Schlagwort: Dengue-Fieber

Was geht rum? 11. Juli 2020

Seit nun zwei Wochen gehen Grundschüler wieder zur Schule und die Kleinen in den Kindergarten. Bislang wurden nur vereinzelt mit dem Coronavirus infizierte Kinder entdeckt. Durch die konsequente Ermittlungsarbeit der Gesundheitsämter konnten die Infektionsketten schnell unterbrochen werden.

Wiesen-Bärenklau. Er wächst munter am Wegesrand, wo sich anderes Grün kaum entwickeln kann. Quelle: ptw

Draußen grünt es wunderbar. Und es scheint, dass der Wiesenbärenklau besonders gut gedeiht. Für Kinder hat diese Pflanze so ihre Tücken. Wenn Sie mehr erfahren wollen, finden Sie hier weitere Informationen.

Die Natur zeigt ihre ganze Diversität. Die Gräserpollen fliegen stark, aber nicht mehr so stark wie in den letzten Wochen, auch der Wegerich entlässt seine ersten Pollen in die Lüfte. Beifuß und Ambrosia sind noch in der Ruhephase.

Magen-Darm-Infektionen durch Bakterien sind in den Sommermonaten gehäuft. An erster Stelle stehen hier Infektionen mit Campylobacter jejuni. Dieser Erreger kommt bei Wild- und Nutztieren (Rinder, Schweine, Geflügel) vor und wird meist über Nahrungsmittel übertragen: Hühnerfleisch, Rohmilch, gelegentlich auch kontaminiertes Trinkwasser. In der Osterwoche erkrankten in Baden-Württemberg 39 Personen, in der vergangenen Woche waren es bereits 218. Besonders betroffen war der Ortenaukreis mit 24 Fällen. Trotz allem liegen die Zahlen noch um ein Drittel niedriger als im letzten Jahr. Betroffen sind oftmals Kleinkinder, die mit Durchfall (teilweise blutig), krampfartigen Bauchschmerzen und Fieber (bis 40 Grad) erkranken. Eine ärztliche Untersuchung ist wichtig. Eine Therapie ist nur selten erforderlich.

Rohes Ei auf der Tischplatte. Ein Risiko für die Aufnahme von Salmonellen. Quelle: pixabay, stevepb

Die Symptome der Campylobacter-Infektion ähneln denen der Salmonellose. Letztere kommt seltener (29 Erkrankungen in der letzten Woche) vor, verläuft aber in aller Regel heftiger und länger. Die Ansteckung geht meist über Speisen mit rohen oder nicht ausreichend gekochten Eiern. Da inzwischen für einige Geflügel eine Impfpflicht gegen Salmonellen besteht, ist das Risiko heute deutlich geringer als früher.

Viele Kleinkinder erkranken zur Zeit an Schnupfen, einige mit Fieber. Sofort steht die Frage im Raum: Ist das eine Coronainfektion? Zuallermeist nein. Seit 2 Wochen haben Kinder im Regelbetrieb von Kita und Grundschule die Gelegenheit Erreger auszutauschen. Wir Ärzte und auch die Gesundheitsbehörden testen häufiger. Dadurch versuchen wir besser zu verstehen, was „normale“ Infekte sind und was eine COVID-19-Infektion ist. Übrigens, auch leichte „normale“ Infekte werden zu mindestens 10% durch Coronaviren ausgelöst. Diese harmloseren Varianten des Virus kommen schon seit Jahrzehnten bei uns vor und ihre Infektionen verlaufen fast immer schwach. Bei den Testungen schauen wir deswegen nur nach SARS-CoV-2, dem neuen Coronavirus.

Wenn Sie als Eltern Erfahrungen in dieser Hinsicht gemacht haben, schreiben Sie gerne einen Kommentar oder eine Anfrage. Wichtig ist immer, wie Sie im Alltag von Kita und Schule die Situation für sich und Ihre Kinder einschätzen.

Was geht in der Welt rum? Viele Länder sind für uns Deutsche durch die Reisewarnung kaum erreichbar. Weit weg und dennoch erreichbar ist La Réunion, eine Insel im Indischen Ozean bei Madagaskar. Diese Insel ist französisches Staatsgebiet und damit Teil der Europäischen Union. Dort gib es gerade einen Ausbruch des Dengue-Fiebers mit 14.900 Erkrankungen und 13 Todesfällen. Wichtigste Maßnahme: Guter Mückenschutz.

Ich wünsche Ihnen ein sommerlich warmes Wochenende zum Entspannen mit Ihrer Familie.

Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff

Was geht rum? 20. Juni 2020

Es sieht so aus, als käme der Sommer langsam zurück. Neben geselligen Grillabenden oder ersten Besuchen im Freibad werden die Zecken und die Pollen nochmal spürbar aktiv werden.

Apropos Grillen. Feuer übt eine enorme Faszination auf Kinder aus. Das bedeutet, dass ihr Risiko sich zu verbrennen jetzt deutlich ansteigt. Unser Beitrag im praxisblättle zum Thema Verbrennungen zeigt nochmals auf, wie Sie sich darauf vorbereiten können.

Langsam zeigen sich wieder mehr Infektionen bei Kindern. Nach der langen Abschottung von Kindern aus Kindergärten und Schulen verwundert es nicht, dass sich mit den ersten Freiheiten erhöhte Infektions-Zahlen zeigen. Das betrifft besonders stark ansteckende Erkrankungen wie das Drei-Tage-Fieber, das oft schon im Säuglingsalter auftritt und mit hohem Fieber über 3 Tage (2-4 Tage) und einem typischen Ausschlag einhergeht. Die Häufigkeit der Kinderkrankheiten bewegt sich – noch ? – unverändert auf dem Niveau der letzten Wochen.

Die COVID-19-Kinder-Studie des Landes Baden-Württemberg erbrachte nur wenig Erkenntnisgewinn. Getestet wurden 2500 Kinder im Alter von 1 bis 10 Jahren mit jeweils einem Elternteil. Dabei wurde nur 1 Kind-Eltern-Paar positiv (mit Rachenabstrich) getestet. Im Blutest fanden sich bei 45 Erwachsenen und 19 Kindern Antikörper gegen SARS-CoV-2, das Corona-Virus. Kinder zeigten in der Summe also weniger Reaktionen als Erwachsene. Zur Studie hatten sich Kinder und Eltern sich selbst gemeldet. Sie waren also nicht zufällig ausgewählt worden. Das alleine schränkt die Aussagekraft bei so niedrigen Zahlen schon deutlich ein. Tendenziell darf man aber vermuten, dass sich Kinder weniger anstecken als Erwachsene. Zumindest liefert die Studie keine Argumente die Kitas und Grundschulen (mit Notbetreuung) länger geschlossen zu halten. Das hat die Regierung um Ministerpräsident Kretschmann genauso gesehen. Ende des Monats kehrt das Ländle zum Regelbetrieb in Kindergärten und Grundschulen zurück.

Ziege Quelle: pixabay, Doris Metternich

Die Zecken sind im Moment wieder sehr aktiv. Das zeigt sich auch an den Fallzahlen für die FSME (Früh-Sommer-Meningo-Encephalitis), einer Virus-bedingten neurologischen Infektion nach Übertragung durch die kleinen Spinnentiere. So hat sich die Zahl in Baden-Württemberg sprunghaft um 12 Neuerkrankungen in der letzten Woche auf insgesamt 57 für das Jahr 2020 erhöht.

Aus Frankreich werden 37 FSME-Neuerkrankungen nach Genuss von Ziegenmilch und Rohmilchkäse der Firma ,,GAEC des Chevrettes du Vieux Valey‘‘ in Condamine berichtet. Die Zecke am eigenen Körper zu suchen und zu finden reicht also alleine nicht aus, um sich zu schützen. Die Bedeutung der FSME-Impfung wird deswegen immer größer.

Was geht in der Welt rum? Erneut befällt das Dengue-Fieber Menschen in verschiedenen Ländern rund um den Äquator. In Singapur sind es in diesem Jahr 10.995 Menschen, in Thailand sind es 10.940,  in Sri Lanka gar 20.870, die erkrankten. Etwa jeder Tausendste verstirbt an dieser durch Mücken übertragenen, grippeähnlichen Infektionskrankheit. Eine Impfung gibt es bislang nicht. Vorbeugend hilft Mückenschutz vor den tagaktiven Überträger-Mücken.

Denken Sie schon an einen Urlaub in Europa? Dann finden Sie auf dieser Informationsseite der Europäischen Union weitere Hinweise unter welchen Bedingungen sie in ein bestimmtes Land in Europa einreisen können.

Ich wünsche Ihnen ein entspanntes und sonniges Wochenende. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff

Was geht rum? 30. Mai 2020

Für Kinder könnte vieles so toll sein. Im Rahmen der Pandemie ging die Zahl der üblichen Virusinfekte massiv zurück. Hinzu kam auch eine größere Sicherheit im Verkehr mit deutlichem Rückgang der tödlichen Unfälle (für März: minus 23%). Für den Alltag der Kinder hat sich bis heute nur wenig verbessert. Sie müssen noch einen weiteren Monat warten, bis sie ohne Einschränkungen mit Freunden spielen können wie es ihnen gefällt.

Auch wenn die Temperaturen in Baden-Württemberg morgens in dieser Woche zumeist einstellig waren, dürfen wir uns nicht täuschen lassen: Die Sonne tagsüber hat enorme Kraft und ist ebenso stark wie im Juli. Es ist gut, an den Sonnenschutz der Kinder zu denken. Was ist wichtig?

  • Etwa 80% der lebenslangen UV-Bestrahlung der Haut findet im Kindes- und Jugendlichenalter statt. Wer seine Kinder gut schützt verhindert also Folgeerkrankungen (z.B. Hautkrebs) so effektiv wie es nie wieder möglich ist.
  • UV-Strahlung erzeugt keine Wärme.Wir spüren also nicht, wenn unsere Haut leidet. Spürbar ist erst der Sonnenbrand. Aber dann ist’s bereits zu spät.
  • Schatten ist der beste Sonnenschutz für Kinder. Und nebenbei ohne Nebenwirkungen oder Kosten
  • Die stärkste UV-Strahlung besteht um die Mittagszeit. Dann sollten Kinder eher im Haus eine kleine Pause einlegen. 

Weitere detaillierte Hinweise finden Sie in einem früheren Beitrag des praxisblättle. Gute Sonnenschutzmittel sind heute auch in Discountern zu finden, wobei in unseren Breiten ein Schutzfaktor von 30 ausreichend ist. Und besser als jede Creme bleibt der Schatten.

Der Gräserpollenflug geht wie vermutet weiter. In den meisten Jahren geht er erst Ende Juni langsam zurück. Neben den Dauermedikamenten sollten die Notfallmedikamente bereit gehalten werden. Bei neu auftretenden Symptomen, wenn beispielsweise zum Heuschnupfen Husten hinzutritt, sollte zeitnah eine ärztliche Untersuchung erfolgen. Allergien können mit der Zeit besser werden. Leider aber können sie sich auch verschlechtern und andere Notfallmedikamente erfordern.

Wo Kinder gerade selten von Infektionen heimgesucht werden, besteht eine gute Gelegenheit, sie gegen andere üble Erreger zu impfen. Eine große Untersuchung der Cochrane Library hat Daten zur Impfung gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken veröffentlicht. Dabei wurde zunächst in 51 Studien mit zusammen etwa 10 Millionen Kindern die Wirksamkeit geprüft. Es zeigte sich, dass bereits nach der ersten Impfung (empfohlen werden zwei) gegen Masern und Windpocken ein Schutz von 95% aller Geimpften vorliegt. Bei Mumps ist die Rate nach der ersten von zwei Impfungen lediglich bei 72%.

In Bezug auf die Nebenwirkungen wurden viele Studien mit zusammen 13 Millionen Kindern ausgewertet. Nochmals konnte ein Zusammenhang mit Autismus klar ausgeschlossen werden. Aber auch in Bezug auf Hirnhautentzündungen, Entwicklungsstörungen oder Leukämie zeigten sich keine Hinweise. Die Impfungen gegen Masern-Mumps-Röteln (MMR) und Masern-Mumps-Röteln-Windpocken (MMR-V) sind also sehr effektiv und sicher.

Wie steht es um die schweren Verläufe von Corona-Virus-Infektionen? Das zeigt die oben stehende Graphik. Seit 3 Wochen nur noch wenige stationäre Aufnahmen in deutschen Kinderkliniken. Und, vielleicht noch wichtiger, keines der Kinder und Jugendlichen musste auf die Intensivstation verlegt werden. War’s das? Wir wissen es nicht. Vorsicht ist weiter angesagt. Ganz besonders der Abstand gegenüber fremden Menschen.

Ach so, ob Infekte rumgehen? So gut wie gar nicht. Vieles ist schwierig. Aber Eltern und Kinder können diese Tage fast ohne Infekte genießen. Da kommen manchem nur die Pollen in den Weg. Aber auch da gibt es für die meisten gute Möglichkeiten, auszuweichen. So ist die Pollenbelastung in den Bergen im Moment nicht gar so stark.

Was geht in der Welt rum? Weiterhin sind die Infektionen mit dem Dengue-Virus besonders bedeutsam. Sie kommen in Asien, Afrika und Lateinamerika vor. Besonders beunruhigend ist, dass trotz einer großen Impfkampagne in Pakistan 49 Personen in diesem Jahr wieder an Polio (Poliomyelitis-Wildvirus) erkrankt sind.

Welches Thema wird am Montag im praxisblättle behandelt? Diesmal geht es nicht um das Corona-Virus, sondern um die Zecke. Genauer, um eine weitgehend unbekannte und elegante Methode, Zecken zu entfernen.

Ich wünsche Ihnen ein entspanntes und sommerliches Pfingsten, Zeit zum Genießen der Natur und Picknicken mit Ihren Kindern. Bleiben wir hoffnungsvoll, dass auch alle Viren sich entspannen und wir wieder enger zusammenrücken dürfen.  Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff

Was geht rum? 09. Mai 2020

Heute lesen Sie ein fast Corona-freies praxisblättle. Was es Neues zum Thema Coronavirus gibt, erfahren Sie morgen im „EXTRA-blättle Corona“. Dort habe Ihnen 6 Themen zu verschiedenen Fragen vorbereitet.

Mit dem Regen der letzten Woche hat sich die Natur wieder etwas erholt. Die Pflanzen haben  einen neuen Wachstumsreiz bekommen, der auch die Pollenzahl wieder nach oben schnellen ließ.

Gräserpollenflug am Bodensee Quelle: www.pollenundallergie.ch

Inzwischen kam auch die Wärme hinzu. Der Gräserpollenflug ist im vollen Gange. Für alle allergischen Kinder und Jugendlichen gibt es einige Möglichkeiten, die Pollen-Belastung im Alltag gering zu halten:

  • Bei starkem Pollenflug die Fenster geschlossen halten. Das gilt besonders am Morgen (05:00 Uhr bis 09:00 Uhr) und am Abend. Nachts gibt es so gut wie keinen Pollenflug (ab etwa 21:00 Uhr), da können die Fenster problemlos offen bleiben.
  • Jeder Mensch ist tagsüber draußen Pollen ausgesetzt. Die lassen sich auf der Haut und den Haaren nieder. Abendliches Duschen (am besten mit Waschen der Haare) ist sehr wirkungsvoll, um nahezu pollenfrei ins Bett zu steigen. Wenn Sie das jeden Abend machen, bleibt das Bett von Pollen verschont.
  • Damit die frisch gewaschene Bettwäsche frei von Pollen bleibt, dürfen Betttücher nur im Trockner oder im Keller getrocknet werden. An der frischen Luft nehmen sie erhebliche Mengen an Pollen auf, die nachts den Weg in Nase und Bronchien der Schlafenden finden. 
  • Je schneller die Bewegung an der frischen Luft, umso mehr Pollen geraten ins Gesicht (und damit an die Nase und in die Bronchien). Fahrten im Auto mit geöffneten Fenstern oder gar mit Kindern als Beifahrer auf dem Motorrad oder dem Scooter sind für allergische Kinder und Jugendliche ungünstig. Klimaanlage (am besten mit Pollenfilter) im Auto anschalten.
  • Eine komplett freie Nasenatmung kann oft nicht erreicht werden. Wenn die Nase aber nachts „zu“ ist, sollte mit dem Kinder- und Jugendarzt geklärt werden, welche Medikamente vielleicht doch – wenn auch nur etwas – helfen könnten. Offener Mund heißt: Die Atemluft wird nicht mehr gefiltert und so gelangen Pollen auf direktem Wege in die Bronchien. Das kann den Weg für Asthma ebnen.
  • Und: Natürlich wird das Spiel auf einer Wiese mit vermehrten Beschwerden bestraft. Das ist schrecklich, aber das ist nun mal eine Allergie und diese Krankheit achtet nicht auf die psychische Befindlichkeit. Deswegen sollte das Rasen mähen zuhause nicht den allergischen Kindern aufgetragen werden.

Seit Wochen gibt es eine große gute Nachricht: Nahezu keine weiteren Infektionen. Noch sind die Kinder und Jugendlichen im Ländle kaum von Infektionen – außer der C-Infektion – betroffen. Weiterhin gibt es Windpocken, aber weniger als die Hälfte der üblichen Belastung. Mumps kommt eher gehäuft vor, aber in der letzten Woche kam nur eine Neuerkrankung hinzu.

Dengue-Fieber. Verteilung im Jahre 2006. Quelle Percherie / CC BY-SA http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/

Was geht in der Welt rum? Während bei uns über das Corona-Virus diskutiert wird, setzt eine andere Virusinfektion ihren Weg um den Globus fort. Die Rede ist vom Dengue-Fieber, das schon mehrfach an dieser Stelle genannt wurde. Weltweit sind die Hälfte der Menschen von ihm bedroht, weil sie in einem Endemiegebiet leben. Im Unterschied zum Coronavirus ist das Dengue-Virus bezüglich Temperaturen anspruchsvoller. Trotzdem erkranken etwa 100 Millionen Menschen jährlich daran, 22.000 versterben. Nun hat das Dengue-Fieber Argentinien mit etwa 43.500 Verdachtsfällen und bislang 21 Toten erreicht. Das kleinere Nachbarland Paraguay berichtet gar von über 215.000 Erkrankungen. Eine Impfung gegen Dengue ist dringend nötig, weil aber alle bisherigen Versuche scheiterten, gibt es keine. Es ist nicht oft nicht so einfach, eine gute und verträgliche Impfung zu entwickeln.

Genießen Sie das sommerlich warme Wochenende in der Natur. Oder auf dem Spielplatz. Mit Anstand und Abstand. Un bleiben Sie zuversichtlich. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff

 

Was geht rum? 04. April 2020

Informationen fliegen uns zur Zeit nur so um die Ohren. Ob von Politikern, Virologen oder den Anhängern von Verschwörungstheorien. Es ist an uns, uns selbst ein Bild zu machen. Damit kann das praxisblättle wieder zu seinen Wurzeln zurückkehren. Und zwar wollen wir uns wieder vermehrt um die anderen Krankheiten Ihrer Kinder kümmern, die von Corona leider nicht ganz vertrieben wurden.

Um also anderen Themen wieder Platz zu geben, haben wir Ihnen hier einige wichtige Links eingestellt, damit Sie sich selbst aktuell über den Stand der COVID-19 informieren können:

Ja, dabei wollen wir es für diese Woche mal mit COVID-19 belassen. Da fällt mir noch der unvergessene Karl Valentin ein: „Es ist zwar schon alles gesagtnur noch nicht von jedem!“

Der Frühling nimmt an diesem Wochenende einen erneuten Anlauf mit warmen Temperaturen. Damit ist der Weg frei für die Birkenpollen. Allergische Kinder und Jugendliche (oder besser gesagt Sie als Eltern) sollten wichtige Medikamente vorhalten. Das gilt besonders für die, die mit einer Atemnot rechnen müssen: Kurz mal im Medikamentenschrank zuhause nachsehen, ob also ein Notfallspray (beispielsweise Salbutamol) dort zu finden ist. Abgelaufen? Leer? Alles im grünen Bereich? Dann kann der Frühling ja mal starten.

Es ist klar, dass noch viele andere Erkrankungen rumgehen: Durchfall, einfache Erkältungen, oder auch Mittelohrentzündungen. Aber hinter der Heimtücke und der Tödlichkeit des neuen Coronavirus stehen sie, glücklicherweise, alle zurück. Was gestern noch schlimm schien, ist heute harmlos. Zumindest langfristig. Auch wenn für Kinder auch solche Infekte wirklich belastend sein können.

Es gibt auch gute Nachrichten. Die Rotaviren, von denen Kinder gerne im Frühjahr heimgesucht werden, halten sich in diesem Jahr zurück. Die Zahl der Fälle ist verglichen mit 2019 halb so groß. Letzte Woche wurden gerade mal 7 Neuerkrankungen landesweit festgestellt, wo es sonst weit über 50 pro Woche sind. Auch die Kinderkrankheiten wie Keuchhusten halten sich zurück. Von den 25 Fällen an Keuchhusten traten allein 5 in Freiburg auf. Hoffen wir mal,dass dies die Realität abbildet und nicht die fehlende Meldefreudigkeit in Zeiten von ….. Corona.

Was geht in der Welt rum? In vielen tropischen Ländern ist das Dengue-Fieber wieder sehr verbreitet. So zum Beispiel in Singapur, wo sich 4776 Personen in diesem Jahr bereits angesteckt haben. Damit haben im Stadtstaat in den letzten Jahren die Erkrankungen mit Dengue ständig zugenommen. In diesem Jahr sind es gar doppelt so viele wie im letzten Jahr.

Cerealien. Aus verschiedenen Getreiden hergestellt. Foto: pixabay, congerdesign

Den Deutschen ist ein gutes Frühstück wichtig. Dabei spielen die Cerealien („Müesli“) eine wichtige Rolle. Weil sie auf gerösteten Getreiden beruhen erscheinen sie vielen als „gesund“. Und die Milch dazu hat den gleichen Ruf. Die Kritik der Kinder- und Jugendärzte am viel zu hohen Zuckergehalt ist trotz angeblicher Maßnahmen der Nahrungsmittelindustrie noch immer richtig. Das zeigt nochmals eine Studie der AOK,die zum Schluss kommt, dass 99% aller Kindercerealien überzuckert sind. Bis zu 43 Gramm Zucker auf 100 Gramm Cerealien – das kann’s wirklich nicht sein.

So kurz vor Ostern steht die Schokolade in Form von Hasen immer ganz oben bei den Wünschen in Deutschland. In diesem Jahr scheint es ein bisschen anders zu sein. Lindt & Sprüngli verkauft zwar weiterhin die berühmten Goldhasen. Sie sind aber spürbar weniger gefragt als: Toilettenpapier.

Ich wünsche Ihnen einen erfrischenden Frühlingsanfang. Blauer Himmel, klare Luft und frisches Grün in der Natur tun unserer Seele gut. Danach dürfte der Start in die kommende Woche etwas einfacher sein. Auch wenn uns die Viren weiter zusetzen. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff

Was geht rum? 15. Februar 2020

Nun sind wir in der Grippewelle angekommen. Für die meisten Familien kein Grund zu echter Sorge. Es kann alle treffen, die Geimpften halt weniger als die nicht Geimpften. Dennoch möchte jeder vermeiden krank zu werden. In den nächsten Tagen sollten wir vielleicht vom Ritual des Händeschüttelns Abstand nehmen. Und wir können die Hände immer wieder mal desinfizieren – sie stehen im Zentrum der Übertragung – und gleich auch die Türgriffe. Das alles wird helfen, obwohl wir uns die Grippe trotz allem einfangen können.

So ganz ohne Infekte wird’s in diesem Winter nicht abgehen. Es gibt noch viele andere Viren, die unser Immunsystem auf Trab halten können. Unsere Kinder begegnen in Kindergarten und Schule einer bunten Vielfalt von Viren und anderen Erregern. Da kann das eigene Immunsystem vor dem einen oder anderen Virus mal kurz in die Knie gehen, was meist nur einen Schnupfen zur Folge hat. Wichtiger ist, dass unser Körper daraus lernen und weitere Abwehrkräfte in seiner Schatztruhe lagern wird. Und das Schöne ist: Beim nächsten Infekt muss nicht lange in der Truhe gesucht werden: Unser Körper hat ruck-zuck seine Abwehrmaßnahmen parat und kann sich wehren. Also keine Angst: ein Schnupfen zeigt auch an, dass unser Immunsystem fit ist.

Die Magen-Darm-Infektionen kommen im Moment eher selten vor. Das liegt an den Rotaviren, die sich im Moment im Ruhemodus befinden, einzelne Ausbrüche von Noroviren in Kindertagesstätten (oder Seniorenheimen) spielen da kaum eine Rolle. Noch liegen die gemeldeten Erkrankungen mit Rotaviren niedrig. In der letzten Woche waren es in Baden-Württemberg gerade einmal 16 Betroffene. In den nächsten Wochen wird sich das ändern. Dann werden die Rotaviren deutlich zulegen. Aus diesem Grund haben wir in zehn Tagen einen Beitrag im praxisblättle vorbereitet.

Noch sind es also die Infektionen der Atemwege, die das Feld beherrschen. In erster Linie Schnupfen und Halsschmerzen (Rhinopharyngitis). Daneben aber auch Bronchitis (oft durch das RS-Virus) und Bronchopneumonie (Lungenentzündung). Auffällig häufig sind Mittelohrentzündungen.

Aus dem Ortenaukreis wurden in der letzten Woche 9 Masernfälle gemeldet. Im gesamten Ländle kamen zwei weitere hinzu. Im Rhein-Neckarkreis sind es die Windpocken, die rumgehen.

Was geht in der Welt rum? Mit dem DengueFieber kann man eine Weltreise erleben. Hier im praxisblättle ist es fast monatlich Thema. Und jedes Mal in einem anderen Land. Momentan verbreitet es sich in Mexiko (6.100 Erkrankungen in diesem Jahr), in Paraguay (35.800 Erkrankungen in diesem Jahr) und Guadeloupe in der Karibik (über 1000 Erkrankungen in diesem Jahr). Insektenschutz besonders tagsüber ist die beste Maßnahme um sich zu schützen.

Grotesk aber wahr. Manche Firmen investieren inzwischen in Babys wie hier zu lesen ist. In den Vereinigten Arabischen Emiraten ist in den vergangenen knapp 60 Jahren die Geburtenrate von 6.9 Kindern pro Frau auf 1.4 Kinder (2017) zurückgegangen. Hier will die Regierung gegensteuern und bietet bis zu 3 In-vitro-Fertilisationen kostenlos an. In der Wirtschaft rechnet man damit, dass dieser Sektor damit ein Wachstumspotential von jährlich 15 Prozent haben dürfte. Das lockt das große Geld an, an dieser Entwicklung teilzuhaben. Ob das ganze erfolgreich sein wird? Vieles spricht dagegen. Kinderwunsch bleibt ein Wunsch zwischen zweien.

Was geht rum? 14. Dezember 2019

Auch vor dem dritten Advent ist es ruhig in Baden-Württemberg: kaum Infekte. Trotz – oder sogar wegen? – der Kälte. Viele Leute gehen in die Städte, shoppen in den Läden und besuchen die Weihnachtsmärkte. Und mit ihnen viele Kinder. Das Wetter macht die Füße kalt. Aber Infekte lösen sie dennoch nicht aus.

„Konsultationsindex“ für Baden-Württemberg bis zur 49. Kalenderwoche. Er zeigt, wie viele Personen wegen akuter respiratorischer Erkrankungen (ARE) eine Praxis aufgesucht haben. Foto: RKI

Das zeigt auch die Statistik des Robert-Koch-Instituts für Anfang Dezember. Der sogenannte Konsultationsindex gibt an, wie viele Menschen (bezogen auf 100.000 Einwohner) in der jeweiligen Woche wegen eines Infektes der Atemwege (akute respiratorische Erkrankung – ARE) eine Praxis aufgesucht haben. Die braune Kurve zeigt die Zahlen des letzten Winters, die rote die des jetzigen Winters. Die hellgrüne gibt die Zahl der Infekte der Säuglinge und Kleinkinder (z.B. Kindergarten) wieder. Während alle Kurven unaufgeregt parallel zur braunen verlaufen, zeigt die dunkelgrüne leicht nach oben: relativ viele Schulkinder (5-14 Jahre) sind also zuletzt erkrankt.

Einzelne Grippeerkrankungen (Influenza) gibt es auch. Aber im Ländle und in ganz Deutschland ist keine Grippewelle in Sicht. Freuen wir uns auf Weihnachten. Es sieht danach aus, dass Freude nur selten durch Infekte gestört wird.

Was geht in der Welt rum? In Äthiopien sind die Region Afar und die Stadt Dire Dawa von Krankheiten betroffen, die dort längere Zeit nicht mehr aufgetreten waren: Dengue-Fieber mit 1195 Fällen seit September sowie Chikungunya mit 54.740 Erkrankungen seit September. In beiden Fällen hilft vorbeugend konsequenter Mückenschutz.

Was geht rum? 30. November 2019

Erster Advent. Vor lauter Lichterketten, süßen Liedern aus Lautsprecherboxen und dem Black Friday ist vielen nicht mehr so ganz klar, worum es in den kommenden Wochen eigentlich geht. Medial reduziert sich vieles darauf zu kaufen (Hauptmotivation für Verkäufer aller Art) und zu schenken. Aber wem soll ich schenken? Und was? Und was schenkt die/der andere mir – reicht da mein Geschenk überhaupt aus? Und, wie schenken Eltern? Wohlstand kann so anstrengend sein.

Kürzlich hat sich der Wiener Psychotherapeut Hans-Otto Thomashoff zu Wort gemeldet. Für ihn scheint übertriebenes Verwöhnen oder Schenken oft weniger dem Glück der Kinder als der Selbstinszenierung der Eltern zu dienen. Oftmals hätten sie auch wenig Zeit für ihren Nachwuchs. Damit sei die Grundlage für ein schlechtes Gewissen gelegt. Die Eltern fühlten sich im Übrigen oftmals in einer Konkurrenzsituation mit anderen Eltern im Kindergarten oder der Schule: „Alle wollen die besseren Eltern für die perfekten Vorzeigekinder sein“, meint Thomashoff. Das zu erkennen und in den nächsten Wochen umzusetzen dürfte wohl schwierig sein. Aber wir können ja mit kleinen Schritten anfangen, oder?

Bei den Infektionen halten sich weiter die Atemwegsinfekte auf Platz eins. Dabei steht eine lästige Infektion mit Heiserkeit im Vordergrund, die man medizinisch als Laryngitis bezeichnet. Lästig ist sie besonders dadurch, dass sie nahezu zwei Wochen andauert. Angenehm ist hingegen, dass die Zahl der Infekte weiterhin eher gering ist.

Die Region um Ravensburg war in der letzten Woche führend bei den Kinderkrankheiten im Ländle. Etwa 20% aller Erkrankungen an Keuchhusten (7 von 44 Fällen) und Windpocken (19 von 101 Fällen) traten hier auf.

Was geht in der Welt rum? Wieder ist es das Dengue-Fieber, das die Schlagzeilen bestimmt. Zwei Urlaubsdestinationen deutscher Reisender sind besonders betroffen: Dominikanische Republik mit mehr als 16.000 Erkrankungen (34 Todesfälle) und Vietnam mit sogar über 240.000 Erkrankungen (50 Todesfällen). Es existiert keine empfehlenswerte Impfung. Somit bleibt der Mückenschutz die wichtigste vorbeugende Maßnahme.

Was geht rum? 23. November 2019

Kühle Tage im Herbst. Nebel, Hochnebel. Tagelang ist der Himmel trübe. Das sind die Zeiten, in den der Kachelofen geheizt wird und – je nach verwendetem Brennmaterial – mehr oder weniger dicke Schwaden den Kamin verlassen. Sie ziehen in Folge der Nebel schlecht ab und belasten die Atemwege nicht nur von Kindern und Jugendlichen. Asthma und Krupphusten sind häufige Folgen.

Im Moment erkranken Kinder in Baden-Württemberg an verschiedenen Atemwegsinfekten. Unter ihnen fällt die weiter zunehmende Häufigkeit an Krupphusten (auch Infektkrupp, Pseudokrupp und manchmal verkürzt Krupp genannt) auf sowie gehäufte – und auch schwere – Lungenentzündungen. Letztere betreffen mehr Schul- als Kleinkinder.

Um den Husten zu mildern, sollte die Raumluft in den Häusern durch Stoßlüften frisch gehalten werden: Fenster für wenige Minuten öffnen, jedoch kein Kippen der Fenster. Bei einer Zimmertemperatur von 20-22 Grad Celsius ist es zum einen warm genug in der Wohnung und zum anderen ist die Luft nicht gar so trocken. Alle hustenden Menschen spüren, dass kältere und damit feuchtere Luft angenehmer ist als wärmere. Weniger zu heizen ist also meist besser.

Die Magen-Darm-Erkrankungen sind naturgemäß seltener in diesen Herbsttagen, aber nicht ganz zu unterschätzen. Die Noroviren betreffen weiterhin einige Kindergärten. Sogar die Rotaviren, die eigentlich eher wenig aktiv sein sollten, haben in einem Kindergarten in Baden-Württemberg 28 Personen betroffen. Die bakteriellen Erkrankungen mit Salmonellen und Campylobacter hingegen liegen in der Häufigkeit im Jahresmittel. Insgesamt kein Anlass für Sorgen bei den Eltern. Die Möglichkeiten sich der viralen Erreger (Noro- und Rotaviren) zu erwehren sind leider begrenzt.

Was geht in der Welt rum? das Dengue-Fieber hat in den letzten Jahrzehnten die ganze Welt erobert. Trotzdem findet es kaum Erwähnung, wenn es um Reisen nach Afrika geht. Zu sehr stehen hier schwerwiegenderen Krankheiten wie Malaria und Schistosomiasis im Vordergrund. Die aktuellen Meldungen zeigen, dass Dengue durchaus auch in Afrika bedeutsam ist: In Burkina Faso sind in diesem Jahr 5530 Erkrankungen registriert worden (24 Todesfälle), auf der wenig besiedelten Insel La Réunion sind es gar 18.060 Erkrankungen im Jahre 2019 bei 14 gesicherten Sterbefällen. Mückenschutz ist weiterhin die einzig mögliche Maßnahme der Vorbeugung.

Was geht rum? 26. Oktober 2019

Immer wieder Magen-Darm-Infektionen. Sie treten übers ganze Jahr auf, mit verschieden starken Ausbrüchen an verschiedenen Orten durch unterschiedliche Erreger. Nachdem die Rotaviren – jahreszeitlich typische – eher selten auffallen, kam es bei den Noroviren zu Ausbrüchen in zwei Kindergärten von Baden-Württemberg. Diesem Erreger im Alltag auszuweichen ist fast unmöglich. Wenn ein Ausbruch aber bekannt ist, kann sofortige pingelige Hygiene seine weitere, immer rasche Ausbreitung verhindern.

Was die Atemwegserkrankungen betrifft, gibt es nur gutes zu vermelden. Über den Oktober traten nur wenige Erkrankungen auf. Bald ist jedoch November, und dann ändert sich das häufig. Gerade mit Krupphusten – der bereits in wenigen Fällen auftrat – muss dann vermehrt gerechnet werden.

Was geht in der Welt rum? Es ist wieder einmal das DengueFieber, das in vielen Ländern die Menschen plagt. Neben Urlaubsdestinationen wie der Dominikanischen Republik (11.300 Erkrankungen in diesem Jahr), den Marshallinseln (131 Erkrankungen) und den USA (9 Erkrankungen) sind besonders Bangladesch (über 93.000 Erkrankungen), Pakistan (30.000) und Nepal (9000) betroffen.