen belegten Nutzen, aber das Risiko, dass Kinder versehentlich Verbrühungen erleiden. Klares Nein!

5. Gibt es bald eine Therapie zur Vorbeugung von COVID-19?

Eine Forschergruppe aus der Schweiz, Frankreich und den USA hat vor wenigen Tagen eine Arbeit veröffentlicht, in der sie von monoklonale Antikörpern berichten. Diese Antikörper wurden einem Patienten nachgewiesen, der 2003 eine schwere SARS-Infektion überstanden hat. Es zeigte sich, dass diese Antikörper (S309) auch gegen die Spikes des SARS-CoV-2 wirksam sind. Damit könnten sie verhindern, dass das neue Coronavirus in Zellen eindringen kann. Ein spannender Ansatz. Bleibt zu hoffen, dass er sich im klinischen Alltag umsetzen lässt.

Was geht rum? 23. Mai 2020

Kinder und Jugendliche brauchen wieder einen Alltag miteinander. Und die Wissenschaft hat mehrfach belegt, dass dem nur wenig Argumente entgegenstehen. Im praxisblättle haben wir uns schon länger dafür ausgesprochen. Nun liegt eine Stellungnahme der wichtigsten deutschen Fachgesellschaften der Kinder- und Jugendmedizin vor: Schulen und Kitas sollten wieder geöffnet werden.

Dem widersetzen sich noch einzelne Personen, denen wir die Kinder anvertraut haben und die aus Angst lieber zuhause bleiben wollen. Weil sie über 60 sind oder einen Onkel haben, der an Krebs erkrankt ist. Vorbei mit dem Engagement für Kinder? Risikogruppen haben ein erhöhtes Risiko, soweit richtig. Aber sie müssen sich nicht verstecken. Ein Kontakt für sie ist nicht gleich mit einer schweren Erkrankung verbunden. Nur das Risiko hierfür ist etwas höher. In Kliniken arbeiten Schwestern, Pfleger und Ärzt*Innen schon seit Monaten, weil ihnen unser aller Wohl am Herzen liegt. Auch wenn sie damit höhere Risiken eingehen. Diese Einstellung muss nun bei manchem Pädagogen ankommen. Nur Mut! „Eure“ Kinder brauchen Euch!

Gräserpollenflug am Bodensee. Die graue Fläche zeigt die Werte von 2009-2019. Die schwarzen Säulen zeigt die aktuellen Werte. Quelle: pollenundallergie.ch

Die Gräserpollensaison ist im vollen Gange. Sie begann ja schon Anfang April und erreichte in den letzten Tagen Spitzenwerte. Kinder und Jugendliche mit Allergien gegen Sommerkräuter müssen sich langsam darauf einstellen, dass auch sie mit eher frühen Allergiesymptomen rechnen müssen.

Zecken. Nicht nur auf Gräsern Quelle: pixabay, Erik Karits

Was wir nicht vergessen sollten: Die Zecken. Jetzt feiern auch sie die angenehme Temperatur und krabbeln von den Blättern und Blüten gerne auf die Haut unserer Kinder. Das machen sie alles sehr elegant. Irgendwann juckt es vielleicht auf der Haut und man spürt beim Kratzen den kleinen Zecken-Körper. Der sollte gekonnt entfernt werden. Spätestens beim abendlichen Absuchen der Haut. Wenn hohe Risiken erwartet werden, kann auch mal im Vorfeld ein Insektenschutzmittel angewendet werden.

Seit Wochen die gleiche Meldung an dieser Stelle: Wenig Infektionen. Im Moment geht kaum was rum. Schnupfen – außer allergisch – gibt’s kaum. Husten im Rahmen von Infekten ebenso wenig. Magen-Darm-Infektionen durch Viren sind sehr selten: Bei Noroviren 50% der üblichen Zahl. Bei den Rotaviren, die vorwiegend Kinder betreffen, sind es gar nur noch 25% der üblichen Erkrankungen. Daneben sehr wenige Kinderkrankheiten mit der Ausnahme von Mumps (2 Neuerkrankungen). Wir könnten so zufrieden sein, wenn da nicht……

… noch die Coronaviren wären. Was über sie mit Bezug auf die Kinder Neues bekannt wurde,  können Sie ab Montag an dieser Stelle lesen. Im EXTRA-blättle gehen wir dann auf wichtige Informationen der vergangenen Woche ein.

Was geht in der Welt rum? Corona hin oder her. Weltweit breitet sich das Dengue-Virus mehr aus als einem lieb sein. kann. Es ist zwar nicht mit soviel Todesfällen verbunden, kann aber gerade Kinder oder Schwangere heftig treffen. Im Moment sind die Karibikinseln Martinique von 3236 Dengue-Fieber-Fällen betroffen. Die kaum 80 km entfernte Insel Guadeloupe hat seit Jahresbeginn 4605 Neuerkrankungen registriert. Aber auch Asien ist betroffen. Dort haben sich – ähnlich wie auf den Inseln der Karibik – in Singapur die Fälle (7620 in diesem Jahr) gegenüber dem letzten Jahr verdoppelt.

Genießen Sie nach dem Brückentag das restliche Wochenende und die Aussicht, dass der Alltag für Eltern und ihre Kinder bald angenehmer wird. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff

EXTRA-blättle: Coronaviren bei Kindern (03)

Heilige Corona im Straßburger Münster. Quelle: Heiligenlexikon.de

Vor vier Tagen wurde der Namenstag der Heiligen Corona gefeiert. Ja, die gab es wirklich. Im zarten Alter von 16 Jahren starb sie noch zu Zeiten der Christenverfolgung im Jahre 177 als Märtyrerin. Dabei wurde sie – ohne auf weitere Details einzugehen – zwischen zwei Palmen gespannt. Deswegen wird sie häufig mit einem Palmenzweig dargestellt. Sie ist die Patronin der Schatzgräber und des Geldes.Mit dem Virus hat sie vor fast 2000 Jahren nicht rechnen können.

Corona-Infektionen bei Kindern. Unsere Informationen nehmen stetig zu. Mit der schrittweisen Öffnung der Schulen werden wir bald erfahren, wie sich die Infektionen innerhalb dieser Altersgruppe verhalten. Was wir bisher wissen: Kinder und Jugendliche sind vergleichsweise wenig vom Virus betroffen. Das zeigt auch die aktuelle Graphik des Landesgesundheitsamtes von Baden-Württemberg, in dem jede der blauen Säulen ein Lebensjahrzehnt wiederspiegelt.

Inzidenz (Anzahl pro 100.000 Einwohner in der betreffenden Altersgruppe) der SARS-CoV-2
Fälle in Baden-Württemberg, Stand 15.05.2020 Quelle: LGA BW

Dabei sind Kinder und Jugendliche nur wenig von Erkrankungen mit dem Coronavirus betroffen. Es gibt zunehmende Hinweise, dass die Infektionen unter den Kindern und Jugendlichen – also die horizontalen Infektionen –  selbst häufig stattfinden, in den meisten Fällen aber ohne Krankheitszeichen. Gerade aus Schweden kommen Daten, die dies belegen. Das Problem sind die vertikalen Infektionen: Wenn also ein Kind die Infektion „nach oben“ zu den Eltern oder Großeltern weitergibt.

Daten des Schwedischen Gesundheitsministeriums zur Altersverteilung von Krankheitsfällen (Sjukdomsfall; linke Graphik) und Todesfällen (Avlidna, rechte Graphik), Stand: 12. Mai 2020 Quelle: Socialstyrelsen, Stockholm

Werfen wir eine Blick nach Schweden zu nehmen: Es stimmt, beim offenen Umgang mit dem Coronavirus ohne staatliche Eingriffe sind recht viele Menschen gestorben. Aber: darunter ist nur 1 Kind im Alter bis 9 Jahre und kein Jugendlicher bis 19 Jahre. Und es sind 432 Infektionen bei Kinder und Jugendlichen ab Geburt bis zum 20. Geburtstag erfasst worden bei über 10 Millionen Einwohnern. Diese Daten können Mut machen, Schulen und KiTas zu öffnen. Parallel müssten weitere Maßnahmen diskutiert werden, um Erwachsene und insbesondere alte Menschen zu schützen. Dass Oma und Opa den Enkel aus der KiTa abholen, wird lange nicht möglich sein.

Folgende fünf Themen zum Thema Coronavirus-Infektionen bei Kindern haben wir für Sie aufbereitet:

1. HEROS-Studie untersucht Bedeutung von COVID-19 bei Kindern

Das National Institute of Health (NIH) in den USA hat die Human Epidemiology and Response to SARS-CoV-2 (HEROS) – Studie aufgelegt. Mit deren Informationen sollen die Besonderheiten der Coronavirus-Infektionen bei Kindern aufgeklärt werden. Dazu werden mindestens 6000 Personen aus 2000 Familien untersucht. Die Untersuchung erfolgt prospektiv. Das bedeutet, die Daten werden über zumindest weitere 6 Monate immer wieder erneut erhoben. Somit erfahren wir auch, wie sich Kontakte zu Coronaviren über die nächste Zeit entwickeln.

Sicher kennen Sie noch aus den Nachrichten den Direktor des NIAID (National Institute of Allergy and Infectious Diseases) Anthony S. Fauci. Das ist der freundliche kleine Mann, der als Berater des amerikanischen Präsidenten in Sachen Corona aktiv war und bei dessen Pressekonferenzen sich gelegentlich an den Kopf fasste. Er sagt zum Ziel dieser Studie, was Sie als Leser des praxisblättle schon länger wissen: “One interesting feature of this novel coronavirus pandemic is that very few children have become sick with COVID-19 compared to adults. Is this because children are resistant to infection with SARS-CoV-2, or because they are infected but do not develop symptoms? The HEROS study will help us begin to answer these and other key questions.”

So schätzen wir es ein: Endlich werden die Corona-Erkrankungen bei Kindern in einer Langzeitstudie erforscht. Erste Ergebnisse sind vor Juni jedoch nicht zu erwarten.

2. Corona- Kinderstudie Baden-Württemberg: Ein erster Blick

Auch im Ländle wurde gerade eine Studie aufgelegt, die den Stellenwert von Coronaviren bei Kindern von 1 bis 10 Jahren untersuchen wird. Beteiligt sind alle vier großen Universitätskliniken des Landes in Heidelberg, Freiburg, Tübingen und Ulm. Geplant ist, insgesamt  2000 Kinder in die Studie aufzunehmen. Diese Studie wirft zunächst nur einen Blick auf die jetzige Situation und untersucht die Kinder nicht langfristig. Wir können absehbarer Zeit damit rechnen, mehr über die Bedeutung der Coronaviren bei Kindern in unserem Land zu erfahren. Mit solchen Daten wird es für die die Politik einfacher, Entscheidungen über die Öffnung von KiTas, Schulen und anderen Angeboten für Kinder zu treffen.

3. Selten heißt nicht harmlos: Schwere COVID-19 bei Kindern

Es gibt zunehmend Veröffentlichungen über COVID-19-Verläufe bei Kindern. Schwerste COVID-19-Erkrankungen auf 46 Intensivstationen in den USA und Canada hat eine Studie um Lara S. Shekerdemian und Mitarbeiter dokumentiert, die von Mitte März bis Anfang April  stationär aufgenommen wurden. Es handelt sich um 48 Kinder, von den 83% eine Grunderkrankung hatten. Von allen Kindern wurden 73% wegen  Atemproblemen vorgestellt, 18 (38%) mussten beatmet werden.  Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung waren zwei Kinder verstorben, vier weitere waren noch in sehr kritischen Zustand. Damit liegt die Rate der tödlichen Verläufe einer Intensivbehandlung von Kindern mit COVID-19 unter 5%, während sie bei Erwachsenen immer über 50% liegt. Bis zum 28. April 2020 verstarben am Corona-Virus 8 Kinder unter 14 Jahren. An der Influenza (Grippe) verstarben in der Saison 2019/2020 deutlich mehr, nämlich 169 Kinder in der gleichen Altersgruppe.

So schätzen wir es ein: Kinder erkranken eher selten an COVID-19. Aber auch bei Ihnen gibt es schwerste Verläufe mit Todesfolge, jedoch deutlich seltener als bei Erwachsenen. Und es sind  weit weniger Todesfälle als bei der Grippe, deren Todesrate allein in diesem Jahr 10 x höher lag.

4. Atypische Kawasaki-Syndrome?

Die ersten Berichte über das Kawasaki-Syndrom haben weitere Veröffentlichungen ausgelöst. Besonders überraschend ist die Arbeit von Luico Verdoni und Mitarbeitern aus Bergamo, wo das Coronavirus heftig gewütet hatte. Sie berichten von einer 30-fachen Häufigkeit des Kawasaki-Syndroms mit zwei Unterschieden:

  • Die Diagnose des Kawasaki-Syndroms wird am gleichzeitigen Auftreten verschiedener Symptome gestellt. Die Verläufe in Bergamo, erfüllen diese strengen Kriterien nur in der Hälfte der Erkrankungen
  • Die Krankheitsverläufe sind oft deutlich heftiger als bei den bisherigen Verläufen
  • Beim typischen Kawasaki-Syndrom erkranken Kleinkinder. Bei den jetzt beschriebenen liegt das Durchschnittsalter bei 7.5 Jahren.

Aus anderen Ländern kommen ähnliche Daten. Auch sie berichten von schweren Verläufen die dem Kawasaki-Syndrom ähneln und zeitversetzt nach einer Coronainfektion auftreten. Deswegen nennen sie das Krankheitsbild auch atypisches Kawasaki-Syndrom. Die Amerikaner sprechen vom „pediatric multi-system inflammatory syndrome“, das alleine in New York 85 Mal vorkam mit 3 Todesfällen. Für Deutschland stehen vergleichende Daten noch aus.

5. COVID-19 bei Kindern mit Krebs

Bei den dramatischen Meldungen , gehen gute Nachrichten gehen fast unter. Aber es gibt sie. Kinder und Jugendliche mit Krebs sowie deren Eltern können sich aber freuen. Erste Daten aus New York zeigen, dass eine Krebserkrankung im Kindesalter wohl kein Risikofaktor ist, um häufiger an COVID zu erkranken. In ihrer Studie haben dies Farid Boulad und Mitarbeiter vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center in Manhattan belegt. So wurden von allen Kindern, die selbst Symptome von COVID-19 zeigten oder Kontakt zur COVID-19-Erkrankten hatten 29,3% positiv auf das Virus getestet. Bis auf eines konnten aber alle Betroffenen ambulant behandelt werden und hatten einen milden Verlauf.

Von allen 120 Kinder ohne Kontakt zu Coronaviren und ohne Symptome für COVID-19 wurden nur 3 (2,5%) positiv auf das SARS-CoV-2 getestet. Bei deren Eltern betrug diese Rate jedoch 17,6%. Das bedeutet, dass Kinder mit einer Krebserkrankung auch dann kaum an COVID-19 erkranken, wenn ihre Eltern mit dem Virus behaftet sind.