Schlagwort: COVID-19

Was geht rum? 27. Februar 2021

COVID-19 in der Schwangerschaft: Risiko für das Neugeborene?

Corona-Tests zur Selbstanwendung: Welche gibt’s? Was können sie? 

Impfungen hier und dort 

Wenig Infekte, vielen Pollen

Eine interaktive Reise auf den Mars

Eine Schwangerschaft ist in der Corona-Pandemie um eine Angst mehr belastet: Ist mein Kind bedroht, wenn ich an COVID-19 erkranke? Eine Studie (in Englisch) von Edward Mullins und Mitarbeitern vom Imperial College London zeigt anhand von Informationen aus England und den USA, dass werdende Mütter sich nicht sorgen müssen.

Selbsttests gegen das SARS-CoV-2 sind eine wichtige Ergänzung im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus. Besonders in Schulen und Kindergärten sollen sie ab März im Rahmen der Öffnung zur Anwendung kommen. Aber welcher Test ist geeignet? Darüber gibt eine online-Liste des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) Auskunft. Die Liste soll fortlaufend ergänzt werden. Interessant ist auch ein Link auf eine Seite des RKI, der sich mit der Frage befasst: Was ist bei Antigentests zur Eigenanwendung zu beachten? Der fachlich fundierte Text zeigt die Chancen und Grenzen des Selbsttests.

Viel meinen zu müssen trotz wenig Wissen, meinen viele Leute beim Thema Impfungen. Und weil man gerne vom anderen abschreibt, schimpfen viele Medien unisono auf den Impfstoff von AstraZeneca. Der hat aber bei genauer Sicht viele Argumente auf seiner Seite. Ganz vorneweg: In einer Fortschreibung der Studienbeobachtung (Phase IIIb) zeigte sich, dass unter den Geimpften über 30% am Coronavirus erkrankten. Bei keinem Erkrankten war jedoch ein Spitalaufenthalt erforderlich und niemand starb an COVID-19. Gerade die Langfristdaten zu diesem Impfstoff sehen also sehr gut aus. Und die Wirksamkeit des Impfstoffs nimmt mit der Zeit zu, wie Untersuchungen an Tag 49 nach Impfung zeigen: „Die Impfung reift“ (Drosten)

Und wichtig ist heute jeder Impfstoff. Denn weltweit sind bisher nur etwa 0,06 Prozent aller Menschen gegen das Coronavirus geimpft. Spitzenreiter ist weiterhin Israel (88 Prozent der Bevölkerung mit einer oder 2 Impfungen). Sogar Großbritannien – lange Zeit verhöhnt – hat mit 27 Prozent schon über ein Viertel der Bevölkerung  erreicht. Die Aussichten sind gut: Sollten die Mutationen weiter erfolgreich sein, so ist eine rasche Anpassung der Impfstoffe an neue Virusmutanten möglich. Bei  mRNA-Impfstoffen (BioNTech/Pfizer, Moderna, Curevac) ist eine solche Umstellung innerhalb von sechs Wochen möglich, sagte Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI). Beim Impfstoff von AstraZeneca würde die Anpassung aus technischen Gründen eher 3-4 Monate dauern.

Erlenpollenflug in Deutschland (Stand: 26.02.2012). Quelle: Deutscher Wetterdienst

Der Frühling startete im Ländle schon mit der Fasnet. die nicht stattfand. Infekte sind kaum unterwegs – es geht fast nix rum. Außer Pollen: Ganz Baden-Württemberg wird gerade von hohen Konzentrationen an Erlenpollen heimgesucht – mit Ausnahme von Schwarzwald und Schwäbischer Alb (siehe die Graphik links). Für die Birke ist es trotz der Wärme noch zu früh. Kein Birkenpollenflug überhaupt im Land.

Wollen Ihre Kinder mal auf den Mars? Das geht bis heute bekanntlich nicht und kommt vielleicht später. Bis dahin gibt es aber eine interaktive Karte der Freien Universität (FU) Berlin, um sich die Umgebung des Mars-Rovers Perseverance mal genauer anzusehen.

Hunde können etwas erschnüffeln, wo die menschliche Nase völlig ahnungslos bleibt. Quelle: pixabay, Lenka Novotná

Hunde haben Fähigkeiten, die uns übersinnlich erscheinen. Sie können Gerüche erkennen, wo unsere menschliche Nase eine Nulllinie zeichnet. So gelingt es seit Jahren nachweißlich, dass speziell ausgebildete Hunde Lungenkrebs durch ihren Geruchssinn erkennen. Inzwischen sind einige der fitten Zeitgenossen auch für’s Coronavirus geschult. Man legt ihnen ein feuchtes Tuch vor, das zuvor einem Menschen über den Arm gestreift wurde. Legt sich der Hund sodann hin und wartet auf seine Belohnung oder er zeigt den erkannten Geruch durch Bellen an ist die Diagnose Coronavirus zu 95% sicher. Diese Messmethode wird sowohl in Südtirol (Schulen, Altersheim) und am Flughafen in Helsinki eingesetzt.

Was geht in der Welt rum? In der Demokratischen Republik Kongo breitet sich die Pest (meist in der Form einer Beulenpest) in der Region Aur (Provinz Ituri im Nordosten) weiter aus. Bekannt sind 520 Verdachtsfälle. Bereits 31 Menschen sind an der Pest verstorben.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien ein gemütliches und sonniges Wochenende. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Was geht rum? 30. Januar 2021

Schockrisiko nach mRNA-Impfungen

COVID-19 bei Kindern in den USA

KiTas und Grundschulen im Ländle bleiben zu

Saubere Luft im Ländle –  dank Winter und Coronavirus

Zuletzt haben Sie manche Beiträge im praxisblättle über Impfungen gelesen. Bleiben wir also bei diesem Thema. Ein allergischer Schock, medizinisch Anaphylaxie genannt, ist die schwerste akute Reaktion, die nach einer Impfung auftreten kann. Inzwischen liegen zu diesem Risiko erste Daten aus den USA vor. Was den Impfstoff von BioNTech/Pfizer betrifft, so liegt die Rate bei 11,1 Anaphylaxien auf 1 Million Impfungen. Dies zeigt die Studie aus dem Team von Tom Shimabukuro vom Center for Disease Control (CDC), dem amerikanischen Pendant des deutschen Robert-Koch-Instituts (RKI). Für den anderen in Deutschland zugelassenen  Impfstoff, den der Firma Moderna, liegen die Zahlen bei einem Viertel: 2,5 Anaphylaxien auf 1 Million Impfungen. Das zeigt der MMWR ebenfalls aus dem CDC vom 22. Januar dieses Jahres auf, der sich auf 4,041,396 Erstimpfungen bezieht. Aus diesem Grunde müssen alle Geimpften in Deutschland 30 Minuten nach der Impfung im Impfzentrum bleiben. Über die speziellen Risikogruppen gibt eine Studie von Alvaro Moreira und Mitarbeitern aus dem CDC weitere Auskünfte.

In Deutschland erfahren wir nur vereinzelte Daten über COVID-19 bei Kindern. Aus den USA wissen wir seit der Veröffentlichung der AAP News (in Englisch; AAP  ist die Gesellschaft der amerikanischen Kinderärzte) nun genauer, wie sich das Coronavirus bei Kindern und Jugendlichen ausbreitet. Demnach sind in den USA seit Ausbruch bis heute 2,5 Millionen Kinder und Jugendliche an COVID-19 erkrankt (12,5% aller Erkrankter überhaupt). 10.182 Kinder wurden stationär behandelt (0.8%) und 191 (0.01%) verstarben an der Corona-Infektion.

Nun bleiben die Kindergärten und Grundschulen in Baden-Württemberg doch erstmal mindestens bis zum 21. Februar – also nach den Fasnachtsferien – geschlossen. Nur die Notbetreuung wird weitergeführt. Der Grund, so Ministerpräsident Kretschmann: „Die Mutanten sind nicht vor der Tür, sie sind leider schon da“. Aus den aktuellen Sequenzierungsdaten ginge hervor, dass bereits 2 bis 3 Prozent der neuen Corona-Infektionen auf mutierte Varianten des SARS-CoV-2 zurückzuführen seien. „Das klingt wenig, kann aber schnell ansteigen.“ Zuletzt waren in der Evangelische Kindertagesstätte Immergrün im Freiburger Stadtteil Vauban 18 Fälle mit der britischen Mutante bei Kindern und Erzieherinnen nachgewiesen worden.

Im Internet gibt es eine weiter steigende Zahl an Apps zum Thema Gesundheit. Sie reichen von allgemeinen Informationen bis hin zur Erinnerung an die Einnahme von Medikamenten. Sind die Informationen der jeweiligen App medizinisch korrekt? Sind die Apps sicher in Bezug auf den Umgang mit Daten? Mit diesen Fragen hat sich das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin (im Auftrag von Bundesärztekammer und der Kassenärztlichen Bundes-Vereinigung) befasst. Eine Patienteninformation soll helfen, vertrauensvolle Apps zu diesen Themen leichter zu erkennen.

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Wie steht es eigentlich um die Luftqualität in deutschen Städten? Für Baden-Württemberg sind leider von keiner Messstation umfassende Daten zu bekommen. Wohl aber aus Wörth am Rhein, das gerade mal 3 Kilometer von Karlsruhe entfernt auf der anderen Seite des Rheins liegt. Und die Daten sind günstig.

So sollte nach den deutschen Richtlinien der Höchstwert für Ozon von 120 µg/m3 maximal an 25 Kalendertagen pro Jahr überschritten werden. Gemessen daran ist der Wert von momentan 73 µg/m3 schon erstaunlich hoch in Anbetracht der geringen Sonneneinstrahlung des winterlichen Januar.

Niedrig sind jedoch die PM10, als wichtiger Hinweis auf eine Feinstaubbelastung. Nach den vielen Niederschlägen der letzten zwei Wochen ist die Luft gereinigt.

Die Stickstoffdioxid(NO2)-Werte werden hauptsächlich durch den Straßenverkehr und ganz besonders durch Dieselfahrzeuge erzeugt. Nebenbei ist NO2 auch ein Vorläufer vieler Feinstäube und kommt im Verbund mit anderen Schadstoffen vor. Insgesamt zeigt NO2 die Luftbelastung durch Verbrennungsprozesse unter hohen Temperaturen an. Dieser Wert liegt also sehr günstig und spiegelt vermutlich eine günstige Folge des Lockdowns wieder: weniger Straßenverkehr.

Zusammengenommen haben wir im Moment eine wunderbare Luft draußen – nur leider eben auch ein Schmuddelwetter. Die Luft ist aber von selten guter Qualität und wir sollten den Versuch wagen nach draußen zu gehen – mit unseren Kindern. Alle werden begeistert sein, wenn wir mehr bieten als einen langweiligen Sonntag-Nachmittags-Spaziergang.

Was geht in der Welt rum? In vielen Ländern von Asien, Lateinamerika und Afrika legen die Krankheitszahlen beim Dengue-Fieber zu. Aber selbst für diese Länder ist das Coronavirus spürbar wichtiger, sei es, dass Mutanten seine Verbreitung anheizen – wie zur Zeit in Südafrika. Die weiteren Auswirkungen des Coronavirus auf den Alltag der armen Menschen in vielen armen Ländern sind beispielsweise durch Ausgangssperren weit dramatischer: Der Handel wird unmöglich und Polizeiwillkür (die durch Bestechungsgelder sehr teuer ist) nimmt rasant zu. Mit schwerwiegenden Folgen für die Schwächsten jeder Gesellschaft: die Kinder!

Gemessen daran erscheint unsere Situation trotz aller Belastungen gut erträglich. Ich hoffe, Sie haben Zeit ein schönes Wochenende mit viel frischer Luft zu genießen. Herzlichst verbleibe ich Ihr

Was geht rum? 23. Januar 2021

Studie aus GB: Kinder übertragen neue Virusmutanten nur halb so oft

Nein, es ist mehr als eine Grippe: COVID-19

Doppelbelastung für Familien: Homeoffice + Homeschooling

FFP2-Masken: Teuer, aber Wiederverwendung möglich

Die Pollen fliegen wieder

Für Sie als Eltern sind Schulen und Kindergärten das zentrale Thema in der Pandemie. Bleiben sie geschlossen? Sind Kinder „Pandemietreiber“? Menschen in politischen Ämtern sprechen sich fast einhellig dafür aus, dass Schule und KiTas als letztes geschlossen werden sollten. Auch die neuen Virusmutanten stellen wohl kein spezielles Risiko dar: Die New York Times (in Englisch) zitiert Studien aus Großbritannien mit 20.000 Teilnehmern ,darunter 3000 Kinder unter 10 Jahren, wonach die Empfänglichkeit für die neuen Varianten des SARS-CoV-2 (z.B. B1.1.7) bei Kindern nur halb so groß sei wie bei den Erwachsenen. Trotz allem liegt das Risiko sich anzustecken aber höher. Nur eben klar weniger als bei Jugendlichen (10-19 Jahre) oder gar jungen Erwachsenen (20-29 Jahre)

Influenza und COVID-19. Daten von stationär behandelten Kindern in Frankreich. A Behandlung auf Intensivstation B Todesfälle. Quelle: Lancet, Lionel Pieroth et al. 2021

Nein, es ist mehr als eine Grippe: COVID-19. Das zeigt die Studie einer Arbeitsgruppe um Prof. Lionel Piroth aus Dijon in Frankreich, die gerade in Lancet erschienen ist. Sie vergleicht die Zahl der Kinder, die wegen Influenza (rot) bzw. COVID-19 (blau) auf Intensivstation (A) behandelt werden mussten sowie die Sterblichkeit in der Klinik bezogen auf diese beiden Erkrankungen (B).

Den Familien wird enorm viel abverlangt. Wie selbstverständlich wird sowohl Homeschooling wie das Homeoffice als selbstverständlich angesehen. Ohne dass die Wohnung von Familien mitgewachsen wäre oder Schallschutzmaßnahmen ein ruhiges Arbeiten für Kinder und ihre Eltern ermöglichen würden. Viele der an sich sinnvollen Maßnahmen werden ganz besonders von Frauen abverlangt. Das Risiko für Überforderung („burnout“) steigt. Das gilt besonders für Alleinerziehende. Auf der anderen Seite mangelt es schon jetzt nicht an Regeln, sondern an deren Einhaltung und Kontrolle bei denen, die wenig von der Pandemie betroffen sind: Maskenpflicht in den Städten, Hygieneregeln in den Firmen (nicht auf dem Papier !) oder die vielen kleinen Partys in unseren Wohnvierteln.

0,07 Prozent

oder auch 0,7 Promille: So viele Menschen in Baden-Württemberg sind stand 20. Januar 2021 vollständig, also zweimal im Mindestabstand von 3 Wochen, gegen das Coronavirus geimpft.

 

Über die letzten Monate ist die Bedeutung der Masken gestiegen. Studien haben jedoch auch gezeigt, dass einfache Stoffmasken bei Weitem nicht so gut sind wirkungsvoll sind wie etwa die chirurgischen Masken oder FFP2-Masken. Letztere sind im übrigen nicht nur zum Schutz der Umgebung sondern auch zum Schutz des Trägers sehr wirkungsvoll. Leider sind sie ziemlich teuer. In der Regel kann man sie online billiger erwerben. Dabei reichen die Kosten von etwa 1,50 € bis 2,50 €. Beim Kauf ist auf vertrauensvolle Seiten (Online-Apotheken oder bekannten Online-Händler) zu achten. In Europa zertifizierte Masken tragen das Siegel  „EN 149:2001 + A1:2009“. Vergleichbare Qualitäten haben auch die N95 (amerikanischer Standard) oder KN95 (chinesische Produkte).

Obwohl die FFP2-Masken als Einmal-Produkte ausgelegt sind kann man sie unter bestimmten Bedingungen wieder verwenden. Dazu gibt es eine Anleitung der Fachhochschule Münster, die klar und einfach erklärt, unter welchen Bedingungen eine FFP2-Maske wiederverwendet werden kann. Prädikat: Sollten Sie unbedingt lesen.

Haselnussblüten. Ein erstes Zeichen für das Erwachen der Natur im Frühjahr Quelle: pixabay, NickyPe

Es gibt schon Pollenflug, obwohl das Ländle unter einer Schneedecke liegt. Am Oberrhein sind die erste Pollen von Erlen in der Luft. Keine Sorge für Allergiker. Noch sind es zu wenige Pollen, um spürbare allergische Symptome auszulösen.

Was geht in der Welt rum? In den Tropen, die momentan wieder so weit weg scheinen wir vor 100 Jahren, gibt es neben der Coronainfektion viele weitere bedeutsame Infektionen. Allen voran, was die Häufigkeit betrifft, spielt das Dengue-Fieber eine wichtige Rolle, gerade für Kinder. So traten in Peru 55.665 Erkrankungen auf, an denen 28 Menschen verstarben. In dieser Region ist diese Erkrankung erst seit den 1980ger Jahren bekannt. Zuvor war vornehmlich der asiatische Raum betroffen. Eine Impfung ist bis heute nicht verfügbar. So bleibt der wichtigste Schutz, sich die tagaktiven Mücken mit Insektenschutzmitteln vom Leib zu halten.

ich wünsche Ihnen viel Kraft, die enormen Belastungen für Familien zu tragen und zu ertragen. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

 

Im Strudel der Veränderungen: Die Kinder nicht vergessen!

Vermutlich werden Sie aufatmen, wenn dieses Jahr in wenigen Stunden zu Ende geht. Für die allermeisten von uns hat es die unterschiedlichsten Veränderungen und Belastungen mit sich gebracht.

Da sind einige Leser, die selbst mit dem Coronavirus erkrankt sind und erfahren haben, dass diese Erkrankung wahrlich mehr machen kann als andere Atemwegsinfekte. Obwohl ihre Krankheit nach außen hin zumeist nicht gar so schlimm erscheint, sind sie vielleicht von einer lähmenden Müdigkeit betroffen, die sie ängstigt. Eltern fragen sich, wie lange kann ich noch für meine Kinder da sein?

Andere Menschen erleben die Folgen des Virus nur aus den Medien und kennen vielleicht keinen, der betroffen ist. Sie merken nicht, dass die Familie an der Kasse des Einkaufsmarktes vor ihnen zum ersten Mal wieder in der Öffentlichkeit ist und die Mutter der drei Kinder es kaum schafft, so lange auf den Beinen zu bleiben. So bleibt ihre Sicht der Welt, dass die Pandemie von böswilligen Kräften gesteuert würde, unverändert.

Viele Kinder kennen zwar das Wort Corona, aber was das genau bezeichnet, ist vielen nicht klar. Sie wissen nur: Seit sie dieses Wort hören, hat sich die Welt komplett verändert. Im Kindergarten dürfen sie nicht mehr zu ihrer Freundin in die andere Gruppe. Ein Kindergeburtstag findet nur im kleinsten Rahmen statt – und Spontanität unter Kindern wird an allen Ecken und Enden ausgebremst. Obwohl sie erst 3 oder 4 Jahre auf dem Planeten leben, sind sie bereits um eine volles Jahr Sorglosigkeit betrogen worden. Wenn über Kinder geredet wird, sind entweder die Eltern gemeint (Vereinbarkeit mit der Arbeit) oder die Bildung (sprich: die Wirtschaft). Beides wichtige Aspekte. Aber sollten wir nicht mehr an die Lust der Kinder denken zu rennen, zu spielen, zu probieren, zu lachen, mit Freunden zusammen zu sein?

Jugendlichen geht es kaum besser. Sie wollen sich vom Elternhaus abnabeln und ihr eigenes Leben aufbauen. Dazu suchen sie Freunde, mit denen sie gemeinsam verrücktes erleben wollen, ausprobieren, über die Stränge schlagen. Wenn sie heute provozieren, verstoßen sie sofort gegen Regeln, die zum Schutz der Gesellschaft etabliert wurden: Treffen zweier Haushalte? Gerade noch möglich. Aber wie soll ein Jugendlicher Erfahrung sammeln ohne sich in seiner Gruppe von Freunden zu treffen? Die meisten wurden um ein Jahr Jugend beraubt – der Vergleich sei erlaubt – wie ihre Großeltern im Krieg, wenngleich damals Gewalt und Hunger hinzukamen. Nebenbei wird die Partnersuche auf später verschoben. Ganz schön heftig.

Und Sie als Eltern? Vielleicht hatten Sie nie Kontakt zu jemandem, der die Coronainfektion erlebt hat. Sie erleben aber die Folgen umso deutlicher: In der Arbeit (Homeoffice), zuhause (zu enge Wohnung für eine Quarantäne) und mit den Kindern (die nicht in die KiTa oder die Schule dürfen und sie müssen trotzdem schauen, dass Geld aufs Konto kommt).

Es verwundert nicht dass Menschen aufmucken. Das Volk will nicht mehr folgen. Vielleicht eint uns bald doch der Gedanke, das Virus bewusst austrocknen zu können? Mit Maske, Abstand und Hygiene? Noch sind viele dazu nicht bereit.

Alle zusammen haben wir Lust auf das neue Jahr. Hoffentlich gelingt es uns das Virus einzugrenzen, wie auch immer. Und möglichst schnell. Deswegen wünschen sich die meisten eine Impfung – aber bitte ohne Hast. Eine solche Maßnahme muss gut geplant und überlegt sein. Eile ja, Hast nein.

Ich wünsche Ihnen, dass im kommenden Jahr zumindest ein Teil unserer zarten Wünsche in Erfüllung gehen wird: Wieder einmal Freunde umarmen, Kinder spielen und Jugendliche in Clubs abhängen lassen so wie sie es wollen.

Ganz herzlich grüßt Sie, Ihr

Was geht rum? 19. Dezember 2020

Kinder im Lockdown: Weniger Sport, aber mehr Bewegung

Bald Corona-Speichel-Tests für zuhause? 

Aus der Wissenschaft: Spielen fördert die Sprache

Atemwegsinfekte im Ländle

 

Die ersten Tage im zweiten Lockdown liegen hinter uns. Die Kinder sind zuhause, ihr Bewegungsdrang findet nun auf kleinem Raum statt. Oder auch nicht. Im ersten Lockdown im Frühjahr haben sich in Karlsruhe die Kinder jeden Tag sogar 36 Minuten länger bewegt als zuvor.

Das legen zumindest Daten einer Studie des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe nahe. Die Forscher um Alexander Woll untersuchten 1711 Kinder und Jugendliche (4-17 Jahre) und fanden eine erhöhte Alltagsaktivität (habitual physical activities), während die Zeit für sportliche Aktivitäten im Schnitt um 10,8 Minuten pro Tag zurückging. Das betraf besonders Jugendliche (minus 15,6 Minuten), jedoch kaum die Kleinkinder (minus 2,2 Minuten). Die Kehrseite dieser Zeit war, dass die Youngsters zusätzlich mehr als eine Stunde vor dem Bildschirm verbrachten: Je zu einem Drittel mit Fernsehen, Spielen und im Internet. So merkte der Studienleiter Prof. Dr. Woll in einer Pressemittelung dann auch an: „Spielen im Freien, Fahrradfahren, Garten- oder Hausarbeit haben nicht dieselbe Intensität wie Training und Wettkämpfe im Verein. Wie sich der Wegfall von Sport in Schule und Verein langfristig auf die Motorik oder das Übergewicht auswirkt, wissen wir noch nicht.“ Eltern sollten versuchen – soweit möglich – dies auszugleichen, in dem sie gezielt mit ihren Kindern sportlich aktiv bleiben.

Testung mit Naso-Pharyngeal-Abstrich. Quelle: pixabay, lukasmilan

„Testen, testen, testen … aber gezielt“ – so hieß es vor Wochen aus Bayern. Das könnte auch in unserem Bundesland möglich werden. Zum einen ist in den USA ein Schnelltest von der FDA freigegeben worden, den sich dort Privatpersonen für die Selbsttestung besorgen können (nur zugelassen ab einem Alter von 14 Jahren). Darüber haben wir im praxisblättle bereits von 4 Wochen berichtet. Zum anderen gibt es eine Studie, die den Weg zu Testungen daheim und auch bei Kindern ebnen könnte: Speicheltestungen (bzw. Mundspülungs-Tests) sind deutlich weniger belastend. Die Ergebnisse – so zeigt es die Studie um Mini Kamboj vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York (in Englisch) – sind von ähnlicher Qualität wie die der Nasen-Rachen-Abstriche.

Draußen ist es ungemütlich, Shopping ist faktisch unmöglich. Kinder und Eltern sind vermehrt in ihren vier Wänden. Zeit gemeinsam zu backen. Oder auch zum Spielen, Mensch-ärgere-Dich-nicht. Das macht viel Spaß und unterstützt die Entwicklung ungemein. Das konnte eine Studie der australischen Forscher um Angela Gialamas zeigen. Darin wird die Sprachentwicklung und Verhaltensentwicklung von Kindern beleuchtet und sogar in Zahlen gefasst. So konnte die Längsschnittstudie an 4243 Kindern zeigen, welchen Nutzen auf die weitere Entwicklung eine „Zeitinvestition“ in Kinder haben kann. Bildungsfördernde Angebote, Vorlesen und Malen für die Kinder im Alter von 2-3 Jahren haben einen enormen Nutzen: Jede Stunde mit solchen Angeboten ist mit einer Zunahme des passiven Wortschatzes um 0,95% verbunden. Selbst das einfache Spielen mit Kindern (2-3 Jahre und 4-5 Jahre alt) verbesserte den Wortschatz um ca. 0,7%. Friedrich Schiller kommt einen in den Sinn: „Hoher Sinn liegt oft im kind’schen Spiel“.

Konsultationsindex der Atemwegserkrankungen in Baden-Württemberg bezogen auf Altersgruppen und im Vergleich zu Wintersaison 2019/2020 (braun Kurve). Quelle: AG Influenza

Die Zahl der Atemwegserkrankungen – oder akute respiratorische Erkrankungen (ARE) – nimmt langsam Fahrt auf. In der letzten Woche (KW 50) stiegen die Erkrankungszahlen bei Kindern bis 14 Jahre spürbar an. Unterschiede zur letztjährigen Infektsaison sind kaum auszumachen.

Im Ländle haben Politik und Verbände über die Feiertage vier Wochen Zeit, ein stimmiges Konzept für Kindergärten und Schule zu erstellen, um das Bedürfnis der Kinder und Jugendlichen nach Nähe in Gruppen zu ermöglichen ohne gleichzeitig dem Coronavirus Tür und Tor zu öffnen: Welche Klassengrößen sind möglich? Weiterführung des Präsenzunterrichts? Wie können Kinder spontan in der Kita spielen? Regelmäßige Testungen? Impfungen sind bis zum Alter von 16 Jahren bisher nicht zugelassen. Wir brauchen kreative Lösungen. Und den Mut neues zu wagen – für die Kinder, die in vielen Diskussionen wieder einmal ganz hinten auftauchen.

Australien. Vor einem Jahr mussten die Koalas unter den massiven Waldbränden extrem leiden. Quelle: pixabay, jesiana

Was geht in der Welt rum? Manchmal möchte man diesem Pandemie-Durcheinander gerne entfliehen. Weit weg. Zum Beispiel nach Australien. Dort ist Corona fast im Griff, so mag es scheinen: Während im Ländle die 7-Tage-Inzidenz bei 199,1 (18.12.) liegt, hat Australien einen Wert von 0.3 (18.12.) aufzuweisen. Dann lässt sich wohl verschmerzen, dass dort bald wieder die Ross River-Krankheit von tagaktiven Stechmücken übertragen wird. Wie schön, wenn man sich nur gegen Mücken schützen muss.

Im Frühjahr, kurz bevor die Pandemie unser Leben veränderte, haben viele der praxisblättle– Leser in unserer Umfrage ihre Bereitschaft erklärt, uns auch finanziell zu unterstützen. Das hat uns sehr gefreut und uns Mut gemacht. Bei spürbar zunehmenden Kosten können wir dieses Format nur mit Ihrer aktiven Hilfe fortführen. Unterstützen können Sie uns ganz klassisch per Überweisung (planet4kids media, Fidor Bank AG,  DE97 7002 2200 0020 4770 40, FDDODEMMXXX; Stichwort „praxisblättle“). Oder Sie nutzen Patreon, über den Sie uns einen kleinen Betrag monatlich spenden können.

Welche Kosten fallen für die Erstellung des praxisblättle an (wichtigste Posten)?

  • Fotographie. Manche Bilder müssen eingekauft werden. 
  • Zugang zu Original-Literatur. Medizinische Fachliteratur ist meist nicht kostenlos.
  • Kosten für Unterhalt und Pflege der Homepage. 

Es wäre schön, wenn Sie Ihrem praxisblättle ein kleines Präsent unter den Baum legen würden.

Ich wünsche Ihnen Gelassenheit, diese besonderen Tage für Dinge zu nutzen, die schon lange links liegen geblieben sind. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Was geht rum? 28. November 2020

Die GRÜNEN und die Homöopathie

USA: Coronainfektionen auf dem Land häufiger als in der Stadt

♦ Auch in Hotspots ist keine Herdenimmunität in Sicht

♦ Immer mehr Kinder in Deutschland wegen COVID-19 im Krankenhaus

Die Bundespartei der Grünen hat sich in den letzten ein heißes Thema vorgenommen: die Homöopathie. Und sie hat es in internen Diskussionsrunden geschafft, Position zu beziehen: Von den Krankenkassen sollen nur noch Leistungen übernommen werden, „die medizi­nisch sinnvoll und gerechtfertigt sind und deren Wirksamkeit wissenschaftlich erwiesen ist“. Dabei wird das Wort „Homöopathie“ umgangen, ebenso aber auch Formulierung, dass im Einzelfall eine Kostenübernahme möglich sein sollte, wie manche Delegierte auf dem Bundesparteitag forderten.

Die Mobilität in Deutschland hat sich während des Shutdowns verändert. Das zeigt eine neue Untersuchung, die auf der Basis der Mobilfunkdaten die Mobilität errechnet. Es zeigt sich, dass im ersten Shutdown die Mobilität um bis zu 55% zurückging. Im zu Ende gehenden Monat November liegt der maximale Rückgang der Mobilität bislang bei 22%. Diese Zahlen sind ein klarer Hinweis, dass die Menschen sich in der Pandemie zurückhalten.

Erkrankungszahlen an COVID-19 pro Wochen und 100.000 Einwohner („Wocheninzidenz“) bezogen auf die Bewohnerdichte der jeweiligen Region (county) in den USA Quelle: Lindsey M. Duca et al im MMWR, veröffentlicht vom CDC

Überraschende Daten zu COVID-19: In den USA erkranken mehr Personen in ländlichen Gebieten als in städtischen (Metropolen). Auch aus Deutschland kommen immer wieder Meldungen, dass dünn besiedelte Regionen wie der Landkreis Hildburghausen in Thüringen mit Wocheninzidenzen von über 400 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner oder der Landkreis Tuttlingen in Baden-Württemberg mit 276 Erkrankungen (Stand: 26.11.2020) auffallen.

Coronainfektionen in Berlin: 7-Tages-Inzidenzen (pro 100.000 Einwohner) in Berlin. Auf der x-Achse sind die Kalenderwochen aufgetragen, auf der y-Achse die Altersgruppen. Quelle: SurvNet des RKI

Die Zahlen für Berlin sind weit dramatischer. Für die Jugendlichen von 15-19 Jahre liegt der Wert bei 390, in Berlin Mitte gar bei 637. Es erstaunt nicht, dass unter diesen Umständen 5% aller Berlinere Schüler in Quarantäne sind Und dennoch: Einfache Erklärungen greifen nicht.

Nach fast einem Jahr in der Pandemie ist an eine beginnende Herdimmunität nicht zu denken. Weder bei uns, noch in Spanien oder Italien. Auch das stark gebeutelte Amerika ist weit davon entfernt, wie eine sehr gut gemachte Studie von Kristina L. Bajema und Mitarbeiter zeigt. Die Zahl der Amerikaner, bei denen im Serum Antikörper gegen das SARS-CoV-2 nachgewiesen wurde, schwankt stark. In den meisten Staaten liegt die Rate unter 10%, in vielen sogar unter 1%. Nur in New York, das vor Monaten heftig gebeutelt wurde, waren es fast 25%. Und das ist noch weit davon entfernt, eine Immunität zu vermitteln. Dazu müssten mindestens 70% einer Population mit dem Virus – oder einer perfekten Impfung – in Kontakt gekommen sein. Es liegt weiterhin ein langer Weg vor uns.

Häufigkeit der stationären Behandlung von Kindern mit COVID-19 in deutschen Kliniken. Quelle: DGPI

In den letzten Wochen ist die Zahl der Kinder, die wegen COVID-19 stationär  behandelt werden musste rasant angestiegen. Die Zahl der wöchentlichen Fälle lag in der letzten Woche bei 16 Kindern. Der bisher höchste Wert mit 39 Meldungen datiert aus der letzten Oktoberwoche. Nicht alle Kliniken in Deutschland melden die COVID-19-Fälle. Dennoch fällt eine hohe Konzentration für Baden-Württemberg in Stuttgart und Freiburg auf.

Stationäre Aufnahme von Kindern in eine deutsche Klinik: Altersverteilung. Quelle: DGPI

Interessant ist auch die Altersverteilung: Über ein Drittel aller betroffenen Kinder sind Säuglinge, also jünger als ein Jahr. Wenn also von „Risikogruppen“ gesprochen wird, sollte auch an die Kleinsten gedacht werden, deren Immunsystem zwar sehr anpassungsfähig, aber eben auch unerfahren ist. Der Anteil der Jugendlichen (grüne Flächen) an den COVID-19-Erkrankungen ist deutlich geringer.

Praxisindex Baden-Württemberg: er spiegelt die Zahl der Patienten wieder, die sich wegen Atemwegsinfekten in einer Praxis vorgestellt haben. Quelle: AG Influenza

Alle reden von Corona. Das ist auch richtig. Gemessen an den Erkrankungen mit dem SARS-CoV-2 spielen andere Infektionen im Moment im Ländle eine untergeordnete Rolle. Das zeigt die aktuelle Graphik für die Praxisbesuchen wegen Atemwegsinfektionen (rote Kurve). Inzwischen ist der Tod an COVID-19 sogar die häufigste Todesursache, vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs. Alles Querdiskutieren kann diese Zahlen nicht ändern.

Was geht in der Welt rum? Neben der Corona-Pandemie ist für tropische Länder das Dengue-Fieber eine Geisel. Die Tödlichkeit dieser Erkrankung ist bei weitem nicht so hoch. Aber die Erkrankung ist dennoch für die armen Menschen dieser Regionen sehr belastend. Aus Indien wurden bis Ende September 16.439 Fälle gemeldet, darunter 12 Todesfälle. Diese Häufigkeiten werden in der momentanen Regenzeit noch deutlich ansteigen. Eine Therapie oder eine Impfung gegen das Dengue-Fieber sind nicht in Sicht.

Ich wünsche Ihren Kindern und Ihnen ein angenehmes Wochenende, bleiben Sie konsequent und gesund, Ihr

Was geht rum? 21. November 2020

♦ Heißer Tee im Winter – für Kinder ein Risiko (Verbrühung / Verbrennung)

♦ Corona-Impfstoffe – Medienkampagne vor Impfung: eine kleine Klarstellung

Corona-Schnelltest für zuhause: Brauchen wir den?

Nach einem Ganz-besonders-Spätherbst mit frühlingshaften Temperaturen am letzten Wochenende, ist der November zurück. Kühl, nass, lange Nächte. Wir sitzen in kuscheligen Wohnungen und es verlangt uns nach Heißgetränken. Kurzum: Die Gefahr für Verbrennungen bei Kindern steigt mit jeder Minute, die die Sonne uns weniger küsst.

Vieles kann in diesen Tagen zur Gefahr werden: Die Tasse heißer Tee steht am Tischrand und wird vom Kind heruntergezogen. Die heiße Kaminofenscheibe wird vom Kind eingesetzt um sich aufzurichten. Es gibt viele, oft unerwartete Anlässe sich zu verbrühen oder verbrennen. In einem Beitrag des praxisblättle können Sie die Einzelheiten nochmals studieren. Oder schauen Sie sich Paulinchen e.V. an.

Erste Impfstoffe gegen das SARS-CoV-2 kommen bald auf den Markt. Die Rede ist von 100’ten Millionen von Impfdosen. Die Aufgabe, die Impfung zu denen zu bringen die sie benötigen und wollen, ist eine Herkulesaufgabe. Quelle: pixabay, Dean Page

Seit zwei Wochen sind die Aussichten auf einen Impfstoff gegen das Coronavirus gestiegen. Zwei Kandidaten konnten nachweisen, dass ihr Impfstoff wirkt: BioNTech/ Pfizer (Mainz, USA) und Moderna (ursprünglich Harvard-University, jetzt auch Investoren wie BlackRock). Mit der Bekanntgabe der Daten begann auch ein kleiner Medienkrieg, zweitweise mit unfairen Vergleichen. Deswegen stellen wir hier die wichtigsten Daten einander gegenüber:

BioNTech Moderna
Art der Impfung mRNA-Vakzine (BNT162b2) mRNA-Vakzine (mRNA-1273)
Dosis pro Impfung 30 µg 100 µg
Temperatur Dauer-Lagerung – 70° Celsius – 20° Celsius
Temperatur Kurzzeitlagerung +2° bis +8° Celsius für max. 5 Tage +2 bis +8° Celsius für 30 Tage
Dosierung 2×1 Disis (Tage 0-21) 2 x 1 Dosis (Tage 0 – 28)
Teilnehmer Studien-Phase 3  43.538 (10.11.2020) > 30.000
Effektivität 95,3% (8 von 170) 94,5% (5 von 95)
sicher Impfschutz 28 Tage nach 1. Impf-Dosis 30 Tage nach 2. Impf-Dosis
unerwünschte Wirkungen Schmerz an Impfstelle, Muskelschmerz Schmerz an Impfstelle (2,7%), Muskelschmerz (8,9%)

Die Zusammenstellung zeigt: Die Impfstoffe sind sich sehr ähnlich: Beide sind mRNA-Vakzinen. Kleine Unterschiede gibt’s, der Rest ist Medienkampagne von Firmen, die auch einen finanziellen Erfolg suchen. Unstrittig ist, dass beide Impfstoffe hervorragend wirken – „besser wird’s nicht…“, so der  US-Virologe Anthony Fauci, bekannt durch einige Pressekonferenzen mit US-Präsident Trump, dessen oftmals falsche Angaben bei ihm sichtbares Stirnrunzeln auslösten. Beide Impfstoffe könnten helfen, die Pandemie besser zu beherrschen. Doch Impfungen werden von vielen Menschen eher als Bedrohung empfunden. Deswegen ist es wichtig, dass eine Impfpflicht nicht mehr als eine unsinnige Idee bleibt. Wie schon bei der Masernimpfpflicht werden Abwehrreflexe ausgelöst, die nicht hilfreich sind. Es sollte klar sein: Die Pharmaindustrie stellt Impfstoffe her (dafür ist sie auch da), sie darf damit auch Geld verdienen. Aber wir als Bürger entscheiden, ob wir uns impfen lassen wollen. Es ist schon schlimm genug, dass das Tragen der Gesichtsmaske trotz guter wissenschaftlicher Daten zum Politikum wurde.

Beide Hersteller werden ihre Studien fortsetzen, bis mindestens 164 COVID-19-Erkrankungen unter den Geimpften aufgetreten sind. Erst dann ist eine reguläre Zulassung möglich. BioNTech hat inzwischen die Notfallzulassung beantragt, Moderna wird bald folgen.

Inter-City-Express: immer wieder ein Erlebnis, auch wegen der Fahrleiter der Bundesbahn Quelle: pixabay, holzijue

Und noch ein Hinweis zum Maskentragen aus dem ICE 373 von Berlin nach Interlaken. Bahnfahren macht Spaß!

Und nun auch neue Nachrichten zum Testen: Die FDA (Federal Drug Administration) hat per Notfallzulassung (emergeny use authorization) einen Corona-Schnelltest für den Hausgebrauch zugelassen: Lucira® heißt er, kommt aus Kalifornien und ist für alle Menschen ab 14 Jahren zugelassen. An Kindern unter 14 Jahren darf er auch angewendet werden. Aber nur durch medizinisches Fachpersonal (healthcare provider). Der Preis liegt in den USA bei 50 USD. In Einzelfällen kann dieser Heim-Schnelltest bei korrekter Anwendung weiterhelfen, zumal er recht genau ist.

Und was geht – außer Corona – sonst noch rum? Nur wenige Erkrankungen. Schnupfeninfekte sind die häufigsten, die aber seit der Pandemie kaum wahrgenommen werden. Daneben gibt es auch Kinder, die eine Bronchitis haben – nicht Corona-bedingt. Und wie immer: Fast keine Kinderkrankheiten, außer Windpocken, die aber um 70% weniger auftreten als im letzten Jahr.

Was geht in der Welt rum? Seit drei Jahren leidet Nigeria unter Ausbrüchen von Gelbfieber. Im letzten Jahr wurden 4.290 Erkrankungen vermutet und 231 Todesfälle gesichert. Seit Januar 2020 wurden 2.285 Verdachtsfälle registriert und 23 Infektionen gesichert. Bis heute gibt es keine Medikamente, um diese Viruserkrankung nach Ausbruch zu behandeln. Aber es gibt eine extrem erfolgreiche Impfung. Eine einzige Impfung – zugelassen ab dem Alter von 9 Monaten- schützt nach heutigen Daten lebenslang.

Mit diesen ermutigenden wie ich finde ermutigenden Nachrichten wünsche ich Ihnen ein sonniges und fast winterliches Wochenende, Ihr

Was geht rum? 14. November 2020

Themen

Corona auf der Südhalbkugel der Erde

♦ COVID-19 bei Kindern – ein differenzierter Blick auf die Schulen

♦ Sesamallergie

♦ Welche Infektionen spielen noch eine Rolle?

Remo Largo – ein großer Kinderarzt ist von uns gegangen

 

Kommen Sie aus dem Ausland nach Deutschland zurück? Dann gelten für Sie seit dieser Woche neue Einreisebestimmungen. Die scheinen auf den ersten Blick klar, verweisen aber darauf, dass letztlich die Regelungen des einzelnen Bundeslandes gelten. Und wie die aussehen, steht auf einem anderen Blatt. Auf welchem? Eines brauchen Sie in jedem Fall: die digitale Einreiseanmeldung.

Coronaerkrankungen haben etwas mit dem Winter zu tun: Vergleich der Häufigkeiten auf der nördlichen Halbkugel gegenüber der Südhalbkugel. Quelle: Economist

Eigentlich wäre es wohl sinnvoller, über den Äquator hinaus auf die südliche Erdhalbkugel zu reisen. Dort werden die COVID-19-Erkrankungen im Moment seltener (Sommer). Bei uns sind sie weiter im Ansteigen (Winter). Daran wird auch eine Impfung in den kommenden Monaten in der Summe nur wenig ändern.

Lernen im Präsenzunterricht. Kommen bald Einschränkungen? Quelle: pixabay, klimkin

Eine Veröffentlichung von Zoë Hyde von der University of Western Australia (in Englisch) beleuchtet mit dem Wissen von heute den Stellenwert des SARS-Virus für Kinder und Schulen. Lange ging man davon aus, dass Kinder im Infektionsgeschehen nur eine geringe Rolle spielen würden. Ein großer Teil der Studien zu diesem Thema stammt aus der ersten Hälfte des Jahres, als viele Länder noch im Lockdown waren. Daten der letzten Monate jedoch sprechen dagegen. Schweden ist eines der Gegenbeispiele: Hier waren die Schulen immer offen und die Antikörpertests im Blut zeigten, dass die Rate durchgemachter Erkrankungen bei Kindern und jungen Menschen (0-19 Jahre) mit 6.8% Nachweis schützender Antikörper sogar leicht höher lag als die bei den Erwachsenen im Berufsleben (20-64 Jahre) mit 6.4%. Vieles spricht also dafür, dass die Virusbelastung bei Infizierten in allen Altersgruppen ähnlich hoch ist. Dabei weicht die Höhe der Viruslast kleiner Kinder oft ab (bei ihnen kann in der Regel weniger Material zur Testung gewonnen werden, z.B. wegen der Enge der Nase). Kinder sind also vermutlich genauso infektiös wie Erwachsene. Sie erkranken nur oft schneller und fallen nur mit deutlich weniger Symptomen auf. Dadurch fällt die Erkrankung oft zunächst bei den Erwachsenen mit Symptomen auf. In der Nachverfolgung zeigt sich dann auch bei Kindern ein positiver Rachenabstrich, weswegen wie oft als „Kontaktperson“ eingestuft werden. Dennoch ist die eigentliche Kontaktperson der erkrankte Erwachsene ist, der sich beim asymptomatischen Kind angesteckt hatte. Die Arbeit aus Australien ist eine differenzierte Analyse der Situation von Kindern in Schule und Haushalt – Pflichtlektüre für alle Eltern.

Im Monat Oktober wurden in den USA etwa 200.000 Fälle von COVID-19 alleine bei Kindern gefunden. Es gibt Hinweise, dass sich diese meist bei jungen Erwachsenen (Eltern!) ansteckten. Das bestätigt auch die Biospecimens from Respiratory Virus-Exposed Kids (BRAVE Kids) Study (in Englisch) aus North Carolina. Darin untersuchten die Forscher Kinder und junge Erwachsene (< 21 Jahre), die in einem Haushalt mit einem COVID-19-Patienten lebten. Von den Kindern zeigten 77% einen positiven Rachenabstrich auf SARS-CoV-2 (PCR). Dabei waren Kinder der Altersgruppe von 6-13 Jahren häufig asymptomatisch, während die Kleinkinder und Jugendlichen häufiger Symptome hatten. Das Risiko sich anzustecken war zwischen Geschwistern um 50% höher. Auch in dieser Studie erkrankten von Asthma betroffene Kinder seltener als Kinder ohne Asthma. Asthma scheint also kein Risikofaktor zu sein.

Noch eine sehr spannende Arbeit aus den USA. Ein Forscherteam um Serina Chang von der Stanford University (in Englisch) untersuchte anhand der Handydaten, wo sich Menschen in verschiedenen Städten der USA aufhielten: Restaurants, Hotels, Geschäften oder Fitnessstudios. Diese Daten setzen sie in Relation zu den gemeldeten Infektionsdaten. So konnten sie beispielsweise zeigen, dass im März die Zahl der Menschen in der Metro von Chicago um 54,7% zurückging. An den einzelnen Punkten (point of interest; POI) wie eben Restaurants zählten sie die Zahl der Infektionen, die in den Monaten März, April und Mai auftraten. Dabei fanden sie superspreader POIs: Also Orte, an denen sich viele Menschen ansteckten wie in der Metro in Chicago. Wieder zeigte sich, dass 10% der POI für 85% aller Infektionen verantwortlich waren. Das sind die Cluster, von denen häufig die Rede ist. Sie aufzuspüren und auszuschalten wäre also extrem wirkungsvoll.

Sesam. Quelle: ptw

Sesam: Lecker und in mancher Hinsicht „gesund“ – aber als allergieauslösendes Nahrungsmittel nicht zu unterschätzen. In den USA hat die FDA (Food and Drug Administration) eine Leitlinie („draft guidance“) zur Diskussion gestellt, die das Allergen Sesam betrifft. Darin werden die Hersteller von Nahrungsmitteln aufgefordert, dieses Allergen auf ihren Produkten auf freiwilliger Basis klar zu deklarieren. Die FDA stellt fest, dass die Bedeutung von Sesam für Allergiker deutlich zugenommen habe.

Atemwegsinfekte in Baden-Württemberg. Quelle: AG Influenza

Die Pandemie verlangt gerade von Kindern und Jugendlichen viel ab. Da bleibt es erfreulich, dass sich die Zahl der übrigen Infekte im Rahmen hält. Keuchhusten kam übers Jahr gesehen halb so oft vor wie 2019. Seit zwei Wochen gehen auch die Zahl aller Atemwegsinfekte zurück, wie die Graphik zeigt: Die rote Linie (2020) nähert sich der braunen Linie (2019) an. Die meisten dieser Infekte sind Schnupfeninfekte und somit ein erstes Warmlaufen des Immunsystems für die künftigen und schwierigen Aufgaben in diesem Winter: Influenza + Corona.

Was geht in der Welt rum? Wohl kaum jemand aus Europa kann im Moment nach Afrika reisen. Auch wenn dies nur ein geringfügiges Risiko für Reisende darstellte, so machen die neu gemeldeten Erkrankungen mit dem Impfstoff-abgeleitetem Poliovirus Typ 2 (cVDPV2) Sorge. Betroffen sind Mali (bislang in diesem Jahr 26 Fälle) und ganz aktuell auch die Republik Kongo, die den ersten Fall seit 10 Jahren meldet. Trotz weltweiter Bemühungen, zieht sich die Ausrottung der Poliomyelitis schon seit Jahren hin. Dabei leidet Afrika schon massiv unter den Geiseln Malaria, Tuberkulose und inzwischen – indirekt – unter dem Coronavirus (reduzierte Impfprogramme, Einschränkung der Meinungsfreiheit u.a.).

Remo Largo Quelle: nifbe.de

«Der Mensch kann nicht irgendein Leben führen, sondern nur sein eigenes» hat er einmal gesagt. Nun ist der anerkannte Schweizer Entwicklungspädiater Remo Largo im Alter von 77 Jahren verstorben. Vielen Eltern gab er Orientierung, die Entwicklung ihrer Kinder besser zu verstehen: Bestseller wie «Babyjahre», »Kinderjahre», «Jugendjahre» zeugen davon. Für uns Kinderärzte öffnete er mit seinen Publikationen und in seinen Seminaren neue Welten. Er war Wissenschaftler, Philanthrop und ein begnadeter Kinderarzt zugleich. Die Maßstäbe, die er setzte, werden weiter wirksam sein.

 

Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende, Ihr

 

 

Was geht rum? 24. Oktober 2020

Jedes Jahr gehört eine bunte Diskussion über den Sinn einer Impfung gegen Influenza (Grippeimpfung) ebenso zum Herbst wie die farbenfrohen Blätter. Da ist es gut, wenn das RKI schon vorab einige Daten veröffentlicht, die diese Diskussion versachlichen können.

Wirksamkeit der Impfung gegen Influenza. Quelle: Epidemiologisches Bulletin 45 des RKI

Die Tabelle des RKI links fasst die Informationen kurz zusammen. Darin ist die Wirksamkeit der Grippe-Impfstoffe ab der Saison 2012/2013 bis zur letzten Saison sowohl für das Influenza-Virus Typ A (zwei Subtypen) und das Influenza-Virus Typ B aufgeführt. Demnach lag die Wirksamkeit in letzten Winter – also von Januar bis März 2020 – bei 61-73% und damit günstiger als in den Jahren zuvor. Ein guter Grund, die Grippe-Impfung auch dieses Jahr wahrzunehmen. Ohne Gewissheit auf Erfolg. Es gab allerdings auch Jahre, in denen die Impfung wenig wirksam war wie 2016/2017. Übrigens: Grippeimpfungen sind auch für Kinder ab 6 Monate sinnvoll und empfohlen.

In jedem Fall wären wir sehr glücklich, gäbe es eine solche Impfung bereits für das SARS-CoV-2. Immerhin sind die Aussichten besser geworden. So präzisierte die für die Zulassung von Impfstoffen in den USA zuständige FDA die Bedingungen für eine Notfallgenehmigung (Emergency Use Authorization) für COVID-19-Impfstoffe. Darin verlangt sie beispielsweise eine Nachbeobachtung nach der letzten Impfung von mindestens 2 Monaten. Die Firmen Moderna (USA) und BioNtech (Mainz) könnten, wenn die Tests weiterhin gut laufen, Ende November den Antrag stellen. Das wäre eine sensationell schnelle Entwicklung eines Impfstoffes.

Vor einer Woche hat es Prof. Dr. Christian Drosten nochmals erwähnt: Das Cluster-Kontakt-Tagebuch. Er empfiehlt, dass jeder am Abend kurz notiert, in welcher Situation am Tag sie/er sich etwas unwohl fühlte, weil sie/er mit vielen Menschen zu eng zusammen war. Damit erzielt man zwei Effekte:

  1. Sollte man tatsächlich erkranken, kann man mit der Hilfe dieses Tagebuches die Quelle der Infektion, also das Quell-Cluster erkennen. Das würde den Ermittlern im Gesundheitsamt helfen, viele andere Personen zu identifizieren und dieses Quelle des Virus auszuschalten.
  2. Gleichzeitig sensibilisiert so ein Tagebuch „mich selbst“: Es wird mir klar, in welche heiklen infektiösen Milieus ich mich begebe. Und vielleicht schaffe ich das, dies künftig zu vermeiden. 

Jugendliche und junge Erwachsene haben’s nicht leicht im Moment. Sich mit Freunden treffen und Party machen ist Teil ihres Lebens. Das ist heute nicht anders als früher. Sie setzen sich von den Eltern ab, finden unter ihren Altersgenossen ihre neuen Freunde. So entwickeln sie einen Lebensplan, probieren manches aus, auch nicht immer nur harmloses. Und junge Menschen  finden Freundschaften, oft auch die große Liebe. Jetzt kommt Corona und kaum mehr etwas ist so richtig erlaubt. „Weißt Du noch, als wir damals …..“, das höre ich von vielen alten Leuten. „Auch wir waren keine Engel“ sagen sie. Die gleichen Leute verlangen aber von den Jungen den totalen Verzicht. Jetzt echt? Sie als Eltern sind noch nicht lange von den chaotischen Zeiten der Jugend entfernt. Sie können besser verstehen, warum diese Party machen. Ich meine, Corona trifft die Menschen in den ersten 3 Lebensjahrzehnten mehr als andere. Nicht als Todesfall, aber als Verlust von Unbeschwertheit und Lebenslust. Wie denken Eltern mit jugendlichen Kindern darüber?

Satellit im All Quelle: NASA

Gute Nachrichten gibt es auch. Die neueste Analyse der Satelliten-Daten der NASA ergab, dass im Jahre 2019 die Umweltverschmutzung mit Schwefeldioxid (SO2) weltweit um 6% zurückgegangen ist. Die Forscher nehmen an, dass die Kohlekraftwerke in Indien, China und Russland weniger zum Einsatz kamen als in den Jahren zuvor. Ein zarter Lichtschimmer für eine bessere Umwelt für unsere Kinder.

Mit den üblichen Schnupfenviren verabschieden sich die Schüler im Ländle in die Herbstferien. Vereinzelt tritt Krupphusten auf sowie bei den Kleinkinder obstruktive Bronchitis. Durchfall gibt es allenfalls als Begleitreaktion dieser Infekte und ganz selten infolge von Salmonellen. In der gesamten Woche trat kein einziger Fall von Rotavirusinfektion auf. Nicht erstaunlich. Im ganze Jahr ist die Häufigkeit dieser sonst typischen Infektion bei Kindern fast auf ein Fünftel gefallen.

Das praxisblättle – gegründet 1993 – erscheint seit fast 3 Jahren als Blog. Es freut uns, wenn Sie unsere Beiträge gerne lesen und wir Ihnen etwas wert sind. Ihre Wertschätzung können Sie mit einer „kleinen Spritze“ über Patreon ausdrücken. Damit tragen Sie dazu bei, dass der Blog erhalten und weiter entwickelt werden kann. Einzelheiten finden Sie immer auf der Titelseite das Blog rechts oben („Unterstützung“). Danke!

Traumhafte Schweiz. Quelle ptw

Was geht in der Welt rum? Viele Menschen aus Baden-Württemberg haben den Sommer genutzt und einen Tagestrip in die Schweiz unternommen. In Erinnerung sind herrliche Landschaften und grauselige Preise in den Spunten- pardon Restaurants. Gleichzeitig lauerte im Land der Eidgenossen auch die FSME. Bis Mitte Oktober wurden 428 Infektionen mit dem Zeckenvirus festgestellt. Im Ländle waren es zur gleichen Zeit 336 – trotz 3 Millionen mehr Einwohner.

Ich wünsche Ihnen eine entspannte Ferienwoche mit Ihren Kindern, Ihr

Was geht rum? 17. Oktober 2020

Heute geht es wieder einmal um …. das Coronavirus. Für alle, die gerne Texte auswendig lernten, gab es früher „Die Glocke“ von Friedrich Schiller. Die moderne Variante ist die Verordnung über die Maskenpflicht auf öffentlichen Plätzen der freien Hansestadt Hamburg. Keine Sorge, wir werden Sie nicht abfragen.

Lüften- ein wichtiges Prinzip, um Viren aus Innenräumen zu verjagen. Quelle: pixabay, Bru_nO

Aber mal echt: Ab kommenden Montag wird in den Schulen in Baden-Württemberg ab der 5. Klasse die Maskenpflicht eingeführt. Also auch im Unterricht. Darüber hinaus soll in Klassenzimmern alle 20 Minuten für 3-5 Minuten gelüftet werden – am besten Querlüftung. Warum das günstig ist, haben Sie in einem Beitrag des praxisblättle vom letzten Samstag schon lesen können. Die aktuelle Empfehlung des Umweltbundesamtes finden Sie hier.

Was gestern noch richtig war, ist heute überholt. Wenn Sie sich aktuell über den Stand der Infizierten in einem Landkreis informieren wollen, dann hilft Ihnen diese Karte des RKI (COVID-19-Dashboard) weiter. Die Zahlen gehen in den meisten Regionen im Ländle steil nach oben.

Nun liegen die PoC-Tests vor, kurz Antigentest und noch kürzer „Schnelltest“ genannt. Sie verändern in Kürze einige Regeln der Teststrategie. Quelle: pixabay, Belova59

Testungen werden immer häufiger durchgeführt. Das betrifft die PCR-Testungen, die in spezialisierten Labors durchgeführt werden müssen. Im besten Fall muss man auf das Ergebnis 24 Stunden warten – es sein denn, man ist der Präsident der USA oder wohnt neben einem Labor. Die neue Alternative sind die Antigentests (point-of-care test, PoC). Sie sind zwar etwas weniger genau, aber das Ergebnis wird an Ort und Stelle ermittelt und liegt in knapp 1 Stunde vor. Die Firma Roche hat eine weitere Verbesserung zum Ende dieses Jahres angekündigt. Das Testergebnis soll dann in 18 Minuten abzulesen sein.

Für Eltern ist insbesondere wichtig, dass die Kindergärten und Schulen nicht zu Corona-Hotspots werden. In dieser Beziehung ist Baden-Württemberg – noch? – ein Musterländle. Von den 63.000 Schul-Klassen sind weniger als 1% wegen eines Infizierten geschlossen. In Berlin sieht’s schon anders aus. An einer Schule sind neun Schüler infiziert, an einer anderen (Campus Rütli) im Bezirk  Neukölln gar 21 Schüler.

Wollen Sie eine kleine Reise unternehmen? Hier finden Sie die aktuellen Corona-Verordnungen des jeweiligen Bundeslandes.

Die Atemwegsinfekte zeigen sich im jahreszeitlich üblichen Rahmen und nehmen leicht zu. Bislang ist zumindest bei der Zahl der „einfachen Racheninfekten“ kein günstiger Effekt durch die AHA-Regeln zu erkennen. In einzelnen Fällen treten auch obstruktive Bronchitiden auf.

Erkrankungen mit Windpocken (nur 39 in der letzten Woche) gehen weiter zurück. Ob hierzu auch das häufige Tragen eines MNS beiträgt ?

Was geht in der Welt rum? In Pandemiezeiten wird deutlich weniger gereist. Schon gar nicht in ferne Regionen wie Ostafrika. Dort wurde das West-Nil-Virus erstmals 1937 in Uganda festgestellt. Seit der Jahrtausendwende gibt es Ausbrüche auch in den USA. In der Corona-Pandemie hat sich dieses Virus auf den Weg nach Deutschland gemacht und hat in diesem Jahr 12 Menschen infiziert. Davon betroffen sind Halle an der Saale, Leipzig und der Großraum Berlin. Das sind Städte, die in diesen Zeiten für Badener und Württemberger schon fast so etwas wie Ausland darstellen.

Für das Wochenende wünsche ich Ihren Familien gemütliche Stunden und viele Sonnenstrahlen. Herzliche Grüße, Ihr